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Kitabı oku: «Das Halsband der Königin Denkwürdigkeiten eines Arztes 2», sayfa 20

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Der schwarze Domino, der Gegenstand dieser Kundgebung, wandte dem Saal den Rücken zu; er plauderte mit der Dame, die ihn begleitete. Diese, deren Augen unter der Maske funkelten, erblickte die Geberde Oliva's.

»Sehen Sie, Monseigneur,« sagte sie leise, »es sind dort zwei Masken, die sich mit uns beschäftigen.«

»Oh! seien Sie ohne Furcht, Gräfin; es ist nicht möglich, daß man uns erkennt. Lassen Sie mich, da wir nun auf dem Wege der Verderbniß sind, lassen Sie mich Ihnen wiederholen, daß nie eine Gestalt bezaubernder war, als die Ihrige, nie ein Blick so brennend; erlauben Sie mir, Ihnen zu sagen…«

»Alles, was man unter der Maske sagt.«

»Nein, Gräfin, Alles, was man unter…«

»Vollenden Sie nicht. Sie würden sich die Verdammniß zuziehen … und dann, was eine noch größere Gefahr ist, unsere zwei Spione würden es hören.«

»Zwei Spione!« rief der Cardinal, den dieses Wort ergriff.

»Ja, nun fassen sie ihren Entschluß, sie nähern sich.«

»Verstellen Sie Ihre Stimme gut, Gräfin, wenn man Sie zum Sprechen veranlaßt.«

»Und Sie die Ihrige, Monseigneur.«

Oliva und ihr blauer Domino näherten sich in der That.

Dieser wandte sich an den Cardinal und sagte:

»Maske.«

Und er neigte sich an das Ohr Oliva's, die ihm ein bestätigendes Zeichen machte.

»Was willst Du?« fragte der Cardinal mit verstellter Stimme.

»Die Dame, die mich begleitet, beauftragt mich, mehrere Fragen an Dich zu richten,« antwortete der blaue Domino.

»Beeile Dich,« sagte Herr von Rohan.

»Und sie mögen sehr indiscret sein,« fügte Frau von La Mothe mit einer Flötenstimme bei.

»So indiscret, daß Du sie nicht hören sollst, Naseweis,« erwiderte der blaue Domino.

Und er neigte sich abermals an das Ohr Oliva's, die dasselbe Spiel spielte.

Hierauf richtete der Unbekannte in einem tadellosen Deutsch die Frage an den Cardinal:

»Monseigneur, sind Sie in die Frau verliebt, die Sie begleitet?«

Der Cardinal bebte.

»Haben Sie nicht Monseigneur gesagt?« erwiderte er.

»Ja, Monseigneur.«

»So täuschen Sie sich, und ich bin nicht der, für welchen Sie mich halten.«

»Oh! Herr Cardinal, leugnen Sie es nicht, es ist vergebens; wenn ich Sie auch nicht selbst kennen würde, so beauftragt mich doch die Dame, der ich als Kavalier diene, Ihnen zu sagen, daß sie Sie vollkommen wiedererkennt.«

Er neigte sich an Oliva's Ohr und flüsterte ihr zu:

»Machen Sie ein Zeichen der Bejahung. Machen Sie dieses Zeichen, so oft ich Ihnen den Arm drücke.«

Sie machte das Zeichen.

»Sie setzen mich in Erstaunen,« sagte der Cardinal ganz verwirrt; »wer ist die Dame, die Sie begleitet?«

»Oh! Monseigneur, ich glaubte, Sie hätten sie schon erkannt. Meine Begleiterin hat Sie wohl errathen. Freilich die Eifersucht…«

»Madame ist eifersüchtig über mich!« rief der Cardinal.

»Wir sagen das nicht,« erwiderte der Unbekannte mit einem gewissen Hochmuth.

»Was sagt man Ihnen da?« fragte lebhaft Frau von La Mothe, der dieses deutsche, das heißt für sie unverständliche Gespräch im höchsten Grade zuwider war.

»Nichts, nichts.«

Frau von La Mothe stampfte vor Ungeduld mit dem Fuß.

»Madame,« sagte dann der Cardinal zu Oliva, »ich bitte, ein Wort von Ihnen, und ich verspreche, Sie mit diesem einzigen Wort zu errathen.«

Herr von Rohan hatte deutsch gesprochen. Oliva verstand kein Wort und neigte sich zu dem blauen Domino.

»Ich beschwöre Sie, Madame, sprechen Sie nicht!« rief dieser.

Das Geheimniß reizte die Neugierde des Cardinals. Er fügte bei:

»Wie! ein einziges deutsches Wort! das würde Madame sehr wenig gefährden.«

Der blaue Domino, der sich stellte, als hätte er Befehle von Oliva erhalten, erwiderte sogleich:

»Herr Cardinal, vernehmen Sie die eigenen Worte dieser Dame: »»Derjenige, dessen Geist nicht beständig wacht, derjenige, dessen Einbildungskraft nicht fortwährend die Gegenwart des geliebten Gegenstandes ersetzt, derjenige liebt nicht; er hätte Unrecht es zu sagen.««

Der Cardinal schien betroffen von dem Sinn dieser Worte. Seine ganze Haltung drückte im höchsten Grad das Erstaunen, die Ehrfurcht, die Exaltation der Zuneigung aus; dann fielen seine Arme wieder nieder, und er murmelte französisch:

»Es ist unmöglich.«

»Was denn unmöglich?« rief Frau von La Mothe, welche gierig diese paar im ganzen Gespräche entschlüpften Worte auffing.

»Nichts, Madame, nichts.«

»Monseigneur, in der That, ich glaube, Sie lassen mich eine traurige Rolle spielen,« sagte sie voll Aerger.

Und sie verließ den Arm des Cardinals. Dieser nahm ihn nicht nur nicht wieder, sondern er schien es nicht einmal bemerkt zu haben, so groß war sein Eifer bei der deutschen Dame.

»Madame,« sagte er zu der Letzteren, die sich immer noch steif und unbeweglich hinter ihrem Atlaswall hielt, »die Worte, die mir Ihr Begleiter in Ihrem Namen gesagt hat, sind deutsche Verse die ich in einem Hause gelesen habe, das Ihnen vielleicht bekannt ist?«

Der Unbekannte drückte Oliva den Arm.

»Ja,« machte sie mit dem Kopf.

Der Cardinal bebte.

»Dieses Haus,« fragte er zögernd, »heißt es nicht Schönbrunn?«

»Ja,« erwiderte Oliva.

»Sie waren von einer erhabenen Hand auf einen Tisch von Kirschbaumholz mit einem goldenen Stichel geschrieben.«

»Ja,« machte Oliva.

Der Cardinal hielt inne. Es ging eine Art von Revolution in ihm vor. Er wankte und streckte die Hand aus, um einen Stützpunkt zu suchen.

Frau von La Mothe lauerte in einer Entfernung von zwei Schritten auf den Ausgang dieser seltsamen Scene.

Der Cardinal legte seinen Arm auf den des blauen Domino und sprach:

»Und die Fortsetzung lautet:

»»Aber derjenige, welcher überall den geliebten Gegenstand sieht, der ihn aus einer Blume, aus einem Wohlgeruch, unter undurchdringlichen Schleiern erräth, der kann schweigen, seine Stimme ist in seinem Herzen, es genügt zu seinem Glück, daß ein anderes Herz ihn versteht.««

»Ah! man spricht Deutsch hier!« sagte plötzlich eine junge, frische Stimme, die aus einer Gruppe hervorkam, welche sich zum Cardinal gesellt hatte. »Sehen wir das ein wenig an … Sie verstehen Deutsch, Marschall?«

»Nein, Monseigneur.«

»Aber Sie, Charny?«

»Oh! ja, Eure Hoheit.«

»Der Herr Graf von Artois,« sagte Oliva, indem sie sich fester an den blauen Domino anschmiegte, denn die vier Masken hatten sie auf eine etwas ungezwungene Weise umschlossen.

In diesem Augenblick brach das Orchester in rauschende Fanfaren aus, und der Staub des Bodens stieg vermischt mit dem Puder der Frisuren in regenbogenfarbigen Wolken bis über die entflammten Kronleuchter hinauf, die diesen Ambra-Nebel vergoldeten.

Bei der Bewegung, welche die Masken machten, fühlte sich der blaue Domino gestoßen.

»Nehmen Sie sich in Acht, meine Herren!« sagte er mit einem Tone gebietender Würde.

»Mein Herr,« erwiderte der Prinz, noch immer verlarvt, »Sie sehen, daß man uns bedrängt. Entschuldigen Sie uns, meine Damen.«

»Gehen wir, gehen wir, Herr Cardinal,« sagte leise Frau von La Mothe.

Plötzlich wurde die Capuze Oliva's zerknittert, von einer unsichtbaren Hand rückwärts gezogen, ihre gelöste Maske fiel herab; ihre Züge erschienen eine Secunde im Halbschatten des Simswerks, das die erste Gallerie über dem Parterre bildete.

Der blaue Domino stieß einen Schrei geheuchelter Angst aus, Oliva einen Schrei des Schreckens.

Drei bis vier Schreie des Erstaunens antworteten auf diesen doppelten Ausruf.

Der Cardinal wurde beinahe ohnmächtig. Wäre er in diesem Augenblicke gefallen, so würde er auf die Kniee gefallen sein. Frau von La Mothe hielt ihn aufrecht.

Eine von der Strömung fortgezogene Woge von Masken hatte den Grafen von Artois vom Cardinal und von Frau von La Mothe getrennt.

Der blaue Domino, der rasch wie der Blitz die Capuze Oliva's niedergeschlagen und die Maske wieder befestigt hatte, näherte sich dem Cardinal, drückte ihm die Hand und sprach:

»Mein Herr, das ist ein unersetzbares Unglück; Sie sehen, daß die Ehre dieser Dame Ihrer Gnade anheimgegeben ist…«

»Oh! mein Herr,« murmelte der Prinz Louis, sich verbeugend. Und er fuhr über seine von Schweiß triefende Stirne mit einem Sacktuch, das in seiner Hand zitterte.

»Gehen wir geschwind,« sagte der blaue Domino zu Oliva.

Und sie verschwanden.

»Ich sehe nun, was der Herr Cardinal für unmöglich hielt,« sprach Frau von La Mothe zu sich selbst; »er glaubte, diese Frau sei die Königin, und das ist die Wirkung, welche diese Aehnlichkeit auf ihn hervorbringt. Gut, abermals eine Beobachtung, die wir zu bewahren haben.«

»Wollen Sie, daß wir den Ball verlassen, Gräfin?« fragte Herr von Rohan mit schwacher Stimme.

»Wie es Ihnen beliebt, Monseigneur,« antwortete Jeanne ruhig.

»Ich sehe hier kein großes Interesse, nicht wahr?«

»Oh! nein, ich sehe auch keines.«

Und sie bahnten sich mühsam einen Weg durch die Plaudernden. Der Cardinal, der hoch gewachsen war, schaute überall umher, ob er die verschwundene Vision nicht fände.

Aber blaue, rothe, gelbe, grüne und graue Dominos wirbelten nun vor seinen Augen in dem leuchtenden Dunst und vermischten ihre Nuancen wie die Farben des Prisma. Alles war aus der Ferne blau für den armen Herrn: nichts war es in der Nähe.

In diesem Zustand erreichte er den Wagen, der ihn und die Gräfin erwartete.

Dieser Wagen rollte seit fünf Minuten, und noch hatte der Prälat kein Wort an Jeanne gerichtet.

XXIV.
Sappho

Frau von La Mothe, die sich nicht vergaß, entzog den Prälaten seiner Träumerei.

»Wohin fühlt mich dieser Wagen?« fragte sie.

»Gräfin, seien Sie unbesorgt,« rief der Cardinal; »Sie sind von Ihrem Hause ausgegangen. Wohl denn! der Wagen führt Sie dahin zurück.«

»Mein Haus … im Faubourg?«

»Ja, Gräfin … Ein sehr kleines Haus, um so viele Reize zu enthalten.«

Indem er diese Worte sprach, ergriff der Prinz eine von Jeanne's Händen und erwärmte sie mit einem galanten Kuß.

Die Carrosse hielt vor dem kleinen Hause, wo so viele Reize zu weilen versuchen sollten.

Jeanne sprang leicht aus dem Wagen; der Prälat schickte sich an, sie nachzuahmen.

»Es lohnt sich nicht der Mühe, Monseigneur,« flüsterte ihm dieser weibliche Dämon zu.

»Wie, Gräfin, es lohnt sich nicht der Mühe, einige Stunden bei Ihnen zuzubringen?«

»Und schlafen, Monseigneur?« sagte Jeanne.

»Ich glaube wohl, daß Sie mehrere Schlafzimmer in Ihrem Hause finden werden, Gräfin.«

»Für mich, ja, aber für Sie?«

»Für mich nicht?«

»Noch nicht,« erwiderte sie mit einer so anmuthigen und herausfordernden Miene, daß die Weigerung einem Versprechen gleichkam.

»Gott befohlen also!« sagte der Cardinal, der, auf das Lebhafteste gereizt, einen Augenblick die ganze Scene vom Ball vergaß.

»Auf Wiedersehen, Monseigneur.«

»Es ist mir im Ganzen lieber so,« sagte er, während er sich entfernte.

Jeanne trat allein in ihr neues Haus.

Sechs Lakaien, deren Schlaf durch das Klopfen des Läufers unterbrochen worden war, stellten sich in Reihe und Glied in der Hausflur auf.

Jeanne schaute sie alle mit jener Miene ruhiger Ueberlegenheit an, die das Glück nicht jedem Reichen verleiht.

»Und die Kammerfrauen?« fragte sie.

Einer von den Bedienten trat ehrerbietig vor und antwortete:

»Zwei Frauen warten im Zimmer, Madame.«

»Rufet sie.«

Der Bediente gehorchte. Zwei Frauen traten nach einigen Minuten ein.

»Wo schlafen Sie gewöhnlich?« fragte Jeanne.

»Wir sind noch nicht mit der Einrichtung bekannt,« antwortete die Aeltere; »wir werden schlafen, wo es der gnädigen Frau beliebt.«

»Die Schlüssel zu den Zimmern?«

»Hier sind sie, gnädige Frau.«

»Gut, für diese Nacht werden Sie außer dem Hause schlafen.«

Die Frauen schauten ihre Gebieterin mit Erstaunen an.

»Sie haben ein Lager auswärts?«

»Allerdings, Madame, doch es ist ein wenig spät; will indessen die gnädige Frau allein sein…«

»Diese Herren werden Sie begleiten,« fügte die Gräfin bei, indem sie die Bedienten entließ, welche noch zufriedener waren, als die Kammerfrauen.

»Und wann sollen wir zurückkommen?« fragte schüchtern Einer von ihnen.

»Morgen um die Mittagsstunde.«

Die sechs Bedienten und die zwei Frauen schauten sich einen Moment an; doch durch das gebieterische Auge Jeanne's im Schach gehalten, wandten sie sich insgesammt nach der Thüre.

Jeanne führte sie zurück, ließ sie hinaus und fragte, ehe sie die Thüre wieder schloß:

»Ist noch Jemand im Hause?«

»Mein Gott! nein, gnädige Frau, es wird Niemand mehr hier sein. Doch die gnädige Frau kann unmöglich so verlassen bleiben. Es muß doch wenigstens eine Kammerjungfer in der Gesindewohnung oder sonst wo im Hause wachen,«

»Ich brauche Niemand.«

»Es kann Feuer auskommen, die gnädige Frau kam sich unwohl befinden.«

»Gute Nacht, geht Alle,« sprach die Gräfin.

Und sie zog ihre Börse.

»Hier etwas zum Eintritt in meinen Dienst.«

Ein freudiges Gemurmel, ein Dank von Bedienten aus guter Gesellschaft war die einzige Erwiderung, das letzte Wort der Diener. Alle verschwanden, indem sie sich bis zur Erde verbeugten.

Jeanne hörte sie von jenseits der Thüre; sie wiederholten einander, das Schicksal habe ihnen eine phantastische Gebieterin gegeben.

Als sich das Geräusch der Stimmen und die Tritte in der Ferne gedämpft hatten, schob Jeanne die Riegel vor und rief mit einer triumphirenden Miene:

»Allein! ich bin allein in meinem Hause!«

Sie ergriff einen dreiarmigen Leuchter, zündete die Lichter an den Kerzen an, die in der Hausflur brannten, und schloß gleichmäßig die Riegel der massiven Thüre dieses Vorzimmers.

Dann begann eine stumme und seltsame Scene, die einen der nächtlichen Zuschauer, welche die Fiktionen des Dichters über den Städten und Palästen haben schweben lassen, auf's Lebhafteste interessirt haben würde.

Jeanne untersuchte ihre Staaten; sie bewunderte Stück für Stück dieses ganze Haus, dessen kleinste Einzelheit in ihren Augen einen ungeheuren Werth erlangte, seitdem die Selbstsucht an die Stelle der Neugierde des Vorübergehenden getreten war.

Ganz getäfelt und verkleidet, enthielt das Erdgeschoß den Badesaal, die Küchenstuben, die Speisezimmer, drei Salons und zwei Empfangscabinette.

Das Mobiliar dieser großen Zimmer war nicht reich wie das der Guimard, oder cokett wie das der Freunde des Herrn von Soubise, aber es hatte das Ansehen des Luxus eines vornehmen Mannes; es war nicht neu. Das Haus hätte Jeanne weniger gefallen, wäre es am Tage vorher ausdrücklich für sie möblirt worden.

Alle diese alterthümlichen, von den Modedamen verachteten Reichthümer, diese wunderbaren Möbel von geschnitztem Ebenholz, diese Kronleuchter mit cristallenen Girandolen, deren vergoldete Aeste aus dem Schooße rosenfarbiger Kerzen glänzende Lilien warfen, diese gothischen Uhren, Meisterwerke in Ciselur und Email; diese ungeheuren japanesischen Töpfe, voll von den seltensten Blumen; diese Thürgemälde, Grau in Grau oder in Farben von Watteau oder Boucher, versetzten die neue Eigenthümerin in unsägliche Extasen.

Hier trugen auf einem Kamin zwei vergoldete Tritone Garben von Korallen, in deren Zweigen als Früchte alle Phantasien und Juwelierkünste jener Zeit hingen. Dort, auf einer Console von vergoldetem Holz, worauf eine weiße Marmorplatte, diente ein ungeheurer Elephant von Celadon, mit Saphir-Berlocken in den Ohren, einem mit Parfümerien und Flacons gefüllten Thurm als Stütze.

Frauenbücher glänzten vergoldet und ausgemalt auf Etageren von Rosenholz, die Ecken mit goldenen Arabesken.

Ein ganzes Möbel von feinen Gobelinstapeten, ein Meisterwerk der Geduld, das die Manufactur selbst hunderttausend Livres gekostet hatte, füllte einen kleinen grau und goldenen Salon, in dem jedes Feld eine von Vernet oder Greuze gemalte Füllung war. Das Arbeitscabinet war voll der besten Porträts von Chardin, der feinsten Erzeugnisse von gebrannter Erde von Clodion.

Alles zeugte, nicht von dem Eifer, den ein reicher Emporkömmling anwendet, um seine Laune oder die seiner Geliebten zu befriedigen, sondern von der langen geduldigen Arbeit jener seit Jahrhunderten Reichen, welche auf die Schätze ihrer Väter Schätze für ihre Kinder häufen.

Jeanne untersuchte zuerst die Gesammtheit, sie zählte die Stücke ab, dann gab sie sich Rechenschaft von den Einzelheiten.

Und da ihr Domino sie beengte, ihr Fischbeinleib sie preßte, so trat sie in ihr Schlafzimmer, kleidete sich rasch aus und zog ein Gewand von wattirter Seide an, ein reizendes Kleidungsstück, das unsere Mütter, die nicht sehr scrupulös waren, wenn es sich darum handelte, die nützlichen Dinge zu benennen, mit einem Namen bezeichneten, denn wir nicht mehr schreiben können.

Schauernd, halbnackt in dem Atlas, der ihrem Busen und ihrer Taille schmeichelte, ihr feines, nerviges Bein gerundet in den Falten ihres kurzen Rockes, stieg sie mit ihrem Licht in der Hand muthig die Stufen hinauf.

Vertraut mit der Einsamkeit, sicher, daß sie nicht einmal mehr den Blick eines Bedienten zu fürchten hatte, sprang sie von Zimmer zu Zimmer und ließ nach dem Belieben des Windes, der unter den Thüren blies, ihren feinen battistenen Nachtmantel flattern, welcher zehnmal in zehn Minuten bis zu ihrem reizenden Knie emporgehoben wurde.

Und wenn sie, um einen Schrank zu öffnen, den Arm in die Höhe hob, wenn sich das Kleid verschob und die weiße Rundung der Schulter bis zum Ursprung des Armes sehen ließ, den einer von jenen röthlichen Lichtstrahlen vergoldete, mit welchen der Pinsel von Rubens so vertraut war, dann mußten sich die unsichtbaren, unter den Tapeten und hinter den Füllungen verborgenen Geister freuen, daß sie den reizenden Gast, der sie zu besitzen glaubte, in ihrem Besitz hatten.

Nach all diesen hastigen Gängen, nachdem ihre Kerze zu drei Vierteln abgebrannt war, kehrte sie erschöpft, keuchend in ihr Schlafzimmer zurück, das mit blauem Atlas, worauf große chimärische Figuren gestickt, ausgeschlagen war.

Sie hatte Alles gesehen, Alles gezählt, Alles mit dem Blick und durch die Berührung geliebkost, es blieb ihr nichts mehr zu bewundern, als sie selbst.

Sie stellte ihren Leuchter auf ein Tischchen von Sèvres mit goldener Gallerie, und plötzlich heftete sich ihr Blick auf einen marmornen Endymion, eine zarte, wollüstige Figur von Bouchardon, welche liebestrunken auf einen Untersatz von rothbraunem Phorphyr zurücksank.

Jeanne schloß die Thüre und die Portièren ihres Zimmers, zog die dichten Vorhänge zu, stellte sich dann wieder vor die Statue und verschlang mit den Blicken diesen schönen Geliebten Phöbe's, die ihm den letzten Kuß gab, als sie wieder zum Himmel aufstieg. In Gluth verwandelt, erwärmte das rothe Feuer dieses Zimmer, wo Alles lebte, das Vergnügen ausgenommen.

Jeanne fühlte ihre Füße sacht in die hohe, so weiche Wolle des Teppichs einsinken; ihre Beine wankten, bogen sich unter ihr; eine Mattigkeit, die nicht Ermüdung oder Schlaf war, bedrängte ihren Busen und ihre Augenlider mit der Zartheit der Berührung eines Liebenden, während ein Feuer, das nicht die Wärme des Herdes war, von ihren Füßen zu ihrem Leib aufstieg und beim Aufsteigen in ihren Adern die ganze lebendige Electricität zusammenwand, die man beim Thier das Vergnügen, beim Menschen die Liebe nennt.

In diesem Moment seltsamer Empfindungen erblickte Jeanne sich selbst in einem Pfeilerspiegel, der hinter dem Endymon angebracht war. Ihr Kleid war von ihren Schultern auf den Teppich herabgeglitten. Der so feine Batist war, vom schweren Atlas gezogen, bis zur Hälfte der weißen, gerundeten Arme niedergesunken.

Zwei schwarze Augen, sanft durch die Weichheit ihres Wesens, glänzend vor Verlangen, die zwei Augen Jeanne's trafen Jeanne in der tiefsten Tiefe des Herzens; sie fand sich schön, sie fühlte sich jung und glühend; sie gestand sich, von Allem, was sie umgab, sei nichts, nicht einmal Phöbe, so würdig geliebt zu werden. Sie näherte sich dem Marmor, um zu sehen, ob der Endymion sich belebte, und ob er um der Sterblichen willen die Göttliche hintansetzen würde.

Diese Entzückung berauschte sie; sie neigte den Kopf auf ihre Schulter mit unbekannten Schauern, drückte ihre Lippen auf ihr lebendes Fleisch, und da sie nicht aufgehört hatte, ihren Blick in die Augen zu tauchen, die sie im Spiegel riefen, so verschwammen plötzlich ihre Augen, ihr Kopf rollte mit einem Seufzer auf ihre Brust, und Jeanne sank eingeschlafen, leblos auf das Bett, dessen Vorhänge sich über ihr niederließen.

Die Kerze schleuderte eine letzte Flammenzuckung aus einer Lache flüssigen Wachses empor und strömte dann ihren letzten Wohlgeruch mit ihrer letzten Helle aus.

XXV.
Die Academie des Herrn von Beausire

Beausire hatte den Rath des blauen Domino buchstäblich genommen und sich an den Ort begeben, den man seine Academie nannte.

Lüstern gemacht durch die ungeheure Zahl von zwei Millionen, hatte der würdige Freund Oliva's ganz besonders bange vor der Art von Ausschließung, die sich seine Collegen dadurch erlaubt, daß sie ihm keine Mittheilung von einem so vortheilhaften Plan machten.

Er wußte, daß man sich unter Leuten von der Academie nicht besonders viel mit Gewissenszweifeln trägt, und das war für ihn ein Grund, sich zu beeilen, denn die Abwesenden haben immer Unrecht, wenn sie aus Zufall abwesend sind, und noch viel mehr, wenn man ihre Abwesenheit benutzen will.

Beausire hatte sich unter den Verbündeten der Akademie einen Ruf als furchtbarer Mann erworben. Das war weder zum Erstaunen, noch schwierig; Beausire war Gefreiter gewesen; er hatte die Uniform getragen; er wußte eine Hand auf die Hüfte, die andere auf das Stichblatt seines Degens zu setzen. Er hatte die Gewohnheit, beim geringsten Wort seinen Hut auf seine Augen niederzudrücken. Lauter Manieren, die für nur mittelmäßig beherzte Leute erschreckend genug sind, besonders wenn diese Leute den Lärmen eines Duells und die Neugierde der Justiz zu fürchten haben.

Beausire gedachte sich also für die Verachtung, die man gegen ihn kundgegeben, dadurch zu rächen, daß er seinen Genossen vom Spielhause der Rue du Pot-de-Fer etwas Angst machen würde.

Von der Porte Saint-Martin bis zur Saint-Sulpice-Kirche ist es weit; doch Beausire war reich; er warf sich in einen Fiaker und versprach dem Kutscher fünfzig Sous, das heißt ein Gnadengeschenk von einem Livre. Die Fahrt bei der Nacht kostete nach dem Tarif jener Zeit, was sie heute bei Tag kostet.

Die Pferde entfernten sich rasch. Beausire verlieh sich ein wüthendes Gesicht, und in Ermangelung eines Hutes, den er nicht hatte, da er einen Domino trug, in Ermangelung des Degens setzte er sich eine Miene zusammen, händelsüchtig genug, um jeden verspäteten Wanderer, der ihm begegnete, zu beunruhigen.

Sein Eintritt in die Academie brachte einen gewissen Eindruck hervor.

Es fanden sich hier im ersten Salon, einem schönen, ganz grauen Salon mit Kronleuchtern und vielen Spieltischen, etwa zwanzig Spieler, welche Bier und Syrup tranken und zähnefletschend sieben bis acht abscheulich geschminkten Weibern zulächelten, welche die Karten anschauten.

Man spielte Pharo am ersten Tisch; die Einsätze waren mager, die Belebtheit nach Maßgabe der Einsätze.

Bei der Ankunft des Domino, der sich an seiner Capuze rieb, während er sich in den Falten des Rockes aufblähte, kicherten einige Weiber, was halb als Spott, halb als Anlockung betrachtet werden konnte. Herr Beausire war ein Schönling und die Damen mißhandelten ihn nicht.

Er trat indessen vor, als ob er nichts gesehen, nichts gehört hätte, und erwartete, sobald er beim Tisch war, stillschweigend eine Erwiderung auf seine schlechte Laune.

Einer der Spieler, ein zweideutiger Finanzmann, dessen Gesicht es nicht an einer gewissen Treuherzigkeit gebrach, war die erste Stimme, welche Beausire ansprach.

»Alle Wetter, Chevalier,« sagte dieser brave Mann, »Sie kommen mit einem sehr verdrießlichen Gesicht vom Ball.«

»Es ist wahr,« sagten die Damen.

»Ei, lieber Chevalier!« rief ein anderer Spieler, »verwundet Sie der Domino am Kopf?«

»Es ist nicht der Domino, was mich verwundet,« antwortete Beausire mit hartem Tone.

»Ah! ah!« sagte der Banquier, der eben ein Dutzend Louisd'or zusammengeschaufelt hatte, »der Herr Chevalier von Beausire hat eine Untreue an uns begangen: sehen Sie nicht, daß er auf dem Opernball gewesen ist? in der Gegend des Opernhauses hat er einen guten Einsatz gefunden und verloren.«

Jeder lachte oder bemitleidete, je nach seinem Character; die Frauen hatten Mitleid.

»Es ist nicht wahr, daß ich eine Untreue an meinen Freunden begangen habe,« entgegnete Beausire, »dazu bin ich unfähig. Eine Untreue, ich! Das taugt für gewisse Leute von meiner Bekanntschaft, Treulosigkeiten gegen ihre Freunde zu begehen.«

Und um seinen Worten mehr Gewicht zu geben, nahm er Zuflucht zu einer Geberde, das heißt, er wollte seinen Hut auf seinen Kopf drücken. Zu seinem Unglück plattete er nur ein Stück Seide, was ihm eine lächerliche Breite gab, so daß er statt einer ernsten Wirkung nur eine komische hervorbrachte.

»Was wollen Sie damit sagen, lieber Chevalier?« fragten einige von den Verbündeten.

»Ich weiß, was ich damit sagen will,« antwortete Beausire.

»Aber das genügt uns nicht,« erwiderte der heitere Alte.

»Das geht Sie nichts an, Sie, mein Herr Finanzmann!« entgegnete Beausire tölpelhaft.

Ein ziemlich ausdrucksvoller Blick belehrte Beausire, seine Phrase sei übel angebracht gewesen. Man durfte in der That in dieser Gesellschaft keine Grenzscheidung zwischen denjenigen, welche bezahlten, und denjenigen, welche das Geld einsackten, vornehmen,

Beausire begriff das, aber er war einmal verrannt; die falschen Beherzten halten schwerer inne, als die erprobten Beherzten.

»Ich glaubte Freunde hier zu haben,« sagte er.

»Ja,« antworteten mehrere Stimmen.

»Wohl! ich habe mich getäuscht.«

»Worin?«

»Darin, daß viele Dinge ohne mich geschehen.«

Ein neues Zeichen vom Banquier, neue Betheuerungen von Seiten derjenigen Verbündeten, welche anwesend waren.

»Es genügt, daß ich es weiß,« versetzte Beausire, »und die falschen Freunde sollen bestraft werden.«

Er suchte den Griff seines Degens, fand aber nichts, als seine Hosentasche, welche voll von Louisd'or war und einen verrätherischen Ton von sich gab.

»Ho! ho!« liefen zwei Damen, »Herr von Beausire ist heute Abend in guter Stimmung.«

»Ja, wohl,« sagte der Banquier hinterhältisch; »mir scheint, daß er, wenn er verloren, nicht Alles verloren hat, und daß, wenn er eine Untreue gegen die Legitimen begangen hat, dieß keine Untreue ohne Umkehr ist. Auf, setzen Sie, lieber Chevalier.«

»Ich danke!« erwiderte Beausire trocken, »da Jeder behält, was er hat, so behalte ich auch.«

»Was Teufels willst Du damit sagen?« flüsterte ihm einer der Spieler in's Ohr.

»Wir werden uns sogleich erklären.«

»Spielen Sie doch!« rief der Banquier.

»Einen einfachen Louisd'or,« sagte eine Dame, indem sie Beausire die Schulter streichelte, um sich so viel als möglich seiner Hosentasche zu nähern.

»Ich spiele nur um Millionen,« sprach Beausire voll Kühnheit, »und wahrhaftig, ich begreife nicht, daß man hier um elende Louisd'or spielt. Millionen!… Auf, meine Herren, da es sich um Millionen handelt, ohne daß man es vermuthet, fort mit den Einsätzen von einem Louisd'or! Millionen, Millionäre!«

Beausire hatte den Augenblick der Exaltation erreicht, der den Menschen über die Grenzen des gemeinen Menschenverstandes hinaustreibt. Eine Trunkenheit, gefährlicher als die vom Weine, belebte ihn. Plötzlich erhielt er von hinten an die Beine einen Stoß, der heftig genug war, daß er sich sogleich unterbrach.

Er wandte sich um und sah an seiner Seite eine große, olivenfarbene, steife, löcherige Figur mit schwarzen Augen, welche leuchteten wie glühende Kohlen.

Auf die zornige Geberde Beausire's antwortete dieser seltsame Mensch durch einen ceremoniösen Gruß, begleitet mit einem Blick so lang wie ein Raufdegen.

»Der Portugiese!« sagte Beausire, erstaunt über diese Begrüßung von Seiten eines Mannes, der ihm so eben einen Stoß gegeben hatte.

»Der Portugiese!« wiederholten die Damen. Und sie verließen Beausire, um den Fremden zu umflattern.

Dieser Portugiese war in der That der Liebling der Damen, denen er unter dem Vorwand, er spreche nicht Französisch, beständig Leckereien brachte, die zuweilen in ein Kassenbillet von fünfzig bis sechzig Livres eingewickelt waren.

Beausire kannte den Portugiesen als einen der Verbündeten. Der Portugiese verlor beständig bei den Stammgästen des Spielhauses. Er bestimmte seine Sätze auf ungefähr hundert Louisd'or in der Woche, und regelmäßig nahmen ihm die Stammgäste seine hundert Louisd'or ab.

Das war der Lockvogel der Gesellschaft. Wahrend er sich hundert goldene Federn ausrupfen ließ, plünderten die andern Genossen die angeköderten Spieler.

Die Verbündeten betrachteten daher den Portugiesen als den nützlichen Mann, die Stammgäste als den angenehmen Mann. Beausire hegte für ihn die stillschweigende Hochachtung, die sich stets an das Unbekannte anschließt, sollte auch das Mißtrauen einen Antheil daran haben.

Beausire, der also den kleinen Fußtritt empfangen, den ihm der Portugiese an die Waden ertheilt hatte, wartete, schwieg und setzte sich.

Der Portugiese nahm beim Spiel Platz, legte zwanzig Louisd'or auf den Tisch, und in zwanzig Coups, die einen Kampf von einer Viertelstunde kosteten, war er von seinen zwanzig Louisd'or durch sechs hungrige Pointeurs befreit, welche einen Augenblick die Krallen des Banquiers und der anderen Genossen vergaßen.

Es schlug drei Uhr Morgens. Beausire leerte vollends ein Glas Bier.

Zwei Bedienten traten ein, der Banquier ließ sein Geld in den doppelten Boden des Tisches fallen, denn die Statuten der Verbindung hatten so sehr das Gepräge des Vertrauens gegen die Mitglieder, daß man nie einem von ihnen die vollständige Verwaltung des Fonds der Gesellschaft übertrug.

Das Geld fiel am Ende der Sitzung durch eine kleine Oeffnung in den doppelten Grund des Tisches, und es war als Nachschrift diesem Artikel der Gesellschaftsstatuten beigefügt, daß der Banquier nie lange Aermel haben dürfe, wie er auch nie Geld bei sich tragen könne.

Was bedeutete, daß man ihm verbot, zwanzig Louisd'or in die Aermel schlüpfen zu lassen, und daß sich die Gesellschaft das Recht vorbehielt, ihn zu durchsuchen, um ihm das Geld wegzunehmen, das er in seine Tasche spazieren zu lassen gewußt hatte.

Die Bedienten, sagen wir, brachten den Mitgliedern der Gesellschaft die Oberröcke, die Mäntel und die Degen; mehrere von den glücklichen Spielern gaben den Damen den Arm; die unglücklichen stiegen in eine Sänfte, was damals in diesen friedlichen Quartieren noch Mode war, und es wurde Nacht im Spielsaal.

Beausire hatte sich zum Schein auch in seinen Domino gehüllt, als wollte er eine ewige Reise antreten; aber er ging nicht über den ersten Stock hinab, sondern kehrte, sobald die Hausthüre wieder geschlossen war, in den Salon zurück, in den auch zwanzig von den Verbündeten zurückgekehrt waren.

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04 aralık 2019
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