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Kitabı oku: «Das Halsband der Königin Denkwürdigkeiten eines Arztes 2», sayfa 21
»Endlich werden wir uns erklären,« sagte Beausire.
»Zünden Sie Ihre Zuglaterne wieder an und sprechen Sie nicht so laut,« erwiderte kalt und in gutem Französisch der Portugiese, der seinerseits eine auf dem Tisch stehende Laterne ansteckte.
Beausire brummte ein paar Worte, auf die Niemand Acht gab. Der Portugiese setzte sich an den Platz des Banquier. Man untersuchte, ob die Läden, die Vorhänge, die Thüren gut geschlossen seien. Man setzte sich sachte, die Ellenbogen auf dem Tisch, mit einer verzehrenden Neugierde.
»Ich habe eine Mittheilung zu machen,« sagte der Portugiese; »glücklicher Weise bin ich zu rechter Zeit eingetroffen, denn Herrn von Beausire juckt heute Abend die Zunge ganz unmäßig …«
Beausire wollte aufschreien.
»Friede! Friede!« sagte der Portugiese; »keine verlorenen Worte! Sie haben Worte ausgesprochen, welche mehr als unklug sind. Sie hatten Kenntniß von meinem Gedanken, gut! Sie sind ein Mann von Geist, Sie können ihn errathen haben, doch meiner Ansicht nach darf es die Eitelkeit nie dem Interesse zuvorthun.«
»Ich verstehe nicht.« versetzte Beausire.
»Wir verstehen nicht,« sprach die ehrenwerthe Versammlung.
»Doch wohl: Herr von Beausire wollte beweisen, er habe zuerst das Geschäft gefunden.«
»Welches Geschäft?« fragten die Betheiligten.
»Das Geschäft mit den zwei Millionen!« rief Beausire mit mächtigem Nachdruck.
»Zwei Millionen!« wiederholten die Verbündeten.
»Vor Allem,« fiel hastig der Portugiese ein, »Sie übertreiben; das Geschäft kann sich unmöglich so hoch belaufen, das werde ich Ihnen sogleich beweisen.«
»Niemand weiß hier, was Sie meinen!« rief der Banquier.
»Ja, wir sind aber nichtsdestoweniger ganz Ohr,« fügte ein Anderer bei.
»Sprechen Sie zuerst,« sagte Beausire.
»Das will ich wohl,« erwiderte der Portugiese.
Und er schenkte sich ein Glas Orgeatsyrup ein, das er ruhig trank, ohne etwas an seinem Wesen als eiskalter Mann zu ändern.
»Erfahren Sie,« sprach er, »ich sage es nicht wegen des Herrn von Beausire, daß das Halsband nicht mehr als fünfzehnmal hunderttausend Livres werth ist.«
»Oh! wenn es sich um ein Halsband handelt!« versetzte Beausire.
»Ja, mein Herr, ist das nicht Ihr Geschäft?«
»Vielleicht.«
»Er spielt den Diskreten, nachdem er der Indiscrete gewesen ist.«
Und der Portugiese zuckte die Achseln.
»Zu meinem Bedauern sehe ich Sie einen Ton annehmen, der mir mißfällt.« sprach Beausire mit dem Ausdruck eines Hahns, der sich auf seine Sporen erhebt.
»Mira! mira!« sprach der Portugiese kalt wie Marmor, »Sie werden nachher sagen, was Sie sagen wollen, ich sage vorher, was ich zu sagen habe, und die Zeit drängt, denn Sie müssen wissen, daß der Gesandte spätestens in acht Tagen ankommt.«
»Das wird verwickelt,« dachte die Versammlung, bebend vor Interesse, »das Halsband, die fünfzehnmal hunderttausend Livres, ein Gesandter… was ist das?«
»Vernehmen Sie Alles mit zwei Worten,« sprach der Portugiese. »Die Herren Böhmer und Bossange haben der Königin ein Halsband von Diamanten im Werth von fünfzehnmal hunderttausend Livres anbieten lassen. Die Königin hat es ausgeschlagen. Die Juweliere wissen nicht, was sie damit thun sollen und verbergen es. Sie sind sehr in Verlegenheit, denn dieses Halsband kann nur durch ein königliches Vermögen erkauft werden; nun wohl! ich habe die königliche Person gefunden, die dieses Halsband kaufen und aus dem Kasten der Herren Böhmer und Bossange herausbringen wird.«
»Das ist?« fragten die Verbündeten.
»Es ist meine allergnädigste Gebieterin, die Königin von Portugal.«
Bei diesen Worten warf sich der Portugiese gehörig in die Brust.
»Wir begreifen weniger als je,« sagten die Verbündeten.
»Ich begreife gar nicht mehr,« dachte Beausire.
»Erklären Sie sich rein heraus, mein lieber Herr Manoel,« sagte er, »denn die Privatzwistigkeiten müssen vor dem öffentlichen Interesse weichen. Sie sind der Vater der Idee, ich muß es offenherzig anerkennen. Ich verzichte auf jedes Recht der Vaterschaft, aber um Gottes willen! Seien Sie klar.«
»Gut, gut,« erwiderte Manoel. Und er leerte einen zweiten Napf Orgeat. »Ich will die Frage durchsichtig machen.«
»Wir sind schon sicher, daß ein Halsband von fünfzehnmal hunderttausend Livres existirt,« sagte der Banquier. »Das ist ein wichtiger Punkt.«
»Und dieses Halsband befindet sich im Kasten der Herren Böhmer und Bossange. Das ist der zweite Punkt,« fügte Beausire bei.
»Aber Don Manoel hat gesagt, Ihre Majestät die Königin von Portugal kaufe das Halsband. Das führt uns irre.«
»Es kann doch nichts klarer sein,« versetzte der Portugiese. »Sie brauchen nur meinen Worten Aufmerksamkeit zu schenken. Der Gesandtschaftsposten ist erledigt; es findet ein Interim statt; der neue Gesandte, Herr von Suza, kommt frühestens in acht Tagen.«
»Gut,« sagte Beausire.
»Wer verhindert es, daß dieser Gesandte, den es drängt, Paris zu sehen, in acht Tagen ankommt und sich installiert?«
Die Anwesenden schauten einander mit offenem Munde an.
»Begreifen Sie doch,« rief Beausire lebhaft, »Don Manoel will Ihnen sagen, es könne ein falscher oder ein wahrer Gesandter kommen.«
»Ganz richtig,« fügte der Portugiese bei. »Hätte der Gesandte, der sich einfinden wird, Lust zu dem Halsband für Ihre Majestät die Königin von Portugal, wäre er nicht berechtigt dazu?«
»Bei Gott!« riefen die Anwesenden.
»Und dann unterhandelt er mit den Herren Böhmer und Bossange. Das ist das Ganze.«
»Das Ganze!«
»Nur muß man bezahlen, wenn man unterhandelt hat,« bemerkte der Banquier vom Pharo.
»Oh! bei Gott! ja,« erwiderte der Portugiese.
»Die Herren Böhmer und Bossange werden das Halsband nicht in die Hände eines Gesandten übergehen lassen, und wäre es auch ein ächter Suza, ohne gute Garantien zu haben.«
»O! ich habe wohl an eine Garantie gedacht,« antwortete der zukünftige Gesandte.
»Welche?«
»Der Gesandtschaftsposten ist verlassen, haben wir gesagt?«
»Ja.«
»Es ist nur noch ein Kanzler vorhanden, ein braver Mensch von einem Franzosen, der die portugiesische Sprache so schlecht als irgend Jemand in der Welt spricht und entzückt ist. wenn die Portugiesen Französisch mit ihm sprechen, weil er sich dann nicht plagen muß; wenn die Franzosen Portugiesisch mit ihm reden, weil er glänzt.«
»Nun?« fragte Beausire.
»Nun! meine Herren, wir erscheinen vor diesem braven Mann mit dem ganzen Aeußern der neuen Gesandtschaft.«
»Das Aeußere ist gut.« entgegnete Beausire, »doch die Papiere sind mehr werth.«
»Man wird die Papiere haben,« erwiderte Don Manoel laconisch.
»Es wäre vergeblich zu bezweifeln, daß Don Manoel ein kostbarer Mann ist,« sagte Beausire.
»Sobald das Aeußere und die Papiere den Kanzler von der Identität der Gesandtschaft überzeugt haben, setzen wir uns auf dem Posten fest …«
»Ho! ho! das ist stark.« unterbrach ihn Beausire.
»Es ist nothwendig!« fuhr der Portugiese fort.
»Es ist ganz einfach,« versicherten die anderen Verbündeten.
»Aber der Kanzler?« warf Beausire ein.
»Wir haben es gesagt: Ueberzeugt.«
»Wäre er zufällig minder gläubig, so würde man ihn zehn Minuten, ehe er zweifelte, entlassen. Ich denke, ein Gesandter hat das Recht, mit seinem Kanzler zu wechseln?«
»Offenbar.«
»Wir sind also Herren der Gesandtschaft, und unsere erste Operation ist, daß wir den Juwelieren Böhmer und Bossange einen Besuch machen.«
»Nein, nein,« entgegnete Beausire lebhaft, »Sie scheinen mir einen Hauptpunkt nicht zu kennen, der mir vollkommen bekannt ist, da ich an den Höfen gelebt habe. Eine Operation, wie Sie es nennen, wird nicht von einem Gesandten vorgenommen, ohne daß er, vor jedem andern Schritt, in feierlicher Audienz empfangen worden ist, und hierin liegt eine Gefahr. Der berüchtigte Riza Bey, der in der Eigenschaft eines Gesandten des Schach von Persien Ludwig XIV. vorgestellt wurde und die Dreistigkeit hatte, Seiner allerchristlichsten Majestät für dreißig Franken Türkisse anzubieten, Riza Bey, sage ich, war sehr stark in der persischen Sprache, und der Teufel soll mich holen, wenn es in Frankreich Gelehrte gab, welche im Stande waren, ihn zu überweisen, er komme nicht von Ispahan. Aber wir würden sogleich erkannt werden. Man würde uns auf der Stelle sagen, wir sprechen das Portugiesische in reinem Gallisch, und zum Vorstellungsgeschenk schickte man uns in die Bastille. Nehmen wir uns in Acht.«
»Ihre Einbildungskraft reißt Sie zu weit fort, lieber College,« sagte der Portugiese, »wir werden uns nicht allen diesen Gefahren entgegenwerfen; wir bleiben jeder in unserm Hotel.«
»Dann wird Herr Böhmer nicht so fest glauben, daß wir Gesandte, daß wir Portugiesen seien, als dieß nothwendig wäre.«
»Herr Böhmer wird begreifen, wir seien mit dem ganz einfachen Auftrag, das Halsband zu kaufen, nach Frankreich gekommen, da der Gesandte gewechselt worden, während wir unter Weges gewesen. Es ist uns nur der Befehl, ihn zu ersetzen, zugestellt worden. Nun, diesen Befehl zeigt man, wenn es sein muß, Herrn Bossange, dann wird man ihn auch wohl dem Herrn Kanzler der Gesandtschaft gezeigt haben; nur muß man bemüht sein, diesen Befehl den Ministern nicht zu zeigen, denn die Minister sind neugierig, sie sind mißtrauisch, sie würden uns mit einer Menge kleiner Einzelnheiten belästigen.«
»Oh! ja,« rief die Versammlung, »setzen wir uns nicht mit dem Ministerium in Verbindung.«
»Verlangen aber die Herren Böhmer und Bossange …«
»Was?« fragte Manoel.
»Eine Abschlagszahlung,« antwortete Beausire.
»Das würde die Sache verwickelt machen,« sagte der Portugiese verlegen.
»Denn,« fuhr Beausire fort, »denn es ist gebräuchlich, daß ein Gesandter mit Creditbriefen, wenn nicht mit baarem Geld, ankommt.«
»Das ist richtig,« sagten die Verbündeten.
»Die Angelegenheit würde hier scheitern,« fügte Beausire bei.
»Sie finden immer Mittel, das Geschäft scheitern zu machen,« entgegnete Manoel mit einer eisigen Schärfe. »Sie werden keine finden, um es gelingen zu machen.«
»Gerade weil ich solche finden will, erhebe ich Schwierigkeiten,« erwiderte Beausire. »Und… halt, halt, ich finde sie.«
Alle Köpfe näherten sich in einem Kreise.
»In jeder Kanzlei ist eine Casse.«
»Ja, eine Casse und ein Credit.«
»Sprechen wir nicht vom Credit,« erwiderte Beausire; »nichts ist so theuer, um es sich zu verschaffen. Um Credit zu bekommen, müßten wir Pferde, Equipagen, Bediente, Möbel und Geräthe aller Art haben, was die Grundlage jedes möglichen Credits ist. Reden wir von der Casse. Was denken Sie von der Ihrer Gesandtschaft?
»Ich betrachtete meine Gebieterin, Ihre Allergläubigste Majestät, immer als eine herrliche Königin. Sie muß die Dinge gut gemacht haben.«
»Das werden wir sehen; und dann nehmen wir an, es sei nichts in der Casse.«
»Das ist möglich,« sprachen seufzend die Verbündeten.
»Dann gibt es keine Verlegenheit mehr, denn sogleich fragen wir, der Gesandte, die Herren Böhmer und Bossange, wer ihr Correspondent in Lissabon sei, und wir unterzeichnen, stempeln, siegeln ihnen Wechsel auf diesen Correspondenten für die verlangte Summe.«
»Ah! das ist gut,« sagte Don Manoel majestätisch, von der Erfindung eingenommen, »ich war nicht zu den Details hinabgestiegen.«
»Welche köstlich sind,« rief der Banquier vom Pharo, indem er mit der Zunge über seine Lippen hinstrich.
»Nun laßt uns bedacht sein, die Rollen unter uns aufzutheilen,« sprach Beausire. »Ich sehe Don Manoel im Gesandten.«
»Oh! gewiß, ja,« rief im Chor die Versammlung.
»Und ich sehe Herrn von Beausire in meinem Secretär-Dolmetscher,« fügte Don Manoel bei.
»Wie so?« fragte Beausire ein wenig ängstlich.
»Ich darf kein Wort Französisch sprechen, ich, der ich Herr von Suza bin; denn ich kenne ihn, diesen Herrn, und wenn er spricht, was selten vorkommt, so ist es höchstens das Portugiesische, seine Muttersprache. Sie, im Gegentheil, Herr von Beausire, der Sie gereist sind, der Sie eine große Uebung in den Pariser Unterhandlungen haben, der Sie das Portugiesische angenehm sprechen …«
»Schlecht,« unterbrach Beausire.
»Genug, daß man Sie nicht für einen Pariser hält.«
»Das ist wahr … Aber …«
»Und dann,« fügte Don Manoel, sein schwarzes Auge auf Beausire heftend, bei, »den nützlichsten Agenten der größte Vortheil.«
»Gewiß!« sprachen die Verbündeten.
»Abgemacht, ich bin Secretär-Dolmetscher.«
»Sprechen wir sogleich hiervon,« unterbrach der Banquier; »wie wird man die Sache vertheilen?«
»Ganz einfach,« antwortete Don Manoel, »wir sind unser zwölf.«
»Ja, zwölf,« wiederholten die Verbündeten, die sich zählten.
»In Zwölfteln also,« sagte Don Manoel, »mit dem Vorbehalt indessen, daß Gewisse unter uns anderthalb Theile bekommen sollen; ich, zum Beispiel, als Vater der Idee und als Gesandter: Herr von Beausire, weil er den Streich gewittert hatte und von Millionen sprach, als er hierher kam.«
Beausire machte ein Zeichen der Beipflichtung.
»Und endlich auch anderthalb Theile demjenigen, welcher die Diamanten verkaufen wird,« fügte der Portugiese bei.
»Oh!« riefen einstimmig die Verbündeten, »diesem nichts, nichts als einen halben Theil.«
»Warum denn?« fragte Don Manoel erstaunt; »dieser scheint mir viel zu wagen.«
»Ja,« sagte der Banquier, »aber er wird die Weinkäufe, die Prämien, die Rimessen bekommen, wodurch ihm ein herrliches Stück zufällt.«
Alle lachten; diese ehrlichen Leute verstanden sich vortrefflich.
»So ist also die Hauptsache geordnet,« sprach Beausire, »morgen die einzelnen Punkte, es ist spät.«
Er dachte an Oliva, welche auf dem Ball allein mit dem blauen Domino geblieben war, für den, so leicht er auch Louisd'or verschenkte, der Liebhaber von Nicole sich nicht durch ein blindes Vertrauen eingenommen fühlte.
»Nein, nein, endigen wir sogleich,« riefen die Verbündeten, »was sind die einzelnen Punkte?«
»Ein Reisewagen mit dem Wappen von Suza,« antwortete Beausire.
»Das Malen und besonders das Trocknen wird zu viel Zeit kosten,« entgegnete Manoel.
»Ein anderes Mittel also,« rief Beausire. »Der Wagen des Herrn Gesandten wird unter Weges gebrechen und er genöthigt gewesen sein, den seines Secretärs zu nehmen.«
»Sie haben also einen Wagen, Sie?« fragte der Portugiese.
»Ich habe den ersten besten.«
»Aber Ihr Wappen?«
»Das erste beste.«
»Oh! das vereinfacht Alles. Viel Staub, viele Kothspritzer auf den Feldern bei der Stelle, wo das Wappen angebracht ist, und der Kanzler wird nichts sehen, als Staub und Kothspritzer.«
»Aber der übrige Theil der Gesandtschaft?« fragte der Banquier.
»Wir kommen am Abend an, das ist bequemer für ein Debüt, und Sie, Sie treffen am andern Morgen ein, wenn wir schon Alles vorbereitet haben.«
»Sehr gut!«
»Jeder Gesandte braucht, außer seinem Secretär, einen Kammerdiener,« bemerkte Manoel, »eine delicate Function.«
»Mein Herr Commandeur,« sprach der Banquier, indem er sich an einen der Schlauköpfe wandte, »Sie werden die Rolle des Kammerdieners übernehmen.«
Der Commandeur verbeugte sich.
»Und die Gelder für die Einkäufe?« sagte Don Manoel; »ich bin auf dem Trockenen.«
»Ich habe Geld,« sprach Beausire, »aber es gehört meiner Geliebten.«
»Wie viel ist in der Casse?« fragten die Verbündeten.
»Ihre Schlüssel, meine Herren,« rief der Banquier.
Jeder von den Verbündeten zog aus seiner Tasche ein Schlüsselchen, das einen der zwölf Riegel öffnete, mit denen der doppelte Grund des trefflichen Tisches verschlossen war, so daß in dieser ehrlichen Gesellschaft keiner die Casse ohne die Erlaubniß seiner elf Collegen untersuchen konnte.
Man schritt zur Beurkundung.
»Hundert und achtundneunzig Louisd'or außer dem Reservefonds,« sagte der Banquier, der überwacht worden war.
»Geben Sie diese Summe Herrn von Beausire und mir,« sprach Manoel, »das ist nicht zu viel.«
»Geben Sie uns zwei Drittel, lassen Sie das übrige Drittel dem Rest der Gesandtschaft,« sprach Beausire mit einer Großmuth, durch die er alle Stimmen für sich gewann.
»Auf diese Art bekommen Don Manoel und Beausire hundert und zweiunddreißig Louisdor, und sechsundsechzig bleiben für die Andern.«
Man trennte sich, nachdem man sich auf den andern Tag Rendez-vous gegeben hatte; Beausire rollte hastig seinen Domino unter seinen Arm und lief nach der Rue Dauphine, wo er Mlle. Oliva im Besitz alles dessen, was sie an alten Tugenden und neuen Louisd'or hatte, wiederzufinden hoffte.
XXVI.
Der Gesandte
Am andern Tag, gegen Abend, kam ein Reisewagen, genug bestaubt, genug mit Koth bespritzt, daß Niemand das Wappen unterscheiden konnte, durch die Barrière de l'Enfer.
Die vier Pferde, die ihn führten, liefen in größter Eile; die Postillone sputeten sich, als ob sie einen Fürsten bedienten.
Der Wagen hielt vor einem Hotel von ziemlich hübschem Aussehen in der Rue de la Jussienne an.
Vor der Thüre dieses Hotels warteten zwei Männer, der eine in einer Kleidung, welche durch ihren Glanz die Ceremonie verkündigte, der andere in einer Art von Alltagslivree, wie sie jeder Zeit die öffentlichen Officianten der verschiedenen Pariser Administrationen gehabt haben.
Mit anderen Worten, der Letztere glich einem Portier im Prachtgewand.
Der Wagen fuhr in das Hotel hinein, dessen Thüren sogleich wieder mehreren Neugierigen vor der Nase zugemacht wurden.
Der Mann im Staatskleid näherte sich sehr ehrfurchtsvoll dem Kutschenschlag und begann mit einer meckernden Stimme eine Rede in portugiesischer Sprache.
»Wer sind Sie?« fragte aus dem Innern eine etwas trotzige Stimme ebenfalls Portugiesisch, nur sprach diese Stimme ein vortreffliches Portugiesisch.
»Der unwürdige Kanzler der Gesandtschaft, Excellenz.«
»Sehr gut. Wie schlecht sprechen Sie unsere Sprache, mein lieber Kanzler! Sagen Sie, wo steigt man aus?«
»Hier, gnädigster Herr, hier.«
»Ein trauriger Empfang,« rief der edle Don Manoel, der sich gewaltig in die Brust warf, während er sich auf seinen Kammerdiener und seinen Secretär stützte.
»Eure Excellenz wird mir gnädigst verzeihen,« sagte der Kanzler in seiner schlechten Sprache, »der Courier Seiner Excellenz ist erst heute Mittag um zwei Uhr bei der Gesandtschaft abgestiegen, um Ihre Ankunft zu melden. Ich war abwesend, gnädigster Herr, abwesend in Geschäften der Gesandtschaft. Bei meiner Rückkehr fand ich sogleich den Brief Eurer Excellenz. Ich hatte nur noch Zeit, die Zimmer zu öffnen; man beleuchtet sie.«
»Gut. gut.«
»Ah! es ist eine große Freude, die erhabene Person unseres neuen Gesandten zu sehen.«
»Stille! lassen wir nichts bekannt werden, bis neue Befehle von Lissabon eingetroffen sind. Wollen Sie nur die Güte haben, mich in mein Schlafzimmer zu führen, ich falle um vor Müdigkeit. Sie werden sich mit meinem Secretär besprechen, er soll Ihnen meine Befehle mittheilen.«
Der Kanzler verbeugte sich ehrfurchtsvoll vor Beausire; dieser erwiderte die Verbeugung durch einen freundlichen Gruß und sagte mit einer höflich ironischen Miene:
»Sprechen Sie Französisch, mein lieber Herr, das wird Ihnen bequemer sein, und mir ist es auch genehm.«
»Ja, ja,« murmelte der Kanzler, »es wird bequemer für mich sein, denn ich muß gestehen, Herr Secretär, meine Aussprache …«
»Ich sehe es wohl,« erwiderte Beausire mit Dreistigkeit.
»Ich benütze diese Gelegenheit, da ich in Ihnen einen so liebenswürdigen Mann finde,« sprach der Kanzler mit hastigem Erguß, »ich benütze die Gelegenheit, sage ich, um Sie zu fragen, ob Sie glauben, Herr von Suza werde mir nicht böse sein, daß ich das Portugiesische so radebreche.«
»Keineswegs, wenn Sie das Französische rein sprechen.«
»Ich!« sagte der Kanzler freudig; »ich, ein Pariser aus der Rue Saint-Honoré?«
»Oh! das ist zum Entzücken!« rief Beausire. »Wie heißen Sie? Ducorneau, glaube ich?«
»Ducorneau, ja, Herr Secretär, ein ziemlich glücklicher Name, denn er hat eine spanische Endung, wenn man will. Der Herr Secretär wußte meinen Namen, das ist sehr schmeichelhaft für mich.«
»Ja, Sie sind dort sehr gut angeschrieben, so gut angeschrieben, daß Ihr Ruf uns abgehalten hat, einen Kanzler von Lissabon mitzubringen.«
»Oh! wie viel Dank bin ich Ihnen schuldig, und welch ein Glück ist für mich die Ernennung des Herrn von Suza!«
»Oh! ich glaube, der Herr Gesandte läutet.«
»Laufen wir!«
Man lief in der That. Der Herr Gesandte hatte sich, eifrigst unterstützt von seinem Kammerdiener, schon ausgekleidet und einen prachtvollen Schlafrock angezogen. In Eile gerufen, war ein Barbier mit ihm beschäftigt. Einige dem Anschein nach ziemlich reiche Schachteln und Reisenecessaires schmückten die Tische und Consoles.
Ein großes Feuer flammte im Kamin.
»Treten Sie ein, treten Sie ein, Herr Kanzler,« rief der Gesandte, der sich in einen ungeheuern Lehnstuhl mit Polstern, ganz nach der Quere vor dem Kamin, begraben hatte.
»Der Herr Gesandte wird ärgerlich werden, wenn ich ihm französisch antworte,« sagte leise der Kanzler zu Beausire.
»Nein, nein, immer zu.«
Ducorneau machte sein Compliment in französischer Sprache.
»Ah! das ist sehr bequem, Sie sprechen das Französische bewunderungswürdig, Herr du Corno.«
»Er hält mich für einen Portugiesen,« dachte der Kanzler, trunken vor Freude.
Und er drückte Beausire die Hand.
»Wohlan! kann man zu Nacht speisen?«
»Gewiß, ja, Eure Excellenz. Ja, das Palais-Royal ist zwei Schritte von hier, und ich kenne einen vortrefflichen Traiteur, der Eurer Excellenz ein gutes Abendbrod bringen würde.«
»Als ob es für Sie wäre, Herr du Corno.«
»Ja, gnädigster Herr … Und ich, wenn es Eure Excellenz erlaubt, würde mir die Freiheit nehmen, ein Paar Flaschen von einem Landwein anzubieten, wie Eure Excellenz keinen in Porto selbst gefunden haben wird.«
»Ei! unser Kanzler hat also einen guten Keller?« sagte Beausire munter.
»Das ist mein einziger Luxus,« erwiderte demüthig der brave Mann, dessen lebhafte Augen, dicke, runde Backen und blüthenreiche Nase Beausire und Don Manoel zum ersten Mal beim Schein der Kerzen sehen konnten.
»Thun Sie, wie es Ihnen beliebt, Herr du Corno,« sagte der Gesandte; »bringen Sie uns von Ihrem Wein, und speisen Sie mit uns zu Nacht.«
»Eine solche Ehre …«
»Ohne Etikette, heute bin ich noch ein Reisender, ich werde erst morgen der Gesandte sein. Und dann werden wir von den Geschäften sprechen.«
»Oh! der gnädige Herr wird mir doch erlauben, daß ich einen Blick auf meine Toilette werfe.«
»Sie sind herrlich,« sagte Beausire.
»Empfangstoilette, nicht Gala,« erwiderte Ducorneau.
»Bleiben Sie, wie Sie sind, und widmen Sie unseren Anstalten die Zeit, die Sie brauchen würden, um das Galakleid anzuziehen.«
Entzückt verließ Ducorneau den Gesandten und lief eiligst weg, um zehn Minuten für den Appetit Seiner Excellenz zu gewinnen.
Während dieser Zeit ließen die drei Schelme das Mobiliar und die übrigen Gegenstände ihrer neuen Gewalt die Revue passiren.
»Schläft dieser Kanzler im Hotel?« fragte Don Manoel.
»Nein: der Bursche hat einen guten Keller und muß irgendwo eine hübsche Frau oder eine Grisette haben. Es ist ein alter Junggeselle.«
»Der Portier?«
»Man wird sich seiner entledigen müssen.«
»Ich übernehme das.«
»Die anderen Bedienten des Hotel?«
»Miethbediente, deren Stelle unsere Verbündeten morgen einnehmen werden.«
»Was sagt die Küche? was die Vorrathskammer?«
»Todt! todt! der frühere Gesandte erschien nie im Hotel. Er hatte sein Haus in der Stadt.«
»Was sagt die Casse?«
»Was die Casse betrifft, so müssen wir den Kanzler befragen; das ist delicat.«
»Das übernehme ich,« sagte Beausire, »wir sind schon die besten Freunde der Welt.«
»Stille! er kommt.«
Ducorneau kam wirklich athemlos zurück. Er hatte den Traiteur in der Rue des-Bons-Enfants benachrichtigt, aus seinem Cabinet sechs Flaschen von ehrwürdigem Aussehen genommen, und sein freudiges Gesicht verkündigte alle die guten Geneigtheiten, welche die zwei Sonnen, Natur und Diplomatie, zu combiniren wissen, um das zu vergolden, was die Cyniker die menschliche Façade nennen.
»Eure Excellenz wird nicht in den Speisesaal hinabgehen?« fragte er.
»Nein, nein, wir speisen auf dem Zimmer, unter uns, am Kamin.«
»Der gnädigste Herr erfüllt mich mit Freude. Hier ist der Wein.«
»Topase!« sagte Beausire, indem er eine der Flaschen zur Höhe einer Kerze emporhob.
»Setzen Sie sich, Herr Kanzler, wahrend mein Kammerdiener den Tisch deckt.«
Ducorneau setzte sich.
»An welchem Tag sind die letzten Depeschen angekommen?« fragte der Gesandte.
»Am Vorabend bei Abreise Ihres … des Vorgängers Eurer Excellenz.«
»Wohl! die Gesandtschaft ist in gutem Zustand?«
»Oh! ja, gnädigster Herr.«
»Keine schlechten Geldangelegenheiten?«
»Nicht, daß ich wüßte.«
»Keine Schulden? … Oh! sprechen Sie. Wenn solche vorhanden wären, so würden wir damit anfangen, daß wir sie bezahlten. Mein Vorgänger ist ein wackerer Mann, für den ich mich solidarisch verbindlich mache.«
»Gott sei Dank, der gnädige Herr wird das nicht nöthig haben; die Credite sind angewiesen worden, und am andern Tage nach der Abreise des vorigen Gesandten kamen hunderttausend Livres hier an.«
»Hunderttausend Livres!« riefen, ganz erschrocken vor Freude, gleichzeitig Beausire und Don Manoel.
»In Gold,« sagte der Kanzler.
»In Gold,« wiederholte der Gesandte, der Secretär und sogar der Kammerdiener.
»Somit,« sagte Beausire, seine Aufregung bewältigend, »somit enthält die Casse …«
»Einmal hunderttausend dreihundert und achtundzwanzig Livres, Herr Secretär.«
»Das ist wenig,« sprach Don Manoel kalt; »doch Ihre Majestät hat zum Glück Fonds zu unserer Verfügung gestellt. Ich sagte Ihnen ja, mein Lieber,« fuhr er, sich an Beausire wendend, fort, »ich sagte Ihnen, es würde uns in Paris daran fehlen.«
»Ja, wenn Eure Excellenz nicht ihre Vorsichtsmaßregeln getroffen hätte,« erwiderte Beausire ehrerbietig.
Von dieser wichtigen Mittheilung des Kanzlers an nahm die Heiterkeit der Gesandtschaft beständig zu.
Ein gutes Abendbrod, bestehend aus einem Salmen, ungeheuren Krebsen, Schwarzfleisch und Cremen, vermehrte die Begeisterung der portugiesischen Herren nicht wenig.
Ducorneau, dem man es behaglich gemacht, aß wie zehn Granden Spaniens und zeigte seinen Vorgesetzten, wie ein Pariser aus der Rue Saint-Honoré die Weine von Porto und Xeres als Weine von Brie oder Tonnerre behandelte.
