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Kitabı oku: «Memoiren einer Favorite», sayfa 43

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Ich habe die Ehre usw.

Capel.«

Was mich betraf, so schrieb ich gleich im ersten Augenblick an Nelson einen Brief voll überschwänglichen Entzückens, den ich jedoch hier nicht anführen kann, da ich keine Kopie desselben aufbewahrt habe, den Nelson aber teilweise in dem folgenden Brief, den er an seine Gattin schrieb, wiederholt:

»Auf offenem Meer, den 16. September 1798.

Das Königreich beider Sizilien ist wahnsinnig vor Freude, vom König an bis zu dem letzten Bauer. Nach dem, was mir Lady Hamilton in ihrem Briefe über die Königin schreibt, so muß einem der Zustand der letzteren wahrhaft leid tun. Ich wiederhole hier die eigenen Worte von Lady Hamilton:

›Wie vermöchte ich Ihnen das Entzücken der Königin zu schildern? Das ist geradezu unmöglich. Sie weint, sie schreit, sie läuft wie eine Wahnsinnige in ihren Gemächern umher, umarmt alle, welche ihr in den Weg kommen, und lacht und weint zugleich. ›O braver Nelson!‹ ruft sie bei jeder Gelegenheit aus: ›Gott segne unsern Befreier! O Nelson! Nelson! was verdanken mir Ihnen nicht! O Sieger, o Erretter Italiens! Warum kann mein dankbares Herz nicht bei Ihnen sein und Ihnen seine Freude kund geben!‹

Das übrige kannst Du Dir denken, teure Fanny. Lebe wohl. Mein Kopf gestattet mir nicht, Dir auch nur die Hälfte von dem zu sagen, was ich Dir sagen möchte; alle meine Anstrengungen wären beinahe verlorene gewesen, allein Gott hat mich beschützt.

Dein H. Nelson.«

Man muß die Ehrenbezeigungen, die Nelson erwiesen wurden, und die Belohnungen, mit denen er von allen Fürsten Europas buchstäblich erdrückt ward, kennen, um sich einen Begriff von dem Haß, ja vielleicht von dem Schrecken zu machen, den Frankreich zu dieser Zeit dem ganzen Europa einflößte.

Eines Tages setzten wir mit Nelson eine Liste dieser Belohnungen auf. Es ist die folgende und geht vom Oktober 1798 bis zum Oktober 1799:

Erstens erhielt er von dem König und der Königin von England die englische Pairswürde und eine goldene Medaille.

Von dem Unterhause auf einen Befehl des Königs vom 22. November 1798 für sich und seine beiden nächsten Erben den Titel eines Barons vom Nil und von Burnham-Thorpe, mit einer Rente von zweitausend Pfund Sterling, die vom 1. August 1798, dem Tage der Schlacht am Nil, auszuzahlen war.

Von dem englischen Parlamente für sich und seine beiden nächsten Erben ebenfalls eine Rente von zweitausend Pfund Sterling.

Von dem irischen Parlamente eine Rente von tausend Pfund Sterling.

Von der westindischen Kompagnie zehntausend Pfund Sterling.

Von der türkischen Kompagnie ein kostbares Tafelservice.

Von der Stadt London einen Degen, dessen Griff reich mit Diamanten besetzt war. Von dem Sultan eine Diamantagraffe mit dem Chelmik oder Siegesfederbusch, die auf zweitausend Pfund Sterling geschätzt ward und einen kostbaren Pelz, den man auf tausend Pfund schätzte.

Von der Mutter des Sultans, der Sultanin Valide, eine mit Diamanten besetzte Dose an Wert von tausend Pfund Sterling.

Von dem König beider Sizilien einen Degen, dessen Griff mit Diamanten besetzt war und der einen Wert von fünftausend Pfund Sterling hatte.

Von dem König von Sardinien eine mit Diamanten besetzte Tabaksdose im Werte von zwölfhundert Pfund Sterling.

Von der Regierung der Insel Zante einen Degen mit goldenem Griff und einen Stock mit goldenem Knopf.

Von der Stadt Palermo eine goldene Dose und eine goldene Kette auf einem silbernen Teller.

Das originellste Geschenk und sozusagen das englischste, welches Nelson auch die größte Freude bereitete, war das seines Freundes, des Kapitäns Hallowell, des Kommandanten des »Swiftsure«.

Wie ich bereits gesagt, flog das französische Schiff »der Orient« in die Luft und seine Trümmer bedeckten eine große Strecke weit das Meer. Unter diesen Trümmern bemerkte der Kapitän Hallowell den Hauptmast, der unbeschädigt geblieben war. Er ließ alle Schaluppen aussetzen, und unbekümmert darum, wie die Schwimmer sich inmitten der Trümmer abarbeiten mußten, befahl er, nur den Hauptmast des »Orients« zu retten. Alle Schaluppen des »Swiftsure« hingen sich an diesen Mast und schleppten ihn an Bord. Sogleich ließ Ben Hallowell den Schlosser und den Zimmermann kommen, und befahl ihnen in dem stärksten Teil des Mastes einen Sarg auszuhöhlen, der mit denselben Nägeln und Klammern beschlagen ward, die man aus demselben Mast gezogen. Nachdem der Sarg fertig war, schickte Hallowell denselben mit folgendem Brief an Nelson:

»An den ehrenwerten Lord Nelson.

Mylord!

Ich schicke Ihnen einen Sarg, der vollständig aus dem Holze und den Eisenbeschlägen des Hauptmastes des französischen Schiffes ›der Orient‹ gefertigt ist, damit Sie, wenn Sie diese Welt verlassen, in Ihren Trophäen ruhen können. Die Hoffnung, daß dieser Tag noch fern sei, ist der aufrichtige Wunsch Ihres gehorsamen und treuen Dieners.

An Bord des ›Swiftsure‹, den 23. Mai 1799.

Ben Hallowell

Wie ich gesagt habe, nahm Nelson dieses Geschenk mit der größten Freude auf. Eine Zeitlang ließ er den Sarg, mit dem Deckel an die Wand gelehnt, dicht hinter dem Lehnstuhle, auf welchem er sich zu Tisch setzte, stehen. Endlich erhielt ein alter Diener, den dieses posthume Möbel betrübte, von Nelson die Erlaubnis, den Sarg in das Zwischendeck zu schaffen.

Als Nelson den arg beschädigten »Vanguard« verließ, kam der Sarg mit ihm an Bord des »Donnerers«, wo er lange auf dem Oberdeck des Schiffes stand.

Eines Tages bewunderten die jungen Offiziere des »Donnerers« das Geschenk des Kapitäns Ben Hallowell; Nelson rief ihnen aber aus seiner Kajüte zu:

»Bewundern Sie den Sarg, so lange Sie wollen, meine Herren; es wird ihn aber doch keiner von Ihnen bekommen.«

Ach, ich brauche nicht erst zu sagen, daß der arme Nelson in dem Sarge ruht, den ihm Ben Hallowell geschenkt.

Ich gestehe, daß mir die Hand zitterte und daß mir Tränen in die Augen traten, als ich mich dieser traurigen Einzelheiten erinnerte; sie machen aber einen Teil des Ruhmes und der Größe meines Helden aus, und ich habe mich nicht für berechtigt gehalten, sie mit Schweigen zu übergehen.

Drittes Capitel

Am 19. erhielten wir die Nachricht, daß Nelson am 16. die Höhe von Stromboli passiert habe. Man dachte, daß er bald nach Neapel kommen müßte, und indem man es darauf ankommen ließ, was Garat, der Gesandte der französischen Republik, denken, sagen oder tun würde, traf man Vorbereitungen zu großen Festlichkeiten. Drei Tage vorher waren der »Culloden« und der »Alexander« eingetroffen, die, da sie weniger beschädigt waren, als der »Vanguard« diesem fünf Tage voraus waren.

Auf dem Kap Campanella und dem höchsten Punkte des Felsens von Capri stellte man Wachen auf. Dieselben sollten durch Signale die Ankunft von Nelsons Flotte melden und sogleich diese Nachricht nach Neapel entsenden.

Hierauf schmückte man eine große Barke prächtig aus. Man spannte ein purpurnes Zelt darüber, welches mit den Wappen Englands und des Königreichs beider Sizilien gekrönt war. Man verschönte die Barke durch Fahnen und Trophäen der beiden vereinigten Nationen, man bereitete zwölf bis fünfzehn andere Barken, welche der Hauptbarke folgen sollten, und wartete, nachdem man Befehl erteilt, daß ein jeder vom Hofe sich bereithalten sollte, beim ersten Zeichen Nelson entgegenzueilen.

Inzwischen hatte die Königin ihre Zärtlichkeit gegen mich verdoppelt und mir ihre geheimsten Gedanken mitgeteilt.

Marie Karoline verhehlte es sich nicht, daß die Feste, die sie dem Sieger am Nil zu Ehren geben wollte, einen Krieg mit Frankreich nach sich ziehen würden, und trotzdem, daß Frankreichs Kräfte durch den Verlust seiner Flotte und den von 30 000 Mann, die mit Bonaparte in Egypten eingeschlossen waren, vollständig erschöpft waren, war es doch nichtsdestoweniger ein Feind, den man fürchten, ja schonen mußte.

Daher mußte der Hof von Neapel um jeden Preis Nelson und hinter diesem England für sich gewinnen.

Nun aber rechnete die Königin, um Nelson zu gewinnen, auf mich.

Die stolze Marie Karoline bat die englische Gesandtin, wie die arme Amy Strong die bescheidene Emma gebeten hatte. Sollte ich weniger für eine Königin tun, als ich für eine kleine Bäuerin getan?

Mein Leben hatte mit der Verführung des Admirals John Payne begonnen, und sollte mit der Verführung des Admirals Horatio Nelson enden. Ich bewunderte Nelson, ich liebte ihn aber noch nicht; meine Liebe zu ihm entstand erst durch seine große Liebe zu mir. Die bis zum Übermaß gesteigerten Gefühle sind auch ansteckend.

Ich versprach der Königin, zu tun, was in meinen Kräften stände, sagte ihr aber, daß Sir William uns hindernd im Wege stehen würde. Karoline lachte.

»Sir William,« sagte sie, »ist ein viel zu guter Engländer, als daß er den Sieger vom Nil nicht auch belohnen sollte. Überdies braucht er gar nicht gefragt zu werden. Wenn ich Nelson liebte, so würde ich mir gewiß nicht die Mühe nehmen, den König über das um Rat zu fragen, was mir zu tun beliebte.«

»Majestät,« erwiderte ich, »der König Ferdinand war Kronprinz und Sie waren Erzherzogin von Österreich, Sie haben ihm eine eben so große, ja größere Mitgift gebracht, als er Ihnen. Das war jedoch nicht mit Sir William und mir der Fall. Wer war ich denn, als er mich heiratete? Die Maitresse seines Neffen. Wer war ich vorher, ehe ich die Maitresse seines Neffen war? Er hat es vergessen, Madame, und ich möchte ihn nicht gerne wieder daran erinnern.«

Die Königin legte mir die Hand auf den Mund.

»Wir werden schon alles gut einzurichten wissen,« sagte sie. »Derjenige, der etwas anderes als dein Glück wollte, würde mein größter Feind sein. Bedenke doch, ob ich dich unglücklich machen wollte!«

Ich ward nachdenklich, denn ich fühlte deutlich, daß sich mir eines jener Ereignisse näherte, die auf das ganze Leben Einfluß ausüben.

Am 22. September wurden wir früh um sechs Uhr benachrichtigt, daß zwei oder drei große Schiffe von den Wachen signalisiert worden seien, und daß das eine dieser Schiffe die Admiralsflagge trüge.

Seit fünf oder sechs Tagen war der König in Erwartung der Festlichkeiten nicht auf die Jagd gegangen, was ihm tiefe Seufzer kostete, denen die Königin aber durchaus keine Beachtung schenkte.

Sogleich ward Befehl gegeben, daß jeder auf dem ihm angewiesenen Posten sein sollte, die Geistlichen aller Kirchspiele wurden benachrichtigt, ihre Glocken zum Läuten bereitzuhalten, die Kommandanten aller Forts mußten die Kanonen laden lassen, denn man hatte sich vorgenommen, Nelson einen königlichen Empfang zu bereiten.

Der Admiral Caracciolo sollte die Führung der kleinen Flottille übernehmen, die Nelson entgegensegeln sollte. Natürlich befehligte er die Hauptbarke, welche der König und die Königin besteigen wollten. Um daher zu jeder Stunde am Tage oder in der Nacht bereit zu sein, blieb er seit der Ankunft des »Culloden« und »Alexander« fortwährend an Bord der Hauptbarke.

Die Königin hatte Sir William Hamilton, in seiner Eigenschaft als englischer Gesandter und vielleicht auch aus anderen Gründen, die sie nicht nannte die Ehre, Nelsons Wirt zu sein, überlassen und besonders an dem Tage seiner Ankunft sollte er uns ganz gehören.

Sir William hatte große Vorbereitungen getroffen und ich hatte mit großer Freude, ja mit großem Stolze meine Sorgfalt den Vorbereitungen gewidmet, die von dem Auge einer Frau geleitet und von ihrem Geschmack geordnet werden müssen.

Wie fast stets hatte ich die Nacht im Palais zugebracht, denn nur selten ließ mich die Königin in das Gesandtschaftshotel zurückkehren. Sir William allein hatte das Recht, sich darüber zu beklagen, und er beklagte sich nicht. Sir William war zu dieser Zeit beinahe siebenundsechzig Jahre alt.

Die Königin, welche wünschte, daß ich schöner als je aussehen sollte, entwarf die großartigsten Pläne in bezug auf meine Toilette; mein Entschluß aber stand fest. Ich wollte kein anderes Kostüm, als das, in welchem Romney mich gemalt hatte, als wir, Sir William und ich, nach London zurückgekehrt waren, um unsere Vermählung sanktionieren zu lassen.

Dieses Kostüm bestand bekanntlich aus einem langen weißen Kaschmirgewande in Form einer griechischen Tunika, welches in der Taille von einem roten, goldgestickten Maroquingürtel zusammengehalten ward, den eine Agraffe, eine Kamee, die nichts anderes als das Porträt Sir Williams war, schloß. Mein Haar, für welches ich stets allen Schmuck verschmäht habe, sollte ungepudert auf meine Schultern herabwallen und ich wollte mich in einen großen roten indischen Shawl, der mit Blumen gestickt war, hüllen. Dieser Shawl hatte mir oft bei der Königin und in unseren vertrauten Zirkeln bei dem von mir erfundenen Shawltanz gedient, den seitdem alle Tänzerinnen nachgeahmt.

Die Königin machte dagegen eine königliche Toilette und war über und über mit Diamanten bedeckt. Auch der König war in großer Toilette und mit seinen Hausorden von Spanien, Frankreich und Österreich geschmückt.

Um acht Uhr waren alle bereit.

Wir gingen die Arsenaltreppe hinab nach dem Kriegshafen. Die Hauptbarke erwartete uns; Caracciolo in großer Galaadmiraluniform stand auf seiner Quartierbank.

Kaum befanden sich der König und die Königin an Bord, als von allen Seiten die Kanonen der Kastelle donnerten und die Glocken der dreihundert Kirchen von Neapel zu läuten begannen.

Die Stadt bot mit ihren von Rauch umwölkten und von Blitzen erleuchteten Türmen ein majestätisches Schauspiel dar.

Die Barke stieß vom Lande, sie war nach dem Muster der alten römischen Galeeren gebaut. Sir William hatte die Zeichnung dazu geliefert und er behauptete, daß dieselbe genau nach der Galeere gefertigt worden sei, in welcher Kleopatra dem Antonius entgegengesegelt.

Die Königin sagte lachend, daß dies eine Anspielung des englischen Gesandten sei, und daß er nichts dagegen haben würde, wenn die neue Kleopatra in ihrer Liebe zu einem andern Antonius ihre Ähnlichkeit mit der Königin von Aegypten noch weiter verfolgte.

Die ganze Flottille setzte sich in Bewegung und die Hauptgaleere mit ihren vierzig Ruderern führte den Zug an.

Dieser Golf, dessen azurnes Blau an Tiefe und Klarheit mit dem Azur des Himmels wetteifert, bot an dem schönen, lichtvollen Septembermorgen mit den zwölf oder fünfzehn Barken, die an Schönheit und Eleganz einander zu übertreffen suchten, die mit purpurnen Zelten, wehenden Flaggen und Blumen geschmückt waren, und deren jede eine balsamische Spur zurückließ, einen herrlichen Anblick dar.

Die ganze Flottille setzte sich unter dem Läuten der Glocken, dem Donner der Kanonen und dem Beifallsrufen der unzähligen Menschenmenge von Neapel, die auf dem Molo und auf den Kais sich drängte, mit den Taschentüchern wehte, die Mützen in die Luft warf und wie toll rief: »Es lebe der König! Es lebe Nelson! Nieder mit den Franzosen!« in Bewegung.

Die Königin biß sich mit gehässigem Lächeln auf die Lippen, denn nicht ein einzigesmal hörte man den Ruf: »Es lebe die Königin!«

Übrigens waren wir bald so weit von der Stadt entfernt, daß wir das Rufen nicht mehr hören konnten, nur noch das Geläute der Glocken und der Donner der Kanonen drang zu uns.

Sobald wir den Hafen verlassen, hatten wir am Horizonte das Schiff bemerkt, dem wir entgegenfuhren. Der Wind trieb es uns entgegen, so daß mir ihm nicht hätten entgegenfahren können, wenn wir aus Mangel an Rudern hätten segeln müssen.

So geschah es denn, daß sich durch dieses gleichzeitige Entgegenkommen zweier Flotten die Entfernung zwischen beiden schnell verminderte.

Das Schiff, welches uns am nächsten war, trug, wie die Wachen gesagt hatten, an seinem Hauptmast die Admiralsflagge, und überdies erkannte der Admiral Caracciolo mit dem unfehlbaren Auge eines Seemanns den »Vanguard«.

Ohne Zweifel hatte Nelson seinerseits, trotz der großen Entfernung, die kleine Flottille entdeckt und erkannt, denn da er erriet, daß sie zu ihm und seinetwegen kam, so ließ er einen Kanonenschuß abfeuern, von dem wir lange schon den Rauch sahen, ehe wir den Knall hörten, und einer Flamme gleich ward an der Mastspitze das rote englische Banner aufgehißt.

Wir konnten die Schüsse vom »Vanguard« nicht erwidern, da wir keine Artillerie an Bord hatten, sogleich aber ließ unser Musikkorps unter der Leitung von Dominico Cimarosa die fröhlichsten Fanfaren ertönen, und mir für meinen Teil gefiel es besser, Nelson auf diese Weise meine Huldigungen darzubringen, als ihn mit dem rauhen Donner der Kanonen zu begrüßen.

Nicht ohne heftige Aufregung fühlte ich mich zu dem Helden hingezogen, von dem ich wußte, daß er mich bis zum Wahnsinn liebte. Noch hatte kein Gefühl in meinem Herzen eine so entschiedene Gestalt angenommen, als daß ich selbst wissen sollte, welche Empfindungen mich bei seinem Anblick bewegten, nur fühlte ich an dem Schauder, der meinen ganzen Körper durchrieselte, und an der wechselnden Röte und Blässe meines Gesichts, daß diese Empfindungen sehr heftige sein würden.

Der »Vanguard« hatte das Kap Campanella und wir Torre del Greco passiert; wir waren kaum noch drei Meilen voneinander entfernt und in einer Viertelstunde oder in zwanzig Minuten befanden sich die Hauptbarke und der »Vanguard« vielleicht einander dicht gegenüber. Die Königin sah meine Unruhe und da ich, wie gewöhnlich, zu ihren Füßen saß, so neigte sie sich an mein Ohr und flüsterte:

»Mut, du Törichte! Denke an Amy Strong, den Admiral Payne und den Matrosen Richard. Nur bittet dich jetzt nicht Amy Strong, sondern die Königin von Neapel. Wir eilen auch nicht dem Admiral Payne entgegen, sondern dem Admiral Horatio Nelson und endlich handelt es sich nicht um die Rettung eines armen Matrosen, sondern um die eines ganzen Königreiches.«

»O Madame,« erwiderte ich, »eben das erschreckt mich. Wenn der Zweck kein so großer wäre, so würde auch meine Angst geringer sein; nie aber habe ich daran gedacht, daß man mir eines Morgens sagen würde: ›Das Heil eines Königreiches hängt von dir ab‹, so daß ich in dem Augenblicke, wo mir diese ernste Mission zuerteilt wird, zögere und nicht die Kraft zur Erfüllung derselben in mir fühle.«

Die Königin faßte meine Hand und drückte dieselbe, als ob sie mir ihre Kraft durch eine Art magnetischer Leitung mitteilen wollte. Und wirklich fühlte ich mich gestärkt, ja beinahe begeistert, so lange sie meine Hand hielt.

Wir ruderten so fort und befanden uns endlich dem »Vanguard« dicht gegenüber. Ich sah und hörte nicht mehr, ich befand mich fast in einem ebensolchen Zustande, wie den, in den mich Doktor Graham während der Ausstellung auf dem Apollobett zu versetzen wußte. Ich verstand, daß die Königin mich aufforderte, mich zu erheben; ich fühlte, daß sie mich nach der Schiffstreppe schob. Mechanisch und ohne zu bemerken, daß ich voranging, was doch gegen alle Etikette war, faßte ich das Geländer und stieg hinauf. Oben an der Treppe wartete Nelson mit gezogenem Hute.

Hier gewann ich das Leben wieder, hier befand ich mich wieder dem Manne gegenüber, den ich seit seiner Reise von Toulon nach Neapel nicht gesehen. Seitdem hatte er ein Auge und einen Arm verloren, eine schwarze Binde bedeckte seine Stirn und verbarg seine letzte Wunde. Ich sah diese ganze Gesamtheit von Verstümmelungen, ein unermeßliches Gefühl des Mitleids bemächtigte sich meiner, ich kannte nur eine Belohnung, die des Helden würdig war, der vor mir stand, ich breitete die Arme aus und sank an sein Herz, indem ich ausrief:

O mein Gott, ist es möglich! – Teurer großer Nelson!«

Ich war nahe daran, ohnmächtig zu werden, zum Glück aber stürzten Ströme von Tränen aus meinen Augen und Schluchzen erleichterte mein Herz, sonst wäre ich erstickt.

Von diesem Augenblicke an gehörte ich Nelson so vollständig an, als wenn er mich bereits besessen hätte.

Das war mehr als Resignation, mehr als Hingabe, mehr als Liebe, es war Verhängnis!

Viertes Capitel

Der König und die Königin bestiegen nach mir den »Vanguard« und fanden mich in dem bereits geschilderten Zustande an Nelsons Brust, von seinem einzigen Arm gestützt. Sein Hut war auf das Deck gefallen und in der Ekstase seines Glückes blickte er mit rückwärtsgeneigtem Haupte gen Himmel.

Endlich brachten ihn die Hurras der auf den Raaen stehenden Matrosen wieder zu sich; er wendete den Blick wieder der Erde zu und sah nun, was um ihn her vorging.

Um ihn herum standen der König, die Königin, die Minister und die Höflinge, die alle gekommen waren, um dem Helden von Abukir zu huldigen, wie sie dem Siegesgotte selbst gehuldigt haben würden.

Der König hielt einen prachtvollen Degen in der Hand, der reich mit Diamanten besetzt war und der einen materiellen Wert von fünftausend Pfund Sterling hatte, jedoch außerdem noch von unberechenbarem historischen Werte war. Es war dies nämlich der Degen, den Ludwig der Vierzehnte, Philipp dem Fünftem bei seiner Abreise nach Spanien gegeben hatte und den dieser wieder seinem Sohne schenkte, als dieser nach Neapel ging. Als der König Philipp der Fünfte den Degen seinem Sohne Don Carlos gab, sagte er: »Dieser Degen gehört dem Eroberer des Königreichs Neapel,« und als Don Carlos ihn seinem Sohne vermachte, hatte er gesagt: »Dieser Degen gehört dem Verteidiger des Reiches, das ich dir erobert habe.«

Ferdinand betrachtete jetzt Nelson als den Erretter des Königreiches und gab ihm das prachtvolle Erbstück, das von seinem Großvater und seinem Vater auf ihn gekommen war.

Die Königin überreichte ihrerseits dem verstümmelten Helden das Patent eines Herzogs von Bronte. Es war dies eine feine Schmeichelei, da Bronte einer der drei Zyklopen war, die den Donner schmieden, und die Königin nannte ihn in Wirklichkeit auch den Herzog vom Donner.

Mit dieser Herzogswürde war ein Einkommen von dreitausend Pfund Sterling verbunden.

Außerdem teilte der König Nelson mit, daß er die Absicht habe, einen militärischen Verdienstorden zum heiligen Ferdinand zu stiften, und versprach ihm den ersten Grad dieses Ordens, der nach den Familienpatenten verteilt werden würde.

Damit die vornehmen Gäste bequem an Bord steigen könnten, hatte der »Vanguard« beigelegt. Ich glaubte, daß es für Nelson die angenehmste Schmeichelei sein müßte, wenn wir ihn bäten, uns die Narben seines Schiffes, das nicht weniger verstümmelt war, als er, zu zeigen. Denn dadurch ward er genötigt, uns die Schlacht zu erzählen und demnach auch von sich zu sprechen.

Natürlich begannen wir mit der Kajüte des Admirals. Kaum hatten wir dieselbe betreten, als ein kleiner Vogel, eine Art Feigenschnepfe, zum Fenster hereinflog und sich auf Nelsons Schulter setzte. Eben wollte ich, erstaunt über die Zutraulichkeit dieses neuen Gastes, Nelson fragen, als dieser einen Freudenschrei ausstieß.

»O,« sagte er, »sei mir willkommen, und heute mehr denn je, mein reizender Begleiter!«

Und er nahm den kleinen Vogel in die Hand, küßte ihn und reichte ihn mir zum Kusse, worauf er ihn wieder auf seine Schulter setzte, wo er ganz ruhig sitzen blieb, ohne sich durch unsere Gegenwart stören zu lassen.

Was Nelson soeben gesagt, erregte den lebhaften Wunsch in mir, etwas Näheres über das reizende kleine Tier zu erfahren, welches gekommen zu sein schien, um dem Sieger vom Nil seine Glückwünsche darzubringen. Dieselbe Neugierde bemerkte ich auch in den Augen der Königin, des Königs und in denen aller Umstehenden.

»So hören Sie denn, was ich Ihnen sagen werde,« hob Nelson an, »und halten Sie es nicht für ein Weihnachtsmärchen. Dieser kleine Vogel ist mein guter Genius!«

»Inwiefern, Mylord?« fragte ich.

»Die Alten kämpften nicht, ohne die Wahrsager zu befragen, versichert man uns. Auch ich sollte nie kämpfen, ohne meinen kleinen Vogel zu befragen, denn er ist mein Prophet.«

»O erzählen Sie uns die Geschichte, Mylord!« sagte die Königin.

»Ich weiß wirklich nicht, ob es der Mühe wert ist, eine solche Kinderei Euer Majestät zu erzählen,« sagte Nelson.

»O ja, ja,« riefen wir, die Königin und ich, gleichzeitig.

»Nun, Madame, nun, Mylady, in was für einem Lande der Erde ich mich auch befinde, so kommt stets, wenn mir ein Glück bevorsteht, ein solcher Vogel – ich will nicht behaupten, daß es stets derselbe ist – und setzt sich auf meine Schulter. Wenn mir jedoch ein Unglück bevorsteht, so verschwindet er. Zum ersten Male sah ich ihn in Nordamerika und zwar in Kanada. Von vier französischen Fregatten verfolgt, wußte ich keinen anderen Ausweg, als eine bis dahin für unzugänglich gehaltene Durchfahrt zu passieren. Der Vogel setzte sich auf meine Schulter. Ich lenkte meine Brigg durch die Felsen und kam glücklich durch. Hierauf flog der Vogel fort. . . . Vor fünf Jahren kam ich von Toulon nach Neapel. Ich kreuzte den Kanal von Ischia, stand auf dem Deck und der Vogel setzte sich auf meine Schulter. Am folgenden Morgen hatte Seine Majestät der König die Gnade, mich wie einen Freund zu empfangen und Sir William nahm mich auf wie einen Sohn. Die Königin reichte mir die Hand zum Kusse, und Sie, Mylady, sagten zu mir: ›Dieses Haus ist das Ihrige,‹ indem Sie mir ein Zimmer im Gesandtschaftshotel zur Verfügung stellten. . . . Bei der Belagerung von Calvi, wo ich ein Auge verlor, und bei der Belagerung von Teneriffa, wo ich einen Arm verlor, habe ich meinen kleinen Propheten nicht gesehen. Am Morgen von Abukir aber setzte er sich wieder auf meine Schulter, und jetzt ist er abermals da. Er ist zugleich mit Ihnen in die Kajüte gekommen. So kann ich diesen Vogel denn mit Recht meinen guten Genius nennen. Wenn ich ihn am Vorabend einer Schlacht nicht wiedersehe, so werde ich mein Testament machen, denn der nächste Tag wird dann wahrscheinlich mein letzter sein. … Verzeihen Sie aber, daß ich Ihnen eine solche Torheit erzählt habe! Sie wissen ja, Madame, daß die Seeleute ihren Aberglauben haben; mein lieber, kleiner Vogel ist mein Aberglaube, und mehr als je werde ich von nun an daran festhalten.«

»Und niemals hat er sich auf die Schultern eines andern, als auf die Ihrigen gesetzt?« fragte ich Nelson.

»Niemals.«

»Niemals hat er sich von einer andern Hand als der Ihrigen angreifen lassen?«

»Niemals – Sie müßten es aber versuchen —«

Ich streckte die Hand aus, der Vogel ließ sich fassen. Ich weiß nicht, warum ich so erfreut war, etwas mit diesem Helden gemein zu haben.

Ich ließ den Vogel los und er setzte sich wieder auf Nelsons Schulter.

»Ah, Madame,« sagte ich zur Königin, »versuchen Sie es doch auch einmal.«

Die Königin streckte die Hand aus, der Vogel tat jedoch einen leisen Schreckensruf, flog nach dem Fenster und verschwand. Nelson hielt meine Hand und drückte sie. Ich konnte nicht umhin, diesen Druck zu erwidern.

Dieser Zwischenfall, an den ich seitdem so oft gedacht habe, lenkte uns eine Zeitlang von dem begonnenen Besuche ab, dann aber setzten wir denselben fort. Wenn man die Kugellöcher zählte, welche sich in dem »Vanguard« befanden, so fragte man sich, wie es möglich gewesen, daß das Schiff nicht gesunken und die ganze Mannschaft vom ersten bis zum letzten Mann getötet worden war.

Es war ein Uhr. Um nach Neapel zurückzukehren, brauchte man wenigstens zwei und eine halbe Stunde, und dann mußten wir auch das Te Deum anhören.

Sir William, der ein Diner bestellt hatte, welches eines Apicius würdig gewesen wäre, fürchtete für dasselbe und sagte dem Könige, daß man, wenn man noch länger auf dem »Vanguard« verweile, Gefahr liefe, entweder alles kalt oder verbrannt essen zu müssen.

Der König Ferdinand war für dergleichen Bemerkungen sehr empfänglich. Er sprach daher mit der Königin und diese lud Nelson ein, mit an Bord der Hauptbarke zu kommen.

Jetzt war der Admiral Caracciolo an der Reihe, die Honneurs auf der Barke zu machen. Er stellte sich unten an die Treppe des »Vanguard« und empfing zuerst den König, die Königin und mich, dann den Kronprinzen und seine Schwester, vor der man mir fast immer mit oder ohne Absicht den Vortritt ließ, dann die Minister, die Gesandten, die hohen Offiziere, kurz alle, die mit der Hauptbarke gekommen waren, und dann Nelson.

Die Begrüßung der beiden Admiräle war auf beiden Seiten kurz und kalt. Überdies sprach Caracciolo auch nicht englisch, ebensowenig wie Nelson italienisch. Er sagte seinem Kollegen ein Kompliment in bezug auf die Schlacht am Nil und da Nelson nicht antworten konnte, so lächelte und grüßte er nur.

Man steuerte auf Neapel zu. Caracciolo begab sich wieder auf seine Quartierbank. Die Königin ließ Nelson zwischen sich und mir Platz nehmen.

Kaum hatte man von den Kastellen aus gesehen, daß die Flottille sich vom »Vanguard« trennte und wieder den Weg nach Neapel einschlug, so fingen auch die Kanonen wieder zu donnern und die Glocken zu läuten an.

In dem Augenblicke, wo Nelson den Fuß auf die Galeere setzte, hatte die Musik auf ein Zeichen das prächtige Lied: »God save the King« angestimmt, welches Ludwig der Vierzehnte zu Ehren Jakobs des Zweiten, der als Verbannter in Saint-Germain lebte, von Lully hatte komponieren lassen. Nelson, der einfache Sohn eines Pfarrers von Burnham-Thorpe, der nie an den Hof gekommen und höchstwahrscheinlich nie mit einem König, einer Königin, ja nicht einmal mit einem Fürsten gesprochen hatte, war berauscht, ja beinahe wahnsinnig. Meine Augen, die ihm das Interesse, welches ich für ihn empfand, nicht verbargen, brachten ihn vollends um die Besinnung.

Diese Rückkehr nach Neapel schien eine Auferstehung der antiken Gebräuche, die zu der Zeit herrschten, als Miltiades oder Themistokles als Sieger in Athen einzogen.

Noch mehr aber war dies der Fall, als man sich dem Ufer näherte, als Nelson den Molo, die Kais, die Plattformen der Türme, die Terrassen der Häuser mit Menschen bedeckt sah, als er die Beifallsrufe, die Vivats, die Hurras der Menge hörte, als die Artillerie die Salven und die Glocken ihr fröhliches Geläute verdoppelten, kurz, als ganz Neapel, diese zu allen Zeiten so geräuschvolle Stadt, die verschiedenartigen Geräusche, welche stets bei besonderen Gelegenheiten der Ausdruck der Freude oder des Zornes von fünfhunderttausend Einwohnern sind, verdrei-, vervier-, ja verfünffachte.

Noch sehr von seiner letzten Wunde angegriffen, erblaßte er mehrere Male sichtlich und schien nahe daran, ohnmächtig zu werden.

Ehe ich die Barke verließ, lud ich, auf die Bitte der Königin, den Admiral Caracciolo ein, mit an dem Feste teilzunehmen, welches seinem Kollegen, dem englischen Admiral Nelson, zu Ehren gegeben werden sollte. Mochte uns nun aber der neapolitanische Fürst für zu schlechte Gesellschaft für sich halten, oder mochte seine Entschuldigung eine wirklich begründete sein, kurz, er erwiderte mir mit großer Höflichkeit, daß er, da die Nacht stürmisch zu werden drohte, und der Hafen von nur mäßiger Sicherheit wäre, das Ankern der englischen Schiffe, die, da sie schon im Kampfe sehr gelitten, vielleicht einem Sturme nicht mehr würden widerstehen können, selbst überwachen wolle.

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30 kasım 2019
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970 s. 1 illüstrasyon
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