Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 12
Dreizehntes Kapitel.
Wie sich der aragonische Ritter gegen zehntausend Goldthaler loskaufte
Der Kapitän Caverley folgte sehr aufmerksam mit den Augen dem Gespräche der zwei fremden Ritter; doch der Spanier hatte Agenor weit genug von dem Abenteurer weggeführt, daß nicht eines ihrer Worte zu ihm gelangen konnte.
»Herr Ritter,« sagte der Unbekannte, »wir sind hier aus dem Bereiche der Stimme, doch nicht aus dem Bereiche der Augen: ich bitte Euch, schlagt Euer Helmvisir nieder, daß Ihr unverständlich und unempfindlich für alle die Menschen seid, die uns umgeben.«
»Und Ihr, edler Herr,« erwiderte Agenor, »laßt mich noch einmal, ehe Ihr das Eurige niederschlagt, einige Augenblicke Euer Gesicht betrachten; glaubt mir Euer Anblick gewährt mir eine schmerzliche Freude, die, Ihr nicht begreifen könnt.«
Der Unbekannte lächelte traurig.
»Herr Ritter,« sagte er, »schaut mich nach Eurem Belieben an, denn ich werde mein Visir nicht niederschlagen. Obschon ich kaum fünf oder sechs Jahre älter bin als Ihr, habe ich doch genug gelitten, um meines Gesichtes sicher zu sein. Es ist ein gehorsamer Diener und sagt immer nur das, was es nach meinem Willen sagen soll, m,d wenn es Euch an die Züge irgend einer geliebten Person erinnert, so wird das für mich eine Ermuthigung sein, einen Dienst von Euch zu fordern.«
»Sprecht.«
, »Ihr scheint bei dem Banditen, der uns gefangen genommen hat, sehr wohl gelitten; nicht dasselbe ist, wie es scheint, bei mir der Fall, denn während er mich hartnäckig zurückhält, erlaubt er Euch, Eure Reise fortzusetzen.«
»Ja, edler Herr,« erwiderte Agenor, sehr erstaunt, als er sah, daß der Spanier, seitdem er insgeheim mit ihm redete, während er noch einen leichten Accent beibehielt, doch das reinste Französisch sprach.
»Nun!« sagte der Aragonier, »wie groß auch Euer Bedürfniß sein mag, Eure Reise fortzusetzen, so ist doch das meinige nicht minder groß, und ich muß, um welchen Preis es auch sein mag, aus den Händen dieses Menschen kommen.«
»Herr,« sprach Agenor, »wenn Ihr mir schwört, daß Ihr Ritter seid, wenn Ihr mir Euer Wort gebt, so kann ich meine Ehre bei dem Kapitän Caverley verpfänden, daß er Euch frei mit mir ziehen läßt,«
»Das ist,« rief der Fremde freudig, »das ist gerade der Dienst, um den ich Euch bitten wollte. Ritter, Ihr seid ebenso verständig als artig.«
Agenor verbeugte sich und fragte:
»Ihr seid also adelig?«
»Ja, Sire Agenor, und ich darf sogar beifügen, daß wenige Edelleute adeliger als ich zu sein sich rühmen können.«
»Dann habt Ihr einen andern Namen, als den, welchen Ihr angegeben?«
»Ja, gewiß,« erwiderte der Ritter: »doch gerade hierin wird Eure Artigkeit groß sein; Ihr müßt Euch mit meinem Worte begnügen, ohne meinen Namen, zu erfahren, denn diesen Namen kann ich nicht sagen.«
»Nicht einmal einem Mann, dessen Ehre Ihr anruft, nicht einmal einem Mann, den Ihr für Euch gut zu stehen bittet?« fragte Agenor erstaunt.
»Herr Ritter,« erwiderte der Unbekannte, »ich mache mir diese Vorsicht als Eurer und meiner unwürdig zum Vorwurf; doch wichtige Interessen, die nicht einmal die meinigen sind, gebieten sie. Erlangt also meine Freiheit, um welchen Preis Ihr wollt, und ich bezahle diesen Preis, so groß er auch sein mag, so wahr ich ein Edelmann bin. Wollt Ihr mir dann erlauben, ein Wort beizufügen, so sage ich Euch, daß Ihr es nicht bereuen werdet, mich bei dieser Gelegenheit Euch verbunden zu haben.«
»Genug, genug, edler Herr,« erwiderte Mauléon, »verlangt von mir einen Dienst, kauft ihn mir aber nicht zum Voraus ab.«
»Später, Sire Agenor,« versetzte der Unbekannte «später werdet Ihr die Loyalität zu schätzen wissen, die mich so mit Euch zu sprechen zwingt; ich hätte für den Augenblick lügen und Euch einen falschen Namen sagen können, da Ihr mich nicht kennt; Ihr wäret genöthigt gewesen, Euch damit zu begnügen.«
»Ich dachte so eben daran,« erwiderte Mauléon. »Ihr werdet also zu gleicher Zeit mit mir frei sein, Herr Ritter, wenn der Kapitän Hugo von Caverley mir seine Gunst bewahrt hat.«
Agenor verließ den Fremden, der an demselben Platze blieb, und kehrte zu Caverley zurück, welcher ungeduldig das Resultat der Unterredung erwartete.
»Nun!« fragte der Kapitän, »seid Ihr weiter vorgerückt, als ich, mein lieber Freund, und wißt Ihr, wer der Spanier ist?«
»Ein reicher Kaufmann aus Toledo, der In Frankreich Handel treiben will und behauptet, seine Gefangenschaft würde ihm einen beträchtlichen Nachtheil zuziehen.
Er fordert mich auf, Bürgschaft für ihn zu leisten, nehmt Ihr sie an?«
»Seid Ihr bereit, sie zu geben?«
»Ja. Da ich einen Augenblick seine Lage getheilt habe, so mußte ich natürlich einwilligen. Auf, Kapitän, macht das Geschäft rund ab.«
Caverley besann sich.
»Ein reicher Kaufmann,« fuhr er fort, »der seiner Freiheit bedarf, um seinen Handel zu betreiben.«
»Herr Ritter,« flüsterte Musaron seinem Herrn ins Ohr, »ich glaube, Ihr habt da ein unkluges Wort gesprochen.«
»Ich weiß, was ich thue,« erwiderte der Ritter.
Musaron verbeugte sich als ein Mensch, der die gebührende Achtung vor der Klugheit seines Herrn hat.
»Ein reicher Kaufmann!« wiederholte Caverley.
»Teufel! Ihr begreift, das wird dann theurer zu stehen kommen, als bei einem Edelmann, und es kann nun bei unserem ersten Anschlag zu einem Mark Gold und zwei Mark Silber nicht mehr sein Verbleiben haben.«
»Ich habe Euch offenherzig gesagt, was er ist, Kapitän; denn ich will Euch nicht hindern, von Eurem Gefangenen ein seinen Verhältnissen entsprechendes Lösegeld zu ziehen.«
»Ritter, ich habe es schon gesagt, Ihr seid entschieden ein hübscher Junge. Und wie viel bietet er? Er mußte das während Eures langen Gespräches mit einem Worte berühren.«
»Er hat mir gesagt, ich könne bei Euch bis auf fünfhundert Thaler Silber oder Gold gehen. Gold. . . bei fünfhundert Thaler Silber wäret Ihr betrogen.«
Caverley antwortete nicht, er berechnete immer.
»Fünfhundert Goldthaler,« sagte er endlich, »würden bei einem einfachen Kaufmann genügen; doch Ihr habt ihn einen reichen Kaufmann genannt, wie Ihr Euch erinnern werdet.«
»Ich erinnere mich dessen und sehe auch, daß ich Unrecht gehabt habe, dies zu sagen, Herr Kapitän, doch da man die Strafe für sein Unrecht bezahlen muß, so setzen wir das Lösegeld aus tausend Thaler fest, und wenn ich fünfhundert Thaler für meine Schwatzhaftigkeit entrichten soll, so werde ich sie entrichten.«
»Das ist nicht genug für einen reichen Kaufmann,« erwiderte Caverley. »Tausend Goldthaler sind höchstens das Lösegeld für einen Ritter.«
Agenor befragte mit dem Auge denjenigen, dessen Interessen er zu vertheidigen beauftragt war, um zu wissen, ob er weiter gehen könnte.
Der Aragonier machte mit dem Kopf ein bestätigendes Zeichen.
»Verdoppeln wir die Summe, und Alles sei abgemacht,« sprach der Ritter.
»Zweitausend Goldthaler,« sagte der Condottiere, der sich selbst über den hohen Preis, den der Unbekannte aus seine Person setzte, zu wundern anfing. »Zweitausend Goldthaler, das ist also der reichste Kaufmann von Toledo? Meiner Treue, nein, ich glaube, daß ich einen guten Schlag gethan habe und will Nutzen daraus ziehen. Nun! er verdopple ein wenig und wir werden sehen.«
Agenor schaute abermals seinen Clienten an, der ihm ein zweites, dem ersten ähnliches Zeichen machte.
»Wohl,« sagte der Ritter, »da Ihr so anspruchsvoll seid, werden wir bis aus viertausend Goldthaler gehen.«
»Viertausend Goldthaler,« rief Caverley zugleich erstaunt und entzückt, »dann ist es ein Jude, und ich bin ein zu guter Christ, als daß Ich einen Juden um weniger losließe, als um. . .«
»Um weniger, als um wie viel?« fragte Agenor.
»Um weniger als . . .« (der Kapitän zögerte selbst vor der Summe, die er im Munde hatte, so übertrieben kam ihm diese Summe vor), »um weniger als zehntausend Goldthaler. Ah! meiner Treue, das Wort ist gesagt, und das ist noch kein Preis, bei meinem Ehrenwort!«
Der Unbekannte machte ein unmerkliches Zeichen der Beistimmung.
»Schlagt ein,« sprach Agenor, indem er Caverley die Hand reichte.
»Die Summe ist uns genehm und der Preis ist gemacht.«
»Wartet einen Augenblick,« rief Caverley, »für zehntausend Thaler nehme ich die Bürgschaft des Ritters nicht an, bei der Milz des Papstes! Für eine solche Garantie müßte ich einen Prinzen haben, und ich kenne sogar viele, die ich nicht annehmen würde.«
»Treuloser!« rief Mauléon, während er, die Hand an seinem Schwerte, gerade aus Caverley zuschritt, »ich glaube, Du mißtraust mir.«
»Ei! nein, mein Kind,« erwiderte Caverley, »Du täuschest Dich: nicht Dir mißtraue ich, sondern ihm. Denkst Du zufällig, einmal aus meinen Klauen, werde er die zehntausend Thaler bezahlen? Nein. Beim ersten Kreuzweg wird er sich rechts drehen, und Du siehst ihn nie mehr; er ist nur so großartig in Worten oder, wenn Du lieber willst, in Geberden gewesen, denn ich habe die Geberden gesehen, die er Dir machte, weil er die Absicht hat, nicht zu bezahlen,«
Trotz der Unempfindlichkeit, der sich der Fremde gerühmt hatte, sah Agenor, wie ihm die Röthe des Zorns ins Gesicht stieg; doch alsbald sich wieder bezwingend, machte er dem Ritter mit der Hand ein fürstliches Zeichen und rief:
»Kommt, Herr Agenor, ich habe Euch noch ein Wort zu sagen.«
»Gehe nicht,« sprach Caverley; »er will Dich nur durch schöne Worte verführen und Dir dann die zehntausend Thaler auf dem Nacken lassen.«
Doch der Ritter fühlte instinctartig, daß der Aragonier noch mehr war, als er zu sein schien, und er näherte sich ihm daher mit vollem Vertrauen und sogar mit einer gewissen Ehrfurcht.
»Ich danke, edler Ritter,« sprach der Spanier mit leiser Stimme; »Du hast wohl daran gethan, Dich für mich und auf mein Wort verbindlich zu machen; Du hast nichts zu befürchten; ich würde, diesen Caverley auf der Stelle bezahlen, wenn es mir beliebte, denn ich habe im Sattel meines Pferdes für mehr als dreimal hunderttausend Goldthaler in Diamanten; doch der Elende würde mein Lösegeld annehmen und mich, wenn er es angenommen hätte, erst nicht freilassen. Ihr werdet also Folgendes thun. Ihr tauscht Euer Pferd mit mir, reist ab und laßt mich hier; in der nächsten Stadt trennt Ihr sodann den Sattel, zieht einen ledernen Sack heraus und nehmt aus diesem Sack, was Ihr an Diamanten braucht, um zehntausend Goldthaler zu bekommen; sobald Ihr sie habt, holt Ihr mich hernach mit einem ansehnlichen Geleite ab.«
»Herr,« sprach Agenor ganz erstaunt, »mein Gott! wer seid Ihr denn, daß Ihr über so große Mittel verfügt?«
»Indem ich in Eure Hände Alles lege, was ich besitze, glaube ich Euch hinreichend Vertrauen zu schenken, um nicht nöthig zu haben, Euch zu sagen, wer ich bin.«
»Herr! Herr!« versetzte Mauléon, »ich zittere nun und Ihr wißt nicht, welche Bedenklichkeiten mich bestürmen. Diese seltsame Aehnlichkeit, dieser Reichthum, das Geheimniß, das Euch umgibt. . . Herr, ich habe in Frankreich Interessen zu vertheidigen . . . heilige Interessen . . . welche vielleicht den Einigen entgegengesetzt sind.«
»Antwortet mir,« sprach der Unbekannte mit dem Tone eines Mannes, der zu befehlen gewohnt ist, »nicht wahr, Ihr geht nach Paris?«
»Ja,« erwiderte der Ritter.
»Ihr geht dahin, um König Karl V. den Ring der Königin von Castilien zu überbringen?«
»Ja.« »Ihr wollt dort in ihrem Namen Rache fordern?«
»Ja.«
»Gegen den König Don Pedro?«
»Gegen den König Don Pedro.«
»Dann seid unbesorgt,« sprach der Spanier; »unsere Interessen sind dieselben, denn der König Don Pedro hat meine . . . Königin getödtet, und auch ich habe geschworen, Dona Blanche zu rächen.«
»Ist das wahr, was Ihr da sagt?« fragte Agenor.
»Herr Ritter,« erwiderte der Unbekannte mit festem, majestätischem Ton, »schaut mich wohl an . . . Ihr behauptet, ich gleiche einem Eurer Bekannten: wer war dieser Eine, sprecht?«
»Oh! mein unglücklicher Freund,« rief der Ritter, »oh! edler Großmeister! . . . Herr, Ihr gleicht zum Täuschen Seiner Hoheit Don Federigo.«
»Ja, nicht wahr?« versetzte lächelnd der Unbekannte; »eine seltsame Ähnlichkeit, eine Ähnlichkeit von Brüdern.«
»Unmöglich!« sprach Agenor, indem er den Aragonier beinahe mit Schrecken anschaute.
»Geht in das nächste Städtchen, Herr Ritter,« fuhr der Unbekannte fort, »verkauft die Diamanten an einen Juden und sagt dem Anführer der spanischen Truppe, Don Enrique von Transtamare sei Gefangener des Kapitän Caverley . . . Ruhe; ich sehe Euch durch Eure Rüstung beben; bedenkt, daß man uns beobachtet.«
Agenor zitterte in der That vor Erstaunen. Er verbeugte sich vor dem Prinzen vielleicht ehrfurchtsvoller als er es hätte thun sollen, und kehrte zu Caverley zurück, der ihm, um ihm die Hälfte des Weges zu ersparen, entgegenkam.
»Nun!« sagte der Kapitän, indem er ihm die Hand auf die Schulter legte, »er hat schöne Worte, goldene Worte, und Du lässest Dich durch sie bethören, armes Kind!«
»Kapitän,« erwiderte Agenor, »die Worte dieses Kaufmanns sind in der That golden, denn er hat mir ein Mittel angegeben, Euch sein Lösegeld noch vor heute Abend zu bezahlen.«
»Die zehntausend Goldthaler?«
»Die zehntausend Goldthaler.«
»Nichts kann leichter sein,« sprach der Unbekannte hinzutretend: »der Ritter setzt seine Reise bis an den ihm bewußten Ort fort, wo ich einiges Geld niedergelegt habe; er bringt Dir dieses Geld, zehn Säcke, jeden von tausend Goldthalern: man laßt Dich dieses Geld sehen, berühren, damit Du Dich überzeugst, und wenn Du Dich vollkommen überzeugt hast, wenn das Gold in Deinen Kisten ist, so lassest Du mich gehen. Heißt das zu viel verlangen? Ist das abgemacht?«
»Abgemacht, Meiner Treue, ja, wenn Du Dein Versprechen ausführst,« erwiderte Caverley, der zu träumen glaubte.
Dann sich gegen seinen Lieutenant umwendend, sprach er:
»Das ist Einer, der seinen Werth sehr hoch anschlägt. Wir werden sehen, wie er seine Werthschätzung bezahlt.«
Agenor schaute den Prinzen an.
»Sire Mauléon,« sagte dieser, »in Erinnerung an den guten Dienst, den Ihr mir leistet, und zur Dankbarkeit, die ich Euch bewahre, tauschen wir nach der brüderlichen Sitte der Ritter Pferd und Schwert. Ihr verliert vielleicht bei dem Tausch, doch ich werde Euch später entschädigen.«
Agenor dankte, Caverley, der dies mitangehört hatte, brach in ein Gelächter aus.
»Er,betrügt Dich abermals,« sagte er leise zu dem jungen Manne.
»Ich habe sein Pferd gesehen, es ist nicht so viel werth, als das Deinige. Das ist offenbar weder ein Ritter, noch ein Kaufmann, noch ein Jude; es ist ein Araber.«
Der Prinz setzte sich ruhig an einen Tisch und hieß Musaron einen zweiten Vertrag, dem ersten ähnlich, abfassen, und als dieser abgefaßt, war, zeichnete Agenor, der für den Prinzen Bürgschaft leistete, sein Kreuz darunter, wie er es bei dem seinigen gethan; dann, nachdem der Kapitän Caverley die Schrift mit seiner gewöhnlichen Genauigkeit geprüft hatte, brach der Ritter nach Chalons auf, das man jenseits der Saone erblickte. Alles ging, wie es der Prinz gesagt hatte. Agenor fand im Sattel das lederne Säckchen und in dem ledernen Säckchen die Diamanten. Er verkaufte davon für zwölftausend Thaler, denn von Caverley völlig geplündert, mußte der Prinz seine Börse wieder füllen. Als er sodann nach dem Lager zurückkehrte, fand er den spanischen Kapitän, den ihm Don Enrique Transtamare bezeichnet hatte; er erzählte ihm das Ereigniß des Prinzen und ließ sich von ihm und seinen Leuten bis zu einem kleinen Walde begleiten, der ungefähr eine Viertelmeile von der Stelle des Lagers entfernt war; hier machten die Spanier Halt, und Agenor ritt weiter.
Die Dinge gingen auf eine noch redlichere Weise, als es der Ritter hoffte. Caverley zählte und überzählte seine Goldthaler, und stieß dabei schwere Seufzer aus, denn nun erst kam ihm der Gedanke, daß man hätte von einem Mann, der so rasch und pünktlich bezahlte, das Doppelte von dem, was er gefordert, verlangen können, und man würde es erhalten haben.
Doch man mußte sich entschließen und, da der Ritter sein Wort streng gehalten hatte, auch dem seinigen Genüge leisten.
Caverley ließ also die zwei jungen Leute sich entfernen, doch nicht ohne Agenor daran zu erinnern, daß. er sich seiner Schuld gegen ihn noch nicht entledigt habe, und daß er ihm seinerseits Noch tausend Thaler und den Dienst für einen ganzen Feldzug schuldig sei.
»Ich hoffe, Ihr werdet nie zu diesem Banditen zurückkehren,« sprach der Prinz, sobald sie frei waren.
»Ach!« erwiderte Agenor, »ich werde es wohl thun müssen.«
» »Ich bezahle Alles, was Ihr braucht, um Euch loszukaufen.«
»Ihr werdet mein Wort nicht loskaufe«, mein Prinz, und mein Wort ist gegeben.«
»Bei Gott!« rief der Prinz, »ich habe das meinige nicht gegeben, und ich lasse Caverley hängen, so wahr wir Beide leben. Auf diese Art habe ich es nicht zu bedanken, daß ihm meine Thaler zukamen.«
In diesem Augenblick kam man zu dem kleinen Walde, in welchem der spanische Kapitän mit seinen zwanzig Lanzen lag, und Enrique fand sich freudig, so wohlfeilen Kaufes losgekommen zu sein, endlich wieder mit seinen Freunden zusammen.
Dies war der Ausgang der schlimmen Angelegenheit des Prinzen und des Ritters, aus der sich der Prinz durch das Wort des Ritters gezogen hatte.
Agenor aber, der ohne Geld und ohne Freunde aufgebrochen war, hatte nun beinahe einen Schatz zu seiner Verfügung und zu seiner Beschützung einen Prinzen.
Musaron hielt hierüber tausend Abhandlungen, von denen die eine immer geistreicher war, als die andere; doch diese Abhandlungen, obwohl philosophisch, sind seit dem Alterthum zu sehr bekannt, als daß wir sie hier berichten sollten.
Er endigte seine Reden mit einer Frage, welche so wichtig ist, daß wir sie nicht mit Stillschweigen übergehen können.
»Hoher Herr,« sagte er »ich begreife nicht, warum Ihr, da Ihr zwanzig Lanzen zu Eurer Verfügung hattet, allein mit einem Knappen und nur zwei oder drei Dienern marschirt seid?«
»Mein Lieber,« erwiderte der Prinz lachend, »dies geschah, weil der König Don Pedro, mein Bruder, auf allen Straßen, welche von Spanien, nach Frankreich führen, Spione und Mörder geschickt hat. Ein glänzender Zug hätte mich erkenntlich gemacht, und ich wünschte das Incognito zu beobachten. Die Dunkelheit taugt mehr für mich als der helle Tag. Ueberdies soll man von mir sagen: »»Enrique ist aus Spanien mit drei Dienern weggegangen und ist mit einem ganzen Heere dahin zurückgekehrt. Don Pedro hatte im Gegentheil sein ganzes Heer in Spanien und ist allein daraus weggegangen.«
»Brüder!. . .« murmelte Agenor, »Brüder!. . .«
«Mein Bruder hat meinen Bruder getödtet, und ich werde meinen Bruder rächen,« entgegnete Enrique von Transtamare.
»Herr Ritter,« sagte Musaron, einen Augenblick benützend, wo der Prinz mit seinem Lieutenant plauderte, »das ist ein Vorwand, den der edle Enrique von Transtamare nicht für zehntausend Thaler geben würde.«
»Wie er dem tapferen Großmeister gleicht! Hast Du es bemerkt, Musaron?«
»Herr Ritter,« erwiderte der Knappe, »Don Federigo war blond und dieser ist roth; das Auge des Großmeisters war schwarz, und dieser hat ein graues Auge; der eine hatte eine Adlernase, der andere hat einen Geierschnabel; der erste war schlank, der zweite ist mager; Don Federigo hatte Feuer auf den Wangen, der Prinz Enrique von Transtamare hat Blut; nicht Don Federigo gleicht er, sondern Don Pedro. Zwei Geier, Messire Agenor, zwei Geier.«
»Das ist wahr,« dachte Mauléon, »und sie schlagen sich auf dem Leibe der Taube.«
Vierzehntes Kapitel.
Wie der Bastard von Mauléon König Karl V. den Ring seiner Schwägerin, der Königin Blanche von Castilien, übergab
Im Garten eines schönen Gebäudes, das sich in der Rue Saint-Paul erhob, aber noch in mehreren seiner Theile unverändert war, ging ein Mann von fünfundzwanzig bis sechsundzwanzig Jahren, gekleidet in eine lange Robe von dunkler Farbe, mit Umschlägen von schwarzem Summet, und am Leibe umschlossen von einer Schnur, deren Eicheln bis aus seine Füße herabfielen. Gegen die Gewohnheit der Zeit hatte dieser Mann weder Degen, noch Dolch, noch irgend ein unterscheidendes Merkmal des Adels, Der einzige Schmuck, den er trug, war ein kleiner Kranz von goldenen Lilien, der einen Kreis um eine von jenen schwarzen Sammetmützen bildete, welche der Mode des Chaveron vorhergegangen sind. Dieser Mann hatte alle Charaktere der reinen fränkischen Race; er hatte blonde Haare, zum Zeichen hoher Geburt viereckig geschnitten, blaue Augen und einen kastanienbraunen Bart; aus seinem Gesichte, obgleich es das von uns genannte Alter angab, war keine Leidenschaft ausgeprägt, und sein ernster Charakter bezeichnete den Mann der tiefen Gedanken und des langen Nachsinnens. Von Zeit zu Zeit blieb er stehen, sein Haupt sank aus seine Brust, und er überließ eine Hand zum Lecken zwei großen Windhunden, welche an seiner Seite gingen, stehen blieben, wenn er stehen blieb, und weiter schritten, wenn er weiter schritt. In einiger Entfernung von diesem Mann lehnte an einem Baum und einen gehaubten Falken aus der Faust ein junger Page mit sorglosem Gesicht, der den Raubvogel neckte, in welchem man an seinen goldenen Schellen einen Lieblingsdiener erkennen konnte.
In der Ferne und an den entlegenen Stellen des Gartens hörte man die freudigen Gesänge der Vögel, welche von den Blumen und Bäumen der neuen königlichen Wohnstätte Besitz ergriffen, denn der Mann mit dem nachdenkenden Gesicht war kein Anderer, als der Regent Karl V., der das Königreich Frankreich regierte, wahrend sein Vater, der König Johann, ein Sklave des gegebenen Wortes, als Gefangener in England verweilte, und der dieses schöne, neue Gebäude errichten ließ, um das Schloß des Louvre und den Palast der Cité zu ersetzen, wo der emsige Monarch, der einzige von den französischen Königen, den die Nachwelt den Weisen nennen sollte, bei seinen Studien nicht genug Einsamkeit und Ruhe fand.
In den Gängen sah man die zahlreiche Dienerschaft dieses prachtvollen Hauses hin und hergehen, und über dem ungeduldigen Geschrei des Falken, dem entfernten Gezwitscher der Vögel und dem Lärm der Worte, welche, sich durchkreuzend, die Diener austauschten, hörte man zuweilen wie einen rollenden Donner das Brüllen großer Löwen, welche König Johann von Afrika hatte kommen lassen, und die man in tiefen Gräben eingeschlossen hielt.
König Karl V. folgte einem Gange dieses Gartens und kehrte dann wieder um, wenn er zu einem gewissen Punkte gekommen war, um nicht die Thüre des Gebäudes, die aus sechs äußeren Stufen nach der Terrasse führte, nach der dieser Gang ausmündete, aus dem Gesichte zu verlieren.
Von Zeit zu Zeit blieb er stehen und heftete die Augen aus diese Thüre, durch welche er Jemand zu erwarten schien, und obgleich diese Person wohl lebhaft ersehnt war, setzte er, ohne daß sein Gesicht die geringste Ungeduld nach jedem vergeblichen Warten ausdrückte, feinen Spaziergang mit demselben Schritte und mit demselben tiefen Ernste wieder fort.
Endlich erschien oben auf der Freitreppe ein schwarzgekleideter Mann, der ein ebenholzenes Schreibzeug und Pergamente in der Hand hielt. Er überschaute mit einem Blick den Garten, in welchen er hinabsteigen wollte, und ging, als er den König gewahrte, gerade auf diesen zu.
»Ah! Ihr seid es, Doctor,« sagte Karl ihm entgegen schreitend, »ich erwartete Euch; kommt Ihr aus dem Louvre?«
»Ja, Sire.«
»Ist ein Bote von unseren Gesandtschaften zurückgekommen?«
»Niemand, es sind nur zwei Ritter, welche eine lange Reise gemacht zu haben scheinen, angekommen, und haben inständig um die Ehre gebeten, Eurer Hoheit vorgestellt zu werden, der sie, wie sie sagen, Dinge von der größten Wichtigkeit mittheilen müssen.«
»Und was habt Ihr gethan?«
»Ich habe sie mitgebracht, und sie warten auf das Belieben des Königs in einem Saale des Hotel,«
»Und keine Nachrichten von Seiner Heiligkeit dem Papste Urban V.?«
»Nein, Sire.«
»Keine Nachrichten von Duguesclin, den ich an ihn abgeschickt habe?«
»Noch nicht, doch wir müssen ohne Verzug erhalten, da er Eurer Hoheit vor zehn Tagen schreiben ließ, er würde am andern Tag Avignon verlassen.«
Der König blieb einen Augenblick nachdenkend und beinahe sorgenvoll; dann, als faßte er einen Entschluß, sagte er:
»Nun, Doctor, laßt die Depechen sehen.«
Und ganz zitternd, als ob jeder neue Brief ihm ein neues Unglück mittheilen müßte, setzte sich der König unter eine Laube, wo durch die Geißblattranken die Strahlen einer Augustsonne durchschienen.
Derjenige, welchen der König unter dem Namen Doctor bezeichnet hatte, öffnete ein Portefeuille, das er unter dem Arme trug, und zog daraus mehrere große Briefe hervor.
»Nun?« fragte der König.
»Botschaft aus der Normandie; die Engländer haben eine Stadt und zwei Dörfer verbrannt.«
»Trotz des Friedens!« murmelte der König, »trotz des Vertrags von Bretigny, der uns so theuer zu stehen gekommen ist!«
»Was werdet Ihr thun, Sire?«
»Ich werde Geld schicken.«
»Botschaft von Forez.«
»Laßt hören.«
»Die großen Compagnien haben die User der Saone überfallen.
Drei Städte sind geplündert worden, sie haben die Ernte auf dem Lande abgeschnitten, die Reben ausgerissen und das Vieh weggeführt. Man hat hundert Frauen verkauft.«
Der König verbarg sein Gesicht in seinen Händen.
»Ist denn Jacob von Bourbon nicht dort?« fragte er; »er versprach mir, mich aller dieser Räuber zu entledigen!«
»Wartet,« sagte der Doctor, eine dritte Depeche öffnend. »Hier folgt ein Brief, worin von ihm die Rede ist. Er ist mit den großen Compagnien in Brignais zusammengetroffen, er hat ihnen eine Schlacht geliefert; doch . . .«
Der Doctor stockte und zögerte.
»Doch? . . versetzte der König, indem er den Brief aus seinen Händen nahm. »Laßt sehen, was ist es?«
»Leset selbst, Sire.«
»Unterlegen und getödtet!« murmelte der König, »ein Prinz vom Hause Frankreich getödtet und erwürgt von Banditen! Und unser heiliger Vater antwortet mir nicht. Die Entfernung von Avignon bis hierher ist doch nicht groß.«
»Was befehlt Ihr, Sire?« fragte der Doctor.
»Nichts; was soll ich in Abwesenheit von Duguesclin befehlen? Ist nicht unter dem Allem ein Bote von meinem Bruder dem König von Ungarn gekommen?«
»Nein, Sire,« antwortete schüchtern der Doctor. als er sah, daß die Last dieser Unfälle das königliche Haupt immer schwerer bedrückte.
»Und die Bretagne?«
»Immer noch in vollem Kriege begriffen: der Gras von Montfort hat Vortheile errungen.«
Karl V. schlug einen weniger verzweifelten, als träumerischen Blick zum Himmel aus und sprach mit leiser Stimme: »Großer Gott! solltest Du Dein Frankreich verlassen? Mein Vater war ein guter König, doch zu kriegerisch; ich habe fromm gelebt, o Gott, ich habe stets das Blut Deiner Geschöpfe zu schonen gesucht, denn ich betrachtete diejenigen, über welche Du mich gestellt, als Menschen, von denen ich Dir Rechenschaft geben müßte, und nicht als Sklaven, deren Blut nach meiner Laune stießen könnte. Und dennoch hat mir Niemand für meine Menschlichkeit Dank gewußt, nicht einmal Du, mein Gott. Ich will der Barbarei, welche die Welt nach dem Chaos zurückweichen macht, einen Damm setzen. Die Absicht ist gut, dessen bin ich sicher, doch Niemand hilft mir, Niemand versteht mich.«
Und der König ließ sein träumerisches Haupt wieder aus seine Hand fallen.
In diesem Augenblick vernahm man einen gewaltigen Lärmen von Trompeten und Ausrufungen, welche die Straßen durchliefen und bis an das zerstreute Ohr des Königs schollen. Der Page hörte auf den Falken zu reizen und befragte den Doctor mit dem Auge.
»Seht, was es ist,« sagte der Doctor.
»Sire,« fügte er, sich an den König wendend, bei, »hört Ihr diese Fanfaren?«
»Ich spreche zum Himmel von Frieden und Philosophie und er antwortet mir Krieg und Gewaltthat.«
»Sire,« sprach der Page herbeilaufend, »es ist Messire Bertrand Duguesclin, der von Avignon zurückkehrt und in die Stadt einzieht.«
»Er sei willkommen,« sprach der Könige und mit sich selber redend, flüsterte er, »obgleich er mit mehr Lärmen kommt, als mir lieb ist.«
Und er stand rasch auf, um ihm entgegenzugehen; doch ehe er das Ende der Allee erreicht hatte, erschien eine lange Linie von Menschen unter dem Gewölbe und strömte durch das Gartenthor herein: dies waren die Leibwachen, die Ritter und das Volk, bebend vor Freude und einen Mann von mittlerem Wuchse, mit großem Kopf, breiten Schultern und durch die Gewohnheit, zu reiten, gebogenen Beinen umgebend.
Dieser Mann war Messire Bertrand Duguesclin, der mit seinem gewöhnlichen, aber sanften Gesichte und seinen gescheiten Augen lächelte und dem Volke, den Leibwachen und den Rittern, die ihn mit Segnungen überhäuften, dankte.
In diesem Augenblick erschien der König am Ende der Allee; Alle verbeugten sich und Bertrand Duguesclin stieg rasch die Stufen hinab, um dem König seine Huldigung darzubringen.
»Mau wirft sich vor mir nieder,« murmelte Karl, »doch man lächelt Duguesclin zu; man achtet mich, aber man liebt ihn. Dies geschieht, weil er das Bild jenes falschen Ruhmes ist, der so mächtig wirkt bei allen gemeinen Geistern, und weil ich für sie den Frieden darstelle, das heißt, für ihre kurzsichtigen Blicke, die Schmach und die Unterwürfigkeit. Diese Leute gehören ihrem Jahrhundert an, ich gehöre dem meinigen nicht an, und ich würde sie alle eher ins Grab legen, als sie zu einer Aenderung veranlassen, welche weder ihrem Geschmack, noch ihren Gewohnheiten entspricht. Doch wenn mir Gott die Kraft verleiht, werde ich ausdauern.«
Dann heftete er seinen ruhigen, wohlwollenden Blick auf den Ritter, der ein Knie vor ihm auf die Erde setzte, und sprach laut, indem er ihm die Hand mit einer Anmuth reichte, die seiner Person wie ein natürlicher Wohlgeruch entströmte:
»Seid willkommen.«
Duguesclin drückte seine Lippen auf die erhabene Hand.
»Edler König,« sprach der Ritter aufstehend, »hier bin ich. Ich habe mich beeilt, wie Ihr seht, und bringe Neuigkeiten.«
»Gute?« fragte der König.
»Sehr gute, ja, Sire. Ich habe dreitausend Lanzen angeworben.«
Das Volk brach in Freudenschreie als, als es hörte, welche Verstärkung ihm unter Anführung eines so tapferen Generals zukam.
»Das ist gut, erwiderte Karl, der der Freude, welche die Worte von Duguesclin in der bewundernden Versammlung erregt hatten, nicht entgegentreten wollte.
Dann sagte er mit leiser Stimme:
»Ach! Messire, Ihr hättet nicht dreitausend Lanzen anwerben, sondern eher sechstausend unterdrücken sollen. Wir werden immer noch, genug Soldaten haben, wenn wir sie anzuwenden wissen.«
Und er nahm den Arm des guten Ritters, der über diese Ehre ganz erstaunt war, stieg die Stufen hinauf und durchschritt die Menge des Volkes, der Höflinge, der Leibwachen, der Ritter und Frauen, die, als sie sah, welches gute Einverständniß zwischen dem König und dem General herrschte, auf den sie ihre Hoffnungen gesetzt, jauchzte, daß die Gewölbe zitterten.
