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Kitabı oku: «Der Bastard von Mauléon», sayfa 9

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»Ah! das ist es, was ich sagen wollte,« erwiderte Don Pedro: »Du nimmst Partei für Deine Königin und Deine Schwester, die Feindin Deines Bruders und Deines Königs.«

»Sire,« sprach der Großmeister, »wenn Ihr Feind denjenigen nennt, welchen Ihr beleidigt habt, und der das Andenken an diese Beleidigung in seinem Herzen bewahrt, so ist die Person, von der Ihr sprecht, vielleicht Eure Feindin. Doch bei meiner Seele, man könnte eben sowohl Eure Feindin die Gazelle nennen, die Ihr mit einem Pfeil verwundet, und die mit ihrer Wunde entflieht.«

»Ich nenne meinen Feind Jeden, der meine Städte, zum Aufstand anreizt, und diese Frau hat Teledo zum Aufruhr bewogen. Ich nenne meinen Feind Jeden, der meine Brüder gegen mich bewaffnet, und diese Frau hat gegen mich meinen Bruder, nicht meinen Bruder Enrique den Ehrgeizigen, wie Du ihn so eben nanntest, sondern meinen Bruder Don Federigo, den Heuchler und Blutschänder, bewaffnet.«

»Mein Bruder, ich schwöre Euch . . .«

»Schwöre nicht, Du würdest einen falschen Eid schwören.«

»Mein Bruder . . .«

»Kennst Du dies?« fragte Don Pedro, indem er aus der Waidtasche von Fernando den Brief des Großmeisters zog.

Bei diesem Anblick, der ihm bewies, daß Fernando ermordet worden, bei diesem Beweis, daß seine Liebe in die Hände des Königs gefallen war, fühlte Don Federigo, wie seine Stärke von ihm wich. Er beugte das Knie vor dem König und blieb einen Augenblick das Haupt unter der Last des Unglücks gesenkt, das er vorhersah. Ein Gemurmel des Erstaunens durchlief die Gruppe der Höflinge, welche am Ende der Gallerie standen: vor seinem Bruder aus den Knieen, flehte Federigo offenbar seinen König an; wenn er aber stehle, war er schuldig; sie dachten nicht, er könnte für einen Andern stehen.

»Sire,« sprach Don Federigo, »ich nehme Gott zum Zeugen, daß ich unschuldig an dem bin, was Ihr mir vorwerft.«

»Das wirst Du also Gott sagen,« entgegnete der König: »denn ich, ich glaube es Dir nicht.«

»Mein Tod würde eine Befleckung abwaschen,« erwiderte der Großmeister; »wie wird es aber sein, wenn ich rein von Verbrechen bin?«

»Rein von Verbrechen!« rief der König Don Pedro; »wie nennst Du denn dieses?«

Und vom Zorn fortgerissen, schlug der König seinem Bruder mit dem Brief ins Gesicht, den er an Blanche von Bourbon geschrieben hatte.

»Es ist gut,« sprach Don Federigo und that einen Schritt rückwärts; »tödtet mich, beschimpft mich aber nicht! Ich weiß seit langer Zeit, daß die Menschen feige werden, wenn sie beständig mit Buhlerinnen und Sklaven leben! . . . König, Du bist ein Feiger, denn Du hast einen Gefangenen beschimpft!«

Herbei!« rief Don Pedro, »herbei, meine Wachen! man führe ihn weg und tödte ihn!«

»Einen Augenblick . . .« unterbrach ihn Don Federigo, die Hand gegen seinen Bruder ausstreckend, »so wüthend Du bist, wirst Du doch vor dem, was ich Dir sage, einhalten. Du hast eine unschuldige Frau beargwohnt, Du hast den König von Frankreich beschimpft, indem Du sie beargwohntest, doch Du wirst Gott nicht nach Deinem Wohlgefallen beleidigen. Ich aber will zu Gott beten, ehe Du mich ermordest, ich will eine Stunde, um mich mit meinem höchsten Herrn zu besprechen. Ich bin kein Maure!«

Don Pedro war beinahe wahnsinnig vor Wuth. Doch er hielt an sich, denn er hatte Zuschauer.

»Es ist gut, Du sollst eine Stunde haben,« sagte er; gehe!«

Alle diejenigen, welche dieser Scene beiwohnten, waren vor Furcht in Eis verwandelt. Die Augen des Königs stammten; doch aus denen von Don Federigo sprangen auch Blitze hervor.

»Halte Dich in einer Stunde bereit!« rief Don Pedro in dem Augenblick, wo er das Zimmer verließ.

»Sei unbesorgt, ich werde stets zu früh für Dich sterben, da ich unschuldig bin,« erwiderte der junge Mann.

Er blieb eine Stunde in seinem Gemach eingeschlossen, ohne daß sich Jemand näherte, von Angesicht zu Angesicht mit dem Herrn; dann, als diese Stunde abgelaufen war und die Henker nicht erschienen, trat er in die Gallerie und rief:

»Du läßt mich warten, Senor Don Pedro; die Stunde ist vorbei.«

Die Henker traten ein.

»Welchen Todes soll ich sterben?« fragte der Prinz.

Einer von den Henkern zog sein Schwert.

Federigo untersuchte es, indem er mit dem Finger über die Schneide fuhr.

»Nehmt das meinige,« sagte er. sein Schwert aus der Scheide ziehend, »es schneidet besser.«

Der Soldat nahm das Schwert.

»Wann werdet Ihr bereit sein, Großmeister?« fragte er.

Federigo hieß den Soldaten durch ein Zeichen einen Augenblick warten; dann trat er an einen Tisch, schrieb ein paar Zeilen aus ein Pergament, rollte dieses Pergament zusammen und nahm es zwischen seine Zähne.

»Was bedeutet dieses Pergament?« fragte der Soldat.

»Es ist ein Talisman, der mich unverwundbar macht,« erwiderte Don Federigo; »schlage nun, ich trotze Dir.«

Und der junge Fürst entblößte seinen Hals, hob seine langen Haare oben aus den Kopf und kniete, die Hände gefaltet und ein Lächeln aus den Lippen, nieder.

»Glaubst Du an die Macht dieses Talismans?« fragte ganz leise ein Soldat denjenigen, welcher schlagen sollte.

»Wir werden bald sehen,« erwiderte dieser.

»Schlage!« sprach Don Federigo.

Das Schwert flammte in den Händen des Scharfrichters; ein Blitz sprang aus der Klinge hervor, und mit einem einzigen Streiche gelöst, rollte der Kopf des Großmeisters aus den Boden.

In diesem Augenblick durchdrang ein furchtbares Geheul die Gewölbe des Palastes.

Der König, der an seiner Thüre horchte, entfloh erschrocken. Die Henker stürzten aus dem Gemache fort.

Aus dem Platze blieb nichts mehr, als Blut, ein vom Rumpf getrenntes Haupt und ein Hund, der, nachdem er eine Thüre gesprengt, sich bei diesen traurigen Ueberresten niederlegte.

Neuntes Kapitel.
Wie der Bastard von Mauléon das Billet erhielt, das er hatte holen wollen

Die ersten Schatten der Nacht fielen grau und finster auf den trostlosen Palast herab. Don Pedro saß düster und unruhig in den unteren Gemächern, wohin er sich geflüchtet hatte, da er es nicht wagte, in dem Gemach zu bleiben, welches an das stieß, wo der Leichnam seines Bruders lag. An seiner Seite weinte Maria Padilla.

»Warum weint Ihr, Senora?« fragte plötzlich der König voll Bitterkeit. »Habt Ihr denn nicht erlangt, was Ihr so sehr wünschtet? Ihr verlangtet von mir den Tod Eures Feindes; Ihr müßt befriedigt sein, denn Euer Feind ist nicht mehr.«

»Sire,« antwortete Maria, »ich habe vielleicht in einem Augenblick weiblichen Stolzes, in einem Ausbruch wahnsinnigen Zornes diesen Tod gewünscht. Gott verzeihe mir, wenn dieser Wunsch je in mein Herz eingedrungen ist! Doch ich glaube dafür stehen zu können, daß ich ihn nie gefordert habe.«

»Ah! so sind die Frauen!« rief Don Pedro; »glühend in ihren Wünschen, furchtsam in ihren Entschließungen; sie wollen immer, doch sie haben nie den Muth, zu handeln; dann, wenn ein Anderer wahnsinnig genug ist, ihrem Gedanken Folge zu geben, leugnen sie, diesen Gedanken je gehabt zu haben.«

»Sire, im Namen des Himmels,« sprach Maria, »sagt nie, Ihr habet mir den Großmeister geopfert; es wäre meine Qual in diesem Leben, es wäre mein Gewissensbiß im andern . . . Nein, sagt mir das, was wahr ist, sagt mir, Ihr habet ihn Eurer Ehre geopfert. Ich will nicht, hört Ihr wohl? ich will nicht, daß Ihr mich verlaßt, ohne daß Ihr mir sagt, nicht ich habe Euch zu diesem Morde angetrieben. . .«

»Ich werde Alles sagen, was Ihr wollt Maria,« erwiderte mit kaltem Tone der König, indem er aufstand und Mothril entgegenging, der mit den Rechten eines Ministers und der Sicherheit eines Günstlings eintrat.

Anfangs wandte Maria die Augen ab, um diesen Menschen nicht zu sehen, gegen den der Tod des Großmeisters, obschon er ihren Interessen diente, ihren Haß noch verdoppelt hatte; sie ging in eine Fenstervertiefung und erblickte hier, während der König mit dem Mauren sprach, einen völlig gewappneten Ritter, der die Verwirrung benützend, welche die Hinrichtung von Don Federigo in das ganze Schloß gebracht hatte, in den Hof trat, ohne daß sich die Schildwachen um ihn bekümmerten und ihn fragten, wohin er gehen wollte.

Dieser Ritter war Agenor, der der Aufforderung des Großmeisters entsprach und mit den Augen die purpurnen Vorhänge suchend, welche ihm Federigo als die seiner Wohnung bezeichnet hatte, an der Ecke der Mauer verschwand.

Maria Padilla folgte maschinenmäßig mit ihren Augen, und ohne zu wissen, wer er war, dem Ritter, bis sie ihn aus dem Blicke verloren. Dann kehrte sie vom Aeußeren zum Inneren zurück, und schaute wieder nach dem König und nach Mothril.

Der König sprach lebhaft. Aus seinen Geberden ersah man, daß er furchtbare Befehle gab. Ein Blitz durchzuckte den Geist von Dona Maria; mit jener raschen, den Frauen eigenthümlichen Anschauung errieth sie, wovon die Rede war.

Sie stürzte auf Don Pedro in dem Augenblick zu, wo er durch ein Zeichen Mothril weggehen hieß.

»Sire,« sprach sie, »Ihr werdet nicht zwei gleiche Befehle an einem und demselben Tage geben.«

Ihr, habt also gehört?« rief der König erbleichend.

»Nein, doch ich habe errathen. Oh! Sire, Sire,« fuhr Maria vor dem König aus die Kniee fallend fort, oft habe ich mich über sie beklagt, oft habe ich Euch gegen sie ausgereizt, doch tödtet sie nicht, Sire, tödtet sie nicht; denn nachdem Ihr sie getödtet, würdet Ihr mir auch sagen, wie Ihr mir in Beziehung aus Don Federigo gesagt habt, weil ich ihren Tod verlangt, habet Ihr sie getödtet.«

»Maria,« sprach der König mit finsterer Miene, »steht auf, bittet nicht, es ist vergeblich. Alles war voraus beschlossen. Man hätte nicht anfangen sollen, oder muß nun endigen: der Tod des Einen zieht den Tod des Andern nach sich. Wenn ich nur Don Federigo schlüge, würde man alsbald glauben, Don Federigo habe nicht ein Verbrechen gesühnt, sondern er sei einer Privatrache geopfert worden.«

Dona Maria schaute den König voll Bangen an; sie war dem Reisenden ähnlich, der erschrocken vor einem Abgrund anhält.

»Oh!« sprach sie, »dies Alles wird aus mich zurückfallen, aus mich und meine Kinder: man wird sagen, ich habe Euch zu diesem doppelten Mord angetrieben, und Du siehst es doch, mein Gott,« fügte sie, sich zu seinen Füßen schleppend bei, »ich bitte ihn, ich siehe ihn an, mir nicht ein Gespenst aus dieser Frau zu machen.«

»Nein, denn ich werde laut meine Schande und ihr Verbrechen verkünden, nein, denn ich werde den Brief von Don Federigo an seine Schwägerin zeigen.«

»Aber Ihr werdet nie einen Spanier finden, der die Hand an seine Königin legen würde,« rief Dona Maria.

»Ich habe auch einen Mauren gewählt,« erwiderte unempfindlich Don Pedro.

»Wozu wären die Mauren gut, wenn man sie nicht thun ließe, was die Spanier zu thun sich weigern?«

»Oh! ich wollte diesen Morgen gehen, warum bin ich geblieben?« rief Dona Padilla. »Doch es ist noch diesen Abend Zeit, erlaubt, daß ich den Palast verlasse; mein Haus ist Euch zu jeder Stunde des Tags und der Nacht geöffnet, Ihr werdet mich in meinem Hause besuchen.«

»Thut, was Ihr wollt, Senora,« erwiderte Don Pedro, dem durch eine seltsame Wendung des Gedächtnisses in diesem Augenblick das Bild der schönen Maurin erschien, wie sie in ihrem wollüstigen Schlummer im Kiosk lag, während ihre Frauen mit großen Fächern über ihrem Schlafe wachten. »Thut, was Ihr wollt. Ich bin es müde, Euch immer sagen zu hören, Ihr werdet abreisen, ohne daß Ihr je reist.«

»Mein Gott!« sprach Maria Padilla, »Du bist Zeuge, daß ich von hier weggehe, weil ich, nachdem ich den Tod von Don Federigo nicht gefordert, vergebens das Leben der Königin Blanche fordere.«

Und ehe der König sich dieser Handlung widersetzen konnte, öffnete sie rasch die Thüre und schickte sich an, wegzugehen; doch in diesem Augenblick erscholl ein gewaltiger Lärmen im Palast: man sah Leute von einem wahnsinnigen Schrecken ergriffen entfliehen; man hörte Schreie, deren Ursache man nicht begreifen konnte; der Schwindel schien mit weit geöffneten Flügeln über dem Palast zu schweben.

»Hört!« sagte Maria, »hört!«

»Was geht denn vor?« rief Don Pedro, sich der Spanierin nähernd, »was soll dies Alles bedeuten? Antwortet, Mothril,« fuhr der König fort, indem er sich an den Mauren wandte, der am anderen Ende des Vorplatzes flehend, bleich, die Augen aus einen Gegenstand geheftet, den Don Pedro nicht sehen konnte, unbeweglich, eine Hand an seinem Dolch, mit der andern den Schweiß abwischend, der von seiner Stirne stoß, verharrte.

»Gräßlich! Gräßlich!« wiederholten alle Stimmen. Ungeduldig machte Don Pedro einen Schritt vorwärts, und es traf in der That seine Blicke ein Grauen erregendes Schauspiel. Oben aus den breiten Platten der Treppe sah man den Hund von Don Federigo, die Haare gesträubt wie die eines Löwen, blutig und furchtbar erscheinen; er hielt in seinem Rachen den Kopf seines Herrn, den er sachte aus dem Marmor an seinen langen Haaren fortzog. Vor ihm flohen, die Schreie ausstoßend, welche Don Pedro gehört hatte, alle Diener, alle Wachen des Palastes. So muthig. so verwegen, so unempfindlich er war, suchte doch Don Pedro auch zu fliehen; doch seine Füße schienen wie die des Mauren aus den Boden genagelt. Eine blutige Spur hinter sich lassend, stieg der Hund immer weiter herab. Sobald er aber zwischen Don Pedro und Mothril kam, legte er, als hätte er in ihnen die zwei Mörder erkannt, den Kopf auf die Erde und gab ein so klägliches Geheul von sich, daß die Favoritin darob in Ohnmacht sank, und der König schauerte, als ob ihn der Engel des Todes mit seinen Flügeln berührt hätte; dann nahm er seine kostbare Last wieder auf und verschwand im Hof.

Noch ein anderer Mann hörte das Geheul des Hundes und schauerte dabei. Dieser Mann war der vollständig gewappnete Ritter, den Dona Maria in den Alcazar hatte eintreten sehen, und der als guter Christ, wenigstens so abergläubisch als ein Maure, sich bei dem Geheule bekreuzte und, Gott bat, jedes schlimme Zusammentreffen von ihm abzuwenden.

Dann versetzte ihn aber diese Schaar erschrockener Diener, welche, an einander stoßend, sich niederwerfend. entflohen, in ein Erstaunen, das dem Schrecken glich. Der würdige Ritter lehnte sich an eine Platane an und sah, die Hand an seinem Dolch, diese rasche Procession bleicher Schatten vor sich vorüberziehen; endlich erblickte er den Hund und der Hund erblickte ihn.

Der Hund ging gerade aus ihn zu, geleitet von dem seinen Instinkt, der ihn in dem Ritter den Freund seines Herrn erkennen ließ.

Agenor wurde von einem Schauer ergriffen. Dieses blutige Haupt, dieser Hund, einem Wolfe ähnlich, der seine Beute fortschleppt, diese Welt fliehender Diener mit bleichen Gesichtern und unterdrücktem Geschrei, Alles stellte ihm einen von jenen gräßlichen Träumen dar, wie sie die vom Fieber verzehrten Kranken machen. Der Hund näherte sich immer mehr mit einer schmerzlichen Freude, und legte zu seinen Füßen den von Staub befleckten Kopf; dann erhob er zu den Gewölben das traurigste und durch dringendste Geheul, das er noch ausgestoßen. Einen Augenblick unbeweglich vor Schrecken, glaubte Agenor, sein Herz müßte brächen; endlich errieth er einen Theil von dem, was vorgefallen war: er bückte sich, schob mit seinen Händen die schönen Haare auseinander, und erkannte, obgleich in die Schatten des Todes getaucht, die ruhigen, sanften Augen seines Freundes. Sein Mund war freundlich, wie da er noch lebte, und man hätte glauben sollen, das Lächeln, das bei ihm Gewohnheit war, wolle noch aus seinen blauen Lippen zu Tage ausgehen. Agenor sank aus seine Kniee, und schwere, stille Thränen rollten aus seinen Augen über seine Wangen herab. Er wollte den Kopf nehmen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, und jetzt erst gewahrte er, daß die Zähne des unglücklichen Großmeisters eine kleine Pergamentrolle festhielten; er trennte sie mit seinem Dolch, entrollte das Pergament, und las gierig, wie folgt:

»Freund, unsere traurigen Ahnungen täuschten uns nicht, mein Bruder tödtet mich. Benachrichtige und warne die Königin Blanche: auch sie ist bedroht. Du hast mein Geheimniß: bewahre mein Andenken.«

»Ja, Herr,« sprach der Ritter: »ja, ich werde gewissenhaft Deinen letzten Willen vollziehen!. . . Doch wie von hier wegkommen?. . . Ich weiß nicht mehr, wie ich hereingekommen bin. Mein Kopf verwirrt sich: ich habe kein Gedächtniß mehr, und meine Hand zittert dergestalt, daß mir mein Dolch, den ich nicht mehr in die Scheide stecken kann, entschlüpfen wird.«

Der Ritter erhob sich in der That bleich, schauernd, und beinahe wahnsinnig; er ging, ohne zu sehen, stieß sich an den marmornen Säulen und streckte die Hände vor sich aus wie ein Trunkener, der die Stirne zu zerschmettern befürchtet. Endlich befand er sich in einem herrlichen, ganz mit Orangenbäumen, Granatbäumen und Oleandern bepflanzten Garten: Wassergarben, denen silberner Cascaden ähnlich, sprangen in porphyrnen Vasen. Er lief zu einem dieser Bassins, trank gierig, erfrischte seine Stirne, indem er sie in das eiskalte Wasser tauchte, und suchte sich nun zurechtzufinden: da zog ein schwaches Licht, das er durch die Bäume erschaute, seinen Blick an und leitete ihn. Er lies daraus zu: eine weiße Gestalt, die sich aus das Geländer eines Balcon stützte, stieß einen Seufzer aus und flüsterte seinen Namen. Agenor schaute empor, sah eine Frau, die die Arme nach ihm ausstreckte, rief: »Aissa, Aissa!« und eilte aus dem Garten zu der Maurin: das Mädchen streckte ihm die Arme mit einem Ausdruck tiefer Liebe entgegen, doch plötzlich wich es voll Unruhe zurück und fragte:

»Oh! mein Gott! Franzose, bist Du verwundet?«

Agenor hatte in der That blutige Hände: doch statt ihr zu antworten, statt ihr eine lange Erklärung zu geben, legte er eine von seinen Händen aus ihren Arm und deutete mit der andern aus den Hund, der ihm gefolgt war. Bei dieser furchtbaren Erscheinung stieß das Mädchen ebenfalls einen Schrei aus; Mothril, der gerade nach seiner Wohnung zurückkehrte, vernahm diesen Schrei, Man hörte, wie seine Stimme nach Fackeln verlangte; man hörte seine Tritte und die seiner Diener, die sich näherten.

»Fliehe!« rief das Mädchen, »fliehe; er würde Dich tödten, und ich würde sterben, weil ich Dich liebe.«

»Aissa,« sprach der Ritter, »ich liebe Dich auch; »sei mir treu, und Du wirst mich wiedersehen.«

Dann schloß er das Mädchen an sein Herz, drückte ihm einen Kuß aus die Lippen, ließ das Visir seines Helmes nieder, zog sein langes Schwert, sprang durch das niedrige Fenster und entfloh durch die Zweige streifend und die Blumen niedertretend; er kam bald vor den Garten, durchschnitt den Hof, stürzte ganz erstaunt, daß man ihn nicht aufzuhalten versuchte, aus dem Thor und erblickte in der Ferne Musaron, der fest in seinem Sattel saß und das schöne schwarze Roß an der Hand hielt, das ihm Don Federigo gegeben hatte.

Ein scharfes Schnaufen begleitete den Ritter von hinten; er wandte sich um, und der geringe Eifer, mit dem ihm die Wachen den Weg zu versperren gesucht hatten, war ihm erklärlich. Der Hund, der den einzigen Freund, welcher ihm blieb, nicht hatte verlassen wollen, folgte ihm.

Von Angst ergriffen bei dem Geschrei, das er gehört hatte, lief Mothril mittlerweile zu Aissa. Er fand sie bleich und am Fenster stehend: er wollte sie befragen, doch sie erwiderte seine ersten Fragen nur durch ein düsteres Stillschweigen. Endlich vermuthete der Maure, was vorgefallen war.

»Ist Jemand hierhergekommen? . . . Aissa, antworte.«

»Ja,« sprach das Mädchen, »der Kopf vom Bruder des Königs.«

Mothril schaute das Mädchen aufmerksamer an. Aus dem weißen Gewande war der Abdruck einer blutigen Hand zurückgeblieben.

»Der Franzose hat Dich gesehen!« rief Mothril außer sich.

Doch diesmal schaute ihn Aissa mit stolzem Auge an und antwortete nicht.

Zehntes Kapitel.
Wie der Bastard von Mauléon in das Schloß Medina Sidonia kam

Am andern Morgen nach diesem furchtbaren Tag und als die ersten Sonnenstrahlen den Gipfel der Sierra Aracena beschienen, nahm Mothril, in einen weiten, weißen Mantel gehüllt, unten an den Stufen des Alcazar von Don Pedro Abschied.

»Ich stehe Euch für meinen Diener,« sagte der Maure, »er ist der Mann, wie Ihr ihn für Eure Sache braucht, Sire; ein sicherer, rascher Arm; dabei werde ich ihn überwachen. Laßt mittlerweile den Franzosen, den Mitschuldigen des Großmeisters, aufsuchen, und wenn Ihr ihn findet, habt kein Mitleid mit ihm.«

»Es ist gut,« sagte Don Pedro, »gehe rasch und komm bald zurück.«

»Sire,« erwiderte der Maure, »um größere Eile anzuwenden, werde ich meine Tochter zu Pferde und nicht in der Sanfte mitnehmen.«

»Warum lässest Du sie nicht in Sevilla?« versetzte der König, »hat sie denn nicht ihr Haus, ihre Frauen und ihre Duenen?«

»Sire, ich kann sie nicht verlassen. Wohin ich gehe, muß sie mir folgen. Es ist mein Schatz, den ich bewache.«

»Ah! ah! Maure, Du erinnerst Dich der Geschichte des Grafen Julian und der schönen Florinda?«

»Ich muß mich derselben erinnern,« erwiderte Mothril, »da ihr es die Mauren zu verdanken haben, daß sie nach Spanien gekommen sind, und da mir dadurch folglich die Ehre zu Theil geworden ist, der Minister Eurer Hoheit zu sein.«

»Du sagtest mir aber nichts davon, daß Du eine so schöne Tochter habest.«

»Es ist wahr, meine Tochter ist sehr schön.«

»Nicht wahr, so schön, daß Du sie aus beiden Knieen anbetest?«

Mothril stellte sich, als würde er durch diese Worte sehr beunruhigt.

»Ich!« sprach er, »wer konnte Eurer Hoheit sagen?«

»Man hat mir nichts gesagt, ich habe es gesehen,« antwortete der König. »Es ist nicht Deine Tochter.«

»Ah! Herr, glaubt nicht, es sei meine Frau oder meine Geliebte!«

»Aber wer ist es denn?«

»Eines Tages wird es der König erfahren; doch mittlerweile will ich die Befehle Seiner Hoheit vollziehen.«

Und er nahm Abschied von Don Pedro und entfernte sich. In einen weißen Mantel gehüllt, der nur ihre großen schwarzen Augen und ihre gebogenen Brauen sehen ließ, war Aissa wirklich unter dem Gefolge des Mauren; doch dieser log, als er sagte, sie müsse ihn aus der ganzen Reise begleiten. Zwei Meilen von Sevilla ging er von seinem Wege ab und brachte das Mädchen in Sicherheit in dem Palaste einer reichen Maurin, der er sich anvertraute.

Und dann trieb er rasch sein Pferd an und kürzte den Weg durch einen ununterbrochenen Laus ab.

Bald setzte er über den Quadabete an derselben Stelle, wo der König Don Rodrigo nach der bekannten Schlacht, welche sieben Tage dauerte, verschwunden war, und zwischen Tarisa und Cadix sah er das Schloß Medina Sidonia, ganz beladen mit jener Traurigkeit, welche aus der Wohnung der Gefangenen lastet, sich erheben.

Hier lebte eine junge, blonde, bleiche Dame, seit langer Zeit in Gesellschaft einer einzigen Frau. Die Wachen vermehrten sich um sie her, wie um die gefährlichsten Gefangenen, und unbarmherzige Augen folgten ihr unablässig, ob sie nun, die Arme hängend und den Kopf gesenkt, langsam die von der Sonne verzehrten Gärten durchwanderte, oder an ihrem mit eisernen Gittern verschlossenen Fenster liegend, nach Freiheit seufzend und den endlosen, beständig sich wiedergebärenden Wellen des ungeheuren Oceans folgend, mit einem schwermüthigen Blick den Raum befragte.

Diese Frau war Blanche von Bourbon, die Gemahlin von Don Pedro, die dieser in der Hochzeitnacht verstoßen hatte. Sie verzehrte sich allmälig in den Thränen. und in der Reue darüber, daß sie dem eitlen Gespenste der Ehre die so süße Zukunft geopfert, die sie einst in den blauen Augen von Don Federigo hatte glänzen sehen.

Wenn die arme Frau auf dem Felde die Mädchen vorübergehen sah, welche die Trauben von Xeres oder von Marbella gelesen hatten, wenn sie ihre Liebhaber, die ihnen entgegen gingen, singen hörte, dann schwoll ihr Herz an, dann entstürzten die Thränen ihren Augen, Und bedenkend, daß sie hätte fern vom Thron und frei wie eine von den jungen Winzerinnen mit der gebräunten Gesichtshaut geboren werden können, rief sie auch ein geliebtes Bild an, und flüsterte ganz leise einen Namen, den sie schon oft ausgesprochen hatte.

Seit Blanche von Bourbon hier gefangen saß, schien Medina Sidonia ein verfluchter Ort zu sein. Die Wachen entfernten davon den Reisenden, der stets in den Verdacht kam, er sei ein Mitschuldiger, oder mindestens ein Freund. Die Königin hatte jeden Tag nur einen Augenblick der Freiheit, oder vielmehr der Einsamkeit: dies war die Stunde, wo die Schildwachen, unter der glühenden Sonne Siesta haltend, selbst beschämt durch so viele Vorsichtsmaßregeln, die man nahm, um eine Frau zu bewachen, sich auf ihre Spieße stützten und im Schatten einer grünen Platane oder einer weißen Mauer schliefen.

Dann stieg die Königin auf die Terrasse hinab, welche auf einen Graben mit fließendem Wasser ging, und wenn sie in der Ferne einen Reisenden erblickte, streckte sie in der Hoffnung, sich deinen Freund aus ihm zu machen, der König Karl Nachricht von ihr bringen würde, ihre Arme flehend gegen ihn aus.

Doch Niemand hatte noch diese Anrufungen der Gefangenen erwidert.

Eines Tags jedoch sah sie auf dem Wege von Arcos zwei Reiter, von denen der eine trotz der Sonne, welche wie eine Feuerkugel auf seinen Helm drückte, in seiner vollständigen Rüstung ganz bequem zu sein schien. Er trug so stolz seine Lanze, daß man in ihm einen muthigen Ritter erkannte. Sobald sie ihn gewahrte, hefteten sich die Augen von Blanche auf ihn und vermochten ihn nicht mehr zu verlassen. Er sprengte im raschen Galopp eines kräftigen Rappen heran, und obgleich er sichtbar von Sevilla kam, obgleich er sich gegen Medina Sidonia zu wenden schien und alle Boten, die sie bis jetzt von Sevilla empfangen hatte, Schmerzensboten gewesen waren, erfaßte Blanche doch mehr ein Gefühl der Freude, als der Angst, da sie den Ritter gewahrte.

Sobald er sie ebenfalls erblickte, hielt er an. In einem unbestimmten Vorgefühl der Hoffnung schlug das Herz der Gefangenen immer stärker; sie näherte sich dem Wall, machte das Zeichen des Kreuzes und faltete, wie aus Gewohnheit, die Hände.

Alsbald ritt der Unbekannte im Galopp gerade gegen die Terrasse.

Eine Geberde des Schreckens von Seiten der Königin bezeichnete ihm die Schildwache, welche, an einen Adamsfeigenbaum angelehnt, schlief.

Der Ritter stieg ab, winkte seinen Knappen zu sich und sprach ein paar Augenblicke leise mit ihm.

Der Knappe führte die zwei Pferde hinter einen Felsen, der sie den Blicken entzog, kehrte dann zu seinem Herrn zurück, und Beide gingen nach einem Gebüsch von Mastixstauden und Myrthen, das man von der Terrasse aus mit der Stimme erreichen konnte.

Der würdige Ritter, der wie Karl der Große, in seinem Leben mit der Feder keine andere Zeichen hatte machen können, als Buchstaben, welche die Form eines Dolches oder eines Schwertes hatten, befahl seinem Knappen mit einem Bleistift, das der letztere, in den Wissenschaften besser bewandert, stets bei sich trug, ein paar Worte aus einen großen Kieselstein zu schreiben.

Dann bedeutete er der Königin durch ein Zeichen, sie möge sich ein wenig entfernen, weil er den Kieselstein aus die Terrasse schleudern werde.

Er ließ in der That mit kräftigem Arm den Stein stiegen: dieser durchschnitt die Lust und fiel auf die Platte, ein paar Schritte von der Königin.

Der Lärmen seines Falles machte, daß der in einen schweren Schlaf versunkene Soldat erwachte, da er aber um sich her nichts erblickte, als die unbewegliche, trostlose Königin, die er alle Tage an derselben Stelle zu sehen gewohnt war, schloß er seine geblendeten Augen und schlief bald wieder ein.

Die Königin hob den Kieselstein aus und las folgende Worte:

»Seid Ihr die unglückliche Königin Blanche, die Schwester meines Königs?«

Die Antwort der Königin war erhaben in Schmerz und Majestät. Sie kreuzte ihre Arme über ihrer Brust und machte von oben nach unten ein Zeichen mit dem Kopfe, wobei zwei schwere Thränen zu ihren Füßen fielen.

Der Ritter verbeugte sich ehrfurchtsvoll, wandte sich sodann an seinen Knappen, der schon mit einem zweiten Kieselstein für einen zweiten Brief versehen war, und sagte:

»Schreibe Folgendes:

»Madame, könnt Ihr heute Abend um acht Uhr aus dieser Terrasse sein? Ich habe Euch einen Brief von Don Federigo zu übergeben.«

Der Knappe gehorchte.

Das zweite Sendschreiben gelangte ebenso glücklich als das erste an Ort und Stelle. Blanche machte eine Bewegung der Freude, dachte lange Zeit nach und erwiderte:

»Nein!«

Ein dritter Stein wurde geschleudert.

»Gibt es ein Mittel bis zu Euch zu gelangen?« fragte genöthigt durch die Pantomime die Stimme, welche den Soldaten hätte erwecken können, oder die Schrift zu ergänzen, die sein Arm aus die andere Seite des Grabens zu schleudern nicht die Kraft hatte.

Die Königin bezeichnete dem Ritter einen Adamsfeigenbaum, mit dessen Hilfe er auf die Mauer steigen konnte; dann deutete sie aus eine Thüre, welche von dieser Mauer nach dem von ihr bewohnten Thurme führte.

Der Ritter verbeugte sich. Er hatte begriffen.

In diesem Augenblick erwachte der Soldat und versah wieder seinen Dienst als Schildwache.

Der Ritter blieb eine Zeit lang verborgen, benützte sodann einen Augenblick, wo die Aufmerksamkeit der Schildwache nach einer andern Seite gezogen wurde, und schlüpfte mit seinem Knappen hinter den Felsen, wo die Pferde warteten.

»Edler Herr,« sagte der Knappe, »wir haben da ein schwieriges Stück Arbeit unternommen; warum habt Ihr nicht das Billet des Großmeisters sogleich der Königin zugeschleudert? Ich meinerseits würde nicht verfehlt haben, dies zu thun.«

»Weil es ein Zufall unter Weges losmachen konnte, und die Königin mir nicht geglaubt haben würde, wenn das Billet verloren gegangen wäre. Diesen Abend also, und laß uns ein Mittel suchen, aus die Terrasse zu kommen, ohne von der Schildwache gesehen zu werden.«

Es kam der Abend, und Agenor hatte noch kein Mittel gesunden, in die Beste zu dringen. Es mochte halb acht Uhr sein.

Agenor lag daran, wo möglich ohne Gewalt und eher mit List, als durch Anwendung der Kraft hineinzukommen. Doch wie gewöhnlich war Musaron gerade der entgegengesetzten Meinung.

»Wie Ihr Euch auch dabei benehmen möget, edler Herr,« sagte er, »stets werden wir genöthigt sein, ein Treffen zu liefern und zu tödten. Euer Bedenken ist also keines Wegs vernünftig. Tödten bleibt immer tödten, der Mord ist eine Sünde um halb acht Uhr wie um acht Uhr Abends. Ich behaupte also, daß von allen Mitteln, die Ihr vorschlagen könnt, das meinige allein annehmbar ist.«

»Worin besteht es?«

»Ihr sollt es sehen. Die Schildwache ist gerade ein häßlicher Maure, ein abscheulicher Ungläubiger, der weiße Augen im Kopfe rollt, als ob er schon halb in die Flammen getaucht wäre, in die er eines Tags ganz und gar hineingetaucht werden muß. Wollt also, Herr Ritte ein In manus sprechen, und im Geist diesem Ungläubigen die Taufe geben.«

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04 aralık 2019
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