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Kitabı oku: «Das Halsband der Königin Denkwürdigkeiten eines Arztes 2», sayfa 18

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Das war das Verderben dieses erhabenen Mannes. Er machte sich nicht nur minder stark, als er war, er machte sich zum Pygmäen; zwischen Maria Theresia und Jeanne war der Unterschied zu groß, als daß ein Rohan von diesem Schlag sich die Mühe gegeben hätte, zu kämpfen.

Sobald der Kampf begonnen hatte, hütete sich Jeanne, welche ihre scheinbar geringere Kraft fühlte, wohl, ihre wirkliche Überlegenheit sehen zu lassen; sie spielte beständig die gefallsüchtige Provinzialin, sie spielte das einfältige Weib, um sich einen auf seine Stärke vertrauenden und darum in seinen Angriffen schwachen Gegner zu erhalten.

Der Cardinal, der bei ihr alle Bewegungen erlauert hatte, die sie nicht zu bewältigen im Stande gewesen war, hielt sie für berauscht von der Gegenwart, die er ihr geschaffen; sie war es in der That, denn die Gegenwart stand nicht nur über ihren Hoffnungen, sondern sogar über ihren Anmaßungen.

Nur vergaß er, daß er unter dem Ehrgeiz und dem Stolz einer Frau wie Jeanne war.

Was bei ihr bald den Rausch vertrieb, war die Reihenfolge neuer Wünsche und Begierden, welche unmittelbar an die Stelle der alten traten.

»Auf!« sagte der Cardinal, während er der Gräfin ein Glas Cyperwein in einen kleinen Crystallkelch mit goldenen Sternen goß, »auf, da Sie Ihren Vertrag mit mir unterzeichnet haben, schmollen Sie nicht mehr, Gräfin.«

»Ihnen schmollen, oh! nein.«

»Sie werden mich also zuweilen ohne zu großes Widerstreben hier empfangen?«

»Nie werde ich so undankbar sein, zu vergessen, daß Sie hier in Ihrem Hause sind, Monseigneur.«

»In meinem Hause, Tollheit!«

»Nein, nein, in Ihrem Hause, sehr in Ihrem Hause.«

»Ah! wenn Sie mir entgegen sind … nehmen Sie sich in Acht!«

»Nun! was wird geschehen?« – »Ich werde Ihnen andere Bedingungen auferlegen.« – »Ah! nehmen Sie sich ebenfalls in Acht!« – »Wovor?« – »Vor Allem.« – »Sprechen Sie.« – »Ich bin in meinem Hause.« – »Und…«

»Und wenn ich Ihre Bedingungen unvernünftig finde, so rufe ich meine Leute.«

Der Cardinal lachte.

»Nun! Sie sehen?« sagte sie.

»Ich sehe gar nichts,« erwiderte der Cardinal.

»Doch, Sie sehen wohl, daß Sie meiner spotteten.«

»Wie so?«

»Sie lachen!«

»Das ist der Augenblick, wie mir scheint.«

»Ja, es ist der Augenblick, denn Sie wissen wohl, daß, wenn ich meine Leute riefe, diese nicht kämen.«

»Oh! doch, der Teufel soll mich holen.«

»Pfui! Monseigneur.«

»Was habe ich denn gethan?«

»Sie haben geflucht, Monseigneur.«

»Ich bin nicht mehr Cardinal hier, Gräfin; ich bin bei Ihnen, das heißt im Glück.«

Und er lachte abermals.

»Ah! das ist entschieden ein vortrefflicher Mensch,« dachte die Gräfin.

»Ei! sagen Sie,« sprach plötzlich der Cardinal, als ob ein Gedanke, der sehr weit von seinem Geiste entfernt gewesen, zufällig in diesen zurückgekehrt wäre, »was erzählten Sie mir doch neulich von jenen zwei wohlthätigen Damen, von den zwei Deutschen?«

»Von den zwei Damen mit dem Porträt?« erwiderte Jeanne, welche, da sie die Königin gesehen, die Parade erlangte und sich zum Gegenstoß bereit hielt.

»Ja, von den Damen mit dem Porträt.«

»Monseigneur,« antwortete Jeanne, den Cardinal anschauend, »Sie kennen sie ebenso gut und sogar besser als ich, darauf wette ich.«

»Ich? Oh! Gräfin, Sie thun mir Unrecht. Wünschten Sie nicht, wie es schien, zu wissen, wer sie sind?«

»Allerdings, mich dünkt, es ist sehr natürlich, daß man seine Wohltäterinnen kennen zu lernen wünscht.«

»Nun, wenn ich wüßte, wer sie sind, so wüßten Sie es auch schon.«

»Herr Cardinal, Sie kennen diese Damen, sage ich Ihnen.«

»Nein.«

»Noch ein Nein, und ich nenne Sie einen Lügner.«

»Oh! und ich räche mich für die Beleidigung.«

»Wie? wenn ich fragen darf.«

»Durch einen Kuß.«

»Mein Herr Botschafter am Hofe zu Wien, mein Herr Freund der Kaiserin Maria Theresia, mir scheint, wenn es nicht sehr unähnlich ist, mußten Sie das Porträt Ihrer Freundin erkennen.«

»Wie, in der That, Gräfin, es war das Porträt Maria Theresia's?«

»Oh! spielen Sie doch den Unwissenden, Herr Diplomat.«

»Nun denn, wenn dem so wäre, wenn ich die Kaiserin Maria Theresia erkannt hätte, wohin würde uns das führen?«

»Ist das Porträt Maria Theresia's von Ihnen erkannt worden, so müssen Sie einen Verdacht in Beziehung auf die Damen haben, denen ein solches Porträt gehört.«

»Aber warum soll ich denn das wissen?« versetzte der Cardinal ziemlich unruhig.

»Ah! weil es nicht sehr gewöhnlich ist, das Porträt einer Mutter – denn bemerken Sie wohl, daß dieses Porträt das Porträt einer Mutter und nicht einer Kaiserin ist – in anderen Händen zu sehen, als in denen…«

»Vollenden Sie.«

»Als in denen einer Tochter.«

»Die Königin!« rief Louis von Rohan mit einer Wahrheit der Betonung, von der Jeanne bethört wurde. »Die Königin! Ihre Majestät wäre bei Ihnen gewesen?«

»Wie! hatten Sie nicht errathen, daß sie es war, mein Herr?«

»Mein Gott! nein,« sprach der Cardinal in vollkommen einfachem Ton; »es ist in Deutschland Gewohnheit, daß die Porträts der regierenden Fürsten von Familie zu Familie übergehen. Ich, zum Beispiel, der ich mit Ihnen spreche, bin weder der Sohn, noch der Bruder, noch sogar ein Verwandter Maria Theresia's und habe dennoch ein Porträt von ihr bei mir.«

»Sie haben ein Porträt von ihr bei sich, Monseigneur?«

»Sehen Sie,« sprach kalt der Cardinal.

Und er zog aus seiner Tasche eine Tabatière und zeigte sie Jeanne.

»Sie sehen wohl,« fügte er bei, »daß, wenn ich dieses Porträt habe, während ich mich doch, wie ich Ihnen sagte, nicht der Ehre erfreue, von der kaiserlichen Familie zu sein, ein Anderer als ich es bei Ihnen vergessen haben kann, ohne deßhalb dem erhabenen Hause Oesterreich anzugehören.«

Jeanne schwieg verlegen. Sie besaß alle Instincte bei Diplomatie, aber die Praxis fehlte ihr noch.

»Ihrer Ansicht nach,« fuhr der Prinz Louis fort, »Ihrer Ansicht nach ist es also die Königin Marie Antoinette, die Ihnen einen Besuch gemacht hat?«

»Die Königin mit einer andern Dame.«

»Frau von Polignac?«

»Ich weiß es nicht.«

»Frau von Lamballe?«

»Eine sehr schöne und sehr ernste junge Frau.«

»Fräulein von Taverney vielleicht?«

»Es ist möglich, ich kenne sie nicht.«

»Hat Ihre Majestät Ihnen einen Besuch gemacht, so sind Sie nun der Protection der Königin sicher. Das ist ein großer Schritt zu Ihrem Glück.«

»Ich denke so, Monseigneur.«

»Ist Ihre Majestät, verzeihen Sie mir diese Frage, freigebig gegen Sie gewesen?«

»Sie hat mir ungefähr hundert Louisd'or gegeben.«

»Oh! Ihre Majestät ist nicht reich, besonders in diesem Augenblick.«

»Das verdoppelt meine Dankbarkeit.«

»Und hat sie Ihnen eine besondere Theilnahme bezeigt?«

»Eine ziemlich lebhafte.«

»Dann geht Alles gut,« sprach nachdenkend der Prälat, der den Schützling vergaß, um an die Beschützerin zu denken, »Sie haben nur Eines zu thun.«

»Was?«

»Sich Eintritt in Versailles zu verschaffen.«

Die Gräfin lächelte.

»Ah! verhehlen wir es nicht, Gräfin, hierin liegt die wahre Schwierigkeit.«

Der Cardinal lächelte ebenfalls.

»In der That,« sagte er, »Ihr Leute aus der Provinz zweifelt nie an Etwas. Weil Sie Versailles mit Gittern, die sich öffnen, und mit Treppen, die man hinaufsteigt, gesehen haben, bilden Sie sich ein, Jedermann öffne diese Gitter und Jedermann steige die Treppen hinauf. Haben Sie alle die Ungeheuer von Erz, Marmor oder Blei gesehen, mit denen der Park und die Terrassen von Versailles ausgestattet sind?«

»Ja, Monseigneur.«

»Die Hippogryphen, die Chimären, die Gorgonen und andere bösartige Thiere, die es dort zu Hunderten gibt; nun wohl! denken Sie sich zehnmal mehr boshafte lebendige Thiere zwischen den Fürsten und ihren Wohlthaten, als Sie künstliche Ungeheuer zwischen den Blumen des Gartens und den Vorübergehenden gesehen haben.«

»Eure Eminenz würde mir wohl zum Durchgang durch die Reihen dieser Ungeheuer verhelfen, wenn sie mir den Weg versperrten?«

»Ich würde es versuchen, doch es dürfte mir viel Beschwerden machen. Und vor Allem, wenn Sie meinen Namen aussprächen, wenn Sie Ihren Talisman entdeckten, so wäre er Ihnen nach Verlauf von zwei Besuchen unnütz geworden.«

»Zum Glück bin ich von dieser Seite durch die unmittelbare Protection der Königin gesichert,« sagte die Gräfin, »und wenn ich in Versailles eindringe, so komme ich mit dem guten Schlüssel hinein.«

»Welchen Schlüssel meinen Sie, Gräfin?«

»Ah! Herr Cardinal, das ist mein Geheimniß … Nein, ich irre mich; wenn es mein Geheimniß wäre, so würde ich es Ihnen sagen, denn vor meinem liebenswürdigen Beschützer will ich nichts verborgen halten.«

»Es gibt hier ein Aber, Gräfin?«

»Leider ja, Monseigneur, es gibt ein Aber … da es aber nicht mein Geheimniß ist, so bewahre ich es. Es genüge Ihnen, zu wissen…«

»Was denn?«

»Daß ich mich morgen nach Versailles begeben werde; daß man mich empfangen, und zwar, ich habe alle Ursache, dieß zu glauben, gut empfangen wird, Monseigneur.«

Der Cardinal schaute die junge Frau an, deren Entschiedenheit ihm wie eine etwas unmittelbare Folge der ersten Dünste des Abendbrods vorkam.

»Gräfin,« sagte er lachend, »wir werden sehen, ob Sie hinein kommen.«

»Werden Sie die Neugierde so weit treiben, daß Sie mir folgen lassen?«

»Ganz gewiß.«

»Ich widerrufe nicht.«

»Mißtrauen Sie, Gräfin; von morgen an erkläre ich Ihre Ehre dabei betheiligt, daß Ihnen der Eintritt in Versailles gestattet wird.«

»In die kleinen Gemächer, ja, Monseigneur.«

»Ich versichere Sie, Gräfin, daß Sie ein lebendiges Räthsel für mich sind.«

»Eines von den kleinen Ungeheuern, die den Park von Versailles bewohnen?«

»Oh! nicht wahr, Sie halten mich für einen Mann von Geschmack?«

»Ja, gewiß, Monseigneur.«

»Wohl denn, da ich hier vor Ihnen kniee, da ich Ihre Hand nehme und küsse, so kann ich nicht mehr glauben, ich drücke meine Lippen auf einen Greif oder lege meine Hand auf den Schwanz eines Schuppenfisches.«

»Monseigneur,« erwiderte Jeanne mit kaltem Tone, »ich bitte Sie inständig, erinnern Sie sich, daß ich weder eine Grisette noch ein Mädchen von der Oper bin, das heißt, daß ich ganz mir gehöre, wenn ich nicht meinem Gatten gehöre, und daß ich mich jedem Menschen in diesem Königreich gleich fühle, frei und nach meinem eigenen Willen, so bald es mir beliebt, den Mann, der mir zu gefallen gewußt hat, nehmen werde. Achten Sie mich also ein wenig, Monseigneur, Sie werden damit den Adel achten, dem wir Beide angehören.«

Der Cardinal erhob sich und sprach:

»Ah! gut, Sie wollen, daß ich Sie im Ernste liebe?«

»Ich sage das nicht, Herr Cardinal, aber ich will Sie lieben. Glauben Sie mir, wenn der Augenblick gekommen ist, werden Sie es leicht errathen. Ich werde es Ihnen zu wissen thun, falls Sie es nicht selbst wahrnehmen würden, denn ich fühle mich jung genug, leidlich genug, um einige Avancen von meiner eigenen Seite nicht fürchten zu müssen. Ein ehrlicher Mann wird mich nicht zurückstoßen.«

»Gräfin,« sprach der Cardinal, »ich versichere Sie, daß Sie mich lieben werden, wenn es nur von mir abhängt»

»Wir werden sehen.«

»Nicht wahr, Sie hegen schon Freundschaft für mich?«

»Mehr.«

»Wahrhaftig, dann haben wir den halben Weg zurückgelegt.«

»Machen wir nicht Meilenschritte, gehen wir.«

»Gräfin, Sie sind eine Frau, die ich anbeten würde…«

Und er seufzte.

»Die ich anbeten würde?…« sagte sie erstaunt, »wenn?…«

»Wenn Sie es erlaubten,« beeilte sich der Cardinal zu antworten.

»Monseigneur, ich werde es Ihnen vielleicht erlauben, wenn mir das Glück lange genug zugelächelt hat, daß Sie es sich erlassen, vor mir auf die Kniee zu fallen und mir so vor der Zeit die Hände zu küssen.«

»Wie?«

»Ja, wenn ich einmal über Ihren Wohlthaten stehe, werden Sie nicht mehr argwöhnen, ich wünsche Ihre Besuche aus irgend einem Interesse; Ihre Absichten auf mich werden einen edleren Character annehmen, ich werde dabei gewinnen, Monseigneur, und Sie werden nichts dabei verlieren.«

Sie stand abermals auf, denn sie hatte sich wieder gesetzt, um ihre Moral besser vorzutragen.

»Damit schließen Sie mich in Unmöglichkeiten ein,« sprach der Cardinal.

»Wie so?«

»Sie verhindern mich, Ihnen den Hof zu machen.«

»Nicht im Geringsten; gibt es, um einer Frau den Hof zu machen, nur das Mittel der Kniebeugung und des Blendwerks?«

»Fangen wir rasch an, Gräfin. Was wollen Sie mir gestatten?«

»Alles, was mit meinem Geschmack und mit meinen Pflichten verträglich ist.«

»Ho! ho! Sie nehmen da die zwei unbestimmtesten Gebiete, die es auf der Welt gibt.«

»Sie haben Unrecht gehabt, mich zu unterbrechen, Monseigneur, ich war im Begriff, ein drittes beizufügen.«

»Guter Gott! welches?«

»Das meiner Launen.«

»Ich bin verloren.«

»Sie weichen zurück?«

Der Cardinal unterlag in diesem Augenblick viel weniger der Richtung seines eigenen Gedankens, als der Zaubermacht dieses herausfordernden Weibes.

»Nein,« sagte er, »ich werde nicht zurückweichen.«

»Weder vor meinen Pflichten?«

»Noch vor Ihrem Geschmack, noch vor Ihren Launen.«

»Der Beweis?«

»Sprechen Sie.«

»Ich will heute Abend auf den Opernball gehen.«

»Das ist Ihre Sache, Gräfin, Sie sind frei wie die Luft, und ich weiß nicht, was Sie abhalten sollte, auf den Opernball zu gehen.«

»Einen Augenblick Geduld, Monseigneur, Sie sehen nur die Hälfte meines Wunsches; die andere ist, daß Sie auch dahin kommen.«

»Ich! in die Oper … oh! Gräfin!«

Und der Cardinal machte eine Bewegung, welche, ganz einfach für einen gewöhnlichen Privatmann, für einen Rohan von diesem Rang ein ungeheurer Sprung war.

»Oh! wie Sie mir schon zu gefallen suchen!« sagte die Gräfin.

»Ein Cardinal geht nicht auf den Opernball, Gräfin; das ist, als schlüge ich Ihnen vor, in eine Gassenschenke zu gehen.«

»Nicht wahr, ein Cardinal tanzt auch nicht?«

»Oh! … nein!«

»Nun, warum habe ich denn gelesen, der Herr Cardinal von Richelieu habe eine Sarabande getanzt?«

»Vor Anna von Oesterreich,« entschlüpfte dem Prinzen.

»Es ist wahr, nur vor einer Königin,« sprach Jeanne, den Cardinal fest anschauend. »Wohl! Sie würden das vielleicht für eine Königin thun…«

Der Prinz konnte sich, so gewandt, so stark er auch war, des Erröthens nicht erwehren.

Hatte das boshafte Geschöpf Mitleid mit seiner Verlegenheit, dünkte es ihm zuträglich, dieses Mißbehagen nicht zu verlängern, rasch fügte die Gräfin bei:

»Warum sollte ich mich nicht verletzt fühlen, wenn Sie mich mit Betheuerungen überströmen und ich doch sehen muß, daß Sie mich weniger schätzen, als eine Königin, wenn es sich darum handelt, unter einem Domino und unter einer Larve verborgen zu sein, wenn es sich darum handelt, in meinen Augen mit einer Gefälligkeit, die ich nicht genug anzuerkennen vermöchte, einen jener Riesenschritte zu thun, mit denen sich Ihr Meilenschritt von vorhin nie zu messen vermöchte?«

Glücklich, so wohlfeilen Kaufes durchzukommen, glücklich besonders über den beständigen Sieg, den ihn die Geschicklichkeit Jeanne's bei jeder Unbesonnenheit davon tragen ließ, ergriff der Cardinal die Hand der Gräfin und drückte sie voll Inbrunst.

»Für Sie Alles, selbst das Unmögliche,« sprach er.

»Meinen Dank, Monseigneur, der Mann, der dieses Opfer für mich gebracht hat, ist ein sehr kostbarer Freund, ich entbinde Sie der Frohne, nun, da Sie sich derselben unterzogen haben.«

»Nein, nein, nur derjenige kann den Lohn fordern, welcher seine Aufgabe vollbracht hat. Gräfin, ich folge Ihnen, doch im Domino.«

»Wir fahren in die Rue Saint-Denis, die in der Nähe des Opernhauses ist; ich trete verlarvt in ein Magazin und laufe für Sie Domino und Maske; Sie kleiden sich im Wagen…«

»Gräfin, wissen Sie, daß dieß eine reizende Partie ist?«

»Oh! Monseigneur, Sie sind von einer Güte gegen mich, die mich ganz verwirrt. Doch, da fällt mir eben ein, vielleicht hätte Eure Eminenz im Hotel Rohan einen Domino gefunden, der mehr nach Ihrem Geschmack gewesen wäre, als der, welchen wir laufen wollten.«

»Das ist eine unverzeihliche Bosheit, Gräfin. Wenn ich auf den Opernball gehe, so glauben Sie mir Eines…«

»Was, Monseigneur?«

»Daß ich eben so erstaunt sein werde, mich dort zu sehen, als Sie es waren, unter vier Augen mit einem andern Mann, als Ihrem Gatten, zu Nacht zu speisen.«

Jeanne fühlte, daß sie nichts zu antworten hatte; sie dankte.

Ein Wagen ohne Wappen nahm vor der kleinen Hausthüre die zwei Flüchtlinge auf und schlug in scharfem Trab den Weg nach den Boulevards ein.

XXII.
Einige Worte über die Oper

Die Oper, dieser Tempel des Vergnügens in Paris, war im Juni 1781 abgebrannt.

Zwanzig Personen waren unter den Trümmern umgekommen, und da dieses Unglück sich seit achtzehn Jahren zum zweiten Mal ereignete, so erschien der gewöhnliche Ort der Oper, das Palais Royal, als unheilvoll für die Pariser Freuden, und eine königliche Ordonnanz wies ihr eine andere Stelle in einem minder centralen Quartier an.

Sie gereichte den Nachbarinnen zur Beängstigung, diese Stadt von Leinwand und weißem Holz, von Cartons und Malereien. Gesund und wohlbehalten entflammte die Oper die Herzen der Geldmänner und der Leute vom Stand, sie brachte Vermögen und Rang in andere Hände. Die Oper im Brand konnte ein Quartier, die ganze Stadt zerstören. Es handelte sich nur um einen Windstoß.

Die Oertlichkeit, die man wählte, war die Porte Saint-Martin. Der König, den es peinigte, daß seine gute Stadt Paris lange der Oper entbehren sollte, wurde traurig, wie er es immer wurde, wenn die Getreidezufuhren nicht ankamen, oder wenn der Brodpreis sieben Sous für vier Pfund überstieg.

Man mußte den ganzen alten Adel und die ganze junge Rechtsgelehrsamkeit, das ganze Militär und die ganze Geldaristocratie durch diese Leere am Abend aus dem Geleise gebracht sehen, man mußte auf den Promenaden die ihres Zufluchtsortes beraubten Gottheiten von den untersten Stufen bis zur ersten Sängerin umherirren sehen.

Um den König und auch ein wenig die Königin zu trösten, ließ man Ihre Majestäten einen Baumeister, Herrn Lenoir, sehen, der Wunderdinge versprach.

Dieser wackere Mann hatte neue Pläne, ein so vollkommenes Circulationssystem, daß selbst im Fall eines Brandes Niemand in den Gängen erstickt werden konnte. Er öffnete acht Thüren für die Flüchtlinge, abgesehen von einem ersten Stock mit fünf breiten und so niedrigen Fenstern, daß selbst die Feigsten auf das Boulevard springen konnten, ohne etwas Anderes als Verrenkungen zu befürchten.

Herr Lenoir gab, um den schönen Saal von Moreau und die Gemälde von Durameaux zu ersetzen, ein Gebäude von sechsundneunzig Fuß Façade auf dem Boulevard, eine Façade, geschmückt mit acht Karnatiden, die an Pfeiler angelehnt waren, um drei Eintrittsthore zu bilden; acht auf der Unterlage ruhende Säulen; ein Basrelief über den Capitälern, einen Balcon mit drei durch Archivolten verzierten Kreuzstöcken.

Die Scene sollte sechsunddreißig Fuß Oeffnung, das Theater zweiundsiebzig Fuß Tiefe und vierundachtzig in seiner Breite von einer Mauer zur andern haben.

Die Foyers sollten mit Spiegeln von einfacher, aber edler Decoration geschmückt werden.

In der ganzen Breite des Saales, unter dem Orchester, wollte Herr Lenoir einen Raum von zwölf Fuß für ein ungeheures Reservoir und zwei Hauptpumpen bestimmen, für deren Bedienung zwanzig Mann aufgestellt sein sollten.

Um das Maß voll zu machen, verlangte der Baumeister fünfundsiebenzig Tage und fünfundsiebenzig Nächte, worauf der Saal dem Publicum übergeben werden sollte, nicht eine Stunde mehr oder weniger.

Dieser letzte Artikel schien eine Gasconnade zu sein; man lachte Anfangs viel darüber, aber der König machte seine Berechnung mit Herrn Lenoir und bewilligte Alles.

Herr Lenoir schritt zum Werke und hielt sein Versprechen. Der Saal war in der verabredeten Frist vollendet.

Doch das Publicum, das nie befriedigt oder beruhigt ist, bedachte nun, der Saal sei von Holz gebaut, das einzige Mittel, schnell zu bauen, die Schnelligkeit sei aber eine Bedingung der Schwäche und die neue Oper folglich nicht solid. Dieses Theater, nach dem man so sehr geseufzt, das die Neugierigen Balken für Balken sich hatten erheben sehen, dieses Monument, zu dem jeden Abend ganz Paris geströmt war, um seine Zunahme zu beschauen und sich zum Voraus seinen Platz darin zu bestimmen – Niemand wollte hinein, als es vollendet war. Die Verwegensten, die Wahnsinnigsten nahmen ihre Billets zu der ersten Vorstellung von Adele von Panthieu, Musik von Piccini, machten aber zu gleicher Zeit ihr Testament.

Als der Baumeister dieß sah, nahm er seine Zuflucht zum König, der ihm eine Idee gab.

»Die Feigherzigen in Frankreich sind die Leute, welche bezahlen,« sagte Seine Majestät; »diese wollen Ihnen wohl eine Rente von zehntausend Livres geben und sich im Gedränge ersticken lassen, aber sie wollen sich nicht der Gefahr aussetzen, unter den einstürzenden Plafonds begraben zu werden. Lassen Sie mir diese Leute und laden Sie nur die Muthigen ein, welche nicht bezahlen. Die Königin hat mir einen Dauphin geschenkt, die Stadt schwimmt in Freude. Lassen Sie ankündigen, zur frohen Feier der Geburt meines Sohnes werde die Oper durch ein Schauspiel mit freiem Eintritt eröffnet, und wenn zweitausendfünfhundert zusammengehäufte Personen, das heißt eine Mittelsumme von dreimalhunderttausend Pfund ihnen nicht genügen, um die Solidität zu beweisen, so bitten Sie alle diese kräftigen Bursche, sich ein wenig zu tummeln; Sie wissen, Herr Lenoir, daß sich das Gewicht verfünffacht, wenn es um vier Zoll fällt. Ihre zweitausendfünfhundert Brave werden fünfzehntausend Centner wiegen, wenn Sie sie tanzen lassen; geben Sie also einen Ball nach dem Schauspiel.«

»Sire, ich danke,« erwiderte der Architect.

»Zuvor bedenken Sie aber, das wird schwer sein.«

»Sire, ich bin meiner Sache sicher und werde auf diesen Ball gehen.«

»Ich,« sagte der König, »ich verspreche Ihnen, der zweiten Vorstellung beizuwohnen.«

Der Baumeister befolgte den Rath des Königs. Man spielte Adele von Ponthieu vor dreitausend Plebejern, welche mehr Beifall klatschten, als Könige.

Die Plebejer waren es wohl zufrieden nach dem Schauspiel zu tanzen und sich bedeutend zu belustigen. Sie verzehnfachten ihr Gewicht, statt es zu verfünffachen.

Nichts rührte sich im Saal.

Hätte man ein Unglück zu fürchten gehabt, so wäre es bei den nachfolgenden Vorstellungen gewesen, denn die Furchtsamen der hohen Stände füllten diesen Saal, in den sich drei Jahre nach seiner Eröffnung der Herr Cardinal von Rohan und Frau von La Mothe zum Ball begaben.

Dieß war der Eingang, den wir unsern Lesern schuldeten; nun aber suchen wir unsere Personen wieder auf.

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04 aralık 2019
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