Kitabı oku: «Die Einzigartige Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist»
Wolfhard Margies
Die einzigartige Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist
Aufbruch-Verlag
Die einzigartige Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist
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Revidierte Elberfelder Bibel © 1985/1991/2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten
Satz: Aufbruch-Verlag
Coverbild: birddog GmbH
ISBN: 978-3-926395-73-3
Inhaltsverzeichnis
I Was hat es mit der Salbung auf sich? 1 Kennst Du wirklich den Heiligen Geist? 1.1 Der Heilige Geist ist dein nächster Ansprechpartner 1.2 Eine Person macht sich breit 1.3 Was ist nun die Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist? 1.4 Die Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist im Sinne von Partnerschaft 1.5 Der Heilige Geist, der vermittelt 2 Der andere Helfer 2.1 Jesus ist der Retter, aber der Heilige Geist teilt das Heil aus 2.2 Die Kehrseite der göttlichen Hilfe 2.3 Der Geist bleibt, und die Salbung bleibt 2.4 Die neue Salbung erweist sich als sehr ansteckend 3 Die Liebe des Heiligen Geistes 3.1 Der Heilige Geist als heißer Liebhaber 3.2 Die höchste Lust des Heiligen Geistes: uns lieben zu können 3.3 Eine neue Definition von Demut 3.4 Geliebt sein macht stark und sicher 4 Von der Liebe zur Freude 4.1 Die neue Qualität der Gebote im Neuen Testament 4.2 Aus Liebe wird Freude 5 Glaube an den Heiligen Geist 5.1 Gott hat uns den Geist der Kraft, der Liebe und der Disziplin gegeben 5.2 Mit dem Heiligen Geist ins Leid und durch das Leid 6 Begehren und Empfangen 6.1 Hunger und Durst nach ihm 6.2 Die Kunst, sich beschenken zu lassen 6.3 Der Heilige Geist liebt deinen Körper 6.4 Gott erfüllt unser Verlangen 7 Werde erneut voll des Geistes 7.1 Betrunkensein wohl, aber vom Heiligen Geist 7.2 Das Wort führt zum Heiligen Geist und der Heilige Geist zurück zum Wort 7.3 Unser Singen und Musizieren 7.4 Das Geheimnis der Dankbarkeit 7.5 Die Entdeckung des Vaters 7.6 Danken im Auftrag 7.7 Die Furcht des Herrn und die Erfahrung des Heiligen Geistes 8 Eine ganze Gemeinde wird erneut voll Heiligen Geistes 9 Eins ist not – was ist not? 10 Die Manifestationen des Heiligen Geistes 10.1 Umfallen 10.2 Rollen auf dem Boden 10.3 Sich-Schütteln 10.4 Weinen und Lachen 10.5 Weinen 10.6 Ein Stück Differentialdiagnostik 10.7 Schreien 10.8 Ungewöhnliche Bewegungsabläufe 10.9 Seltsame Laufvorgänge 10.10 Trunkenheit im Geist 10.11 Unterscheidung ist vonnöten 11 Hinderungen, den Heiligen Geist zu empfangen 11.1 Empfangsunfähigkeit ist heilbar 11.2 Der Teufel steckt im Detail II Auswirkungen des Heiligen Geistes 12 Gesalbt, um zu dienen 12.1 Der Heilige Geist führt in die Wüste 12.2 Das Beispiel unseres Herrn 13 Von der Freude zum Frieden 13.1 Frieden und Beendigung unserer Selbstsicherung 13.2 Alte Lasten durch neue Lasten ersetzen! 13.3 Ich gebe euch Frieden, nicht wie die Welt 13.4 Die Welt ist wirklich besiegt 14 Der Weg zum Frieden in Einzelschritten 15 Der Friede beginnt mit der Freude 15.1 Ohne Sorgen, weil wir richtig beten 15.2 Der Heilige Geist deckt die Ursachen des Unfriedens auf 15.3 Magersucht 15.4 Fernsehsucht 15.5 Beziehungsstörungen 15.6 Angst 16 Gerechtigkeit wie Meereswellen 16.1 Gerechtigkeit – Wahrheit und Erfahrung 16.2 Frei von jeder Art der Verdammnis, Freiheit auch zum Angriff 16.3 Wer gerecht ist, der ist auch herrlich 17 Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern 17.1 Der Geist des Gehorsams 17.2 Keine Leistung zu bringen, das ist die Leistung! 17.3 Der Segen kommt erst nach der Katastrophe 17.4 Das ganze Angebot: Gehorsam und Weisheit 18 Heiliger Geist und Gebetserhörung 18.1 Durch Freude Zugang zu den Geschenken 18.2 Zuerst Frucht, dann Geschenke 18.3 Der Heilige Geist hilft gegen Furcht 18.4 In den Bedrängungen sich rühmen 19 Die neue Art zu glauben und der neue Glaubensheld 19.1 Glauben, wie es die Schrift sagt 19.2 Die Kunst, natürlich zu glauben 19.3 Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark 19.4 Die »Römer-4-Erweckung« 19.5 Erntezeit – Laubhüttenzeit 20 Flehen mit dem Heiligen Geist 20.1 Flehen für alle 21 Was hat der Heilige Geist mit der Hauskreiszelle zu tun? 21.1 Erst Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist, dann Einheit, danach mehr Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist 21.2 Salbung durch Einheit 21.3 Die Macht der Einheit 21.4 Anbetung und die Wiederaufrichtung der Hütte Davids 21.5 Zwei Stiftshütten gleichzeitig in Israel 21.6 Die neue Haltung in der Anbetung 22 Der herausragende Seelsorger 22.1 Der Heilige Geist kommt, die Dämonen weichen
Einleitung
Der Heilige Geist ist für manche Überraschungen gut
Es begann an einem Sonntagabend, spät im August des Jahres 1993. Wir waren zu unserem üblichen Abendgottesdienst zusammengekommen und die Anbetung mit nachfolgenden prophetischen Äußerungen einzelner Gottesdienstbesucher war beendet. Ich wollte über den Heiligen Geist sprechen und war gerade im Begriff, mit der Predigt zu beginnen, als die Störungen einsetzten.
In den letzten Minuten der Anbetungszeit war schon eine sonderbare Unruhe im Gemeinderaum, die sich während der prophetischen Äußerung eines Gemeindemitgliedes noch weiter gesteigert hatte. Eine Schwester, die am Mikrofon stand, und ein bestimmtes, von Gott empfangenes Bild erklärte, hatte sogar Mühe, sich Gehör zu verschaffen. Als ich dann die Textstelle lesen wollte, die meiner Predigt zugrunde liegen sollte, wurde ich durch ein zunehmendes Lachen, das überall im Versammlungssaal aufbrach, an meiner Absicht gehindert.
Das war schon eine merkwürdige Erfahrung, zu erleben, wie die Versammlung sich verselbstständigte und die Gottesdienstbesucher auf einmal unter einer anderen Regie standen, die nicht von der Kanzel kam. Nach kurzen Augenblicken der Irritation versuchte ich mehrfach, mir Gehör zu verschaffen, was aber einfach nicht gelang. Die Versammlung war mittlerweile so von einem allgemeinen Lachen erfasst, dass es nicht möglich war, dagegen anzukommen. Mein Unterfangen, doch noch irgendwie zu Wort zu kommen, wurde schließlich vollends vereitelt, weil ich selbst anfangen musste zu lachen, und zwar so herzhaft und so intensiv, aber auch so anhaltend, dass an das Predigen einfach nicht mehr zu denken war.
Es gelang mir dann doch noch, der Gemeinde mit einem Satz, der immer wieder von vielen Lachstößen unterbrochen wurde, den Text zu vermitteln, über den ich eigentlich sprechen wollte. Meine pastoralen Kollegen und einige Älteste kamen zu Hilfe, um mit mir zu beraten, wie der Gottesdienst weitergehen sollte, und wir kamen dann überein, ihn zu einem glorreichen Anbetungsgottesdienst umzufunktionieren, wobei wir die Gegenwart des Herrn so deutlich wie nie zuvor verspürten.
Diesem Ereignis lief eine kleine Begebenheit voraus. Eine unserer Sekretärinnen war für einige Zeit nach Argentinien gefahren, wo sie den Dienst von Claudio Freidzon kennengelernt hatte, der in seiner Gemeinde erstaunliche Erfahrungen mit dem Heiligen Geist machte. Spontaner Ausbruch von Freude und Lachen, Manifestationen des Hinfallens durch den Heiligen Geist und manche ähnliche Erfahrungen waren an der Tagesordnung. An diesem Abend berichtete unsere Sekretärin in der Gemeinde darüber und zeigte außerdem noch ein kurzes Video von vier Minuten Spieldauer über ihre Argentinien-Erlebnisse. Diese Berührungspunkte mit dem argentinischen Gemeindeleben waren offensichtlich als geistliche Infektionskeime ausreichend, um bei uns ähnliche Erfahrungen auszulösen. Wahrlich, ein sonderbarer Umstand, aber, wie wir noch sehen werden, voll mit konkreten Hintergründen von biblischer Plausibilität.
Im Verlauf der nachfolgenden Monate haben wir als Gemeinde sehr viele neue Erfahrungen gemacht, die wir dem Heiligen Geist zu verdanken haben. Die meisten Gemeindemitglieder und Freunde wurden vom Heiligen Geist berührt, der neue Liebeserfahrung vermittelte und viel Freude auslöste. Die Gemeinde wurde auf eine neue Höhe von Freiheit und Lockerheit, verbunden mit viel Lachen, geführt. Es gehörte dann fast zu den Selbstverständlichkeiten des Gemeindealltages, dass die allermeisten Besucher und Gemeindemitglieder, wenn ihnen durch Handauflegung Segen zuteil wurde, unter Einwirkung des Heiligen Geistes zu Boden gingen und manche seltsamen körperlichen Phänomene wie Schütteln, Zuckungen, Bewegtheit, Rollen auf dem Erdboden sowie Lachen und Weinen boten.
Durch viele Gäste, Pastoren und geistliche Leiter aus anderen Gemeinden sowie über Konferenzen breitete sich diese Bewegung schnell über ganz Deutschland und die anderen deutschsprachigen Länder aus. Manchen Gemeindemitgliedern, die selbst nicht von diesen Erfahrungen erfasst waren, wurde es unheimlich, und einige – es waren eigentlich nur wenige – haben sich davon distanziert.
Eine Bewegung schwappt über in die weltliche Presse
Es dauerte nicht lange und die Presse wurde auf diese neuen Phänomene aufmerksam, sonderlich in den Vereinigten Staaten und in Kanada, schließlich auch in England. Die ersten kurzen Berichte waren noch gekennzeichnet von distanzierender Kritik und dem Vorwurf der Massenhysterie sowie kollektiver religiöser Fehlpolung; spätere Berichterstattungen wurden dann nicht nur vorsichtiger, sondern auch differenzierter und sogar überwiegend wohlwollend. Manche geistliche Beobachter, die zunächst auf Abstand gegangen waren, bewiesen in ihren Kommentaren mehr Nachdenklichkeit.
Diese neue Bewegung des Heiligen Geistes hat sich im Verlauf der letzten zwölf bis achtzehn Monate wie ein Steppenfeuer mit einer Geschwindigkeit fortgepflanzt, wie sie bei früheren geistlichen Bewegungen noch nie beobachtet worden ist. Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass schon über hundert Nationen berührt sind und nicht wenige Gemeinden entscheidende Veränderungen in ihren Gottesdiensten und im individuellen Leben der Gläubigen erfahren haben.
Viele fragen sich, ob hier eine neue geistliche Modewelle vorliegt und was sie überhaupt von den sonderbaren Begleitumständen wie Lachen, Hinfallen und Betrunkensein im Geist zu halten haben.
Es sieht so aus, als ob sich in manchen Ortsgemeinden so etwas wie eine neue Spaltung abzeichnet. Hatten manche Christen in der Vergangenheit schon genug damit zu tun, bestimmte geistliche Erfahrungen wie Sprachengebet, freie Anbetung und geistlichen Krieg zu bejahen, so fühlen sie sich jetzt in Anbetracht dieser neuen und noch heftigeren Phänomene vollends vor den Kopf gestoßen.
Es gibt nicht nur diese äußere, sichtbare Trennung zwischen denen, die diese neue Bewegung bejahen und sie mit Eifer und zum Teil Euphorie mittragen, und den anderen, die sich ablehnend und protestierend verhalten. Daneben scheint es auch eine feinere, aber nicht weniger scharf umrissene Trennlinie zu geben zwischen einzelnen Gläubigen, die die neue Erscheinungsform des Heiligen Geistes begrüßen und an sich selbst erleben, und anderen, die durchaus nicht ablehnend sind, aber den Heiligen Geist in dieser Weise nicht so ohne Weiteres empfangen können. Wir werden sehen, dass sich dahinter interessante Gesichtspunkte verbergen, die jetzt ein ganz neues Gewicht bekommen. Sie haben etwas mit einem großen Thema zu tun, das der Heilige Geist betont, ja, regelrecht forciert: die Willigkeit und Fähigkeit zu empfangen und das Vermögen, sich beschenken zu lassen.
Wir scheinen am Anfang einer neuen geistlichen Epoche zu stehen, in welcher der Himmel mit Macht eine geistliche Priorität anmahnt, die wir geflissentlich übersehen haben, nämlich die Bedeutung des Empfangens von Geschenken! Das, was viele Gemüter in Bewegung und Aufruhr versetzt. Die in Erscheinung tretenden Phänomene mit zum Teil spektakulärer Heftigkeit, sind nur der sichtbare Ausdruck von viel wichtigeren, grundsätzlichen Erfahrungen mit Gott. Das Leben und die praktische Nachfolge der allermeisten Gläubigen war bislang viel zu sehr gekennzeichnet von dem Gesichtspunkt der Leistung, des Produzierens und des ständigen Bemühens. Christ sein, so bewerte ich die neuen Erfahrungen, die der Heilige Geist uns zumutet, soll leichter und entspannter sein. Die Erlösung soll als eine Kette von Segnungen und Geschenken offensichtlich werden und der Herr will mehr Ehre für sich beanspruchen, weil er mehr tun darf.
Der Autor hinter den Ereignissen
Ich will mit diesen vorsichtigen Hinweisen über den Hintergrund der neuen Bewegung des Heiligen Geistes dem Leser vermitteln, worum es mir in diesem Buch eigentlich geht. In erster Linie will ich nicht über die neuen Erscheinungsformen von geistlicher Salbung sprechen, die sich in dieser neuen Bewegung zeigen, sondern über den Autor selbst, der dahinter steht, den Heiligen Geist. Hier sehe ich den allergrößten Bedarf, weil es erstaunlich wenige Arbeiten und Bücher über die Person des Heiligen Geistes gibt. Ich muss allerdings zugeben, dass die neuen Erfahrungen, die wir gemacht haben, der äußere Anlass dafür waren, die Schrift genauer darüber zu befragen, wie weit diese interessanten Manifestationen eine biblische Erklärung und einen Hintergrund haben.
Mit dieser Reihenfolge von Erfahrung und Reaktion meinerseits ist damit genau das eingetreten, was manche geistlichen Beobachter für eine theologische Todsünde halten: Erst Erfahrungen zu machen, die man dann nachträglich durch die Schrift deuten will und muss. Ich sehe es ein, das ist irgendwie misslich. Aber ich will den Ablauf der Dinge nicht einfach verleugnen. Das um so weniger, als ich frank und frei eingestehen muss, dass es ohne diese massiven äußeren Anstöße, wie sie der Heilige Geist ausgelöst hat, nicht möglich gewesen wäre, bestimmte Entdeckungen im Wort Gottes zu machen. Erst durch die Erfahrung, in die wir beinahe hineingestoßen wurden, sind wir sensibel für Einzelheiten im Worte Gottes geworden, die wir bis dahin einfach überlesen oder mit großer Selbstverständlichkeit anders ausgelegt oder nivelliert haben.
Wir haben gelernt, sehr viele biblische Aussagen im thematischen Umkreis zum Heiligen Geist viel wörtlicher zu nehmen, als uns das früher notwendig oder tunlich erschien. Wenn zum Beispiel in der Apostelgeschichte berichtet wird, dass die Jünger bei dem Pfingstereignis von Beobachtern als betrunken angesehen worden sind, so hatten wir dies bis dahin schlicht auf das Sprachphänomen bezogen, das sich ja zu Pfingsten zugetragen hatte. Aber es ist eigentlich nicht einsehbar, weswegen die Zeugen dieses Ereignisses die erstaunliche Fähigkeit der Jünger, sich auf einmal in einer neuen Sprache äußern zu können, mit dem Vorwurf der Betrunkenheit verbunden haben sollen.
Ähnlich verhält es sich mit einer Erwähnung des Paulus im 5. Kapitel des Epheserbriefes, wo er die Erfahrung der ständigen Neuerfüllung mit dem Heiligen Geist dem Betrunkensein mit Wein gegenüberstellt. Es bedurfte schon der eigenen Erlebnisse mit dem Heiligen Geist bei einem selbst oder in der unmittelbaren gemeindlichen Umgebung, die mit einer geistlichen Trunkenheit einhergingen, um auf solche Feinheiten zu achten und sie in einem neuen Licht sehen zu können. Mit einem Wort, wir brauchten diese Nachhilfe der plötzlich über uns hereinbrechenden Manifestationen des Heiligen Geistes, um einen neuen Zugang zu dem Schriftbefund zu bekommen, in welchem diese Dinge längst beschrieben sind.
Ich wiederhole es noch einmal: Dieses Buch will nicht so sehr spektakuläre Manifestationen deuten, wiewohl es auch dafür einen dringenden Bedarf gibt, sondern es soll vielmehr dazu beitragen, die einzigartige, schöne und geheimnisvolle Person des Heiligen Geistes intensiver erkennen, erleben und genießen zu können. Dabei gilt, dass viele wichtige Einsichten erst durch bestimmte Erfahrungen zustande kamen, die es uns ermöglichten, die Schriftaussagen über den Heiligen Geist richtig zu verstehen.
So will dieses Buch vor allem eine Anleitung zur Erfahrung des Heiligen Geistes sein. Ich habe im Verlauf der Jahre gelernt, dass unser Wissen über den Heiligen Geist, auch dort, wo wir uns in der Mitte der charismatischen Bewegung befunden hatten, doch noch sehr gering war, und dass den meisten unter uns noch weniger bekannt war, wie man mit dem Heiligen Geist als Person umgeht und was es heißt, mit ihm Gemeinschaft zu pflegen. Ich hoffe nun, dass der Leser, durch genauere Kenntnis der Person des Heiligen Geistes und Einsichten über seine Wirksamkeit und seine Motivation einen leichteren Zugang zu ihm findet. Das biblische Material, das uns Aufschluss über den Heiligen Geist geben kann, ist erstaunlich reichhaltig. Wer es sichtet und sich zu Herzen nimmt, der wird sich kaum der Faszination entziehen können, die vom Heiligen Geist ausgeht.
Daneben will ich auch einige Ausblicke über weitere Entwicklungen und Betonungen geben, die wir nach der Schrift erwarten dürfen. Ich glaube, dass sich der Heilige Geist in Wellen zunehmend mehr offenbart, sodass die Christenheit – ähnlich der jetzt zu beobachtenden Welle von Freude und Bewegtheit in naher Zukunft weitere Förderungen und Freisetzungen erfahren wird. Der Heilige Geist will unbedingt seine Braut auf jene Höhe und zu jener Attraktivität führen, die im Worte Gottes beschrieben sind.
Hier ist offensichtlich noch ein großer Bedarf gegeben, weil sich die Christenheit zu weiten Teilen noch in einem durchaus hilfsbedürftigen und schwächlichen bis erbärmlichen Zustand befindet.
Vor einigen Jahren hat Derek Prince einen bemerkenswerten Aufsatz verfasst, in welchem er mit einem leicht resignativen Unterton herausgestellt hat, wie zu mindestens im Abendland, die von ihm besuchten Gemeinden nach seinem Besuch ausnahmslos nur eine kurzzeitige Anhebung ihres Erlebnisniveaus beobachteten. Bei späteren erneuten Besuchen konnte er regelmäßig feststellen, dass diese Gemeinden immer wieder auf ihr altes Niveau von Stumpfheit, Ereignislosigkeit und Lethargie zurückgefallen waren. Derek Prince hat dann am Ende dieses Aufsatzes einen fast fatalistisch anmutenden Schluss gezogen. Er ging davon aus, dass diese Entwicklung so weitergehen würde, bis der Heilige Geist in einer souveränen autonomen Aktion die Christenheit heimsuchen würde, um durch Offenbarung seines Wesens und seiner Kraft diese geschlossen auf ein höheres Erfahrungsniveau zu bringen. Ich weiß noch, wie ich diese pessimistische Einschätzung abgelehnt hatte, weil sie mir so hoffnungslos vorkam und keinen Ansatz für das eigene Eingreifen aufzuweisen schien.
Heute muss ich erkennen, dass dieser theologische Altmeister doch recht hatte. Was er damals prognostizierte, ist jetzt eingetreten. Der Heilige Geist ist selbst angetreten und wird nicht nur mit dieser einen Bewegung, sondern mit manchen nachfolgenden Maßnahmen und Neuausteilungen seiner Liebe, seiner Kraft und seiner Gegenwart, die Gemeinde Jesu fördern, so dass sie wirklich ein Licht für die Welt wird.
Das vorliegende Buch weist folgenden Aufbau auf: Ich werde zunächst einmal die absoluten Lehrgrundlagen über die Person des Heiligen Geistes und seine Erfahrbarkeit vermitteln, wie wir sie jetzt, nach dem Erleben der neuen Wirkungen des Heiligen Geistes sehen. Im Rahmen dieser Untersuchung werde ich dann auch ein Sonderkapitel über die vegetativ-körperlichen Manifestationen einfügen, um ihre Erscheinungsformen und ihre biblischen beziehungsweise kirchengeschichtlichen Deutungen darzustellen. Anschließend will ich mich in einigen Kapiteln folgenden Themen widmen: Wie geschieht die ständige Neuanfüllung mit dem Heiligen Geist? Was sind die praktischen Hindernisse, um den Heiligen Geist zu erfahren und wie sehen die Charaktermerkmale des für den Heiligen Geist empfänglichen Gläubigen aus? Danach folgt die Beschreibung der unmittelbaren Folgen und Auswirkungen der Erfahrung des Heiligen Geistes bei den Gläubigen. Schließlich geht es darum, wie das Zusammenleben mit dem Heiligen Geist die wichtigsten Lebensbereiche des Christen bestimmen und verändern kann, wie die typische Glaubenserfahrung des Gläubigen aussieht, der Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist hat und inwieweit und in welcher Form der Heilige Geist das Verhalten und Auftreten des Nachfolgers Jesu in typischer Weise beeinflusst und verändert.
Ich könnte mir vorstellen, dass manch ein Leser zunächst einmal denkt, dass die meisten Dinge, die den Heiligen Geist betreffen, ihm schon bekannt sein werden. Aber nach allen meinen Erfahrungen in der eigenen Gemeinde und in einem umfangreichen Reisedienst während der letzten Monate wage ich es doch, zu behaupten, dass manche Überraschung und echte Neuigkeiten zu vermitteln sind, die es lohnenswert machen, das Buch zu lesen und die zu den vermittelten Erkenntnissen zugehörigen Erfahrungen zu suchen. Insofern ist dieses Buch eine Anleitung zum Genießen und zum Gewinn einer neuen Lebensqualität.
Teil I
Was hat es mit der Salbung auf sich?
1 Kennst Du wirklich den Heiligen Geist?
Diese Frage ist ernst gemeint. Ich gehe natürlich davon aus, dass die meisten Leser dieses Buches schon bestimmte Einsichten und Kenntnisse über den Heiligen Geist haben, besonders wenn sie schon jahrelang dem Herrn nachfolgen. Die Thematik des Heiligen Geistes ist ja schon seit längerem in manchen Kreisen hochaktuell.
Dennoch habe ich allen Grund anzunehmen, dass den meisten Gläubigen die wirklich wichtigen Fakten über den Heiligen Geist gar nicht oder nur formal bekannt sind und die zugehörige Innenerfahrung, die zu einem inneren Besitz führt und die Kenntnis farbig und lebendig macht, fehlt. Man mag wohl richtige Kenntnisse haben, aber weiß doch nicht, was sie eigentlich bedeuten und wie sie im praktischen Leben anzuwenden sind.
Auch ich dachte, dass ich den Heiligen Geist recht gut kenne. An die fünfzehn Jahre sah ich mich der sogenannten charismatischen Bewegung zugehörig. Ich habe als Pastor einer Gemeinde viele Predigten über den Heiligen Geist gehalten und habe sogar frühzeitig jene spezielle Lehre über die Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist, die heute ja besondere Aktualität gewonnen hat, durch Kontakt mit Dr. Cho in Korea kennengelernt. Er war wohl einer der Ersten, die auf die praktische Bedeutung der Beziehung zum Heiligen Geist hingewiesen haben und durch diese Beziehung ungeheuer gesegnet wurden. Ich habe seine Ausführungen studiert, innerlich verschlungen und verarbeitet und über die Jahre in mehreren Serien immer wieder vor der Gemeinde ausgebreitet. Und doch muss ich heute bekennen, dass ich einige Lehren über den Heiligen Geist, aber ihn selbst eigentlich nicht richtig kannte.
Mit alldem wollte ich keineswegs sagen, dass es mir nur um die ehrliche Anwendung und Innenerfahrung von schon früher erkannten Wahrheiten geht. Ich sehe vielmehr, dass mir einige konkrete Lehraussagen über den Heiligen Geist tatsächlich erst dann deutlich wurden, als ich existentiell tiefer in die Erfahrung mit dem Heiligen Geist hineinkam. Wir brauchen also beides: Wirklich gesunde, biblisch korrekte Lehre über den Heiligen Geist, sein Wesen, seine Zielsetzung und seinen Auftrag und die Erfahrung seiner Person und die Kenntnis seiner Art, um anschließend weitere Einsichten zu bekommen.
1.1 Der Heilige Geist ist dein nächster Ansprechpartner
In den Reihen der Christen und besonders in den evangelikalen Gemeinden gibt es ein unumstößliches Prinzip. Jesus ist der Herr und hat in allem Vorrang. Ich möchte gleich einen Satz daneben – nicht dagegen – setzen, der für manche sicherlich reichlich provokativ ist: Unser nächster Ansprechpartner ist der Heilige Geist und nicht Jesus! Diese kühne Aussage, die ich ohne die geringste Absicht zu schocken oder um der Provokation willen zu provozieren formuliert habe, wird von Jesus selbst in seinen Reden über den Heiligen Geist in den Kapiteln 14-16 des Johannesevangeliums gemacht. Er stellt heraus, dass er bald gehen wird und dass es für uns gut sei, weil dadurch der Heilige Geist kommen kann, der von ihm und dem Vater nach seiner Aufnahme im Himmel gesandt wird.
Nun, das ist in einer Weise gesicherter Erkenntnisstand vieler Gläubiger, aber sie verstehen nicht, was das eigentlich bedeutet. Dazu wollen wir den biblischen Befund aus den genannten Kapiteln zusammentragen und auf uns wirken lassen. Die Konsequenzen sind beachtlich:
Johannes 14,2-4
2 Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten? 3 Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin. 4 Und wohin ich gehe, dahin wisst ihr den Weg.
Hier redet Jesus, im Unterschied zu den Versen davor, nicht von seinem Weg zum Kreuz, sondern von seinem Eingang in den Himmel und seinem Wiederkehren zu uns durch den Heiligen Geist.
Johannes 14,12
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe.
Auch das ist fraglos ein Hinweis darauf, dass Jesus die Jünger, und damit die Erde verlässt, um anschließend den Heiligen Geist zu senden, durch den wir in den Stand versetzt werden, größere Werke zu tun, als er sie getan hat. Die Formulierung »ich gehe zum Vater«, ist offensichtlich eine Kurzform der Gesamtaussage, dass er zum Vater zurückkehrt, um dann den Heiligen Geist zu senden, durch den wir umfassend ausgestattet werden, um die großen Werke Gottes zu tun.
Johannes 14,16-19
16 und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 ich werde euch nicht verwaist zurücklassen, ich komme zu euch. 19 Noch ein Kleines, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich: weil ich lebe, werdet auch ihr leben.
Auch in diesem Abschnitt finden wir dieselben Aussagen. Jesus wird heraustreten aus der Sichtbarkeit der Welt, um dann den Helfer, hier Tröster übersetzt, zu senden. Dieser ist der Geist der Wahrheit, durch den er, Jesus selbst, wieder zurückkehrt auf die Erde, aber so, dass nur die Jünger ihn sehen werden, die Welt jedoch nicht.
In diesem Zusammenhang fügt er noch hinzu, dass der Heilige Geist bei und in uns sein und bleiben wird und dass durch seine Wirksamkeit ein interessanter Effekt zustande kommen wird: Die Gläubigen werden nicht als Waisen zurückbleiben noch sich als Waisen fühlen. Er kommt zu ihnen als ihr Bruder, und auch der Vater wird ihnen nahegebracht.
Wir sehen also schon hier eine herausragende Aufgabe des Heiligen Geistes sehr deutlich ausgesprochen. Er soll uns Jesus und den Vater vermitteln und zwar so intensiv, dass wir keine Verlassenheitserfahrung entwickeln können.
Übrigens glaube ich auch, dass die Vergegenwärtigung unserer geistlichen Elternschaft auch die Vermittlung unserer Mutter einbezieht. Diese ist nach Galater 4,26 das Neue Jerusalem, die Gemeinde Gottes. Das sind interessante Zusammenhänge. Der Heilige Geist hat eine so starke vermittelnde Wirkung, dass wir über ihn eine ganz andere Beziehung zur Gemeinde bekommen können, die ohne ihn so nicht möglich wäre. Der einzelne Christ, der intensiv mit dem Heiligen Geist lebt, wird die Gemeinde Gottes, was sicher auch die einzelne Ortsgemeinde meint, wie eine Mutter erleben, die liebt, sorgt und Geborgenheit vermittelt.
Aber zurück zu der ersten wichtigen Erkenntnis, die Jesus über den Heiligen Geist entwickeln will. Er, der Heilige Geist, kommt und bleibt, auch wenn Christus gegangen ist und wir auf der Erde allein zurückbleiben. Der Heilige Geist wird bei uns bleiben und eine intensive Tätigkeit für uns entfalten.
Johannes 14,20-26
20 An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. 21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren. 22 Judas, nicht der Ischarioth, spricht zu ihm: Herr, wie kommt es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt? 23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. 24 Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht: und das Wort, das ihr hört ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Dies habe ich zu euch geredet, während ich bei euch weile. 26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Auch hier finden wir ähnliche Aussagen über das Kommen des Heiligen Geistes, der, nachdem der Herr gegangen ist, vom Vater im Namen Jesu gesandt wird. Das Wort stellt ebenfalls heraus, dass der Heilige Geist die Fortdauer der Erfahrung Jesu sichern wird, indem er alles lehren, sagen und an das erinnern wird, was Jesus gesagt hat.
Johannes 14, 28.29
28 Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und ich komme zu euch. Wenn ihr mich liebtet, so würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich. 29 Und jetzt habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es geschieht.
Mit diesem Wort weist der Herr darauf hin, dass er geht und wiederkommt, was nach allen bisherigen Ausführungen nur bedeuten kann, dass er durch den Heiligen Geist wiederkommt. Dann fügt er noch hinzu, dass wir, wenn wir ihn wirklich liebten, uns freuen Würden, dass er zum Vater geht, weil der Vater größer ist als er. Wir sollen es ihm doch bitte glauben, dass die größere Wirkung und der größere Segen uns dann zuteilwerden, wenn er nach seiner Himmelfahrt den Heiligen Geist vom Vater sendet. Wir sollen uns darüber freuen, dass er geht, weil er den für uns wichtigeren Partner auf die Erde sendet, den Heiligen Geist.
Johannes 15,26-27
26 Wenn der Beistand gekommen ist, den ich euch von dem Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater ausgeht, so wird der von mir zeugen. 27 Aber auch ihr zeugt, weil ihr von Anfang an bei mir seid.
Das ist die sechste Erwähnung desselben Sachverhalts. Der Heilige Geist, der Helfer, wird durch Jesus vom Vater gesandt. Er wird sich als Geist der Wahrheit, der von Jesus zeugt, erweisen. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Ausführung, dass er von Jesus zeugt und dass auch sie, seine Jünger, seine Zeugen sein werden.
Johannes 16,5-7
5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand von euch fragt mich: Wohin gehst du? 6 Sondern weil ich dies zu euch geredet habe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt. 7 Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden.
Das ist wohl die direkteste und deutlichste Bewertung der Wichtigkeit seines Gehens und des Kommens des Heiligen Geistes aus dem Munde Jesu. Jesus sagt ausdrücklich: Es ist gut für euch, dass ich gehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch.
Hier steht es also schwarz auf weiß. Der Herr sagt es so unmissverständlich, dass wir es nicht mehr durch eine falsch betonte Christologie entwerten dürfen. Die Tatsache, dass der Heilige Geist zu uns gekommen ist, ist für uns besser, als wenn Jesus auf der Erde geblieben wäre. Dem Heiligen Geist ist eine Aufgabe zugewiesen worden, die Jesus selbst in dieser Weise nicht übernehmen konnte und sollte. Wenn wir uns dann doch an den Herrn wenden, statt den Heiligen Geist zu suchen, obwohl dieser dazu gesandt ist, uns als Helfer zu dienen, dann ist das eine Missachtung des Willens des Herrn. Es wird uns, gemessen an dem Segen des Gehorsams gegenüber dem Worte Jesu, einen Verlust an Bestätigung und Hilfe bringen. Wenn wir konsequent biblisch leben wollen, dann können wir es uns nicht erlauben, diese Aussagen theoretisch zu bejahen, aber praktisch außer Kraft zu setzen, indem wir uns weiterhin so an den Herrn wenden, als ob der Heilige Geist nicht da wäre. Diese Praxis bezieht ihre geheime Nahrung aus der Furcht, die Bedeutung des Heiligen Geistes auf Kosten der Person Jesu zu stark zu betonen. Dabei ist es gar nicht nötig, solche Ängste zu haben, denn der Heilige Geist ergibt sich mit Freuden der Aufgabe, die Bedeutung Jesu herauszustellen.
Johannes 16,13-15
13 Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum sagte ich, dass er von dem Meinen nimmt und euch verkündigen wird.
Auch in diesen Worten kündigt der Herr das Kommen des Heiligen Geistes an, der erneut als Geist der Wahrheit angesprochen wird, der uns direkt in alle Wahrheit führt. (Es ist schon beachtenswert, dass es hier heißt, dass der Geist uns nicht mit Wahrheit vertraut macht, sondern in alle Wahrheit hineinführt. Wir sollen von Wahrheit regelrecht umgeben sein.) Das ist gleichbedeutend damit, dass der Heilige Geist uns Jesus vorstellt, ihn verkündigt, ihn verherrlicht und alle eigenen Aussagen von ihm holt. Er redet nicht aus sich selbst. sondern nur das, was er von Jesus empfangen hat.
Johannes 16,16-22
16 Eine kleine Weile, und ihr seht mich nicht, und wieder eine kleine Weile, und ihr werdet mich sehen. 17 Es sprachen nun einige von seinen Jüngern zueinander: Was ist das, was er zu uns sagt: Eine kleine Weile, und ihr seht mich nicht, und wieder eine kleine Weile, und ihr werdet mich sehen, und: Ich gehe hin zum Vater? 18 Sie sprachen nun: Was ist das für eine kleine Weile, wovon er redet? Wir wissen nicht, was er sagt. 19 Jesus erkannte, dass sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Forscht ihr darüber miteinander, dass ich sagte: Eine kleine Weile, und ihr seht mich nicht, und wieder eine kleine Weile, und ihr werdet mich sehen? 20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass ihr weinen und wehklagen werdet, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Traurigkeit wird zur Freude werden. 21 Die Frau hat Traurigkeit, wenn sie gebiert, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, gedenkt sie nicht mehr der Bedrängnis, um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt geboren ist. 22 Auch ihr nun habt jetzt zwar Traurigkeit; aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude nimmt niemand von euch.
Dieser ganze Abschnitt handelt von demselben uns vertrauten Thema: Er, Jesus, wird nach kurzer Zeit weggehen und nicht mehr zu sehen sein, um dann nach einer weiteren kurzen Zeit doch wieder für die Jünger sichtbar zu werden. Diese Ausführungen über die kurze Zeit, die verstreicht, bis er geht und wiederkommt, wird in diesem Abschnitt dreimal wiederholt, woraus wirklich zu entnehmen ist, dass auch diese Zeitangabe wichtig ist.
Jesus führt aus, dass sein Weggehen bedeutet, dass er zwar zum Vater geht, aber nachher wiederkommt und für sie wieder sichtbar wird. Im zweiten Teil dieses Abschnitts macht Jesus dann deutlich, dass diese kurzzeitige Abwesenheit für die Jünger eine Durststrecke sein wird, in der sie weinen, wehklagen und traurig sein werden, während die Welt sich freuen wird. Aber diese Trauer soll in Freude verwandelt werden, wenn sie ihn wiedersehen. Gemeint ist, dass sie ihn durch die Anwesenheit des Heiligen Geistes, der Jesus sichtbar macht, wiedersehen. Dann soll ihre Freude niemand von ihnen nehmen können. Mit den Ausführungen über die kurzzeitige Trauer der Jünger, die mit den Schmerzen und der Trauer einer Entbindenden verglichen wird, könnte eine Anspielung auf die geistliche Erfahrung der Wiedergeburt gemeint sein. Das entspricht jedoch nicht dem Verlauf der Gedankenführung, wiewohl das Bild der Geburt eine solche Bedeutung nahelegt.
Die Formulierung im nächsten Vers (23) »und an demselben Tage werdet ihr mich nichts fragen« weist dann erneut deutlich auf das Thema Heiliger Geist hin, weil dies eine typische Wendung ist, die an sehr vielen Stellen der Schrift als Verweis auf den Zeitpunkt gebraucht wird, ab dem der Heilige Geist wirksam ist.
Ich habe diese achtfache Beschreibung des Gehens Jesu und des Kommens des Heiligen Geistes mit Bedacht aufgeführt, um die ganze Wucht dieser Feststellungen zur Wirkung zu bringen. Wer sich nach dieser überaus deutlichen Erklärung, dass der Heilige Geist an die Stelle Jesu getreten ist, um dessen Leben, Lehre und Verdienste fortzuführen und anzuwenden, nun doch nach wie vor ständig an den Herrn wendet, wiewohl der Herr im Himmel ist und der Heilige Geist hier auf Erden unser Ansprechpartner ist, der darf sich nicht wundern, wenn sein geistliches Leben zäh und defizitär bleibt. Das ist vorsätzlicher Ungehorsam, auch wenn er scheinbar im höchsten Namen geschieht.
Unser Herr hat es nun einmal verfügt, dass wir uns an den Heiligen Geist wenden sollen. Wir sollen den Herrn nicht im direkten Kontakt, sondern über den Heiligen Geist erfahren. Das ist der göttliche Standard; das gilt!
Wer sich an diesem neutestamentlichen Prinzip versündigt, der wird weder seine Seligkeit verlieren, noch vom Herrn verurteilt werden. Er wird aber manche Erfahrungen des Heils in seltsamer Unwirklichkeit und nicht in der Unmittelbarkeit und emotionalen Erlebnistiefe machen, die typisch ist für den Gläubigen, der mit dem Heiligen Geist lebt und umgeht. Erst im Kontrast zu seinen neuen intensiven Berührungen mit dem Heiligen Geist erkennt der Gläubige, was ihm früher entgangen ist. Rückblickend wird er wahrnehmen, dass er ohne die Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist in seiner Beziehung zum göttlichen Vater nicht so beglückt und geborgen war und auch Jesus nicht so direkt und hautnah erfahren hatte, wie es nun möglich erscheint.
Wie sieht nun demgegenüber die positive Erfahrung aus, die wir machen können, wenn wir ausdrücklich den Willen des Herrn beherzigen und mit dem Heiligen Geist einen direkten Kontakt suchen? Die Innenerfahrungen eines solchen Gläubigen haben einen eigenartigen und unverwechselbaren Zuschnitt: Wer die Person des Heiligen Geistes als Person anerkennt und mit ihr bewusst kommuniziert, erlebt manche Dinge der unsichtbaren Welt direkter und deutlicher. Fraglos werden die Erfahrungen des Übernatürlichen intensiver und selbstverständlicher erlebt. Typisch ist dabei, dass von seinem Körper Auswirkungen und Ausstrahlungen ausgehen, wie auch Jesus sie kannte [Johannes 7). Der Gläubige erlebt die Kraftwirkungen an sich selbst, an seiner Psyche und auch im körperlichen Bereich und spürt, wie sie von ihm auch auf andere Menschen übergehen. Das Moment der sichtbaren körperlichen und emotionalen Auswirkungen des Heiligen Geistes bekommt unübersehbar einen höheren Stellenwert. Das ist nicht die Folge einer raffinierten Steuerung durch Menschen oder Methoden, sondern ein Geschehen, dem man sich nicht entziehen kann, wenn man die Person des Heiligen Geistes anerkennt und einlädt.
Wir fassen also zusammen: Es gibt sehr viel Anlass, aufgrund der biblisch nachgewiesenen Fakten, unsere Beziehung zum Heiligen Geist zu überdenken und ihn nicht nur formal anzuerkennen, indem wir ihn in unseren Formulierungen und Gebeten immer wieder pflichtgemäß erwähnen, aber als Person praktisch nicht beachten. Jesus hat erklärt, dass der Heilige Geist sein Statthalter auf Erden ist und dass er sich nur durch ihn äußert. Das ist eine außerordentlich wichtige Botschaft, an der sich die Christenheit ganz offensichtlich über Jahrhunderte beharrlich vorbeigemogelt hat. Nun erleben wir jedoch, dass der Himmel die Anerkennung des biblisch authentischen Befundes anmahnt. Ich glaube, dass die jüngste Bewegung des Heiligen Geistes, die jetzt so viel Aufsehen erregt, die Wiederentdeckung dieser Wahrheit zur Mitte hat.
1.2 Eine Person macht sich breit
Was wir in den letzten ein bis zwei Jahren weltweit in der geistlichen Landschaft sehen können, ist die Umsetzung dieses eben erhobenen biblischen Befundes zu einer erfahrbaren Realität: Der Heilige Geist offenbart der Gemeinde Jesu und den einzelnen Gläubigen, dass er eine Person ist. Ich weiß noch, wie ich in früheren Jahren – ich befand mich damals in meiner alten Gemeinde, die eine klassische Freikirche mit großer Offenheit für den Heiligen Geist war – in manchen Gesprächen mit meinen Geschwistern die vehement vorgetragene Ansicht vernahm, dass der Heilige Geist keine Person sei. Man sah ihn als ein Fluidum, als einen starken Einfluss an, als die Auswirkung und die Kraft, die von Gott und von Jesus ausgingen, aber nicht als ein Wesen mit eigener Persönlichkeit, das denken, wahrnehmen, lieben und handeln kann.
Der Heilige Geist ist eine Person. Diese Wahrheit ist mittlerweile in fast allen christlichen Kreisen Allgemeingut geworden. Trotzdem stellte sich ein merkwürdiger Sachverhalt ein: Was die Christen glaubten, setzten sie nicht in der Praxis ihres Gebetslebens, ihres Alltags und ihrer Beziehung zum Heiligen Geist um. Es wird der personale Charakter des Heiligen Geistes heute kaum mehr bestritten, aber man tritt nicht in eine persönliche Beziehung zu ihm.
Und nun scheint so etwas wie ein himmlisches Kommando ergangen zu sein, wonach der Heilige Geist sich selbst deutlicher offenbart, sodass wir erkennen können, dass er wirklich die entscheidende Person ist, die wir hier auf Erden brauchen. Wie geht man nun angemessen mit einer Person um? Die Antwort ist so einfach wie alltäglich: Man erkennt diese Person an, man tritt in eine Beziehung zu ihr und pflegt Gemeinschaft, indem man sich mit ihr unterhält, sie anredet, ihre Reaktion entgegennimmt und darauf wieder reagiert.
Das, was bei einer Beziehung zu Personen auf Erden selbstverständlich ist, wird jedoch von der Christenheit faktisch in Abrede gestellt, wenn es um die Person des Heiligen Geistes geht. Das ist um so tragischer und unverständlicher, als das Neue Testament den Gesichtspunkt der Gemeinschaft als die führende Eigenschaft und den Auftrag des Heiligen Geistes beschreibt. Der Heilige Geist ist eine Person, die Austausch, Beziehung und Gemeinschaft mit uns pflegen will, und das in einem solchen Ausmaß und mit einer solchen Hingabe, dass das Wort Gottes dieses Verlangen als wesentliche Eigenschaft des Heiligen Geistes beschreibt! Wir finden im Neuen Testament an zwei Stellen den Begriff der Gemeinschaft des Heiligen Geistes.
Philipper 2,1
Wenn es nun irgendeine Ermunterung in Christus gibt, wenn irgendeinen Trost der Liebe, wenn irgendeine Gemeinschaft des Geistes, wenn irgendein herzliches Mitleid und Erbarmen...
Während an dieser Stelle der Begriff des Heiligen Geistes lediglich erwähnt wird, ist die andere Textstelle von besonderer Aussagekraft:
2. Korinther 13,13
Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
Dieser wohlvertraute Satz, der häufig als Segensspruch am Ende von Gottesdiensten gebraucht wird, ist insofern bemerkenswert, als er in knappster Form verdeutlicht, welches die jeweilige herausragende Eigenschaft der drei göttlichen Personen ist. Vom Vater wird gesagt, dass er ein Vater der Liebe ist. Jesus, unser Herr, ist voller Gnade und gibt Gnade. Es war sein Auftrag, dass er seinem Wesen gemäß die Gnade Gottes auf die Erde brachte. Was wird nun vom Heiligen Geist gesagt? Es ist eigentlich eine erstaunliche Beschreibung seines Wesens und seines Verlangens, auf die wir ohne diese Schriftoffenbarung nie kommen würden: Er ist ein Heiliger Geist der Gemeinschaft.
Der Heilige Geist ist gleichsam die Beziehung und die Gemeinschaft in Person. Er hat das Verlangen, sich mitzuteilen und ständig mit uns zusammenzusein. Er möchte reden und hören, raten und lieben, er möchte einfach da sein, helfen und schützen, und zwar gerade jetzt und hier unter den gegenwärtigen irdischen Bedingungen!
Das ist erregend und durchaus anders, als vieles, was wir früher gehört, gesagt und geglaubt haben. In der Tat ist es sehr praktisch, und wer das so sucht und erfährt, wie es hier angeboten wird, der erlebt gewaltige Veränderungen in seinem Leben.
Zu lange haben wir gedacht, dass der Heilige Geist jene dritte Person Gottes sei, die ausschließlich dazu da ist, Jesus zu verdeutlichen und zu verherrlichen; die das Wort austeilt, übernatürliche Kräfte vermittelt und für Geistesgaben, Heilungen und Wunder sorgt. Dabei haben wir seine wahre Natur und seinen eigentlichen Auftrag völlig verkannt!
Natürlich stimmt es, dass der Heilige Geist, wie wir es im Johannesevangelium, in den Kapiteln 14 bis 16, gesehen haben, Jesus und das Wort herausstellen und dann auch seine Gaben und Kräfte freisetzen möchte. Es stimmt ferner, dass uns die Salbung, die er vermittelt, in die Welt ziehen soll, um den Armen das Evangelium zu predigen. Durch ihn sollen die, die zerschlagenen Herzens, unterdrückt und krank sind, Heilung erfahren. Aber das stellt alles nicht die erste Priorität des Wesens und Auftrags des Heiligen Geistes dar.
Indem wir andere wichtige Eigenschaften und Aufgaben des Heiligen Geistes über den Vorrang der Gemeinschaft gestellt haben, wurde der Heilige Geist in unserer Bewertung so sehr von seinem Auftrag und seiner Funktion bestimmt, dass seine Persönlichkeit davon völlig verdeckt und verkannt wurde. Wir sahen den Heiligen Geist nur noch als den göttlichen Funktionär, der Wahrheit, Kraft und Liebe austeilt, und nicht mehr die Person, die das alles bewirkt.
Diese Entwicklung erfährt jetzt augenscheinlich eine deutliche Korrektur, die der Heilige Geist selbst vornimmt: Indem er sich nicht nur als Person anmeldet, sondern auch herausstellt, dass er mit uns Gemeinschaft sucht, von Person zu Person, wird ein neuer Abschnitt göttlicher Selbstoffenbarung erkennbar. Wenn wir unsererseits die Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist suchen, werden wir erleben, dass uns die Kraftwirkungen, auf die wir bis jetzt so erpicht waren, obendrein und sogar in vermehrtem Maße dazugegeben werden.
Es spricht alles dafür, dass die Mitte der Erfahrung der neuen Salbung, das, was als heiliges Lachen, als Toronto-Segen, als neue Bewegung des Heiligen Geistes bezeichnet wird, diese Wiederentdeckung zum Kern hat: Der Heilige Geist begehrt die Gemeinschaft mit den einzelnen Gläubigen und will ihnen intensiv begegnen, um sie zu lieben, zu beglücken und sich dabei als ihr ständiger Helfer zu erweisen. Wenn wir den geistlichen Hintergrund dieser neuen Salbung nicht sehen, verpassen wir das Entscheidende und werden eigentlich nur noch mit den sichtbaren Manifestationen befasst sein, um dann bald zu nächsten spektakulären Erfahrungen überzugehen. Der Heilige Geist ist im Verlauf der Geschichte der Gemeinde Jesu fast durchgehend missachtet, verkannt und übersehen worden. Aber weil er ein sanftmütiger und liebender Heiliger Geist ist, kommt er uns jetzt selbst zu Hilfe und trägt dazu bei, dass wir ihn nicht weiterhin verfehlen und uns dadurch selbst berauben.
In diesem Buch will ich überwiegend abhandeln, was nun diese Wahrheit, dass der Heilige Geist ständig mit uns Gemeinschaft haben will, in der Praxis bedeutet. Mich treibt dabei der Wunsch, beim Leser einen maximalen Appetit und ein starkes Verlangen zu erwecken, nicht nur diese Dinge besser zu verstehen, sondern alle Einsichten und Erkenntnisse auch als eine Einladung zu erleben, diese Person kennenzulernen. Sie ist faszinierend, sie tut wohl; und diese Person wirklich zu kennen, macht den ganzen Unterschied aus.
1.3 Was ist nun die Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist?
Paulus redet in seinem Schlusswort im zweiten Korintherbrief genaugenommen nicht von der Gemeinschaft, die wir mit dem Heiligen Geist haben sollen, sondern davon, dass die Gemeinschaft des Heiligen Geistes mit uns allen sei (2. Korinther 13,13). Also die Gemeinschaft selbst soll mit uns sein, was schon eine seltsame Formulierung ist und wohl nur so verstanden werden kann, dass die Gemeinschaft eben ein Stück personalisierter Heiliger Geist ist, anders ausgedrückt, ist der Heilige Geist ein redender und kommunizierender Geist, der durch und durch auf Beziehung und Gemeinschaft angelegt ist.
Was bedeutet nun eigentlich Gemeinschaft im Sprachgebrauch des Neuen Testamentes? Im Griechischen steht hier das Wort koinonia, das eine dreifache Bedeutung hat. Es steht für Einheit und Einssein, kann aber auch mit Partnerschaft übersetzt werden, was die Beschreibung des gemeinsamen Handelns beinhaltet. Schließlich bedeutet das Wort auch Vermittlung oder gar Transport.
Als ich vor über zehn Jahren erstmalig in den Schriften und Predigten von Dr. Cho die Vielschichtigkeit dieses Wortes dargelegt fand, hatte ich anfangs meine Zweifel, ob er diesen Begriff nicht überinterpretiert hatte. Die exakte Überprüfung seiner Aussagen anhand einschlägiger Lexika und theologischer Wörterbücher bestätigte dann doch die Richtigkeit seiner Ausführungen.
Der Heilige Geist kommt zu uns, bleibt bei uns und kommt sogar in uns hinein. Er hat eine ganz große Zuneigung zu uns, die unsere ganze Person, auch unsere Seele und unseren Körper, einschließt. So dient unser Körper als sein Tempel.
Der Heilige Geist will nicht stillschweigend irgendwo im Verborgenen oder in einer Ecke unserer Person verweilen, unbeachtet und zum Schweigen verurteilt. Er will reden! Die intime Gemeinschaft mit ihm, zu der er uns bewegen und motivieren möchte, ist wirklich eine Beziehung von Geben und Nehmen, die mit Reden und Hören einhergeht. Eine schweigende Gemeinschaft ist keine Gemeinschaft. Der Heilige Geist will Beziehung zu uns haben, weil er uns liebt, weil er uns bejaht, weil er unsere Nähe beglückend findet und weil er uns beglücken will.
Er will selbst als Person beachtet werden, und er findet es begehrenswert, dass wir uns ihm zuwenden, dass wir Zeit mit ihm verbringen und dass wir auf seine Äußerungen und Angebote eingehen. Es soll eine Gemeinschaft auf Gegenseitigkeit sein, wobei er allerdings immer der zuerst Gebende ist.
Die andere Seite dieser Erfahrung ist, dass wir nie mehr alleine sind. Diese Konsequenz bedeutet, dass das Erleben des Heiligen Geistes in dieser intensiven, persönlichen Form, das Ende von Alleinsein und Einsamkeit ist. Wir sind nicht dazu bestimmt, allein durchs Leben zu gehen. Alle menschliche Gemeinschaft, die wir pflegen, hat ihren Ursprung und ihr Modell in dieser Beziehung, die der Heilige Geist zu uns sucht und die uns bereichern soll. Wer diese Form von Gemeinschaft nicht kennt, wird kaum imstande sein, eine erfüllende Gemeinschaft unter Menschen zu entwickeln, weil ihm das Vorbild und die Eignung dazu fehlt. Deswegen ist dieses Gemeinschaftsangebot des Heiligen Geistes gleichzeitig eine wunderbare Behandlung für uns, die wir durch vielfältige seelische Verwundungen und Vernachlässigungen durch unsere Eltern und andere Menschen gemeinschafts- und liebesunfähig geworden sind.
1.4 Die Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist im Sinne von Partnerschaft
Der Begriff Partnerschaft zielt stärker auf den Gesichtspunkt des gemeinsamen Wirkens, der gegenseitigen Hilfe und gemeinsamer Arbeit hin. Wenn nun das Wort uns sagt, dass die Gemeinschaft des Heiligen Geistes mit uns sein will, dann ist es nichts anderes als ein Angebot seitens des Heiligen Geistes, uns ununterbrochen in allen praktischen Belangen zu helfen. Nichts, was wir tun, sollen wir alleine tun. Immer sollen wir den Heiligen Geist einladen, uns beizustehen, indem er uns Energie, Motivation, Erleuchtung und Schutz gewährt.
Das ist ein berauschender Aspekt des Christseins. Wir sind nicht berufen, uns alleine abzustrampeln und gegen alle Widerwärtigkeiten und Herausforderungen unseres Daseins mit unserer eigenen Kraft anzugehen. Zu lange haben wir durch Verkündigung oder auch in eigener stiller Gewissheit geglaubt, dass Christsein Krampf und eine einzige Herausforderung zu Verzicht, Opfer und Entsagung ist. Aber das hat mit dem biblischen Original nichts zu tun. Das ist vielmehr seine Karikatur und die fortwährende Einladung und Verherrlichung von Leid und Erschöpfung. Es trägt zuverlässig dazu bei, unser Zeugnis vor der Welt unglaubwürdig zu machen.
Nein, der Heilige Geist will uns tatsächlich in jeder Hinsicht beistehen. In dieser Partnerschaft übernimmt er das Unmögliche, während wir das Mögliche beisteuern. Ich glaube, dass diese Partnerschaft sich wirklich in allen Belangen des Alltags und erst recht in unserer Nachfolge äußern soll.
Mit dem Heiligen Geist sollen wir aufstehen und in den Tag hineingehen, uns zusammen mit ihm waschen, ankleiden, essen und besonders unsere Stille (hoffentlich doch etwas lautere) Zeit mit ihm verbringen. Ohne ihn beten zu wollen, ohne ihn den Herrn anzubeten, ohne ihn das Wort verstehen und verarbeiten und ohne ihn gehorsam sein zu wollen, das ist eine Qual. Das dürfte wohl der Grund dafür sein, dass die Gemeinde Jesu über die Jahrhunderte ein so schwaches Zeugnis war und überhaupt eine weitgehend jämmerliche Gestalt abgegeben hat.
Was wir auch tun und lassen, alles soll mit ihm geschehen. Er ist ein ehrgeiziger Heiliger Geist, den es aus Liebe zu uns dazu treibt, uns beizustehen, damit wir uns nicht übernehmen und damit wir dann, für den Fall, dass wir doch selbst etwas geschafft haben sollten, nicht am Ende Opfer der eigenen Ehre werden; denn der Autor einer gelungenen Tat bekommt auch die Ehre.
Diese Partnerschaft sieht praktisch so aus, dass wir ununterbrochen mit dem Heiligen Geist im Gespräch sein sollen und ihn in entspannter Weise immer wieder einladen sollen, die jeweiligen aktuellen Dinge mit zu übernehmen, uns zu helfen, zu warnen und uns zu entlasten, so dass das Leben mit ihm wirklich genussvoll wird. Auf diese Weise verstehe ich Partnerschaft, so praktiziere ich sie, und das macht das Leben lebenswert.
Wenn wir eine solche Partnerschaft verneinen, werden wir letztendlich doch alles selbst machen, was dann schon mit dem Lebensstil der Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung identisch ist. Das ist eine Ursünde, aus der alle anderen Sünden resultieren. Sie ist Ursprung und Mitte von aller Verfehlung und Schuld. Wenn uns Gott von dieser Sünde fernhalten will, bleibt ihm nichts anderes übrig, als ein Lebenskonzept für uns zu entwerfen, in dem eine Lösung für den Fluch der Selbsthilfe vorgesehen ist. Dieses Konzept ist eine Person, die uns als Helfer in allen Dingen vor der Gefahr der Selbsterlösung bewahrt.
Insofern besteht eine tiefgründige Logik in der Offenbarung des Heiligen Geistes als eines Geistes der Partnerschaft und der durchgehenden Hilfe. Ein Weniger an Beistand würde praktisch bedeuten, dass wir Erlösung mit eigener Kraft verbinden müssten und die Erlösung nicht mehr ein Geschenk wäre. Ich glaube, dass wir letztlich über das Annehmen von Geschenken nicht hinauskommen.
Das Wort Gottes verrät an unzähligen Stellen, dass uns dies zur entscheidenden Schwächung unseres Lebens gereicht. Wenn nun der Herr keine Kräfte zur Verfügung stellt, die uns davor bewahren, in die Notwendigkeit der Selbsthilfe abzugleiten, dann bleibt uns eben nichts anderes übrig, als uns selbst zu helfen.
Gleichzeitig ist sein Hilfsangebot auch eine schöne Form der Erfahrung von Demut. Nie mehr etwas alleine zu tun, immer jemanden bei sich zu haben, der einem beisteht, das ist praktisch ausgelebte Demut. Wer umgekehrt nicht demütig ist, wird sich eine durchgehende Hilfe nicht gefallen lassen, weil er die Ehre mit keinem anderen teilen will. Er will alles alleine machen, er will sich produzieren und sich damit verherrlichen und einen Namen machen, um dann doch daran zugrunde zugehen; denn unsere Kräfte und unsere moralische Rechtschaffenheit reichen nicht aus, um aus uns selbst heraus erfolgreich die Aufgaben des Lebens zu meistern, und schon gar nicht die Herausforderungen des Glaubens.
Der Heilige Geist hält sich ohne Ausnahme an seine Devise der Hilfe und der Partnerschaft. Dieser Rolle bleibt er treu. Das heißt, dass er nie etwas alleine und unabhängig von uns macht, aber das bedeutet auch, dass wir nie etwas alleine bewerkstelligen sollen. So ergibt sich eine würdevolle Zusammenarbeit, in der er uns immer wieder seine Pläne und Vorstellungen zuflüstert. Diese machen wir dann zu Willens- und Glaubensentscheidungen und präsentieren sie ihm nachfolgend erneut, um dann von ihm seinen aktuellen Beistand zu bekommen. Dieses Verfahren ist einfach phantastisch.
1.5 Der Heilige Geist, der vermittelt
Die dritte Bedeutung des Begriffes koinonia, die Vermittlung und Transport meint, ist uns möglicherweise am besten bekannt. Der Heilige Geist ist in seinem Bemühen, ständig Gemeinschaft zu haben und Gemeinschaft zu stiften, die personifizierte Vermittlung unserer Beziehung zu Jesus und dem Vater. Er ist gleichzeitig der Vermittler der Gedanken, Liebe und Kräfte des Vaters und des Herrn zu uns.
Es stimmt, dass wir Jesus über den Heiligen Geist erfahren sollen und dass der Heilige Geist uns die Eigenschaften, Wohltaten und Erlösungstaten des Herrn aufschließen und verdeutlichen will. Ohne ihn verstehen und erleben wir nichts. Er ist der Geist der Wahrheit, der ununterbrochen zwischen dem Herrn und uns pendelt, um uns die Augen und das Herz für das zu öffnen, was der Herr alles getan hat und uns zu zeigen, was das für uns bedeutet, und wie wir es anwenden können.
1. Korinther 2,12
Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind.
In Vers 10 lesen wir, dass Gott uns seine Absichten durch seinen Geist offenbart, der alle Dinge erforscht, auch die Tiefen der Gottheit. Diese Vermittlung zwischen uns und dem Vater ist eine Art Sonderfall der Partnerschaft, indem der Heilige Geist eine ständige Beziehungs- und Interpretationsarbeit leistet, um uns göttliche Dinge nahezubringen und göttliche Erfahrungen machen zu lassen.
Wir dürfen bei alldem jedoch nicht vergessen, was wir als Gefahr schon gesehen haben: Der Heilige Geist will dennoch als eigenständige Person respektiert werden; er hat eine eigene Persönlichkeit. Er ist ein sehr sanftmütiger und zarter Geist, der das, was er tut, in einer einzigartigen Atmosphäre von Milde, Freundlichkeit sowie Zurückhaltung wirkt. Er hat seine eigene, typische, unverwechselbare Wesensart. Diejenigen, die dieser Einladung gefolgt sind und die Gemeinschaft mit ihm suchten, werden das schon festgestellt haben. Um ihn herum ist eine große Ruhe, eine Ausstrahlung von Liebe und Bejahung. Er verweist sehr wohl und ununterbrochen auf Jesus und auf den Vater, aber er will sich auch selbst mitteilen.
Unser Bemühen, in die rechte Beziehung zum Heiligen Geist zu treten, bedarf an dieser Stelle einer besonderen Behutsamkeit. Wenn das Wort Gottes sagt, dass seine Gemeinschaft mit uns sein soll, dann dürfen wir nicht zulassen, dass wir nur seine Kräfte und Funktionen suchen, ihn selbst aber außer Acht lassen. Das betrübt und das dämpft ihn. Er ist eine Person von außerordentlicher Zartheit und Sanftmut, aber auch jemand, der intensiv lieben kann und auch geliebt sein will. So müssen wir darauf achten, dass wir nicht nur ständig seine Vermittlerfunktion suchen, sondern uns im Zusammensein mit ihm auch wirklich seiner Person und seiner Gegenwart aussetzen und die Herrlichkeit und die Bejahung annehmen, die von ihm ausgeht.
Wenn wir ihn so respektieren, dann werden wir immer wieder erleben, dass allein schon seine Anwesenheit beglückend und aufbauend ist. Wir werden uns beschützt, inspiriert und ermutigt sehen, um dann auch zu erfahren, dass er, wenn er spricht, doch gleich wieder von Jesus und dem Vater redet.
Diese Erfahrungen bleiben dem Macher und dem Machtmenschen verschlossen, aber auch jedem, der seine Härte und Bitterkeit einsetzt und sich und andere kontrolliert. Sie werden alles alleine machen müssen, weil es bei einer derartigen Haltung nie zu einer praktischen Partnerschaft kommen kann. So ergibt sich für viele Christen die große Herausforderung, dass sie im Umgang mit dem Heiligen Geist lernen, umzuschalten vom Produzieren und Gestalten, vom Machen und Kontrollieren zur Sensibilität des zarten Umgangs mit dem Heiligen Geist und zum Empfangen.
Am Schluss dieses Kapitels erscheint es mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass Paulus sagt, dass wir alle diese Gemeinschaft erleben sollen. Sie ist nicht etwas für einige Spitzenkönner und geistlich weit Fortgeschrittene. Dieses Erfahrungskontingent, besser, diese Lebensweise, steht uns allen zu. Wenn wir unter diesem Niveau bleiben, machen wir uns das Leben künstlich schwerer als von Gott vorgesehen. Wir begeben uns unter die Strapazen der eigenen Leistung und des Verbrauches unserer Energien. Wir verlieren unsere Ausstrahlung oder entwickeln sie erst gar nicht und werden schließlich doch alleine bleiben, auf uns geworfen und nur von der eigenen Kompetenz und Leistungskraft abhängig. Wie gut, dass wir aus diesem Zustand jederzeit heraustreten können. Besonders schön ist es, dass uns dieser Heilige Geist sogar noch dabei behilflich ist, diese neue Lebensart begehrenswert zu finden und uns aus den alten Zwängen zu befreien.
2 Der andere Helfer
In den Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium, in den Kapiteln 14-16, hat der Herr die Lehre über das Wesen und Wirken des Heiligen Geistes ausführlich dargestellt. Dabei nimmt der Begriff, der im Griechischen parakletos heißt und in der Lutherbibel überwiegend mit »Tröster« übersetzt wird, eine besondere Stellung ein.
Johannes 14,16 [Luther]
Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, dass er bei euch sei ewiglich.
Weitere, meist in den Fußnoten aufgeführte Übersetzungen, sind »Fürsprecher« und »Beistand«. Die wörtliche Übersetzung lautet: »der zu Hilfe Gerufene« oder »der Helfer«. Damit wird das aufgegriffen, was wir im zweiten Korintherbrief bereits gefunden haben: Der Heilige Geist ist unser Partner, der uns in allen praktischen Fragen helfen will.
Weswegen heißt er »der andere Helfer? Das kann sich wohl nur darauf beziehen, dass das Wort »Jesus« in seiner hebräischen Urform »Jehoshua« die wörtliche Bedeutung »der Herr ist Hilfe« oder »ist ein Helfer« hat. Der Heilige Geist ist nun der andere Helfer, übrigens der andere Helfer derselben Qualität. (Im Griechischen gibt es eine feine Unterscheidung zwischen »anderem von anderer Art, nämlich heteros und »anderer« von derselben Art, nämlich allios.) Indem nun Jesus den Heiligen Geist den anderen Helfer nennt, und dies nur dann einen Sinn gibt, wenn ein weiterer Helfer existiert, wird die authentische Übersetzung des griechischen Begriffes bestätigt. Der Heilige Geist ist in erster Linie Helfer, was natürlich auch alle anderen Übersetzungsmöglichkeiten wie »Tröster«, »Fürsprecher« und »Beistand« mit einschließt.
Wir haben hier gerade im thematischen Umkreis des Heiligen Geistes gelernt, dass wir möglichst auf die Wörtliche Bedeutung von biblischen Begriffen und Aussagen achten sollen. Insofern hat es wohl eine Bewandtnis, dass der parakletos der »um Hilfe Gerufene« ist. Das heißt doch, wir sollen ihn zu Hilfe rufen, weil wir Hilfe nötig haben und uns weder selbst helfen wollen und können noch dürfen. Wir ziehen aus den wiederholten Erwähnungen des Heiligen Geistes als Helfer den Schluss, dass uns Gott wirklich umfassende Hilfe geben will. Es ist für mehr Fälle im Leben Hilfe vorgesehen, als wir das bis jetzt für möglich und notwendig gehalten haben. Der Heilige Geist will unser Helfer sein, wenn es darauf ankommt, die Wahrheit zu erkennen, er will der Geist des Glaubens sein und uns insofern auch helfen zu glauben. Er will uns helfen, eine Beziehung zu unserem göttlichen Vater zu erleben, die spürbar, schutzgebend und real ist, er will uns helfen, Jesus zu sehen und so zu leben, wie er lebt.
Johannes 14,19 (Luther)
Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben.
Er hilft uns bei der Freude, er hilft uns auf dem Weg zum Frieden, er hilft uns, göttliche Weisheit zu empfangen, Beter und Anbeter zu werden, ein Zeuge Jesu zu sein, Einfluss auf die Welt zu nehmen und Überwinder zu werden.
Diese Liste könnte und müsste beliebig fortgeführt werden. Er ist die Person, die das Heil austeilt, die ununterbrochen Worte, Taten und Heil von Jesus nimmt, um sie an uns weiterzureichen. Der Heilige Geist ist der große Anwender und Verteiler, der Vermittler und der Helfer.
In allen Dingen sollen wir uns an ihn wenden, weil er eben die uns am nächsten stehende göttliche Person ist. Das bereitet nicht wenigen Christen Schwierigkeiten, weil sie nicht genau wissen, was sie nun von Jesus und dem Vater, und was sie vom Heiligen Geist erwarten oder erbitten dürfen. Das ist auch der Punkt, an dem manche Christen Bauchschmerzen bekommen, weil sie in sich den Argwohn hochsteigen sehen, dass der Heilige Geist am Ende dann doch die Person des Herrn Jesus und des Vaters verdrängt. Wie ist nun die Beziehung zwischen den göttlichen Personen untereinander zu verstehen, und wie haben wir uns ihnen gegenüber zu verhalten? Diese Frage bewegt viele Gläubige. Solange sie nicht beantwortet ist, werden manche von einer entspannten Beziehung zum Heiligen Geist ferngehalten.
2.1 Jesus ist der Retter, aber der Heilige Geist teilt das Heil aus
Die Beziehung der göttlichen Dreieinigkeit und, wenn man so sagen darf, die Verteilung der Aufgaben innerhalb der göttlichen Gemeinschaft ist nach dem Zeugnis der Schrift sehr eindeutig geregelt: Vom Vater kommt die Liebe und das Verlangen, den Menschen in ihren Belangen und Nöten zu helfen. Jesus hat das Heil auf die Erde gebracht, indem er Mensch wurde, lehrte, für uns litt, starb und auferstanden ist. Er ist der Erretter, er hat die stellvertretende Sühne vollzogen und hat alle Ehre dafür bekommen. Es war nicht der Heilige Geist, dem diese Aufgabe übertragen wurde.
Das Heil kommt von dem Herrn, aber der Heilige Geist teilt es nun aus. Er ist der Verteiler hier unter den irdischen Verhältnissen. Er erklärt in allen Bedarfssituationen, was Jesus für uns getan hat. Er zeigt, was alles im Heilspaket enthalten ist. Wir sollen wissen, was uns von Gott gegeben ist.
1. Korinther 2,12
Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind.
Er motiviert, er deutet, er verteilt und vermittelt. Er steht gleichsam auf unserer Seite, wenn es darauf ankommt, alle Geschenke des Himmels entgegenzunehmen.
In Entsprechung zu dieser Art von Aufgabenverteilung zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist haben wir uns mit unseren Gebeten und Anreden zu verhalten. Wenn es darum geht, im aktuellen Fall des Jetzt und Hier, bei dem, was wir gerade tun, Hilfe zu holen, dann sollten wir uns an den Heiligen Geist wenden und ihn bitten, uns jetzt beizustehen. Die Betonung liegt auf dem Jetzt und auf dem Aspekt der gerade jetzt zu leistenden Arbeit.
Geht es aber darum, dass einem anderen Hilfe zuteil werden soll oder Gott uns selbst Hilfe schicken soll (es ist also von seinem Handeln die Rede, das erst einsetzen soll), dann wenden wir uns im Namen Jesu an den Vater. Handelt es sich dagegen um die Art und Weise, wie wir aktuell beten sollen, erbitten wir die Hilfe des Heiligen Geistes.
Johannes 16,23
(wohlgemerkt ein Teil der Heilig-Geist-Reden des Herrn) Und an demselben Tage (dem Tag, an dem der Heilige Geist uns zur Verfügung steht; Anmerkung des Autors) werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr den Vater etwas bitten werdet, so wird er es euch geben in meinem Namen. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen, bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei.
Unsere Bitten und Gebete sowie die klassischen Fürbitten richten sich an den Vater, aber im Namen Jesu, das heißt, mit Billigung und im Auftrag seines Sohnes und gleichsam an seiner Statt. So bekommen wir Gehör. Und noch einmal: Geht es um die aktuelle Hilfe bei dem, was wir jetzt gerade tun oder was wir zu lassen haben, und es fällt uns schwer, das zu lassen (es scheint für uns Menschen wirklich das größere Problem zu sein, etwas zu lassen als zu tun) dann wenden wir uns um praktische und augenblickliche Mithilfe an den Heiligen Geist.
Wie steht es mit der Anbetung? Lob und Preis und Ehre wie auch Anbetung kommen dem Vater und dem Herrn Jesus zu. Weil aber der Heilige Geist ebenfalls Gott ist und weil er eine makellose Person von göttlicher Reinheit und Kraft ist, gibt es keinen Grund, ihn nicht zu loben, ihn nicht zu preisen und ihm Dank zu verwehren. Es ist auch nicht einzusehen, weswegen man ihn nicht anbeten sollte, wenn er wirklich Gott ist, wie auch Jesus, der Sohn Gottes, Gott ist.
Jedoch sollten wir hier auf die offenkundige biblische Gewichtung achten. Ehre und Anbetung kommen, gemessen an der großen Anzahl von biblischen Geboten und Erwähnungen der Anbetung, erstrangig dem Vater und dem Sohn zu. Wir werden gewiss den Heiligen Geist nicht ausklammern, aber wir werden, gerade im Zusammensein mit ihm, sein Verlangen hören, mit ihm und durch seine Mithilfe gemeinsam den Vater und den Sohn zu loben und ihnen Anbetung zu bringen.
Es ist doch nicht so schwer, unsere Beziehung zur göttlichen Dreieinigkeit zu ordnen. Wenn wir ein klares Verständnis von ihrem Wesen und Auftrag haben, dann werden wir uns sehr schnell des Gefühls entledigen können, dass das alles verwirrend sei und wir, in Anbetracht der göttlichen Kompetenzvielfalt, Schwierigkeiten bei unserer Orientierung und Zuordnung zu den Personen der göttlichen Dreieinigkeit haben. Mit Einsicht in die Wahrheit regeln sich diese Schwierigkeiten von alleine, ja, sie offenbaren sich als Scheinschwierigkeiten. Ich sage es noch einmal, wer es lernt, mit geistlicher Sensibilität und Intuition auf die Stimme des Heiligen Geistes zu hören, wird diese gerade als Aufforderung vernehmen, Jesus und den Vater zu verherrlichen.
2.2 Die Kehrseite der göttlichen Hilfe
Es gibt einen Aspekt in unserer Beziehung zum Heiligen Geist, der leicht übersehen werden kann, weil er einfach banal erscheint. Aber er ist es keineswegs, wie die Seelsorge und die breite Erfahrung mit Gläubigen beweist, die den Heiligen Geist erfahren wollen:
Wer den Heiligen Geist, den Helfer, einlädt, muss wirklich davon überzeugt sein, dass er Hilfe braucht, und er muss seine eigene Hilfsbedürftigkeit oder gar Hilflosigkeit wahrnehmen. Der Heilige Geist achtet auf die Feinheiten und sucht, wenn er eingeladen wird, nach diesem ehrlichen Motiv und dem Mandat, kommen zu dürfen. Wer in der Tiefe seines Herzens nicht seine Not anerkennt und den dringenden Bedarf erlebt, die übernatürliche Hilfe des Heiligen Geistes zu bekommen, oder wer zwar die richtigen Worte ausspricht, aber letztlich nicht völlig von der Notwendigkeit seiner Abhängigkeit überzeugt ist, erlebt den Heiligen Geist nicht!
Das war die große Überraschung in den Gemeinden Gottes, die sich dem Heiligen Geist geöffnet haben. Manch einer ging tatsächlich leer aus, obwohl er dieselben Worte gebraucht hatte wie sein Bruder oder seine Schwester, seine Gebete genauso dringlich erschienen wie die Gebete derer, die den Heiligen Geist stark erlebt haben. Das ist eine erstaunliche Tatsache, dass der eine den Heiligen Geist empfängt und der andere nicht, wiewohl er ihn auch begehrt.
Der Heilige Geist sieht wirklich in das Innere und erkennt, ob jemand in seinem Gebet sein Herz vor ihm auskehrt und in der Mitte seiner Person sein Elend und seine Hilfsbedürftigkeit einsieht und dazu steht. Der Heilige Geist hilft den Demütigen, und der Demütige ist der, der zur Wahrheit steht und genau weiß, dass er den Heiligen Geist braucht.
Hätte ich diese Sätze vor zwei Jahren formuliert, hätte das nach theologischer Spitzfindigkeit ausgesehen, die zwar formal Richtiges zum Ausdruck gebracht hätte, aber ansonsten niemandem wichtig erschienen wäre. Heute wissen wir, dass es von extremer Bedeutung ist, in seinem Begehren und Verlangen sowie im Erklären seiner Hilfsbedürftigkeit wirklich ehrlich zu sein. Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass ich mit Hunderten von Christen gesprochen und gebetet habe, die, was die Wahl ihrer Worte und die Dringlichkeit ihrer Gebete anbelangt, alles richtig gemacht haben, und doch nicht empfangen haben. Der Unterschied liegt immer darin, ob jemand im tiefsten Herzen ein Verständnis davon bekommt, was es heißt, Hilfe zu empfangen, nämlich seine eigene Vortrefflichkeit und Leistungsfähigkeit als nicht ausreichend zu durchschauen und sich echt auf den Weg zur Abhängigkeit vom Herrn zu machen.
Dieser Gesichtspunkt ist praktisch so wichtig, dass ich ihm ein Extrakapitel einräumen werde, weil es einen schreienden Bedarf nach seelsorgerischer Hilfe gibt, möglichst vielen den Weg zum Heiligen Geist zu ermöglichen.
2.3 Der Geist bleibt, und die Salbung bleibt
Der Heilige Geist ist ein sensibler, aber kein kapriziöser Helfer. Wenn er eingeladen wurde und gekommen ist, dann bleibt er auch. Es kann sein, dass er sich nach einiger Zeit in uns zurückziehen muss, weil er kein neues Votum bekommt und weil wir doch stillschweigend dazu übergegangen sind, uns wieder selbst zu helfen, aber er bleibt bei uns.
Johannes 14,16
Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, ...
Diese Aussage ist keineswegs selbstverständlich. Sie steht in einem gewissen Sinne auch im Kontrast zu dem, was wir über unseren Herrn wissen. Das Wort Gottes sagt uns, dass Jesus durch den Glauben in unseren Herzen wohnt (Epheser 3,17) und dass er da, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, mitten unter ihnen ist. Das beinhaltet doch wohl auch die Aussage, dass der Herr sonst nicht in jedem Fall unter uns ist. Ganz deutlich wird dies am Beispiel der Gemeinde in Laodicea.
Offenbarung 3,20
Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen, und er mit mir.
Diese Aufforderung setzt doch voraus, dass die ganze Gemeinde zunächst einmal von Jesus verlassen war, sodass er vor ihrer Tür stand und Einlass begehrte.
In jedem Fall dürfen wir aber davon ausgehen, dass der Heilige Geist bei uns bleibt, solange wir uns nicht ausdrücklich gegen ihn wenden und ihn ausdrücklich ausladen. Selbst wenn wir uns der Gleichgültigkeit und der Selbstverwirklichung ergeben oder mit der Sünde paktieren und unsere eigenen Wege gehen, bleibt der Heilige Geist dennoch bei uns. Ganz sicher wird er sich abgedrängt fühlen, am Rande unserer Person, in einer Ecke befindlich, und seine Stimme wird keinen Einfluss auf uns haben. Oder er wird vielleicht überhaupt nicht zu uns reden, weil er weiß, dass wir nicht hörfähig sind. Aber er bleibt bei uns! Das ist eine glorreiche Botschaft. Der Heilige Geist steht in Treue zu uns.
Dass der Heilige Geist bleibt, hat auch noch eine andere Bewandtnis. Ich habe sie in meinen ersten Erfahrungen mit der neuen Salbung kennengelernt. Wir bekamen Besuch von Pastor Claudio Freidzon aus Argentinien, einem sehr einfachen und lieben Mann. Dieser hatte in früheren Jahren in Buenos Aires eine Gemeinde mit großer Anstrengung und Mühe, nach vielen frustrierenden Erfahrungen, zu stattlicher Größe geführt. Als er dann eines Tages einem ehemaligen Lehrer dieses erfolgreiche Werk einer beeindruckenden Großstadtgemeinde vorführte, wurde er von diesem gefragt: »Und wie viel Zeit verbringst du eigentlich mit dem Heiligen Geist, und wie sieht deine Gemeinschaft mit ihm aus?«
Diese Frage hatte Claudio sehr überrascht und umgetrieben. Er suchte daraufhin überall Antwort auf die Frage, wie man mit dem Heiligen Geist Gemeinschaft pflegen kann. Durch einen kurzzeitigen Kontakt mit Benny Hinn in den Vereinigten Staaten und über einige andere Stationen machte er schließlich jene Erfahrung der Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist, die dann seinen ganzen Dienst veränderte. Es traten daraufhin die typischen und zum Teil auch spektakulären Erscheinungen in seiner Gemeinde und in seinem Dienst auf, die immer das Wirken eines Menschen begleiten, der die unmittelbare Beziehung zum Heiligen Geist pflegt. In Südamerika bildete sich um ihn eine regelrechte Erweckungsbewegung, zum Mindesten eine Erneuerungsbewegung, die Tausende von müde gewordenen Christen mit neuem Feuer füllte.
Dieser Mann kam im Spätsommer 1993 zu uns nach Berlin und vermittelte uns seine Lehre und seine Erfahrung. Das Feuer erfasste mich und die ganze Gemeinde. Wir machten ähnliche Erfahrungen wie unsere Geschwister in Argentinien. Dann kam der Punkt, auf den ich eigentlich hinauswill.
Direkt nach diesem zweitägigen Besuch von Pastor Freidzon musste ich, einer alten Terminfestlegung folgend, zu einem Dienst. Ich hatte mir vorgenommen, die eben gemachten Erfahrungen in Lehre und Praxis weiterzureichen und hatte während der Fahrt zu dieser Gemeinde ständig die Frage in meinem Herzen: Habe ich jetzt auch diese Salbung? Ist der Heilige Geist geblieben oder nicht?
Er ist geblieben! Ich sah in jener Gemeinde in Schleswig-Holstein den Heiligen Geist ähnlich wirken, wie ich es in der eigenen Gemeinde erfahren hatte. Es war offensichtlich, und ich habe es auch später regelmäßig feststellen können: Nicht nur der Heilige Geist bleibt, wenn er einmal eingeladen ist, auch die Salbung bleibt. Es ist eine herausragende Erscheinung dieser neuen Bewegung, dass sie bei denjenigen, die in Kontakt mit ihr gekommen sind, genauso stark ist, wie bei den Vermittelnden. Sie nutzt sich nicht ab, sie bleibt erhalten, ja, sie wird sogar stärker.
Auch das ist eine interessante Erfahrung, die ich erst im Verlauf dieser letzten achtzehn Monate gelernt habe. Je länger ein Gottesdienst dauert und je länger man sich dem Heiligen Geist aussetzt, je bewusster man ihn einlädt, immer wieder einlädt und sich nicht mit der Erstsalbung zufrieden gibt, umso stärker wird sie und umso machtvoller sind die Auswirkungen.
Wir brauchen wirklich keine Angst zu haben, dass uns diese Salbung irgendwie zwischen den Fingern entgleiten wird und sie auf einmal nicht mehr zur Verfügung steht. Sofern wir uns unsererseits immer wieder neu dem Heiligen Geist hingeben, bleibt die Salbung und wird stärker und stärker, bis sie das Ausmaß einer Erfrischung und Erneuerung hinter sich gelassen hat, um zu einer Bewegung der Erweckung zu werden. In Mitteleuropa scheint es zur Zeit noch nicht so weit zu sein, aber es gibt Hinweise, dass dieser Übergang in anderen Nationen schon stattfindet.
Die Angst davor, dass der Heilige Geist zurückweichen könnte, ist auch insofern unbegründet, als er selbst ja das allergrößte Interesse hat, den Leib Jesu zu stärken, zu bereichern, zu erquicken und mit seinem Leben und seiner Kraft auszustatten.
2.4 Die neue Salbung erweist sich als sehr ansteckend
Die Tatsache, dass sich die Bewegung des Heiligen Geistes so außerordentlich rasant ausbreitet, hat etwas mit seinem einzigartigen Charakter zu tun. Er bleibt bei uns und steht zu uns, weil er ein loyaler Geist ist. Nicht nur, dass vereinzelte Sünden oder Schwächen in unserem Glaubensleben ihm kein Anlass sind, uns zu meiden oder zu verlassen, nein, er ist auch in dem Sinne loyal, dass er bei allen weiteren Expansionsabsichten und Bestrebungen, auch andere auf neue Erfahrungshöhen zu bringen, bei denen ansetzt, die ihn bereits angenommen haben. Er beweist eine große Treue in seiner Wertschätzung uns gegenüber und in seiner Anerkennung unseres Gehorsamsschrittes ihm gegenüber.
Das führt zu der praktischen Konsequenz, dass der Heilige Geist auf jene Menschen fällt, die ihn bereits eingeladen haben, um weitere Nester der Erweckung zu bilden. Er achtet diejenigen, die sich ihm schon geöffnet haben, so sehr, dass er sich nur über sie vermittelt.
Dieses sich dabei ergebende Verästelungssystem ist in gewissen Abschnitten sehr detailliert nachweisbar. Die geschichtliche Kontinuität, wie wir sie beobachten können, ist erstaunlich: Die Person, die als erste diese umschriebene Erfahrung der Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist in der Neuzeit gemacht hat, war Kathryn Kuhlman. Ihr Dienst war entsprechend von diesem besonderen Flair des Heiligen Geistes und spezifischen übernatürlichen Erfahrungen gekennzeichnet, die wir bereits kennengelernt haben.
Durch unmittelbaren Kontakt mit ihr wurde Benny Hinns Dienst begründet, der ebenfalls von diesen typischen Erscheinungen bestimmt ist. Benny Hinn bezeugt in seinen Predigten und Büchern immer wieder neu, dass die Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist für ihn die wichtigste Erfahrung ist und führt sie ausdrücklich auf seine Beziehung zu Kathryn Kuhlman zurück.
Von ihm wiederum wurde der bereits genannte Claudio Freidzon angesteckt. Dieser nur kurzzeitige Kontakt zwischen beiden, zusammen mit anderen geistlichen Momenten, reichte aus, das Leben Claudio Freidzons und seinen gesamten Dienst zu revolutionieren. Auch bei ihm wurden dieselben Besonderheiten offensichtlich, die schon bei Kathryn Kuhlman und Benny Hinn erkennbar waren. Jedoch traten bei ihm frische Erfahrungselemente dazu, wie der Heilige Geist überhaupt ungern stereotyp reagiert oder bei einer festgelegten Erscheinungsform stehenbleibt.
Von Claudio Freidzon kamen dann Anstöße nach Mitteleuropa und von hier über viele Pastoren in diverse Gemeinden und Gruppierungen. Überall war diese Kontinuität erkennbar, wobei es immer wieder augenscheinlich wurde, dass schon sehr kurze Berührungen mit Lehre und Personen ausreichten, um den Heiligen Geist zu empfangen.
Ähnliches gilt von einer anderen Linie, die über Südafrika nach Nordamerika kam und an den Evangelisten Rodney Howard Browne gebunden ist. Als dieser die entscheidende Erfahrung mit dem Heiligen Geist machte, kam es auch durch ihn sehr schnell zu einer Ausbreitung dieser Bewegung über direkten persönlichen Kontakt in die USA, nach Kanada, England und in weitere Staaten Europas. In vielen Einzelfällen konnten wir regelrecht groteske Formen dieses Heiliggeist-Transfers beobachten. Im Fall unserer ersten Erfahrung in der »Gemeinde auf dem Weg« war ein kurzes Video ausreichend. Andere Geschwister sind angesteckt worden und haben augenblicklich ähnliche Phänomene erlebt, indem sie die Aufzeichnungen von diesen Tagen mit Claudio Freidzon in unserer Gemeinde oder von Pastorenkonferenzen zu diesem Thema gesehen und gehört haben.
Hinter diesem Schema von Verbreitung steht das göttliche Motiv, die zu ehren, die den Heiligen Geist bereits empfangen haben. Gleichzeitig unterstreicht der Heilige Geist damit auch in sichtbarer Form die Bedeutung von Gemeinschaft. Für ihn gilt Beziehung nicht nur als Prinzip, sondern auch als der praktische Weg, seine Absichten und Ziele zu vermitteln. Fassen wir zusammen, was wir im Charakter des Heiligen Geistes zunächst kennengelernt haben, so ergeben sich folgende Lehren.
l. Die Bewegung der neuen Salbung ist in Wirklichkeit eine Begegnung mit der Person des Heiligen Geistes. Er sucht Gemeinschaft mit uns. Alles andere ist nur eine Auswirkung davon.
2. Der Heilige Geist ist im Rahmen dieser intimen Beziehung zu uns auch unser Helfer. Er hilft in jeder Hinsicht, in den praktischen Belangen unseres Alltags, und vor allen Dingen dann, wenn es darum geht, uns Jesus und den Vater verständlich zu machen und erleben zu lassen.
3. Die Erfahrung der praktischen Hilfe durch den Heiligen Geist setzt konsequenterweise das Eingeständnis der Hilfsbedürftigkeit und der grundsätzlichen Unfähigkeit, sich selbst helfen zu können und zu dürfen, voraus. Dadurch werden wir in Abhängigkeit zum Heiligen Geist gebracht, was eine Erfahrung der Demut ist und gleichzeitig zur großen Entspannung führt, weil wir nicht mehr alles selbst machen müssen. 4. Der Heilige Geist steht zu uns, unabhängig von unserer Tagesverfassung, unseren aktuellen Umständen und unserer Schuld. Wenn wir die persönliche Beziehung mit ihm aufgenommen haben, wird uns eine neue Salbung zuteil, die ebenfalls stabil ist.
5. Je länger der Heilige Geist auf uns einwirkt und je mehr wir ihn einladen, umso stärker ist die Salbung. Der Heilige Geist achtet auf die Dringlichkeit unserer Erwartung und unserer Sehnsucht.
6. Der Heilige Geist vermittelt sich nicht an Menschen vorbei, sondern gebraucht die, die sich ihm bereits geöffnet haben. Darum erweist er sich aber als extrem ansteckend. Die neue Salbung zeigt vermutlich die größte Ausbreitungsgeschwindigkeit, die je bei einer geistlichen Bewegung in der Geschichte der Kirche beobachtet wurde.
3 Die Liebe des Heiligen Geistes
Wer als Außenstehender von den neuen Erfahrungen hört, die Scharen von Christen mit dem Heiligen Geist machen, fragt sich natürlich, was denn genaugenommen geschieht, wenn der Heilige Geist wirksam wird. Welches ist eigentlich die lnnenerfahrung, die mit dem Handeln des Heiligen Geistes einhergeht? Diese Frage lässt sich bündig mit einem Wort beantworten: Es ist pure Liebe, die der Heilige Geist vermittelt.
Diese Liebe wird von vielen sehr unterschiedlich empfunden, doch überwiegt bei den Empfangenden, wenn man sie befragt, was sie eigentlich erfahren, die Antwort, dass sie sich geliebt und angenommen fühlen. Dabei liegt die Betonung durchaus auf Fühlen. Wenn der Heilige Geist uns liebt, dann liebt er nicht theologisch und theoretisch oder nur dem Prinzip nach, seine Liebe ist erfahrbar, sie ist spürbar, sie ist beglückend und sie tut wohl.
So schön dieses Resultat ist, es wird gewiss in manchen Kreisen Widerspruch erzeugen. Dass man Gott fühlen kann, ihn innerlich erleben und sogar eine innere Wahrnehmung Gottes erfahren kann, ist sicherlich für manche theologische Puristen, die alles nur auf gedankliche Sachverhalte zurückführen wollen, skandalös. Aber was soll‘s?
Hauptsache ist doch, dass der Heilige Geist sein Werk tut und es in Übereinstimmung mit seinen eigenen Äußerungen in der Heiligen Schrift geschieht. Das dürfen wir wohl erwarten, und dieser Erwartung entspricht der Heilige Geist auch.
Apostelgeschichte 17, 27
Gott hat bestimmt, dass die Menschen Gott suchen, ob sie ihn wohl tastend fühlen und finden möchten, obgleich er nicht fern ist von jedem von uns. Denn in ihm leben und weben und sind wir.
Gott fühlen zu dürfen, ist die Aufforderung der Schrift. Trotz dieses Schriftbefundes fühlt mancher sich durch die Bewegung des Heiligen Geistes infrage gestellt, weil dadurch nämlich auch das eigene theologische Gedankengebäude erschüttert wird. Es ist dann leicht, aber auch billig, empört zu sein und das alles als oberflächlich und seicht beziehungsweise exzentrisch abzutun. Dies haben anfangs ja auch viele getan.
Der Vorwurf der Hysterie war in den ersten Wochen und Monaten häufig zu hören. Man kann es aber auch anders ausdrücken, dass wir Liebe brauchen, und dass Wahrheit und Erkenntnis die Erfahrung Gottes nicht ersetzen, sondern herbeiführen sollen. Ich finde es schon bemerkenswert, dass manche hochkirchliche Theologen den Mut hatten, ihre Defizite einzugestehen und sich dem Heiligen Geist zu öffnen. Von der anglikanischen Kirche in England hören wir beispielsweise, dass ganze Gemeinden geschlossen zu diesen neuen Erfahrungsmöglichkeiten übergegangen sind. Sie sahen ihren Mangel, machten sich nichts mehr vor und öffneten ihr Herz, indem sie sich ihre Hilfsbedürftigkeit eingestanden.
Aus der Holy Trinity Prompton-Gemeinde in der westlichen City Londons, die zur absolut höchsten High Class der Londoner Gesellschaft gehört, vernehmen wir, dass weite Teile dieser Gemeinde solche Erfahrungen mit dem Heiligen Geist machen. Die Tatsache, dass die meisten von ihnen so wohlsituiert und gesellschaftlich anerkannt sind, dass sie zum Mindesten von einem gemeinsamen Mahl am königlichen Hof berichten können, war offenbar kein Hindernisgrund, sich schlicht und einfach der Liebe des Heiligen Geistes zu ergeben.
Es ist ein gesicherter biblischer Befund, dass uns die Liebe Gottes über den Heiligen Geist vermittelt wird.
Römer 5,5
Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.
2. Timotheus 1,7
Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Es wird hier Folgendes ausgesagt: Wenn wir die Liebe Gottes erfahren wollen, so sollen wir sie durch den Geist, der ein Geist der Liebe ist, empfangen. Schließlich wird uns in Römer 15,30 verraten, dass die göttliche Liebe wohl grundsätzlich eine Liebe des Geistes ist.
Römer 15,30
Ich ermahne euch aber, Brüder, durch unseren Herrn Jesus Christus und durch die Liebe des Geistes...
Diese Schriftworte machen es deutlich. Der Heilige Geist ist auch im Hinblick auf Liebesausteilung die zuständige göttliche Person. Er ist ein Geist der Liebe, während die Liebe eine Liebe des Geistes ist, und er gießt diese Liebe in unsere Herzen aus. Und das ist genau das, was die Christen heute erfahren und was sie eigentlich von jeher erleben sollten.
Ohne die Liebe Gottes, die eine übernatürliche Liebe, ohne Bedingung, unverdient und nicht verdienbar ist, bleibt unsere Nachfolge fade und langweilig. Sie degeneriert nach einiger Zeit unweigerlich zu einer Form von religiöser Ideologie. Was uns aus einer solchen Entwicklung herausholen kann und immer wieder neu erfrischt und belebt, das ist die göttliche agape, die Liebe Gottes.
Indem nun der Heilige Geist seine Liebe immer wieder in unser Herz hineingibt, sorgt er nicht nur für die Erquickung und Erneuerung einzelner, sondern auch ganzer Gemeinden. Darauf wird schließlich deren Nachbarschaft neugierig.
Das Interessante an dieser Erfahrung ist nun, dass der Heilige Geist sich bei der Austeilung von Liebe ganz genau an das hält, was er in seinem Wort beschrieben hat und was dem Wesen der Liebe entspricht. Die Liebe wird geschenkt und wir werden in Liebe gebadet, sofern wir unsererseits genau wissen, dass wir keine Liebe aufbringen oder erzeugen können, und dass wir sie nicht verdienen können.
Das ist der springende Punkt. Wo jemand, in religiöser Haltung und Verkennung seiner Liebesunfähigkeit, doch so etwas wie Liebe aus seinen eigenen Rippen herauspressen will und mit sozialem Verhalten seine Vortrefflichkeit beweisen will, geht er leer aus! Das was uns lehrmäßig und intellektuell früher schon bekannt war, wurde nun auf einmal ganz praktische Wirklichkeit. Der Heilige Geist zeichnet die Linie nach, zum Beispiel in der folgenden Schriftstelle.
1. Johannes 4,10
Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat...
Das Wort Gottes legt Wert darauf, dass die ganze Abhandlung über Liebe damit beginnt, dass nicht wir lieben, sondern dass Gott zuerst geliebt hat. Die Definition der Liebe beginnt, wenn sie schriftgemâß erfolgt, mit einer Antithese: Liebe ist die Einsicht, dass ich selbst nicht lieben kann und dass ich die Liebe von Gott brauche. Dementsprechend ist auch der Fortgang in dem Kapitel:
1. Johannes 4,16 u.19
16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. 19 Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.
Vers 16 verrät uns sehr deutlich, dass Gott Liebe ist, und dass wir diese Liebe erkennen und im Glauben übernehmen sollen, um dann anschließend in der Liebe zu verharren, das heißt, sich weiter lieben zu lassen und dadurch auch in Gott zu bleiben.
Diese theologischen Zusammenhänge bringt nun der Heilige Geist zum Leben. Er macht jedem unter uns, der wirklich etwas erfahren will, klar, dass die Liebeserfahrungen sehr einseitig sind. Wir sollen uns lieben lassen, wir sollen uns der Liebe hingeben und dann auch in der Liebe bleiben. Allerdings sollen wir auch unsere geistlichen Augen auftun, um sie zu erkennen, das heißt, wahrzunehmen, dass Gott ein Gott der Liebe ist, um ihm dann seine Liebe abzunehmen. Vor dem Nehmen kommt das Erkennen. Wer nicht den Charakter Gottes, der ausschließlich von Liebe und Güte bestimmt ist, wahrnimmt, wird von Gott nicht nehmen können.
Erst danach (Vers 19) werden wir aufgefordert, selber zu lieben. Wer zu schnell liebt, der macht sich etwas vor. Wir können uns und anderen mit einem gewissen menschenfreundlichen und sozialen Verhalten glauben machen, dass wir aus Liebe handeln. Aber das wird bei näherem Hinsehen doch nur eine Vorweginvestition von Wohlverhalten und zweckorientierter Zuwendung sein, um nachher die freundlichen Reaktionen, den Applaus und die Gegenliebe der so Versorgten abzuschöpfen. Es ist wirklich wichtig – der Heilige Geist lehrt uns das ununterbrochen –, dass wir uns ihm immer wieder neu hingeben, um uns lieben zu lassen. Erst wenn wir ganz voll von seiner Liebe sind, können wir, und dann sollen wir auch lieben.
3.1 Der Heilige Geist als heißer Liebhaber
Die bewegendste und dramatischste Darstellung des Liebesverhaltens des Heiligen Geistes finden wir im Jakobusbrief. Wie manche andere Aussagen in der Schrift, die den Heiligen Geist betreffen, nicht offen und zugriffsbereit auf einem Tablett liegen, so ist es auch hier. Die Beschreibung der Liebe des Heiligen Geistes erfolgt so, dass man darüber hinweglesen kann. Aber wenn man dieses Schriftwort einmal erfasst hat, dann wird man von ihm nicht mehr losgelassen, weil man es wirklich so erfährt.
Jakobus 4,3-6
3 ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr in übler Absicht bittet, nämlich damit ihr’s für eure Gelüste vergeuden könnt. 4 Ihr Abtrünnigen, wisst ihr nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein. 5 Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst: Mit Eifer wacht Gott über den Geist, den er in uns hat wohnen lassen, 6 und gibt umso reichlicher Gnade? Darum heißt es (Sprüche 3,34): »Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.«
Der Anfang dieses Textes ist nicht sehr erhebend. Aber wir brauchen ihn, um den Zusammenhang besser zu verstehen. Jakobus sagt den Briefempfängern, dass sie nicht haben, weil sie entweder nicht bitten oder weil sie in einer üblen Weise bitten, nämlich so, dass sie aus den Gebetserhörungen ihre Lust ziehen wollen. Ich verstehe den Text vom Zusammenhang her so, dass sie Gott immer nur bitten, dass er ihnen dies und jenes geben möge, weil sie ihre Lust ausschließlich aus den dinglichen Segnungen, die sie von Gott erwarten, ziehen wollen. Sie waren also sehr den diesseitigen Lüsten ergeben. (Wenn wir die Schrift auf dieses Thema hin untersuchen, werden wir feststellen, dass es durchaus nicht sündhaft ist, sich über Gebetserhörungen zu freuen, die uns unter anderem auch diesseitige Segnungen zuteil werden lassen, sofern unsere Hauptlust im Herrn ist.)
Aber das war hier nicht der Fall. Sie werden Abtrünnige, wörtlich Ehebrecher und Hurer, genannt, weil sie ihre Gelüste eben nicht von Gott stillen lassen, sondern allein von weltlichen Angeboten. Und das ist sogar Feindschaft gegen Gott. Mit einem Wort, Gott ist entrüstet darüber, dass seine Kinder in diesem Fall ihre Freuden und ihre Lust an ihm vorbei von weltlichen Angeboten holen. Das sieht er als eine Art geistlichen Ehebruch an.
Wenn das nun geistliche Hurerei ist, wie sieht die richtige Beziehung aus, und mit wem sollen wir sie eingehen? Das wird uns im nächsten Vers verraten.
Jakobus 4,5
Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst: Mit Eifer wacht Gott über den Geist, den er in uns hat wohnen lassen,
Das ist ein Schlüsselwort und nach meinem Verständnis die Schriftaussage, mit der wir am besten all das verstehen können, was der Heilige Geist heute unter uns tut und was er in Zukunft noch vorhat. Zunächst wird uns gesagt, dass unser Partner (im Kontrast zu der geistlichen Hurerei, wie sie oben beschrieben ist) nicht Gott allgemein, sondern der Geist ist; der Geist, der uns von Gott gegeben ist und der in uns wohnt. Er ist ein begehrender und eifernder Geist! Dieser Geist wirbt um uns, und er reagiert regelrecht eifersüchtig, wenn er sieht, wie wir uns an andere und anderes wenden, um uns von dort Lust zu holen. Der Geist Gottes, der in uns wohnt, liebt uns in einem solchen Ausmaß, dass die Schrift sein Verhalten Begehren und Eifern nennt!
Er will uns ganz haben, er will der Einzige sein, der uns mit Lust beliefert, er begehrt uns regelrecht, was doch heißt, dass wir für ihn wichtig und begehrenswert sind.
In den Augen Gottes sind wir extrem wichtig, und es ist der Heilige Geist, der das jetzt am stärksten in seinem Herzen erlebt. Wir leben jetzt im Zeitalter des Heiligen Geistes. Es kommt auch einmal eine Zeit, in welcher die intensive Beziehung zwischen uns, der Gemeinde Gottes und Gott, auf Jesus übergeht, wenn es zur himmlischen Hochzeit mit ihm kommt.
Aber nun ist der Heilige Geist dran, er hat die Aufgabe, uns zu lieben, und er liebt von ganzem Herzen bis hin zum Zustand des Begehrens und Eiferns.
Wer die Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist sucht, wer sich wirklich Zeit dafür nimmt, wer die Offenbarungen Gottes über den Heiligen Geist ernst nimmt und bejaht, wird mehr und mehr in seinem Herzen erleben, wie dieser Geist, der in ihm wohnt, wirklich liebt, begehrt und um ihn eifert.
Der Natur des Heiligen Geistes gemäß ist das, trotz der starken Worte, nicht ein lautes und lärmendes Verhalten. Der Heilige Geist liebt diskret, aber heftig. Er kann unsererseits aber auch abgewiesen werden und erlebt diese Zurückweisung sehr schmerzhaft, weswegen das Wort Gottes sagt, dass der Heilige Geist durch unser Verhalten betrübt und gedämpft wird.
Epheser 4,30
Und betrübt nicht den Heiligen Geist, mit dem ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung hin.
1. Thessalonicher 5,19
Den Geist löscht nicht aus!
Aus dem Textzusammenhang wird deutlich, dass die Betrübnis, die wir beim Heiligen Geist auslösen, überwiegend dadurch zustande kommt, dass wir uns unabhängig verhalten, womit wir uns gleichzeitig gegen Gemeinschaft, Liebe und Hilfe aussprechen.
3.2 Die höchste Lust des Heiligen Geistes: uns lieben zu können
Wir sind dabei, die Liebesbeziehung, die der Heilige Geist zu uns aufbaut, kennenzulernen. Wie geht es nun weiter? Im Vers 6 lesen wir, dass er, der Heilige Geist, um so reichlicher Gnade austeilt, weswegen es auch heißt:
Sprüche 3,34
Ja, mit den Spöttern treibt er seinen Spott, den Demütigen aber gibt er Gnade.
Wir werden diesen Vers nur dann richtig verstehen, wenn wir gedanklich eine Brücke zwischen Jakobus 4, Vers 5 und 6, schlagen und ein Verständnis von dem Zusammenhang zwischen beiden Versen bekommen. Oder fragen wir anders: Was geschieht eigentlich, nachdem wir die Liebe, das Begehren und das eifernde Werben des Heiligen Geistes um uns erkannt haben? Die normale Reaktion, die auch der Heilige Geist bei uns sehen will, besteht doch darin, dass wir uns lieben lassen. Das wird offenbar auch hier vorausgesetzt.
Wenn wir uns vom Heiligen Geist lieben, begehren und um uns eifern lassen, weil uns das so gut tut, weil das schön ist und weil es aufbaut und das Selbstwertempfinden stärkt, dann führt das nicht nur zu einer Reaktion bei uns, die wir das Ziel seiner Liebe sind. Es geschieht noch mehr auf seiner Seite: Der Heilige Geist ist so erfreut und begeistert darüber, dass wir uns lieben lassen und seine Liebeserweise annehmen, dass er in seiner Freude und Lust darüber noch mehr gibt.
Diese Reaktion wird nun im Vers 6; »dann gibt er desto reichlicher Gnade« beschrieben. Diese Formulierung, »desto reichlicher Gnade geben«, schließt ein, dass dieser Gnadenerweis eine Reaktion auf unser vorheriges Verhalten gegenüber seiner Liebe ist. Gemeint ist Folgendes: Je mehr wir uns lieben und begehren lassen, je intensiver wir uns seiner Liebe hingeben, sie annehmen und dann auch erwidern, um so reichlicher gibt der Heilige Geist anschließend weitere, zusätzliche, eben reichlichere Gnade. Das ist die Mitte der Geisteserfahrung, wie wir sie heute erleben sollen. Wenn wir uns lieben lassen, erfreuen wir den Heiligen Geist so sehr, dass er uns daraufhin noch mehr an Zuwendung, jetzt in Gestalt von reichlicherer Gnade, gibt.
Mit dem Empfangen von Liebe drücken wir aus, dass wir Liebe brauchen, dass wir uns in der Mitte unserer Person und in unserem Herzen, dort, wo unser Icherleben und unser Wertgefühl beheimatet sind, allein und einsam fühlen und Liebe begehren. Mit dem Empfang von Gnade wird uns dann jede weitere Form von Segnung zuteil. Das kann ein Segen für die Seele, eine Gunsterweisung in körperlicher, materieller oder sozialer Hinsicht, ein vermehrter Zustrom von Autorität, Glaube, Heilungskraft, oder eine Gnadengabe sein.
So sehen wir auch in diesem Zusammenhang die alte Regel, die wir in der Schrift immer wieder finden, jetzt aber mit mehr Farbe und Dynamik ausgestattet, dass der Herr uns zuerst einmal innerlich begegnen will, um uns dann in allen anderen Bedürfnissen reichlich mit seiner Gnade zu überschütten.
3.3 Eine neue Definition von Demut
Ich will die Gedankenkette, durch die der Heilige Geist uns in diese Erfahrungen hineinführt, noch Weiterknüpfen. Gnade, die der Heilige Geist nach empfangener Liebe freisetzt, wird im Worte Gottes in einen theologischen Zusammenhang gestellt, der doch überraschend ist. Die Tatsache, dass wir auf diesem Wege Gnade empfangen, verbindet Jakobus mit dem folgenden Schriftwort.
Sprüche 3,34
Ja, mit den Spöttern treibt er seinen Spott, den Demütigen aber gibt er Gnade.
Wer also Gnade empfängt, muss die Haltung von Demut eingenommen haben. In diesem Zusammenhang heißt das, sich lieben zu lassen – was ja die Erfahrung vor der Mitteilung von Gnade ist – ist ein Ausdruck von Demut, woraufhin der Heilige Geist umso mehr Gnade gibt.
Das ist schon eine ungewöhnliche, aber sehr wohltuende Definition von Demut. Und sie ist durch und durch logisch. Es kann sich nämlich nicht jeder lieben lassen, auch wenn er das meint und lauthals bekennt. Man braucht ein gehöriges Maß an Ehrlichkeit und Einsicht, dass man sich von einem anderen abhängig machen soll und Hilfe braucht, um sich wirklich als Person lieben zu lassen und sich nicht nur mit äußeren Geschenken beschenken zu lassen. Seelsorger und Psychologen können ein Lied davon singen, in welch hohem Maße die Menschen in der modernen Gesellschaft liebesunfähig und deshalb auch nicht imstande sind, in Beziehung zueinander zu treten. Dahinter steht einfach jene harte Herzensverfassung, die es nicht wahrhaben will, dass man externe Hilfe braucht.
Liebe zu empfangen, ist also ein Beweis einer demütigen Haltung. Ich glaube, das ist die schönste und die leichteste Form, um Demut zu lernen. Der Heilige Geist, der ständige Helfer, hilft uns auch dabei! Dank sei ihm dafür. So viele Gläubige haben – ich habe es bereits gesagt – ganz erhebliche Mühe, sich vom Heiligen Geist lieben zu lassen. Aber wir konnten auch sehen, dass durch das beharrliche Werben des Heiligen Geistes und durch Ermutigung unsererseits, die allermeisten Gläubigen schließlich doch zu dieser Erfahrung durchdringen. Demut ist mithin etwas völlig anderes als das, was viele Menschen, auch Gläubige, in ihren Vorstellungen oder auch nur Ahnungen an Bedrohlichem oder Beklemmendem mit ihr verbinden. Sie ist nicht der krampfhafte Versuch, den »unteren Weg« zu glorifizieren, Mangel, Krankheit und Not zu verherrlichen oder das Unangenehme zum Angenehmen umzuetikettieren. Demut ist Ausdruck von Wahrhaftigkeit, die uns zur Einsicht führt, dass wir aus uns selbst heraus weder etwas sind, noch etwas haben und deswegen dringend Liebe und Beistand brauchen. Mit der Liebe bekommen wir alles andere, was gut und schön ist.
Dieses alles schwingt mit, wenn wir uns dem Heiligen Geist ausliefern. Es handelt sich dabei nicht um eine nachträgliche Überinterpretation, durch die wir alles Mögliche an theologischen Gedanken in diese Erfahrung hineinstecken. Dies ist daran erkennbar, dass die allermeisten Gläubigen im Umgang mit dem Heiligen Geist wirklich starke Innenerfahrungen emotionaler und auch vegetativer Art machen. Die Liebe des Heiligen Geistes ist real, sie ist drängend und so stark, dass sie gewaltigste seelische und körperliche Reaktionen auslöst.
Die Beobachter, die sich das von außen distanziert ansehen, können diese Hintergründe nicht erkennen und werden deswegen ein Opfer ihrer Außenposition und ihrer Unkenntnis. Wenn sie erst einmal diese Haltung eingenommen haben, dann werden sie alles, was sie sehen, als Argument nutzen, um sich dagegen auszusprechen. Die Aufrichtigen aber, also diejenigen, die ihren Mangel wahrnehmen und es leid sind, sich selbst helfen zu wollen, werden vom Heiligen Geist erfasst. Diese gegenwärtige Bewegung des Heiligen Geistes ist eine Bewegung der Erfrischung und der Erneuerung. Ich glaube, dass die Erweckung, die dann der nächste Abschnitt ist, nicht lange auf sich warten lassen wird.
3.4 Geliebt sein macht stark und sicher
Wir sollten uns nun auch noch die nächsten Verse ansehen, weil sie die weiteren Auswirkungen dieser Liebeserfahrung beschreiben. Eigentlich gehören diese Gedanken in ein späteres Kapitel, wenn ich die Folgen der Erfahrung mit dem Heiligen Geist darstelle. Aber wegen des Textzusammenhangs wollen wir uns schon jetzt den Fortgang dieser Erfahrung ansehen:
Jakobus 4, 7-10 (Luther)
7 So seid nun Gott untertänig. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch. 8 Nahet euch zu Gott, so nahet er sich zu euch. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Wankelmütigen. 9 Werdet eures Elends inne und traget Leid und weinet; euer Lachen verkehre sich in Weinen und eure Freude in Traurigkeit. 10 Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen.
Das Gebot »So seid nun Gott untertänig« bekommt in diesem Zusammenhang eine andere Farbe. Wir sehen nicht mehr den bedrohlichen Unterton in der Stimme Gottes, dass wir uns ihm gefälligst unterordnen sollen, sondern wir erkennen darin die Aufforderung, uns weiter von Gott lieben und beschenken zu lassen.
Das führt zu einer sofortigen Reaktion, die jeder kennt, der geliebt ist. Er fühlt sich bestätigt, er fühlt sich wohl, und er wird stark! Aus diesem Grunde folgt unvermittelt die Aufforderung, dass wir dem Teufel widerstehen sollen, was nur ein Mensch mit Selbstwertgefühl, der Geschützte und der Bejahte beherzigen kann. Daraufhin wird er dann sehen, wie der Feind von ihm flieht.
Auch der nächste Vers gewinnt durch diesen Zusammenhang. Es wird von uns nicht mehr die Vorleistung erwartet, die uns das Wort »Nahet euch zu Gott, so naht er sich zu euch«, suggerieren könnte. Erst müssen wir unsere Leistung bringen, dann ist Gott geneigt, auf uns zu reagieren. Vielmehr wird uns damit nahegelegt, dass wir uns ihm in Kenntnis von Gottes Wesen, der Liebe des Geistes, immer wieder nähern sollen, damit Gott dann das Votum bekommt, sich uns seinerseits zu nahen.
Dahinter steht also derselbe göttliche Regelkreis: Wenn wir uns der Liebe Gottes und seiner Gegenwart aussetzen, was schon für sich ein Segen ist, dann reagiert der Herr erneut. Er gibt noch mehr Liebe und noch mehr Gnade. Diese macht uns stark, so dass wir die Autorität gewinnen, die wir vorher als unsichere und ungeliebte Menschen nicht aufbringen konnten. So haben also die Erfahrungen der Liebe durch den Heiligen Geist unmittelbare Auswirkungen auf unseren Schutz und unser Selbstwertgefühl. Empfangene Liebe kehrt die Verhältnisse um: Nicht mehr wir fühlen uns gejagt und bedroht, sondern der Teufel ist es, der dann von uns flieht.
Die letzten Verse greifen dann wieder den Zusammenhang auf, mit dem dieser Abschnitt beginnt: Wer doch in seiner Sünde bleibt und damit Feind Gottes wird – hier wird der Gläubige auf Abwegen sogar Sünder genannt, soll sich reinigen, sein Herz heiligen, sich von der Wankelmütigkeit trennen und sich seines ganzen Elends bewusst werden. Derjenige, der die Liebe des Herrn nicht angenommen hat und deswegen nicht genießen kann, soll sein Leid einsehen; sein Lachen soll sich in Weinen verkehren und seine Freude in Trauer, damit er, über Ehrlichkeit und Einsicht seiner Hilfsbedürftigkeit, den Trost und die Liebe des Heiligen Geistes empfangen kann und dadurch wieder Gnade bekommt und durch Gnade erhöht wird (Vers 10].
Nur wenn man diesen Hintergrund sieht, kann man diese bedrohlich anmutenden Verse verstehen, die in einem totalen Kontrast zu allen anderen neutestamentlichen Aussagen stehen. (Vielleicht stellt Vers 8 die einzige Erwähnung von Gläubigen als Sünder im gesamten Neuen Testament dar?) An der Heftigkeit der Aufforderung zur Umkehr aus dem Zustand von Unabhängigkeit und Selbstsicherheit kann man erkennen, wie entscheidend es ist, dass wir unsere Selbstsicherheit aufgeben, um dadurch für Gottes Liebe empfänglich zu werden.
Sobald wir nicht mehr ständig neu Liebe tanken und neu von Gottes Liebe entzündet werden, geht unsere Begeisterungsfähigkeit, die Frische und auch die Wahrhaftigkeit in die Brüche, und die Sünde, die immer auch eine Sünde der Unabhängigkeit ist, schleicht sich ein.
Das ist wohl auch gemeint, wenn Jesus in dem Sendschreiben an die Gemeinde in Ephesus die Gläubigen auffordert, wieder zur ersten Liebe zurückzukehren, die sie verlassen haben (Offenbarung 2,4). Es heißt nicht, dass sie aufgehört haben zu lieben, sondern dass sie die Liebe verlassen haben, was ein anderes Wort dafür ist, dass sie nicht mehr unter der ständigen Einwirkung der Liebe Gottes geblieben sind. Die Liebe Gottes nicht anzunehmen, und sich nicht lieben zu lassen, das ist die große Sünde! Vielleicht erscheint das in den Augen mancher Leser überraschend und sonderbar. Aber darin klingt der Tenor des Evangeliums an, wonach nicht wir bestimmte Dinge und Leistungen oder unseren Gehorsam bringen, sondern uns nur die Einsicht vermitteln lassen sollen, dass wir nichts bringen können und dass wir beschenkt werden müssen.
Das ist die Mitte des Evangeliums. Wer sich nicht beschenken lässt, lebt schon praktisch in der Unabhängigkeit, weil er meint, dass er bestimmte Geschenke nicht brauche. Das ist die eigentliche Sünde, die auch der Grund dafür ist, dass wir alle zu lange auf einem zu geringen Liebes- und Glaubensniveau lebten. Was wir nun heute sehen können, dass mittlerweile schon Millionen von Christen zu einer ganz anderen Dimension von Liebe und Begeisterung durchgedrungen sind, das hat mit diesen scheinbar unwichtigen Hintergrundumständen zu tun.
4 Von der Liebe zur Freude
Wir untersuchen die Hintergründe der neuen Bewegung des Heiligen Geistes, weil diese nur von den biblischen Deutungen verstehbar sind und nicht dadurch, dass wir ständig und wie gebannt auf die Außenphänomene starren. Wir haben bis jetzt festgestellt, dass die wesentliche Erfahrung, die der Heilige Geist vermittelt, schlicht Liebe ist. Gemeint ist eine Liebe, die erfahrbar und spürbar ist.
Aber das herausragende Moment in dieser neuen Bewegung scheint nach allen Beobachtungen eher Freude zu sein, die sich in Begeisterung, Bewegtheit, aber auch in tiefgehender Innenfreude äußert. Wie passt das zusammen und welche Verbindungen bestehen zwischen beiden Erlebnisinhalten?
Es ist tatsächlich augenscheinlich, dass das Moment der Freude überwiegt, was aber auch nicht verwunderlich ist, weil Freude stärker und sinnenkundiger ausgedrückt werden kann als Liebe. Liebe und Freude sind eng miteinander verbunden und dem Geliebtsein wird und muss Freude folgen. Wir sehen bei jedem verliebten Paar, wie sich Liebe und Geliebtwerden in vermehrter Freude und Fröhlichkeit ausdrückt. Liebe kann nicht verborgen bleiben. Es macht einfach Spaß, geliebt zu sein und dann mit der Gemütsbewegung der Freude, empfangene Liebe zu erwidern.
Genau das sehen wir in den Ausführungen Jesu über die Beziehung von Liebe und Freude im 15. Kapitel des Johannesevangeliums. Auch dieses Kapitel gehört zu den drei »Heiliggeistkapiteln« wiewohl über weite Teile scheinbar die spezifische Thematik des Heiligen Geistes nicht erwähnt wird. Dennoch handelt das Kapitel von den klassischen Auswirkungen und Erfahrungen des Heiligen Geistes. In diesem Kapitel werden wir uns den Inhalt von Johannes 15, über mehrere Abschnitte verteilt, ansehen.
Johannes 15, 9-11
9 Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt; bleibt in meiner Liebe. 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. 11 Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch sei und eure Freude völlig werde.
In diesen Ausführungen Jesu ist sein Programm enthalten, wie er uns durch den Heiligen Geist zu einem Leben der Freude führen will. Die Worte sind zunächst einmal an seine Jünger gerichtet, die die Liebe direkt von ihm entgegennehmen konnten, solange er unter ihnen war. Aber wir wissen ja, dass Jesus im Himmel ist und an der Seite des Vaters auf dem Thron Gottes sitzt. Die Liebe, die er uns zuteilwerden lässt, schüttet er nun über den Heiligen Geist in unser Herz aus. Wenn wir die Anweisungen Jesu über die Wichtigkeit des Dienstes des Heiligen Geistes ernst nehmen, gilt für uns heute, dass wir uns seine Liebe vom Heiligen Geist holen.
Die Erfahrung der Freude beginnt damit, dass wir uns lieben lassen. Jesus nimmt es auch für sich selbst in Anspruch, dass er sich von seinem Vater lieben lässt. Wie nun Jesus selbst in der Liebe des Vaters blieb, so sollen auch wir in seiner Liebe bleiben.
Das ist eine Wiederholung. Auch das Nehmen und die Zulassung der Liebe Jesu soll sich ständig wiederholen: Die Liebe Jesu gleicht einem ständigen Strom, der fortwährend auf uns gerichtet ist. Wir können heraustreten aus dem Strom der Liebe oder uns der Liebe gänzlich entziehen. Dann bleiben wir nicht mehr in seiner Liebe und dann werden wir sehr bald merken, dass wir liebesarm sind.
Dahinter steht der einfache Sachverhalt, dass wir aus uns heraus nicht zur göttlichen Liebe (agape) fähig sind. So besteht also darin die entscheidende christliche Lebenskunst, sich ständig der Liebe Christi auszusetzen, in ihr zu bleiben, sich von ihr füllen und umspülen zu lassen.
Wem auch das noch zu blass ist, der bedenke, dass uns auch Folgendes mit dem Empfang von Liebe gegeben wird. Sich lieben zu lassen, das heißt auch, sich Gutes erweisen zu lassen, Bestätigung entgegenzunehmen, Anerkennung, Ehre, Zuwendung und Freundlichkeit zu finden. Mit der Liebe, die uns Jesus erweist, ist ständig die zärtliche Aussage verbunden, dass wir ihm sehr wichtig sind und dass er uns gern hat. Er hat uns so sehr geliebt, dass er sein Leben für uns gelassen hat (Vers 13), weil wir seine Freunde sind, obwohl wir selbst, zum Zeitpunkt, als Jesus für uns gestorben ist, noch in einer feindseligen Haltung ihm gegenüber waren.
Liebe ist totale Bejahung, Liebe, die wir von jemand, der uns wichtig und begehrenswert ist, annehmen, baut auf, tut wohl und erfreut. Darüber hinaus ist Liebe die Vermittlung von Gutem. Wenn ich jemand mit Liebe erfreuen will, dann drängt es mich, ihm zu schenken, was ihm nützlich und begehrenswert erscheint.
4.1 Die neue Qualität der Gebote im Neuen Testament
Die Beschreibung der Auswirkung der Liebe, wie wir sie eben untersucht haben, finden wir in der soeben zitierten Schriftstelle aus Johannes 15,11. Aber bevor wir darauf eingehen, müssen wir noch die Botschaft des Verses 10 entgegennehmen.
Johannes 15,10
Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
Wenn wir sie nicht ganz gewissenhaft untersuchen, laufen wir Gefahr, die Ausführungen Jesu in diesem Vers völlig zu verkennen. Jesus sagt, dass wir seine Gebote halten sollen und dadurch in seiner Liebe bleiben, gleichwie er die Gebote seines Vaters hält und in seiner Liebe bleibt. Diese Gedanken können so verstanden werden, dass wir erst einmal unsere Vorleistungen in Gestalt des Gehorsams gegenüber seinen Geboten bringen müssen, um dann anschließend seine Liebe empfangen zu können.
Wenn Liebe bedingt ist, etwa durch unseren vorweg erklärten Gehorsam, durch unsere sittliche Leistung, unser moralisches Verhalten oder unseren Verzicht, dann wäre sie eine erkaufte Liebe, die kraft dieses Umstandes augenblicklich keine Liebe mehr ist.
Es ist sehr wichtig, sich diese Gedanken zu vergegenwärtigen, denn sie haben nicht nur einen letzten philosophischen Hintergrund, den zu kennen ganz vorteilhaft ist. Hier geht es um mehr, um sehr konkrete Erfahrungen. Solange nämlich die sittlichen Gebote Gottes an uns gerichtet sind, die uns sagen, dass wir dies und jenes zu tun und zu lassen haben, und zwar aus unserer eigenen moralischen Kraft, sind wir nicht liebesfähig! Wer im Gesetz oder auch nur in der Gesetzlichkeit steckt – und es gibt sehr wohl eine neutestamentliche Variante der Gesetzlichkeit –, kann weder Liebe empfangen noch geben.
So brauchen wir dringend ein neues Verständnis der Gebote Jesu, die ganz anders sind, als die Gebote im Alten Testament. Es besteht wirklich die dringende Notwendigkeit, die Gebote Jesu neu auszulegen, damit wir nicht doch auf verborgenen Wegen zu alttestamentlichen Erfahrungen und Täuschungen zurückkehren.
Der entscheidende Gesichtspunkt, der uns zu dieser Forderung zwingt, ist die bereits festgestellte Tatsache, dass eine Liebe, die durch sittliche Vorleistungen erkauft werden muss, keine Liebe ist.
Wie entkommen wir nun diesem Konflikt zwischen Geboten und Liebe? Ganz einfach dadurch, dass wir die neue Natur der Gebote Jesu erkennen. Sie sind nämlich Liebesempfangsgebote, gleichsam Speiseannahmegebote. Sie sind insofern Gebote, als sie Appelle an uns darstellen, uns der Liebe Gottes auszusetzen und sie entgegenzunehmen. Das ist in einer Weise auch eine Leistung oder besser gesagt, ein Fleißschritt oder eine Empfangshandlung.
Der Herr fordert uns auf, an seinem reich gedeckten Tisch Platz zu nehmen. (Das Bild wird besonders liebevoll im Psalm 23 entwickelt.) Uns wird voll eingeschenkt und phantastische Speisen werden uns vorgelegt, während die Feinde um uns herum weiter toben und lärmen, ohne uns offensichtlich etwas anhaben zu können. Aber so großartig das Angebot auch ist, zulangen müssen wir. Die Hand in die Schüssel tun, das ist unsere Aufgabe. Das Glas zu ergreifen, um uns den Wein zuzuführen, das obliegt wirklich uns. Wir müssen zulangen, wir müssen die Gabel zum Munde führen und wir müssen schlucken.
Ich weiß, das klingt trivial, aber genau das ist das Problem, unter dem die meisten von uns leiden. Wir haben erhebliche Mühe, an dieser Stelle Fleiß zu zeigen.
Sprüche 26,15 (Luther)
Der Faule steckt seine Hand in die Schüssel, und es wird ihm sauer, dass er sie zum Munde bringt.
So deftig diese Sprache auch klingen mag, sie beschreibt genau unser Fehlverhalten. Wenn es darauf ankommt, uns in produktiver Leistung zu beweisen, dann sind wir zu Höchstleistungen imstande. Wenn wir aber Geschenke, göttliche Speisen, entgegennehmen sollen, dann haben wir auf einmal Mühe, die Hand zum Munde zu führen.
Ich sehe in den neutestamentlichen Geboten die Aufforderung, die »Leistung« zu erbringen, dass wir göttliche Geschenke entgegennehmen, um sie dann zu genießen. Hier einige Empfangsgebote:
Sich lieben lassen, dem Herrn vertrauen und ihm glauben, was heißt, sich ihm überlassen, sich freuen, auch das ist ein Gebot, seinen Frieden entgegennehmen, Zeit mit ihm verbringen, Gemeinschaft mit ihm pflegen und sich dabei total beschenken und durch Hören seiner Liebeserklärungen erquicken lassen, Gnade nehmen, sich nicht sorgen und sich nicht fürchten und dann eben seine Liebe entgegennehmen.
Allerdings heißt es im Neuen Testament dann auch, dass wir schließlich ebenfalls lieben sollen, zuerst ihn, den Herrn, dann unsere Brüder und alle Menschen. Aber auch das ist kein Leistungsgebot, sondern nur die Aufforderung an uns, nachdem wir voll von seiner Liebe geworden sind, die Beglückung einfach nicht mehr allein für uns behalten zu wollen, sondern sie weiterzureichen, was zur Verstärkung der eigenen Lust führt. Gewährte Liebe löst dieselbe Wirkung wie empfangene Liebe aus: Sie steigert die Freude, sie bereichert und vermehrt den inneren Genuss, denn wir geben sowieso nichts Eigenes weiter.
Ich bleibe mit Nachdruck dabei: Die neutestamentlichen Gebote sind Empfangsgebote. Die Aufforderung, anderen Gutes zu erweisen, bedeutet lediglich, anderen empfangene Gnade zukommen zu lassen, damit wir dann selbst noch mehr Gnade empfangen. Sobald wir uns von diesem Grundverständnis der Worte und Gebote Jesu abwenden, kehrt die Gesetzlichkeit bei uns ein.
4.2 Aus Liebe wird Freude
Johannes 15,11
Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch sei und eure Freude völlig werde.
Es ist die Aufforderung, seine Liebe entgegenzunehmen und fortwährend in seiner Liebe zu bleiben. Das bedeutet auch, in Fleißarbeit auf die vielen Hinweise seiner Liebe, Angebote, Beglückungen und Segnungen zu achten und sie zu empfangen. Das alles wird uns zuteil, damit seine Freude in uns bleibe.
Aus der Liebe, die wir empfangen, soll sich Freude entwickeln. Das ist nun genau das, was uns die neue Salbung reichlich beschert. Das Volk Gottes fängt an, sich zu freuen, weil es bewusst und auch unbewusst die Bejahung, Bestätigung und Liebe des Herrn durch den Heiligen Geist spürt. Die Tatsache, dass wir es gelernt haben, uns an den Heiligen Geist zu wenden, um über ihn die Liebe des Vaters und des Sohnes zu empfangen, ist offenbar der Grund dafür, dass wir heute die Liebe Gottes um so viel deutlicher und stärker erleben. Wir begehen nicht mehr ständig die unmerkliche Sünde, den Heiligen Geist zu umgehen und auszuklammern.
Es gibt einen doppelten Aspekt, was nun die in Aussicht gestellte und jetzt von vielen Christen wirklich erlebte Freude anbelangt. Jesus unterscheidet ausdrücklich zwischen seiner Freude und unserer Freude. Seine Freude kommt auf dem Weg der Erfahrung seiner Liebe zu uns und bereitet dann die Bahn für unsere Freude. Von ihr heißt es sogar, dass sie vollkommen werden soll.
Seine Freude in uns, das ist die direkte Reaktion auf empfangene und erlebte Liebe. Was ist nun unsere Freude? Diese Antwort wird uns im nächsten Kapitel gegeben.
Johannes 16,24
Bis jetzt habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude völlig sei.
Das ist ein interessanter Zusammenhang, den wir später ausführlich behandeln werden. Indem wir durch die Erfahrung der Liebe und Bestätigung Gottes zur inneren Freude, der Freude Gottes, geführt werden, werden wir offenbar gleichzeitig dazu vorbereitet, dass uns vermehrt und regelmäßig Gebetserhörungen zuteilwerden, durch die noch mehr Freude ausgelöst wird. Das ist dann unsere Freude, freigesetzt durch manche konkreten und notwendigen Segnungen in Gestalt von Gebetserhörungen. Es sieht so aus, und wir werden es wirklich noch genau untersuchen, dass die Freude im Herrn die Bedingung und ideale Voraussetzung für Gebetserhörungen ist. Wer nämlich erlebt hat, wie der Herr ihn aus konkreten Nöten und Schwierigkeiten herausgeholt hat, indem er auf seine Gebete und sein Schreien gehört hatte, der wird verstehbar viel Begeisterung und Freude darüber haben.
Diese interessante Unterscheidung zwischen seiner Freude (Gottes Freude) und unserer Freude ist sehr sinnvoll und als eine »Hintergrundmechanik« für Gebetserhörungen viel stärker wirksam als das den meisten bekannt ist. Freude ist eine erstrangige Voraussetzung für Gebetserhörungen.
Nun aber zurück zu seiner Freude, der Freude, die Jesus durch den Heiligen Geist in uns freisetzt. Bis jetzt schien es so, als sei sie eine ganz stille und tief verinnerlichte Vergnüglichkeit, so tief und so verborgen, dass sie kaum wahrnehmbar wird. Aber das ist eine Täuschung. Der Heilige Geist weist jetzt nach, dass diese Freude, wenn sie uns über ihn von Jesus gegeben wird – das ist der springende Punkt –, sehr dynamisch und sehr impulsiv sein kann. Diese Freude erleben viele Gläubige als das herausragende Moment.
Diese Freude kann sich an so starken Ausdrucksformen darstellen, dass ganze Gemeinden umgestaltet werden, sodass die Gottesdienste den Charakter des Getragenseins, der Routine, der Stille und auch der Langeweile völlig eingebüßt haben.
Wenn der Heilige Geist die Freude Jesu in unser Herz kanalisiert, dann sind starke Reaktionen, interessante bis spektakuläre vegetative Begleitumstände und Ausbrüche von Lachen, sichtbar ausgestaltete Begeisterung, Beben und Erschütterungen vor Begeisterung vorprogrammiert. Das ist alles seine Freude.
Seine Freude ist erfrischend, total unreligiös und dynamisch. Aber seine Freude ist auch notwendig. Haben wir sie nicht, dann werden wir nicht geschützt sein, dann müssen wir uns selbst schützen mit unseren typischen Maßnahmen, dann wird die Außennot durchschlagen zur Innennot, weil der emotionale Panzer der Freude und der Liebe fehlt.
Die Ausdrucksformen seiner Freude sind von manchen Gemeinden weltweit so stark erlebt worden, dass die Gläubigen selbst, erst recht die klerikalen Leitungskreise von Gemeinden und Denominationen und sogar die Welt, die davon über die Presse Kunde bekommen hat, total überrascht und zum Teil konsterniert waren.
Ich gebe zu, dass manche Auswirkungen dieser Freude schwer verstehbar sind. Möglicherweise wird sie von einigen, die von ihr erfasst werden, fleischlich ausgelebt, und bei manchen Manifestationen wird ein wenig nachgeholfen.
Aber wo gibt es etwas, das nicht missbraucht werden könnte? Und wo könnte die Versuchung zum Überziehen und Überhöhen größer sein als da, wo sich Sinnliches offenbart, wozu nun einmal auch die Freude gehört? Weil einige der Begeisterten seelisch und fleischlich nachhelfen und dadurch diese Bewegung leider in Misskredit bringen, sollten wir nicht alles in Bausch und Bogen verurteilen.
Hat nicht auch Rodney Howard-Browne recht, wenn er darauf hinweist, dass die Fleischlichkeit in den Reihen derer, die tot, abgeklärt und als Wissende voller Distanz, Gesetzlichkeit und in religiöser Erstarrtheit in ihren Kirchenbänken sitzen, viel schlimmer ist, als das Verhalten derer, die von der Kraft des Heiligen Geistes angezogen, als Trittbrettfahrer auf diese Bewegung springen und sie missbrauchen?
5 Glaube an den Heiligen Geist
Für den außenstehenden Beobachter wird sich manches, was er bei den entfesselten Christen und veränderten Gemeinden an Freude, Begeisterung und Urwüchsigkeit wahrnimmt, so darstellen, als ob ohne Zutun der Menschen eine himmlische Infektion stattgefunden hat, so dass die vom Heiligen Geist Erfassten sich übereinstimmend so seltsam verhalten, als ob sie ferngesteuert wären.
Das ist natürlich nicht der Fall, denn man kann unschwer erkennen, dass es eine große Bandbreite von sehr unterschiedlichen Reaktionsmustern bei den Christen gibt, die sich dem Heiligen Geist ausgeliefert haben. Manche verhalten sich in der Tat sehr chaotisch, andere dagegen reagieren ruhig und verhalten. Es stimmt auch nicht, dass ihnen diese Erlebnisse übergestülpt werden und sie darunter leiden.
Wer die starke Reaktion der Gläubigen auf den Heiligen Geist wahrnimmt, wird sich fragen, ob die elementare Einsicht in seine Hilfsbedürftigkeit und die Anerkennung des Heiligen Geistes als Helfer die einzige Begründung für dieses Geschehen sind. Es gibt in der Tat noch eine weitere konkrete Komponente als Erklärung für diese Erscheinungen, nämlich den Glauben an den Heiligen Geist. Eigentlich kann es auch gar nicht anders sein, weil das Wort uns sagt (Hebräer 11.6), dass es ohne Glauben unmöglich ist, Gott zu gefallen und von ihm zu empfangen. Das trifft natürlich auch für den Heiligen Geist zu, der ja zur göttlichen Dreieinigkeit gehört. Die Schrift redet von einer Glaubenseinladung an den Heiligen Geist, ohne die der Heilige Geist nicht wirksam wird.
Wir haben mittlerweile sogar erkennen können, dass der Heilige Geist sehr intensiv auf diese Glaubenseinladung wartet. Für jeden Schritt, für jede kleinere Regung seinerseits, für alle Hilfe braucht er jeweils erneut eine Glaubensbekundung unsererseits, weil er so sanft und so zart ist und genau sieht, wie weit unser jeweiliges Mandat, das wir ihm für seine Wirksamkeit geben, reicht. Er will nicht manipulieren und achtet deswegen auf unsere Glaubenseinladung.
Wo sind diese Zusammenhänge in der Schrift dargestellt? Paulus geht darauf in seinem zweiten Brief an seinen Lieblingsschüler Timotheus sehr genau ein.
2. Timotheus 1,5-7
5 Denn ich erinnere mich des ungeheuchelten Glaubens in dir, der zuerst in deiner Großmutter Lois und deiner Mutter Eunike wohnte, ich bin aber überzeugt, auch in dir. 6 Um dieser Ursache willen erinnere ich dich, die Gnadengabe Gottes anzufachen, die in dir durch das Auflegen meiner Hände ist. 7 Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht.
In den Versen davor, wie auch sonst in beiden Briefen an Timotheus, macht Paulus deutlich, dass er ihm sehr nahe steht und dass er ein großes persönliches Verlangen hat, ihn erneut zu sehen. Dann geht er auf die Tradition des Glaubens ein, die er in seiner Familie sieht. Er hat offenbar schon die Großmutter Lois kennengelernt, die eine Frau des Glaubens war, deren Glauben dann auf seine Mutter Eunike überging und schließlich auch, wie er sicher ist, auf Timotheus.
Diese Worte lassen uns vermuten, dass es wirklich so etwas wie eine Tradition des Glaubens in einer Familie gibt. Denn Paulus spricht von demselben Glauben, der in seiner Großmutter und bei seiner Mutter war und nun auch bei Timotheus selbst zu finden wäre. Das ist schon ein interessanter Befund, der uns ermutigt, nicht nur für uns selbst zu glauben. Wir können davon ausgehen, dass unsere Kinder daran Anteil haben werden, wenn wir uns als Menschen des Glaubens erweisen.
In jedem Fall – das ist wichtig für unsere Untersuchung – stellt Paulus fest, dass Timotheus ein Mann des reinen und ungeheuchelten Glaubens ist. Allerdings wissen wir aus manchen anderen Erwähnungen des Paulus, dass Timotheus, erkennbar an seiner Furchtsamkeit und Scheuheit, offenbar nicht immer von seinem Glauben Gebrauch gemacht hat. Oder umgekehrt, weil er nicht durchgehend ein Mensch des Glaubens war, kamen immer wieder Angst und Beklommenheit über ihn, was dann schließlich auch zu krankhaften vegetativen Reaktionen geführt hat. Paulus spricht ja in einem seiner Briefe Timotheus’ Magenleiden an (1. Timotheus 5,23).
Im Hinblick auf diese gesicherte Tatsache, dass Timotheus demnach weiß, was Glauben ist, drängt Paulus ihn dazu, diesen Glauben auch zu gebrauchen. Er drückt es so aus: »Um dieser Ursache willen (das meint, weil der Glaube in dir ist), deswegen tue etwas: Erwecke nämlich die Gabe Gottes, die bereits in dir ist, und zwar durch die Auflegung meiner Hände.« Die Gabe Gottes ist hier nicht eine Geistesgabe, das wäre die Gabe des Geistes, sondern das ist der Heilige Geist selbst, was schlüssig aus der Fortführung des Textes hervorgeht, da Paulus mit einem »denn« fortfährt und die Gabe Gottes auf den Geist der Kraft, der Liebe und der Zucht bezieht.
Nun soll Timotheus durch einen Glaubensakt selbst dafür sorgen, dass dieser Heilige Geist, der ihm bereits gegeben ist, der aber offensichtlich im Leben des Timotheus nicht sehr wirksam geworden ist, durch seinen Glauben aktiviert wird. Paulus muss das schon einige Male gemacht haben, denn im Griechischen finden wir die Aussage, dass er ihn immer wieder daran erinnert. Das schließt ein, dass er diese Bitten wiederholt vorgetragen hat.
Was Paulus Timotheus empfiehlt, ist bei näherem Hinsehen eine ganz und gar ungewöhnliche Maßnahme. Sie legt zwingend den Schluss nahe, dass der Heilige Geist auf Sparflamme in Timotheus’ Herzen lebte, sich gleichsam zurückgezogen hatte und auf seine Aktivierung wartete. Das bedeutet auch, dass der Heilige Geist nicht von sich aus tätig wird, sondern sich abhängig macht von der Willensentscheidung und der Einladung des Timotheus. Er sollte ihn entfachen (was für ein Bild, dass wir den Heiligen Geist entfachen!), und dann würde der Heilige Geist seine Wirksamkeit entfalten.
Dieser Begriff »entfachen«, im Griechischen heißt er anatsopyreo, enthält die Begriffe Leben und Feuer. Wir sollen den Heiligen Geist durch eine erneute Glaubenseinladung entfachen, zum Auflodern bringen und lebendig werden lassen. Wohlgemerkt, dieser ganze Vorgang ist ein Glaubensgeschehen.
Die Mitte dieser Glaubenshandlung besteht darin, dass wir dem Heiligen Geist Raum in uns geben, dass wir ihm die Erlaubnis geben, mehr in uns zu wirken, und ihm dann auch vertrauen, dass er sofort darauf reagiert.
Und so geschieht das auch regelmäßig. Das Leben mit dem Heiligen Geist ist nicht deshalb eine andere Art von Christsein, weil wir prinzipiell und einmalig die Notwendigkeit und den Bedarf seiner Anwesenheit bejaht haben. Vielmehr soll das Zusammenleben mit dem Heiligen Geist unsere ständige Lebensform werden. Sie drückt sich unter anderem dadurch aus, dass wir durch ständige, vielleicht gar nicht einmal ausdrücklich verbal vorgetragene, Glaubenseinladungen den Heiligen Geist ansprechen und seine Hilfe und Wirksamkeit erbitten.
Diese Aufgabe obliegt uns, die wir den Heiligen Geist bereits kennengelernt haben; das kann kein anderer für uns machen. Das konnte auch Paulus nicht für Timotheus leisten. Paulus hat augenscheinlich dazu beigetragen, dass Timotheus die Ersterfüllung mit dem Heiligen Geist bekam, aber nun ist Timotheus selbst gefordert.
Für Paulus’ Empfehlung an Timotheus gab es einen konkreten Grund. Wie schon angedeutet, hatte Timotheus zwar einen ungeheuchelten Glauben, aber er hat ihn nicht ausreichend angewandt. So kamen Furcht, Ängstlichkeit und ungebührliche Zurückhaltung in sein Leben. Paulus argumentiert nun, dass er durch eine neue Entfachung des Heiligen Geistes dessen Kraft, Liebe und auch Besonnenheit bei sich wirksam werden lassen könne. Indem er dieses Angebot dem Geist der Furcht gegenüberstellt, verrät er indirekt, dass das, was Timotheus quält, nicht nur die Furcht an sich ist, sondern eine indirekte Nachgiebigkeit gegenüber dem Geist, der dahinter ist. Der Geist dieser Welt ist ein Geist der Furcht, der sich selbst fürchtet und Furcht bei uns erzeugen will.
Das zu wissen, ist sehr wertvoll für uns, weil es uns vor der Täuschung bewahrt, dass wir im Teufel einen übermächtigen Gegner vor uns haben, der vor Kraft nur so strotzt. Er tut nur so, aber in Wirklichkeit ist er, als Geist der Furcht, voll von Furcht.
4. Mose 14,9
Nur empört euch nicht gegen den Herrn! Und fürchtet doch nicht das Volk des Landes, denn unser Brot werden sie sein! Ihr Schutz ist von ihnen gewichen, und der Herr ist mit uns. Fürchtet sie nicht!
Kaleb erklärt dem rebellischen Volk im Verlauf der Wüstenwanderung, dass sie keine Angst haben sollen vor den Kanaanitern, Weil ihr Schutz von ihnen gewichen sei. Ihr Schutz, das ist der oberste ihrer dämonischen Inspiratoren. Der Teufel, als der Oberste im Reich der Finsternis, ist auch der Furchtsamste. Der erste, der im konkreten Fall ausreißt, ist er. Sein Fußvolk muss dann die Suppe auslöffeln.
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