Kitabı oku: «Das Horn von Afrika»

Der Autor

Dr. Alfred Schlicht, Orientalist und langjähriger Diplomat, hat viele Jahre im Nahen Osten gelebt, ist Experte für die Geschichte und Politik des gesamten Vorderen Orients und Nordafrikas und hat eine Reihe von Büchern über die Geschichte der Region und den heutigen Islam publiziert.
Alfred Schlicht
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1. Auflage 2021
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Umschlagbild: Collage der Flaggen Äthiopiens (Bild: Miguel Á. Padriñán), Eritreas (Bild: Mykhailo Polenok), Dschibutis (Bild: slon.pics – freepik.com) und Somalias (Bild: pixabay.com).
Print:
ISBN 978-3-17-036965-8
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-036966-5
epub: ISBN 978-3-17-036967-2
mobi: ISBN 978-3-17-036968-9
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Inhalt
1 Vorwort
2 1 Von den ersten Menschen bis zu den frühen Staaten am Horn von Afrika
3 Erste Menschen
4 Das Land Punt und frühe Staaten am Horn von Afrika
5 Christentum, Handel und Imperialismus zwischen Südarabien und Nil: Das Reich von Aksum
6 Der Islam kommt ans Horn von Afrika
7 Die Nadschahiden – eine abessinische Sklavendynastie in der jemenitischen Küstenebene
8 2 Lalibela – die Zagwe-Dynastie
9 3 Sieben Jahrhunderte salomonische Dynastie – zwischen christlichem Nationalmythos und imperialer Kontinuität
10 Ein Staat und seine Legende
11 Aufstieg und Ausbreitung eines Imperiums
12 Christliche ›Fundamentalisten‹
13 Zar’a Ya’kob – Religion, Kultur und Weltpolitik
14 Krisen und interkontinentale Beziehungen
15 Aufbruch der Oromo
16 Ein katholisches Reich am Horn von Afrika?
17 Das Reich von Gonder
18 Zemene Mesafent – Zerfall des Reiches
19 4 Vielfalt am Horn von Afrika – historische Aspekte und Facetten
20 Das Horn von Afrika und Europa im Mittelalter und an der Schwelle zur Neuzeit
21 Islamische Staaten am Horn von Afrika
22 Die Beta Israel – Juden am Horn von Afrika?
23 Regionale Identitäten am Horn von Afrika
24 Die Somalis vor der Kolonialzeit
25 Sklaverei
26 5 Drei Kaiser schaffen das moderne Äthiopien – das Horn von Afrika zwischen Restauration und Neubeginn
27 Tewodros II.
28 Yohannes IV.
29 Menilek II.
30 6 Der Imperialismus am Horn von Afrika im 19. und 20. Jahrhundert
31 Französisch-Dschibuti
32 Britisch-Somaliland
33 Italienisch Somalia
34 Die italienische Kolonie Eritrea
35 Deutschland am Horn von Afrika?
36 7 Äthiopien unter Hayle Selassie – das Ende des salomonischen Reiches
37 Kaiserinnen am Horn von Afrika?
38 Auf dem Weg zur Macht – Teferi Mekonnens Regentschaft
39 Der letzte Kaiser (I) – bis zur italienischen Okkupation
40 Ca Custa Lon Ca Custa – um jeden Preis: Africa Orientale Italiana
41 Der letzte Kaiser (II) – Vom Neubeginn bis zum Ende des salomonischen Reiches
42 8 Eritrea – der lange Weg von der italienischen Kolonie zur Unabhängigkeit
43 Eine eritreisch-äthiopische Föderation?
44 Vom Buschkrieg zur nationalen Unabhängigkeit – 30 Jahre eritreischer Befreiungskampf
45 9 Marxismus, Hunger, Bruderkrieg und Versöhnung
46 Das Scheitern eines Regimes, die Geburt einer Nation
47 Neuanfang mit Hindernissen
48 Grenzkonflikt oder mehr?
49 No War, No Peace
50 Äthiopien – ›Entwicklungsdiktatur‹ auf dem Weg zum ›China Afrikas‹?
51 Abiy Ahmad – Neubeginn am Horn von Afrika?
52 10 Somalia und Dschibuti – Wege in die Unabhängigkeit … oder ins Chaos?
53 Failed State Somalia?
54 Internationale Krisenbewältigungsversuche und islamistischer Terror
55 Dschibuti – Insel der Stabilität?
56 Karten
57 Anmerkungen
58 Bibliographie
59 Abbildungsnachweis
Vorwort
Wenn die griechische Hässlichkeit in Äthiopien Schönheit sei, so könnte wohl sein, dass beide Teile recht hätten?
Christoph Martin Wieland, ›Geschichte der Abderiten‹
Das ›Horn von Afrika‹ ist ein geographischer Begriff. Es bezeichnet den Raum um die Ostspitze Afrikas, die wie ein Horn in den Indischen Ozean ragt. Hier befindet sich der östlichste Punkt Afrikas, Ras Hafun (Ras Xaafuun), südlich von Kap Guardafui, dem ›aromaton acron‹ (Kap der Gewürze) der Antike. Kap Guardafui liegt an der Spitze des Horns von Afrika und wird deshalb manchmal irrtümlicherweise als östlichste Stelle des Kontinents betrachtet. Zu den heutigen Staaten am Horn von Afrika im weiteren Sinn gehören Äthiopien, Dschibuti (Djibouti), Eritrea und Somalia, welche den geographischen Rahmen abstecken, dessen historische Entwicklung Gegenstand vorliegenden Buches ist.
Dieser geographische Raum ist selbst dem gut informierten Europäer bestenfalls in großen Linien vertraut. Deshalb ist es unerlässlich für ein historisches Verständnis des Horns von Afrika, geographische und historische Karten zu verwenden. In Band V der ›Encyclopaedia Aethiopica‹ (EA) findet sich eine Zusammenstellung von über 30 Karten,1 viele historische Werke enthalten weiteres kartographisches Material, auch am Ende dieses Buches finden sich zwei Karten.
Es fällt schwer, gemeinsame Züge für die Länder dieses Raumes zu finden. Charakteristisch ist vielmehr eine schier unüberschaubare Vielfalt – etwa 80 Sprachen, die teilweise untereinander nicht einmal verwandt sind, werden hier gesprochen. Nie war im Laufe der Geschichte das ›Horn von Afrika‹ eine politische oder kulturelle Einheit oder wurde von einer einzigen Macht beherrscht. Auch religiös herrscht mehr Vielfalt als Einheit. Neben dem Christentum und dem Islam, die seit weit über 1000 Jahren vor allem prägend waren, existieren auch zahlreiche (Natur-)Religionen lokaler und regionaler Bedeutung.
Ein besonderes Charakteristikum des Horns von Afrika besteht darin, dass hier das Christentum eine über 1600 Jahre lange staatliche Kontinuität aufzuweisen hat, dass hier seit dem 4. Jahrhundert christliche Staaten bestehen. Das Horn von Afrika ist der einzige Bereich auf dem gesamten afrikanischen Kontinent, in dem das Christentum seine Führungsrolle bis heute behaupten konnte. Die christlichen Reiche Nubiens wurden vom Islam erobert, die ägyptischen Kopten sind längst zur Minderheit im Land am Nil geworden. In den Ländern Nordafrikas westlich von Ägypten ist das Christentum völlig verschwunden.
Die Länder dieses Großraums haben untereinander immer sehr enge und wechselvolle Beziehungen unterhalten, intensive Wechselwirkungen und lebhaften Austausch erlebt. Deshalb ist es sinnvoll, sie als eine historische Einheit zu betrachten.
Dabei ist die Verwendung geographischer und kultureller Begriffe nicht unproblematisch. Sprechen wir etwa über das salomonische Reich oder seine christlichen und vorchristlichen Vorgänger, so verwenden wir in diesem Buch oft die Bezeichnung ›Abessinien‹ (vom semitischen ›Habasch‹,2 deshalb in älteren deutschen Texten auch Habessinien), ›Äthiopien‹ wird vorwiegend als Bezeichnung für den modernen Staat dieses Namens (seit dem 19. Jahrhundert) verwendet.
Andere Bezeichnungen, wie Somalia oder Eritrea, werden – wenn sie sich nicht eindeutig auf die modernen Staaten beziehen – angewandt, um die geographische Einordnung eines Ortes oder eines Ereignisses zu erleichtern. Sie sollen weder Grenzen präjudizieren noch eine Parteinahme in kontroversen Fragen darstellen.
Zahlreiche Eigennamen und Toponyme, die in diesem Buch verwendet werden, entstammen unterschiedlichen Sprachen und Kulturkreisen, für die kein einheitliches Transskriptionsystem existiert. Es wurde versucht, sie in einer benutzerfreundlichen, bewusst vereinfachenden Schreibweise wiederzugeben, die allerdings keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben will und kann. Inkonsequenzen sind dabei nicht auszuschließen.
Die Geschichte des Horns von Afrika ist in Europa außerhalb der Fachkreise noch weitgehend unbekannt – deshalb ist das Buch chronologisch aufgebaut. Dies stellt für den Leser den einfachsten Zugang zu einer sehr komplexen Materie dar. Eine Ausnahme bildet Kapitel 4, in dem thematische Einzelaspekte, welche eine vertiefte Behandlung sinnvoll erscheinen lassen, näher betrachtet werden.
Für dieses Buch habe ich über Jahre und Jahrzehnte hinweg zahlreiche Anregungen, Inspirationen und Impulse von verschiedensten Seiten erhalten, für die ich sehr dankbar bin. Besonders verpflichtet fühle ich mich:
Meinem Großvater Eugen Berger, der lebhaftes Interesse an außereuropäischen Räumen hatte, dieses an seine Kinder weitergab und stets von Reisen träumte, die ihm nie möglich waren.
Meiner Mutter Hildegund Berger, die mich schon als Kind auf Reisen nach Afrika mitnahm und mir aufgrund ihrer umfassenden literarischen, geographischen und historischen Kenntnisse die Augen für Vieles öffnete.
Meinem verehrten akademischen Lehrer Julius Assfalg,3 der mir half, Zugang zur vielfältigen Welt der Sprachen und Kulturen des christlichen Orients zu finden und sie mir wissenschaftlich zu erschließen.
Meinem akademischen Lehrer Hans-Joachim Kißling, der mein Interesse an interkontinentalen Beziehungen im Spannungsfeld der islamisch-christlichen Rivalität weckte.
Meinem Mentor Eberhard Schmitt,4 als dessen Mitarbeiter ich viel über Globalgeschichte gelernt habe und dem wir das 14-bändige Monumentalwerk ›Dokumente zur Geschichte der europäischen Expansion‹ verdanken, an dem ich zeitweise mitarbeiten durfte.
Meinem Schwiegervater Ghebre Selassie Dirar, der als Geistlicher die tiefe, traditionelle Frömmigkeit des christlichen Afrika bis an die Schwelle zum 21. Jahrhundert brachte und dessen Gebetbuch noch heute im Familienbesitz ist.
Meiner Frau Azeb, die die Familientradition bis heute lebendig hält und dafür sorgt, dass in unserer Familie noch drei Sprachen (Tigrinya, Amharisch und Arabisch) vom Horn von Afrika gepflegt werden. Sie half mir, Quellen zu erschliessen, die mir sonst unbekannt geblieben wären.
Meiner Tochter Julia, die in Washington DC geboren ist, in Amman, Jordanien, zur Schule kam, in Atlanta, GA, ihr Abitur machte, die in Deutschland studiert und in drei Kulturkreisen zuhause ist. Sie leistete mir konkrete Hilfe bei der Entstehung dieses Textes.
Ihnen widme ich dieses Buch.
Alfred Schlicht
Im November 2020
1 Von den ersten Menschen bis zu den frühen Staaten am Horn von Afrika
Erste Menschen
Afrika ist eine der Wiegen der Menschheit. Einige der ältesten Spuren von Menschen wurden am Horn von Afrika entdeckt. Millionen Jahre alte Überreste von Hominini kommen vor allem am Afrikanischen Grabenbruch vor, der von der Küste des Roten Meeres durch die heutigen Staaten Dschibuti und Äthiopien und weiter in südlicher Richtung verläuft. Menschenfunde wurden im Süden des heutigen Äthiopien an der Grenze zu Kenia gemacht. Schwerpunkt solcher Funde ist jedoch die Afar-Senke (auch Danakil-Senke oder Afar-Dreieck),1 ein Tiefland im Nordosten Äthiopiens, das sich nach Eritrea, Dschibuti (Djibouti) und Somalia erstreckt. Am Awash-Fluss, der diese Region von Süd nach Nord durchfließt, wurde 1997 der Ardipithecus ramidus kadabba entdeckt, das erste Spezimen eines definitiv auf zwei Beinen gehenden Menschen. Er ist mit 5,2 bis 5,8 Millionen Jahren der älteste Fund in diesem Raum. Nur in Kenia und im Tchad fanden sich menschliche Reste, die möglicherweise noch etwas älter sind. Berühmtheit über die Fachkreise hinaus hat ›Lucy‹2 erlangt, die zwar ›nur‹ 3,2 Millionen Jahre alt ist, aber ein weitgehend vollständiges Skelett darstellt, das heute im Nationalmuseum von Addis Abeba aufbewahrt wird. Vielleicht wegen dieser Vollständigkeit wird ›Lucy‹ von den Äthiopiern ›Dinqenesch‹ (Du bist so wunderbar) genannt. Sie wurde 1974 ebenfalls am Awash-Fluss gefunden.
Die menschlichen Spuren im eritreischen Buya sind mit einer Mio. Jahre dagegen vergleichsweise ›jung‹. All diese Menschenfunde sind jedoch in jedem Fall sehr viel älter als der in Europa gefeierte ›Ötzi‹, der 1991 in Südtirol gefunden wurde, mit einem Alter von nur etwas über 5000 Jahren allerdings auch bereits ein homo sapiens sapiens ist.
Schon in der griechischen Antike muss das Horn von Afrika ein Ort gewesen sein, an dem die Menschheit ihren Ursprung suchte: ›Aithiops‹ war eine mythische Gestalt, die im Osten am Ozean lebte und sowohl die älteste als auch die vollkommenste Verkörperung des Menschen darstellte.3 Wie sich dieses Gesamtbild durch die Entdeckung des etwa 11,6 Mio. Jahre alten aufrecht gehenden ›Danuvius guggenmosi‹ im Allgäu im Jahre 2019 ändert, bleibt abzuwarten.
Historisch nicht mehr so weit entfernt von uns sind Werke, die Menschen geschaffen haben: Stelen etwa, deren älteste auf das Jahr 5000 v. Chr. zurückgehen, und Felsmalereien, die teilweise erst im 21. Jahrhundert am Horn von Afrika gefunden worden sind. Dabei handelt es sich nicht nur – wie andernorts vielfach –

Abb. 1: Lucy, Äthiopisches Nationalmuseum, Addis Abeba.
um Höhlenmalereien, sondern die Darstellungen finden sich teilweise auch unter freiem Himmel, unter Felsvorsprüngen, wo sie über die Jahrtausende geschützt waren und auch die damaligen Künstler und ihre Herden möglicherweise Schutz vor Sonne und Regen fanden. Diese frühen Kunstformen finden sich in allen Ländern am Horn von Afrika – in den heutigen Staaten Äthiopien (bis in den tiefen Süden), Eritrea, Dschibuti und Somalia, wo sich im Felsmassiv von Laas Geel bei Hargeysa die vielleicht besterhaltenen polychromen Felsmalereien Afrikas befinden. Teilweise sind sie fast 10 000 Jahre alt, damit aber deutlich jünger als die Malereien in den europäischen Höhlen wie z. B. in Lascaux und Altamira. Abgebildet werden vor allem Rinder und Schafe, aber auch Giraffen, Elefanten, Strausse und Kamele. Menschen werden ebenso dargestellt, bewaffnete Jäger und Krieger, auch eine Melk-Szene. Vergleichbare Höhlenmalereien befinden sich im somalischen Dhambalin und in Karin Heegan (70 km östlich von Boosaaso).

Abb. 2: Prähistorische Felsmalerei in Laas Geel, Somalia.
Das Land Punt und frühe Staaten am Horn von Afrika
Historisch signifikant sind die ägyptischen Beziehungen zur Region am Horn von Afrika, die seit dem ›alten Reich‹ (2700–2200 v. Chr.) bestehen. Das Land Punt4 am Horn von Afrika – auch hier sind die Anfänge in mythologischen Nebel gehüllt – wurde als Urheimat der altägyptischen Götter aufgefasst. Zwar gab es wahrscheinlich keinen Staat dieses Namens, kein regelrechtes ›Reich‹ Punt – aber ›Punt‹ war durchaus kein Phantasiegebilde. Lange war umstritten, wo dieses sagenhafte Land im Süden, mit dem Ägypten intensiven Handel getrieben hat, genau lag. Neuere Forschungen zeigen, dass es sich um die Küste des Roten Meeres zwischen dem Sudan und Somalia gehandelt haben muss, um Nordäthiopien und Eritrea und den Fluss Gasch; möglicherweise gehörte auch Südarabien, das ohnehin seit jeher eng mit der afrikanischen Seite des Roten Meeres verbunden war, zu Punt. Besonders ein Relief auf dem Totentempel von Königin Hatschepsut aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. gibt uns einen lebhaften Eindruck von Punt, seiner Flora und Fauna. Die Verbindung zwischen Ägypten und Punt verlief einerseits über den Landweg, durch das Land Kusch (Nubien) am Nil (heutiger Sudan), andererseits aber mehr und mehr über den Seeweg. Weihrauch und Gold waren wichtige Handelswaren auf diesem Weg, ebenso Elfenbein, Ebenholz, Straußenfedern und -eier sowie Leopardenfelle und Affen.
Punt ist auch heute noch ein in der Region sehr präsenter Begriff und in Somalia bis in die Gegenwart ein wichtiges Element des ideologischen Versuchs, eine lange Tradition und weit zurückreichende historische nationale Kontinuität zu konstruieren.
Auch Ophir gehört in diesen Kontext als Land, das bereits in der Bibel erwähnt wird, aber auch in weiteren schriftlichen Quellen aus dem alten Israel, das aus Ophir Gold bezog. Über die Lage von Ophir gibt es jedoch mehrere Thesen – von Sri Lanka über Indien und Simbabwe bis zur eritreischen Küste.
Die Küste des Roten Meeres und des Indischen Ozeans ermöglicht zahlreiche Kontakte und öffnet das Horn von Afrika äußeren Einflüssen. Spätestens seit dem frühen 1. Jahrtausend v. Chr. gibt es Verbindungen zum südlichen Arabien und seinen Kulturen. Auffallend sind die kulturellen Ähnlichkeiten zwischen der Tihama, der jemenitischen Küstenebene am Roten Meer, und der eritreischen Küste5 gegenüber, wie beispielsweise ein Vergleich der eritreischen Ona-Kultur6 (um Asmara) und der jemenitischen Sabr-Kultur verdeutlicht.
Südaraber sind schon früh am Horn präsent, der Einfluss ihrer Sprache und Schrift ist allgegenwärtig. Die ältesten Inschriften7 am Horn von Afrika sind sabäisch (also südarabisch). Auch ihre Religion – belegt durch Darstellungen der Sonnenscheibe und der Mondsichel (wenn deren Bedeutung auch inzwischen kontrovers diskutiert wird) – brachten Sabäer ans Westufer des Roten Meeres. Weit gespannte Handelsbeziehungen belegen auch Inschriften (z. B. indischen Ursprungs) bereits aus vorchristlicher Zeit auf der kleinen Insel Sokotra vor Kap Guardafui (heute zum Jemen gehörig, faktisch seit 2020 von südjemenitischen Rebellen kontrolliert) am Eingang zum Golf von Aden.
Wichtigster Hafen dieser Zeit am Horn von Afrika ist Adulis am Golf von Zula, etwa 40 km südlich vom heutigen Hafen Massawa in der Nähe des eritreischen Dorfes Foro. Adulis existierte bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. und wird aufgrund seiner Bedeutung für den internationalen Handel in zahlreichen antiken und mittelalterlichen Quellen genannt. Im 7. Jahrhundert v. Chr. wird es schon von Griechen und Phöniziern angelaufen und beginnt bereits, eine immer wichtiger werdende Rolle im interkontinentalen Handel zu spielen. Aber auch kleinere Häfen wie Opone, Mosylon oder Zayla (im heutigen Nordsomalia) gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Der erste regelrechte Staat am Horn von Afrika ist Da’amat,8 das im 8./7. Jahrhundert v. Chr. aufblüht. Es entfaltet sich in der Gegend der späteren Metropole Aksum in der nordäthiopischen Region Tigray, zwischen Mekele und Addigrat; also in dem Teil des Horns von Afrika, in dem Jahrhunderte später eine Großmacht, das Reich von Aksum, aufsteigen wird. Da’amat selbst ist jedoch von begrenzter Ausdehnung und existierte nur relativ kurze Zeit. Es war stark südarabisch geprägt. Die südarabischen Götter werden hier in Inschriften genannt und angebetet – noch immer eindrucksvoll ist der Tempel in Yeha, der Almaqah,9 dem höchsten Gott des sabäischen Pantheon, gewidmet ist. Wir haben nur wenige schriftliche Quellen (6 sabäische Inschriften mit einheimischen sprachlichen Einflüssen) aus diesem Staat. Die Hauptstadt Yeha bietet jedoch interessante handwerkliche Überreste und archäologische Zeugnisse.10 Spätestens um 400 v. Chr. bricht Da’amat vollständig zusammen, Ansätze zur Entstehung eines neuen Staates werden greifbar.