Kitabı oku: «Melea», sayfa 9

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Wenig später stand die Königin an Leas Krankenbett und atmete tief durch.

„Bitte überanstrengt Euch nicht, Hoheit“, sagte Helimus.

„Das sagt der Richtige. Ihr seht entsetzlich aus. Sobald ich hier fertig bin, werdet Ihr Euch mindestens einen Tag freinehmen. So, und jetzt setzt Euch und sorgt einfach nur dafür, dass ich nicht gestört werde. Es kann für die junge Frau und mich gefährlich werden, sollte ich aus der Trance gerissen werden.“

Helimus stellte einen Stuhl direkt neben die Zimmertür und setzte sich.

„Viel Glück, Eure Hoheit.“

Nalia atmete noch einmal tief durch und legte dann die Fingerspitzen auf Meleas Schläfen. Sie konzentrierte sich mit geschlossenen Augen auf das zarte Pochen darunter und wisperte in Gedanken Meleas Namen.

Nalia mochte es nicht, in den Gedanken anderer Menschen zu forschen, aber es blieb ihr nichts anderes übrig. Sie musste Meleas Geist finden und wollte in den letzten Erinnerungen der jungen Frau forschen, weil sie sich dort wahrscheinlich verfangen hatte.

Um in die Erinnerungen eines Wesens zu gelangen, musste sie sehr tief in dessen Geist eindringen. Für gewöhnlich benutzte sie dazu ein Geflecht, das einer stark verästelten Wurzel ähnelte. Und jede noch so feine Wurzel war eine Erinnerung. Doch in Meleas Geist gab es ein solches Geflecht nicht.

Verwundert schaute Nalia einen langen Flur entlang, der sich irgendwo im dämmrigen Licht verlor.

„Was ist das hier?“

Zögernd ging sie los, blieb jedoch schon bald wieder stehen und hielt den Atem an. Dabei beobachtete sie verblüfft eine Tür, die sich in der rechten Wand manifestierte.

Langsam berührte sie das helle Eichenholz und tippte gegen den silbrig leuchtenden Türknauf.

Sie schaute noch einmal den Flur hinauf, aber es blieb bei dieser einen Tür.

„Bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als nachzusehen, wohin sie führt“, dachte sie und drehte den Knauf.

Prompt erlitt sie Atemnot. Panik ergriff Nalia, als sie einen großen Hai erblickte, der auf sie zu schwamm. Zudem überkamen sie heftige Schmerzen in Augen und Schläfen, sodass sie eiligst in den Flur zurück flüchtete. Schwer atmend starrte sie die Tür an, dann ihr triefend nasses Kleid.

„Bei den Göttern“, wisperte sie.

Etwas Vergleichbares hatte sie noch nie erlebt. Aber ihr war bewusst, dass sie soeben in einer von Meleas Erinnerungen gewesen war. Rion hatte ihr von der Geschichte mit dem Hai berichtet. Auch Mowanye wusste etwas darüber zu erzählen, da sich Melea ihm anvertraut hatte. Allerdings hätte Nalia diese Erinnerung als Außenstehende sehen müssen und nicht als Melea. Wenn sie in Erinnerungen eintrat, schwebte sie neben der Person. So konnte sie alles beobachten und sogar die Gedanken des anderen auffangen.

„Das gibt es nicht. Es ist einfach unglaublich“, murmelte sie.

Als sie aus dem Augenwinkel ein Flackern bemerkte, schaute Nalia nach links. Und starrte eine weitere Tür an, die sich fünf Schritte von ihr entfernt manifestierte.

„Da bin ich aber mal gespannt.“

Vorsichtshalber holte Nalia tief Luft, bevor sie die Tür öffnete. Sie fand sich an einem wunderschönen Sandstrand wieder. Sie spürte Wasser und feinen Sand zwischen den Zehen, da Melea durch seichtes Gewässer ging. Und immer wieder schaute sie zu Geralt, der neben ihr herlief.

„Was ist mit dir? Du bist so schweigsam“, fragte sie ihn schließlich.

Geralt blieb abrupt stehen, kramte in seinem Beutel, den er am Gürtel trug, und holte etwas heraus. Allerdings hielt er den Gegenstand in seiner geschlossenen Hand, sodass nichts davon zu sehen war.

„Ich habe auf dem Markt etwas entdeckt und musste direkt an dich denken. Aber jetzt bin ich mir nicht sicher, ob es dir gefällt.“

Er lächelte verunsichert, als er Meleas Hand nahm.

„Schließe bitte deine Augen.“

Da es dunkel wurde, war Melea wohl seiner Bitte nachgekommen. Nalia fühlte etwas Kühles, das um ihr oder vielmehr Meleas Handgelenk gelegt wurde. Dann drückte Geralt sanft ihre Finger.

„Ich hoffe, er gefällt dir.“

Lea öffnete ihre Augen, und Nalia betrachtete den Armreif, den die junge Frau nun am Gelenk trug. In den silbernen Reif waren zwei Seeschlangen aus Gold eingelassen. Sie standen ein wenig über, und ihre Köpfe überkreuzten sich mittig. Die Schlangen waren unglaublich detailgetreu. In Feinarbeit hatte der Schmied halbrunde Schuppen und die gespaltenen Zungen herausgearbeitet. Des Weiteren verfügten die Schlangen über dunkelgrüne Augen aus winzigen Smaragden.

„Das hat ein Meister angefertigt. Es wird eine Kleinigkeit gekostet haben“, dachte Nalia.

„Ich kann das unmöglich annehmen, Geralt.“

Er beugte sich hinab, bis er mit Lea auf Augenhöhe war.

„Gefällt er dir nicht?“

„Doch, er ist wunderschön, aber viel zu wertvoll. Der Reif muss ein Vermögen gekostet haben.“

Geralt lächelte erleichtert.

„Der Armreif gehört dir. Und ich will keine Widerrede hören.“

„Aber …“

„Nein“, unterbrach er sie.

Lea schüttelte verständnislos den Kopf.

„Womit habe ich ein solches Geschenk verdient?“

Geralt druckste eine Weile herum und betrachtete dabei eingehend seine Stiefel.

„Oh je, so schwer kann das doch nicht sein“, dachte Nalia.

„Nun ja, eigentlich wollte ich …“

Er wurde jäh unterbrochen, als Rion an der Baumgrenze auftauchte und nach den beiden rief.

„Was ist denn los bei euch? Das Essen wird nicht besser, je länger es über dem Feuer hängt.“

Melea und Geralt beeilten sich, zu ihm zu kommen und gingen dann schweigsam zum Haus. Nalia fand sich im Flur wieder.

„Was für ein Trottel. Warum sagt er ihr denn nicht, was er empfindet?“

Sie ging den Flur weiter entlang. Nach dreißig Schritten erschien eine neue Tür.

„Wozu der große Abstand? Die zweite Tür befand sich doch nur wenige Schritte neben der ersten.“

Sie wunderte sich zwar über diesen Umstand, drehte aber den Knauf und fand sich in eiskaltem Wasser wieder. Ihr Atem ging schwer, die Muskeln in Armen und Beinen brannten wie Feuer. Sie hörte Melea, wie sie Geralts Namen rief.

„Und ich dachte, er hätte übertrieben, als er diese Geschichte erzählte“, dachte Nalia.

Melea umklammerte Geralt tatsächlich mit den Beinen und einem Arm, um zu verhindern, dass er unter die Brücke gezogen wurde. Nalia spürte die unfassbare Erschöpfung der jungen Frau, aber auch den unbändigen Willen, Geralt auf gar keinen Fall loszulassen.

Nalia beobachtete mit einer Mischung aus Unglauben und Faszination, wie die beiden es schließlich ans Ufer schafften. Dort machte Geralt seinem Ärger darüber, dass Melea sich derart in Gefahr gebracht hatte, Luft. Doch dann umarmte er sie fest und trug sie auf eine Anhöhe, wo der Boden einigermaßen fest war. Er selbst ging wieder zurück zum reißenden Bach, und Nalia lauschte Meleas Gedanken. Allerdings war es schwierig, einen Sinn darin zu finden, da Melea völlig durch den Wind war. Ihre Gedankengänge überschlugen sich förmlich, bis sie ihren Vater erblickte.

„Der ist ganz schön wütend“, dachte sie.

Rion kam die Anhöhe hinauf und Nalia keuchte schockiert auf, als er Melea auf die Füße zerrte und ihr eine Ohrfeige verpasste. So heftig, dass sie zu Boden ging. Entsetzt sah Melea auf, genau in dem Moment, als Geralt ihren Vater von den Füßen riss. Auch Geralt ging zu Boden, warf sich direkt auf Rion, schüttelte ihn durch und brüllte ihn an.

„Was hast du getan? Bist du wahnsinnig geworden, wie konntest du sie nur schlagen?“

Nalia warf die Tür ins Schloss und rieb ihre schmerzende Wange.

„Na warte, wenn ich dich in die Finger kriege“, regte sie sich auf.

„Das gibt’s ja wohl nicht.“

Sie ging weiter, und wieder waren es mehrere Schritte, bis sich erneut eine Tür manifestierte. Was sie dahinter erlebte, war für Nalia fast mehr als sie ertragen konnte. Dies lag nicht nur an dem kaltherzigen Geflügelten und den furchtbaren Dingen, die er getan und gesagt hatte. Vielmehr machten Nalia die unfassbaren Schmerzen und Gefühle von Melea zu schaffen.

Sie lehnte an der Wand neben der Tür und rieb sich fröstelnd über die Arme.

„Bei allen guten Göttern“, wisperte sie schockiert.

Sie schluckte hart, doch der dicke Kloß im Hals blieb.

„Schrecklich, was sie durchgemacht hat. Es würde mich nicht wundern, wenn sich ihr Geist aufgrund dieser Erlebnisse zurückgezogen hat.

Nalia richtete sich auf und ging dreißig Schritte bis zu einer weiteren Tür. Diese unterschied sich von den anderen, denn sie bestand nicht aus hellem, sondern aus fast schwarzem Holz. Und der Knauf funkelte auch nicht silbern – er schimmerte blutrot.

„Eine Tür schaffe ich noch.“

Nalia spürte, wie allmählich ihre Kräfte schwanden. Sie musste sich beeilen. Deshalb ignorierte sie das ungute Gefühl, das ihr diese Tür vermittelte und öffnete sie. Sofort überkam sie ein eisiger Schauer, als sie in einen düsteren Saal hineinsah. Es herrschte nur dämmriges Licht, sodass sie den Saal nicht überblicken konnte.

„Melea, bist du hier?“, fragte sie laut.

Nalia spürte, dass sie nicht allein war und rief in den Saal hinein.

„Ich bin hier, um dir zu helfen. Auch wenn du mich nicht kennst, so bitte ich dich, herauszukommen und …“

„Ihr seid die Königin von Mesu“, wurde sie unterbrochen.

Verwundert legte Nalia den Kopf schief.

„Woher weißt du das?“

Sie sah eine schattenhafte Bewegung, einige Meter von ihr entfernt.

„Ich schaffe es nicht, zu Euch zu kommen. Sobald ich einen Schritt auf Euch zugehe, entfernt Ihr Euch um zwei Schritte“, sagte Melea.

„Ich werde wohl für immer hier festsitzen.“

Nalia hörte pure Verzweiflung in der Stimme der jungen Frau.

„Nein, das wirst du nicht. Kannst du mich sehen, Melea?“

„Ja!“

Nalia streckte ihren rechten Arm in die Richtung aus, in der sie die Bewegung gesehen hatte.

„Du musst dich jetzt ganz fest auf meine Hand konzentrieren.“

Die Königin atmete schwer vor Erschöpfung, konnte und wollte aber nicht aufgeben.

„Stell dir vor, wie du sie ergreifst. Du darfst an nichts anderes denken. Und dann komm auf mich zu. Sieh nur meine Hand an.“

Nalia bemerkte wieder eine schattenhafte Bewegung. Wenig später konnte sie Meleas Konturen erkennen.

„Das machst du sehr gut. Gleich hast du es geschafft“, sagte Nalia keuchend.

Melea war noch fünf Schritte entfernt, als plötzlich ein fauchender Feuerball aus ihrer Brust heraus und auf Nalia zuschoss. Entsetzt schrien beide Frauen auf. Nalia warf sich auf den Boden, um nicht getroffen zu werden. Doch die Flammenkugel flog nicht über sie hinweg – sie verharrte vor ihrem Gesicht. Nalia sah zu Melea, die verzweifelt aufschrie. Als ob sie jemand an einem Seil zurückzog, stolperte sie rückwärts. Melea stemmte sich zwar dagegen, aber alle Gegenwehr half nichts.

„Nein, komm zurück“, rief Nalia.

Die Feuerkugel kam näher. Nalia stand schnell auf und wich zurück. In dem Moment formte sich ein Gesicht in den Flammen, und eine Frauenstimme schrie: „Jetzt noch nicht!“

Arme aus lohendem Feuer formten sich. Ehe Nalia reagieren konnte, prallten Hände gegen ihren Brustkorb. Sie wurde nicht nur aus der Tür geschleudert, sondern auch aus Meleas Geist.

Für einen kurzen Moment erwachte sie in der Realität, bevor ihr schwarz vor Augen wurde und sie in jemandes Arme fiel.

3

„Warum hast du das getan? Sie wollte mir helfen!“, schrie Lea das Feuerwesen an.

Dieses schwebte vor ihrem Gesicht.

„Medon hätte sie getötet, was ich nicht zulassen konnte. Du hättest das sicherlich auch nicht gewollt. Aber ‚er‘ kommt! Er ist bereits auf dem Weg. Du musst durchhalten.“

Lea schüttelte unverständlich den Kopf.

„Wen meinst du?“

„Morkson“, wisperte die Flammenfrau und verschwand.

„Bleib hier! Und sag mir, was los ist, verdammt“, schrie Lea.

Mit der Faust schlug sie wütend auf den Boden und traf dabei etwas Glitschiges.

Lea starrte die Kreatur an. Sie keuchte erstickt auf, weil sich plötzlich der gesamte Boden bewegte. Zu Dutzenden kamen die aalähnlichen Wesen auf sie zugeschlängelt. Hastig sprang sie auf die Füße.

Lea rannte zur anderen Seite des Saals, wo sie sich an die Wand kauerte. Mit zittriger Hand fuhr sie sich übers Gesicht und bemerkte sofort die feuchte Wärme an der Wange.

„Verdammt!“

Sie betrachtete ihre aufgeplatzten Fingerknöchel und beobachtete einen Blutstropfen, der zwischen ihren Füßen auf den Boden fiel. Dort begann der Tropfen, Blasen zu werfen, als würde er kochen.

„Was zum Henker …“

Lea unterbrach sich selbst, als sich plötzlich ein winziges Aalwesen in ihrem Blut wand. Wenig später war vom Blut nichts mehr da, dafür hatte das Wesen seine Länge verdoppelt. Und es wuchs noch weiter. Lea erhob sich und ging rückwärts an der Wand entlang. Keine drei Schritte später rutschte sie auf einem anderen Wesen aus. Indem sie wild mit den Armen ruderte, verhinderte sie einen Sturz. Sie bekam etwas zu fassen, das sich an der Wand befand. Als sie jedoch sah, worum es sich handelte, ließ sie den Knauf hastig los. Sie starrte die schwarze Tür einen Moment lang fassungslos an, bevor sie sich abwandte und drei Schritte nach vorne stolperte. Mit einem Aufschrei sprang sie direkt wieder zurück und sah sich leise wimmernd um.

Die Tiere kamen von allen Seiten und ließen absolut keine Lücke, durch die Lea hätte fliehen können. So blieb ihr nur noch ein Ausweg.

„Ich werde ganz leise hindurchschlüpfen und mich irgendwo verstecken“, dachte sie.

Nalia schlug die Augen auf und wusste sogleich, was geschehen war. Sie schreckte hoch. Dies führte jedoch zu heftigem Schwindel und dröhnenden Kopfschmerzen, weshalb sie erst mal stöhnend ihre Schläfen massierte.

„Nicht so hastig, meine Königin. Lasst es langsam angehen.“

Nalia blickte auf und schaute Helimus verwirrt an, der auf ihrer Bettkante saß.

„Wie komme ich hierher?“

Er überging ihre Frage und reichte ihr einen Kelch mit Wasser.

„Wie fühlt ihr Euch?“

Nalia nahm den Kelch entgegen.

„Wenn ich sage gut, werdet Ihr mir wahrscheinlich nicht glauben.“

Sie legte eine Hand auf ihren Bauch, weil sich ihr Magen lautstark meldete. „Aber Ihr werdet zufrieden sein, wenn ich Euch sage, dass ich einen Bärenhunger habe.“

Helimus sah sie ernst an.

„Das ist kein Wunder. Ihr habt seit fast zwei Tagen nichts mehr zu Euch genommen.“

Der Kelch fiel Nalia aus der Hand.

„Was sagt Ihr da?“, fragte sie entsetzt.

„Ihr wart am Abend des vorgestrigen Tages bei dem Mädchen. Und Ihr wart fast drei Stunden lang in ihren Geist vertieft, bevor Ihr schreiend zusammengebrochen seid und bewusstlos wurdet.“

Nalia sah ihn noch einen Moment schockiert an. Dann sprang sie aus ihrem Bett. Auf dem Weg zu ihrem Ankleidezimmer hielt sie jedoch inne und wandte sich ihm noch einmal zu.

„Ich habe nicht von Alatheus geträumt.“

„Immerhin eine gute Nachricht.“

„Was ist mit Melea?“, fragte Nalia alarmiert.

„Vier meiner besten Heiler sind bei ihr und versorgen ihre Wunden, soweit dies möglich ist.“

„Wunden?“

Helimus seufzte anhaltend und blickte kopfschüttelnd zu Boden.

„Kleidet Euch erst mal an, dann können wir …“

„Sprecht!“

„Es ist uns ein Rätsel, aber Melea erleidet immerzu neue Verletzungen. Angefangen von heftigen Prellungen bis hin zu tiefen Kratzspuren und sogar den einen oder anderen Knochenbruch.“

„Bei den Göttern! Ich muss …“

„Ihr werdet Euch erst mal von der letzten Reise in Meleas Geist erholen. In Eurem derzeitigen Zustand werdet Ihr nämlich nicht weit kommen. Das wisst Ihr auch.“

„Wir müssen etwas tun.“

„Die Alchimisten sind noch nicht so weit. Das Gift dieser Biester ist mit nichts zu vergleichen, was wir bisher kannten. Also ist es derzeit an uns Heilern, dem Mädchen zumindest Linderung zu verschaffen.“

Helimus bemerkte Nalias feuchte Augen, auch wenn sie sich von ihm abwandte und im Nebenraum verschwand. Von dort erscholl ihre Stimme.

„Sagt dem Pagen, er soll mir den obersten Magier herschaffen, und zwar sofort. Und dazu möchte ich General Halldor sehen. Und die Herren Rion und Geralt.“

Helimus erhob sich, als sie noch hinzufügte: „Ach ja, und Hauptmann Celvin.“

„Meine Königin, mit Geralt wird es leider ein Problem geben.“

Nalia kam ins Schlafgemach zurück und setzte sich auf einen Stuhl, um ihre Schuhe anzuziehen.

„Wieso?“

„Als Ihr aus Eurer Trance erwacht seid, habt Ihr mehrmals laut geschrien. Na ja, und da die Wachen Euch nicht zu Hilfe eilen wollten, schlug Geralt zwei Männer nieder und stürmte ins Zimmer. Er fing Euch auf, bevor Ihr auf den Boden aufschlagen konntet.“

Die Königin musste sich ein Lächeln verkneifen.

„Ah ja. Was geschah dann? Jetzt lasst Euch doch nicht jedes einzelne Wort aus der Nase ziehen.“

„Als er Euch neben das Mädchen aufs Bett legte, kamen weitere Wachen herein und verhafteten ihn.“

Nalias Augen verengten sich.

„Auf wessen Befehl hin?“

„Auf Befehl des Kommandanten der Königswache. Er ließ ihn in den Kerker schaffen.“

Nalias Augen sprühten vor Zorn.

„Er hat was? Holt Geralt da raus und bringt mir Kommandant Sarus! Was denkt der sich?“

Helimus verbeugte sich und eilte hinaus, bevor ihr noch etwas einfallen konnte. Im Vorraum rief er vier Diener herbei und schickte sie los, um Sarus, Rion, Valamar und Halldor in den Audienzraum zu holen. Er selbst eilte zu Celvin, um mit ihm zusammen Geralt aus dem Kerker zu befreien.

Nachdem Nalia sich fertig angekleidet und frisch gemacht hatte, begab sie sich in den großen Audienzraum, der direkt an ihre Gemächer grenzte. Die großen Flügeltüren waren geschlossen, trotzdem hörte sie aufgeregte Stimmen auf dem Flur und atmete tief durch.

„Lass sie herein“, sagte sie zu ihrem Diener.

Sie setzte sich in ihren Sessel, da sie noch immer etwas wackelig auf den Beinen war. Als endlich alle versammelt waren, sah sie jeden Knieenden eindringlich an. Bis ihr Blick am Kommandanten der Königsgarde hängenblieb. Dieser stand mit hoch erhobenem Haupt hinter den anderen und drängte sich nun zwischen Rion und Geralt hindurch nach vorn. Nalias Gesicht verhärtete sich. Wie so oft gaffte er sie anzüglich an.

„Erhebt Euch bitte“, sagte sie freundlich an die übrigen Anwesenden gewandt.

Ihre Stimme nahm einen verärgerten Unterton an, als sie den Kommandanten ansprach.

„Erstattet Bericht, wieso Ihr einen meiner Gäste in den Kerker einquartiert habt.“

Sarus verschränkte die Hände hinter dem Rücken.

„Eure Hoheit! Dieser Kerl hat zwei meiner Männer niedergeschlagen und drang in einen Raum ein, obwohl der Zutritt von Euch untersagt wurde. Da Ihr nicht ansprechbar wart, habe ich ihm das zukommen lassen, was er für dieses Verhalten verdiente.“

Nalia waren eben schon etliche Prellungen aufgefallen, die Geralts Gesicht zierten.

„Und was habt Ihr ihm zukommen lassen?“, fragte Nalia mühsam beherrscht. Auf Sarus’ Gesicht erschien ein süffisantes Lächeln.

„Nun ja, ich ließ ihn halt in den Kerker werfen.“

Geralt verzog verächtlich das Gesicht und sagte halblaut: „­Feigling!“

Daraufhin drehte sich Sarus zu ihm um und herrschte ihn an.

„Haltet den Mund. Ihr wurdet nicht gefragt, oder soll ich Euch gleich wieder abführen lassen?“

Geralt wollte aufbegehren, wurde aber von Rion am Arm gepackt. Halldor legte eine Hand auf die Schulter seines Bruders. Nalia fiel auf, wie sehr der General die Kiefer aufeinanderpresste. Sie sah in seinen Augen, wie zornig er war.

„So wütend habe ich ihn noch nie gesehen“, dachte Nalia.

„Tretet vor, Geralt! Berichtet mir bitte, was geschehen ist.“

Er räusperte sich leise und kam nach vorn.

„Wir haben eine lange Zeit vor der Tür gewartet, Eure Hoheit, und wurden allmählich nervös. Es zerrte an den Nerven, drei Stunden lang dort zu stehen und nicht zu wissen, was vor sich ging. Als wir dann Eure Schreie hörten, wollten uns die Wachen den Zutritt verwehren. Die beiden Männer beharrten darauf, dass Ihr unter keinen Umständen gestört werden wolltet. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass Ihr zum Spaß geschrien hattet. Ich dachte, es sei etwas Schlimmes passiert und verschaffte mir Zugang, indem ich die beiden niederschlug. Als ich ins Zimmer kam, sah ich Euch wanken und fing Euch auf, bevor Ihr zu Boden stürzen konntet. Der Heiler kann das bestätigen, denn auch er wollte Euch zu Hilfe eilen, aber ich war eben

schneller.“ Geralt grinste Helimus entschuldigend an. Nalia konnte sich nur mit Mühe ein Lächeln verkneifen. Sie nickte Geralt zu.

„Erzählt weiter! Was geschah dann?“

Geralt wurde ernst und drehte den Kopf zu Sarus.

„Dann kam der da, mit vier Wachen, und ließ mich in den Kerker werfen. Er scheute auch keine Mühen, mich persönlich in meiner Zelle aufsuchen.

Er befahl drei Männern, mich festzuhalten, bevor er auf mich einprügelte. Seine Soldaten taten dies nur widerwillig, aber er drohte ihnen wegen Befehlsverweigerung mit dem Strang.“

Kommandant Sarus verfiel in lautes Gelächter.

„Das werdet Ihr ihm doch nicht abnehmen, Eure Hoheit?“

Nalias Gesicht verfinsterte sich zusehends.

„Wer waren die Wachen, die mit Euch unten waren?“

Sarus hob abwehrend die Hände.

„Ich war nicht bei diesem Verrückten. Das bildet der sich ein.“

Geralt machte drohend einen Schritt auf ihn zu.

„Klar! Und die Wunden habe ich mir selbst geschlagen, oder was?“

Nalia erhob die Stimme.

„Genug jetzt! Hauptmann Celvin, habt Ihr von den Männern diesbezüglich etwas gehört?“

„Bisher nicht, meine Königin. Ich werde jedoch nicht lange brauchen, um in Erfahrung zu bringen, wer dabei war.“

Die Königin nickte und hatte durchaus bemerkt, dass Celvin keinen Zweifel daran ließ, wem er glaubte.

„Holt sie hierher!“

Celvin verbeugte sich und verließ eilig den Raum. Halldor baute sich mit verschränkten Armen vor Sarus auf. Der Kommandant schaute zu Boden.

„Ich habe noch einiges zu tun, Hoheit. Ihr entschuldigt mich bestimmt.“

„Nein, Sarus, Ihr werdet bleiben“, sagte Nalia.

Er wurde zunehmend nervöser, trat von einem Fuß auf den anderen und zupfte unablässig an seinem Umhang.

„Noch habt Ihr Gelegenheit, die Wahrheit zu sagen, Sarus.“

„Das habe ich, Hoheit“, sagte er empört.

„Nun, das will ich für Euch hoffen.“

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis Celvin mit drei Männern der Königsgarde zurückkehrte. Sie fielen vor der Königin auf die Knie und Nalia befragte sie. Und alle drei bestätigten Geralts Aussage.

Nalia lächelte, als sie sich an den Kommandanten wandte.

„Sarus, ich enthebe Euch sämtlicher Titel. Des Weiteren werdet Ihr vorerst in einem anderen Quartier unterkommen. Zumindest so lange, bis ich eine Entscheidung getroffen habe, wie ich mit Euch weiter verfahre.“

Nalia nickte den drei Soldaten zu, die immer noch vor ihr knieten.

„Führt ihn ab und bringt ihn in die gleiche Zelle, in der Geralt verharren musste.“

Sein grauer Bart zitterte, als er die Königin anflehte.

„Eure Hoheit, dass könnt Ihr doch nicht tun. Nicht in dieses finstere Loch.“

„Oh doch, ich kann! Geralt hat absolut vorbildlich gehandelt, im Gegensatz zu Euren Männern. Die hätten mich sehr wahrscheinlich verrecken lassen, wäre etwas Ernsthaftes passiert. Und das nur, weil sie falsch ausgebildet wurden.“

Halldor baute sich vor Sarus auf.

„Ich werde Euch später einen Besuch abstatten“, sagte er leise und drehte sich zu den Wachen um.

„Abführen!“

Die Männer nahmen Sarus in die Mitte und brachten den feisten Mann hinaus.

„Geralt, ich möchte mich bei Euch entschuldigen und bedanken.“

„Bedanken? Wofür?“

„Ihr habt mich vor dem harten Steinboden bewahrt.“

Er grinste und verbeugte sich galant. Nalia musste lächeln, als Halldor ihn zurückzog und Geralt die Sicht auf sie versperrte. Sie wurde jedoch sofort wieder ernst.

„Was gibt es Neues von unseren Schiffen, General?“

„Es ankern etwa einhundertfünfzig Schiffe vor Kalmar. Wir kommen allerdings nicht nahe genug heran, um festzustellen, wie sie bewaffnet sind. Denn sobald sich unsere Schiffe nähern, greifen die Aalwesen an. Die Biester besitzen Saugnäpfe an den Unterseiten und haben keinerlei Probleme, auf unsere Schiffe zu kommen. Zudem überfliegen große Kreaturen mit riesigen Schwingen unsere Flotte. Die Beschreibung passt zu dem Wesen, das die Seeschlange angegriffen hat.“

Die Königin atmete tief durch.

„Solange diese Kreaturen nicht angreifen, soll sich die Flotte ruhig verhalten und Abstand wahren. Valamar und ich werden uns etwas einfallen lassen, wie wir die feindlichen Schiffe auskundschaften können. Aber darüber sprechen wir später noch einmal. Kommt in einer Stunde hierher.“

Nalia entließ Halldor. Der eilte direkt aus dem Audienzraum, wahrscheinlich, um Sarus einen Besuch abzustatten.

„Und nun zu Euch, Valamar. Habt Ihr etwas über die Elementarzauber in Erfahrung bringen können?“

Der Magier kam zögernd näher.

„Ich habe mit Mowanye und Respa gesprochen. Und wenn ich ehrlich bin, verstehe ich so einiges nicht. Es ist eine Beschwörung dafür notwendig, soviel ist schon mal sicher. Allerdings unterscheiden sich die Rituale der beiden völlig, ebenso die Wesen, von denen sie die Visionen erhalten. Mowanye möchte heute Abend ein Ritual durchführen, und ich darf ihm dabei zusehen. Vielleicht bringt dies etwas Licht ins Dunkel.“

Nalia nickte dazu.

„Das halte ich für eine sehr gute Idee.

Geralt, Ihr habt mir doch erzählt, Melea würde eines dieser Feuerwesen in sich tragen.“

„Ja, das stimmt.“

Die Königin versuchte, sich ihre Unruhe nicht anmerken zu lassen, was ihr nicht so recht gelingen wollte. Ihre Stimme bebte ein wenig, als sie weitersprach.

„Wie Ihr wisst habe ich versucht, Melea zu helfen. Ich fand sie auch und schaffte es fast, sie zurückzuführen. Aber ich wurde von diesem Feuerwesen daran gehindert, es griff mich an. Auch wenn ich der Meinung bin, dass es mich nicht verletzen wollte, so hat es mich doch ziemlich unsanft aus Meleas Geist geworfen.“

Begeisterung schwang in Valamars Stimme mit.

„Das ist ja unglaublich! Wie sah es aus? Besaß das Feuer eine bestimmte Form, oder …“

„Valamar, wir können uns später darüber unterhalten.“

Sie wandte sich wieder Geralt zu.

„Wäret Ihr so freundlich, Mowanye und Respa hierherzubringen? Ich möchte mit den beiden darüber sprechen, bevor ich erneut versuche, Melea in die Realität zurückzuholen.“

Geralt setzte sich sofort in Bewegung.

„Ich werde die beiden holen.“

Nalia wandte sich nun wieder an Valamar.

„Gibt es schon Nachrichten aus den anderen Reichen?“

„Nein, Eure Hoheit. Ich war aber auch schon seit drei Stunden nicht mehr oben. Ich habe mit einem meiner Lehrlinge und den Herren Rion und Jon das Wesen begutachtet, welches am Strand gefunden wurde.“

„Was habt Ihr herausgefunden?“

„Rion und Jon sind sich sicher, dass es der gleichen Art angehört wie das Wesen, das sie auf Kalmar sahen. Es ist sehr faszinierend. Ihr solltet Euch selbst ein Bild davon machen.“

„Das werde ich. Und Ihr solltet nachschauen, ob der eine oder andere Garlitz zurückgekehrt ist.“

Er verbeugte sich.

„Ja, Eure Hoheit.“

Da der Magier keine Anstalten machte zu gehen, sah Nalia ihn noch einen Moment lang vielsagend an. Schließlich verdrehte sie die Augen.

„Jetzt!“

Valamar schaute verdutzt zu ihr auf, bis sich seine Augen ein wenig weiteten.

„Oh, natürlich! Ich bin schon unterwegs.“

Helimus, der neben der Königin Aufstellung genommen hatte, bat darum, ebenfalls gehen zu dürfen. Und als auch er aus der Tür war, schaute Nalia den verbliebenen Gast an.

„Kommt, Rion. Lasst uns zum Kamin gehen, dort ist es ein wenig gemütlicher.“

Nalia erhob sich und sprach zwei Wachen an, die an der Flügeltür standen.

„Schickt mir Inyan herein. Ihr dürft die Türen von draußen bewachen.“

„Aber, Hoheit …“

„Raus!“

Rions Augenbrauen hoben sich wegen des ungewohnt harten Tons, den die Königin bei dem Wort anschlug. Auch die beiden Leibwachen schauten verdutzt drein, bevor sie schließlich dem Befehl nachkamen. Kaum waren sie draußen, kam ein Diener herein.

„Hoheit?“

„Inyan, sei so gut und bring uns etwas zu essen und einen Krug Wein.“

Er verbeugte sich und eilte wieder hinaus. Nalia ließ sich in der Kaminecke nieder.

„Wollt Ihr nicht mit mir sprechen?“

Rion stand immer noch an Ort und Stelle, ging aber nun zu ihr und setzte sich seufzend in einen Sessel.

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