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Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 15

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»Ja, Messire,« erwiderte Enrique von Transtamare nachdenkend; »doch mißtraut Ihr nicht irgend einem unvorhergesehenen Entschluß des Königs Don Pedro? Er ist ein gewandter Anführer und ein Kopf voll von Mitteln.«

»Ich sehe nicht so fern, mein Prinz,« sprach Duguesclin; »je mehr wir Mühe haben werden, desto glorreicher werden wir sein, und desto mehr Caverleys und Grüne Ritter werden wir auf der guten Erde Castiliens zurücklassen. Eines nur beunruhigt mich: das ist unser Eindringen in Spanien; denn es ist gut, den Krieg mit dem König Don Pedro, mit seinen Sarazenen und seinen Mauren zu führen, aber es ist nicht gut, ihn mit allen vereinigten Spaniern zuführen; fünfhundert Compagnien würden hierzu nicht genügen; und es ist viel schwieriger, eine Armee in Spanien, als in Frankreich zu ernähren.«

«Ich werde auch,« erwiderte Enrique, »ich werde dem auch zuvorkommen, und den König von Aragonien in Kenntniß setzen, der einer meiner Freunde ist und Euch, aus Liebe für mich und aus Haß gegen den König Don Pedro, freien Durchzug in seinen Staaten nebst Lebensmitteln und Unterstützung an Menschen und Geld gewähren wird, so daß wir, wenn wir zufällig in Castilien auf's Haupt geschlagen würden, eines guten Rückzugs sicher sein könnten.«

»Man sieht, hoher Herr, daß Ihr bei dem guten König Karl, der Allem, was ihn umgibt, Weisheit verleiht, aufgezogen worden seid,« sprach der Connetable. »Euer Rath ist äußerst klug; geht also und nehmt Euch in Acht, daß man Euch nicht fängt, und der Krieg wird sogleich beendigt sein; denn wenn ich mich nicht täusche, schlagen wir uns, um einen König abzusetzen und einen neuen zu machen, und nicht aus einem andern Grunde.«

»Ah! Messire, erwiderte Enrique ärgerlich über die Scharfsichtigkeit desjenigen, welchen er für einen bloßen Raufdegen ohne alle Feinheit hielt, »werdet Ihr, ist Don Pedro einmal entthront, nicht glücklich sein, wenn Ihr ihn durch einen treuen Freund Frankreichs ersetzen könnt?«

»Mein Prinz,« erwiderte Duguesclin, »glaubt mir, der König Don Pedro wäre ein treuer Freund Frankreichs, wenn Frankreich nur ein wenig Freund von Don Pedro sein wollte. Doch darüber entsteht kein Streit, und die Frage ist zu Euren Gunsten gelöst. Dieser ungläubige Mörder, dieser christliche König, der der Christenheit Schande macht, muß bestraft werden, und Ihr seid so viel werth, als jeder Andere, um die Rolle der Gerechtigkeit Gottes zu spielen. Hiernach, hoher Herr, und da Alles zwischen uns verabredet und beschlossen ist, brecht rasch auf, denn es drängt mich, mit den Compagnien in Spanien zu sein, ehe der König Don Pedro Zeit gehabt hat, seine Börse zu öffnen und uns, wie Ihr so eben sagtet, einen Streich nach seiner Art zu spielen.«

Enrique antwortete nicht, er fühlte sich gedemüthigt im Grunde seines Herzens durch diese Protection, der er sich von Seiten eines einfachen Edelmanns unterziehen mußte, wenn er nicht in seinem königlichen Unternehmen scheitern wollte. Doch die Krone, die er in seinen Träumen der Zukunft und des Ehrgeizes glänzen sah, tröstete ihn für diese vorübergehende Demüthigung.

Während Bertrand die vornehmsten Häupter der Compagnien nach Paris führte, um sie dem König Karl V. vorzustellen, während sie der Fürst mit Ehren und reichen Geschenken überhäufte und sich heiter für seinen Dienst tödten zu lassen geneigt machte, schlugen Enrique und Agenor, dem sein treuer Musaron folgte, wieder den Weg nach Spanien ein, wobei sie die Straße vermieden, der sie bei ihrer Reise nach Frankreich gefolgt waren, aus Furcht, von denjenigen erkannt zu werden, welche ihnen eine Unannehmlichkeit hätten bereiten können, obgleich sie mit guten Geleitbriefen, ausgestellt vom Kapitän Hugo von Caverley und von Messire Bertrand Duguesclin, versehen waren.

Sie hielten sich rechts, was übrigens für sie der kürzeste Weg war, um das Bearn zu erreichen und sodann Aragonien zu durchziehen. Sie reisten also längs der Auvergne, folgten dem User der Vezére und setzten in Castillon über die Dordogne.

Beinahe sicher, unter der Tracht und unter dem Namen eines niedrigen Ritters nicht erkannt zu werden, wollte sich Enrique durch sich selbst der Gesinnung der Engländer in Beziehung auf seine Person versichern und es versuchen, ob es nicht möglich wäre, den Prinzen von Wales auf seine Seite zu bringen, ein Resultat, das ihm nicht unmöglich vorkam, nach dem Eifer, mit dem die Kapitäne Messire Bertrand Duguesclin gefolgt waren, aus welchem Eifer hervorging, daß der schwarze Prinz noch keinen Entschluß gefaßt hatte. Den Sohn von Eduard III. zur Unterstützung haben, ihn, der als Kind seine Sporen bei Crécy gewonnen, der als Jüngling den König Johann bei Poitiers geschlagen hatte, hieß nicht nur die moralische Stärke seiner Sache verdoppeln, sondern auch fünf bis sechs tausend Lanzen mehr nach Castilien werfen, denn dies waren die Streitkräfte, über welche der Prinz von Wales, ohne seine Garnison in Guienne zu schwächen, verfügen konnte.

Dieser Prinz hielt sein Lager, oder vielmehr seinen Hof in Bordeaux. Da man nun, wenn nicht Frieden, doch wenigstens Waffenstillstand mit Frankreich hatte, so zogen die zwei Ritter ohne Schwierigkeit in die Stadt ein; allerdings war es am Abend eines Festtags und man gab wegen des Tumultes nicht aus sie Obacht.

Agenor hatte Anfangs dem Prinzen Enrique von Transtamare vorgeschlagen, mit ihm bei seinem Vormund Messire Ernauton von Sainte-Colombe zu wohnen, welcher ein Haus in der Stadt hatte; doch die Furcht, sein Gefährte könnte das Geheimniß nicht genug bewahren, ließ ihn zuerst dieses Anerbieten ausschlagen! es wurde sogar verabredet, daß zu größerer Sicherheit Mauléon, ohne seinen Vormund zu sehen, durch Bordeaux reiten sollte, was Mauléon versprach, so schwer es ihn auch ankam, so nahe, ohne ihn zu grüßen, an dem würdigen Beschützer vorüberzuziehen, der ihm als Vater gedient hatte; nachdem man aber die Stadt in allen Richtungen durchritten, nachdem man an die Thüren aller Wirthshäuser geklopft und, in Betracht des großen Zustromes von Menschen, die Unmöglichkeit, in irgend einem Gasthaus ein Unterkommen zu finden, erkannt hatte, sah sich der Prinz genöthigt, aus das Anerbieten, das ihm Agenor gemacht, zurückzukommen; man wandte sich also nach der Wohnung von Messire Ernauton, welche in einer der Vorstädte von Bordeaux lag, nachdem die zwei Reisenden feierlich dahin übereingekommen waren, daß der Name des Prinzen nicht genannt werden, und daß er nur für einen einfachen Ritter, Freund und Waffenbruder von Agenor gelten sollte.

Der Zufall bediente indessen vortrefflich die Reisenden. Messire Ernauton von Sainte-Colombe befand sich im Augenblick in der Heimath von Mauléon, wo er ein Schloß und einige Güter hatte. Zwei oder drei Diener waren in Bordeaux zurückgeblieben und empfingen den jungen Mann, als ob er nicht der Mündel, sondern der Sohn des alten Ritters gewesen wäre.

Ein vertrauter Diener, welcher Agenor von seiner Geburt an kannte, erwies den zwei Reisenden die Ehre des Hauses. Dieses Haus hatte sich übrigens seit den vier Jahren, daß Mauléon nicht mehr nach Bordeaux gekommen, gewaltig verändert. Seine ungeheuren Gärten, welche einen für die Strahlen der Sonne und die Blicke der Menschen unzugänglichen Aufenthaltsort boten, waren nun durch ein große Mauer von dem Hauptgebäude getrennt und schienen eine besondere Wohnstädte zu bilden.

Agenor fragte den alten Diener hierüber und er, fuhr, daß diese Gärten, in denen er im Schatten von Sycomoren und Platanen seine sorglose Jugend zugebracht hatte, von seinem Vormund an den Prinzen von Wales verkauft worden waren, welcher hier ein prachtvolles Haus hatte erbauen lassen, in das er alle Gäste einquartierte, die er sichtbar in seinem Palast nicht empfangen wollte oder konnte. Es kamen aber Höflinge von allen Ländern und Boten von allen Königen an den Sohn von Eduard III.; denn da er keine Niederlage erlitten hatte, so stand er bei aller Welt im Rufe eines Siegers.

Enrique bedeutete Agenor durch ein Zeichen, er möge sich diese Erklärung mit allen ihren Einzelheiten wiederholen lassen, denn er war, wie man sich erinnert, nach Bordeaux gekommen in der Absicht, den schwarzen Prinzen zu sehen, und in der Hoffnung, sich ihn zum Freunde zu machen; da es jedoch schon spät, da man eine starke Tagereise gehabt hatte, und die Reisenden müde waren, so ertheilte der Prinz seinen Dienern Befehl, sein Zimmer bereit zu halten, in das er sich auch sogleich nach dem Abendbrot begab. Agenor ahmte ihn nach und begab sich in das seinige, das im ersten Stocke des Hauses lag und aus die herrlichen Gärten ging, in denen er zu seinem Ergötzen wie Blumen der Vergangenheit die schönen Erinnerungen aus seiner Jugendzeit pflücken wollte.

Statt sich niederzulegen, wie es der Prinz that, setze er sich also an das Fenster und fing an mit der ganzen Poesie seiner zwanzig Jahre, die Augen auf die herrlichen Bäume geheftet, durch deren Blätterwerk nur mit Mühe einige Mondstrahlen drangen, wieder an dem Gestade des Lebens hinaufzusteigen, das immer mehr mit Blumen bestreut ist, je mehr man sich der Kindheit nähert. Der Himmel war rein, die Luft mild und ruhig; der Fluß glänzte in der Ferne wie die silbernen Schuppen einer ungeheuren Schlange; doch in Folge einer Laune der Einbildungskraft, geschah es nun durch die Aehnlichkeit der Landschaft, durch die Rückkehr der gleichen Stunde, oder durch die Wohlgerüche der Orangenbäume der Guienne, welche so sehr an die von Portugal und Andalusien erinnern, zog sein Geist mit Flammenflügeln über die Berge hin und ließ sich zu den Füßen der Sierra Estrella, am User des Flüßchens nieder, das sich in den Tajo wirst und an dessen Rande er, angezogen durch die Töne der Guzla, zum ersten Male mit der schönen Maurin von Liebe gesprochen hatte.

Plötzlich, mitten unter dieser mächtigen Berauschung glänzte ein Schein, von dem geheimnißvollen Palaste kommend, wie ein Stern durch das Blätterwerk, und bald, o seltsames Wunder! das der Ritter für einen Irrthum seiner Sinne hielt, glaubte Mauléon die Töne einer Guzla zu hören, Er horchte ganz bebend aus diese Accorde, welche nur ein Vorspiel waren; daraus aber sang eine reine, melodische Stimme, eine Stimme, welche man nie mehr verkennen durfte, wenn man sie einmal gehört hatte, in schönem Castilianisch die alte spanische Romanze:

 
Ein kühner Ritter mit stolzer Miene,
Auf bäumendem Rosse mit muthigem Gang,
Ein schöner Ritter aus Aragons Gauen,
Auf wilder Jagt den Tag entlang,
Hatt' Falken und Hund' im Gehölze verloren.
 
 
Er setzt unter weithin astiger Eiche
Ermattet sich nieder im Abendstrahl,
Lauscht Zaubertönen sanft wie die Liebe
Und stark wie rauschender Wassen Schall
In wundersamem Gemenge.
 
 
Er schaut zum Wipfel, der fränkische Ritter,
Und siehe, es däucht ihm ein wirrender Traum;
Sirenenblick funkelt dem Späher entgegen,
Ein Fräulein hoch oben schwebend am Baum,
Gebunden an goldenen Locken der Haare.
 
 
Hernieder sie ruft mit lieblicher Stimme:
Gewaltiger Ritter, erzittere nicht!
Das Fräulein, verstoßen, dem außer dem Neste
Von Moos und Geblätter Alles gebricht,
Ist Tochter des Königs und seiner Gemahlin.
 
 
Ein Sprößling von mächtigem Herrengeschlecht,
An ihrer Wiege ein glänzender Thron,
Castiliens Königin nennt sie die Mutter,
Der Ahnherren jeder ein Königssohn,
In fürstlicher Gruft als Könige schlummernd.
 
 
Weh' mir, es ward mir das Urtheil gesprochen.
schmachten, wohin kein Retterarm dringt,
In einsamer Waldnacht zum fünfzehnten Jahre,
Doch morgen die Rettungsstunde erklingt,
Da werd' ich zum zweiten Male geboren.
 
 
Freund Ritter, oh! nimm mich mit Dir von hinnen,
Ich fleh', wie liegend aus bebendem Knie
Wir fleh'n hinaus zu den Heil'gen des Himmels
Und gläubigen Herzens zur Mutter Marie.
Nimm mich als Freundin Dir oder Verlobte.
 

Agenor hörte nicht mehr; er machte einen Sprung, als wollte er aus seinem Traum herausstürzen, tauchte seinen gierigen Blick in die Platanen des Gartens und murmelte mit fieberhafter Hoffnung:

»Aissa! Aissa!

Siebzehntes Kapitel.
Wie Agenor diejenige wiederfand, welche er suchte, und der Prinz Enrique den, welchen er nicht suchte

Sobald sich Agenor überzeugt glaubte, daß es die Stimme von Aissa war, die er gehört hatte, nahm er, der ersten bei einem jungen Mann von zwanzig Jahren so natürlichen Bewegung nachgebend, seinen Degen, hüllte sich in seinen Mantel und schickte sich an, in den Garten zu dringen. Doch in dem Augenblick, wo er auf's Fenster stieg, fühlte er, wie sich eine Hand auf seine Schulter legte; er wandte sich um, es war sein Knappe.

»Herr Ritter,« sagte dieser, »ich habe immer bemerkt, daß einige von den Thorheiten, die man in der Welt begeht, auf dem Wege durch die Thüren begangen werden, daß man aber die übrigen, das heißt die Mehrzahl, auf dem Wege durch die Fenster begeht.«

Agenor machte eine Bewegung, um sein Unternehmen fortzusetzen. Musaron hielt ihn mit achtungsvoller Gewalt zurück.

»Laßt mich,« sprach der junge Mann.

»Hoher Herr,« sagte Musaron, »ich bitte Euch um fünf Minuten. In fünf Minuten soll es Euch freistehen, alle Thorheiten zu begehen, die Ihr begehen wollt.«

»Weißt Du, wohin ich will?«

»Ich vermuthe es.«

»Weißt Du, wer in diesem Garten ist?«

»Die Maurin.«

»Aissa selbst, Du hast es gesagt.

Du denkst noch, mich zurückzuhalten?«

»Je nachdem Ihr vernünftig oder wahnsinnig sein werdet.«

»Was willst Du damit sagen?«

»Daß die Maurin nicht allein sei.«

»Allerdings nicht, sie ist bei ihrem Vater, der sie nie verläßt.«

»Und ihr Vater wird wiederum beständig von einem Dutzend Mauren bewacht.«

»Nun?«

»Nun! Sie streifen unter dem Schatten dieser Bäume umher.

Ihr werdet Euch an Einem derselben stoßen, Ihr werdet ihn tödten. Ein Anderer wird auf das Geschrei von diesem herbeieilen, und Ihr werdet ihn auch tödten. Doch ein Dritter, ein Vierter, ein Fünfter werden kommen, es wird ein Streit, ein Kampf entstehen, die Schwerter werden klirren, man wird Euch erkennen, gefangen nehmen, tödten vielleicht,«

»Es sei, doch ich werde sie sehen.«

»Pfui doch! eine Maurin!«

»Ich will sie wiedersehen.«

»Ich hindere Euch nicht, sie wiederzusehen, doch seht sie, ohne Gefahr zu laufen.«

»Hast Du ein Mittel?«

»Ich habe keines; doch der Prinz wird Euch eines geben.«

»Wie, der Prinz?«

»Allerdings. Glaubt Ihr, er sei bei der Gegenwart von Mothril in Bordeaux minder interessirt, als Ihr, und er habe nicht, wenn er erfährt, daß dieser hier ist, ein ebenso großes Verlangen als Ihr, zu erfahren, was der Vater hier suchen will, als Ihr, zu wissen, was die Tochter hier macht?«

»Du hast Recht,« sagte Agenor.

»Ah! Ihr seht das ein,« versetzte Musaron zufrieden, »Nun, so benachrichtige den Prinzen. Ich bleibe hier, um das kleine Licht nicht ans dem Blick zu verlieren.«

» Und Ihr werdet die Geduld haben, uns zu erwarten?«

»Ich werde horchen,« sprach Agenor.

Die sanfte Stimme fuhr in der That fort in der Nacht zu erklingen, und die Guzla vibrirte bebend in Begleitung derselben. Es war nicht der Garten von Bordeaux, den er vor seinen Augen hatte, es war der Garten des Alcazar; es war nicht das weiße Haus des Prinzen von Wales, sondern der maurische Kiosk mit dem grünen Vorhang. Jeder Ton der Guzla drang tief in sein Herz ein, das sich allmälig mit Trunkenheit füllte. Kaum glaubte er sich allein, als er die Thüre wieder öffnen hörte und Musaron, gefolgt von dem Prinzen, der wie er in seinen Mantel gehüllt war und wie er sein Schwert in der Hand trug, eintreten sah.

Mit einigen Worten war der Prinz über die Lage der Dinge unterrichtet, da ihm Agenor ohne Rückhalt sein früheres Verhältniß zu der schönen Maurin, sowie die wüthende Eifersucht von Mothril mitgetheilt hatte.

»Ihr müßt es versuchen, mit dieser Frau zu sprechen,« sagte der Prinz; »durch sie werden wir mehr erfahren, als durch alle Spione der Erde. Eine Frau, die man in der Sklaverei hält, beherrscht häufig ihren Despoten.«

»Ja, ja,« rief Mauléon, der vor Ungeduld, zu Aissa zu gelangen, brannte, »ich bin bereit, den Befehlen Eurer Hoheit zu gehorchen.«

»Ihr seid sicher, sie gehört zu haben?«

»Gehört, wie ich Euch höre, gnädigster Herr. Ihre Stimme kam von dort und würde mich mitten durch die Finsterniß der Hölle leiten.«

»Es sei! Doch das Schwierige für uns ist, in dieses Haus zu bringen, ohne unter eine bewaffnete Truppe zu gerathen.«

»Ihr habt gesagt, für uns, gnädigster Herr?«

»Allerdings, ich begleite Euch, doch wohl verstanden, ich bleibe beiseit und lasse Euch frei mit Eurer Geliebten sprechen.«

»Dann ist nichts mehr zu befürchten, hoher Herr. Zwei Kämpen wie Ihr und ich nehmen es mit zehn Christen und mit zwanzig Mauren auf.«

»Ja, aber sie lärmen, aber sie tödten, und genöthigt, zu fliehen, haben sie am andern Tag einer leeren Großthuerei den Erfolg einer wichtigen Angelegenheit geopfert. Wir müssen klug sein, Ritter; seht Eure Geliebte, doch mit aller nöthigen Vorsicht. Hütet Euch besonders, Euren Dolch in den Gärten oder in den Gemächern eines Vaters oder eines eifersüchtigen Gatten zu verlieren. Daß ich den meinigen in dem Zimmer von Don Guttiere fallen ließ, hat mich die Frau gekostet, die ich am Innigsten liebte.«

»Ja, Klugheit! Klugheit!« murmelte Musaron.

»Ja; doch mit zu viel Klugheit werden wir sie vielleicht verlieren,« erwiderte Agenor.

»Seid unbesorgt,« sprach Enrique, »das wird meine erste Wegnahme bei den Mauren sein, wenn ich je den Thron Castiliens besteige. Doch mittlerweile schonen wir diesen Thron.«

»Ich erwarte die Befehle Eurer Hoheit,« sprach Mauléon, nur mit Mühe seine Ungeduld bewältigend.

»Gut, gut!« sagte Enrique, »Ich sehe, daß Ihr ein disciplinirter Soldat seid, und es wird Alles nur um so besser gehen, wenn Ihr mir gehorchen wollt. Wir sind Kapitäne und müssen die schwache Seite eines Platzes recognosciren. Gehen wir in den Garten hinab, untersuchen wir die Mauern, und wenn wir eine zum Ersteigen günstige Stelle gefunden haben, werden wir hinaussteigen.«

»Ei! Herr,« sagte Musaron. »das Ersteigen wird keine Schwierigkeit sein, denn ich habe eine Leiter im Hof gesehen, und es ist folglich eine Stelle der Mauer so günstig, als die andere. Hinter der Mauer aber gibt es Mauren mit Säbeln, Wälder von Piken. Doch wenn es sich um das Leben eines so erhabenen Prinzen und eines so ausgezeichneten Ritters handelt. . .«

»Sprich für den Prinzen,« sagte Agenor.

»Dieser gute Knappe gefällt mir,« bemerkte Enrique, »er wird eine äußerst nützliche Nachhut bilden.«

Dann erhob er die Stimme und sprach, sich an seinen Knappen wendend, der bei der Thüre wartete: »Perajo, seid Ihr bewaffnet?«

»Ja, Hoheit,« antwortete derjenige, an welchen die Frage gerichtet war.

»So folgt mir.«

Musaron sah, daß sich nichts einwenden ließ. Alles, was er erreichte, war, daß man durch die Thüre hinausging und die Treppe hinabstieg, statt durch das Fenster zu steigen. Doch wie immer, wenn einmal sein Entschluß gefaßt war, ging er ernst auf das Ziel zu. Es fand sich in der That eine Leiter im Hof; er lehnte sie an der Mauer an. Der Prinz wollte zuerst hinauf; Agenor folgte ihm, dann kam Perajo und endlich Musaron, der die Leiter aus die andere Seite der Mauer zog,

»Bewache diese Leiter,« sagte der Prinz; »die Art, wie Du gesprochen, gibt mir volles Vertrauen zu Dir.«

Musaron setzte sich aus die letzte Sprosse; Perajo wurde zwanzig Schritte weiter hinter einem Feigenbaume aufgestellt, und Enrique und Agenor rückten unter den großen Schatten der Bäume vor, die sie natürlich vor denjenigen verbargen, welche im Lichte ausgestellt sein konnten.

Bald befand man sich so nahe heim Haus, daß man in Ermangelung der Töne der Guzla, welche aufgehört hatten, die Seufzer der Sängerin hörte.

»Prinz,« sagte Agenor, der seine Ungeduld nicht länger bezähmen konnte, »erwartet mich unter dieser Geißblattlaube; ehe zehn Minuten vergehen, habe ich mit der Maurin gesprochen und weiß, weshalb ihr Vater nach Bordeaux gekommen ist. Würde ich angegriffen, so gefährdet nicht Euer Dasein und kehrt zur Leiter zurück. Ich werde Euch durch den Ruf:

Auf die Mauer! benachrichtigen.«

»Wenn Ihr angegriffen werdet,« erwiderte Enrique, so erinnert Euch, Ritter, daß Niemand vielleicht, mit Ausnahme von König Don Pedro meinem Bruder und Messire Duguesclin meinem Lehrer den Degen handhabt, wie ich dies zu thun verstehe. Ich werde Euch dann zeigen, Ritter, daß ich mich dessen nicht mit Unrecht rühme.«

Agenor dankte dem Prinzen, der im Schatten verschwand, wo ihn die Augen des Ritters vergebens suchten. Agenor aber setzte seinen Gang nach dem Hause fort; doch zwischen diesem und dem Gehölze hatte er einen freien und vom Mond beleuchteten Raum zu durchschreiten. Agenor zögerte einen Augenblick, ehe er so zu sagen das Licht herausforderte. Doch er war im Begriff, diesen freien Raum kühn zu durchschreiten, als durch eine Seitenthüre des Hauses, die sich knarrend öffnete, drei Männer herauskamen, welche mit leiser Stimme plauderten. Derjenige, welcher am nächsten vor dem unbeweglich und stumm unter dem Schatten einer Platane stehenden Agenor vorüberkommen mußte, war Mothril, den man leicht an seinem weißen Burnus zu erkennen vermochte; der in der Mitte war ein Ritter in schwarzer Rüstung; der, welcher am nächsten an Don Enrique vorbeigehen mußte, war ein vornehmer Herr, der ein reiches castilianisches Kleid unter einem Purpurmantel trug.

»Hoher Herr,« sagte lachend der letztere zudem schwarzen Ritter, »Ihr dürft Mothril nicht böse sein, daß er sich weigert, Euch seine Tochter diesen Abend zu zeigen. Ich, der ich seit beinahe sechs Wochen Tag und Nacht mit ihm reise, habe es nur mit Mühe dahin gebracht, daß er sie mich sehen ließ.«

Der schwarze Ritter antwortete; doch Agenor kümmerte sich nichts um seine Antwort. Was er zu wissen wünschte, wußte er nun: daß Aissa allein war. Bei dem Klange der väterlichen Stimme hatte sie sich sogar erhoben und neugierig, wie eine Christin, aus ihrem Fenster geneigt, um mit dem Auge den drei geheimnißvollen Spaziergängern zu folgen.

Der Ritter eilte aus dem Gebüsch hervor und war mit zwei Sprüngen unter dem Fenster, das ungefähr zwanzig Fuß über der Erde sein mochte.

»Aissa, erkennst Du mich?« sagte er.

So sehr sie auch Herrin über sich sein mochte, so wich die maurische Jungfrau doch mit einem unwillkührlichen kleinen Schrei zurück. Doch alsbald erkannte sie denjenigen, welcher beständig in ihren Gedanken wohnte, streckte die Arme gegen ihn aus und fragte ihn: »Bist Du es, Agenor?«

»Ja, ich bin es, meine Liebe. Doch wie soll ich zu Dir gelangen, zu Dir, die ich auf eine so wunderbare Weise wiederfinde? Hast Du nicht eine seidene Leiter?«

»Nein,« erwiderte Aissa, »aber morgen werde ich eine haben. Mein Vater wird die Nacht im Palast des Prinzen zubringen. Komm' morgen; doch diesen Abend nimm Dich in Nacht, denn sie sind in der Gegend.«

»Wer dies?« fragte Agenor.

»Mein Vater, der schwarze Prinz und der König.«

»Welcher König?«

»Der König Don Pedro.«

Agenor dachte an Enrique, der sich vielleicht seinem Bruder von Angesicht zu Angesicht gegenüber finden sollte, sprach: »Morgen!« und eilte unter die Bäume, wo er alsbald verschwand.

Agenor täuschte sich nur halb. Die drei Spaziergänger hatten sich nach der Gegend gewendet, wo sich Enrique verborgen hielt. Der Prinz erkannte zuerst Mothril.

»Gnädigster Herr,« sagte er in dem Augenblick, wo seine Stimme hörbar wurde, »Eure Hoheit hat Unrecht, unablässig auf Aissa zurückzukommen. Der edle Sohn des Königs von England, der glorreiche Prinz von Wales ist nicht in dieses Haus eingetreten, um ein armes afrikanisches Mädchen zu sehen, sondern um mit uns über das Schicksal eines großen Königreichs zu entscheiden.«

Enrique, der den Oberleib vorgebeugt hatte, um besser zu hören, zog sich rasch zurück.

»Der Prinz von Wales!« murmelte er mit einem unsäglichen Erstaunen, während er neugierig die in Europa seit den blutigen Schlachten von Crécy und Poitiers so bekannte schwarze Rüstung betrachtete.

»Morgen,« sprach der Prinz, »werde ich Euch bei mir empfangen, und es wird dann, ehe wir uns trennen Alles hoffentlich geordnet sein, und die ganze Angelegenheit läßt sich öffentlich machen. Heute mußte ich mich in die Wünsche meines königlichen Gastes fügen, ich durfte die Neugierde der Höflinge nicht erregen; ich mußte auch, ehe ich einen Entschluß fassen konnte, genau die Absichten Seiner Hoheit des Königs Don Pedro von Castilien wissen.«

Bei diesen Worten verbeugte sich der schwarze Prinz höflich gegen den Cavalier im Purpurmantel.

Der Schweiß stieg Don Enrique auf die Stirne; doch dies war noch ganz anders, als eine ihm wohlbekannte Stimme die Worte sprach: »Ich bin nicht der König von Castilien, hoher Herr, sondern ein Flehender, der genöthigt ist, fern von seinem Reiche Hilfe zu suchen, denn meine grausamsten Feinde sind in meiner Familie: von drei Brüdern, die ich hatte, wollte sich der Eine an meiner Ehre, die zwei Andern an meinem Leben vergreifen. Denjenigen, welcher sich an meiner Ehre vergreisen wollte, habe ich getödtet: es bleiben Enrique und Tello; Tello befindet sich in Aragonien, um ein Heer gegen mich auf die Beine zu bringen; Enrique ist in Frankreich bei König Karl und schmeichelt ihm mit der Hoffnung, mein Königreich zu erobern, so daß Frankreich, durch Eure Siege erschöpft, gern in Kastilien neue Kräfte sammeln möchte, um Euch zu bekämpfen. Ich dachte also, es läge in Eurer Politik, gnädigster Herr, das gute Recht eines legitimen Monarchen zu unterstützen, indem Ihr bei ihm mit den Mitteln, die er Euch an Menschen und und Geld bietet, den Krieg fortsetzen würdet, den dieser heuchlerische Waffenstillstandsbruch gegen Frankreich zu führen Euch gestattet. Ich erwarte die Antwort Eurer Hoheit, um zu wissen, ob ich an meiner Sache verzweifeln soll.«

»Nein, Ihr dürft nicht verzweifeln, Hoheit, denn Eure Sache ist, wie Ihr sagt, eine legitime. Aber beinahe Vicekönig der Guienne, wollte ich nicht allein das Gewicht meines Vicekönigthums tragen. Ich verlangte von meinem Vater einen Rath, bestehend aus weisen Männern. Dieser Rath ist mir bewilligt worden. Diesen Rath muß ich befragen, doch seid versichert, daß wenn die Ansicht der Mehrzahl auch die meinige ist und meiner Neigung, Euch zu Gefallen, beitritt, nie ein getreuerer und, ich wage es wohl zu behaupten, tatkräftigerer Verbündeter unter Euren Fahnen gefochten haben wird. Kommt Ihr morgen in den Palast, so erhaltet Ihr eine genauere und umständlichere Antwort. Bis dahin zeigt Euch nicht. Das Gelingen hängt besonders von der Geheimhaltung ab.«

»Oh! seid unbesorgt, Niemand kennt uns hier.« »Und dieses Haus ist sicher,« sagte der Prinz, »und sogar sicher genug,« fügte er lachend bei, »um dem edlen Herrn Mothril seine Furcht in Beziehung auf seine Tochter zu benehmen.«

Der Maure stammelte ein paar Worte, welche Enrique nicht verstand, denn schon fingen die Spaziergänger an sich von ihm zu entfernen; überdies durchwühlte ihn ein einziger, glühender, toller, beinahe unüberwindlicher Gedanke, seitdem er diese verfluchte Stimme gehört hatte; hier, zwei Schritte von ihm, war sein Todfeind, das Gespenst, das sich zwischen ihm und dem Ziele erhob, das er erreichen wollte; hier, im Bereiche seines Schwertes, war der Mann, der nach seinem Blute dürstete, und nach dessen Blut er dürstete; ein einziger Stoß von einer Hand geführt, die der Haß leitete, endigte den Krieg, schnitt jeden Zweifel ab. Dieser Gedanke machte das Herz des Prinzen springen und zog seinen Arm gegen seinen Feind hin.

Doch Enrique gehörte nicht zu den Menschen, die einem ersten Gefühle nachgeben, und wurde dieses Gefühl auch von einem tödtlichen Hasse eingeflößt. »Nein, nein,« sagte er, »ich würde ihn tödten, aber nichts sonst. Und es ist nicht genug für mich, daß ich ihn tödte, ich muß ihm auf dem Thron folgen. Ich würde ihn tödten, doch der Prinz von Wales würde seinen ermordeten Gast rächen, er würde mich schmachvoll sterben lassen, oder in einem ewigen Kerker einschließen. . . Ja,« fuhr Enrique fort, als er einen Augenblick geschwiegen hatte, »doch ich könnte mich auch flüchten, und Tello, der dort ist,« fügte er bei, sich selbst darüber zulächelnd, daß er einen seiner Brüder hatte vergessen können, obgleich dieser Bruder sein Verbündeter war, »Tello, den ich auf dem Throne finden würde. . . Das wäre nur, um wieder anzufangen.«

Diese Betrachtung hielt den Arm von Enrique zurück; sein halb gezogenes Schwert fiel wieder in die Scheide.

Die Geister der Finsterniß mußten wohl lachen über ihren Bruder, den Ehrgeiz, der diesmal die Hand des Ehrgeizigen von seinem Dolche entfernte.

In diesem Augenblick befanden sich die drei Spaziergänger außer dem Bereiche der Stimme, Mothril sprach die Worte, die der Prinz nicht hörte.

In derselben Minute kam Agenor zu ihm zurück; der Eine war finster, der Andere strahlte; der Eine hatte den Krieg, die Intriguen, die Fürsten, die Welt vergessen; der Andere zerrte an den Maschen seiner eisernen Panzerhandschuhe, denn schon glaubte er seine Feinde zu zermalen und sich an den Stufen des Thrones von Castilien anzuklammern.

Türler ve etiketler

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Litres'teki yayın tarihi:
04 aralık 2019
Hacim:
800 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain