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Kitabı oku: «Der Graf von Moret», sayfa 45

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XVIII.
Ein Liebespaar

Der Herzog von Montmorency hatte seinem Freunde, dem Grafen von Moret, den Vorschlag gemacht, ihn nach Turin zu begleiten, ohne ihm jedoch den wahren Zweck seiner Reise anzuvertrauen; Moret nahm den Vorschlag mit Vergnügen an, da er sich davon eine angenehme Zerstreuung versprach.

Die Wichtigkeit der Ereignisse, welche wir erzählen, und die großartige historische Ereignisse sind, hindert uns zuweilen, bis aus den Grund der Herzen unserer Personen den heitern oder trüben Rückwirkungen zu folgen, welche aus der Vollbringung dieser Ereignisse entstehen. So haben wir die Berennung Mantua's durch die Kaiserlichen erwähnt, ohne uns mit der Unruhe zu beschäftigen, welche dieses Ereignis in dem Herzen des Sohnes Heinrichs IV. hervorrief.

In der Tat musste Isabella an der Seite ihres Vaters allen verderblichen Folgen dieser feindlichen Einschließung ausgesetzt sein: Entbehrungen, Noth, Hunger, Gefahren, welche von den verschiedenen Perioden einer Belagerung unzertrennlich sind, die von solchen Banditen ausgeführt wird, wie die waren, aus denen die kaiserlichen Banden bestanden.

Als der Graf Moret erfuhr, dass Herr von Pontis durch den Herzog von Richelieu als Ingenieur noch Mantua geschickt würde, hatte er daher auch gebeten, denselben als Volontär begleiten zu dürfen, wenn auch nicht, um in der Nähe Isabellens zu fechten, so doch um bei dem Herrn von Lautrec den Einfluss des Mannes zu bekämpfen, den er als seinen Nebenbuhler kannte.

Aber der Kardinal hatte in seiner Nähe nicht genug entschlossene Männer und treue Herzen, deren er gewiss sein durfte, um sich eines Mannes zu berauben, der schon zunächst seines Ranges wegen da bleiben musste, wo der König und der Kardinal waren. Außerdem aber hatte dieser Mann ihm auch schon durch seinen Mut und seine Gewandtheit große Dienste geleistet, und er konnte bei der schwierigen Lage, in welcher man sich befand, auch noch fernere leisten. Um übrigens seinen jungen Schützling zu beruhigen, gab er ihm, der Wahrheit gemäß, die Versicherung, er hätte an Herrn von Lautrec geschrieben, derselbe möchte sich innerhalb der Grenzen, des Versprechens halten, welches er den beiden jungen Leuten gegeben, besonders aber der Neigung Isabellens, so lange der Graf lebte, keinen Zwang antun.

W!r wollen unsern Helden nicht besser machen, als er war, und schreiben seine Untreue, oder vielmehr seine Unbeständigkeit, auf Rechnung von dem Blute Heinrichs IV., welches in seinen Adern rollte. Wir würden daher ein Unrecht begehen, wenn wir nicht eingeständen, dass der Graf von Moret, während er gewissenhaft an seinem Eide hing, keine andere Gattin zu nehmen, als Isabella, in eben dem Grade, in welchem er sich in Begleitung des Kardinals und des Königs Paris näherte, durch eine anfangs dunkle, allmälig aber immer durchsichtiger werdende Wolke einen gewissen brünetten, mit einem roten Tuche umwundenen Kopf erscheinen sah, von dessen Mund er in dem »gefärbten Barte« zwei Küsse empfangen hatte, von welchen ihm noch jetzt die Lippen brannten, so oft er daran dachte. Das war noch nicht Alles. Man wird sich auch erinnern, dass eines Abends, als er aus der Gesellschaft bei der Prinzeß Maria von Gonzaga kam, jene herausfordernde Person, welche sich zu seiner Cousine improvisiert hatte, gewisse Versprechungen eines Zusammentreffens mit ihm austauschte. Die Umstände verhinderten zwar damals das Rendezvous, aber er nahm sich vor, die Person an ihr Versprechen zu erinnern und sie zu dessen Erfüllung aufzufordern. Auch diesmal wieder verschob der Zufall die Ausführung des reizenden Planes auf spätere Zeiten. Bei der Ankunft des Grafen Moret in Paris war Frau von Fargis, – denn die Leser werden nicht vergessen haben, dass von ihr die Rede ist – zu einer geheimen Mission der Königin Anna bei ihrem Geniale, vielleicht auch bei einer viel höheren Person, abwesend. Als der Graf Paris verlassen musste, war die schöne Gesandtin noch nicht nach der Hauptstadt zurückgekehrt; Jacquelino konnte daher zu seinem lebhaften Bedauern die Bekanntschaft mit seiner reizenden Cousine Marina nicht erneuern.

Aber an dem eleganten Hofe des Herzogs von Savoyen, an welchem er einen Monat geblieben war, als wir ihn aus Italien zurückkehren sahen, betraut mit der dreifachen Sendung an die beiden Königinnen und an Monsieur, hatte er einige galante Erinnerungen zurückgelassen, die er aufzufrischen gedachte, sobald sich keine Gelegenheit bieten würde, neue Liebschaften anzuknüpfen und neue Früchte der Liebe zu pflücken.

In der Tat gab es wenige Höfe, die so galant und vergnügungssüchtig waren, wie der Hof des Herzogs von Savoyen. Carl Emanuel war außerordentlich ausschweifend und durch Eleganz verstand er es, der Ausschweifung ein Ansehen der Liebenswürdigkeit zu verleihen, durch welches sie Verzeihung gewann. Wenn wir es nach dem, was wir bereits von ihm sagten, noch versuchen müssten, seinen Charakter zu schildern, würden wir hinzufügen, dass er mutig, eigensinnig, ehrgeizig und verschwenderisch war. Das Alles aber gewann bei ihm das Ansehen der Größe und verbarg sich unter einer so gewandten Heuchelei, dass seine Verschwendungssucht als Freigebigkeit erschien, sein Ehrgeiz als Ruhmsucht, seine Hartnäckigkeit als Beständigkeit. Treulos gegen seine Verbündeten, begierig nach dem Gute Anderer, verschwenderisch mit seinem eigenen, stets arm und doch nie an etwas Mangel leidend, hatte er nach und nach Handel mit Österreich, Spanien und Frankreich, war stets der Verbündete dessen, welcher ihm die größten Vorteile gewährte, führte beständig gegen die Macht, welche ihm das Wenigste geboten hatte, Krieg mit dem Gelde derjenigen, die ihm am meisten zahlte. Gequält durch die Leidenschaft, sich zu vergrößern, führte er gegen seine Nachbarn Krieg, so oft sich dazu die Gelegenheit zeigte; beinahe jederzeit gezwungen, Frieden zuschließen, war es für ihn ein Bedürfnis, in seinen Verträgen irgend eine zweideutige Klausel anzubringen, welche ihm einen Vorwand bot, dieselben zu brechen. Als arglistiger Zauderer war er der Fabius der Diplomatie.

Er hatte Katharina, die Tochter des Königs Philipp, geheiratet und seinen Sohn mit Christine, der Tochter Heinrichs IV., vermählt; aber diese beiden Verwandtschaften waren wegen seiner ewigen Wankelmüthigkeit ungenügend, ihn zu schützen. Diesmal stieß er auf seinen furchtbarsten Feind, Richelieu, und sollte an demselben zerschellen.

Der Herzog von Savoyen empfing mit großer Auszeichnung und Liebenswürdigkeit seine beiden Gäste:, Montmorency, welchem der höchste Ruf der Tapferkeit, Eleganz und Freigebigkeit voranging; Moret, dem die Erinnerung an seine Galanterien vor achtzehn Monaten folgte. Madame Christine besonders empfing sehr freundlich den jungen Mann, welcher durch Heinrich IV. anerkannt worden war, und daher bei ihr die Vorrechte eines Bruders genoss.

Tu Carl Emanuel die galanten Neigungen Montmorency's kannte, vereinigte er in der Hoffnung, denselben für sein Interesse zu gewinnen, an seinem Hofe alle schönen Frauen Turins und dessen nächster Umgegend. Aber in der Mitte aller dieser Schönheiten suchte Anton von Bourbon vergebens die, wegen welcher er gekommen war: die Gräfin Urbano von Espalomba.

Das Leben dieser schönen Gräfin ist eine ganze Geschichte; da diese Geschichte sich aber vor dem zutrug, womit wir das erste Blatt unseres Buches eröffneten, und da sie überdies nur als Detail aus dem Leben unseres Helden interessiert, hielten wir es nicht für nöthig, unsere Leser damit zu unterhalten.

Plötzlich sah Carl Emanuel an dem Hofe von Turin ein ihm noch unbekanntes aber glänzendes Gestirn erscheinen, Welches zum Satelliten eines ziemlich matt schimmernden Sternes geworden war, wie dies Jeder ist, der nicht durch sich selbst leuchtet. Obgleich der Graf Urbano von Espalomba zu dem vornehmsten Adel des Landes gehörte, hatte er Mathilde von Cisterna geheiratet, eine der schönsten Blumen des Tales von Aosta.

Carl Emanuel war zwar, wie bereits erwähnt, achtundsechzig Jahre alt, aber er hatte seine Gewohnheiten der Galanterie bewahrt, welche ihn während seiner langen Regierung seinen Hof als einen Harem betrachten ließen, in welchem er nur sein herzogliches Taschentuch auszuwerfen brauchte. Geblendet durch die Schönheit der Gräfin von Espalomba gab er ihr daher zu verstehen, dass sie nur ein Wort zu sagen brauchte, um die wahre Herzogin von Savoyen zu sein; aber die schöne Gräfin sagte dies Wort nicht. Ihre Augen und ihr Herz waren nicht dem gemeinen Pharus des Ehrgeizes zugewendet, sondern der strahlenden Sonne der Liebe.

Sie hatte den Grafen von Moret gesehen; ihre achtzehn Jahre waren durch die zweiundzwanzig Jahre des jungen Prinzen angezogen worden; April und Mai flogen einander entgegen und verschmolzen in einem Kusse mit einander.

Der Graf von Espalomba hegte nur gegen den Herzog Argwohn; das Auge beständig auf Carl Emanuel gerichtet, sah er nichts, ahnte er nichts und unter dem Schutze der Eifersucht des betagten Gatten waren die beiden Liebenden glücklich.

Aber das Auge des Herrschers war scharfsichtiger als das des Ehemannes. Er erriet zwar nicht das, was war, aber er fürchtete das, was werden konnte, und da der Graf Urbano, welcher nicht reich, aber habgierig war, sich an den Hof begeben hatte, um die Gunstbezeigungen des Herzogs zu gewinnen, ernannte dieser ihn zum Gouverneur der Festung Pignerol und ertheilte ihm den Befehl, sich ohne Zögern auf seinen Posten zu begeben.

Dort verwahrte er die Gräfin wie einen reichen Edelstein in einem Schmuckkästchen, zu welchem er den Schlüssel besaß, so dass er gewiss sein konnte, den Diamant wiederzufinden, wann er wollte.

Die beiden Liebenden hatten bei ihrer Trennung viel geweint und sich gegenseitig ewige Treue geschworen; wie der Graf von Moret diesen Schwur hielt, haben wir gesehen.

Die schöne Mathilde war freilich gezwungen gewesen, ihren Eid zu halten; die Gelegenheiten, zu lieben, besonders nachdem sie den jungen und schönen Königssohn geliebt hatte, waren in Pignerol nicht leicht zu finden.

Mathilde hatte erfahren, dass der Graf sogleich nach ihrer Entfernung ebenfalls abgereist war; sie wusste es ihrem Geliebten Dank, dass er nicht an einem Hofe bleiben mochte, an welchem sie nicht mehr war, und seit achtzehn Monaten träumte sie nur von seiner Rückkehr.

Sie erfuhr daher auch mit der lebhaftesten Freude, dass zu den Festen, welche der Hof von Turin den beiden Prinzen geben wollte, ihr Gemahl eingeladen wurde, Pignerol zu verlassen und einige Tage in der Hauptstadt zuzubringen.

Die beiden Liebenden sahen sich wieder; ob die Freude über das Wiedersehen auf beiden Seiten mit gleicher Liebe gepaart war, wollen wir nicht behaupten, wohl aber brachten Beide das gleiche Jugendfeuer mit und dies gleicht in hohem Grade der Liebe.

Auch diesmal füllte indes dieser Strahl des Glückes nur kurz und flüchtig sein. Die Prinzen konnten nicht länger als einige Tage in Turin bleiben, aber da der Feldzug Monate und selbst Jahre dauern konnte, und da es vielleicht Gelegenheiten gab. sich öffentlich oder heimlich wieder zu sehen, trafen die beiden Zungen Leute ihre Vorkehrungen und in Folge der Andeutungen, welche seine schöne Freundin ihm gab, konnte der Graf von Moret einen genauen Plan von der Wohnung des Gouverneurs von Pignerol entwerfen, und indem er dies tat, bemerkte er mit unaussprechlicher Freude, dass das Schlafzimmer der Gräfin von Urbano und das ihres Geniales an den beiden entgegengesetzten Enden des Schlosses lagen.

Die Liebenden hatten sich übrigens auch noch in der Festung ein Einverständnis gesichert. Als nämlich die junge Gräfin das Tal von Aosta verließ, nahm sie ihre Milchschwester, Jacintha, mit sich, die nur einige Monate älter war, wie sie selbst, – eine Vorsichtsmaßregel, welche jede junge Frau treffen sollte, wenn sie einen alten Mann heiratet; denn die Milchschwestern sind die natürlichen Feindinnen der Convenienzheiraten und der unverhältnismäßigen Verbindungen.

Jacintha hatte in Selimo einen Bruder zurückgelassen, der zwei oder drei Jahre alter war wie sie, und es wurde verabredet, dass der Graf, wenn die Gelegenheit sich günstig zeigte, unter dem Namen Gaetano als dieser Bruder kommen sollte.

Nichts ist aber natürlicher, als dass ein Bruder, der seine Schwester besucht, in dem Hause bleibt, in welchem sie wohnt, besonders wenn dies Haus ein Schloss ist, in welchem nur zehn bis zwölf Personen sich aufhalten, wenn ganz bequem fünfzig darin Platz hätten,

Waren die beiden Liebenden unter einem Dach, dann müssten sie sehr ungeschickt gewesen sein, hätten sie nicht Mittel ausfindig zu machen gewußt, sich Frei- oder viermal des Tages zu sehen und sich während der Nacht wenigstens einmal zu sagen, wie sehr sie sich liebten.

Dies Alles war an dem ersten Tage besprochen worden, an welchem unsere Liebenden sich wieder trafen, so sehr waren sie Leute der Vorsicht und so sehr dachten sie an die Zukunft, so wenig man sich mich in ihrem Alter für gewöhnlich um dieselbe zu kümmern pflegt.

Fügen wir noch hinzu, dass diese kleinen Verabredungen getroffen wurden, während der Graf Urbano, der – wie bereits erwähnt wurde – nur gegen den Herzog Argwohn hegte, keine Bewegung desselben aus dem Auge verlor. Der Herzog hatte indes entweder die Hoffnung verloren, die Liebe der Gräfin zu gewinnen, oder er verzichtete mit der gewöhnlichen Unbeständigkeit seines Charakters auf seine Wünsche rücksichtlich der Gräfin; genug, er gab ihrem Gemahle diesmal keine andere Veranlassung zur Unzufriedenheit, als dass er demselben eine Erhöhung des Einkommens unter dem Vorwand verweigerte, seine Finanzen wären furchtbar in Anspruch genommen, so dass er an die Ergebenheit und Aufopferung seiner Untertanen appellieren müsste.

Der Herzog von Montmorency seinerseits war der glücklichste Mensch auf der Erde. Jung, schön, reich, der Träger des schönsten Namens in ganz Frankreich nach dem des königlichen Geschlechtes; wohlgelitten von den Frauen, geliebkost von dem Herrscher eines der glänzendsten und aristokratischesten Höfe Europas, blieb seiner Eitelkeit nichts zu wünschen, besonders nachdem der Herzog, als er nach der Tafel mit ihm in den Ballsaal trat, zu ihm gesagt hatte:

»Herr Herzog, seitdem Ihr hier seid, beschäftigen unsere Damen sich nur damit, in Euren Augen schön zu erscheinen; davon könnt Ihr Euch überzeugen, indem Ihr die Ehemänner so sorgenvoll und so melancholisch sehet.«

Die acht Tage, welche die beiden Abgeordneten theils in Turin, teils in dem Schlosse Ravoli zubrachten, verflossen unter Festmahlen, Bällen, Cavalcaden und Festen aller Art, und das Resultat derselben war, dass der Kardinal und der Prinz Victor Amadeus sich in dem Schlosse Rivoli sehen sollten, oder – wenn dies dem Kardinal lieber wäre, in dem Dorfe Bussolino.

Der Kardinal wählte das Dorf Bussolino; da es nur eine Stunde von Susa entfernt lag, musste der Prinz von Piemont ihm entgegenkommen, nicht aber er dem Prinzen von Piemont.

XIX.
Der Kardinal beginnt den Feldzug

Die Discussion war lebhaft; zwei gleich geschickte und gleich hartnäckige Diplomaten standen dabei einander gegenüber.

Carl Emanuel wünschte weniger den Frieden für sich, als einen blutigen Kampf zwischen Österreich und Frankreich, einen Kampf, bei welchem er so lange neutral geblieben wäre, bis sich eine Gelegenheit gefunden haben würde, einen großen Vortheil durch die Entscheidung für die eine oder die andere Partei zu erlangen.

Aber der Kardinal hatte bereits den Tag, an welchem er den Krieg mit Österreich beginnen wollte, festgesetzt; es war der an welchem Gustav Adolf in Deutschland einbrechen würde.

Der Kardinal stellte daher an Victor Amadeus die Frage:

»Was verlangt Savoyen dafür, dass es auf die Seite Frankreichs tritt, und dem Könige einige feste Plätze und zehntausend Mann zur Verfügung stellt?«

Victor Amadeus war auf diese Frage vorbereitet; er antwortete:

»Der König von Frankreich wird Mailand und Genua angreifen, mit denen Piemont im Kriege ist, und sich verpflichten, einen Frieden mit Österreich nicht eher einzugehen, bis Mailand und Genua unterworfen sind.«

Das war ein neuer Gesichtspunkt, unter welchem sich die Frage darstellte und der mit den Ereignissen im Zusammenhang stand, die sich seit dem Frieden von Susa zugetragen hatten.

Der Kardinal schien über diesen Vorschlag erstaunt zu sein; er zögerte jedoch nicht mit der Antwort.

»Wie, Prinz!« sagte er, »der König entsendet seine Armee, um die Freiheit Italiens sicherzustellen, und der Herzog von Savoyen möchte ihn verpflichten, die Republik Genua, über die uns zu beklagen wir keinen Grund haben, zu zerstören? Das wird nie geschehen! Vielleicht werden uns die Spanier zwingen, Mailand zu erobern, dann aber werden wir es auch für uns behalten und Niemand soll es uns entreißen.«

War die Frage kurz und bündig, so war es die Antwort nicht minder; Victor Amadeus verlangte einige Tage Frist, um dieselbe seinem Vater zu hinterbringen.

Nach drei Tagen kehrte er in der Tat nach Bussolino zurück.

»Mein Vater,« sagte er, »hat Ursache, zu fürchten, dass mein Schwager Ludwig sich mit dem Könige von Spanien verständigt, sobald der Krieg begonnen ist. Die Klugheit gestattet ihm daher nicht, sich für Frankreich zu erklären, man müsste ihm denn ganz entschieden erklären, die Waffen erst nach der Eroberung Mailands niederzulegen.«

Richelieu antwortete darauf, indem er die Erfüllung des Vertrages von Susa verlangte.

Victor Amadeus erklärte, er müsste dazu seinen Vater befragen, reiste ab und kehrte sogleich zurück, um zu sagen: »Der Herzog von Savoyen ist bereit, den Vertrag unter der Bedingung zu erfüllen, dass man ihn zunächst mit seinen 10.000 Mann Fußvolk und 1000 Mann Reiterei die Republik Genua angreifen und diese Angelegenheit beendigen lässt, bevor man ihn zu einer andern zwingt.«

»Ist das Euer letztes Wort, mein Prinz?« fragte der Kardinal.

»Ja, Monseigneur,« sagte Victor Amadeus, sich erhebend.

Der Kardinal schlug an ein Glöckchen.

Latil erschien.

Der Kardinal machte ihm ein Zeichen, näher zu treten.

Latil gehorchte.

Da sagte ihm der Kardinal leise:

»Der Prinz wird sich gleich von hier entfernen; sorgt dafür, dass ihm keine der Wachen die militärischen Ehrenbezeigungen leiste.«

Latil ging hinaus; der Kardinal hatte ihm den Auftrag gegeben, weil er dabei sicher war, denselben buchstäblich erfüllt zu sehen.

»Prinz,« sagte,der Kardinal Richelieu zu Victor Amadeus, »ich habe für den Herzog von Savoyen, im Namen des Königs, meines Gebieters, alle Rücksichten genommen, die ein König von Frankreich nicht nur für einen regierenden Fürsten, sondern für seinen Oheim nehmen kann; ich habe eben so im Namen des Königs, meines Gebieters, Euch selbst die Rücksicht bewiesen, die ein Schwager dem Gemahl seiner Gattin bezeigen kann; aber ich glaube, dass ich meine doppelte Pflicht als Minister und als Generalissimus verletzen würde, wenn ich noch länger zögerte; ich glaube, dass der Ruhm Seiner Majestät verlangt, mit aller Strenge die Beleidigung zu bestrafen, welche der Herzog von Savoyen ihm zugefügt hat, indem er so oft sein Wort unerfüllt ließ, besonders aber indem er das französische Heer Unannehmlichkeiten und Entbehrungen aussetzte, die dessen Untergang hätten herbeiführen können. Von heute, den 17. März an, der Kardinal zog seine Uhr und sah nach der Stunde, von heute, den 17. März, sechs drei Viertel Uhr Abends an ist daher der Krieg zwischen Frankreich und Savoyen erklärt! – Hütet euch deshalb und wir werden dies ebenfalls tun!

Der Prinz entfernte sich.

Zwei Schildwachen gingen vor der Tür des Kardinals, die Hellebarde auf der Schulter, auf und ab.

Victor Amadeus schritt zwischen ihnen hindurch, ohne dass sie ihn zu beachten schienen; sie blieben weder stehen, noch nahmen sie ihre Hellebarden von der Schulter.

Auf der Stiege saßen Soldaten, welche Würfel spielten; sie rührten sich nicht und setzten ihr Spiel ruhig fort.

»Oho!« murmelte der Prinz, »sollte diesen Leuten der Befehl gegeben worden sein, mich zu beleidigen?«

Er zweifelte noch, aber als er die Schwelle des Hauses überschritten hatte, zweifelte er nicht mehr.

Die Soldaten, die ihn kannten, da sie ihn hineingehen gesehen hatten, beachteten ihn ebenso wenig, als ob er ein Lakai gewesen wäre.

Kaum hatte der Prinz den Kardinal verlassen, als dieser den Grafen von Moret, den Herzog von Montmorency und die Marschälle Créqui, de la Force und Schomberg zu sich berief, ihnen die Situation klar machte und sie um ihren Rat fragte.

Alle waren der Ansicht, da der Kardinal den Krieg erklärt hatte, müsste derselbe sofort beginnen.

Der Kardinal verabschiedete sie und befahl ihnen, sich für den folgenden Tag bereit zu halten. Den Herzog von Montmorency behielt er bei sich.

»Herzog,« sagte er, »wollt Ihr morgen Connetable sein?«

In den Augen des Herzogs zuckte ein Blitzstrahl der Freude.

»Ich hoffe, Monseigneur.« sagte er. »dass Ihr nur Menschenmögliches von mir verlangen werdet, da Ihr mir den Zielpunkt meines Strebens so nahe vor die Augen rücket.«

»Etwas sehr Leichtes im Gegenteile. Der Krieg zwischen uns und Savoyen ist erklärt. Binnen zwei Stunden wird der Herzog bereits Kenntnis von meiner Kriegserklärung haben. Er befindet sich im Schlosse Rivoli; nehmet fünfzig gut berittene Leute, geht nach Rivoli, umzingelt das Schloss, entführt den Herzog und seinen Sohn und bringt dieselben ins Lager; wenn wir sie hier haben, können wir mit ihnen machen, was wir wollen, und sie werden froh sein, eines billigen Kaufes loszukommen.«

»Monseigneur,« sagte der Herzog, »vor acht Tagen befand ich mich in demselben Schlosse Rivoli als Gast des Herzogs und Euer Abgeordneter; es ist mir daher unmöglich, dasselbe heute verrätherisch als Feind zu überfallen,.«

Der Kardinal blickte den Herzog an.

»Ihr habt Recht, Herzog,« sagte er; »man macht einen solchen Vorschlag einem Abenteurer, der sein Glück anstrebt, und nicht einem Montmorency. Ich habe übrigens schon meinen Mann dazu. Ich werde mich an Eure Weigerung erinnern und Euch dieselbe Dank wissen. Ich bitte nur, zu vergessen, dass ich den Vorschlag machte.«

Montmorency verbeugte sich und ging.

»Ich hatte Unrecht,« sagte der Kardinal zu sich selbst; »die Gewohnheit, mich der Menschen zu bedienen, erzeugte in mir für dieselben ein Gefühl von Verachtung, welches zu allgemein war. Jeder Andere wäre vielleicht auf meinen Vorschlag eingegangen, er aber ist ein biederes Herz; und obgleich er mich nicht liebt, würde ich eher seinem Hasse mich anvertrauen als der viel gerühmten Ergebenheit gewisser Leute.«

Dann schlug er zweimal an die Glocke. »Stephan! Stephan!« rief er. Latil erschien.

»Kennst Du das Schloss Rivoli?« fragte der Kardinal.

»Das, welches eine Meile von Turin liegt?«

»Ja. Es ist in diesem Augenblicke von.dem Herzog von Savoyen und seinem Sohne bewohnt.«

Latil lächelte.

»Es wird dort ein Handstreich zu verüben sein. Nicht wahr?«

»Welcher? Wenn Du so gut raten kannst.«

»Der, dass man sie Beide gefangen nimmt.«

»Würdest Du das ausführen?«

»Parbleu! Warum nicht?«

»Wie viel Leute wirst Du dazu brauchen?«

»Fünfzig, gut bewaffnet und gut beritten.«

»Suche Dir selbst Leute und Pferde aus. Wenn Ihr glücklich seid, so gibt es bei der Rückkehr 50,000 Livres für die Leute, 25,000 Livres für Dich.«

»Die Ehre, den Streich vollführt zu haben, würde mir allein genügen, wenn aber Ew. Eminenz durchaus irgend eine sichtbare Belohnung beifügen wollen, so werde ich dieselbe als der gehorsame Diener Ew. Eminenz nicht verschmähen.«

»Hast Du noch eine Bemerkung zu machen, Latil?«

»Eine einzige.«

»Welche?«'

»Bei solchen kühnen Handstreichen, wie ich ihn ausführen soll, kann ein Zufall das Gelingen vereiteln, ohne dass die Schuld an mir oder an den Leuten läge; in solchem Falle würden wir für unsere Mühe und Gefahr nichts erhalten. Gebt uns im Falle des Gelingens weniger, Herr Kardinal, aber gebt uns auch im Falle des Misslingens eine Kleinigkeit.«

»Du hast Recht, Stephan, und deine Bemerkung zeigt, dass Du kein schlechter Politiker bist; also 1000 Livres für dm Mann und 25.000 für Dich, wenn er gelingt, zwei Louisd'or für den Mann und 25 für Dich, wenn er misslingen sollte.«

»Das heiße ich reden, Monseigneur. Es ist jetzt sieben Uhr; man braucht drei Stunden, um nach Rivoli zu gelangen; um zehn Uhr wird das Schloss umzingelt sein und das Übrige von meinem Glücke oder meinem Unstern abhängen.«

»Geh, mein wackerer Latil, und sei überzeugt, dass ich auch im Falle des Misslingens wissen werde, dass es nicht deine Schuld ist.«

Latil machte einige Schritte gegen die Tür, dann wandte er sich um.

»Haben Monseigneur von dem Vorhaben mit Niemand außer mir gesprochen?« fragte er.

»Mit einer einzigen Person.«

»Ventre-Saint-Gris, wie Heinrich IV. zu sagen pflegte, das nimmt uns fünfzig Aussichten von hundert.«

Richelieu zog die Augenbrauen zusammen.

»O,« sagte er halblaut, »dass er es abschlug, war gut, wenn er aber verriete, das wäre schlecht, sehr schlecht,«

Dann wandte er sich zu Latil.

»Für alle Fälle nimm Dich zusammen, und wenn Du den Kürzeren ziehst, werde ich es Dir, wie gesagt, nicht nachtragen.«

Zehn Minuten später ritt ein kleiner, aus etwa fünfzig Reitern bestehender Trupp, der von Stephan Latil geführt wurde, an den Fenstern des Kardinals vorüber, der den Anführer freundlich grüßte.

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10 aralık 2019
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