Kitabı oku: «Der Parkplatzwächter: Erotische Novelle»
Andrea Hansen
Der Parkplatzwächter: Erotische Novelle
Lust
Der Parkplatzwächter: Erotische Novelle ÜbersetztRebecca Jakobi Original ParkeringsvagtenCover Bild: Shutterstock Copyright © 2018, 2019 Andrea Hansen und LUST All rights reserved ISBN: 9788726201994
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.
Ich bin bei meiner Schwester, als mir der Parkplatzwächter zum ersten Mal auffällt. Sie wohnt nur ein paar Straßen von meiner Wohnung entfernt und ist momentan in Elternzeit. Es bietet sich an, dass ich ab und zu auf einen Morgenkaffee bei ihr vorbeischaue und mich um sie kümmere, wo ich doch selbstständig bin und von zu Hause arbeite. Wenn man keine Kollegen hat, ist ein Gespräch eine nette Abwechslung. Zwischen meiner Schwester und mir liegen nur wenige Jahre. Wir haben uns schon immer nahegestanden. Ihr Zuhause ist ordentlich und schön. Große, grüne Pflanzen in den Ecken und indische Dekokissen auf dem Sofa. Ich komme gern hierher. In ihrer Wohnung herrscht eine derart entspannte, weibliche Energie, auch wenn sie und ihr Mann gerade zum ersten Mal Eltern geworden sind. Ich frage mich oft, wie sie das anstellt. Meine Schwester ist hübsch. Sie trägt einen lockeren Dutt und einen tollen Seidenkimono über ihrem weichen, hellen Nachthemd. Sie lächelt breit, als sie die Tür öffnet. Als wir jung waren, fuhren wir einmal zusammen nach Paris, nur sie und ich. Wir haben die gleiche Figur und sind wie geschaffen für die französische Mode. Außerdem gingen wir beide schon immer liebend gern schwimmen und machten das zusammen, bis wir schließlich erwachsen wurden und sich diese festen Verabredungen nicht mehr unterbringen ließen. Wenn wir da manchmal nackt nebeneinanderstanden, hatte ich Schwierigkeiten, uns zu unterscheiden. Vielleicht sind meine Schultern etwas breiter, vielleicht mein Haar ein wenig heller. Ganz eindeutig unterscheiden wir uns aber in unserem Temperament. Anders als ich, hatte sie schon immer den Hang zum Konformismus. Sie und Jakob waren mehrere Jahre lang ein Paar und wussten immer, was sie wollten. Einen festen Wohnsitz, ein festes Einkommen und eine eigene Familie. Bei Familientreffen ist es eindeutig, dass es meinen Eltern leichter fällt, ihren Lebensstil zu verstehen, mit ihm umzugehen. Andererseits gibt es immer viele Dinge, über die man in der Familie nicht spricht.
Heute steht meine Schwester zufälligerweise am Fenster, während sie ihren neugeborenen Sohn in den Armen wiegt und wir uns unterhalten.
„Schau mal da“, sagt sie und zeigt hinaus.
Ich komme neben sie und folge ihrem Finger. Sie schüttelt leicht den Kopf. Auf der Straße steht ein junger Mann in schwarzer Uniform, ein Parkplatzwächter. Er steht auf der gegenüberliegenden Straßenseite, fast durch den Vorsprung eines Hauseingangs verdeckt. Hin und wieder tritt er hervor und schaut sich um, als versteckte er sich vor jemandem. Ich lasse ein Lächeln erkennen.
„Was geht denn da vor sich?“, frage ich.
„Das ist so eine Unverschämtheit“, sagt meine Schwester.
Sie erzählt, dass sie ihn in letzter Zeit jeden Vormittag gesehen hat. Wenn er ankommt, überprüft er zuerst alle Parkscheiben und gleicht sie mit seiner Uhr ab. Sobald er das Auto gefunden hat, dessen Frist als erstes ablaufen wird, geht er nicht weiter. Stattdessen versteckt er sich hinter einem der Vorsprünge an den Hauseingängen und wartet auf die Minute genau, bis er ein Bußgeld ausstellen kann. In diesem Augenblick tritt er wie ein Bär aus dem Schatten, und ehe man sich versieht, klemmt ein kleiner, weißer Zettel an der Scheibe. Danach eilt er weiter. Er möchte der Verärgerung, die der Autobesitzer beim Anblick eines nur eine Minute nach Fristablauf ausgestellten Strafzettels Ausdruck zweifellos bekommen wird, aus dem Weg gehen.
Ich glaube nicht, dass ein Job als Parkplatzwächter besonders spannend ist. Nur einen Hauch besser als der des Fahrkartenkontrolleurs.
Mein Neffe ist aufgewacht und gibt leise Geräusche von sich. Sie schaukelt ihn etwas stärker, während sie den Parkplatzwächter weiterbeobachtet. Ihr Mann und sie haben viele Male einen solchen Strafzettel bekommen, und jetzt, da meine Schwester zu Hause bleibt, ist es ihr gelungen, die Taktik des Parkplatzwächters aufzudecken.
„So ein Schlingel“, sagt sie.
„Er könnte gut ein paar Schläge vertragen.“
Wir lachen. Meine Schwester und ihr Mann haben wegen eines bestimmten Strafzettels versucht, die Kommune zu benachrichtigen, jedoch nur die Mitteilung erhalten, der Wächter habe so gesehen nichts Falsches gemacht. Sie könnten von ihrem Büro aus nicht kontrollieren, wie jeder einzelne Parkplatzwächter seine Arbeitszeit einzusetzen pflegte. Wer zu lange parke, müsse auch zahlen. Meine Schwester gestikuliert wild mit dem freien Arm und ahmt die Frau aus der Verwaltung nach, von der sie eindeutig nicht begeistert war.
„Diese Bußgeldregeln sind einfach nur rigoros. Ich finde, man sollte wenigstens darüber reden können, sich herausreden, wie in alten Zeiten.“
Wir lachen wieder. Sie setzt sich an den Tisch und schenkt Kaffee nach. Einen Moment lang bleibe ich stehen und betrachte den Parkplatzwächter durch die schmutzige Scheibe. Wir befinden uns im dritten Stock. Er ist verhältnismäßig weit entfernt, aber ich kann sehen, dass er von schlanker Gestalt ist, und für seinen Beruf äußerst jung aussieht. Vielleicht ist diese Annahme falsch, aber in meinem Kopf sind die meisten Parkplatzwächter gesetzteren Alters und haben etwas Speck auf den Rippen. So habe ich sie jedenfalls von den sporadischen Blicken in Erinnerung, die ich ihnen über Jahre hinweg zugeworfen habe. Ich glaube, man muss schon von sehr merkwürdigem Schlag sein, um einen solchen Job machen zu wollen. Niemand wird sich je freuen einen zu sehen. Man wird sicherlich bedroht oder angeschrien, wenn man beim Ausstellen eines Strafzettels ertappt wird. Wahrscheinlich bekam meine Schwester auch deshalb diese Antwort, als sie bei der Verwaltung anrief. Sie müssen derartige Anrufe gewöhnt sein.
„Das wird wirklich kein besonders spannender Job sein“, sage ich und setze die Tasse an die Lippen.
„Nein“, sagt sie.
„Naja, man muss wohl schauen, was man daraus macht.“
Als ich nicht viel später nach Hause muss, halte ich nach dem Parkplatzwächter Ausschau, aber er ist nicht mehr da. Unter einigen Scheibenwischern klemmen die kleinen, weißen Zettel. Sie ähneln im Wind flatternden Kassenbons aus dem Supermarkt.
Die Luft im Gesicht fühlt sich kühl an. In nicht allzu langer Zeit wird es Winter. Die Kälte kriecht über meine Fußsohlen. Schon bald werde ich zu den Winterstiefeln übergehen müssen. Ich schließe meine Jacke und atme tief ein. Wenn alle anderen auf der Arbeit sind, ist es im Wohngebiet merkwürdig still. Es ist eine besondere Art von Ruhe. Eine Ungestörtheit, die selten vorzukommen scheint und deshalb wertgeschätzt werden muss. Eine Ungestörtheit, die ich nicht hatte, als ich in einem Büro mit festen Arbeitszeiten und Gedränge auf dem Hin- und Rückweg arbeitete. Ich schaue in den blauen Himmel. Sie ist schon interessant, diese geschärfte Aufmerksamkeit auf etwas, das man sonst nie beachtet hat. Meine Schwester erzählte, dass sie kaum etwas anderes als schwangere Frauen sah, als sie selbst versuchte, schwanger zu werden. Nicht, weil es wirklich mehr gab, sondern weil sie auf sie achtete. Das hatte ihr jedenfalls eine Krankenschwester gesagt. Auf dem Rückweg betrachte ich eingehend die Autos und vielen Vorsprünge an den Hauseingängen. Früher habe ich keinen Gedanken an die Parkplatzwächter verschwendet. Ich habe sie gesehen, bin an ihnen vorbeigelaufen. Ich habe beobachtet, wie Leute ihnen hinterherrannten, oder mit rollenden Augen die Strafzettel von ihren Scheiben entfernten, aber ich habe nie an die Parkplatzwächter als Mitmenschen gedacht. Jetzt stelle ich mir vor, wie es sein muss, den ganzen Tag die Straßen auf und ab zu gehen und ausschließlich Strafzettel an Leute zu verteilen, die ihre Parkzeit überschritten haben. Ob die Wächter wohl das gleiche wie ich sehen? Den blauen Himmel. Die unberührten Wege. Die Ruhe der Straße.
Am nächsten Vormittag halte ich aus meiner eigenen Wohnung, die ein paar Straßen von meiner Schwester entfernt liegt, Ausschau nach dem Parkplatzwächter. Ich bin früh wach und arbeite wie immer, aber bevor ich mich an meinen Platz setzte, richte ich den Schreibtisch in Richtung des Eckfensters aus, das zur Straße herausgeht. Mit dieser Aufteilung wirkt das Wohnzimmer anders und willkürlich, aber das spielt keine Rolle, da ich schließlich allein lebe. Aus unerfindlichen Gründen konnte ich den Gedanken an den Parkplatzwächter nicht loswerden. Der Stundenzeiger nähert sich der Zehn, und ich schärfe meine Aufmerksamkeit. Er müsste innerhalb der nächsten Stunde eintreffen. Wenn er denn in meiner Straße auf Patrouille geht, wohlgemerkt. Ich hole mir mehr Kaffee und betrachte die Autos auf der Straße.
Dann, wie aus dem Blauen heraus, ist er plötzlich da. Ich zucke leicht zusammen, überrascht, dass es mir tatsächlich geglückt ist, ihn auch in meiner Straße zu erspähen. Er sieht genau wie gestern aus. Die Uniform ist die gleiche. Ich nehme mein Handy und schicke eine Nachricht an meine Schwester. Ich schreibe, der Parkplatzwächter sei nun in meiner Straße unterwegs. Sie antwortet kurz: Gott bewahre. Lächelnd sende ich einen Smiley mit herausgestreckter Zunge zurück. Seit sie Mutter geworden ist, sind ihre Nachrichten sehr kurz geworden.
Ich setzte mich vor das Fensterbrett, um zu schauen, ob sich das von meiner Schwester entlarvte Muster wiederholt. Das tut es. Der Parkplatzwächter läuft alle Autos ab, um dasjenige zu finden, das am kürzesten vor Ablauf der Frist steht. Dann stellt er sich hinter einen nahegelegenen Vorsprung und wartet. Ich schaue auf meine Uhr und warte ebenfalls.
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