Kitabı oku: «Fische, Krebse & Muscheln in heimischen Seen und Flüssen»
Wolfgang Hauer
Fische, Krebse & Muscheln
in heimischen Seen und Flüssen
120 Arten in über 350 Lebendabbildungen


Leopold Stocker Verlag
Graz – Stuttgart

Umschlaggestaltung:
Werbeagentur Rypka GmbH, A-8143 Dobl/Graz,
Unterberg 58-60, www.rypka.at
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Sämtliche Bilder am Buchumschlag und im Textteil stammen von Wolfgang Hauer und sind urheberrechtlich geschützt mit Ausnahme von S. 27, 30 unten, 37: BOKU-IHG-Friedrich; S. 120, 121: Clemens Ratschan, S. 182: iStock/fusaromike.
Die Grafiken beim systematischen Überblick sind von Paul Veenvliet und aus dem Buch „Ribe slovenskih celinskih voda“ mit freundlicher Genehmigung übernommen.
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ISBN 978-3-7020-1897-9
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Inhalt
Zum Geleit
Einleitung
Systematischer Überblick
Fische
Die Familie der Petromyzontidae
Bachneunaugen
Die Familie der Störe (Acipenseridae)
Adriatischer Stör
Hausen
Sibirischer Stör
Sterlet
Sternhausen
Waxdick
Glattdick
Europäischer / Atlantischer Stör
Die Familie der Polyodontidae
Löffelstör
Die Familie der Anguillidae
Aal
Die Familie der Salmonidae
Huchen
Regenbogenforelle
Bachforelle
Seeforelle
Seesaibling
Bachsaibling
Namaycush
Die Familie der Coregonidae
Coregonen
Die Familie der Thymallidae
Äsche
Die Familie der Esocidae
Hecht
Die Familie der Umbridae
Hundsfisch
Die Familie der Cyprinidae
Karpfen
Silberkarpfen
Marmorkarpfen
Graskarpfen
Schwarzer Amur
Karausche
Giebel
Schleie
Brachse
Zope
Zobel
Güster
Rußnase
Nase
Rapfen
Laube
Seelaube
Moderlieschen
Schneider
Barbe
Semling
Donau-Gründling (Gründling)
Donau-Weißflossengründling (Weißflossengründling)
Donau-Sandgründling (Kessler Gründling)
Steingressling
Smaragdgressling
Aitel
Nerfling
Hasel
Strömer
Perlfisch
Frauennerfling
Rotauge
Rotfeder
Bitterling
Elritze
Sichling
Blaubandbärbling
Die Familie der Cobitidae
Steinbeißer
Goldsteinbeißer
Schlammpeitzger
Die Familie der Nemacheilidae
Schmerle
Die Familie der Siluridae
Wels
Die Familie der Ictaluridae
Zwergwelse
Die Familie der Lotidae
Aalrutte
Die Familie der Gasterosteidae
Neunstacheliger Stichling
Dreistacheliger Stichling
Die Familie der Percidae
Kaulbarsch
Donaukaulbarsch
Schrätzer
Flussbarsch
Zander
Wolgazander
Zingel
Streber
Die Familie der Centrarchidae
Sonnenbarsch
Forellenbarsch
Schwarzbarsch
Die Familie der Gobiidae
Kessler Grundel
Nackthalsgrundel
Schwarzmundgrundel
Marmorierte Grundel
Die Familie der Odontobutidae
Amur Schläfergrundel
Die Familie der Cottidae
Koppe
Süßwasserkrebse
Die Süßwasserkrebse
Die Familie der Astacidae
Steinkrebs
Dohlenkrebs
Edelkrebs
Galizierkrebs
Signalkrebs
Die Familie der Cambaridae
Kamberkrebs
Marmorkrebs
Roter Amerikanischer Sumpfkrebs
Süßwassermuscheln
Muscheln
Die Familie der Margaritiferidae
Flussperlmuschel
Die Familie der Unionidae
Kleine Flussmuschel
Malermuschel
Gemeine TeichmuscheL
Große Teichmuschel
Chinesische Teichmuschel
Die Familie der Dreissenldae
Dreikantmuschel
Quagga-Muschel
Körbchenmuschel
Danksagung
Zum Autor
Glossar
Literaturverzeichnis
Zum Geleit
Süßwasserfische, Krebse und Muscheln sind Tiergruppen, die selbst dem Naturinteressierten oft nur unzureichend bekannt sind, deren grundsätzliche Bedeutung für unsere Gewässer aber außer Frage steht. Was die Formenvielfalt und die Bestimmung der vorkommenden Arten angeht, sind vielfach auch Fischer, Gewässerbewirtschafter und Naturschützer sehr bald am Ende ihres gesicherten Wissens angelangt. Aber auch in der wissenschaftlichen Forschung, die sich taxonomisch mit den Arten und ihrer Abgrenzung befasst, die Bestandsentwicklung erforscht oder die Verbreitung und die ökologischen Ansprüche studiert, stellen gerade Fische die vielleicht am schlechtesten bekannte Wirbeltiergruppe dar. Diese Wissensdefizite und mangelndes Interesse in der Öffentlichkeit wirken sich auch entsprechend in der Naturschutzgesetzgebung aus.
Das vorliegende Werk wendet sich an alle, denen intakte Lebensgemeinschaften in unseren Seen und Flüssen ein Anliegen sind. Es ist das besondere Verdienst des bekannten Fachmannes, Fischereimeister Wolfgang Hauer, dass er sich der mühsamen Arbeit unterzogen hat, schwer zugängliche Daten zur Bestimmung zu sammeln und vor allem in brillanten Lebendaufnahmen das Aussehen und wichtige Bestimmungsmerkmale zu präsentieren. Wer die Schwierigkeiten kennt, die mit der photographischen Dokumentation unserer heimischen Fische verbunden sind, wird dieses Werk mit Staunen und Bewunderung durchblättern und aufnehmen. Die Qualität der Darstellung wird aber ebenso den Naturfreund begeistern, der sich einfach an der besonderen Schönheit und Vielfalt der heimischen Tierwelt unter Wasser erfreuen will.

Dem naturverbundenen Angelfischer, den zahlreichen Gewässerbesitzern und Pächtern, dem Berufsfischer sowie dem Naturschutz wird mit diesem Buch jedenfalls ein unschätzbares Instrument in die Hand gegeben, das die Bewahrung und naturnahe Bewirtschaftung unserer Gewässer und ihrer Lebensgemeinschaften entscheidend beeinflussen und erleichtern wird.
Hofrat Dr. Ernst Bauernfeind
Naturhistorisches Museum Wien
Zur überarbeiteten und erweiterten Neuauflage 2020
Das mittlerweile zum Standardwerk für Fischbestimmung gewordene Fachbuch wurde vom Autor sorgfältig überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht. Für die Aktualisierung des Wissens über die Störe konnte der Experte DI Dr. Thomas Friedrich gewonnen werden. Auch das Kapitel Krebse wurde einer Revision unterzogen und vom Krebsfachmann und Züchter FM Ing. Johannes Hager auf den letzten Stand gebracht. Die in unserer Zeit so wichtig gewordenen Einstufungen bezüglich der Roten Listen in Österreich, Deutschland (Bayern, Baden-Württemberg) sowie der FFH Richtlinie oder CITES wurden von Veronika Stabauer, MMSc, sorgfältig aktualisiert. Berücksichtigt wurden auch die zunehmend in Erscheinung tretenden Neozoen: Quagga-Muschel und Körbchenmuschel werden ebenso in Fotos und Beschreibungen behandelt wie der Marmorkrebs oder die Amur Grundel. Auch der in Österreich erst 2015 neu entdeckte Smaragdgressling wird in Bild und Text vorgestellt. Insgesamt wurden mehr als 40 Lebendaufnahmen von Fischen neu in das Buch aufgenommen.
Die Überarbeitung hat das Buch jedenfalls auf den letzten wissenschaftlichen Stand gebracht, ohne es zu überfrachten. Es wird dem Fischer und jedem an der Lebewelt unserer Gewässer interessierten Leser ein verlässlicher und unentbehrlicher Begleiter sein
Hofrat Dr. Ernst Bauernfeind
Naturhistorisches Museum Wien

Einleitung
Dieses Buch soll Fischern, Gewässerbewirtschaftern, Fischzüchtern, Teichbesitzern und anderen Fischerei- und Naturinteressierten die Bestimmung der in unseren heimischen Gewässern vorkommenden Fische, Rundmäuler, Krebse und Muscheln ermöglichen. Für die Bearbeitung des Kapitels Muscheln konnte Frau Mag. Dr. Daniela Achleitner gewonnen werden, das Spezialgebiet der Störartigen wurde vom Experten DI Dr. Thomas Friedrich bearbeitet. Für das Kapitel der Süßwasserkrebse zeichnet Fischereimeister Ing. Johannes Hager verantwortlich. Neben der Bestimmung der Arten soll dieses Buch aber auch die unglaubliche Vielfalt und vor allem die Schönheit unserer Wassertiere vor Augen führen.
Zusätzlich zu den Gesamtaufnahmen der einzelnen Tierarten werden auch bestimmungsrelevante Details wie das Laichkleid, Kopfporträts, Flossen und Schuppen in Makroaufnahmen abgebildet. Von vielen Arten werden auch die Jugendstadien mit Makrofotos gezeigt. Bei den Fotos handelt es sich großteils um Erstveröffentlichungen, die zum Teil in jahrelanger Arbeit als Unterwasserbilder im Freiland entstanden sind. Viele der Fotos wurden in extra dafür angefertigten Spezialaquarien gemacht, weil die Sichttiefe in unseren heimischen Gewässern, von Gebirgsseen und klaren Bächen abgesehen, nur selten für bestimmungstaugliche Unterwasserfotos ausreicht. Der Großteil unserer Fischarten kommt aber in Seen und Flüssen des Tieflandes vor, die eine sehr geringe Sichttiefe aufweisen.
Neben der aufwändigen Arbeit hinter der Kamera war vor allem die Beschaffung der einzelnen Fischarten aus den verschiedensten Gewässern eine echte Herausforderung, da für dieses Buch lebende und möglichst makellose Exemplare mit typischem Aussehen gebraucht wurden. Ein besonderes Anliegen waren dem Autor dabei Aspekte des Artenschutzes und der Gewässerökologie. Viele der hier vorgestellten Arten sind mittlerweile sehr selten oder sogar in ihrem Bestand bedroht. Andere wieder kommen nur in sehr begrenzten Lebensräumen vor und sind aus diesem Grund schutzwürdig. Manche Kleinfischarten sind schwer zu unterscheiden und führen zusätzlich ein recht verborgenes Leben, sodass deren Erscheinungsbild selbst Fachleuten und erfahrenen Fischern nicht immer geläufig ist. Gesetzliche Schutzbestimmungen wie Schonzeiten und Mindestmaße haben aber nur dann einen Sinn, wenn die einzelnen Arten auch sicher erkannt werden. Schon deshalb ist die korrekte Bestimmung der Arten äußerst wichtig und stellt eine Basis aller Schutzbestrebungen dar.
Das Hauptaugenmerk dieses Buches liegt daher auf der raschen Bestimmung anhand leicht erkennbarer Unterscheidungsmerkmale am Äußeren der Tiere, daneben wird natürlich auch auf wichtige innere Unterscheidungsmerkmale eingegangen. So wird die Anordnung und Zahl der Schlundzähne, die Färbung des Bauchfelles bei den Karpfenartigen oder aber die Bezahnung des Pflugscharbeines bei den Salmoniden vorgestellt. Die Schuppen entlang der Seitenlinie oder die Zahl der Flossenstrahlen zu zählen, ist zur sicheren Bestimmung zwar manchmal notwendig – diese Prozedur am lebenden Tier durchzuführen, kann aber normalerweise nicht empfohlen werden! Im Zweifelsfall hat jeder weidgerechte Fischer die Möglichkeit, nicht einwandfrei bestimmbare Fische wieder schonend zurückzusetzen.
Neben dem für die Bestimmung besonders wichtigen Erscheinungsbild wird auch auf die Biologie, den natürlichen Lebensraum, die Nahrung und die Fortpflanzung der einzelnen Arten eingegangen.
Schuppenzahlen, Flossen-, Schlundzahnformeln
Die bei den einzelnen Arten angeführten Zahlen hinsichtlich der Flossenstrahlen und der Schuppen sind ebenso wie die Schlundzahnformeln großteils dem Bestimmungsschlüssel für heimische Fisch- und Neunaugenarten (Stand März 2004) des Institutes für Hydrobiologie und Gewässermanagement an der Universität für Bodenkultur in Wien entnommen. Ich bedanke mich dafür bei den Verfassern DI Dr. Christian Wiesner und DI Dr. Gerald Zauner, die mir die Verwendung ihrer Daten für dieses Buch gestattet haben.
Um die praktische Anwendbarkeit und Lesbarkeit zu gewährleisten, werden Literaturangaben nicht im Einzelnen angeführt, sondern am Ende des Buches zusammengefasst.
Auf die Beschreibung des Verbreitungsgebietes wurde großteils bewusst verzichtet. Die Angaben dazu sind in lokalfaunistischen Publikationen zerstreut und ihre Zusammenfassung würde aufgrund ihres unterschiedlichen Erscheinungsalters, der geografischen Lückenhaftigkeit der Dokumentation und mangelnden Überprüfbarkeit der Belege kein tatsächlich aktuelles Bild der Verbreitungssituation geben können.
Mehrere in diesem Buch angeführte Fischarten sind derzeit Gegenstand weitergehender, auch molekularbiologischer Untersuchungen. Ihre taxonomische Zuordnung ist derzeit strittig, hängt aber in jedem Falle auch von der individuellen Anwendung unterschiedlicher wissenschaftlicher Konzepte ab.
Bitte um Verständnis
Ich bitte um Verständnis, dass trotz allen Bemühens in der Praxis einzelne Fische nicht ohne Weiteres bestimmt werden können. Dies kann bei Jungfischen der Fall sein, aber auch bei Hybriden (Artbastarden), wie sie etwa bei den Karpfenartigen in der Natur relativ häufig vorkommen. In der Forellenzucht werden Kreuzungen aus ökonomischen Überlegungen auch ganz bewusst herbeigeführt, auch hier kann sich die Bestimmung recht schwierig gestalten. Manchmal zeigen Fischarten hinsichtlich ihres Erscheinungsbildes auch eine starke Anpassung an ihren unmittelbaren Lebensraum, sodass ihre zweifelsfreie Bestimmung nicht ohne Weiteres möglich ist.
Gefährdungsstatus
Stand Rote Liste Österreich: 2007
Stand Rote Liste Deutschland: 2009
Stand Rote Liste Bayern: 2003
Stand Rote Liste Baden-Württemberg: 2014
Stand FFH RL 2013
Bestimmungsmerkmale
Die Körperform der Fische
Die Körperform der einzelnen Fischarten stellt eine Anpassung an den jeweiligen Lebensraum bzw. die dort herrschenden Bedingungen dar. Natürlich sind die Übergänge bei den Formen fließend und eine klare Abgrenzung ist nicht immer möglich. Während Fische mit einem schlanken keulen- oder torpedoförmigen Körper meist ausdauernde Schwimmer sind und eher in strömungsreichen Abschnitten oder den Freiwasserzonen zu finden sind, kommen Fischarten mit hochrückigem Körperbau eher in stehenden oder langsam fließenden Gewässern vor. In der Folge sind einige Körperformen beispielhaft angeführt:
Schlangenförmig: Diese Körperform findet man beim Aal, dem Schlammpeitzger und den Neunaugen.
Keulenförmig und mehr oder weniger schlank: Die Körperform vieler Fischarten, die sich in fließenden Gewässern und im Freiwasser größerer Gewässer aufhalten. Dazu zählen die schlanken Karpfenartigen wie z. B. Aitel, Nase, Hasel, Nerfling, Strömer, Perlfisch oder Wildkarpfen. Aber auch die Forellen, Saiblinge oder etwa die Renken.
Spindelförmig und bauchseitig abgeflacht: Sind jene Fischarten, die sich vorwiegend am Grund aufhalten, wie z. B. Zingel, Streber, Koppe, Grundeln, Barbe oder die Gründlinge.
Torpedoförmig: Bei dieser Körperform handelt es sich meist um Raubfischarten, wie z. B. Hecht, Zander oder Huchen, die kurzfristig stark beschleunigen müssen, um Beute zu machen.
Hochrückig, scheibenförmig seitlich abgeflacht: Fischarten mit hochrückigem Körperbau kommen bevorzugt in stehenden oder langsam fließenden Gewässern vor, z. B. Brachse, Güster, Zobel, Bitterling oder Zuchtkarpfen.
Schema des Fischkörpers und Anordnung sowie Bezeichnung der Flossen

Die Flossen
Die Flossen dienen den Fischen zur Fortbewegung, Steuerung und Stabilisierung. Deren Form, ihre Anordnung sowie die Stellung zueinander dienen aber auch als Unterscheidungsmerkmale. Sie können paarweise nebeneinander stehen, also paarig angeordnet sein, so wie Brust- und Bauchflossen, oder einzeln stehen wie Rücken-, After- und Schwanzflosse, also unpaarig sein. Die Rückenflosse mancher Arten besteht aus zwei zusammenhängenden oder getrennten Abschnitten, wie z. B. bei den Barschartigen oder der Aalrutte. Eine Besonderheit stellt die Fettflosse dar, sie wird nicht von Flossenstrahlen gestützt. Charakteristisch ist sie für die Vertreter der Salmoniformes, man findet sie aber auch beim Zwergwels.
Die im Buch verwendeten Bezeichnungen für Flossen
| RF | = | Rückenflosse RF1 bzw. RF 2, einteilig, zweiteilig, getrennt oder zusammenhängend |
| RF1 | = | erste Rückenflosse |
| RF2 | = | zweite Rückenflosse |
| AF | = | Afterflosse |
| BAF | = | Bauchflossen |
| BRF | = | Brustflossen |
| SF | = | Schwanzflosse |
| FF | = | Fettflosse |

Die Fettflosse wird nicht von Flossenstrahlen gestützt.
Die wissenschaftliche (lateinische) Bezeichnung und deren Abkürzung
Rückenflosse ................Dorsale .................D bzw. D1 und D2
Afterflosse ....................Anale .....................A
Bauchflosse .................Ventrale .................V
Brustflosse ...................Pectorale ...............P
Schwanzflosse ............Caudale ..................C
Fettflosse .....................Adipose ..................Ad



Am Hinterrand gesägte Hartstrahlen findet man an Rücken- und Afterflosse bei Karpfen, Barbe, Giebel und Karausche.
Die Flossenstrahlen
Die Flossenstrahlen dienen als Stütze für die Flossenhäute. Sie sind mit dem Flossenskelett verbunden und ermöglichen die gezielte Bewegung der Flossen. Flossenstrahlen werden hinsichtlich ihrer Form als Hartstrahlen, gesägte Hartstrahlen, Stachelstrahlen, einfache Weichstrahlen oder gefiederte Weichstrahlen bezeichnet. Ihre Anzahl in den einzelnen Flossen sowie ihre Form und Anordnung eignen sich für die Artunterscheidung. In der Fachliteratur wird meist eine sogenannte Flossenformel angegeben, diese ergibt sich aus der Summe der Hart- bzw. Weichstrahlen der einzelnen Flossen.
Beispiel einer Flossenformel (Flussbarsch)
RF zweiteilig getrennt,
RF 1/13–17 Stachelstrahlen
RF 2/1–2 Hartstrahlen und 13–16 gefiederte Weichstrahlen
AF 2 Stachelstrahlen und 8–10 gefiederte Weichstrahlen
BRF 14 gefiederte Weichstrahlen
BAF 1 Stachelstrahl und 5 gefiederte Weichstrahlen
SF 17 gefiederte Weichstrahlen
Die verschiedenen Formen der Schwanzflosse
Homocerk: Bei dieser Form der Schwanzflosse sind beide Enden etwa gleich lang, also äußerlich symmetrisch.

Homocerk, Perlfisch
Heterocerk: Bei dieser Form der Schwanzflosse sind die Enden unterschiedlich lang.

Homocerk, Seeforelle
Epicerk: Bei dieser Form ist der obere Lappen der Schwanzflosse länger, beim Hai oder den Stören setzt sich die Wirbelsäule in der oberen, längeren Schwanzflossenhälfte fort.

Epicerk, Störe
Hypocerk: Bei dieser Form ist der untere Lappen der Schwanzflosse länger.

Hypocerk, Zobel
Sonderform: Beim Aal oder bei den Neunaugen findet sich als Sonderform ein durchgehender Flossensaum anstelle einer eigentlichen Schwanzflosse.

Durchgehender Flossen saum anstelle der SF, Aal

Unterständig – Steingreßling

Unterständig – Barbe

Oberständig – Sichling

Endständig – Aitel

Endständig – Bachforelle

Typische Hornränder am Maul – Nase
Die verschiedenen Maulformen
Die Maulform der einzelnen Fischarten stellt eine Anpassung an deren oft spezielle Ernährungsgewohnheiten dar und dient zugleich als Unterscheidungsmerkmal.
Unterständig
Diese Maulform ist ein Hinweis auf eine eher bodenorientierte Nahrungssuche, dabei ist hier der Oberkiefer länger als der Unterkiefer. Die meisten Fischarten mit unterständiger Maulstellung können ihr Maul bei der Nahrungsaufnahme zusätzlich noch mehr oder weniger weit ausstülpen. Typisch ist dies z. B. bei den Stören, vielen Karpfenartigen wie Brachse, Karpfen, Barbe oder den Gründlingen.
Oberständig
Diese Maulform ist ein Hinweis auf die Nahrungssuche in den oberen Wasserschichten, bei dieser Stellung ist der Unterkiefer länger als der Oberkiefer, wobei der Unterkiefer mehr oder weniger steil nach oben gerichtet sein kann, wie beispielsweise bei Laube, Sichling, Blaubandbärbling, Moderlieschen oder Rotfeder.
Endständig
Ober- und Unterkiefer sind etwa gleich lang. Viele Fischarten weisen diese endständige Maulform auf, sie können ihre Nahrung sowohl im Freiwasser als auch am Gewässergrund und an der Wasseroberfläche aufnehmen. Hinsichtlich ihres Nahrungsspektrums sind sie oft Generalisten und ernähren sich von Wasserinsekten ebenso wie von kleinen Fischen. Man findet diese Maulstellung z. B. bei den meisten Forellenartigen, aber auch bei Karpfenartigen wie etwa dem Aitel.
Sonderformen
Finden wir z. B. bei der Nase, deren Lippen zu scharfkantigen Hornrändern umgebildet sind, um Aufwuchsalgen von den Steinen zu schaben, oder etwa beim Hecht, dessen entenschnabelförmiges Maul in der Beschleunigungsphase zwar den geringst möglichen Wasserwiederstand leistet, zum Erfassen der Beute aber blitzartig weit geöffnet werden kann. Auch die Saugscheibe der geschlechtsreifen Neunaugen ist eine besondere Maulform, sie dient diesen Tieren zum Festsaugen an glatten Steinen.

Oberständig – Seelaube

Saugmaul – Neunaugen
Die Barteln oder Bartfäden
Die Barteln dienen hauptsächlich als chemosensorische Tastorgane und sind dicht mit Sinneszellen besetzt. Sie werden vor allem bei der Nahrungssuche eingesetzt. Ihre Länge und Anzahl variiert je nach Fischart und dient daher auch zur Unterscheidung der einzelnen Arten.

Einzelner Bartfaden – Aalrutte

Zwei kurze Bartfäden – Schleie

6 längere und 4 sehr kurze Bartfäden – Schlammpeizger

Winzige Rundschuppen – Aalrutte

Große Einzelschuppen – Karpfen

Schuppenbild – Bachforelle

Schuppenbild – Äsche

Schuppenbild – Barsch

Knochenplatten – Störe

Rundschuppe

Kammschuppen der Barschartigen
Die Schuppen
Die Schuppen sitzen unter der Oberhaut dachziegelartig angeordnet in den Schuppentaschen eingebettet. Sichtbar ist meist nur ein relativ kleiner, halbmondförmiger Bereich, der nicht von den anderen Schuppen verdeckt wird. Das unterschiedliche Wachstum der Fische während der Sommer- bzw. Wintermonate schlägt sich in den Schuppen in Form von konzentrischen Wachstumsringen nieder. Dies ermöglicht, ähnlich wie bei den Jahresringen der Bäume, die Bestimmung des Alters. Grundsätzlich wird zwischen Rundschuppen mit einem glatten äußeren Rand und Kammschuppen mit einem rauen, gezähnten Rand (der mit freiem Auge übrigens kaum sichtbar ist) unterschieden. Bei den Störartigen findet man anstelle der Schuppen Knochenplatten. Bei manchen Fischarten sind die Schuppen winzig und liegen unter einer dicken Schleimschicht verborgen wie beim Aal oder der Aalrutte. Einige Fischarten wie der Wels oder die Koppe besitzen keine Schuppen.
Rundschuppen Cycloidschuppen, findet man bei den meisten unserer Fische, beispielsweise bei den Salmoniden und den Cypriniden.
Kammschuppen Ctenoidschuppen, findet man z. B. bei den Barschartigen und den Grundeln.
Knochenschilde findet man bei den Störartigen.
Die Seitenlinie
Von den Kiemendeckeln bis zum Ansatz der Schwanzflosse erstreckt sich bei den meisten Fischarten das Seitenlinienorgan, es dient den Fischen als Ferntastsinn. Erkennbar ist es anhand einer Längsreihe durchlöcherter Schuppen. Die Anzahl der Schuppen entlang der Seitenlinie bzw. über und unter dieser sind wichtige Hilfsmittel zur Bestimmung der einzelnen Fischarten. Ihre Anzahl entlang der Seitenlinie wird im Buch durch SL (Anzahl) Schuppen, angegeben. Die wissenschaftliche Bezeichnung für die Seitenlinie lautet Linea lateralis (Ll).

Seitenlinienschuppen des Strömer
Die Bezahnung der Fische
Die Zähne im Maul unserer Fische dienen in erster Linie dazu, die Nahrung festzuhalten bzw. die Beute zu töten, man findet Zähne daher vor allem im Maul räuberischer Fischarten. Die Zähne können auf Ober- und Unterkiefer, Zwischenkiefer, Gaumenknochen, Pflugscharbein und dem Zungenbein sitzen. Die Form der Zähne ist unterschiedlich, so findet man große, einzeln nebeneinander stehende Fangzähne am Unterkiefer des Hechtes. Am Vorderende des Unter- und Oberkiefers sitzen die charakteristischen Hundszähne beim Zander. Kleine, dicht beisammen sitzende Bürsten- oder Hechelzähne finden wir etwa beim Barsch, der Aalrutte, dem Aal oder dem Wels.

Scharfkantiger Fangzahn – Hecht

Typische Hundszähne – Zander

Kleine Hechelzähne – Wels

Schlundzähne

Kurzes Pflugscharbein – Huchen

Langes Pflugscharbein mit bezahntem Stiel – Seeforelle
Eine Besonderheit stellen die Schlundzähne bei den Karpfenartigen und Schmerlen dar, deren Zähne sitzen nicht im Maul, sondern befinden sich auf dem fünften Kiemenbogen, der zu sogenannten Schlundknochen umgewandelt ist. Die Form der Schlundzähne und ihre Anordnung in ein, zwei oder drei Reihen lässt Rückschlüsse auf ihre Ernährungsweise zu und ermöglicht die Unterscheidung der einzelnen Arten. Über die Anzahl und Anordnung der Schlundzähne gibt die Schlundzahnformel Auskunft.
Sie lautet
z. B. beim Perlfisch: einreihig, 5–5, beim Aitel: zweireihig, 2.5–5.2 oder beim Karpfen: dreireihig, 1.1.3–3.1.1
Die Lachsartigen besitzen ebenfalls bezahnte Kieferknochen im Maul, bei ihnen stellt das Pflugscharbein (Vomer) eine Besonderheit dar. Dieser Knochen sitzt am Gaumendach und dient je nach Anordnung der Bezahnung zur Unterscheidung der Arten.

Kiemenbogen eines Huchens

Kiemenbogen eines Riedlings
Kiemenreusendornen
Die Kiemenreusendornen stehen auf der Innenseite der Kiemenbögen, ihre Form, Länge und vor allem ihre Anzahl stellen ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal dar. Bei Raubfischen sind die einzelnen Reusendornen noch zusätzlich mit feinen Zähnen besetzt, ihre Aufgabe ist es, das Entkommen von Beutefischen zwischen den Kiemenbögen zu verhindern. Bei den Renken findet man zahlreiche, aber recht feine Kiemenreusendornen, womit diese Fische winzige Planktonkrebse aus dem Wasser filtrieren.
Systematischer Überblick
Die systematische Einteilung der Fische ist immer noch nicht völlig geklärt. Die systematische Zusammenstellung erfolgte hier im Wesentlichen nach STARCK (1991) und dem Internetportal FishBase.
Stamm: Chordatiere, Chordata
Unterstamm: Wirbeltiere, Vertebrata
Überklasse: Kieferlose Fische, Agnata

Familie: Neunaugen (Petromyzontidae)
Ukrainisches Bachneunauge (Eudontomyzon mariae)
Bachneunauge (Lampetra planeri)
Überklasse: Kiefertragende Fische, Gnathostoma
Klasse: Knochenfische im weiteren Sinne, Osteichthyes
Unterklasse: Strahlenflosser, Actionopterygii
Infraklasse: Chondrostei

Familie: Störe (Acipenseridae)
Waxdick (Acipenser gueldenstaedti)
Glattdick (Acipenser nudiventris)
Sterlet (Acipenser ruthenus)
Sternhausen (Acipenser stellatus)
Hausen (Huso huso)
Sibirischer Stör (Acipenser baeri)
Adriatischer Stör (Acipenser naccarii)
Europäischer Stör (Acipenser sturio)
Weißer Stör (Acipenser transmontanus)
Kurznasenstör (Acipenser brevirostrum)
Atlantische Stör (Acipenser oxyrinchus)
Familie: Löffelstöre (Polyodontidae)
Löffelstör (Polyodon spathula)

Infraklasse: Echte Knochenfische, Teleostei
Familie: Aale (Anguillidae)
Aal (Anguilla anguilla)

Familie: Lachsartige (Salmonidae)
Bachforelle (Salmo trutta f. fario)
Seeforelle (Salmo trutta f. lacustris)
Huchen (Hucho hucho)
Seesaibling (Salvelinus umbla, Syn: S. alpinus)
Bachsaibling (Salvelinus fontinalis)
Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss)
Namaycush (Salvelinus namaycush)
Familie: Renken (Coregonidae)
Renken, Felchen, Maränen (Coregonus sp.)
Familie: Äschen (Thymallidae)
Äsche (Thymallus thymallus)
Familie: Hechte (Esocidae)
Hecht (Esox lucius)

Familie: Hundsfische (Umbridae)
Europäischer Hundsfisch (Umbra krameri)

Familie: Karpfenartige (Cyprinidae)
Karpfen (Cyprinus carpio)
Amur, Weißer Amur (Ctenopharyngodon idella)
Tolstolob, Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix)
Marmorkarpfen (Hypophthalmichthys nobilis)
Schwarzer Amur (Mylopharyngodon piceus)
Brachse (Abramis brama)
Zope (Ballerus ballerus)
Zobel (Ballerus sapa)
Güster (Blicca bjoerkna)
Schneider (Alburnoides bipunctatus)
Laube (Alburnus alburnus)
Moderlieschen (Leucaspius delineatus)
Rapfen, Schied (Aspius aspius)
Barbe (Barbus barbus)
Semling (Barbus balcanicus, petenyi- Gruppe)
Karausche (Carassius carassius)
Giebel (Carassius gibelio)
Seelaube (Alburnus mento)
Nase (Chondrostoma nasus)
Donau-Gründling (Gobio obtusirostris)
Donau-Weißflossengründling (Romanogobio vladykovi)
Donau-Sandgründling (Romanogobio carpathorossicus)
Steingressling (Romanogobio uranoscopus)
Smaragdgressling (Romanogobio skywalkeri)
Hasel (Leuciscus leuciscus)
Nerfling (Leuciscus idus)
Aitel (Squalius cephalus)
Strömer (Telestes souffia)
Sichling (Pelecus cultratus)
Elritze, Pfrille (Phoxinus phoxinus)
Blaubandbärbling (Pseudorasbora parva)
Bitterling (Rhodeus amarus)
Rotauge (Rutilus rutilus)
Perlfisch (Rutilus meidingeri)
Frauennerfling (Rutilus pigus)
Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus)
Schleie (Tinca tinca)
Rußnase (Vimba vimba)


Familie: Schmerlen (Cobitidae)
Steinbeißer, Dorngrundel (Cobitis sp.)
Goldsteinbeißer (Sabanejewia balcanica)
Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis)

Familie: Bachschmerlen (Nemacheilidae)
Bachschmerle (Barbatula barbatula)

Familie: Welse (Siluridae)
Wels, Waller (Silurus glanis)

Familie: Zwergwelse (Ictaluridae)
Schwarzer Zwergwels (Ameiurus melas)
Brauner Zwergwels (Ameiurus nebulosus)

Familie: Dorsche (Lotidae )
Aalrutte (Lota lota)

Familie: Stichlinge (Gasterosteidae)
Dreistacheliger Stichling (Gasterosteus aculeatus)
Neunstacheliger Stichling (Pungitius pungitius)

Familie: Barsche (Percidae)
Flussbarsch (Perca fluviatilis)
Donaukaulbarsch (Gymnocephalus baloni)
Kaulbarsch (Gymnocephalus cernuus)
Schrätzer (Gymnocephalus schraetser)
Zander (Sander lucioperca)
Wolgazander (Sander volgensis)
Streber (Zingel streber)
Zingel (Zingel zingel)

Familie: Sonnenbarsche (Centrarchidae)
Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus)
Forellenbarsch (Micropterus salmoides)
Schwarzbarsch (Micropterus dolomieu)
Familie: Grundeln (Gobiidae)
Marmorierte Grundel (Proterorhinus semilunaris)
Nackthalsgrundel (Babka gymnotrachelus)
Kessler Grundel (Ponticula kessleri)
Schwarzmundgrundel (Neogobius melanostomus)

Familie: Schläfergrundeln (Odontobutidae)
Amur Schläfergrundel (Percottus glenii)

Familie: Koppen (Cottidae)
Koppe (Cottus gobio)

Fische


Die Familie der Petromyzontidae
Bachneunaugen
Familie: Neunaugen, Petromyzontidae
Bachneunauge: Lampetra planeri (Bloch, 1748)
Englisch: Brook lamprey
Ukrainisches Bachneunauge: Eudontomyzon mariae (Berg, 1931)
Englisch: Ukrainian brook lamprey
Merkmale: Das auffälligste Merkmal der Neunaugen ist ihr schlangenförmiger Körper, der an die Körpergestalt kleiner Aale erinnert. Von diesen sind Neunaugen durch verschiedene leicht erkennbare Merkmale zu unterscheiden. Ihnen fehlen die Kiefer (daher auch Kieferlose), die bei den eigentlichen Fischen vorhanden sind, ihr Maul ist bei erwachsenen Tieren zu einer Saugscheibe umgebildet. Weiters fehlen ihnen die paarigen Brustflossen, am Kopf hinter den Augen befinden sich auf jeder Seite 7 Kiemenöffnungen. An der Schnauze sitzt nur eine Nasenöffnung.
Aus der Summe von einer Nasenöffnung, einem Auge und 7 Kiemenöffnungen an jeder Seite entstand der Name „Neunauge“. Die Augen und die Saugscheibe sind jedoch nur bei geschlechtsreifen Tieren ausgeprägt, bei den Larvenstadien, den sogenannten Querdern, fehlen diese beiden typischen Merkmale. Die sieben Kiemenöffnungen sind jedoch auch bei den Querdern erkennbar. Die Färbung am Rücken variiert von Sandfarben über Olivgrün bis Braun, an den Seiten werden die Farben heller, um auf der Bauchseite in ein silbriges Weiß überzugehen. Der Flossensaum am Rücken ist je nach Entwicklungsstadium mehr oder weniger stark eingekerbt. Auf der Körperunterseite beginnt der Flossensaum beim Waidloch und reicht bis zur Schwanzspitze, dort vereinigt er sich mit dem Rückensaum. Bei geschlechtsreifen Männchen ist vor dem Afterflossenansatz ein penisartiger Fortsatz erkennbar. Bei den Weibchen sind die Eier kurz vor der Laichzeit in der Leibeshöhle bereits von außen sichtbar. Die schleimige Haut der Neunaugen trägt keine Schuppen, auch eine Schwimmblase ist nicht vorhanden.
Wachstum
Bachneunauge: 12–16 cm
Ukrainisches Bachneunauge: 18–21 cm
Bezahnung an den Mundscheiben
Nur bei erwachsenen Exemplaren
Bachneunauge
Oberkieferplatte breit, mit einem starken Zahn an jeder Seite, Unterkieferplatte mit 5–9 (meist 7) gleich großen, abgerundeten Zähnen, Mundscheibe weist nur obere und randständige Lippenzähne auf, seitliche äußere und untere Lippenzähne fehlen. Die inneren sind schwach entwickelt, zwei oder dreihöckrig, vordere Zungenplatte mit mittlerer Einsenkung, ihre Vorderkante trägt mehrere Zähnchen, von denen das mittlere vergrößert und verbreitert ist.

Kopf eines Querders

Männliches Geschlechtsorgan

Ukrainisches Bachneunauge

Bachneunauge
Ukrainisches Bachneunauge
Oberkieferplatte breit mit einem großen Zahn an jeder Seite. Unterkieferplatte mit 5–10 (gewöhnlich 7–8) Zähnen, die bei geschlechtsreifen Tieren scharf und spitz sind. Äußere seitliche Lippenzähne vorhanden, innere Lippenzähne fast immer zweizackig, hintere Mundscheibenbezahnung in 1 bis 4 gekrümmten Reihen oder fehlend. Vordere Zungenplatte ohne mittlere Einsenkung, ihre Vorderkante trägt 5 Zähne, in der Mitte einen vergrößerten und verbreiterten Zahn, an den sich rechts und links je zwei kleine Zähnchen anschließen.
Verwechslungsarten: Kleine Aale, diese besitzen paarige Brustflossen und nur eine Kiemenöffnung an der Seite sowie zwei Nasenöffnungen.
Biologie: Die Biologie der Neunaugen ist sehr interessant, so leben ihre Larvenstadien bis zu 6 Jahre im sandig/schlammigen Sediment verborgen. Nur während der Nacht strecken sie ihre eigentümlichen Köpfe heraus, um Nahrung wie bestimmte Algen und Detritus aufzunehmen. Sandbänke, die von Neunaugen bewohnt sind, kann man an den typischen trichterförmigen Löchern erkennen. Die geschlechtsreifen Tiere nehmen keine Nahrung mehr auf und verlassen im Frühjahr die schützenden Sandbänke, um ihre Laichplätze aufzusuchen. In größeren Fließgewässern ziehen die Neunaugen zum Laichen meist in kleine Zubringerbäche mit schotterig/kiesigem Grund. In kleinen Gewässern laichen die Neunaugen an den nächstgelegenen geeigneten Stellen. Die Milchner heben dabei kleine Laichgruben aus, dies geschieht durch schlagende Bewegungen mit dem Hinterkörper, größere Kiesel werden auch durch Wegheben mit dem Saugmaul entfernt. Die Elterntiere verenden kurz nach dem Ablaichen.

1 Nasenloch, 1 Auge, 7 Kiemenöffnungen = Neunauge
Nahrung: Die geschlechtsreifen Tiere des Ukrainischen Bachneunauges und des Bachneunauges nehmen keine Nahrung mehr zu sich. Die Larvenstadien ernähren sich von Kieselalgen und Detritus.
Gefährdungsursachen: Die Hauptursachen liegen in der Zerstörung ihrer bevorzugten Lebensräume, das sind in erster Linie ufernahe Sandbänke, durch harte Flussverbauungen bzw. Begradigungen. Aber auch ihre Laichplätze, die an rasch überströmten Kiesbänken sowohl im Hauptfluss als auch in kleinen Zubringern liegen können, sind oft nicht mehr funktionsfähig oder nicht erreichbar.
Gefährdungsstatus
Ukrainisches Bachneunauge
Rote Liste Österreich: gefährdet
Rote Liste Deutschland: nicht angeführt
Rote Liste Bayern: nicht angeführt
Rote Liste Baden-Württemberg: nicht angeführt
Im Anhang II der FFH Richtlinie (92/43/EWG) angeführt
Bachneunauge
Rote Liste Österreich: stark gefährdet
Rote Liste Deutschland: ungefährdet
Rote Liste Bayern: vom Aussterben bedroht
Rote Liste Baden-Württemberg: gefährdet
Im Anhang II der FFH Richtlinie (92/43/EWG) angeführt
Flussneunauge
Rote Liste Österreich: nicht angeführt
Rote Liste Deutschland: gefährdet
Rote Liste Bayern: ausgestorben oder verschollen
Rote Liste Baden-Württemberg: stark gefährdet

Die Familie der Störe (Acipenseridae)
Die Störe unterscheiden sich schon aufgrund ihrer Körperform deutlich von allen anderen heimischen Fischarten. Ihre Schwanzflosse ist unsymmetrisch (epicerk), die Wirbelsäule setzt sich im oberen deutlich verlängerten Lappen fort, die Rückenflosse ist weit nach hinten versetzt. Die Schnauze der Störe läuft je nach Art mehr oder weniger spitz zu, an ihrer Unterseite befinden sich vier Bartfäden. Das Maul ist stark unterständig und wird bei der Nahrungsaufnahme vorgestülpt. Anstelle der Schuppen findet man bei den Stören Knochenplatten, die in fünf Reihen angeordnet sind und dem Körper einen fünfeckigen Querschnitt geben. Die wichtigsten Bestimmungsmerkmale sind Farbe und Größe der Schilder, Länge der Schnauze, Größe des Mauls und Position der Bartfäden sowie die Färbung der Flossensäume. Selbst kleine Arten können bis zu einem Meter Länge und mehr erreichen, während größere Arten gar bis zu sieben Meter groß werden können. Störe sind sehr langlebig, bis zu 200 Jahre, und werden in der Regel sehr spät geschlechtsreif. Störe neigen zur Hybridisierung und Störhybriden bleiben in der Regel fertil.
Einige der angeführten Störarten sind in Mitteleuropa längst ausgestorben. Ihre Lebensweise und ihre Biologie im Detail zu beschreiben, scheint daher nicht sinnvoll. Die meisten Störarten sind anadrom und verbringen den größten Teil ihres Lebens im Meer und steigen nur für das Laichgeschehen mehrmals im Leben bis zu mehrere tausend Kilometer in die Flüsse auf. Es gibt jedoch auch reine Süßwasserarten, wie den Sterlet, und Arten, welche Süßwasserpopulationen ausbilden, wie den Glattdick, welche ihre Wanderungen im Flusssystem unternehmen. Gelaicht wird in starker Strömung auf steinigen bis kiesigem Untergrund in den Monaten von April bis September. Störe sind benthivor und nicht wählerisch bei der Nahrungsaufnahme, so werden Insektenlarven, Krebstiere, Würmer, Muscheln und Schnecken ebenso verzehrt wie Fischlaich oder Jungfische. Nur der Hausen wird mit zunehmendem Alter ein reiner Raubfisch.
Die angeführten Störarten findet man heute in Fischzuchten und einige relativ häufig in Angelteichen. Illegale Besatzmaßnahmen und entkommene Fische stellen im Freigewässer eine Gefahr für die heimischen Arten durch Konkurrenz und Hybridisierung dar. Von unkontrolliertem Besatz ist dringend abzuraten, da auch ehemals heimische Arten oftmals kaspischen Ursprungs sind. Vor Besatz- oder Wiederansiedelungsmaßnahmen sind daher die ökologischen Rahmenbedingungen zu klären und die genetische Herkunft der Besatztiere zu bestimmen.
Recht häufig werden auch Störhybriden im Handel angeboten, deren Bestimmung allerdings sehr schwierig sein kann und den Umfang dieses Buches sprengen würde. In diesem Fall wird geraten, Experten zur Bestimmung hinzuzuziehen.
Die meisten Störarten sind weltweit aufgrund gezielter Wilderei und Überfischung sowie Barrieren in den Wanderrouten hochgradig vom Aussterben bedroht.
Fachlich fundierte Auskünfte zum Thema Störe erhält man unter thomas. friedrich@boku.ac.at

Adriatischer Stör
Familie: Störe, Acipenseridae
Adriatischer Stör: Acipenser naccarii (Bonaparte, 1836)
Englisch: Adriatic sturgeon
Verbreitung: Europa
Alter: bis 50 Jahre
Merkmale
Länge: bis 2 m
Gewicht: bis 150 kg
Rückenschilder: 9–21
Seitenschilder: 29–46
Bauchschilder: 8–13
Kiemenreusendorne: 30–35
Färbung: Rücken und Seiten sind dunkelgrau bis schwarz gefärbt, die Bauchseite weiß bis gelblich.
Rückenschild: Das erste Rückenschild hängt mit dem Hinterhaupt zusammen.
Bartfäden: 4 Stück, stehen näher zur breiten, gerundeten Schnauze als zum Maul, die äußeren Bartfäden sind etwas länger als die inneren.
Nahrung: In der Hauptsache werden wirbellose Benthosorganismen gefressen, manchmal auch kleine Fische.
Gefährdungsstatus
Im Anhang II und V der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) angeführt
Gefährdung
Washingtoner Artenschutzabkommen Anhang II, stark gefährdet
Vorkommen: Der adriatische Stör kam ursprünglich in den Zuflüssen der Adria vom Po in Italien bis nach Albanien vor. In der Vergangenheit beinahe ausgestorben, laufen inzwischen seit mehreren Jahrzehnten Anstrengungen zur Stärkung der Populationen in Norditalien. Die Art wird auch kommerziell produziert und in geringen Mengen auch nach Mitteleuropa als Angel- und Zierfisch verkauft.
Merkmale: Die Art ist in der Kopfform dem Weißen Stör sehr ähnlich, hat jedoch eine gelbliche bis olivbraune Grundfärbung. Die äußeren Bartfäden sind länger als die inneren.

Kopfunterseite des Adriastörs

Kopf des Adriastörs – die Bartfäden stehen näher zur Schnauze als zum Maul.

Hausen
Familie: Störe, Acipenseridae
Hausen: Huso huso (Linnaeus, 1758)
Beluga, Belugastör
Englisch: Great sturgeon
Alter: bis 100 Jahre
Merkmale
Länge: heute max. 6 bis 7 m, früher bis 9 m
Gewicht: bis 2.000 kg
Rückenflosse: mehr als 60 Flossenstrahlen
Afterflosse: 22–41 Flossenstrahlen
Rückenschilder: 9–17
Seitenschilder: 37–60
Bauchschilder: 7–14
Kiemenreusendorne: 17–36
Färbung: Rücken und Seiten sind grau bis schwarz gefärbt (manchmal mit bläulichem Schimmer), die Bauchseite weiß.
Rückenschild: Das erste Rückenschild ist vom Hinterhaupt getrennt.
Bartfäden: 4 Stück, sind abgeflacht, gezähnt und relativ lang. Sie stehen näher zum Maul als zur Schnauzenspitze.
Schnauze: Kurz, an der Basis breit und läuft gegen ihr Ende spitz zu. Das Maul ist auffallend groß, die sichelförmige Maulspalte reicht bis zum Außenrand des Kopfes. Das große sichelförmige Maul ist im Vergleich zur geraden Maulspalte der anderen Störarten das wichtigste Unterscheidungsmerkmal beim Hausen.
Oberlippe: dick und wulstig.
Unterlippe: geteilt.
Kiemenhäute: Sind miteinander verwachsen und bilden eine freie Falte unter dem Isthmus.
Nahrung: Der Hausen ernährt sich hauptsächlich von Fischen, daneben werden aber auch Muscheln, Krebse und kleinere Wirbellose gefressen.
Vorkommen (ursprünglich): Schwarzes und Kaspisches Meer sowie deren Zuflüsse. In der Donau bis Bayern und in verschiedenen Nebenflüssen, wie zum Beispiel March, Drau, Save und Theiß. Eine isolierte Population gab es auch in der oberen Adria, welche im Po abgelaicht hat.

Die breite Maulspalte ist typisch für den Hausen.
Merkmale: Der Hausen hat im Vergleich zu den anderen Störarten einen sehr bulligen Körper mit einem stahlblau-silber bis kupfernen Rücken und weißen Bauch. In sehr klarem Wasser kann die Färbung auch bis ins Schwarze variieren. Die Schnauze ist keilförmig und spitz. Wichtigstes Bestimmungsmerkmal ist das große sichelförmige Maul, welches bis an den Außenrand des Kopfes reicht. Die Bartfäden sind abgeflacht und leicht gezahnt. Die Seitenschilder sind mittelgroß, ihre Anzahl liegt zwischen 37 und 60. Die Knochenplatten sind zumeist heller als der Untergrund und wachsen bei älteren Individuen in der Haut ein.
Wachstum: Die Durchschnittsgrößen der laichreifen Tiere liegen bei 2,2–2,5 m bei den Milchnern und 2,5–3 m bei den Rognern, bei einem Gewicht von 120–300 kg. Maximallängen bis knapp sieben Meter und über einer Tonne Gewicht sind dokumentiert.
Verwechslungsarten: Aufgrund des sichelförmigen Mauls kann der Hausen nicht mit anderen Störarten in Mitteleuropa verwechselt werden. Nur Hybriden, wie der Bester (Hausen x Sterlet), sehen der reinen Art sehr ähnlich und weisen in der Regel ebenfalls ein sichelförmiges Maul auf, welches jedoch nicht bis an den Rand des Schädels reicht.
Biologie: Der Hausen ist anadrom und verbringt den größten Teil seines Lebens im Meer. Zur Vermehrung steigt er bis zu 2.500 km in die Flussläufe auf. Die Geschlechtsreife tritt sehr spät nach 15–20 Jahren ein, die Laichzüge einzelner Individuen finden dann im Abstand von 3–7 Jahren mehrmals im Leben statt. Es gibt sowohl Frühjahrsformen, welche im Frühjahr in die Flüsse wandern und unmittelbar ablaichen, als auch Herbst- und Winterformen, welche ihre Wanderung früher beginnen, im Fluss überwintern und dann die Wanderung fortsetzen, um entsprechend weiter flussauf gelegene Laichplätze zu erreichen. Die Fische wandern nach dem Laichakt wieder flussab. Die klebrigen Eier werden auf hartem Sediment in starker Strömung deponiert und entwickeln sich innerhalb weniger Tage. Die Larven werden zu Beginn passiv verdriftet, später wandern die Jungfische aktiv mit der Strömung in die Mündungszonen der Flüsse.
Gefährdungsursachen: Wie die meisten Störarten ist der Hausen hochgradig vom Aussterben bedroht. Zum einen durch massive Überfischung in den vergangenen Jahrhunderten und anhaltender Wilderei auf die streng geschützten Restpopulationen, zum anderen durch Wanderbarrieren im Verbreitungsgebiet, welche den Zugang zu Laichgründen blockieren. Eine kleinere Rolle spielen zudem Begradigungen und Verbauungen sowie die Gewässerverschmutzung. Aktuell ist die Donau der letzte Fluss im Einzugsgebiet des Schwarzen Meeres mit einer geringen Reproduktion im Unterlauf.
Gefährdungsstatus
Rote Liste global: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Österreich: Ausgestorben
CITES: Anhang II
FFH-Richtline: Anhang V

Sibirischer Stör
Familie: Störe, Acipenseridae
Sibirischer Stör; Acipenser baeri (Brandt, 1869)
Englisch: Sibirian sturgeon
Verbreitung: Europa und Asien
Alter: bis 60 Jahre
Merkmale
Länge: bis 2 m
Gewicht: bis 200 kg
Rückenschilder: 10–20
Seitenschilder: 32–62
Bauchschilder: 7–16
Kiemenreusendorne: 20–49
Färbung: Der Rücken und die Seiten sind braungrau bis schwarz gefärbt, die Bauchseite weiß bis gelblich.
Rückenschild: Das erste Rückenschild hängt mit dem Hinterhaupt zusammen. Die Knochenplatten heben sich farblich kaum von der Gesamtfärbung ab.
Bartfäden: 4 Stück, stehen zwischen Maul und Schnauzenspitze und sind leicht gefranst.
Schnauze: Die Länge der Schnauze kann sehr unterschiedlich sein und ist zur Bestimmung daher nur bedingt geeignet.
Oberlippe: eingebuchtet.
Unterlippe: in der Mitte tief gespalten.
Nahrung: In der Hauptsache werden wirbellose Benthosorganismen und Krebse gefressen.
Gefährdung: Washingtoner Artenschutzabkommen Anhang II, stark gefährdet.
Vorkommen: In Europa nicht heimisch. Ursprünglich in Flusseinzugsgebieten, wie etwa der Lena, dem Ob, oder dem Jenissei, heimisch.

Kopfunterseite des Sibirischen Störes
Merkmale: Der Körper ist von Dunkelbraun über Grau bis Schwarz gefärbt mit hellem Bauch. Die Schnauze ist spitz und je nach Ursprungspopulation lang bis gedrungen. Das Maul ist quergestellt und mittelgroß, die Bartfäden leicht gefranst. Die lateralen Knochenplatten (32–62) sind mittelgroß und haben dieselbe Farbe wie der Untergrund. Die Flossen haben keine hellen Säume.
Wachstum: Der Sibirische Stör wird bis zu 2 m groß und über 150 kg schwer.
Verwechslungsarten: Der Sibirische Stör wird oft mit dem Sterlet verwechselt. Die Unterscheidungsmerkmale sind beim Sterlet beschrieben.
Biologie: Der Sibirische Stör bildet in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet anadrome und reine Süßwasserpopulationen aus. Die Art wird heute weltweit in der Aquakultur produziert und vielfach beabsichtigt oder unbeabsichtigt in Freigewässer entlassen und stellt dort eine Gefahr für heimische Arten durch Konkurrenz, die Übertragung von Krankheitserregern und vor allem Hybridisierung dar.
Neben dem Sibirischen Stör finden sich auch einige weitere nicht heimische Störarten in Fischzuchten, Angelteichen und Zierfischteichen, welche nachfolgend kurz aufgelistet werden.
Weißer Stör
Familie: Störe, Acipenseridae
Weißer Stör: Pazifischer Stör, Acipenser transmontanus (Richardson, 1836)
Englisch: White sturgeon
Ursprünglich an der Pazifikküste Nordamerikas beheimatet, findet sich der kalifornische Stamm der Art inzwischen in vielen Aquakulturen Europas, besonders in Italien. Männliche Tiere werden in großer Zahl an Angelteiche in ganz Europa abgegeben. Charakteristisch ist die kurze stumpfe Schnauze und die zumeist silbergraue Färbung mit weißen Knochenplatten. Die Bartfäden sitzen näher zur Schnauzenspitze.

Kurznasenstör
Familie: Störe, Acipenseridae
Kurznasenstör: Acipenser brevirostrum (LeSueur, 1818)
Englisch: Shortnose sturgeon
Der Kurznasenstör ist an der Ostküste Nordamerikas heimisch. Er wurde in den letzten Jahren erstmals vereinzelt nach Europa importiert und findet sich hauptsächlich in Liebhaberteichen.

Sterlet
Familie: Störe, Acipenseridae
Sterlet: Acipenser ruthenus (Linnaeus, 1758)
Verbreitung: Europa und Asien
Alter: bis 27 Jahre
Merkmale
Länge: bis 1,2 m
Gewicht: bis 20 kg
Rückenschilder: 11–18
Seitenschilder: 56–71
Bauchschilder: 10–20
Kiemenreusendorne: 11–27
Färbung: Der Rücken und die Seiten sind dunkelbraun bis grau gefärbt, die Bauchseite rötlich-weiß bis gelblich. Es werden aber auch weißlich-gelbe Albino-Sterlets gezüchtet und in Angelteichen und Freigewässern ausgesetzt.
Seitenschilder: Überdecken einander und erscheinen dadurch wie ein weißes Längsband.
Rückenschild: Das erste Rückenschild hängt mit dem Hinterhaupt zusammen.
Bartfäden: 4 Stück, stehen zwischen Maul und Schnauzenspitze und sind stark gefranst.
Schnauze: Meist schmal und lang gestreckt, sie läuft oft in einer kugelförmigen Verdickung aus. Ist bei den Rognern länger und dünner.
Oberlippe: nicht eingebuchtet.
Unterlippe: in der Mitte geteilt.
Nahrung: In der Hauptsache werden kleine wirbellose Benthosorganismen wie Schnecken, Würmer und Insektenlarven gefressen.
Vorkommen: Er stammt aus den Zuflüssen des Schwarzen und Kaspischen Meeres sowie des Kara- und Weißen Meeres.
Merkmale: Schlanke Körperform mit grauem bis braunem Rücken und weißem bis hellgelbem Bauch. Die Schnauze ist spitz und endet in einer Verdickung. Das Maul ist quergestellt und klein, die vier runden Bartfäden sind stark gefranst. Die sehr vielen kleinen Seitenschilder (56–71) sind heller als der Untergrund und erscheinen als weißes Längsband. Die Flossen haben einen weißen bis gelben Flossensaum.
Wachstum: Der Sterlet wird maximal 120 cm lang, maximale Durchschnittsgrößen der männlichen Tiere liegen bei 60–70 cm, bei den weiblichen Tieren bei 75–95 cm. Das Maximalgewicht liegt bei rund 20 kg.
Verwechslungsarten: Der Sibirische Stör sieht dem Sterlet sehr ähnlich, bestes Unterscheidungsmerkmal sind die deutlich kleineren und helleren lateralen Knochenschilder beim Sterlet sowie die ausgeprägten hellen Flossensäume, welche dem Sibirischen Stör fehlen.
Biologie: Der Sterlet ist eine reine Süßwasserart und unternimmt Wanderungen von wenigen Kilometern bis zu 300 Kilometern in den Flusssystemen. Die Geschlechtsreife tritt bei den Milchnern nach 4–5, bei den Rognern nach 5–7 Jahren ein. Milchner laichen zumeist jährlich, während Rogner nur alle zwei Jahre reife Ovarien entwickeln. Die Laichzeit beginnt Ende April und dauert je nach Wassertemperatur bis Anfang Juni. Die Laichplätze gleichen jenen des Hausen hinsichtlich Substrat, Tiefe und Strömungsgeschwindigkeit. Die positiv photoaktiven Larven driften zunächst passiv über wenige Tage, bevor mit der aktiven Nahrungsaufnahme begonnen wird.
Gefährdungsursachen: Im Gegensatz zu den anderen Störarten ist beim Sterlet die Überfischung nicht der wesentliche Hauptgrund für den Rückgang der Bestände, sondern vielmehr Barrieren auf den Wanderrouten und Verbauung und Begradigung der Gewässer, durch welche die Habitatvielfalt deutlich zurückging. Die Belastung der Sedimente an der Flusssohle mit Schwermetallen und anderen Toxinen führt nachweislich zu einem Rückgang der Fruchtbarkeit. Auch die Hybridisierung mit nicht heimischen Störarten birgt ein hohes Risiko. In der deutschen und österreichischen Donau ist aktuell nur eine kleine reproduzierende Population dokumentiert, es gibt Bestrebungen, die Art auch in anderen Abschnitten wieder zu etablieren. In der Slowakei und in Ungarn ist nach dem Bau des Kraftwerks Gabcikovo eine Überalterung der Bestände wahrzunehmen. Ein regelmäßiges Aufkommen von Jungfischen ist aktuell nur im serbischen Teil der Donau, der Theiß sowie flussab des „Eisernen Tores“ – zwei für Fische unüberwindbare Staudämme an der Grenze zwischen Rumänien und Serbien – dokumentiert.
Gefährdungsstatus
Rote Liste global: Potentiell gefährdet
Rote Liste Österreich: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Ausgestorben oder verschollen
CITES: Anhang II
FFH-Richtline: Anhang V


Die Seitenschilder überdecken sich und erscheinen als weißes Längsband.

Sternhausen
Familie: Störe, Acipenseridae
Sternhausen: Acipenser stellatus (Pallas, 1771)
Englisch: Starry sturgeon, Stellate sturgeon
Verbreitung: Europa
Alter: bis 35 Jahre
Merkmale
Länge: bis 2,2 m
Gewicht: bis 68 kg
Rückenflosse: 40–54
Afterflosse: 22–35
Rückenschilder: 9–16
Seitenschilder: 26–43
Bauchschilder: 9–14
Kiemenreusendorne: 24–29
Färbung: Der Rücken ist schwarz bis rostbraun, die Seiten sind etwas heller, die Bauchseite weiß bis gelblich. Die Knochenschilder sind immer schmutzig-weiß gefärbt.
Rückenschild: Das erste Rückenschild ist vom Hinterhaupt getrennt. Zwischen den Reihen der Rücken- und Seitenschilder befinden sich zahlreiche sternförmige Knochenplättchen, die in Längsreihen angeordnet sind.
Bartfäden: 4 Stück, sind kurz und nicht gefranst, sie stehen näher zum Maul als zur Schnauzenspitze.
Schnauze: auffallend länglich und flach, zudem etwas nach oben gebogen.
Oberlippe: dick, wulstig und leicht eingebuchtet.
Unterlippe: in der Mitte geteilt.

Die Schnauze ist etwas nach oben gebogen.
Nahrung: In der Hauptsache Würmer, Schnecken, Muscheln, Krebse und manchmal auch kleine Fische
Merkmale: Im Vergleich zu den anderen Störarten hat der Sternhausen einen deutlich dünneren Körper. Der Rücken ist immer dunkelgrau bis tiefschwarz, der Bauch weiß. Die großen Knochenplatten (26–43) sind weiß, zwischen den Knochenplatten befinden sich viele kleine weiße Schilder. Die Schnauze ist lang und flach, die runden, nicht gefransten Bartfäden sitzen näher am kleinen quergestellten Maul als zur Schnauzenspitze.
Wachstum: Der Sternhausen wird bis zu 2 m lang, aufgrund seiner Körperform jedoch nur bis 80 kg schwer.
Verwechslungsarten: Durch die lange flache Schnauze und den dünnen Körper ist der Sternhausen leicht von allen anderen Störarten zu unterscheiden.
Biologie: Der Sternhausen ist anadrom und bildet im Flusssystem mehrere Populationen aus, die zu unterschiedlichen Zeiten migrieren und verschieden lange Wanderdistanzen überwinden. Historisch sind in der Donau die Wanderungen kürzer als bei Hausen und Waxdick. Die Geschlechtsreife wird nach 8–14 Jahren erreicht. Das Laichverhalten, die Laichplätze und Jungfischdrift gleichen jenen des Hausens, wobei bei höheren Wassertemperaturen etwas später im Jahr gelaicht wird.
Gefährdungsursachen: Wie beim Hausen sind auch hier Überfischung, anhaltende Wilderei und Degradierung des Lebensraumes sowie Migrationsbarrieren und Begradigungen Schuld am Bestandsrückgang. In der Donau unterhalb der Kraftwerke am Eisernen Tor findet nach wie vor eine geringe natürliche Reproduktion statt, ein Anstieg an Hybriden zwischen den Donauarten in den letzten Jahren deutet jedoch auf einen anhaltenden Bestandsrückgang hin.
Gefährdungsstatus
Rote Liste: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Österreich: Ausgestorben
CITES: Anhang II
FFH-Richtline: Anhang V

Waxdick
Familie: Störe, Acipenseridae
Waxdick: Acipenser gueldenstaedti (Brandt & Ratzeburg, 1833) Russischer Stör
Englisch: Russian sturgeon
Verbreitung: Europa
Alter: bis 50 Jahre
Merkmale
Länge: bis 2,3 m (bis 4 m)
Gewicht: bis 110 kg
Rückenflosse: 27–51
Afterflosse: 18–33
Rückenschilder: 8–18
Seitenschilder: 24–50
Bauchschilder: 6–13
Kiemenreusendorne: 15–31
Färbung: Rücken und Seiten sind graugrün bis schwarz gefärbt (manchmal mit bläulichem Schimmer), die Bauchseite weiß. Die Knochenschilder besitzen immer eine andere Farbe als der Untergrund. Zwischen den Rücken- und Seitenschildern können sich Reihen von kleineren Knochenschildern befinden.
Rückenschild: Das erste Rückenschild ist vom Hinterhaupt getrennt, die einzelnen Schilder sind ebenfalls getrennt und weisen eine scharfe Spitze nach hinten auf.
Bartfäden: 4 Stück, sind glatt und stehen näher zur Schnauzenspitze als zum Maul.
Schnauze: kurz, an der Basis breit und gegen ihr Ende spitz. Das Maul ist klein und spaltförmig.
Unterlippe: in der Mitte geteilt.
Nahrung: Der Waxdick ernährt sich hauptsächlich von Weichtieren, Muscheln, Krebsen und kleineren Fischen.
Vorkommen: Schwarzes Meer und Kaspisches Meer sowie deren Zubringer. In der Donau bis Bayern mit den Zuflüssen March, Waag, Drau, Mur, Save, Theiß und anderen.
Merkmale: Der Waxdick ist sehr variabel in Färbung und Aussehen. Der Körper ist in der Regel dunkelgrau, braun oder schwarz mit weißem oder gelbem Bauch. Die sehr großen seitlichen Knochenplatten (24–50) sind weiß oder gelb und heller als der Untergrund. Zwischen den Schilderreihen finden sich oftmals noch viele sehr kleine Knochenplatten, welche bei älteren Tieren von Haut überwuchert sein können. Die Schnauze ist stumpf und leicht zugespitzt, die runden glatten Barteln sitzen näher zur Schnauzenspitze als zum quergestellten Maul. Typisch ist eine markante Knochenstruktur auf der Stirn.
Wachstum: Der Waxdick kann bis zu 2,5 m groß werden und ein Gewicht von bis zu 200 kg erreichen. Mittlere Größen der Adultfische liegen bei 1,4–1,6 Meter.
Verwechslungsarten: Die nicht heimischen Arten Weißer Stör und Adriatischer Stör sehen dem Waxdick sehr ähnlich, haben aber eine fast halbkreisförmig abgerundete Schnauze und keine ausgeprägte Struktur auf der Stirn.
Biologie: Der Waxdick bildet sowohl anadrome als auch potamodrome Formen aus. Die Geschlechtsreife tritt nach 7–14 Jahren ein. Es gibt Frühjahrs- und Winterformen, welche sich in ihren Wanderdistanzen unterscheiden. Der Laichvorgang gleicht jenem des Hausen, wobei in der Regel höhere Temperaturen bevorzugt werden.

Die Bartfäden stehen näher zur Schnauzenspitze als zum Maul.
Gefährdungsursachen: Der Waxdick ist stark vom Aussterben bedroht. Massive Überfischung, anhaltende Wilderei und Wanderbarrieren sind ebenso wie bei den anderen Störarten die Hauptgründe für den Bestandsrückgang. Die letzte nachgewiesene Reproduktion in der Donau fand 2007 statt. Aktuell werden Jungfische im Einzugsgebiet des Schwarzen Meeres nur noch aus dem Rioni in Georgien gemeldet.
Gefährdungsstatus
Rote Liste global: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Österreich: Ausgestorben
CITES: Anhang II
FFH-Richtline: Anhang V

Glattdick
Familie: Störe, Acipenseridae
Glattdick: Acipenser nudiventris (Lovetsky, 1828)
Englisch: Ship sturgeon
Verbreitung: Europa und Asien
Alter: bis 36 Jahre
Merkmale
Gewicht: bis 120 kg
Länge: bis 2,2 m
Rückenflosse: 39–57 Flossenstrahlen
Afterflosse: 23–37 Flossenstrahlen
Rückenschilder: 11–17
Seitenschilder: 49–74
Bauchschilder: 11–17
Kiemenreusendorne: 24–45
Färbung: Der Rücken ist graugrün bis braun, die Seiten sind etwas heller, die Bauchseite weiß bis gelblich.
Rückenschild: Das erste Rückenschild hängt mit dem Hinterhaupt zusammen und ist gleichzeitig das größte Schild. An diesem Punkt erreicht dieser Fisch auch die größte Körperhöhe.
Bartfäden: 4 Stück, sind rund und an der Innenseite leicht gefranst.
Schnauze: kegelförmig.
Oberlippe: dick, wulstig und leicht eingebuchtet.
Unterlippe: Die dicke Unterlippe ist nicht geteilt und stellt ein sehr wichtiges Bestimmungsmerkmal dar.
Nahrung: In der Hauptsache dienen Schnecken, Muscheln, Krebse und manchmal auch kleine Fische als Nahrung.
Vorkommen: Schwarzes Meer, Kaspisches Meer und Aralsee sowie deren Zuflüsse
Merkmale: Auffälligstes Merkmal ist das sehr hohe erste Rückenschild, welches mit dem Schädel verwachsen ist und den höchsten Punkt des Körpers darstellt. Die Schnauze ist keilförmig spitz und wird bei älteren Tieren runder. Die Bartfäden sind leicht gefranst. Die Unterlippe ist im Gegensatz zu allen anderen Störarten nicht geteilt, dieses Merkmal ist jedoch nur bei größeren Fischen im Feld gebräuchlich. Der Körper ist als Jungtier beinahe schwarz, bei größeren Exemplaren dunkelbraun bis grau, mit weißem bis gelbem Bauch. Die Seitenschilder sind heller als der Untergrund und sehr klein (49–74) und erscheinen dadurch als weißes Längsband.
Wachstum: Der Glattdick wird bis zu 2,2 m lang und über 100 kg schwer.
Verwechslungsarten: Vom Sterlet lässt sich der Glattdick vor allem durch sein sehr hohes erstes Rückenschild, die kürzere Schnauze sowie die als Jungtier sehr dunkle Färbung unterscheiden. Der Waxdick hat ebenfalls ein deutlich niedrigeres erstes Rückenschild und im Gegensatz zum Glattdick deutlich größere und weniger Seitenschilde.

Kopfportrait: Gut erkennbar ist das erste hohe Rückenschild.
Biologie: Der Glattdick bildet sowohl anadrome als auch reine Süßwasserstämme aus. In der Donau war der Glattdick ein reiner Süßwasserfisch, welcher in der Vergangenheit zumindest bis Wien nachweislich dokumentiert ist. Über die Biologie ist wenig bekannt, Laichverhalten und Nahrungspräferenzen dürften aber den anderen Arten ähneln.
Gefährdungsursachen: Wie die anderen Störarten spielen auch beim Glattdick Überfischung, Wanderhindernisse und Degradierung des Lebensraumes die Hauptrolle beim Niedergang. Die Art ist in der Donau funktionell ausgestorben, die letzten bekannten Fänge von alten Einzelexemplaren waren 2005, 2007 und 2009. Es gibt keine Fische des Donaustammes bzw. aus dem Schwarzen Meer in Gefangenschaft und keinen Nachweis einer natürlichen Reproduktion in seinem gesamten ursprünglichen Verbreitungsgebiet. Alle in der Aquakultur erhältlichen Glattdicks stammen ursprünglich von nur vier Elterntieren ab. Der Glattdick ist somit eine der am meisten gefährdeten Fischarten Europas, wenn nicht weltweit.
Gefährdungsstatus
Rote Liste global: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Österreich: Ausgestorben
CITES: Anhang II
FFH-Richtline: Anhang V

Atlantischer Stör (Acipenser oxyrinchus)
Europäischer / Atlantischer Stör
Familie: Störe, Acipenseridae
Europäischer Stör, Gemeiner Stör: Acipenser sturio (Linnaeus, 1758)
Atlantischer Stör, Baltischer Stör: Acipenser oxyrinchus (Mitchill, 1815)
Verbreitung: Europa
Merkmale
Länge: bis 6 m
Gewicht: bis 600 kg
Alter: bis 60 Jahre
Rückenschilder: 9–16
Seitenschilder: 24–40
Bauchschilder: 8–14
Kiemenreusendorne: 15–29
Färbung: Der Rücken und die Seiten sind blauschwarz bis goldgrün gefärbt, die Bauchseite weiß bis gelblich.
Rückenschild: Das erste Rückenschild hängt mit dem Hinterhaupt zusammen.
Bartfäden: 4 Stück, stehen zwischen Maul und Schnauzenspitze.
Schnauze: lang, breit und leicht nach oben gebogen.
Oberlippe: dick, wulstig und leicht eingebuchtet.
Unterlippe: geteilt.
Nahrung: In der Hauptsache werden wirbellose Benthosorganismen gefressen, manchmal auch kleine Fische.
Vorkommen: Das Verbreitungsgebiet des Europäischen Störes erstreckt sich von der Nordsee über die Atlantikküste in das Mittelmeer, die Adria und das Schwarze Meer und deren Zuflüsse. In der Ostsee und ihren Zuflüssen wurde der Europäische Stör vor Jahrtausenden durch natürliche Zuwanderung vom Atlantischen Stör aus Nordamerika verdrängt, welcher auch an der europäischen Atlantikküste sympatrisch vorkam.
Merkmale: Beide Arten haben eine olivbraune bis grünliche Grundfärbung mit hellerem Bauch. Die sehr großen seitlichen Knochenplatten (A. sturio 24–40, A. oxyrinchus 24–35) können heller sein als der Untergrund. Oftmals haben sie rhombische Knochenplättchen zwischen den Schilderreihen. Das Maul ist quergestellt und sehr klein, die Schnauze kurz beim Europäischen Stör und lang beim Atlantischen Stör. Im Gegensatz zu den anderen europäischen Störarten ist die Rückenflosse annähernd so hoch wie lang.
Wachstum: Beide Arten werden 4–6 m lang und erreichen Gewichte um die 500 kg.
Gefährdungsursachen: Überfischung, Wanderbarrieren und der Verlust von Habitaten sind auch für diese beiden Arten die Gründe für das beinahe völlige Verschwinden. Der Europäische Stör kommt von seinem einstigen großflächigen Verbreitungsgebiet heute nur noch in kleiner Zahl im französischen Flusssystem der Gironde vor und wird mittels künstlicher Nachzucht und Auswilderung gestützt. Wiedereinbürgerungsbemühungen mit Auswilderungen von Jungtieren gibt es auch in Elbe und Rhein.
Der Atlantische Stör wurde in der Ostsee gänzlich ausgerottet, seit Ende der 1990er-Jahre laufen Wiedereinbürgerungsprojekte mit Muttertieren und Jungfischen aus Kanada in den meisten Ländern entlang der Ostsee.
Gefährdungsstatus
Rote Liste global: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Ausgestorben oder verschollen
CITES: Anhang I (A. sturio) und II (A. oxyrinchus)
FFH-Richtline: Anhang II & IV

Die Familie der Polyodontidae
Löffelstör
Familie: Löffelstöre, Polyodontidae
Löffelstör: Polyodon spathula (Walbaum, 1792)
Englisch: Paddlefsh
Verbreitung: Nordamerika
Merkmale
Alter: bis 40 Jahre
Gewicht: bis 80 kg
Länge: bis 2,3 m
Färbung: Der Rücken und die Seiten sind graugrün bis blauschwarz, die Bauchseite weiß bis gelblich.
Rückenschild: Löffelstöre besitzen keine Knochenplatten.
Bartfäden: Löffelstöre besitzen keine Bartfäden.
Schnauze: Ist löffelartig ausgeformt und kann bis zu einem Drittel der Gesamtlänge ausmachen. Das Maul ist nicht vorstülpbar.
Nahrung: Mit seinem speziellen Filterapparat (Kiemenreusen) wird Zooplankton filtriert.
Gefährdung: Der Löffelstör gilt in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet als gefährdet.
Gefährdungsstatus
Washingtoner Artenschutzabkommen Anhang II
Vorkommen: Der Löffelstör stammt ursprünglich aus dem Mississippi-Einzugsgebiet und wurde im 20. Jahrhundert für die teichwirtschaftliche Produktion in vielen Ländern importiert, um als Planktonfiltrierer die Primärproduktion von Teichen zu nutzen. Die Art hat sich aber nicht durchgesetzt, sodass man ihn inzwischen hauptsächlich in Angel- und Zierteichen findet.
Verwechslungsarten: Aufgrund seines eigentümlichen Körperbaus mit langem Löffel, großem Maul und Kiemenreusendornenapparat sowie dem nacktem Körper ohne Knochenplatten ist der Löffelstör mit keiner anderen Fischart zu verwechseln.
Besonderheiten: Die Enden der Schwanzflosse sind annähernd gleich lang, die Augen auffallend klein. Der Löffelstör ist aufgrund seines eigentümlichen Körperbaues mit keinem anderen Fisch zu verwechseln.

Die Familie der Anguillidae
Aal
Familie: Aale, Anguillidae
Aal: Anguilla anguilla (Linnaeus, 1758)
Flussaal, Blankaal, Gelbaal, Glasaal
Englisch: Eel
Merkmale: Das auffälligste Merkmal des Aales ist der schlangenartige Körper, der im vorderen Bereich fast drehrund und etwa ab dem Ansatz der Afterflosse seitlich immer mehr zusammengedrückt erscheint. Die paarigen Brustflossen sitzen direkt hinter dem Kopf, herkömmliche, aufklappbare Kiemendeckel fehlen, es sind lediglich lochartige Kiemenspalten vorhanden. Die Afterflosse setzt unmittelbar hinter dem Waidloch an, die Rückenflosse etwas weiter vorne, und beide ziehen sich bis zur Schwanzspitze durch und bilden einen zusammenhängenden Flossensaum. Die Bauchflossen fehlen. Hinsichtlich der Kopfform werden zwei Erscheinungsformen unterschieden, der Spitzkopfaal mit kleinem Kopf und kurzer Maulspalte und der Breitkopfaal, der einen verhältnismäßig großen, breiten Kopf und eine tiefe Mauspalte aufweist. Es handelt sich dabei aber keineswegs um verschiedene Arten. Wie in vielen anderen Bereichen gibt es aber auch hier „Übergangsformen“, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Die Färbung ändert sich im Laufe der Entwicklung, so sind Glasaale durchscheinend bzw. transparent, während der Gelbaal am Rücken grün/grau und am Bauch gelblich gefärbt ist. Der Blankaal zeigt hingegen einen weißen Bauch, und seine Flanken schimmern grau/silbrig bis leicht kupferfarben. Ein weiteres typisches Merkmal des Blankaales sind seine deutlich vergrößerten Augen. Der Aal besitzt kleine längliche Schuppen, die unter einer dicken Schleimschicht verborgen sind.
Wachstum: Die Durchschnittsgröße ist stark von der Wassertemperatur und dem Nahrungsangebot abhängig, liegt aber meist zwischen 40 und 80 cm. Die Milchner erreichen meist nur eine Maximalgröße von rund 50 cm, die Rogner können in Ausnahmefällen über 130 cm lang werden.
Bezahnung: Feine Bürstenzähne am Unter- und Oberkiefer.
Verwechslungsarten: Den Neunaugen fehlen die paarigen Brustflossen, außerdem besitzen sie beidseits je sieben Kiemenöffnungen.
Biologie: Die Biologie des Aales gehört zu den spannendsten Geheimnissen der Natur. Nach der Fressphase (Gelbaal) im Süßwasser wandern die Aale (Blankaal) in Richtung ihrer Laichplätze, die im Westatlantik, der Sargassosee, liegen. Der Aal ist demnach ein katadromer Wanderfisch. Nachdem sie sich dort gepaart haben, sterben die Laichfische. Die „jungen“ Aale entwickeln sich zu Weidenblattlarven, die mit dem Golfstrom in Richtung europäische Küsten verdriftet werden. Nach einer weiteren „Verwandlung“ zum Glasaal wandern sie aktiv flussaufwärts in die großen Flüsse wie z. B. die Elbe.
Aale sind nachtaktive Fische, die sich fast ausschließlich am Grund aufhalten. Sie kommen sowohl in Flüssen als auch in stehenden Gewässern vor. Aale sind sehr anpassungsfähig und können hohe Wassertemperaturen ebenso wie Phasen mit geringer Sauerstoffsättigung gut überdauern. Um Hindernisse zu überwinden, können Aale kurzfristig sogar über Land wandern, dazu ist allerdings ein feuchter Untergrund, wie regen- oder taunasse Wiesen, notwendig. Der Höhepunkt ihrer Aktivität liegt in der warmen Jahreszeit, im Winter verfallen Aale in eine Art Winterruhe. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, so fressen die Alle an manchen Voralpenseen den Laich der Seesaiblinge und Renken, und das bei einer Wassertemperatur zwischen 4 und 6 °C. Aale halten sich tagsüber meist versteckt in gut strukturierten Bereichen mit dichten Unterwasserpflanzen, Totholz, Höhlen und Blockwürfen auf. Sie graben sich aber auch gerne in schlammigen Bereichen ein, dabei ragt nur mehr der Kopf aus dem Gewässergrund. Zur Nahrungsaufnahme während der Dunkelheit suchen Aale gerne seichte Uferbereiche auf, in großen Gewässern, wie z. B. den Voralpenseen, dringt der Aal aber auch in Tiefen bis über 80 m vor.
Nahrung: Aale ernähren sich meist von tierischer Nahrung, dabei entwickeln sich oft zwei „Formen“, die nach der Art ihrer Nahrung unterschieden werden. Der Spitzkopfaal frisst in der Hauptsache benthische Kleinlebewesen wie Bachflohkrebse, Wasserasseln, Insektenlarven, Schnecken, Würmer, Fischlaich und Ähnliches. Der Breitkopfaal ernährt sich hingegen räuberisch von kleinen Fischen, wobei nicht nur bodenlebende Arten wie z. B. die Koppe, sondern auch andere schlanke Fischarten gefressen werden. Breitkopfaale lauern oft im Wasserpflanzendickicht auf ihre Beutefische. In manchen Voralpenseen haben sich die Raubaale darauf spezialisiert, Fische, die sich in den Netzen der Berufsfischer verfangen haben, zu fressen. Oft werden von den Aalen dabei nur die besten Stücke, wie Leber, Herz und Gonaden aus den Fischen herausgefressen. Zur bevorzugten Beute großer Aale zählen auch Krebse, wobei sie nach deren Häutung (Butterkrebsstadium) auch größere Exemplare leicht überwältigen können. Aale fressen auch die Eier anderer Fischarten, besonders gerne werden die Eier aus den Nestern von Zandern und Welsen gefressen, wodurch der Aal zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für diese Fischarten werden kann.

Die Schuppen liegen unter einer dicken Schleimschicht.
Gefährdungsursachen: Dort, wo der Aal ursprünglich heimisch war, ist er teilweise sehr selten geworden, andererseits kommen Aale heute durch Besatz in fast allen Gewässern Mitteleuropas vor. Die Hauptursachen für den Rückgang des Aales in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet sind einerseits unüberwindbare Hindernisse für aufstiegswillige Glasaale und teils massive Überfischung. Andererseits werden die Richtung Meer abwandernden Blankaale oft in den Turbinen der zahlreichen Wasserkraftwerke regelrecht zerstückelt.
Gefährdungsstatus
Rote Liste Österreich: regional ausgestorben (im ursprünglichen Verbreitungsgebiet)
Rote Liste Deutschland: stark gefährdet
Rote Liste Bayern: gefährdet
Rote Liste Baden-Württemberg: stark gefährdet
Washingtoner Artenschutzabkommen Anhang II
Fischerei: Aale gelten besonders im geräucherten Zustand als Delikatesse und sind daher von großem wirtschaftlichem Interesse für die Fischerei.

Blankaal

Gelbaal

Glasaale

Die Familie der Salmonidae
Die Familie der Lachsartigen umfasst sehr begehrte Fischarten wie Lachse, Forellen, Huchen und Saiblinge. Diese Fischarten sind sowohl hinsichtlich ihres ausgezeichneten Fleisches als auch als Angelfische sehr begehrt. Meerforellen und Lachse sind anadrome Wanderfische, sie leben also im Meer und steigen zum Laichen ins Süßwasser auf. Ein ähnliches Verhalten kann man auch bei einigen Seeforellenpopulationen großer Alpenseen beobachten. Diese Fische halten sich während des Jahres in den Freiwasserzonen der Seen auf, steigen im Herbst aber in die Zuflüsse auf, um zu laichen. Ihr ausgezeichnetes Fleisch ist sehr geschätzt, es besitzt kaum Zwischenmuskelgräten und so gehören beispielsweise die Regenbogenforellen zu den meist gezüchteten Speisefischen. Ihr bevorzugter Lebensraum sind sauerstoffreiche, kühle bis eiskalte Seen und Fließgewässer. So besiedelt unsere Bachforelle selbst noch kleinste Bäche, vorausgesetzt, sie findet dort sauberes Wasser und genügend Strukturen, die ihr Einstände und Laichmöglichkeiten bieten. Seesaiblinge findet man hingegen in den Tiefen unserer Voralpenseen oder in Hochgebirgsseen. Ihr gemeinsames Merkmal ist eine kleine strahlenlose Flosse zwischen Rücken- und Schwanzflosse, die sogenannte Fettflosse. Abgesehen von den Unterfamilien Coregonidae und Thymallidae besitzen die Salmoniden nur sehr kleine Schuppen und ein vergleichsweise großes Maul. Der Körper ist mit unterschiedlich vielen dunklen oder roten Flecken übersäht. Charakteristisch ist für einige Salmonidenarten auch der sogenannte Laichhaken, eine knorpelige Ausbildung am Ende des Unterkiefers, der nur bei den Milchnern zu finden ist. Der Laichhaken kann unterschiedlich stark ausgebildet sein, bei älteren See- und Bachforellen kann er sehr markant sein, während er bei Seesaiblingen meist eher unscheinbar ist. Beim Huchen findet man dieses Merkmal übrigens nicht. Die Färbung der Salmoniden ist meist dem Lebensraum angepasst, ein Musterbeispiel für Tarnung ist unsere heimische Bachforelle. Ihre Färbung ist so unterschiedlich wie die Lebensräume, in denen sie vorkommt, und kann von nahezu Weiß bis fast völlig Schwarz variieren. Saiblinge sind meist recht bunt gefärbt, sowohl der heimische Seesaibling als auch der aus Nordamerika stammende Bachsaibling leuchten besonders während der Laichzeit in intensiven Rot- und Orangetönen.
Ihr Nahrungsspektrum reicht, abhängig von Art und Größe, von winzigen Wasserinsekten bis hin zu Fischen. So ernähren sich Huchen oder Seeforellen fast ausschließlich von Fischen, während Forellen und Saiblinge hauptsächlich Wasserinsekten und deren Larven fressen. Auch hinsichtlich ihrer Endgröße gibt es bei den Salmoniden große Unterschiede. Steinforellen, kleinwüchsige Bachforellen in nahrungsarmen Gebirgsbächen, erreichen oft kaum 20 cm Endgröße, ebenso wie die Schwarzreuther, Seesaiblinge in eiskalten Hochgebirgsseen. Dagegen können Seeforellen, gute Bedingungen vorausgesetzt, durchaus Gewichte von 15 kg und darüber erreichen, ebenso wie Huchen in großen Flüssen deutlich über 30 kg schwer werden können. Neben äußeren Merkmalen gelten Form und Bezahnung des Pflugscharbeines als Unterscheidungsmerkmal der Salmonidenarten.

Huchen
Familie: Lachsartige, Salmonidae
Huchen: Hucho hucho (Linnaeus, 1758)
Donaulachs, Hauchforelle, Rotfisch
Englisch: Danube salmon
Merkmale: Heimische Fischart mit kleinen Schuppen, großem Kopf und tief gespaltenem Maul, mit einem auffällig langgestreckten Körperbau, der im Querschnitt fast drehrund erscheint. Ein weiteres Merkmal ist der lange, von der Seite her betrachtet, schlanke Kopf mit seiner tiefen Maulspalte, die bis hinter das Auge reicht. Betrachtet man den Kopf hingegen von oben, erscheint die Schnauze stumpf. Charakteristisch ist auch die im Gegensatz zu den anderen Flossen relativ große Fettflosse. Die Färbung kann von Gewässer zu Gewässer variieren. Während als Grundfarbe etwa im vorderen Körperdrittel Grau- und Grüntöne dominieren, ist der Körper im hinteren Bereich am Rücken und an den Flanken oft kupferrot oder rotbraun gefärbt. Diese rötliche Färbung findet man während des ganzen Jahres, während der Laichzeit wird sie jedoch intensiver. In manchen Flüssen, meist solchen mit Gletscherwasser, können Huchen aber auch am ganzen Körper einheitlich grau, manchmal sogar mit leichtem Grünschimmer gefärbt sein. Die Bauchseite ist weiß eingefärbt. Über den Körper verteilt, besitzt der Huchen kleine schwarze Flecken, die nicht kreisrund, sondern halbmond- oder sternförmig sind. Die Anzahl dieser Flecken variiert ebenso stark wie die Grundfarbe. So findet man bei manchen Exemplaren nur ganz wenige Flecken, andere Huchen sind geradezu übersät mit ihnen. Bei manchen Populationen wie etwa in der Pielach findet man diese Flecken auch in der Rückenflosse. Brust-, Bauch-, After- und Schwanzflosse sind nicht gefleckt, die paarigen Flossen weisen aber gerade bei jüngeren Exemplaren gerne einen dünnen weißen Saum auf. Bei Junghuchen sind während der ersten 2 Jahre vor allem bei Wildfängen die Jugendflecken gut erkennbar, zudem sind diese Fische meist intensiv gefärbt und mit zahlreichen dunklen Punkten übersät. Bei Junghuchen, die aus Fischzuchten stammen, können die Jugendflecken nur schwach ausgeprägt sein oder gänzlich fehlen. Die Färbung dieser Besatzfische kann von Hellgrau bis Rotbraun variieren und die dunklen Tupfen können manchmal völlig fehlen. Meist ist bei jungen Besatzhuchen der Hinterrand der Schwanzflosse ausgefranst und deren Enden sind abgerundet. Bei Junghuchen, die wild aufgewachsen sind, laufen die Enden der Schwanzflosse spitz aus.
Wachstum: Die Durchschnittsgröße liegt je nach Gewässer zwischen 70 und 100 cm, die aktuellen Maximalgrößen liegen bei ca. 145 cm und das Maximalgewicht bei rund 35 kg. In der Vergangenheit wurden aber in der Donau Huchen mit bis zu 60 kg gefangen.
Schuppenformel
SL 180–220 Schuppen entlang der Seitenlinie
Flossenformel
RF 3–4 Hartstrahlen, 9–10 gefiederte Weichstrahlen
AF 4–5 Hartstrahlen, 7–9 gefiederte Weichstrahlen
Bezahnung: Die Kieferknochen des Huchens sind mit kräftigen Zähnen besetzt, ebenso das Zungenbein. Die Platte der Pflugscharbeines trägt vier bis acht Zähne, der Stiel ist nicht bezahnt.
Verwechslungsarten: Die Regenbogenforelle, besitzt zahlreiche dunkle Flecken in der Schwanzflosse, ihr Körper ist seitlich zusammengedrückt und im Vergleich zum Huchen hochrückiger, ihre Fettflosse deutlich kleiner. Die Bachforelle besitzt meist rote Tupfen, der Huchen nicht. Manche Zuchtformen der Saiblinge sehen dem Huchen vom Körperbau her ähnlich, haben aber meist einen marmorierten Rücken.
Biologie: Der Huchen lebt in den sauerstoffreichen und kühlen Fließgewässern des Donaueinzugsgebietes von der Äschen- bis zur Barbenregion. Er bevorzugt als Raubfisch Standplätze wie tiefe Rinner, unterspülte Ufer und Bereiche mit versunkenem Holz. Meist leben Huchen als Einzeltiere in Gewässern mit gutem Bestand, aber auch in kleinen Gruppen.
Laichzeit: Frühjahrslaicher, zieht je nach Wassertemperatur zwischen März und Mai zu den Laichplätzen, die an seichten, stark überströmten Kiesbänken liegen. Von den Rognern werden Laichgruben geschlagen, um dann ihre Eier darin abzulegen. An den sogenannten Riebplätzen spielen sich unter den Milchnern wilde Kämpfe um die Vorherrschaft ab. Die Entwicklung der Eier und der Dottersackbrut findet im Schutz des Kieslückensystems statt.
Nahrung: Der Huchen ist ein ausgesprochener Raubfisch, er ernährt sich bereits als Jungfisch hauptsächlich von der Brut anderer Fische, meist Cyprinidenarten wie Aitel, Barben, Nasen, Strömer, aber auch Äschen. Daneben fressen Junghuchen auch noch Insekten und deren Larven. Das Beutespektrum erwachsener Huchen umfasst hauptsächlich Fische, dabei werden jene Fischarten gefressen, die am häufigsten vorkommen, schlanke Arten wie Aitel, Barben, Nasen, Aalrutten, Neunaugen und Salmoniden werden aber bevorzugt. Bei sich bietender Gelegenheit erbeuten große Huchen auch kleine Nager und junge Wasservögel.
Gefährdungsursachen: Die Hauptursachen liegen im Verlust natürlicher Lebensräume, fehlende oder nicht erreichbare Laichplätze, strukturarme, hart verbaute Gewässer sind oft die traurige Realität. Schwall- und Sunkbetrieb machen vielerorts schon eine erfolgreiche Entwicklung von Ei- und Larvalstadien unmöglich, überströmte Seichtwasserbereiche oder fischpassierbare Seitengewässer fehlen oft, sind aber der Lebensraum der Junghuchen. Gar nicht so selten fehlen den Junghuchen auch die entsprechenden Futterfischbestände. In der Vergangenheit hat da und dort wohl auch zu großer Befischungsdruck eine Rolle gespielt.

Kopf eines erwachsenen Huchens

Kopf eines 1-jährigen Huchens

1-jähriger Huchen
Gefährdungsstatus
Rote Liste Österreich: stark gefährdet
Rote Liste Deutschland: stark gefährdet
Rote Liste Bayern: gefährdet
Rote Liste Baden-Württemberg: vom Aussterben bedroht
Im Anhang II und V der FFH Richtlinie (92/43/EWG) angeführt
Angelfischerei
Der Huchen ist von großem Interesse für Angler.

Schuppenbild beim erwachsenen Huchen

2-jähriger Huchen

Kopf eines 2-jährigen Huchens

Schwarze Flecken treten bei vielen Exemplaren auch in der Rückenflosse auf.

Regenbogenforelle
Familie: Lachsartige, Salmonidae
Regenbogenforelle: Oncorhynchus mykiss (Walbaum, 1792)
Englisch: Rainbow trout
Merkmale: Der Körperbau der Regenbogenforelle gleicht in etwa dem der Bachforelle, allerdings ist die Regenbogenforelle seitlich mehr zusammengedrückt und ihr Kopf verhältnismäßig klein. Die Regenbogenforelle fällt durch ein mehr oder weniger intensiv rot gefärbtes Längsband auf, das sich von den Kiemendeckeln bis zur Schwanzwurzel ziehen kann. Es kommen aber auch Exemplare vor, denen dieses typische rötliche Band fehlt, meist handelt es sich dabei um Fische, die in Seen leben. Ein weiteres typisches Merkmal sind zahlreiche dunkle Tupfen, die über den ganzen Körper verteilt sein können. Die Zahl und Anordnung dieser Tupfen variiert zwischen einzelnen Populationen und Stämmen deutlich. Die größte Dichte dieser Tupfen findet man gewöhnlich im Rückenbereich. Die Körperfärbung variiert, abgesehen vom rötlichen Längsband, von Hell- bis Dunkelgrün am Rücken, an den Flanken dominieren silbrige bis grünliche Farben. Der Bauch ist meist weiß, kann aber zur Laichzeit bei manchen Stämmen rötlich oder orangerot angehaucht sein. Bei der Rücken- und Schwanzflosse dominiert ein Graugrün als Grundfarbe, darüber liegen aber zahlreiche schwarze Tupfen. Bei manchen Stämmen ist die Spitze der Rückenflosse weiß gefärbt, auch die Bauch- und Afterflossen sind oft weiß gesäumt. Generell sind die Milchner intensiver gefärbt als die Rogner. Die Maulspalte ist bei kleinen und mittleren Exemplaren nicht sehr tief und reicht meist nur bis zum Augenhinterrand, erst bei älteren Milchnern ist das Maul tief gespalten und reicht bis hinter das Auge zurück. Ähnlich verhält es sich mit den Proportionen des Kopfes, während dieser bei jüngeren und weiblichen Exemplaren eher klein erscheint, tritt bei alten Milchnern ein massiger Schädel mit deutlichem Laichhaken in Erscheinung.
Wachstum: Die Durchschnittsgröße der Regenbogenforelle in Freigewässern liegt zwischen 25 und 35 cm, Wildfische können bei entsprechendem Nahrungsangebot in Ausnahmefällen 80 cm und mehr erreichen. In Angelteichen werden Regenbogenforellen bereits mit erheblichen Größen und Gewichten besetzt, sie können unter günstigen Bedingungen (Fütterung) Gewichte bis über 10 kg erreichen.
Flossenformel
RF 4 Hartstrahlen, 9–10 gefiederte Weichstrahlen
AF 3 Hartstrahlen und 10–11 gefiederte Weichstrahlen
Bezahnung: Die Kieferknochen der Regenbogenforelle sind mit eher kleinen Zähnen besetzt, am Pflugscharbein ist der Stiel bezahnt, auf der Platte sitzen meist vier Zähne.
Verwechslungsarten: Die Junghuchen besitzen zwar manchmal auch weiße Säume an den paarigen Flossen und der Afterflosse, aber keine schwarzen Tupfen auf der Schwanzflosse. Den Junghuchen fehlt das rötliche Längsband entlang der Flanken, zudem erscheint ihr Körper und Kopf auffallend schlank und im Querschnitt fast drehrund.
Biologie: Die Regenbogenforelle wurde um 1880 nach Europa und in weiterer Folge nach Österreich eingeführt, ihre ursprüngliche Heimat liegt in Nordamerika. Die Regenbogenforelle ist im Vergleich zur Bachforelle hinsichtlich der Wassertemperatur, Gewässerstruktur und anderer Umweltbedingungen wesentlich toleranter. Deshalb kann sie sich auch in naturfern verbauten Gewässern wie Stauseen, aber auch in Baggerseen und Teichen gut halten.
Auch wenn die Regenbogenforelle wohl der „meistbesetzte“ Fisch in Europa ist und viele Bestände nur durch Besatz aufrecht erhalten werden, reproduziert diese Fischart heute in zahlreichen heimischen Freigewässern sehr erfolgreich, beispielsweise in der Mur, Gail oder in der Lammer. In vielen mitteleuropäischen Bächen und Flüssen ist die Regenbogenforelle heute mit Abstand die häufigste Fischart. Recht unterschiedlich fällt ihr „rechtlicher Status“ aus, er hängt von den örtlichen Fischereigesetzen ab. So gilt sie mancherorts als eingebürgert, standortfremd oder heimisch und genießt demnach in manchen Gewässern eine Schonzeit und ein Mindestmaß oder eben nicht. In manchen europäischen Ländern, etwa auch in Kärnten, darf die Regenbogenforelle nicht mehr in Freigewässer besetzt werden, in vielen Gewässern wäre die Angelfischerei ohne diese Fischart in den letzen Jahren aber nicht mehr möglich gewesen. Natürlich sollte man die Regenbogenforelle nicht in Gewässer mit intaktem Bachforellen- oder Äschenbestand besetzen. In den zahlreichen vom Menschen beeinträchtigten Gewässern ist die Regenbogenforelle jedoch oft die einzige überlebensfähige Salmonidenart.
Laichzeit: Regenbogenforellen laichen je nach Abstammung im Herbst oder im Frühjahr.

Wenig schwarze Tupfen, Regenbogenforelle aus der Lammer

Zahlreiche schwarze Tupfen, Regenbogenforelle aus der Mur

1-jährige Regenbogenforelle

Goldforelle
Nahrung: Regenbogenforellen ernähren sich in Freigewässern in der Hauptsache von Wasserinsekten und deren Larven, Kleinkrebsen, Würmern, Muscheln und Schnecken. Größere Exemplare entwickeln sich in manchen Gewässern zu ausgesprochenen Raubfischen, die sich fast ausschließlich von Fischen ernähren. Andererseits spielen Insekten auch bei großen Regenbogenforellen noch eine wichtige Rolle in der Nahrungszusammensetzung. Regenbogenforellen sind bei der Auswahl ihrer Nahrung nicht besonders wählerisch, so kommt es häufig vor, dass sie Brot oder Speisereste fressen, die eigentlich für Wasservögel gedacht waren.
Fischerei: Für die Fischerei ist die Regenbogenforelle die mit Abstand wichtigste Salmonidenart in Mitteleuropa, die hauptsächlich als Speise-, aber auch als Besatzfisch produziert wird. Auch für Angler ist diese Fischart von großem Interesse.
Gefährdungsstatus
Rote Liste Österreich: nicht eingestuft
Rote Liste Deutschland: nicht bewertet
Rote Liste Bayern: nicht angeführt
Rote Liste Baden-Württemberg: nicht bewertet

Kopfporträt der Regenbogenforelle

Bachforelle
Familie: Lachsartige, Salmonidae
Bachforelle: Salmo trutta forma fario (Linnaeus, 1758)
Steinforelle, Flussforelle, Rotgetupfte
Englisch: Brown trout

Kopf einer 1-jährigen Bachforelle

Lokale Farbvariante eines Bachforellenstammes aus der Wilden Gerlos
Merkmale: Heimische Fischart mit kleinen Schuppen und großem Maul. Die Körperform erscheint langgestreckt, keulenförmig und ist seitlich zusammengedrückt. Erwachsene Tiere zeigen mehr oder weniger zahlreiche schwarze Tupfen, die sich vom Rücken bis über die Flanken ziehen. Diese Tupfen können rund und klar abgegrenzt, aber auch sternförmig und über mehrere Schuppen verteilt sein. Charakteristisch für die Bachforelle sind allerdings ihre roten Tupfen, die oft weiß eingefasst sind. Die Bauchseite ist weißlich, die Flanken graugrün bis dottergelb gefärbt, der Rücken meist olivgrün. In den ersten beiden Lebensjahren sind an den Flanken deutliche große Jugendflecken erkennbar. Grundsätzlich dient die Körperfärbung der Bachforelle ihrer Tarnung, entsprechend variabel sind auch die Farbvarianten, die bei dieser Fischart zu finden sind. Die Bachforelle besitzt auch die Fähigkeit, ihre Körperfärbung in kurzer Zeit einer neuen Umgebung anzupassen. In der Rückenflosse finden sich dunkle Tupfen, ihre Grundfärbung ist meist grau/grün. Bei manchen Exemplaren finden sich in der Rückenflosse aber auch zahlreiche rote Tupfen. Die Brust-, Bauch- und Afterflosse können gelb, grün oder auch weißlich gefärbt sein, sind aber farblich meist auf die restliche Körperfärbung abgestimmt. Auf der Fettflosse finden sich bei manchen Bachforellen rote und/oder schwarze Tupfen. Die Schwanzflosse ist besonders bei jungen Tieren oft deutlich eingebuchtet, ältere Exemplare zeigen dagegen meist einen gerade verlaufenden Rand der Schwanzflosse. Während der Laichzeit färben sich Bachforellen ähnlich wie die Meerforellen dunkel ein, besonders bei den Milchnern können dann der Bauch und die paarigen Flossen schwarz eingefärbt sein. Der Kopf läuft, seitlich betrachtet, gegen die Schnauze schlank zu, die Maulspalte reicht meist bis hinter das Auge. Ältere Milchner prägen einen typischen „Charakterkopf“ mit starkem Laichhaken aus, die Unterscheidung der Geschlechter anhand des Kiefer- oder Laichhakens ist aber nicht immer möglich. Die Kiefer sind mit kräftigen Zähnen besetzt.
Wachstum: Das Wachstum der Bachforelle hängt stark von ihrem Lebensraum ab, so können in kleinen, nahrungsarmen Bächen sogenannte Steinforellen vorkommen, die bereits mit einer Größe von ca. 15 cm laichreif werden und an ihrem proportional großen Kopf erkennbar sind. Andererseits können Bachforellen in nahrungsreichen Bächen oder Flüssen zu Exemplaren mit über 10 kg abwachsen. Unter normalen Bedingungen kann man von einer Durchschnittslänge zwischen 25 und 35 cm ausgehen.
Schuppenformel
SL 105–132 Schuppen entlang der Seitenlinie
Flossenformel
RF 3–4 Hartstrahlen, 8–12 gefiederte Weichstrahlen
AF 3–4 Hartstrahlen, 6–10 gefiederte Weichstrahlen
Bezahnung: Die Kieferknochen der Bachforelle sind mit kräftigen Zähnen besetzt, ebenso das Zungenbein. Am Pflugscharbein sind der Stiel mit 9–18 und die Platte mit 2–6 Zähnen besetzt.
Verwechslungsarten: Seeforellen und Bachforellen sind anhand ihres äußeren Erscheinungsbildes nicht immer zu unterscheiden. Regenbogenforellen zeigen meist einen rötlichen Streifen bzw. Schimmer, beginnend am Kiemendeckel über die Körpermitte. Junghuchen haben nie rote Punkte und immer eine auffallend schlanke Körperform.
Biologie: Die Bachforelle bewohnt kühle, sauerstoffreiche Bäche und Flüsse vom Gebirge bis in die Niederungen. Ebenso findet man sie in kalten Gebirgsseen.
Die Bachforelle ist stark an Strukturen gebunden, in die sie sich bei Gefahr zurückziehen kann. Das bedeutet, dass unterspülte Uferbereiche, überhängendes Gras oder Äste, Totholzansammlungen, Wasserpflanzenbestände, große Steine oder Felsen und ein abwechslungsreicher Verlauf des Gewässers die idealen Lebensraumbedingungen für sie darstellen. So können sich selbst in kleinsten Bächen, wenn sie ausreichend strukturiert sind, gute Bachforellenbestände entwickeln.

Die Fettflosse kann sehr unterschiedlich gefärbt sein.

Bachforellenmilchner mit beginnender Laichfärbung
Laichzeit: Bachforellen sind Herbstlaicher und suchen von Oktober bis Dezember ihre Laichplätze auf. In kleinen Bächen liegen diese oft in unmittelbarer Nähe der Standplätze. In größeren Gewässern ziehen Bachforellen meist in kleine Zuflüsse hinauf, um dort zu laichen. Die Rogner schlagen an stark überströmten, meist recht seichten Bereichen Laichgruben in das kiesige Substrat, während die Milchner um die Vorherrschaft am Laichplatz kämpfen. Die abgelegten Eier werden vom Rogner wieder mit Kies bedeckt und entwickeln sich im Schutze des Kieslückensystems.
Nahrung: Bachforellen ernähren sich recht vielseitig, der Schwerpunkt kleiner und mittlerer Fische liegt aber bei Wasserinsekten und vor allem deren Larven, daneben werden Bachflohkrebse, Würmer, in manchen Gewässern auch Schnecken und kleine Muscheln gefressen. Größere Bachforellen ernähren sich zunehmend räuberisch, so werden Amphibien wie Frösche und Molche bzw. deren Larven gerne gefressen. Auch kleine Nager wie Mäuse fallen großen Bachforellen manchmal zum Opfer. Einen sehr wichtigen Aspekt im Nahrungsspektrum größerer Bachforellen stellen aber Fische dar, wobei besonders Koppen, Schmerlen, Elritzen und andere Kleinfische gefressen werden. In kleinen Gewässern mit dichtem Bachforellenbestand spielt der Kannibalismus eine wesentliche Rolle in der Ernährung.
Gefährdungsursachen: Viele Bachforellenbestände werden heute nur mehr durch Besatz aufrecht erhalten, dieser Umstand verleitet dazu, die dramatische Situation mancher Populationen nicht richtig einzuschätzen. Natürlich reproduzierende Bestände ursprünglicher Bachforellen sind heute meist nur mehr in kleinen, fischereilich kaum bewirtschafteten Bächen zu finden. Die Ursachen dafür liegen in der Zerstörung natürlicher Lebensräume bzw. im Verlust oder der Nichterreichbarkeit der Laichplätze. So werden selbst heute noch ursprünglich gut strukturierte Forellenbäche rücksichtslos begradigt bzw. naturfern verbaut. Aber auch der Eintrag toxischer Stoffe, wie z. B. Jauche aus der Landwirtschaft, löscht immer wieder ganze natürlich reproduzierende Bestände aus. In manchen Gewässern ist auch ein zu hoher Befischungsdruck für den Rückgang der Bachforellenbestände mitverantwortlich. Gerade in kleineren Gewässern hat der Fraßdruck durch Graureiher, vor allem während der Laichzeit, verheerende Folgen für die Bachforellenbestände. Eine nicht zu unterschätzende und von vielen Bewirtschaftern unbemerkte Gefahr geht allerdings auch vom Besatz mit ungeeignetem Besatzmaterial aus, dadurch kommt es zur genetischen Vermischung der Bestände, die dadurch ihre Überlebensfähigkeit einbüßen.

Das Aussehen hängt stark vom jeweiligen Gewässer ab.

Bachforellen ernähren sich auch räuberisch.

In nahrungsarmen Gewässern bilden sich kleinwüchsige Hungerformen.

Der Tigerfisch ist eine Kreuzung zwischen Bachforelle und Bachsaibling.
Gefährdungsstatus
Rote Liste Österreich: nahezu gefährdet
Einschätzung des Autors 2020: gefährdet
Rote Liste Deutschland: nur Forelle/Salmo trutta angeführt – ungefährdet
Rote Liste Bayern: Art der Vorwarnliste
Rote Liste Baden-Württemberg: Vorwarnliste
Angelfischerei
Die Bachforelle ist von großem Interesse für Angler.

Seeforelle
Familie: Lachsartige, Salmonidae
Seeforelle: Salmo trutta forma lacustris (Linnaeus, 1758)
Lachsforelle, Ferche, Schwebforelle, Laxl, Lax, Låxn
Englisch: Lake trout (gilt allerdings auch für den Namaycush)
Wichtiger Hinweis: Bei der Seeforelle handelt es sich um eine Form, einen Ökotyp, der europäischen Forelle Salmo trutta. In der Praxis ist es oft nicht möglich, „Bachforellen“ und „Seeforellen“ anhand äußerer Merkmale eindeutig zuzuordnen, da speziell in Seen, die von Fließgewässern durchflossen werden (z. B. Traunsystem, Hallstättersee, Traunsee), beide Ökotypen nebeneinander vorkommen und sich auch natürlich vermischen. Zudem wurden in Fischzuchten in der Vergangenheit verschiedenste Stämme von See- und Bachforellen gekreuzt und in zahlreiche Gewässer besetzt. Vereinzelte rote Flecken werden oft überbewertet und machen aus einer Seeforelle noch keine Bachforelle – wie umgekehrt Bachforellen mit überwiegend schwarzen Tupfen noch keine Seeforelle ausmachen. So zeigen die Bachforellen in irischen Lochs fast ausschließlich schwarze Flecken. In einigen großen Voralpenseen haben sich aber Populationen der „typischen Seeforelle“ herausgebildet. Die folgende Beschreibung bezieht sich daher auf das typische Erscheinungsbild des Ökotyps Seeforelle.
Merkmale: Heimische Fischart mit kleinen Schuppen und großem Maul, in den ersten beiden Lebensjahren sind Seeforellen meist nicht von der Bachforelle zu unterscheiden, da sie auch rote Tupfen und eine oft stark eingebuchtete Schwanzflosse haben. Die Körperform erscheint langgestreckt, keulenförmig und ist seitlich zusammengedrückt. Ältere Exemplare können bei entsprechendem Nahrungsangebot in großen Voralpenseen mit Renken- und Seesaiblingsbeständen eine bullige, relativ hochrückige Körperform aufweisen. In nahrungsarmen Gebirgsseen hingegen sind selbst alte Exemplare noch schlank und haben oft einen unverhältnismäßig großen Kopf. Die Färbung des Ökotyps salmo trutta forma lacustris ist sehr variabel und hängt stark vom Lebensraum und der Herkunft der Fische ab. Charakteristisch für die Seeforelle ist die silbrige Grundfärbung an den Seiten, der Bauch ist weiß gefärbt. Der Rücken kann dunkelgrau, dunkelgrün, fast schwarz, in manchen Seen aber auch türkisgrün gefärbt sein. Typisch sind auch die mehr oder weniger häufigen schwarzen Flecken, die meist auf mehrere Schuppen verteilt sind und daher oft unsymmetrisch oder kreuzförmig erscheinen. Diese schwarzen Flecken finden sich auch am Kopf, hinter dem Auge und auf den Kiemendeckeln sowie auf der Rückenflosse. Bei manchen Seeforellenstämmen können diese Flecken auch dunkelbraun oder rostfarben sein. In seltenen Ausnahmefällen findet man einige dieser Flecken auch auf der Schwanzflosse. Die paarigen Flossen und die Afterflosse sind nicht gefleckt. Zwischen der Rücken- und Schwanzflosse sitzt eine meist relativ große Fettflosse. Der Hinterrand der Schwanzflosse verläuft bei erwachsenen Exemplaren gerade, oft sogar leicht nach außen gewölbt. Während der Laichzeit färben sich Seeforellen ähnlich wie die Meerforellen dunkel bis schwarz. Der Kopf läuft, seitlich betrachtet, gegen die Schnauze schlank zu, die Maulspalte reicht meist bis hinter das Auge. Ältere Milchner prägen einen typischen „Charakterkopf“ mit starkem Laichhaken aus. Die Kiefer sind mit kräftigen Zähnen besetzt.

Sechs Monate alte Seeforelle

Seeforellenmilchner im Laichkleid (Wolfgangsee)

Schuppenbild einer Seeforelle im Laichkleid
Wachstum: Die Durchschnittsgröße liegt je nach Gewässer zwischen 40 und 80 cm, die aktuellen Maximalgrößen liegen bei ca. 100 cm und das Maximalgewicht bei rund 20 kg. In der Vergangenheit wurden aber in den großen Voralpenseen, wie Attersee, Traunsee, Grundlsee usw., Seeforellen mit über 30 kg gefangen.
Schuppenformel
SL 105–132 Schuppen entlang der Seitenlinie
Flossenformel
RF 3–4 Hartstrahlen, 8–12 gefiederte Weichstrahlen
AF 3–4 Hartstrahlen, 6–10 gefiederte Weichstrahlen
Bezahnung: Die Kieferknochen der Seeforelle sind mit kräftigen Zähnen besetzt, ebenso das Zungenbein. Am Pflugscharbein sind der Stiel mit 9 bis 18 und die Platte mit zwei bis sechs Zähnen besetzt.
Verwechslungsarten: Nicht klar abgrenzbar, da es in der Natur zur Vermischung der beiden Ökotypen Bachforelle und Seeforelle kommt. Bachforellen besitzen typischerweise neben dunklen Tupfen meist runde rote Tupfen mit heller Umrandung und eine grünbraune Rückenfärbung, die Seiten sind oft gelblich gefärbt. Die Regenbogenforelle besitzt zahlreiche dunkle Flecken in der Schwanzflosse und meist einen rötlichen Schimmer (Streifen) am Kiemendeckel und entlang der Seitenlinie. Der Huchen erscheint immer schlank und langgestreckt, sein Körperquerschnitt fast drehrund.
Biologie: Die Seeforelle lebt in kühlen, sauerstoffreichen Alpen- und Voralpenseen. Die Jungfische halten sich entweder im Mündungsbereich von Zuflüssen oder im Uferbereich der Seen auf. Erwachsene Seeforellen leben meist in den weitläufigen Freiwasserzonen der Seen, kommen zur Nahrungssuche aber auch an die Oberfläche oder in Ufernähe. Die Laichreife erreichen großwüchsige Seeforellenstämme erst mit ca. 4 Jahren, sie sind dann bereits über 60 cm lang und rund 3 kg schwer.

Seeforelle aus der Mondseeache im 2. Lebensjahr

Milchner mit ausgeprägtem Laichhaken
Laichzeit: Seeforellen sind Herbstlaicher und ziehen dort, wo es möglich ist, von Oktober bis Dezember in die Seezuflüsse hinauf, um zu laichen. Dabei legen manche Populationen kilometerlange Strecken in größeren Flüssen zurück, andere wieder steigen nur ein paar hundert Meter in kleine einmündende Bäche auf. Ist der Laichaufstieg wegen Niedrigwasser nicht möglich, laichen die Seeforellen auf den Schotterkegeln der einmündenden Zubringer. In manchen Seen können Seeforellen sogar im See selbst an kiesigen Stellen laichen. Die Laichplätze in den Zubringern liegen ebenfalls an stark überströmten kiesigen Stellen. Von den Rognern werden dort Laichgruben geschlagen, um dann ihre Eier darin abzulegen. Die Entwicklung der Eier und der Dottersackbrut findet im Schutz des Kieslückensystems statt.
Nahrung: Seeforellen ernähren sich in ihrer Jugend von Wasserinsekten und deren Larven, Kleinkrebsen und Fischbrut. Erwachsene Seeforellen sind ausgesprochene Raubfische und ernähren sich fast ausschließlich von Fischen. Bevorzugte Beutefische der Seeforelle sind Seesaiblinge, Renken und Seelauben.
Gefährdungsursachen: Die Ursachen liegen im Verlust intakter Laichplätze bzw. darin, dass der Aufstieg zu den Laichplätzen z. B. durch Querbauwerke nicht möglich ist. Für den Rückgang der einst guten Seeforellenbestände ist aber ohne Zweifel auch die Überfischung der Bestände verantwortlich. So gingen an vielen Salzkammergutseen die Seeforellenbestände nach der Einführung der Monofilnetze dramatisch zurück. Aber auch der Fang junger Seeforellen durch intensive Angelfischerei trug zum Rückgang einiger Bestände bei. Leider ist bis heute in vielen Gewässern das Mindestmaß für Seeforellen viel zu niedrig angesetzt, was zur Folge hat, dass die meisten Seeforellen gefangen werden, bevor sie einmal ablaichen konnten. Als positives Beispiel kann hier der Weißensee in Kärnten angeführt werden, dort gilt für die Seeforelle ein Mindestmaß von 70 cm.
Gefährdungsstatus in Österreich
Rote Liste Österreich: nicht angeführt
Einschätzung des Autors 2020: stark gefährdet
Rote Liste Deutschland: nur Forelle/Salmo trutta angeführtungefährdet
Rote Liste Bayern: stark gefährdet
Rote Liste Baden-Württemberg: stark gefährdet
Fischerei: Das Fleisch der Seeforelle gilt als besondere Delikatesse, ist jedoch nur selten verfügbar.

Seesaibling
Familie: Lachsartige, Salmonidae
Seesaibling: Salvelinus umbla (Linnaeus, 1758)
Wildfangsaibling, Freiwassersaibling, Tiefensaibling, Schwarzreuther
Englisch: Arctic char
Merkmale: Der Seesaibling gehört zu den schönsten heimischen Fischen. Die Körperform ist langgestreckt und schlank, im Querschnitt fast rund und seitlich nur wenig zusammengedrückt. Seine Färbung ist sehr variabel und vom Lebensraum abhängig. Der Rücken kann von grün bis blau und grau gefärbt und mit hellen Punkten übersäht sein, ist jedoch nicht so deutlich marmoriert wie beim Bachsaibling. Die Flanken sind grau bis olivgrün und ebenfalls mit zahlreichen hellen, oft roten bis orangefarbenen Punkten übersäht, diese Punkte sind jedoch nicht blau eingefasst wie beim Bachsaibling. Oft zeichnen sich selbst bei erwachsenen Exemplaren die großen Jugendflecken noch mehr oder weniger stark ab. Besonders die Milchner können entlang des Bauches mehr oder weniger intensiv orangerot oder gelb gefärbt sein. Die Rogner sind üblicherweise blasser gefärbt als die Milchner, doch gibt es hier auch Ausnahmen. Die Farben werden zur Laichzeit besonders intensiv, das Maulinnere und der Kopf kann bei den Milchnern fast schwarz werden und einen starken Kontrast zu den leuchtend roten Bäuchen bilden. Bei manchen Stämmen kann zur Laichzeit die orangerote Färbung stellenweise vom Bauch bis über die Seitenlinie hinauf zum Rücken reichen. Ältere Milchner können einen deutlichen Laichhaken ausbilden. Seesaiblinge, die in großen Tiefen leben, können aber auch zeitlebens unscheinbar blassgrau gefärbt sein. Die Vorderränder der paarigen Flossen und der Afterflosse sind weiß gesäumt. Die Rückenflosse ist nicht stark marmoriert so wie beim Bachsaibling. Die Schwanzflosse ist selbst bei älteren Exemplaren noch deutlich eingebuchtet. Bei alten Wildfischen kann der Maulspalt sehr tief sein und die Spitzen der Brustflossen können bis zum Ansatz der Rückenflosse zurückreichen.
Wachstum: Die Durchschnittsgröße des Seesaiblings hängt stark vom jeweiligen Gewässer ab. In nahrungsarmen Gebirgsseen können sich regelrechte Hungerformen (sogenannte Schwarzreuther) ausbilden, deren maximale Größe 20 cm kaum überschreitet und die bereits mit 12 cm laichreif sein können. Aufgrund des sehr langsamen Wachstums im Hochgebirge erreichen diese Fische ein Alter von bis zu 22 Jahren. Ähnliche „Zwergformen“ kommen auch in tiefen Voralpenseen neben den „normalen“ Seesaiblingen vor. Andererseits können räuberische Seesaiblinge (sogenannte Wildfangsaiblinge) unter günstigen Umständen durchaus 5 kg und mehr erreichen. Im Normalfall liegt die Durchschnittsgröße etwa zwischen 25 und 35 cm.

Seesaibling im 1. Lebensjahr

2-jährig – mit deutlichen Jugendflecken
Flossenformel
RF 3–4 Hartstrahlen, 9–11 gefiederte Weichstrahlen
AF 3 Hartstrahlen, 8–10 gefiederte Weichstrahlen
Bezahnung: Der Seesaibling besitzt eine kräftige Bezahnung an allen Kieferknochen, beim Pflugscharbein ist nur die Platte bezahnt, der Stiel ist zahnlos.
Verwechslungsarten: Beim Bachsaibling sind die Brust-, Bauch- und Afterflosse durch einen schwarzweißen Saum abgegrenzt, der Rücken und die Rückenflosse sind deutlich marmoriert. Der Elsässer Saibling weist sowohl die Merkmale des Bachsaiblings als auch die des Seesaiblings auf.
Biologie: Der Seesaibling unserer Alpenseen stellt ein Relikt aus der letzten Eiszeit dar, er ist vor ca. 10.000 Jahren aus dem Norden eingewandert. In unseren Seesaiblingsseen haben sich im Laufe der Zeit einige unterschiedliche Formen entwickelt. Diese lokal angepassten Formen unterscheiden sich im Aussehen, der Färbung, dem Wachstum, der Lebensweise und der Ernährung. Als Wildfangsaibling bezeichnet man großwüchsige Seesaiblinge, die sich räuberisch von Fischen ernähren. Die häufigste Erscheinungsform in unseren Seen ist der sogenannte „Normalsaibling“, der eine Durchschnittsgröße zwischen 25 und 35 cm aufweist. Es gibt aber auch sogenannte Tiefensaiblinge am Attersee und Traunsee. Während die in großen Tiefen lebenden Saiblinge des Attersees eher kleinwüchsig sind, wachsen die Tiefensaiblinge des Traunsees zu stattlichen Exemplaren ab. In größeren Seen können sogar verschiedene Seesaiblingsstämme nebeneinander vorkommen, oft ist dies auch durch Besatzmaßnahmen begründet. Die eigentliche Stammform des Seesaiblings ist der arktische Wandersaibling, der heute noch in den Meeren der nördlichen Hemisphäre als anadromer Wanderfisch vorkommt. Aus ihm entwickelten sich im Laufe der Zeit die heutigen Binnenformen.
Laichzeit: Die Hauptlaichzeit der Seesaiblinge fällt in den Spätherbst und den Winter. Manche Populationen beginnen mit dem Laichen aber schon im Spätsommer, bei anderen Stämmen wiederum kann sich die Laichzeit bis ins Frühjahr erstrecken. Die Laichplätze liegen über kiesigem bzw. steinigem Grund, in den Seen liegen sie meist in der Nähe von Bacheinmündungen oder über Quell- und Grundwasseraustritten, wobei die Tiefe sehr unterschiedlich sein kann. In manchen meist kleineren Seen laichen die Seesaiblinge in nur zwei bis fünf Metern Tiefe und man kann sie dabei gut beobachten. In größeren, tieferen Seen können die Laichplätze der Seesaiblinge bis zu 40 m und tiefer liegen. Manche Seesaiblingsstämme ziehen zur Laichzeit aber auch in einmündende Bäche hinauf, um dort zu laichen. Vor und während der Laichzeit kommt es zu wilden Kämpfen unter den Milchnern, die versuchen, den Laichplatz gegen Konkurrenten zu verteidigen. Die Milchner sind meist schon im zweiten Jahr geschlechtsreif, die Rogner ein Jahr später.
Nahrung: Die Ernährung der Seesaiblinge ist so unterschiedlich wie diese Fische selbst. Meist haben Seesaiblinge ein breites Beutespektrum und fressen neben Insektenlarven und Planktonkrebsen auch Kleinmuscheln und Jungfische. Meist ernähren sich die Seesaiblinge ähnlich den Renken von Wasserinsekten und deren Larven (z. B. Zuckmücken). Während der wärmeren Jahreszeit stellen manche Populationen dann völlig auf Zooplankton um, ja, sie bevorzugen sogar bestimmte Arten von Planktonkrebsen. Manche Seesaiblinge spezialisieren sich schon von Jugend an auf Fische als Nahrung und entwickeln sich zu großwüchsigen Raubfischen. Die Zwergformen mancher Hochgebirgsseen sind auch auf die Anflugnahrung während des kurzen Sommers angewiesen.

Hungerform: schlanker Körper, großer Kopf

Kopf eines Milchners
Gefährdungsursachen: In der Vergangenheit waren Seesaiblingsbestände durch die Eutrophierung mancher Seen und den damit verbundenen Verlust der Laichplätze gefährdet. Heute geht die Gefährdung mancher Bestände eher von der Überfischung durch die Berufsfischerei oder durch falsche Bewirtschaftung aus.
Gefährdungsstatus
Rote Liste Österreich: ungefährdet
Einschätzung des Autors 2020: gefährdet
Rote Liste Deutschland: ungefährdet
Rote Liste Bayern: Art der Vorwarnliste
Rote Liste Baden-Württemberg: stark gefährdet
Fischerei: Der Seesaibling ist sowohl in der Angel- als auch in der Berufsfischerei von Bedeutung.

„Eismeersaibling“, Salvelinus alpinus stagnalis (Jordan & Evermann, 1896)

Elsässer-Saibling – eine Kreuzung zwischen See- und Bachsaibling. Die Merkmale der Ursprungsarten können unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
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