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Kitabı oku: «Die Dame von Monsoreau», sayfa 12

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»Dieser Halt glich dem ersten und alle unsere Nachtmärsche glichen dem, welchen wir bereits gemacht: stets dieselben Rücksichten und dieselbe Ehrfurcht; überall die gleiche Sorgfalt; offenbar reiste uns Jemand voran, der die Wohnungen für uns in Bereitschaft setzen ließ: ob dies der Graf war, wusste ich nicht, denn dieser Teil unseres Vertrages wurde mit derselben Regelmäßigkeit erfüllt, wie die andern, und ich sah ihn nicht ein einziges Mal auf dem ganzen Wege.

»Am Abend des siebenten Tages erblickte ich von einem Hügel herab eine große Masse von Häusern. Es war Paris.

»Wir machten Halt, um die Nacht abzuwarten; als es hinreichend dunkel war, begaben wir uns wieder auf den Weg. Bald zogen wir durch ein Thor, und der erste Gegenstand, den ich jenseits desselben wahrnahm, war ein ungeheures Gebäude, in welchem ich an seinen hohen Mauern ein Kloster erkannte, und dann kamen wir zweimal über den Fluss. Wir wandten uns rechts und befanden uns nach einem Marsche von zehn Minuten auf dem Platze der Bastille. Ein Mann, der uns zu erwarten schien, entfernte sich von einer Türe, näherte sich dem Anführer der Eskorte und sagte zu ihm:

›Es ist hier!‹

»Der Anführer der Eskorte wandte sich gegen mich um und sprach:

›Madame, Ihr hört, wir sind an Ort und Stelle.‹

»Und von seinem Pferde springend, reichte er mir die Hand, um mich von meinem Zelter absteigen zu lassen, wie er dies auf jeder Station zu tun pflegte.

»Die Türe war offen; eine auf den Stufen stehende Lampe erleuchtete die Treppe.

›Madame,‹ sprach der Anführer der Eskorte, ›Ihr seid hier zu Hause; an dieser Türe endigt unser Auftrag, Euch zu geleiten; darf ich mir schmeicheln, diesen Auftrag nach Euren Wünschen und mit der gebührenden Ehrfurcht vollzogen zu haben?‹

›Ja, mein Herr,‹ antwortete ich, ›und ich habe Euch nur meinen Dank zu sagen; entbietet diesen auch den braven Leuten, die mich begleiteten. Gern möchte ich sie auf eine nachdrücklichere Weise belohnen, aber ich besitze nichts.‹

›Beunruhigt Euch nicht hierüber, Madame,‹ entgegnete derjenige, bei welchem ich mich entschuldigte, ›sie sind reichlich belohnt.‹

»Und er verbeugte sich, stieg wieder zu Pferde und sagte zu den Andern:

»Kommt, Ihr Leute, und Keiner von Euch erinnere sich morgen früh hinreichend dieser Türe, um sie wiederzuerkennen.‹

»Nach diesen Worten entfernte sich die kleine Truppe im Galopp und verlor sich in der Rue Saint-Antoine.

»Die erste Sorge von Gertrude war es, die Türe wieder zu schließen, und wir sahen durch das Gitter, wie sie weg ritten.

»Dann gingen wir auf die durch die Lampe beleuchtete Treppe zu; Gertrude schritt voran.

»Wir stiegen die Stufen hinauf und befanden uns in der Flur; die drei Türen derselben waren offen.

»Wir wählten die mittlere und traten in den Salon, in welchem wir uns befinden. Er war völlig erleuchtet, wie in diesem Augenblick. Ich öffnete diese Türe und gewahrte ein großes Ankleidecabinet; dann diese andere, welche in mein Schlafzimmer führte, und sah mich zu meinem großen Erstaunen meinem Portrait gegenüber. Ich erkannte dasjenige, welches früher in dem Zimmer meines Vaters in Méridor war; der Graf hatte es sich ohne Zweifel von dem Baron erbeten und von ihm erhalten.

»Ich schauerte bei diesem neuen Beweise, dass mich mein Vater bereits als die Frau von Herrn von Monsoreau betrachtete.

»Wir durchliefen die Wohnung; sie war einsam, aber nichts fehlte; es brannte Feuer in allen Kaminen, und in dem Speisesaale erwartete mich ein vollständig bestellter Tisch.

»Rasch warf ich die Augen auf den Tisch; es fand sich nur ein Gedeck, und das beruhigte mich.

›Nun, mein Fräulein,‹ sagte Gertrude zu mir, ›Ihr seht, der Graf hält sein Versprechen bis zum letzten Punkte.‹

›Ach ja!‹ erwiderte ich mit einem Seufzer; denn es wäre mir lieber gewesen, wenn er mich, seine Zusagen verletzend, der meinigen entbunden hätte.

»Ich speiste zu Nacht; dann beschauten wir zum zweiten Male das Haus, doch abermals ohne ein lebendes Wesen zu finden: es gehörte uns, ganz allein uns.

»Gertrude schlief in meinem Zimmer.

»Am andern Morgen ging sie aus, um Erkundigungen einzuziehen. Nun erst erfuhr ich durch sie, dass wir uns am Ende der Rue Saint-Antoine dem Hotel des Tournelles gegenüber befanden, und dass die Festung, die sich zu unserer Rechten erhob, die Bastille war.

»Diese Auskunft belehrte mich indessen nicht viel; ich kannte Paris nicht, da ich es nie gesehen hatte.

»Der Tag verging, ohne etwas Neues herbeizuführen: als ich mich am Abend zu Tische setzen wollte, um zu speisen, klopfte man an die Türe. Gertrude und ich sahen uns an.

»Man klopfte zum zweiten Male.

›Schau', wer klopft,‹ sagte ich zu ihr.

›Wenn es der Graf ist?‹ versetzte sie, als sie mich erbleichen sah.

›Wenn es der Graf ist,‹ antwortete ich mit einer Anstrengung gegen mich selbst, ›so öffne ihm, Gertrude; er hat getreulich alle seine Versprechungen gehalten und soll sehen, dass ich wie er nur ein Wort habe.«

›Einen Augenblick nachher erschien Gertrude wieder.

›Es ist der Herr Graf, mein Fräulein,‹ sagte sie.

›Er mag eintreten,‹ antwortete ich.

»Gertrude verschwand und machte dem Grafen Platz, der auf der Schwelle erschien.

»Nun, Madame,‹ fragte er, ›habe ich den Vertrag getreulich erfüllt?‹

›Ja, mein Herr, und ich danke Euch dafür,‹ antwortete ich.

›Ihr wollt mich also bei Euch empfangen?‹ versetzte er mit einem Lächeln, dessen Ironie er trotz aller Anstrengung nicht verbergen konnte.

»Tretet ein, mein Herr.«

»Der Graf näherte sich und blieb stehen. Ich bedeutete ihm durch ein Zeichen, er möge sich setzen.

›Habt Ihr Nachrichten, mein Herr?‹ fragte ich ihn …

›Von woher und von wem, Madame?‹

›Vor Allem von meinem Vater und von Méridor.‹

›Ich bin nicht nach dem Schlosse Méridor zurückgekehrt und habe den Baron nicht gesehen.‹

›Also von Beaugé und dem Herzog von Anjou.‹

›Das ist etwas Anderes; ich war in Beaugé und sprach den Herzog.‹

›Wie habt Ihr ihn gefunden?‹

›Er wollte zweifeln.‹

›Woran?‹

›An Eurem Tode.‹

›Doch Ihr bestätigtet ihm denselben?‹

›Ich tat, was ich konnte.‹

›Wo ist der Herzog?‹

›Seit gestern wieder in Paris.‹

›Warum ist er so schnell zurückgekehrt?‹

›Weil man nicht gern an einem Orte bleibt, wo man sich den Tod einer Frau vorwerfen zu müssen glaubt.‹

›Habt Ihr ihn seit seiner Rückkehr nach Paris gesehen?‹

›Ich komme so eben von ihm her.‹

›Sprach er von mir mit Euch?‹

›Ich ließ ihm nicht Zeit dazu.‹

›Wovon spracht Ihr mit ihm?‹

›Von einem Versprechen, das er mir gegeben und auf dessen Vollziehung ich drang.‹

›Was war dies?‹

›Er hat sich anheischig gemacht, mich für Dienste, die ich ihm geleistet, zum Oberstjägermeister ernennen zu lassen.‹

›Ah! ja,‹ sagte ich zu ihm mit einem traurigen Lächeln, denn ich erinnerte mich des Todes meiner armen Daphne, ›ich weiß, Ihr seid ein furchtbarer Jäger und habt als ein solcher ein Recht auf diese Stelle.‹

›Ich erhalte sie nicht als Jäger, Madame, sondern als Diener des Prinzen; nicht weil ich ein Recht habe, wird man sie mir geben, sondern weil der Herzog es nicht wagen wird, undankbar gegen mich zu sein.‹

»Trotz des achtungsvollen Tones, in welchem sie gegeben wurden, lag in allen diesen Antworten etwas, was mich erschreckte; es war dies der Ausdruck eines düsteren, unbeugsamen Willens.

»Ich blieb einen Augenblick stumm und fragte sodann:

›Wird es mir erlaubt sein, an meinen Vater zu schreiben?‹

›Allerdings; doch bedenkt, dass Eure Briefe aufgefangen werden können.‹

›Ist es mir verboten, auszugehen?‹

›Nichts ist Euch verboten, Madame; nur bemerke ich Euch, dass man Euch folgen kann.‹

›Ich muss doch wenigstens Sonntags die Messe hören?‹

›Es wäre, glaube ich, für Eure Sicherheit besser, wenn Ihr sie nicht hören würdet; doch wenn Euch viel daran gelegen ist, so hört sie wenigstens, wohl verstanden, es ist dies ein einfacher Rat, den ich Euch gebe, so hört sie wenigstens bei Sainte-Catherine …‹

›Und wo ist diese Kirche?‹

›Eurem Hause gegenüber, auf der andern Seite der Straße,‹

›Ich danke, mein Herr.‹

»Es trat ein abermaliges Stillschweigen ein.

›Wann werde ich Euch wiedersehen, mein Herr?‹

›Ich erwarte hierzu Eure Erlaubnis.‹

›Bedürft Ihr derselben?‹

›Gewiss; bis jetzt bin ich ein Fremder für Euch.‹

»Habt Ihr keinen Schlüssel zu diesem Hause?‹

›Euer Gatte allein hat das Recht, einen solchen zu besitzen.‹

›Mein Herr,‹ erwiderte ich, mehr erschrocken über diese so seltsam unterwürfigen Antworten, als ich es über ganz entschiedene Antworten gewesen wäre, ›mein Herr, Ihr werdet wiederkommen, wann es Euch beliebt oder wann Ihr mir etwas Wichtiges zu sagen habt.‹

›Ich danke, Madame, und werde von Eurer Erlaubnis Gebrauch, aber nicht Missbrauch machen, und der erste Beweis, den ich Euch gebe, ist, dass ich Euch bitte, den Ausspruch meiner Achtung in Empfang zu nehmen.‹

»Und nach diesen Worten erhob sich der Graf.

›Ihr verlasst mich?'« fragte ich, immer mehr erstaunt über diese Handlungsweise, welche ich entfernt nicht erwartet hatte.

›Madame,‹ antwortete der Graf, ›ich weiß, dass Ihr mich nicht liebt, und will Eure Lage, die Euch nötigt, meine Fürsorge anzunehmen, nicht missbrauchen. Bleibe ich nur in Bescheidenheit Euch gegenüber, so hoffe ich, dass Ihr Euch allmählich an meine Gegenwart gewöhnen werdet; auf diese Art wird Euch das Opfer weniger kosten, wenn der Augenblick gekommen ist, wo Ihr meine Frau werden sollt.‹

›Mein Herr,‹ sprach ich ebenfalls aufstehend, ›ich erkenne die ganze Zartheit Eures Benehmens und weiß dasselbe zu schätzen, trotz der Härte welche jedes Eurer Worte begleitet. Ihr habt Recht, und ich werde eben so offenherzig mit Euch sprechen, als Ihr mit mir gesprochen habt. Ich hatte eine vorgefasste Meinung gegen Euch, welche die Zeit heilen wird, wie ich hoffe.‹

›Erlaubt mir, Madame, diese Hoffnung zu teilen und in der Erwartung dieses glücklichen Augenblickes zu leben,‹ sprach der Graf.

»Dann verbeugte er sich vor mir mit aller Ehrfurcht, die der demütigste von meinen Dienern hätte an den Tag legen können, bedeutete Gertrude, vor der das ganze Gespräch stattgefunden hatte, durch ein Zeichen, sie möge ihm leuchten, und entfernte sich.«

Vierzehntes Kapitel
Was Diana von Méridor war
Die Heirat

»Das ist bei meiner Seele ein seltsamer Mann,« sprach Bussy.

»Oh! ja, sehr seltsam, nicht wahr, mein Herr? Denn seine Liebe gestaltete sich mir gegenüber mit der ganzen Bitterkeit des Hasses. Gertrude fand mich daher, als sie zurückkehrte, trauriger und erschrockener als je.

»Sie suchte mich zu beruhigen; doch das arme Mädchen war sichtbar eben so unruhig, als ich. Diese eiskalte Ehrfurcht, dieser ironische Gehorsam, diese zusammengedrängte Leidenschaft, welche in scharfen Noten in jedem seiner Worte vibrierte, war furchtbarer, als ein offen ausgesprochener Wille, den ich hätte bekämpfen können.

»Der folgende Tag war ein Sonntag; seitdem ich mich kannte, hatte ich nie verfehlt, dem Gottesdienste beizuwohnen. Ich hörte die Glocke der Sainte-Catherine Kirche, die mich zu rufen schien. Ich sah alle Welt nach dem Hause Gottes wandern, hüllte mich in meinen dicken Schleier, und mischte mich in die Menge der Gläubigen, welche auf den Ruf der Glocke herbeieilten.

Ich suchte den dunkelsten Winkel und kniete gegen die Wand nieder. Gertrude stellte sich wie eine Schildwache zwischen die Welt und mich. Für diesmal war es unnötig; Niemand war, wie es schien, auf uns aufmerksam.

»Am zweiten Tage kam der Graf abermals und teilte mir mit, er wäre zum Oberstjägermeister ernannt worden. Der Einfluss des Herzogs von Anjou hatte ihm diese Stelle verschafft, welche einem von den Günstlingen des Königs, Herrn von Saint-Luc, gleichsam versprochen gewesen war. Es war ein Triumph, den er kaum selbst erwartete.«

»Und der uns in der Tat Alle in Erstaunen setzte,« fügte Herr von Bussy bei.

»Er teilte mir diese Kunde mit, in der Hoffnung, seine neue Würde dürfte meine Einwilligung beschleunigen; nur drängte er nicht, bestürmte er nicht, und erwartete Alles von meinem Versprechen und den Ereignissen.

»Ich meinerseits fing an zu hoffen, da mich der Herzog für tot hielt und keine Gefahr mehr vorhanden wäre, so würde ich gegen den Grafen verpflichtet zu sein aufhören.

»Es vergingen sieben weitere Tage, ohne etwas Neues herbeizuführen, als zwei Besuche des Grafen. Diese Besuche waren, wie die vorhergehenden, kalt und ehrfurchtsvoll, doch ich habe Euch erklärt, was in dieser Kälte und in dieser Ehrfurcht Seltsames, ich möchte beinahe sagen, Bedrohliches lag.

»Am folgenden Sonntag ging ich in die Kirche, wie ich es bereits getan, und nahm denselben Platz ein, den ich acht Tage vorher eingenommen hatte. Die Sicherheit macht unvorsichtig: mitten unter meinen Gebeten verschob sich mein Schleier; in dem Hause Gottes dachte ich übrigens nur an Gott. Ich betete innig und glühend für meinen Vater, als ich plötzlich Gertrude meinen Arm berühren fühlte; es bedurfte einer zweiten Berührung, um mich der religiösen Extase zu entziehen, in die ich versunken war. Ich hob den Kopf empor, schaute maschinenmäßig umher, und erblickte zu meinem Schrecken, an einer Säule lehnend, den Herzog von Anjou, der mich mit den Augen verschlang.

»Ein Mann, mehr sein Vertrauter, als sein Diener, wie es schien, stand bei Ihm.«

»Das war Aurilly, sein Lautenschläger,« sprach Bussy.

»In der Tat, ich glaube, das ist der Name, den mir Gertrude später nannte,« erwiderte Diana.

»Fahrt fort, Madame,« rief Bussy, »fahrt fort, ich fange an, Alles zu begreifen.«

»Ich zog rasch meinen Schleier über das Gesicht, es war zu spät; er hatte mich gesehen, und wenn er mich auch nicht erkannt, so hatte ihn doch wenigstens die Ähnlichkeit mit der Frau, die er geliebt und die er verloren zu haben glaubte, tief ergriffen. Unbehaglich unter seinem Blicke, den ich auf mir lasten fühlte, erhob ich mich und ging nach der Türe; doch hier fand ich ihn wieder; er hatte seine Finger in den Weihkessel getaucht und bot mir Weihwasser.

»Ich stellte mich, als bemerkte ich es nicht, und schritt vorbei, ohne anzunehmen, was er mir bot.

»Ohne mich jedoch umzuwenden, begriff ich, dass man uns folgte; hätte ich Paris gekannt, so würde ich den Herzog über meine wahre Wohnung zu täuschen gesucht haben, aber ich hatte nie einen andern Weg gemacht, als den, welcher von unserem Hause nach der Kirche führte; ich kannte Niemand, von dem ich eine Gastfreundschaft von einer Viertelstunde hätte fordern können; ich hatte keine Freundin und nur einen einzigen Verteidiger, den ich mehr fürchtete, als einen Feind.«

»Oh! mein Gott,« murmelte Bussy, »warum schickten mich der Himmel, die Vorsehung oder der Zufall nicht früher auf Euren Weg.«

Diana dankte dem jungen Mann mit einem Blicke.

»Verzeiht,« sagte Bussy, »ich unterbreche Euch immer und sterbe doch vor Neugierde. Ich bitte Euch, fahrt fort.«

»An demselben Abend kam Herr von Monsoreau. Ich wusste nicht, ob ich ihm etwas von meinem Abenteuer sagen sollte, als er selbst meinem Zögern ein Ende machte.

›Ihr habt mich gefragt, ob es Euch verboten wäre, zur Messe zu gehen,‹ sagte er, ›und ich antwortete Euch, Ihr wäret unumschränkte Gebieterin Eurer Handlungen, würdet jedoch besser daran tun, nicht auszugehen; Ihr wolltet mir nicht glauben. Ihr seid diesen Morgen ausgegangen, um dem Gottesdienst in der Sainte-Catherine Kirche beizuwohnen. Der Prinz befand sich zufälliger oder vielmehr unglücklicher Weise dort und hat Euch gesehen.‹

›Das ist wahr, und ich zögerte, Euch diesen Umstand mitzuteilen, denn ich wusste nicht, ob mich der Prinz für diejenige, welche ich bin, erkannt oder ob ihn nur mein Anblick ergriffen hatte.‹

›Euer Anblick hat ihn ergriffen, Eure Ähnlichkeit mit der Frau, die er beklagt, kam ihm ganz außerordentlich vor; er folgte Euch und erkundigte sich, doch Niemand konnte ihm etwas sagen, denn Niemand weiß etwas.‹

›Mein Gott! mein Herr, was glaubt Ihr, dass er tun wird?‹

›Der Herzog hat ein finsteres, beharrliches Gemüt,‹ sprach Herr von Monsoreau.

›Oh! ich hoffe, er wird mich vergessen.‹

›Ich glaube es nicht: man vergisst Euch nicht, wenn man Euch einmal gesehen hat. Ich tat Alles, was ich konnte, um Euch zu vergessen, und vermochte es nicht.‹

»Und der erste Blitz der Leidenschaft, den ich bei Herrn von Monsoreau wahrnahm, zuckte in dieser Sekunde in den Augen des Grafen.

»Ich war mehr erschrocken über die Flamme, die aus diesem Herde hervorsprang, den man hätte für erloschen halten sollen, als ich es am Morgen über den Anblick des Prinzen gewesen war.

»Ich blieb stumm.

›Was gedenkt Ihr zu tun?‹ fragte mich der Graf.

›Mein Herr, könnte ich das Haus, das Quartier, die Straße nicht verändern; könnte ich nicht eine Wohnung am andern Ende von Paris nehmen, oder nach Anjou zurückkehren?‹

›Alles wäre vergebens,‹ antwortete der Graf den Kopf schüttelnd, ›es ist ein furchtbarer Spürhund, dieser Herzog von Anjou; er ist auf Eurer Fährte; geht, wohin Ihr wollt, er wird Euch folgen, bis er Euch erreicht hat.‹

›Oh mein Gott! Ihr erschreckt mich!‹

›Das ist nicht meine Absicht: ich sage Euch, wie sich die Sache verhält, und nichts Anderes.‹

›Dann richte ich an Euch die Frage, die Ihr so eben an mich gerichtet habt. Was gedenkt Ihr zu tun, mein Herr?‹

›Ach!‹ erwiderte der Graf mit bitterer Ironie, ›ich bin ein Mensch von dürftiger Einbildungskraft. Ich hatte das Mittel gefunden; dieses Mittel sagt Euch nicht zu; ich leiste darauf Verzicht; heißt mich aber nicht ein anderes suchen.‹

›Mein Gott! die Gefahr ist vielleicht minder dringend, als Ihr glaubt?‹

›Das wird Euch die Zukunft lehren, Madame,‹ sprach der Graf aufstehend.

›Jedenfalls wiederhole ich Euch! Frau von Monsoreau wird um so weniger von dem Prinzen zu befürchten haben, als mich mein neues Amt unmittelbar unter den König stellt, und als ich und meine Frau natürlich Schutz bei dem König finden werden.‹

»Ich antwortete nur durch einen Seufzer. Was der Graf sagte, war äußerst vernünftig und wahrscheinlich.

»Herr von Monsoreau wartete einen Augenblick, als ob er mir alle Muße zu einer Erwiderung lassen wollte; doch ich hatte nicht die Kraft dazu. Er stand im Zimmer, bereit, sich zu entfernen. Ein bitteres Lächeln zog über seine Lippen; er verbeugte sich und verließ mich.

»Ich glaubte einige Verwünschungen seinem Munde auf der Treppe entschlüpfen zu hören.

»Ich rief Gertrude.

»Gertrude hatte die Gewohnheit, wenn der Graf kam, sich entweder im Kabinett oder im Schlafzimmer aufzuhalten; sie lief herbei.

»Ich stand am Fenster so in die Vorhänge eingewickelt, dass ich sehen konnte, was auf der Straße vorging, jedoch ohne gesehen zu werden.

»Der Graf trat vor die Türe und entfernte sich.

»Wir blieben ungefähr eine Stunde, Alles aufmerksam beobachtend. Aber es kam Niemand.

»Die Nacht verging, ohne etwas Neues herbeizuführen.

»Am andern Morgen wurde Gertrude, als sie ausging, von einem jungen Manne angeredet, in dem sie denjenigen erkannte, welcher den Tag vorher den Prinzen begleitet hatte; doch so sehr er auch in sie drang, sie weigerte sich, zu antworten, und blieb auf alle seine Fragen stumm.

»Ohne Zweifel des Fragens überdrüssig, entfernte sich der junge Mann.

»Diese Erscheinung flößte mir einen tiefen Schrecken ein; es war der Anfang einer Nachforschung, welche sicherlich nicht hierbei stehen bleiben sollte. Ich befürchtete, Herr von Monsoreau könnte am Abend nicht kommen, und es dürfte irgend ein Versuch in der Nacht gegen mich gemacht werden; ich schickte nach ihm, er kam sogleich.

»Ich erzählte ihm Alles und entwarf ihm das Portrait des jungen Mannes nach dem, was mir Gertrude mitgeteilt hatte.

›Es ist Aurilly,‹ sagte er, ›was hat Gertrude geantwortet?‹

›Gertrude hat nichts geantwortet.«

»Herr von Monsoreau dachte einen Augenblick nach.

›Sie hat Unrecht gehabt,‹ sagte er sodann.

›Warum?‹

›Ja, es handelt sich darum, Zeit zu gewinnen.‹

›Zeit?‹

›Heute bin ich noch von dem Herrn Herzog von Anjou abhängig. Doch in zwölf Tagen, in acht Tagen wird es der Herzog von Anjou vielleicht von mir sein. Man muss ihn also täuschen, damit er wartet.‹

›Mein Gott!‹

›Ganz gewiss, die Hoffnung wird ihn geduldig machen, während ihn eine völlige Weigerung zu einem verzweifelten Entschluss antreiben dürfte.‹

›Schreibt an meinen Vater,‹ rief ich, ›mein Vater wird herbei eilen und sich dem König zu Füßen werfen. Der König wird Mitleid mit einem Greise haben.‹

›Je nach der geistigen Stimmung, in der sich der König befindet, und je nachdem es in seiner Politik liegen wird, für den Augenblick der Freund oder der Feind des Herrn Herzogs von Anjou zu sein. Überdies bedarf ein Bote sechs Tage, um Euren Vater aufzusuchen. Euer Vater braucht sechs Tage, um hierherzukommen. In zwölf Tagen wird der Herzog von Anjou, wenn wir ihn nicht aufhalten, allen Weg zurückgelegt haben, den er zurücklegen kann.‹

›Wie ihn aufhalten?‹

»Herr von Monsoreau antwortete nicht. Ich begriff seine Gedanken und schlug die Augen nieder.

›Mein Herr,‹ sagte ich nach kurzem Stillschweigen, ›gebt Gertrude Eure Befehle, und sie wird Eure Instruktionen befolgen.‹

»Ein unmerkliches Lächeln schwebte über die Lippen von Herrn von Monsoreau, als ich hiermit zum ersten Male seinen Schutz anrief.

»Er sprach einige Augenblicke mit Gertrude.

›Madame,‹ sagte er dann zu mir, ›ich könnte gesehen werden, wenn ich von hier wegginge; es fehlen uns nur noch ein paar Stunden, um die Nacht abzuwarten; erlaubt Ihr mir, diese paar Stunden in Eurer Wohnung zuzubringen?‹

»Herr von Monsoreau hatte beinahe das Recht, dies zu fordern; er begnügte sich zu bitten: ich bedeutete ihm durch ein Zeichen, er möge sich setzen.

»Da bemerkte ich das große Übergewicht, das der Graf über mich hatte: sogleich überwand er den Zwang, der aus unserer gegenseitigen Lage hervorging, und sein Gespräch, dem jene von mir bezeichnete Härte einen mächtigen Charakter verlieh, fing an wechselreich und anziehend zu werden. Der Graf hatte viele Reisen gemacht, viel gesehen, viel nachgedacht, und nach Verlauf von zwei Stunden begriff ich den ganzen Einfluss, den dieser seltsame Mann über meinen Vater gewonnen hatte.«

Bussy stieß einen Seufzer aus.

»Als die Nacht gekommen war, stand er, ohne mehr zu verlangen und als wäre er mit dem, was er erhalten, zufrieden, auf und entfernte sich.

»Während des Abends begab ich mich mit Gertrude wieder an unsern Beobachtungsposten. Diesmal sahen wir ganz deutlich zwei Männer, welche das Haus prüfend betrachteten. Wiederholt näherten sie sich der Türe; alles Licht im Innern war erloschen, und sie konnten uns nicht sehen.

»Gegen elf Uhr entfernten sie sich.

»Am andern Tage fand Gertrude, als sie ausging, denselben jungen Mann an demselben Platze; er trat abermals auf sie zu und fragte sie wie am Tage vorher. Gertrude war diesmal weniger streng und sprach ein paar Worte mit ihm.

»Am folgenden Tage war Gertrude noch mitteilsamer; sie sagte ihm, ich wäre die Witwe eines Rates und lebte sehr zurückgezogen, da mir der Verstorbene kein Vermögen hinterlassen; er drang in sie, um mehr zu erfahren, doch er musste sich für den Augenblick mit dieser Auskunft begnügen.

»Am Tage hernach schien Aurilly einige Zweifel über die Wahrhaftigkeit der Erzählung von Gertrude gefasst zu haben, er sprach von Anjou, von Beaugé, und nannte Méridor.

»Gertrude erwiderte ihm, alle diese Namen wären ihr völlig unbekannt.

»Dann gestand er ihr, er wäre im Dienste des Herzogs von Anjou, der Herzog hätte mich gesehen und sich in mich verliebt; in Folge dieses Geständnisses kamen glänzende Anerbietungen für sie und für mich, für sie, wenn sie den Prinzen bei mir einführen würde, für mich, wenn ich ihn empfangen wollte.

»Jeden Abend kam Herr von Monsoreau und jeden Abend sagte ich ihm, wie die Sache stand. Er blieb dann von acht Uhr bis um Mitternacht; doch seine Unruhe war offenbar groß.

»Am Samstag Abend sah ich ihn bleicher und aufgeregter als gewöhnlich kommen.

›Hört,‹ sagte er zu mir, ›Ihr müßt für Dienstag oder Mittwoch Alles versprechen.‹

›Alles versprechen! und warum?‹ rief ich,

›Weil der Herzog von Anjou zu Allem entschlossen ist, weil er in diesem Augenblick mit dem König gut steht und sich folglich vom König nichts erwarten lässt.‹

›Doch soll von jetzt bis Mittwoch irgend Etwas vorfallen, was uns Hilfe gewähren wird?‹

›Vielleicht. Ich erwarte von Tag zu Tag den Umstand, der den Prinzen in Abhängigkeit von mir setzen soll. Ich betreibe, ich beschleunige ihn nicht allein mit meinen Wünschen, sondern auch durch meine Handlungen. Morgen muss ich Euch verlassen und nach Montereau gehen.‹

›Ihr müsst?‹ erwiderte ich mit einem Schrecken, der nicht ganz ohne eine gewisse Beimischung von Freude war.

›Ja; ich habe dort eine Zusammenkunft, welche unerlässlich zu Beschleunigung des von mir erwähnten Umstandes ist.‹

›Und wenn wir uns Dienstag in derselben Lage befinden, mein Gott! was ist dann zu tun?‹

›Was soll ich gegen einen Prinzen machen, Madame, wenn ich kein Recht habe, Euch zu beschützen? Man wird dem Missgeschick weichen müssen.‹

›Oh mein Vater! mein Vater!‹ rief ich.

»Der Graf schaute mich fest an und sprach:

›Ihr verabscheut mich also?‹

›Oh! mein Herr!‹

›Was habt Ihr mir denn vorzuwerfen?‹

›Nichts, im Gegenteil …‹

›Bin ich nicht treu ergeben wie ein Freund, achtungsvoll wie ein Bruder gewesen?‹

›Ihr habt Euch in jeder Hinsicht als ein ehrenhafter Mann benommen.‹

›Hatte ich nicht Euer Versprechen?‹

›Ja.‹

›Habe ich Euch ein einziges Mal daran erinnert?‹

›Nein.‹

›Und dennoch, wenn die Umstände so beschaffen sind, dass Ihr Euch zwischen eine ehrenvolle Lage und eine schmachvolle Lage gestellt seht, wollt Ihr eher die Geliebte des Herzogs von Anjou, als die Frau des Grafen von Monsoreau werden?‹

›Ich sage das nicht, mein Herr.‹

›So entschließt Euch.‹

›Ich bin entschlossen.‹

›Gräfin von Monsoreau zu werden?‹

›Eher, als die Geliebte des Herzogs von Anjou.‹

›Eher, als die Geliebte des Herzogs von Anjou, die Alternative ist schmeichelhaft.‹

»Ich schwieg.

›Gleichviel,‹ sagte der Graf, ›Ihr versteht mich? Gertrude muss bis Dienstag Zeit gewinnen, und Dienstag werden wir sehen.‹

»Am andern Tage ging Gertrude wie gewöhnlich aus, begegnete aber Aurilly nicht. Bei ihrer Rückkehr fühlten wir uns unruhiger über sein Ausbleiben, als wir es über sein Erscheinen gewesen waren. Gertrude ging abermals aus, ohne dass eine Notwendigkeit hierzu vorhanden war und nur um ihm zu begegnen; doch sie traf ihn nicht. Ein dritter Ausgang war eben so fruchtlos, als die zwei ersten.

»Ich schickte Gertrude zu Herrn von Monsoreau; er war abgereist und man wusste nicht, wo er sich befand.

»Wir waren allein und völlig vereinzelt; wir fühlten uns schwach; zum ersten Male begriff ich meine ganze Ungerechtigkeit gegen den Grafen.

›Oh! Madame,‹ rief Bussy, ›beeilt Euch nicht so sehr, Eure Ansicht über diesen Mann zu ändern; es liegt etwas in seinem ganzen Benehmen, was wir nicht wissen, aber erfahren werden.‹

»Es kam der Abend in Begleitung von tiefen Schrecknissen; ich war entschlossen, eher Alles zu tun, als lebendig in die Hände des Herzogs von Anjou zu fallen. Ich hatte mich mit diesem Dolche versehen und gedachte ihn mir im Angesicht des Prinzen in dem Augenblick in das Herz zu stoßen, wo seine Leute Hand an mich zu legen versuchen würden. Wir verrammelten uns in unsern Zimmern. In Folge einer unglaublichen Nachlässigkeit hatte die Haustür keinen inneren Riegel. Wir verbargen die Lampe und stellten uns auf unsern Beobachtungsposten.

»Bis elf Uhr Abends blieb Alles ruhig; um elf Uhr kamen fünf Männer aus der Rue Saint-Antvine hervor; sie schienen zu beratschlagen, und legten sich sodann in der Mauerecke des Hotel des Tournelles in Hinterhalt.

»Wir fingen an zu zittern; diese Leute waren wahrscheinlich unseretwegen da; sie blieben jedoch unbeweglich; so verlief ungefähr eine Viertelstunde.

»Nach Verlauf einer Viertelstunde sahen wir zwei andere Männer an der Ecke der Rue Saint-Paul erscheinen. Der zwischen den Wolken hin gleitende Mond erlaubte Gertrude, in einem derselben Aurilly zu erkennen.

›Ach! mein Fräulein, sie sind es,‹ murmelte das arme Mädchen.

›Ja,‹ erwiderte ich ganz zitternd vor Schrecken, ›und die fünf Andern sind da, um ihnen Beistand zu leisten.‹

›Doch sie müssen die Türe eintreten, und bei dem Lärmen werden die Nachbarn herbeilaufen,‹ versetzte das Mädchen.

›Warum sollen die Nachbarn herbeilaufen? Kennen sie uns und haben sie irgend eine Ursache, sich einen schlimmen Handel zuzuziehen, um uns zu verteidigen? Ach! Gertrude, wir haben in der Tat nur den Grafen als wahren Verteidiger.‹

›Nun, warum weigert Ihr Euch denn immer, Gräfin zu werden?‹

»Ich stieß einen Seufzer aus.

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Litres'teki yayın tarihi:
06 aralık 2019
Hacim:
1081 s. 3 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain