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Phänomenologie und Bewusstseinsphilosophie

Die Phänomenologie ist eine Strömung in der Philosophie, die sich mit den Erscheinungen der Welt und des Lebens gegenüber dem Bewusstsein befasst. Am bekanntesten ist wohl die Phänomenologie des Geistes von Hegel, der einen universalen, idealistischen Weltgeist am Werk sieht und die geschichtliche Entwicklung der Welt diesem unterordnet. In der Reaktion auf den metaphysischen, quasi theologischen Idealismus und Rationalismus Hegels begründete Ludwig Feuerbach (1804-1872) als Gegensatz den anthropologischen Materialismus, der nicht nur wie Descartes den menschlichen Leib, sondern auch Geist und Psyche als Seele mit den Gegebenheiten und Mechanismen der Natur mittels der Sinnlichkeit in Verbindung brachte und somit einer modernen Psychologie und Philosophie des Geistes einen naturalistischen Rahmen gab und den Weg ebnete: „Schaut die Natur an, schaut den Menschen an! Hier habt ihr die Mysterien der Philosophie vor euern Augen.“

Die modernere Phänomenologie wurde von Edmund Husserl (1859-1938) mit dem Ziel begründet, die Philosophie auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen und zur Grundlage für Wissenschaft überhaupt zu machen. Nachdem er die Logik von psychologistischem Ballast befreit hatte, wollte er auch die sinnkonstituierenden, subjektneutralen Fundamente der Bewusstseinsinhalte in den Wechselbeziehungen mit den Phänomenen untersuchen. Im Mittelpunkt dieser Phänomenologie steht die Intentionalität, das ist die Gerichtetheit des Geistes auf Dinge des Lebens: man sieht etwas, man denkt etwas, man weiß etwas, man liebt etwas, man tut etwas, man fühlt etwas. Das "etwas" muss nicht notwendig gegenständlich und nicht notwendig existent sein, Weil es sich nur auf mentale Repräsentationen bezieht, deshalb wird von "intentionaler Inexistenz" gesprochen. Die zentrale Aussage ist, dass das Bewusstsein durch die Intentionalität konstituiert wird. Die Beispiele zeigen, dass Intentionalität mit sinnvollem Handeln verbunden ist, so dass die Phänomenologie einen wechselseitigen Zusammenhang herstellt zwischen Wahrnehmen, Erleben, Denken und Handeln des Ich mit der Welt als Phänomen gegenüber dem Ich. Dabei wird nicht unterschieden zwischen der Funktion und den Inhalten des Bewusstseins, d.h. die neurologische Funktionsweise des Bewusstseins ist nicht Gegenstand der Phänomenologie. Vielmehr geht es um die Analyse der Konstitution von Bewusstseinsinhalten ohne Vorurteile und ohne Vorwissen, das sogenannte „reine Bewusstsein“, durch die Instanz einer transzendentalen Subjektivität. Die Phänomenologie ist insgesamt eine Kritik des kollektiven Erkenntnisbestandes und der herkömmlichen Wissenschaften und eine Aufforderung zur Besinnung auf Evidenzen des Seins als ideale Grundlagen, ohne jedoch fertige Lösungen oder Werkzeuge anzubieten. Das Vorbild Husserls war der methodische und radikale Zweifel bei Descartes zur Begründung von Erkenntnis.

Die Intentionalität, deren Konzept vom Philosophen und Psychologen Franz Brentano (1838-1917) stammt, mit Ansätzen schon bei Feuerbach, spielt ohne Zweifel eine zentrale Rolle für das Bewusstsein und wird deshalb als ein Charakteristikum des Mentalen gedeutet. Andererseits gibt es Grundstimmungen wie Schmerzen, die nicht auf etwas gerichtet zu sein scheinen, aber Schmerzen hat man nicht einfach, sondern man hat sie im Bauch, im Kopf, oder an der Hand. Wie die Beispiele oben auch zeigen, stimmt ihre Ausdrucksform offensichtlich mit der grammatischen Ausdrucksform sprachlicher Sätze überein und auch mit den Formen logischer Aussagen, mit Propositionen und mit Informationen. Das ist nicht verwunderlich, denn die Sprache ist ein Reflektor allen menschlichen Erlebens. Die Ausdrucksformen haben sogar in der Physik Gültigkeit, weil jedes Ding der Natur erst durch seine Relationen und Wechselwirkungen mit anderen Dingen, insbesondere dem Beobachter selber, zur Erscheinung und als identifizierende Eigenschaften zur Existenz kommt. Das kognitiv bewusste System ist der Urheber all dieser Formen, die sowohl Zustände als auch Vorgänge des Mentalen beschreiben, also Funktionalitäten des Bewusstseins. Die Intentionalität beschreibt die Sinnverhältnisse zwischen dem Subjekt oder Ich und der Welt einschließlich dem Selbst. Im Gegensatz zur erklärenden Objektivierung der Phänomene in der Naturwissenschaft und der wertenden Subjektivierung in der Philosophie und Ethik untersucht Husserl die Bildung des Sinnbewusstseins als verstehende Kollektivierung intentionaler Akte. Die methodische, transzendentale Fundierung des "reinen Bewusstseins" durch radikale Entledigung von Vorurteilen oder Vorwissen über die Welt (epoché) zum Sein-an-sich bildet die Motivation zur Phänomenologie. Sie enthält sich in der phänomenologischen Reduktion jeder Assoziation von Bedeutung und Erklärung zum Phänomen, will dagegen das Konstituierende des Bewusstseins, das Wesenhafte (Eidos), Allgemeingültige des Objektes und des intentionalen Aktes als Phänomen erhalten und untersuchen. Das Bewusstsein soll aus elementaren Anschauungen als apodiktische Evidenzen schrittweise rekonstituiert werden. Das Bewusstsein für Zeit und Raum wären solche ersten Schritte.

Intentionalität ist somit als triadische Relation zwischen Ichbewusstsein, Objekt und Akt eine fundamentale Eigenschaft der Erkenntnis, der Seele und des Lebens überhaupt, nicht nur des Mentalen, weil jeder Organismus im Zustand der Wachheit mit sich selbst und mit der Welt interagieren und zu ihr in Beziehung treten muss, aus Gründen der Selbsterhaltung. Schon die Berührung als eine der ersten Empfindungen des Lebens ist eine solche Relation. Im weiteren Sinn wären die Funktionen der Sinne, der Sprache und der Motorik zu berücksichtigen, ohne die das Bewusstsein nicht existieren und funktionieren würde. Im Bewusstsein des Menschen kommt die Intentionalität zu reflektivem Selbstbewusstsein. Sprachlich tritt sie oftmals in den Hintergrund, weil die sprachliche Praxis sehr häufig verkürzt und evidente Anteile unausgesprochen oder indexikalisch bleiben. Man sagt "es regnet" und meint damit "ich sehe gerade jetzt, dass es hier am Ort regnet", also eine vollständige Relation von Beobachter oder Sprecher, Ort, Zeit, Objekt und Vorgang ausgedrückt wird. Das bewusste Subjekt trägt Gegenwart als Zeit und den aktuellen Ort als implizite Relation und Information immer mit sich.

Die Intentionalität bildet den nüchternen Rahmen für eine Fülle an Zuständen des Bewusstseins und für das bewusste Leben. Sinnliche Wahrnehmungen und Empfindungen sind wesenhaft für jedes Leben und erzeugen beim Menschen als intentionale Akte phänomenale und mentale Zustände mit Erlebnisqualitäten. Die meisten dieser Zustände, besonders die häufig, gleichmäßig und routinemäßig eintretenden, bleiben flüchtig und werden von den unentwegt fließenden Sinneseindrücken schnell wieder verdrängt. Manche davon bleiben in den Bereichen des Unterbewussten und des Unbewussten dauerhaft erhalten. Das Bewusste ist nur ein winziger Teil dessen, was laufend an Information über die Sinne aufgenommen wird. Intentionalität ist daher nicht monolithisch zu deuten.

Die Phänomenologie beschränkt sich auf die subjektive und bewusste Erkenntnis. Das ist insofern berechtigt, als jeder Mensch nur sein eigenes Bewusstsein erforschen und erleben kann. Am Bewusstsein anderer Menschen kann man nur über die Sprache teilhaben und sich darüber verständigen, um eine Intersubjektivität und ein gemeinsames Vokabular über die jeweilige Lebenswelt herzustellen. Dabei gehen die privaten und individuellen Erlebnisse der wahrgenommenen Objekte und damit bewusstseins- und sinnbildende Qualitäten weitgehend verloren. Eine konsequente und vollständige Objektivierung und Atomisierung des Bewusstseins analog der Naturwissenschaft, ohne Bezug zum erlebenden Menschen, ist nicht möglich und ist ein falsch verstandener Rationalismus, wie der spätere Husserl feststellte. Naturwissenschaft ist selbst eine Tätigkeit und ein Produkt des kollektiv vorgeformten und intersubjektiv sich formenden Bewusstseins.

Die Sprache kann die Fülle, Vielfältigkeit und Qualitäten bewusster Zustände nur unzureichend und skelettartig widergeben. Kennzeichnend für alle Zustände ist, dass sie nur dem Subjekt selber als Erfahrung und Erleben zugänglich sind und nur durch Introspektion, Reflexion und Befragung erforscht werden können. Zwar sind emotionale Zustände auch an typischen Ausdrucksformen zu erkennen, aber sie unterliegen der Deutung der Mitmenschen und werden oftmals falsch gedeutet, oder auch absichtlich täuschend eingesetzt. Mentale Zustände kommen sprachlich als behaupten, meinen, glauben, vermuten, befürchten, erwarten, hoffen zum Ausdruck. Schon die bewusste Wahrnehmung ist unwillkürlich mit der Zuordnung von Begriffen und Sprache verbunden. Die Lückenhaftigkeit und Vieldeutigkeit der Sprache als Medium der Mitteilung trägt ihrerseits zu gegenseitigen Missverständnissen bei. Zudem ist sie sehr zufallsgeprägt, unvollständig und redundant. Andererseits ermöglicht die Begrifflichkeit, Symbolik und unbegrenzte Strukturalität der Sprache die sinnliche Wirklichkeit zu ergänzen hinsichtlich vielfältiger Relationen zwischen den wahrgenommenen Gegenständen der Welt. Im Verbund von Denken und Sprache wird es erst möglich, ein zusammenhängendes und konsistentes Gesamtbild der Welt oder Weltmodell zu erzeugen, über Zeiten und Räume, über Ursachen und Wirkungen, über Verwandtschaften und Ordnungen, über Werte und Bewertungen, über gut und böse und vieles mehr. Damit gelangt der Mensch zur scheinbar kontinuierlichen Ganzheit und Einheit des Bewusstseins.

Die Sprache setzt aber nicht nur ein Bewusstsein voraus, sondern bereits gemeinsame Vorstellungen und begriffliche Konventionen über das Bewusstsein. Die Sprache schließt so auch das Sprechen über Sprache selber ein; über Wörter kann man nur mit Wörtern reden. Man kann aus Sprache nicht aussteigen, so wie man aus dem Universum oder der Welt nicht aussteigen kann. Das heißt, der Mensch wird immer wieder auf sich selber zurückgeworfen als Selbstbezüglichkeit. Damit verbunden sind logische und erkenntnistheoretische Probleme, die wie das Lügnerparadoxon schon in der Antike bekannt waren, aber erstmals von Bertrand Russell (1872-1970) in der Mengentheorie und Logik explizit identifiziert und behandelt wurden. Gödels Unvollständigkeitssatz von 1931 lieferte einen logischen Beweis für die unauflösbare Problematik selbstbezüglicher Systeme. Ein Beispiel für die Selbstbezüglichkeit in der Sprache ist auch die Grelling-Nelson-Antinomie, eine Selbstbezeichnung von Wortarten.

Hier ist also ein Henne-Ei-Problem oder ein hermeneutischer Zirkel vorhanden, so wie im bekannten Gehirnparadoxon von Schopenhauer. In der Linguistik wird dieser Zirkel durch die disjunkte Unterscheidung von Objektsprache und Metasprache scheinbar aufgelöst. Die Deutung von Bewusstsein setzt also bereits eine transzendentale Reflexion sowie Erkenntnisse über das Bewusstsein voraus, gewissermaßen ein Metabewusstsein. Das ist der Kern der Husserlschen Phänomenologie, in seinen Worten aus "Philosophie als Wissenschaft":

Beschreibend verwenden wir die Worte Wahrnehmung, Erinnerung, Phantasievorstellung, Aussage usw. Welche Fülle von immanenten Komponenten zeigt solch ein einziges Wort an, Komponenten, die wir dem Beschriebenen es "auffassend" einlegen, ohne sie in ihm analytisch gefunden zu haben. Genügt es, diese Worte im populären Sinn, in dem vagen, völlig chaotischen zu gebrauchen, den sie sich, wir wissen nicht wie, in der "Geschichte" des Bewußtseins zugeeignet haben? Und würden wir es auch wissen, was sollte diese Geschichte uns nützen, was sollte sie daran ändern, daß die vagen Begriffe eben vage und vermöge dieses ihnen eigenen Charakters offenbar unwissenschaftlich sind. Solange wir keine besseren haben, mögen wir sie gebrauchen, darauf vertrauend, daß für die praktischen Zwecke des Lebens zureichende grobe Unterschiede mit ihnen getroffen seien. Aber hat eine Psychologie Anspruch auf "Exaktheit", welche die ihre Objekte bestimmenden Begriffe ohne wissenschaftliche Fixierung, ohne methodische Bearbeitung läßt?

Letztlich dient das eigene Bewusstsein als Schablone zum Verständnis fremden Bewusstseins. Die Mitmenschen dienen als Spiegelung des Selbst und das Selbst wird fortwährend mit den Anderen verglichen, um sich in die Gesellschaft zu integrieren, um die eigene Position in der Gesellschaft zu bestimmen, um eigene Interessen und Neigungen zu entwickeln und durchzusetzen. Dass dies oft nicht reibungslos funktioniert, das zeigen die vielen zwischenmenschlichen Konflikte, wenn die Wahrnehmung und das Erleben des jeweils Anderen gegenseitig nicht zutreffend gedeutet und verstanden wird, wenn die Ausdrucksformen des fremden Bewusstseins falsch gedeutet werden. Verstärkt werden solche Konflikte durch Konkurrenz um knappe, begrenzte oder teure Ressourcen und die damit verbundenen Aktivitäten, Erwartungen und Ängste.

Schon der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) hat versucht, das Denken zu objektivieren und es zuverlässiger zu machen, um Wahrheit mit Sicherheit erkennen zu können. Dafür hat er bereits eine formale Sprache vorgeschlagen auf der Basis eines binären Zeichensystems, genau so wie es heute im Computer Anwendung findet. Sein Ziel war ein Kalkül des Denkens, der erst lange Zeit nach ihm im 19.Jhdt. von Gottlob Frege (1848-1925) als formale Logik verwirklicht wurde. Die Logik beruht auf der Struktur der Sprache und den Bedeutungen der verwendeten Begriffe. Wahr und falsch schließen sich per Definition der Begriffe gegenseitig immer aus. Dazu gilt der Satz vom ausgeschlossenen Dritten. Objekte, die zu einer Menge gehören, sind logisch ebenso in der Obermenge dieser Menge enthalten. Durch die Gesetzmäßigkeit der Sprache ermöglicht die Logik Schlussfolgerungen aus Aussagen, die neue Aussagen hervorbringen und auf diese Weise Experten- und Diagnosesysteme sowie maschinelles Beweisen ermöglichen. Die Sprache wiederum ist das Resultat der gesetzmäßigen Leistungen der Sinnesorgane und des Erinnerungsvermögens, dem Erkennen von Ähnlichkeiten und Gleichheiten als Bedingung des Identifizierens und Klassifizierens von Formen und Figuren. Die Wahrnehmung einer Figur als Kreis bleibt ein Kreis, heute und morgen und ebenso für alle Menschen. Ohne logisches Denken wären nie Pyramiden gebaut worden, hätte letztlich das menschlich-geistige Leben nicht dauerhaft bestehen können.

Während sich die formale Logik allein auf die festgelegte, objektve Bedeutung von Begriffen und Symbolen bezieht, wird der Bezug zur wirklichen Welt in der materialen Logik hergestellt. In der wirklichen, komplexen Welt gibt es nicht nur die reinen Werte wie schwarz und weiß, sondern alle Schattierungen dazwischen. Es gibt Perspektiven der Ansicht, es gibt zeitliche und räumliche Variationen, es gibt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, es gibt Tatsachen und bloße Ideen. Zur Intentionalität des Bewusstseins gehört untrennbar das Unbekannte und Ungewisse, das den Menschen oftmals Angst macht und deshalb durch Fiktionen oder Mythen ersetzt wird. Die Bedeutung von Begriffen ist nicht mehr so klar und unveränderlich, sondern muss erst explizit gemacht oder intersubjektiv redefiniert werden.

Die Menschen glauben und gehen davon aus, dass alle Menschen ziemlich gleichartig sind, dass sie grundsätzlich und im Normalfall dieselben Vermögen sinnlicher Wahrnehmung und Empfindung und dieselben Vermögen des Verstandes und der Vernunft haben. Hier fangen die Irrtümer bereits an und enden oft genug in kleinen oder größeren Katastrophen, weil die subjektiv wahrgenommenen Erscheinungen Unterschiede aufweisen, beispielsweise beim Farbensehen, und nicht nur deswegen zu unterschiedlichen Deutungen, Bewertungen und Handlungen führen. Beispiele finden sich zuhauf in der Kindererziehung, in der Partnerschaft, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis und natürlich in der Politik. Der Philosoph Ernst Cassirer (1874-1945) schrieb in seinem Hauptwerk "Die Philosophie der symbolischen Formen", dass Dinge und Zustände der Welt nicht gegebene Inhalte des Bewusstseins, sondern Weisen und Richtungen seiner Formung seien.

Die Wirklichkeit ist also eine Vorstellung von der Wirklichkeit, die im Verlauf von kollektiver Phylogenese, individueller Ontogenese und subjektiver Ratiogenese, im Wechselspiel mit der Welt infolge natürlicher Selektion, individueller Erfahrung und subjektiven Erlebens, hervorgebracht und beständig geformt wird.

So ist die Anzahl und Verteilung der farbempfindlichen Zapfen in der Netzhaut sehr ungleichmäßig und hat sich an die optischen Bedingungen der Augenlinse angepasst. Sowohl Phylogenese als auch Ontogenese akkumulieren die Erfahrungen und Entwicklungen der Vergangenheit und bauen darauf auf. Was als Gegenstand wahrgenommen und gedeutet wird, ist ein unbewusstes Konstrukt der visuellen Sinnesvermögen und der Erfahrungen der ersten Lebensjahre, einschließlich der Embryogenese. Beim Menschen dauert die Entwicklungsphase des Gehirns sechs Jahre ab Geburt, währenddessen ein über längere Zeit geschlossenes Auge entsprechende, dauerhafte Deformationen im visuellen Kortex zur Folge hat. Die Entwicklung der Individuen bestimmt die Variabilität der Art und darauf kann die natürliche Selektion angreifen und die am besten zum jeweiligen Habitat passenden Individuen oder Populationen für die weitere Vererbung ihrer Eigenschaften und Vermögen bestimmen. Das bedeutet, dass das Verhältnis von Wirklichkeit und Vorstellung, oder Außenwelt und Innenwelt, nicht apriorischen, deterministischen und gesetzmäßigen, sondern vielfältigen naturhistorischen Bestimmungsgründen mit vielen Zufälligkeiten unterliegt und nicht eindeutig festgelegt ist.

Die Intentionalität der Phänomenologie kommt insbesondere im Verhältnis zu den Mitmenschen zum Ausdruck, zu denen vielfältige intentionale Beziehungen bestehen. Andererseits kann sich eine solche Beziehung spontan verändern, weil Menschen sich unterschiedlich verhalten, weil sie sich im Lebenslauf entwickeln, weil man nicht alles weiß über den Mitmenschen und eine neue Nachricht das Bild drastisch verändern kann. Ohne dass sich der jeweilige Mensch als Gegenstand der Intentionalität ändert, kann sich das Wissen und das Bewusstsein über ihn verändern – besonders auch durch Gerüchte als falsche Informationen, neuerdings als Fakenews bezeichnet und in aller Munde. Einen Menschen, den man gestern noch geliebt hat, kann man heute hassen. Was zu einer scheinbar objektiven Betrachtung und Deutung der transzendenten (äußeren) Gegenstände im Bewusstsein beiträgt, das ist die vergleichende und beständige Erinnerung der Vergangenheit als letztlich neurobiologische Wirkursache.

Die Phänomene der visuellen Sinnesmodalität sind Farben und Formen, Kanten und Linien, Perspektiven und Blickwinkel, Nahes und Fernes, Lichtintensitäten und Schattenwürfe, Transparenz und Verdeckungen, Durchsichtiges und Undurchsichtiges, Muster und Ornamente, Buntes und Einfarbiges, Bewegtes und Unbewegtes, Veränderliches und Unveränderliches, Bekanntes und Unbekanntes, Natürliches und Künstliches. Man muss hier zusätzlich eine in jüngerer Zeit zunehmend wichtiger werdende Unterscheidung einbringen zwischen medialen oder virtuellen Wirklichkeiten und der physischen Wirklichkeit. Ein markantes Beispiel dafür ist die mediale Wirklichkeit von Sexualität. Die bewusste Lebenswelt wird immer stärker von vielfältigen und schnell veränderlichen medialen Wirklichkeiten geprägt, weil sie anders als die physische Wirklichkeit omnipräsent sind, welche sich wesentlich auf den jeweiligen Aufenthaltsort und die aktuelle Situation beschränkt. Dabei werden die Menschen immer wieder mit unvertrauten Situationen konfrontiert. Das heißt, Vorstellungen, Meinungen und Überzeugungen, die aus medialen Darstellungen abgeleitet werden, beruhen oftmals nicht auf eigenen Wahrnehmungen oder Erfahrungen und entbehren daher einer empirisch begründeten Sinngebung. Es ist augenfällig, dass die medialen Wirklichkeiten immer stärker auf die Lebensgestaltung Einfluss nehmen oder sie gar bestimmen. Ohne Zweifel hat die präsente mediale Wirklichkeit wieder Rückwirkungen auf die physische Wirklichkeit. Dies kommt deutlich zum Ausdruck in der Anbahnung von physischen Kontakten über das Internet, sei es zum Austausch von Gütern, zur Organisation von Veranstaltungen, oder gerade auch im Umfeld und mit der Absicht von Sexualität.

Die Kontingenz der subjektiven Wahrnehmungen und Empfindungen bildet einen Ausgangspunkt für die Freiheit des Menschen. Das Individuum kann in jeder Situation nur einen kleinen, zufällig oder willkürlich bestimmten Ausschnitt der dynamischen Welt wahrnehmen, erkennen, erfahren, erleben und im Bewusstsein verarbeiten und vorstellen. Insofern liegen Willensfreiheit, Entscheidungsfreiheit und Handlungsfreiheit schon in den Sinnesvermögen und -aktivitäten begründet, kommen aber hauptsächlich in den Vermögen des Geistes zur Abstraktion, Assoziation, Begriffsbildung und Urteilsbildung zur Geltung, weil die Transformationen der Sinnesreize und die Zuordnungen von Bedeutung nicht determiniert sind, sondern von den Situationen selber, von der individuellen Lebensgeschichte und der Lebenseinstellung als Persönlichkeit abhängig sind. Dass Lebensgeschichte und Lebenseinstellung selber wiederum rückwirkend von der Summe der Erfahrungen in der Lebenswelt und zunehmend von den mittelbaren Erfahrungen der medialen Wirklichkeit geprägt sind und fortlaufend geprägt werden, ist evident. Das dynamische Erleben der alltäglichen Lebenswelt, die operative Auseinandersetzung damit, die sprachliche Kodierung und Komprimierung und die Übernahme in die bewusste Lebenseinstellung mit Überzeugungen, Vorstellungen, Erwartungen und Zielsetzungen sind die wesentlichen Kriterien für die persönlichen Freiheitsräume.

Der griechische Philosoph Aristipp (ca. 435-355 v.Null) schrieb in phänomenologischer Voraussicht über die Subjektivität von Wahrnehmungen und Empfindungen:

Weiß und süß benennen alle gemeinsam, aber ein gemeinsames Weiß und Süß haben sie nicht. Denn jeder nennt seine eigene Empfindung wahr, ob aber diese Empfindung ihm und einer anderen Person von dem Weißen widerfährt, kann weder er selbst sagen, der die Empfindung der anderen Person nicht hat, noch die andere Person, die seine Empfindung nicht hat. “

In seiner "Phänomenologie der Wahrnehmung" hat der Husserl-Schüler Maurice Merleau-Ponty (1908-1961) aufgezeigt, dass der Mensch nicht nur aus Sinnesorganen und Verstand besteht, sondern auch einen materiellen und individuellen Körper hat, mit dem er selber ein Teil der Welt ist und an der Welt teilhat. Der Mensch steht also nicht der Welt gegenüber, als Subjekt isoliert oder entfremdet vom Objekt, sondern er bildet mit seiner Leiblichkeit eine Ganzheit von Subjekt und Objekt. Mensch und Welt sind aus derselben Materie geschaffen. Zu den physikalischen Eigenschaften des Körpers treten die biologischen Funktionen hinzu, die den lebenden Leib ausmachen. Der Leib steht somit mittels der Kinästhetik in direkter Interaktion mit der Umwelt, er wohnt in der näheren Welt, und er stößt an Widerstände und an Grenzen seiner Freiheiten und Möglichkeiten. Mittels der Leiblichkeit erlebt und erfährt der Mensch die Welt und das Selbst als subjektive Erscheinungen und Empfindungen, beginnend schon vor der Geburt. Die umfassende und ständige Wahrnehmung und Bewusstheit der eigenen körperlichen Positionen und Zustände als mentale und psychische Befindlichkeiten erzeugt die Unterscheidung von Ich und Welt und unterscheidet den Menschen von der fiktiven intelligenten Maschine.

Aus den Empfindungen und Erfahrungen der eigenen Leiblichkeit und der phänomenalen Welt ist die Sprache mit ihren Begriffen und ihrer Grammatik entstanden. Es gibt unveränderliche Formen in der Welt als persistente Gegenstände, veränderliche Formen wie Lebewesen, es gibt Eigenschaften der Gegenstände, es gibt Zustände und flüchtige Vorgänge oder Ereignisse. Dazu kommen die Deutungen und Assoziationen des denkenden Menschen mit Ursachen, Wirkungen, Beziehungen und Folgen der beobachteten Gegenstände und Vorgänge. Die Sinnesvermögen mit dem Leib bilden Schablonen, durch die der Mensch die Welt erkennt, ordnet, strukturiert. Die Welt der Phänomene ist äußerst vielgestaltig und dynamisch und unterliegt willkürlichen, kulturell und traditionell begründeten, kollektiven oder individuellen Deutungen. Die Struktur der Sprache ist an den Klassen von Phänomenen orientiert in Substantive und Verben und ermöglicht eine imaginierte Repräsentation oder Vorstellung der erlebbaren Welt. Die Sprachentstehung ist ein dialektischer Prozess, indem die kollektive Sprache das Denken des Kindes prägt und das individuelle Denken die kollektive Anwendung der Sprache prägt, während der kreative Künstler, Entdecker und Erfinder die kollektive Sprache erweitert und der Eroberer sie verändert.

Die gemeinsame Ausdrucksmöglichkeit mentaler Zustände mittels der Sprache über die Erzeugung und Wahrnehmung von Schallwellen hat Lernprozesse an die Stelle eigener, oftmals lebensbedrohender Erfahrung gesetzt und dadurch für die Menschen einen enormen Schub an kognitiven Fähigkeiten und an Überlebensfähigkeit gebracht. Das Hören von Sprache - wie auch Musik - ist folglich selbst schon ein Phänomen, das nur auf der materiellen Basis des Schalls mittels des Erkennens von Luftdruckschwingungen und der Transformation in kybernetische Signale im Nervensystem möglich ist. Die elektrischen Nervensignale des Hörens unterscheiden sich nicht von den Nervensignalen des Sehens und der übrigen Sinne, so dass sie miteinander verknüpft werden können und sogar untereinander austauschbar sind. Im komplexen Netzwerk der Nerven finden kybernetische Verschaltungen der Signale statt, mit Speicherungs-, Vergleichs-, Auswahl-, Filterungs- und Schalter- oder Entscheidungseffekten. Die wahrgenommenen Erscheinungen der Außenwelt mittels der Sinnesreize sind die Erzeugnisse der Signaltransformationen im komplexen, koevolutionär entstandenen Nervensystem.

So wie die Luft die Sprache mit Luftdruckwellen überträgt, so übertragen Moleküle und Ionen Signale innerhalb der Zellen und zwischen den Zellen des Organismus. Die Sprache ist den Luftdruckwellen als Schallwellen nicht anzusehen, würde man sie sichtbar machen. Genauso ist den Nervensignalen und allen andern biologischen Vorgängen des Nervensystems nicht anzusehen, welche Phänomene sie hervorbringen, oder zur Emergenz bringen. Dabei ist unbestreitbar, dass die gigantische Komplexität des Nervensystems an unterschiedlichen Substanzen und Verschaltungen ein riesiges Reservoir an Koeffektivitäten und möglichen Phänomenen bietet. Die von den Wahrnehmungen über die Sinnesreize erzeugten Zustände interagieren laufend mit den Zuständen des Denkens, der Emotionen und der Motorik in einem vermaschten Netzwerk und bilden so ein dynamisches, plastisches System, das sich selbst strukturell beständig verändert als Selbstorganisation gegenüber der Welt, als individuelle Ontogenese und Ratiogenese.

Alle gesunden Menschen sehen Farben, nehmen Helligkeit und Dunkelheit wahr, empfinden Wärme und Kälte, hören Töne und Geräusche, riechen Düfte, haben Gedanken und Vorstellungen und haben Gefühle wie Liebe und Hass, oder Freude und Trauer. Weder die Wissenschaft noch die Philosophie haben es bis heute geschafft, für diese Formen des Erlebens, das sogenannte phänomenale Bewusstsein, eine kausal-nomologische Erklärung zu finden. Düfte und Gerüche gibt es nicht in der Natur, sie entstehen erst im Bewusstsein, auf unerklärliche Weise. Auch die grundlegendste aller Fragen, warum das Licht leuchtet und dadurch die Welt erst sichtbar und bewusst macht, lässt sich nicht erklären. Der Physiologe Emil DuBois-Reymond hat 1872 in einem berühmten Vortrag erklärt, dass es nie möglich sein werde, eine solche Erklärung für das Bewusstsein und die Phänomene der Welt zu finden. Dabei machte er eine bemerkenswerte Unterscheidung zwischen Erklären oder Begreifen der Natur und hypothetischer Erkenntnis der Natur: ohne die Emergenz des Geistes aus der Materie funktional vollständig erklären zu können, ist es möglich zu behaupten, dass der Geist der Materie entstammt.

Ob wir die geistigen Vorgänge aus materiellen Bedingungen je begreifen werden, ist eine Frage ganz verschieden von der, ob diese Vorgänge das Erzeugnis materieller Bedingungen sind. Jene Frage kann verneint werden, ohne daß über diese etwas ausgemacht, geschweige auch sie verneint würde.“

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