Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 14
Fünfzehntes Kapitel.
Wie der Bastard von Mauléon zu dein Kapitän Hugo von Caverley zurückkehrte und was daraus erfolgte
Karl V. war ein zu weiser Fürst und hatte zu oft über die Angelegenheiten des Königreichs nachgedacht, um nicht mit dem ersten Blicke das Resultat zu erschauen, das er aus der Lage der Dinge ziehen könnte, wenn die Ereignisse sich so gestalten würden, wie sie Mauléon vorzubereiten sich anheischig gemacht hatte. Der Unterstützung der großen Compagnien, dieser Geißeln, mit denen sie das Land verheerend durchzogen, beraubt, würden sich die Engländer genöthigt sehen, Truppen zu bezahlen, um diejenigen zu ersetzen, welche sich ganz allein bezahlten und für ihre Rechnung einen Gewinn bringenden Krieg führten, der das Reich zu Grunde richtete. Es müßte daraus ein Waffenstillstand für Frankreich erfolgen, während dessen Dauer neue Institutionen den Franzosen ein wenig Ruhe geben würden, und die dem König große Arbeiten auszuführen erlaubte, die er für die Verschönerung von Paris und für die Verbesserung der Finanzen begonnen hatte.
Was den Krieg in Spanien betrifft, so sah Duguesclin nicht, daß sich ihm große Hindernisse entgegeneilten. Die französische Ritterschaft war an Stärke und Taktik allen Rittern der Welt überlegen. Die Castilianer mußten also geschlagen werden; überdies gedachte Bertrand einen guten Handel mit diesen Compagnien zu machen, denn er wußte, daß, je theurer er den Sieg bezahlen müßte, desto vortheilhafter dieser Sieg für Frankreich sein würde, und daß er, je mehr er Leichen auf dem spanischen Schlachtfelde ausstreuen würde, desto weniger Räuber in das Reich zurückbrächte.
Die Politik jener Zeit war ganz selbstsüchtig, oder wenigstens ganz persönlich; man hatte noch nicht den Gedanken gehabt, die Grundsätze über internationale Rechte festzustellen, welche seitdem die Kriegsfragen zwischen den Königen vereinfachten. Jeder Fürst bewaffnete für seine Rechnung mit seinen Mitteln, durch die Ueberredung, durch die Gewalt oder durch das Geld, und er hatte kraft seiner Waffen ein Recht, das viele Leute geltend zu machen bereit waren.
»Don Pedro hat seinen Bruder getödtet und meine Schwägerin ermordet,« sagte Karl zu sich selbst; »doch er wird ein Recht gehabt haben, dies zu thun, wenn ich es nicht so anordne, daß ich ihm beweise, er habe Unrecht gehabt.«
Don Enrique von Transtamare sagte:
»Ich bin der Ältere, da ich im Jahre 1333 geboren bin, während mein Bruder Don Pedro erst 1336 geboren ist. Alfonso, mein Vater, war mit Leonora von Guzman, meiner Mutter, verlobt; diese also, welche er nicht geheirathet hat, war in Wirklichkeit seine legitime Gattin. Der Zufall allein hat aus mir einen Bastard, nach der Ansicht der Welt, gemacht. Doch als ob dieser vortreffliche Grund nicht hinreichend wäre, schickt mir der Himmel besondere Beleidigungen und politische Verbrechen zu rächen. Don Pedro wollte meine Frau entehren, er ist der Mörder meines Bruders Federigo und hat endlich die Schwägerin des Königs von Frankreich getödtet. Ich habe also Recht, wenn ich Don Pedro entthronen will, in Betracht, daß ich, wenn es mir gelingt, aller Wahrscheinlichkeit nach an seiner Stelle den Thron besteigen werde.«
Don Pedro sagte zu sich selbst:
»Als König der Sache nach und als legitimes Kind, habe ich kraft eines Vertrags, der mir Frankreich zum Verbündeten gab, eine junge Prinzessin von königlichem Blut, Namens Blanche von Bourbon, geheirathet; statt mich zu lieben, wie es ihre Pflicht war, liebte sie Don Federigo meinen Bruder; und als ob es nicht genug für mich wäre, daß ich zu einem politischen Bündniß gezwungen worden bin, ergriff meine Frau gegen mich Partei für meine Brüder Tello und Enrique, die mich bekriegten, und das ist ein Verbrechen des Hochverraths; mehr noch, sie befleckte meinen Namen mit meinem dritten Bruder Don Federigo, und das ist ein Verbrechen, welches die Todesstrafe verdient; ich habe Don Federigo und sie sterben lassen und war in meinem Recht.«
Doch sah nur, als er umherschaute, um zu beobachten, ob dieses Recht eine feste Unterstützung hätte, seine Castilianer, seine Mauren und seine Juden, während Don Enrique von Transtamare Aragonien, Frankreich und den Papst für sich hatte. Die Partie war nicht gleich, weshalb Don Pedro, einer der gescheitesten Fürsten seiner Zeit, zuweilen ganz leise zu sich sagte, obgleich er mit dem Recht haben angefangen, dürfte er doch wohl mit dem Unrechthaben endigen.
Die Vorkehrungen waren rasch am Hofe von Frankreich getroffen. König Karl verlor nur so viel Zeit, als er brauchte, um das Schwert des Connetable in die Hände von Bertrand Duguesclin zu legen und den Prinzen und dem Adel eine Rede zu halten, in der er sie, nachdem er ihnen angekündigt, welche Ehre er dem bretagnischen Edelmann erwies, aufforderte, dem neuen Connetable wie ihm selbst zu gehorchen. Dann, da es sich darum handelte, vor Allem sich für den beabsichtigten Feldzug der Mitwirkung der großen Compagnien zu versichern, ehe etwas ruchbar würde, aus Furcht, Don Pedro könnte um Geld, nicht die Unterstützung der Kapitäne in Spanien, sondern ihr Verweilen in Frankreich erkaufen, ein Verweilen, das natürlich Karl V. verhindern würde, auswärts von seinen Waffen Gebrauch zu machen, entließ Karl den Connetable und den Ritter von Mauléon, der ihm zum Einführen dienen sollte.
Der Unterstützung von König Karl sicher, folgte ihnen Enrique von Transtamare als ein einfacher Ritter.
Die Reise ging geräuschlos vor sich; die Abgesandten hatten kein anderes Gefolge, als ihre Knappen, ihre Knechte und ein Dutzend Bewaffneter.
Bald erblickte man die Saone und die zahllosen Zelte der Compagnien, welche, nachdem sie die von ihnen abgenagten Enden Frankreichs verlassen, sich allmälig dem Mittelpunkte genähert, wie es die Jäger thun, um das Wildpret vor sich herzutreiben, und wie eine Herde von Barbaren in Erwartung eines neuen Aetius ihre Fahnen in diesen fruchtbaren Ebenen vereinigt hatten.
Agenor ritt voran, und ließ den Connetable in Sicherheit in der Burg Rochepot, welche noch Honig Karl gehörte, und warf sich, nachdem er diese Vorsichtsmaßregel getroffen, in die stets ausgespannten Garne der Compagnien.
Derjenige, aus dessen Truppe er stieß, war ein beinahe ebenso bekannter Kapitän, als Messire Hugo von Caverley; man nannte ihn den Grünen Ritter, und er hatte an diesem Tage die Vorhut. Man führte Agenor vor ihn, und da Agenor nicht Lust hatte, zweimal Lösegeld zu bezahlen, so berief er sich auf Messire Hugo von Caverley, unter dessen Zelt ihn der Grüne Ritter selbst geleitete.
Der furchtbare Anführer der Abenteurer stieß einen Freudenschrei aus, als er seinen ehemaligen Gefangenen, oder vielmehr seinen neuen Verbündeten erblickte.
Ehe irgend eine Erklärung stattfand, ließ Agenor Musaron vortreten, der aus einem durch die Freigebigkeit des Prinzen Enrique und des Königs Karl V. gehörig gespickten ledernen Sack tausend Thaler zog, die er auf dem Tisch auszählte.
So lange diese Operation dauerte, sprach Niemand ein Wort. Als aber der letzte Stoß neben den neun anderen errichtet war, sagte Messire Hugo von Caverley:
»Ah! das ist ein schöner Zug, Kamerad. Ich gestehe, ich erwartete nicht, Dich so bald wiederzusehen. Du bist also schon an den Gedanken, unter uns zu leben, der Dir Anfangs so bange gemacht hatte, gewöhnt?«
»Ja, Kapitän, denn ein wahrer Soldat lebt überall, und lebt überall, wie er will. Und dann dachte ich, eine gute Nachricht komme nie zu früh, und ich bringe Euch eine so außerordentliche Nachricht, daß Ihr dessen bin ich sicher, entfernt nicht eine solche erwartet.«
»Bah!« sagte Caverley, der bei diesem Eingang befürchtete, Mauléon stelle ihm eine Falle, um seines Wortes entbunden zu werden. »Bah! eine außerordentliche Nachricht, sagst Du?«
»Messire, Kapitän,« erwiderte Mauléon, »jüngst sprach ich von Euch mit dem König von Frankreich, an den ich, wie Ihr wißt, von seiner sterbenden Schwägerin abgeschickt war, und ich erzählte ihm, wie artig Ihr Euch gegen mich benommen habt.«
»Ah! Ah!« machte Caverley geschmeichelt, »er kennt mich also, der König von Frankreich?«
»Gewiß, Kapitän; denn Ihr habt sein Reich sattsam verwüstet, um seiner Erinnerung eingeprägt zu bleiben: das Geschrei verbrannter Mönche, die Lamentationen genothzüchtigter Frauen, die Klagen der Stadtbürger, die Ihr Lösegeld zu bezahlen gezwungen, haben Euren Namen triumphirend in seinen Ohren klingen gemacht,«
Caverley bebte vor Stolz und Vergnügen unter seiner schwarzen Rüstung; es war etwas Unheilvolles um die Freude dieser ehernen Statue.
»Der König kennt mich also?« sagte er, »Karl V. weiß den Namen des Kapitän Hugo von Caverley?«
»Er weiß ihn und wird ihn nie vergessen, dafür stehe ich Euch.«
»Und was hat er in Beziehung auf mich gesagt?«
»Der König hat mir gesagt: »»Ritter, sucht den guten Kapitän Hugo auf, oder vielmehr . . .«« fügte er bei.
Der Kapitän schien mit dem Blick an den Lippen von Mauléon zu hängen.
»»Oder,«« fuhr der Ritter fort, »» oder ich werde ihm vielmehr einen von meinen ersten Dienern schicken.««
»Einen von seinen ersten Dienern?«
»Ja.«
»Doch einen Edelmann hoffentlich?«
»Bei Gott!«
»Bekannt?«
»Oh! sehr bekannt.«
»Der König von Frankreich erweist mir viel Ehre,« sprach Caverley, indem er wieder seinen scherzhaften Ton annahm. »Er will also etwas von mir, dieser gute Karl V.?«
»Er will Euch bereichern, Kapitän.«
»Junger Mann! junger Mann!« rief der Abenteurer mit einer plötzlichen Kälte, »spottet meiner nicht, denn das ist ein Spiel, das alle diejenigen, welche es spielen wollten, theuer zu stehen kam. Der König von Frankreich möchte vielleicht gern etwas von mir haben, meinen Kopf zum Beispiel; ich glaube wohl, daß es ihm nicht darum leid thäte: aber so geschickt er sich auch dabei benehmen mag, Ritter, so bin ich doch in Verzweiflung, Euch sagen zu müssen, daß er ihn durch Eure Vermittlung noch nicht bekommen wird.«
»So ist es, wenn man immer Schlimmes thut,« erwiderte mit ernstem Tone Mauléon, dessen edles Antlitz dem Banditen beinahe Ehrfurcht einflößte; »man mißtraut Jedem, man klagt alle Welt an, und man verleumdet sogar einen König, der den Titel des ehrlichsten Menschen seines Reiches verdient hat. Ich fange an zu glauben, Kapitän,« fügte er den Kopf schüttelnd bei, »der König hat Unrecht gehabt, Jemand an Euch abzusenden: das ist eine Ehre, die sich Fürsten gegenseitig erweisen; und Ihr sprecht in diesem Augenblick wie ein Banditenanführer, und nicht wie ein Fürst.«
»He! He!« erwiderte Caverley, ein wenig beunruhigt durch diese Kühnheit, »mißtrauen, lieber Freund, heißt vernünftig sein. Und offenherzig gestanden, wie sollte der König mich lieben, nach dem Geschrei der verbrannten Mönche, nach den Lamentationen der genothzüchtigten Frauen und nach den Klagen der Stadt Bürger, die ich Lösegeld zu bezahlen gezwungen, wovon Ihr so eben beredt gesprochen habt?«
»Sehr gut,« sagte Mauléon, »ich sehe, was mir zu thun bleibt.«
»Und was bleibt Euch zu thun, laßt hören?« fragte der Kapitän Hugo von Caverley.
»Ich habe nur Jemand an den Gesandten des Königs abzuschicken und ihm sagen zu lassen, seine Botschaft sei erfüllt, insofern ein Anführer von Abenteurern dem Worte von König Karl V. mißtraue.«
Nachdem er so gesprochen, wandte sich Mauléon nach dem Ausgange des Zeltes, um seine Drohung in Ausführung zu bringen.
»Oho!« rief Caverley; »ich habe nicht ein Wort von dem gesagt, was Ihr denkt, und nicht ein Wort von dem gedacht, was Ihr sagt. Ueberdies wird es immer noch Zeit sein, diesen Ritter zurückzuschicken. Laßt ihn im Gegentheil hierher rufen, lieber Freund, und er soll willkommen sein.«
Mauléon schüttelte den Kopf und erwiderte mit kaltem Tone:
»Der König von Frankreich mißtraut Euch und wird nicht einen seiner vornehmsten Diener in Euer Lager gehen lassen, wenn Ihr nicht hinreichende Garantie leistet.«
»Bei der Milz des Papstes!» schrie Caverley, »Ihr beleidigt mich, Gevatter!«
»Nein, mein lieber Kapitän,« erwiderte Mauléon, »denn Ihr habt das Beispiel des Mißtrauens gegeben.«
»Ei! alle Teufel! weiß man nicht, daß ein Abgesandter eines Königs für Jedermann unverletzlich ist, selbst für uns, die wir die Dinge nicht übel verletzen? Dieser ist also von einer besonderen Art?«
»Vielleicht.«
»Dann will ich ihn aus Neugierde sehen.«
»So unterzeichnet einen vollkommen geordneten Geleitbrief.«
»Das ist leicht.«
»Ja, doch Ihr seid nicht allein hier, Kapitän, und ich bin nur zu Euch besonders gekommen, weil Ihr der Erste von Allen seid, und weil ich den Vortheil gehabt habe, mit Euch und nicht mit den Andern in Verbindung zu stehen.«
»Der Gesandte ist also nicht für mich allein?« fragte Caverley.
»Nein, er ist für alle Anführer der Compagnien.«
»Der gute König Karl will also nicht mich allein bereichern?« sagte Caverley mit spöttischem Tone.
»König Karl ist mächtig genug, um, wenn es ihm beliebt, alle Räuber des Königreichs zu bereichern,« erwiderte Mauléon mit einem Gelächter, das an Ironie das Gelächter des Kapitän Caverley weit hinter sich ließ.
Es scheint, man mußte so mit dem Anführer der Abenteurer sprechen, denn dieser Scherz schlug seine ganze schlechte Laune in die Flucht.
»Man lasse meinen Schreiber kommen,« sagte er, »und er fasse einen Geleitbrief in guter Form ab.«
Ein langer, hagerer, zitternder, ganz schwarz gekleideter Mann trat vor: es war dies der Schulmeister eines benachbarten Dorfes, den der Kapitän Hugo von Caverley für den Augenblick zu seinem Schreiber erhoben hatte.
Er faßte unter der Aufsicht von Musaron den genausten und regelmäßigsten Geleitbrief ab, der je aus der Feder eines Doctors auf Pergament geflossen ist. Dann ließ der Kapitän durch einen Pagen jeden von den vornehmsten Banditen, seinen Genossen, rufen, fing, mochte er nun nicht schreiben können, oder wollte er aus einem ihm bekannten Grunde seinen eisernen Panzerhandschuh nicht ausziehen, damit an, daß er den Knopf seines Dolches unter die Schrift drückte, und ließ sofort die andern Führer unter sein Monogramm die einen ihr Kreuz, die andern ihr Siegel, und wieder andere ihren Federzug setzen; und während sie dieses Manoeuvre ausführten, lachten die Führer unter einander, im Glauben, sie wären erhaben über alle Fürsten der Erde, da sie Geleitbriefe den Botschaftern des Königs von Frankreich gäben.
Als das Pergament mit allen Siegeln und Federzügen versehen war, wandte sich Caverley gegen Mauléon um und fragte ihn:
»Und der Name des Gesandten?«
»Ihr sollt ihn erfahren, wenn er kommt, und auch dies nur, wenn es ihm beliebt, Euch denselben zu nennen,« antwortete Agenor.
»Oh!« rief der Grüne Ritter lachend, »das ist irgend ein Baron, dem wir sein Schloß verbrannt und seine Frau entführt haben werden, und der nun kommt, um zu sehen, ob es nicht möglich ist, seine keusche Gattin gegen sein Pferd oder seine Falken loszukaufen.«
»Haltet Eure schönsten Rüstungen bereit,« sprach Mauléon mit stolzem Tone; »befehlt Euren Pagen, wenn Ihr habt, ihre reichsten Kleider anzuziehen, und schweigt, wenn derjenige, welchen ich verkündige, erscheint, wollt Ihr nicht später bereuen, einen großen Fehler für Männer gemacht zu haben, welche im Waffenhandwerk erfahren sind.«
Hiernach verließ Mauléon das Zelt, wie ein Mann, der das Gewicht des Schlages fühlt, den er gethan hat. Ein Gemurmel des Zweifels und des Erstaunens durchlief die Gruppe.
»Er ist verrückt,« sagten die Einen.
»Oh! Ihr kennt ihn nicht,« sprach Caverley.
»Nein, nein, er ist nicht verrückt, und wir haben etwas Neues zu erwarten.«
Es verging ein halber Tag. Das Lager hatte wieder sein gewöhnliches Aussehen angenommen. Die Einen badeten sich im Fluß, die Andern tranken unter den Bäumen, wieder Andere ergötzten sich im Grase. Man sah Banden von Räubern zurückkehren, verkündigt durch Freudenschreie und Wehklagen; dann erschienen Frauen mit zerzausten Haaren, Männer mit Quetschungen und Wunden, am Schweif ihrer Pferde herbeigeschleppt. Vieh, das sich gegen die unbekannten Herren sträubte, wurde blökend unter die Zelte geführt sogleich geschlachtet und für das Abendmahl zerhackt, während die Anführer herbeikamen, um den Erfolg der Expedition zu sehen und ihren Theil an der Beute zu wählen, doch nicht ohne daß sie in ernste Streitigkeiten mit den trunkenen oder ausgehungerten Soldaten geriethen.
Etwas entfernter übte man Rekruten ein, ihren Hütten entrissene und mit Gewalt angeworbene Bauern, welche nach Verlauf von drei bis vier Jahren Alles vergessen sollten, um, wie ihre neuen Gefährten, Leute der Plünderung und des Blutes zu werden. Ganze Heere von Knechten, Schaaren von Troßbuben spielten oder bereiteten das Mahl für die Herren. Fässer mit ausgeschlagenem Boden, gestohlene Betten, zerbrochene Geräthschaften, zersetzte Matratzen lagen aus dem Boden umher, während ungeheure herrenlose Hunde unter diesen Gruppen durchschweiften, um sich Futter zu suchen, die Räuber beraubten und die verirrten Kinder aus ihrem Wege schreien machte.
An den Thoren dieses Lagers, das wir zu schildern versucht haben, von dem jedoch nur der Anblick einen Begriff zu geben vermochte, ließen plötzlich vier Trompeter geräuschvolle Fanfaren schmettern; ihnen voran flatterte ein weißes Banner mit zahllosen Lilien, was damals noch das Wappen von Frankreich war,1 Sogleich entstand eine gewaltige Bewegung im Lager der Compagnien. Die Trommeln rasselten, die Unterofficiere eilten, um ihre herumschlendernden Leute zu sammeln und die Hauptposten zu besetzen. Bald defilirte durch ein gedrängtes Spalier neugieriger und erstaunter Köpfe ein langsamer feierlicher Zug. Dies waren zuerst die vier Trompeter, deren Fanfaren das Lager erweckt hatten, dann ein Wappenherold, entblößt und hoch in der Luft das Schwert des Connetable mit der breiten Klinge, woraus die Lilien, und mit dem goldenen Griffe tragend; endlich, um einige Schritte zwölf Männern oder vielmehr zwölf ehernen Bildsäulen voranreitend, ein Ritter mit herabgelassenem Visir und stolzer Haltung. Sein mächtiges schwarzes Roß kaute an einem goldenem Gebiß, und ein langes Schlachtschwert mit einem nach dem Gebrauche jener Zeit blank geglättetem Griff funkelte in der Höhe seiner Seite.
In der Nähe dieses Ritters, doch etwas hinter ihm ritt Mauléon. Er führte die ganze Truppe nach dem allgemeinen Zelte der Chefs, wo der Rath versammelt war.
Das Stillschweigen des Erstaunens und der Erwartung schwebte über dem ganzen kurz zuvor noch so geräuschvollen Lager. Derjenige, welcher der Anführer der Truppe zu sein schien, stieg ab, ließ beim Schalle der Trompeten das königliche Banner erheben und trat in das Zelt.
Die Anführer, welche saßen, standen bei seinem Eintritt nicht aus und schauten sich nur lächelnd an. »Das ist das Banner des Königs von Frankreich,« sprach der Ritter mit sanfter, aber eindringender Stimme, indem er sich vor demselben verbeugte.
»Wir erkennen es wohl,« erwiderte Messire Hugo von Caverley, der nun aufstand, um dem Fremden zu antworten, »doch wir warten, bis der Abgesandte des Königs von Frankreich sich nennt, um uns vor ihm zu verbeugen, wie er sich vordem Wappen seines Herrn verbeugt hat.«
»Ich,« sprach bescheiden der Ritter, sein Helmvisir ausschlagend, »ich bin Bertrand Duguesclin, Connetable von Frankreich und abgesandt zu den edlen Herren Anführern der großen Compagnien, denen Gott jede Freude und jegliche Wohlfahrt verleihen möge.«
Kaum hatte er diese Worte vollendet, als alle Stirnen entblößt, als alle Schwerter aus der Scheide waren und in der Luft geschwungen wurden; überall brach die Ehrfurcht oder vielmehr die Begeisterung in langen Schreien hervor, und dieses elektrische Feuer verbreitete sich rasch wie Laufpulver, entzündete das ganze Lager, die ganze Armee schlug ihre Piken und Schwerter aneinander und rief vor der Thüre:
»Heil! Heil! Freude dem guten Connetable!«
Dieser verbeugte sich mit seiner gewöhnlichen Demuth und grüßte unter donnerndem Beifallsgeschrei.
Sechzehntes Kapitel.
Wie die Anführer der großen Compagnien Messire Duguesclin versprachen, ihm bis ans Ende der Welt zu folgen, wenn es ihm beliebte, sie dahin zu führen
Diese erste enthusiastische Bewegung machte bald einer so großen Aufmerksamkeit Platz, daß die Worte des Connetable, obgleich mit der Ruhe der Kraft gesprochen, die Reihen der Menge durchdrangen und klar und deutlich zu den Enden des Lagers gelangten, wo sie die letzten Soldaten gierig auffaßten.
»Meine Herren Kapitäne,« sprach Bertrand mit jener beinahe unterwürfigen Höflichkeit, die ihm das Herz aller derjenigen gewann, mit welchen er in Verbindung stand, »der König von Frankreich schickt mich zu Euch, damit ich mit Euch die einzige That vielleicht vollbringe, welche braver Kriegsleute, wie Ihr seid, würdig ist.«
Der Eingang war schmeichelhaft; doch der allgemeine Charakter des Geistes bei den Kapitänen der großen Compagnien war das Mißtrauen, und in Folge hiervon, da man nicht wußte, worauf der Connetable abzielte, erkaltete die Begeisterung seiner Zuhörer; er sah, daß er fortfahren mußte, und sprach, das erste Gefühl, das er eingeflößt hatte, benützend:
»Jeder von Euch besitzt Ruhm genug, um nicht mehr zu wünschen; doch keiner besitzt Reichthümer genug, um zu sagen: »»Ich finde mich reich genug.«« Ueberdies muß Jeder von Euch zu dem Punkte gelangt sein, daß er die Ehre der Waffen mit dem Nutzen der daraus folgen soll, zu vermählen wünscht. Würdige Kapitäne, denkt Euch Nun, was eine Expedition von Euch gegen einen mächtigen und reichen Prinzen geführt wäre, dessen Verlassenschaft durch das Recht eines gesetzlichen Krieges in Eure Hände fallend, Euch ebenso glorreiche, als einträgliche Trophäen bieten würde. Ich bin auch ein Abenteurer wie Ihr; ich bin auch ein Glücksofficier wie Ihr. Doch, meine edlen Herren, seid Ihr nicht müde, wie ich es selbst bin, der Unterdrückung, die wir mit einander gegen Feinde, schwächer als wir, geübt haben? Habt Ihr nicht Lust, statt des Stöhnens von Kindern und des Geschreis von Frauen, wie ich es so eben. Euer Lager durchziehend, hörte, die Fanfaren der Trompeten, welche eine wirkliche Schlacht verkündigen, und das Brüllen des Feindes zu hören? Ihr braven Ritter von allen Nationen, die Ihr folglich jeder eine nationale Ehre aufrecht zu erhalten habt, wäret Ihr nicht, abgesehen von dem Ruhm und dem Reichthum, den ich Euch versprochen, glücklich, Euch abermals für eine Sache zu vereinigen, welche die Menschheit verherrlicht? Denn welches Leben führen wir im Ganzen, wir Kriegsleute? Kein von Gott erwählter Fürst bevollmächtigt uns zu unseren Räubereien und Erpressungen. Das Blut, das wir vergießen, ist zuweilen ein Blut, das um Rache schreit, und dessen Stimme nicht nur zum Himmel aufsteigt, sondern auch unwillkührlich unsere gegen die Schauer und Schrecknisse des, Krieges verhärtete Seele erschüttert: werden wir nicht, nach einem Leben der Launen und Phantasien Soldaten eines großen Königs, Streiter Gottes, reich und mächtig geworden, das wahre Geschick jedes Mannes, der sich dem harten Gewerbe des Ritterthums weiht, haben in Erfüllung gehen sehen?«
Diesmal durchlief ein langes Gemurmel des Beifalls die Reihen der Kapitäne, denn sie war sehr mächtig bei ihnen, die Stimme des gewaltigsten Lanzenbrechers, des kräftigsten Kämpfers jener Zeit. Alle hatten Bertrand an einem Schlachtage bei der Arbeit gesehen, und Mehrere hatten die Schneide seines Schwertes oder das Gewicht seines Streitkolbens gefühlt; es schien ihnen ihrer würdig, sich der Meinung eines solchen Soldaten anzuschließen.
»Meine Herren,« fuhr Duguesclin, glücklich über die durch den ersten Theil seiner Rede hervorgebrachte Wirkung, fort, »vernehmt den Plan, den unser guter König, Karl V. mir zur Ausführung anvertraut hat. In Spanien sind die Mauren und Sarazenen frecher und grausamer als je zurückgekommen. In Kastilien regiert ein König, der frecher und grausamer ist als Mauren und Sarazenen, ein Mensch, der seinen Bruder getödtet hat, meine Herren; einen gewappneten Ritter, der die goldene Kette und die goldenen Sporen trägt und seine Frau, die Schwägerin von unserem König Karl, getödtet hat; ein Vermessener endlich, der durch dieses Verbrechen der Stärke der ganzen Ritterschaft der Welt getrotzt zu haben scheint, denn damit ein solches Verbrechen ungestraft bliebe, müßte es keine Ritter mehr auf Erden geben.«
Diese zweite Periode schien einen geringen Eindruck auf die Abenteurer zu machen. Das Tödten seines Bruders, die Ermordung einer Frau kamen ihnen als etwas unregelmäßige Akte vor, doch nicht als Verbrechen, welche zu rächen man fünfundzwanzigtausend ehrliche Leute beunruhigt. Duguesclin bemerkte, daß seine Sache ein wenig verloren hatte, doch er ließ sich nicht entmuthigen und fuhr fort:
»Seht, meine Herren, ob sich je ein Kreuzzug glorreicher und besonders nützlicher gezeigt,hat. Ihr kennt Spanien, Einige von Euch haben es durchwandert, Alle haben davon sprechen hören. Spanien, das Land der Silberminen; Spanien mit den mit arabischen Kostbarkeiten gepflasterten Palästen; Spanien, wo die Mauren und Sarazenen die der halben Welt geraubten Schätze begraben haben; Spanien, wo die Frauen so schön sind, daß König Roderich für eine einzige Frau sein Reich verloren hat. Nun wohl, dahin werde ich Euch führen, meine edle Herren, wenn Ihr mir folgen wollt, denn dahin gehe ich mit einigen von meinen guten Freunden, die ich unter den besten Lanzen Frankreichs auserwählt habe: dahin gehe ich, um zu erfahren, ob die Ritter des Königs Don Pedro so feig sind, als ihr Herr, und zu probieren, ob die Härtung ihrer Schwerter so viel werth ist, als die Härtung unserer Aexte. Es ist eine schöne Reise, meine Herren Kapitäne, solltet Ihr dabei sein?«
Der Connetable endigte seine Rede durch eine von jenen treuherzigen Geberden, welche beinahe immer die überlegenden Gesellschaften fortreißen. Hugo von Caverley, der während der ganzen Rede so aufgeregt geschienen hatte, als ob der Dämon der Kämpfe sein Schlachtroß unter ihm gestachelt hätte, durchlief den Kreis, fragte Jeden um seine Meinung, und bald beeilte sich Jeder, zu ihm herantretend, ihm die seinige zu geben; dann kehrte er zu Bertrand Duguesclin zurück, der, während ihn die Soldaten mit den Augen verschlangen, ruhig mit Agenor und mit Enrique von Transtamare plauderte, dessen Herz seit dem Ansang der Scene aus das Heftigste schlug, denn für ihn, so unbekannt er dieser Menge, war der Erfolg dieser Scene ein Thron oder die Dunkelheit, das heißt, das Leben oder der Tod. Ein Mensch von diesem Schlage hat den Ehrgeiz an der Stelle des Herzens, und jede Wunde ist hier tödtlich.
Die Berathung währte kaum einige Minuten; dann trat Hugo von Caverley zum Connetable und sprach unter einem tiefen Stillschweigen:
»Geehrter Herr Bertrand Duguesclin, schöner Sire, Bruder und Gefährte, Ihr, der Ihr heute der Spiegel der ganzen Ritterschaft seid, erfahrt, daß wir Euch Eurem Muthe und Eurer Rechtschaffenheit zu Liebe dienen wollen. Ihr sollt unser Anführer und nicht unser Verbündeter, unser Kapitän und nicht unseres Gleichen sein. In jedem Fall und bei jedem Zusammentreffen gehören wir Euch, und wir werden Euch folgen bis ans Ende der Welt. Mögen es Mauren, mögen es Sarazenen, mögen es Spanier sein, sprecht und wir marschiren gegen sie. Nur gibt es unter uns viele englische Ritter, und diese lieben den König Eduard III. und seinen Sohn den Prinzen von Wales; doch mit Ausnahme von diesen Beiden werden sie mit Männiglich Krieg führen. Ist Euch das genehm, Sire?«
Der Connetable verbeugte sich, machte ihnen Allen Zeichen tiefer Dankbarkeit und fügte einige Worte bei, um herauszuheben, welche Ehre ihm solche Krieger zu erweisen die Güte hätten, und hierin log Bertrand nicht. Eine solche Huldigung seiner Ueberlegenheit dargebracht mußte dem Mann des vierzehnten Jahrhunderts schmeicheln, dessen ganzes Leben das eines Soldaten war.
Die Kunde-von diesem Entschluß erregte eine unbeschreibliche Begeisterung im Lager. Es war in der That ein anstrengendes Leben für diese Abenteurer, das ewige Streiten gegen die vereinigten Dörfer, der Krieg hinter den Hecken und aus den Schluchten hervor, die Hungersnoth mitten im Reichthum, die Trostlosigkeit im Triumph. In einem anderen Lande, in einem noch neuen Lande, auf einem beinahe jungfräulichen Boden, unter einem milden Himmel leben, Weine und Frauen wechseln, die reiche Verlassenschaft der Spanier, der Mauren und der Sarazenen erobern, das war ein Traum, der wohl dadurch zur Wirklichkeit wurde, daß man zum Anführer den Spiegel der europäischen Ritterschaft hatte, wie den Connetable Messire Hugo von Caverley nannte. Bertrand Duguesclin wurde auch mit wüthendem Freudengeschrei empfangen und erreichte das Zelt, das man ihm an der sichtbarsten und erhabensten Stelle des Lagers bereitet hatte, unter einem Porticus, gebildet von den Lanzen, welche über seinem Haupte, die, nicht vor dem Banner Frankreichs, sondern vor dem Träger desselben gebückten Abenteurer kreuzten.
»Hoher Herr,« sprach Bertrand zu Enrique von Transtamare, als sie unter ihre Zelte zurückgekehrt waren, und während Hugo von Caverley und der Grüne Ritter Agenor zu seiner Rückkehr und besonders zu den Umständen, von denen diese Rückkehr begleitet war, Glück wünschten, »hoher Herr, Ihr müßt zufrieden sein; die schwierigste Aufgabe ist erfüllt. Wir sind Alle zufrieden. Diese Leute werden sich wie blutgierige Fliegen auf die Haut der Mauren, der Sarazenen und der Spanier stürzen und sie grausam stechen; während sie ihre Geschäfte betreiben, werden sie die Eurigen betreiben; während sie sich bereichern, werden sie Euch einen Thron geben. Was die Fieber Andalusiens, was die Hinterhalte in den Gebirgen, was die Uebergänge über die Flüsse, deren rascher Lauf Pferde und Reiter fortreißt, was den entnervenden Mißbrauch des Weines und der Liebe, die Trunkenheit und die Wollust betrifft, so rechne ich darauf, daß dies Alles die Hälfte der Banditen niederwerfen wird. Die andere Hälfte wird hoffentlich schon unter den Streichen der Sarazenen, der Mauren und der Spanier zu Grunde gegangen sein, welche gute Hämmer für solche Amboße sind. Wir werden in jeder Hinsicht Sieger sein. Ich setze Euch auf dem Throne Castiliens fest und kehre nach Frankreich zur großen Zufriedenheit des guten Königs Karl mit meinen Kriegern zurück, die ich durch die Aufopferung dieser Schurken schonen werde.«
