Kitabı oku: «Thriller Spannung 2021: 13 Urlaubs-Krimis auf 1527 Seiten», sayfa 18

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Freitag, 13. Juni


Sie fuhren am nächsten Vormittag in die Innenstadt, ohne festes Ziel, nur um zu bummeln. Beide wollten sie ein Stück am Rhein laufen, Beethoven vor der Post begrüßen, vielleicht das Beethovenhaus besichtigen, und Isa wünschte sich einen Stop auf dem Kreuzberg am Kapellchen, weil das in der Morgensonne so hübsch ausgesehen hatte. Er wollte wenigstens einmal einen Blick auf die Arbeitsstelle werfen, die ihm Katrin bei den Bellmanns so großmütig zugewiesen hatte. Doch vor diese löblichen Absichten hatte das Schicksal die Suche nach einem Parkplatz gesetzt: Sie fanden einen auf der Poppelsdofer Allee und achteten beim Einrangieren nicht weiter auf einen Kleinwagen, aus dem ein vielleicht vierzigjähriger Mann mit einer mürrischen Miene stieg, dem Rudi den angepeilten Platz weggeschnappt hatte. Rainer Hilgenrath ärgerte sich und schaute eigentlich nur deshalb auf das Kennzeichen des sandfarbenen Autos. Aus Wiesbaden, natürlich, wieder einer dieser unnützen Besucher des ehemaligen Bundesdorfes. Doch dann stutzte er. RH 234 , seine Initialen und die Zählanleitung für Kleinkinder. Wo hatte er das kürzlich gesehen oder gelesen? Er lief vorbei an Zunz seliger Witwe auf den Bonner Talweg und warf seinen Computer an. Da war es. Keine Minute später ging eine Mail an den Chef raus: Der gesuchte Corsa WI – RH 234 parkte im Moment auf der Bonner Poppelsdorfer Allee in Höhe des Hauses Nr. 25. MfG Hilgenrath. Sekunden später begann der Chef wie ein Wilder zu telefonieren, und während Rudi und Isa auf der Hofgartenseite am Schloss vorbeischlenderten, organisierte der Chef eine lückenlose Beobachtung und spätere Verfolgung des sandfarbenen Autos mit dem Wiesbadener Kennzeichen. Rudi und Isa waren etwas enttäuscht. Zwar schien die Sonne aus einem blauen wolkenlosen Himmel, das Siebengebirge war gut zu erkennen, aber der Rein führte so wenig Wasser, das nur teilweise beladene Schiffe mit gebremster Geschwindigkeit bergauf und talwärts fuhren. Schon weit vor dem alten Wasserwerk, das sie sich als Ziel gesetzt hatten, bogen sie ab. Die Schlange vor dem Haus der Geschichte war ihnen zu lang und deswegen nahmen sie die Straßenbahn zurück zur Universität. Beethoven musste warten, am Kaiserplatz fanden sie ein noch nicht überfülltes Restaurant und stöhnten, als sie daran dachten, dass ihnen nun noch ein Fußmarsch fast bis an das Poppelsdorfer Schlösschen bevorstand. Isa winkte sofort ab, als er sich erkundigte: „Noch das Kapellchen auf dem Kreuzberg?“

„Angeblich muss man auf den Knien eine lange Treppe hochrutschen.“

„Kommt darauf an, wie viele Sünden du inzwischen begangen hast.“

„Nein, danke. Nur noch Schuhe aus und dann einen langen Mittagsschlaf.“

Die beiden Autos mit Bonner Kennzeichen, die sich abwechselnd an sie hängten, bemerkten sie beide nicht und führten ihre Verfolger direkt in den Paula-Roming-Weg Nr.19. Als die Verfolger das Ergebnis über Handy an den Chef weitergaben, ordnete der an, sich zurückzuziehen und alles Weitere der Zentrale zu überlassen. Den Männern war es recht. Sie wussten, dass sie ihr Honorar bekommen würden, auf die Agentur Kollau war in diesem Punkt Verlass. Auch Rainer Hilgenrath rechnete sich bei einem verspäteten Mittagessen ein hübsches Sümmchen aus, das ihm wohl zustand und er auch dringend benötigte. Rudi und Isa schliefen tief und ahnungslos, ihre Schuhe kühlten aus und ihre Füße schwollen ab.

*


Alexander Dorberg, Essener Hauptkommissar im Ruhestand, hatte in der Ahornstraße bis 12 Uhr warten müssen. Erst dann fuhr ein grellroter Sportwagen vor, aus dem ein junger, großer sportlicher Mann mit blonden Locken heraussprang und zur Haustür sprintete. Dort wurde ihm umgehend geöffnet und ein sehr anziehendes Mädchen fiel ihm stürmisch um den Hals. Der Kuss dauerte so lange, dass Dorberg den halben Chip voll fotografieren konnte. Da waren mehrere Pfeile Amors gewaltig eingeschlagen.

Als eine Stunde später beide das Haus noch nicht verlassen hatten, ging Dorberg zur Haustür. Auf dem Klingelschildchen stand „L.Behrens“ und auf einem gekritzelten Pappstückchen darunter „J. Vandenburg“. Er ließ sich über die Auskunft mit Behrens, Ahornstraße verbinden. Nach dem siebten Klingeln wurde abgenommen. „Vandenburg.“

„Guten Tag, sagte Dorberg freundlich, „mein Name ist Alex Dorberg, könnte ich bitte mit Frau Behrends sprechen?“

„Tut mir leid, meine Tante ist nicht da.“

„Wissen Sie zufällig, wann ich sie erreichen kann?“

„Nein, aber sie wollte heute Abend aus Kleve zurückkommen.“

„Danke, dann versuche ich es morgen noch einmal. Wiederhören.“

„Ciao.“

Wer wollte ihnen verargen, dass Julia und ihr Freund eine sturmfreie Bude nutzten. Das Kennzeichen des Sportwagens hatte er aufgeschrieben. Den Namen der Tante und ihre Telefonnummer ebenfalls, also konnte er für heute beruhigt nach Hause gondeln. Unterwegs hielt er für ein schnelles Bier am Uhlenkrug und traf, wie gewöhnlich, einen früheren, inzwischen ebenfalls pensionierten Kollegen an. Viele Polizisten, die in Rüttenscheid oder Bergerhausen wohnten, schluckten im Uhlenkrug vor oder nach dem Gesundheitsspaziergang ein Bierchen. Dorberg war nur einmal im Stadion gewesen. Schwarz-Weiß Essen spielte gegen Alemannia

Aachen. Das Spiel endete 9 : 1, Dorberg wusste schon gar nicht mehr für wen, aber nach diesem einseitigen Schlachtfest hatte er das Stadium nie mehr betreten. Und bis zu Rot-Weiß Essen an der Hafenstraße war es ihm zu weit.

*


Sie hatte alle Abende allein in ihrer tristen Wohnung verbracht und sich vor dem Schlafen wieder einmal mit der Frage herumgequält, warum kein Mann und kein Kollege was von ihr wissen wollte und weshalb sie keine echte Freundin hatte. Gut, sie war keine Schönheit, das wusste sie, hatte ein etwas ausdrucksloses Gesicht und eine nur durchschnittlichen Figur. Aber das waren und hatten viele andere Frauen auch, die doch einen Freund, Liebhaber oder Ehemann abbekommen hatten. Den einzigen Kollegen, der Anstalten machte, sich länger an sie zu binden, mochte sie nicht leiden, weil sie ihn für eine aufgeblasene Null hielt, einen Fummler, über den sich mehrere Frauen schon beschwert hatten. Was machte sie falsch? Dabei liebte sie Sex in jeder Form und zierte sich nie lange, bis alle Hüllen fielen.

Darüber grübelte sie noch, als es klingelte. Verwundert ging sie zur Tür und drückte den Sprechknopf: „Ja?“

„Hallo, hier ist Lupo. Bist du noch zu sprechen?“

„Jederzeit. Komm rauf!“

Sie wartete, bis sie unten die Haustür ins Schloss fallen hörte, stieg dann schnell aus ihren Hosen und zog ihr Shirt über den Kopf. An Lupo hatte sie gar nicht mehr gedacht. Vielleicht endete dieser Abend ja doch noch ganz angenehm. Als sie die Wohnungstür geöffnet und bis auf einen Spalt angelehnt hatte, zog sie sich vollständig aus.

Lupo seufzte leise, als er ins Zimmer kam, wo eine nackte Frau auf ihn wartete. Sein Kumpel Tuku hatte es vorhergesagt: „Die legt mehr Wert auf deinen steifen Schwanz als auf deine gefüllte Brieftasche.“

„Ich bin aber gar nicht scharf auf sie.“

„Spaß ist Spaß,Lupo, und Job ist Job.“

Also zog auch Lupo sich aus und schob mit ihr ins Schlafzimmer. Sie brauchte lange, bis sie zum Orgasmus kam, es artete für ihn in Arbeit aus, aber wie hatte Tuku richtig prophezeit: „Job ist Job.“ Erst eine Viertelstunde später wagte Lupo zu fragen: „Wie lange arbeitet das Ding denn noch?“

„Welches Ding?“

„Das du für uns versteckt hast.“

„Ach so, das meinst du. Über eine Woche noch. Was denkst du, kannst du noch mal? Ich habe noch Lust.“

Sie hatte immer Lust, wie Lupo inzwischen wusste. Ihr Freund konnte es nicht leicht mit ihr haben. Dass sie keinen Freund hatte, wusste er nicht. Ihm reichte, dass sie hinter dem Geld her war. Und Geld spielte für Lupo und seine Chef keine Rolle.




Samstag, 14. Juni


Beim Frühstück fragte Isa: „Ist es weit bis Brühl?

„Nein, warum?“

„Ich möchte gern einmal das Schloss Augustusburg besichtigen. Die haben ab 11 Uhr geöffnet.“

„Woher weißt du?“

„Ich kann mit meinem Handy im Internet surfen.“

„Dann informiere dich doch auch über Schloss Falkenlust und das Wasserschloss Schallenburg. Das mache ich alles nur unter einer Bedingung mit.“

„Und welcher?“

„Dass du mich ins Max Ernst Museum begleitest.“

„Gebucht und versprochen.“

*


Der Chef, Lupo, Tuku und ihr „Handwerker“ Ahmed hatten sich spät, schon bei Dunkelheit, in Sechtem bei Ricki einquartiert, der nicht sehr erfreut dreinschaute, sich aber mit einem Zweihunderter umstimmen ließ. Mit einem weiteren Zweihunderter überließ er ihnen für den nächsten Tag auch sein Auto und rangierte den Wagen mit dem Frankfurter Kennzeichen in eine alte Scheune. Hotelzimmer für vier gleichzeitig spät ankommende Gäste wären viel zu auffällig gewesen.

„Hat dein Methusalem auch ein Navi?“

„Nein, das gab's noch nicht, als ich den Karren gekauft habe. Wohin müsste ihr denn?“

„Nach Bonn-Ückesdorf.“

„Ich bring euch hin und fahr' mit einem Bus in die Stadt zurück.“ Nur Tuku war aufgefallen, dass der Chef die Straße nicht genannt hatte, in der die Vandenburg mit einem Begleiter untergekrochen war.

Sie frühstückten alle noch ausgiebig an einer Tankstelle, ließen später Ricki an einer Bushaltestelle aussteigen und warteten noch fast eine Stunde im Paula-Roming-Weg, bis der Wagen mit der Wiesbadener Nummer die Tiefgarage verließ. Der Chef hatte entschieden, dem Auto nicht zu folgen; solange die beiden nicht auf sie aufmerksam wurden, bestand für sie kein Grund, nicht in dieses Versteck zurückzukehren; Tuku und Ahmed zogen ihre Kostümjacken mit dem fantasievollen Aufdruck „Bundesnetzagentur, Störungsdienst“ an und verschwanden im Haus Nr. 19. So ein Haustürschloss war für Tuku ein Kinderspiel. Im Treppenhaus setzten sie sich Kopfhörer auf und schalteten ihre Suchempfänger ein, die jeder in seiner Werkzeugtasche verborgen hatte. Sie blieben vor jeder Wohnungstür stehen und bewegten kurz ihre Peilantennen. Erst im sechsten Stockwerk hörten sie beide ein schwaches rhythmisches Signal. Auf dem Schildchen unter dem Klingelknopf stand Katrin Köhler. Tuku notierte sich den Namen, während Ahmed klingelte und dann, als sich drinnen nichts rührte, seinen Dietrich ansetzte. Beide zogen dünne Handschuhe an und suchten den Wohnraum und dort ein geeignetes Versteck, eine Wanze zu verstecken. Tuku grübelte: Wer zum Teufel war Katrin Köhler? Der Name war ihm noch nicht untergekommen.

Lupo war ebenfalls mit dem Bus in die Stadt gefahren und hatte sich bei einem Autoverleih einen unauffälligen Mittelklassewagen mit einem BN-Kennzeichen besorgt und war mit dem Wagen zurückgekommen. Im Kofferraum gab es mehr als genug Platz für ein digitales Aufzeichnungsgerät und einen stärkeren Sender mit einem für mehrere Tage reichenden Akkusatz. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn der Begleiter nicht versuchen würde, die schöne Isa auszuhorchen.

*


Isa und Rudi absolvierten einen mit Kultur und Geschichte reich befrachteten Vormittag. Nach zwei Schlössern und einem Museum brummten ihre Köpfe und brannten ihre Füße. Im nächstbesten Restaurant aßen sie sie mäßig, aber teuer zu Mittag und fuhren entspannt nach Bonn zurück. Von dem ungebetenen Besuch in „ihrer“ Wohnung bemerkten sie nichts, und auf den in ihrer Straße parkenden Wagen achteten sie nicht. Nach dem ausgedehnten Mittagsschlaf kochte Isa Kaffee und stöberte bei der Suche nach einer neuen Tischdecke in einem Schrank einen großen Kasten mit Brettspielen auf.

„Lach mich nicht aus, Rudi, aber ich würde gerne wieder einmal 'Mensch ärgere dich nicht' spielen.“

„Okay, ich bin dabei.“ Das erste Spiel gewann er und zog ihr als Siegesprämie das Shirt über den Kopf. Sie gluckste und half ihm nach seinem zweiten Gewinn, ihren BH aufzuhaken. Weil es ihnen zu lange dauerte, jedes Mal ein ganzes Spiel zu absolvieren, verzichteten sie bald auf Würfel und lackierte Holzfiguren und stolperten gemeinsam ins Schlafzimmer, wobei er sich mehr beeilte als sie. Sie konnten nicht ahnen, dass sie damit vier Leute gewaltig ärgerten, weil die Wanze im Wohnzimmer nur schwache Laute aus dem Schlafzimmer und ein kaum verständliches Gespräch auffing, in dem es jedenfalls nicht um Geld ging.

*


Einem früheren verdienten Kollegen verweigerte man im Präsidium keine Auskunft nach dem Halter eines grellroten Sportwagens. Er hieß Timo Reufels und wohnte in Schuir in der Mintropstraße. Dorberg rief dort an und hörte von einer jungen Frau, Bruder Timo sei nicht da, sondern nach Werden gefahren.

„Vielen Dank, dann weiß ich, wo ich ihn finde“, log Dorberg überzeugend geläufig und fuhr los. Einen Parkplatz in der Altstadt zu finden, war nicht so einfach, aber Dorberg war seit dem altersbedingten Verzicht auf Blaulicht und Martinshorn inzwischen ein Meister des Einparkens geworden; er ging anschließend zur Abtei, auf der Suche nach einem grellroten Sportwagen. Den fand er nicht, aber sichtete einen großen jungen Mann mit einer blonden Lockenpracht, der wie ein Fels in der Brandung den Strom junger Leute teilte, die alle aus der Schule kamen. War denn heute, am Samstag, Unterricht gewesen. Julia fiel dem Blonden um den Hals. Für ein Mädchen war sie recht groß, wie Dorberg fand, aber für ihren Timo musste sie sich zum Kuss auf die Zehenspitzen stellen, Dorberg beobachtete es amüsiert. Zu seinem Erstaunen steuerten die beiden nicht seinen Sportwagen an, sondern gingen Hand in Hand über die Ruhr-Brücke auf den S-Bahnhof zu. Timo musste eine Fahrkarte lösen, Dorberg tat es ihm nach; Julia besaß wohl eine Dauerkarte. Sie stiegen in Stadtwald aus, trennten sich aber bald. Sie ging Richtung Ahornstraße, Dorberg folgte Timo, der ohne Zögern einen Kleingartenverein Horst John ansteuerte. Dort schien sich Timo auszukennen und war kein schlechter Fußgänger, marschierte stramm ohne Zögern und Unsicherheit direkt auf eine größere Laube zu, die – mit Bauerlaubnis? - zu einem kleinen gemauerten Häuschen erweitert worden war. Als Timo die Eingangstür öffnete, drang eine dichte Wolke aus Tabakrauch und Bierdunst bis an den Zaun, wo Dorberg erst einmal stehen geblieben war, um nicht im letzten Moment noch aufzufallen. Die nächste Stunde passierte wenig, ab und zu ging ein Mann in den Garten, um einen großen Baum zu wässern. Eine Toilette gab es in dem Häuschen wohl nicht, und wegen dieser blasenschwachen Typen wagte Dorberg nicht, näher an den Bau heranzuschleichen. Doch nach einer guten Stunde schien drinnen jemand zu denken, der Mensch brauche auch Sauerstoff zum Atmen und öffnete die Eingangstür weit und ließ sie offen stehen. Drei Schritte nach rechts gerückt, und Dorberg erkannte durch die Öffnung eine Runde von Männer, die Karten spielten. Weil sie regelmäßig etwas auf den Tisch vor ihnen legten, vermutete Dorberg, dass hier gepokert wurde. Timo Reufels saß so, dass Dorberg ihn nicht durch die offene Tür sehen konnte. Als der Spieler die Tür wieder schloss, machte sich Dorberg nachdenklich auf den Weg zurück, ärgerte sich in Werden über das Knöllchen, das unter seinem Scheibenwischer steckte, und fuhr nach Hause. Sollte er Rudi alarmieren oder noch abwarten?

*


Der schlechte Empfang störte auch den Chef so sehr, dass er schließlich dem Drängen Lupos und Tukus nachgab. Sie sollten laut Auftrag diese Tussi – so hatte sich der Chef ausgedrückt – ausschalten und damit hatten sie lange genug gewartet. Ahmed würde im Auto warten, nachdem er den drei Männern die Haustür geöffnet hatte. Der Chef, Lupo und Tuku nahm den Aufzug, was Rudi zufällig hörte und was ihn störte. Besuch noch um diese Tages- oder besser Nachtzeit? Mit einer durchgeladenen und entsicherten Heckler & Koch ließ sich bestimmt nachdrücklicher fragen und so schauten der Chef, Lupo und Tuku in den Lauf einer Pistole, als sie im sechsten Stock den Aufzug verlassen wollten.

Lupo vergriff sich im Ton: „Aus dem Weg, du Wichser. Wir wollen nur mit der dummen Gans sprechen.“

Rudi schoss nicht sofort, sondern trat erst einmal kräftig zu. Wer konnte denn wissen, dass Lupo so schmerzempfindliche Weichteile besaß und Tuku einen so schlechten Gleichgewichtsapparat?! Lupo ging zu Boden und riss im Fallen Tuku von den Füßen, der sich sofort anschickte, die Treppe im freien Flug hinunterzusegeln, wobei er ruhestörend laut schrie und die Familie Bellmann aus dem Schlaf riss und aus dem Bett holte. Den Aufprall gegen die Hauswand auf dem nächsten Absatz überlebte Tukus Schädeldecke nicht, und als das Echo seines letzten Schreis verklungen war, richtete Rudi seine Pistole auf den Bauch des Chefs, der daraufhin keinen Widerstand wagte. „Na, was seid ihr denn für komische Vögel?“

„Arschloch.“

„Mach dich ganz schnell vom Acker, sonst knallt's.“ Und weil der Chef nicht sofort gehorchte, lachte Rudi hässlich und schoss an dessen Kopf vorbei. Aber die Aufregung forderte auch bei ihm ihren Tribut. Die Kugel zerfetzte das rechte Ohrläppchen des Chefs, der laut heulend die Treppe hinuntersprang, über Tukus Leiche stolperte und das aus seiner Wohnung getreten Ehepaar Bellmann unsanft in die Diele zurückschleuderte und weiter brüllend nach unten raste, wobei er eine Linie von Blutstropfen auf Treppen und Absätzen hinterließ.

„Rudi, was ist denn hier los?“ Isa sah entzückend aus, wenn auch das kurze durchsichtige Nachthemdchen nicht zum Ernst der Situation passte.

„Du solltest Besuch bekommen.“

„Ach nee. Und woher hatten die meine Adresse?“ Das beschäftigte und beunruhigte Rudi auch.

„Kennst du den da unten auf dem Absatz?“

Sie trat nur so weit vor, dass sie einen schnellen Blick auf die Leiche werfen konnte. „Nein. Ist er tot?“

„Sieht so aus, ja.“

„Müssen wir jetzt die Polizei rufen?“

„Eigentlich ja, aber ich glaube, das erledigen schon die Bellmanns für uns.“

So war es, eine halbe Stunde später war an Schlaf in dieser Nacht nicht mehr zu denken. Die halbe Bonner Kripo schien sich ein Stelldichein in Ückesdorf zu geben und lärmte ungeniert durch das Haus.

Der Arzt war auch der Meinung, dass ein unglücklicher Treppensturz und Aufprall gegen die Wand Tukus tödliches Schädel-Hirn-Trauma verursacht hatte. Doch Rudis Hoffnung, seine Funktion und Aufgabe geheimhalten zu können, verflog, als ein Hauptkommissar Schneider die Szene betrat und sofort wissen wollte, welche geheimnisvolle Wand dem Mann, den sie vor dem Hauseingang auf dem Zuweg gesichtet hatten, das halbe rechte Ohr abgerissen habe. Doch der lädierte Knabe hatte trotz seiner Wunde das Weite suchen können. Es half nichts, Rudi musste Dienstwaffe und Dienstausweis vorzeigen, seine Dienststelle nennen und erklären, was er mit einer Frau hier in einer ihm nicht gehörenden Wohnung zu suchen habe. Am meisten schien sich Schneider darüber aufzuregen, dass sich ein hessischer Polizist hier in Nordrhein-Westfalen aufgehalten hatte, ohne sich bei den Bonner Kollegen zu melden. Rudis Beteuerungen, er habe keinerlei Amtshandlung vorgenommen, sondern nur Geld in zwei Schlössern und einem Museum in Brühl gelassen, wollte Schneider nicht ohne weiteres glauben. „Ich fürchte, das wird Minister Jäger gar nicht gefallen.“

„Der Kerl gefällt mir auch schon lange nicht mehr“, schnappte Rudi, und damit hatte er wohl auf den richtigen Knopf gedrückt.

„Herr Kollege, wir verstehen uns“, schmunzelte Schneider. „Wenn Sie mir versprechen, nicht das Weite zu suchen, reden wir über alles am Montag weiter.“

„Einverstanden. Wenn ich bis dahin meine Pistole wiederbekommen kann. Sie wissen doch, ein Besuch kommt selten allein.“

„Wen haben Sie denn da in Ihrer Gewalt?“

„Unter meinem Schutz“, korrigierte Rudi gekränkt.

„Wie auch immer. Putins Freundin?“

„Streng geheim“, wehrte Rudi ihn ab.

„Na schön, die Pistole gebe ich Ihnen mit. Und am Montag will ich den Staatsanwalt überzeugen, dass das abgerissene Ohrläppchen kein versuchter Totschlag war, sondern im Eifer des Gefechts eine unglückliche, zufällige Handbewegung eines geschätzten hessischen Kollegen, dem es wirklich nicht eingefallen ist, die föderale Ordnung der Inneren Sicherheit auf eigene Faust auszuheben.“

„Ich danke Ihnen von Herzen, Herr Kollege.“

Einen weiteren Besuch hätte Rudi nicht fürchten müssen. Ahmed sah mit Entsetzen, wie ein blutender und vor Schmerzen wimmernder Kumpan auf das Auto zukroch. Ahmed half ihm in den Wagen und machte, dass er fortkam, bevor die anrückende Polizei alle parkenden Autos und wartende Fahrer kontrollieren konnte.

Türler ve etiketler

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Litres'teki yayın tarihi:
25 mayıs 2021
Hacim:
1424 s. 8 illüstrasyon
ISBN:
9783956179891
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Telif hakkı:
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