Kitabı oku: «Die alte Wirtin»

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Anna Croissant-Rust
Die alte Wirtin

Saga

Viel zu wenig bekannt ist noch immer die kräftige, eigenwillige Erzählungskunst von Anna Croissant-Rust. Unsere Geschichte von der alten Wirtin, die in der Todesstunde ihres letzten Enkels mit dem düsteren Gleichmut einer Norne aus den in ihr Gebetbuch eingelegten „Totenbildern“ die Geschichte ihrer vernichteten Familie abliest, zeigt, bis zu welcher männlichen Wucht die knappe Erzählweise der Dichterin sich steigern kann. Es wäre aber grundfalsch zu glauben, dass sie nur über diese Töne verfüge. Anna Croissant-Rust hat selbst einmal in einer Plauderei über ihre dichterische Entwicklung gesagt, das überströmende Gefühl, „dass die Welt so reich, so vielfältig, so wechsel- und deutungsreich sei“, habe sie zum Schreiben gedrängt. Alle ihre Werke, besonders der Erzählungsband „Arche Noah“, dem unsere Skizze entnommen ist, zeigen, dass ihre Kunst stark genug ist, dieses Gefühl auch auf ihre Leser zu übertragen. Besonders hervorgehoben zu werden verdient ihr Humor, der von einer ganz eigenartigen, herben Kraft ist. Er kommt vor allem in ihren Skizzen — zur Zeit unserer Grossväter hätte man sie Charakterstudien genannt — durch die vielsagende Kürze der Handlung zu seiner besten Wirkung. Wie meisterhaft die Dichterin es versteht, die Stimmung ihrer Porträts durch landschaftlichen Hintergrund zu vertiefen, kann der Leser gerade aus der vorliegenden Geschichte sehen.

Erwin Ackerknecht.

Der Erzählungsband „Arche Noah“ von Anna Croissant-Rust ist bei Georg Müller in München erschienen und kostet gebunden 5 Mark.

Nichts rührt sich in dem hochgelegenen weltfernen Gebirgsnest an diesem schwülen Nachmittag. Im nächsten Dorf feiern sie ein Fest, und wen nicht Alter oder Krankheit hindert, der ist schon am frühen Morgen hinüber. Ein Fest lässt sich kein Tiroler und lässt sich noch weniger der von allem abgeschlossene Hochgebirgsbauer entgehen. Von Zeit zu Zeit hört man von drüben die Böller krachen, bum-bum rollt’s an den Felswänden weiter, bis es grollend verhallt. Niemand ist im Hause als die uralte Wirtin, ihr Enkel, der schwer krank liegt, und ich.

Die Luft ist dick und gewitterschwanger, ein graues Licht steht im Tal, wie Spinnweben hängt’s über den Bergen, die etwas Verblasenes, Verwischtes haben, am Himmel schiebt sich träg eine niedrig liegende Wolkendecke vorwärts. Auch heroben bei uns ist alles wie mit Staub erfüllt, dass die Dörfer und Kirchen, die Felder und Weinberge über dem Tal drüben finster aussehen, nur die Matten und die jungen Getreidefelder, die unbewegt stehen, leuchten matt, wie Stücke weichen hell- und dunkelgrünen Samtes.

Wäre das ununterbrochene Zirpen von Hunderten von Grillen an den Rainen und in den Weinbergen nicht gewesen und die Schwüle, die einen kaum atmen liess, man hätte an einen düstern Herbsttag denken können, so grau und trostlos sah die Ferne aus.

Die Berge schoben sich dunkel und drohend näher, wie unerbittliche Gegner, die uns umzirken wollen; eine einzige hohe Pappel starrte schwarz wie eine Zypresse über die Weinbergsmauer in den Himmel.

In der niederen zirbengetäfelten Stube sass die alte, alte Wirtin allein, während nebenan ihr Enkel in bleischwerer Betäubung lag. Sie sass mit dem Rücken gegen die tiefe Fensternische, und ihr weisses Haar leuchtete vor dem schweren Wolkenhimmel. Mit ihrem unbewegten, unheimlichen Raubvogelgesicht sah sie aus wie von einer andern Welt, unberührt durch die lastende Gewitterstimmung und ungerührt von dem Schicksal ihres einzigen Enkels, dem vor kurzem bei einer Rauferei der Kopf fast zerschmettert worden war. Seit drei Tagen lag er ohne Bewusstsein, röchelte nur leise.

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₺55,47
Yaş sınırı:
0+
Hacim:
12 s. 1 illüstrasyon
ISBN:
9788711466728
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
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