Kitabı oku: «Queer*Welten 01-2020 - Das queerfeministische Phantastik-Magazin»

Yazı tipi:

https://queerwelten.de

Ach je Verlag Berlin - AT&Tlantis - Tschuri https://ach.je

Inhaltsverzeichnis

1  Vorwort

2  Nebelfloor Über Anette Juretzki

3  Die fortgesetzten Abenteuer des Spaceschiffs Plastilon Über Jasper Nicolaisen

4  Feuer Über Lena Richter

5  Die HeldenfresserinoderMythos, destruiert Über Anna Zabini

6  Von Orks, Briten und dem Mythos der „Kriegerrassen“ Einleitung Von der Geißel Gottes zur Gelben Gefahr Wissenschaftlicher Rassismus Die Entstehung der Arten Fazit und Links Über James Mendez Hodes

7  Queer*Welten – Der Queertalsbericht 02/2020 „Berlin – Rostiges Herz“ von Sarah Stoffers „Von Rache und Regen (Regentänzer 1)“ von Annette Juretzki

8  Impressum

Orientierungsmarken

1  Titel-Seite

2  Widmung

3  Copyright-Seite

4  Text

5  Cover

Danksagung

Wir bedanken uns für die Unterstützung dieser Ausgabe bei Max!

Vorwort

Was meinen wir mit queer-feministischer Fantasy und Science-Fiction?

Wir möchten mit Queer*Welten eine Plattform schaffen, um queer-feministischen Fantasy- und Science-Fiction-Geschichten Raum zu geben. Wir, die Herausgeberinnen, möchten mit diesem einführenden Artikel kurz erklären, was ihr in diesem Magazin findet werdet, und was wir mit „queer-feministisch“ meinen. Das Wort „Feminismus“ müssen wir vermutlich nicht erklären – wir möchten, dass in den Geschichten, die wir hier veröffentlichen, Frauen eine Rolle spielen. Dass sie Protagonistinnen sind, ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen, eine Identität haben, die nicht von Männern oder heterosexistischen Weltbildern geprägt ist (oder, wenn doch, von der Rebellion gegen solche erzählen). Unser Magazin bezeichnet sich als queer-feministisch, weil wir gleichzeitig, neben der Geschlechter­ebene, andere Ebenen der Diskriminierung berücksichtigen und Verhältnisse hinterfragen wollen.

„Queer“ steht für das Aufbrechen und Dekonstruieren normativer Gesellschaftsstrukturen, die patriarchal, heterosexistisch und rassistisch geprägt sind. Wir möchten nicht, dass alle unsere Geschichten von weißen hetero cis Frauen handeln, die die Welt retten. Wir möchten stattdessen, dass die Geschichten verschiedene Lebensrealitäten abbilden, auch wenn sie in fernen Welten spielen. Wir möchten, dass darin Enbys, Women of Color und trans Frauen genauso sichtbar sind wie asexuelle cis Frauen oder ältere Frauen mit Behinderung. Unser Feminismus ist intersektional, das heißt, er berücksichtigt die Überschneidungen von mehreren Diskriminierungsebenen. So kann eine Frau neben ihrem Geschlecht auch für ihr Schwarzsein, ihre Homosexualität und/oder ihre Behinderung diskriminiert werden. Diese verschiedenen Ebenen wirken immer zusammen, auch wenn die einzelnen Dimensionen in verschiedenen Kontexten unterschiedlich stark zum Tragen kommen. Dabei möchten wir ganz besonders auch Own Voices berücksichtigen. Dies werden wir nicht immer und nicht in jeder Geschichte schaffen, und wir werden es niemals schaffen, allen Menschen in ihrer unglaublich komplexen Lebensrealität gerecht zu werden. Nicht alle werden sich (immer) in unseren Texten wiederfinden können. Wir sind auf die Einsendungen angewiesen, die wir erhalten, und können nur aus diesem begrenzten Pool auswählen. Wir werden uns bemühen, auch aktiv möglichst viele Texte von Own Voices zu akquirieren, aber uns ist von vornherein bewusst, dass wir auch an unserem eigenen Anspruch scheitern können. Wir möchten, dass ihr wisst: Wir sind keine perfekten (Queer-)Feministinnen. Wir versprechen euch nicht, dass wir die Welt verstanden haben und ihr in unserem Magazin alle Antworten finden werdet, die ihr sucht. Auch wir sind lediglich auf einer Suche und möchten frei nach dem Prinzip des „messy learning“ versuchen, einen Beitrag zu mehr Vielfalt und Sichtbarkeit von Diskriminierten in der Phantastik zu leisten. Wir möchten neue Perspektiven und Sichtweisen bieten, die andere Magazine und Verlage bisher noch nicht abbilden.

Wenn ihr Anregungen habt, wie wir uns weiter verbessern oder unser Magazin inklusiver gestalten könnten, dann schreibt uns gerne eine E-Mail an einreichungen@queerwelten.de. Wir freuen uns außerdem immer über Einsendungen, ganz besonders, wenn ihr Own Voices seid!

Queer*Welten sucht:

 Kurzgeschichten zwischen 16.000 und 20.000 Zeichen

 Im Rampenlicht sollen Themen stehen wie: Marginalisierung, Empowerment, queere Menschen, Menschen mit Behinderung, BIPoC als Protagonist*innen, nicht-heteronormative Gesellschaftskonzepte, Familien und Partnerschaften.

 Sex, Gewalt, Horror etc. dürfen thematisiert werden, aber in einem Maß, das ungefähr der FSK16-Freigabe eines Films entspricht. Wir suchen keine rein erotischen Geschichten.

 bevorzugt Own-Voices-Autor*innen (Nicht-Männer, Queers, BIPoC, Autor*innen mit Behinderung), aber eine Veröffentlichung in Queer*Welten bedeutet nicht automatisch ein „Outing“ – du wirst nicht genötigt, Details zu dir als Person offenzulegen. Gerne kannst Du bei uns auch unter Pseudonym veröffentlichen.

 Wir veröffentlichen alle Textbeiträge und Comics mit einer Inhaltswarnung. Wenn du möchtest, kannst du diese bei Einreichung schon mit angeben.

 Kreativität – auch Gedichte, Geschichten in Drehbuchform, Comics (max. eine Seite) oder ganz andere Formen sind uns willkommen!

 Wir veröffentlichen pro Ausgabe auch einen nonfiktionalen Text zur Science-Fiction und Fantasy. Auch solche kannst du uns gerne schicken.

Queer*Welten sucht nicht:

 Geschichten mit Diffamierungen und Hate-Speech, keine Beleidigungen realer Personen

 Geschichten ohne erkennbaren Bezug zu Science-Fiction und Fantasy und den Grundsätzen von Queer*Welten

 mehrere Geschichten der*des gleichen Autors*in – bitte reiche immer nur eine Geschichte auf einmal ein und warte dann unsere Antwort ab, bevor du die nächste einreichst! Danke!

Für unseren Queertalsbericht suchen wir außerdem queerphantastische Hin­weise auf

 Veranstaltungen

 Romane

 Kurzgeschichten

 Filme

 Serien

 Workshops

 Sachbücher

 Blogs

 Musik

 Rollenspiele

 usw.

Einsendungen

Du hast eine Geschichte oder anderen Prosatext, einen Comic oder einen Essay gemäß der genannten Anforderungen verfasst? Hervorragend! Sende sie uns an einreichungen@queerwelten.de und schreibe eine Zusammenfassung in 1-3 Sätzen in den Text der Mail. Du kannst dich uns in der Mail auch kurz vorstellen und Website oder Social Media verlinken, wenn du möchtest. Texte nehmen wir gerne als DOC(X) oder ODT-Datei an. Bitte sende uns nur im Notfall TXT- oder RTF-Dateien. PDF können wir gar nicht annehmen. Lena, Judith und Kathrin wählen die Geschichten als Herausgeberinnen aus, melden sich bei dir und lektorieren sie, wenn sie dein Einverständnis für eine Veröffentlichung erhalten. Du bekommst natürlich einen Vertrag, wenn wir uns für deine Geschichte entscheiden. Vielleicht brauchen wir etwas länger, um deine Mail zu beantworten. Gib uns etwas Zeit, es ist ein kleines Projekt. Wir wünschen dir viel Spaß beim Schreiben und freuen uns von dir zu hören!

Das Queer*Welten-Team

Nebelfloor

von Annette Juretzki

Inhaltswarnungen

Tod, Blut und Verletzungen, bewaffnete Auseinandersetzung, Leichen, Frauenfeindlichkeit

Wie ein Geist entsteigst du dem Nebel dieses trägen Morgens, der nur Licht statt einer Sonne kennt. Alle sehen zu dir auf. Selbst die Knienden erheben sich, um weniger schutzlos zu sein. Sie weichen zur Seite, als du dich dem Leichnam näherst. Noch immer spricht keiner ein Wort.

Der Mann ist jung gewesen, mit dunklem Haar und breitem Kinn. Die Kleidung besteht aus Filz, wie ihn hier alle tragen, und die großen Hände sind schwielig von der Arbeit. Er hätte jungen Frauen gefallen können, doch das ist nicht, worauf du achtest. Seine Kehle ist zerfetzt und lässt sogar den bleichen Halswirbel hervorscheinen. Aber darüber hinaus ist sein Leib unberührt, keine anderen Wunden zeichnen ihn. „Das war kein Tier“, sprichst du ohne aufzusehen und spürst doch Misstrauen. „Ein Tier springt nicht an die Kehle, ohne zumindest die Brust zu zerkratzen. Gab es mehr Opfer?“ Du stehst auf und siehst die Männer an. Nur die zornigen halten deinem Blick stand. „Was geht dich das an?“, platzt es aus dem Ersten heraus. „Was machst du hier?“, springt ihm ein Zweiter bei und auch ein Dritter findet zu seinem Mut: „Was weiß eine Frau schon von Wunden?“ Du bleibst so ruhig wie der Fels im Sturm; wie du es immer tust, wenn die Männer um dich herum beben und zetern. Es hat keinen Sinn, gegen den Orkan anzuschreien, also wartest du auf die Stille im Auge des Sturms: „Ich bin hier, um euren Geist zu fangen.“ Und dann bricht das Gewitter über dir zusammen.

Sie rufen Hexe, beschuldigen dich – wie üblich – schwarzer Magie und des Mordes an drei jungen Männern. Das reicht dir und du legst behutsam die Hand auf die Axt an deinem Gürtel. Schlagartig zieht der Sturm vorbei und bringt den Winter auf ihre Gesichter. „Drei hat sich der Geist also schon geholt. Wer hat ihn dabei beobachtet?“ Noch nie hat man dir auf diese Frage von selbst eine Antwort geschenkt. Stets musst du sie in den ausweichenden Blicken suchen, die verzogenen Mundwinkel erkennen und auch die rastlosen Finger zu deuten wissen, die Hemdzipfel kneten.

Der unruhigste Mann steht hinter den anderen und selbst im Sturm ist er deinen Blicken ausgewichen. „Wie sah er aus?“, rufst du ihm zu und seine Augenlider senken sich beschämt. Du hast den Richtigen ertappt.

„Sie …“ Die anderen weichen zurück, damit keiner mehr zwischen euch steht. „Es ist eine Frau.“ Länger hält er es im Korridor nicht aus und verlässt gesenkten Hauptes die Menge. Du willst hinterher, doch ein Älterer mit eingefallen Wangen und schütterem Haar stellt sich in deinen Weg. Um seinen Hals liegt eine Kupferkette, die ihn vermutlich zu etwas Besonderem macht. „Wer bist du?“ Seine Stimme trägt mehr Verwunderung als Aggression.

„Ich bin Korja, und ich werde mit dem Geist verschwinden“, sagst du.

Du betrittst die Hütte, ohne zu klopfen, und er beschwert sich nicht. In der Kochnische flackert ein kleines Feuer, das vielleicht einen Topf, aber kaum den Raum wärmen kann. Du setzt dich zu ihm auf den Boden, und ihr starrt gemeinsam in die Flammen.

„Wer ist sie?“

„Sie … war Finna.“

„Gab es einen Mörder?“

„Ja.“

„Wen?“

Er zieht die Knie an, vergräbt das Gesicht in seinen Armen.

„Ihr wisst es nicht?“

Er blickt noch immer nicht auf. „Wir fanden sie vor vier Wochen am Wald­rand. Jemand hatte ihren Kopf so hart gegen einen Baum geschlagen, dass der Schädel gebrochen war.“ „Hatte sie auf jemanden gewartet?“

„Ja.“ Endlich sieht er dich an. Das Feuer lässt die braunen Augen rötlich glühen. „Auf mich.“

„Hast du sie erschlagen?“ Deine Stimme klingt unsicher, als fürchtest du, er gestände. Du streckst den Rücken gerade durch, um dein Zögern zu überspielen.

„Wir wollten heiraten … Viele hatten um ihre Hand angehalten, aber mich erwählte sie.“ Seine Augen beginnen zu glänzen, und du schaust an ihm vorbei, denn er verbirgt es nicht. „Diese Nacht hätte unsere erste sein sollen, aber ich war noch nicht bereit dazu. Also ließ ich eine Lilie an unserem Baum zurück, statt Finna zu treffen. Die Blüte als Unterpfand meiner Liebe. Am nächsten Morgen, als wir unsere Verlobung bekannt geben wollten, fanden wir sie tot.“

Er weint, und du verschränkst unsicher die Arme vor der Brust. Du weißt, wie man Männer besiegt, aber hast nie gelernt, sie zu trösten.

„Wann hast du ihren Geist gesehen?“ Deine Frage zerschneidet die Wehmut des Moments und verhilft ihm zu neuer Beherrschung.

„Zum ersten Mal an ihrem Grab. Ich lege jeden Morgen eine Lilie nieder, doch vor sechs Tagen wollte ich früh mit dem Karren zum nächsten Dorf aufbrechen, weshalb ich sie nachts aufsuchte. Nebelschwaden betteten ihr Grab und Raureif kroch über die Erde. Und dann sang der Wind das Lied vom kleinen Bächlein, wie es Finna stets gesungen hatte. Ich legte schnell die Blüte nieder und wollte laufen. Als ich mich umdrehte, stand sie da, bleich wie der Mond. Ihr Kleid war zerrissen, graues Blut tropfte aus ihrem Kopf und zerfiel am Boden zu Asche. Sie griff nach mir, aber ich wich aus. Dann schrie sie so schrill, dass ich dachte, der Himmel würde zersplittern. Ich rannte heim und …“ Wieder verbirgt er sein Gesicht und du erwachst aus deiner Faszination; hattest kaum gewagt zu atmen, während er sprach.

„Und dann?“ Deine Frage klingt harsch, denn Schwäche macht dich unruhig. Du willst endlich gehen.

„Dann verkroch ich mich unter meiner Decke und weinte.“ Er schluckt schwer. „Am nächsten Morgen fanden sie Jurge tot am Bach. Er war der Erste. Und seitdem höre ich jede Nacht, wie sie einen Toten bringt. Und nie traue ich mich hinaus, wenn sie singt, damit ich nicht der Nächste werde.“

Du nickst, auch wenn er dich nicht sieht. „Wer waren die anderen Toten?“

„Alles Verehrer, die sie abwies. Vor jedem Tod erschien sie mir, und der Wind sang ein anderes Lied. Doch selbst, wenn ich sie nicht sehe, spüre ich sie an meiner Seite, als würden kalte Lippen meinen Nacken küssen.“

Du streichst mit der Hand über deinen eigenen Nacken, doch legst sie rasch zurück in den Schoß. Die Kälte schwindet nicht, nur weil sie sich teilt. Nur Ablenkung bedeutet Wärme, deshalb sprichst du wieder: „Vermutlich weiß sie nicht, wer sie erschlagen hat. Deshalb holt sie sich nach und nach die Verdächtigen.“

„Aber weshalb quält sie mich, bevor sie ihre Rache vollbringt?“

Er sieht zu dir, doch du stehst auf und streckst deine steifen Beine zu neuem Leben. Seine Augen haben die Glut verloren, und durch die Tränen glänzt die Haut rot und geschwollen. Er wirkt so warm. Du ballst die Hand zur Faust, denn du willst ihn berühren, doch du gehst stattdessen zur Tür. Als du im Türrahmen stehen bleibst, blickst du nicht zurück. „Vermutlich will sie, dass du ein Mann bist und sie selbst rächst.“ Die Worte schmerzen, als du sie sprichst, denn du weißt es besser.

Der Friedhof liegt so weit abgelegen, dass du das Dorf kaum noch am Horizont erkennst. Morsche Holztafeln ragen wie Gebeine aus dem Boden, als wollten sich die Toten neu erheben. Nur ein Grab ist mit Lilien geschmückt, von einer straffen Blüte bis zum faulenden Flor. Du kniest dich nieder und findest Asche, die sich mit der Erde mischt. Vorsichtig lässt du die Asche in ein Beutelchen rieseln.

Als du dich zum Gehen wendest, siehst du die Blüte hinter einer Tafel verborgen, als hätte sie der Wind herübergeweht. Doch ihre weißen Blätter sind ausgerissen und in den Boden getrampelt. Du reibst eines zwischen deinen Fingern und fühlst die kräftige Struktur. Die Lilie ist erst diesen Morgen gepflückt worden.

Mit grüblerischem Blick steckst du den Blütenfetzen ein und wanderst zurück. Du glaubst schon lange nicht mehr an Zufälle, wenn es um Menschen geht.

Im Dorf haben sich Männer versammelt und ihre Klingen und Knüppel mitgebracht. Der erste zeigt auf dich, kaum dass dein Schatten die Hütten berührt. „Da ist die Hexe, die uns verflucht hat!“ Dann rennen sie los, und du greifst dir die Messer, die in dem Lederband stecken, das über der Hose um deinen Schenkel gespannt ist.

Mit den ersten verfehlst bewusst ihre Köpfe, um die Klingen im Holz der Hütten zu versenken. Doch die Männer verwechseln die Warnung mit Glück und rennen schneller. Also lässt du die nächsten Messer in Beine dringen. Die vordersten Angreifer schreien auf, stürzen und werden zu Stolpersteinen für die, die danach kommen.

Die Menge lichtet sich. Zuschauer und Kämpfer suchen Schutz hinter den Hütten. Einer findet zwar den Mut, eines der Messer zurückzuwerfen, doch es verfehlt dich in weitem Bogen und versinkt im Schlamm.

Am Ende sind es nur noch drei, die dich erreichen und doch respektvollen Abstand halten. Du ziehst deine Axt und bist bereit für ihren feigen Männermut.

Du drehst dich aus der Reichweite des Knüppels, wodurch er in deinen Rücken gerät, und greifst nach dem Arm des Dolchkämpfers. Mit dem Schaft zerschmetterst du seine Hand, damit sie sich öffnet, und rammst dabei die stumpfe Seite deines Axtblattes gegen den Schädel des Knüppelträgers, der dir wieder zu nah gekommen ist. Er taumelt rückwärts, während das Blut aus seiner Nase quillt. Du lässt die gebrochene Hand los und wendest dich dem zu, der noch übriggeblieben ist.

Aber dieser steht nicht dort, wo du ihn vermutest. Leise hat er dich umkreist, um dir das Schwert zwischen die Rippen zu stoßen. Du spürst die Warnung, als sie deinen Nacken wie ein kühler Windhauch küsst, und drehst dich um. Gerade noch rechtzeitig, damit die Klinge an deinem Wams abgleitet, statt es zu durchdringen. Mit einem harten Kopfstoß treibst du den Kerl fort, sodass es auch an deiner Stirn wummert. Doch er ist schnell wieder zum Angriff bereit und auch du hebst die Axt, um Blut zu vergießen.

„Nein, auseinander!“ Du kennst die Stimme, die deinen Kampf stört. Für einen schwachen Moment willst du lächeln und verweigerst dich doch.

Er rennt direkt zwischen euch, schützt die anderen Männer mit seinem Leib, als glaube er, du würdest dich nicht gegen ihn wenden. „Liskolf, Korja, senkt die Waffen!“

Du schenkst ihm einen trotzigen Blick, doch verharrst.

„Ich habe den Ältesten überzeugt, dass du hierbleiben darfst, bis Finna endlich schläft.“ Sein Blick ist sanft wie seine Stimme, doch deine Augen verengen sich, denn du glaubst ihm nicht.

„Was hast du mit ihr zu schaffen, dass du den Ältesten gegen uns aufwiegelst?“ Liskolf stellt auch deine Frage, nur wählt er andere Worte.

„Ich schulde Finna mehr als nur Lilien im Morgengrauen und du liebtest sie doch auch! Willst du nicht für ihr Seelenheil einstehen?“

Liskolf blickt wütend, doch senkt die Klinge. Seine Lippen formen Worte, aber er spricht sie nicht aus.

„Komm mit mir, Korja, dann können wir beraten, was zu tun ist.“ Er lächelt, und du lässt dich von deinen Gegnern fortlocken, auch wenn der Kampf lediglich ruht. Kaum ein Mann lässt eine Frau über sich siegen.

Er führt dich wieder in seine Hütte, wo er einen Topf über das Feuer hängt. Dann setzt er sich an den Tisch, schält Kartoffeln und schneidet sie klein, als hätte er niemanden neben sich. Sein Schweigen ist dir unangenehm, sodass du die Hände unter der Holzplatte knetest. Doch erst nachdem er die Knollen ins kochende Wasser geworfen hat und an den Tisch zurückgekehrt ist, wagst du endlich zu sprechen: „Du hast gelogen.“

„Ich war beim Ältesten.“

„Und, was sagte er?“

Er lacht auf. „Dass man eine frigide Jungfer ins Kloster stecken sollte, statt ihr einen Axtstiel in die Hand zu drücken. Kein Wunder, dass sie auf dumme Gedanken kommt.“ Sein Lachen erlischt in Verzweiflung. „Er will einen Priester holen, der Finna austreibt. Sie sei unrein gewesen und wolle sich nur vor dem Höllenfeuer retten.“

„Warum hast du gelogen?“

Er starrt dich fassungslos an. „Hätte ich denn zulassen sollen, dass du sie alle abschlachtest? Wen Finna nicht kriegt, den holst du dir?“

Du gehst zum Topf, um die Suppe umzurühren; um ihn nicht anzusehen. Es ist schon lange her, dass du einem Mann begegnet bist, der dich weder bekämpfen noch beschützen wollte. Du hast vergessen, was es noch zu sagen gibt, wenn du nichts zu beweisen hast.

Er folgt dir und legt seine Hand auf deine Schulter, nur um sie gleich wieder fortzunehmen, als du aufsiehst. In deinen Augen spiegelt sich Reue. Du misstraust Nähe und vermisst sie doch.

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12 kasım 2024
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73 s. 6 illüstrasyon
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9783958694767
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