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Kitabı oku: «Der Wohlstand der Nationen», sayfa 47

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Die Kapitalien, durch die die französischen Zuckerkolonien, besonders die große Kolonie von St. Domingo, in einen besseren Zustand versetzt wurden, sind, wie beachtenswert ist, fast gänzlich aus den allmählichen Kulturfortschritten dieser Kolonien erwachsen, und fast lediglich der Ertrag des Bodens und Fleißes der Kolonisten, der durch Sparsamkeit nach und nach angehäuft und zur Erzielung eines noch höheren Ertrags verwendet wurde. Dagegen stammten die Kapitalien, mit denen die englischen Zuckerkolonien kultiviert und verbessert wurden, großenteils aus England und keineswegs allein aus dem Ertrage des Bodens und Fleißes der Kolonisten. Das Gedeihen der englischen Zuckerkolonien ist meist Englands großem Reichtum zu verdanken, von dem ein Teil so zu sagen auf diese Kolonien überfloss. Das Gedeihen der französischen Zuckerkolonien hingegen ist lediglich dem trefflichen Betriebe der Kolonisten zu verdanken, die mithin den Engländern überlegen sein mussten und diese Überlegenheit in nichts so deutlich bekundeten, wie in der guten Behandlung ihrer Sklaven.

Das sind im Allgemeinen die Grundzüge der Kolonialpolitik der verschiedenen europäischen Völker. Diese Politik hat wahrlich wenig Grund, sich der Gründung oder, soweit dabei die innere Verwaltung in Frage kommt, des späteren Gedeihens der amerikanischen Kolonien zu rühmen. Torheit und Ungerechtigkeit scheinen die leitenden Grundsätze des ersten Plans zur Anlegung dieser Kolonien gewesen zu sein: die Torheit, nach Gold- und Silberadern zu spüren, und das ungerechte Trachten nach dem Besitz eines Landes, dessen harmlose Eingeborne, weit entfernt, die Europäer zu beleidigen, vielmehr die ersten Ankömmlinge mit allen Zeichen von Gutherzigkeit und Gastfreundschaft aufgenommen hatten.

Die Abenteurer, die einige der späteren Niederlassungen gründeten, verbanden zwar mit dem phantastischen Gedanken, Gold- und Silberadern zu finden, noch andere vernünftigere und löblichere Beweggründe; aber selbst diese Gründe machen der europäischen Politik wenig Ehre. Die in ihrer Heimat bedrängten Puritaner suchten die Freiheit in Amerika, und gründeten dort die vier Gouvernements von Neu-England. Die englischen Katholiken, die noch größere Ungerechtigkeit erfuhren, gründeten Maryland; die Quäker Pennsylvanien. Die von der Inquisition verfolgten, ihrer Habe beraubten und nach Brasilien verbannten portugiesischen Juden stellten durch ihr Beispiel unter den deportierten Verbrechern und liederlichen Weibern, womit diese Kolonie ursprünglich bevölkert wurde, eine gewisse Ordnung und Gewerbsamkeit her, und lehrten sie den Bau des Zuckerrohrs. In allen diesen Fällen war es nicht die Weisheit und Politik, sondern die Engherzigkeit und Ungerechtigkeit der europäischen Regierungen, die Amerika bevölkerte und kultivierte.

An der Gestaltung einiger der wichtigsten jener Niederlassungen hatten die europäischen Regierungen ebenso wenig Verdienst, als an den Plänen zu ihrer Errichtung. Die Eroberung von Mexiko war der Plan eines Gouverneurs von Cuba und nicht des spanischen Kabinetts; und durch den Mut des kühnen Abenteurers, dem man sie übertragen hatte, wurde sie trotz aller Hindernisse vollendet, die der Gouverneur, den es bald gereute, einem solchen Manne die Sache anvertraut zu haben, ihr entgegenstellte. Die Eroberer von Chili und Peru und fast aller anderen spanischen Besitzungen auf dem amerikanischen Kontinent wurden vom Staate nicht weiter unterstützt, als durch eine allgemeine Erlaubnis, im Namen des Königs von Spanien Besitzergreifungen und Eroberungen durchzuführen. Diese Unternehmungen erfolgten sämtlich auf Gefahr und Kosten der Unternehmer, und die spanische Regierung trug fast nichts dazu bei. Ebenso wenig tat die englische Regierung für die Gründung ihrer wichtigsten nordamerikanischen Kolonien.

Waren diese Niederlassungen gegründet und so bedeutend geworden, um die Beachtung des Mutterlandes auf sich zu lenken, so bezweckten die ersten Maßregeln dieses stets, sich ein Handelsmonopol zu verschaffen, den Markt der Niederlassungen einzuschränken und den eigenen Markt auf ihre Kosten zu erweitern, folglich ihre Wohlfahrt eher zu dämpfen und zu lähmen, als zu befördern und zu beschleunigen. In den verschiedenen Methoden der Ausübung dieses Monopols besteht einer der wesentlichsten Unterschiede in der Kolonialpolitik der europäischen Völker. Die beste von allen, die englische, ist nur etwas weniger engherzig und drückend, als die übrigen.

In welcher Weise hat sonach die europäische Politik zur Gründung oder jetzigen Größe der amerikanischen Kolonien beigetragen? In einer Weise, aber auch nur in dieser Weise, hat sie in der Tat viel dazu beigetragen. Magna virûm mater!39 Sie zeugte und bildete die Menschen, die so großes zu vollenden und den Grund zu einem so großen Reiche zu legen vermochten; denn es gibt sonst keinen Fleck Erde, dessen Politik solche Menschen zu bilden vermöchte oder tatsächlich jemals gebildet hätte.

Die Kolonien verdanken der europäischen Politik die Erziehung und die großartige Anschauung ihrer tätigen und unternehmenden Gründer; und einige der größten und wichtigsten Kolonien haben ihr, sofern ihre Verwaltung in Betracht kommt, kaum etwas anderes zu verdanken.

Dritter Teil
Die Vorteile, die Europa aus der Entdeckung Amerikas und des Weges um das Vorgebirge der guten Hoffnung nach Ostindien gezogen hat

Dies sind die Vorteile, die die amerikanischen Kolonien aus der europäischen Politik gezogen haben. Welche Vorteile aber hat Europa aus der Entdeckung und Kolonisation Amerikas gezogen?

Diese Vorteile lassen sich einteilen erstens in die allgemeinen Vorteile, die Europa, als ein einziges großes Land betrachtet, aus diesen bedeutsamen Ereignissen gezogen hat; und zweitens in die besonderen Vorteile, die jedes kolonisierende Land aus den ihm besonders gehörigen Kolonien infolge seiner Macht und Herrschaft über sie zog.

Die allgemeinen Vorteile, die Europa, als ein einziges großes Land betrachtet, aus der Entdeckung und Kolonisation Amerikas gezogen, bestehen erstens in der Vermehrung seiner Genussmittel und zweitens in der Erhöhung seines Gewerbfleißes.

Die nach Europa eingeführten überschüssigen Produkte Amerikas versehen die Bewohner jenes Erdteils mit einer Menge von Waren, die sie sich sonst nicht hätten verschaffen können, und von denen einige zur Bequemlichkeit und zum Nutzen, andere zum Vergnügen, andere zum Schmucke, und dadurch überhaupt zur Vermehrung der Genüsse beitragen.

Die Entdeckung und Kolonisation Amerikas hat, wie man bereitwillig einräumen wird, dazu beigetragen, erstens den Gewerbfleiß aller der Länder, die einen direkten Handel dahin trieben, wie Spanien, Portugal, Frankreich und England, und zweitens den Gewerbfleiß aller derer zu vermehren, die ihre Erzeugnisse ohne direkten Handel durch Vermittlung anderer Länder dorthin sandten, wie Flandern und einige deutsche Provinzen, die durch Vermittlung der ersterwähnten Länder große Mengen Leinwand und anderer Waren nach Amerika senden. Alle diese Länder haben offenbar einen weit ausgedehnteren Markt für ihre überschüssigen Produkte gewonnen, und sind folglich ermuntert worden, die Produktion zu steigern.

Dass aber jene großen Ereignisse auch dazu beigetragen haben sollten, den Gewerbfleiß von Ländern wie Ungarn und Polen zu befördern, die wohl nie auch nur eine einzige Ware eigner Erzeugung nach Amerika gesandt haben, ist nicht so einleuchtend. Dennoch ist es unzweifelhaft der Fall gewesen. Ein Teil der amerikanischen Produkte wird in Ungarn und Polen verbraucht, und es besteht dort Nachfrage nach dem Zucker, der Schokolade und dem Tabak der neuen Welt. Diese Waren müssen aber entweder mit Produkten ungarischen und polnischen Fleißes oder mit andern, die mittelst solcher eingetauscht wurden, gekauft werden. Jene amerikanischen Waren sind neue Werte, neue Gegenwerte, die nach Ungarn und Polen kamen, um daselbst gegen die überschüssigen Produkte dieser Länder ausgetauscht zu werden. Indem sie dorthin kommen, schaffen sie einen neuen und ausgedehnteren Markt für diese überschüssigen Produkte. Sie erhöhen ihren Wert und befördern so ihre Vermehrung. Wenn sie auch nicht nach Amerika ausgeführt werden, so können sie doch in andere Länder kommen, die sie mit amerikanischen Produkten kaufen; und so können sie mittelst der Zirkulation des Handels, der ursprünglich durch die überschüssige Produktion Amerikas in Bewegung gesetzt war, einen Markt finden.

Jene großen Ereignisse können sogar die Genüsse und den Gewerbfleiß solcher Länder vermehrt haben, die nicht nur niemals Waren nach Amerika sandten, sondern auch nie welche von dort erhielten. Selbst solche Länder können eine größere Menge Waren aus Ländern erhalten haben, deren überschüssige Produktion mittelst des amerikanischen Handels vermehrt worden war. Hat aber dieser größere Überfluss ihre Genüsse vermehrt, so muss er auch ihren Gewerbfleiß erhöht haben. Es muss ihnen eine größere Anzahl neuer Gegenwerte dieser oder jener Art zum Austausch gegen die überschüssigen Produkte ihres Fleißes dargeboten worden sein. Für diese überschüssigen Produkte war ein ausgedehnterer Markt geschaffen, sodass ihr Wert erhöht und ihre Vermehrung befördert wurde. Die Masse von Waren, die jährlich in den großen Kreis des europäischen Handels geworfen und durch seine mannigfaltigen Bewegungen unter die verschiedenen von ihm umfassten Nationen verteilt wurde, muss durch die gesamte Produktion Amerikas vermehrt worden sein. Es ist daher wahrscheinlich, dass auch allen solchen Nationen ein größerer Anteil an dieser vermehrten Masse zufiel, ihre Genüsse vermehrte und ihre Industrie erweiterte.

Der ausschließliche Handel der Mutterländer muss die ohne dies Monopol wahrscheinlich viel höhere Steigerung der Genüsse und des Gewerbfleißes aller Völker und insbesondere der amerikanischen Kolonien hemmen. Er hemmt die Tätigkeit einer der großen Triebfedern, die die meisten Geschäfte der Menschen in Bewegung setzen, wie ein totes Gewicht. Durch die Verteuerung der Kolonialprodukte in allen anderen Ländern verringert er deren Verbrauch und lähmt so einerseits den Gewerbfleiß der Kolonien, und andererseits die Genüsse und den Gewerbfleiß aller anderen Länder, die weniger genießen, wenn sie ihre Genüsse teurer bezahlen, und weniger hervorbringen, wenn sie für ihre Produkte weniger erhalten. Durch Verteuerung der Produkte aller anderen Länder in den Kolonien schwächt er auf gleiche Weise den Gewerbfleiß aller anderen Länder, sowie die Genüsse und den Gewerbfleiß der Kolonien. Er ist eine Fessel, die um des vermeintlichen Vorteils einzelner Länder willen die Genüsse und den Gewerbfleiß aller anderen Länder, am meisten aber die der Kolonien, beengt. Er schließt nicht nur alle übrigen Länder möglichst von einem einzelnen Markte aus, sondern schränkt auch die Kolonien möglichst auf einen einzigen Markt ein; und es ist ein sehr großer Unterschied, ob man von einem einzelnen Markte ausgeschlossen ist, während alle anderen offenstehen, oder ob man auf einen einzelnen Markt beschränkt ist, während alle anderen geschlossen sind. Die überschüssige Produktion der Kolonien ist aber die ursprüngliche Quelle aller Vermehrung der Genüsse und des Gewerbfleißes, die Europa durch die Entdeckung und Kolonisation Amerikas erfahren hat; und der ausschließliche Handel der Mutterländer verkümmert diese Quelle sehr bedeutend.

Die besonderen Vorteile, die jedes kolonisierende Land aus den ihm gehörigen Kolonien zieht, sind von zweierlei Art: es sind erstens die gewöhnlichen, die jeder Staat aus den seiner Herrschaft unterworfenen Provinzen zieht; zweitens aber jene besonderen Vorteile, die sich aus Provinzen von so eigentümlicher Natur, wie die europäischen Kolonien in Amerika sind, ergeben.

Die gewöhnlichen Vorteile, die jeder Staat aus den seiner Herrschaft unterworfenen Provinzen zieht, bestehen erstens in den Streitkräften, die sie ihm zur Verteidigung, und zweitens in den Einnahmen, die sie zum Unterhalt der Zivilverwaltung liefern. Die römischen Kolonien lieferten gelegentlich das eine und das andere. Die griechischen Kolonien lieferten zuweilen Truppen, aber selten Einkünfte, denn sie erkannten selten eine Oberherrschaft der Mutterstadt an. Sie waren gewöhnlich ihre Bundesgenossen im Kriege, aber höchst selten ihre Untertanen im Frieden.

Die europäischen Kolonien in Amerika haben noch niemals Streitkräfte zur Verteidigung des Mutterlandes geliefert. Ihre Streitkräfte reichten zu ihrem eignen Schutz nicht hin, und in den verschiedenen Kriegen, in die die Mutterländer verwickelt waren, haben diese gewöhnlich zum Schutz ihrer Kolonien ihre Streitkräfte stark verzetteln müssen. In dieser Beziehung waren also sämtliche europäische Kolonien ohne Ausnahme eher eine Ursache der Schwäche, als der Stärke ihrer Mutterländer.

Nur die Kolonien Spaniens und Portugals steuerten zur Verteidigung des Mutterlandes und zur Erhaltung der Zivilregierung bei. Die Steuern, die in den Kolonien anderer europäischer Volker, namentlich der Engländer, erhoben wurden, betrugen selten so viel, wie die Kolonien in Friedenszeiten kosteten, und reichten niemals aus, um die Kosten in Kriegszeiten zu decken. Diese Kolonien waren also eine Quelle von Ausgaben und nicht von Einnahmen für ihre Mutterländer.

Die Vorteile dieser Kolonien für die Mutterländer bestehen lediglich in den besonderen Vorteilen, welche man aus Provinzen von so ganz eigentümlicher Natur, wie die europäischen Kolonien in Amerika sind, zu gewinnen glaubt. Der Monopolhandel ist aber anerkanntermaßen die einzige Quelle aller dieser besonderen Vorteile.

Infolge dieses Monopolhandels kann der Teil der überschüssigen Produktion der englischen Kolonien, der z. B. in den sogenannten aufgezählten Waren besteht, nach keinem anderen Lande als nach England versendet werden, von dem sie die anderen Länder kaufen müssen.

Sie sind also notwendig in England wohlfeiler, als in jedem anderen Lande, und tragen zur Vermehrung der Genüsse in England mehr als in jedem anderen Lande bei. Ebenso fördern sie seinen Gewerbfleiß mehr. Für die eignen überschüssigen Produkte, womit England jene aufgezählten Waren kauft, muss es einen besseren Preis erhalten, als andere Länder für ähnliche Produkte, womit sie die nämlichen Waren kaufen. Die englischen Manufakturwaren werden z. B. eine größere Menge Zucker und Tabak von den Kolonien kaufen, als die gleichen Manufakturwaren anderer Länder. Insofern also die Manufakturwaren Englands und die anderer Länder gegen Zucker und Tabak aus den englischen Kolonien vertauscht werden, erteilt der höhere Preis der englischen Industrie einen Sporn, der den Industrien der letzteren unter diesen Umständen fehlt. Wie daher der Monopolhandel mit den Kolonien die Genüsse und den Gewerbfleiß der anderen Länder vermindert oder doch in der Entwicklung hemmt, so verschafft er den Ländern, die ihn besitzen, einen offenbaren Vorteil über jene.

Doch ist dieser Vorteil wohl mehr relativ als absolut, und verleiht dem Lande, das ihn genießt, einen Vorzug vielleicht mehr dadurch, dass er den Gewerbfleiß und die Produktion anderer Länder schädigt, als dadurch, dass er sie in dem eigenen Lande auf eine höhere Stufe brächte, als ohne diesen Vorzug erreichbar wäre.

Der Tabak Marylands und Virginiens z. B. kommt vermöge des Monopols England ohne Zweifel wohlfeiler zu stehen als Frankreich, an das gewöhnlich ein bedeutender Teil davon abgesetzt wird. Wäre aber Frankreich und allen anderen europäischen Nationen freier Handel nach Maryland und Virginien zugestanden gewesen, so würde der Tabak dieser Kolonien nicht nur in allen übrigen Ländern, sondern auch in England viel wohlfeiler sein, als jetzt. Die Tabaksproduktion würde durch einen viel ausgedehnteren Markt wahrscheinlich derart gestiegen sein, dass die Gewinne einer Tabakpflanzung auf das Niveau derer des Getreidebaus, das sie jetzt noch etwas übersteigen sollen, gesunken wären. Der Preis des Tabaks würde dann wahrscheinlich etwas niedriger sein, als gegenwärtig. Eine gleiche Menge englischer oder ausländischer Waren würde in Maryland und Virginia eine größere Menge Tabak kaufen, und folglich besser verkauft werden. Sofern daher dies Kraut durch seine Wohlfeilheit und Menge die Genüsse und den Gewerbfleiß Englands oder irgendeines anderen Landes vermehren kann, würde diese Wirkung bei ganz freiem Handel wahrscheinlich in etwas größeren Maße eingetreten sein, als es jetzt der Fall ist. Freilich hätte England in diesem Falle keinen Vorteil über andere Länder gehabt. Es hätte den Tabak seiner Kolonien etwas wohlfeiler kaufen und folglich manche seiner eignen Waren etwas teurer verkaufen können als jetzt; aber es hätte weder den Tabak wohlfeiler kaufen, noch seine Waren teurer verkaufen können, als jedes andere Land. Es hätte vielleicht einen absoluten Vorteil gewonnen, aber sicher einen relativen verloren.

Um diesen relativen Vorteil im Kolonialhandel zu erhalten, um neidisch und gehässig andere Nationen von jeder Teilnahme daran möglichst auszuschließen, hat jedoch England sehr wahrscheinlich nicht nur einen Teil des absoluten Vorteils, den es gleich allen anderen Völkern daraus gezogen haben würde, geopfert, sondern auch sich einen absoluten sowie einen relativen Nachteil in fast allen anderen Handelszweigen zugezogen.

Als England sich durch die Navigationsakte das Monopol des Kolonialhandels zusprach, wurden die auswärtigen Kapitalien, die vorher in ihm angelegt waren, notwendig aus ihm herausgezogen. Die englischen Kapitalien, die früher nur einen Teil davon bestritten, hatten nun das Ganze zu bestreiten. Die Kapitalien, die vorher die Kolonien nur mit einem Teil der dort begehrten europäischen Waren versorgten, hatten nun alle herbeizuschaffen: allein sie waren dazu nicht ausreichend, und die Waren, die sie liefern konnten, wurden deshalb notwendig sehr teuer. Die Kapitalien, womit vorher nur ein Teil der überschüssigen Produktion der Kolonien gekauft worden war, hatten nun den ganzen Einkauf allein zu bestreiten; das Ganze konnte aber damit nicht annähernd zu dem alten Preise gekauft werden und folglich wurde alles sehr wohlfeil gekauft. Bei einer Kapitalanlage aber, wobei der Kaufmann teuer verkauft und wohlfeil kauft, musste der Gewinn sehr groß sein und das Gewinnniveau in anderen Handelszweigen weit übersteigen. Es konnte daher nicht fehlen, dass der höhere Gewinn im Kolonialhandel einen Teil der Kapitalien, die vorher in anderen Handelszweigen verwendet waren, diesen entfremdete. Wie aber dieser Wechsel der Kapitalanlage allmählich die Konkurrenz der Kapitalien im Kolonialhandel vermehrte, so musste er auch allmählich diese Konkurrenz in allen anderen Handelszweigen vermindern; und wie er allmählich die Gewinne des einen verminderte, so vermehrte er nach und nach die der anderen, bis endlich die Gewinne aller ein neues Niveau erreichten, das etwas höher war, als das frühere.

Diese doppelte Wirkung, anderen Handelszweigen das Kapital zu entziehen und den Gewinnsatz in allen etwas über das natürliche Maß zu steigern, wurde durch jenes Monopol nicht nur bei seiner ersten Einführung, sondern während seiner ganzen Dauer hervorgebracht.

Das Monopol entzog erstens allen anderen Handelszweigen fortwährend Kapital, um im Kolonialhandel angelegt zu werden.

Obwohl der Reichtum Großbritanniens seit der Navigationsakte bedeutend zugenommen hat, ist er doch gewiss nicht in demselben Maße gestiegen, wie der der Kolonien. Der auswärtige Handel eines jeden Landes wächst aber natürlich im Verhältnis seines Reichtums, seine überschüssige Produktion im Verhältnis seiner Gesamtproduktion; und da Großbritannien fast den ganzen Außenhandel der Kolonien an sich gerissen, sein Kapital aber nicht im Verhältnis der Ausdehnung dieses Handels zugenommen hatte, so konnte es ihn nur dadurch betreiben, dass es fortwährend anderen Handelszweigen einen Teil des vorher in ihnen angelegten Kapitals entzog und einen noch größeren Teil, der sich sonst diesen Handelszweigen zugewendet haben würde, davon zurückhielt. Der Kolonialhandel ist daher seit der Navigationsakte fortwährend gestiegen, während viele andere Zweige des auswärtigen Handels, besonders der Handel nach europäischen Ländern fortwährend abnahmen. Anstatt dass unsere für den Absatz im Auslande bestimmten Manufakturwaren, wie vor der Navigationsakte, sich den nahen europäischen oder den entfernteren Märkten der Länder am mittelländischen Meere anpassten, wurden sie nun größtenteils auf den noch entfernteren Markt der Kolonien zugeschnitten, da sie lieber auf den Markt gingen, wo sie ein Monopol genossen, als auf den, wo sie viele Konkurrenten hatten. Die Ursache des Verfalls anderer Zweige des auswärtigen Handels, die Matthias Decker und andere Schriftsteller in dem Übermaß und der falschen Art der Besteuerung, in dem hohen Preise der Arbeit, in der Zunahme des Luxus usw. gesucht haben, können alle in der Überwucherung des Kolonialhandels gefunden werden. Das Handelskapital Großbritanniens ist zwar sehr groß, aber doch nicht unbegrenzt, und wenn es auch seit der Navigationsakte bedeutend zugenommen hat, so ist es doch nicht im Verhältnis des Kolonialhandels gewachsen, und mithin konnte dieser Handel auch nur dadurch aufrechterhalten werden, dass den übrigen Handelszweigen ein Teil des Kapitals entzogen, und ihnen folglich eine Abnahme bereitet wurde.

England war bereits ein großer Handelsstaat und sein Handelskapital war schon sehr beträchtlich und versprach täglich größer zu werden, ehe die Navigationsakte das Monopol des Kolonialhandels einführte, ja ehe dieser Handel einige Bedeutung erlangt hatte. In dem holländischen Kriege unter Cromwells Regierung war Großbritanniens Kriegsflotte der holländischen überlegen, und in dem Kriege, der zu Anfang der Regierung Karls II. ausbrach, war sie der vereinigten Flotte Frankreichs und Hollands mindestens gleich, wo nicht überlegen. Diese Überlegenheit dürfte jetzt kaum größer sein, wenigstens wenn die holländische Flotte zu Hollands Handel noch in demselben Verhältnis stände, wie damals. Aber diese große Seemacht konnte in keinem jener Kriege der Navigationsakte zugeschrieben werden. Während des ersteren Kriegs war diese Akte eben erst entworfen worden, und vor dem Ausbruche des zweiten hatte sie zwar schon Gesetzeskraft erlangt, aber noch in keinem Teile, am wenigsten in dem, der den ausschließlichen Handel mit den Kolonien begründete, Zeit gehabt eine sonderliche Wirkung zu üben. Die Kolonien und ihr Handel waren im Vergleich zu heute unbedeutend. Die Insel Jamaica war eine ungesunde, wenig bewohnte und noch weniger angebaute Wüste. New-York und New-Jersey waren im Besitz der Holländer, die Hälfte von St. Christoph im Besitz der Franzosen. Die Insel Antigua, die beiden Karolinas, Pennsylvanien, Georgien und Neu-Schottland waren noch nicht kolonisiert. Virginien, Maryland und Neu-England waren es; aber so blühende Kolonien sie auch waren, so gab es doch damals wohl weder in Europa noch in Amerika jemanden, der die raschen Fortschritte, die sie seitdem in Reichtum, Bevölkerung und Kultur gemacht haben, vorhersah oder auch nur ahnte. Kurz, die Insel Barbados war die einzige britische Kolonie von einiger Bedeutung, deren damaliger Zustand mit dem jetzigen einen Vergleich aushielt. Der Kolonialhandel, von dem auch nach der Navigationsakte nur ein Teil auf England kam, – die Akte wurde erst einige Jahre nach ihrer Einführung mit Strenge in Vollzug gesetzt – konnte damals weder die Ursache von Englands großem Handel, noch von seiner auf diesen Handel gestützten starken Seemacht sein. Der Handel, auf den sich diese Seemacht stützte, war der mit Europa und mit den am mittelländischen Meere gelegenen Ländern. Allein der Anteil, den jetzt Großbritannien an diesem Handel hat, könnte eine so starke Seemacht nicht unterhalten. Wäre der wachsende Handel mit den Kolonien für alle Völker frei geblieben, so musste der Anteil, der Großbritannien davon zugefallen wäre – und dieser Anteil wäre vermutlich recht bedeutend gewesen – ein Zuwachs zu jenem großen Handel sein, in dessen Besitz es schon vorher war. Infolge des Monopols hat der Kolonialhandel nicht sowohl eine Zunahme des von Großbritannien schon vorher betriebenen Handels, als eine völlige Veränderung in seiner Richtung hervorgebracht.

Dieses Monopol hat zweitens notwendig dazu beigetragen, den Gewinnsatz in allen Zweigen des britischen Handels höher zu erhalten, als er naturgemäß gewesen sein würde, wenn allen Nationen freier Handel mit den britischen Kolonien gestattet worden wäre.

Wie das Monopol des Kolonialhandels diesem notwendig mehr britisches Kapital zuführte, als sich ihm von selbst zugewendet haben würde, so führte es auch durch die Vertreibung aller fremden Kapitalien die Gesamtmenge des auf diesen Handel verwendeten Kapitals unter das Maß zurück, das es bei freiem Handel erreicht wird größer und ihre Inferiorität geringer, als sie sonst sein würde. Dadurch, dass das bezügliche Land den Preis seiner Produkte über das natürliche Niveau steigert, gibt es den Kaufleuten anderer Länder Gelegenheit, auf fremden Märkten wohlfeiler zu verkaufen, und es dadurch aus fast allen Handelszweigen, in denen es kein Monopol hat, zu verdrängen.

Unsere Kaufleute klagen oft die hohen Löhne der britischen Arbeit als Ursache an, weshalb ihre Fabrikate auf fremden Märkten unterboten würden; von den hohen Kapitalgewinnen schweigen sie. Sie klagen über den übermäßigen Gewinn anderer Leute, aber von ihrem eigenen sagen sie nichts. Und doch mögen die hohen Gewinne des britischen Kapitals in vielen Fällen ebenso viel und in einigen noch mehr dazu beitragen, den Preis der britischen Fabrikate zu erhöhen, als der hohe Lohn der britischen Arbeit.

So kann man mit Recht sagen, dass Großbritanniens Kapital den meisten Handelszweigen, in denen es kein Monopol hatte, besonders dem Handel mit Europa und den Ländern am mittelländischen Meere, entzogen oder daraus verdrängt worden ist. Es wurde teilweise diesen Handelszweigen entzogen durch den Reiz des höheren Gewinnes im Kolonialhandel infolge der beständigen Erweiterung dieses Handels und der beständigen Unzulänglichkeit des heuer darin angelegten Kapitals zu seinem Betriebe im nächsten Jahr. Es wurde teilweise daraus verdrängt durch den Vorsprung, den der dadurch in Großbritannien veranlasste hohe Gewinnsatz anderen Ländern in allen Handelszweigen verleiht, in denen Großbritannien kein Monopol hat.

Wie das Monopol des Kolonialhandels den übrigen Handelszweigen britische Kapitalien, die sich ihnen sonst zugewendet haben würden, entzogen hat, so hat es viele fremde Kapitalien, die in ihnen niemals Anlage gesucht haben würde. Durch die Verminderung des Wettbewerbs der Kapitalien in diesem Handelszweige steigerte es aber notwendig den Gewinnsatz in ihm, und durch Verminderung der Konkurrenz britischer Kapitalien in allen anderen Handelszweigen steigerte es in den letzteren den Satz der britischen Gewinne. Welches auch der Stand oder Umfang des britischen Handelskapitals seit der Navigationsakte in einzelnen Perioden gewesen sein mag, das Monopol des Kolonialhandels muss während der Dauer dieses Zustandes den gewöhnlichen Satz britischer Gewinne höher gesteigert haben, als er sonst in diesem wie in allen anderen Zweigen des britischen Handels gewesen sein würde. Wenn nun seit der Navigationsakte der gewöhnliche Satz britischer Gewinne bedeutend gesunken ist, wie es sicher der Fall, so hätte er noch weit mehr sinken müssen, wenn ihn nicht das durch diese Akte errichtete Monopol aufrechterhalten hätte.

Was aber in einem Lande den gewöhnlichen Gewinnsatz über das natürliche Niveau steigert, unterwirft dies Land notwendig einem absoluten und einem relativen Nachteil in jedem Handelszweige, in dem es kein Monopol hat. Einem absoluten Nachteil, weil seine Kaufleute sich in solchen Handelszweigen diesen größeren Gewinn nicht verschaffen können, ohne die vom Ausland eingeführten und die vom Inland ausgeführten Waren teurer als sonst zu verkaufen. Ihr eignes Land muss teurer kaufen und verkaufen, weniger kaufen und verkaufen, weniger verbrauchen und produzieren, als sonst geschehen würde. Es erleidet einen relativen Nachteil, weil andere Länder, die nicht demselben absoluten Nachteil unterliegen, ihm gegenüber in solchen Handelszweigen besser oder doch weniger schlecht gestellt sind, als es sonst der Fall sein würde. Diese Länder kommen in die Lage, vergleichsweise mehr zu verbrauchen und herzustellen. Ihre Überlegenheit hätte, wenn sie nicht aus dem Kolonialhandel verdrängt worden wären, ihnen zugetrieben. In jenen anderen Handelszweigen verminderte das Monopol die Konkurrenz britischer Kapitalien und steigerte dadurch den britischen Gewinnsatz über das Maß, das er sonst erreicht hätte. Dagegen vermehrte es die Konkurrenz ausländischer Kapitalien, und ermäßigte so den Satz des ausländischen Gewinnes unter den Punkt, auf dem er sonst gestanden haben würde. Auf die eine wie auf die andere Art muss Großbritannien in all’ diesen anderen Handelszweigen einen relativen Nachteil erlitten haben.

Man wird vielleicht sagen, der Kolonialhandel sei für Großbritannien vorteilhafter als jeder andere, und das Monopol habe durch Überleitung eines größeren Teils der britischen Kapitalien in diesen Handel, als sich ihm sonst zugewendet haben würde, dies Kapital in die für das Land vorteilhafteste Anlage gelenkt.

Die für ein Land vorteilhafteste Anlage seines Kapitals ist die, die die grüßte Menge produktiver Arbeit unterhält und den Jahresertrag seines Bodens und seiner Arbeit am meisten vermehrt. Nun steht, wie im zweiten Buche gezeigt wurde, die Menge schöpferischer Arbeit, die ein im Außenhandel angelegtes Kapital unterhalten kann, in genauem Verhältnis zu der Häufigkeit seiner Rückkehr. Ein im Außenhandel angelegtes Kapital von £ 1000 z. B., dessen Rückkehr jährlich einmal erfolgt, kann in dem Lande, dem es angehört, soviel produktive Arbeit in beständiger Beschäftigung erhalten, wie £ 1000 eben jährlich unterhalten können. Kehrt es zwei- oder dreimal jährlich zurück, so kann es so viel produktive Arbeit in beständiger Beschäftigung erhalten, wie zwei oder dreitausend Pfund unterhalten können. Der Handel mit einem Nachbarlande ist deswegen in der Regel vorteilhafter, als der mit einem entfernten Lande; und aus demselben Grunde ist auch, wie gleichfalls im zweiten Buche gezeigt wurde, ein direkter auswärtiger Handel in der Hegel vorteilhafter als ein Handel mit Umwegen.

39.Die große (fruchtbare) Mutter der Menschen, d. Bearb.

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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
Hacim:
1400 s. 85 illüstrasyon
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