Kitabı oku: «Salvator», sayfa 76
Der Spaziergang dieser Enthusiasten dauerte eine Stunde.
Wenn jedoch, auf ihre patriotische Aufforderung einige verspätete Lämpchen sich entzündeten, so waren andere hastigere beim Ende ihres Oels angekommen und erloschen. Das war jedoch Nicht die Schuld der Lampionnaires.
Die Masse deutete auf ein Haus, das in der tiefsten Dunkelheit da lag, und forderte mit wildem Geschrei die Bewohner dieses Hauses auf, zu illuminieren.
Das Geschrei schloß. immer mit solchen Verwünschungen: – jede Zeit politischer Aufregung hat die ihrigen; wir berichten die von 1827, —
»Nieder mit den Jesuiten!«
»Nieder mit den Bigotten!«
»Nieder mit den Ministeriellen!«
»Nieder mit den Villèlisten!«
Keiner der Hausbesitzer gab ein Lebenszeichen von sich. Dieß Schweigen brachte die Masse zur Verzweiflung.
»Sie antworten sogar nicht mal!« rief einer aus der Menge.
»Das ist eine-Beleidigung des Volkes,« sagte ein Anderer.
»Man insultirt die Patrioten! rief ein Dritter.
»Nieder mit den Jesuiten!« heulte ein Vierter.
»Nieder mit ihnen! nieder mit ihnen!« wiederholten die Straßenjungen mit ihren Fistelstimmen.
Und als ob dieser Ruf ein Signal gewesen, zog der ganze Haufen aus den Taschen der Weste, oder den Taschen der Blouse, oder den Taschen der Schürze Steine von allen Formen und Größen und schleuderte sie in die Fenster des stillen Hauses.
Nach Verfluß von einigen Minuten war kein Fenster mehr ganz.
Das Haus war ganz durchbrochen zum großen Gelächter der meisten Umstehenden, die in diesen Ereignissen nur eine passende Lection für die sahen, welche man damals schlechte Franzosen nannte.
Der Aufstand begann.
Man stürzte in das Haus es war leer.
»Es war ein Haus, das im Augenblick im Innern ganz neu restauriert wurde und das gerade unbewohnt war.
Wirkliche Aufrührer hätten sich bei dem Grunde beruhigt, daß in Abwesenheit von Miethsbewohnern nicht beleuchtet werden könne; unsere Aufrührer aber, oder vielmehr die des Herrn Jackal, waren ohne Zweifel naiver oder geschickter als gewöhnliche Aufrührer; denn als sie das Haus ohne Möbel und Bewohner fanden, stießen sie ein so wildes Geschrei aus, daß die, welche auf der Straße geblieben, zu heulen begannen:
»Rache, man ermordet unsere Brüder!«
Unsere Leser wissen so gut als wir, »daß man Niemanden ermordete.
Aber es war ein Vorwand oder vielmehr ein Signal. um die bewohnten Häuser zu überfallen, deren Lämpchen das Unglück hatten, zu erlöschen.
Die Lämpchen wurden zu großer Freude der Masse wieder angezündet.
In diesem Momente, kamen Wagen durch die Straße Saint Denis, welche nach dem Marché des Innocents fahren oder von dort kamen.
Die Fuhrleute, welche die Wagen führten, waren mit gutem Rechte erstaunt, in dieser gewöhnlich so ruhigen Straße, zu solcher Stunde eine solche Masse Schreiender, Singender, Jauchzender zu finden, die Tausende von Schwärmern nach allen Seiten warfen.
Die Pferde waren noch weit erstaunten, als die welche sie führten; nicht nur, daß das Geschrei der Menge im Allgemeinen den Pferden unangenehm ist; sondern was diese Vierfüßer überraschte, scheu machte, in ihrem Laufe aufhielt, das war der Geruch, die Helle und der Lärm dieses Feuerwerks.
Ein Gemüsegärtnerpferd ist kein Kriegsroß; kein Renner, der die Bellona athmet, wie der Abbé Delille gesagt hätte. Die Pferde der Gemüsegärtner blieben deßhalb mit langem Gewieher stehen, das sich mit dem Geschrei der Masse vermischte, wodurch der wildeste Lärm, das unharmonischste Concert entstand.
Die Fuhrleute gaben ihren Pferden die besten Peitschen hiebe; aber statt vorwärts zu gehen, huften sie.
»Sie werden schon gehen!« riefen die Einen.
»Sie werden nicht gehen,« riefen die Andern
»Ich sage euch, sie werden gehen,« sagte ein Straßenjunge, indem er einem Pferde, das der ganzen Reihe voranging, einen Schwärmer unter den Schwanz hielt.
Das Pferd schlug hinten aus, wieherte und hustete, statt vorwärts zu gehen.
Die Masse stieß ein homerisches Gelächter aus.
»Ihr versperrt die öffentliche Straße!« rief Gibassier mit einer Baßstimme.
»Seht, das ist Herr Prudhomme!« rief ein Straßenjunge.
Henry Monnier hatte gerade zu jener Zeit den Typus erfunden, der später so populär wurde.
»Ihr hindert die Manifestation der allgemeinen Freude!« rief Carmagnole als Echo von Gibassier.
»Im Namen des Allmächtigen!« murmelte Longue Avoine, den seine Beziehungen zur Sesselvermietherin von Saint Sulpice fromm gemacht, widersetzt euch nicht den Vorschriften der Vorsehung!«
»Aber tausend Donnerwetter!« rief der Fuhrmann, an den diese Worte gerichtet waren, »Ihr seht doch, daß ich nicht vorwärts kann, mein Pferd weigert sich.«
»So hufe, mein Bruder,« antworte Longue Avoine in frömmelndem Tone.
»Aber zum Teufel! ich kann ja so wenig hufen, als vorwärts kommen!« rief der Fuhrmann. »Sie sehen wohl, daß vorne und hinten die Straße mit Menschen überfüllt ist.«
»So steigt ab und spannt aus,« machte Carmagnole.
»Aber, dummes Geschwätz!« rief der Fuhrmann, »wenn ich mein Pferd ausspannte, würde mein Wagen dadurch weder vor- noch rückwärts kommen.«
»Es ist schon genug geschmatzt,« sagte Gibassier Prudhomme mit erschreckend Baßstimme.
Und indem er einem halben Dutzend Personen, die nur auf dieses Zeichen zu warten schienen, winkte, stürzte er sich auf den widerspenstigen Wagen, den er mit Leichtigkeit umwarf, während seine Gefährten das Pferd mit solcher Schnelligkeit ausspannten, daß man hätte glauben sollen, sie seien Leute vom.Handwerk.
Dies Beispiel wurden allgemein befolgt.
Wozu dienten die Beispiele, wenn man sie nicht befolgte.
Dieses Beispiel wurde also befolgt; man setzte die Fuhrleute auf den Boden und spannte die Pferde aus, die sich in der Straße befanden.
Zehn Minuten später erhob sich eine prachtvolle Barricade.
Es war die erste seit dem berühmten 12. Mai 1588.
Wir wissen alle, daß es nicht die letzte war.
C
Wo der Aufstand seinen Fortgang nimmt
Nachdem die Straße einmal versperrt war, mußte alles, was hinter den angehaltenen Wagen kam, bestenfalls anhalten.
Mitten aus diesem Haufen von Wassertonnen, Baumwagen und kleineren Karren sah man wie eine Armee von Skeletten die großen fleischlosen Arme der Gemüsegärtnerwagen emporragen, welche ihrer Last entledigt waren.
Straßenjungen, welche auf den Pflastersteinen, die in der Umgegend der Rue Grenetat aufgehäuft waren. Kätzchen spielten, hatten als sie hörten, daß man die Straße versperrte, die Idee, ihren Stein zu diesem Gebäude, das man Barrikade nennt und dessen beste Architekten die Straßenjungen sind, herbeizuschlepen.
Jeder bemächtigte sich deshalb dessen, was er gerade zur Hand fand und seiner Kraft entsprach; die einen nahmen Thürpfeiler, die anderen die der Gerüste; die kleineren die zur Herstellung der Chaussee aufgehäuften Steine. Kurz man fand alles, was man brauchten konnte, zur Hand, – wie es in solchen-Fällen immer geschieht – eine große Barrikade zu construiren, die Embryonen unserer modernen Barrikaden.
Als die Masse sich dieß Monument erheben sah stieß sie die ganze Rue Saint Denis entlang, ein ungeheures Siegesgeschrei aus. Man hätte glauben sollen, auf diesem Haufen von Holz und Steinen werde sich der Dom der Freiheit erheben.
Es war ungefähr zehn Uhr; seit beinahe einer Stunde erheben sich auf allen Seiten Barricaden die aufrührerischsten Rufe ertönten aus der Mitte der Masse; Schwärmer aller Arten und Feuerwerk wurde den Vorübergehenden unter der Nase angezündet oder durch die zerbrochenen in alle der Launigkeit berüchtigten oder der Unentschiedenheit bei dieser patriotischen Manifestation verdächtigen Häuser geworfen.
Dieser Tumult dauerte drei bis vier Stunden; die Unordnung erreichte ihren höchsten Grad und doch war noch immer kein Agent der bewaffneten Macht erschienen, nicht ein Gendarm hatte sich am Horizonte gezeigt.
Wir haben bereits ein Sprichwort angeführt. Wenn wir nicht befürchteten, Mißbrauch mit dieser Weisheit der Völker zu treiben, so würden mir sagen, wenn die Katze aus dem Hause, so tanzen die Mäuse.
Das that die Masse.
Sie bildete Kreise und begann noch mehr oder minder verbotenen, nämlich seit der Revolution verbotenen Liedern zu tanzen,
Jedermann gab sich der ungebundensten Freiheit hin: der Eine sang, der Andere tanzte, die einen bauten Barrikaden, die Andern plünderten ihres gleichen aus, jeder nach seiner Neigung, seinem Instinkte, seiner Phantasie, als man plötzlich zum großen Erstaunen dieser Menge, die ohne Zweifel geglaubt hatte, sich die ganze Nacht diesen unschuldigen Vergnügungen hingeben zu können, aus der Rue Grenetat, gerade als stiege sie aus der Erde, ein Detachement Gendarmerie hervor kommen sah.
Aber der Gendarm ist ein gutmüthiger Mensch, ein Freund der Masse, ein Beschützer der Straßenjungen, mit welchen er sich zuweilen in eine Plauderei einläßt.
Wenn man diese unschuldigen Krieger sieht, beginnt deshalb die Masse sogleich ihr bekanntes Lied:
Dans la gendarmerie,Quand un gendarme rit, Tous les gendarmes rient,Du gendarme, qui rit.34
Und die Gendarmen lachten wirklich.
Aber während sie lachten, geben sie der Masse den väterlichen Rath, nach Hause zu gehen und sich ruhig zu verhalten.
Allen gings bis dahin gut, und vielleicht hätte die Masse diesem Rathe Folge geleistet, da hörte man, als man nach der Rue Saint Denis kam, aus dem Chore heraus, der die Gendarmen begleitete, beleidigende Solis.
Diesen beleidigenden Solis folgten einige Steine, dann viele Steine.
Man hätte glauben können, mein College Scribe habe für diese Krieger den schönen Vers gemacht:
»Ein alter Soldat weiß zu leiden und zu schweigen,Ohne zu Murren.«
Das Detachement Gendarmerie schwieg und murrte nicht.
Es marschierte ruhig nach den Barrikaden und begann sie, eine um die andere, zu zerstören.
Bis dahin war alles sehr einfach, das heißt nichts sonderlich gefährlich; wenn unsere Leser jedoch nach einer Ecke der Rue aux Fers blicken wollen, so werden sie sehen, daß die Situation, so einfach sie in diesem Augenblicke war, sehr bald verwickelt zu werden drohte.
Einer der erbittertsten Barrikadenbauer der Rue Saint Denis, gegenüber der Rue Grenetat, war nämlich unser Freund Jean Taureau.
Unter der Zahl derjenigen, welche sich bei dem Ausspannen der Wagen betheiligt, waren einige Aufrührer unserer Bekanntschaft.
Diese Aufrührer waren Unsere alten Freunde Sac-à-Plâtre, Toussaint Louverture und Gibelotte.
In einiger Entfernung von diesen operierte der kleine Fasiou für sich.
Jeder hatte sein Bestes gethan und nach der Ansicht von Kennern war die Sache gelungen.
An einer Ecke der Rue aux Fers beobachtete Salvator mit jenem verächtlichen Blicke, den wir bereits kennen, die verschiedenen Scenen, die wir erzählt; er wollte sich zurückziehen, traurig über die Rolle, welche unglückliche Arbeiter, die sich trotz aller Vernunft, durch den; unglückseligen Ruf: »Es lebe die Freiheit!« hinreißen ließen, dabei spielten, als er Jean Taureau und seinen Troß ihre Barrikade befestigen sah.
Er ging gerade auf den Zimmermann zu, nahm ihn am Arme und sagte leise:
»Jean.«
»Herr Salvator!« rief der Zimmermann.
»Schweig,« antwortete dieser, »und komm.«
»Es scheint mir Herr Salvator, wenn das, was Sie mir zu sagen haben, nicht wichtig ist, so haben wir in diesem Augenblick keine Zeit zu plaudern.«
»Doch, was ich Dir zu sagen habe, ist außerordentlich wichtig, komm’ ohne Verzug.«
Und Salvator zog Jean Taureau fort, zum großen Verdruß des Letzteren, wenn man nach dem melancholischen Blicke urtheilen darf, den er auf die mit so großer Mühe errichtete Barrikade warf und die man ihn so premptorisch zu verlassen zwang.
»Jean,« sagte Salvator zu ihm, als er ihn ungefähr dreißig Schritte von der Barrikade weggeführt, »habe ich Dir je einen schlechten Rath gegeben?«
»Nein, Herr Salvator, aber . . . «
»Hast Du volles Vertrauen in mich?«
»Ich glaube wohl, Herr Salvator, aber . . . «
»Glaubst Du, daß ich Dir eine schlechte Handlung vorschlagen könnte?«
»O gewiß nicht, Herr Salvator, aber . . . «
»Nun, so geh augenblicklich nach Hause.«
»Unmöglich, Herr Salvator.«
»Und warum ist das unmöglich?«
»Weil wir entschlossen sind.«
»Entschlossen, zu was?«
»Den Jesuiten und Pfaffen den Garaus zumachen.«
»Bist Du betrunken, Jean?«
»O bei Gott, Herr Salvator, ich habe den ganzen Tag keinen Tropfen Wein getrunken.«
»Deshalb bist Du so unvernünftig.«
»Ja, wenn ich’s wagte,« sagte Jean Taureau, »würde ich Ihnen etwas anvertrauen, Herr Salvator.«
»Was?«
»Daß ich einen furchtbaren Durst habe.«
»Um so besser!«
»Wie, um so bessert Sie sagen mir das?«
»Ja; komm’ hier herein mit mir.«
Und den Zimmermann an der Schulter packend, führte er ihn in eine Kneipe, schob ihn auf einen Stuhl und setzte sich ihm gegenüber.
Salvator verlangte eine Flasche Wein, die der Zimmermann im Umsehen getrunken hatte.
Nachdem er diesem Schlingkunststücke mit dem Interesse eines Naturforschers gefolgt war, sagte der Commissionär:
»Höre, Jean, Du bist ein guter, braver, ehrlicher Junge; Du hast es mir unter vielen Umständen bewiesen; aber glaube mir, laß die Jesuiten und Pfaffen einige Zeit in Ruhe.«
»Aber, Herr Salvator,« sagte der Zimmermann, »ist denn nicht eine Revolution im Werke?«
»Eine Evolution, wolltest Du sagen, mein armer Freund, und nichts weiter,« sagte Salvator; »ja, Du kannst großen Lärm machen, glaube mir, aber Du wirst nichts Ordentliches zu Stande bringen. Wer hat Dich in einem Augenblicke hierher gebracht, wo Du zu Bette liegen solltest? Sei offen.«
»Fisine,« antwortete Jean Taureau, »ich dachte nicht daran, hierher zu kommen.«
»Was hat sie gesagt, um Dich zu bestimmen?«
»Sie sagte: Wir wollen die Beleuchtung sehen.«
»Sonst nichts?« fragte Salvator.
»Doch, sie hat hinzugefügt: Es gibt wahrscheinlich Spektakel und das ist sehr amüsant.
»Ja; und Du, ein friedlicher verhältnißmäßig reicher Mann, denn Du hast jetzt von General Lebastard de Premont zwölf hundert Livres Rente, Du, der sich gerne nach einem Tage der Arbeit ausruht, Du hast gefunden, das Vergnügen daran gefunden, einem Spektakel nicht nur zuzusehen, sondern selbst Spektakel zu machen. Und woher wußte Fisine, daß es Spektalel geben wurde?«
»Sie hat einen Herrn begegnet, der zu ihr sagte:,Das wird heute Abend heiß werden in der Rue Saint Denis; bring’ Deinen Mann mit!’«
»Und wer ist jener Herr?«
»Sie kennt ihn nicht.«
»Ich aber kenne ihn.«
»Wie! Sie kennen ihn? Sie haben ihn also gesehen?«
»Ich brauche einen Polizeiagenten nicht zu sehen, ich wittere ihn.«
»Wie! Sie glauben,daß es ein Spion gewesen? rief Jean Taureau, indem er zornig die Stirne runzelte, ein Runzeln, das den Worten gleichkam: »Ich bedenke, das nicht gewußt zu haben; ich hätte diesem Beame den Kopf eingeschlagen.«
»Es gibt einen Rechtsgrundsatz, mein lieber Jean Taureau, welcher sagt: Non bis in idem.«
»Was bedeutet?«
»Daß man nicht zweimal mit demselben Individuum zum Gerichte geht.«
»Ich bin also schon einmal mit ihm ins Gerichte gegangen?« fragte Jean Taureau naiv.
»Allerdings, mein Freund; Du hättest ihn beinahe erdrosselt in jener Nacht auf dem Boulevard des Invalides, nichts weiter.«
»Wie!« rief Jean Taureau blaß werdend, Sie glauben, daß es Gibassier war?«
»Es ist nichts wahrscheinlicher, mein armer Freund.«
»Er, den das ganze, Quartier beschuldigt, daß er mit Fisine liebäugelt? O! Ich werde ihn wieder finden.«
Und Jean Taureau zeigte mit einer Faust, so groß wie ein Kinderkopf, nach dem Himmel, wo jener sich übrigens nicht befand.
»Nun, es handelt sich jetzt nicht um ihn, sondern um Dich,« sagte Salvator; »da Du die Dummheit begingst, zu kommen, so mußt Du wenigstens so gescheit sein, Dich mit heiler Haut aus der Sache zu ziehen und wenn Du eine halbe Stunde länger hier bleibst, so wirst Du wie ein Hund hingeschlachtet werden.«
»Jedenfalls,« heulte der Zimmermann außer sich, »werde ich ihnen mein Leben theuer verkaufen.«
»Es ist aber besser, Dein Leben zu erhalten, um es für die gute Sache zu opfern,« sagte Salvator energisch.
»Heute Abend gilt’s also nicht der guten Sache fragte Jean Taureau erstaunt.
»Heute Abend gilt’s der Sache der Polizei und ohne es zu ahnen, arbeitest Du der Regierung in die Hände.«
»Puh!« machte Jean Taureau. »Aber nein,« fügte er hinzu, nachdem er einen Augenblick nachgedacht! »ich bin mit Freunden da.«
»Welchen Freunden?« fragte Salvator, der in der Gruppe Niemanden als den Athleten entdeckt.
»Nun Sac-à-Plâtre, Toussaint Louverture, die Gibelotte . . . und Anderen.«
Fasiou, gegen welchen der Zimmermann eifersüchtige Gefühle gehegt, gehörte zu den Andern.
»Und Du hast sie mitgebracht?«
»Zum Teufel! Als man mir sagte, daß es heiß werden würde, suchte ich Kameraden.«
»Das ist gut Du wirst eine zweite Flasche leeren und damit nach den Barrikaden zurückkehren.«
Salvator machte ein Zeichen und nach dem die zweite Flasche gebracht und geleert war, erhob sich Jean Taureau.
»Ja,« sagte er, »ich kehre zur Barrikade zurück, aber nur um zu rufen: Nieder mit den Polizeiagenten! Nieder mit den Spionen!«
»Hüte Dich davor, Unglücklicher!«
»Aber was soll ich denn dort thun auf der Barrikade, da ich weder rufen noch mich schlagen soll?i«
»Du wirst ganz einfach, so leise Du kannst zu Sac-à-Plâtre, zu Toussaint, zu Gibelotte und selbst zu Fasiou sagen, daß ich ihnen befehle, sich nicht nur ruhig zu verhalten, sondern auch den Anderen verstehen zu geben, daß sie in einen Hinterhalt gefallen sind, und daß man, wenn sie nicht vor einer halben Stunde sich zurückziehen, Feuer auf sie geben wird.«
»Ist es möglich, Herr Salvator?« rief der Zimmermann entrüstet; »auf unbewaffnete Menschen schießen?«
»Das soll Dir beweisen, einfältiger Mensch, daß ihr keine Revolution machen könnt, da ihr unbewaffnet seid.«
»Das ist wahr,« mußte Jean Taureau zugestehen.
»So geh und benachrichtige sie davon,« sagte Salvator aufstehend.
Sie standen auf der Schwelle, als, das Detachement Gendarmerie erschien.
»Die Gendarmerie! . . . Nieder mit den Gendarmen!« rief Jean Taureau mit der ganzen Kraft seiner Lungen.
»Ah! wirst Du schweigen,« sagte Salvator, indem er ihn an dem Armknöchel packte. »Marsch, nach der Barrikade, man soll sie langsam räumen.«
Jean Taureau ließ sich das nichts zweimal sagen; er stürzte sich mitten unter die Menge, wo seine Gefährten mit vollen Kräften schrien:
»Es lebe die Freiheit! Nieder mit den Gendarmen!«
Die Gendarmen zerstörten mit derselben Ruhe, mit der sie die Beleidigungen angehört und die Steine aufgenommen, die Barrikade.
Der Erfolg war, daß der Zimmermann, da sich alle vor der bewaffneten Macht zurückgezogen, niemand mehr fand, dem er einen Wink hätte geben können.
Aber die Barrikaden haben das mit den abgehauenen Stücken der Schlangen gemein, daß sie sich, sobald sie auseinander gehauen sind, sogleich wieder zusammen fügen.
Nachdem die erste Barricade zerstört war, setzten die Gendarmen ihren Weg nach der Rue Saint Denis fort und demolierten eine zweite, während die Freunde Jean Taureau’s die erste wieder aufbauten.
Man kann sich das Hurrahgeschrei der Masse bei der Zerstörung und dem Wiederaufbau dieser Gebäude denken.
Diese Scene, deren Tragweite man einsehen wird und von denen man damals doch nur die komische Seite sah, war wirklich der Art, um die allgemeine Heiterkeit hervorzurufen.
Aber die Hurrahs begannen sich zu mäßigen, das Lachen zu verstummen, als man plötzlich von den beiden Enden der Rue Saint Denis von der Seite des Boulevard und der Place du Chatelet zwei Abtheilungen Gendarmen anrücken sah, die, mit finsterer Miene einander entgegen marschierend, nichts mehr zu lachen boten, wie ihre Kameraden.
Es entstand seine momentane Ungewißheit. Man sah sich an. Man gewahrte die gerunzelte Stirn der bewaffneten Macht und blieb einen Augenblick unentschlossen stehen.
Endlich rief eine kühnere, oder der Polizei mehr, als die Uebrigen angehörende Person mit furchtbarer Stimme:
»Nieder mit den Gendarmen!«
Dieser Ruf mitten in der Stille klang wie ein Donnerschlag.
Wie ein Donnerschlag brachte es auch das Gewitter zum Ausbruch.
Die Masse, als ob sie nur diesen-Ruf erwartet hätte, wiederholte ihn einstimmig und um die That mit dem Worte zu verbinden, stürzte sie der Gendarmerie entgegen, die sie Schritt um Schritt vom Marché des Innocents nach dem Chatelet, vom Chatelet nach dem Pont au Change und vom Pont au Change nach der Polizeipräfectur trieb.
Aber während man die Gendarmen, welche von der Place du Chatelet gekommen waren, zurücktrieb, marschierte die weit imposantere Masse von Gendarmen zu Faß und zu Pferde, welche von den Boulevards kam, schweigend die Straße in der ganzen Breite hinab, räumte ruhig, zwischen Hohngeschrei und Steinen hindurchschreitend, alle Hindernisse, auf die sie stieß, Menschen und Dinge, aus dem Wege, bis zu dem Augenblicke, wo sie vor dem Marché des Innocents angekommen, anhielt und Posto faßte.
Inzwischen baute man hinter ihr, unfern von ihr, gegenüber der Passage du Grand Cerf eine Barrikade wieder auf, aber auf breiterer und soliderer Grundlage, als die, welche man bisher errichtet-hatte.
Zum großen Erstaunen Aller, hinderte sie niemand an dieser Arbeit; man sah in der Ferne die Gendarmen, welches jetzt unbeweglich wie hölzerne Gendarmen dastanden.
Plötzlich aber schritt über den Quai eine andere Truppe in feindseligerer Haltung.
Sie bestand aus der Garde und Linientruppen.
Ein Mann zu Pferde mit Oberstepauletten kommandierte sie.
Was sollte geschehen?? Das ließ sich leicht sagen, als man den Oberst den Befehl geben sah Patronen an die Mannschaft zu vertheilen und zu laden.
Was die Ungläubigen hatte überzeugen können, daß etwas Verdächtiges, um nicht mehr zu sagen, im Anzuge sei, das war das von den Obersten mit dem durch seinen bis tief auf die Brauen hereingezogen, Hut verdeckten, Gesichte, befohlene Manoeuvre; mit dumpfer und drohender Stimme vertheilte er seine Treppen in drei Colonnen, denen er einen Polizeicommissär vorangehen ließ, und warf sie auf die Barrikaden der Rue Saint Denis, der Passage du Grand Cerf und der Kirche Saint Leu.
Hohngeschrei, Schmähungen und Steine; empfingen, wie früher, die auf die Barrikade der Passage du Grand Cerf geworfenen Colonnen.
Als Salvator die Colonne geschlossen, kalt, entschieden vorwärts marschieren sah, blickte er umher, ob er nicht ein ihm bekanntes Gesicht sehe, dem er den guten Rath geben könnte, sich zurückzuziehen.
Aber statt der Gesichter, die er suchte gewahrte er an der Ecke einer Straße nur das spöttische Gesicht eines Mannes, der, in seinen Mantel gehüllt, den Ereignissen mit einem Interesse zu folgen schien, das nicht weniger groß war, als das, welches ihnen Salvator selbst schenkte.
Er zitterte, als er Herrn Jackal erkannte, der seine Sache übersah.
Ihre Blicke begegneten sich.
»Ah! ah! sind Sie es, Herr Salvator?« sagte der Polizeimann.
»Wie Sie sehen, mein Herrn.« entwertete dieser kalt.
Aber Herr Jackal schien diese Kälte nicht zu bemerken.
»Ah! wahrhaftig!« machte er, »ich bin entzückt, Sie zu sehen,um Ihnen den Beweis zu geben, daß ich Ihnen gestern Morgen einen freundschaftlichen Rath ertheilte.«
»Ich fange an, es zu glauben.« sagte Salvator.
»Und Sie werden bald davon überzeugt sein; zuvor jedoch betrachten Sie sich diese Menschen, die dort unten heran marschieren.«
»Die k. Garde und die Linie; ich sehe es wohl.«
»Aber sehen Sie auch, wer sie kommandiert?«
»Das ist ein Oberst.«
»Ich wallte sagen, kennen Sie den Oberst?«
»Ja!« machte Salvator erstaunt, »ich täusche mich nicht.«
»Nun, wer ist es?«
»Der Oberst Rappt.«
»In Person.«
»Er hat also wieder Dienst genommen?«
»Für diesen Abend.««
»Er wurde allerdings nicht zum Deputirten gewählt.«
»Er will zum Pair ernannt sein.«
»So ist er also im außerordentlichen Dienste hier?«
»Außerordentlich, das ist das Wort.«
»Und was wird er thun?«
»Was er thun wird?«
»Das frage ich Sie?«
»Er wird ganz einfach, ganz kalt, ganz ruhig, wenn er vor die Barrikade kommt, ein einfaches Wort aus fünf Buchstaben aussprechen, »Feuer!« und dreihundert Flinten werden gehorchen.«
»Das muß ich sehen!« sagte Salvator; »vielleicht ist es nöthig, daß ich diesen Menschen hasse.«
»Was thun Sie denn bis jetzt?«
»Ihn verachten.«
»So folgen Sie ihm, das ist gescheidter, als ihm voranzugehen.«
Salvator folgte in der That Herrn Rappt, der gerade auf die Barrikade zuschritt und mit einer kalten und klaren Stimme, ohne sich die Mühe gegeben zu haben, die drei gewöhnlichen Aufforderungen Ergehen zu lassen, das furchtbare Wert ausprach:
»Feuer!«
