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Kitabı oku: «Der Graf von Bragelonne», sayfa 106
V.
La Fontaine als Unterhändler
Fouquet drückte la Fontaine mit reizendem Erguß die Hand.
»Mein lieber Dichter,« sagte er, »macht uns hundert andere Erzählungen, doch nicht allein wegen der achtzig Pistolen, die jede eintragen wird, sondern auch, um unsere Sprache mit hundert Meisterwerken zu bereichern.«
»Ho! ho!« versetzte la Fontaine sich aufblähend, »Ihr müßt nicht glauben, ich habe nur diesen Gedanken und diese achtzig Pistolen dem Herrn Oberintendanten mitgebracht.«
»Oh! Herr la Fontaine ist heute bei Mitteln,« rief man von allen Seiten.
»Gesegnet sei die Idee, wenn sie mir eine oder zwei Millionen bringt,« sagte Fouquet heiter.
»So ist es,« sprach la Fontaine.
»Geschwinde, geschwinde!« rief die Versammlung.
»Nehmt Euch in Acht,» sagte Pelisson la Fontaine in’s Ohr, »Ihr habt Euch bis jetzt eines sehr glücklichen Erfolges erfreut, schleudert den Pfeil nicht über das Ziel hinaus.«
»Keines Wegs, Herr Pelisson, und Ihr, der Ihr ein Mann von Geschmack seid, werdet mich zuerst beloben.«
»Es handelt sich um Millionen,« bemerkte Gourville.
»Ich habe hier fünfzehnmal hunderttausend Livres,« erwiederte la Fontaine. Und er schlug an seine Brust.
»Zum Teufel mit dem Gascogner von Chateau Thierry!» rief Loret.
»Nicht die Tasche, sondern das Gehirn hättet Ihr berühren müssen!« sagte Fouquet.
»Herr Oberintendant,« sprach la Fontaine, »Ihr seid kein Generalanwalt, Ihr seid ein Dichter.«
»Das ist wahr,« riefen Loret, Conrart und Alles, was von Literaten anwesend.
»Ihr seid, sage ich, ein Dichter und ein Maler; doch gesteht selbst, Ihr seid kein Rechtsgelehrter.«
»Ich gestehe es,« erwiederte Fouquet lächelnd.
»Wollte man Euch in die Akademie ausnehmen, nicht wahr, Ihr würdet es ausschlagen?«
»Ich glaube ja, was mir die Akademiker nicht verargen mögen.«
»Nun wohl, wenn Ihr nicht zur Akademie gehören wollt, warum laßt Ihr Euch herbei, zum Parlament zu gehören?«
»Ho! ho!« rief Pelisson, »wir sprechen über Politik!«
»Ich frage, ob Herrn Fouquet die Robe gut oder nicht gut steht?« fuhr la Fontaine fort.
»Es handelt sich nicht um die Robe,« sagte Pelisson ärgerlich über das Gelächter der Versammlung.
»Im Gegentheil, es handelt sich um die Robe,« erwiederte Loret.
»Zieht dem Herrn Generalanwalt die Robe aus, und wir haben Herrn Fouquet, worüber wir uns nicht beklagen werden,« sprach Loret; »da es aber keinen Generalanwalt ohne Robe gibt, so erklären wir mit Herrn la Fontaine, die Robe sei sicherlich eine Vogelscheuche.«
»Fugiunt risus leporesque,« rief Loret.
»Die Scherze und die Grazien,« bemerkte ein Gelehrter.
»Ich,« fuhr Pelisson mit ernstem Tone fort, »ich übersetze lepores nicht so.«
»Und wie übersetzt Ihr es?« fragte la Fontaine.
»Ich übersetze es:
»»Die Hasen flüchten sich, wenn sie Herrn Fouquet sehen.««
Schallendes Gelächter, an dem der Oberintendant Theil nimmt.
»Warum die Hasen?« fragte Conrart gereizt.
»Weil derjenige ein Hase sein wird, der sich nicht freut, Herrn Fouquet in den Attributen seiner parlamentarischen Gewalt zu sehen.«
»Ho! ho!« murmelten die Dichter.«
»Quo non ascendant,« sagte Conrart, »scheint mir unmöglich mit einer Anwaltsrobe.«
»Und mir ohne diese Robe,« entgegnete der hartnäckige Pelisson. »Was denkt Ihr davon, Gourville?«
»Ich denke, die Robe sei gut,« antwortete dieser, »aber ich denke zugleich, anderthalb Millionen wären mehr werth, als die Robe.«
»Und ich bin der Ansicht von Gourville,« sprach Fouquet, die Discussion durch seine Meinung, welche nothwendig alle andere überwiegen mußte, kurz abschneidend.«
»Anderthalb Millionen,« brummte Pelisson. »Bei Gott! ich kenne eine indische Fabel . . . «
»Ihr? erzählt sie mir, ich muß sie auch wissen,« sagte la Fontaine.
»Erzählt! erzählt!«
»Die Schildkröte hatte ein Rückenschild,« sprach Pelisson, »sie flüchtete sich darein, wenn ihre Feinde sie verfolgten. Eines Tags sagte Jemand zu ihr: »»Ihr habt des Sommers sehr warm in diesem Hause, und es hindert euch ungemein, eure Anmuth zu zeigen, hier ist die Natter, die euch anderthalb Millionen für eure Schale gibt.««
»Gut!« rief lachend der Oberintendant.
»Weiter?« sagte la Fontaine, viel mehr durch die Gleichnißrede, als durch die Moral interessirt.
»Die Schildkröte verkaufte ihre Schale und blieb nackt. Ein Geier sah sie, er hatte Hunger, er zerriß ihr mit dem Schnabel die Lenden und fraß sie auf.«
»Ο μονϑος δελοι!« sagte Conrart.
»Herr Fouquet wird wohl daran thun, seine Robe zu behalten.«
La Fontaine nahm die Moral im Ernste und sagte zu seinem Gegner:
»Ihr vergeßt Aeschylos.«
»Was wollt Ihr damit sagen?«
»Aeschylos, den Kahlkopf.«
»Nun?«
»Aeschylos, dessen Schädel ein Geier, Euer Geier wahrscheinlich, ein großer Liebhaber von Schildkröten, von oben für einen Stein hielt und auf diesen Schädel eine in ihre Schale gekauerte Schildkröte warf.«
»Ei! mein Gott, la Fontaine hat Recht,« sagte Fouquet, der nachdenkend geworden war; »jeder Geier, wenn er Hunger nach Schildkröten hat, weiß ihnen ganz wohl gratis die Schale zu zerschmettern; zu glücklich sind die Schildkröten, denen eine Natter die Hülle mit anderthalb Millionen bezahlt. Man bringe mir eine freigebige Natter, wie die Eurer Fabel, Pelisson, und ich gebe ihr mein Rückenschild.«
»Rara avis in terris!« rief Conrart.
»Und einem schwarzen Schwan ähnlich, nicht wahr?« fügte la Fontaine bei; »nun wohl, ja, ganz richtig, ein ganz schwarzer und sehr seltener Vogel, ich habe ihn gefunden.«
»Ihr habt einen Käufer für meine Anwaltsstelle gesunden?« rief Fouquet.
»Ja, mein Herr.«
»Der Herr Oberintendant hat aber nie gesagt, er müsse verkaufen!« entgegnete Pelisson.
»Verzeiht, Ihr selbst habt davon gesprochen,« sagte Conrart.
»Dessen bin ich Zeuge,« sprach Gourville.
»Er hält an den schönen Reden fest, die er mir macht,« rief Fouquet lachend. »Wer ist der Käufer, la Fontaine?«
»Ein ganz schwarzer Vogel, ein Rath beim Parlament, ein braver Mann.«
»Er heißt?«
»Vanel.«
»Vanel!« rief Fouquet, »der Mann von . . . «
»Ganz richtig, ihr Mann: ja, mein Herr.«
»Der liebe Mensch!« sprach Fouquet theilnehmend, »er will Generalanwalt werden!«
»Er will Alles sein, was Ihr seid,« versetzte Gourville, »und durchaus Alles thun, was Ihr gethan habt.«
»Oh! das ist sehr ergötzlich: erzählt uns das, la Fontaine.«
»Es ist ganz einfach. Ich sehe ihn von Zeit zu Zeit. Vorhin begegnete ich ihm, er lungerte aus dem Bastille-Platze herum . . . gerade in dem Augenblick, wo ich den kleinen Wagen nach Saint-Mandé nehmen wollte.«
»Er lauerte gewiß auf seine Frau,« bemerkte Loret.
»Oh! mein Gott,« entgegnete Fouquet einfach, »er ist nicht eifersüchtig.«
»Er redet mich an, umarmt mich, führt mich in die Schenke zum heiligen Fiacre, und spricht mit mir über seinen Kummer.«
»Er hat Kummer?«
»Ja, seine Frau flößt ihm Ehrgeiz ein.«
»Und er sagt Euch?«
»Man habe ihm von einer Stelle beim Parlament gesprochen, der Name von Herrn Fouquet sei genannt worden, seit dieser Zeit träume Madame Vanel nur davon, Frau Generalanwaltin zu heißen, und sie sterbe jede Nacht, wenn sie nicht davon träume.«
»Teufel!«
»Arme Frau!« rief Fouquet.
»Wartet. Conrart sagt mir immer, ich wisse die Angelegenheiten nicht zu behandeln. Ihr sollt sehen, wie ich diese geleitet habe.«
»Laßt hören.«
»»Wißt Ihr.«« sagte ich zu Vanel. »»wißt Ihr, daß eine Stelle wie die von Herrn Fouquet theuer ist?««
»»Wie hoch mag sie etwa zustehen kommen?««fragte er.
»»Herr Fouquet hat siebenzehnmalhundert tausend Livres ausgeschlagen.««
»»Meine Frau berechnete das zu etwa vierzehnmal hundert tausend Livres,« erwiederte Vanel.
»»Baar Geld?«« versetzte ich.
»»Ja, sie hat ein schönes Gut in Guienne verkauft, sie hat realisirt . . . ««
»Das ist ein schönes Stück Geld mit einem Schlage zu verdienen,« sagte leise der Abbé Fouquet, der noch nicht gesprochen hatte.
»Die arme Dame Vanel,« murmelte Fouquet.
Pelisson zuckte die Achseln und flüsterte Fouquet zu:
»Ein Dämon!«
»Ganz richtig. Es wäre reizend, das Geld dieses Dämons dazu anzuwenden, einen Schaden wieder gut zu machen, den sich mir zu Liebe ein Engel zugefügt hat.«
Pelisson schaute mit erstaunter Miene Fouquet an, dessen Gedanken sich von diesem Augenblick aus ein neues Ziel hefteten.
»Nun,« fragte la Fontaine, »wie ist meine Unterhandlung?«
»Bewunderungswürdig, lieber Dichter!«
»Ja,« sagte Gourville, »es rühmt sich Einer, Lust zu dem Pferde zu haben, und besitzt nicht einmal die Mittel, um den Zaum zu bezahlen.«
»Vanel würde zurücktreten, wenn man ihn beim Wort nähme,« bemerkte der Abbé Fouquet.
»Ich glaube das nicht,« sagte la Fontaine.
»Woher wißt Ihr das?«
»Ihr kennt die Entwickelung meiner Geschichte nicht.«
»Ah! wenn es eine Entwickelung gibt, warum faullenzt Ihr unter Weges?« sagte Gourville.
»Semper ad eventum, nicht so?’’ sagte Fouquet mit dem Ton eines vornehmen Herrn, der sich in Barbarismen verirrt.
Die Latinisten klatschten in die Hände.
»Meine Entwickelung!« rief la Fontaine, »sie besieht darin, daß Vanel, dieser zähe, schwarze Vogel, da er wußte, ich begebe mich nach Saint-Mandé, mich bat, ihn mitzunehmen.«
»Ho! ho!«
»Und ihn, wenn es möglich wäre, Monseigneur vorzustellen.«
»Somit . . . «
»Somit ist er da auf dem Rasen des Bel-Aix.«
»Wie ein Käfer!«
»Gourville, Ihr sagt das wegen der Füllhörner, Ihr schlechter Spaßmacher.«
»Nun, Herr Fouquet?«
»Es geziemt sich nicht, daß der Mann von Madame Vanel vor meinem Hause den Schnupfen bekommt; laßt ihn holen, la Fontaine, da Ihr wißt, wo er ist.«
»Ich laufe selbst zu ihm.«
»Ich begleite Euch,« rief der Abbé Fouquet, »ich trage die Säcke.«
»Keine schlechte Späße,« sprach Fouquet mit strengen Ton . . . »Die Angelegenheit werde, wenn eine solche vorhanden ist, ernst behandelt. Vor Allem seien wir gastfreundlich. Entschuldigt mich, la Fontaine, bei dem artigen Mann, ich sei in Verzweiflung, daß ich ihn habe warten lassen, doch seine Anwesenheit sei mir nicht bekannt gewesen.«
La Fontaine war schon weggegangen. Zum Glück begleitete ihn Gourville, denn ganz mit seinem Zahlen beschäftigt, irrte sich der Dichter im Wege und lief gegen Sainte-Maux.
Nach einer Viertelstunde wurde Herr Vanel in das Cabinet von Fouquet eingeführt, in dasselbe Cabinet, dessen Beschreibung wir mit allen Umständen am Ansang dieser Geschichte gegeben haben.
Als ihn Fouquet eintreten sah, rief er Pelisson und sprach ein paar Minuten leise mit ihm.
»Behaltet wohl, was ich Euch sage,« sprach er, »alles Silberzeug, alles Tafelgeschirr, alle Juwelen werden in den Wagen eingepackt. Ihr nehmt die Rappen; der Goldschmied begleitet Euch. Ihr verschiebt das Abendbrod bis zur Ankunft von Frau von Bellière.«
»Frau von Bellière muß benachrichtigt werden,« sagte Pelisson.
»Unnöthig, ich übernehme das.«
»Gut!«
»Geht, mein Freund.«
Pelisson entfernte sich, schlecht errathend, aber voll Vertrauen, wie dies alle wahren Freunde sind, zu dem Willen, in den er sich fügte. Darin liegt die Stärke der auserkorenen Seelen. Das Mißtrauen ist nur für die untergeordneten Naturen gemacht.
Vanel verbeugte sich vor dem Oberintendanten und wollte eine Rede beginnen. Fouquet sagte aber artig zu ihm:
»Gerade heraus, mein Herr, es scheint mir, Ihr wollt meine Stelle erwerben.«
»Monseigneur . . . «
»Wie viel könnt Ihr dafür geben?«
»Es ist Eure Sache, Monseigneur, die Summe zu bestimmen. Ich weiß, daß man Euch Angebote gemacht hat.«
»Madame Vanel schätzt sie, wie ich höre, zu vierzehnmal hundert tausend Livres.«
»Das ist unsere ganze Habe.«
»Könnt Ihr die Summe sogleich geben?«
»Ich habe sie nicht bei mir,« erwiederte naiv Herr Vanel, denn er erschrak über diese Einfachheit, über diese Größe, da er Kämpfe, Schlauheiten Querzüge erwartet hatte.
»Wann werdet Ihr sie haben?«
»Wann es Monseigneur beliebt,« antwortete Vanel, Und er zitterte, Fouquet spotte seiner.
»Wenn es nicht Mühe machte, nach Paris zurückzukehren, so würde ich sagen: sogleich . . . «
»Ah! Monseigneur . . . «
»Aber wir wollen Bezahlung und Unterzeichnung aus morgen verschieben,« sagte der Oberintendant.
»Es sei,« erwiederte Vanel ganz betäubt.
»Um sechs Uhr,« fügte Fouquet bei.
»Um sechs Uhr,« wiederholte Vanel.
»Guten Abend. Herr Vanel, sagt Madame Vanel, ich küsse ihr die Hände.«
Nach diesen Worten stand Fouquet aus. Da sprach Vanel, dem das Blut in die Augen stieg, und der den Kopf zu verlieren anfing:
»Monseigneur, Monseigneur, gebt Ihr mir im Ernste das Wort?«
Fouquet wandte den Kopf um und erwiederte:
»Bei Gott! und Ihr?«
Vanel zauderte, bebte und streckte am Ende schüchtern die Hand aus.
Fouquet öffnete und streckte mit einer edlen Gebärde die seinige aus. Diese redliche Hand drückte sich eine Secunde lang in die Feuchtigkeit einer gleißnerischen Hand ein. Vanel drückte die Finger von Fouquet, um sich besser zu überzeugen.
Der Oberintendant machte sachte seine Hand los und sprach:
»Gott befohlen!«
Vanel lief rückwärts nach der Thüre, stürzte durch die Hausfluren und entfloh.
VI.
Das Tafelgeschirr und die Diamanten von Frau von Bellière
Kaum hatte Funquet Herrn Vanel entlassen, als er einen Augenblick nachdachte.
»Man vermöchte nicht zu viel für die Frau zu thun, die man geliebt hat,« sagte er. »Marguerite wünscht Generalanwaltin zu werden, warum sollte man ihr nicht dieses Vergnügen machen? Nun, da mir das ängstlichste Gewissen nichts mehr vorwerfen könnte, wollen wir einzig und allein an die Frau denken, die mich liebt. Frau von Bellière muß bald dort sein.«
Er deutete mit dem Finger aus die geheime Thüre.
Nachdem er sich eingeschlossen, öffnete er den unterirdischen Gang und wandte sich rasch nach dem, zwischen dem Hause in Vincennes und seinem Hause bestehenden Verbindungswege.
Er hatte es unterlassen, seine Freundin mit dem Glöckchen zu benachrichtigen, da er sicher war, daß sie nie bei den Rendezvous fehlte.
Die Marquise war in der That eingetroffen. Sie wartete. Das Geräusch, das der Oberintendant veranlaßte, machte sie aufmerksam; sie lief hinzu, um unter der Thüre das Billet in Empfang zu nehmen, das er ihr zuschob.
»Kommt, Marquise, man erwartet Euch beim Abendbrod.«
Glücklich und behende stieg Frau von Bellière in der Allee von Vincennes in ihren Wagen, und sie reichte bald aus der Freitreppe ihre Hand Gourville, der, um dem Gebieter zu gefallen, im Hof aus ihre Ankunft lauerte.
Sie hatte nicht rauchend und weiß von Schaum die Rappen von Fouquet zurückkommen sehen, welche nach Saint-Mandé Pelisson und den Goldschmied brachten, an den Frau von Bellière ihr Tafelgeschirr und ihre Juwelen verkauft hatte.
Pelisson führte diesen Mann in das Cabinet, das Fouquet noch nicht verlassen.
Fouquet dankte dem Goldschmied, daß er die Güte gehabt, ihm wie ein hinterlegtes Gut diese Reichthümer aufzubewahren, die er zu verkaufen berechtigt gewesen. Er warf einen Blick aus die Gesammtsumme der Rechnungen, die sich aus dreizehnmal hundert tausend Livres belief.
Dann setzte er sich an sein Bureau und schrieb eine Anweisung von vierzehnmal hundert tausend Livres auf seine Kasse zahlbar nach Sicht vor Mittag des andern Tags.
»Hundert tausend Livres Gewinn!« rief der Goldschmied. »Oh! Monseigneur, welche Großmuth!«
»Nein, nein, mein Herr,« erwiederte Fouquet, indem er die Schulter des Goldschmieds berührte, »es gibt Artigkeiten, die sich nie bezahlen lassen. Der Gewinn ist ungefähr der, den Ihr gemacht hättet; doch es bleibt das Interesse aus Eurem Geld.«
So sprechend machte er aus seiner Manchette einen Diamantknopf los, den derselbe Goldschmied oft zu dreitausend Pistolen geschätzt hatte, und sprach:
»Nehmt das zum Andenken an mich und lebet wohl; Ihr seid ein ehrlicher Mann.«
»Und Ihr,« rief der Goldschmied, tief gerührt, »Ihr, Monseigneur, seid ein wackerer Herr.«
Fouquet ließ den Goldschmied durch eine Geheimthüre weggehen; dann empfing er Frau von Bellière, die schon alle Gäste umgaben.
Die Marquise war immer schön, doch an diesem Tag strahlte sie.
»Meine Herren,« sprach Fouquet, »findet Ihr nicht, daß Madame heute Abend von einer unvergleichlichen Schönheit ist? Wißt Ihr, warum?«
»Weil Madame die schönste der Frauen ist,« sagte Einer.
»Nein, sondern weil Madame die beste derselben ist. Doch . . . «
»Doch?« fragte die Marquise lächelnd.
»Doch alle Juwelen, welche Madame heute Abend trägt, bestehen aus falschen Steinen.«
Sie erröthete.
»Ho! ho!« riefen alle Gäste, »man kann dies ohne Furcht von einer Dame sagen, welche die schönsten Diamanten von Paris besitzt.«
»Nun!« sagte Fouquet leise zu Pelisson.
»Ich habe endlich begriffen, und Ihr habt wohlgethan,« erwiederte Pelisson.
»Das ist ein Glück,« versetzte lachend der Oberintendant.
»Monseigneur, es ist ausgetragen,« rief Vatel majestätisch.
Die Woge der Gäste stürzte minder langsam, als es bei ministeriellen Feten gebräuchlich ist, in den Speisesaal, wo ein prachtvolles Schauspiel ihrer harrte.
Auf dem Schenktisch, auf dem Anrichttisch, auf der Tafel, unter Blumen und Lichtern glänzte zum Blenden das reichste Geschirr von Silber und Gold, das man sehen konnte; es war ein Ueberrest von den alten Herrlichkeiten, welche die von den Medicis mitgebrachten florentinischen Künstler für die prunkenden Tafeln, als es in Frankreich noch Gold gab, geschnitten, ciselirt, gegossen hatten; diese verborgenen Wunder, die man während der Bürgerkriege begraben, waren schüchtern in den Zwischenräumen des Krieges von gutem Geschmack, den man die Fronde nannte, wieder erschienen; die vornehmen Herren schlugen sich gegen die vornehmen Herren, tödteten sich, beraubten sich aber nicht. All dieses Geschirr war mit dem Wappen von Frau von Bellière gezeichnet.
»Seht,« rief la Fontaine, »ein P und ein B.«
Das Seltsamste von Allem aber war das Gedecke der Marquise an dem Platz, den ihr Fouquet angewiesen hatte; hier erhob sich eine Pyramide von Diamanten, von Saphiren, von Smaragden, von antiken Cameen; der Sardonyr, gravirt von den alten Griechen von Kleinasien mit seiner Fassung von mysischem Gold, die herrlichen Mosaike des alten Alexandrien in Silber gefaßt, die massiven Armspangen Aegyptens aus der Zeit von Cleopatra lagen aus einer großen Platte von Palissy umher, welche aus einen Dreifuß von vergoldetem Bronze von Benvenutos Meisterhand ruhte.
Die Marquise erbleichte, als sie sah, was sie nimmer wiederzusehen glaubte, Ein tiefes Stillschweigen, der Vorläufer einer lebhaften Aufregung, herrschte unter den betäubten Gästen des Saales,
Fouquet machte nicht einmal ein Zeichen, um alle die buntscheckigen Diener wegzujagen, welche sich wie geschäftige Bienen bei den Schenktischen umhertrieben.
»Meine Herren,« sagte er, »das Tafelgeschirr, das Ihr hier seht, gehörte Frau von Bellière, die eines Tags, als sie einen ihrer Freunde in Verlegenheit sah, all dieses Gold und all dieses Silber nebst der Masse von Juwelen, die sich vor ihr erheben, zum Goldschmied schickte. Diese schöne Handlung einer Freundin mußte von Freunden, wie Ihr seid, begriffen werden. Glücklich der Mann, der sich so geliebt sieht. Trinken wir aus die Gesundheit von Frau von Bellière.«
Ein ungeheures Beifallsgeschrei übertönte seine Worte und machte stumm, ohnmächtig aus ihren Sitz die arme Frau fallen, die ihre Sinne verloren, den Vögeln Griechenlands ähnlich, die über der Arena von Olympia den Himmel durchschnitten.
»Und dann,« fügte Pelisson bei, den jede Tugend rührte, jede Schönheit bezauberte, «trinken wir auch ein wenig aus die Gesundheit desjenigen, welcher zu der schönen Handlung inspirirt hat, denn ein solcher Mann muß geliebt zu werden würdig sein.«
Es war die Reihe an der Marquise. Sie erhob sich bleich und lächelnd und streckte mit einer schwachen Hand, deren zitternde Finger die Finger von Fouquet streiften, ihr Glas aus, während ihre sterbenden Augen noch alle Liebe hervorriefen, die dieses edle Herz durchglühten.
Aus diese heroische Weise begonnen, wurde das Abendbrod bald zu einem Feste; Keiner beschäftigte sich damit, Geist zu haben. Niemand fehlte es daran.
La Fontaine vergaß seinen Gorgny-Wein, und erlaubte Vatel, ihn mit den Rhone Weinen und den spanischen zu versöhnen.
Der Abbé Fouquet wurde so gutmüthig, daß Gourville zu ihm sagte: »Nehmt Euch in Acht, Herr Abbé, wenn Ihr so zart seid, wird man Euch aufspeisen.«
Die Stunden vergingen so freudig und Rosen aus die Gäste ausstreuend. Der Oberintendant verließ die Tafel gegen seine Gewohnheit erst mit den letzten Spenden des Dessert.
Er lächelte den meisten von seinen Freunden zu, welche trunken waren, wie man es ist, wenn man das Herz vor dem Kopf berauscht hat, und zum ersten Mal schaute er nach der Uhr.
Plötzlich rollte ein Wagen in den Hof, und man hörte ihn seltsamer Weise mitten unter dem Lärmen und den Gesängen.
Fouquet horchte aufmerksam und wandte dann seine Blicke nach dem Vorzimmer. Es kam ihm vor, als ertönte ein Tritt, uns als lastete dieser Tritt aus seinem Herzen, statt aus den Boden zu drücken.
Instinktartig verließ sein Fuß den Fuß, den Frau von Bellière seit zwei Stunden aus den seinigen stützte.
»Herr d’Herblay, Bischof von Vannes,« rief der Huissier.
Und das düstere, nachdenkende Gesicht von Aramis erschien über der Schwelle zwischen den Ueberresten von zwei Guirlanden, deren Fäden eine Lampenflamme zerrissen hatte.
