Kitabı oku: «Studieren und Forschen mit Kind», sayfa 3
2.3 Was ist unter Vereinbarkeit zu verstehen?
Der Begriff der Vereinbarkeit deutet darauf hin, dass hier zwei Dinge oder Sphären miteinander in Kontakt gebracht werden (sollen), die aus ihrer eigentümlichen Beschaffenheit heraus nichts miteinander zu tun haben oder die nicht miteinander kompatibel sind.
Auf der einen Seite steht das Privatleben, auf der anderen die Ausbildung oder Berufstätigkeit. Die Vorstellung von der Gegensätzlichkeit der Bereiche, die sich im Begriff der Vereinbarkeit niederschlägt, hat einerseits etwas mit gesellschaftlichen Traditionen zu tun und andererseits etwas mit den nicht etwa grundsätzlich verschiedenen, sondern bisweilen erstaunlich ähnlichen Anforderungen, die beide Systeme an die Menschen richten. Beide, Familie und Universität, verlangen Zeit, Regelmäßigkeit und zugleich Flexibilität, Präsenz, Aufmerksamkeit und Commitment, und zwar umso mehr, je weiter man voranschreitet. Neben modernen Vorstellungen von Familie und partnerschaftlicher Gleichberechtigung hält sich die Vorstellung von Familie als privatem Lebensbereich. Trotz universitärer Reformen und der langsamen Veränderungen des Leitbildes des ‚Professors im Elfenbeinturm‘ zeigt die Praxis die Kinderlosigkeit der überwiegenden Mehrzahl der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (vgl. Kap. 1.4). Die Anforderungen von Familie und Universität vertragen sich also nicht, so jedenfalls scheint es auf den ersten Blick, und zwar unter anderem aus Gründen, die wir kaum selbst steuern können, wie zum Beispiel die tiefsitzenden gesellschaftlich tradierten Idealvorstellungen von Prototypen und sozialen Rollen der ‚guten‘ Mutter, des Vaters als Versorger und des männlichen Professors. Diese Hürden, die in der Mentalität und im eigenen Denken begründet liegen, sind Prägungen, die persönliche Hindernisse einer gelungenen Vereinbarkeit darstellen. Handelt man gegen sie, dann geht ein Teil der täglichen Energie in die (unbewusste) Auseinandersetzung mit der Frage: „Tue ich das Richtige?“
„Es ist eine Lüge, dass man Familie und Karriere ohne Probleme vereinen kann.“[8] Der Hirnforscher Gerald Hüther und viele andere, die solche oder ähnliche Aussagen treffen, tun dies zu Recht. Denn „vereinbaren“ lassen sich die beiden Lebensbereiche nur unter hohen Kosten für alle Seiten. Jede/r, der oder die ein solches Vorhaben unternimmt, muss sich unbedingt darüber im Klaren sein. Aber eine Verzahnung oder Verschränkung der beiden Bereiche kann unter gewissen Voraussetzungen gelingen, wenn alle Beteiligten von einer 100%-Forderung Abstand nehmen. Nur können dies unsere Kinder nicht selbst entscheiden. Es liegt also an uns Eltern, wie viel ‚Abzug‘ wir ihnen zumuten. Vielleicht nur 80% oder gar 50% der Zeit und Aufmerksamkeit von Mama und/oder Papa? Ein ‚gesundes‘ Verständnis von der Vereinbarkeit lässt die Bedürfnisse aller Seiten zu. Da die Anforderungen der Kinder nicht verhandelbar sind, ohne das Wohl an Leib und Seele zu gefährden, muss die Universität systematisch helfen, damit auch die Erfüllung ihrer Anforderungen unter der Bedingung von Mutter- und Vaterschaft realistisch bleibt.
Vereinbarkeit heißt, alle zu ihrem Recht kommen zu lassen, Eltern, Kinder und Universität, ohne dabei das eine für das andere zu opfern. Vereinbarkeit ist nicht zu 100% erreichbar, kann aber durch pragmatische Verzahnungen gelingen.
2.4 Muss ich wirklich (mit Kind) studieren?
Auch ohne Kind oder akuten Kinderwunsch lohnt es sich, ernsthaft und intensiv darüber nachzudenken, ob man selbst für ein Studium geeignet ist und welche Ziele und Hoffnungen damit verbunden sind. Inzwischen sind viele Erststudiengänge durch die Bildungsreform des „Bologna-Prozesses“ weitgehend verschult. Das heißt, jedes Semester besteht aus (je nach Fach mehr oder weniger stark festgelegten) klar definierten Lehrinhalten und Lernzielen, deren Erarbeitung und Erreichen durch eine Prüfung nachgewiesen werden müssen. Manche Fächer verlangen jedoch ein höheres Maß an Selbstorganisation und bieten mehr Selbstbestimmung, weil zum Beispiel nur die Belegung bestimmter Themenfelder vorgegeben ist, sich jedoch die Studierenden die passende Veranstaltung dazu selbst aussuchen und den Stundenplan zusammenstellen können.
Wer studieren will, sollte Begeisterung für ein Fach oder Thema mitbringen, Leistungsbereitschaft zeigen, selbstständig und zugleich diszipliniert sein. Wer also nur ein mäßiges Interesse an einem Fach oder Thema hat und mit dem Studium beginnt, weil ihm oder ihr sonst gerade nichts Besseres einfällt, der ist dort falsch aufgehoben. Ein Studium aufgrund der sozialen Reputation anzustreben, um damit die eigenen Eltern zufriedenzustellen, oder weil man damit später vielleicht viel Geld verdienen könnte, sind schlechte Motive, die zudem oft enttäuscht werden. Zwar zeigen Studien ‒ anders als lange angenommen ‒, dass das so genannte Lebensentgelt von Personen mit Hochschulabschluss gegenüber Personen ohne höher ausfällt,[9] zugleich arbeiten jedoch auch viele Menschen nach dem erfolgreichen Abschluss eines Studiums in Jobs, für die sie überqualifiziert sind. Damit lässt sich also weder soziale Reputation noch Wohlstand planen.
Der einzige wirklich tragfähige Grund für die Aufnahme eines Studiums ist ein anhaltendes Interesse für ein Fach, ein Themenfeld oder einen spezifischen, daran geknüpften Arbeitsbereich. Dies gilt für Personen ohne und mit Kind gleichermaßen.
2.5 Welches Fach eignet sich gut in Bezug auf die Vereinbarkeit?
Nicht alle Fächer eignen sich gleich gut in Bezug auf die Vereinbarkeit von Studium, Wissenschaft und Familie. Je mehr Struktur (und damit weniger Wahlfreiheit) ein Studienfach vorgibt, desto schlechter lässt es sich mit den Bedürfnissen der Eltern und des Kindes und den zeitlich meist inflexiblen Angeboten der Kinderbetreuung kombinieren. Naturwissenschaftliche Fächer, die einen tagesüberspannenden Lehrplan vorgeben und ausgedehnte Praktika verlangen oder in denen die Durchführung von Experimenten prüfungsrelevant ist, eignen sich schlechter. Oft ist es dort nicht möglich, die Universität pünktlich zu verlassen, um das Kind aus der Kita abzuholen, etwa weil der Versuch noch läuft, dessen Ende abgewartet und die Ergebnisse ausgewertet werden müssen. In manchen Fächern werden Pflichtpraktika mitunter samstags abgehalten, also an einem Tag, an dem es keine Regelbetreuung gibt. Natürlich kann als Mutter und Vater auch die Belegung dieser Fächer gelingen, allerdings tatsächlich nur unter der Bedingung eines sehr guten sozialen Netzwerks und einer stabilen Partnerschaft, denn die Leistungsanforderung und die organisatorische Belastung sind hoch. Alleinerziehende stellen diese Fächer aufgrund ihrer Struktur, der Studienverlaufspläne und Modulordnungen vor kaum zu überwindende Hürden.
Tritt eine Schwangerschaft während des Studiums ein, dann ergeben sich mitunter Verzögerungen, da die Praxismodule oft nicht mehr studiert werden dürfen, weil die Gefahr für Mutter und Kind zu groß wird. Dies ist zum Beispiel bei den Fächern Tiermedizin oder Chemie der Fall.
Ein Studium innerhalb der Geisteswissenschaften ist flexibler und lässt sich grundsätzlich weitaus besser mit einer Schwangerschaft oder mit Mutter- und Vaterschaft vereinbaren. Hier liegen viele (aber nicht alle) Veranstaltungen innerhalb betreuungsgesicherter Zeiten und die Studierenden können meist zwischen verschiedenen Pflichtkursen auswählen und das Studium so gestalten, dass es den Bedürfnissen der Eltern am ehesten entspricht. Prüfungen werden zwar auch hier mittels Referaten und Klausuren zu festen Terminen, aber häufiger in Form schriftlicher Hausarbeiten durchgeführt. Diese lassen sich gut zuhause abfassen und erlauben mehr Flexibilität.
Duale Studiengänge, in denen die Studierenden parallel zum Studium fest in betriebliche Arbeitsabläufe eingebunden sind, eignen sich kaum. Dies lässt sich auch an der Studienpraxis zeigen: Laut der 20. Sozialerhebung des Studentenwerks im Jahr 2012 hat nur 1% aller Studierenden eines dualen Studiums ein Kind.[10]
2.6 Was Sie persönlich an Eigenschaften mitbringen sollten
Gesundheit ist eine der Grundbedingungen für ein erfolgreiches Studium mit Kind. Wer sowieso schon einen ‚doppelten Job‘ hat, kann es sich nicht leisten, noch zusätzliche Energie für ein drittes Feld aufzubringen, denn dann misslingt der Versuch der Vereinbarkeit womöglich. Wer also selbst unter einer gesundheitlichen Einschränkung leidet und dafür sehr viel Aufmerksamkeit und Zeit braucht und dadurch auch öfter nur eingeschränkt leistungsfähig ist, sollte sich gut überlegen, ob er/sie sich den Anforderungen eines Vollzeitstudiums aussetzen möchte (Teilzeitstudium siehe Kap. 3.2).
Wer ein Studium ins Auge fasst, der sollte einen hohen Grad an Selbstdisziplin mitbringen. Die Universität ist ein Massenausbildungsbetrieb und sobald man sich angemeldet ‒ „eingeschrieben“ ‒ hat, liegt es vollständig an jedem Einzelnen, ob er oder sie studiert und ob dies mit Erfolg geschieht. Niemand wird sich darum kümmern. Professor/innen und Dozent/innen in Massenfächern werden vermutlich aufgrund der hohen Studierendenzahlen und der großen Fluktuation nicht einmal die Namen der Studierenden kennen. Das ist kein böser Wille, sondern der Tatsache geschuldet, dass sie jedes Semester mit einer je nach Fach variierenden, großen Menge an neuen Studierenden zu tun haben, die sie dann mitunter nie wieder sehen werden. Mit dem Beginn eines Studiums ist man auf sich allein gestellt. Je nach Fach kommt es auch nur schwer zu einem ‚Wir‘-Gefühl, einer Gruppenidentität innerhalb eines Semesters. Kontakte zu anderen Studierenden ergeben sich durch kleinere Lehr- und Lernformate, so genannte Tutorien oder Seminare. Durch die gemeinsame Arbeit an vertiefenden Projekten lernt man einzelne andere Studierende kennen, selten aber den ganzen Jahrgang. Ob also aktiv die von den Studienordnungen vorgeschriebene Anzahl und Abfolge der Kurse absolviert und zusätzliche allgemeine Angebote der Universität wahrgenommen werden, liegt bei der oder dem Einzelnen. Auch die Zusammenstellung des Lehrplans erfolgt in vielen Studiengängen durch die Studierenden selbst, das heißt, es muss jedes Semester aus einer Reihe an angebotenen Kursen eine bestimmte Anzahl an Pflichtkursen und Wahlpflichtkursen ausgewählt werden. Manche Kurse werden jedoch nur in bestimmten Semestern angeboten oder müssen zugleich bis zu einer bestimmten Semesterzahl erfolgreich bestanden worden sein. Hält man sich nicht daran, darf man nicht weiterstudieren. Insofern wird ein Fehlverhalten von der Universität bestraft, aber für Sie als Person interessiert sich die Universität aufgrund ihrer Organisationsstruktur erst dann, wenn Sie durch besondere Leistungen auffallen oder kurz vor der Examensarbeit stehen. Das unterscheidet die Universität von der Schule, an der die Schülerinnen und Schüler persönlich bekannt sind und idealerweise gefördert werden. Das unterscheidet die Universität aber auch von Lehrbetrieben und Ausbildungsstätten, die im Regelfall kleiner sind und in denen Auszubildende Teil einer Gruppe sind, wo der Arbeitsalltag vom Betrieb vorgegeben ist und es sofort auffällt, wenn morgens jemand fehlt. Die Universität wird nicht bei Ihnen zuhause anrufen und fragen, warum Sie fehlen.
Wer studieren will, der sollte sehr zielstrebig sein, sich selbst gut organisieren können und über Durchhaltevermögen verfügen. Für Menschen mit Familienverantwortung gilt dies in verschärfter Form.
2.7 Eine stabile Partnerschaft
Natürlich kann ein Studium auch für alleinerziehende Mütter (und Väter) funktionieren, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Person auf ein stabiles soziales Netzwerk und eine gute Kinderbetreuung zurückgreifen kann. Sehr viel leichter ist es jedoch, wenn man ein Kind zu zweit betreut und erzieht. Einerseits, weil dadurch die täglich anfallende Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden kann, andererseits, weil nicht nur eine Person ausschließlich verantwortlich und immerzu zuständig ist. Die Dauerbeanspruchung kann sehr ermüdend sein. Gepaart mit den täglichen Aufgaben und der täglichen zu bewältigenden Logistik des Kinderbringens und -abholens kann das Studium stark beeinträchtigt werden.
Aber auch bei Paaren liegen nicht immer ideale Bedingungen vor. In der Regel sind die Väter älter als die Mütter und daher meist weiter fortgeschritten in der Ausbildung oder bereits berufstätig.[11] Zugleich findet bei Paaren, sobald sich Nachwuchs einstellt, wie eingangs bereits erwähnt eine so genannte Retraditionalisierung statt. Das heißt, aus der nun erwachsenden Verantwortung für eine Familie entscheiden sich Paare dazu, das vielleicht vorab gleichberechtigte Verfolgen der Ausbildung oder der beruflichen Karriere aufzugeben und zu einer klassischen Rollenverteilung zurückzukehren. Da Säuglinge und Kleinkinder durch die Stillpraxis anfänglich mehr mit der Mutter verbunden sind, bleibt in der Folge die Mutter beim Kind ‚zuhause‘, während der Vater eher noch mehr arbeitet, um die Finanzierung der Familie und die Aussicht auf ein Geldverdienen zu beschleunigen.[12] Hier tritt eine Priorisierung zugunsten des erwerbstätigen Partners ein. Gelingt die Karriereplanung und steigt die monatlich zum Lebensunterhalt einsetzbare Summe an, dann entsteht erneut die Möglichkeit für die Mutter, jemanden für die Besorgung des Haushalts und die Kinderbetreuung einzustellen und sich damit Freizeit und somit auch Freiheit zu schaffen.
Das geradezu ideale Szenario stellen zwei flexibel studierende oder arbeitende Elternteile in einem geistes- oder sozialwissenschaftlichen Studium oder im Homeoffice dar. Beide Elternteile können sich so mit Studium und Kinderbetreuung abwechseln.
Eine stabile Partnerschaft ist deshalb besonders wichtig, weil Sie, wenn Sie mit Kind studieren wollen, so viel Arbeit haben werden, dass Sie keinen anderen Lebensbereich brauchen, der zusätzlich einen großen Teil Ihrer Aufmerksamkeit fordert.
Natürlich lässt sich eine solche ‚ideale‘ Situation kaum erzwingen. Manchmal führt gerade die neue Situation zu dritt zu großen Konflikten, weil die durch das Kind nun geforderte Stabilität nicht zu der Beziehung passt, die die beiden Eltern miteinander haben oder haben wollen. Das Kind wird zum Einschränkungsfaktor und übt auf beide Seiten Druck aus. Kinder sind Kristallisationspunkte, in denen sich die eigenen Wünsche und Hoffnungen und Erwartungen an sich selbst und an den Partner/die Partnerin brechen, sie sind Spiegel der persönlichen Wahrheit, in denen sich die Gesinnung der beiden Partner gegenüber sich selbst, der Welt und dem Lebensgefährten/der Lebensgefährtin offenbart. Konflikte sind also unvermeidlich. Aber: Machen Sie sich Ihre Situation und Ihre Möglichkeiten klar. Sie haben eine Verantwortung, der Sie gerecht werden müssen, zugleich sollten Sie jedoch unbedingt auch sich selbst und Ihren eigenen Fähigkeiten und Zielen gerecht werden. Aktuell gibt es im Vergleich zu früheren Generationen kaum noch Sicherheit sowohl im Hinblick auf die berufliche Perspektive als auch in Bezug auf die Dauerhaftigkeit von Beziehungen. Es ist daher für beide Partner wichtig, einerseits der Verantwortung gegenüber dem Kind, aber andererseits auch den eigenen Fähigkeiten gerecht zu werden und eine Ausbildung abzuschließen, mit der jede/r sich selbst und auch das Kind finanzieren kann, was auch immer da komme.
Beide Partner sollten sich einig sein über die gemeinsamen Ziele und zugleich die persönlichen Ziele des/der jeweils anderen ehrlich mittragen. Vorwürfe im Stil von: „Jetzt bin wieder ich derjenige/diejenige, der/die verzichten muss“, sind der Situation nicht zuträglich.
2.8 Ein gutes soziales und familiäres Netzwerk
Wer trotz Kind eine berufliche Karriere verfolgen will, der ist unbedingt auf ein gutes familiäres und soziales Netzwerk angewiesen. Die meisten Menschen leben heute nur selten in der unmittelbaren Nähe ihrer Herkunftsfamilien und damit außerhalb der familiären Netzwerke von Eltern, Geschwistern, Großeltern und anderen Verwandten. In der Nähe der Familie zu wohnen, wird inzwischen eher als Niederlage verstanden, als nicht vollzogener Schritt ins Erwachsenenleben. Oft ist das Verhältnis zwischen den Generationen auch so angespannt, dass räumliche Distanz nötig wird. Wenn Sie jedoch ein Kind bekommen und studieren wollen, dann ist die familiale Unterstützung essenziell. Eine zusätzliche helfende Hand, die die Windeln sortiert, Mittagessen mitbringt oder den Kinderwagen einmal um den Block schiebt, bringt ihnen nämliches eines: kurze Pausen und vor allem kleine Entlastungen! Auch wenn die Vorstellungen der eigenen Eltern oder Großeltern von den eigenen abweichen, Sie das rosa oder hellblaue Strickjäckchen nicht leiden mögen oder Sie die Tatsache ärgert, dass die Verwandten das Kind immer mit Süßigkeiten überhäufen, während Sie auf eine gesunde Ernährung achten, sollten Sie nicht leichtfertig die Hilfe ablehnen, die dadurch möglich wird, sondern den Kompromiss akzeptieren. Gut sind Arrangements, in denen die Mutter oder beide Eltern gemeinsam einen Nachmittag oder Abend vollständig frei haben. Viele Familienmitglieder sind gern bereit, sich auf solche Hilfen einzulassen und manchmal auch bereit, weite Strecken zu fahren, um auszuhelfen.
Viele Menschen leben, wie gesagt, jedoch räumlich zu weit von ihren Familien entfernt oder wünschen wenig Kontakt. In diesem Fall werden die sozialen Netzwerke von Freunden und Bekannten, Nachbarn und anderen Eltern aus der Krabbelgruppe, der Kindertagesstätte, dem Kindergarten oder Hort umso wichtiger. Ändert sich die persönliche Lebenssituation so gravierend wie durch ein Kind, ist es besonders wichtig, die ‚alten‘ sozialen Netzwerke aus der Zeit vor der Schwangerschaft und Geburt mit in den neuen Lebensabschnitt zu integrieren, soweit dies möglich ist. Patentanten und Patenonkel aus dem Freundeskreis können auch jenseits von Geburtstagen präsent sein, mal den Einkauf erledigen oder vor dem Einschlafen vorlesen oder einspringen, wenn ein Notfall eintritt. Denn das passiert mit Kindern recht häufig. Mit „Notfall“ ist hier kein medizinischer Notfall gemeint, sondern das plötzliche Wegfallen der geregelten Kinderbetreuung, zum Beispiel durch das Erkranken der Tagesmutter oder des Babysitters, während Sie einen dringenden Termin an der Universität haben und dort z.B. eine Prüfung ablegen müssen. In solchen Situationen hilft es, auf soziale Netzwerke zurückgreifen zu können, denn nur das verhindert ein Scheitern. Gerade andere Eltern, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, sind oft gern bereit, einzuspringen, allerdings unter der impliziten Bedingung der Gegenseitigkeit. Zu vermeiden ist möglichst alles, was zusätzlich Arbeit macht, wie etwa Fahrten ans andere Ende der Stadt, nur um eine Betreuungslücke von einer Stunde zu überbrücken, aber natürlich muss auch das manchmal sein, weil es keine andere Lösung gibt. Je stressfreier sich dies für alle gestaltet, desto besser.
Alle oben angesprochenen Personen helfen gern, allerdings tun sie dies unter gehörigem Aufwand und eigener Einschränkung oder Mehrbelastung. Haben Sie dies im Blick und würdigen Sie das Engagement entsprechend durch ein herzlich gemeintes „Dankeschön“ oder kleine Aufmerksamkeiten.
2.9 Wohnen mit Kind
Da die Wohnsituationen in den Universitätsstädten stark variieren, können hier nur einige allgemeine Hinweise gegeben werden. Paare, die ein Kind erwarten, ziehen meist vor der Geburt des Kindes in eine eigene Wohnung, falls sie nicht schon zuvor zusammenleben. Viele behalten inzwischen jedoch auch zunächst ihre eigene Wohnung, weil sie ihre Unabhängigkeit schätzen oder um erst abzuwarten, wie sich die neue Situation entwickelt. Manche Studierende bewohnen ein Zimmer innerhalb einer Wohngemeinschaft. Wird ein Kind geboren, kann es meist für kurze Zeit im Zimmer der Mutter untergebracht werden, auf die Dauer ist dies aber oft keine gute Lösung, weder für die Mutter noch für die Mitbewohner; für das Kind selbst wird ein eigenes Zimmer erst im Kindergartenalter wichtig. Früher oder später steht dann also ein Umzug in eine größere Wohnung an, die dann mindestens zwei Zimmer haben muss. Oft erfolgt in dieser Phase auch der Wechsel von der Wohngemeinschaft in die eigene Zwei-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung. Damit wird eine Grundbedingung des Lebens, nämlich das Wohnen, durchaus doppelt oder dreifach so teuer. Zu der höheren Miete gesellen sich auch höhere Nebenkosten. Wer studieren will, der benötigt aber unbedingt einen Rückzugsraum, der zugleich auch ein Arbeitszimmer sein kann. Ab ca. einem Jahr wird für Kinder ein eigenes Zimmer empfohlen, aber viele Beispiele zeigen, dass auch über längere Zeit das Teilen eines Zimmers mit einem Geschwisterkind möglich ist. Ideal wohnt es sich in einem Mehrfamilienhaus mit vielen Kindern. In einer solchen Wohnsituation kann das Kind, sobald es älter ist, ohne großen Aufwand zu den Nachbarn gehen und hat dort Spielkameraden.
Eine Hürde, die entweder noch sehr jungen Eltern oder alleinerziehenden Müttern oder Vätern bei der Wohnungssuche begegnet, ist die mitunter berechtigte Sorge der Vermieter um den stabilen Mieteingang (und der potenzielle ‚Lärm‘, den Kinder verursachen). Wenn Vermieter solventere Mietinteressenten haben, wählen sie oft lieber diese als eine junge Familie. Hier ist es sehr hilfreich, einen Bürgen mit im Boot zu haben, falls möglich die eigenen Eltern, die den regelmäßigen Mieteingang durch den Nachweis ihres Gehalts garantieren, oder eine offizielle Bescheinigung der Kostenübernahme, wenn Sie staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Da Ballungszentren und Innenstädte hochkompetitive Wohnmärkte darstellen, sollten junge Eltern in Betracht ziehen, auf eine Wohnung auf dem Land auszuweichen. Hilfreich sind soziale Wohnungsbaugenossenschaften, die günstigen Wohnraum anbieten,[13] und z.B. das Studentenwerk, das auch Wohnungen für Studierende mit Kind bereitstellt (vgl. Kap. 8.3). Beide Möglichkeiten sind jedoch oft mit langen Wartezeiten verbunden.
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