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Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 25

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Dreiunddreißigstes Kapitel.
Wie Musaron eine Grotte fand, und was in dieser Grotte war

Die Reisenden hatten, wie es Musaron gesagt, noch eine Stunde Tag, und die letzten Strahlen der Sonne konnten sie in ihrem Marsche leiten; doch in dem Augenblick, wo der Widerschein der erbleichenden Flamme den höchsten Pic der Sierra verlassen hatte, fing die Nacht an mit einer um so furchtbareren Schnelligkeit einzutreten, als während der letzten Stünde des Tages Musaron und sein Herr hatten bemerken können, wie abschüssig und daher wie gefährlich der Weg war, dem sie folgten.

Nachdem sie eine Viertelstunde in der Finsterniß marschirt waren, hielt auch Musaron plötzlich an und sprach: .

»Oho! Herr Agenor, der Weg wird immer schlechter, oder es ist eigentlich gar kein Weg mehr. Wir werden uns sicherlich umbringen, gnädiger Herr, wenn Ihr verlangt, daß wir weiter gehen.«

»Teufel!« rief Agenor, »Du weißt, ich bin nicht schwer zu befriedigen; doch das Nachtlager kommt mir hier etwas ländlich vor. Sieh, ob wir nicht weiter gehen können.«

»Unmöglich, wir sind auf einer Art von Plattform, welche den Absturz auf allen Seiten überragt; machen wir einen einfachen Halt, und verlaßt Euch auf mich, mit dem Gebirge vertraut, werde ich eine Stelle finden wo Ihr die Nacht zubringen könnt.«

»Siehst Du abermals irgend einen guten fetten Rauch?« fragte Agenor lächelnd.

»Nein, aber ich rieche eine hübsche Grotte, mit Vorhängen von Epheu und Wänden von Moos.«

»Aus der wir eine ganze Welt von Nachteulen, von Eidechsen und Schlangen zu vertreiben haben werden?«

»Meiner Treue, daran ist wenig gelegen, gnädiger Herr; zu dieser Stunde und an dem Orte, wo wir uns befinden, ist das, was fliegt, kratzt oder kriecht, nicht Alles, was mich erschreckt, sondern das, was marschirt; überdies seid Ihr nicht abergläubisch genug, um Angst vor den Nachteulen zu haben, und die Eidechsen und Nattern werden wohl nicht viel von Euren eisernen Beinen abbeißen.«

»Gut,« sagte Agenor, »so wollen wir Halt machen.«

Musaron stieg ab und,schlang den Zaum seines Pferdes um einen Felsen, während sein Herr aufrecht auf seinem Rosse sitzend, der Reiterstatue des kalten und ruhigen Muthes ähnlich, wartete.

Mittlerweile durchforschte der Knappe mit jenem Instinct, dessen Macht der gute Wille verzehnfacht, die Umgegend.

Es war keine Viertelstunde vergangen, als er mit entblößtem Schwerte und mit siegreicher Miene zurückkehrte.

»Hierher, gnädiger Herr, hierher,« sagte er, »kommt und schaut unsern Alcazar an.«

»Was hast Du denn?« fragte der Ritter, »Du scheinst mir von Wasser zu triefen.«

»Gnädiger Herr, ich habe mich gegen einen ganzen Wald von Lianen geschlagen, die mich zum Gefangenen machen wollten; doch rechts und links hauend, bahnte ich mir einen Weg; da regneten alle vom Thau feuchten Blätter auf meinen Kopf, zu gleicher Zeit fand ein Ausfall von einem Dutzend Fledermäuse statt, und der Platz hat sich ergeben. Stellt Euch eine herrliche Gallerie vor, deren Boden seiner Sand bildet.«

»Ah! wahrhaftig?« sprach Agenor, der seinem Knappen folgte, doch nicht ohne ein wenig an seinen Worten zu zweifeln.

Agenor hatte Unrecht, zu zweifeln. Kaum war er hundert Schritte auf einem jähen Abhang weiter geritten, als er an einer Stelle, wo der Weg durch eine Mauer geschlossen zu sein schien, unter seinen Füßen eine Streu von frischen Blättern und eine Anhäufung von kleinen Zweigen, das Resultat der Schlächterei von Musaron, fühlte, indeß da und dort, unsichtbar und nur durch die Luft sich verrathend, welche ihr schweigsamer Flügelschlag dem Ritter ins Gesicht sandte, große Fledermäuse ungeduldig, wieder von ihrer Wohnung Besitz zu ergreifen, umher flogen.

»Oh! das ist die Höhle des Zauberers Maugis!« rief Agenor.

»Von mir entdeckt, gnädiger Herr, und zwar von mir zuerst. Der Teufel soll mich holen, wenn je ein Mensch den Gedanken gehabt hat, einen Fuß hierher zusetzen; diese Schlingpflanzen stammen vom Anfang der Welt her.«

»Sehr gut,« sprach Agenor lachend; »doch wenn diese Grotte den Menschen unbekannt ist . . .«

»Oh! dafür stehe ich.«

»Kannst Du auch dasselbe von den Wölfen sagen?«

»Oho!« machte Musaron.

»Von einigen kleinen rothen Bären, von der Gebirgsrace, Du weißt, wie man sie in den Pyrenäen findet?«

»Teufel!«

»Oder von jenen wilden Katzen, welche den entschlummerten Reisenden die Kehle aufbeißen, um ihnen das Blut auszusaugen?«

»Gnädiger Herr, wißt Ihr, was wir werden thun müssen? Einer von uns wird wachen, während der Andere schläft.«

»Das wird klug sein.«

»Habt Ihr nun nichts Anderes mehr gegen die Höhle von Maugis?«

»Durchaus nichts; ich finde sie sogar sehr angenehm.«

»Nun wohl also, laßt uns eintreten.«

»Treten wir ein.«

Beide stiegen ab und traten ein, wobei der Ritter mit der Lanzenspitze, der Knappe mit der Schwertspitze umher fühlten. Nachdem sie etwa zwanzig Schritte gemacht, trafen sie auf eine feste, undurchdringliche, wie es schien, vom Felsen selbst gebildete Wand, ohne eine bemerkbare Höhlung, ohne einen Schlupfwinkel für die schädlichen Thiere.

Diese Grotte war in zwei Theile abgetheilt: man trat zuerst unter eine Art von Vorhalle, dann drang man wie durch ein Thor in eine zweite Aushöhlung, die wieder ihre ganze Höhe annahm.

Es war dies offenbar eine von jenen, Grotten, welche in den ersten Zeiten des Christenthums von Einsiedlern bewohnt wurden, die den Weg der Einsamkeit gewählt hatten, um zum Himmel zu gelangen.

»Gott sei Dank!« sprach Musaron, »unser Schlafzimmer ist sicher.«

»Wenn dem so ist, führe die Pferde in den Stall und decke den Tisch, denn ich habe Hunger,« sprach Agenor.

Musaron führte wirklich die Pferde in das, was sein Herr den Stall nannte; es war dies die Vorhalle der Grotte.

Nachdem er sich dieser Sorge entledigt hatte, ging er zu den wichtigen Vorbereitungen zum Abendbrod über.

»Was sagst Du?« fragte Agenor, der ihn brummeln hörte, während er die Befehle vollzog, die er erhalten hatte.

»Ich sage, gnädiger Herr, ich sei ein großer Dummkopf, daß ich Wachs vergessen habe, um uns zu leuchten. Zum Glück können wir Feuer machen.«

»Was denkst Du, Musaron, Feuer?«

»Das Feuer verjagt die wilden Thiere, das ist ein Grundsatz, dessen Richtigkeit ich mehr als einmal zu erkennen Gelegenheit gehabt habe.«

»Ja, aber es zieht die Menschen an, und ich gestehe Dir, ich befürchte in diesem Augenblick mehr den Angriff irgend einer maurischen oder englischen Bande, als den einer Herde von Wölfen.«

»Gottes Tod!« rief Musaron, »es ist doch traurig, Herr, so gute Dinge zu essen, ohne sie zu sehen.»

»Bah! Bah!« versetzte Agenor, »ein hungeriger Bauch hat allerdings keine Ohren, aber er hat Augen.«

Stets gelehrig, wenn man ihn zu überzeugen wußte, oder wenn man that, was er wünschte, erkannte Musaron diesmal die Haltbarkeit der Gründe seines Herrn und richtete das Mahl an der Thüre der zweiten Höhle, damit ein letzter Schein von Außen bis zu ihnen dringen könnte.

Sie fingen an zu speisen, nachdem die Pferde Erlaubniß erhalten hatten, den Kopf in den Hafersack zu stecken, den Musaron auf dem Kreuze mit sich führte.

Agenor, ein junger und kräftiger Mann, griff die Mundvorräthe mit einer Thätigkeit, mit einem Eifer an, worüber ein Verliebter in unsern Tagen vielleicht erröthen würde, während man dabei die enthusiastische Begleitung von Musaron hörte, der, immer unter dem Vorwand, man sehe nichts, die Knochen mit dem Fleisch zerbiß.

Plötzlich währte das Thema auf der Seite von Agenor fort, doch die Begleitung von Musaron hörte auf.

»Nun! was gibt es denn?« fragte der Ritter.

»Gnädiger Herr, ich glaubte zu hören,« erwiderte Musaron, »doch ich habe mich ohne Zweifel getäuscht. . . Es,ist nichts.«

Und er fing wieder an zu essen.

Doch bald unterbrach er sich abermals, und da er den Rücken der Oeffnung zuwandte, so konnte Agenor seine Unbeweglichkeit wahrnehmen.

»Ah!« sagte Agenor, »wirst Du ein Narr?«

»Nein, Senor, eben so wenig als ich taub werde. Ich höre, sage ich Euch, ich höre.«

»Bah! Du träumst,« entgegnete der junge Mann, »eine vergessene Fledermaus schlägt mit ihren Flügeln an die Wand.«

»Ei!« sagte Musaron, die Stimme so dämpfend, daß ihn selbst sein Herr kaum verstand, »ich höre nicht nur, sondern ich sehe auch,«

»Du siehst?«

»Ja, und wenn Ihr Euch umwenden wollt, werdet Ihr selbst sehen.«

Die Aufforderung war so bestimmt, daß sich Agenor rasch umwandte.

In der That, mitten auf dem dunkeln Grunde der Höhle, funkelte ein leuchtender Streifen; ein Licht, hervorgebracht durch irgend eine Flamme, drang durch den Spalt des Felsen in die Grotte.

Die Erscheinung wäre erschreckend genug für Jeden gewesen, der sich die Sache nicht sogleich überlegt hätte.

»Wenn wir kein Licht haben, so haben sie,« sprach Musaron.

»Wer, sie?«

»Unsere Nachbarn.«

»Du hältst also Deine einsame Grotte für bewohnt?«

»Ich habe mich nur für diese verbirgt, und nicht für die nächstliegende.«

»Sprich, erkläre Dich.«

»Begreift, gnädiger Herr, wir befinden uns auf dem Kamm eines Gebirges; jedes Gebirge hat zwei Abhänge.«

»Sehr gut!« »Folgt meinem Schluß; diese Grotte hat zwei Eingänge. Ein Zufall hat die schlecht verbundene Scheidewand hervorgebracht, die wir hier sehen. Wir sind in die Grotte durch den westlichen Eingang eingedrungen, sie durch den östlichen.«

»Aber wer denn, sie?«

»Ich weiß es nicht, doch wir werden es sehen. Gnädiger Herr, Ihr hattet Recht, daß Ihr mich kein Feuer machen lassen wolltet. Ich glaube, daß Eure Herrlichkeit eben so klug, als muthig ist, was nicht wenig heißt. Doch laßt uns sehen.«

»Sehen wir!«

Und Beide drangen, nicht ohne ein Herzklopfen, in die Tiefen der Höhle ein. Musaron ging voran; er kam zuerst an und hielt zuerst sein Auge an den Spalt, welcher die kalte Felswand trennte.

»Schaut!l« sagte er mit leiser Stimme, »es ist wohl der Mühe werth.«

Agenor schaute ebenfalls und bebte.

»Nun!« flüsterte Musaron.

»St!« machte Agenor.

Vieinnddreißigstes Kapitel.
Die Zigeuner

>Was unsere Reisenden mit Erstaunen betrachteten, verdiente in der That die Aufmerksamkeit, die sie darauf richteten.

Man vernehme, was der Blick durch den Spalt des Felsen umfassen konnte.

Zuerst eine Höhle, ungefähr der ähnlich, in welcher sich unsere zwei Reisenden befanden; im Mittelpunkt dieser Höhle zwei Gestalten, die bei einem Kistchen saßen oder hockten, das aus einem großen Stein stand; an einer von den Ecken dieses Steines suchte eine von den zwei Gestalten eine Wachskerze halten zu machen, welche, die Scene beleuchtend, die Helle von sich gab, wodurch die Aufmerksamkeit der Reisenden erregt worden war.

Diese zwei Gestalten waren elend gekleidet und trugen capuzenartig auf dem Kopf jenen dichten Schleier mit den Ungewissen Farben, der die Zigeunerinnen jener Zeit charakterissirte; Agenor erkannte daher in ihnen zwei Frauen dieser umherschweifenden Nation; sie waren alt, nach ihrer Haltung und nach ihren Geberden zu urtheilen.

Zwei Schritte von ihnen erblickte man eine dritte Gestalt, aufrecht und nachdenkend; da jedoch das schwankende Licht der Wachskerze ihr Gesicht nicht erhellte, so ließ sich unmöglich sagen, welchem Geschlechte diese dritte Gestalt angehörte.

Mittlerweile ordneten die zwei ersten Gestalten, einige Packe mit Kleidungsstücken in Form von Sitzen aus dem Boden.

Dies Alles war armselig, elend, zerlumpt; nur das Kistchen bildete einen seltsamen Widerspruch mit dieser Dürftigkeit, denn es war von Elfenbein und ganz mit Gold eingelegt.

Dann schritt eine vierte Gestalt aus dem Hintergrunde der Grotte, zuerst im Schatten, dann im Halbschatten und endlich im Licht herbei.

Sie näherte sich, beugte sich über eine von den zwei sitzenden Frauen herab und sprach ein paar Worte zu ihr, welche weder Agenor, noch Musaron hören konnten.

Die sitzende Zigeunerin horchte aufmerksam und entließ dann mit einer Geberde denjenigen, welcher zuletzt eintrat.

Agenor bemerkte, daß diese Geberde voll Adel und Herrschaft war.

Die stehende Gestalt folgte, nachdem sie sich verbeugt, der, welcher die paar Worte gesprochen hatte, und Beide verschwanden in den Tiefen der Grotte.

Dann stand die Frau mit der gebieterischen Geberde ebenfalls auf und setzte ihren Fuß auf den Stein, Deutlich sah man die Handlungen aller dieser Leute, aber man konnte ihre Worte nicht hören, welche wie ein verworrenes Gemurmel durch die Grotte schwirrten.

Die zwei Zigeunerweiber waren allein geblieben.

»Wetten wir, gnädiger Herr,« sagte Musaron mit leiser Stimme, »wetten wir, daß diese zwei Hexen mit einander dreihundert Jahre alt sind. Die Zigeunerinnen leben so lange als die Krähen.«

»In der That, sie scheinen nicht jung zu sein,« sprach Agenor.

Statt aufzustehen, wie die erste, hatte sich die zweite Frau während dieser Zeit nur auf die Kniee erhoben, und sie fing an das hirschlederne Stiefelchen aufzuschnüren, das ihr Bein bis über den Knöchel umhüllte.

»Meiner Treue,« sagte Agenor, »schaue, wenn Du willst, ich ziehe mich zurück, denn nichts ist häßlicher, als der Fuß eines alten Weibes.«

Neugieriger als sein Herr, blieb Musaron, während der Ritter eine Bewegung rückwärts machte.

»Ah! Herr,« sagte der Knappe, »ich versichere Euch, dieser ist minder häßlich, als man glauben sollte. Oh! er ist im Gegentheil ganz reizend. Schaut doch, gnädiger Herr, schaut doch.«

Agenor wagte es.

»In der That,« sagte er, »das ist außerordentlich, der Knöchel ist von einer reinen Vollendung!«

Die Alte tauchte in ein Wasser so klar wie Krystall, das in Diamanttropfen unter einem Felsen hervorsprudelte, ein. Tuch von ausnehmender Feinheit und wusch ihrer Gefährtin den Fuß.

Dann suchte sie in dem mit Gold eingelegten Kistchen und zog wohlriechende Salben daraus hervor, mit denen sie den Fuß einrieb, der die Bewunderung und besonders das Erstaunen der zwei Reisenden hervorrief.

»Wohlgerüche! Balsame! seht Ihr, Herr, seht Ihr?« rief Musaron.

»Was soll das bedeuten?« murmelt« Agenor, der die Zigeunerin einen zweiten Fuß, nicht minder zart, nicht minder weiß, als der erste, entblößen sah.

»Herr, das ist die Toilette der Zigeunerkönigin,« sprach Musaron.

Die Zigeunerin war in der That, nachdem sie den zweiten Fuß gewaschen, abgetrocknet und eingesalbt hatte, wie den ersten, zum Schleier übergegangen, den sie mit aller möglichen Vorsicht und mit einem unbeschreiblichen Ausdruck von Ehrfurcht wegnahm.

Als der Schleier fiel, entblößte er, statt die Runzeln einer Hundertjährigen zu zeigen, wie es Musaron vorhergesagt hatte, ein reizendes Antlitz mit braunen Augen, farbiger Haut, gerader Nase nach der ganzen Reinheit des iberischen Typus, und die zwei Reisenden vermochten eine Frau von sechsundzwanzig bis achtundzwanzig Jahren, glänzend von wunderbarer Schönheit, zu erkennen.

Während die zwei Zuschauer in die Extase versunken waren, breitete die alte Zigeunerin auf dem Boden der Höhle einen Teppich von Kameelhaaren aus, der, obgleich zehn Fuß lang, durch den Ring eines Mädchens gegangen wäre; er bestand aus dem Gewebe, dessen Geheimniß die Araber allein in jener Zeit besaßen, und das aus den Haaren todtgeborener Kameele fabriziert wurde. Da stellte die erste Zigeunerin ihre zwei nackten Füße auf den prachtvollen Teppich, indeß die alte Zigeunerin, nachdem sie, wie gesagt, den Schleier abgenommen, der ihr Gesicht bedeckte, sich anschickte, auch den Schleier zu lösen, der ihren Busen verhüllte.

So lange dieses letztere Gewebe noch an seinem Platz war, hielt Musaron seinen Athem an sich, als es aber fiel, entschlüpfte ihm unwillkührlich ein Schrei der Bewunderung.

Bei diesem Schrei, der ohne Zweifel von den zwei Frauen gehört wurde, erlosch das Licht und die tiefste Finsternis? erfüllte die Höhle, in ihren der Vergessenheit ähnlichen Schlünden diese geheimnißvolle Scene begrabend.

Musaron fühlte, daß ihm sein Herr in der Dunkelheit einen heftigen Fußtritt gab, der ihn durch ein geschickt und zu rechter Zeit ausgeführtes Manoeuvre von der Wand zurückschleuderte . . . welcher Fußtritt mit der energischen Betitelung: »Thier!« begleitet war.

Er begriff, oder glaubte zu begreifen, es sei dies zugleich der Befehl, wieder sein Lager zu suchen, und die Strafe für seine Indiscretion.

Er streckte sich also auf dem Bett von Blättern aus, das er zuvor bereitet hatte. Nach Verlauf von fünf Minuten und als er sich versichert glaubte, das Licht würde nicht mehr angezündet werden, streckte sich Agenor neben ihm aus.

Musaron dachte, es wäre dies der Augenblick, sich Verzeihung für seinen Fehler durch scharfsinnige Aeußerungen zu verschaffen.

»So ist es,« sprach er, ganz laut auf das antwortend, was sich ohne Zweifel Agenor ganz leise sagte, »sie folgten wahrscheinlich auf der andern Seite des Gebirges einem mit dem unserigen parallel lausenden Pfad, und werden auf dem andern Abhang die mit dieser parallele Oeffnung der Höhle gefunden haben, welche in der Mitte durch einen Felsen geschlossen ist, den die Laune der Natur, oder irgend eine Phantasie der Menschen hierher gestellt hat, wo er nun steht, wie eine riesige Scheidewand.

»Thier!« begnügte sich Agenor zum zweiten Male zu sagen.

Doch da dieses Wort bei der Wiederholung in einem gemilderten Tone ausgesprochen wurde, so sah der Knappe darin eine wohlwollendere Stimmung, und er fuhr, beständig seinem unfehlbaren Takte huldigend, fort:

»Wer waren nun diese Frauen? Zigeunerinnen ohne Zweifel. Ah! ja; doch warum diese Wohlgerüche, diese Balsame, diese nackten, so weißen Füße, dieses so schöne Gesicht, und der so herrliche Busen, den wir eben sehen sollten, als ich Dummkopf, der ich bin! . . .«

Musaron gab sich einen gewaltigen Backenstreich.

Agenor konnte sich des Lachens nicht erwehren. Musaron hörte es und fuhr immer mehr mit sich zufrieden fort:

»Die Zigeunerkönigin! das ist nicht sehr wahrscheinlich, obschon ich mir auf keine andere Weise die wahrhaft feenartige Erscheinung erklären kann, die ich durch meine Albernheit verschwinden gemacht habe . . . Oh! ich Thier, das ich bin!«

Und er gab sich einen zweiten Backenstreich.

Agenor sah ein, daß Musaron, nicht minder schaugierig als er, von einer wahren Reue ergriffen war, und er erinnerte sich, daß das Evangelium nicht den Tod des Sünders, sondern seine Bekehrung fordert.

Ueberdies erschien die Genugthuung hinreichend, sobald Musaron dahin gelangt war, daß er sich aus Ueberlegung den Titel gab, den ihm sein Herr in der Hitze gegeben hatte.

»Was denkt Ihr von diesen zwei Frauen?« erdreistete sich Musaron endlich zu fragen.

»Ich denke,« antwortete Agenor, »daß die schmutzigen Kleider, welche die jüngere von Beiden ab streifte, sich wenig für die glänzende Schönheit eignen, die wir leider nur flüchtig erblickt haben.

Musaron stieß einen tiefen Seufzer aus.

»Und,« fuhr Agenor fort, »daß die Balsame und Parfümerien des Kistchens noch viel weniger diesen schmutzigen Kleidern entsprechen, weshalb es meine Ansicht ist . . . «

Agenor hielt inne.

»Oh! was ist Eure Ansicht, gnädiger Herr?«» fragte Musaron; »ich muß gestehen, es würde mich unendlich freuen, bei diesem Vorfall die Meinung eines so erleuchteten Ritters, wie Ihr seid, zu vernehmen.«

»Weshalb,« fuhr Agenor fort, der, ohne daran zu denken, wie Meister Rabe, dem Zauber des Lobes unterlag, »weshalb es meine Ansicht ist, daß es zwei Reisende sind, von denen die eine reich und von hohem Stand, welche reiche Reisende, da sie sich in eine entfernte Stadt begeben, diesen Anzug gewählt und diese List ersonnen hat, um nicht die Habgier von Räubern oder die Lüsternheit von Soldaten in Versuchung zu führen.«

»Wartet, gnädiger Herr, wartet,« sagte Musaron, der bei dem Gespräch wieder den Platz einnahm, den er gewöhnlich dabei behauptete, »oder auch eine von den Frauen, wie sie die Zigeuner verkaufen, und deren Schönheit sie pflegen, wie die Roßhändler werthvolle Pferde, die sie von Stadt zu Stadt führen, warten und putzen.«

Musaron hatte offenbar an diesem Abend die Initiative des Gedankens und die Palme des Schließens. Agenor streckte auch das Gewehr und gab durch sein Stillschweigen zu verstehen, daß er sich für geschlagen erkannte.

So viel ist gewiß: daß Agenor, wenn auch verführt, wie, es jeder Mann von fünfundzwanzig Jahren sein muß, durch den Anblick eines hübschen Fußes und eines reizenden Gesichtes, im Grunde seiner Seele sehr unzufrieden, sich in sich selbst verschloß. Denn die Ansicht des sinnreichen Musaron konnte richtig und die geheimnißvolle Schöne nichts Anderes sein, als eine Abenteurerin, welche, im Gefolge einer Zigeunertruppe, im Lande umherstrich und auf eine bewunderungswürdige Weise mit ihren herrlichen, kleinen, weißen, zarten Füßen den Eiertanz oder auf dem Seil tanzte.

Nur ein Umstand bekämpfte die Wahrscheinlichkeit dieser Annahme: dies war das ehrerbietige Benehmen der Männer und der Frau gegen die Unbekannte; aber bei seiner Folgerung, deren Logik den Ritter in Verzweiflung brachte, erinnerte Musaron an gewisse Beispiele von Gauklern, die sich sehr ehrerbietig gegen den Lieblingsaffen der Truppe, oder gegen den bedeutendsten Schauspieler, der den Lebensunterhalt der Gesellschaft gewann, benahmen.

Der Ritter schwebte auf eine unangenehme Weise in diesen Zweifeln, bis ihm der Schlaf, dieser süße Gefährte der Müdigkeit, die Denkkraft benahm, von der er seit einigen Stunden ohne Maß Gebrauch machte.

Gegen vier Uhr Morgens breiteten die ersten Strahlen des Tags einen violetten Mantel an den Wänden der Grotte aus, und bei ihrem Schimmer erwachte Musaron.

Musaron weckte seinen Herrn.

Agenor öffnete die Augen, sammelte seine Geister und lief an den Spalt des Felsen.

Doch Musaron schüttelte den Kopf, was bedeutete, daß er zuerst dort gewesen.

»Niemand mehr da,« murmelte er, »Niemand mehr da!«

In der den Strahlen der aufgehenden Sonne ausgesetzten benachbarten Grotte war es in der That hell genug, daß man die Gegenstände unterscheiden konnte; die Grotte war offenbar verlassen.

Frühzeitiger als der Ritter hatte sich die Zigeunerin davon gemacht; Kistchen, Balsame, Parfümerien, Alles war verschwunden.

Stets für die positiven Dinge besorgt, trug Musaron auf das Frühstück an; doch ehe er die Vortheile seines Antrags entwickelte, hatte sein Herr den Kamm des Gebirges erreicht, und von der Höhe, wo er wie ein Raubvogel seinen Standpunkt genommen, konnte er die Krümmungen des Gebirges und die bläulichen Flächen im Thale überschauen.

Auf einer Plattform in einer Entfernung von ungefähr drei Viertelmeilen von der Höhe, wo sich Agenor befand, vermochte man mit den Augen des Vogels, dessen Stelle er einnahm, einen Esel zu entdecken, auf welchem eine Person ritt, während die drei andern zu Fuße nebenher gingen.

Diese vier Personen, die sich Agenor mit einer gewissen Genauigkeit darboten, konnten kaum andere, als die vier Zigeuner sein, die dem Pfade zu folgen schienen, den man Musaron als nach Soria führend bezeichnet hatte.

»Auf, auf, Musaron!« rief Agenor, »zu Pferde und scharf geritten! Das sind unsere Nachtvögel, wir wollen ihr Gefieder ein wenig bei Tage betrachten.«

Musaron, der in seinem Innern fühlte, daß er viele Dinge gut zu machen hatte, führte dem Ritter sein gesatteltes Pferd vor, bestieg das seinige und folgte Agenor, der sein Roß in Galopp setzte.

In einer halben Stunde waren Beide nur noch dreihundert Schritte von den Zigeunern entfernt, welche für den Augenblick eine Baumgruppe verbarg.

Türler ve etiketler

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04 aralık 2019
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