Kitabı oku: «Akrons Crowley Tarot Führer», sayfa 17
Deutungen
Bei unseren willentlichen Entscheidungen verhilft uns das Glück zu einem tieferen Verständnis und zur Einsicht in die notwendigen Schicksalsabläufe, denn das Rad steht für die Unerbittlichkeit der Götter. Manchmal fragen wir uns zwar auch etwas beunruhigt, was uns hinter dem Zukunftshorizont erwartet? Sobald wir unser inneres Empfinden aber anzuzweifeln beginnen und dem unbewussten Ahnen damit den Boden wegziehen, vergrößert sich unser Unbehagen. Es stellt sich meist gerade dann ein, wenn der Verstand, gewohnt, vernünftige Entscheidungen zu treffen, auf unrealistische Ratschläge oder Zukunftsahnungen prallt. Trotzdem liegt eine der Wachstumsmöglichkeiten dieses Trumpfes gerade darin, auch vergangene Handlungen in die aktuellen Einscheidungen mit einzubeziehen, weil uns vieles, das wir längst vergessen haben, ganz tief in der Seele immer noch berührt. Dann zeigt uns das Schicksalsrad, dass wir im Einklang mit unserem Inneren handeln und vertrauensvoll an die neuen Ziele herantreten können, auch wenn sich daraus ab und an Probleme ableiten, auf die wir nicht vorbereitet sind. Langfristig gesehen hilft uns diese Karte stets, ein Stückchen von dem in unseren Alltag zu hieven, was im Leben unseren Anlagen und Schicksalsmustern (Karma) entspricht. Wir sind gewissermaßen unbewusste Empfänger des kollektiven Geistes, auch wenn wir kaum verstehen, welche Kräfte uns plötzlich durchfließen. Meist haben wir die Zeiger auf dem Schicksalsradio unbemerkt auf die »höhere« Frequenz gedreht, wenn uns die schöpferischen Ahnungen durchströmen und uns zuraunen, dass alles ein Teil von uns selbst und wir ein Teil von allem sind. Je bereitwilliger wir diesen Vorgang akzeptieren, umso mehr können wir unsere Visionen materiell gestalten.
In unseren persönlichen Beziehungen steht die Karte Glück nicht nur für glückliche Wendungen, sondern auch für die innere Bereitschaft, zu reifen und seelisch zu wachsen, bis wir für die (große) Liebe bereit sind. Bis in die Tiefe unseres Herzens berühren uns unsere Gefühle zumindest in der Vorstellung, die wir als »höhere« Liebe bezeichnen. Das Bedürfnis, die Schicksalsabläufe zu kontrollieren, zumindest aber im Voraus erkennen zu wollen, lässt uns auch gerne Beschäftigungen wie Kartenlegen oder Horoskope deuten nachgehen. Es ist das Interesse an der Zukunft, wenn wir das Spektrum unserer inneren Wahrnehmung entzünden und wir plötzlich alles, was wir wissen wollen, vollständig erahnen. Projektionsflächen dafür sind die kryptischen Gesichter und visionären Erscheinungen aus dem Reich der Tiefe, in denen wir die karmischen Zusammenhänge aus früheren Leben vermuten. Wenn wir keinen Partner haben oder in unbefriedigenden Beziehungen leben, dann geht es darum, zu entdecken, wo die innere Voraussetzung zu dieser Misere liegt, die sich auf der Seelenebene spiegelt. Der Sinn liegt darin, zu verstehen, was im zwischenmenschlichen Bereich zu lösen ist, damit wir alle wieder werden, was wir sind: Brüder und Schwestern, wie es das kosmische Rad verkündet. Der kollektive Idealismus des Glücks entspricht unserem Streben nach Befreiung von instinktgebundenen Zwängen, auch wenn die angestrebte Blüte jener reinen Form von Liebe meist nur aus dem Kopf unserer Vorstellung hervortreibt. Trotzdem: Auch wenn es uns nicht immer bewusst ist, so hilft uns die Karte doch, uns den Wendungen und den daraus zu ziehenden Erkenntnissen, die für ein gutes Miteinander wichtig sind, zu stellen und damit die Schicksalsgötter auf unsere Seite zu locken.

Glück in der Zeit
– Tiefergehende Erinnerungen –
Meditiere lang und weit und tief, O Mensch, über dieses Rad, drehe es in deinem Gemüt! Sei dies Deine Aufgabe, wahrzunehmen, wie jede Karte notwendigerweise aus jeder anderen Karte entspringt, sogar in der rechten Reihenfolge vom Narren zur Zehn der Scheiben.
Book of Lies – Kap. 78

Shivas Auge (schielt aus der Karte Turm herüber10)
Crowley schreibt: Wie der Atu XVI kann auch diese Karte als eine Einheit von höchster Verwirklichung und Freude interpretiert werden. Die Blitze zerstören nicht nur, sondern erzeugen auch; und das Rad kann als das Auge Shivas betrachtet werden, dessen Öffnen das Universum vernichtet – oder als ein Rad vom Wagen des Jaganath, dessen Anbeter im Augenblick des Zermalmt-Werdens durch den Wagen zur Vollendung gelangen.11
Das Rad mit den aus allen Speichen hervorquellenden Wirbeln und Blitzen hat, wie Crowley schon sagt, eine zweifache Bedeutung. Stilisiert entspräche es der Swastika, einem alt-indischen Sonnen- und Fruchtbarkeitszeichen, das wahrscheinlich auf alte Feuerräder zurückgeht, die nach der Überlieferung auch das Paradies bewachen. Es steht für die Zerstörung der Feinde genauso wie für die visionäre Erleuchtung beispielsweise in der Christusvision12. Feuer und Blitze sind Zeichen für das Herabsteigen des Geistes oder für das Aufbrechen der inneren Erkenntnis in ihrer höchsten Kraft: erschreckend und erkennend, zusammenbrechend und umwendend.
Der 20. Aethyr
Nun erkenne ich, dass all diese Dinge nur die Schleier des Rades sind, denn sie alle sammeln sich und bilden ein Rad, das sich mit unglaublicher Geschwindigkeit dreht. Es hat viele Farben, die sich aber alle in weißem Licht befinden, sodass sie transparent und leuchtend sind. Dieses eine Rad besteht aus neunundvierzig Rädern, die in verschiedenen Winkeln zueinander angesetzt sind, sodass sie eine Kugel bilden; jedes Rad hat neunundvierzig Speichen und neunundvierzig konzentrische Wandlungen in jeweils gleichem Abstand vom Zentrum (…) Es hat den Anschein, als drehe eine Hand dieses Rad (…) Nun sehe ich Gestalten auf dem Rad, die ich als die mit einem Schwert bewaffnete Sphinx, Hermanubis und Typhon identifiziert habe. Und dies ist falsch. Der Rand des Rades ist eine lebendige Smaragdschlange; im Zentrum des Rades befindet sich ein scharlachrotes Herz (…) Die Gestalten auf dem Rad sind dunkler als das Rad selbst; tatsächlich sind sie Flecken auf der Reinheit des Rades, und aus diesem Grund und wegen des Wirbelns vermag ich sie nicht zu erkennen. Aber das auf der Spitze scheint ein Lamm mit Fahne zu sein, so wie man sie auf manchen christlichen Medaillen dargestellt findet, und eines von den unteren Dingen ist ein Wolf und das andere ein Rabe. Das Symbol mit Lamm und Fahne ist viel heller als die anderen beiden. Sein Glanz nimmt immer mehr zu, bis es strahlender als das Rad selbst ist und gleichfalls mehr Raum beansprucht. Es spricht: Ich bin der größte aller Verführer, denn meine Reinheit und Unschuld wird die Reinen und Unschuldigen verleiten, die zur Mitte des Rades gelangen würden, wenn ich nicht wäre. Der Wolf täuscht nur die Gierigen und Verräterischen; der Rabe nur die Trübsinnigen und Unehrlichen. Doch ich bin der, von dem geschrieben steht: Er wird die besonders Auserwählten verführen (…) Aus diesem Grund ist meine Fahne weiß, denn ich habe nichts Lebendiges auf der Erde zurückgelassen. Ich habe mir das Blut der Heiligen zur Speise genommen, doch von keinem Menschen werde ich verdächtigt, sein Feind zu sein, denn mein Vlies ist weiß und warm, und meine Zähne sind nicht die Zähne jener, die Fleisch zerreißen; und meine Augen sind milde, und sie erkennen mich nicht als das Haupt der lügnerischen Geister, die der Allvater am Anfang vor sein Angesicht befohlen hatte. Nun zieht sich die Erscheinung des Lammes zurück, und wieder ist dort nichts als das Rad und die Hand, die es herumwirbelt.
Liber 418, 20. Aethyr – KHR
Diese medialen Reisen sind für uns besonders deshalb interessant, weil mehrere Trümpfe Paraphrasen einer Reihe von 1909 in der nordafrikanischen Sahara entstandenen Visionen sind. Also keine närrischen Phantasien, sondern Protokolle magischer Operationen, der Enochäischen Rufe, die Crowley, von John Dee und Edward Kelley13 inspiriert, übernommen hatte und dreißig Jahre später einigen seiner Tarotkarten unterlegte. Diese Aufzeichnungen wurden zum ersten Mal als Liber 418: The Vision and the Voice im Frühjahr 1911 als Anhang im The Equinox veröffentlicht und sind Quelle und Schlüssel zur geistigen Lehre von Thelema. Manche der Symbole begegnen uns in dieser Karte wieder, andere wie beispielsweise das Lamm mit der Fahne tauchen in anderen Trümpfen auf (IV – Der Kaiser). Die lebendige Smaragdschlange an der Peripherie des Rades ist ganz weggefallen und das scharlachrote Herz in der Nabe wurde durch eine zehnstrahlige Sonne ersetzt, genauso wie die drei Tiersymbole Rabe, Wolf und Schaf – sie sind hier durch die drei ägyptischen Gottheiten Hermanubis, Typhon und Sphinx vertreten. Viele dieser Schilderungen sind berauschend schön, andere alptraumartig und entsetzlich, aber immer sind sie kreativ, exzessiv und hochinteressant. Deshalb wurde Crowley in den 60er und 70er Jahren zum Kult und zog geniale Menschen wie Timothy Leary, Allen Ginsberg oder William S. Burroughs in seinen Bann.
Liber Legis I/9: Verehret darum das Khabs und sehet mein Licht über euch ausströmen!
Der dem Glück und Jupiter zugeordnete Buchstabe, Kaph kommt phonetisch dem Wort Khabs nahe. Crowley notiert zu diesem Vers: Beachte, dass das Licht des Raumes das ist, was die Menschen Dunkelheit nennen, sein Name ist für unsere uninitiierten Geister vollkommen unfassbar. Wir haben nicht das Khu (Offenbarung) zu verehren, unsere magische Vorstellung zu lieben. Dies zu tun – wir haben es alle getan – heißt, unsere Wahrheit zu vergessen. Wenn wir die Form verehren, wird sie für das Wesen undurchdringlich und sich bald als falsch erweisen. Das Khu in jedem von uns umfasst den Kosmos, wie wir ihn kennen. Für mich ist sogar ein anderes Khabs nur Teil meines Khu. Unser eigenes Khabs ist unsere eigene Wahrheit.14
Was will uns Crowley damit sagen? Das Khu ist unsere Paradiesvorstellung, unsere kollektive Sehnsucht nach Gott, die Energie, die von Priestern und charismatischen Führern benutzt werden kann, um unsere Sehnsucht zu lenken und unseren Wünschen ein konkretes Ziel zu geben. Das Khabs ist jener persönliche Teil dieses Khu, der in unserem Wesen verwurzelt ist, die Totalität unseres Schicksalsplanes, der vom Glücksrad in die Zeit gedreht wird, wenn die Stunde schlägt, und das von keinem verwendet werden kann, um uns in der einen oder anderen Weise zu dirigieren. Eine andere Bemerkung von Crowley hinsichtlich der Bedeutung des Buchstabens Kaph als Kteis und Phallos (Vagina und Phallus) weist aber auch auf die Bewegung des Rades als Schöpfer des Lebens, auf die Initialzündung des Werdens hin: die Achse Geburt und Tod. Zum dritten und letzten knüpft die dem Mond und dem Sternzeichen Fische zugeordnete Ziffer Qoph durch ihren ähnlichen Klang eine gedankliche Vorstellung zum Buchstaben Kaph15: Kaph in Qoph entspricht Jupiter in den Fischen und korrespondiert mit der Neun der Kelche, der Karte Glückseligkeit. Jupiter in Fische ist der Teich unseres Karmas, der uns ins Leben entlässt, um die Antworten auf die Fragen zu finden, die wir uns in der Vergangenheit gestellt haben.
Liber 77716 und weitere Korrespondenzen
Beschleunigt durch seine dreieinigen Energien, spinnt das Rad des Glücks: seine Achse unbeweglich, in der Tat.
Titel: Der Herr der Kräfte des Lebens
Bild: Ein Rad mit 6 Speichen, auf dem sich die Triade von Hermanubis, Sphinx und Typhon dreht
Zahl: 20, 820 (ausgeschrieben)

Buchstabe: Kaf/Kaph = K/KPh (Handfläche).Die Schicksalslinien in der Hand als Ausdruck innerer Seelenmuster.
Pfad: 21. Die Achse Chesed-Netzach. ChSD bedeutet die Materialisierung und Potenz des Wachsens und NTzCh die ungestüme Kraft verfließender Energie. Pfad 21 verkörpert die sich durch die unerschütterliche Gesetzmäßigkeit des Wandels im Gleichgewicht befindende Achse.
Göttername: ABA AL AB
Götter: Amoun-Ra, Zeus, Brahma, Indra, Jupiter, Bethor
Pflanzen: Ysop, Eiche, Pappel, Feige, Arnika, Zeder
Krafttiere: Adler, Gottesanbeterin
Edelstein: Lapislazuli
Wesen: Inkubi, Nachtmahren
Dämonen (Qlipoth): Gha’Agscheblah, Schläger (monsterköpfige Riesen, die die Menschen in Stücke reißen)
Magische Kräfte: Macht, politische und andere Überlegenheiten zu erlangen
Magische Waffe: Zepter
Parfüm: Safran
Droge: Kokain
Geomantie: Quadrat und Rhombus
Gematrische Korrespondenzen
20: Bruderschaft, Darlegung, Krankheit, Tinte, ins Dasein gesetzt werden, Unfall, Verderben, Seher, Prophet
820: Verwüsten, Zersprengen
Gottheiten: Göttin Fortuna und die Sein, Werden und Vergehen spinnenden Schicksalsnornen, auch Herrscherinnen über das himmlische Sternenrad genannt; Hathor, die ägyptische Gottheit des Wandels (Das Rad des Tarots spricht das Gesetz der Hathor)
Mythos: Mythos vom Lebensfaden: Klotho hält den Spinnrocken, Lachesis spinnt den Faden, und Atropos, die Unabwendbare, schneidet den Faden ab.
Symbole: Die Watson-Crick-Spirale (DNA-Doppelhelix), die kosmische Schicksalsuhr (Kreis, Rad) oder der Tierkreiszodiak als Symbol des kreisenden Himmels, dessen Gestirne die Geschicke der Menschen verkünden
Kultstätten: Omphalos, der heilige Stein in halbovaler Form in Delphi oder die Cheopspyramide und die rätselhafte Sphinx von Giseh
Ritual: Rückführung (Vorwärts in die Vergangenheit) oder Schicksalsbefragung (Astrologie, Runen, Tarot, I Ging)
Sabbat: die Feste der vier Cherubim (Fest des Stiers am 1. Mai, Fest des Löwen am 1. August, Fest der sich in einen Adler verwandelnden Schlange am 1. November, Fest des erleuchteten Menschen, der zum Engel wird, am 2. Februar)
Kraftsteine: Doppelpyramidenförmiger Fluorit, Quarzglas aus Meteoriteneinschlag
Räucherwerk: Haschisch; oder Kyfi, der Weihrauch der alten Ägypter. In der Cheopspyramide abgebrannt und inhaliert, erscheinen die Geister der Pharaonen.
Malerei: Die Tarotbilder der Großen Arkana; Tarotgarten von Niki de Saint-Phalle (Toskana)
Musik: Gesang der drei alten Nornen aus dem Vorspiel zur Götterdämmerung von Richard Wagner
Schrift: Das Buch Ezechiel (Die Vision des Propheten Hesekiel, 1,10, in der viele die Ankunft außerirdischer Götter zu entdecken glaubten)
XI – Lust

Dort sah ich eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das über und über mit gotteslästerlichen Namen beschrieben war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte … sie hielt einen goldenen Becher in der Hand.
Johannes-Offenbarung 17,3 - 4
Aphrodite und die Liebesschlange, die Schöne und das Biest, die nackt auf Löwen reitenden Göttinnen
Astrologie: Venus in Löwe = die schöpferische Entfaltung der Libido
I Ging: 26 Da Tschu – Des Großen Zähmungskraft
Rune: Gebo (Geschenk) = Verbindung durch Austausch = psychische und physische Vereinigung
Licht: Lebenslust, Lebenskraft und Leidenschaft (sexuelle Transformation)
Schatten: Aggression, Perversion und sexuelle Gewalt als Folge verdrängter Instinkte
Farben: Grünliches Gelb, dunkles Purpur, Grau, rötliches Bernstein (Liber 777)
Tierkreis: Löwe (Buch Thoth) im Sinne von Stärke, Kraft, Vitalität und Leidenschaft
Kurzbeschreibung: Die Lust zeigt uns eine mit gespreizten Beinen auf dem Biest reitende Frau, die mit ihrer linken Hand das Tier zügelt und in ihrer Rechten den Kelch der Liebesglut in die Höhe hält, denn bei Crowley drückt sich die Leidenschaft und sexuelle Ekstase standesgemäß in einem wahren Teufelsritt aus: Dies ist die Karte der göttlichen Trunkenheit oder Ekstase. Die Frau wird mehr als ein wenig trunken gezeigt und mehr als ein wenig verrückt; und auch der Löwe ist in Lust entflammt. Dies bedeutet, dass die hier beschriebene Energieform einer ursprünglichen, schöpferischen Ordnung entspricht; sie ist vollkommen unabhängig von einer Kritik der Vernunft.1 Es ist der Rausch und die göttliche Trunkenheit des Dionysos, der hier beschworen wird und der in den prallen Abgründen lüsterner Ausschweifung nach leiblicher Befriedigung gründelt. (Offb. 17,2: Denn mit ihr haben die Könige der Erde Unzucht getrieben, und vom Wein ihrer Hurerei wurden die Bewohner der Erde betrunken.) In diesem berauschenden Geist spiegelt sich Crowleys unerfülltes Streben nach der erlösenden Frau in der Apokalypse. Auch ist von dem Tier mit der Zahl 666, dem Antichristen, die Rede, mit dem er sich seit seiner Kindheit identifiziert.2 Ein Ruf auch, den er nie wieder loswerden sollte (wollte).
Analyse
In den herkömmlichen Tarots wird die Kraft oder Lust stets von einer heldischen Frau verkörpert, die die animalischen Mächte besiegt und zähmt: Im Tarot de Marseille hält sie einem Löwen das Maul auf, im Rider-Waite-Tarot schließt sie es ihm, und hier im Crowley-Tarot sehen wir sie als lüsterne Amazone, die auf dem Rücken einer löwenähnlichen Bestie reitet. Damit verarbeitet Crowley in dieser Karte zugleich ein Motiv aus der Apokalypse (Offenbarung 17,3 - 4). Dort ist von dem Tier mit der Zahl 666 die Rede, das dem Antichristen entspricht, auf dem die Hure Babylon als scharlachrotes Weib reitet. Crowley identifizierte sich von früh an mit diesem Tier, und jede seiner zahllosen Geliebten erhielt den »Ehrentitel« Scharlachweib.3
Im Vordergrund verlustiert sich die sinnliche, dominante Frau auf dem Rücken eines wilden Tieres – einer durch die straffen Zügel kontrollierten Bestie mit sieben Köpfen. Es sind die Köpfe eines Heiligen, eines Engels, eines tapferen Mannes, einer Ehebrecherin, eines Satyrs, eines Dichters und einer Löwenschlange. Das Biest ist ein Symbol der blinden, ungestümen Animalität, und in seiner Domestizierung will Crowley den Einklang des zivilisierten Menschen mit der gebändigten Triebnatur ausdrücken. Der Hintergrund zeigt uns eine Gebärmutter von innen. Wir befinden uns also hier sozusagen im Inneren eines Uterus, in dem einige schwach leuchtende Strahlenkreise oder Energiekerne als Fruchtbarkeitssymbole herumschweben. Crowley nennt diese geistigen Eizellen die noch ungeordneten Sephiroth im Lebensbaum. Bibelfeste Beobachter mögen sie die vom Himmel gefallenen Sterne gemäß der Johannes-Offenbarung nennen: Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde (12,4). Der Schwanz des Tieres besteht aus einer Schlange mit einem Löwenkopf, einer Löwenschlange, eine Mischung zwischen dem Löwen als Tierkreiszeichen und dem mit der Karte assoziierenden hebräischen Buchstaben Theth (Schlange), gleichzeitig auch ein Symbol für die befruchtende, von außen zustoßende Samenzelle.1
Im Grunde ist dieses Gleichnis nichts anderes als eine wunderbare Umschreibung für den Abstieg des göttlichen Geistes in die Materie, und zwar unter der Miteinschließung des Todes, der ja die Voraussetzung des Lebens ist. Doch wenn das Ziel dieses Trumpfes das universelle Gottesbewusstsein sein soll, muss Lust im Atemzug der Zeugung immer auch Auflösung bedeuten. Crowley schreibt: In ihrer Rechten hält sie den Kelch in die Höhe, den Heiligen Gral entflammt von der Liebe und dem Tod.4 Das entflammte Licht, einen Orgasmus bebildernd, zeigt das Blut, das in dieser urinalförmigen Retorte durch die Flamme des Feuers zur Erhitzung gebracht und dadurch in jene höhere Ebene transformiert wird, auf der sich der animalische Trieb in das unbeschreibliche Entzücken ekstatischer Wonne verflüchtigt.2 Diese nach oben sich ausdehnende Lava ist ein Sinnbild der Sexualität, die das Lebensrad (X – Glück) bewegt, eine zentrifugale Kraft, die gemäß dem ewigen Stirb und Werde-Prinzip alles aus seiner Mitte herausschleudert.
Die Schlangen am oberen Bildrand verkörpern nach Crowley die Zehn Hörner des Biests, die sich in alle Welt verstreuen, um die Welt zu zerstören und wieder zu erneuern.5 Es ist der Weg des winzigen Erdlings, wenn er als eigenständiges Wesen der Gralsurne entsteigt, dass er alles zerstören muss, um die Zusammenhänge zu erkennen und sich durch die anschließende Auseinandersetzung mit den Dingen weiter zu entwickeln: eine schöpferische Notwendigkeit, damit der Mensch wachsen und sich entfalten kann. Liebe und Zerstörung, Anziehung und Abstoßung, Geburt und Tod sind die fossilen Schicksalsmuster, durch deren Webknoten sich das Leben schicksalhaft dreht und bewegt. Eine der schönsten Gaben dieser Karte besteht darin, dass sie die Menschen nicht nur in die Liebe verliebt, sondern auch von der Lust erfüllt macht; das ist die Voraussetzung der schöpferischen Absicht, damit die Fortpflanzung überhaupt funktioniert. Liebe und Lust stellen die wesentlichen Bahnen dar, durch die unsere natürliche Lebensfreude strömen kann. Es ist nicht möglich, ein erfülltes Leben ohne Liebe im weiteren Sinne der Freude am Leben und am Tod als Voraussetzung zur Wiedergeburt selbst zu führen.
Unter den Füßen des Tieres sehen wir die Schwachen, die Sozialempfänger und gesellschaftlichen Versager, die sich an die Bedingungen des Zeitgeistes nicht anpassen konnten und unter die Räder des Fortschritts gekommen sind. Auf der geistigen Ebene sind es die Heiligen und die Trauernden im Geiste, die demütig in sich versunken sind und über die das wilde Tier in seiner unbarmherzigen Raserei wie eine Stampede hinweggetrampelt ist. Die Offenbarung schreibt: Und es wurde ihm erlaubt, mit den Heiligen zu kämpfen und sie zu besiegen (Offenb. 13,7). Damit knüpft sich eine Verbindung zum Liber Legis. In Vers II/21 können wir lesen: Wir haben nichts zu tun mit den Ausgestoßenen und den Untauglichen: Lasst sie in ihrem Trübsal sterben. Denn sie fühlen nicht. Mitleid ist das Laster der Könige. Trampelt nieder die Erbärmlichen und Schwachen. Dies ist das Gesetz der Starken. Dies sind unser Gesetz und die Freude der Welt.
Manche Leser mögen denken, dass die Karte Lust ein wenig aufdringlich erscheint. Das ist in der Tat nicht falsch: Instinkt ist nichts Feinsinniges, und es gibt auch keinen Grund, dass es anders sein sollte. Niemand missgönnt den Ekstatischen ihre Erregung oder das Glück; allerdings schrecken viele vor der Andeutung manisch übertriebener Freude zurück, die Crowley dieser Karte lustvoll angedeihen lässt:
Ich bin die Schlange, die Wissen und Wonne gibt und strahlenden Glanz, und ich schüre die Herzen der Menschen mit Trunkenheit. Zu meiner Verehrung nehmt Wein und seltene Drogen und berauscht euch daran. Sie sollen euch überhaupt kein Leid zufügen. Sie ist eine Lüge, diese Narrheit gegen das Selbst. Die Zurschaustellung der Unschuld ist eine Lüge. Sei stark, o Mensch! Genieße und erfreue dich an allen Dingen der Sinne und Wonne. Fürchte nicht, dass ein Gott dich darum verleugne.
Liber Legis II/22