Kitabı oku: «ZU-GA-BE!»
Das Beste aus 50 Jahren
Vorträge für vielerlei Gelegenheiten
von
Willi Armbröster

Impressum
Redaktion: Marion Aßmann unter Mitwirkung von Lothar Vreden
Unter anderem haben weiterhin mitgearbeitet: Inge Armbröster, Reinhard Becker
Lektorat: Lothar Vreden
Herausgegeber: Kreis der Heimatfreunde Niederdollendorf e.V.
© Wilhelm Armbröster, Königswinter 2017
Professionelle Verwendung nur mit Genehmigung des Autors
Verlag ratio-books
Danziger Str. 30
53797 Lohmar
info@ratio-books.de (bevorzugt)
Tel.: (0 22 46) 94 92 61
Fax: (0 22 46) 94 92 24
www.ratio-books.de
eISBN 978-3-96136-056-7
Print-ISBN 978-3-944024-06-6
published by

Inhalt
Grußwort des Bürgermeisters
Vorwort von Lothar Vreden
Es tut sich was
En Entrittskaat
Der Wander-Riesling
Nahverkehr
Termin-Stress
Ne Vollzeit-Rentner
Et Handy
Bauernregeln aus dem Siebengebirge
Ne Ruheständler
Prophylaxe
Wer gerne lacht, lebt länger
Typisch Kölsch
Ein Loch im Programm
Der Literat
Einmal am Rhein …
Lehrer Welsch
Connections
Ne Büttredner im Stress
Fußball-Weisheiten
Ne Vereinsjeck
Ne Sesselsportler
Premierenpanne
Ne Camping-Einsteiger
Ne Traumtourist
Ne Strohwitwer
Ne Heimwerker
Ne Partylöwe
„Psst, der Papi dichtet“
Ne Tapezierer
Ne Märchentante
Kleiderfahne
Ne Hinterbänkler
De Blömchessänger
Musik und Technik
Mein Siebengebirge (Lied)
Ne Nassauer
Die Woosch
Dat ahle Pännche
Die Spitzmaus von Stube 3
Uns geht’s schlecht
Wahlzeit
Nikolaus-Ansprache
Et Krüppelchen
Dat ahle Krippche
Weitere bekannte Txpenreden
Grußwort des Bürgermeisters
Wie schön, et jitt jet Neues vom Willi! So oder so ähnlich werden sicherlich die Reaktionen unzähliger Armbrösterfans im Siebengebirge und darüber hinaus ausfallen. Wer wie ich das Vergnügen hatte, vier Jahrzehnte die karnevalistische Karriere dieses Vollblutredners als Genusszuhörer begleiten zu dürfen, freut sich auch auf die literarische Fortsetzung seines Schaffens.
Willi Armbröster wurde bereits von Altbürgermeister Günter Hank als „Botschafter der Stadt Königswinter“ geadelt, ein Titel, den sich Willi redlich verdient hatte. Er, der zu den großen seiner Zunft gehört, hat auch Königswinter immer wieder auf Kölner Augenhöhe – und manchmal darüber hinaus – gehoben.
Schön ist es, und dafür bin ich dankbar, dass Willi Armbröster so viel an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und der Region zurückgibt und gegeben hat. Ich denke hierbei an die vielen unentgeltlichen Auftritte bei Seniorensitzungen, oft im Gespann mit Hänschen Remig, einem weiteren karnevalistischen Urgestein aus unserer Stadt.
Freuen wir uns also auf Anekdoten, Rückblicke und auch persönliche Begegnungen mit „unserem“ Willi.
Peter Wirtz
Bürgermeister der Stadt Königswinter
Vorwort
von Lothar Vreden
„Bekannt wie ein bunter Hund“ ist im Rheinland durchaus ein besonderes Kompliment. Und bekannt und beliebt ist „uns‘ Willi“, der Karnevalist und Entertainer vom Siebengebirge, durch seine Auftritte, durch Rundfunk und Fernsehen seit 50 Jahren. Mit über 80 Jahren legt er nun in einem vierten Band die besten seiner selbstgereimten klassischen Typenreden vor, die er in seiner „Laufbahn“ meistens auswendig vorgetragen hat.
Die Ideen für seine Reden hat Willi Armbröster seiner guten Beobachtungsgabe und seiner großen Kontaktfreudigkeit zu verdanken. Hinzu kommt die Verwurzelung in seiner Heimat am Rhein, u.a. durch die Mitgliedschaft bei den Bläserfreunden Niederdollendorf, in Gesangs-, Heimat- und Karnevalsvereinen, als Ritter vom Siebengebirge oder als Schauspieler bei der „Sproch- und Spelljrupp Niederdollendorf“.
Kraft und Rückhalt findet der Autor bei seiner Frau Inge. Sie gibt ihm Tipps, schneidert seine Kostüme und war auch schon Partnerin als Blömchessänger. Oft hat sie ihn auf seinen Fahrten zu den meist abendlichen Auftritten begleitet, was bei einem Haushalt mit vier Kindern gewiss nicht immer einfach war. Auch Heinz Meyer, lange Jahre Kapitän auf dem Rheinschiff Beethoven, hat sich immer wieder als Chauffeur betätigt.
Als Büttenredner hat Willi Armbröster viele Menschen zum Lachen gebracht, aber er war und ist nicht nur im Karneval unterwegs, sondern er sorgt auch mit seinen Vorträgen für Freude, gute Laune, Fröhlichkeit und Entspannung auf Familienfeiern und Vereinsveranstaltungen. Die Zuhörer spüren dann, dass da einer „aus dem wahren Leben“ schöpft, wenn er z.B. in der Figur eines Rentners, als Nassauer oder als Fußballfan die Stärken und Schwächen des Einzelnen treffend und manchmal genüsslich beschreibt, aber immer mit Feingefühl und Takt.
Dabei finde ich seine Sprache faszinierend: Obwohl er hier am Fuße des Siebengebirges mit der hiesigen Mundart aufgewachsen ist, wandert er in seinen Werken vom Hochdeutschen über „Hochdeutsch mit Knubbeln“ bis hin zur Mundart – uusem Platt – mit all den Facetten der Region. So gibt er dem Zuhörer bei seinen Veranstaltungen das Gefühl, angenommen und mitgenommen zu sein.
Und darauf können auch Sie sich verlassen, lieber Leser, beim Studieren oder Vortragen von Willi Armbrösters Bestem aus 50 Jahren.
Lothar Vreden
Ehrenvorsitzender des Heimatvereins Oberdollendorf und
Römlinghoven e.V.
Königswinter, im September 2017
Es tut sich was
Wenn sich die Schwalben leis verdrücken,
die Störche in den Süden jücken,
der Urlaubstraum ist ausgeträumt,
der Pützchens Maat ist abgeräumt,
wenn permanent nach Ladenschluss,
versammelt sich der Festausschuss,
die Tanzkorps machen Sonderschichten,
die Dichter fangen an zu dichten,
wenn Wagenbauer in den Hallen
zum Basteln sich zusammenballen,
verzweifelt suchen Literaten
bis weit hinein in die Karpaten,
die Agenturen abzuklopfen,
um Löcher im Programm zu stopfen,
die Kassenwarte disponieren,
sind pausenlos am Recherchieren:
„Wat koss dies Johr bei Schmitz & Co
der Doppelzentner Haribo?“,
im Radio hört man plötzlich wieder
Ostermann und Bläck-Fööß-Lieder,
et Trömmelchen klingt durch die Jass,
– dann tut sich was.
Kurz gesagt: Es ist soweit.
Auf in die fünfte Jahreszeit!
En Entrittskaat
En Entrittskaat, dat es en Kaat
mit unterschiedlichem Format.
Mal ist sie groß und manchmal klein,
und irgendwo kommt man mit rein.
Sei‘s Oper, Zirkus oder Zoo,
Theater oder anderswo,
bei keinem Karnevalsverein
kommst du heut ohne Karte rein.
Und je nachdem, wat die dann koss,
ist manchmal drinnen schwer wat loss.
Doch manchmal – kann ich mich entsinnen –
war draußen mehr gekoch als drinnen.
Wer su en Entrittskaat geordert,
ist auch verpflichtet und gefordert,
bei jedem Blödsinn mitzumachen,
mit zu schunkeln und zu lachen.
Lachen, wenn der Präsident
ne Witz verzällt, den jeder kennt,
lachen, wenn dann aus der Bütt
derselbe Witz noch eemol kütt,
lachen, kommt der Prinz dann an,
bringt ihn noch ens an de Mann.
Wenn dir so was Gutes widerfährt,
dann ist das schon die Eintrittskarte wert.
Der Wander-Riesling
(Vortrag zum Geburtstag mit Weinflasche)
Es gibt so manches auf der Welt,
was sich erstaunlich lange hält.
Doch irgendwann kommt mal die Stunde,
da geht et höösch de Berg erunder.
Heh jück dich jet, do deit jet wieh,
jet anderes funktioniert nit mieh,
de halve Daach söök mer de Brill,
und vieles klappp nit wie mer will.
So zeigt sich täglich überall
en Spur von Haltbarkeitsverfall.
Bei Nahrungsmittel und dergleichen
gibt’s irgendwo gewisse Zeichen.
Egal, ob Nudeln oder Butter,
Pralinen oder Hundefutter,
bei jedem nahrhaften Produkt
ist heut ein Datum eingedruckt,
und daraus kann der Kunde schließen:
Nur noch mit Vorsicht zu genießen!
Nun kennt man heut bei Mann und Frau
die Grenzen nicht mehr so genau.
Da hat man manchmal Zeitgenossen,
die sind mit 40 schon verschossen,
und andre wieder – so wie du –
gehen rüstig auf die (nächst. Jahrzehnt) zu,
und sind von Kopf bis an de Fööß
noch ausgesprochen muskulös.
Nun kriegt man ja an solchen Tagen
viel Zeug geschenkt und zugetragen,
und meistens ist dat immer wat,
wat man schon haufenweise hat.
So hab ich jedenfalls gedacht
und hab dir hier was mitgebracht.
Denn zu ´ner Flasche Moselwein
sagst du bestimmt nicht: Danke – nein!
Die hab ich mal vor vielen Wochen
von irgendwem geschenkt gekrochen.
Doch kurz nach der Begebenheit
geriet ich in Verlegenheit.
Et wor im Sommer – End Aujuss –
Namenstag beim Pütze Fuss;
Ladenschluss – Wochenend –
nit emool e klein Präsent – ? –
So ging der edle Rebensaft
frisch eingepackt auf Wanderschaft.
Jetzt steht der Fuss und auch sein Frau
viel mehr auf Kölsch und auf Schabau.
Acht Wochen stand der edle Trank
beim Pütze Fuss om Kücheschrank.
Da fiel ihm ein: Der Nebels Hein,
der ist ein Freund von Moselwein,
und den besuch ich morgen mal
im Sankt Johannes Hospital.
Dann nehm ich dem dat Fläschen mit,
der freut sich – und ich bin et quitt.
Der Hein – auf Zimmer 103 –
war nicht besonders gut dabei,
hat lächelnd den Erhalt quittiert
und sich dann nachts verdünnisiert.
Das heißt: Er kam nicht mehr in den Genuss
von dem Präsent vom Pütze Fuss.
Dann hat man ihn auf einer Bahre
im Rückwärtsgang erausjefahre,
und einsam stand der Kabinett
noch ungeöffnet hinterm Bett.
En Schwester hat – noch in der Nacht –
die Flasch in Sicherheit gebracht.
Kurz drauf war in dem Hospital
e Weihnachtsfest fürs Personal.
Da stand – mit Tannengrün verziert
und Nummer 80 numeriert –
dem Hein sein letztes Inventar
inmitten einer Tombola.
Der Assistenzarzt Doktor Rasch
zog Nummer 80 un kräät die Flasch,
ging stillvergnügt damit nach Haus,
packt sie am Heiligabend aus,
hat zwei bis dreimal dran genippt
und dann den Rest zurück gekippt.
Nachdem die Flasche neu verkorkt,
wurd sie jetzt sachgemäß entsorgt,
denn nunmehr ging die Flasch auf Tour
als „Neujährchen“ für die Müllabfuhr.
Dann wurde sie – ich muss gestehn –
en janze Zeit lang nicht gesehn
und tauchte erst drei Jahre drauf
beim Flohmarkt in der Rheinau auf.
Da stand sie da auf ´ner Kommod
als Super-Sonder-Angebot.
Ich hab se an dem schönen Band
und an dem Etikett erkannt.
Da dachte ich mir ganz spontan:
Die 50 Cent, die legste aan.
Dann hast du bei der nächsten Fete
e schön Präsent für wenig Knete.
Und nun mein Lieber (Name einsetzen) – sei so nett –
nimm diesen edlen Kabinett;
wenn du ihn trinkst, tu an mich denken,
– du kannst ihn aber auch verschenken.
Nahverkehr
Wie war das Reisen doch vordem
it Bus und Bahnen angenehm.
Da stieg man ein, setzt sich hin,
ann kam die kleine Schaffnerin,
und für ´nen geringen Preis
bekamst du deinen Fahrausweis.
Heut muss man sich da selbst drum kümmern,
suchen, wählen und benümmern,
hängst im Clinch mit Automaten
und mit ominösen Daten,
stehst mit einem Bein im Knast,
wenn du falsch gestempelt hast.
Am besten kaufst du ´ne Broschüre
für sieben EURO Schutzgebühre,
dann hast du ´ne Gebrauchsanweisung,
als ging es um en Erdumkreisung.
Da hat vom Jüngling bis zum Greis,
jeder seinen Fahrausweis.
Pütze Fuss und Meiers Kättchen,
jedem Frettchen sein Billettchen.
Zum Beispiel hier – auf Seite A,
Zonen-Index H – K.
Da findet man die gut durchdachte
Mehrfahrkarten-Streifenkarte.
Gibt’s in jedem Automat,
außer – So – und Himmelfahrt.
Von Ostern bis Maria Sief
gibt’s den Hausfrauentarif.
Von morgens neun bis 16 Uhr
bezahlen sie die Hälfte nur.
Frauen mit und ohne Kind
können, wenn sie wachsam sind,
in der Regel fleißig sparen
und auf Monatskarte fahren.
Kapitel 13 – Absatz C,
im Fahrverbund mit KVB,
in der Mehrpersonen-Sparte,
die Mini-Gruppen-Umwelt-Karte,
gilt für Oma, Katz und Kind
nur von Bonn bis Bocklemünd.
Dann gibt’s das Jobticket-Billett
im Internet von A bis Z,
für Butterfahrten nach Berlin
von montags bis Sankt Augustin.
Mit diesen exklusiven Daten
begibst du dich zum Automaten.
Dann wirfst du deinen Barbesitz
oben in den Einwurf-Schlitz.
Linke Seite hast du jetzt
das Linien-Zonen-Strecken-Netz.
Rechte Seite von dem Kasten
die Preis, Tarif- und Auswahltasten.
Jetzt brauchst du nur noch kombinieren
mit X hoch drei multiplizieren.
Das wäre dann die letzte Hürde – –,
wenn jetzt ´ne Karte kommen würde.
Wenn da jetzt grade einer steht,
er dir dann zeigt, wie das so geht,
dann hast du ausgesprochen Glück,
ansonsten kommt dein Geld zurück,
und oben links steht im Karree:
ICE ist jottwede.
Das heißt auf Deutsch: Nemm dinge Schrott,
geh wieder heim, der Zug is fott!
Termin-Stress
„Der Prinz hat Vorfahrt!“ Dies ist ein ungeschriebenes Gesetz und hat bei den übrigen Mitwirkenden einer Veranstaltung schon oft für Frust und Wartezeiten gesorgt.
So ein Prinz bringt oft sein Gefolge mit. Wie 1975 auf der Prunksitzung bei der KG Die Tönnisberger im Siegburger Schützenhaus. Diesmal standen dort das gesamte Festkomitee, ein großer Musikzug, das Tanzkorps und die komplette Mannschaft der jeweils roten, blauen oder schwarz-weißen Funken. Alleine für den Ein- und Ausmarsch rechnete man 20 Minuten, und dazu kamen 30 Minuten für die Präsentation, de Bützche und den Ordenstausch.
Ich hatte zum Glück beim Eintreffen des Prinzenpaares meinen Auftritt hinter mir und machte mich auf die Socken zum nächsten Event und kam nicht weit. Die Ausfahrt war mal wieder total blockiert von den Bussen und Mannschaftswagen der endlosen Siegburger Prinzen-Gefolgschaft. Was tun?
Der einzige Ausweg war eine breite, aber ziemlich flache Freitreppe, die auf einem Platz in einer Fußgängerzone endete. Kein Schutzmann in der Nähe ! Meine Frau Inge, die wie immer dabei war, protestierte zwar und stieg vorsichtshalber aus. „Wird schon gut gehen“, motivierte ich mich.
Mit angezogener Handbremse holperte ich mit unserm Käfer im ersten Gang die zehn Stufen schräg treppab in die unbekannte Freiheit. Meine Inge stieg wieder ein, und durch ein Gewirr aus Einbahnstraßen, Sackgassen und Baustellen hatten wir dann irgendwann, auch ohne Navigator, die Einflugschneise zur Autobahn nach Köln gefunden.
Ne Vollzeit-Rentner
(Schleppt volle Einkaufstüten)
Von draus – vom Aldi komm ich her,
beladen bis zum Gehtnichtmehr.
Mein Edelgard auf heißen Kohlen
hat mir befohlen einzuholen.
Ich bin dann auch gleich losgerannt,
und sowas nennt sich Ruhestand.
Doch mach ich erst mal ´nen Chek up,
ob ich auch nix vergessen hab.
Beim Bäcker war ich, – auf der Poss,
fragen, wat et Heizöl koss,
Lottozettel – alles klar –
Aldi – Stüssgen – Edeka,
Apothek und Drogerie,
so schnell wie heut, war ich noch nie.
Ich krieg demnächst dat Blaue Band,
als schnellster Rentner im Ruhestand.
Ihr seht et selbst – et tut mir Leid –
für lange Reden keine Zeit,
Drum hür ich op mit mingem Klaaf,
tschüss zesamme – Köllen – Alaaf ! ! !
(Verlässt eilig die Bühne – und kommt wieder zurück)
Naja – ´ne kleine Zugabe is noch drin.
Da hab ich praktisch 50 Jahr
geackert bis ich soweit war.
Saß bei der Firma Schmitz und Co
als kleines Würstchen im Büro
und glaubte immer an die Fabel,
Rente käme von „rentabel“,
käm von Rendite, von rentieren,
von regelmäßig abkassieren.
Inzwischen musste ich erkennen,
das Wörtchen Rentner kommt von „Rennen“.
Und so was nennt sich „Ruhestand“,
ich bin noch nie so viel gerannt.
Wie oftmals träumt ich im Büro,
wenn ich mal Rentner bin und so,
dann ist für mich ganz konsequent
an jedem Morgen Wochenend.
Ich lieg im Bett – bis neun, halb zehn,
lass andre nach de Arbeit gehn,
dann bringt auf silbernem Tablett
mein Frau et Frühstück mir ans Bett.
Dann liest se mir, ich bin ganz Ohr,
von A bis Z de Zeitung vor.
Dann steh ich auf und setz mich cool
ans Fenster in de Schaukelstuhl,
und zwei Stund später fang ich dann
ganz langsam mit dem Schaukeln an.
Um vier nehm’ ich mein Magendroppen,
sag Tschüss – und geh zum Dämmerschoppen.
So hat ich mir das vorgenommen –
bis heut ist das nicht vorgekommen.
Die Wirklichkeit sieht anders aus:
um sechs bin ich mem Hund eraus.
Punkt acht Uhr weck ich meine Frau,
sie nimmt dat immer sehr genau.
Dann bring auf silbernem Tablett
ich IHR et Frühstück an et Bett.
Dann les ich IHR – sie ist ganz Ohr –
von A bis Z die Zeitung vor.
Frag ich dann, wat se noch gern hätt,
dann kuckt sie immer ganz kokett,
und schon schnappt sie nach meiner Hand,
dann wird es mir ganz blümerant,
dann fliegt dat Plümo an de Wand –,
und sowas nennt sich Ruhestand!!
Als Rentner – so dachte ich – biste fein raus,
dann hab ich die Kinderchen all aus dem Haus,
dann hab ich Zeit, dann hab ich Ruh,
tu nur noch, was ich gerne tu.
Auch diesbezüglich merk ich jetzt,
hab ich mich schwer neben de Eimer jesetzt.
Kommt doch aus Jux und Dollerei
bei mir zu Hause mal vorbei.
Dann guckt ihr da mal in die Küch,
wat da all krabbelt, rennt und krüch.
Da turnt auf Tisch und Bänkelche
jetz en halbes Dutzend Enkelche,
und ich, als Chef der Krabbelstube,
mach da das Häschen in der Grube.
Ras ich dann wie ein ICE
auf Händ und Füßen im Karee,
such fieberhaft nach einem Nuckel,
zwei Fuzzemännchen auf dem Puckel,
dann brüllt der Rest, so laut er kann:
da tanzt ein Bibabutzemann.
Und während meine Edelgard
zwei Stündchen Mittagsschläfchen macht,
marschiere ich mit dem Verein
um Entenfüttern an den Rhein,
drei Enkelchen an jeder Hand –,
und sowas nennt sich Ruhestand.
Als Rentner, das war für mich immer klar,
verbring ich den Winter in Afrika.
Und was ich dann so spare an Heizung und Öl,
dafür kauf ich mir da ein gebrauchtes Kamel.
Dann mach ich damit en Safari,
en Spritztour durch die Kalahari.
Ich hat schon im Jumbo ´nen Platz reserviert,
doch hat das bis heute noch nicht funktioniert.
Heut stell ich fest – ganz unterm Strich,
mit Safari dat jit nix – und dat Kamel, dat bin ICH
Denn anstatt mit dem Jumbo von Köln nach Nairobi
lieg ich heut mit dem Fahrrad vom ALDI zum OBI.
Da findest du Sachen, die kauft man sich dann,
auch wenn man sie gar nicht gebrauchen kann.
Ich hab jetzt zu Hause – das musste begreifen –
einen Rasenmäher mit Winterreifen.
Ganz vollautomatisch kann ich den starten –
was wär dat jetzt schön, ich hätt auch ´nen Garten.
Wir haben zwar Blumen – zu Hause im Zimmer –
und dreimal am Tage, da gieß ich die immer.
Mein Edelgard findet das immer zum Schießen:
Jung, die sind doch aus Plastik, die brauchst du nicht gießen!!
Ich sage: Dat macht nix, dat ist auch nicht schlimm,
in dem Gießkännchen ist auch kein Wasser drin.
De vorige Woch, muss ich verzälle,
hatte mer en Maus em Keller.
Et janze Haus wor us dem Hüüsje,
die Maus jet grüßer als e Müüsje.
Mein Frau, die war direk am Ball:
auf schnell und kauf en Rattefall.
Don äwer keinem jet verzälle,
wofür dat mer die bruche welle.
Und Speck brauchste nit met zebringe,
do han ich heh e besser Dinge.
Denn in der Küch looch e Prospek,
dodrin e Angebot für Speck.
Do hätt ming Frau – dat doll Jewidde –
dat Bild von dem Speck us dem Blättche jeschnidde.
Dat Bild jenücht – dat wirste sin –,
do fällt dat Müüsje drop erin.
Dann hät se dat Bild in der Fall installiert;
aber irgendwie hat dat nur halb funktioniert.
Denn am andere Morjen – und jetz kütt der Knall –
hing och von dem Müüsje – e Bild in der Fall.
So könnt ich stundenlang Geschichten
vom Rentner-Dasein euch berichten.
Doch wie gesagt – es tut mir leid –,
ich muss nach Haus, ich hab kein Zeit.
Drum hör ich auf mit mingem Klaaf –
tschüss zesamme und Köllen – Alaaf!!!
Et Handy
Als Rentner wird man ungewollt
vom Fortschritt ständig überrollt.
De vorige Woch hat ich e Pech,
ich hol mein Handy aus der Täsch,
ruf meine Frau zu Hause an,
doch dummerweis ging keiner dran.
Nach drei Versuchen merke ich,
mit meinem Handy stimmt was nicht,
erkenn anhand von der Kontur,
uns Fern-Bedienungs-Tastatur.
Mein Frau, die hat zu Haus indessen,
mit dem Handy auf der Couch gesessen,
und war vergeblich am probieren,
den Günter Jauch zu installieren.
Auch das Computer-Dialekt –
ich krieg das einfach nicht gescheckt.
Zum Beispiel denk ich bei Menue
an Rindfleischsüppchen und Fondue.
BIT, das ist bei mir,
ein angebrochener Kasten Bier.
Mein Frau hält heut noch jede Wett,
C – das hieße Plumps-Closett.
Da liegt sie gar nicht so daneben,
an kann in beides „Code“ eingeben.
Zum Glück wohnt jetzt bei uns zu Haus
ein Enkelsohn, der kennt sich aus.
Der hat mich neulich informiert
wie ein Computer funktioniert.
Da ist zunächst in dem Labor,
ein Fernseher – der heißt Monitor.
Und daran hängt an einer Schnur
en Schreibmaschinen-Tastatur.
Ebenfalls an einer Leine
hängt da ´ne Maus – mit ohne Beine.
Die ist da online fest vertaut,
damit sie – erstens keiner klaut,
zweitens ist sie aber auch
immer da, wo man sie braucht.
Auf dem Bild sind Banderolen
mit vielen Fenstern und Symbolen,
oben – unten – an de Ränder –
sieht aus, wie ein Adventskalender.
Klickt man jetzt darauf mit der Maus,
dann kommen die tollsten Sachen raus.
Die Daach – der Kleen wor in der Schull,
ich wusst nit, wat ich maache sull,
geh in dat Kinderzimmer rein
und schalte den Computer ein.
Ich denk: Jetzt tu ich mal was surfen,
als Opa werd ich das wohl dürfen.
Mit viel Geduld und mit Instinkt
ab ich mich online eingeklinkt.
Und dann lief alles wie am Schnürchen
mit den „Adventskalender-Türchen“.
Ich bin gesprungen wie ein Böckchen
und kam vom Hölzchen auf et Stöckchen.
Auf einmal war da ´ne Rubrik
„LIFE-STYLE–EROTIK“.
Ich denk: Dat guckste dir ens ahn,
das hätt ich besser nicht getan.
Ich bin schon allerhand jewennt.
ich hab gedacht: Mich tritt en Ent.
Da lag da vor mir im Menue
ein Fräulein – völlig puddelrüh,
ohne Hemd und sonst noch jet
beim Enkelchen im Internet.
Obendrein stand nebenan:
„Hallo mein Kleiner – ruf mich an“,
und von der schamlosen Person
der Name und et Telefon.
Die Nummer hab ich dann gewählt –,
dem Fräulein hab ich was erzählt.
Ich hab gesagt, ich wär empört,
dass sich so was nicht gehört,
mein Enkelchen wär grade zehn,
der darf doch so was gar nicht sehn.
Sie möge schleunigst sich bemüh‘n,
und sich was Warmes überzieh‘n.
Ansonsten könnt sie was erleben!
Dem Fräulein hab ich et jejeben.
Auf einmal meint die ganz beklommen,
ich möge doch zur Sache kommen.
Ich hätt schon viel zu lang gesprochen –;
da wurd ich plötzlich unterbrochen,
und hinter mir stand groß und breit
mein heiß geliebte Adelheid.
Die zeigte mit gestrenger Miene
auf die entblätterte Blondine.
Ich hab versucht ihr zu erkläre,
wie die dahin gekommen wäre,
ich hätte nur was ausprobiert,
mich mit dem Mäusjen amüsiert,
genau genommen nur gespielt,
noch nicht mal richtig hingeschielt.
Das hätte ich mir nie erlaubt
Glaubt ihr, die hat mir das geglaubt?
Die Quintessenz war koot un joot,
totales Terminal-Verbot.
Gestern kam, direkt aus Bonn,
die Rechnung von der Telekom.
Mein lieber Mann, ich kann euch sagen:
DIE haben wieder aufgeschlagen.
Bauernregeln aus dem Siebengebirge
Balzt die Reblaus auf der Hülle,
ist es Zeit für Kalk und Gülle.
Wenn auf Sankt Martin wächst das Korn,
dann ist es wohl vergessen worn.
Rauscht der Vater Rhein im Keller,
läuft die Mutter etwas schneller.
Hockt der Hahn auf einer Krähe,
war kein Huhn in seiner Nähe.
Ne Ruheständler
Wer Rentner ist, ihr liebe Leut,
der hat heut alles – nur kein Zeit.
Wie war dagegen doch vordem,
das Büro-Dasein so bequem.
Da saß ich bei der Firma Schmitz
den ganzen Tag auf meinem Sitz.
Da hat die Zeit sich ungelogen,
wie Gummi in de Läng gezogen.
Ich machte pünktlich jede Stunde
mit meinem Kaffeepott die Runde,
und mehrmals täglich unverdrossen
hab ich den Gummibaum begossen.
Und hin und wieder kam der Schmitz
ganz unverhofft ereinjeflitzt,
dann hat der sich bald umgebracht,
weil ich ein Nickerchen gemacht.
Ich bin noch heute ganz verschreckt,
so oft hat der mich aufgeweckt.
Ich weiß et noch, als wär et heut,
wie ich mich auf den Tag gefreut,
wo ich am letzten Arbeitstag
dem Alten meine Meinung sag.
Dann sag ich dem von Mann zu Mann,
was der mich kreuzweis alles kann.
Den mach ich vor der ganzen Crew,
mach ich den Burschen zu Ragout.
Und hinterher, das tut mir gut,
ist dieser Herr so klein – mit Hut.
Doch wie er dann so vor mir stand,
nen Strauß mit Blumen in der Hand,
schön eingepackt in Zellophan,
für 6 Euro 90 – der Preis hing noch drahn,
hat der so lieb von mir gesprochen:
Sein bestes Pferd – im Kaffeekochen,
pünktlich stets auf die Minute –
bei jeder Feierabendtute.
Auch war ich stets, so sprach er weiter,
ein aufgeweckter Mitarbeiter.
Was ich nicht alles Nicht gemacht,
das hätt er nicht von mir gedacht.
Nachdem er mich so hoch gehuldigt,
hat sich der Alte dann entschuldigt,
von wegen Konferenz und so,
gab mir ´ne Pulle – JABIKO,
drückt mir die Blümchen in die Hand,
dann stand ich da – im Ruhestand,
und dachte bei mir: Ei verflixt,
er hat dich wieder ausgetrickst.
Wir Rentner sind ja heutzutag,
als Wirtschaftsfaktor sehr gefragt.
In jedem Baumarkt bin ich zu Haus.
In der Hobbyabteilung, da kenn ich mich aus.
Erst gestern noch bin ich da durchgelaufen,
wollte eigentlich nur en Nägelchen kaufen.
Ich bin dann bei ´ne junge Spund,
der grade an der Auskunft stund.
Ich sage: Hallo, junger Mann,
so‘n Einzelnagel muss ich han,
so zwei ein halb bis drei Zoll Länge
für dat Bild von der Oma drahn opzehänge.
Da sagt mir die gebrannte Mandel,
die gibt es nur im Einzelhandel.
Zum Glück kam der Abteilungsleiter,
der war so nett und half mir weiter.
Einzelnägel? Dat triff sich joot,
die ham mer heut im Angebot.
Und wenn se viele davon kaufen,
dann sparen se ´nen ganzen Haufen.
Da gibt et jede Menge Zinse,
je mehr dat sie kaufen, desto billiger sin se.
Mit 4 Kilo Nägel – marschier ich zur Kasse –,
da staut sich in Schlangen die breite Masse.
Die kürzeste Schlange, die such ich mir aus,
und denk mir, hier bis du am schnellsten raus.
Doch wenn ich dann merke, et jeht nicht voran,
probier ich et mal in der Schlang nebenan.
Doch ich weiß et nicht, ich kann tun was ich will,
da wo ich mich anstell, die Schlange steht still.
Dagegen ist die, die ich eben vertauscht,
im Nullkommanix durch die Kasse gerauscht.
Aber irgendwann hab ich den Stau überwunden,
hinter mir lauern jetzt zwei Dutzend Kunden.
Ich – mit 4 Kilo Nägel – zum Zahlen bereit,
natürlich mit Bank-Card – man geht mit der Zeit.
Doch immer wieder hab ich Kummer
mit der geheimen Zahlennummer.
Die ist mitunter so geheim,
die fällt mir einfach nicht mehr ein.
Nach drei vergeblichen Versuchen,
die 19 Euro abzubuchen,
versuch ich´s auf die alte Masche
mit Kleingeld aus der Hosentasche.
Die Kassendame unter Quälen
hilft mir derweil beim Kleingeldzählen,
und hinter mir drei Dutzend Minsche
sehn aus, als wollten se mich lynche.
Nach 5 Minuten stell ich fest:
Es fehlt nur noch ein kleiner Rest.
Doch die Kassandra will mitnichten
auf die sieben Cent verzichten,
nimmt mir stattdessen – zappzarapp,
die schönen Nägel wieder ab,
drückt mir mein Kleingeld in die Hände
und wünscht ein schönes Wochenende.
Total frustriert, wie ein Karnickel,
schwing ich mich auf mein „Mountenbickel“
und schwör beim Barte des Propheten,
den Laden nie mehr zu betreten.
Doch hundert Meter vor daheim
fällt mir meine Glückszahl wieder ein.
Ich – schnell zurück im Affenzahn,
schweißgebadet komm ich ahn,
verkündet mir ein Zerberus:
Feierabend – Ladenschluss.
Wenn du dir das so überlegs:
drei Stunden war ich unterwegs,
ohne Nagel in der Hand
komm müdgestrampelt ich an Land.
Mein Adelheid macht mich zur Schnecke,
wo ich den ganzen Tag rumstecke,
und was ich mir dabei gedacht –,
die Betten wären noch nicht gemacht –,
kein Mittagessen auf dem Tisch,
ich wär ein müder Heinerich,
ein richtig fauler Bummelant.
Und sowas nennt sich Ruhestand.
Prophylaxe
Als Rentner lebt man allgemein
frischfröhlich in den Tag hinein.
Doch irgendwann kommt mal die Stunde,
do jeht et höösch de Berg erunder.
Heh jück dich jet, do deit jet wieh,
jet anderet – funktioniert nit mieh,
den halven Daach söök mer de Brill,
und vieles klapp nit, wie mer will.
Auch kommt es bei den grauen Zellen
von Zeit zu Zeit zu Stromausfällen,
dann stehste da wie ein Stück Holz,
weißt nicht mehr, wat du sagen wollst.
So zeigt sich täglich überall
en Spur von Haltbarkeitsverfall.
Jetzt han die in Berlin jesacht,
für Rentner wär et anjebracht,
wenn die auf Kosten von den Kassen
sich öfters untersuchen lassen.
Das Herz, die Leber und die Lunge,
und wat mer suns noch hätt – do unge.
Das heißt vom Kopf bis an die Haxe,
den Vorgang nennt man Prophylaxe.
Jetzt fehlt nur noch en Institut,
wo mer dat machen lassen tut.
So war ich gestern in der Stadt,
wo ich wat zu besorgen hat.
Da sehn ich do e so ´ne Lade,
ein rotes Herz auf der Fassade,
en Leuchtreklame fiel mir auf,
stand „Dr. Müller-Sexshop“ drauf.
Bei Doktor Müller viel mir ein,
das könnte DIE Adresse sein.
Wahrscheinlich so ´n Gemeinschaftspraxis
für Herzund Leber-Prophylaxis.
Do daach ich mir: Ist wohl am besten,
da jehste rein und lässt dich testen.
Doch su en Praxis wie bei dem,
das hat die Welt noch nicht gesehn.
Am Eingang zu dem Reservat
ein roter Vorhang aus Brokat.
Dann stand ich in ´nem Wartezimmer
bei rosarotem Lampenschimmer.
Ich dacht bei mir: Schau an, schau an,
Doktor Müller – kluger Mann,
denn Rotlicht soll ja allgemein
gesund für de Gesundheit sein.
Ich bin dann an de Rezeption,
da kam die nächste Attraktion.
En Krankenschwester in Zivil
mit sagenhaftem Sexappeal.
Ich stellt mich vor und gab dem Mädche
mein AOK-Versicherungskäätche.
Da kuckt die schöne Lilofee
ganz dumm aus ihrem Dekollté.
Ich frag: Is irgendwat nit klar,
is der Doktor noch nit da?
Da fragt mich diese Henriette,
ob ich ´nen Ratsch em Kappes hätte?
Vermutlich hat die lahme Ente
wat jejen AOK-Patiente.
Ich hab dann erst mal ganz pikiert
dat Wartezimmer inspiziert.
Das war vielleicht ein Internat –,
ich kann verstehn wenn einer spart,
doch in der Bud war weit und breit
nicht eine Sitzgelegenheit.
Stattdessen überall Regale
mit Bilderbücher und Journale.
Das Wartezimmer-Publikum,
das stöberte da drin herum,
war offensichtlich ganz gebannt
von dem, was all da drinnen stand.
Ich hab dann auch mal reingekuckt:
Da waren Sachen abgedruckt,
Lesezirkel waren dabei,
das war – weiß Gott nicht jugendfrei.
Und so was in ´nem Wartezimmer – –,
der Doktor Müller ist ein Schlimmer.
Der braucht bestimmt den ganzen Segen,
um Herz und Kreislauf anzuregen.
Dann lag da noch ein ganzer Stoß
mit sagenhaften Videos,
da waren Liebesfilm-Kassetten,
– – wenn sie das gesehen hätten!
Alleine schon die Titelseiten
und das in allen Einzelheiten.
Für Leute mit ´nem Herzbefund
ausgesprochen ungesund.
Dann kam ´ne gläserne Vitrine
mit Sachen drin aus Plastiline,
ich nehme an – der neuste Schlager –
ein menschliches Ersatzteillager.
Et war tatsächlich allerhand,
was da so alles lag und stand.
Bei mir, da wurden indirekt
Erinnerungen aufgeweckt.
Dann koom en Attraktivität,
ich han jedaach, mich tritt e Pääd.
Da lagen – leck mich in der Täsch –
ein Tisch voll Damen-Unterwäsch,
die dollsten Seiden-Garnitürchen
für alle Größen und Figürchen.
Von Rosarot bis Anthrazit,
dat jit et selfs em Kaufhof nit.
Ich daach beim Anblick der Dessus:
Wat litt dojäjen doch zu Huus,
bei meiner Frau in der Kommod
ein kümmerliches Angebot.
Dann fand ich in dem Institut
noch ein weiteres Attribut.
So an die zehn bis zwölf Kabinen
mit Röntgenschirm zum Selbstbedienen.
Gewiss der allerletzte Schrei –
ein Kämmerchen wurd grade frei.
Da bin ich dann schnell reingeschossen,
bevor ein andrer sich entschlossen.
Jetzt nehm ich an, dat ihr versteht,
wie dat beim Röntgen vor sich geht.
So hab ich erst mal auf Verdacht
mein Oberkörper freigemacht,
und mit dem Brustkorb richtig fest
mich an den Röntgenschirm gepresst,
dabei versucht auf Zehenspitzen,
mich Oberkante abzustützen,
die Hände hinterm Kopf zu falten,
tief einatmen – – Luft anhalten.
Doch irgendwas an dem System
erschien mir äußerst unbequem.
In der Kabine nebenan
war einer noch viel schlimmer dran.
Der stöhnte da aus vollem Herzen,
der hatte sicher große Schmerzen.
Sicher war das ein Wehweh
durch ein Belastungs-EKG.
Nach 5 Minuten Stagnation
in dieser blöden Position,
kam mir allmählich der Verdacht:
Hier wird mit mir de Aap jemacht.
Ich hab mich wieder angekleidet,
mir war der Aufenthalt verleidet,
hab die Kabine zugeschlagen
und bin dann, ohne Tschüss zu sagen,
still und heimlich und frustriert
am Eingang wieder rausspaziert.
Doch hat dat alles keinen Sinn,
ich muss da morgen wieder hin.
Denkt nicht, ich sei da drauf versessen,
ich hat nur minge Schirm vergessen.
Wer gerne lacht, lebt länger
Ein Mensch, der gerne singt und lacht, braucht selten Aspirin,
denn Lachen ist seit eh und je die beste Medizin.
Wer echt von Herzen lachen kann, um den ist mir nicht bang,
und wer sich öfters totgelacht, der lebt besonders lang.
Typisch Kölsch
(Kölner Karnevalsmotto 1995-1996) Wat is Typisch Kölsch?
Typisch Kölsch is alles dat,
wat mer in Kölle alles hat.
Dat is zunächst seit alters her,
der Typisch Kölsche Fasteleer.
Dat is en Pappnaas – is en Pritsch,
der Rhing – der Dom – der Millowitsch,
´ne „Halven Hahn“ – en „Flönz met Ölsch“,
dat is alles Typisch Kölsch.
Typisch Kölsch ist aber auch
ein Typisch kölscher alter Brauch.
Wenn ene kölsche Präsident,
in Kölle ahn ze schwaade fäng,
erscheint ganz Köln in Bild und Ton
in einer andern Dimension.
Su is dat hück, – so wor dat fröher –
der Dom wird hundert Meter höher,
de Huhstroß fuffzig Meter breiter –
und so weiter – und so weiter.
Aus einer Kneip met sibbe Disch
määt hä sich singe Jözenich,
serviert ´nen Keyboard-Entertainer,
als wärens fuffzig Oberkrainer,
und aus ´ner Zwanzig-EURO-Spende
wird ´ne Laudatio ohne Ende.
Kommt dann nach alter Tradition
ein Hoch op Kölle – op der Dom,
dann legt gleich jeder kölsche Fetz
sein kölsche Hand ant kölsche Häz,
und alle rufen treu und brav
aus einem Mund: Kölle – – Alaaf!!
Und niemand hier im ganzen Bau
rief jemals: Düsseldorf – – Helau!!
Doch Typisch Kölsch – so sagen ich –
ist jeder Kölsche „anfürsich“.
Denn jeder Kölsche akurat
hätt och sing kölsche Eijenaat.
Ich kenne ´ne Kölsche, dä wunnt in Hürth,
de Vatter us Müllem, de Mutter us Sürth.
Der is fleißig und sparsam et ganze Jahr
vun März bis Anfang Januar.
Dann wird aus dem Knieskopp op eemol ´ne Snob,
der haut in der Altstadt sing Jeld op der Kopp.
In jeder Kneip macht dieser Lolly
auf Typisch Kölsche Art de Molly,
singt Hits von Schmitz und Ostermann,
obwohl er janit singe kann,
und hat jeden Abend nach jedem Bankett
en andere Lebensgefährtin em Bett.
Am Aschermittwoch – ganz verstohlen –
schleicht er in de Dom, sich et Aschenkreuz holen,
dann steckt er sein letzte fünf Euros am Block
am Südportal en der Opferstock,
dann meint er wunders wat er jemaht,
geht wieder raus wie ´ne Aristokrat,
un denk sich: Ab morgen wird wieder jespaat,
– – Typisch Kölsche Eijenaat.
Ich kenne en Nippes ene janz feine Pinkel,
der fiehrt Fastelowend noh Reit im Winkel;
und jedem Jeck verzällt der Chaot:
Mem Karneval – han ich nix mit am Hoot.
In Reit im Winkel vergisst er sein Sorgen
doch nur bis Rosenmontagsmorgen.
Dann sucht er sich e paar bekannte
Fastelowends-Emigrante.
Se hutsche zesamme met zwei Dutzend Mann
un sehn sich dä Zuch em Fernsehen an.
Un kütt dann janz Kölle zo Fohß un zo Pääd,
dann sin se vor Heimweh total an der Ääd.
Noh der zweiten Flasch Wing sing dann alles em Stoon:
„Ich mööch ze Fohß no Kölle john.“
De Trohne die kullere öwer de Baat –
– Typisch Kölsche Eijenaat.
Ich kenn do ´ne Kölsche us Dellbrück Ost,
ene Fan vom FC Schüttelfrost.
Bei jedem Spill, bei jedem Wedder,
steht der in Müngersdorf op de Bredder.
Un immer wenn dat Schmölzje verlore,
hät hä at hundertmol jeschwore:
Dat eine steht fess, – su wahr ich heh stonn,
mich kritt kee Pääd mieh en et Stadion!
Doch han se dann plötzlich ens knapp jewonne,
dann sin all die Schwüre schnell wieder zerronne,
dann strahlt hä: „Wie hamme dat widder jemaht?“,
ööf sich vor Freud gleich en Jahreskaat –
– Typisch Kölsche Eijenart.
In Lindenthal jit e ´ne Bäckermeister,
der hät ene Lehrling – Hans Heinrich heißt er.
Der hätt vorige Woch – janz akurat –
sing „Bäcker-Abitur“ jemaht.
Der Meister hätt en janz stolz gratuliert,
ätt em e Kölsch un e Körnche spendiert.
Ab heute – mein lieber Hans-Heinerich –
sagen ich immer nur SIE für dich.
Ab morgen, ich hoffe, du hast nichts dajejen,
brauchs DU auch nicht mehr de Backstuv zu fejen,
ab morgen – und damit ist alles geritz –
ab morgen tun SIE das – verehrter Herr Schmitz.
Da kann man nur sagen – frisch von der Leber –
„ ´Ne Typisch Kölsche Arbeitjeber“.
Ich troof ´ne Kölsche us Klettenberg Süd,
der Jung hat e Typisch Urkölsch Jemüt.
Der setz sich im Peffgen bei mir an der Disch,
nd bestellte beim Köbes e Kölsch für mich.
Der dät mir verzälle von singem Ohm Hein,
er wohnt in Riehl in enem Altersheim.
Dat wör ene Schwager vom Schmitze Schmal
s der Vorgebirgstraß in Raderthal.
Un dovon en Schwäjersch, en geborene Scholl,
die hätt e Fotojeschäft in Poll,
un dem sein Tochter aus zweiter Ehe
wär jetz Fotomodell in Langerwehe.
Dann kam en Taxi, der Junge stieg ein
und ließ mich mit meinem Kölsch allein.
Wat er eigentlich wollte, hätt er janit jesaat.
– Typisch Kölsche Eijenaat.
Neben dem Roothuus sin at seit Johre,
de Archäologe am jrawe un bohre.
In 10 Meter Tiefe han se jetz unge
e ne jroße Kochpott mit Inhalt jefunge.
Do drinne – ergab dann die Autopsie –
Himmel un Ääd mit Cevapcici.
Experte behaupten jetz steif und still:
Hier stand bei de Römer der „Jöözenich-Grill“.
Für andre Kollegen steht einwandfrei fess:
Jenau heh is de erste Anuga jewess.
Neulich hatt in dat Loch su ´ne janz klene Drisse
ne kapotte Taschenrechner jeschmisse.
Schon vermuten die Zwei, die dat Dinge dann fanden:
Hier hat in der Steinzeit die Börse gestanden.
Jetz fand man sogar in ´ner Zitadelle
zwei guterhaltene Bettgestelle.
Die Archäologen schließen daraus:
ein römisch-katholisches Freudenhaus.
Von anderer Stelle wird aber jesacht:
Hier war die Stadtverwaltung unterjebracht.
Man kann daraus schließen: Damals hatten die Leute
die gleichen Altstadtprobleme wie heute.
Dat Loch hat inzwischen ein Riesenformat.
– Typisch Kölsche Eijenaat.
Doch echtes „Typisch Kölsch hoch Drei“,
dat is die „Kölsche Klüngelei“.
Der Kölsche hat dafür en Händchen,
der kennt dat von de Heinzelmännchen.
Die waren auch schon lang am Werk,
eh brave Bürger wat jemerk.
Nur hat man heut die Stadtverwaltung
für diese Art Programmgestaltung.
Sie kochen ihr Süppchen
allein und in Grüppchen,
bei heimlichen Treffjen
mit Onkel und Neffjen – –
beim Früh und beim Peffjen.
Sie schieben Bilanzen
durch alle Instanzen,
so lang bis die Schulden
sich wandeln in Gulden.
Man teilt sich die Kohle
dem Volke zum Wohle,
und vom Turm tönt ein Geläut:
„Üb immer Treu und Redlichkeit!“
Da jibt es auch ´nen „Heißen Draht“
zum Generalvikariat.
So springt auch fürs Maternushaus
von Zeit zu Zeit ´ne Reibach raus.
Drum gibt der liebe Gott im Himmel
auch seinen Segen zu dem Klüngel.
Da jibt et in Köln eine Institution,
da ist der Klüngel Tradition.
Und jejen dieses Festcomitee
is de Maffia en Heilsarmee.
Was sich in diesem Institut
an Machenschaften alles tut,
das will ich euch in bunten Bildern
anhand von einem Beispiel schildern.
Ein Mitglied dieser Bande hat
ne Zahnarzt-Praxis in der Stadt.
Und läuft das Geschäft mal ein bisschen marode,
gibts da eine „Kunden-Beschaffungs-Methode“.
Sie suchen nach Quellen
für „Billig-Kamellen“.
Dann holt sich die Meute
drei kräftige Leute,
die wickelt man in feinen Zwirn
und nennt das Ganze „Dreigestirn“.
Die werden auf Wagen
durch die Altstadt gefahren,
und werfen das Süße
dem Volk vor die Füße.
Wenn die sich dann bücken
voller Entzücken
und dann beim Probieren
die Plomben verlieren,
dann eilen die Herden
mit ihren Beschwerden,
in Bussen und Taxis
und stürmen die Praxis.
Sie füllen die Kassen
mit Scheinen in Massen,
und davon bestellen
die wieder Kamellen.
So könnt ich stundelang verzälle
vom Typisch Kölsch em kölsche Kölle,
doch hüren ich op met mingem Klaaf
op Typisch Kölsch mit „öllen Allaaf“.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.