Kitabı oku: «Auf dem Bauernhof»

Yazı tipi:


Andreas JaunIm Wald


Andreas Jaun

Auf dem Bauernhof

Natur erleben – beobachten – verstehen


Andreas Jaun ist Biologe mit einem eigenen Büro in Spiez/Schweiz. Neben verschiedenen Projekten in den Bereichen Naturschutz, Artförderung und Landschaftsplanung ist er auch in der Umweltbildung tätig.

Dieser Band der Reihe «Natur erleben – beobachten – verstehen» wurde unterstützt durch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), Bern.

1. Auflage 2014

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

ISBN 978-3-258-47774-9

Copyright © 2014 Haupt Bern

Jede Art der Vervielfältigung ohne Genehmigung des Verlages ist unzulässig.

Gestaltung und Satz: Pool Design, Zürich

eBook-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

www.naturerleben.net in Partnerschaft mit www.naturgucker.net www.haupt.ch

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Vorbereitung auf den Bauernhofausflug

Der Bauernhof: Eine Einleitung

Naturlandschaft oder Kulturlandschaft?

Eine kurze Geschichte der Landwirtschaft

Aus Wildarten werden Nutzarten

Lebensräume auf und um den Bauernhof

Ökologie und Landwirtschaft

Kulturfolger

Frühling

Einleitung Frühling

Brüten zwischen Blüten

Nachtaktiver Langschläfer

Kuhfladen und Mistkäfer

Es gibt keine Maikäfer mehr …

Vögel der Kulturlandschaft

Gut verpacktes neues Leben

Das Haushuhn

Kleine Pflanzensauger

Kurzinformationen Frühling

Sommer

Einleitung Sommer

Der Regenwurm

Die Vielfalt der Zweiflügler

Bestäuber und Honigproduzenten

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Kurzinformationen Sommer

Herbst

Einleitung Herbst

Erntezeit und Reife

Früchte oder Gemüse?

Ein Allerweltsvogel

Stachliger Insektenfresser

Kurzinformationen Herbst

Winter

Einleitung Winter

Ein unbekanntes Reich

Lautloser Jäger

Der Steinmarder

Die Kuh, das unbekannte Wesen

Kurzinformationen Winter

Anhang

Fragen und Antworten

Bildnachweis

Dank

Vorwort

Auf Bauernhöfen mit ihren verschiedenen Nutztieren und Pflanzen gibt es immer etwas zu entdecken. Besonders Kinder sind begeistert von den vielen Möglichkeiten, die sich hier bieten. Aber auch erwachsene Naturliebhaber können auf Höfen, Feldern und Wiesen viel Interessantes beobachten. Es gibt zahlreiche wild lebende Tierarten, die sich in der Kulturlandschaft wohlfühlen und oftmals auch von der landwirtschaftlichen Nutzung profitieren. So gibt es beispielsweise die Wiesenbrüter, wie die Feldlerche, das Braunkehlchen oder die Wachtel, die gerne in extensiv genutzten Wiesen leben. Besonders ergiebig sind Naturbeobachtungen in kleinräumigen, strukturreichen Kulturlandschaften. Hecken, Streuobstwiesen, Feldbäume und extensiv genutztes Grünland bieten außer vielen Vogelarten auch Lebensraum für die Zauneidechse, den Igel und viele Schmetterlinge. Aber auch auf dem Bauernhof selber leben Wildtiere. Neben den Schwalben sind auch die heimlich lebenden Schleiereulen ausgeprägte Kulturfolger. Beide Arten sind auch von den Bauern als Nützlinge gerne gesehen, da sie viele lästige Insekten und Mäuse vertilgen.

Und weil die Natur nichts Statisches ist, sondern das Resultat von Vernetzungen und gegenseitigen Abhängigkeiten, und weil das Erkunden ja auch Spaß machen soll, finden Sie überall Verweise auf andere, verwandte Themen im Buch sowie auf Geräusche, Filme und zusätzliche Bilder auf der Website www.naturerleben.net. Wenn Sie eigene Beobachtungen mit anderen teilen möchten, können Sie dies dank unserer Partnerschaft mit www.naturgucker.net auch ganz einfach auf unserer Website tun.

Film

Tonspur

Ab all dem Kreuz und Quer und Hin und Her zwischen Buchkapiteln und Website soll auch etwas hängen bleiben – mit den Quizfragen können Sie locker prüfen, wie viele Geheimnisse Sie schon gelüftet haben. Seit November 2011 gibt es noch eine weitere Dimension zu entdecken: Mit der Smartphone-App zur Buchreihe können zum Beispiel die häufigsten Tier- und Pflanzenarten auf und um den Bauernhof bestimmt und das Auge und die Ohren durch die Beantwortung der Quizfragen für die Natur geschärft werden. Viel Spaß beim Beobachten, Entdecken und Erleben der Natur wünschen der Autor und Ihr Haupt Verlag!

Fotos

Vorbereitung auf den Bauernhofausflug

Tiere

Behandeln Sie alle Tiere sehr sorgfältig und mit Respekt. Auch Haustiere und Nutztiere, die eigentlich an das Zusammenleben mit dem Menschen gewöhnt sind, brauchen Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten.

Bitte beachten Sie, dass Muttertiere zum Schutz der Jungtiere zuweilen ein aggressives Verhalten zeigen können. Dies sollte besonders beim Durchqueren von Weideflächen mit Muttertierhaltung beachtet werden.

Wollen Sie Kleintiere zum genaueren Beobachten fangen, so ist besondere Vorsicht angebracht. Die Tiere sollten nur möglichst kurz in einem Glas oder einer Becherlupe gehalten werden. Handelt es sich um Wassertiere, müssen diese natürlich in einem Gefäß mit Wasser betrachtet werden. Dabei ist auf eine ausreichende Beschattung zu achten: im Sonnenlicht kann die Temperatur für die Tiere schnell zu hoch werden. Wichtig ist auch, dass alle kleinen Tiere wieder dort freigelassen werden, wo sie gefangen wurden. Viele Arten haben besondere Anforderungen an ihren Lebensraum und können deshalb nur überleben, wenn sie auch in diesem Lebensraum wieder freigelassen werden.

Pflanzen

Pflanzen lassen sich meistens gut betrachten, ohne dass dazu Pflanzenteile oder ganze Pflanzen ausgerissen werden müssen und ohne dass man dazu die Wege verlässt: Der Bauer wird Ihnen dankbar sein, wenn Sie seine Wiesen mit hoher Vegetation möglichst nicht betreten.

Abfälle

Das Liegenlassen von Abfällen ist bekanntermaßen ein verbreitetes Problem. Besonders entlang von vielbegangenen und -befahrenen Wegen und Straßen sind die Folgen vielerorts leicht erkennbar. Für die Bauern bedeutet das Einsammeln und Entsorgen mühsame Arbeit. Zudem ist Abfall ein nicht unerhebliches gesundheitliches Risiko für die Wild- und Weidetiere. Also: Abfälle unbedingt in öffentlichen Abfalleimern entsorgen oder mit nach Hause nehmen!

Hunde

Obwohl Hunde faszinierende und liebenswürdige Begleiter von uns Menschen sind, verhindern sie zuweilen spannende Naturbeobachtung in der Kulturlandschaft: Die Geduld und das Verharren an einem Ort sind nämlich schlecht mit dem Bewegung- und Spieldrang von Hunden vereinbar. Wenn Sie ihren Hund trotzdem auf Naturbeobachtungen im Kulturland mitnehmen, so sollten Sie darauf achten, dass er in der Nähe von Wild- und Nutztieren angeleint ist. Besondere Vorsicht ist im Bereich von Herdenschutzhunden angebracht: Nicht nur Hundehalter, sondern alle Spaziergänger sollten da Vorsicht walten lassen und die bewachten Herden möglichst großräumig umgehen.

Hundekot sollte besonders in Weiden und Futterwiesen eingesammelt werden, es verschmutzt die Umgebung.

Ausrüstungsliste

Natürlich sind Beobachtungen auch ohne Spezialausrüstung möglich, doch mit ein paar Hilfsmitteln sind Naturbeobachtungen oft deutlich ergiebiger und angenehmer:


Notizbuch und Schreibzeug
Lupe (Becherlupe)
Insektennetz
Durchsichtige Fangbehälter (z. B. Marmeladenglas)
Fernglas
Fotokamera (idealerweise spritzwasser- oder sogar wasserdicht)
Bestimmungsbücher zu Pflanzen und Tieren
Taschenmesser
Apotheke mit Desinfektions- und Insektenschutzmittel
Zwischenverpflegung
Geeignete Kleidung (z. B. Stiefel, Sonnenschutz)




Naturlandschaft oder Kulturlandschaft?

Es gibt vermutlich nur wenige Berufe, die so nahe und so abhängig von der Natur sind wie der des (traditionellen) Bauern. Kenntnisse über die Einflüsse von Klima, Witterung, Bodenbeschaffenheit und die Ansprüche der Nutzpflanzen und -tiere erfordern ein gründliches Verständnis von ökologischen Zusammenhängen und Lebenszyklen. Im Gegensatz zu vielen modernen und stark spezialisierten Betrieben sind traditionell bewirtschaftete Bauernhöfe noch weitgehend autonom und können ihre Erzeugnisse weitgehend ohne zugekaufte Stoffe wie Dünger oder Futtermittel produzieren. Die Erfahrung sowie das angesammelte und tradierte Wissen führten über Jahrhunderte zu einer meist nachhaltigen und langfristig funktionierenden Landwirtschaft, in der auch Wildtiere ihren Platz fanden. Eine großflächige und intensive Bewirtschaftung, wie wir sie heute vielerorts kennen, war aber über lange Zeit auch gar nicht möglich, da das Bauern zu einem großen Teil anstrengende Handarbeit war und daher nur begrenzte Intensität zuließ und auf relativ kleinen Flächen betrieben wurde. Zudem war vermutlich auch die Bedeutung einiger Wildtiere bei der Schädlingsbekämpfung schon lange bekannt, sodass auch Strukturen und Lebensräume dieser Nützlinge erhalten wurden. Das Resultat dieser Wirtschaftsweise war die Schaffung kleinräumiger Strukturen von Feldern, Brachen, Hecken und Bäumen, die eine relativ große Artenvielfalt im Kulturland zur Folge hatten. Entsprechend können in solchem Kulturland auf relativ kleinem Raum Bewohner mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen beobachtet werden. So muss man manchmal nicht weit gehen, um nach einer Beobachtung von Wald- oder Waldrandarten, wie dem Grünspecht, typische Offenlandarten wie die Feldlerche zu beobachten.

«Ein unbekanntes Reich»

«Ökologie und Landwirtschaft»

«Vögel in der Kulturlandschaft.»


Mähwiesen und natürliche Lebensräume, wie diese Moorlandschaft im Hintergrund, liegen manchmal nahe nebeneinander.


Regelmäßig überschwemmtes Kulturland weist oft auf ehemalige Feuchtgebiete hin.

Prächtige, vielfältige Hecken, schöne Blumenwiesen und Weideflächen und Baumreihen sind nur in den seltensten Fällen natürlich entstandene Lebensräume. Man ist sich oft nicht bewusst, dass diese Landschaftselemente erst durch die menschliche Nutzung geschaffen wurden. Auch viele Wälder, die doch eigentlich als typische Naturlebensräume gelten, sind kaum natürliche Lebensräume im eigentlichen Sinne: Durch die jahrhundertlange forstwirtschaftliche Nutzung sind auch sie stark vom Menschen geprägt und haben sich zu eigentlichen «Wirtschaftswäldern» entwickelt. Dennoch bilden sie für zahlreiche Arten Lebensräume, sie können dort oft beobachtet werden.

Feldlerche


Auch in der seit vielen Jahrhunderten gestalteten Kulturlandschaft sind noch Hinweise auf den ursprünglichen Zustand der Landschaft zu finden. So zeigen beispielsweise unregelmäßig geschwungene, von Bäumen gesäumte Linien ursprüngliche Gewässerläufe an (z. B. links im Vordergrund).

Eine kurze Geschichte der Landwirtschaft

Während unzähligen Jahrtausenden lebten die modernen Menschen und ihre Vorfahren als Jäger und Sammler. Dann, vor vermutlich etwas mehr als 12 000 Jahren, kam es zu einer epochalen Veränderung ihrer Lebensweise. In der sogenannten neolithischen Revolution, die während der Jungsteinzeit stattfand, entdeckte der Mensch die Landwirtschaft. Daraufhin entwickelte sich erstmals eine landwirtschaftliche Produktion mit Ackerbau und Viehzucht. Voraussetzung dafür war natürlich eine sesshafte Lebensweise und die Entstehung von festen, langjährig benutzten Siedlungsplätzen. Wo und wann genau diese Entwicklung einsetzte ist noch nicht abschließend geklärt. Aktuelle Theorien gehen jedoch davon aus, dass der Ackerbau in drei verschiedenen Weltregionen unabhängig voneinander entwickelt wurde: im Nahen Osten, im Fernen Osten (Südchina) und in Mittelamerika.

«Die Kuh, das unbekannte Wesen»

Hausrind

Schafe

Schwein

Die Sesshaftigkeit und die landwirtschaftliche Produktion führten im Umfeld der Siedlungen auch zu einer bis anhin unbekannten Veränderung der Naturlandschaft. Zu dieser Zeit war die Weltbevölkerung aber noch sehr klein. Zudem hatten von den damals lebenden Menschen auch bei Weitem nicht alle bereits den neuen, sesshaften Lebensstil übernommen, viele lebten und ernährten sich weiterhin als Jäger und Sammler. Die Umgestaltung der Naturlandschaft hielt sich daher noch lange Zeit in engen Grenzen. Es kann aber angenommen werden, dass schon damals gewisse Pflanzen- und Tierarten von den durch Menschen neu geschaffenen Lebensräumen profitierten. Eine Folge davon war, dass einige Tierarten ihr Verhalten an die neuen Gegebenheiten anzupassen begannen – so entwickelten sich die ersten Kulturfolger.

Fuchs

Die Handarbeit mit einfachen Werkzeugen und die kleinen Betriebe ermöglichten noch während langer Zeit keine großflächigen Nutzungen und hatten daher eine kleinräumige und vielfältige Kulturlandschaft zur Folge. Dadurch entstand auf kleinstem Raum ein Mosaik aus Ackerflächen, Weiden, Wiesen und Hecken. Als Folge davon konnten auch viele Pflanzen- und Tierarten mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen auf vergleichsweise kleinen Flächen leben.

«Lebensräume auf dem Bauernhof»

Für Lebensräume wie Wälder, Gebirgslandschaften, Feuchtgebiete und andere, für die Besiedlung anspruchsvollere Gelände blieb die neue Sesshaftigkeit des Menschen lange Zeit ohne größere Auswirkungen; und daran änderte sich auch trotz des stetigen Bevölkerungswachstums während vieler Jahrtausende nur wenig. Erst mit den groß angelegten Entwässerungsmaßnahmen in Feuchtgebieten und der Mechanisierung der Landwirtschaft gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand zumindest in den Industriestaaten eine Trendwende statt. Dramatische Auswirkungen hatten insbesondere der zunehmend flächendeckende Einsatz von mineralischen Düngern und chemischen Pflanzenhilfsstoffen, weil er – nebst einer immensen Produktivitätssteigerung – die mechanische Bewirtschaftung größerer Flächen begünstigte und in der Folge die «störenden» und «ineffizienten» naturnahe Strukturen (Hecken, Einzelbäume etc.) verdrängt wurden. Dies hatte zur Folge, dass die Kulturlandschaft immer strukturärmer und monotoner wurde.

Hecke im Jahreslauf


Kleinräumige und strukturreiche Kulturlandschaften beherbergen oft eine große Artenvielfalt.


Im intensiv genutzten Landwirtschaftsgebiet fehlen naturnahe Strukturen. Sie bieten daher ihren ursprünglichen Bewohnern – Feldlerchen, Neuntötern oder Feldhasen – keinen Lebensraum mehr.

Heutige Kunstwiesen sind im Vergleich zu traditionellen, blumenreichen Heuwiesen viel ertragreicher, weisen aber nur noch sehr wenige Tier- und Pflanzenarten auf. Da die Artenvielfalt in Europa auch durch die Siedlungsentwicklung, durch Verkehr, Industrie und Freizeitaktivitäten sehr stark unter Druck geraten ist, mussten in den letzten Jahrzehnten zunehmend Gegenmaßnahmen getroffen werden. Als wichtiges Standbein zur Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt wurden von der Landwirtschaft ökologische Maßnahmen gefordert. Der Bezug von Subventionen wurde an ökologische Auflagen geknüpft, und vielerorts werden nun wertvolle Strukturen und artenreiche Flächen mit namhaften Beträgen der öffentlichen Hand gefördert.

«Ökologie und Landwirtschaft»

Fragen


Wieso hatte schon die frühe, räumlich sehr beschränkte Landwirtschaft Auswirkungen auf die Artenvielfalt?

Antwort

Aus Wildarten werden Nutzarten

Auf die Frage, welche Arten auf und um den Bauernhof leben, werden meistens fast ausschließlich Nutztiere genannt: Welches Kind kennt sie nicht, die Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Hühner, Hunde und Katzen? Diese Nutz- oder Haustierrassen sind auf vielen Höfen anzutreffen, wobei es auch Betriebe ohne Nutztierhaltung gibt. Neben den Nutztieren prägen vor allem die Nutzpflanzen, auch Kulturpflanzen genannt, die Bauernhoflandschaft. Die verschiedenen Getreidesorten, Gemüse und Früchte, aber auch das Grünfutter für die Nutztiere sind wichtige landwirtschaftliche Produkte, die direkt oder indirekt zu Grundnahrungsmitteln verarbeitet werden. Bei allen diesen Pflanzen und Tieren handelt es sich aber nicht um ursprüngliche Arten (sogenannte Wildarten), sondern um Züchtungen, die aber auf Wildpflanzen- resp. Wildtierarten basieren. Diese wurden teilweise über Jahrtausende gezüchtet. So wurden beispielsweise aus dem Wilden Weizen (Triticum boeoticum) und dem Wilden Emmer (Triticum dicoccoides) die modernen Weizensorten gewonnen; und die Wildziege (Capra aegagrus), von der noch heute im asiatischen Raum mehrere Unterarten leben, ist die «Ursprungsart» unserer Hausziege. Die «Ursprungsart» unserer Rinder kann hingegen heute nicht mehr beobachtet werden: der Eurasische Auerochse (Bos primigenius), ist vermutlich im Laufe des 17. Jahrhunderts ausgestorben.

«Die Kuh, das unbekannte Wesen»

Ziege

Auerochse


Schottische Hochlandrinder sind außerordentlich robust und genügsam.


Pferde sind bereits seit langer Zeit Begleiter des Menschen. Die heutigen Rassen stammen vom Wildpferd ab. Das Przewalski-Pferd (Equus ferus przewalski) ist die einzige heute noch existierende Unterart des Wildpferdes (nicht im Bild).

Die Domestizierung von Wildtieren begann vermutlich schon lange bevor die Menschen sesshaft wurden und damit anfingen, Landwirtschaft zu betreiben. So sind beispielsweise die frühesten Nachweise des Zusammenlebens von Mensch und Hund schon mehr als 20 000 Jahre alt – also rund 8000 Jahre älter als die Neolithische Revolution, mit der das sesshafte Leben der Menschen ja seinen Anfang nahm. Genetische Untersuchungen und archäologische Funde ergaben, dass sich der Hund wahrscheinlich schon vor deutlich mehr als 30 000 Jahren von seiner Wildform, dem Wolf (Canis lupus), getrennt hat. Die frühe Domestizierung des Wolfes dürfte aber eine Ausnahme sein. Die anderen Haus- und Nutztierarten wurden höchstwahrscheinlich erst mit der Sesshaftigkeit des Menschen domestiziert und gezüchtet.

«Das Haushuhn»

Zucht – was ist das?


Auch unter den Nutzpflanzen gibt es eine große Vielfalt an Züchtungen.

Alle Individuen einer Art sind sich in vielen Hinsichten sehr ähnlich und können fruchtbare Nachkommen miteinander zeugen. Trotz ihrer Ähnlichkeit gibt es aber stets auch viele Eigenschaften, in denen sie sich voneinander unterscheiden; so zum Beispiel bezüglich äußerlicher Merkmale wie Größe, Farbe und Proportionen oder bezüglich «versteckter», innerer Merkmale wie Stoffwechselvorgänge oder genetische Besonderheiten. Die Letzteren können beispielsweise entstehen, wenn sich das Erbgut bei der Bildung von Eizellen oder Spermien verändert (= mutiert). Solche Mutationen müssen aber nicht unbedingt Auswirkungen auf das Leben der Nachkommen haben, da es unter den Mutationen auch sogenannte neutrale Mutationen gibt, die absolut wirkungslos sind. Andere Mutationen hingegen haben entweder positive oder aber negative Auswirkungen. Negative Auswirkungen äußern sich entweder tödlich oder durch einen geringeren oder sogar ausbleibenden Fortpflanzungserfolg und werden daher durch die Evolution rasch wieder wegselektioniert. Bei sich ändernden Umweltbedingungen können aber bis anhin neutrale Merkmale sich unter Umständen plötzlich als vorteilhaft erweisen und daher erfolgreich weitervererbt werden.


Dass es bei Pflanzen und Tieren die eben beschriebenen individuellen Unterschiede gibt, ist den Menschen schon früh aufgefallen. Es dauerte nicht lange, bis man versuchte, nützliche Eigenschaften entsprechend zu fördern. Die dabei entstandene Zucht beruht auf der gezielten Auswahl von Tieren (resp. Pflanzen), deren erwünschte Eigenschaften man zu verstärken (oder erhalten) suchte, indem man eine Paarung nur zwischen jenen Tieren zuließ, die diese Eigenschaften aufwiesen. Diese Auslesezüchtung ist aber nicht die einzige bekannte Zuchtform. Daneben gibt es auch die Kombinationszüchtung, die dann zur Anwendung kommt, wenn bei einer Tier- oder Pflanzenart mehrere erwünschte Eigenschaften gefördert werden sollen, diese aber auf mehrere Individuen verteilt sind.

Während langer Zeit beruhte die Züchtung nur auf Beobachtungen, Erfahrungen und Versuchen. Durch gezielte Experimente mit Kreuzungsversuchen an Erbsen begann der Priester und Naturforscher Johann Gregor Mendel im Jahr 1854 das Ganze auch wissenschaftlich zu untersuchen. Die nach ihm benannten «mendelschen Regeln» der Vererbung können als Beginn der Genetik (Vererbungslehre) bezeichnet werden.

Beobachtungstipp

Versuchen Sie bei Ihrem nächsten Besuch auf einem Bauernhof zwischen Wild- und Kulturarten zu unterscheiden. Bei den Tieren ist dies nicht besonders schwer, aber können Sie auch bei den Pflanzen sicher unterscheiden?

Frage


Wieso reicht in der Tierzucht die Auslesezüchtung in vielen Fällen nicht, um die gewünschten Resultate zu erzielen?

Antwort

Von der Selbstversorgung bis zur industriellen Produktion von Nahrungsmitteln

Noch heute sind weltweit über 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe kleinbäuerlicher Art. Diese meist in Afrika und Asien gelegenen Betriebe bewirtschaften oft kaum mehr als ca. 2 Hektaren Land, sind aber für rund 60 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelproduktion verantwortlich. Viele von ihnen produzieren zudem in erster Linie für die Selbstversorgung. Dabei sind es oft die schlechteren Böden oder Standorte mit Wasserknappheit, die von Kleinbauern bewirtschaftet werden. Große Betriebe sind in der Regel vermögender und können daher die besseren und fruchtbareren Böden nutzen. Sie produzieren Nahrungsmittel für den Verkauf auf lokalen oder globalen Märkten.

«Ein unbekanntes Reich»


Mutterkuhhaltung


In extremen Steillagen ist schon aufgrund der Erosion kaum an Ackerbau zu denken.

Während in den sogenannten Entwicklungsländern die durchschnittliche Betriebsgröße kaum wächst oder sogar abnimmt, ist in den Industriestaaten das Gegenteil zu beobachten: Zwar nimmt die Anzahl der Bauernbetriebe beständig ab, diejenigen, die übrig bleiben, werden jedoch immer größer. Dieses Phänomen ist unter anderem eine Folge des immer stärkeren Drucks zu effizienter und kostengünstiger Produktion. Um diesem Folge zu leisten, findet daher auch eine immer stärkere Spezialisierung auf einzelne Produkte statt. Während sich früher Bauernbetriebe durch ein breites Spektrum an produzierten Nahrungsmitteln auszeichneten, beschränken sich Großbetriebe in Industrie- und Schwellenländern heute oft nur noch auf bestimmte Produkte (z. B. Mais, Weizen oder Soja). Der Verkauf dieser Produkte findet meist nicht mehr an Endkunden statt, sondern an die Nahrungsmittelindustrie oder Großverteiler, welche die Produkte weiterverarbeiten («veredeln») oder vertreiben. Zudem sind im Nahrungsmittelsektor immer mehr auch reine Spekulanten am Werk.

«Erntezeit und Reife»

Die Spezialisierung, der Einsatz von Düngemittel und Chemikalien, der Einsatz von Hochleistungssorten und teilweise mit genetisch veränderten Pflanzen haben wohl große Ertragssteigerungen ermöglicht, aber zu welchem Preis? Landwirtschaft ist durch diese Entwicklung immer mehr zu einer industrieähnlichen Wirtschaftsform geworden; und sie hat dadurch teilweise hochproblematische Züge erhalten. Ein Beispiel: Noch immer werden weltweit neue Agrarchemikalien ausprobiert, ohne dass deren Auswirkungen zuvor ausreichend und vor allem auch langfristig abgeklärt werden. Es ist daher damit zu rechnen, dass solche Stoffe ungeahnte Folgen für Natur und Mensch haben können, ähnlich wie dies beim heute vielerorts verbotenen DDT der Fall war.

«Eine kurze Geschichte der Landwirtschaft»


Industrielle Ernte von Getreide

Gerade in Industrieländern wird die industrienahe Form der Landwirtschaft aber auch zunehmend infrage gestellt: Viele Konsumenten wünschen einen direkten Kontakt zu den Produzenten, wünschen sich Nahrungsmittel, die aus ihrer Umgebung kommen und möchten – aufgeschreckt durch zahlreiche Lebensmittelskandale oder durch Berichte über problematische Masttierhaltungen – genau wissen, wie ihre Früchte, Gemüse und Fleischwaren produziert worden sind. Diese Entwicklung bietet gerade auch in Mitteleuropa kleinen Bauernbetrieben eine interessante Zukunftsperspektive.

Schweine

Beobachtungstipp

Wenn Sie auf dem Bauernhof möglichst viel entdecken und erleben wollen, empfiehlt es sich, einen geeigneten Betrieb auszusuchen. Eher kleine, möglichst traditionelle Betriebe, die wie biologisch geführte Höfe mit lokalen Stoffkreisläufen funktionieren, bieten meist eine deutlich größere Vielfalt und daher interessante Beobachtungsmöglichkeiten. Oftmals werden hier auch Strukturen wie Hecken als Lebensraum für Wildtiere erhalten oder gefördert.


Blumenreiche Magerwiesen können nur bei extensiver Nutzung erhalten werden.


Extensiv genutzte Weide an einem Trockenstandort

Lebensräume auf und um den Bauernhof

Auf Bauernhöfen und dem dazugehörenden Land können je nach Lage, Größe und Bewirtschaftungsweise viele verschiedene naturnahe oder sonst wie ökologisch wertvolle Lebensraumtypen angetroffen werden. Die folgenden Lebensraumtypen und Strukturen sind für eine große Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft wichtig und ermöglichen somit auch spannende Entdeckungen:

Extensiv genutzte Wiesen

Das klassische Bild der blütenreichen und farbigen Wiesen ist auf den meisten Bauernhöfen nur noch sehr selten anzutreffen. Wenn Wiesen möglichst viel Ertrag liefern sollen und entsprechend mehrmals jährlich genutzt werden, müssen sie auch gedüngt werden. Unter diesen großflächigen Nährstoffzugaben setzen sich rasch gewisse dominante Arten durch. Viele Arten, die sich über Samen verbreiten, bleiben dabei auf der Strecke.

«Bestäuber und Honigproduzenten»

Vielerorts wurden ertragreiche Wiesen auch speziell mit dazu geeigneten Arten angesät. Solche Kunstwiesen liefern zwar die erwarteten guten Erträge. Aus ökologischer Sicht sind sie aber leider weitgehend wertlos: Es fehlt ihnen nicht nur die Vielfalt an verschiedenen Gräsern und Krautpflanzen, auch die intensive Nutzung verhindert die dauerhafte Besiedlung und Fortpflanzung vieler Wiesenbewohner.

Gräser


Greifvögel, wie dieser Schwarzmilan, suchen auf den frisch gepflügten Ackerflächen gerne nach Nahrung.

Die schönen und vielfältigen Wiesen sind aber noch nicht überall verschwunden. In Berglagen und steilen oder schlecht zu nutzenden Stellen sind sie noch häufiger anzutreffen. Solche Flächen werden praktisch nicht gedüngt, sind wenig wüchsig und werden oft erst spät gemäht. Dies alles sind optimale Bedingungen für viele, ansonsten selten gewordene Wiesenbewohner. Heuschrecken, Schmetterlinge, Käfer, Wanzen und Bienen finden hier Nahrung, Verstecke und Eiablageplätze resp. Neststandorte. Auch Wiesenbrüter wie die Feldlerche (Alauda arvensis) oder das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) können durch die Erhaltung von extensiv genutzten Wiesen gefördert werden.

«Vögel der Kulturlandschaft»

Im Zusammenhang mit den vielerorts geforderten ökologischen Maßnahmen in der Landwirtschaft werden Wiesen heute vermehrt wieder extensiviert. Oftmals erfolgen diese Aufwertungsmaßnahmen aber nicht aus Überzeugung der Bauern, sondern aus wirtschaftlichen Überlegungen: Vielerorts werden solche Maßnahmen zugunsten der Biodiversität staatlich subventioniert.

Braunkehlchen

Extensiv genutzte Weiden

Die dort wachsende Vegetation wird aber vorwiegend von den Nutztieren abgeweidet, insbesondere von Rindern und Schafen, in geringerem Umfang auch von Ziegen, Pferden und Schweinen. Weiden in der Nähe des Hofes dienen auch als Auslaufflächen und werden somit meistens das ganze Jahr über genutzt. Entsprechend intensiv genutzt und «abgefressen» präsentieren sie sich. Einzig um allfällige Strukturen wie Gehölze oder Asthaufen oder im Bereich der Kuhfladen ist die Vegetation etwas üppiger. Abgesehen von diesen «Inseln» ist auf solchen Dauerweiden also nicht mit einer großen Vielfalt an Tieren und Pflanzen zu rechnen.

«Aus Wildarten werden Nutzarten»

Pferd

Viele Weideflächen werden jedoch nur zu bestimmten Zeiten genutzt. Dies trifft natürlich in erster Linie auf die alpinen Weiden in den Gebirgsregionen zu (die sogenannten Sömmerungsweiden), die oft nur extensiv genutzt werden. Man kann solche extensiv genutzten Weiden aber auch in tieferen Lagen antreffen. Im Gegensatz zu «normalen» Weiden zeichnen sie sich durch eine Unternutzung und hohe Strukturvielfalt aus, das heißt, es wird nicht alles abgefressen, und Gebüsche und Kleinstrukturen bleiben erhalten. Dieser Zustand wird erreicht, indem nur wenige Tiere auf großer Fläche gehalten werden oder indem die Tiere auf einer Weide nur während kurzer Zeit weiden gelassen werden. Wenn die ungenutzte Vegetation nicht gemäht wird und somit auch einzelne Bäume und Sträucher aufkommen können, haben sie ein großes Potenzial für eine erstaunliche Artenvielfalt: Dieses Mosaik aus kurzer und hoher, blühender Vegetation, von offenen Bodenstellen im Bereich oft begangener Trampelpfade und von Gehölzstrukturen bietet zahlreiche ökologische Nischen. Die extensive Beweidung wird immer mehr auch bei der Pflege von Naturschutzflächen eingesetzt.

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9783258477749
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