Kitabı oku: «Von Eltern mit Migrationshintergrund lernen (E-Book)», sayfa 3

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Denkanstösse und Anregungen für die Praxis

Die folgenden Anregungen können Ihnen dabei helfen, den Alltag in Ihrer Einrichtung sowohl als pädagogische Fachperson als auch als Leitungsperson zu reflektieren. Auf der Basis der Interviews wurden Fragen entwickelt, welche für die Konzeption und die Durchführung neuer und bestehender Angebote hilfreich sein können. Diesbezüglich soll jedoch nicht ausgeblendet werden, dass für eine einzelne pädagogische Fachperson in vielen Fällen wenig Handlungsspielraum besteht und diese die Entscheidungsverantwortung für spezifische Angebote zu Bildung und sozialer Integration ausserhalb ihres Kernauftrags nur selten (allein) trägt. Dennoch ist es wichtig, dass pädagogische Teams inklusive der Leitungspersonen offen für Anliegen und Bedürfnisse der Eltern sind, diese aufnehmen und solche Hinweise, wenn möglich, an entscheidende Stellen weiterleiten. Denn es braucht in der Regel Anstösse von Einzelnen, damit sich etwas bewegen kann.


Erreichbarkeit der Eltern und Kinder


• Wie erreichen wir Eltern, die bisher kaum Angebote für Bildung und soziale Integration kennen und wenig Erfahrung mit Elternbildung haben?

• Wissen wir, welche Tage/Zeiten für eine Veranstaltung erwünscht wären?

• Welche Wege gehen wir, damit auch schwerer erreichbare Familien die Angebote kennenlernen und zur Teilnahme motiviert werden können?

Umsetzungsideen


• Eltern werden gezielt angefragt, welche Tage und Zeiten für eine Veranstaltung für sie günstig wären. Generell sollten Angebote mit der Erwerbstätigkeit zeitlich vereinbar sein.

• Termine werden möglichst früh angekündigt, damit Eltern dies bei der individuellen Arbeitsplanung berücksichtigen können (z. B. Schichtabtausch).

• Nach Einladungen wird bei den Eltern mehrmals nachgehakt, indem beispielsweise kurz vor der Veranstaltung angerufen und nochmals explizit auf die Veranstaltung hingewiesen wird. Für Informationen zu vorschulischen Angeboten gehen pädagogische Fachpersonen gezielt auf Eltern zu, z. B. auf dem Spielplatz, im Park, im Quartierrestaurant.

• Schulen ermöglichen es Vereinen, in ihren Räumlichkeiten regelmässig Schnupperangebote für Kinder und Jugendliche anzubieten, um einen ersten niederschwelligen Kontakt mit dem Angebot herzustellen.

• Bei der Entwicklung von neuen Angeboten können Schlüsselpersonen der Migrationsgruppen oder interkulturell Vermittelnde wichtige Hinweise zur Erreichbarkeit der Eltern geben und sollten daher bereits bei der Konzeptentwicklung einbezogen werden.

Niederschwelligkeit der Angebote


• Schaffen wir an unserer pädagogischen Institution Angebote, die für alle Familien finanziell tragbar sind?

• Welche Möglichkeiten bieten wir bei Elternveranstaltungen an, wenn Schwierigkeiten mit der Betreuung von Kindern eine Teilnahme verhindert?

• Wie ermöglichen wir Eltern, deren Deutschkompetenz noch gering ist, eine Teilnahme an Veranstaltungen?

Umsetzungsideen


• Zur finanziellen Förderung wird die Zusammenarbeit mit Stiftungen oder lokalen Behörden gesucht. Die bürokratischen Hürden für die Familien werden möglichst tief gehalten.

• Zur Betreuung der Kinder wird ein Raum organisiert, in dem Bücher und Spielmaterial zur Verfügung stehen, gegebenenfalls wird auch für ein Betreuungsangebot gesorgt (z. B. können in Schulen auch ältere Schülerinnen und Schüler diese Betreuung übernehmen).

• Pädagogische Institutionen arbeiten beim Planen und Durchführen von Angeboten mit Schlüsselpersonen der Migrationsgruppen zusammen, um schneller Vertrauens- und Verständnisbrücken zu den Familien aufbauen zu können.

• Mit interkulturellen Dolmetscherinnen und Dolmetschern findet ein kurzes Vorgespräch statt. Dabei können Rolle, Ziel, Programm und Ablauf und Dauer der Veranstaltung besprochen werden (→ weitere Informationen http://www.zwischensprachen.de).

Vernetzung zwischen den Angeboten


• Sind die Eltern über Angebote zur sozialen Integration ihrer Kinder in der Institution und in der Freizeit sowie über deren Sinnhaftigkeit informiert?

• Wie sind wir als pädagogische Institution mit anderen Anbieterinnen und Anbietern von Angeboten zu Bildung und sozialer Integration vernetzt?

Umsetzungsideen


• Es werden lokale Vernetzungstreffen mit verschiedenen Anbieterinnen und Anbietern von Angeboten aus dem Sozial- und Bildungsbereich organisiert, die eine Plattform für die gegenseitige Vorstellung der Angebote zur Verfügung stellen.

• Pädagogische Fachpersonen haben Kenntnis über verschiedene Angebote und machen konsequent und gezielt darauf aufmerksam.

• Die Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Angeboten (z. B. Femmes-Tische) wird bewusst gesucht. Auf diese Weise kann in Erfahrung gebracht werden, welche Themen die Zielgruppe im Moment beschäftigen und wofür sie sich interessiert.

• Nach einem Elternabend an der Schule könnten Anbieterinnen und Anbieter in Form eines Marktplatzes ihre Angebote vorstellen.

• Im Quartier vernetzen sich schulische und ausserschulische Bildungsakteurinnen und Bildungsakteure mit den Eltern, um die Bildung der Kinder und Jugendlichen gemeinsam zu fördern (z. B. offene Sporthalle am Sonntag → weitere Ideen siehe https://bildungslandschaften-basel.ch).

Die Bedürfnisse der Familien hinsichtlich der Nutzung von Angeboten sind sehr heterogen. Angebote zu schaffen, die alle Familien gleichermassen erreichen, stellt eine grosse Herausforderung dar. Alles in allem erhalten alltagsnahe, niederschwellige und beziehungsfördernde Angebote jedoch grossen Zuspruch. Sowohl bei der Planung als auch bei der Durchführung von neuen und bestehenden Angeboten kann es deshalb zielführend sein, wenn dies gemeinsam und kooperativ geschieht. Denn der frühe Einbezug von Schlüsselpersonen in Migrationsgruppen sowie ein verstärkter Austausch und eine bessere Vernetzung mit anderen Anbieterinnen und Anbietern führen zu mehr Erfahrungswissen und können längerfristig zur Steigerung der Qualität von Angeboten zu Bildung und sozialer Integration führen.

Expertinnenmeinung:


Wenn wir die Forderungen nach chancengerechter Bildung für alle von Geburt an und durchgehenden Bildungsbiografien wirklich ernst meinen, braucht es ein Umdenken bei den Kantonen, Gemeinden, Organisationen und Fachpersonen. Angebote sollten vermehrt das Kind und seine Familie ins Zentrum stellen. Eine wirkungs- und qualitätsorientierte Planung der Angebote wird dazu beitragen, dass Eltern frühzeitig erreicht, in ihrer Elternkompetenz gestärkt werden und Zugang zu sozialen Netzen erhalten. Dies zeigen niederschwellige Begegnungsorte wie Familienzentren und Eltern-Kind-Gruppen mit professioneller Leitung. Die meisten Eltern wollen das Beste für ihr Kind und sie sind auch bereit, ihre Rolle wahrzunehmen. Es liegt an den pädagogischen Fachpersonen, den Eltern den Zugang zu den vielfältigen Informations-, Bildungs- und Gesundheitsangeboten zu ermöglichen, sie willkommen zu heissen und sie mit ihren Ressourcen an den Prozessen zu beteiligen. Das ist zeitintensiv, kostet und braucht spezifisches Wissen sowie eine vorurteilsbewusste Haltung. Doch profitieren werden schlussendlich alle Kinder und auch unsere Gesellschaft.

Maya Mulle, Netzwerk Bildung und Familie

Begleitung und Alltagskontakte
Warum ist das wichtig?


Pädagogische Fachpersonen sind für Eltern im Alltag bedeutsame Ansprechpersonen, die grundsätzlich durch eine unkomplizierte bzw. niederschwellige Kontaktaufnahme erreicht werden können. In Form von kurzen informellen Gesprächen zwischen Tür und Angel oder telefonischen Kontakten ermöglichen sie eine partnerschaftliche Begleitung des Kindes. Auf diese Weise kann mit den Eltern von Anfang an ein regelmässiger Kontakt aufgebaut werden. Dabei werden die Eltern über die Aktivitäten ihrer Kinder informiert und können diese zu Hause sprachlich verarbeiten und allenfalls weiterführen. Zudem gewinnen Eltern so Vertrauen in die Institution, stellen bei Unsicherheiten Fragen und können in ihrer Rolle als Erziehende gestärkt werden (vgl. Moret & Fibbi, 2010). Offene Türen und eine Willkommenskultur wie auch ein aktives Zugehen der pädagogischen Fachpersonen auf die Eltern erleichtern es vor allem eher zurückgezogenen und teils unsicheren Familien, in Kontakt zu bleiben (vgl. Lubig-Fohsel & Müller-Boehm, 2010, S. 16).

Um die erwünschten individuellen Unterstützungsangebote zu gestalten, sind Einfühlungsvermögen, Offenheit für unterschiedliche Erziehungsstile und Sensibilität für bereits erfolgte Diskriminierungserfahrungen wichtig (Lanfranchi, 2013). Dies stellt bisweilen hohe Anforderungen an die kommunikative, beraterische wie auch interkulturelle Kompetenzen der pädagogischen Fachpersonen. Auch die Bereitschaft zur Suche nach kreativen, unkonventionellen Kontaktformen ist wichtig, z. B. Whatsapp-Kontakte, Besuche zu Hause oder unkomplizierte Möglichkeiten für Familienmitglieder, an einer Lektion teilzunehmen. Zentral scheint Auernheimer (2010) zufolge zu sein, dass die Machtasymmetrie zwischen pädagogischen Institutionen und den Familien sorgfältig reflektiert wird. Dieses Ungleichgewicht wird von Familien mit Migrationshintergrund oftmals stärker und bewusster wahrgenommen. Achtsam und bewusst gestaltete Alltagskontakte stärken die Erziehungspartnerschaft und sind darum förderlich für die Entwicklung der Kinder oder der Jugendlichen. Ein durch Alltagskontakte aufgebautes Beziehungsklima ermöglicht „im Falle von Problemen und Konflikten einvernehmliche, tragfähige Lösungen“ (Lanfranchi, 2013, S. 7). Dies beinhaltet, dass gelingende informelle Begegnungen förderlich für eine positive Bildungsentwicklung und das soziale Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen sind. Einer positiv ausgestalteten Kommunikation, einer Teilhabe am pädagogischen Alltag und einer ausgeprägten und proaktiv formulierten Zugänglichkeit der pädagogischen Institutionen kann nach Aussagen von Fachpersonen wie auch von Eltern kaum genügend Bedeutung beigemessen werden (Lanfranchi, 2013; Lubig-Fohsel & Müller-Böhm, 2010; Moret & Fibbi, 2010).

Was erleben Kinder unterschiedlicher Altersstufen und ihre Eltern in Alltagssituationen?

Pädagogische Fachpersonen werden von den Eltern als wichtiger Partner für die soziale Integration und die Bildungsentwicklung der eigenen Kinder gesehen. Daher wird genau beobachtet, wie die Beziehung zu den Kindern gestaltet wird. Die Eltern möchten sich versichern, dass es ihrem Kind gut geht, und schätzen es, wenn die Begleitung des Kindes durch kurze informelle Gespräche oder telefonische Kontakte auf vertraulicher Basis gestaltet werden kann. Für viele Eltern sind die pädagogischen Bezugspersonen die einzigen Ansprechpersonen für ihre Erziehungsfragen und Unsicherheiten bezüglich des Aufwachsens ihrer Kinder in der Schweiz. Zuverlässige und vertrauensvolle Unterstützung bei Fragen und Problemen des Alltags wird deshalb positiv erwähnt und gewünscht. Viele Eltern verdeutlichen anhand positiver Erfahrungen, was eine gelingende Kommunikation mit den ausserfamiliären Erziehungs- bzw. Bildungspartnerinnen und -partnern für sie bedeutet. Mehrfach gewünscht wird ein niedrigschwelliger Zugang, der es ermöglicht, ohne grossen Aufwand kurz in der Institution vorbeizuschauen und bei Unsicherheiten nachzufragen zu können. Das Wort «Smalltalk» wird wiederholt positiv erwähnt.

Problematisch werden hingegen vorschnelle Deutungen erlebt, z. B. wenn einem Kind, das sich in einer stummen Phase befindet, beim Eintritt in eine Spielgruppe ein psychisches Problem zugeschrieben wird. Als viel hilfreicher als vorschnelle Beurteilungen werden Hilfestellungen bei Problemen erachtet. Wünschenswert wären Gespräche, in denen Herausforderungen erörtert werden und gemeinsam nach Lösungen gesucht wird. Zudem fühlen sich einige Eltern bezüglich der subjektiven Wahrnehmung ihres Kindes nicht ernst genommen, beispielsweise dann, wenn eine Lernschwierigkeit bagatellisiert wird und die entsprechende Unterstützung privat organisiert werden muss.

Die folgenden Fallbeispiele verdeutlichen die Bedürfnisse und Wünsche zur Beziehungs- und Alltagskommunikation, die an die pädagogischen Fachpersonen gerichtet werden.


Frühe Kindheit

Deniz’ Mutter erinnert sich an seine Zeit in der Krippe zurück: Die Leiterinnen dort seien toll gewesen und sie und ihr Sohn sehr zufrieden. Sie seien von Anfang an per du miteinander gewesen und wenn ihr Sohn geweint habe, hätten die Leiterinnen ihn sofort zu sich genommen und ihn gestreichelt und geküsst. Das habe ihr als Mutter Vertrauen gegeben, schliesslich würden so etwas sonst nur Mütter oder Omas machen.

Das Beispiel zeigt, dass die Mutter die Nähe zur Erzieherin sehr schätzt. Die Handlungen der Fachpersonen werden auf ihre Beziehungsqualität hin beobachtet und aus dem eigenen kulturellen Kontext heraus gedeutet. Ein physischer und emotionaler Kontakt wird von der Mutter als wertschätzend wahrgenommen. Es ist ihr wichtig, dass ihr Sohn geliebt und gemocht wird und auch in emotional schwierigen Situationen liebevoll begleitet wird.

Für das Beziehungsklima im Umfeld eines Kindes sind Beobachtungen der Wertschätzung und des Umgangs mit den Kindern auch in der Gruppe zentral. Diese Beobachtungen bilden die Grundlage für ein Verständnis der Eltern in Bezug auf Informationen, Handlungen und Entscheidungen der Institution. Sie schaffen Vertrauen und ermöglichen es dem Kind, sich zwischen der familiären Umwelt und den institutionellen Gegebenheiten gut zu entwickeln.

Kindergarten

Ein Vater ist sehr zufrieden mit der Kindergartenlehrperson seiner Tochter: Sie sei eine sehr, sehr gute Erzieherin, die gut mit Kindern umgehen könne und sehr bestimmt sei. Sie lasse keine grösseren Streitereien unter den Kindern zu und gebe auch den Eltern Bescheid, wenn diese etwas nicht nach ihrem Gusto machen würden, z. B. ihren Kindern Cola oder Süssigkeiten mit in den Kindergarten geben. Die Informationen erfolgten mit einer Art Briefpost, welche hin und her gehe, oder per E-Mail. Für den Kindergarten würde der Austausch reichen, aber es wäre durchaus interessant, die Kindergärtnerin näher kennenzulernen.

Viele Kinder verlassen beim Eintritt in den Kindergarten zum ersten Mal für längere Zeit das familiäre Umfeld, was sowohl für das Kind als auch für die Eltern ein emotional bedeutsamer Schritt sein kann. Rückmeldungen zu vermeintlich unwichtigen Alltagsfragen sind dem Vater darum wichtig. Die Eltern möchten auch über Kleinigkeiten zeitnah und unkompliziert informiert werden. Abschliessend wird zum Ausdruck gebracht, dass die Eltern die pädagogische Fachperson gern persönlich kennenlernen würden. Bei späteren Übertritten in neue Klassen und andere Schulhäuser wird altersentsprechend variiert, aber ähnlich argumentiert.

Eine wertschätzende und willkommen heissende Kommunikation ist für Eltern mit Migrationshintergrund besonders bedeutsam. Es lohnt sich, informelle Kontaktgefässe anzubieten oder am Rand von offiziellen Anlässen das Gespräch proaktiv mit Eltern zu suchen. Dies kann beispielsweise am Ende eines Elternabends oder beim Abholen des Kindes sein. Kurze Rückmeldungen zur Wahrnehmung des Kindes und zu alltäglichen Erlebnissen mit dem Kind helfen den Eltern, Vertrauen aufzubauen und das Kind beruhigt und vertrauensvoll den pädagogischen Fachpersonen zu überlassen.

Primarschule

Eine Mutter wünscht sich für ihre Tochter informelle Unterstützung von der Lehrperson. Sie hat schon gehört, dass Kinder in anderen Schulhäusern nach der Schule noch bleiben dürfen und der Lehrperson Fragen stellen können, wenn sie etwas nicht vollständig verstanden haben. Am liebsten wäre ihr, wenn die Lehrperson der Tochter da wäre und bei Unsicherheiten helfen würde, weil sie das Kind ja am besten kennt und die meiste Lernzeit mit dem Kind verbringt. Zudem sei zur eigenen Lehrperson auch schon das Vertrauen da, was beim Erklären von Problemen wichtig ist. Schön wäre, wenn die Kinder bei Problemen die Möglichkeit hätten, diese Probleme ein- bis zweimal pro Woche nach dem Unterricht nochmals mit der Lehrperson anzuschauen.

Viele der befragten Eltern schildern, dass sie sich zusätzliche Unterstützung für ihre Kinder am liebsten von der Bezugsperson in der Klasse wünschten. Einerseits zeigt sich in diesen Äusserungen ein grosses Vertrauen in die Fachpersonen, andererseits sind sich die Eltern jedoch auch bewusst, dass es die Klassenlehrperson ist, welche die Leistungen des Kindes am besten kennt und diese letztlich beurteilt und daher aus Elternsicht auch am besten weiss, was an Zusatzaufwand nötig ist. Proaktive Angebote bei sich abzeichnenden Schwierigkeiten werden sehr geschätzt.

Das Vertrauen in Angebote des Schulhauses oder des nahen Schulumfeldes kann durch die pädagogische Fachperson verstärkt werden. Es ist meist kaum möglich, dass Lehrpersonen die Hausaufgabenhilfe selber betreuen. Sie können jedoch in nahem Kontakt zu den Verantwortlichen von schulnahen Angeboten stehen und den Eltern vermitteln, dass ihr Kind dort gut aufgehoben ist. Auf institutioneller Ebene ist darauf zu achten, dass diese Angebote professionell und qualitativ auf hohem Niveau durchgeführt werden (vgl. dazu auch das Beispiel auf S. 36).

Sekundarschule

Valbonas Eltern schildern ihre Erfahrung wie folgt: «Immer, wenn wir in der Schule waren, hat die Lehrperson gesagt: ‹Wenn es ein Problem gibt, kann ich helfen. Valbona kann fragen oder zu den Zusatzstunden kommen am Mittwochnachmittag. Es gibt immer eine Lehrperson dort, die erklärt, wenn etwas nicht verstanden wurde.» Der Lehrer hat auch darauf hingewiesen, dass die Eltern in jedem Fall anrufen und kommen können. Egal, worum es gehe, er als Lehrperson sei da.» Es war für die Eltern sehr wichtig, dass sie schnell feststellen konnten, wenn auch nur etwas Kleines nicht in Ordnung war, denn es werde viel Zeit in der Schule verbracht. Ob es um Valbonas Verhalten gehe oder um die Mathematik, es sei schlimm, wenn sie als Eltern nicht wüssten, wenn etwas nicht in Ordnung ist, weil man ihnen nichts sage oder es zu spät mitteile. So sei es in allen Elterngesprächen stets ihr Anliegen gewesen, in Erfahrung zu bringen, was nicht in Ordnung sei.

Auch auf der Sekundarstufe möchten die Eltern nah am Geschehen bleiben und vor allem auch herausfinden, ob «alles in Ordnung ist». Lernprobleme sollen früh erkannt und möglichst schnell behoben werden. Daher wünschen sie sich eine nahe Begleitung der Jugendlichen und möglichst zeitnahe Informationen von der Schule. Die Zugänglichkeit der Lehrperson, welche diese proaktiv anbietet und zum Ausdruck bringt, hilft den Eltern, Vertrauen zu gewinnen und die Kinder zuversichtlich gemeinsam in die nachobligatorische Ausbildungszeit zu begleiten.

Verschiedene Schulen haben Ideen für die niederschwellige und schüler- und schülerinnennahe Begleitung entwickelt. Beispielsweise werden Kontaktfenster für Telefonate angeboten, SMS zeitnah beantwortet oder Lektionen gesprochen für eine Mittwochnachmittagsöffnung des Schulhauses. Dort können Jugendliche mit ihren Fragen und Hausaufgaben vorbeikommen, Lehrkräfte sind präsent, um Fragen zu beantworten. Diese Angebote helfen Kindern und Jugendlichen, welche sonst mit Fragen und Unsicherheiten beim Lernen alleine sind.

Denkanstösse und Anregungen für die Praxis

Die folgenden Fragen helfen Ihnen sowohl als Fachperson wie auch als Leitungsperson, den Alltag in Ihrer Einrichtung zu reflektieren. Auf der Grundlage der Interviews wurden Fragen zu den von den Eltern benannten Aspekten zur Begleitung im Alltag entwickelt. Sie ermöglichen es Ihnen, zu überdenken, ob sich Eltern und Kinder in der Institution mit ihren Fragen und Anliegen willkommen und wahrgenommen fühlen und ob die Eltern als Erziehungs- und Bildungspartnerinnen und -partner angemessen berücksichtigt werden.

Kurze informelle Alltagskontakte


• Haben Eltern die Möglichkeit, die pädagogische Fachperson alltagsnah zu kontaktieren, beispielsweise beim Abholen oder Bringen der Kinder?

• Wie zugänglich sind die pädagogischen Fachpersonen für Eltern im Alltag? Gibt es bestimmte Kontaktzeiten oder Möglichkeiten für Telefonanrufe, Mailkontakte?

Umsetzungsideen


• Es werden gemeinsam Kommunikationswege für den Alltag gesucht, über die ohne grossen Zeitaufwand Informationen vermittelt werden und die dadurch Sicherheit verleihen, z. B. elektronische Textnachrichten, Telefonate, ein Kontaktheft, das regelmässig hin- und hergeht.

• Institutionelle Öffnung und Zugänglichkeit zum pädagogischen Raum werden proaktiv zum Ausdruck gebracht. Ein einfacher Zugang zu den pädagogischen Fachpersonen (insbesondere zu den Lehrpersonen) wird bewusst gelebt und kommuniziert.

Niederschwellige Beratung


• Können sich Eltern mit ihren Fragen und Sorgen niederschwellig an die vertrauten pädagogischen Fachpersonen wenden?

• Werden die Möglichkeiten für eine Kontaktaufnahme und Gesprächsbereitschaft proaktiv kommuniziert?

• Nehmen pädagogische Fachpersonen förderliche Kontakte auch zu denjenigen Eltern auf, welche sich aus eigener Initiative nur zögerlich melden?

• Werden in der Institution Orte und Zeiten für den Austausch unter den Eltern zur Verfügung gestellt?

Umsetzungsideen


• Eltern werden aktiv eingeladen, sich bei Unsicherheiten oder Schwierigkeiten telefonisch bei der pädagogischen Fachperson zu melden.

• Lehrpersonen informieren die Eltern z. B. per Telefon oder E-Mail proaktiv über kleinere Vorkommnisse.

• Die Institution bietet Treffpunkte oder Foren für interessierte Eltern an, bei denen es um den Austausch unter den Eltern geht.

• Auf institutioneller Ebene finden Austausch und allenfalls Weiterbildungen zur Gestaltung dieser niederschwelligen Beratungen statt.

Wertschätzung gegenüber dem Kind und den Eltern


• Ermöglichen pädagogische Fachpersonen Einblicke in den pädagogischen Alltag, damit sich Eltern einen Eindruck von der Beziehung zwischen pädagogischer Fachperson und Kind bilden können?

• Wird eine Willkommenskultur gepflegt? Woran ist diese insbesondere für Eltern mit Migrationshintergrund erkennbar?

Umsetzungsideen


• Eltern werden aktiv und nach Möglichkeit in ihren Sprachen eingeladen, dem pädagogischen Alltag beizuwohnen, das pädagogische Geschehen zu beobachten und eigene Einschätzungen vorzunehmen.

• Es wird z. B. ein Tag im Monat als informeller Besuchstag bestimmt oder Eltern sind jederzeit zu Unterrichtsbesuchen eingeladen.

• Eltern werden auch zu unscheinbaren und positiven Erlebnissen kurz telefonisch oder schriftlich informiert.

Erziehungspartnerschaft


• Werden Beobachtungen und Wahrnehmungen mit den Eltern auf gleicher Augenhöhe ausgetauscht (Lernfortschritte, Fragen der kindlichen Entwicklung etc.)?

• Sind Eltern und pädagogische Fachpersonen möglichst gleichberechtigt an Entscheidungen beteiligt?

• Wird die Zusammenarbeit so gestaltet, dass Eltern für ihre Erziehungsaufgabe gestärkt werden, über alle nötigen Informationen verfügen und diese auch verstehen?

• Werden dazu nach Bedarf auch Dolmetscherinnen und Dolmetscher eingesetzt?

Umsetzungsideen


• Ein regelmässiger Austausch mit dem Ziel, gleichberechtigt und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, fördert das Verständnis und eine kooperative Lösungsfindung.

• Falls dies von beiden Seiten gewünscht wird, können Hausbesuche bei der Familie für eine vertrauensvolle Erziehungspartnerschaft förderlich sein.

• Die Institution unterstützt den Einsatz von interkulturellen Dolmetscherinnen und Dolmetschern und legt die Rahmenbedingungen für deren Einsatz fest.

• Ein lokales Netzwerk von Personen mit unterschiedlicher Herkunft wird aufgebaut, um den Austausch zu fördern und die Eltern in ihrer Rolle zu stärken. Zu diesem Netzwerk könnte z. B. auch eine Erstsprach-Lehrkraft (HSK) gehören.

In den oben aufgeführten Beispielen wird deutlich, dass es meist keines grossen Aufwands bedarf, um den Eltern durch Alltagskontakte Sicherheit zu vermitteln. Von Bedeutung ist vielmehr die Offenheit der Türen und der Menschen. Zudem erweist es sich als sinnvoll, den niederschwelligen Kontakt durch Zeitfenster und eine offene Kommunikation der Erwartungen zu strukturieren.

Expertenmeinung:


Migrationseltern investieren sehr gerne alles, was sie besitzen – nämlich materielle und immaterielle Ressourcen –, um das Beste für ihre Kinder zu ermöglichen. Der Eintritt in das Universum Schule bereitet Kindern und Eltern fast immer grosse Freude, jedoch ist diese andere Art Schule tatsächlich ein neuer Planet. In diesem Sinne ist das Anvertrauen der eigenen Kinder einer fremden, unbekannten pädagogischen Fachperson unsicheres Neuland für eine Mehrheit der Migrationseltern.

Doch wenn die neuen Bezugspersonen auf einfühlsame und kultursensible Beziehungsarbeit setzen – sagen wir es gleich anders und deutlich: Jedem Elternteil von Anfang an ein schönes Lächeln schenken! –, dann beginnen sie die vorhandene Energie der Eltern zu gewinnen. Metaphorisch gesagt: Wir fremden Fachpersonen sollten uns von jeder Migrationsfamilie ‹adoptieren lassen›. Diese neue Art Beziehung aufzubauen und zu pflegen, verkörpert vor allen die Quintessenz ‹Interkulturelle Kompetenz›, nämlich die Integration vorhandener Vielfalt auch in uns selbst!

Jorge Montoya-Romani, Berater und Dozent «Interkulturelles Lernen» sowie Inhaber der Beratungsfirma MONTOYA-ROMANI INTERCULTURAL.

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