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Kitabı oku: «Der Wohlstand der Nationen», sayfa 53

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Neuntes Kapitel
Die Ackerbausysteme oder diejenigen Systeme der politischen Ökonomie, die die Bodenproduktion entweder als die einzige, oder als die hauptsächlichste Quelle des Einkommens und Wohlstandes eines Landes darstellen

Die Ackerbausysteme der politischen Ökonomie bedürfen keiner so langen Auseinandersetzung, wie ich sie vom Merkantil- oder Handelssystem geglaubt habe geben zu müssen.

Das System, das die Bodenproduktion als die einzige Quelle des Einkommens und Wohlstandes eines Landes darstellt, hat meines Wissens noch bei keinem Volk Annahme gefunden, und besteht augenblicklich nur in der Theorie einiger sehr gelehrter und geistvoller Männer in Frankreich. Es würde gewiss nicht der Mühe lohnen, die Irrtümer eines Systems, das noch nirgends in der Welt Schaden angerichtet hat und auch wohl niemals anrichten wird, weitläufig auseinanderzusetzen. Doch will ich wenigstens die Umrisse dieses höchst scharfsinnigen Systems so deutlich als möglich entwerfen.

Colbert, der berühmte Minister Ludwigs XIV., war ein Mann von Rechtschaffenheit, Fleiß und Geschäftskunde; von großer Erfahrung und Urteilschärfe als Finanzmann, kurz von Fähigkeiten, die ganz geeignet waren, in die Einnahmen und Ausgaben des Staatshaushalts Methode und Ordnung zu bringen. Unglücklicherweise hatte dieser Minister alle Vorurteile des Merkantilsystems in sich aufgenommen, eines Systems, das seiner Natur und seinem Wesen nach ein Zwangs- und Maßregelungssystem ist, wie es einem arbeitsamen und rührigen Manne behagen musste, der gewohnt war, die verschiedenen Zweige des Staatsdienstes zu regeln und die nötige Kontrolle zur Beschränkung eines jeden auf seine eigentliche Sphäre einzuführen. Er suchte die Industrie und den Handel eines großen Landes nach demselben Modell zu ordnen, wie die Zweige des Staatsdienstes, und statt nach den liberalen Grundsätzen der Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit jedermann sein Interesse auf seine eigene Art verfolgen zu lassen, verlieh er gewissen Zweigen des Gewerbfleißes außerordentliche Privilegien, während er andere außerordentlichen Beschränkungen unterwarf. Er war nicht allein, wie andere europäische Minister auch, geneigt, den städtischen Gewerbfleiß mehr als den ländlichen zu befördern, sondern war sogar bereit, die ländliche Industrie zugunsten der städtischen zu drücken und niederzuhalten. Um den Stadtbewohnern die Lebensmittel wohlfeil zu liefern und dadurch die Industrie und den auswärtigen Handel zu heben, verbot er die Getreideausfuhr und schloss so die Landbewohner für das bei weitem wichtigste Produkt ihres Fleißes von allen auswärtigen Märkten aus. Dieses Verbot, verbunden mit den durch die alten französischen Provinzialgesetze aufgelegten Beschränkungen des Getreidetransports von einer Provinz in die andere, und mit den willkürlichen und entwürdigenden Abgaben, die man in fast allen Provinzen von dem Landmann erhob, entmutigte den Ackerbau des Landes und hielt ihn tief unter der Stufe, zu der er sich auf einem so fruchtbaren Boden und unter einem so glücklichen Klima naturgemäß würde erhoben haben. Diese Entmutigung und diesen Druck fühlte man mehr oder weniger in allen Teilen des Landes, und vielfache Untersuchungen wurden über die Ursachen der Erscheinung angestellt. Eine dieser Ursachen lag offenbar in dem Vorzüge, der durch die Maßnahmen Colberts dem städtischen Gewerbfleiß vor dem ländlichen gegeben worden war.

Wenn die Gerte zu sehr nach der einen Seite gebogen ist, sagt das Sprichwort, so muss man sie, um sie wieder gerade zu machen, ebenso weit nach der anderen Seite biegen. Die französischen Denker, die das System entwickelten, das den Ackerbau als die einzige Quelle des Einkommens und Wohlstandes eines Landes darstellt, scheinen diese Maxime des Sprichworts befolgt zu haben und wie in Colberts System der städtische Gewerbfleiß im Vergleich zum ländlichen sicher überschätzt war, so scheint er in dem ihrigen ebenso sicher unterschätzt zu werden.

Die verschiedenen Volksklassen, von denen man stets angenommen hat, dass sie in irgendeiner Beziehung zu der Jahresproduktion des Bodens und der Arbeit des Landes beitragen, teilen sie in drei Klassen: erstens die Grundeigentümer, zweitens die Landwirte, Pächter und Feldarbeiter, die sie mit der ausschließlichen Bezeichnung als produktive Klasse beehren, drittens die Handwerker, Fabrikanten und Kaufleute, die sie durch die kränkende Bezeichnung als unfruchtbare oder unproduktive Klasse herabzusetzen suchen.

Die Klasse der Grundeigentümer trägt zu der jährlichen Produktion durch die Ausgaben bei, welche sie zeitweise auf die Bodenkultur, die Gebäude, Abzugskanäle, Einzäunungen und andere Meliorationen verwenden und durch die die Bauern in Stand gesetzt werden, mit dem nämlichen Kapital eine größere Produktion zu erzielen und folglich eine höhere Rente zu zahlen. Diese erhöhte Rente lässt sich als der Zins oder Gewinn betrachten, der dem Grundeigentümer für jenen Kostenaufwand oder für das auf die Bodenverbesserung verwendete Kapital zukommt. Solche Ausgaben heißen in diesem System Grundauslagen (dépenses foncières).

Die Bauern oder Pächter tragen zu der jährlichen Produktion durch sogenannte ursprüngliche und durch jährliche Auslagen (dépenses primitives et dépenses annuelles) bei, die von ihnen auf die Bodenkultur verwendet werden. Die ursprünglichen Auslagen bestehen in den Wirtschaftsgeräten, dem Viehstande, der Saat und dem Unterhalt der Familie, des Gesindes und des Viehs des Pächters, wenigstens während eines großen Teils des ersten Jahres, d. h. solange, bis er vom Boden einen Ertrag erzielt. Die jährlichen Auslagen bestehen in der Saat, in der Abnutzung der Wirtschaftsgeräte und in dem jährlichen Unterhalt des Gesindes und Viehs, sowie der Familie des Pächters, sofern sie als bei den Feldarbeiten mitwirkend zu betrachten ist. Der ihm nach Bezahlung der Rente übrigbleibende Ertrag muss hinreichend sein, um ihm erstens binnen nicht zu langer Zeit, wenigstens vor Ablauf seines Pachttermins, alle ursprünglichen Auslagen samt dem gewöhnlichen Kapitalgewinn und zweitens in jedem Jahre alle jährlichen Auslagen, ebenfalls mit dem gewöhnlichen Kapitalgewinn zu erstatten. Diese beiden Arten von Ausgaben sind Kapitalien, die der Pächter auf den Anbau verwendet, und er kann, wenn sie ihm nicht mit einem billigen Gewinn regelmäßig wiedererstattet werden, sein Geschäft nicht auf dem Fuß anderer Geschäfte betreiben, sondern muss es in seinem eignen Interesse baldmöglichst aufgeben und sich nach einem andern umsehen. Der dem Pächter zur Fortsetzung seines Geschäfts unentbehrliche Teil des Bodenertrags sollte als ein geheiligter Fonds angesehen werden. Wenn der Grundeigentümer ihn angreift, so verringert er notwendig den Ertrag seines Bodens, und macht in wenigen Jahren den Pächter nicht allein unfähig, die erpresste Rente, sondern selbst die angemessene Rente zu bezahlen, die er sonst von seinem Boden erhalten haben würde. Die dem Grundherrn gebührende Rente ist nur der Reinertrag, der nach vollständiger Deckung aller zur Erzielung des rohen oder Bruttoertrages notwendigen Auslagen übrigbleibt. Gerade deshalb, weil die Arbeit der Landwirte nicht bloß die notwendigen Auslagen deckt, sondern noch einen solchen Reinertrag abwirft, wird dieser Volksklasse in unserem System der ehrenvolle Name der produktiven Klasse gegeben. Aus demselben Grunde heißen in diesem System ihre ursprünglichen und jährlichen Auslagen produktive Auslagen, weil sie nach Wiedererstattung ihres eignen Betrages die jährliche Reproduktion dieses Reinertrages verursachen.

Die sogenannten Grundauslagen oder die Auslagen des Grundherrn auf die Bodenkultur, werden in diesem System gleichfalls mit dem Namen von produktiven Auslagen beehrt. Bis all’ diese Auslagen samt den gewöhnlichen Kapitalgewinnen dem Grundherrn durch die Rente, die er von seinem Lande zieht, völlig wiedererstattet sind, sollte diese Rente sowohl von der Kirche, wie vom Staate als heilig und unverletzlich angesehen, und weder einem Zehnten noch einer Besteuerung unterworfen werden. Andernfalls erschwert die Kirche durch die Hinderung der Bodenkultur die künftige Zunahme ihrer Zehnten, und der Staat die künftige Zunahme seiner Steuern. Da bei einer derartigen Ordnung der Dinge solche Grundauslagen außer der Wiedererstattung ihres Betrages nach einer gewissen Zeit ebenfalls eine Reproduktion des Reinertrags verursachen, so werden sie in diesem System als produktive Auslagen betrachtet.

Die Grundauslagen des Gutsherrn und die ursprünglichen und jährlichen Auslagen des Pächters sind die einzigen drei Arten von Auslagen, die nach diesem System als produktive angesehen werden. Alle übrigen Auslagen, und alle anderen Volksklassen, selbst die nach gewöhnlichen Begriffen produktivsten, werden nach dieser Ansicht der Dinge samt und sonders als unfruchtbar und unproduktiv dargestellt.

Insbesondere werden Handwerker und Fabrikanten, deren Fleiß nach gewöhnlichen Begriffen den Wert der rohen Produkte des Bodens so sehr erhöht, in diesem System als eine ganz unfruchtbare und unproduktive Volksklasse dargestellt. Ihre Arbeit, sagt man, ersetzt nur das Kapital, das sie beschäftigt, nebst dem gewöhnlichen Gewinn. Dies Kapital besteht in den Materialien, Werkzeugen und Löhnen, die ihnen vom Arbeitgeber vorgestreckt werden, und ist der Fonds, der sie zu beschäftigen und zu unterhalten bestimmt ist. Ihr Gewinn ist der Fonds, der zum Unterhalt ihres Arbeitgebers bestimmt ist. Wie der letztere ihnen das Kapital an Materialien, Werkzeugen und Löhnen vorschießt, so schießt er sich selber das zu seinem eigenen Unterhalt nötige vor, und diesen Unterhalt bemisst er gewöhnlich nach dem Gewinn, den er durch den Preis ihrer Arbeit zu machen erwartet. Erstattet ihm dieser Preis nicht die eigenen Unterhaltskosten, sowie die seinen Arbeitern vorgestreckten Materialien, Werkzeuge und Löhne zurück, so ersetzt er ihm offenbar nicht alle Auslagen, die er dafür gemacht hat. Die Gewinne eines industriellen Kapitals sind also nicht, wie die Grundrente, ein Reinertrag, der nach Wiedererstattung aller darauf verwendeten Ausgaben übrigbleibt. Das Kapital des Pächters liefert diesem ebenso gut einen Gewinn, wie das Kapital des Fabrikherrn diesem, und es wirft außerdem für einen, andern eine Rente ab, was das Kapital des Fabrikherrn nicht tut. Die Auslagen, die zur Beschäftigung und zum Unterhalt der Handwerker und Arbeiter gemacht werden, setzen mithin sozusagen das Dasein ihres eigenen Wertes höchstens fort und bringen keinen neuen Wert hervor. Es sind daher samt und sonders unfruchtbare und unproduktive Auslagen. Die Auslagen hingegen, die zur Beschäftigung der Pächter und Bauern dienen, setzen nicht nur das Dasein ihres eigenen Wertes fort, sondern bringen einen neuen Wert hervor, die Rente des Grundherrn. Sie sind daher produktive Auslagen.

Handelskapitalien sind ebenso unfruchtbar und unproduktiv wie industrielle. Sie setzen nur das Dasein ihres eigenen Wertes fort, und bringen keinen neuen Wert hervor. Ihre Gewinne erstatten nur den Unterhalt wieder, den der Geschäftsmann während der Dauer der Kapitalanlage, d. h. bis das Kapital wieder eingeht, sich selber vorstreckt. Sie erstatten nur einen Teil der Kosten zurück, die auf die Kapitalanlage verwendet werden mussten.

Die Arbeit der Handwerker und Fabrikanten fügt dem Werte der jährlichen Summe der Bodenproduktion nie etwas hinzu. Sie fügt allerdings dem Wert gewisser Teile von ihr sehr viel hinzu; allein der dadurch veranlasste Verbrauch anderer Teile kommt genau dem jenen Teilen hinzugefügten Werte gleich, so dass der Wert der Summe keinen Augenblick auch nur im Mindesten dadurch vermehrt wird. Der Verfertiger der Spitzen zu einem Paar feiner Manschetten kann z. B. den Wert des Flachses von einem Penny vielleicht auf £ 30 Sterling erhöhen; obwohl er aber auf den ersten Blick den Wert des Rohprodukts etwa 7200-mal zu vermehren scheint, fügt er in Wahrheit dem Werte der jährlichen Summe der Rohprodukte nichts hinzu. Die Herstellung jener Spitzen kostet den Arbeiter vielleicht zwei Jahre Arbeit. Die £ 30, die er nach vollendeter Arbeit dafür erhält, sind nichts weiter, als die Wiedererstattung des Unterhalts, den er sich während der zweijährigen Arbeit vorstreckt. Der Wert, den er durch die Arbeit jedes Tages, Monats oder Jahres dem Flachse hinzufügt, erstattet nur den Wert seines täglichen, monatlichen oder jährlichen Verbrauchs wieder. Keinen Augenblick also fügt er dem Wert der jährlichen Summe der Produktion etwas hinzu: und was er verbraucht, kommt genau dem Werte gleich, den er hervorbringt. Die große Armut der meisten mit dieser kostspieligen und doch läppischen Arbeit beschäftigten Leute kann uns überzeugen, dass der Preis ihrer Arbeit gewöhnlich den Betrag ihrer Unterhaltskosten nicht übersteigt. Anders die Arbeit der Pächter und Bauern. Sie bringt, außer dem vollständigsten Ersatz des gesamten Verbrauchs der gesamten für Beschäftigung und Unterhalt der Arbeiter und ihrer Arbeitgeber aufgewendeten Kosten, noch die Rente des Grundherrn hervor.

Handwerker, Fabrikanten und Kaufleute können das Einkommen und Vermögen ihres Volks nur durch Sparsamkeit, oder, wie es in diesem System genannt wird, nur durch Entsagung vermehren, d. h. dadurch, dass sie sich eines Teils der zu ihrem Unterhalt bestimmten Fonds berauben. Sie reproduzieren jährlich nichts als diese Fonds. Ohne dass sie jährlich einen Teil davon ersparen und des Genusses eines Teils von ihnen sich berauben, kann durch ihre Arbeit das Einkommen und Vermögen ihres Volks nicht im Geringsten vermehrt werden. Pächter und ländliche Arbeiter hingegen können alle zu ihrem Unterhalt bestimmten Fonds in vollem Umfang genießen, und doch gleichzeitig das Einkommen und Vermögen ihres Volks vermehren. Außer den Erfordernissen ihres Unterhalts liefert ihre Arbeit jährlich einen Reinertrag, dessen Vermehrung notwendig das Einkommen und Vermögen des Volks vermehrt. Deshalb können Völker, die, wie das englische oder französische großenteils aus Grundeigentümern und Bauern bestehen, bei Betriebsamkeit und Genuss Völker hingegen, die, wie Holland und Hamburg, hauptsächlich aus Kaufleuten, Handwerkern und Fabrikanten bestehen, können nur durch Sparsamkeit und Entsagung reich werden. Wie aber das Interesse der Völker in so verschiedenen Lagen höchst verschieden ist, so ist es auch der Nationalcharakter. Bei Völkern ersterer Gattung machen naturgemäß freier Sinn, Offenheit und Geselligkeit einen Teil des Charakters aus; bei Völkern der andern Gattung Engherzigkeit, Kleinlichkeit und eine allem geselligen Vergnügen und Genüsse feindliche Selbstsucht.

Die unproduktive Klasse der Kaufleute, Handwerker und Fabrikanten wird lediglich auf Kosten der beiden anderen Klassen, der Grundeigentümer und Bauern, unterhalten und beschäftigt. Diese versorgen sie mit den Arbeitsstoffen wie den Unterhaltungsmitteln, dem Getreide und Vieh, das sie während ihrer Arbeit verzehren. Die Grundeigentümer und Bauern zahlen schließlich sowohl den Lohn aller Arbeiter wie die Gewinne der Arbeitgeber der unproduktiven Klasse. Diese Arbeiter und Arbeitgeber sind eigentlich die Diener der Grundeigentümer und Bauern. Sie sind nur Diener, die außer dem Hause arbeiten, während das Gesinde innerhalb des Hauses tätig ist. Beide aber werden auf Kosten der nämlichen Herren unterhalten. Beider Arbeit ist gleich unproduktiv. Sie fügt dem Werte der Totalsumme der Bodenproduktion nichts hinzu. Anstatt den Wert dieser Totalsumme zu erhöhen, ist sie eine Last und Ausgabe, die davon bestritten werden muss.

Dennoch ist die unproduktive Klasse den beiden anderen Klassen in hohem Grade nützlich. Mittelst des Fleißes der Kaufleute, Handwerker und Fabrikanten können die Grundeigentümer und Landwirte sowohl die ausländischen Waren, als auch die Manufakturartikel ihres eigenen Landes, deren sie bedürfen, mit dem Produkt einer weit geringeren Menge ihrer eignen Arbeit kaufen, als sie aufwenden müssten, wenn sie den ungeschickten und linkischen Versuch machen wollten, die einen selbst einzuführen und die anderen zu ihrem Gebrauche selbst zu verfertigen. Durch die unproduktive Klasse werden die Landwirte mancher Sorge überhoben, die sonst ihre Aufmerksamkeit von der Bodenkultur abziehen würde. Die größere Produktion, die sie infolge dieser ungeteilten Aufmerksamkeit zu erzielen vermögen, entschädigt sie hinlänglich für alle Ausgaben, die ihnen oder den Grundeigentümern der Unterhalt und die Beschäftigung der unproduktiven Klasse verursacht. So unproduktiv der Fleiß der Kaufleute, Handwerker und Fabrikanten seiner Natur nach ist, so trägt er doch indirekt zur Vermehrung der Bodenproduktion bei. Er vermehrt die hervorbringenden Kräfte produktiver Arbeit, indem er den letzteren die Freiheit verschafft, sich auf ihr eigentliches Geschäft: die Bodenkultur, zu beschränken, und der Pflug geht oft leichter und besser mittelst der Arbeit des Mannes, dessen Geschäft mit dem Pfluge nicht das mindeste zu tun hat.

Es kann niemals im Interesse der Grundeigentümer und Landwirte liegen, die Geschäfte der Kaufleute, Handwerker und Fabrikanten irgendwie zu beschränken oder zu entmutigen. Je größer die Freiheit ist, die die unproduktive Klasse genießt, umso größer wird der Wettbewerb in ihren verschiedenen Geschäftszweigen sein und umso wohlfeiler können sich die beiden anderen Klassen sowohl mit ausländischen Waren als mit den Manufakturartikeln ihres eigenen Landes versorgen.

Es kann niemals im Interesse der unproduktiven Klasse liegen, die beiden anderen Klassen zu unterdrücken. Der überschüssige Ertrag des Bodens oder was nach Abzug des Unterhalts erstlich der Bauern, und sodann der Grundeigentümer übrigbleibt, nur dies ist es, wodurch die unproduktive Klasse unterhalten und beschäftigt wird. Je größer dieser Überschuss ist, desto reichlicher muss auch der Unterhalt und die Beschäftigung dieser Klasse sein. Die Herstellung vollkommener Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit ist das sehr einfache Geheimnis. das allen drei Klassen den höchsten Grad des Wohlergehens aufs Wirksamste sichert.

Die Kaufleute, Handwerker und Fabrikanten derjenigen Handelsstaaten, die wie Holland und Hamburg hauptsächlich aus dieser unproduktiven Klasse bestehen, werden gleichfalls lediglich auf Kosten der Grundeigentümer und Bauern beschäftigt. Der einzige Unterschied ist der, dass diese Grundeigentümer und Bauern meist in einer äußerst lästigen Entfernung von den Kaufleuten, Handwerkern und Fabrikanten wohnen, denen sie Arbeitsstoffe und Nahrungsmittel verschaffen; dass sie Einwohner anderer Länder und Untertanen anderer Staaten sind.

Dennoch sind solche Handelsstaaten für die Bewohner solcher anderen Länder in hohem Grade nützlich. Sie füllen in gewissem Maße eine sehr wichtige Lücke aus und ersetzen die Stelle der Kaufleute, Handwerker und Fabrikanten, die die Bewohner dieser Länder bei sich zu Hause finden sollten, aber infolge einer fehlerhaften Politik nicht finden.

Es kann niemals im Interesse der Ackerbauvölker liegen, die Industrie solcher Handelsstaaten durch Belegung ihrer Geschäfte oder der von ihnen gelieferten Waren mit hohen Abgaben zu entmutigen oder zu verkümmern. Solche die Waren verteuernden Abgaben können nur dazu dienen, den Sachwert der überschüssigen Produktion ihres Bodens, mit dem, oder, was auf dasselbe hinauskommt, mit dessen Preise diese Waren gekauft werden, zu ermäßigen, die Zunahme dieser überschüssigen Produktion und folglich die Verbesserung und Kultur ihres Bodens zu hemmen. Das wirksamste Mittel hingegen, den Wert dieser überschüssigen Produktion zu erhöhen, ihre Zunahme zu befördern, und somit die Verbesserung und Kultur des Bodens zu heben, würde in der Gewährung vollster Handelsfreiheit bestehen.

Diese vollkommene Handelsfreiheit würde sogar das wirksamste Mittel sein, die ackerbautreibenden Länder mit der Zeit mit allen Handwerkern, Fabrikanten und Kaufleuten, an denen es ihnen fehlt, zu versorgen und so die sehr wichtige Lücke, die man hier empfand, in der zweckmäßigsten und vorteilhaftesten Weise auszufüllen.

Die fortwährende Zunahme des Produktionsüberschusses würde mit der Zeit ein größeres Kapital schaffen, als zu dem gewöhnlichen Gewinnsatze in der Bodenkultur angelegt werden könnte; und der überschüssige Teil dieses Kapitals würde sich von selbst der Beschäftigung heimischer Handwerker und Fabrikanten zuwenden. Diese Handwerker und Fabrikanten, die sowohl ihre Arbeitsstoffe als auch ihre Unterhaltungsmittel im Lande finden, würden sogleich imstande sein, selbst bei viel weniger Kunst und Geschick ebenso wohlfeil zu arbeiten, wie die Handwerker und Fabrikanten der Handelsstaaten, die beide aus großer Ferne heranzuschaffen haben. Und selbst wenn sie aus Mangel an Kunst und Geschick eine Zeit lang nicht so wohlfeil arbeiten können, so könnten sie, da ihr Markt im Lande selbst ist, ihre Arbeit doch ebenso wohlfeil verkaufen, wie die Handwerker und Fabrikanten der Handelsstaaten, die ihre Waren aus weiter Ferne auf den Markt bringen müssten; und mit zunehmender Kunst und Geschicklichkeit würden sie bald wohlfeiler zu verkaufen imstande sein. Die Handwerker und Fabrikanten der Handelsstaaten würden mithin unmittelbar auf dem Markte der Ackerbauvölker Mitwerber finden, und bald danach unterboten und gänzlich verdrängt werden. Die infolge der allmählich zunehmenden Kunst und Geschicklichkeit eintretende Billigkeit der Industrieerzeugnisse der Ackerbauvölker würde den Absatz der Erzeugnisse mit der Zeit ausdehnen und sie auf viele ausländische Märkte bringen, um dort gleichfalls viele Industrieerzeugnisse der Handelsstaaten allmählich zu verdrängen.

Diese beständige Zunahme der Boden- und Industrieproduktion der Ackerbauvölker würde dann mit der Zeit ein größeres Kapital schaffen, als bei dem gewöhnlichen Gewinnsatze in der Landwirtschaft oder Industrie angelegt werden könnte. Der Überschuss dieses Kapitals würde sich naturgemäß dem Außenhandel zuwenden und in der Ausfuhr der den heimischen Bedarf übersteigenden rohen Produkte ihres Landes angelegt werden. Bei der Ausfuhr der Produkte ihres eignen Landes hätten die Kaufleute eines ackerbautreibenden Volkes einen ähnlichen Vorteil vor den Kaufleuten der Handelsstaaten voraus, wie die Handwerker und Fabrikanten der ersteren vor denen der letzteren haben, – den Vorteil die Ladung, Vorräte und Lebensmittel, die jene in der Ferne suchen, daheim zu finden. Bei geringerer Übung und Geschicklichkeit in der Schifffahrt würden sie daher dennoch imstande sein, diese Ladung auf auswärtigen Märkten ebenso wohlfeil, und bei gleicher Übung und Geschicklichkeit, sie sogar noch wohlfeiler zu verkaufen, als die Kaufleute der Handelsstaaten. Sie würden mithin bald im Außenhandel mit jenen Handelsstaaten wetteifern, und sie mit der Zeit ganz daraus verdrängen.

Nach diesem freisinnigen und hochherzigen System besteht also die vorteilhafteste Methode, wie ein Ackerbauvolk sich selbst Handwerker, Fabrikanten und Kaufleute erziehen kann, darin, dass sie den Handwerkern, Fabrikanten und Kaufleuten aller übrigen Völker die unbeschränkteste Handelsfreiheit einräumt. Sie erhöht dadurch den Wert der überschüssigen Bodenproduktion, deren beständige Zunahme allmählich einen Fonds bildet, der ihr mit der Zeit notwendig alle Handwerker, Fabrikanten und Kaufleute, deren sie bedarf, verschafft.

Wenn dagegen ein Ackerbauvolk den Handel auswärtiger Völker durch hohe Zölle oder gänzliche Verbote unterdrückt, so schädigt es seine Interessen auf zweierlei Art. Erstlich entwertet es durch Erhöhung der Preise aller auswärtigen Waren und Fabrikate unvermeidlich den Überschuss seiner Bodenproduktion, mit dessen Preis es jene ausländischen Waren und Fabrikate kauft. Zweitens erhöht es durch Gewährung einer Art Monopols an seine Kaufleute, Handwerker und Fabrikanten den Satz des kommerziellen und industriellen Gewinns im Verhältnis zu dem landwirtschaftlichen, und entzieht dadurch der Landwirtschaft entweder einen früher darin angelegten Teil des Kapitals, oder hindert Kapitalien, die sonst in der Landwirtschaft Anlage gesucht hätten, sich ihr zuzuwenden. Diese Politik entmutigt also die Landwirtschaft auf zweierlei Art, einmal durch Entwertung ihrer Produkte und folgeweise Herabminderung ihrer Gewinne, und zweitens durch Steigerung der Gewinne aller übrigen Gewerbe. Die Landwirtschaft wird weniger vorteilhaft und Handel und Industrie vorteilhafter, als sie sonst wären, und jedermann gerät durch sein eigenes Interesse in Versuchung, Kapital und Arbeit möglichst von der ersteren fort, und auf die letzteren hin zu lenken.

Wenn auch ein Ackerbauvolk durch diese Zwangspolitik sich seine eignen Handwerker, Fabrikanten und Kaufleute etwas früher zu verschaffen vermöchte, als unter der Handelsfreiheit – was übrigens nicht wenig zweifelhaft ist, – so würde es sie sich doch gleichsam vor der Zeit, und ehe es dazu reif geworden ist, verschaffen. Durch zu hastige Aufrichtung einer Art von Gewerbfleiß würde es eine andere viel schätzenswertere verkümmern. Durch zu hastige Aufrichtung einer Art von Gewerbfleiß, die nur das sie beschäftigende Kapital nebst dem gewöhnlichen Gewinn wiedererstattet, würde es eine Art von Gewerbfleiß verkümmern, die außer dem Ersatz des Kapitals nebst Gewinn auch einen Reinertrag, eine freie Rente für den Grundherrn liefert. Es würde produktive Arbeit verkümmern durch zu hastige Beförderung der Arbeit, die gänzlich unfruchtbar und unproduktiv ist.

Wie sich nach diesem System die Totalsumme der jährlichen Bodenproduktion unter die drei obenerwähnten Klassen verteilt, und auf welche Art die Arbeit der unproduktiven Klasse nichts weiter als den Wert ihres eigenen Verbrauchs wiedererstattet, ohne den Wert jener Totalsumme irgendwie zu vermehren, hat Quesnay, der sehr geistreiche und tiefe Urheber dieses Systems in arithmetischen Tabellen dargestellt. Die erste dieser Tabellen, die er vorzugsweise die ökonomische Tabelle nennt, zeigt die Art, in welcher er sich diese Verteilung unter der Voraussetzung der vollkommensten Freiheit und folglich des höchsten Wohlergehens denkt: in einem Zustande, wo die Jahresproduktion den größtmöglichen Reinertrag gewährt, und jede Klasse ihren angemessenen Anteil an der Gesamtproduktion erhält. Einige weitere Tabellen stellen die Art dar, wie sich nach seiner Ansicht diese Verteilung unter den verschiedenen Zuständen des Zwangs und der Maßregelung macht; wenn entweder die Klasse der Grundeigentümer oder die unfruchtbare und unproduktive Klasse mehr begünstigt wird als die Bauernklasse, und wenn die eine oder die andere jener Klassen sich mehr oder weniger von dem Anteil zueignet, der eigentlich dieser produktiven Klasse gebührte. Jeder solche Eingriff, jede Verletzung der natürlichen, bei völliger Freiheit eintretenden Verteilung muss nach diesem System notwendig von Jahr zu Jahr den Wert und die Totalsumme der Jahresproduktion mehr oder weniger verringern und dadurch eine Abnahme des wirklichen Vermögens und Einkommens der Gesellschaft herbeiführen, eine Abnahme, die je nach der Gewaltsamkeit dieser Eingriffe und je nachdem die bei vollkommener Freiheit eintretende natürliche Verteilung mehr oder weniger verletzt wird, schneller oder langsamer vor sich geht. Diese späteren Tabellen stellen die verschiedenen Grade der Abnahme dar, die dem System zufolge den verschiedenen Graden, in denen die natürliche Verteilung der Dinge verletzt wird, entsprechen.

Manche denkenden Ärzte scheinen geglaubt zu haben, die Gesundheit des menschlichen Körpers könne nur durch eine genau bestimmte Diät und Bewegung erhalten werden, und jede, auch die kleinste Abweichung davon müsse notwendig einen dem Grade der Abweichung entsprechenden Grad von Krankheit und Unpässlichkeit verursachen. Die Erfahrung dürfte aber zeigen, dass der menschliche Körper allem Anschein nach oft bei dem allerverschiedensten Verhalten, und selbst bei einem solchen, das man in der Regel für keineswegs gesund hält, dennoch vollkommen wohl bleibt. Der gesunde Zustand des menschlichen Körpers dürfte ein gewisses unbekanntes Prinzip der Erhaltung in sich tragen, das die schlimmen Folgen eines sehr fehlerhaften Verhaltens vielfach abwendet oder mildert. Quesnay, der selbst ein Arzt, und zwar ein recht denkender Arzt war, scheint von dem Staatskörper einen ähnlichen Begriff gehabt, und geglaubt zu haben, dieser könne nur bei einer gewissen genau bestimmten Diät, bei der strengen Diät vollkommener Freiheit und Gerechtigkeit blühen und gedeihen. Er scheint nicht bedacht zu haben, dass im Staatskörper das natürliche Bestreben jedes Menschen, seine Lage zu verbessern, ein erhaltendes Prinzip ist, das die schlimmen Folgen einer parteiischen und despotischen Wirtschaftspolitik vielfach abzuwenden und zu mildern vermag. Eine solche politische Ökonomie hält zwar den natürlichen Fortschritt einer Nation zu Wohlstand und Glück mehr oder weniger auf, ist aber doch nicht immer imstande, ihn gänzlich zu hemmen oder wohl gar rückgängig zu machen. Wenn eine Nation ohne den Genuss vollkommener Freiheit und Gerechtigkeit nicht gedeihen könnte, so gäbe es keine Nation in der Welt, die je hätte gedeihen können. Die Weisheit der Natur hat glücklicherweise reichlich Vorsorge getroffen, im Staatskörper viele schlimme Folgen menschlicher Torheit und Ungerechtigkeit zu heilen, ebenso wie sie es für den menschlichen Körper getan hat, um die der Trägheit und Unmäßigkeit abzuwenden.

Der Hauptirrtum dieses Systems scheint darin zu liegen, dass es die Klasse der Handwerker, Fabrikanten und Kaufleute als ganz unfruchtbar und unproduktiv darstellt. Die nachstehenden Bemerkungen werden das Unrichtige dieser Vorstellung dartun.

Erstens erzeugt diese Klasse, wie auch anerkannt wird, jährlich den Wert ihres jährlichen Verbrauchs wieder und erhält so wenigstens die Existenz des Vorrats oder Kapitals, das sie unterhält und beschäftigt. Schon deswegen allein erscheint die Benennung »unfruchtbar und unproduktiv« als sehr falsch angewendet. Man kann eine Ehe nicht unfruchtbar und unproduktiv nennen, wenn sie auch nur einen Sohn und eine Tochter zum Ersatz für Vater und Mutter hervorbringt und die Zahl der Menschen nicht vermehrt, sondern nur ihren Bestand erhält. Pächter und Bauer bringen allerdings außer dem Vorrat, der sie unterhält und beschäftigt, jährlich noch einen Reinertrag, eine freie Rente für den Grundherrn hervor. Wie eine Ehe, die drei Kinder hervorbringt, ohne Zweifel produktiver ist, als eine Ehe, aus der nur zwei hervorgehen, so ist die Arbeit der Pächter und Bauern sicherlich produktiver als die der Kaufleute, Handwerker und Fabrikanten. Allein die überlegene Produktion der einen Klasse macht die andere doch nicht unfruchtbar und unproduktiv.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
Hacim:
1400 s. 85 illüstrasyon
Telif hakkı:
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