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Kitabı oku: «Der Secretair der Marquise Du-Deffand», sayfa 32

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Vierzehntes Kapitel

Augustine erhielt den Auftrag, und acht Tage später erblickte Frau von Albon von ihrem Balkon aus den Genesenden, blaß und sich kaum aufrecht haltend, auf der Straße. Er begrüßte sie tief; sie antwortete ihm mit einem freundlicheren Lächeln, als gewöhnlich, doch zog sie sich rasch zurück.

Am folgenden Tage kam er wieder, und jeden Tag zeigte sie sich ein wenig länger.

– Madame, sagte Augustine, hier ist noch eine Einladung; er möchte mit Ihnen reden.

– Das geht nicht an.

– Madame, er wird noch einmal versuchen, sich zu tödten.

– Ich bin trostlos darüber, aber es muß dabei bleiben.

– Wissen Sie, die Sache ist sehr schwierig, und ich möchte nicht an Ihrer Stelle sein.

– Auch ich nicht.

Dieses naive Wort entfuhr ihr, aber es zeigte sich deutlich, was sie in dem Augenblick empfand.

Ein überwindlicher Zauber zog sie zu diesem jungen Manne hin; sie überraschte sich dabei, wie sie ihn stundenlang ansah, wohl verborgen, wie sie glaubte, Luftschlösser baute und Chimären ausdachte, die sie sehr weit wegführten. Er hatte ein so ausgezeichnetes Aussehen, ein so bezauberndes Benehmen – es mußte ein verkleideter Prinz sein, nie hatte ein Conditor eine solche Tournüre gehabt.

Die neue Forderung konnte indessen nicht bewilligt werden: ihn bei sich zu sehen! ihn zu sprechen! Wofür hielt man sie? Was mußte ihre Kammerjungfer davon denken? Wohin sollte das führen? Sie brachte die Nacht mit Nachdenken zu; sie prüfte ihr Herz und fand ein Gefühl darin, welches der Tyrann ihres Lebens geworden war, es riß sie mit sich fort, es mußte sie zu Grunde richten. Sie war noch Herrin ihrer selbst; sie fühlte, daß sie fliehen müsse und daß die Flucht ihr allein Sicherheit gewähren könne.

Am folgenden Morgen beim Erwachen ertheilte sie Befehle, und Fräulein Augustine wurde bestürzt, als sie erfuhr, daß man noch an demselben Tage nach Lyon abreise. Sie versuchte einige Bemerkungen zu machen, aber man legte ihr Schweigen auf, und zwei Stunden später stieg die ganze Hausgenossenschaft in den Wagen, so daß die Kammerjungfer nur kaum Zeit hatte, den Chevalier davon zu benachrichtigen.

Frau von Albon reiste traurig ab; sie sprach kaum mit ihren Leuten und kam in dem Augenblick in Lyon an, wo man sie am wenigsten erwartete. Sie schützte Unruhe, Unbehagen und die Sehnsucht vor, ihre Tochter wiederzusehen. Es wurde ein wenig davon gesprochen, aber man vergaß es.

Drei Monate später verließ Herr von Albon Lyon wegen einer Geschäftsreise, und er sollte lange ausbleiben. Frau von Albon war seit ihrer Rückkehr traurig; sie floh die Gesellschaft, sie schloß sich ein und jedesmal, wenn Augustine den Namen Louis Giraud aussprach, brachte sie sie zum Schweigen.

– Mein Gott! Madame, vielleicht ist er jetzt todt, sagte sie eines Tages zu ihr.

– Oder getröstet, antwortete die Marquise.

Der Gouverneur der Provinz war in diesem Augenblick in Lyon; er gab dort Festlichkeiten und bat Frau von Albon vergebens, dabei zu erscheinen. Sie weigerte sich entschlossen. Indessen sprach man von einem Tage der Unterhaltungen in einem schönen Schlosse, ganz nahe bei der Stadt, worauf ein Ball bei Nacht und ein wunderbares Abendessen folgen sollte. Mehrere Boten waren an Sie abgeschickt worden; sie beharrte bei ihrer Weigerung; endlich am Tage vorher meldete einer von ihren Leuten den Herzog von Pecquigny an, der von dem Gouverneur geschickt wurde und augenblicklich um die Gunst bat, mit der Marquise sprechen zu dürfen.

Ihn abzuweisen, würde unhöflich gewesen sein; sie gab den Befehl, ihn hereinzuführen, indem sie die gesellschaftlichen Pflichten verwünschte, die sie ihren Träumereien entzogen.

Der Herzog trat ein; sie erhob die Augen zu ihm und wurde blaß wie ein Gespenst. Es war das lebendige Bild Louis Giraud's,

Er sprach. Es war seine Stimme. Er sah sie an. Es war sein Blick.

Sie drückte die Hand auf ihr Herz, welches sehr rasch schlug, und ohne ein Wort hervorbringen zu können, deutete sie auf einen Stuhl.

Der Herzog setzte sich und begann einige unterbrochene Sätze, er war ebenso aufgeregt, wie sie.

Der Herzog war mit dem Herzog von Villeroy, mit dem Freunde seines Vaters, des Herzogs von Chaulnes, gekommen, um diese Provinz zu besuchen, die er noch nicht kannte; er war bei allen Festlichkeiten zugegen und suchte vergebens die schöne Marquise von Albon, die Blüthe der Schönheit, die Gottheit dieses Ortes; sie lebte beharrlich in einer unzugänglichen Einsamkeit, sie floh die, welche sie aufsuchten und sich mit solcher Leidenschaft ihr zu nähern wünschten. Er hatte sich die Freiheit genommen, von Seiten des Gouverneurs, von Seiten der ganzen Gesellschaft sie zu beschwören, am folgenden Tage bei diesem Feste zu erscheinen, und er hoffe, daß sie ihm nicht die Schande und den Schmerz einer Weigerung bereiten werde.

Frau von Albon antwortete einfach:

– Ich werde kommen, mein Herr.

Der junge Herzog sah, daß dies eine Verabschiedung sein sollte, und entfernte sich.

Die arme Frau kannte sich selbst nicht mehr, ihr Kopf und ihr Herz waren in Verwirrung und sie fragte sich, ob sie nicht träume.

War er es? war es eine unwahrscheinliche, unerhörte Aehnlichkeit? Wie sollte sie es erfahren? Sie konnte ihn nicht darnach fragen, und würde er es von selber sagen?

– Ah! wenn er es ist, dachte sie, wird er sich verrathen.

Am folgenden Tage machte sie sich so schön, wie drei Stunden der Toilette und die Kunst von drei Kammerjungfern dazu beitragen konnten. Sie sah Augustine an, die eine unerschütterliche Fassung.behauptete; sie hatte wohl hundertmal eine Frage auf den Lippen, die sie würde compromittirt haben; sie hatte so viel Stärke, sich Gewalt anzuthun.

Die erste Person, die sie bei dem Feste erblickte, war der Herzog von Pecquigny; er schien sie zu erwarten und eilte ihr entgegen, um ihr seine Hand anzubieten. Er verließ sie nicht wieder – zärtlich, zuvorkommend, bezaubernd, wendete er alle Mühe an, ihr zu gefallen, richtete die zierlichsten Komplimente und die verliebtesten Blicke an sie, die er wagen konnte, ohne die Aufmerksamkeit der Neugierigen zu erregen.

Er suchte sie in die blühenden Gebüsche zu führen, wo die Gesellschaft sich nach Gefallen zerstreut hatte, Sie hatte sich mit einer häßlichen und beharrlichen Freundin versehen, die sie nicht verließ und die sie selber verwünschte, als ihre große Tugend ihrem Herzen nachgab.

Es gibt solche Tugenden nur in der Provinz, Der Zweifel dauerte noch fort. Zwei Zwillinge, zwei Blumen auf demselben Stengel hätten einander nicht ähnlicher sein können. Indessen war er es?. Sie versuchte durch eine Unbesonnenheit aus der Verlegenheit zu kommen; sie sprach von dem Kirchhofe Saint-Medard. Gab sie ihm dadurch nicht Veranlassung, sich zu erklären? Um so mehr, da die Freundin nichts davon verstand.

– Ich habe diese Unglücklichen gesehen, sagte sie, nachdem sie die Unterhaltung darauf hingeführt hatte, ich habe sie mit Kummer und Mitleid gesehen; es sind, glaube ich, wenn nicht gefährliche, doch wenigstens unglückliche Fanatiker.

– Ich habe sie auch gesehen, antwortete er unbefangen. Ich bin dorthin gegangen, wie alle Welt, und wie Sie auch ohne Zweifel, Frau Marquise, unter einer Verkleidung; es wäre unbesonnen gewesen, sich ihnen ohne diese Vorsicht zu nähern.

Sie erröthete bis an die Haare; er mußte es sein! Die Freundin machte der Sache ein Ende.

– Man sagt hier, daß der Kirchhof Saint-Medard ein gefährlicher Ort sei, wo eine Menge galanter Intriguen angeknüpft werde, und wohin eine anständige Frau nicht gehen könne, ohne für das gehalten zu werden, was sie nicht sei.

– Sie mögen Recht haben, Madame. Viele gemeine Intriguen schreiben sich von jenem Orte her; aber ich weiß, daß wenigstens ein Gefühl aus einem thörichten Scherze hervorgegangen, welches für den, der es empfindet, eine ernste und geheiligte Sache ist, der Zweck seines Lebens, seine einzige Hoffnung auf Glück.

– Sie sind es gewiß selber, gnädigster Herr.

– Ja, Madame, ich bin es.

– Sollten Sie unter den Krampffanatikerinnen eine künftige Herzogin von Pecquigny gefunden haben?

– Erlauben Sie mir, diese Frage nicht zu beantworten, Madame.

Es war geschehen, er hatte Alles gesagt. Frau von Albon wurde so unruhig, daß selbst ihr Schatten es bemerkte.

– Was ist Ihnen, Madame? fragte sie; Sie erblassen. Wollen Sie mein Eau de Luce oder meine Tropfen der Königin von Ungarn?

– Ich danke Ihnen, Madame, ich bin nur ermüdet. Ich bin nicht an dieses Geräusch und diese große Gesellschaft gewöhnt. Ich möchte gern nach Hause zurückkehren,

– Wenigstens nicht vor dem Abendessen und dem Ball, Madame.

– Ich weiß nicht, gnädigster Herr! ich würde viel besser gethan haben, gar nicht zu kommen.

Diese Unruhe, diese Worte, diese Befürchtungen waren ebenso wie Geständnisse, die sie nicht unterdrücken konnte. Der glückliche junge Mann verstand es wohl. Er fürchtete, sie zu erschrecken, wenn er dieses Glück zeige, und war bemüht, den Ausdruck desselben zu mäßigen. Er erlaubte sich nicht einen Blick, womit sie sich waffnen konnte, um sich von ihm zu entfernen. Als sie sich entfernen wollte und er sie zu ihrem Wagen führte, drückte er ihr nicht einmal die Hand,

Als sie nach Hause zurückkehrte, kam ihr Augustine entgegen und sie schlug die Augen vor ihr nieder. Sie zitterte wegen ihres Geheimnisses. Am folgenden Tage kamen der Gouverneur und der Herzog von Pecquigny zusammen, und sie mußte sie empfangen. Der Herzog von Villeroy lud sie zur Mittagstafel in das Gouvernement ein, wohin sie sich begab. Wie konnte sie es auch abschlagen?

Ueberall traf sie den Herzog von Pecquigny, und überall erhielt sie neue Proben von seiner Leidenschaft und von seinem unveränderlichen Respect; sie liebte ihn von ganzer Seele und fühlte sich unfähig, es ihm länger zu verbergen. Sie wählte zum zweiten mal die Flucht, das beste Schutzmittel, wenn es zur rechten Zeit angewendet wird.

Sie begab sich in die Tiefe einer sehr wilden Gegend. Sie nahm Augustine nicht mit, denn sie fürchtete sie! Sie nahm ihre Milchschwester, die Frau eines Bürgers Namens Lespinasse mit; Beide waren ihr im Leben und Tode ergeben.

Acht Tage vergingen, die ihr wie acht Jahrhunderte erschienen; am neunten befand sie sich allein und träumerisch in einem Pavillon am Ende des Parks fern von ihren Leuten und fern vom Schlosse; sie beweinte ihren unheilvollen Muth; sie klagte sich selber wegen ihrer Leiden und wegen der des vollkommensten Liebhabers an, der je gelebt. Die Thür ging auf und er trat ein.

In einer Secunde lag er zitternd und blaß zu ihren Füßen und flehte sie um Verzeihung an, durch sein Schweigen, welches beredter und überzeugender war, als die längsten Reden. Er fand sie in einem Augenblick der Schwäche und der Reue – sie reichte ihm die Hand, sie verzieh ihm; eine Viertelstunde später hatten sie keine Geheimnisse mehr für einander, und als am folgenden Tage die kleine Lespinasse bei ihrer Milchschwester eintreten wollte, glaubte sie zwei Stimmen zu hören, die sich mit einander unterhielten.

Wenn man geliebt hat, wird man leicht errathen, was zwischen den Liebenden vorging, und es wird unnöthig sein, daß ich es erzähle.

Fünfzehntes Kapitel

Diese Liebe war wie ein schöner Roman. Der Herzog und die Marquise liebten einander mit Leidenschaft. Das Fräulein von Lespinasse machte, wie wir sehen, ihren Eltern keine Schande. Um ungestörter zu sein, blieben sie an eben diesem Zufluchtsorte, ohne andere Vertraute oder Gesellschaft, als die Milchschwester, die eine dienstfertige und zuverlässige Freundin war, von der nicht zu erwarten stand, daß sie sie verrathen werde

Aber die leidenschaftliche Liebe hat immer ein schmerzliches Ende; es scheint, als ob sie selber die Katastrophe herbeiruft und den Keim ihres Verderbens in sich trägt.

Herr von Albon hatte einen Vetter, der seit langer Zeit ein Auge auf die Marquise hatte und den günstigen Augenblick erwartete, bis zu ihrem Herzen zu gelangen. In der Provinz weiß man Alles, und so erfuhr er in seinem Versteck das Verschwinden des schönen Pecquigny, und mit einiger Geschicklichkeit und einigen Goldstücken, die er Augustinen gegeben, welche wüthend war, eine Nachfolgerin in ihren Functionen zu haben, erfuhr er Alles, was er wissen wollte. Es war ein Mann von festem Willen und Entschlossenheit, einer von den Männern, die, auf der untersten Stufe der menschlichen Gesellschaft stehend, gewöhnlich Verbrecher und Mörder werden.

Er umspürte das Schloß, wo Niemand eintrat; er versicherte sich auch, daß Niemand herauskam, und daß die Marquise mit ihrer Milchschwester und einigen Dienern allein war. Von dem schönen Herzog war nicht die Rede! Man verbarg ihn offenbar. Das mußte er erfahren.

Plötzlich kam er mit großem Geräusch an, verlangte, daß man die Gitterthore öffne, und rief, daß er der Vicomte de Saint-Luc, der Vetter des Herrn von Albon sei und in einem Auftrage von ihm komme.

Man verweigerte ihm Anfangs den Eintritt, man gab ihm die Versicherung, daß die Frau Marquise nicht da sei; als er aber darauf bestand und gelobte, daß er nicht gehen wolle, ohne sie gesehen zu haben, kam ein Befehl, ihn eintreten zu lassen.

Frau von Albon empfing ihn mit all ihrer Würde und fragte, wie er wagen könne, so mit Gewalt in ihre Thür einzudringen, und mit welchem Rechte er überhaupt dorthin komme.

– Zuerst, weil ich von meinem Vetter komme, und dann, weil ich Sie liebe.,

– Sie lieben mich!

– Oh! bereiten Sie sich nicht auf Ihre Strenge vor, meine Cousine Ich liebe Sie freilich, wenn auch nicht wie ehemals, sondern nur als Freund: und als Freund komme ich, Sie von dem zu benachrichtigen, was vorgeht, so wie von dem, was man von Ihnen sagt, um zu versuchen, der Sache ein Ende zu machen.

– Ich verstehe Sie nicht, mein Herr.

– Versuchen Sie nicht, sich zu verstellen, meine Cousine, ich weiß Alles.

– Und was wissen Sie, mein Herr?

– Mein Gott, ich weiß, daß der Herzog von Pecquigny hier bei Ihnen ist, daß Sie einander wie in den Romanen lieben, daß Sie einander in Paris auf dem Kirchhofe Saint-Medard unter einer doppelten Verkleidung kennen gelernt. Zuerst war es Louis Giraud, dann der Chevalier de Pontcarré, und dies Alles verbirgt den Sohn des Herzogs von Chaulnes

Er wußte Alles! Frau von Albon hatte den Muth, Alles kühn zu leugnen; sie schrie über Verleumdung, sie ging sogar so weit, ihm anzubieten, im Schlosse zu bleiben, um sich zu überzeugen, daß sie allein da sei, indem sie sich auf Julie Navarre verließ, die ihr versprochen hatte, Alles anzuordnen.

Der Vicomte nahm sie beim Wort und blieb da. Er bewohnte das Zimmer des Marquis, welches ihm angeboten wurde, und von dort aus stellte er seine Beobachtungen an, indem er das größte Vertrauen erheuchelte.

Er sah ein, daß man den Herzog verborgen habe; er sah auch ein, daß während des Tages nichts zu sehen oder zu beobachten sei, daß man aber in der Nacht zusammenkommen werde, und wäre es auch nur um zu verabreden, was man thun müsse. Folglich blieb ihm nichts übrig, als die Zugänge zu dem Zimmer der Marquise zu bewachen und ein vollständiges Vertrauen zu zeigen.

Da er ein Meister in der Verstellungskunst war, machte es ihm keine Mühe, zwei harmlose Frauen zu hintergehen, die sich in ihren Vertheidigungsmitteln sehr sicher glaubten, und die keine bestimmte Kenntniß von seinem teuflischen Charakter hatten,

Herr von Saint-Luc zeigte sich als ein ergebener, aufrichtiger Freund und ein zärtlicher Rathgeber. Er beklagte seine Cousine, daß sie einer üblen Nachrede ausgesetzt sei,.die sie nicht verdiene, und bot ihr seinen Beistand an, um sie sowohl gegen ihren Gemahl als auch gegen die öffentliche Meinung zu vertheidigen.

– Denn ich kann besser, als irgend Jemand bezeugen, fügte er hinzu, daß Sie hier sehr unschuldig leben; ich sehe, es, man wird es mir glauben, zweifeln Sie nicht daran, und beruhigen Sie sich.

Als er den Argwohn eingeschläfert hatte, begann er nach einigen Tagen zu handeln. Er schloß sich scheinbar in sein Zimmer ein, wenn er am Abend zurückkehrte, aber er bereitete sich einen Ausgang über eine kleine Treppe, die ziemlich entfernt von seinem Zimmer war. Die Ausgänge waren freilich vernagelt, aber mit Geduld und Anstrengung stellte er sie wieder her.

Eines Abends, als er seiner Sache gewiß war, versteckte er sich im Gehölz, dem Zimmer der Marquise gegenüber. Er versah sich mit einer Flinte, einer leichten und sichern Waffe; man wußte nicht, was geschehen konnte.

Er sah den Herzog sehr deutlich, von Julien geführt, eintreten; er zählte die Stunden des tête-à-tête, und als der Liebhaber, noch immer von der treuen Freundin begleitet, von Frau von Albon kam, folgte er ihnen aus der Ferne, um den Ort zu erfahren, wo man ihn verbarg.

Mit Filzschuhen versehen, machte er kein Geräusch. Herr von Pecquigny verließ das Schloß und wurde zu einem Pavillon geführt – zu demselben, wo er die Marquise überrascht hatte. Man hatte hier geschickt einen Versteck angebracht, nicht zu diesem Zweck, sondern um zur Zeit der Ligue dort Waffen zu verbergen, oder vielleicht auch, um hier einen wichtigen Gefangenen unterzubringen. Die Marquise kannte diesen Versteck; sie ließ sich nicht träumen, daß sie sich desselben eines Tages bedienen würde.

Der Plan des Vicomte war bald entworfen. Der Liebhaber ging gerade unter seinem Fenster vorüber, welches sich im unteren Stock befand, um zu seiner Geliebten zu gelangen; nichts war leichter, als es offen zu halten, sich auf die Lauer zu stellen und eine Kugel auf den nächtlichen Besucher abzuschießen. Der Vorhand war auch nicht schwer zu finden: zu dieser Stunde umschleichen nur Diebe die Wohnungen, wenn sich im Hause nur rechtschaffene Frauen befinden, und die Tugend der Marquise war ihm zu wohl bekannt, als daß er daran zweifeln konnte.

Julie führte den Herzog nur an die Thür des Schlosses, welche sich leise hinter ihm schloß. Er ging gleichfalls allein durch einen langen Baumgang, gerade vor dem verrätherischen Fenster. Alles war also sicher, unfehlbar. Er rächte sich, er rächte seinen Vetter, und er compromittirte nicht zu sehr den Ruf seiner Cousine, obgleich man im Falle einer Entdeckung ihre Mitschuld nicht leugnen konnte.

An diesem ganzen Tage zeigte er sich bezaubernd; er kündigte seine nahe bevorstehende Abreise an; er zeigte sein Bedauern, eine lebhafte und uneigennützige Freundschaft und ein unbedingtes Vertrauen. Die Marquise war glücklich, ihn unrichtig beurtheilt zu haben, und über die in ihm vorgegangene Veränderung. Sie verließen einander fast nicht, und als sie sich nach dem Souper trennten, wünschte ihr der Vicomte einen guten Abend und küßte ihr zärtlicher als gewöhnlich die Hand.

Er hielt seine Fensterladen geschlossen, oder doch nahe zusammen, das Fenster offen, die Flinte gespannt und wartete. Es währte nicht lange, bis der Herzog am Ende der Allee erschien. Er ging vorsichtig, damit der Sand unter seinen Füßen nicht knirschen möchte, blickte um sich und schien einen Ueberfall zu fürchten. Sein über die Augen gezogener Hut und sein weiter Mantel machten ihn unkenntlich; indessen täuschte sich sein Feind nicht

Als er ihn nahe genug hatte, öffnete er die Fensterladen ein wenig. Das Geräusch, so leicht es war, beunruhigte den Liebenden; er blieb stehen und machte es so seinem Mörder noch leichter. Er legte auf ihn an, wie auf einen Hasen, gab Feuer und sah ihn unter dem Schusse fallen. Dann sprang er aus dem Fenster und schrie: »Ein Dieb! ein Dieb!« rief das ganze Haus herbei und lief mit allem Anschein des wohl gerechtfertigten Eifers auf sein Opfer zu.

Die Bedienten erwachten, aber vor ihnen waren die Marquise und Julie erschienen. Die Marquise lief, halb wahnsinnig vor Schmerz, mit fliegenden Haaren und im Nachtgewande in die Allee und stieß ein herzzerreißendes Geschrei aus, während Julie sich vergebens bemühte, sie zum Schweigen zu bringen, und sie erinnerte, daß sie für ihren Ruf und ihre Würde zu sorgen habe.

– Mein Gott! rief die arme Frau, mein Gott! er ist todt! wer hat ihn getödtet?

– Ich habe einen Dieb verwundet, den ich in der Nacht in einer Allee Ihres Parks erblickte, meine Cousine. Ich rief: »Wer da?« aber er wollte entfliehen, und da schoß ich auf ihn und er fiel. Das ist Alles. Sie sind vor Schrecken außer sich; gehen Sie mit Julien hinein, man darf Sie nicht so sehen,

Sie hörte ihn nicht an, sie hatte sich auf den Körper geworfen, sie suchte ihn zu beleben und legte ihm die Hand aufs Herz.

– Es schlägt noch, sagte sie; man kann ihn vielleicht retten.

– Diesen Dieb retten, Madame! woran denken Sie?

– Ei! sehen Sie denn nicht, daß es kein Dieb ist! Er ist es ja, es ist der Herzog von Pecquigny, den ich liebe, für den allein ich lebe!

– Mein Gott! Madame, welches Unglück! warum haben Sie mich getäuscht? Wir wollen jetzt die Leute entfernen und ihm zu Hilfe kommen.

Der Vicomte ging selber den Leuten entgegen, welche mit Mühe erwachten und bei geringer Anstrengung viel Lärm machten.

– Es ist ein blinder Schrecken gewesen, sagte er zu ihnen; ich habe auf einen Baum gefeuert, den ich für einen Dieb gehalten. Gehen Sie wieder hinein – es ist nichts.

Vorher hatte er der Marquise und Julien geholfen, den Herzog hinter eine Hecke zu tragen, so daß man nichts sah. Mit Hilfe des frischen Wassers hatte man ihn wieder zu sich gebracht, aber man mußte die Wunde verbinden, welche gefährlich, ja tödtlich sein konnte; man wußte es nicht, Sie erwarteten den Vicomte mit Aengstlichkeit, da sie sich durch seine List täuschen ließen. Der Verwundete hatte sein Bewußtsein; aber er konnte nicht sprechen. Sein Blut floß in Strömen; sie verbanden ihn mit ihren Taschentüchern, mit dem seinigen, mit ihren Halskragen. Endlich erschien Herr von Saint-Luc.

– Mein Gott! Madame, welch ein entsetzliches Unglück! warum haben Sie mir Ihr Vertrauen verweigert? Ich war Ihrer völlig gewiß, und als ich einen Mann in dieser Allee erblickte, rief ich ihm zu, und als er nicht antwortete, gab ich Feuer. Ich bin strafbar, und ich möchte mein Blut hingeben, um sein Leben zu erkaufen. Ach! verzeihen Sie mir, verzeihen Sie mir!

– Darum handelt es sich nicht, mein Herr. Ich beschwöre Sie, helfen Sie mir, ihn in mein Zimmer zu tragen. Wenn Sie Ihr Vergehen bereuen, wenn Sie aufrichtig sind, so holen Sie mir einen Wundarzt herbei, damit er ihn wiederherstelle.

– Aber, Madame, man wird ihn sehen, man wird erfahren —

– Was liegt mir daran. Möge man es wissen, möge ich verloren sein, wenn er nur lebt. Gehen Sie, gehen Sie, mein Herr, ich beschwöre Sie.

Sie nahmen den armen jungen Mann in ihre Arme und trugen ihn in das Cabinet der Marquise, wo sich Juliens Bett befand. Sie legten ihn nieder, sie gaben ihm Weinessig zu riechen, verbanden ihm die Wunde so gut sie konnten, und endlich gab der Herr von Saint-Luc den Bitten der Marquise nach und entschloß sich, den Wundarzt herbeizuholen.

Der Zufall hätte sie nicht mehr begünstigen können. In der kleinen Stadt, die eine Stunde entfernt war. befand sich ein sehr gelehrter Mann, der sich zurückgezogen hatte nachdem er sich durch seine Kunst ein Vermögen erworben hatte; aber er verweigerte nie seinen Beistand. Die Marquise erinnerte sich an ihn und nannte ihn ihrem Vetter. Dieser ging selber, um ein Pferd zu satteln, und ritt im Galopp davon.

Türler ve etiketler

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Litres'teki yayın tarihi:
06 aralık 2019
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