Kitabı oku: «Lagerkoller 4 - Ingrids Verführung: Erotische Novelle»
Ane-Marie Kjeldberg
Lagerkoller 4 - Ingrids Verführung: Erotische Novelle
Lust
Lagerkoller 4 - Ingrids Verführung: Erotische Novelle Übersetzt Patrick Zöller Original Sommerfolket 4: Ingrids fortælling Coverbild / Illustration: Shutterstock Copyright © 2017, 2020 Ane-Marie Kjeldberg und LUST All rights reserved ISBN: 9788726396201
1. Ebook-Auflage, 2020
Format: EPUB 2.0
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Lagerkoller
Teil 4
Im The Cottage roch es nach Farbe. Das war wahrscheinlich alles andere als gut, dachte man an die Kopfschmerzen, die Ingrid seit dem Unfall im Januar mit sich herumschleppte. Aber sie musste etwas tun, um nicht wahnsinnig zu werden, und da sie ihrer Arbeit als Gymnasiallehrerin aufgrund mangelnder Konzentrationsfähigkeit, die nach dem Unfall zu ihrer ständigen Begleiterin wurde, zurzeit nicht nachgehen konnte, war sie in das von ihrer Mutter geerbte Ferienhaus geflüchtet und hatte sich daran gemacht, es in winzig kleinen Etappen instand zu setzen, häufig unterbrochen von Spaziergängen entlang der Nordsee und ausgiebigen Pausen, in denen sie von der Bank auf der Terrasse des Hauses lange mit leerem Blick über das Meer schaute.
Sie strich die charakteristischen Tragebalken im Esszimmer, das zu dem Teil des Hauses gehörte, der der ihre bleiben würde, wenn die andere Hälfte aus finanziellen Gründen vermietet war.
„Sicher wäre es angenehmer für dich, du würdest aus anderen Gründen vermieten“, hatte ihr früherer Stiefvater Christian gesagt.
„Wie meinst du das?“, hatte sie gefragt.
„Man kann viel Gutes über Anne sagen, aber bevor sie senil wurde, stellte sie große Ansprüche an ihre Umgebung. Du hattest sicher kaum Gelegenheit, deine Beziehungen zu pflegen“, sagte er vorsichtig.
Nach dem frühen Tod von Ingrids Vater war ihre Mutter Anne kurze Zeit mit Christian verheiratet gewesen, bevor sie sich wieder trennten. Und Christian hatte Recht. Ihre exzentrische Mutter hatte mit ihrer fehlenden Fähigkeit – oder ihrem fehlenden Willen -, nach Einbruch der Dunkelheit alleine zu sein, einen veritablen Bremsklotz dargestellt, was Ingrids Privatleben anging, ehe sie mit knapp 65 senil geworden und kurz darauf gestorben war.
Aber da war noch etwas anders, etwas, über das Ingrid nie mit jemandem gesprochen hatte, weil sie einfach nicht genau sagen konnte, was es war. Sie fühlte sich oft so fremd und unsicher, wenn sie unter Menschen war.
Im Januar war sie soweit gewesen, mit Christian darüber zu sprechen. Als er sie nach ihrem Besuch zum Bahnhof fuhr, hatte sie ihm von ihrer Verzweiflung erzählen wollen, doch dann war es zu dem Autounfall gekommen.
Christian hatte es weit schlimmer erwischt als sie, und die Zeit danach war einfach nicht die richtige gewesen, ihn mit ihren Befindlichkeiten zu behelligen. Sie hatten beide genug damit zu tun gehabt, wieder auf die Beine zu kommen.
Und jetzt musste sie sich um die Vermietung der einen Hälfte ihres Ferienhauses kümmern, und es gab reichlich zu tun.
Unter anderem musste sie sich zwischen zwei infrage kommenden Mietern entscheiden.
Der eine war Bertram, ein zahlungskräftiger Bekannter Christians. Ingrid hatte sich gewundert, dass er daran interessiert war, ein halbes Ferienhaus zu mieten. Er konnte es sich problemlos leisten, ein ganzes zu kaufen. Bertram hatte ihr erklärt, er sei fasziniert von den klassischen Ferienhäusern, die für diese Gegend so charakteristisch waren, aber dass es sehr schwierig sei, an ein solches Haus heranzukommen. Die Familien, die sie gebaut hatten, behielten sie.
Es war sympathisch, dass er so für diese Häuser schwärmte, denn ihr ging es genauso. Für sie waren sie der Inbegriff des Sommers.
Ihr Cousin Frederik und ihre Ferienhausnachbarin Tove meinten, Bertram sei eine gute Partie. Zumindest hatte er keinerlei Schwierigkeiten, die Miete zu zahlen.
Beim Gedanken an Frederik und Tove musste Ingrid lächeln. Zu ihrer eigenen Überraschung hatten die beiden sich ineinander verliebt und waren kurz nach Weihnachten ein Paar geworden. Ingrid hatte es kommen sehen, obwohl Frederik bis dahin sein Leben lang nur auf Männer gestanden hatte. Die beiden hielten sich gerne in ihren Ferienhäusern hier bei Grå Klit auf, hatten aber gleichzeitig jede Menge rastloser Energie im Blut und waren nach New York abgereist, wo Frederik normalerweise lebte. Er wollte weiter als Autor arbeiten, während Tove schon irgendwas finden würde, wie sie sagte, und gleichzeitig Sozialwissenschaften studieren wollte.
Die zweite mögliche Mieterin hieß Xenia, war Kunstmalerin, 22 Jahre und damit etwa halb so alt wie Ingrid. Aber sie mussten ja keine Freundinnen werden, sondern einfach nur miteinander auskommen. Sie wollte ihren Teil des Hauses als Atelier nutzen. Ingrid mochte sie. Sie war erfrischend anders, als Ingrid selbst je gewesen war. Auf eine Art erinnerte sie an Tove, rebellisch und offen für Veränderungen, aber Tove war ein Stadtmensch, immer topmodern gekleidet, während Xenia Ruhe und Ausgeglichenheit in der Natur suchte und sich kleidete, als sei sie selbst eins ihrer farbenprächtigen Bilder.
Ein Bett gab schließlich den Ausschlag, an wen sie vermietete, erzählte Ingrid Frederik und Tove später. Eigentlich ging es sowohl um ein Bett als auch um ein Sofa, beide in elegantem Jugendstil und aus Mahagoni. Mit den zwei ebenso großen wie schweren Möbelstücken hatten Ingrids Eltern ihrerzeit das Ferienhaus ausgestattet, und als Xenia sie sah, erklärte sie, sie wolle sie schrecklich gerne zusammen mit dem halben Haus mieten. Bertram dagegen wollte am liebsten leerstehende Räume mieten und mit Möbeln von Arne Jacobsen und Børge Mogensen bestücken.
Der Gedanke, die beiden Erbstücke nicht bewegen zu müssen, entschied die Sache. Vielleicht zusammen mit der Tatsache, dass Bertram lachte und die Jugendstilmöbel als pompösen deutschen Kitsch abtat. Zwar gab es nach dem Krieg eine Abneigung gegen alles, das auf irgendeine Weise an Deutschland erinnerte, aber ihre Möbel hatten ja nichts mit Hitler zu tun. Und Kitsch waren sie keinesfalls.
„Oh, danke, Fräulein Bromley“, wiederholte Xenia mindestens viermal, als Ingrid sie anrief und ihr den Zuschlag gab, „sie werden es nicht bereuen.“
„Sicher nicht“, antwortete Ingrid höflich, während im Stillen ein leiser Zweifel nagte. Die junge Frau war vielleicht doch etwas zu flatterhaft. Würde sie zu viel Unruhe in Ingrids ansonsten so beschauliches Ferienhausdasein bringen?
Am nächsten Vormittag fuhr Xenia zusammen mit einem jungen Mann vor, den sie als ihren Freund Per präsentierte. Seiner kleiner Volkswagen war vollgestopft mit dem Zubehör einer Kunstmalerin, stapelbaren Küchenstühlen und abgewetzten Koffern. Per war einer dieser Langhaarigen im Afghanermantel mit diesem charakteristischen, federnden Gang. Er wollte keinen Kaffee, nachdem er Xenia geholfen hatte, alles hineinzutragen.
„Hast du Kräutertee?“, fragte er.
Xenia hustete, und er korrigierte sich mit hochrotem Kopf, aber in demonstrativem Tonfall: „Haben Sie Kräutertee?“
Den hatte Ingrid nicht, aber sie hatte Kamillentee, den er gerne annahm und „krass“ fand.
Das ist also Xenias Freund, dachte Ingrid. Freund wahrscheinlich wie in Liebhaber. Ob er öfters hier sein würde?
„Per ist nicht mein Typ“, sagte Xenia, als könne sie Gedanken lesen.
Ingrid war so erleichtert, dass sie dem jungen Mann ihr strahlendes Lächeln zeigte und ihm anbot, mehr Tee zu machen.
Kurz darauf fuhr er wieder los, und Xenia stand zusammen mit Ingrid auf der Türschwelle und sah zu, wie das kleine rote Auto verschwand.
„Wie schön“, sagte sie. Ingrid sah sie verstohlen an, aber Xenia sagte nichts weiter.
Xenia richtete ihr Atelier, das kleine Wohnzimmer und das Schlafzimmer ein. Das WC auf dem Flur würden sie beide benutzen, und das gleiche galt für die Außendusche beim Schuppen. Vorläufig würden sie auch die Küche teilen, aber auf längere Sicht wollte Ingrid eine Kochnische für ihre Mieterin einbauen. Xenia schien glücklich zu sein – jedenfalls wurde das Poltern und Rücken aus ihrem Teil des Hauses von lautem Gesang begleitet. Ihre Singstimme klang etwas kratzig, aber nicht unsympathisch.
Ingrid strich die Fensterrahmen im Flur.
Zur Mittagszeit überlegte sie, ob sie ihrer Mieterin eine Brotzeit anbieten solle, ließ es dann aber doch bleiben.
Gegen zwei wurde Ingrid klar, dass es wohl zu spät werden würde, um noch zurück nach Sorø zu fahren, wie sie es eigentlich geplant hatte, und sie entschied sich, die Abfahrt um 24 Stunden zu verschieben. Außerdem musste sie noch Holz hacken.
Gegen vier stellte sich Kaffeedurst ein, und nachdem Ingrid die blassgelbe Kanne gefüllt hatte, schaute sie bei Xenia herein, die mit hoher und klarer Stimme Greensleeves sang. Xenia war nicht im Wohnzimmer, sondern im Schlafzimmer links, und Ingrid klopfte vernehmbar an den Türrahmen, bevor sie weiter in die Gemächer der anderen vordrang. „Herein“, rief Xenia, aber als sie eintrat, spürte Ingrid, dass sie wohl doch zu aufdringlich gewesen war. Ihre Mieterin war gerade dabei, ihr Bett mit einigermaßen unansehnlicher und verschlissener Wäsche zu beziehen.
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