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Kitabı oku: «Das Halsband der Königin Denkwürdigkeiten eines Arztes 2», sayfa 17
Fünftes bis neuntes Bändchen
XIX.
Herr Beausire
Oliva warf sich einem wüthenden Menschen entgegen, der mit ausgestreckten Händen, bleichem Gesicht und in ungeordnetem Anzug, heisere Verwünschungen ausstoßend, in die Wohnung hereinstürzte.
»Beausire, was gibt es, Beausire?« sagte sie mit einer Stimme, die nicht erschrocken genug klang, um dem Muthe dieses Weibes Eintrag zu thun.
»Laß mich los!« rief der Eintretende, während er sich mit roher Gewalt von der Umschlingung Oliva's befreite.
Und mit einem sich steigernden Ton fuhr er fort:
»Ah! weil ein Mann hier ist, öffnete man mir die Thüre nicht. Ah! ah!«
Der Unbekannte war erwähnter Maßen in ruhiger, unbeweglicher Haltung auf dem Sopha geblieben, in einer Haltung, welche Herrn Beausire wie Unentschlossenheit oder sogar wie Schrecken vorkommen mußte.
Mit einem Zähnefletschen von schlimmer Vorbedeutung trat er vor den Unbekannten und rief:
»Ich denke, Sie werden mir antworten, mein Herr!«
»Was soll ich Ihnen sagen, mein lieber Herr Beausire?« erwiderte der Andere.
»Was machen Sie hier, und vor Allem, wer sind Sie?«
»Ich bin ein ruhiger Mann, gegen den Sie furchtbare Augen machen, und dann plauderte ich mit dieser Dame in allen Ehren.«
»Ja, ja, gewiß in allen Ehren,« murmelte Oliva.
»Willst Du wohl schweigen!« brüllte Beausire.
»Stille, stille!« sagte der Unbekannte, »schnauzen Sie Madame nicht so heftig an, sie ist vollkommen unschuldig, und wenn Sie übler Laune sind…«
»Ja, das bin ich.«
»Er wird im Spiel verloren haben,« flüsterte Oliva.
»Mord und Teufel, ich bin ausgeplündert!« brüllte Beausire.
»Und es wäre Ihnen nicht unangenehm, jetzt auch Jemand auszuplündern,« versetzte lächelnd der Unbekannte. »Das läßt sich begreifen, mein lieber Herr Beausire.«
»Genug der schlechten Späße! Und nun machen Sie mir das Vergnügen und packen Sie sich.«
»Oh! Herr Beausire, Nachsicht!«
»Tod und alle Teufel der Hölle! Stehen Sie auf und gehen Sie, oder ich zerschmettere den Sopha und Alles, was darauf ist.«
»Ah! Mademoiselle, Sie haben mir nichts davon gesagt, daß Herr Beausire solche närrische Grillen hat. Mein Gott! welches Ungestüm!«
Außer sich, machte Beausire eine große Comödienbewegung und beschrieb, um den Degen zu ziehen, mit den Armen und der Klinge einen Kreis von wenigstens zehn Fuß im Umfang.
»Ich sage Ihnen noch einmal,« rief er. »stehen Sie auf, ober ich nagle Sie an die Lehne.«
»Wahrhaftig, man ist sehr unangenehm.« erwiderte der Unbekannte, während er sachte und nur mit der linken Hand den kleinen Degen, den er hinter sich auf dem Sopha verborgen hatte, aus der Scheide zog.
Oliva stieß durchdringende Schreie aus.
»Ah! Mademoiselle, schweigen Sie,« sprach der ruhige Mann, der endlich den Degen in der Faust hatte, ohne daß er von seinem Sitze aufgestanden war; »schweigen Sie, denn es werden zwei Dinge geschehen, einmal werden Sie Herrn Beausire betäuben und er wird sich spießen lassen; dann wird die Scharwache heraufkommen, Sie packen und geraden Weges nach Saint-Lazare führen.«
Oliva ersetzte die Schreie durch eine äußerst ausdrucksvolle Pantomime.
Es war ein seltsames Schauspiel. Auf der einen Seite führte Herr Beausire, beschmutzt, betrunken, zitternd vor Wuth, Stöße ohne Richtung, ohne Taktik auf einen undurchdringlichen Gegner.
Auf der andern ein Mann auf dem Sopha sitzend, eine Hand auf dem Knie ausgestreckt, die andere bewaffnet, mit Behendigkeit parirend, ohne zu stoßen, und dergestalt lachend, daß Saint-Georges selbst darüber erschrocken wäre.
Beständig durch die Paraden des Gegners herumgetrieben, war Beausire's Degen keinen Augenblick im Stande, die Linie zu behaupten.
Beausire fing an müde zu werden, zu schnaufen, doch der Zorn hatte einer unwillkürlichen Angst Platz gemacht; er bedachte, daß es, wenn dieser gefällige Degen sich ausstrecken und ernstlich ihm zu Leibe gehen wollte, um ihn, Beausire, geschehen wäre. Ein Bangen erfaßte ihn, er kam aus der Lage und berührte nur noch das äußerste Ende des Degens seines Gegners. Dieser faßte ihn kräftig in Terz, wand ihm den Degen aus der Hand und schnellte ihn wie eine Feder in die Luft.
Der Degen flog durch das Zimmer, durchbrach eine Fensterscheibe und verschwand außen.
Beausire wußte nicht mehr, welche Haltung er beobachten sollte.
»Ei! Herr Beausire,« sagte der Unbekannte, »wenn Ihr Degen mit der Spitze niederfällt und Jemand durchsticht, sind Sie ein Mann des Todes!«
Zum Bewußtsein zurückgerufen, lief Beausire nach der Thüre und stürzte die Treppe hinab, um seine Waffe wieder zu erwischen und einem Unglück zuvorzukommen, das ihn mit der Polizei entzweit hätte.
Mittlerweile ergriff Oliva die Hand des Siegers und sprach zu ihm:
»Oh! mein Herr, Sie sind sehr muthvoll; doch Herr Beausire ist ein Schurke, und wenn Sie bleiben, gefährden Sie mich; sobald Sie weggegangen sind, wird er mich sicherlich schlagen.«
»Dann bleibe ich.«
»Nein, nein, ich bitte inständig; wenn er mich schlägt, schlage ich ihn auch, und ich bin immer die Stärkere, doch das ist so, weil ich nichts zu schonen habe. Ich flehe Sie an, entfernen Sie sich.«
»Haben Sie Eines wohl im Auge, meine Schönste; gehe ich von hier weg, so lauert er mir unten oder auf der Treppe auf; man wird sich wieder schlagen; auf einer Treppe parirt man nicht immer mit so großer Sicherheit wie auf einem Canapee.«
»Nun, und dann?«
»Dann tödte ich Meister Beausire oder er tödtet mich.«
»Großer Gott! das ist wahr, wir hätten einen schönen Spectakel im Hause.«
»Dieß ist zu vermeiden: ich bleibe also.«
»Um des Himmels willen, entfernen Sie sich, gehen Sie in den oberen Stock hinauf, bis er wieder zu mir hereingekommen ist. Im Glauben, Sie hier zu finden, wird er nirgends suchen. Sobald er in meine Wohnung eingetreten ist, hören Sie mich die Thüre doppelt verschließen. Ich werde meinen Mann eingesperrt und den Schlüssel in meine Tasche gesteckt haben. Nehmen Sie dann Ihren Rückzug, indeß ich mich muthig schlage, um die Zeit auszufüllen.«
»Sie sind ein reizendes Mädchen, auf Wiedersehen!«
»Auf Wiedersehen! wann dieß?«
»Heute Nacht, wenn es Ihnen beliebt.«
»Wie, heute Nacht! Sind Sie verrückt?«
»Bei Gott, ja, heute Nacht. Ist nicht Ball im Opernhause?«
»Bedenken Sie, daß die Mitternachtsstunde schon geschlagen hat.«
»Ich weiß es wohl, doch was ist daran gelegen?«
»Man braucht Dominos.«
»Beausire wird holen, wenn Sie ihn durchgeprügelt haben.«
»Sie haben Recht,« versetzte Oliva lachend.
»Leben Sie wohl! Meinen Dank!«
Und sie schob ihn nach dem Ruheplatz.
»Gut! er schließt die Thüre unten,« sagte der Unbekannte.
»Es ist nur ein Riegel innen. Gehen Sie … er kommt herauf.«
»Doch wenn zufällig Sie geschlagen würden, wie konnten Sie mir es sagen lassen?«
Sie überlegte und antwortete dann:
»Sie müssen Bediente haben.«
»Ja, ich werde einen unter Ihre Fenster stellen.«
»Gut, und er wird in die Luft schauen, bis ihm ein Billetchen auf die Nase fällt.«
»So sei es. Gott befohlen!«
Der Unbekannte stieg in die oberen Stockwerke hinauf. Das ließ sich sehr leicht thun, die Treppe war finster, und Oliva bedeckte, indem sie mit lauter Stimme Beausire rief, das Geräusch der Tritte ihres neuen Mitschuldigen.
»Willst Du wohl kommen, Hirnverrückter!« rief sie Beausire zu, der nicht heraufging, ohne Betrachtungen über die moralische und physische Ueberlegenheit dieses Eindringlings anzustellen, welcher sich auf eine so unverschämte Weise in der Wohnung eines Andern eingenistet hatte.
Er gelangte indessen zu dem Stockwerk, wo ihn Oliva erwartete.
Er hatte den Degen in der Scheide und dachte über eine Rede nach, die er halten wollte.
Oliva nahm ihn bei den Schultern, stieß ihn in das Vorzimmer und schloß die Thüre doppelt, wie sie es versprochen hatte.
Der Unbekannte konnte, während er sich zurückzog, den Anfang eines Streites hören, in welchem durch ihren schallenden Ton, dem der Blechinstrumente im Orchester ähnlich, jene Schläge sich hervorheben, die man gewöhnlich und onomatopoetisch Kläpse nennt.
Mit den Kläpsen vermischten sich Schreie und Vorwürfe. Beausire's Stimme donnerte, die von Oliva erschütterte die Wände.
»In der That,« sagte der Unbekannte, indem er sich entfernte, »man hätte nie glauben sollen, daß diese Frau, welche die Ankunft des Gebieters vorhin so sehr verlegen machte, eine solche Widerstandskraft besäße.
Der Unbekannte verlor die Zeit nicht damit, daß er dem Ende der Scene folgte.
»Es waltet zu viel Wärme im Anfang der Scene ob, als daß die Entwickelung fern sein sollte.«
Er wandte sich um die Ecke der Rue d'Anjou-Dauphine, wo sein Wagen, der sich rückwärts in dieses Gäßchen hineingearbeitet hatte, seiner harrte.
Rasch sagte er ein Wort zu einem seiner Bedienten; dieser eilte weg, faßte Posto den Fenstern Oliva's gegenüber und verbarg sich im dichten Schatten einer kleinen Arcade, die den Gang eines alterthümlichen Hauses überdeckte.
So gestellt, konnte der Mann, der die beleuchteten Fenster sah, durch die Beweglichkeit der Silhouetten Alles beurtheilen, was im Innern vorging.
Die Anfangs sehr regsamen Bilder wurden allmälig ein wenig ruhig. Endlich blieb nur noch eines.
XX.
Das Gold
Man vernehme, was hinter diesen Vorhängen vorgegangen.
Zuerst war Beausire erstaunt, die Thüre mit dem Riegel verschließen zu sehen.
Dann erstaunt, Oliva so laut rufen zu hören.
Endlich noch mehr erstaunt, in das Zimmer einzutreten und seinen gewaltigen Nebenbuhler nicht darin zu finden.
Nachforschungen, Drohungen, Anforderung; da sich der Mensch verbarg, so hatte er Angst; hatte er Angst, so siegte Beausire.
Oliva nöthigte ihn, seine Nachforschungen einzustellen und auf ihre Frage zu antworten.
Ein wenig angefahren, nahm Beausire selbst einen stolzen Ton an.
Oliva, die ihr Schuldbewußtsein verloren hatte, weil der sichtbare Gegenstand des Verbrechens verschwunden war, quia corpus delicti aberat, wie der Text sagt, Oliva schrie so laut, daß Beausire, um sie zum Schweigen zu bringen, ihr die Hand auf den Mund drückte oder wenigstens drücken wollte.
Doch er täuschte sich; Oliva verstand die überredende und versöhnende Geberde Beausire's anders. Dieser raschen Hand, die sich nach ihrem Gesichte wandte, setzte sie eine Hand entgegen, die ebenso behend und leicht war, als kurz zuvor der Degen des Unbekannten gewesen.
Diese Hand parirte Quart und Terz, fuhr gerade aus und schlug Beausire auf die Wange.
Beausire that mit der rechten Hand einen Gegenschlag, der die beiden Hände Oliva's niederschlug und ihre linke Wange unter einem ärgerlichen Geräusch röthete.
Dieß war die Stelle der Verhandlung, welche der Unbekannte bei seinem Abgang vernommen hatte.
Eine so begonnene Erklärung führt, wie wir sagten, rasch eine Entwickelung herbei, eine Entwicklung indessen, die, so gut sie auch darzustellen sein mag, einer Menge von Vorbereitungen bedarf, um dramatische Wirkung zu haben.
Oliva erwiderte die Ohrfeige Beausire's durch ein schweres und gefährliches Wurfgeschoß: einen Porzellankrug; Beausire setzte dem Wurfgeschoß die radförmige Bewegung eines Stockes entgegen, der mehrere Tassen zerbrach, eine Kerze abstieß und am Ende die Schulter der jungen Frau traf.
Wüthend sprang diese auf Beausire los und preßte ihm die Gurgel zusammen. Der Unglückliche war genöthigt, zu packen, was er an der drohenden Oliva finden konnte.
Er zerriß einen Rock. Empfindlich für diese Schmach und diesen Verlust, ließ Oliva los und schleuderte Beausire zu Boden. Schäumend erhob er sich wieder.
Da sich jedoch der Werth eines Feindes nach der Vertheidigung ermißt, und die Vertheidigung sich stets Achtung erwirbt, selbst beim Sieger, so knüpfte Beausire, der viel Respect vor Oliva bekommen hatte, die mündliche Verhandlung da wieder an, wo er sie gelassen.
»Du bist ein abscheuliches Geschöpf,« sagte er, »Du richtest mich zu Grunde.«
»Du richtest mich zu Grunde,« erwiderte sie.
»Oh! ich richte sie zu Grunde! Sie hat nichts.«
»Sage, ich habe nichts mehr. Sage, Du habest Alles, was ich besessen, verkauft und verfressen, vertrunken und verspielt.«
»Und Du wagst es, mir meine Armuth vorzuwerfen?«
»Warum bist Du arm? Das ist ein Laster.«
»Ich werde Dir die Deinigen alle auf einmal abgewöhnen.«
»Durch Schläge etwa?«
Und Oliva schwang eine ziemlich schwere Feuerzange, bei deren Anblick Beausire zurückwich.
»Das fehlte Dir noch, Liebhaber anzunehmen!« sagte er.
»Und Du, wie nennst Du denn alle die Schufte, die in den Spielhäusern, wo Du Deine Tage und Nächte zubringst, bei Dir sitzen?«
»Ich spiele, um zu leben.«
»Und das gelingt Dir ganz hübsch: wir müssen verhungern; meiner Treu, eine reizende Industrie!«
»Und Du mit der Deinigen bist genöthigt, zu flennen, wenn man Dir ein Kleid zerreißt, weil Du nicht die Mittel hast, Dir ein anderes zu kaufen. Eine schöne Industrie, bei Gott!«
»Eine bessere, als die Deinige,« rief Oliva wüthend, »hier der Beweis.«
Und sie nahm aus ihrer Tasche eine Handvoll Gold und warf sie im Zimmer umher.
Die Louisd'or rollten auf ihren Rändern und zitterten auf ihren Flächen; die einen verbargen sich unter den Schränken, die anderen setzten ihre klingenden Evolutionen bis zu den Thüren fort. Wieder andere blieben bald ermüdet platt liegen und ließen ihre Bilder wie Feuerflitter glänzen.
Als Beausire diesen Metallregen auf dem Holz der Geräthe und auf dem Boden des Zimmers klingen hörte, wurde er wie von einem Schwindel, wir müßten eigentlich sagen, wie von einem Gewissensbiß ergriffen.
»Louisd'or, Doppellouisd'or!« rief er niedergeschmettert.
Oliva hielt zwischen ihren Fingern eine zweite Handvoll von diesem Metall. Sie schleuderte sie Beausire, der dadurch geblendet wurde, in's Gesicht und in die offenen Hände.
»Ho! ho!« rief er. »Wie reich sie ist, diese Oliva!«
»Das trägt mir meine Industrie ein,« erwiderte cynisch das Weib, während es mit einem gewaltigen Pantoffelschlage zugleich das Gold, das auf dem Boden umherlag, und Beausire, der niederkniete, um es zusammenzuraffen, zurückstieß.
»Sechzehn, siebenzehn, achtzehn,« sagte Beausire kichernd vor Freude.
»Elender!« brummte Oliva.
»Neunzehn, einundzwanzig, zweiundzwanzig.«
»Erbärmlicher Schlingel!«
»Dreiundzwanzig, vierundzwanzig, fünfundzwanzig.«
»Schuft.«
Hatte er nun gehört, war er erröthet, ohne zu hören, Beausire stand auf.
»Gut,« sprach er mit einem so ernsten Tone, daß nichts so sehr dem Komischen gleichen konnte, »gut, Mademoiselle, Sie machten also Ersparnisse, indem Sie es mir am Nothwendigen fehlen ließen.«
Etwas verwirrt, fand Oliva keine Antwort.
»Mich,« fuhr der Bursche fort, »mich ließen Sie mit zerrissenen Strümpfen, mit einem rothen Hut und aufgeschlitztem Futter umhergehen, während Sie Louisd'or in Ihrer Kasse aufbewahrten? Woher kommen diese Louisd'or? von dem Verkauf, den ich mit meinen Kleidern vornahm, als ich mein trauriges Geschick mit dem Ihrigen verband.«
»Schurke!« murmelte Oliva leise.
Und sie schleuderte ihm einen Blick voll Verachtung zu. Er erzürnte sich nicht darüber.
»Ich verzeihe Dir,« sprach er, »nicht Deinen Geiz, aber Deine Sparsamkeit.«
»Und vorhin wolltest Du mich umbringen.«
»Vorhin hatte ich Recht, jetzt hätte ich Unrecht.«
»Warum, wenn's beliebt?«
»Weil Du jetzt eine wahre Haushälterin bist, Du trägst der Haushaltung Etwas ein.«
»Ich sage Dir, Du bist ein Schuft.«
»Meine geliebte Oliva!«
»Und Du wirst mir das Gold zurückgeben.«
»Oh! meine Theuerste!«
»Du wirst es mir zurückgeben, oder ich renne Dir Deinen Degen durch den Leib.«
»Oliva!«
»Ja oder nein!«
»Nein, Oliva, ich werde nie zugeben, daß Du mir den Degen durch den Leib rennst.«
»Rühre Dich nicht, oder ich durchbohre Dich. Das Geld!«
»Schenke es mir!«
»Ah! Elender! ah! niedrige Creatur! Du bettelst. Du flehst mich um den Ertrag meiner schlechten Aufführung an! Ah! das nennt man einen Mann; ich habe Euch stets verachtet, Alle verachtet, hörst Du wohl? … mehr noch den, der gibt, als den, welcher empfängt.«
»Derjenige, welcher gibt, kann geben,« erwiderte Beausire mit ernstem Tone, »er ist glücklich. Ich habe Dir auch gegeben, Nicole.«
»Ich will nicht, daß man mich Nicole nennt.«
»Verzeih! Oliva. Ich sagte also, ich habe Dir gegeben, so lange ich gekonnt.«
»Schöne Freigebigkeit, silberne Ringe, sechs Louisd'or, zwei seidene Kleider, drei gestickte Sacktücher.«
»Das ist viel für einen Soldaten.«
»Schweig; die Ringe hattest Du einem Andern gestohlen, um sie mir anzubieten; die Louisd'or hat man Dir geborgt, und Du hast sie nie zurückgegeben; die seidenen Kleider…«
»Oliva! Oliva!«
»Gib mir mein Geld zurück.«
»Was willst Du dafür?«
»Das Doppelte.«
»Gut, es sei,« erwiderte der Bursche voll Ernst. »Ich gehe in's Spielhaus der Rue de Bussy und bringe Dir nicht bloß das Doppelte, sondern das Fünffache.«
Er machte ein paar Schritte gegen die Thüre. Sie packte ihn am Schooß seines mürben Rockes.
»Ah!« sagte er, »gut, der Rock ist zerrissen.«
»Desto besser, Du wirst einen neuen haben.«
»Sechs Louisd'or, Oliva, sechs Louisd'or! Gut, daß in der Rue de Bussy die Banquiers und Pointeurs im Punkte der Toilette nicht sehr streng sind.«
Oliva faßte ruhig den andern Rockschooß und riß ihn ebenfalls ab. Beausire wurde wüthend.
»Tod und Teufel,« schrie er, »Du machst, daß ich Dich umbringe. Die freche Person entkleidet mich ganz. Ich kann nicht mehr ausgehen.«
»Im Gegentheil, Du wirst auf der Stelle gehen.«
»Das wäre seltsam, ohne Rock.«
»Du ziehst Deinen Winterüberrock an.«
»Durchlöchert, geflickt?«
»Du ziehst ihn nicht an, wenn Dir das lieber ist. Doch Du wirst gehen.«
»Nie.«
Oliva nahm aus ihrer Tasche, was sie noch an Gold übrig hatte, ungefähr vierzig Louisd'or, und ließ sie zwischen ihren beiden zusammengehaltenen Händen springen.
Beausire wäre beinahe närrisch geworden; er kniete abermals nieder.
»Befiehl!« rief er, »befiehl!«
»Du läufst nach dem Capucin-Magique in der Rue de Seine, man verkauft dort Dominos für den Maskenball.«
»Nun?« – »Du kaufst mir einen vollständigen.« – »Gut.« – »Für Dich einen schwarzen, für mich einen weißen von Atlas.« – »Ja.« – »Und ich gebe Dir hiefür nur zwanzig Minuten.« – »Wir gehen auf den Ball?« – »Auf den Ball.« – »Und Du führst mich auf das Boulevard zum Abendbrot?« – »Gewiß; doch unter einer Bedingung.« – »Unter welcher?« – »Daß Du gehorsam bist.« – »Oh! immer, immer.« – »Auf, zeige Deinen Eifer.« – »Ich laufe.« – »Wie, Du bist noch nicht weggegangen?« – »Aber die Kosten…« – »Du hast fünfundzwanzig Louisd'or.« – »Wie, ich habe fünfundzwanzig Louisd'or? Woher nimmst Du das?« – »Die Goldstücke, die Du aufgerafft hast.« – »Oliva, Oliva, das ist nicht schön von Dir.« – »Was willst Du damit sagen?« – »Oliva, Du hattest sie mir geschenkt.«
»Ich sage nicht, Du sollst sie nicht bekommen; doch wenn ich sie Dir jetzt gäbe, würdest Du nicht zurückkehren. Geh also und kehre rasch wieder.«
»Sie hat bei Gott Recht,« sagte der Bursche etwas verwirrt. »Es war meine Absicht, nicht zurückzukommen.«
»Fünfundzwanzig Minuten, hörst Du wohl?« rief sie.
»Ich gehorche.«
In diesem Augenblick geschah es, daß der den Fenstern gegenüber im Hinterhalt liegende Bediente eine der beiden redenden Personen verschwinden sah.
Es war Herr Beausire, der mit einem Rock ohne Schooß herunter kam, hinter welchem der Degen frech baumelte, während das Hemd unter der Weste wie zur Zeit Ludwigs XIII. aufgebauscht war.
Der Taugenichts nahm seine Richtung nach der Rue de Seine, und Oliva schrieb mittlerweile rasch auf ein Papier folgende Worte, welche die ganze Episode zusammenfaßten:
»Der Friede ist unterzeichnet, die Theilung gemacht, der Ball angenommen. Um zwei Uhr werden wir im Opernhause sein. Ich habe einen weißen Domino und auf der linken Schulter ein blaues Band.«
Oliva rollte das Papier um einen Scherben von dem zerbrochenen Porzellankrug, streckte den Kopf zum Fenster hinaus und warf das Billet auf die Straße.
Der Bediente stürzte auf seine Beute los, hob sie auf und entfloh.
Es ist beinahe gewiß, daß Herr Beausire nicht mehr als dreißig Minuten brauchte, um zurückzukehren; es folgten ihm zwei Schneidergesellen, welche um den Preis von achtzehn Louis d'or zwei Dominos von ausgezeichnetem Geschmack brachten, wie man sie im Capucin-Magique bei dem guten Arbeiter, dem Lieferanten Ihrer Majestät der Königin und der Hofdamen verfertigte.
XXI.
Das kleine Haus
Wir haben Frau von La Mothe bei bei Thür des Hotels gelassen, von wo aus sie mit den Augen dem rasch verschwindenden Wagen der Königin folgte.
Als die Form des Wagens sichtbar, als sein Rollen vernehmbar zu sein aufhörte, kehrte Jeanne ebenfalls in ihre Miethkutsche zurück und begab sich nach Hause, um einen Domino und eine andere Larve zu nehmen und zugleich zu sehen, ob nichts Neues in ihrer Wohnung vorgefallen.
Frau von La Mothe hatte auf diese so glückliche Nacht eine Erfrischung für alle Gemüthsbewegungen des Tages zugesagt. Als starke Frau, wie sie war, hatte sie beschlossen, den Mann zu spielen, wie man zu sagen pflegt, und dem zu Folge alle Wonnen des Unvorhergesehenen zu schlürfen.
Aber eine Widerwärtigkeit harrte ihrer beim ersten Schritt, den sie auf diesem für lebhafte und lang im Zaume gehaltene Phantasien so verführerischen Wege machte.
Ein Bedienter wartete auf sie beim Hausmeister.
Dieser Bediente gehörte dem Herrn Prinzen von Rohan und brachte von Seiner Eminenz ein in folgenden Worten abgefaßtes Billet:
»Frau Gräfin,
Ohne Zweifel haben Sie nicht vergessen, daß wir Geschäfte mit einander abzumachen haben. Sie haben vielleicht ein kurzes Gedächtnis; ich vergesse nie, was mir gefallen.
Ich habe die Ehre, Sie da zu erwarten, wohin der Ueberbringer Sie führen wird, wenn es Ihnen genehm ist.«
Der Brief war mit dem Hirtenkreuz unterzeichnet.
Anfangs ärgerlich über diesen Querstrich, dachte Frau von La Mothe einen Augenblick nach und entschied sich dann mit jener Raschheit des Entschlusses, die sie characterisirte.
»Steigen Sie mit meinem Kutscher auf oder geben Sie ihm die Adresse,« sagte sie zu dem Bedienten.
Der Bediente stieg mit dem Kutscher auf den Bock, Frau von La Mothe stieg in den Wagen.
Zehn Minuten genügten, um die Gräfin zum Eingang des Faubourg Saint-Antoine in eine neuerdings geebnete Vertiefung zu führen, wo große Bäume, so alt wie die Vorstadt selbst, vor Aller Augen eines jener hübschen, unter Ludwig XV. mit dem äußern Geschmack des sechzehnten und dem unvergleichlichen Comfort des achtzehnten Jahrhunderts erbauten Häuser verbargen.
»Ho! ho! ein kleines Haus,« murmelte die Gräfin: »das ist sehr natürlich von Seiten eines vornehmen Prinzen, aber sehr demüthigend für den Namen Valois! … Nun!«
Dieses Wort, aus dem die Resignation einen Seufzer oder die Ungeduld eine Ausrufung gemacht hat, enthüllte Alles, was an verzehrendem Ehrgeiz und toller Gierde in ihrem Geiste schlummerte.
Doch sie hatte nicht so bald die Schwelle des Hauses überschritten, als ihr Entschluß gefaßt war.
Man führte sie von Zimmer zu Zimmer, das heißt von Ueberraschung zu Ueberraschung, bis zu einem kleinen, äußerst geschmackvollen Speisesaal.
Hier fand sie den Cardinal allein und wartend.
Seine Eminenz durchblätterte Broschüren, welche ungemein einer Sammlung von jenen Pamphleten glichen, die es in jener Zeit zu Tausenden regnete, wenn der Wind von Holland oder von England kam.
Als der Cardinal sie erblickte, stand er auf.
»Ah! Sie hier? ich danke, Frau Gräfin,« rief er.
Und er trat auf sie zu, um ihr die Hand zu küssen.
Die Gräfin wich mit einer hochmüthigen und verletzten Miene zurück.
»Was haben Sie denn, Madame?« fragte der Cardinal.
»Monseigneur, nicht wahr, Sie sind nicht gewohnt, ein solches Gesicht bei den Frauen zu sehen, denen Eure Eminenz die Ehre erweist sie hieher zu rufen?«
»Oh! Frau Gräfin…«
»Wir sind in Ihrem kleinen Hause, nicht wahr, Monseigneur?« sagte die Gräfin, mit einem verächtlichen Blicke umherschauend.
»Aber, Madame…«
»Monseigneur, ich hoffte, Eure Eminenz würde die Gnade haben, sich zu erinnern, in welchem Stande ich geboren bin. Ich hoffte, Eure Eminenz würde die Gnade haben, sich zu erinnern, daß mir Gott, wenn er mich arm gemacht, doch wenigstens den Stolz meines Ranges gelassen hat.«
»Ah! ah! Gräfin, ich hielt Sie für eine Frau von Geist,« versetzte der Cardinal.
»Wie es scheint, Monseigneur, nennen Sie jede gleichgültige Frau, die zu Allem, selbst zur Schande lacht, eine Frau von Geist; diesen Frauen, ich bitte Eure Eminenz um Verzeihung, pflege ich einen andern Namen zu geben.«
»Nein, Gräfin, Sie täuschen sich, Frau von Geist nenne ich jede Frau, welche hört, wenn man zu ihr spricht, oder welche nicht spricht, ehe sie gehört hat.«
»Ich höre, reden Sie.«
»Ich habe mich mit Ihnen über ernste Dinge zu besprechen.«
»Und zu diesem Ende haben Sie mich in ein Speisezimmer kommen lassen?«
»Ja; wäre es Ihnen lieber gewesen, wenn ich Sie in einem Boudoir erwartet hätte, Gräfin?«
»Die Unterscheidung ist zart.«
»So glaube ich, Gräfin.«
»Es handelt sich also nur darum, mit Monseigneur zu Nacht zu speisen?«
»Nichts Anderes.«
»Eure Eminenz darf überzeugt sein, daß ich von dieser Ehre gebührender Maßen durchdrungen bin.«
»Sie spotten, Gräfin?«
»Nein, ich lache.«
»Sie lachen?«
»Ja, wäre es Ihnen lieber, wenn ich mich ärgerte? Ah! Monseigneur, Sie sind von einer wunderlichen Laune, wie es scheint.«
»Oh! Sie sind reizend, wenn Sie lachen, und nichts könnte mir angenehmer sein, als Sie beständig lachen zu sehen. Doch Sie lachen in diesem Augenblick nicht. Oh! nein, nein; es ist Zorn hinter diesen schönen Lippen, welche die Zähne zeigen.«
»Nicht im Geringsten, Monseigneur, und der Speisesaal beruhigt mich.«
»Vortrefflich!«
»Und ich hoffe, daß Sie wohl hier speisen werden.«
»Wie, daß ich wohl hier speisen werde! Und Sie?«
»Ich, ich habe keinen Hunger.«
»Wie, Madame, Sie weisen mich vom Abendbrot zurück?«
»Was beliebt?«
»Sie jagen mich fort?«
»Ich verstehe Sie nicht, Monseigneur.«
»Hören Sie, liebe Gräfin!«
»Ich höre.«
»Wären Sie weniger zornig, so würde ich Ihnen sagen, Sie mögen machen, was Sie wollen, Sie können es nicht verhindern, daß Sie reizend seien; da ich aber bei jedem Compliment verabschiedet zu werden fürchten muß, so enthalte ich mich.«
»Sie fürchten verabschiedet zu werden? In der That, Monseigneur, ich bitte Eure Eminenz um Verzeihung, aber Sie werden unverständlich.«
»Was vorgeht, ist doch so klar und durchsichtig.«
»Entschuldigen Sie meine Verblendung.«
»Nun wohl! neulich haben Sie mich mit großem Mißbehagen empfangen: Sie fanden Ihre Wohnung durchaus nicht passend für eine Person von Ihrem Rang und Ihrem Namen. Das zwang mich, meinen Besuch abzukürzen; das machte Sie ein wenig kalt gegen mich. Ich dachte damals, wenn ich Sie in die Ihnen gebührende Lebenslage versetzte, so würde ich dem Vogel, den der Physiker unter die Luftpumpe stellt, die Luft wiedergeben.«
»Und dann?« fragte die Gräfin ängstlich, denn sie fing an, zu verstehen.
»Dann, damit Sie mich mit Behagen empfangen könnten, damit ich Sie meinerseits besuchen könnte, ohne mich zu compromittiren oder Sie selbst zu compromittiren…«
Der Cardinal schaute die Gräfin fest an.
»Nun?« fragte diese.
»Nun, ich hoffte, Sie würden die Güte haben, dieses enge Haus anzunehmen. Sie begreifen, ich sage nicht, kleines Haus.«
»Annehmen, ich? Sie schenken mir dieses Haus, Monseigneur?« rief die Gräfin, deren Herz zugleich vor Stolz und Gierde schlug.
»Sehr wenig, zu wenig, Gräfin; doch wollte ich Ihnen mehr geben, so würden Sie nicht annehmen.«
»Ohl weder mehr, noch weniger, Monseigneur,« sprach die Gräfin.
»Was sagen Sie, Madame?«
»Ich sage, es sei unmöglich, daß ich ein solches Geschenk annehme.«
»Unmöglich! Und warum?'
»Ganz einfach, weil es unmöglich ist.«
»Oh! sprechen Sie dieses Wort nicht bei mir aus, Gräfin.«
»Warum?«
»Weil ich bei Ihnen nicht daran glauben will.«
»Monseigneur!«
»Madame, das Haus gehört Ihnen, die Schlüssel liegen hier auf einer Vermeilplatte. Ich behandle Sie als einen Triumphator. Sehen Sie hierin abermals eine Beleidigung?«
»Nein, doch…«
»Sie nehmen an?«
»Monseigneur, ich habe es Ihnen gesagt.«
»Wie, Madame, Sie schreiben an die Minister und bitten um eine Pension; Sie nehmen von zwei unbekannten Damen hundert Louisd'or an!«
»Das ist ein großer Unterschied, Monseigneur. Wer empfängt…«
»Wer empfängt, verbindet, Gräfin,« sprach der Prinz mit edlem Tone. »Sehen Sie, ich habe Sie in Ihrem Speisesaal erwartet: ich habe weder das Boudoir, noch die Salons, noch die Zimmer gesehen, ich setze nur voraus, daß dies Alles vorhanden ist.«
»Ah! Monseigneur, ich bitte um Verzeihung, denn Sie nöthigen mich, zu gestehen, daß es keinen zarteren Mann gibt, als Sie.«
Und die Gräfin, die sich so lange Zwang angethan, erröthete vor Freude bei dem Gedanken, sagen zu können: Mein Haus.
Dann, als sie plötzlich sah, daß sie sich hinreißen ließ, sagte sie auf eine Geberde, die der Prinz machte, indem sie einen Schritt zurückwich:
»Monseigneur, ich bitte Eure Eminenz um ein Abendbrod.«
Der Cardinal legte einen Mantel ab, dessen er sich noch nicht entledigt hatte, rückte einen Stuhl für die Gräfin herbei, und begann in einem Civilrock, der ihm vortrefflich stand, seinen Dienst als Haushofmeister.
Das Abendbrod war in einem Augenblick aufgetragen.
Während die Diener in das Vorzimmer kamen, hatte Jeanne wieder eine Maske auf das Gesicht gesetzt.
»Ich müßte mich maskiren,« sagte der Cardinal, »denn Sie sind zu Hause, denn Sie sind inmitten Ihrer Leute, denn ich bin ein Fremder.«
Jeanne lachte, behielt aber nichtsdestoweniger ihre Maske. Und obgleich von der Freude und dem Erstaunen im höchsten Grade aufgeregt, that sie doch dem Abendbrod alle Ehre.
Der Cardinal, wir haben es bei verschiedenen Gelegenheiten gesagt, war ein Mann von großem Herzen und wahrem Geist.
Die lange Gewohnheit der civilisirtesten Höfe Europa's, von Königinnen regierter Höfe, die Gewohnheit der Frauen, welche in jener Zeit alle politischen Fragen verwickelten, aber häufig auch lösten, diese Erfahrung, so zu sagen durch den Weg des Blutes übertragen und durch ein persönliches Studium vervielfältigt, alle diese heut zu Tage so seltenen und auch damals schon seltenen Eigenschaften machten aus dem Prinzen einen Mann, der für die Diplomaten, seine Nebenbuhler, oder für seine Geliebten äußerst schwer zu durchdringen war.
Seine guten Manieren und seine große Höflichkeit waren ein Panzer, den nichts durchbrechen konnte.
Der Cardinal glaubte sich dieser von Ansprüchen aufgeblähten Provinzdame sehr überlegen, die ihm, da sie unter ihrem falschen Stolz ihre Habgier nicht hatte verbergen können, als eine leichte Eroberung erschien – von Dauer vielleicht wegen ihrer Schönheit, wegen ihres Geistes, wegen eines gewissen herausfordernden Wesens, das viel mehr die übersättigten als die unschuldigen Männer verführt. Schwerer zu durchdringen, als er selbst durchdringend war, täuschte sich der Cardinal diesmal vielleicht; so viel ist aber gewiß, daß ihm Jeanne, schön wie sie war, kein Mißtrauen einflößte.
