Kitabı oku: «Raumkrieger im Wurmloch: 6 Science Fiction Abenteuer auf 1660 Seiten», sayfa 24

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Ich atmete tief durch. „Dann passen Sie auf, dass er nicht in Ihr SYSTEM eindringt...“

„Keine Sorge. Ich habe ihn auf einem völlig separatem Rechner, von dem aus es keinerlei Verbindungen auf andere SYSTEMe gibt.“

Ich starrte einige Augenblicke lang auf die holographischen Anzeigen. Symbole, 3-D-Piktogramme und kleine Animationen schwirrten durcheinander. „Faszinierend“, murmelte Grivas Lonk.

„Können Sie den Ursprung feststellen?“

„Ich werde mein Bestes tun, Eva.“

„Nennen Sie mich nicht mehr bei diesem Namen.“

Er hob die Augenbrauen.

„Welcher ist Ihnen denn lieber?“

„Warum nennen Sie mich nicht bei dem Namen, den Sie in meinen CyberSensor einprogrammiert haben?“, fragte ich.

Grivas Lonk grinste.

„Lena Jackson? Meinetwegen.“

„Dann gewöhne ich mich vielleicht etwas schneller daran.“

„Seien Sie sehr vorsichtig mit dieser Identität. Es handelt sich um Qualitätsarbeit, wie Sie sie sonst kaum bekommen werden.“

Ich deutete auf das Holodisplay. „Das erste Mal, dass der Virus zuschlug, war genau zu dem Zeitpunkt, als ich gerade Jarvus' Sohn raus gehauen hatte... Wollte er mich damals schon loswerden?“

„Ich glaube nicht, dass Jarvus dahinter steckt.“

„Und BARETTO?“

„Im Moment kann ich noch nichts Endgültiges sagen, ich denke aber dort liegt der Ursprung. Ich habe übrigens versucht, den Vertreiber dieses Ballerspiels zu finden, von dem Sie mir sagten, dass der Virus es zur Tarnung verwandte.“

„MEGA KILLER....“

„Ja.“

„Und?“

„Ein solches Spiel existiert nicht.“

„Sie meinen, dieses Spiel...“

„...war nichts anderes als eine Tarnung für den Killervirus.“

*


Ich verfolgte die News im GalaxyNet. Der Tod von Palmon Jarvus machte Schlagzeilen. Die ermittelnden Behörden schienen ziemlich im Dunkeln zu tappen. Grivas Lonk hatte sich rechtzeitig in das SYSTEM von Jarvus' Residenz eingehackt und dafür gesorgt, dass sein Name oder seine Transmitteradresse aus den Daten gelöscht wurde. Es gab keine Spur, die nach New L.A. führte...

Und das war auch für mich von Vorteil.

Was Jarvus anbetraf, machten wilde Spekulationen die Runde. Im GalaxyNet munkelte man von Verbindungen zum organisierten Verbrechen. Ein Zusammenhang zwischen seinem Tod und dem Verfahren wegen Industriespionage, das gegen ihn anlief, wurde nicht ausgeschlossen.

Ich hatte Zeit, um wenigstens für kurze Zeit innezuhalten.

Eine kurze Pause der Ruhe, mehr würde es nicht sein, wie ich ahnte. Grivas Lonk vermittelte mir eine Spezialistin, die Irismuster, Handlinien und Fingerabdrücke modifizieren konnte. Wenn man das nötige Kleingeld dafür aufbrachte ließ sich sogar die DNA so modifizieren, dass kein Scanner sie mehr wieder erkennen würde.

„So aufwendige Sachen kann mein Medo-500 leider nicht“, bedauerte er. „Aber für Selma Gragos lege ich meine Hand ins Feuer. Wir arbeiten seit vielen Jahren zusammen. Schließlich brauchen die Leute, für die ich neue Identitäten zaubere auch das nötige 'Drumherum'...“

Ich ließ die aufwendige Behandlung über mich ergehen, dazu auch noch ein paar kleine kosmetische Veränderungen. Auf ein paar geheimen Konten hatte ich noch genug Geld, um mir diesen Neustart leisten zu können. Über aufwendig codierte Signale konnte ich an die nötigen Beträge heran, die ich brauchte.

Ein paar Tage lang funktionierte die Sichtanzeige meines CyberSensors nicht richtig, aber Selma Gragos versicherte mir, dass dieser Effekt von selbst nachlassen würde. Sie hatte Recht.

Schließlich mietete ich unter dem Namen Lena Jackson ein Appartement am entgegen gesetzten Ende von New L.A. Es handelte sich um eine vollkommen unauffällige Residenz, wie Hunderttausende sie besaßen. Die Einrichtung war spartanisch aber praktisch. Ich hatte nicht vor, allzu lange hier zu bleiben.

Regelmäßig suchte ich Grivas Lonk auf.

Er war geradezu besessen von der Idee, den Ursprung des Killervirus zu finden.

MEGA KILLER - so hatte ich diese namenlose Nemesis für mich getauft. Nach jedem harmlosen Ballerspiel, in dessen Gewand er sich in mein SYSTEM geschlichen hatte.

Die Untersuchungen im Fall Palmon Jarvus schienen derweil mehr und mehr im Sande zu verlaufen. Vermutlich sorgte die Konzernzentrale von BARETTO im Hintergrund dafür, dass die Sache auf kleiner Flamme gehalten wurde. Den nötigen Einfluss traute ich BARETTO ohne weiteres zu. Mir konnte es nur recht sein, dass der Konzern alles tat, um die Hintergründe zu vertuschen. Schließlich war ich die Frau, die Palmon Jarvus getötet hatte.

*


Als ich Lonk das nächste Mal aufsuchte, hatte er schon etwas mehr über den MEGA KILLER herausgefunden.

„Es handelt sich um ein quasi intelligentes Programm“, erklärte er. „Man kann es mit einem gewöhnlichen Virus nicht vergleichen. Ich habe es im separaten Rechner verschiedenen Simulationen ausgesetzt und dabei festgestellt, dass es außerordentlich lernfähig ist. Der Schöpfer dieses Killers muss ein Genie sein! Normalerweise braucht man zum Erzeugen künstlicher Intelligenz weitaus komplexere Systeme, die natürlich wesentlich anfälliger sind...“

„Mich würde nach wie vor am meisten interessieren, wer diesen Jagdhund von der Leine gelassen hat...“

Grivas Lonk sah mich etwas irritiert an.

Es dauerte ein paar Sekunden, bis er begriffen hatte.

„Sie sollten sich Ihre Vorliebe für altirdische Sprachbilder abgewöhnen...“

„Sorry...“

„Und dasselbe gilt für Ihren altsprachlichen Dünkel.“ Ich verstand, was er meinte, noch ehe er es aussprach. „Das sind Parameter, anhand derer man auf Ihre Spur kommen könnte...“

Ich zuckte die Achseln. „Gibt es nicht Milliarden Spinner in der Galaxis, die dieselben Laster haben?“

„Je nachdem, was Ihr Gegner darüber hinaus über Sie weiß, kann er ja noch weitere Merkmale bei der Suche verwenden. Letztlich macht es die Kombination...“

Ich wusste, dass er Recht hatte, auch wenn es mir schwer fiel, das einzugestehen. Es reichte nicht, dass ich einen anderen Namen trug und jeder Scanner mir bestätigte, dass auch meine Iris nicht mehr dasselbe Muster trug.

Ich musste bis in mein Innerstes eine andere werden.

Nichts durfte mehr an diejenige erinnern, die ich einst gewesen war.

Warum diese sentimentale Anwandlung?, meldete sich eine leicht zynische Stimme irgendwo aus dem Hinterkopf. Ist es denn etwa dein erster ID-Change?

Nein, das nicht, antwortete ich still. Aber der vollständigste. Sieh es wie eine Geburt. Du bist Lena Jackson - und noch nicht einmal eine Woche alt.

Grivas Lonk erhob sich.

Er zog sich einen Espresso aus dem Nahrungsmittelspender.

„Sie auch eine Tasse?“, fragte er.

„Wenn ich nach Ihrer Maxime gehe, dann sollte ich koffeinhaltige Getränke von nun an meiden.“

Lonk nickte. „Wäre nicht schlecht. Ich habe übrigens inzwischen eine Theorie darüber, weshalb Sie diesen Killer an den Fersen haben..., Lena!“

Er zögerte immer noch, wenn er diesen Namen aussprach, fiel mir auf. Ich musste unwillkürlich dabei lächeln. Am Ende hatte Lonk noch größere Schwierigkeiten dabei, sich umzustellen als ich.

„Ich bin gespannt“, sagte ich.

„Ich bin durch die genaue Analyse des Virus darauf gekommen. Er sieht zwar sehr einfach aus, aber es gibt verschlüsselte Teile... Ich will Sie nicht mit Details langweilen, aber ich glaube, dass weder BARETTO noch Palmon Jarvus etwas mit diesem Killerprogramm zu tun haben.“

„Sondern?“

„Ich wette der Name Melanie Marsten sagt Ihnen noch etwas...“

„Sicher...“

Grivas Lonk stellte seine leere Espresso-Tasse auf eine Ablagefläche, die er mit einem per CyberSensor abgesandten Mentalbefehl aus der Wand hatte klappen lassen.

Melanie Marsten...

Der Name klang dutzendfach in meinem Schädel wider. Es war so lange her, aber jetzt erinnerte ich mich, als ob es erst gestern gewesen wäre.

Melanie Marsten, das war ich selbst gewesen.

Zumindest für eine Weile.

„Ich hatte Ihnen damals die Identität einer Toten verschafft.“

„Ja, ich weiß. Den Namen Melanie Marsten habe ich mehr als ein Erdenjahrzehnt getragen...“

Grivas Lonk deutete auf das Holodisplay.

„Der Killervirus hat den Auftrag, Melanie Marsten umzubringen...“

„Aber die ist doch längst tot!“

„Melanie Marsten starb durch einen Gleiterunfall unter ungeklärten Umständen. Aber dieser Killer glaubt nicht daran. Er denkt, dass Marsten eine Reihe neuer Identität angenommen hat und schließlich zu Eva Morley wurde...“

Ich ließ mich in einen der Schalensitze niedersinken.

„So bin ich also das Opfer einer Verwechslung gewesen.“

„Ich habe die Identität von Marsten damals für Sie ausgesucht, weil sehr viele Parameter übereinstimmten. Genau dieser Umstand hat das Programm offensichtlich dazu verleitet, anzunehmen, dass Sie Marsten sind... Und so wie ich das sehe, haben Sie auch nicht die geringste Chance, Ihren Feind vom Gegenteil zu überzeugen. Schließlich wissen wir nicht, wie viele Kopien des Killers in der gesamten Galaxis auf irgendwelchen Rechnern schlummern und nur darauf warten, dass Sie zufällig vorbeikommen und die Dienste des jeweiligen SYSTEMs nutzen.“

Einige Augenblicke lang herrschte Schweigen.

Schließlich sagte ich: „Eines Tages wird er mich auch als Lena Jackson finden.“

Es war eine Feststellung, nicht mehr und nicht weniger.

Lonk nickte. „Ich fürchte ja. Es ist nur eine Frage der Zeit.“

„Und was empfehlen Sie mir, um mein Leben zu verlängern?“

Es war eine rhetorische Frage.

Der Grund, aus dem der MEGA KILLER Melanie Marsten hatte umbringen sollen, war fürs erste wahrscheinlich nicht zu ermitteln. Lonk hatte herausbekommen, dass der Urheber nicht mehr lebte. „Sein Name ist – war! – Norman Cavindar“, berichtete Lonk. Cavindar war vor Jahren an einer unheilbaren Krankheit gestorben und hatte Melanie Marston seinerzeit töten wollen, weil er diese verdächtigte, ihn bei einem betrügerischen Anlagegeschäft übers Ohr gehauen zu haben.

„Aber Cavindars MEGA KILLER-Virus ist immer noch aktiv“, stellte ich fest. "Nach all den Jahren noch...“

„Ich werde versuchen, den Virus auf Strukturelemente zu untersuchen...“, versprach Lonk. „Bei Cavindar muss es sich um einen der genialsten Programmierer handeln, die je im GalaxyNet aktiv waren! Friede seiner Asche. Aber sein Killervirus ist es nach wie vor aktiv. Und wenn er Sie erledigt hat, nimmt er sich möglicherweise jemand andere vor, deren Parameter in seinen Augen verdächtig genau mit Ihren Parametern übereinstimmen.“

„Vielleicht ist es das Beste, Sie vernichten das abgekapselte Exemplar des Killers einfach“, murmelte ich düster. „Und wenn dieses ETWAS tatsächlich so intelligent ist, wie Sie behaupten, dann vernichten sie am besten den gesamten Rechner...“

Lonk lachte heiser auf.

„Sie übertreiben, Lena.“

„Ich hoffe es.“

„Nein, Lena, ich werde aus dem abgekapselten MEGA KILLER-Exemplar ein Gegengift brauen. Einen Anti-Virus, der ihn aufspürt und vernichtet.“

„Meinen Sie, das kriegen Sie hin?“

„Sie werden eine Weile als Lena Jackson durchhalten müssen, Eva...“

„Sie wollten mich nicht mehr so nennen.“

„Ich schätze, dass es mehrere Monate dauert, bis der Anti-Virus seine Arbeit getan hat...“

„Und ganz sicher werde ich mir nie sein können, ob nicht irgendwo, im internen Rechner einer Schiebetür, eine Kopie vergessen wurde.“

„Es gibt keine absolute Sicherheit, Eva Morley – und vielleicht werden Sie diesen Namen ja irgendwann mal wieder annehmen, wenn die Luft – nein, das GalaxyNet – rein ist. Ich werde mich gleich an die Arbeit machen.“

„Beeilen Sie sich.“

*


Ein halbes Jahr ist vergangen.

Ich habe es nicht gewagt, mich wieder Eva Morley zu nennen. Aber bis jetzt ist nichts geschehen. Kein mysteriöser Unfall, keine Maschinen, die sich gegen mich verschworen zu haben scheinen.

Drücken Sie mir die Daumen, dass es so bleibt.

ENDE




Weltraumkriegerin Avary Sax Gesamtausgabe


von P. J. Varenberg

Der Umfang dieses Buchs entspricht 313 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende Teile:

Teil 1: Cerubin-Kämpfer

Teil 2: Androiden-Liebe

Teil 3: Die Herrscher von Bao

Teil 4: Unter fremder Kontrolle

Teil 5: Palast der Schwarzen Garde

Teil 6: Gejagt auf einer fremden Welt

Teil 7: Der Feind meines Feindes

Teil 8: Der Angriff

Teil 9: Die Cyber-Falle




Copyright


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de




Teil 1: Cerubin-Kämpfer


„Es ist eine Falle!“, stieß Leutnant Avary Sax hervor. Sie saß rechts neben Christopher Alcon, dem Captain des Cerubin-Kampfgleiters, und er hörte ihre Meldung in seinem Raumhelm.

Noch während sie es rief, schaltete sie das Raumecho-Bild, das sie vor sich auf dem Schirm sah, auf seinen Visorschirm, und er sah hunderte, tausende Kontakte, die Sax aufgefangen hatte.

Ohne sie wären wir jetzt geliefert, dachte Captian Alcon. Hätte sie den Raum um sie herum nicht noch einmal gescannt, hätte sich der Feind noch viel näher anschleichen können, bevor er entdeckt worden wäre.

Er sah an der Anzeige links am Schirm, dass Avary das Bild an alle Kampfeinheiten gesendet hatte, auch an die gigantische Warhawk, an das Flaggschiff des Verbandes.

„Admiral, sehen Sie das?“, funkte Alcon trotzdem an die Warhawk. „Wie viele sind es?“

Noch während er dies sagte, gab ihm Sax eine erste Einschätzung, die am unteren Rand seines Sichtfeldes erschien. „Mein XK-500 schätzt über 1.600 Schiffe", sagte er über Funk. „darunter schwere Zerstörer und Kriegssterne. Das ist eine gewaltige Armada!“

„Mein Gott“, hörte er links hinter sich Leutnant James Scalera stöhnen.

„Ich denke eher an den Teufel“, murmelte Alcon.

„Einschätzung Ihrer XK-500-Einheit ist bestätigt, Captain Alcon“, kam es von der Warhawk, und Alcon erkannte die Stimme von Admiral John Tyrons. „Auch, dass es sich um eine Falle handelt. Die Strayx haben uns in dieses System gelockt, in einem Hinterhalt.“

„Sie nähern sich mit knapper Unterlichtgeschwindigkeit“, meldete Sax, und sie sprach sowohl zu Alcon als auch zu Tyrons. „Sir“, sagte sie, und diesmal meinte sie offensichtlich Tyrons, denn wenn sie sich im Einsatz befanden, sprach sie Alcon stets mit „Captain“ an, und wenn sie unter sich waren, nannte sie ihn „Chris“, wie es alle seine Freunde taten. Alle, die ihm nahe standen. „Ich empfehle sofortige Flucht. Sie sind uns zahlen- und waffenmäßig weit überlegen. Ein Kampf würde...“

„Ihre Einschätzung brauchen wir nicht, Leutnant Sax“, unterbrach der Admiral barsch. „Mischen Sie sich nicht ein.“ Sein nächster Funkspruch galt dem ganzen Verband. „Wir werden angegriffen. Kampfbereitschaft, Schilde auf volle Energie, Kriegsschiffe schützen. Cerubin-Geschwader, fangen Sie den Feind ab. Alle anderen fertig machen zum Überlichtsprung. Cerubin-Geschwader folgt, sobald der Rest der Flotte in Sicherheit ist. XD-4400 überspielt Koordinaten an Ihre XK-500- und FX-4-Einheiten.“

Chris Alcon warf Avary Sax einen Blick von der Seite zu. Er sah, wie sich das Visier ihres Helms automatisch schloss, dann spiegelten sich Datenkolonnen darauf wider, dann Sternenkarten, und ihr Blick wurde für Sekunden starr.

Gleichzeitig meldete James Scalera: „Feinkontakt in zwei, drei - jetzt!“

James hatte die Schilde bereits hochgefahren, Chris ließ den Cerubin abkippen. Er flog ganz vorn im Verband und wusste, dass sein Kampfgleiter einer der ersten war, den die Strayx unter Beschuss nehmen würden.

Tatsächlich blitzte im gleichen Moment etwas Backbord und unterhalb von ihnen vorbei. Es war ein grelles Gleißen, wehrte nur Sekunden - aber Chris Alcon wusste, dass es ihren Cerubin verdampft hätte, hätte die Protonenenergielandung sie getroffen.

„Wir stehen unter Beschuss!“, rief Leutnant Scalera; eine eher überflüssige Meldung, was er wohl gleich selbst bemerkte, denn er fügte leiser hinzu: „Schon gemerkt, ja?“

„Abfallen und Schirme nach vorn konzentrieren!“, befahl Chris Alcon, ohne auf die Frage seines Untergebenen und Freundes einzugehen.

„Sichtkontakt in minus vier!“, sagte Avary Sax, dann: „XX-4 - Ausweichen!“ Das war an den Cerubin-Gleiter links von ihnen gerichtet. Doch ihre Warnung kam zu spät.

Noch bevor sie zu Ende gesprochen hatte, wurde der Cerubin neben ihnen von einem grellen Blitz getroffen, der sich in den Gleiter hineinfraß, seine Außenhülle innerhalb eines Lidschlags schmolz, sich mit seiner Energiezelle verband und dann eins mit dem Schiff wurde.

Im nächsten Moment wurde der Cerubin zu einer kleinen Supernova, die ihre gesamte Energie in Form eines gleißenden Lichtkranzes und eines Funkensprühregens aus geschmolzenem Metall in den Weltraum schleuderte. Gleich darauf war nur noch ein Wirbel glühender Fragmente und leuchtender Rauch geblieben, doch auch der löste sich innerhalb weniger Herzschläge auf.

Nichts war von dem Cerubin geblieben. Nichts von seiner zweiköpfigen Besatzung.

Drei, sagte sich Chris und warf Avary einen Blick zu. Herrgott im Himmel, es waren drei.

Im nächsten Moment gab es den Sichtkontakt, so wie es Leutnant Sax vorausgesagt hatte. Ein gigantischer Staubring schien Hunderte von Flugkörpern auszuspucken. Es handelte sich um eine sogenannte Staubfalle, die sich um einen in der Entstehung befindlichen Stern gebildet hatte. Sein Kraftfeld zog den Weltraumstaub, Gestein und Planetenbruchstücke an, bildete daraus einen dichten Ring um seinen Entstehungspunkt, und in vielen Milliarden Jahren würden sich daraus Planeten bilden, ein neues Sonnensystem.

Jetzt brachen Hunderte von feindlichen Schiffen aus diesem Staubring hervor. Es war, als würde ein zauberhaftes Strahlen von ihnen ausgehen - doch Chris wusste, dass es sich um Protonengeschosse und Plasmatorpedos handelte.

„Ausweichen!“, befahl er. „Und dann sofort Abfangkurs!“

Sax brauchte den Befehl nicht zu bestätigen. Sie waren ein eingespieltes Team. Ein verdammt tödliches Team, wenn es sein musste. Nicht nur Chris und sie, James gehörte dazu.

„Himmel“, keuchte genau der in diesem Moment. Den Feind durch die Sichtfenster der Kampfstation zu erblicken, war etwas ganz anderes, als ihn nur als Symbol auf einer Computerdarstellung zu betrachten. „Das sind zu viele, Chris. Diesmal gehen wird drauf!“

„Immer locker, Jimmy“, sagte Chris, obwohl er selbst alles andere als locker war. Dennoch klang er völlig überzeugt, als er sagte: „Wir sterben nicht.“ Und leise fügte er hinzu: „Gott will mich nicht, und der Teufel hat Angst vor mir.“

„Und für solche wie mich gibt es keinen Platz im Jenseits“, fügte Sax hinzu.

James sah sie an, erst Chris, dann Sax. „Da bin ich ja beruhigt, Freunde.“

Sax hatte das von Chris befohlene Ausweichmanöver durchgeführt. Energiegeschosse schienen nach ihnen zu schnappen, griffen aber immer wieder in die Leere des Vakuums. Das Glas der Sichtscheiben dunkelte innerhalb von Millisekunden ab, sodass die Insassen des Cerubin nicht erblindeten, wenn eines der Energiegeschosse strahlend hell ganz knapp an ihrem Schiff vorbeileckte.

„Jetzt abfangen!“, befahl Chris.

Er sah den Feind bereits vor sich. Tausende von Strayx-Jägern, und dahinter die berüchtigten Kriegssterne des Feindes, gigantische, halbautomatische Kriegsroboter, die unablässig Torpedos und Raumjäger ins All spuckten und deren Feuerkraft reichte, um kleine Monde zu vernichten.

Sax lenkte den Cerubin direkt auf die Strayx zu, während sie meldete: „Die ersten unserer Kriegsschiffe springen.“ Chris sah auf seinem Bildschirm. Mehrere der Torpedos des Feindes, die an ihnen vorbeigerauscht waren, trafen die terranischen Kriegsschiffe, lösten auf den Abwehrschildern grelle Energieentladungen aus oder explodierten auf der Panzerung. Einige aber durchdrangen die Schilde, fraßen sich durch die Panzerung, Plasmaenergie züngelte zerstörerisch durch das Vakuum des Weltraums, Sauerstoff verbrannte in gleißenden Feuerwolken, glühende Metallfetzen wurden ins All geschleudert.

Die „Star Avenger“ traf es am schlimmsten. Ihr Hyperantrieb stand kurz vor dem Sprung, baute ein Energiefeld um das gewaltige Schlachtschiff auf, um es in den Nullraum zu stoßen - und wurde von einem Plasmatorpedo durchschlagen. Die entfesselten Kräfte rissen das Schiff auseinander, und einen Wimpernschlag später zerbarst auch sein Reaktorkern in einer unglaublichen Explosion. Die Trümmerteile, die aus diesem nuklearen Glutofen geschleudert wurden, brannten im radioaktiven Feuer.

Chris durfte sich von dem Tod von zweitausend Seelen nicht ablenken lassen. Hier ging es darum, das Schlimmste zu verhindern. Wenn er nicht voll konzentriert war, würden weitere Tausende Menschen und andere humanoide Wesen ihr Leben verlieren. Jeder Fehler, jede Ablenkung, auf die er sich einließ, bedeutete den Tod von Kameraden, von Freunden, von Menschen und anderen Kreaturen, denen er sich verbunden fühlte.

Wieder warf er Leutnant Avary Sax einen Seitenblick zu. Sie gab vor, es nicht zu bemerken, doch er wusste, dass sie alles in ihrer Umgebung registrierte. Manchmal wünschte er, so zu sein wie sie. Ob sie sich je ablenken ließ?

Ein Strayx-Todeshammer tauchte direkt vor ihnen auf. Sax hatte sie präzise auf die Flanke des Feindes zugelenkt, außerhalb seiner Waffensysteme, die nach vorne ausgerichtet waren.

„Feuer!“, rief Chris. Der Befehl war so überflüssig wie James’ Bemerkung von vorhin, denn Jimmy Scalera betätigte bereits die Waffenkontrollen.

Für einen Todeshammer vergeudete er keine Torpedos. Eine Salve Laserbolzen reichten, um den Antrieb des Feindes zu zersieben. Die dadurch freiwerdende Energie vernichtete den Jäger, verwandelte ihn in eine bunt leuchtende Feuerblume.

„Jeehoo!“, rief James begeistert.

„Wieder vier intelligente Lebewesen ausgelöscht“, kommentierte Siras betrübt. Chris wusste, dass ihr jedes Leben heilig war.

„Waren nur Scheiß-Strayx!“, entgegnete James.

„Hey, hey, hey“, maßregelte ihn Chris, denn er sah, wie Avary seinem Bordschützen das Gesicht hinter dem Visier zuwandte, um etwas zu erwidern. „Keine xenophoben Äußerungen an Bord meines Schiffes!“

Wieder wurden sie unter Beschuss genommen. Avary flog einen Ausweichkurs, und es gelang ihr nicht nur, den nach ihr schnappenden Energiegeschossen zu entgehen, sondern auch, das Feuer des Feindes auf sich zu konzentrieren und von den größeren Schiffen abzulenken, damit diese springen konnten. Chris war klar, dass ihr Handeln eiskalter Berechnung entsprang. Sie würde notfalls sein Leben und das von James opfern, um das von Tausenden zu retten.

Sie schien seine Gedanken zu erraten, denn sie ließ ihr Helmvisier mit einem Gedankenbefehl nach oben gleiten, wandte den Kopf und sah ihn an. Es war einer von den Blicken, die er in den letzten Monaten zu lesen gelernt hatte.

Verzeih mir. Ich liebe dich.

Auch er sah sie an.

Es gibt nichts zu verzeihen. Was du tust, ist richtig. War es immer.

Sie schenkte ihm ein kurzes Nicken. Und steuerte den Cerubin erneut direkt auf den Feind zu.

Chris schrie: „Feuer! Feuer! Feuer!“

Leutnant James Scalera bediente die Waffensysteme. Zwei weiteren Warhammer zerschoss er die Antriebe, sodass sie in gleißende Feuer- und Funkenwolken vergingen, einem Zerstörer, über dessen Außenhülle und Aufbauten Avary ihren Cerubin knapp und in rasender Geschwindigkeit hinwegjagen ließ, während Geschützfeuer nach ihnen leckte, pflanzte er einen Plasmatorpedo direkt in den Kommandobereich, sodass das Schiff führerlos ins All trudelte, eine Spiralspur aus Trümmern hinter sich herziehend.

„Über siebzig Prozent unserer Kriegsschiffe gesprungen“, meldete Avary, während James einen weiteren Warhammer zerblies.

„Verluste?“, fragte Chris.

Bevor Avary antworten konnte, sagte James: „Erheblich.“

„Achtzehn Kreuzer, vier Zerstörter und sieben Schlachtschiffe“, präzisierte Avary. „Anzahl der vernichteten Cerubin noch nicht errechnet.“

Chris schockierte die Meldung nicht. Konnte sie nicht. Sie bestätigte nur, was er um sich herum sah. Glühende, brennende, funkensprühende Trümmerteile wirbelte um ihren Cerubin durch die Lebensfeindlichkeit des Vakuums, Feuerblumen blühten in zerstörerischer Pracht um sie herum auf, ohne dass immer zu erkennen war, ob es sich um einen Feind oder einen Freund handelte, der dort vom gleißenden Tod verzerrt wurde, ganze Kriegsschiffe zerbarsten, Energiegeschosse durchschnitten die Schwärze des Alls.

Aber über siebzig Prozent der Armada gerettet - das war gut. Mehr als gut. Verdammt gut. Vielleicht sogar so manches Opfer wert.

Türler ve etiketler

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Litres'teki yayın tarihi:
26 mayıs 2021
Hacim:
1710 s. 18 illüstrasyon
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9783956179907
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