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Kitabı oku: «Das Halsband der Königin Denkwürdigkeiten eines Arztes 2», sayfa 39

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LVIII.
Haushaltungsrechnungen

Es war zwei Tage vor der ersten von der Königin bestimmten Zahlung. Herr von Calonne hatte sein Versprechen noch nicht gehalten. Seine Rechnungen waren noch nicht vom König unterzeichnet.

Der Minister hatte viel zu thun gehabt und dadurch die Königin ein wenig vergessen. Sie ihrerseits hielt es nicht ihrer Würde angemessen, das Gedächtniß des Controleur der Finanzen aufzufrischen. Da sie seine Zusage erhalten hatte, so wartete sie.

Sie fing indessen an unruhig zu werden und sich zu erkundigen, sie sann eben auf Mittel, Herrn von Calonne, zu sprechen, ohne die Königin zu compromittiren, als ihr ein Billet folgenden Inhalts vom Minister zukam:

»Diesen Abend wird die Sache, mit der mich Eure Majestät gnädigst beauftragt hat, im Rathe unterzeichnet werden, und die Gelder werden morgen früh bei der Königin sein.«

Ihre ganze Heiterkeit kehrte auf Marie Antoinette's Lippen zurück. Sie dachte an nichts mehr.

Man sah sie sogar auf ihren Spaziergängen die einsamsten Alleen suchen, als wollte sie ihre Gedanken von aller materiellen und weltlichen Berührung absondern.

Sie ging noch mit Frau von Lamballe und dem Grafen von Artois spazieren, als der König nach seinem Mittagsmahle in der Sitzung des Rathes erschien.

Der König war von einer wunderlichen Laune. Aus Rußland kamen schlimme Nachrichten. Ein Schiff war im Golf von Lyon untergegangen. Einige Provinzen verweigerten die Steuerbezahlung, Eine schöne, vom König selbst polirte und gefirnißte Weltkugel war vor Hitze zersprungen, und Europa fand sich bei der Vereinigung des 30. Grades der Breite mit dem 55. der Länge in zwei Theile geschnitten. Seine Majestät schmollte mit der ganzen Welt, selbst mit Herrn von Calonne.

Vergebens bot dieser sein schönes parfümirtes Portefeuille mit seiner lachenden Miene an. Schweigsam und verdrießlich kritzelte der König auf ein Stück weißes Papier Schraffirungen, welche Sturm bedeuteten, wie die Gliedermännchen und die Pferde schön Wetter bedeuteten.

Es war eine Manie des Königs, während der Rathssitzungen zu zeichnen. Ludwig XVI. liebte es nicht, den Leuten in's Gesicht zu sehen, er war schüchtern: eine Feder in seiner Hand gab ihm Sicherheit und Haltung. Während er sich so beschäftigte, konnte der Redner seine Beweisgründe entwickeln; der König, indem er das Auge verstohlen aufschlug, gebrauchte von Zeit zu Zeit ein wenig von dem Feuer seiner Blicke – gerade so viel, als nöthig war, um die Idee zu beurtheilen und den Menschen nicht zu vergessen.

Sprach er selbst, und er sprach gut, so benahm seine Zeichnung seiner Rede jedes Ansehen der Anmaßung: er brauchte keine Geberde mehr zu machen; er konnte nach Belieben sich unterbrechen oder erwärmen, der Zug auf dem Papier ersetzte im Nothfall die Zierrathen des Wortes.

Der König nahm also seiner Gewohnheit gemäß die Feder, und die Minister fingen an Entwürfe oder diplomatische Noten vorzulesen.

Der König gab keine Sylbe von sich, er ließ die auswärtige Korrespondenz vorüber gehen, als begriffe er kein Wort von dieser Art von Arbeit.

Aber man kam zum Detail der Rechnungen des Monats; er erhob das Haupt.

Herr von Calonne hatte eine Denkschrift in Beziehung auf das für das folgende Jahr beabsichtigte Anlehen zu lesen angefangen.

Der König machte mit der größten Wuth Schraffirungen.

»Immer entlehnen, ohne zu wissen, wie man es zurückgeben wird,« sagte er; »das ist doch ein Problem, Herr von Calonne.«

»Sire, ein Anlehen ist ein Aderlaß, den man an einer Quelle macht, das Wasser verschwindet hier, um dort im Ueberfluß zu strömen. Mehr noch, es verdoppelt sich durch die unterirdischen Anpumpungen. Und vor Allem, statt zu sagen: wie werden wir bezahlen? müßte man sagen: wie und worauf werden wir entlehnen? Denn das Problem, von dem Eure Majestät sprach, heißt nicht: womit wird man zurückgeben? sondern: wird man wohl Gläubiger finden?«

Der König trieb seine Schraffirungen bis zum undurchsichtigsten Schwarz, doch er fügte kein Wort mehr bei; seine Züge sprachen von selbst.

Nachdem Herr von Calonne seinen Plan, mit dem Gutheißen seiner Collegen, auseinandergesetzt hatte, nahm der König den Entwurf und unterzeichnete ihn, obwohl seufzend.

»Nun, da wir Geld haben, geben wir aus,« sagte Herr von Calonne lachend.

Der König schaute seinen Minister mit einer Grimasse an und machte aus der Schraffirung einen ungeheuren Tintenklecks.

Herr von Calonne gab ihm einen Etat, aus Ruhegehalten, Gratificationen, Aufmunterungen, Geschenken und Besoldungen bestehend.

Die Arbeit war kurz, gut auseinandergesetzt. Der König wandte die Blätter um und eilte zur Gesammtsumme.

»Eine Million und viermal hunderttausend Livres für so wenig! Wie kommt das?«

Und er ließ die Feder ruhen.

»Lesen Sie, Sire, lesen Sie, und wollen Sie bemerken, daß bei den elfmal hunderttausend Livres ein einziger Artikel auf fünfmal hunderttausend Livres gestellt ist.«

»Welcher Artikel, Herr Generalcontroleur?«

»Der Vorschuß für Ihre Majestät die Königin, Sire.«

»Für die Königin!« rief Ludwig XVI. »Fünfmal hunderttausend Livres der Königin! Ei, mein Herr, das ist nicht möglich!«

»Verzeihen Sie, Sire, die Zahl ist vollkommen richtig.«

»Fünfmal hunderttausend Livres der Königin!« wiederholte der König. »Es muß ein Irrthum obwalten. In der vorigen Woche, nein, vor vierzehn Tagen habe ich Ihrer Majestät ihre drei Monate ausbezahlen lassen.«

»Sire, wenn die Königin Geld nöthig hat, und man weiß, wie Ihre Majestät Gebrauch davon macht, so ist es nichts Außerordentliches …«

»Nein, nein!« rief der König; – er fühlte nämlich das Bedürfniß, von seiner Sparsamkeit sprechen zu machen, um der Königin einiges Jubelgeschrei zu verschaffen, wenn sie in die Oper gehen würde –; »die Königin will diese Summe nicht, Herr von Calonne. Die Königin hat mir gesagt, ein Schiff sei mehr werth, als Juwelen. Die Königin denkt, wenn Frankreich entlehne, um seine Armen zu ernähren, so müssen die reichen Leute Frankreich borgen. Braucht die Königin dieses Geld, so wird ihr Verdienst größer sein, wenn sie darauf wartet; und ich stehe Ihnen dafür, daß sie warten wird.«

Die Minister zollten diesem patriotischen Erguß des Königs, den der göttliche Horaz in diesem Augenblick nicht Uxorius genannt hätte, großen Beifall.

Nur Herr von Calonne, der die Verlegenheit der Königin kannte, beharrte auf der Genehmigung des Postens.

»Wahrhaftig,« sprach der König, »Sie sind mehr für uns interressirt, als wir selbst. Beruhigen Sie sich, Herr von Calonne.«

»Die Königin, Sire, wird mich beschuldigen, ich sei nicht sehr eifrig für ihren Dienst gewesen.«

»Ich werde Ihre Sache bei ihr vertheidigen.«

»Die Königin, Sire, verlangt nie, wenn sie nicht durch die Notwendigkeit gezwungen wird.«

»Hat die Königin Bedürfnisse, so sind sie, wie ich hoffe, minder gebieterisch, als die der Armen, und das wird sie zuerst zugestehen.«

»Sire …«

»Besagter Artikel …« sprach der König entschlossen.

Und er nahm die Feder von den Schraffirungen.

»Sie durchstreichen diesen Credit, Sire?« rief Herr von Calonne bestürzt.

»Ich durchstreiche ihn,« antwortete Ludwig XVI. majestätisch. »Und es ist mir, als hörte ich hier die edle Stimme der Königin mir danken, daß ich ihr Herz so gut erkannt.«

Herr von Calonne biß sich auf die Lippen. Mit diesem heldenmütigen persönlichen Opfer zufrieden, unterschrieb der König alles Uebliche in blindem Vertrauen.

Und er zeichnete ein schönes Zebra, umgeben von Nullen, und wiederholte:

»Ich habe heute Abend fünfmal hunderttausend Livres gewonnen, ein schöner Königstag, Herr von Calonne; Sie werden diese gute Kunde der Königin überbringen, Sie werden sehen, Sie werden sehen.«

»Ah! mein Gott, Sire,« murmelte der Minister, »ich wäre in Verzweiflung, wenn ich Ihnen die Freude dieses Bekenntnisses rauben sollte. Jedem nach seinen Verdiensten!«

»Es sei,« erwiderte der König, »heben wir die Sitzung auf. Genug der Arbeit, wenn die Arbeit gut ist. Ah! dort kommt die Königin; gehen wir ihr entgegen, Calonne.«

»Sire, ich bitte Eure Majestät um Verzeihung, ich habe meine Unterschrift.«

Und er machte sich so schnell als möglich durch den Corridor aus dem Staube.

Der König ging muthig und ganz strahlend Marie Antoinette entgegen, welche, mit ihrem Arm auf den Grafen von Artois gestützt, im Vorhause sang.

»Madame,« sagte er, »nicht wahr, Sie haben einen guten Spaziergang gemacht?«

»Einen vortrefflichen, und Sie, haben Sie eine gute Arbeit gemacht?«

»Beurtheilen Sie selbst, ich habe fünfmal hunderttausend Livres für Sie gewonnen.«

»Calonne hat Wort gehalten,« dachte die Königin.

»Stellen Sie sich vor,« fügte Ludwig XVI. bei, »Calonne hatte Sie für eine halbe Million auf den Credit gesetzt.«

»Oh!« machte Marie Antoinette lächelnd.

»Und ich … ich habe durchstrichen. So sind fünfmal hunderttausend Livres mit einem Federstrich gewonnen.«

»Wie, durchstrichen?« rief die Königin erbleichend.

»Gerade zu; das wird Ihnen ungeheuer nützen. Guten Abend, Madame, guten Abend «

»Sire! Sire!»

»Ich verspüre gewaltigen Hunger und kehre in meine Gemächer zurück. Habe ich mein Abendbrod nicht wohl verdient?«

»Sire, hören Sie doch.«

Doch Ludwig hüpfte und entfloh, hocherfreut über seinen Scherz. Die Königin blieb erstaunt, stumm und bestürzt zurück.

»Mein Schwager,« sagte sie endlich zum Grafen von Artois, »lassen Sie mir Herrn von Calonne holen, dahinter ist ein schlimmer Streich.«

Gerade in diesem Augenblick brachte man der Königin folgendes Billet des Ministers:

»Eure Majestät wird erfahren haben, daß der Credit vom König verweigert worden ist. Das ist unbegreiflich, Madame, und ich habe mich krank und von Schmerz durchdrungen aus dem Rathe entfernt.«

»Lesen Sie,« sagte sie, das Billet dem Grafen von Artois reichend.

»Und es gibt Leute, welche behaupten, wir verschleudern die Staatseinkünfte, meine Schwägerin!« rief der Prinz. »Das ist das Verfahren …«

»Eines Ehemanns,« murmelte die Königin. »Guten Abend, mein Schwager.«

»Empfangen Sie meine Beileidsbezeigungen, liebe Schwägerin; ich bin nun gewarnt, denn ich hatte morgen verlangen wollen.«

»Man hole mir Frau von La Mothe,« sagte die Königin nach langem Nachsinnen zu Frau von Misery, »wo sie auch sein mag, und auf der Stelle.«

LIX.
Marie Antoinette als Königin. Frau von La Mothe als Weib

Der Courier, den man nach Paris an Frau von La Mothe absandte, fand die Gräfin oder fand sie vielmehr nicht beim Cardinal von Rohan.

Jeanne hatte Seiner Eminenz einen Besuch gemacht, sie hatte hier zu Mittag gespeist, sie speiste hier zu Nacht und unterhielt sich mit ihm von der unseligen Rückerstattung, als der Läufer anfragte, ob sich die Gräfin bei Herrn von Rohan befinde.

Der Portier, als ein gewandter Mann, erwiderte, Seine Eminenz sei ausgefahren, und Frau von La Mothe befinde sich nicht im Hotel, doch nichts sei leichter, als ihr das sagen zu lassen, womit Ihre Majestät ihren Boten beauftragt habe, insofern sie wahrscheinlich diesen Abend in das Hotel kommen würde.

»Sie soll sich so schnell als möglich nach Versailles begeben,« sagte der Läufer; und er entfernte sich, nachdem er denselben Auftrag in allen muthmaßlichen Wohnungen der nomadischen Gräfin hinterlassen hatte.

Doch kaum war der Läufer weggegangen, als der Portier, der seinen Auftrag besorgte, ohne weit zu gehen, Frau von La Mothe durch seine Frau bei Herrn von Rohan, wo die zwei Verbündeten nach Muße über die Unhaltbarkeit großer Geldsummen philosophirten, benachrichtigen ließ.

Die Gräfin begriff bei dieser Mittheilung, es sei dringend, daß sie sogleich abgehe. Sie verlangte ein Paar gute Pferde vom Cardinal, der sie selbst in eine Berline ohne Wappen setzte, und während er viele Commentare über diese Botschaft machte, fuhr die Gräfin so gut, daß sie in einer Stunde vor das Schloß kam.

Hier wartete Jemand, um sie ohne Verzug bei Marie Antoinette einzuführen.

Die Königin hatte sich in ihr Zimmer zurückgezogen. Der Nachtdienst war abgethan und keine Frau mehr in den Gemächern, außer Frau von Misery, welche im kleinen Boudoir las.

Marie Antoinette stickte, oder gab sich den Anschein, als stickte sie, und horchte dabei mit unruhigem Ohr auf alles Geräusch außen, als Jeanne auf sie zustürzte.

»Ah!« rief die Königin, »Sie sind hier, desto besser. Eine Neuigkeit, Gräfin …«

»Eine gute, Madame?«

»Beurtheilen Sie. Der König hat die fünfmal hunderttausend Livres verweigert.«

»Herrn von Calonne?«

»Jedermann. Der König will mir kein Geld mehr geben. Dergleichen Dinge begegnen nur mir.«

»Mein Gott!« murmelte die Gräfin.

»Das ist unglaublich, nicht wahr, Gräfin? Verweigern, die schon ausgefertigte Anweisung durchstreichen! Doch, sprechen wir nicht mehr von dem, was todt ist. Sie werden sogleich nach Paris zurückkehren.«

»Ja. Madame.«

»Und dem Cardinal sagen, da er mit so viel Hingebung zu Werke gegangen, um mir Vergnügen zu machen, so nehme ich seine fünfmal hunderttausend Livres bis zum nächsten Quartal an. Das ist selbstsüchtig von mir, Gräfin, doch ich muß … ich mißbrauche seine Güte.«

»Ah! Madame,« murmelte Jeanne, »wir sind verloren, Der Herr Cardinal hat kein Geld mehr.«

Die Königin sprang auf, als wäre sie verwundet oder beleidigt worden.

»Kein … Geld … mehr?« stammelte sie.

»Madame, eine Schuldforderung, an die Herr von Rohan nicht mehr dachte, ist an ihn gestellt worden. Es war eine Ehrenschuld, er hat bezahlt.«

»Fünfmal hunderttausend Livres!«

»Ja, Madame.«

»Aber …«

»Sein letztes Geld … Kein Mittel mehr.«

Die Königin hielt, wie betäubt durch dieses Unglück, inne.

»Nicht wahr, ich bin wohl wach?« sagte sie dann. »Alle diese Widerwärtigkeiten müssen mir zustoßen? Woher wissen Sie, Gräfin, daß Herr von Rohan kein Geld mehr hat?«

»Er erzählte mir diesen Unstern vor anderthalb Stunden, Madame. Das Unglück ist um so weniger wieder gut zu machen, als diese fünfmal hunderttausend Livres das waren, was man den Boden der Schublade nennt.«

Die Königin stützte ihre Sinne auf ihre beiden Hände.

»Man muß einen großen Entschluß fassen.« sagte sie.

»Was will die Königin thun?« dachte Jeanne.

»Sehen Sie, Gräfin, das ist eine furchtbare Lection, die mich dafür bestrafen wird, daß ich hinter dem Rücken des Königs eine Handlung mittelmäßigen Ehrgeizes, kleinlicher Coketterie begangen habe. Gestehen Sie, dieses Halsband war kein Bedürfniß für mich.«

»Das ist wahr, Madame, doch wenn eine Königin nur ihre Bedürfnisse und nicht auch ihre Neigungen um Rath fragte …«

»Ich will vor Allem meine Ruhe, das Glück meines Hauses zu Rathe ziehen. Es brauchte nicht mehr, als diese erste Niederlage, um mir darzuthun, wie vielen Verdrießlichkeiten ich mich auszusetzen im Begriff stand, wie furchtbar an Widerwärtigkeiten der Weg war, den ich gewählt hatte. Gehen wir offen, gehen wir frei, gehen wir einfach zu Werke.«

»Madame!«

»Und um anzufangen, opfern wir unsere Eitelkeit auf dem Altar der Pflicht, wie Herr Dorat sagen würde.«

Dann murmelte sie mit einem Seufzer:

»Oh! das Halsband war doch sehr schön!«

»Es ist noch so.«

»Von nun an ist es nur noch ein Haufen Steine für mich. Mit den Steinen macht man, wenn man damit gespielt hat, was die Kinder nach dem Mühlenspiel damit machen, man wirft sie weg, man läßt sie liegen.«

»Was will die Königin hiemit sagen?«

»Die Königin will sagen, liebe Gräfin, Sie werden das von Herrn von Rohan mir überbrachte Etui zurücknehmen und wieder zu den Juwelieren Böhmer und Bossange tragen.«

»Es ihnen zurückgeben?«

»Allerdings.«

»Aber, Madame, Eure Majestät hat zweimal hundert und fünfzigtausend Livres Angeld gegeben?«

»Dabei gewinne ich abermals zweimal hundert und fünfzigtausend Livres, und ich bin nun im Einklang mit den Rechnungen des Königs.«

»Madame! Madame!« rief die Gräfin, »so eine Viertelsmillion verlieren! Denn es kann geschehen, daß die Juweliere Schwierigkeiten machen, die Gelder zurückzugeben, über die sie verfügt haben werden.«

»Darauf zähle ich und ich überlasse ihnen das Angeld unter der Bedingung, daß der Handel rückgängig wird. Seitdem ich dieses Ziel sehe, Gräfin, fühle ich mich viel leichter. Mit diesem Halsband haben sich hier Sorgen, Verdruß, Angst, Argwohn einquartiert. Nie hatten diese Diamanten Feuer genug gehabt, um alle die Thränen zu trocknen, die ich in Wolken über mir lasten fühle. Gräfin, tragen Sie mir dieses Etui auf der Stelle fort. Die Juweliere machen da ein gutes Geschäft. Zweimal hundert und fünfzigtausend Livres Reukauf, das ist ein Gewinn; es ist der Nutzen, den sie an mir machten, und dabei haben sie noch das Halsband. Ich denke, sie werden sich nicht beklagen, und Niemand wird etwas davon erfahren.«

»Aber Herr von Rohan, Madame?«

»Der Cardinal hat nur in der Absicht, mir Vergnügen zu machen, gehandelt. Sie sagen ihm, es sei mein Vergnügen, das Halsband nicht mehr zu haben, und wenn er ein Mann von Geist ist, so wird er mich verstehen; ist er ein guter Priester, so wird er mein Benehmen billigen und mich in meinem Opfer bestärken.«

So sprechend, reichte die Königin Jeanne das geschlossene Etui. Diese schob es sanft zurück und sagte:

»Madame, warum wollen Sie es nicht versuchen, noch eine Frist zu erlangen?«

»Verlangen … nein!«

»Ich habe gesagt erlangen, Madame.«

»Verlangen, heißt sich demüthigen, Madame; erlangen, heißt gedemüthigt werden. Ich würde vielleicht begreifen, daß man sich für eine geliebte Person demüthigte, daß man sich demüthigte, um ein lebendes Geschöpf zu retten, und wäre es nur sein Hund; doch um das Recht zu haben, diese Steine zu behalten, welche brennen wie die angezündete Kohle, ohne mehr zu leuchten und ebenso dauerhaft zu sein, oh! Gräfin, nie wird mich ein Rath bestimmen, das anzunehmen! Tragen Sie das Etui fort, meine Liebe, tragen Sie es fort.«

»Aber bedenken Sie, Madame, welchen Lärmen diese Juweliere machen werden, aus Höflichkeit wenigstens, und um Sie zu beklagen. Ihre Zurückweisung wird Sie eben so sehr dem Verdruß und der Nachrede aussetzen, als Ihre Einwilligung. Das ganze Publicum wird erfahren, daß Sie die Diamanten in Ihrer Gewalt gehabt haben.«

»Niemand wird es erfahren. Ich bin diesen Juwelieren nichts mehr schuldig; ich werde sie nicht mehr empfangen; es ist doch des Wenigste, daß sie für meine zweimal hundert und fünfzigtausend Livres schweigen; und meine Feinde, statt zu sagen, ich kaufe für anderthalb Millionen Diamanten, werden nun sagen, ich werfe mein Geld in den Handel. Das ist minder unangenehm. Tragen Sie es fort, Gräfin, tragen Sie es fort, und danken Sie Herrn von Rohan für seine Freundlichkeit und seinen guten Willen.«

Und mit einer gebieterischen Geberde reichte die Königin das Etui abermals Jeanne, welche diese Last nicht ohne eine Bewegung in ihren Händen fühlte.

»Sie haben keine Zeit zu verlieren,« fuhr die Königin fort; »je weniger die Juweliere Unruhe haben werden, desto sicherer werden wir der Geheimhaltung sein; fahren Sie rasch zurück, und Niemand sehe das Etui. Begeben Sie sich zuerst in Ihre Wohnung, denn ich befürchte, ein Besuch bei Böhmer zu dieser Stunde könnte Verdacht bei der Policei erregen, die sich sicherlich mit dem beschäftigt, was man bei mir thut; dann wenn Ihre Rückkehr die Spione von der Fährte abgebracht hat, gehen Sie zu den Juwelieren und bringen Sie mir einen Empfangschein von ihnen.«

»Ja, Madame, es soll so geschehen, da Sie es wollen.«

Sie steckte das Etui unter ihr Mäntelchen, wobei sie besorgt war, daß nichts den Umfang desselben verrieth, und stieg in den Wagen mit all dem Eifer, den die Genossin ihrer Handlung forderte.

Zuerst fuhr sie nach Hause und schickte den Wagen zu Herrn von Rohan zurück, um dem Kutscher, der sie geführt, nichts von dem Geheimniß zu enthüllen. Dann ließ sie sich umkleiden, um ein minder elegantes und für dieses nächtliche Unternehmen besser geeignetes Gewand anzulegen.

Ihre Kammerfrau kleidete sie rasch an, und bemerkte, daß sie während dieser Operation, welche gewöhnlich mit der ganzen Aufmerksamkeit einer Dame vom Hof beehrt wurde, nachdenklich und zerstreut war.

Jeanne dachte in der That nicht an ihre Toilette, sie ließ mit sich machen, und richtete ihr Nachdenken auf eine seltsame, ihr von der Gelegenheit eingegebene Idee.

Sie fragte sich, ob der Cardinal nicht einen großen Fehler begehe, wenn er die Königin diesen Schmuck zurückgeben lasse, und ob der begangene Fehler nicht eine Verminderung des Glückes herbeiführen werde, das Herr von Rohan träume, und welches zu erreichen er, die kleinen Geheimnisse der Königin theilend, sich schmeicheln könne.

Wenn sie Marie Antoinette's Befehl vollzog, ohne sich mit Herrn von Rohan zu berathen, verfehlte sie sich nicht gegen die ersten Pflichten des Bündnisses? Würde der Cardinal, wenn er mit allen seinen Mitteln am Ende wäre, nicht lieber sich selbst verkaufen, als die Königin eines Gegenstandes beraubt lassen, nach dem sie begehrt hatte?

»Ich kann es nicht anders machen, ich muß mich mit dem Cardinal berathen,« sagte Jeanne zu sich selbst.

»Vierzehnmal hunderttausend Livres,« fügte sie in ihrem Geiste bei; »nie wird er vierzehnmal hunderttausend Livres haben!«

Dann wandte sie sich plötzlich gegen ihre Kammerfrau um und sagte:

»Gehen Sie, Rose.«

Die Kammerfrau gehorchte, und Frau von La Mothe setzte ihren geistigen Monolog fort.

»Welche Summe! welch ein Vermögen, und wie all die Glückseligkeit, all der Glanz, den eine solche Summe verschafft, durch die kleine Schlange in Edelsteinen, welche in diesem Etui hier flammt, so gut dargestellt sind!«

Sie öffnete das Etui und versengte sich die Augen bei der Berührung dieser rieselnden Flammen. Sie zog das Halsband aus dem Atlas, rollte es in ihren Fingern, schloß es in ihre zwei kleinen Hände und sagte:

»Vierzehnmal hunderttausend Livres, welche hierin Raum haben, denn dieses Halsband hat wirklich einen Geldwerth von vierzehnmal hunderttausend Livres, und die Juweliere würden noch heute diesen Preis bezahlen.

»Ein seltsames Geschick, das Jeanne von Valois, der Bettlerin, der Unbekannten gestattet, mit ihrer Hand die Hand der Königin, der größten Fürstin der Welt, zu berühren, und auch in ihren Händen, allerdings nur für eine Stunde, vierzehnmal hunderttausend Livres zu besitzen, eine Summe, die in dieser Welt nie allein geht, und die man stets durch bewaffnete Wächter oder durch Garantien begleiten läßt, welche in Frankreich nicht geringer sein können, als die eines Cardinals und einer Königin.

»Das Alles in meinen Fingern! Wie schwer das ist und wie es leicht ist!

»Um in Gold, diesem kostbaren Metall, das Aequivalent dieses Kleinods fortzuschaffen, hätte ich zwei Pferde nöthig; um es in Cassenbillets fortzuschaffen … und werden die Cassenbillets immer bezahlt? muß man nicht unterzeichnen, controliren? Und dann ist ein Billet Papier; das Feuer, die Luft, das Wasser zerstören es. Ein Cassenbillet hat nicht in allen Ländern Curs; es verräth seinen Ursprung, es offenbart den Namen seines Inhabers. Ein Cassenbillet verliert nach einiger Zeit einen Theil seines Werthes, oder seinen ganzen Werth. Die Diamanten dagegen sind die harte Materie, welche Allem widersteht, und die Jedermann kennt, schätzt, bewundert und kauft, in London, in Berlin, in Madrid, in Brasilien sogar. Alle verstehen einen Diamanten, besonders von dem Schnitt und Wasser, die man in diesen findet! Wie schön sind sie! Wie bewunderungswürdig! Welches Ganze und welche Einzelheiten! Jeder von ihnen ist für sich allein vielleicht verhältnißmäßig mehr werth, als alle miteinander!

»Doch woran denke ich!« sagte sie plötzlich; »fassen wir rasch den Entschluß, entweder den Cardinal aufzusuchen, oder das Halsband, dem Auftrage der Königin gemäß, Böhmer zurückzugeben.«

Sie erhob sich, immer in ihrer Hand die Diamanten haltend, die sich erwärmten und glänzten.

»Sie werden also zu dem kalten Juwelier zurückkehren, der sie abwägen und mit seiner Bürste poliren wird. Diese Juwelen, die an Marie Antoinette's Hals glänzen könnten … Böhmer wird zuerst aufschreien, dann sich bei dem Gedanken, er habe den Nutzen und behalte die Waare, beruhigen. Ah! ich vergaß, in welcher Form soll ich den Empfangschein für die Juwelen abfassen lassen? Das ist ernster Natur, man muß bei dieser Abfassung mit viel Diplomatie zu Werke gehen. Die Schrift darf weder Böhmer, noch die Königin, noch den Cardinal, noch mich verbindlich machen.

»Ich werde nie eine solche Urkunde allein entwerfen. Ich bedarf eines Rathes.

»Der Cardinal … Oh! nein, wenn der Cardinal mich liebte oder reicher wäre und mir die Diamanten schenkte …«

Sie setzte sich auf ihren Sopha, die Diamanten um ihre Hand gewickelt, den Kopf brennend, voll verworrener Gedanken, die sie bald erschreckten, bald von ihr mit einer fieberhaften Energie zurückgestoßen wurden.

Plötzlich ward ihr Auge ruhiger, fester, mehr auf ein Bild des Geistes geheftet; sie gewahrte nicht, daß die Minuten vergingen, daß Alles in ihr eine fortan unerschütterliche Haltung annahm; daß sie, jenen Schwimmern ähnlich, die den Fuß in den Schlamm der Flüsse gesetzt haben, durch jede Bewegung, die sie machte, um sich zu befreien, weiter hinabgezogen wurde. Eine Stunde verging in dieser stummen und tiefen Beschauung eines geheimnißvollen Ziels.

Dann stand sie langsam auf, erbleicht wie die Priesterin durch die Inspiration, und läutete ihrer Kammerfrau.

Es war zwei Uhr Morgens.

»Suchen Sie mir einen Fiaker,« sagte sie, »oder einen Handwagen, wenn kein anderes Gefährt mehr da ist.«

Die Dienerin fand einen Fiaker, der in der Vieille Rue du Temple schlief.

Frau von La Mothe stieg allein ein und schickte ihre Kammerfrau zurück.

Nach zehn Minuten hielt der Fiaker vor der Thüre des Pamphletschreibers Reteau von Villette.

Türler ve etiketler

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Litres'teki yayın tarihi:
04 aralık 2019
Hacim:
1015 s. 9 illüstrasyon
Telif hakkı:
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