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Kitabı oku: «Der Secretair der Marquise Du-Deffand», sayfa 44
Siebentes Kapitel
Es erhob sich ein Zetergeschrei in der Welt. Die arme Frau wagte sich nirgends zu zeigen. Man machte ihr kalte Gesichter, Einige sprachen davon, ihr die Thüren zu schließen, und selbst von ihren Freunden fielen mehrere ab. Duclos ließ diese Gelegenheit nicht vorübergehen, schlecht zu sprechen und zu handeln. Er trug die bösen Berichte überall herum, und erzählte sie dann der Frau von Epinay selber wieder, welche vom Morgen bis zum Abend weinte. Ihr Mann schwieg, der Erfolg war ihm offenbar nicht leid, er konnte sich nicht verstellen.
Francueil, gegen den sie sich beklagte, sagte zu ihr, nachdem er diese Klagen angehört hatte:
– Nachdem ich unser Verhältniß genau kennen gelernt habe, kann ich nichts weiter thun, als neutral bleiben.
Grimm dagegen handelte nicht so. Er zeigte sich allein, und er war noch nicht ihr Freund.
Er war bei Herrn von Friesen zum Diner, es waren viele Männer und wenige Frauen zugegen. Beim Dessert erzählte man die Geschichte der Frau von Epinay, indem man sie mit tausend Betrachtungen ausschmückte und hinzufügte, daß ihr Gemahl ihr diese Gaunerei baar bezahlt habe. Grimm nahm ihre Partei, zuerst auf besonnene Weise, dann aber, als die Boshaften fortfuhren und schrien, daß ihr Mann und sie gleich unredlich wären, und daß man sich keiner Gefahr aussetzen könne, sie zu verleumden, was man auch über sie sagen möchte, wurde der höfliche Cavalier wirklich aufgebracht, wies die Beschuldigungen im Allgemeinen wie insbesondere zurück, überschüttete sie mit seiner Verachtung und fügte hinzu, indem er einen von den Gästen ansah, der erbitterter war, als die Uebrigen, daß die Männer von Ehre gewöhnlich nicht so sehr bemüht wären, die anderen zu entehren.
Dieser fuhr auf, man wollte sie trennen, sie schwiegen, gaben einander aber ein Zeichen, stiegen in den Garten hinunter und zogen dort den Degen; Beide wurden leicht verwundet. Darauf begann Duclos überall auszubreiten, daß Grimm der Liebhaber der Dame sei; er erzählte es so gut und mit solchem Eifer, daß es wirklich geschah. Sie konnte nicht weniger thun, um ihren Vertheidiger zu belohnen.
Die Sache blieb in dieser Ungewißheit und Frau von Epinay unter der Last der Anklage, bis der Zufall die Papiere wiederfinden ließ, und zwar auf folgende Weise:
Der Chevalier, der Geliebte der Frau von Juilly, glaubte dem Gatten nach ihrem Tode sein Beileid bezeigen zu müssen. Er war abwesend, und zwar sehr weit entfernt, die Nachricht gelangte erst spät an ihn. Er verzögerte seine Antwort ein wenig, weil er nicht recht wußte, wie er es angreifen sollte, und es erfolgte dadurch ein Aufschub von beinahe drei Monaten, während welcher die Verleumdung große Fortschritte machte. Endlich kam sein Brief an. Nach den gewöhnlichen Redensarten fügte er hinzu, daß Frau von Juilly ihm kurze Zeit vor ihrem Tode wichtige Papiere anvertraut habe, um sie einem gewissen Manne zu zeigen, zu dem er großes Vertrauen gehegt. In dem Augenblick seiner Abreise wäre dieser Mann abwesend gewesen und Frau von Juilly habe es übernommen, ihn bei ihrer Rückkehr aufzusuchen. Er fügte hinzu, wenn man diesen Mann über den Proceß um Rath fragen wolle, so sei hier seine Adresse, und man könne es thun.
Herr von Juilly ließ seine Pferde vorlegen und eilte zu diesem Advocaten. Es waren gerade die erwähnten Papiere, er erhielt sie und eilte zu seiner Schwägerin und erzählte ihr die Thatsache, indem er ihr seine Entschuldigungen aussprach, die er sich beeilte, mit der Rechtfertigung bekannt zu machen.
Eine einzige Sache beunruhigte ihn, nämlich, welches die Papiere gewesen, welche seine Frau hatte verbrennen lassen. Frau von Evinay zog sich aus der Sache, indem sie dieses Geheimniß auf die guten Werke warf, die sie hatte verbergen wollen. Dies war wahrscheinlich.
– Sie haben Recht, denn wenn diese Intriguen gespielt hätte, so müßte man alle Jungfrauen des Paradieses anklagen.
– Ah! ja, ohne Zweifel.
– Es waren gute Werke, es konnten nur gute Werke sein. Sie war so mildthätig! Wir können keinen anderen Gedanken, als diesen haben, wir müssen dabei stehen bleiben.
Das war das Raisonnement eines zufriedengestellten Ehegatten. Grimm war der intime Freund des Baron von Holbach.
Dieser pfälzische Edelmann wohnte seit seiner Jugend in Paris; er gab Soupers, aber anderer Art wie die der Madame Geoffrin und die meinigen, obgleich man dort oft dieselben Personen traf. Man verhandelte dort die ernstesten Gegenstände der Philosophie und Religion. Der Baron von Holbach bekannte sich laut zum Atheismus, und seine Gäste waren auch fast seiner Meinung, und man hat keinen Begriff, was an dieser Tafel gesprochen wurde. Sie suchten unbegreifliche Geheimnisse auf und schmeichelten sich, sie durch Vermittelung des einzigen Gottes, den sie anerkannten, nämlich durch den Zufall zu erklären. Sie nannten sich die freien Denker, und nie brachte man solchen Unsinn zu Tage.
Der Baron von Holbach verlor seine erste Frau, die er sehr liebte, und wie er, damals sagte, mußte er sie um so mehr bedauern, da keine Hoffnung vorhanden war, sie jemals wiederzusehen, da er nur an das Nichts glaubte.
Rousseau setzte seinen Eifer fort und theilte sich zwischen dieser Gesellschaft und Diderot, der zu dieser Zeit sein Herzensfreund war. Dieser wollte niemals die Freunde seiner Freunde bei sich sehen, wie sich leicht begreifen läßt: er war durch seine Freunde selber gegen sie eingenommen. Duclos und Rousseau verleumdeten Frau von Epinay auf's Aeußerste, während sie sich für ihre Getreuen erklärten. Diderot, ein ernster Mann, ein wenig hart und cynisch, ein redlicher Mann im eigentlichen Sinne, wild und wenig an die Welt gewöhnt, fürchtete eine Gesellschaft von Zierpüppchen, wo er sich nicht an seinem Platze befand, und wo man vom Morgen bis zum Abend nicht von Philosophie sprach.
Es war ein seltsames Genie, gewiß eins der ausgezeichnetsten des Jahrhunderts. Als Atheist und Freigeist schrieb er mit derselben Feder die Briefe der Blinden, zum Nutzen derjenigen, welche sehen, und die indiscreten Edelsteine, ja sogar die Nonne. Das erste dieser Werke zog ihm eine dreimonatliche Gefangenschaft in Vincennes zu, er hatte sie nicht gestohlen. Es ist unmöglich, mehr Verderbniß anzurichten, als dieser Mann in allen Theilen der Literatur. Ich bin weder eine Spröde noch eine Frömmlerin, aber gewiß kann man ähnliche Lehrsätze nicht billigen, besonders wenn man sie den Unwissenden mit dem Zauber des Styls darstellt, sie verkleidet und gefährlich macht.
Diderot hatte auch seinen kleinen Winkel der Philosophie zu seinem Gebrauche, und sein Privatleben war seltsam, nur suchte er seine Gegenstände nicht in so ausgezeichneten Regionen wie die Anderen, und eine Scene dieser Art machte viel Aufsehen in Paris und man belustigte sich mehr darüber, als ich sagen kann. Diese großen Philosophen gaben den Heiteren zu lachen, während sie zugleich die verständigen Leute beunruhigten und die Masse des Volks verwirrten.
Diderot war mit einer Art von Köchin von sehr gemeiner Herkunft verheirathet. Wenn ich Köchin sage, so ist es ein Vergleichungspunkt hinsichtlich ihrer Manieren, denn sie war nicht unter dieser ehrenvollen Klasse geboren, die so nothwendig zum Leben und den Feinschmeckern so theuer ist. Sie hielt ihren Mann im Privatgefängniß unter einem eisernen Joche. Sie leitete ihn wie einen kleinen Knaben und trug dazu bei, ihn zum Menschenfeind zu machen. Diderot war nicht reich, er wohnte in einem sehr schwarzen und schmutzigen Häuschen, in welchem Winkel er wieder einen Winkel zum Schreiben hatte, und wo man ihn nicht einmal in Ruhe ließ. Die Furie kam wohl zehnmal täglich, ihn zu quälen und ihm vorzuwerfen, daß er mit seinen Schreibereien nicht genug verdiene, und daß er ein anderes Gewerbe ergreifen müsse.
In seiner Eigenschaft als Philosoph hatte Diderot Geduld, besonders gegen seine Frau, deren Ungeduld zu neuer Wuth führte; er krümmte den Rücken und schwieg, aber sobald er ausgehen konnte, entwischte er und lief zu einem kleinen Haushalt, den er, wie die großen Herren, sich in der Stadt eingerichtet hatte. Auch dort brachte man den armen Mann zur Wuth, aber es war eine kleine Würze von der verbotenen Frucht, die der Sache eine pikante Beimischung gab. Die Dulcinea war weder schöner noch ausgezeichneter, als seine Frau, nur mußte sie sich mehr Rechte an, als jene, wegen der beiden Kinder, die sie besaß, und worauf sie nicht wenig stolz war. Sie ließ sich sehr anständig kleiden, während Madame Diderot viel Mühe hatte, von Zeit zu Zeit von ihrem Barbaren von Ehegatten einen Unterrock oder eine Morgenhaube zu erhalten.
Eines Tages faßte die unechte Madame Diderot ihre beiden Kleinen bei der Hand und umkreiste die Wohnung ihres Philosophen. Sie wünschte mit ihm zu sprechen und hoffte, daß er vielleicht herauskommen werde, Es war sehr schönes Wetter, sie hatte ein neues Kleid zum ersten Male an, und da man sie in dem Stadtviertel kannte, so sagten die Gevatterinnen:
– Seht doch die kleine Familie des Herrn Diderot! wie hübsch sie gekleidet sind!
Eine davon, die kühner und boshafter war, als die Anderen, trat in's Haus, um der Madame Diderot die Sache mitzutheilen; sie bedurfte nicht einmal so viel, um in Zorn zu gerathen; sie hörte sie nicht einmal zu Ende an und ging auf die Straße, um sich mit eigenen Augen von der ihr angethanen Beleidigung zu überzeugen.
Die Nebenbuhlerinnen kannten einander und schleuderten auf der Stelle entflammte Blicke, wie es. nur wütende Weiber vermögen. Die Zuschauer erwarteten, was geschehen würde, und bereiteten sich vor, sich an diesem köstlichen Kampfe zu erfreuen. Sie bildeten einen Kreis, was diese Heldinnen natürlich noch mehr aufregte; Madame Diderot sprach kein Wort, die Andere maß sie mit höhnischer Miene, indem sie ihr die Früchte zeigte, worauf sie so stolz war.
– Sie sind schön, und ich rathe Dir, Dich ihrer zu rühmen, begann die erste Amazone.
– Ich biete Dir Trotz, ebenso viele zu zeigen! antwortete die Andere.,
– Meiner Treu! wenn ich eine Probe zeigte, würde ich wünschen, daß sie hübscher wäre, als die Deinen. Sie mögen immerhin in ihren Kittelchen von Ratin einherstolziren, sie gleichen dennoch Affen.
– Sie gleichen Deinem Manne, der ihr Vater ist. Du unverschämte Alte.
– Meinem Manne! Du kannst wohl sagen. Deinem Liebhaber, denke ich. Ich finde Dich unterhaltend, mich so zu beleidigen.
– Dich zu beleidigen! ist er nicht jetzt Dein Mann?
– Wenn er mein Mann ist, so kann ich es nicht verhindern, wogegen Dich nichts dazu verpflichtet. Schweig, Läuferin.
– Ich bin keine Läuferin, ich bin eine Familienmutter, was Du niemals sein wirst.
– Ich weiß nicht, was mich zurückhält! —
– Niemand hält Dich zurück, komm also!
– Du hast mein Haushaltungsgeld auf Deinem Rücken, und Du kommst, mich vor meinem Thee zu beleidigen! Du sollst sehen, Schurkin!
– Zeige es! ich warte.
– Ja, warte auf mich.
Die Diderot geht in ihr Haus und kehrt bald mit einem Topfe voll schmutzigen Wassers zurück, den sie ihrer kriegerischen Feindin über den Kopf schüttet. Im Augenblick waren Mutter und Kinder umgewandelt, es war keine Spur von ihrem Staat zu sehen, Fett und Schmutz strömten an ihnen nieder, man hätte sie nicht mit einer Zange angerührt,
Nichts kann die Wuth dieser Mutter schildern. Ihre Kinder waren bis auf die Haut durchnäßt, ihre Kinder waren mit Schmutz bedeckt! Ihre Kinder, die Kinder eines Philosophen! Sie stürzte sich, ohne weiter nachzudenken, über ihre Nebenbuhlerin her, und der herrlichste Kampf begann zum großen Ergötzen der Zuschauer. Niemand dachte daran, sie zu trennen. Man war zu glücklich, sie sich so schlagen zu sehen. Die Hauben, die Halstücher, die Stickereien, Alles flog bald um sie her und dann die Haare. Sie schrien wie Furien und legten einander die beleidigendsten Namen bei. Einer von Beiden fiel es plötzlich in der Hitze des Kampfes ein, den Namen des flüchtigen Paris, der Ursache ihres Streites, auszusprechen. Sogleich griff die Andere ihn auf, und da riefen sie um die Wette den unglücklichen Mann, der sich verbarg und sich schämte, als Vorwand dieses Faustkampfes auf offener Straße zu dienen.
Sie riefen ihn noch immer einstimmig, forderten ihn auf, sie zu vertheidigen, und vereinigten sich endlich, ihn mit Scheltworten zu überhäufen, sie drohten mit der Faust zu seinem Fenster hinauf, ihre Wuth wendete sich gegen ihn, sie schalten ihn einen Feigling, der zwei Frauen sich um seinetwillen schlagen ließ, ohne zu kommen, um sie zu vertheidigen, und der es vorziehe, die Nase in seine alten Scharteken zu stecken, anstatt Ordnung in seine Familie zu bringen.
Dann wurde die Scene vollständig, die Thürsteherinnen aus der Umgegend trippelten vor Heiterkeit: man hatte nie etwas Aehnliches zum großen Ruhme der Philosophie gesehen. Dies wahrte so lange, wie ihre Lungen es gestatteten. Sie trennten sich versöhnt und erbittert über ihren gemeinschaftlichen Gegenstand, und er mußte ohne Zweifel doppelt für die verdorbene Toilette, für die ausgerissenen Haare und alles durch diese Schlackt verursachte Unheil zahlen.
Man kann sich vorstellen, wie man über ihn spottete und wie gelegen diese Sache den Feinden der Encyclopädie kam. Rousseau sagte darüber:
– Die Philosophen sollten nur Weibchen haben für die Bedürfnisse der Natur, und ihnen nie gestatten, die Stimme zu erheben, denn sie sagen und thun nur Dummheiten.
Keine Männer werden härter behandelt, als die Philosophen, und ich kenne nicht einen einzigen, der sich rühmen könnte, nur einmal im Monat nach seinem Willen zu handeln.
Grimm hat viel Lächerliches an sich, was Frau von Epinay nicht sieht; man sagt, er schminkt sich weiß und roth, auch nennt man ihn den weißen Tyrannen. Duclos verfehlte nicht, dies Alles so gut wie möglich hervorzuheben und das Feuer des Hasses und der Eifersucht bei Rousseau anzuschüren, der sich dieses Haus hatte aneignen wollen, nicht damit man ihm mehr gebe, man konnte ihm den Vorwurf der Habsucht nicht machen, sondern damit man ihm mehr Weihrauch streuen möchte. Duclos sagte überall, er besitze die Gunst der Frau von Epinay, und er suchte zugleich diese von der zärtlichen Liebe zu überzeugen, die Grimm für die Baronin von Holbach hege, die eben gestorben war.
Endlich erklärten sie sich. Der Erfolg war, daß Duclos weggejagt wurde, wie es mit dem Fräulein von Ette geschehen war, und als Beide weggejagt waren, verbanden sie sich gegen die, welche sie so lange ausgeforscht hatten, obgleich sie einander Anfangs feindlich gegenübergestanden. Die vorzüglichste Batterie Duclos' und Rousseau's war, Diderot zu überreden, daß Frau von Epinay seines Freundes unwürdig sei, den sie sehr unglücklich machen würde, und daß man ihn ihr um jeden Preis entreißen müsse.
Diderot wendete bei Grimm die Autorität seines soliden Charakters an, er predigte ihm ohne Erfolg und endete damit, darauf zu verzichten, als er deutlich sah, daß er nichts erreichen würde..
Zu eben dieser Zeit schenkte Frau von Epinay Rousseau die Eremitage, um mit seiner Therese und der alten Levasseur, ihrer Mutter, dort zu wohnen.
Keine Feder kann beschreiben, was diese beiden Frauen waren. Madame Diderot war im Vergleich mit diesen eine Herzogin. Die alte Levasseur glich einer Kupplerin vom Marché des Innocents, und Therese einer ihrer Nymphen. Beide waren schmutzig, noch mehr als er, was nicht wenig sagen will. Sie richteten sich alle drei an diesem hübschen Orte ein und begannen darauf die niedrigsten Intriguen gegen die, welche sie aufgenommen hatte.
Man muß seine Bekenntnisse ansehen! Sie sind sehr unedel, aber es ist nichts im Vergleich mit der Wahrheit. Frau von Houdetot, die ein öffentliches Verhältniß mit Saint-Lambert hatte, ließ sich in der Nachbarschaft nieder, und da spazierte diese Thörin ganze Tage in den Wäldern umher, hörte die leidenschaftlichen Erklärungen dieses bäuerischen Menschen an, ermuthigte ihn freilich nicht, so daß sie in Widerspruch gerieth, doch ließ sie sich anbeten, indem sie das für ihre Schwägerin von dem bereitete Gift aufnahm, den sie mit Wohlthaten überhäufte. Saint-Lambert ließ sich nichts träumen; Diderot ließ sich von Rousseau gegen Grimm's Idol einnehmen; dieser, der während des Feldzuges in Westphalen war, konnte sie nicht vertheidigen, und es entstand daraus eine Erbitterung und Klatschereien, die überall bekannt wurden.
Ich verbreite mich ausführlich über diese Klatschereien, um zu zeigen, was diese Männer sind, welche Oberhäupter einer Schule geworden sind; diese Männer, die Alles umstürzen wollen, und die eine neue Religion und neue Grundsätze einführen wollen, und neben der Größe ihres Gelübdes wird man die Kleinheit ihres Geistes, die Nichtigkeit ihres Herzens und Willens sehen.
Man betrachtet sie in der Welt nur als Erneuerer des Menschengeschlechts, als Lehrer, deren Lehren man befolgen muß; indem man sie in der Nähe ansieht, wird es leicht sein, das Ungenügende derselben einzusehen.
Man behauptet, daß ich leichtfertig bin und nicht den philosophischen Verstand habe; es ist möglich, aber ich habe den richtigen Verstand, ich sehe die Wahrheit und ich würde nur zu glücklich sein, wenn ich sie auch den Anderen zeigen könnte.
Achtes Kapitel
So verging die Zeit des Aufenthaltes Rousseau's in der Eremitage. Er bezahlte die Gastfreundschaft mit Undankbarkeit, immer nach den Grundsätzen der Philosophie. Ich habe hier vergessen, eine Ausnahme zu Gunsten Voltaire's zu machen und seinen Vorzug vor allen diesen Leuten zu erwähnen, Voltaire' ist von denen, die ihn kennen, wenig begriffen worden, und durchaus nicht von denen, die ihn nur durch seine Bücher sehen. Voltaire war ein Spötter, der sich über alle Welt lustig machte, er lachte über Alles und über Alle, und über sich selber, wenn er keinen anderen Gegenstand hatte. Man mußte ihn sehen, wie er einen ernsten Philosophen an der Spitze seiner Gabel hielt und ihn in kleine Stücke zerschnitt, ohne daß er es sich träumen ließ, mit vielen Reverenzen und endlosen Complimenten. D'Argental und ich sind oft bei diesen Executionen zugegen gewesen. Wenn es zu Ende war, sagte er kein Wort, sondern wendete sich zu uns um, und dieses Gesicht sendete um sich her leuchtende Pfeile aus, es ist der einzige Ausdruck, dessen ich mich bedienen kann, der einzige, welcher gut wiedergiebt, was ich so oft gesehen und gefühlt habe,
Er war gut, wirklich gut und wohlthätig, kein einziger von seinen Collegen war es wie er. Ich erinnere mich eines Zuges von Rousseau, als dieser die »Briefe vom Berge« herausgab. Voltaire war in Verney oder in den Deines und gerieth in einen furchtbaren Zorn, als wollte er Alles um sich her in Stücke zerschlagen.
– Ich werde Leute ausschicken, um ihn in seiner Höhle aufzusuchen, diesen Wilden, diesen Winselaffen! Er soll unter dem Stock sterben. Er verdient keine andere Rache, und meine Feder darf sich nicht mit einem solchen Elenden messen.
– Man versichert, daß er Sie besuchen wird, sagte Jemand.
– Ei! ist es möglich? er würde es nicht wagen, er kennt mich nicht.,
– Es scheint aber doch so.
– So komme er denn, ich werde ihm ein Souper geben, ich werde ihm sagen; dies ist ein gutes Souper, dieses Bett ist das beste im Hause. Gewähren Sie mir das Vergnügen, Beides anzunehmen und sich bei mir glücklich zu fühlen.
Voltaire schilderte sich vollkommen in dieser Anekdote.
Der Baron von Holbach, den Grimm der Frau von Epinay vorgestellt hatte, wollte Chevrette miethen, welches man nicht mehr bewohnte. Da man sich auf Epinay beschränkt hatte, wo man Wunderwerke erbaute, erklärte ihr Diderot, der von Rousseau und Duclos aufgeregt wurde, wenn sie in dieses Haus ziehe, würde er nie einen Fuß hineinsehen. Es war ein Zorn und eine Wuth, immer wegen der guten Dienste dieser vortrefflichen Freunde.
Welche wunderliche Geschöpfe diese Philosophen sind!
Rousseau setzte der Sache die Krone auf. Er schrieb eines schönen Morgens seiner Wohlthäterin eine Liste voller Beleidigungen, worin er sie beschuldigte, einen anonymen Brief verfaßt zu haben, der seit zwei Tagen die Wuth der Frau von Houdetot und des Herrn von Saint-Lambert erregte. Folgendes ist das Wie und Warum.
Der Marquis erhielt eine Anzeige ohne Unterschrift von der angeblichen Intrigue zwischen der Gräfin und Rousseau. Man setzte ihn in Kenntniß, daß er getäuscht werde, daß sie seiner spotteten und sich den ganzen Tag im Gehölz von Montmorency sähen. Man legte Jean Jacques selbst größere Freiheiten bei, wofür die Liebe des Herrn von Saint-Lambert nicht entschädigen sollte.
Frau von Houdetot war nicht schön, sie hatte unendlich viel Geist, sie schielte, was ich nie habe ausstehen können, und alle ihre Züge waren unregelmäßig. Man hat die hübschen Verse auf sie angewendet, die eigentlich an die Herzogin de la Vallière gerichtet waren, welche nicht alt wurde. Viard versichert, daß ich sie noch nicht angeführt habe; ich muß ihm glauben. Hier sind sie, sie wurden improvisirt:
Es zwingt Natur die Zeit, so klug und weise,
Zu schonen dieses schöne Angesicht,
Das sie zu wiederholen nicht vermag.
Sie war und ist noch immer eine reizende. Person, diese Gräfin von Houdetot.
Ich betrachte mich so sehr als todt, daß ich unwillkürlich zu der Vergangenheit rede. Es scheint mir, als schriebe ich von der anderen Welt. Saint-Lambert ist gegen sie, wie am ersten Tage. Sein Gefühl war also ein solides und tiefes, da es nach so vielen Jahren noch fortdauert. Es ist leicht zu begreifen, wie tief er verwundet war.
Er konnte nicht umhin, den Brief der Frau von Houdetot zu zeigen und sie mit dieser Beschuldigung bekannt zu machen, gegen die sie sich laut erhob, als Unschuldige, die man mit Unrecht angeklagt.
Sie gestand ihre Spaziergänge und ihre Unterhaltungen, aber nicht mehr, da es nur einen Umstand gab, von dem sie sich zu sprechen hütete, um Rousseau nicht zu schaden, und den sie später bekannt machte, als schon Alles in Verwirrung war.
Rousseau hatte seine Liebe nicht erklärt, da er sehr gewiß war, nicht angenommen zu werden. Er beschränkte sich damit, die Geständnisse der jungen Frau über Saint-Lambert anzuhören und Alles in Thätigkeit zu setzen, um ihn in ihrem Geiste zu vernichten. Er glaubte, daß es ihm gelingen werde; er mußte hernach ein freies Spiel haben. Er stellte sich indessen vor, daß Frau von Epinay in den Marquis verliebt sei, und daß dieser nicht weit entfernt sei, darauf zu antworten. Er rechnete auf die Eifersucht,.was für einen Philosophen keine große Bekanntschaft mit dem menschlichen Herzen voraussetzt. Es versteht sich von selbst, daß ihm nichts gelang, selbst nicht, sie von dieser vorgeblichen Leidenschaft zu überzeugen.
Als der anonyme Brief ankam, als der Marquis und die Gräfin sich erklärt hatten, erzählten einander Beide die Thatsache; er zauderte nicht, Frau von Epinay zu beschuldigen, die Urheberin dieser Schändlichkeit zu sein, die gewiß von seiner Therese herrührte. Dieses Mädchen erfüllte das ganze Thal mit ihrem Geschrei und erzählte allen Echos die Untreue ihres Geliebten. Weder Frau von Houdetot noch Herr von Saint-Lambert hielten die zarte Emilie einer solchen schmutzigen Handlung für fähig. Sie entschlossen sich also, nichts davon zu sagen, aber Rousseau behauptete, daß dies nicht so hingehen könne, und daß er dieser Frau zeigen wolle, was es heiße, einen rechtschaffenen Mann ungerechterweise anzuklagen.
Er schrieb den beleidigenden Brief, von welchem ich gesprochen habe, als Antwort auf einen anderen völlig freundschaftlichen, den seine Wohlthäterin an ihn gerichtet hatte. Diesen Brief erwähnt er und rühmt sich dessen in seinen abscheulichen »Bekenntnissen«; er zeigt sich darin zu Allem fähig. Niemals kann Jemand mehr Nachtheiliges von ihm sagen, als er von sich selber sagt.
Frau von Epinay war gut bis zur Schwäche, sie verzieh ihm und willigte sogar ein, ihn wiederzusehen; sie ließ ihm die Eremitage, wo er seine Arbeiten und seine Wuth fortsetzte. Es war wahrhaft unsinnig von ihrer Seite; sie verdiente, was ihr zu Theil wurde. Rousseau bewarf sie mit Koth und versuchte sie wieder mit ihrer Schwägerin zu entzweien. Er machte seine Sache so gut, daß selbst diese ihm die Thür zeigte. Er rächte sich deshalb, indem er sprach, wie er es that, und er entzweite sich zu gleicher Zeit mit Frau von Epinay, Frau von Houdetot, Grimm, Saint-Lambert und Diderot, dem er alle möglichen Streiche spielte und den er endlich in einem seiner Werke öffentlich beleidigte.
Alle diese Personen hatten ihm Gutes gethan, ja, mehrere hatten ihn mit Wohlthaten überhäuft; er wußte es nicht anders zu erkennen, als indem er ihnen so viel Böses zufügte, wie er vermochte. Wir werden ihn sogleich wiederfinden, wie er ans dieselbe Weise in einer anderen Gesellschaft agirt, wohin ihn der Zufall geworfen, und wenn man ungeachtet seiner Aufführung noch einiges Mitleid mit ihm hegte, so war es, weil seine neuen Freunde zu weit über ihm standen, als daß er sie hätte beleidigen können.
Frau von Houdetot vergaß alle Rücksicht. Sie konnte nicht fern von Saint-Lambert leben, sie schrieb an seine Vorgesetzten, sie möchten ihn ihr zurückschicken. Es ist leicht zu begreifen, wie dieses Verhältniß an den Pranger gestellt wurde, und wie laut man davon sprach. Die Gräfin kümmerte sich nicht darum, sie ging immer ihren Gang und behielt ihren Liebhaber, der sehr stolz auf die Leidenschaft war, die er einflößte, und Beide verachteten die Verleumdungen und Abscheulichkeiten dieses Undankbaren Geschöpfes, welches man Rousseau nennt.
Frau von Epinay, die seit so vielen Jahren sehr krank war, bekam den Einfall, nach Genf zu gehen und Tronchin zu befragen, dem Voltaire einen europäischen Ruf verschafft hatte. Er behandelte sie mit seinem gewöhnlichen Talent und heilte sie nicht, denn sie war unheilbar. Sie wäre beinahe in seinen Armen gestorben. Grimm eilte, sie abzuholen, und führte sie zurück. Sie ist zu dieser Stunde noch nicht todt, obgleich sie noch immer sehr leidet und nur vermöge des Opiums lebt. Sie geht nicht mehr aus; Grimm wohnt bei ihr, und ich weiß nicht einmal, ob Herr von Epinay lebt oder todt ist,
Frau von Epinay ist nie hübsch gewesen, es fehlt ihren Manieren an Adel, sie ist eine Bürgerliche im vollen Sinne des Worts. Sie ist ebenso klatschhaft wie ihre Freunde, die Philosophen, aber sie ist natürlich und verbindlich, sie hat keine Pedanterie an sich, freilich ist ihr Geist nicht ausgezeichnet und sie selber wenig unterrichtet.
Ich sehe sie selten; sie ist immer von Philosophen umgeben, und ich muß gestehen, daß ich sie fliehe, weil ich sie zu gut gekannt habe.
