Kitabı oku: «Das Reisebuch Europa»

INHALTSVERZEICHNIS
Übersichtskarte
EUROPAS MITTE
1Das Wattenmeer – Voller Leben
2Berlin – Die hippste Stadt der Welt
3HIMMLISCHES SACHSEN-ANHALT Auf den Spuren der Sternensucher
4Kölner Dom – Auf der ewigen Baustelle
5Der Harz – Rund um den Brocken
CHURFRANKEN Glücksmomente in der Genussregion
6Mittleres Rheintal – Das Zuhause der Loreley
7DIE DEUTSCHE ALPENSTRASSE Auf und Ab am Alpennordrand
8Zugspitze – Ziel für Gipfelstürmer
9Amsterdam – Charmante Metropole im Wasser
10Texel – Windzersaust und meergeküsst
11Brüssel – Zentrum der Lebensart
12Luxemburg – Malerisches Machtzentrum
GROSSHERZOGTUM LUXEMBURG Kulinarik im Land der Genießer
13Warschau – Geliebte Widersprüche
14DAS NÖRDLICHE POLEN Mit dem Wohnmobil nach Podlachien
15Krakau – Alte Seele mit jungem Flair
16Polens Ostseeküste – Feiner Sand und stolze Städte
POLEN AUS KLEINER PERSPEKTIVE Zwergenaufstand in Breslau
17Prag – Die unterschätzte Schöne
18Niedere Tatra – Archaische Landschaft
19Budapest – Die Zukunft kann kommen
20Ljubljana – Das kleine Prachtstück
21Wien – Lebensqualität und Lifestyle
22IMPERIALES NIEDERÖSTERREICH Most, Wein, Wald und Wasser
23Salzkammergut – Landschaft im Gleichklang
24DIE GLOCKNERSTRASSE Die berühmteste Alpenstraße Österreichs
25Vaduz – Genuss auf kleinem Raum
26Eiger, Mönch und Jungfrau – Top of Europe
27Rhätische Bahn – Lang ersehnte Verbindung
EUROPAS SÜDEN
28Bozen – Viel mehr als nur Südtirols Hauptstadt
29Drei Zinnen – Der berühmteste Dreizack der Alpen
30Venedig – La Serenissima
31Florenz – Im Zeichen der Kuppel
32San Marino – Europas älteste Republik
33Roms Petersdom – Mittelpunkt der Christenheit
34Siziliens Piazza Armerina – Eine der großen Sehenswürdigkeiten
35Malta – Geheimnisvolle Megalithkultur
GESCHICHTSTRÄCHTIGES MALTA Wenn es glänzt und knattert in Mdina …
36Monaco – Glanz und Gloria
37Paris – Mon Amour
38Versailles – Absolutistischer Prunk
39Champagne – Edle Tropfen
40VOM FLUSS ZUM MEER Entlang Saône und Rhône in den Süden
41Lourdes und die Pyrenäen – Auf Jakobs Spuren
42Camargue – Geschütztes Naturparadies
43Andorra – In schöner Abgeschiedenheit
44Santiago de Compostela – Am (irdischen) Ziel
45Barcelonas Sagrada Família – Gaudís Meisterstück
46Madrid – Wo Spaniens Herz schlägt
47Bergromantik auf Mallorca – Valldemossa
48Granadas Alhambra – Im Garten Allahs
49GENUSSVOLLES SPANIEN Auf der Straße der Schinken
50Menorca – Spröde Schönheit
51La Palma – Grüner Felsen im Atlantik
52Lissabons Castelo – Wo alles begann
53Grutas de Mira de Aire – Uralte Formationen
54Mosteiro de Alcobaça – Des Königs Siegpreis
55Serra da Estrela – Portugals Wander- und Skiparadies
EUROPAS WESTEN UND NORDEN
56Dartmoor – Geheimnisvolle Landschaft
GÄRTEN, PARKS, HERRENHÄUSER Anmutiges Flair in Großbritanniens Natur
57Stonehenge – Mystischer Steinkreis
58London – Die schönen Dinge des Lebens
59VON LONDON NACH YORK Durch Englands Mitte in den Norden
60Liverpool – Trendstadt am Mersey
61York – Englands ewige Stadt
62Edinburgh – Athen des Nordens
63SCHOTTISCHE HIGHLANDS Eine Winterreise in den Westen
64Callanish – Mystische Standing Stones
65AB DURCH DIE MITTE Durch Irlands »Hidden Heartlands«
66Dublin – Metropole am Liffey
BÜCHERLAND IRLAND Die irische Liebe zur Literatur
67Giant’s Causeway – Ein wahres Wunder
68CAUSEWAY COASTAL ROUTE Kleine Dörfer, einsame Glens und Castles
NORDIRLAND Auf den Spuren des heiligen Patrick
69Þingvellir-Nationalpark – Von Europa nach Amerika
70Reykjavík – Stadt zwischen Feuer und Eis
71Laki-Krater – Schiere Naturgewalt
72Askja – Königin der Lavawüste
SERMEQ KUJALLEQ Ein Gletscher der Superlative
73Kopenhagen – Geschichte trifft Moderne
74Bornholm – Die Sonneninsel
DIE MUSEUMSHALBINSEL BYGDØY Von Wikingern und Polarforschern
75Die Hurtigruten
76WANDERUNG ÜBER DEN BESSEGGEN-GRAT Grandiose Bergszenerie
DIE WIKINGER AUF DEN LOFOTEN Archäologische Schätze
77DIE INSEL MAGERØY Rundtour mit dem Auto
78Stockholm – Eine grüne Metropole auf 14 Inseln
79Gamla Uppsala & Birka – Zeitreise zu den alten Herrschern
80Die Felsritzungen von Tanum – Kunst für die Ewigkeit
81Götakanal – Romantische Landschaft, historische Dampfer
82Helsinki – Die junge finnische Hauptstadt
83Åland-Inseln – Mosaik aus Land und Wasser
84RUNDTOUR DURCH DAS SEENLAND Viel mehr als nur Wasser
85Karelien – Russisches Erbe
86Lappland – Reich der Samen und Rentiere
EUROPAS OSTEN
87Tallinn – Der Hansetradition treu
88Riga – Da ist Musik drin
89Klaipeda und die Kurische Nehrung – Eine glanzvolle Vergangenheit
90St. Petersburg – Weiße Nächte
91Moskau und der Kreml – Schaltzentrale russischer Macht
92Das Wolgadelta – Grandioses Finale eines gigantischen Stromes
93Kaukasus – Natürliche Barriere zwischen zwei Lebenswelten
94Transsilvanien – Unbekannt und berüchtigt
EUROPAS SÜDOSTEN
95Istanbuls Hagia Sophia – Ewig schön
96Nikosia – Letzte geteilte Hauptstadt der Welt
97Epirus – Griechenlands wilder Westen
98Attika – Ein göttliches Vergnügen
99Kreta – Wiege der abendländischen Kultur
100Santorin – Traum in Weiß und Blau
101Tirana – Stadt im Wandel
102Ohridsee – Mazedoniens »Meer«
103Sofia – Schmelztiegel der Kulturen
104Nessebar und die Küste – Schwarzes Meer, weißer Strand
105Montenegros Adriaküste – Ein Fjord im Mittelmeer
106Belgrad – Städtetrip für Neugierige
107Mostar und Višegrad – Zeugen der Zeit
108Istrien – Zauberhafte Küste
109Dubrovnik – Perle der dalmatinischen Küste
Straßenkarten
Register
Die Autoren
Text-/Bildnachweis
Impressum

Die Mosaiken zur Bergpredigt in der über 70 m hohen Kuppel des Berliner Doms. Vorbei an Drei- und Viertausendern mit der Schynige-Platte-Bahn im Berner Oberland. Wie im Bilderbuch: im Oldtimer durch die Toskana. Die Bar »La Torre del Oro« in Madrid bietet Tapas und Wein. Brunnenfiguren im Lustschloss Versailles. Ponys grasen auf den saftigen Weiden im südenglischen Dartmoor (v.l.n.r.).

Papageitaucher kommen von April bis November zum Brüten auf die Shetlandinseln. Nyhavn zählt zu den beliebtesten Vierteln von Kopenhagen. Smögen: Inselidylle im Skagerrak. Die Auferstehungskirche in St. Petersburg ist ein wahrer Blickfang. Die Gergetier-Dreifaltigkeitskirche steht abseits in der georgischen Berglandschaft des Qasbegi. Abendessen in Dubrovniks Altstadt (v.l.n.r.).


Der Lofotenort Reine ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen und ausgiebige Spaziergänge.

Die Burg Vianden in Luxemburg war einst Wohnsitz mächtiger Grafen.
EUROPAS MITTE
Zwischen Nordsee und Alpen

Traumhaft goldener Glanz über Polens Kreidefelsenküste bei Sonnenaufgang.

Wohnwelten an der Prinsengracht in Amsterdam.

Fischerbastei in Budapest: Sieben spitze Türme erinnern an die Stammesführer der Ungarn.
DAS WATTENMEER – VOLLER LEBEN
Ein grenzübergreifendes Naturerbe

Die Nordsee steht seit 2011 unter dem Schutz vor Eingriffen in ihre Wattlandschaft, die sich von der holländischen Küste entlang der gesamten deutschen Nordseeküste bis zum südwestlichen Dänemark erstreckt. Vor 20 Jahren noch nannte man das Wattenmeer »bedrohtes Paradies«. Und sicher vor Gefährdungen ist es auch heute nicht, aber noch nie war die öffentliche Aufmerksamkeit dafür größer.

Blick auf die Hallig Hooge.
Gleich drei Bundesländer haben sich zusammengetan und daraus entstand eine der am dichtesten besiedelten Naturerbe-Regionen Deutschlands. Schleswig-Holstein und Niedersachsen brachten die Küsten beiderseits der Elbmündung mit ihren maritimen Nationalparks zusammen. 2009 wurden diese von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt. Zwei Jahre später nahm das UNESCO-Komitee auch den Hamburgischen Nationalpark mit in die heiß begehrte Erbeliste auf.
Seine Einzigartigkeit und zugleich seine Größe faszinieren nicht nur die Nordseebesucher, sondern auch deren Anwohner immer wieder am Wattenmeer. Nimmt man den niederländischen Bereich der Nordsee, der ebenfalls zum Wattenmeer-Welterbe gehört, hinzu, so sind es rund 10 000 Quadratkilometer. Man stelle sich vor: ein Biosphärenreservat, viermal so groß wie der Staat Luxemburg, also von einem riesigen Flächenausmaß! Es befindet sich von Ebbe zu Flut und von Flut zu Ebbe in unaufhörlicher Bewegung. Hier wird Naturschutz im Großformat betrieben.

Selten scheu, eher neugierig sind die Seehunde der Nordsee.
Die bewohnten Inseln und Halligen gehören zwar nicht zu diesem Welterbe-Ökosystem, wohl aber die Randgebiete zwischen den Deichen und dem Vorland. Auf den Salzwiesen weiden die Schafe zu Tausenden – zumindest so lange, bis wieder ein Sturm für die Überflutung dieser Grenzareale sorgt. Auch hier gedeiht eine artenreiche Pflanzenwelt.
Eines der weltweit größten Feuchtgebiete
Wer das Wattenmeer zum ersten Mal besucht, glaubt vielleicht, die Verwaltungen der drei Nationalparks würden dreist übertreiben mit ihrer amtlichen Einstufung des Wattenmeeres als einer der dichtest besiedelten Naturerbe-Regionen Deutschlands. Tatsächlich sind die Vogelscharen zahlreicher als an anderen Küsten. Allerdings handelt es sich »lediglich« um Millionen von Zugvögeln, die auf der Durchreise von Kanada oder Sibirien nach Südafrika sind.
Aber nicht allein die unzähligen Zugvögel, die alljährlich hier ihre Brutstätte und Überwinterungsmöglichkeit finden, bevölkern das Wattenmeer, daneben haben noch Milliarden von kleinen und kleinsten Lebewesen im Wattenmeer ihren Lebensraum: beispielsweise winzige Krebse, Schnecken, Faden- und Strudelwürmer, auch vielerlei Muschelarten, insgesamt rund 10 000. Biologen haben nachgeforscht, gezählt und gerechnet. Sie sind für einen einzigen Quadratmeter auf 200 000 und mehr Lebewesen gekommen. Das ist ein reich gedeckter Tisch für die Fische der Nordsee, für die Schollen, Flundern, Seezungen und Aale, die mit jeder Flut ins Watt schwimmen, aber auch für zahlreiche dauerhaft hier lebende Watvögel.
Grandioses Erlebnis
Bei Wattexkursionen kann man jedoch oft auch größere Tiere sehen, Säugetiere wie Seehunde, Kegelrobben oder die Gewöhnlichen Schweinswale. Zu diesen nur knapp über einen Meter großen Kleinwalen gehören auch die Delfine.
Wer nicht immer nur zu Fuß während der Ebbezeit durch Sand und Schlick die sich immerfort wandelnde Landschaft erkunden möchte, kann dies auch heute noch mit der Pferdekutsche tun.
Blickt man einmal nicht auf die endlos mäandernden Wasserläufe, so erlebt man ringsum und über sich eine grandiose Weite und vielfältig strukturierte Wolken, Himmelshöhe und Lichtherrlichkeit.
Das Wort Watt ist übrigens mit dem althochdeutschen watan (wandern, waten) verwandt.
TOP
ERLEBNISSE
WATTENMEER BESUCHERZENTRUM
Das Wattenmeer Besucherzentrum in Cuxhaven an der Elbemündung lässt seine Gäste aktiv werden, macht sie mit Meeresringelwürmern (Wattwürmern) bekannt und gibt beim Mikroskopieren Einblicke in die Lebensgewohnheiten von Muscheln. Interessant sind außerdem das Wattbodenmodell mit seinen typischen Bewohnern und das flutbare Tidemodell, das den Gezeitenwechsel aufzeigt. Wer fasziniert ist vom Wattenmeer, kann hier ein Praktikum oder ein Ökologisches Jahr absolvieren, sich auf das Universitätsstudium vorbereiten oder Wattführer werden. www.cuxhaven.de
SCHUTZSTATION WATTENMEER
Sie wollen raus in die Natur oder einen Vortrag mit eindrucksvollen Bildern sehen? Von Vogelexkursionen über Wattwanderungen bis zu Vorträgen über die Säuger im Wattenmeer, die Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer hat alles im Programm. Informieren Sie sich hier über das Angebot des gemeinnützigen Naturschutzvereins: www.schutzstation-wattenmeer.de/veranstaltungen/
WEITERE INFORMATIONEN
www.nationalparkwattenmeer.de

Wattwanderungen sicherheitshalber nur mit Führung unternehmen.
BERLIN – DIE HIPPSTE STADT DER WELT
Weltbühne Berlin

Berlin ist »in«. Die Deutsche Hauptstadt, früher als Machtzentrale des Deutschen Reiches und als geteilte Stadt mit gemischten Gefühlen betrachtet, gehört heute weltweit zu den Städten mit dem höchsten Sympathiefaktor. Dynamische Entwicklung, spannende Architektur, ein reiches kulturelles Erbe, dazu eine avantgardistische Kulturszene und Spitzengastronomie: Berlin ist aufregend.

Berlin leuchtet: Beim »Festival of Lights« werden jedes Jahr Gebäude der Hauptstadt von Lichtkünstlern illuminiert. Im Herbst 2020 erstrahlte die Staatsoper Unter den Linden am Bebelplatz im neuen Licht.
Am Beginn standen zwei Dörfer namens Cölln und Berlin, die sich 1307 ein gemeinsames Rathaus teilten. Gut 700 Jahre später ist daraus eine Metropole von rund 3,4 Millionen Einwohnern in den Stadtgrenzen und sechs Millionen Menschen in der Metropolregion geworden. Eine Weltstadt mit repräsentativer und experimenteller Architektur, in der es altägyptische neben Avantgardekunst gibt, die Berliner Philharmoniker neben experimenteller Musik, internationale Festspiele neben Kiezevents. Eine europäische Großstadt, in der vor 75 Jahren antisemitischer Terror herrschte und heute die Weltoffenheit regiert, mit einer Gedenkstätte Berliner Mauer und einer Graffiti-Galerie auf dem längsten noch erhaltenen Stück der Mauer in der Mühlenstraße. Nach dem 1999 umgesetzten Beschluss des Bundestages, Regierung und Parlament nach Berlin zu verlegen, hat sich Berlin von einer »Frontstadt« an der Schnittstelle zweier konträrer Gesellschaftssysteme zu einer aufregenden Mischung von Kulturen und Ansichten entwickelt. Eine Metropole, die nicht ohne Probleme, aber immer sehr produktiv ist.
Die neue Mitte
Nach der Vereinigung von Ost- und West-Berlin hat die Stadt ihre alte Mitte neu gefunden. Das Regierungsviertel mit Ministerien, dem Kanzleramt, dem Bundestag im früheren Reichstagsgebäude und vielen Botschaften gruppiert sich um das Brandenburger Tor. Gleich dahinter erinnert das Holocaust-Mahnmal, ein begehbares Stelenfeld von Peter Eisenman (geb. 1932), an die furchtbaren Verbrechen des Nazi-Staates. Das Brandenburger Tor hat preußische Militärparaden, Aufmärsche von SA-Kolonnen und den Bombenregen des Zweiten Weltkrieges erlebt. In der Nachkriegszeit markierte es die Grenze zwischen den Weltanschauungen. Heute können Spaziergänger wieder durch das Brandenburger Tor flanieren.
Vor dem Reichstagsgebäude auf der anderen Seite des Tors wartet meist eine lange Schlange von Besuchern, die den Sitz des Deutschen Bundestages mit seiner transparenten und begehbaren Kuppel besichtigen wollen. Das monumentale moderne Kanzleramt, auch als »Angies Waschmaschine« bespöttelt, liegt in Sichtweite des Parlaments am Spreebogenpark. Nördlich davon spiegelt sich die Sonne in den Glasfronten des 2006 eröffneten Hauptbahnhofs.
Viele halten den Gendarmenmarkt im Stadtviertel Friedrichstadt für einen der schönsten Plätze Berlins. Ihn rahmen das Konzerthaus, ein Schinkelbau und die beiden nahezu identischen Kirchen des Deutschen und des Französischen Doms ein, die 1785 noch ohne die hohen Kuppeltürme eröffnet wurden.
Die Friedrichstraße macht mit der Galerie Lafayette ihrem einstigen Ruf als elegantluxuriöse Einkaufsmeile wieder alle Ehre. Der S-Bahnhof Friedrichstraße war zu DDR-Zeiten Übergangsstelle zum Westen. Heute hat die Gegend alles Düstere verloren: Im Süden erinnert der Checkpoint Charlie, ein alliierter Grenzübertritt, an die Zeit, als eine Mauer die Stadt teilte. Das nicht weit entfernt gelegene Jüdische Museum dokumentiert in einem beeindruckenden und bedrückenden Bau von Daniel Libeskind (geb. 1946) die Geschichte des Judentums in Deutschland, seinen kulturellen Reichtum und die fast komplette Vernichtung jüdischer Mitbürger. Der Prachtboulevard Unter den Linden zieht sich vom Brandenburger Tor bis zur Spreeinsel, flankiert von der Staatsbibliothek, der Humboldt-Universität und dem Reiterdenkmal Friedrichs II., vom Bebelplatz, von Deutscher Staatsoper und Kronprinzenpalais sowie der Neuen Wache, die seit 1990 als Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft dient. Das zum Deutschen Historischen Museum umgestaltete Zeughaus schließt sich an, es ist das älteste erhaltene Gebäude Unter den Linden.
Die Schatzinsel
Die Museumsinsel, seit 1999 UNESCO-Weltkulturerbe, birgt kulturelle Schätze aus mehreren Jahrtausenden, die im Pergamonmuseum, im Bodemuseum, in der James-Simon-Galerie, in der Alten Nationalgalerie, im Neuen und im Alten Museum ausgestellt sind. Der grandiose Figurenfries des Pergamonaltars und die Büste der ägyptischen Königin Nofretete im Neuen Museum sind die unbestrittenen Besuchermagneten.

Das Brandenburger Tor ist das bekannteste Wahrzeichen Berlins.

Ein Stelenfeld gedenkt der Millionen Opfer des Holocaust.
Das bunte Mauerstück »East Side Gallery« gehört zu Berlins neuen Ikonen.

Abendszenerie im Sony-Center beim Potsdamer Platz.
Noch auf der Spreeinsel entfaltet der 1894 errichtete Berliner Dom seine repräsentative Pracht. Auf dem Schlossplatz gleich jenseits der Spreebrücke standen bis zur Sprengung 1950 die Überreste des Stadtschlosses der Hohenzollern. In den 1970er-Jahren ließ die DDR-Führung hier den »Palast der Republik« errichten, nun soll hier ein Humboldt-Forum in der Optik des früheren Schlosses entstehen.
Das Nikolaiviertel mit der gleichnamigen Kirche gehört zum Ältesten, was Berlin zu bieten hat. Der wegen seiner Backsteinfassade Rotes Rathaus genannte Sitz des Senats und des Regierenden Bürgermeisters von Berlin ist seit rund 150 Jahren die Zentrale der Berliner Stadtverwaltung. Während der Teilung der Stadt tagte der Westberliner Senat im Rathaus von Schöneberg.
Der Grundstein für die frei stehende Marienkirche vis-à-vis wurde schon 1270 gelegt. Gleich hinter der Kirche ragt der 1969 eingeweihte, 368 Meter hohe Fernsehturm in den Himmel über Berlin.
Die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz war schon zu DDR-Zeiten ein beliebter Treffpunkt. Hier endet die 125 Meter breite Karl-Marx-Allee, seinerzeit beliebt für Militär- und andere Paraden.
Bewegte Vergangenheit und glitzernde Gegenwart
Vom Hamburger Bahnhof schnauften Mitte des 19. Jahrhunderts die Züge in die Hansestadt. Heute sind in dem zu einem Museum für Gegenwart umgestalteten Bau unter anderem Werke von Joseph Beuys, Andy Warhol und Robert Rauschenberg, aber auch Filme und Videokunst zu sehen. Zum Brechthaus in der Chausseestraße pilgern nach wie vor Theaterfreunde aus vielen Ländern. Hier hatten Helene Weigel und Bertolt Brecht ihre letzte gemeinsame Wohnung. Das Literaturforum im Haus organisiert Veranstaltungen zu literaturpolitischen Themen. Gleich nebenan, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, haben die beiden ihre letzte Ruhestätte gefunden, neben vielen anderen Literaten, Theaterleuten und Geistesgrößen.
In der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße erinnern ein erhaltener Mauerabschnitt, ein Aussichtsturm und das Dokumentationszentrum an die stark befestigte Grenze, die sich seit dem 13. August 1961 quer durch Berlin zog. An der geteilten Bernauer Straße scheiterten zahlreiche Fluchtversuche. Die Hackeschen Höfe, ein Ensemble von acht Hinterhöfen, teils mit Art-déco-Fassaden versehen, stehen bereits seit 1972 unter Denkmalschutz. Nach der Wende restauriert, haben sich die immer noch bewohnten Höfe dank der Restaurants und Cafés, der originellen Geschäfte und einer Kleinkunstbühne zu einem wahren Anziehungspunkt entwickelt.

Der Pergamonaltar gehört zu den berühmtesten Kunstschätzen Berlins.
Platz im Wandel
Das einst pulsierende Leben am Potsdamer Platz war mit der Teilung Berlins komplett zum Erliegen gekommen, die Grenze verlief quer durch das neue Niemandsland. Inzwischen setzen das Sony-Center und sein spektakuläres Glaszelt, die Shopping-Quartiere, Musical-Theater und das Museum für Film und Fernsehen neue architektonische Akzente.
Das Kulturforum gleich hinter der außergewöhnlichen Konzerthalle der Philharmonie gehört zu den landesweit wichtigsten Orten für Liebhaber bildender Kunst. Die benachbarte, von Mies van der Rohe (1886–1969) entworfene Neue Nationalgalerie zeigt Werke des 20. Jahrhunderts.
Im berüchtigten Bendlerblock dokumentiert die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, wie sich Menschen gegen die Nazi-Diktatur gewehrt haben. Ein Ehrenmal erinnert im Innenhof an die 1944 dort hingerichteten Wehrmachtsoffiziere um den Widerstandskämpfer Oberst Graf Stauffenberg.
Der Tiergarten, ein früheres Jagdrevier der preußischen Kurfürsten, ist schon lange öffentliche Grünanlage. Sie wird durchzogen von der breiten Straße des 17. Juni, die im Kreisverkehr »Großer Stern« um die Siegessäule herumführt. Von der Aussichtsplattform unterhalb der »Jold-Else«, wie die »Victoria« im Volksmund heißt, überblickt man das riesige grüne Areal des Tiergartens bis zum Brandenburger Tor.
Der Kurfürstendamm mit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und dem Europa-Center war eines der wichtigen Zentren West-Berlins bis zum Mauerfall. Noch immer lädt der Ku-Damm zum Flanieren ein.
Im Nordwesten des Stadtteils Charlottenburg zeigt sich das gleichnamige Schloss als glanzvolles Barockensemble.
Der Kunstsammler Heinz Berggruen (1914–2007), der wegen seiner jüdischen Abstammung Deutschland 1936 verlassen musste, kehrte 60 Jahre später in seine alte Heimat zurück. Seine ungewöhnlich reiche Sammlung von 200 Werken überragender Künstler konnte Berlin zu günstigen Konditionen erwerben. Seitdem sind sie im Museum Berggruen der Nationalgalerie ausgestellt.
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ERLEBNIS
BESICHTIGUNG DES REICHSTAGSGEBÄUDES
Nachdem 1871 das Deutsche Kaiserreich gegründet worden war, sollte auch das Parlament in ein Reichstagsgebäude mit Tagungssaal. In dem zwischen 1884 und 1894 nach Plänen von Paul Wallot (1841–1912) errichteten Kuppelbau tagten die Mitglieder des Reichstags bis 1933. Der Brandstiftung in der Nacht zum 28. Februar 1933 fielen Plenarsaal und Kuppel zum Opfer. Die Nazis nahmen den Reichstagsbrand zum Anlass, gegen innenpolitische Gegner massiv vorzugehen. Heute erinnern 96 gusseiserne Platten an die ermordeten Reichstagsabgeordneten. Erst nach der Deutschen Einheit und dem Beschluss des Bundestages 1990, mit Parlament und Regierung nach Berlin umzuziehen, wurde das Reichstagsgebäude wieder zum Parlamentssitz umgebaut. Nach langen Debatten erhielt er neun Jahre später nach den Plänen des britischen Architekten Norman Foster sein heutiges Gesicht. Mit einer begehbaren gläsernen Kuppel über dem Plenarsaal hat sich der Reichstag zu einem Symbol für das vereinte Deutschland entwickelt.
WEITERE INFORMATIONEN
www.visitberlin.de, www.berlin.de, www.bundestag.de/besuche

Ein Besuch der gläsernen Reichstagskuppel darf bei einer Berlinreise nicht fehlen.
TRAUMSTRASSEN
HIMMLISCHES SACHSEN-ANHALT
Auf den Spuren der Sternensucher

Auch wenn wir heute mit unseren Teleskopen tiefer ins Weltall schauen können als jemals zuvor, erfunden haben wir die Sternenkunde und das Wissen um astronomische Erscheinungen nicht. Bereits vor Jahrtausenden haben sich unsere Vorfahren in Sachsen-Anhalt mit den Himmelskörpern beschäftigt.

Die Himmelsscheibe von Nebra ist seit 2013 UNESCO-Weltdokumentenerbe.
In Sachsen-Anhalt kann man an zahlreichen Plätzen einer Leidenschaft folgen, die sowohl mit dem Himmel über uns als auch mit ganz irdischen Dingen zu tun hat: Sternenhimmel beobachten und beeindruckende Ausgrabungsstätten besuchen, die zu einer spannenden Zeitreise in die prähistorische Vergangenheit Mitteleuropas führen. Und erstaunt dabei feststellen, dass bereits unsere Vorfahren außergewöhnliche Sternengucker waren. Denn nicht nur im berühmten Stonehenge, sondern auch in der Region Saale-Unstrut und an weiteren Orten in Sachsen-Anhalt sind die Spuren frühzeitlicher Himmelsbeobachtungen bis heute sichtbar. In der vom Hochmittelalter geprägten Wein- und Kulturlandschaft Saale-Unstrut entdeckten Archäologen in den vergangenen drei Jahrzehnten einzigartige Stätten. All diese Fundorte sind Teil des Netzwerks »Himmelswege«, das fünf archäologisch herausragende Orte miteinander verbindet. Eine Themenroute, die man in einer Woche abfahren kann, wobei man Entschleunigung abseits der touristischen Rennstrecken lernt: Unterwegs lohnt sich der Blick nach oben zum Himmel am Abend genauso wie der Blick tagsüber nach unten zur Erde. Beeindruckende Erscheinungen einer vergangenen Zeit tauchen auf, und am Firmament ist ein faszinierendes Schauspiel mit Sternen, Kometen und Galaxien, in denen unsere Zukunft liegen könnte, zu bestaunen.
Sonnenobservatorium und Himmelsscheibe
Nur rund 35 Kilometer vom Fundort der weltberühmten Himmelsscheibe von Nebra entfernt befindet sich einer der frühesten archäologischen Belege für systematische Himmelsbeobachtungen: das Sonnenobservatorium Goseck. Und, man glaubt es kaum: Diese vor 7000 Jahren entstandene Kreisgrabenanlage ist rund 2000 Jahre älter als der Steinkreis von Stonehenge. 1991 wurde sie bei einem Erkundungsflug entdeckt, es begannen die ersten Ausgrabungen der Anlage, und bereits 2005 war sie vollständig rekonstruiert. Der perfekte Sternensucher-Ort ist die Arche Nebra mit einem großen Besucherzentrum am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra. Es erklärt anschaulich und mit einer modernen, interaktiven Präsentation, welches Wissen auf der 3600 Jahre alten kreisförmigen Bronzeplatte verschlüsselt ist. Sie ist die älteste bislang bekannte konkrete Darstellung kosmischer Phänomene und seit 2013 auch UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Kulturgeschichte seit der Steinzeit im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle.
Halle und Pömmelte
In Halle sollte man sich das Landesmuseum für Vorgeschichte ansehen, denn hier gibt es die Original-Himmelsscheibe von Nebra zu sehen. Der Besuch des Museums lohnt sich auf jeden Fall, denn die Sammlungen zur Vor- und Frühgeschichte sind von solch hoher Qualität, dass nicht nur Kinder und Jugendliche ins Staunen geraten. Und in der weiten Elblandschaft liegt das Ringheiligtum Pömmelte da wie ein Wächter aus vergangener Zeit. Südlich von Magdeburg fanden Archäologen die Überreste eines mehr als 4000 Jahre alten Kultortes: die Kreisgrabenanlage von Pömmelte, die am originalen Fundort rekonstruiert wurde.

Die Kreisgrabenanlage von Pömmelte-Zackmünde besteht aus sieben Ringen.
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ERLEBNISSE
NAUMBURGER ZUFRIEDENHEIT
Im Steinweg 26 in Naumburg befindet sich ein Gasthaus, das einen Begriff nicht nur im Namen trägt, sondern zur Philosophie erhoben hat. Hier bemüht man sich, die Gäste nicht nur zufriedenzustellen, sondern ihnen jeden Wunsch von den Augen abzulesen. www.gasthof-zufriedenheit.de
GEISELTALSEE
In der Nähe der Dolmengöttin von Langeneichstädt lohnt sich ein Abstecher zum Geiseltalsee. Die Geiseltalsee-Camping-Anlage in Mücheln bietet verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten: Zelten, Wohnwagen, Wohnmobil, Camping-Fass oder Family Lodge. www.geiseltalsee.de
DOLMENGÖTTIN
In Langeneichstädt wurde 1987 bei Feldarbeiten ein Steinkammergrab entdeckt, das rund 5500 Jahre alt ist. Dabei kam auch eine Menhirstatue mit der Darstellung einer Dolmengöttin zum Vorschein. www.himmelswege.de
HALLES GIEBICHENSTEIN
Auch in Halle kommen Sternensucher auf ihre Kosten. Jeweils Anfang August rund um die Zeit der Perseiden zieht die Oberburg Giebichenstein mit »Picknick unterm Sternenhimmel« samt Sternschnuppen-Garantie und Sommerkino die Sternensucher an. www.kulturfalter.de
MAGDEBURGS MUSEUMSSCHATZ
In Magdeburg gibt es mit dem Kulturhistorischen Museum Magdeburg und dem Museum für Naturkunde zwei begeisternde Museen, die eine universelle Sicht auf die Geschichte von Natur und Kultur bieten und damit ganz im Zeitgeist liegen, denn die moderne Wissenschaft nennt den Blick auf die Globalgeschichte von der Entstehung der Welt bis heute »Big History«. www.magdeburg-tourist.de
KÖLNER DOM – AUF DER EWIGEN BAUSTELLE
Wahrzeichen frommen Deutschlands

Die Vollendung des Doms lag noch in ferner Zukunft, als der weit gereiste Georg Forster, eher ein Mann der kritischen Analyse als ein Romantiker, bei seinem Köln-Besuch im Jahr 1790 notierte: »Wir gingen in den Dom und blieben darin, bis wir im tiefen Dunkel nichts mehr unterscheiden konnten. So oft ich Köln besuche, geh ich immer wieder in diesen herrlichen Tempel, um die Schauer des Erhabenen zu fühlen … Die Pracht des himmelan sich wölbenden Chors hat eine majestätische Einfalt, die alle Vorstellung übertrifft. In ungeheurer Länge stehen die schlanken Gruppen der Säulen da, wie die Bäume eines uralten Forstes …«

Die Arbeit der Steinmetze überzieht den gesamten Dom, von den Pfeilern zu den Fenstern, von den Fassaden bis zu den Türmen. Das Westportal mit seiner Fülle von Figuren.
Heute, gut zwei Jahrhunderte später, sind es jährlich rund sechs Millionen Menschen, die in den Dom eintreten. Wer zu den Fundamenten des Doms hinabsteigt, begibt sich in die Tiefe der Zeiten, findet dort in Panzerglasvitrinen nicht nur Teile des kostbaren Domschatzes, sondern auch freigelegtes römisches Mauerwerk und Reste des ehemaligen karolingischen Doms. Auch der war nicht der erste Kirchenbau auf Kölns hohem Rheinufer. Die Kölner hatten Christen schon 1000 Jahre in ihrer Stadt, als sie um das Jahr 1220 mit der Planung eines Neubaus ihres Domes anfingen. Der Handelsplatz Köln war damals die größte Stadt der Deutschen mit etwa 50 000 Einwohnern.
Die Dom-Baugeschichte liest sich als ein Wechselbad von großem, auch großspurigem Vorsatz und widriger Finanzlage, von hartnäckigem Beharren und heftiger Blockierung. 1248 wird der Grundstein gelegt, 1322 der Chor geweiht. 1560 ist die riesige Westfassade zum Domplatz noch immer fern der Vollendung, aber alle fünf Schiffe des Langhauses sind bis zu der vergleichsweise bescheidenen Höhe von 13,50 Meter überdacht und damit auch der gesamte Fußboden. Das war auch gut so. Denn der Dombau, der die großen Vorbilder der französischen Gotik übertreffen sollte – Chartres, Reims und Amiens –, stockte nun, für Jahrhunderte stand eine Bauruine am Rhein.

Der Dom bei Nacht.

Der gotische Klaren-Altar.

Der prunkvolle Schrein der Heiligen Drei Könige, der ihre in Mailand erbeuteten Gebeine bewahrt.
Die Bauruine wird zum höchsten Dom
Vielerlei kam zusammen, um die Baustelle Dom im 19. Jahrhundert neu zu beleben. Vorrangig die Zuwendung zur Geschichte und die steigende Bewunderung der Romantiker für die Welt des Mittelalters. Nach den Napoleonischen Kriegen wuchs auch die Sehnsucht nach einem nationalen Symbol, gerade weil der Weg der Deutschen zu nationaler Einigung noch sehr lang schien. Die Rheinländer Joseph Görres und Sulpiz Boisserée, dazu der Preuße Karl Friedrich Schinkel waren Wortführer. Ein glücklicher Fund half. Auf einem Darmstädter Dachboden wurde der mittelalterliche Aufriss der Domfassade entdeckt. Ein Mitarbeiter Schinkels, Ernst Friedrich Zwirner, avancierte 1833 zum Dombaumeister. Geld kam durch Spenden und Lotterien zusammen, zwei Drittel stammten vom 1841 gegründeten Zentraldombauverein. Von 1852 an wurde wieder gebaut, schon 1863 war der gesamte Innenraum zugänglich, 1880 wurde die Kölner Kathedrale mit der letzten steinernen Kreuzblume auf dem Südturm vollendet.
Im Zweiten Weltkrieg verschonte die alliierte Luftwaffe den Dom nicht, doch die berühmten Türme blieben am Rande der zu 90 Prozent zerstörten Altstadt stehen. Auch nach der Schadensbehebung und Restaurierung endete die Arbeit der Dombauhütte nicht. Nun war es die industrielle Luftverschmutzung, die den Stein angriff und bis heute schädigt. Den Dom ohne Gerüste zu sehen ist fast unmöglich. Doch im Sommer 2020 war er tatsächlich für kurze Zeit gerüstfrei – und die gotische Pracht der Türme bot ungestört den immer wieder staunenswerten Anblick kraftvoller Monumentalität und zugleich zarter, filigraner Gliederung!
Im Inneren zieht die Halle des Mittelschiffs den Blick in die Tiefe des Raums und in die Höhe zu den beeindruckenden Kreuzgewölben. Die Mittelschiff-Höhe von 43 Metern lässt den mächtigen Raum fast schmal erscheinen. Im Querhaus ist der Dom 86 Meter breit, die Länge des Doms beträgt 144 Meter. Von den farbigen Fenstern befinden sich die ältesten im Chorumgang, wie die beiden Bibelfenster (um 1260 und um 1275), sowie im Obergaden des Chors wie die Königsfenster (1310). Die Fenster im nördlichen Seitenschiff mit biblischen Szenen und den Kölner Ritterheiligen stammen aus dem frühen 16. Jahrhundert. Gegenüber im südlichen Seitenschiff haben die 1842 von König Ludwig I. gestifteten »Bayernfenster« überdauert.

Die filigrane Innenarchitektur des Doms lässt den mächtigen Raum fast schmal erscheinen.
In der Fülle der Bilder, Skulpturen und Mosaiken ist das Gerokreuz aus dem 10. Jahrhundert (gestiftet von Erzbischof Gero) eines der bedeutendsten Kunstwerke. Das Monumentalkruzifix, das den soeben verstorbenen Christus zeigt, ist auch eines der als wunderkräftig angesehenen Heiligtümer des Domes, ebenso wie das Gnadenbild »Mailänder Madonna« und die Reliquien der Heiligen Drei Könige, die der Erzbischof und Reichskanzler Rainald von Dassel 1164 aus Mailand nach Köln entführte. Für diese Reliquien schuf Nikolaus von Verdun um 1190 bis 1225 den goldenen Dreikönigs-Schrein, der beim Hochaltar im Zentrum des Chors steht.
Damit es nicht zu laut wird im Dom
Schauend und bewundernd kann man Stunden im Dom und in der Schatzkammer verbringen. Tatsächlich reichen den meisten der eingangs erwähnten jährlich sechs Millionen Besucher fünf bis zehn Minuten – ob sie nun Andacht halten oder den authentischen Ort erleben wollen. Damit es keinesfalls zu laut wird im Dom und Besinnung und Gebet möglich bleiben, gilt seit Längerem schon die Regel, dass nicht mehr als zehn Führungen zu gleicher Zeit stattfinden und nicht mehr als 25 Besucher an einer Führung teilnehmen.
Immer weniger Christen kommen heute zu den Gottesdiensten – doch immer mehr Menschen besuchen alte Kirchen und Dome. Umso intensiver sucht das Metropolitankapitel zum Beispiel die rechte Art, Dom-Führungen zu veranstalten – nämlich den sehr unterschiedlichen Gruppen einen Ort des Glaubens zu zeigen, der mehr ist als ein Museum.
Eine Bedrohung für das Ansehen des Doms – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn! – konnte 2006 zurückgewiesen werden. Unversehens war Köln auf die Rote Liste des Weltkulturerbes geraten. Ohne vorherige Abstimmung mit dem UNESCO-Komitee hatte die Stadtverwaltung Investoren für den Bau von fünf Hochhäusern in Deutz auf dem linken Rheinufer, gerade gegenüber dem Dom, grünes Licht gegeben. Die klassische Stadtsilhouette drohte auf lange Zeit verhunzt zu werden. Das erste Turmhochhaus stand schon, aber fünf Konkurrenten dieser Art wären für das Stadtbild zu viel. Am Rhein begann man zurückzurudern. Überraschend zeigten sich die Investoren niedrigeren Baukörpern nicht mehr abgeneigt. Kölns Dom konnte von der Roten Liste gestrichen werden.
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ERLEBNISSE
ECHT KÖLSCH
Vielleicht das beste Brauhaus in Köln: Das Kölsch ist unglaublich gut und das Essen genauso. Von Metthappen bis Halve Hahn ist alles hausgemacht im Brauhaus Sünner, der ältesten Kölschbrauerei der Welt. Neben dem Brauhaus gibt es auch einen Biergarten und man kann die Brauerei besichtigen. Das historische Kellergewölbe in Köln-Kalk hat einen einzigartigen Charme: Früher als Eiskeller für das frisch gebraute Sünner Kölsch genutzt, verspricht die Räumlichkeit auf rund 1000 Quadratmetern unter dem Gelände der Sünner-Brauerei ein Gastronomieerlebnis der Extraklasse. www.suenner-keller.de
BLICK AUF DIE DOMSTADT
Vom Südturm des Kölner Doms genießt man eine wunderbare Aussicht aus ungefähr 97 Metern Höhe. Doch um mit einem Rundblick auf die Kölner Innenstadt und den Rhein belohnt zu werden, müssen erst 533 Treppenstufen überwunden werden, denn einen Aufzug gibt es nicht. Das separate Zugangsbauwerk für die Turmbesteigung führt Besucher durch die mächtigen Fundamente des Doms in das Innere des Turms. Dort befinden sich die Kasse und der Beginn der Turmbesteigung. www.koelntourismus.de

Die Sünner-Brauerei überzeugt mit Speis und Trank.
DER HARZ – RUND UM DEN BROCKEN
Sagenhaftes Naturparadies

Der bewaldete Buckel des Mittelgebirges liegt fast genau in der Mitte Deutschlands. Dort erhebt sich der 1141 Meter hohe Brocken über einer abwechslungsreichen Landschaft. Neben seinem höchsten Berg haben die vielen alten Fachwerkstädtchen, die Burgen und Schlösser den Harz mit seiner geheimnisvollen Sagenwelt zu einer beliebten Urlaubsregion gemacht.

Vom Hexentanzplatz blickt man über das malerische Bodetal zur Rosstrappe.
Mehrere Bundesländer teilen sich die Naturschönheit des Harzes: Der Westharz gehört zu Niedersachsen, der Ostharz zu Sachsen-Anhalt, im Süden reklamiert Thüringen einen kleinen Teil für sich. Mehrere Gipfel des nördlichsten deutschen Mittelgebirges, wie der Brocken (1141 Meter), die Heinrichshöhe, der Königsberg oder der Kleine Brocken überragen die 1000-Meter-Marke, eine ganze Reihe weiterer, wie der Wurmberg, der Renneckenberg oder der Bruchberg bleiben knapp darunter.
In dem 2006 gegründeten und fast 250 Quadratkilometer großen Nationalpark Harz ist die Natur vor menschlichen Eingriffen weitgehend geschützt. Im ersten länderübergreifenden Nationalpark in Deutschland sind viele inzwischen seltene Tiere wie der Uhu, das Europäische Mufflon, der Auerhahn oder der Luchs wieder heimisch geworden.
Die Harzer Schmalspurbahnen, die auf einer Spurweite von nur 1000 Millimetern fahren, verbinden Wernigerode, Nordhausen und Quedlinburg mit einem 140 Kilometer langen Streckennetz. Wer den Brocken nicht emporwandern will, kann sich von den schnaufenden Lokomotiven der Brockenbahn auf den Gipfel befördern lassen. Harzreisende von heute finden inspirierende Vorbilder. Goethe hat sich auf seinen drei Harzreisen zwischen 1777 und 1784 von der Natur und der Sagenwelt beflügeln lassen. Den Schauplatz der Walpurgisnacht im Faust verlegte der Dichterfürst auf den Brocken im Harz, den er selbst mehrfach bestieg. Auch heute feiern Tausende moderne Hexen und Teufel aus ganz Deutschland in der letzten Aprilnacht das Walpurgisfest auf dem Hexentanzplatz bei Thale oder anderen Orten im Harz. Doch eigentlich war der Dichter als Naturwissenschaftler und Ingenieur unterwegs und notierte sich viele Einzelheiten zum Bergbau und zur Geologie.

Von der Rabenklippe bei Bad Harzburg sieht man in der Ferne den Brocken.

Mit der Rappbode-Talsperre wird das Wasser reguliert und Strom erzeugt.
Im Abendlicht sieht die Felsrippe der Teufelsmauer besonders unheimlich aus.

Schon Heinrich Heine ist durchs Ilsetal in Richtung Brocken gewandert.
Auch Heinrich Heine hat dem Harz ein literarisches Denkmal gesetzt. Seine 1826 erschienene Harzreise beschreibt Landschaft, Begegnungen, Eindrücke und Gedankenspiele einer vierwöchigen Wanderexkursion von Göttingen bis nach Ilsenburg. So gibt es nicht nur einen Goetheweg auf den höchsten Gipfel des Harzes, sondern auch einen Heinrich-Heine-Weg, der dem plätschernden Bachlauf im Ilsetal folgt. Theodor Fontane lässt einen ganzen Roman rings um Thale spielen: Cecile heißt die düstere Ehegeschichte.
Harz-Aktivitäten
Wer gern in freier Natur wandert, ist im Harz bestens aufgehoben. Der 94 Kilometer lange Hexenstieg nutzt alte Wegstrecken, die früher für den Erztransport dienten. In fünf Etappen lässt sich der Harz auf diesem Panoramapfad vom westlichen Osterode bis zum östlichen Thale durchmessen. Von dort ist es nicht mehr weit zu zwei der schönsten Wanderparcours, die die mäandernde Selke und die kurvenreiche Bode in ihren Tälern begleiten. Insgesamt führen 8000 Kilometer markierte Wanderwege durch die Laub- und Nadelwälder des Mittelgebirges.
Auch bei Mountainbikern dürfte keine Langeweile aufkommen. Das Harzer Wegenetz umfasst rund 2000 Kilometer, einige Strecken im Nationalpark sind nur geübten Bikern vorbehalten.
In den Wintermonaten verwandeln sich viele Wanderrouten in Loipen, auf denen Langläufer durch eine verschneite Märchenlandschaft gleiten. Der Wurmberg in Braunlage mit seiner Gondelbahn und zwölf Pistenkilometern stellt das größte der recht überschaubaren Areale für alpine Skifahrer dar. Familien mit Kindern schätzen die zahlreichen Rodelstrecken: Ein Lift in Torfhaus, dem höchstgelegenen Ort Niedersachsens, bringt Schlitten und Rodler zum Start einer 300 Meter langen Bahn, die nachts von Flutlicht erhellt wird.
Heute zieht sich ein »Grünes Band« durch den Harz. Es markiert die früher stark befestigte Grenze zwischen der alten Bundesrepublik und der DDR. Die Grenzanlagen waren damals militärisches Sperrgebiet, heute sind sie mit Rad- und Wanderwegen erschlossen.
Sankt Andreasberg lebt als Luftkurort von Kurbetrieb und Fremdenverkehr.
Bergbau aus Tradition
Zumindest auf den zweiten Blick kann man erkennen, dass der Harz nicht nur eine Natur-, sondern auch eine Kulturlandschaft ist. Die Geschichte des Harzer Bergbaus reicht in die Bronzezeit zurück. Im 10. Jahrhundert wurde am Rammelsberg von Goslar eine erste Silberader gefunden und ausgebeutet. In den nächsten Jahrhunderten schlugen Bergleute an mehr als 30 Harzorten wie Clausthal, Altenau oder St. Andreasberg Schächte in den Fels, um die silber-, kupfer-, zink-, blei- und eisenerzhaltigen Gesteine ans Tageslicht zu fördern. Insgesamt 20 stillgelegte Schaubergwerke zeigen Besuchern, wie hart die Arbeit unter Tage mit einfachem Handwerkszeug in den engen Schächten tatsächlich war.
Das Besucherbergwerk Rammelsberg bei Goslar gehört seit 1992 zusammen mit der Altstadt und der Kaiserpfalz des Harzstädtchens zum UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit. Da Holz zum Hausbau, für das Abstützen der Gruben und als Holzkohle für die Verhüttung des Erzes diente, waren die Wälder im Harz gegen Ende des 17. Jahrhunderts fast vollständig gerodet. Der heutige Waldreichtum geht vor allem auf die dann einsetzende Forstwirtschaft zurück.
Die Kaiserpfalz von Goslar ist das beste Beispiel, dass die mittelalterlichen Herrscher die Nähe zu Erzbergwerken suchten, weil sie reiche Pfründe versprachen. Fast zwei Dutzend Mal fanden sich bis 1219 die Adligen zu Reichstagen in Goslar zusammen. Im Hochmittelalter wurde in der Freien Reichsstadt Weltpolitik gemacht, und der Harz bildete in dieser Zeit ein Kernland der Kaiser.
Doch auch weitere Orte im Harz lohnen einen Besuch. Quedlinburg am nördlichen Harzrand mit seinen 1200 Fachwerkhäusern und der prächtigen Stiftskirche auf dem Schlossberg zählt sicher dazu. Daneben kann sich Wernigerode, das ein Schloss und viele aufwendig restaurierte Fachwerkhäuser besitzt, ohne Zweifel zu den schönsten Harzstädten rechnen. Auch Clausthal-Zellerfeld hat viel zu bieten: Der Ort besaß im 17. und 18. Jahrhundert die reichsten Erzminen im Oberharz. Seine während des Dreißigjährigen Krieges eingeweihte Marktkirche zum Heiligen Geist ist ganz aus Holz gebaut, sie dokumentiert die frühere Bedeutung des heutigen Universitätsstädtchens mit 15 000 Einwohnern.
Stolberg im Südharz trägt den Titel einer »Historischen Europastadt«. Thomas Müntzer, der radikale Reformator und Anführer des Bauernkrieges, kam hier 1489 zur Welt. Ein Denkmal im Ortszentrum erinnert an den Weggefährten und späteren Widersacher Martin Luthers. Die prachtvollen Fachwerkbauten der Bergarbeitersiedlung Stolberg stammen zum Teil aus dem 15. Jahrhundert.
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ERLEBNIS
MITTELALTERLICHES QUEDLINBURG
Vom Schlossberg bietet sich der beste Blick auf das mittelalterliche Quedlinburg. In der Altstadt, als Weltkulturerbe der Menschheit durch die UNESCO geschützt, sind ganze Straßenzüge mit Dutzenden von mittelalterlichen Fachwerkhäusern erhalten. Auch das Ständerhaus aus dem 14. Jahrhundert, in dem eine Ausstellung über die Entwicklung des Fachwerkbaus Aufschluss gibt, gehört dazu. Das romanische Gotteshaus St. Wiperti entstand bereits um das Jahr 1000. Die romanische Stiftskirche St. Servatius auf dem Burghügel, eine dreischiffige kreuzförmige Basilika mit Doppelturm, birgt in der Krypta die Sarkophage von Heinrich I. (876–936) und seiner Frau Mathilde. Ihr Kirchenschatz zählt zu den kostbarsten des Mittelalters. Das benachbarte Schloss, einst ein Damenstift, ist auf dem Fundament der Quitlingaburg aus dem 10. Jahrhundert errichtet. Am Fuße des Hügels liegt der Finkenherd, ein Fachwerkhaus aus dem frühen 16. Jahrhundert. Hier soll Heinrich I. der Sage nach 918 die ihm angebotene Königskrone entgegengenommen haben.
WEITERE INFORMATIONEN
www.harzinfo.de; www.quedlinburg.de

Quedlinburg gilt als eine der schönsten Fachwerkstädte Deutschlands.
THEMA
CHURFRANKEN
Glücksmomente in der Genussregion

Trauben, Wein, Wandern: Churfränkischer Rotweinwanderweg
Wer sich auf Reisen begibt, hat in der Regel eine optimistische Grundhaltung, schließlich wollen wir doch wenigstens auf Reisen unbeschwert unser Dasein genießen. In pandemischen Zeiten ist das manchmal gar nicht so leicht, doch wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Das kann man in einer Region erleben, die zwar kein Schattendasein führt, als Urlaubsland aber noch zu den eher unentdeckten Schätzen Deutschlands gehört: Churfranken. Wo liegt das denn bitte? Im Fränkischen natürlich. Am Main. Zwischen Odenwald und Spessart. Miltenberg, Klingenberg und Bürgstadt hat man schon gehört. Aha, politisch gesehen also der Südwestzipfel Unterfrankens. Und philosophisch? Aschaffenburg und Frankfurt am Main sind nicht allzu weit entfernt.
Über die Natur des Glücks
Ob der 1860 in Frankfurt gestorbene deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer auf seinen Spaziergängen und Wanderungen mit seinem Pudel jemals Churfranken durchstreift hat, ist dem Verfasser leider nicht bekannt. Aber eine seiner Aussagen, die dazu beitrugen, dass viele Zeitgenossen in ihm den Philosophen des Pessimismus sehen, kam ihm auf einem kleinen Spaziergang auf dem Fränkischen Rotweinwanderweg oberhalb von Klingenberg in den Sinn: »Aller Genuss und alles Glück ist negativer, hingegen der Schmerz positiver Natur.« Was folgt daraus für Churfranken? Genuss und Glück kann man hier in großer Menge erleben, Schmerz auch. Das Negative daran ist, dass man nicht genug Zeit hat, alles zu kosten, und schnell bereut, dieses sonnenverwöhnte Fleckchen Erde nach ein paar Tagen wieder verlassen zu müssen. Das Positive daran ist der Schmerz, nicht zu wissen, wie lange es dauern mag, bis man wieder hierher zurückkehrt. Um dann Glück und Schmerz in ein gemeinsames Ganzes zu verwandeln, mit Wille und Vorstellungskraft eine ideale Welt zu schaffen, die hier ein paradiesisches Plätzchen bereithält. Und sei es nur für eine begrenzte Zeit. Was also macht Churfranken so genussreich und glücklich?
Bio-Weine in Vollendung
Da sind zum einen seine gastfreundlichen, offenen Menschen, die etwas von jener Sonne ausstrahlen, die auf den Rebhängen großartige Weine reifen lässt. Ein Lächeln im Gesicht? Aber natürlich, mit Fröhlichkeit geht man leichter durchs Leben: Anja Stritzinger aus Klingenberg macht sich zwar Sorgen um ihre Reben, denn die Trockenheit ist ein Problem, und auch Trauben können einen Sonnenbrand bekommen. Doch die Bio-Winzerin aus Klingenberg ist keine Pessimistin und glaubt fest daran, dass auch dieser Jahrgang ein guter Weinjahrgang wird. Sie bewirtschaftet zwei Hektar Terrassensteillagen in hundertprozentiger Handarbeit, pflegt acht Kilometer Trockenmauern und setzt in ihren Weinbergen auf natürliche Dauerbegrünung. Mit der Umstellung auf ökologisch-organischen Anbau war sie in den 1980er-Jahren Wegbereiterin des Bio-Weinbaus in der Region. Heute erzielen ihre Portugieser, Spätburgunder, Gewürztraminer, Regent-Weine und Rieslinge auf internationalen Weinprämierungen höchste Auszeichnungen.

In den Weinbergen rund um Klingenberg am Main wachsen großartige Weine.

Die Martinskapelle in Bürgstadt stammt aus dem 10. Jahrhundert, das Gasthaus Zum Riesen in Miltenberg wurde 200 Jahre später errichtet.
Auch im Alten Gewürzamt in Klingenberg warten große Geschmackserlebnisse auf den Genusswanderer. Beim alljährlichen Churfranken-Genussfestival von Ende August bis Anfang September zählen die Wein-Genuss-Tage im Alten Gewürzamt in Klingenberg ganz sicher zu den Höhepunkten. Ingo und Kilian Holland präsentieren dann erlesene Weine und regionale Leckereien in exklusivem Ambiente auf der geräumigen Terrasse über den Dächern der Stadt. Ihre Familien-Gewürzmanufaktur in der Frühlingsstraße bietet eine faszinierende Vielfalt aus aller Welt und selbst hergestellte Mischungen, mit denen man jedem Gericht die besondere Note geben kann. Eines sollte kein Churfranken-Reisender versäumen: den Besuch im ältesten Gasthaus und Hotel Zum Riesen in Miltenberg – hier war im 12. Jahrhundert schon Kaiser Barbarossa zu Gast. www.churfranken.de

In Miltenberg pflegen Michael und Katharina Schulz ihre Liebe zum Kaffee.
MITTLERES RHEINTAL – DAS ZUHAUSE DER LORELEY
Die Romantik lässt grüßen

Den Reiz des oberen Mittelrheintals zwischen Bingen und Koblenz entdeckten schon die Romantiker: Die Begeisterung von Friedrich Schlegel oder Clemens von Brentano, zahlreiche Reiseberichte und idealisierende Landschaftsbilder setzten eine erste Reisewelle in Gang. Seit dem Jahr 2002 steht der 67 Kilometer lange Rheinabschnitt mit seinen 40 Burgen auf der UNESCO-Welterbeliste.

bis Bacharach mit der Burg Stahleck
Eine Schifffahrt auf dem Rhein steckt voller Überraschungen: Hinter Bingen auf dem linken und Rüdesheim am rechten Rheinufer tritt der Fluss in das Rheinische Schiefergebirge ein und windet sich in Schleifen durch ein enges Tal. Seit Römerzeiten wird an den steilen Hängen in diesem von der Sonne verwöhnten Gebiet Weinbau betrieben. Hinter jeder Flussbiegung tauchen die Überreste von Burgen und Festungsanlagen auf, die Wahrzeichen des Rheintals. Ursprünglich ab dem 11. Jahrhundert als Zollburgen errichtet, die den Schiffsverkehr auf dem Rhein überwachen sollten, bezeugen sie die Bedeutung des Flusses als Handelsweg. Beiderseits des Rheins haben sich schmucke Winzerorte entwickelt.
Legenden am Flusslauf
Nicht nur die Burgruinen in luftiger Höhe, auch die traditionsreichen Städte des Mittelrheintals hatten es den Romantikern zu Beginn des 19. Jahrhunderts angetan. Wo einst Maler ihre Skizzen anfertigten, zücken heute Touristen die Kameras und halten die romantischen Ecken und Ansichten im Bild fest.
Gleich dort, wo der Rhein in das Rheinische Schiefergebirge eintritt, ragt bei Bingen auf einer Insel mitten im Fluss der Mäuseturm auf. Gebaut von dem hartherzigen Mainzer Bischof Hatto II. (gest. 970), rankt sich eine Schauergeschichte um den Turm. Weil er seine Kornkammern trotz einer Hungersnot verschlossen hielt, soll Hatto hier gefangen gehalten und bei lebendigem Leib von Mäusen gefressen worden sein.
Einige Kilometer stromabwärts liegt Bacharach, der vielleicht romantischste Ort am Mittelrhein. Die malerische Lage unterhalb der auf einem bewaldeten Höhenzug thronenden Burg Stahleck entzückte schon Victor Hugo, der Bacharach sogar »eine der schönsten Städte der Welt« nannte. Bis heute ist der mittelalterliche Ortskern von einer begehbaren Mauer umgeben. Stattliche Fachwerkbauten und die Ruine der gotischen Wernerkapelle, die an einem Hang über Bacharach steht, tragen viel zum romantischen Flair bei.
Das rechtsrheinische Städtchen Kaub bildet mit der über den Weinbergen aufragenden Burg Gutenfels die Kulisse für die gedrungene Burg Pfalzgrafenstein. Die Zollstation, die Ludwig der Bayer im 14. Jahrhundert auf einer Insel im Rhein errichten ließ, gilt bis heute als ein Symbol der Rheinromantik. Südlich von Boppard, welches den Beinamen »Nizza am Rhein« trägt, lenken die »Feindlichen Brüder«, zwei nebeneinander liegende Ruinen, die Blicke auf sich. Die Burgen Sterrenberg und Liebenstein gehörten zwei Brüdern, die dieselbe Frau verehrten. Heinrich Heine widmete der Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang ein Gedicht in seinem Buch der Lieder.

ist Boppard ein idealer Ausgangspunkt.
Mythos Loreley
Eigentlich wirkt der 132 Meter hohe, nur spärlich bewachsene Schieferfelsen bei Rheinkilometer 555 aus der Nähe betrachtet gar nicht so überwältigend. Dennoch steht er im Ranking der touristischen Hauptattraktionen Deutschlands ganz weit oben. Die Geschichte von der schönen Tochter des Vaters Rhein, die auf der Loreley sitzend durch ihren sirenenhaften Gesang die Schiffer betört und vom Kurs abkommen lässt, hat ihn weltberühmt gemacht. Mittlerweile ist das »Märchen aus uralten Zeiten«, wie es in Heinrich Heines Gedicht »Lied von der Loreley« heißt, sogar den asiatischen Touristen ein Begriff.
Das Besucherzentrum auf dem Felsplateau erklärt, dass die Loreley ein bis heute von Schiffern gefürchteter Ort ist, dessen Gefährlichkeit mit den Strömungsverhältnissen im Fluss zusammenhängt. Die berüchtigten Riffs sind zwar beseitigt, der Rhein fließt hier aber, da er sich stark verengt, so schnell, dass es immer wieder zu Schiffsunglücken kommt.
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ERLEBNISSE
DER RHEIN VON OBEN
Sowohl der rechtsrheinische Rheinsteig als auch der linksrheinische Burgenwanderweg bieten spektakuläre Aussichten auf den Fluss. Die Fernwanderwege führen durch Wälder, Wiesen und Weinberge, sie verbinden die romantischen Orte der Region und lassen jede Tour zu einem Kulturgenuss werden. An beiden gibt es viele Einstiege, sodass man von fast jedem Ort im Rheintal zu einer Kurztour aufbrechen kann. www.rheinsteig.de, www.rheinburgenweg.com
BEIM WINZER ZU GAST
Was wäre eine Tour durch das Mittelrheintal ohne eine Weinprobe? Entlang des Flusses laden viele Winzer zur Einkehr ein und servieren zu ihren edlen Tropfen leckeren Flamm- oder Zwiebelkuchen. Ihre Straußwirtschaften sind bis zu vier Monate im Jahr geöffnet und dann ein Ort der Lebensfreude und Geselligkeit. www.romantischer-rhein.de
EINMALIGES NATURSPEKTAKEL
Auf der Rheinhalbinsel Namedyer Werth bei Andernach lässt sich ein faszinierendes Naturschauspiel bestaunen. Etwa alle zwei Stunden schießt dort der mit einer Höhe von 60 Metern größte Kaltwassergeysir der Erde aus dem Boden. Das Spektakel wird durch aus der Tiefe kommendes Kohlendioxid verursacht, das das Grundwasser nach oben steigen und sprudeln lässt. Im Geysir-Zentrum Andernach können die Besucher dem Phänomen auf den Grund gehen. www.geysir-andernach.de

Für Rhein-Urlauber, die per Schiff oder zu Fuß das Mittelrheintal erkunden, von der-Loreley
TRAUMSTRASSEN
DIE DEUTSCHE ALPENSTRASSE
Auf und Ab am Alpennordrand

Die Idee einer Alpenstraße durch die Berge Oberbayerns geht auf die 1920er-Jahre zurück, und bis 1939 war gut die Hälfte der Strecke fertiggestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Teilstücke in das bestehende Straßennetz zur Deutschen Alpenstraße integriert.

Idylle am Walchensee
Münchnern, die gerne in die Berge gehen, braucht man die Rotwand im Mangfallgebirge nicht vorzustellen. Der 1884 Meter hohe Berg gehört zu ihren Top-Wanderzielen. Ein Wirtschaftsweg verbindet die Hotelsiedlung am Spitzingsee mit dem Rotwandhaus. Das thront gerade mal eine Viertelstunde unterhalb des Gipfels auf einem Geländerücken und ist bei den Wanderern und Mountainbikern eine beliebte Einkehr. An sonnigen Wochenenden herrscht viel Betrieb in der Gaststube und auf der Terrasse. Da muss der eine oder die andere möglicherweise ein bisschen länger auf die Schwammerl mit Knödeln warten. Doch das tut der guten Laune keinen Abbruch, bei der herrlichen Aussicht bis zum Großglockner. Viel näher der breitmassige Rücken des Hinteren Sonnwendjochs. Und weit und breit kein Auto.
Ein großes Projekt
Es hätte leicht ganz anders kommen können. In den 1930er-Jahren nahm die Idee einer Deutschen Alpenstraße konkrete Formen an. Angestoßen wurde das ambitionierte Projekt ein paar Jahre zuvor von einem Dr. Knorz aus Prien am Chiemsee und vom Deutschen Touring-Club wurde es dann kräftig gefördert. Dem NS-Regime kam die Initiative zupass, ließ sich damit doch prächtig Werbung in eigener Sache machen. Und Straßenbau galt ohnehin als probates Mittel gegen die grassierende Arbeitslosigkeit.
Die Route sollte das schmucke Bodenseestädtchen Lindau mit Berchtesgaden verbinden; sogar eine Fortsetzung übers Steinerne Meer nach Saalfelden war angedacht. Seltsamerweise firmierte sie, obwohl längs der Alpennordflanke verlaufend, unter der ganz und gar irreführenden Bezeichnung »Alpenquerstraße«.

Das Wahrzeichen Berchtesgadens: der Watzmann.
Natur bewahren
Der Natur hätte das kaum gutgetan. Das ahnte wohl auch Jakob Häringer (in der Nachkriegszeit Bürgermeister von Grassau), der zunächst eine Straßenvariante von der Kampenwand über die Hochplatte favorisierte, später dann aber zur Einsicht kam, »dass unsere schöne Kampenwand als Berg erledigt ist, wenn eine Straße den Frieden , die Ruhe, die Schönheit stört. […] Jeder würde mit dem Auto fahren, das schöne Wild, die vielen Gemsen, alles wäre fort.«
Rund um die Rotwand (1884 m) gibt es noch etwas Frieden und Gämsen, ja sogar Murmeltiere. Die Rotwandhütte musste keinem Wellnesshotel weichen, ein Drehrestaurant auf dem Gipfel wurde nie gebaut. An der Rotwand röhren keine Motorräder, höchstens ein Hirsch röhrt während der Brunft. Die bayerische Alpenstraße blieb unvollendet. Nach dem Krieg wurde sie in Deutsche Alpenstraße umbenannt, die Teilstücke wurden mit dem bestehenden Straßennetz verbunden. An einen Weiterbau denkt heute niemand mehr; vielmehr setzt sich die Einsicht durch, dass Natur nicht erschlossen, sondern geschützt werden muss.
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ERLEBNISSE
LINDAU
Das schmucke Städtchen am Bodensee ist Ausgangspunkt der Deutschen Alpenstraße. Sehenswert: der Hafen mit dem Leuchtturm und dem Bayerischen Löwen, die Altstadt mit dem historischen Rathaus, ihren stattlichen Bürgerhäusern und den eindrucksvollen Kirchen. www.lindau.de
NEUSCHWANSTEIN
Einer der ganz großen Hotspots des bayerischen Tourismus, das Werk des versponnen-unglücklichen Königs Ludwig II. Die täglichen Führungen dauern etwa eine halbe Stunde. Unbedingt zu empfehlen: Ticket rechtzeitig reservieren (geht auch online). www.neuschwanstein.de
HERZOGSTAND
Zu den schönsten Aussichtspunkten entlang der Deutschen Alpenstraße gehört der Herzogstand (1731 m). Die Seilbahn mit Talstation am Walchensee reduziert die Besteigung auf einen ausgedehnten Spaziergang auf komfortablem Weg (knapp 1 Std.).
TEGERNSEE
Die liebste Badewanne der Münchner, an Wochenenden und in der Ferienzeit oft heillos überlaufen. Empfehlenswert: eine Rundfahrt auf dem See. Etwas ruhiger ist es am kleineren Nachbarn, dem Schliersee. www.tegernsee.de
KÖNIGSSEE
Zweifellos der schönste Alpensee Bayerns, einem Fjord ähnlich, überragt vom Watzmann mit seiner monumentalen Ostwand. Ein Muss für alle Besucher: die Schifffahrt nach St. Bartholomä. Den schönsten Blick auf das Gewässer bietet die Archenkanzel (1346 m; Bergwanderung vom Ort Königssee, 3 Std.). www.koenigssee.de
ZUGSPITZE – ZIEL FÜR GIPFELSTÜRMER
Der Höchste – in Deutschland …

Unter den großen Alpenspitzen läuft sie nur unter ferner liefen: Aber mit genau 2962 Metern ist die Zugspitze Deutschlands höchster Berggipfel. Auf dem Dach der Republik befinden sich auch das höchstgelegene Haus, Postamt, Hotel, Restaurant und Skigebiet Deutschlands. Vor allem aber gibt es einen 360-Grad-Panoramablick, der bei gutem Wetter die Sicht auf rund 400 Alpengipfel in vier Ländern gewährt.

Bei schönem Wetter reicht die Rundumsicht vom Piz Bernina über den Ortler, die Wildspitze bis zum Großglockner sowie nach München im Norden und Italien mit den Dolomiten im Süden.
Die aufsehenerregende Erstbesteigung der Zugspitze gelang 1820. 51 Jahre später galt die Zugspitze aber schnell als »kleiner Stumpen«. Der höchste Gipfel im deutschen Kaiserreich hieß nämlich Kaiser-Wilhelm-Spitze und die Bücher vermerkten sie mit einer Höhe von 6011 Metern. Um sie zu besuchen, musste man allerdings ins ferne Afrika reisen, nach Deutsch-Ostafrika. Heute heißt das Land Tanzania, und die ehemalige Kaiser-Wilhelm-Spitze trägt den Namen Kilimanjaro. Dem »Kili« wird heute eine Höhe von 5895 Metern zugebilligt, denn die Kaiser-Wilhelm-Spitze wurde seinerzeit bewusst falsch vermessen, um der höchsten Erhebung im Deutschen Reich die Sechs vor der Tausend zu schenken.
Ein Zwerg in den Alpen
Die Bundesrepublik Deutschland bäckt in Sachen Bergspitzen deutlich kleinere Brötchen. Zwar hatte die Zugspitze ursprünglich 2964 Meter Höhe, doch der Westgipfel wurde 1938 für eine nie gebaute Flugleitstelle gesprengt. Zwei Meter hin, zwei Meter her: 2962 Meter Höhe beeindrucken zwar die Deutschen, aber schon die österreichischen Nachbarn deutlich weniger: Allein 42 österreichische Gipfel messen mehr als 3500 Meter, der Großglockner, ihr höchster Berg, endet bei 3798 Metern. Insgesamt sind sogar 128 Berge der Alpen Viertausender, der höchste unter ihnen ist der Mont Blanc mit 4808 Metern. Und trotz all dieser Zahlen und Rekorde: Die Deutschen lieben ihre Zugspitze. Sie ist Mythos, Gipfel der Nation und Pflichtstoff für die Schüler im Unterricht.

Zur Bergrast laden sommers wie winters zahlreiche Hütten ein.
Der höchste Berg Deutschlands gehört zum Wettersteingebirge und liegt an der Grenze von Bayern und Tirol. Über den Rest des Westgipfels verläuft die Grenze zu Österreich. Der Name geht auf die vielen Lawinenzüge an ihren Steilhängen zurück. Das Zugspitzmassiv trägt die beiden letzten deutschen Gletscher, den Schneeferner und den Höllentalferner mit seiner markanten Gletscherzunge. Doch beiden droht binnen geschätzten 20 Jahren das Aus: Mit der Klimaerwärmung hat sich die Schneefallgrenze stetig nach oben verschoben und die Gletscher liegen nun im Schmelzbereich. Der Schneeferner, heute noch etwa 25 Hektar groß, hatte einst um die 300 Hektar!
Ursprünglich Korallenriff
Kaum zu glauben, aber wahr: Der Berg ist der Überrest eines zu Kalk gewordenen Korallenriffs. Vor mehr als 200 Millionen Jahren lag an seiner jetzigen Stelle noch ein tropisch-warmes Meer. Die Zugspitze wurde erstmals 1590 namentlich erwähnt, 1807 startete die erste Expedition. Die Erstbesteigung erfolgte 13 Jahre später durch Leutnant Joseph Naus, der topographische Aufnahmen machte. Pfarrer Christoph Ott stellte 1851 mit 28 Helfern das Gipfelkreuz auf. Seit 1993 steht eine Replik auf dem Ostgipfel, da das ursprüngliche Kreuz nicht mehr restauriert werden konnte. 1897 folgte das »Münchner Haus«, heute eine Alpenvereinshütte, einst das meteorologische Observatorium. Die Kreuzeckbahn ging 1926 in Betrieb. Sie war die erste Seilschwebebahn in Bayern, die 2002, nach 76 Jahren und 15 Millionen unfallfrei beförderten Fahrgästen, ihre letzte Fahrt machte. 1931 öffnete erstmals das »Hotel Schneefernerhaus« seine Türen und 50 Jahre später wurde die Kapelle Maria Heimsuchung durch den Erzbischof von München und Freising, Josef Kardinal Ratzinger, den späteren und heute zurückgezogen lebenden Papst Benedikt, geweiht. Gut 400 000 Bergfreunde besuchen die Zugspitze pro Jahr. Einige leben zeitweise dort, weil sie die »höchsten« Arbeitsplätze der Republik bekleiden, etwa der Hausmeister, die 24-Stunden-Schicht-Meteorologen oder die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik, die kosmischer Strahlung auf der Spur sind. Und das bei Wind, der manchmal Geschwindigkeiten von mehr als 200 Stundenkilometern erreicht, und Temperaturen, die schon mal auf Arktis-Niveau fallen können …
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ERLEBNISSE
DIE ENGE KLAMM
Wasserfälle, Stromschnellen, Gumpen: Die 700 Meter lange Partnachklamm ist ein Erlebnis. Ihre Wände recken sich bis zu 80 Meter in die Höhe. Sie ist eine der engsten, eindrucksvollsten und beliebtesten Klammen in Deutschland: Wilder kann Natur kaum sein! Unbedingt unter der Woche zu Besuch kommen! Im Sommer 8–20Uhr, sonst kürzer. www.partnachklamm.de
SO ODER SO
Mehrere Bergbahnen fahren auf die Zugspitze: Der höchste Berg Deutschlands ist mit der Eibsee-Seilbahn und ab Garmisch-Partenkirchen mit der Bayerischen Zugspitzbahn und der Zahnradbahn, die mit bis zu 25 Prozent Steigung nach oben fährt, sowie von Österreich mit der Tiroler Zugspitzbahn erreichbar. Kernbetriebszeiten tgl. 8.45–16.30 Uhr. www.zugspitze.de, www.zugspitze.at
DIE SONNE RUFT
Bei schönem Wetter reicht die Rundumsicht vom Gipfel der Zugspitze über München im Norden bis zu den Dolomiten im Süden. Vielleicht nur noch zu toppen durch eine Fahrt auf die Zugspitze zum Sonnenaufgang mit anschließendem Frühstück. Nicht ganz billig (rund 80 Euro inklusive Rückfahrt), aber einmalig. Abfahrten, je nach Saison, zwischen ca. 5.15 und 7.45 Uhr. www.zugspitze.at/de/gipfel/events/sonnenaufgang

Herrliche Alpen: Gipfelkreuz auf dem Zugspitz-Massiv.
AMSTERDAM – CHARMANTE METROPOLE IM WASSER
Stadt der Künste, Kneipen und Kanäle

Amsterdam ist dem Wasser abgerungen, erbaut auf Millionen von Baumstämmen – die größte Pfahlbausiedlung der Welt, heißt es. In Form einer Mondsichel umgibt der Grachtengürtel die Altstadt mit ihren Baudenkmälern und all den schmalen Giebelhäusern, mit belebten Plätzen und malerischen Winkeln, durchdrungen von jener unverwechselbaren Atmosphäre, die den Besucher sofort gefangen nimmt.

Lecker: Käseladen in der Leidsestraat.
Der Tourismus floriert in der traditionsreichen Handels- und Hafenstadt an der Amstel, aber komplett vereinnahmt hat er sie noch nicht. Zwar sind die Ausflugsboote in den Grachten fest in Touristenhand, ansonsten gehört die niederländische Metropole nach wie vor den Amsterdamern. Weltoffen, selbstbewusst und sehr geschäftstüchtig, aber auch lebenslustig und entspannt pflegen sie ihren ganz speziellen Lebensstil. Dazu gehört die Leidenschaft fürs Fahrradfahren genauso wie ihre sprichwörtliche »gezelligheid«, die in den zahllosen kleinen Kneipen so ansteckend wirkt. Allein im verwinkelten Altstadtviertel Jordaan gibt es Hunderte Bruine (Braune) Cafés, in denen man allerdings Pils und Genever statt Kaffee und Kuchen bestellt. Auch in den Coffeeshops geht es bekanntlich nicht um Kaffeeklatsch, sondern vielmehr um legalen Drogenkonsum. Nachtschwärmer zieht es in die Bars, Klubs und Diskotheken an Leidseplein und Rembrandtplein. Legendär ist der Rotlichtbezirk De Walletjes rund um Amsterdams älteste Kirche, die gotische Oude Kerk (14. Jh.). Vom Kirchturm bietet sich eine tolle Aussicht auf Stadt und Wasser.
Kunstschätze von Rembrandt bis van Gogh
Amsterdams größte Kirche ist die Westerkerk, ein reich ausgestatteter Renaissancebau aus dem 17. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter der Niederlande. Ein Gedenkstein erinnert an Rembrandt van Rijn, der hier begraben liegt. Das Rembrandthuis, einst Wohnhaus des Malergenies, kann man besichtigen, sein weltberühmtes Gemälde »Die Nachtwache« hat einen Ehrenplatz im Rijksmuseum, einem der renommiertesten Kunstmuseen des Kontinents mit einer bedeutenden Sammlung Alter Meister. Der grandiose Museumsbau im Stil der Neorenaissance bildet die Spitze des Museumplein. Im südlichen Teil des begrünten Platzes findet sich mit dem Stedelijk Museum eines der wichtigsten Häuser für moderne und zeitgenössische Kunst in Europa. Gleich daneben zeigt das Van Gogh Museum die weltweit größte Sammlung mit Gemälden von Vincent van Gogh, darunter auch die populären »Sonnenblumen«. Und gegenüber erhebt sich das neoklassizistische Konzerthaus Concertgebouw, das dank seiner hervorragenden Akustik einen erstklassigen Ruf genießt.
Königspalast und Bierkultur
Nicht nur Kunstfreunde haben in der vielfältigen Museumslandschaft die Qual der Wahl. Wer in die Stadtgeschichte eintauchen will, besucht das didaktisch hervorragende Amsterdam Museum oder auch die historischen Repräsentationsräume im Koninklijk Paleis am Dam, dem weitläufigen Hauptplatz der Stadt. Der ausladende Renaissancebau diente ursprünglich als Rathaus, mit Einführung der niederländischen Monarchie um 1800 wurde er zum Königspalast. Das Regentenpaar Willem-Alexander und Máxima gibt sich hier nur zu offiziellen Anlässen die Ehre; Amsterdam ist zwar Hauptstadt, als königliche Residenz und Regierungssitz aber dient Den Haag.

Grachten und Brücken prägen das Stadtbild Amsterdams.
Die Grachtenhäuser mit ihren spitzen Giebeln und den teilweise opulent verzierten Fassaden prägen das Bild der Altstadt. Zwei besonders stilvolle Exemplare, einst im Besitz reicher Patrizier, kann man auch innen besichtigen: das Museum van Loon und das Museum Willet-Holthuysen. Die maritime Vergangenheit beleuchtet das Nederlands Scheepvaartmuseum, zu dessen Attraktionen ein Segelschiff von 1749 gehört. Der großen jüdischen Tradition Amsterdams widmet sich das Joods Historisch Museum in vier Synagogen des 17. und 18. Jahrhunderts. Fußballfans schauen sich das Ajax Museum in der Amsterdam Arena an, und mit der Schau Heineken Experience in der alten Brauerei hat auch die Amsterdamer Bierkultur ihr Ausstellungshaus.
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ERLEBNISSE
ORT DER ERINNERUNG
Das Anne Frank Haus in der Prinsengracht ist kein übliches Museum, eher ein bedrückender Gedenkort. Durch eine Geheimtür und enge Treppen gelangt man in die Wohnung, in der sich das jüdische Mädchen mit seiner Familie und Freunden zwei Jahre lang versteckte und in der es das berühmte Tagebuch schrieb. Nach der Entdeckung durch die Gestapo im August 1944 wurden alle in die NS-Vernichtungslager deportiert, nur Annes Vater überlebte. www.annefrank.org
SPEZIALITÄTEN
Neben den holländischen Käsesorten sollte man sich die typischen kleinen Köstlichkeiten nicht entgehen lassen: frittierte Fleischklößchen (Bitterballen), extradicke Pommes (Patat), roh eingelegten jungen Hering und als süßen Genuss gibt es kleine gebutterte Pfannkuchen (Poffertjes).
AUSFLUG
Ein Tagesausflug führt in das Städtchen Edam mit seinen Grachten, Brücken, historischen Fassaden und dem farbenfrohen Spektakel des Käsemarkts. In direkter Nachbarschaft liegt das altertümliche Fischerdorf Volendam, das weithin bekannt für die Pflege holländischer Tracht und Tradition ist. www.vvvedamvolendam.nl
WEITERE INFORMATIONEN
www.iamsterdam.com

Von den Nazis ermordet: das jüdische Mädchen Anne Frank.
TEXEL – WINDZERSAUST UND MEERGEKÜSST
Insel zwischen Wattenmeer und Nordsee

»Holland im Kleinen« nennen Frau Antjes Landsleute ihr beliebtestes Urlaubseiland. Der gute Grund: Dort gibt es, außer großen Städten, so ziemlich alles, was das Königreich landschaftlich zu bieten hat – Strände, Dünen, Wälder, Weiden, Naturschutzgebiete und sogar einen Berg. Der ist zwar nur einen Tick höher als 15 Meter, aber immerhin, die Deiche überragt er.

Windmühlen betrieben früher die Pumpen für die Wasserwege.
Die Bürger von Texel und ihre Schafe begegnen sich auf Augenhöhe – statistisch, versteht sich. Beide bevölkern ihre Insel mit jeweils knapp 14 000 Exemplaren. Ein Gleichgewicht, das allerdings zweimal im Jahr aus der Balance gerät: Im Frühjahr, wenn rund 11 000 weiße Lämmer über die grünen Weiden staksen. Und im Sommer, wenn die große Mehrheit der jährlich rund 670 000 Touristen kaum noch Raum lässt in Hotels, Pensionen und auf Campingplätzen. Viele kommen dann wegen der prächtigen insgesamt 30 Kilometer langen Strände an der Westküste, an denen die Wogen der Nordsee ausrollen. Aufs ganze Jahr gesehen reisen die meisten Besucher, überwiegend Niederländer und immerhin gut ein Viertel aus Deutschland, erklärterweise wegen der Naturschönheiten von Texel an.
Ein Blütenmeer aus Strandflieder
Da sind vor allem die Dünen, am Strand noch weißsandig, in den hinteren beiden Reihen meist dicht bewachsen und oft in Wälder übergehend. 1851 durchbrach ein heftiger Sturm die Dünenkette an drei Stellen, an denen das Meer ins Land strömte. Der Muy wurde einige Jahre später wieder geschlossen, den »großen Slufter« wehte Flugsand zu, während der »kleine Slufter« bis heute offen ist und im Inland ein Minimeer geschaffen hat, das bei Flut weiterhin von der Nordsee teilweise überschwemmt wird. Das Salzwasser wird offensichtlich vom Strandflieder geschätzt, der hier im Juli und August ein neues Meer erzeugt, ein Blütenmeer in Violett. Der Muy hingegen, der zu einem Strandsee wurde, erfreut sich unter Grau- und Löffelreihern großer Beliebtheit. Vogelbeobachtungen sind generell recht beliebt bei den Urlaubern, deshalb hat die Vogelbescherming, eine nationale Ornithologen-Organisation, an mehreren Orten Ferngläser deponiert, die man mieten kann.

Dreißig Kilometer lang ist Texels Sandstrand von Nord nach Süd. Die Leuchttürme stammen aus dem 19. Jahrhundert.
Auch die Pflanzenfreunde bitten zu Erkundungen. Texel ist in den Niederlanden zwar bekannt für seine Schneeglöckchen-Zucht, die meisten Botaniker ziehen aber eher wegen der Insel-Orchideen durch Wegesrain und Waldesruh. Rund ein Dutzend verschiedene Arten blühen auf der Insel, insbesondere in den Dünentälern und um den Muy herum. Laien werden aber nicht alle als Orchideen erkennen, deshalb sind geführte Wanderungen hilfreich. Das gilt generell für die rund 5300 Hektar großen Schutzgebiete, von denen etwa 4200 Hektar Fläche als Nationalpark klassifiziert sind.
Zum Hai-Tätscheln nach Texel
Den Kern der Insel bilden eiszeitliche »Geschiebeaufschichtungen«, für Geologen erkennbar am Hoge Berg, mit 15,3 Metern Texels Gipfel. Hier liegt der »Friedhof der Georgier«, jener Russen, die unter der Nazi-Besetzung einen Aufstand wagten und dabei umkamen. In dem hügeligen Gelände konnten auch einige architektonische Zeugnisse überleben, Stolphöfe mit ihren charakteristischen Pyramidendächern, Erdwälle aus Grassoden, die einst Grundstücksgrenzen markierten, und Schafscheunen, die wie in der Mitte durchgetrennte Häuser aussehen und Geräte aufnehmen, aber keine Schafe.
Die größte Besucherattraktion Texels ist Ecomare, ein Museum, das vornehmlich der maritimen Natur rings um die Insel gewidmet ist. Es entstand aus einer Station für verlassene Seehundbabys und verletzte Robben, eine Aufgabe, die nach wie vor im Mittelpunkt steht. Inzwischen werden auch ölverschmierte Seevögel gereinigt und verletzte Schweinswale geheilt. Aus alldem entstand ferner ein Aquarium für die Nordsee-Fauna – und mutige Kinder lieben es, dort im offenen Bassin mal einen Hai zu tätscheln. Man muss ja nicht erzählen, dass es nur ein harmloser kleiner Hundshai war …
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ERLEBNISSE
GEMÜSE – ABSICHTLICH VERSALZEN
Schon mal Salzkartoffeln gegessen? Auf Texel ist das möglich. Denn dort haben sich Forscher und Bauern zu Spezialisten im Salzlandbau entwickelt. Sie zweifelten an dem »Gesetz«, dass Salzboden für Gemüsepflanzen schädlich sei, und züchteten zum Beispiel »Salzkartoffeln«, die mehr Antioxidantien enthalten als jede andere Sorte und somit als sehr gesund gelten. Mindestens ebenso wichtig: Sie schmecken auch gut, »ein ganz volles, sahniges Aroma – so haben Kartoffeln früher einmal geschmeckt«, lobt einer der Wissenschaftler.
EIN FALL FÜR ZWEI
Hochzeitsreisende starten auf Texel oft im siebten Himmel. Allerdings mit einem anderen Partner, denn beim Tandem-Fallschirmsprung sorgt immer ein ausgebildeter Instrukteur für guten Flug, pardon, Fall, und »happy landing«. Ihm ist der »Passagier« sicher untergeschnallt. Nach dem Absprung in 3000 Meter Höhe folgen 30 Sekunden freier Fall und vier bis fünf Minuten am Fallschirm. Fotos und Videos von unterwegs kann man zubuchen. Nahezu alle Antworten bei Fragen zu dem luftigen Erlebnis unter www.paracentrumtexel.nl/de

Am Wochenmarkt in Den Burg gibt es neben Pflanzen auch Gemüse vom Land am Meer.
BRÜSSEL – ZENTRUM DER LEBENSART
Neben europäischer Bedeutsamkeit hat die Stadt viel zu bieten

Ob der prunkvolle Grand Place oder das futuristische Atomium, ob das freche Manneken Pis oder Museen von Weltrang: Brüssel, Sitz von EU und NATO, ist nicht nur schön und nobel, sondern auch facettenreich. Das wissen auch Genießer: Mit einem Dutzend Sternerestaurants und zahlreichen Terrassenlokalen gilt Europas Metropole auch als ein Treffpunkt für Gourmets.

Unweit von einem der schönsten Plätze Europas, der Grand Place
Was vor lauter medialer Omnipräsenz in Vergessenheit geraten könnte: Brüssel ist eine alte Stadt. Ihre Anfänge gehen wahrscheinlich auf eine 580 gegründete Niederlassung am – heute überbauten – Flüsschen Senne zurück. Auf einer Insel ließ Herzog Karl von Niederlothringen im 10. Jahrhundert eine Pfalz errichten, um die herum sich die Siedlung entwickelte. Schon im frühen Mittelalter stieg sie zur Hauptstadt von Flandern auf und gelangte vor allem durch Tuchmacherei zu Wohlstand. Als Flandern im 14. Jahrhundert durch Heirat an Burgund fiel, blühte Brüssel auf und wurde zur Kunstmetropole. Wahrhaft goldene Zeiten brachen an, als der Habsburger Kaiser Karl V. Brüssel zur Hauptstadt seines Weltreiches erkor.
Europas schönster Marktplatz
Zu einem vorübergehenden Einbruch der Erfolgsgeschichte kam es während der Eroberungskriege von Sonnenkönig Ludwig XIV.
Der zentrale Marktplatz fiel der Zerstörungswut anheim, doch erstand er danach prächtiger als je zuvor wieder auf. Der Grand Place ist einer der schönsten Plätze Europas und UNESCO-Weltkulturerbe. Die reich geschmückten Giebelfassaden der Zunfthäuser bilden ein geschlossenes Barockensemble, durchbrochen vom gotischen Rathaus aus dem 15. Jahrhundert. Mit seiner reich gegliederten Fassade und dem großartigen Skulpturenschmuck blieb es als einziges Gebäude von Zerstörungen verschont und gehört heute zu den besterhaltenen weltlichen Bauten der Gotik. Der mit dem Standbild des Erzengels Michael gekrönte Turm, von dem sich ein weiter Ausblick über die Stadt bietet (400 Stufen!), erhielt allerdings erst im 18. Jahrhundert seine endgültige Form.
Ein Wahrzeichen ganz anderer Art drückt sich nur einen Katzensprung entfernt in eine Nische: Manneken Pis, das berühmte Brunnenbübchen von Bildhauer Hieronimus Duquesnoy aus dem Jahr 1619, das sich ganz ungeniert vor aller Augen in das Becken unter ihm »erleichtert«. Es übertrumpft als Brüssels beliebtestes Fotomotiv und eigentliches Wahrzeichen sogar das Atomium – seit der Weltausstellung 1958 ein Symbol für das Zeitalter der Wissenschaft.
Sakrale Juwelen und Museen von Weltklasse
Zu den innerstädtischen Blickfängen gehört auch die mächtige Kathedrale St. Michael und St. Gundula, Belgiens Nationalkirche, erbaut im Stil der französischen Gotik. Besucher bewundern die holzgeschnitzte Kanzel von 1699 und die wundervollen Glasfenster in Chor und Querschiff – allesamt Stiftungen großer Herrscher Europas. Ein weiteres Schmuckstück in der Sammlung bildet Notre-Dame-des-Victoires. Die Kirche stammt aus dem 15. und 16. Jahrhundert und gilt als eines der kostbarsten Beispiele hochgotischer Sakralbauten in ganz Belgien. Ein Meisterwerk einer anderen Epoche stellt St-Jean-Baptiste-aux-Béguinage dar: Flämische Üppigkeit sichert der Fassade unter der belgischen Barockarchitektur Einmaligkeit. Vom Reichtum der Stadt zeugen auch das gewaltige Palais du Roi, in dem seit Leopold II. nur noch königliche Empfänge abgehalten werden, wie auch die zahllosen Museen, die allein schon eine Reise wert sind: darunter das Museum für Alte Kunst, das Museum für Moderne Kunst und allen voran die Musées royaux des Beaux-Arts mit einer unglaublichen Fülle einzigartiger Kunstwerke aus sechs Jahrhunderten – und eigenem Trakt für den belgischen Surrealisten René Magritte. Von ganz anderer Art ist das Museum für Zentralafrika mit anthropologisch hochinteressanten Exponaten, während sich das Centre belge de la bande dessinée, untergebracht in einem Jugendstilbau des Architekten Victor Horta, weltberühmten Comic-Zeichnern wie Hergé und Morris widmet.

Im Chinesischen Pavillon und Japanischen Turm von 1910 fand das königliche Museum für Kunst und Geschichte Platz.
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ERLEBNIS
SCHLARAFFENLAND FÜR FEINSCHMECKER
Dass aus Belgien köstliche Schokolade und cremige Pralinés stammen, Pommes frites nirgends sonst auf der Welt so gut schmecken und hier das vielleicht beste Bier der Welt gebraut wird, hat sich herumgesprochen. Weniger bekannt ist, dass Brüssel Feinschmeckern als Europas lukullisches Mekka gilt. Kulinarischen Hochgenuss findet man nicht nur in dem Dutzend Sternelokalen, sondern auch in den Terrassenrestaurants der Fressgassen in und nahe den eleganten Galeries Royales Saint-Hubert, wo man, sobald das Wetter es zulässt, seine moules frites am liebsten unter freiem Himmel verspeist. Ein besonderes Highlight für Bierliebhaber ist das Traditionslokal À La Morte Subite, sowie die Fête de la Bière an dem Grand Place. Alljährlich im September kann man auf dem schönsten Platz des Landes Hunderte von belgischen Biersorten verkosten und vergleichen. Und sich dazu eine Portion knuspriger Fritten, am besten von Fritland nahe der Börse, genehmigen.
WEITERE INFORMATIONEN
www.belgien-tourismus.de
www.brusselsinternational.be

laden die Fressgassen zum Mahl.
LUXEMBURG – MALERISCHES MACHTZENTRUM
Das letzte Großherzogtum der Welt

Hübsche Festungsstadt in exponierter Lage, bedeutender Finanzplatz und einer der drei Verwaltungssitze der Europäischen Union – die Hauptstadt des Großherzogtums Luxemburg vereint charmant die Gegensätze. Gemächlicher geht es im Umland zu. Wälder bedecken das raue Ösling im Norden, im Süden durchziehen Schluchten das liebliche Gutland, und an der Mosel reiht sich Weinort an Weinort.

Im Fort Thüngen in unmittelbarer Nähe ist das Festungsmuseum untergebracht.
Die Stadt Luxemburg wird auch »Gibraltar des Nordens« genannt – wegen ihrer uneinnehmbaren Festung und der eindrucksvollen Lage zwischen den tief eingeschnittenen Tälern von Alzette und Pétrusse. Wuchtige Mauern, Bastionen, rund hundert Brücken und Viadukte bestimmen das Stadtbild. Bis zu 40 Meter tief führen die Bockkasematten, früher die längsten Kasematten der Welt, in den Bockfelsen oberhalb der Pétrusse. Sie zählen zu den Hauptattraktionen der kosmopolitischen Residenzstadt. In der Oberstadt, dem eigentlichen Stadtzentrum, zieht das im Renaissancestil erbaute Großherzogliche Palais beim alten Fischmarkt die Blicke auf sich. Elegante Geschäfte und Delikatessenlädchen verleiten zum Flanieren durch die Altstadt, und die vielen Straßencafés und Bistros an den zentralen Plätzen, dem von den Einheimischen Knuedler genannten Wilhelmsplatz oder dem Paradeplatz, laden zu Ruhepausen ein.
Die aus rotem Buntsandstein erbaute Schlossbrücke führt zur Corniche, dem »schönsten Balkon Europas«. Dieser Weg auf der Wallanlage gibt den Blick auf die von der Wenzelsmauer umschlossene Unterstadt mit dem Stadtteil Grund frei. Zu Fuß über Treppen oder bequem mit dem Aufzug gelangt man zur ehemaligen Benediktinerabtei Neumünster, heute ein Kulturtreff. Nachtschwärmer kommen in den Klubs und Bars auf einem ehemaligen Brauereigelände im benachbarten Stadtteil Claußen auf ihre Kosten.
Das Großherzogliche Palais liegt im Zentrum der Oberstadt.
Das Europaviertel auf dem Kirchberg
Vor der DekaBank steht die Skulptur des Langen Bankers und wacht über die zahlreichen Banken, Versicherungen und Firmensitze von Großkonzernen, die Luxemburg zu einer Drehscheibe des internationalen Finanzwesens gemacht haben. Das Europaviertel auf dem Kirchbergplateau auf der anderen Seite des Alzettetals, ein Mekka für Liebhaber der zeitgenössischen Architektur, ist mit den Namen von Stararchitekten wie Gottfried Böhm, Richard Meier oder Ieoh Ming Pei verbunden. Von den Bauten des Europazentrums mit Europäischem Gerichtshof und Europäischem Rechnungshof hebt sich das gläserne Hochhaus der Europäischen Investitionsbank ab. Dazu kommen das muschelförmige Sportzentrum D’Coque und zwei herausragende Neubauten für Kultur: 823 weiße Säulen flankieren die 2005 fertiggestellte Philharmonie auf dem Europaplatz, in unmittelbarer Nähe lockt seit 2006 das MUDAM (Museum für moderne Kunst) die Besucher an.
Untrennbar mit dem Werden der Europäischen Union verknüpft ist seit dem berühmten Abkommen von 1985 der Grenzort Schengen. Auf Deutsch und Französisch informiert das Europäische Museum in dem Weinort über die Entstehung und Ausweitung des Schengen-Raums. Neben diesen beiden Sprachen ist im weltoffenen Luxemburg das moselfränkische Letzebuergesch die dritte Amtssprache.
Vom Miselerland zu den Burgen
Die Hauptstadt ist das Herz des, wie der Name verrät, fruchtbaren Gutlands. Im Westen bildet die Mosel die Grenze zum Saarland. Hier im Miselerland werden feine Weißweine, unter anderem der säurebetonte Elbling, erzeugt. Vom Grenzort Wasserbillig ist es nur ein Sprung bis nach Echternach an der Sauer, das gerade durch seine Springprozession – in Fünferreihen einen Sprung nach links, dann einen nach rechts – berühmt ist. Zu den Klängen einer alten Polka springen die Pilger am Pfingstdienstag zum Grab des heiligen Willibrord in der Basilika. Wanderer suchen die Felslandschaft der Kleinen Luxemburger Schweiz auf, die Teil des Deutsch-Luxemburgischen Naturparks ist.
Das Ösling im Norden gehört zu den wald- und wasserreichen Ardennen. Die mächtigen Burganlagen von Vianden, Bourscheid, Clerf und Esch-Sauer zeugen von der bewegten mittelalterlichen Zeit. Die berühmte Fotoausstellung »The Family of Man« im Schloss von Clerf gehört seit 2003 zum Weltdokumentenerbe der UNESCO.
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ERLEBNIS
IM SCHLEMMERLAND
Viele fahren nur ihretwegen auf einen Sprung in das Großherzogtum: Léa Linster, studierte Juristin und eine der wenigen Sterneköchinnen weltweit, betreibt seit 1982 in Frisingen, rund 15 Kilometer südlich der Hauptstadt, ihr viel frequentiertes Restaurant Léa Linster. In nur fünf Jahren verwandelte sie nach dem Tod des Vaters dessen ehemaliges Tankstellenbistro mit Kegelbahn und Tabakladen in ein elegantes Sternerestaurant mit idyllischem Garten. 2010 kam im nicht weit entfernten Park von Kayl der futuristisch anmutende Pavillon Madeleine dazu, ein Kubus aus Eisen und Glas, in dem außer den namengebenden Madeleines eine gehobene regionale Küche angeboten wird. Und nur ein Jahr später eröffnete die Köchin und Geschäftsfrau mitten in der Hauptstadt die Feinschmecker-Boutique Léa Linster Delicatessen. Übrigens kann Luxemburg, gemessen an der Fläche, Europas größte Dichte an Sterneköchen – elf sind es an der Zahl – aufweisen.
WEITERE INFORMATIONEN
www.visitluxembourg.com
Léa Linster: www.lealinster.lu

Mittlerweile hat Léa Linster ihr gleichnamiges Restaurant ihrem Sohn Louis übergeben. Er ist der jüngste Sternekoch Luxemburgs.
THEMA
GROSSHERZOGTUM LUXEMBURG
Kulinarik im Land der Genießer

Im Chocolate House gibt es leckeres Eis.
Luxemburg überrascht seine Besucher immer wieder aufs Neue mit einem Abwechslungsreichtum, wie man ihn in diesem kleinen, charmanten Land kaum vermutet. Mit einer mehr als 1000-jährigen multikulturellen Hauptstadt und fünf touristischen Regionen mit ihren regionalen Eigenarten bietet das Großherzogtum auf einer Fläche von rund 2500 Quadratkilometern eine großartige Vielfalt an Sehenswürdigkeiten und Erlebnissen für jeden Geschmack.
Neben zertifizierten Qualitäts-Wanderwegen und spannenden Mountainbike-Strecken gibt es an nahezu jeder Ecke auch eine besondere Genusskultur, die fest im Alltag der Menschen verwurzelt ist. Sie begegnet einem nicht nur auf dem Lande, sondern auch in der Hauptstadt. Trotz einer atemberaubenden Modernisierung in den vergangenen Jahrzehnten ist die Stadt Luxemburg stets eine Metropole im bescheidenen Maßstab geblieben. Obwohl sie lediglich 125 000 Einwohner zählt, wohnen hier Menschen aus über 150 verschiedenen Nationen, die das Zusammenleben in der grünen alten Festungsstadt zu schätzen wissen. Und alle bringen ihre eigenen kulinarischen Traditionen mit und lassen sie in eine einzigartige Gastronomie-Szene einfließen.

Luxemburg-Grund am Ufer der Alzette
Kleine Delikatessen
Luxemburgs historische Altstadt ist geprägt durch die markante Topografie aus Ober- und Unterstadt. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe zum großherzoglichen Palais und gehört mit ihren imposanten Festungsanlagen sowie den einzigartigen unterirdischen Kasematten zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das Europaviertel präsentiert zeitgenössische Bauten, darunter die renommierte Philharmonie und das Museum für zeitgenössische Kunst MUDAM. Im Herzen der Stadt, praktisch um die Ecke des Residenzpalastes, betreibt die mehrfach ausgezeichnete Sterneköchin Léa Linster eine Delikatessen-Boutique, in der man im wundervollen Ambiente Tee, kleine Speisen mit großem Charakter und süß-sinnliche Macarons und Madeleines verkosten kann. Léa Linster und ihre Familie betreiben außerdem in Frisingen, zehn Kilometer südlich von Luxemburg Stadt, seit über 30 Jahren ein Sternerestaurant. Hier zaubert Léas Sohn Louis Linster, Luxemburgs jüngster Sternekoch, kreative Menüfolgen auf den Tisch. Als Schlemmerland bietet das Großherzogtum das ganze Jahr über eine französisch, deutsch, italienisch und portugiesisch geprägte Küche mit typisch luxemburgischen Gerichten. Neun Sternerestaurants und 15 mit dem Bib Gourmand ausgezeichnete Restaurants sorgen von Düdelingen bis Strassen für Abwechslung und Vielfalt auf luxemburgischen Tellern.

Schloss Vianden ist eine der größten noch erhaltenen Burganlagen westlich des Rheins und mächtigste Wehranlage Luxemburgs.
Große Moselweine
Auch die Weine und Crémants von der Mosel werden international hoch geschätzt. Die 40 Kilometer lange Luxemburger Weinstraße lädt zu Weinproben, Kellereibesichtigungen, Schlemmerfahrten auf einem der Ausflugsschiffe und zum Weinwandern in den Weinbergen ein. Die »Traumschleifen« rund um die Moselstädtchen Schengen, Ahn und Manternach verbinden schöne Ausblicke über Weinberge und Moseltal mit einer angenehmen Streckenführung durch Naturschutzgebiete und Einkehrmöglichkeiten bei renommierten Gastronomiebetrieben. Mit den wieder zu ihrer alten Schönheit restaurierten Schlössern und Burgen kann man heute gleichzeitig das Kulturerbe, die schönen Landschaften und die Kulinarik genießen. So wurde zum Beispiel René Mathieu mit seinem Restaurant im Schloss von Bourglinster 2020 als »meilleur chef végétal du monde« (»bester vegetarischer Koch der Welt«) ausgezeichnet. Im Norden thront die mittelalterliche Burg Vianden, die auf ein römisches Kastell zurückgeht. Die Schlösser von Beaufort mit einer hochwertigen Cassis-Produktion in der Region Müllerthal, das Schloss Clervaux mit der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Ausstellung »The Family of Man« sowie die herrschaftlichen Anlagen im »Tal der sieben Schlösser« im Guttland sind nur einige der Zeugnisse aus Luxemburgs glorreicher Geschichte, die bis heute kulturell und kulinarisch erlebbar ist.
Info: www.visitluxembourg.com

Die klassizistische Villa Vauban im Luxemburger Stadtpark ist heute Kunstmuseum.
WARSCHAU – GELIEBTE WIDERSPRÜCHE
Ein Streifzug quer durch die Epochen

Auf Schritt und Tritt wird der Besucher in der polnischen Hauptstadt an die leidvolle Geschichte erinnert, an lange Phasen von Fremdherrschaft und Unterdrückung. Daneben gibt es ein ganz anderes, das junge Warschau, das in vielen neuen Szenevierteln beiderseits der Weichsel die pralle Lebenslust des 21. Jahrhunderts und einer neuen, optimistischen Generation widerspiegelt.

Warschauer Wolkenkratzer: Das Zlote Tarasy Einkaufszentrum und der Kulturpalast am Abend.
Wo schlägt das Herz dieser Stadt, wo trifft man sich, wenn man das erste Mal zu einem Bummel durch die polnische Metropole aufbrechen will? An der Sirene auf dem Altmarkt, dieser legendären Figur, die für vielfache Zerstörung, vor allem aber für Hoffnung und Wiederaufbau steht? An der barocken Sigismundsäule vor dem Schloss, die an den König erinnert, der Warschau vor über 400 Jahren zur Hauptstadt gemacht hat? An einer der vielen Gedenkstätten, die an das unfassbare Leid ihrer Bewohner erinnern, an den Warschauer Aufstand, an die Helden im Getto?
Ein guter Ausgangspunkt ist auch der Pilsudski-Platz vor dem Denkmal des Unbekannten Soldaten. Es ist allen Opfern des Zweiten Weltkriegs gewidmet und liegt sowohl gegenüber dem traditionsreichen Hotel Victoria als auch vis-à-vis vom spektakulären Metropolitan-Gebäude des Stararchitekten Norman Foster (geb. 1935). Ein idealer Startpunkt: Denn das gesamte Ensemble, zu dem auch das Nationaltheater und die Gärten hinter dem Ehrenmal gehören, spiegelt so viel Geschichte, so viel Symbolik wider, dass der Fremde sofort angetan ist von der Stadt, ihrer Vergangenheit, ihren Kontrasten.
Wirrwarr am Weichselufer
»Eine seltsame Stadt, voller Unordnung, aber auch voller Stolz und voller Widersprüche«, hat die populäre Schauspielerin Agnieszka Grochowska über ihre Heimatstadt gesagt.
Drei Tage reichen kaum, um sich durch das städtebauliche Wirrwarr treiben zu lassen, durch die neue Altstadt, die nach der totalen Zerstörung liebevoll wieder aufgebaut wurde, über den alten Königsweg, der vom Schloss durch die Vorstadt nach Süden führt, vorbei am Uni-Campus, an Nobelhotels, die heute so verheißungsvoll glänzen wie zuletzt vor fast 100 Jahren.
In Saska Kepa, einem In-Viertel auf der östlichen Seite der Weichsel, hat sich flirrendes Leben entfaltet, in hippen Bars, Multikulti-Restaurants und Boutiquen. Und nicht weit entfernt liegt das idyllische Altstadt-Gewirr, Lieblingsrevier der Touristen, das sie gern aus dem Fiaker heraus fotografieren. Weiter im Norden befanden sich die einstigen jüdischen Wohnviertel, dort waren auch das Getto und der »Umschlagplatz«, von dem die Transporte in die Vernichtungslager abgingen; er hat seinen schrecklichen deutschen Namen behalten. Ein paar Schritte entfernt steht das neue gläserne Museum der polnischen Juden.
Königsroute und historischer Kniefall
Kontraste: Hier die Karmeliterkirche am Trakt Królewski, der Königsroute, ein Gotteshaus, das wie aus Italien versetzt wirkt und tatsächlich nach Bildern von Canaletto wieder aufgebaut wurde, weil es keine Bauzeichnungen mehr gab. Dort der »Constitutionsplatz«: Häuser aus kommunistischer Zeit, die an das alte Ostberlin erinnern. Zwei Trambahn-Stationen weiter südlich hängt Jung-Warschau in Kneipen mit alternativem Flair ab. Und, schier unglaublich, die Ferrari-Vertretung hat sich im ehemaligen Büro der kommunistischen Arbeiterpartei breitgemacht.
Warschau, mit 1,7 Millionen Einwohnern halb so groß wie Berlin, nimmt nicht einen der ersten Ränge im europäischen Städtetourismus ein. Die Vergangenheit ist bitter, und an vielen Orten sind die Narben und die Mahnungen gegenwärtig. Aber die Lebensfreude von heute und das Kulturleben können es mit jeder anderen Metropole in Mitteleuropa aufnehmen: die Jazzszene, die Theater, die Filmfestivals und Chopin-Wettbewerbe ziehen hochkarätige Künstler an. Ein wichtiger Ortstermin steht noch aus: Hinter dem Jüdischen Museum versteckt sich ein kleines Relief, das den damaligen deutschen Bundeskanzler Willy Brandt (1913–1992) bei seinem Kniefall im Dezember 1970 am Mahnmal für die Opfer des Gettos zeigt. Eine sehr alte Dame sitzt auf einer Bank davor. Sie lächelt: »Viele Leute kommen nicht hierher. Es ist eine neue Zeit, es geht uns gut. So möge es bleiben für immer!«

Die Sigismundsäule auf dem Schlossplatz erinnert an den König, der Warschau 1596 zur Hauptstadt erklärte.
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ERLEBNIS
DAS ANDERE WARSCHAU – PRAGA
Eigentlich ist Praga ein »Schmuddelkind«, das Lieblingsquartier der alternativen Szene, aber längst auch von Besuchern aus aller Welt entdeckt und frequentiert. Im Stadtteil auf dem rechten Weichselufer vermuteten noch vor nicht allzu langer Zeit manche Hauptstädter »den fernen Osten«. Der Name geht auf das slawische Wort für Brandrodung zurück. Ausgangspunkt eines Kiezbummels kann der »Rozycki-Basar« sein, nahe der Metrostation Wilenski. Direkt nebenan hat 2014/2015 das Museum von Praga eröffnet, eine Art Außenstelle des Historischen Museums Warschau. Es zeigt in drei Gebäuden, ergänzt durch einen Beton-Neubau, die Entwicklung der östlichen Stadtviertel, gewissermaßen den Hinterhof der Metropole. Alte Werkstätten, eine ehemalige Synagoge und ein gemütliches Café komplettieren das Ensemble. Zu Praga gehören, neben Musikkneipen und Off-Theatern auch die Florians-Kathedrale mit ihren beiden hohen Türmen und der Zoo.
WEITERE INFORMATIONEN
www.polen.travel/de
www.warschau.info/praga

Bronzetafel zum Kniefall des Bundeskanzlers von 1970, einer Geste zur Versöhnung mit Polen.
TRAUMSTRASSEN
DAS NÖRDLICHE POLEN
Mit dem Wohnmobil nach Podlachien

Polen gehört zu den beliebtesten Auslandsreisezielen der Deutschen und klettert in der Rangliste weiter nach oben in Richtung Top Five. Eine attraktive Wohnmobilreise führt durch das nördliche Polen von Kujawien-Pommern über Masuren bis nach Podlachien im Nordosten.

Nest an der polnischen Storchenroute.
Die große polnische Gastfreundschaft macht das Land auch für individuelle Reiserouten interessant, denn nicht nur in Städten, sondern auch auf dem Land begegnet man Reisenden aus anderen Ländern mit Offenherzigkeit, freundlicher Neugier und ausgesprochener Hilfsbereitschaft.
Gänsemarsch durch Kujawien-Pommern
Polen ist berühmt für seine Gänse, und das Zentrum der Gänsemast liegt in der reizvollen Region Kujawsko-Pomorskie. Dort liegt auch die Stadt Toruń an der Weichsel mit ihrem mittelalterlichen Stadtkern, der seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Den berühmten Gänsen begegnet man nur an Markttagen, dafür sorgt aber das Thorner Pfefferkuchen-Museum für ein wohliges Gefühl in der Magengegend. Natürlich kommt auch keiner an dem imposanten Denkmal des Nikolaus Kopernikus vorbei, denn der berühmte Astronom wurde 1473 in Toruń geboren und ging hier zur Schule. Weiter geht es in die hübsche Jugendstilstadt Bydgoszcz, in der man die königlichen Brauhäuser, Speicher und Salzlagerstätten bewundern kann.

Der Branicki Palast und seine Gärten in Bialystok gelten als das polnische Versailles.
Ferienzentrum Masuren
Die Masurische Seenplatte ist das größte zusammenhängende Feuchtgebiet Europas, Rückzugsgebiet vieler bedrohter Vogelarten und bestens geeignet für Wanderer und Wassersportler. In Gałkowo sollte man im schönen Salon der Marion Gräfin Dönhoff Station machen, denn dort erfährt man alles über die Geschichte Masurens und den aus Russland stammenden Phillipponen, die früher in den hiesigen Dörfern lebten. Auf der Wanderung zum Krutyna-Fluss kann man die sanfte Landschaft hautnah erleben und eine Kanutour auf dem zahmen Krutinnen-Flüsschen unternehmen. Auch Łuknajno und das UNESCO-Biosphärenreservat Jezorio mit dem Lucknainer See sind sehenswerte Haltepunkte, bevor man den Spirdingsee besucht, den größten polnischen See. Dann geht es weiter nach Nikolaiken, einem der wichtigsten Ferienzentren der Region. Hier findet man alles, was das Urlauberherz begehrt.

In Toruń wurde 1473 der Astronom, Arzt und Domherr Nikolaus Kopernikus geboren.
Podlachien – einsames Land im Osten
In Podlachien finden Naturliebhaber, Wanderer und Wohnmobilreisende ein kleines Paradies. In den letzten Urwäldern Europas und verträumten Ortschaften scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Podlachien liegt im äußersten Nordosten des Landes und gilt mit insgesamt vier Nationalparks als eines der Naturparadiese Polens. Die Hauptstadt Białystok zählt rund 290 000 Einwohner, sonst ist die Region nur dünn besiedelt. Im Südosten der Woiwodschaft liegt eine der urwüchsigsten Landschaften Europas. Der Białowieski-Nationalpark ist das älteste Naturschutzgebiet Polens und Heimat der größten freilebenden Wisent-Herde des Landes. Auch die barocke Residenzstadt Tykocin hat Flair; sie war einst ein Zentrum der jüdischen Bevölkerung. Um 1800 stellten Juden etwa 70 Prozent der Einwohner, bis heute erhalten ist die barocke Synagoge im Stadtzentrum.
Info: www.polen.travel

Die Masurische Seenplatte wird von einer Moränenlandschaft mit vielen Rinnen gebildet.
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ERLEBNISSE
KULINARIK
Nadwi lanska Chata in Luskzowo ist ein 1801 von Mennoniten errichtetes Anwesen, das kulinarische Workshops rund um das Federvieh und weitere polnische Spezialitäten aus Wald und Flur anbietet. Selbstverständlich kann man diese wunderschöne Woiwodschaft nicht verlassen, ohne eines der berühmten Gänsegerichte verspeist zu haben. www.nadwislanskachata.com
FESTUNGSHISTORIE
Beeindruckend in der Stadt Giżycko, dem ehemaligen Lötzen, ist die imposante Burganlage. Besucher erfahren auf einem Rundgang durch die Festung Boyen, die im 19. Jahrhundert als preußische Ringfestung angelegt wurde, alles über die Militärhistorie der Gegend. www.twierdza.gizycko.pl
MÜHLENARCHITEKTUR
Die imposante Wassermühle Zielony Lasek mit dem intakten Mühlenwehr wurde im 19. Jahrhundert errichtet, die ehemalige Getreidemühle ist heute noch funktionsfähig und ein Musterbeispiel für die typische Mühlenarchitektur in Masuren. www.zielonylasek.pl
STORCHENDORF
In der Nähe von Tykocin liegt das kleine Pentowo, ein Anwesen, das sich den Titel »Europäisches Storchendorf« erworben hat. Hier kann man im Sommer mehr als 20 Storchenfamilien beobachten. www.pentowo.pl
PRACHTSCHLOSS
Der Branicki-Palast ist zweifellos einer der reizvollsten Plätze in Bialystok. Mit den reich verzierten Fassaden, luxuriösen Gemächern und einer prachtvollen barocken Parkanlage gilt das nach französischem Vorbild entstandene Schloss als das polnische Versailles. www.ogrodbranickich.bialystok.pl
KRAKAU – ALTE SEELE MIT JUNGEM FLAIR
Südpolnisches Zentrum der Künste

Wer Krakau nicht gesehen hat, kennt Polen nicht. Dieses geflügelte Wort könnte zutreffender nicht sein. Nirgendwo anders im Land werden Kultur und Geschichte so liebevoll gepflegt wie in der alten Königsstadt. Dabei zeigt sich Polens südliche Metropole keineswegs museal oder verstaubt. Im Gegenteil: Die vielen jungen Einwohner sorgen für eine frische Atmosphäre.

Die Marienkirche thront am Rande des Rynek Główny.
Als die UNESCO 1978 die ersten zwölf Stätten des Welterbes der Menschheit kürte, fand sich manche Überraschung auf der Liste. Die Altstadt von Krakau gehörte dazu. Damals kannten nur wenige Touristen Polens zweitgrößte Stadt aus eigener Anschauung. Diese Zeiten sind lange vorüber. Mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass Krakaus historische Mitte ein Juwel der Städtebaukunst ist. Doch noch immer reiben sich viele Besucher verwundert die Augen, wenn sie erstmals den Rynek Główny betreten. Der Hauptmarkt ist nicht nur einer der größten, sondern gilt vielen auch als einer der schönsten Stadtplätze Europas.
In seiner Mitte stehen die Tuchhallen, deren Renaissance-Fassaden eher in eine italienische denn in eine polnische Stadt zu passen scheinen. An der Ostecke des Platzes zieht die gotische Marienkirche mit ihren beiden ungleich hohen Türmen die Blicke auf sich. Zu jeder Stunde bläst ein Trompeter von oben sein Signal in alle vier Himmelsrichtungen.
Jazz-Konzert in der urigen Atmosphäre eines Kellerlokals.
Versteckte Plätze der Hoch- und Alltagskultur
Der Rynek Główny ist zu fast jeder Tageszeit belebt und strahlt dennoch eine würdevolle Ruhe aus. Die umliegenden Cafés bieten Gelegenheit zur Stärkung, bevor es hineingeht ins Gassengeviert. Verlaufen ist so gut wie ausgeschlossen, da der Stadtplan einem Schachbrett gleicht. Neben der Marienkirche mit dem kostbaren Hochaltar von Veit Stoß gibt es 18 weitere Kirchen in der Altstadt, darunter die der Franziskaner, deren Besuch allein wegen des in Farben schwelgenden Fensters des Jugendstilkünstlers und Multitalents Stanisław Wyspiański (1869–1907) lohnt.
Im Czartoryski-Museum hängt eines der anrührendsten Gemälde von Leonardo da Vinci, »Dame mit dem Hermelin«. Andere Stätten der Hochkultur verbergen sich hinter unscheinbaren Eingängen, so etwa der Innenhof des Collegium Maius. Die Atmosphäre der nach Prag zweitältesten Universität Mitteleuropas ist dort besonders bezaubernd.
Entdeckergene zahlen sich aus in Krakaus historischem Zentrum. In jedem Straßenzug öffnen sich Tore zu Hinterhöfen oder Treppen in Untergeschosse. Wer ein wenig neugierig ist und seine Schritte dorthin lenkt, wird immer wieder belohnt – sei es mit einer originellen Boutique, einem gemütlichen Jazz-Klub oder einer innovativen Galerie. Wie ein Magnet zieht der Wawel die Besucherströme nach Süden. Der über der Weichsel thronende Burgberg war einst die Residenz der polnischen Könige, von denen die meisten dort ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Bei Sonnenschein weist die golden glitzernde Kuppel der Sigismundkapelle den Weg. Der Besuch gehört für jeden Polen zum Pflichtprogramm.
Spurensuche im alten jüdischen Viertel
Jenseits des Wawel und des Grüngürtels Planty, der die Altstadt umringt, erreicht der Spaziergänger bequem das Viertel Kazimierz. Wo vor dem Zweiten Weltkrieg 64 000 Juden lebten, waren nach deren Vertreibung durch die Nationalsozialisten jahrzehntelang nur noch wenige Spuren jüdischen Lebens zu finden. Kazimierz verfiel. Heute erlebt das Viertel seine Wiedererweckung: Alte Synagogen öffnen wieder ihre Türen, Restaurants bieten koschere Speisen, zwei jüdische Friedhöfe gemahnen an die Vergangenheit. Doch der Blick geht nicht nur zurück: Jeden Sommer zieht das jüdische Kulturfestival internationale Künstler und Besucher an und bringt Leben in die Straßen.
Darüber hinaus hat sich Kazimierz zum In-Viertel der Stadt gewandelt. In den Kneipen und Bars rund um den Plac Nowy schlägt der Puls des jungen Krakau. Studenten und Künstler lieben es, dort den Tag ausklingen zu lassen. Abendliche Flaneure werden gerne willkommen geheißen, auch wenn sie nur zur Stippvisite in Krakau sind.
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ERLEBNIS
DIE SALZBERGWERKE VON WIELICZKA UND BOCHNIA
Wie die Altstadt von Krakau gehört auch das Salzbergwerk von Wieliczka zum Weltkulturerbe. 2013 wurde die Stätte um das Salzbergwerk in Bochnia erweitert. Beide Minen liegen östlich der Stadt und sind bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. In Bochnia wurde erstmals 1248 Salz abgebaut, in Wieliczka begann der Abbau wenig später. Im Lauf der Jahrhunderte sind zahlreiche Höhlen und teilweise riesige Hallen entstanden, die sich in Wieliczka auf einer Strecke von rund 300 Kilometern verteilen. Die berühmteste ist die Kapelle der heiligen Kinga, in der die Bergleute einst Skulpturen aus dem Salz gehauen und Gottesdienste gefeiert haben. Zu den beeindruckendsten Räumen in Bochnia gehört ein unterirdisches Basketball-Spielfeld. In beiden Bergwerken finden Patienten mit Atemwegserkrankungen Linderung. Sowohl Wieliczka als auch Bochnia können im Rahmen von geführten Touren besichtigt werden.
WEITERE INFORMATIONEN
www.krakau.travel
www.krakau-reisefuehrer.de

Das Salzbergwerk von Wieliczka birgt die Kapelle der heiligen Kinga.
POLENS OSTSEEKÜSTE – FEINER SAND UND STOLZE STÄDTE
Die Heimat der Hanse

Für viele Polen ist ihre Küste Urlaubsziel Nummer eins, und auch immer mehr Ausländer werden neugierig auf die Region. Nicht täglich kann die Ostsee im Sommer mit schönsten Temperaturen punkten. Doch wenn die Sonne strahlt, dann sorgen die endlos scheinenden Sandstrände für ein Karibikgefühl. Magnete sind auch die Hansestädte, allen voran das nach dem Zweiten Weltkrieg wiederauferstandene Danzig.

Der Blick an der Mottlau fällt auf das Danziger Krantor.
Von Lübeck im Westen bis Danzig im Osten bildet die Ostseeküste eine Einheit. Die Grenze zwischen Deutschland und Polen führt zwar zu einem künstlichen Bruch, doch hüben wie drüben locken geschichtsträchtige Städte, ein weiter Horizont und reizvolle Strände. Nach den Jahrzehnten des Eisernen Vorhangs ist es heute ein Leichtes, so weit an Usedoms Strand nach Osten zu wandern, bis man unversehens auf dem Strand von Uznam steht – eine Insel, zwei Namen: Willkommen an der polnischen Ostseeküste!
Dem Erbe der Handelsmacht verpflichtet
Wie auf einer Perlenkette reihen sich an Polens Küste Städte mit großer Vergangenheit aneinander, die ein Wort verbindet: Hanse. Die erste Stadt ist Szczecin, ehemals Stettin. Sie hat sehr unter den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gelitten und strahlt heute eher die Geschäftigkeit einer pulsierenden Hafenstadt als die Backsteingemütlichkeit einer Hansestadt aus. Dennoch sollte man sie auf der Route die Küste entlang nicht links liegen lassen.
Rund zwei Fahrtstunden gen Osten bietet das schmucke Städtchen Kołobrzeg beste Möglichkeiten, um sich am Meer zu erholen. Ältere Semester schätzen das frühere Kolberg als Kurbad und erfreuen sich an seiner Überschaubarkeit sowie der salzhaltigen Luft, und junge Familien mit Kindern sorgen dafür, dass es an den Eisständen der Altstadt und am Strand nicht allzu beschaulich zugeht.
Die Königin an Polens Ostseeküste kennt jeder: Gdańsk, das Deutschen unter dem Namen Danzig leichter über die Lippen geht. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand in der alten Rechtstadt kein Stein mehr auf dem anderen. Heute ist davon nichts mehr zu spüren. Entlang von Langgasse und Langem Markt recken die Patrizierhäuser ihre sanierten Giebel wieder so stolz in den Himmel, als wäre es nie anders gewesen. Wer im Schatten der gewaltigen Marienkirche am Ende des Besuchs kein Souvenir aus Bernstein erstanden hat, der kann nicht in Danzig gewesen sein.
Sand, soweit das Auge reicht
Über kleinere Städte wie Darłowo (Rügenwalde) oder Ustka (Stolpmünde) nähern sich Reisende aus dem Westen dem ersten Naturhöhepunkt der polnischen Ostseeküste: dem Slowinzischen Nationalpark. Er bietet Sand satt. Kilometerlang ziehen sich die Strände an der Küste entlang. Der Badeort Łeba gilt als Eingangstor zum Nationalpark und zu seiner bekanntesten Attraktion: Mit 42 Metern Höhe wälzt sich die Wanderdüne Łaçka Góra über die Landschaft. Pro Jahr schafft sie rund zehn Meter und begräbt alles, was sich ihr auf dem Weg nach Osten in den Weg stellt. Dieses gigantische Meer aus Sand, nicht zufällig »Polnische Sahara« genannt, lässt sich gut auf Wanderwegen erkunden.
Auf der weiteren Reise wartet nahezu jeder Ort mit einem eigenen Sandstrand auf. Die beste Verbindung zwischen Natur und Stadt gelingt Danzigs Nachbarstadt Sopot. Vor dem Zweiten Weltkrieg war es unter dem Namen Zoppot als mondänes Seebad bekannt, und nach Jahrzehnten des Niedergangs präsentiert es sich heute wieder wie aus dem Ei gepellt. Vom Pflaster der Fußgängerzone bis zum Sand der Ostsee ist es ein einziger Schritt.
Wer in der Region über Sand spricht, kommt nicht an der Halbinsel Hel vorbei. Ihre Form erinnert an eine Sichel, und an ihrer schmalsten Stelle misst die 34 Kilometer lange Landzunge gerade einmal 200 Meter. In einer nicht absehbaren Zukunft wird das Meer dort den Sand abtragen und an einem anderen Ort wieder anlagern. Bis dahin bleibt jedoch genügend Zeit, sich den Badefreuden hinzugeben. An der Nordseite sind die Wellen kälter und rauer als im geschützten Süden an der Danziger Bucht.

Einmalig schön geht die Sonne über der Sandlandschaft des Slowinzischen Nationalparks unter.
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ERLEBNIS
BEI KOPERNIKUS IN FROMBORK
Obwohl der berühmteste Einwohner der Stadt spottete, dass es sich bei Frombork um den »hintersten Winkel der Welt« handele, hat Frauenburg, wie es bis 1945 hieß, einiges zu bieten. Über den Häusern trutzt der gotische Dom, der 1388 seiner Bestimmung übergeben wurde und mit seiner Länge von fast 100 Metern viel zu groß für die Stadt am Frischen Haff wirkt. Ergänzt wurde das Gotteshaus im Jahrhundert darauf durch eine Burg und einen wuchtigen Glockenturm. Die Grenze zum russischen Kaliningrad oder Königsberg ist zum Greifen nah, und der Blick von oben offenbart die Lage am Rand von Polen. Dass sich Neugierige bis hierhin verirren, ist in erster Linie Nikolaus Kopernikus zu verdanken, der hier von 1513 bis 1543 als Domherr arbeitete. Er war es, der den damals revolutionären Gedanken hatte, dass nicht die Erde Mittelpunkt des Universums sein kann, sondern sich die Planeten um die Sonne drehen. Ihm zu Ehren wurde im Nordwestturm ein Zimmer wie zu seinen Lebzeiten eingerichtet.
WEITERE INFORMATIONEN
www.polen.travel.de
www.ostsee-urlaub-polen.de

Frombork prunkt mit einem Dom.
THEMA
POLEN AUS KLEINER PERSPEKTIVE
Zwergenaufstand in Breslau

Das Alte Rathaus ist Wahrzeichen Breslaus.
»Heute hat man mir ganze 493 Mal die Nase gestreichelt. Wenn das so weitergeht, krieg ich eine Plattnase. Was meine Marzenka davon hält, brauch ich dir wohl kaum zu erklären«, beschwert sich Marek, der Feuerwehrzwerg in der Mikolaja-Straße, bei seinem daneben stehenden Kollegen. »Wir haben schließlich Wichtigeres zu tun, als für die Touristen zu posieren. Wissen die denn nicht, dass die Elisabeth-Kirche im vergangenen Jahrhundert insgesamt drei Mal – 1960, 1975 und 1976 gebrannt hat?«
Nur zwei Stunden Fahrt liegen zwischen der deutsch-polnischen Grenze und einer besonderen Stadt: Breslau besitzt das älteste Rathaus Polens, mittelalterliche Sehenswürdigkeiten, sechs Flüsse und 100 Brücken. Die touristische Erfolgsgeschichte Breslaus reicht viele Jahre zurück, denn hier wurde unter anderem das weltweit zweitälteste Reisebüro eröffnet. Ab dem Jahr 1863 boten die Brüder Carl und Louis Stangen Gruppenausflüge mit der Bahn aus Breslau und aus Berlin an. Kaum jemand weiß, dass es das Stangen-Reisebüro war, das einen Grundstein für den heutigen Tourismus gelegt hat.
Wroclaws Zwerge
Wer märchenhafte Atmosphäre mag, kommt in Breslau auf seine Kosten. Im ältesten historischen Stadtteil, auf der Dominsel, stehen an den Straßen immer noch Gaslaternen, die jeden Abend von einem Laternenmann angezündet werden. Außerdem ist Breslau die Stadt der Zwerge. Sind es 300? Oder 400? 500 oder sogar über 600? Ihre genaue Zahl, die man in der Stadt antreffen kann, kennt keiner, nur eines steht fest: Es kommen immer mehr dazu. So ist die »Zwerge-Suche« eine beliebte Beschäftigung sowohl unter den Bewohnern der Stadt als auch unter den Touristen. Angefangen hat alles in den 1980er-Jahren mit der »Orangenen Alternative« in Breslau mit spontanen Aktionen und Demonstrationen im Zwergenkostüm, mit denen Kritik an Polens kommunistischem Regime geübt wurde, und einem gusseisernen Zwerg, dem »Papa Zwerg«, der in der Breslauer Altstadt aufgestellt wurde. Im Sommer 2001 tauchten dann die ersten Zwerge als Projekt von Studenten der Kunsthochschule in der Stadt auf. 2004 wurde der Künstler Tomasz Moczek beauftragt, zwölf weitere Zwerge anzufertigen. Seitdem sind die Figuren in verschiedenen Varianten in der ganzen Stadt verteilt. Anfang 2009 gab es bereits 95 Exemplare, im August 2014 wurde der 300. Zwerg in Breslau aufgestellt, im August 2018 waren es bereits über 600 Zwerge. Die Figuren sind aus Bronze gegossen und haben eine Größe von etwa 30 Zentimetern. Was die Zwerge und Zwerginnen allerdings des nachts so treiben, darüber wird das Mäntelchen des Schweigens gelegt.

Auf der Dominsel Breslaus erinnert ein Denkmal an den Märtyrer Johann Nepomuk.

Das Rathaus in Breslau wirkt am Abend wie ein Märchenschloss und auf der Dominsel werden die Laternen noch von Hand angezündet.
Schlesiens Himmelreich
Auch eine Entdeckungstour zur Breslauer Gastronomie ist angesagt. Auf der Suche nach traditionellen Speisen lohnt es sich, zum Marktplatz zu gehen oder sich entlang der »Route der Geschmäcker Niederschlesiens« durchzuprobieren. Besonders empfehlenswert sind der Breslauer Bigos, die Breslauer Klöße oder das geheimnisvoll klingende »Schlesische Himmelreich«, ein traditionelles Gericht aus Schweinefleisch mit Sauce aus Trockenfrüchten. Oder man fragt einfach Zwerg Franek, denn der weiß immer, wo man Hunger am besten stillen und Durst am besten löschen kann und wo und was das Breslauer Zwergen-Philharmonie-Orchester spielt. Danach hält man es wie die Sisyphus-Zwerge, die zeitgleich und in entgegengesetzter Richtung drücken und schieben: Soll ich Breslau verlassen oder doch lieber noch ein paar Tage bleiben? Fragen Sie den Papa-Zwerg, sein Grinsen ist Antwort genug.
Info: www.visitwroclaw.eu

Die Anzahl der Zwerge in Breslau kennt keiner so genau, nur eins ist sicher: Es werden immer mehr und sie erfreuen alle Besucher.
PRAG – DIE UNTERSCHÄTZTE SCHÖNE
Tradition, Tragödie und neues Tempo

Die tschechische Metropole ist »eine Verführerin mit tausend Schleiern«, wie Miloš Forman gesagt hat. Und sie lässt einen nicht mehr los, befand Franz Kafka, einer der großen Söhne der Stadt, vor mehr als 100 Jahren. Bis heute ist Prag eine Stadt voller Magie. Ihr Herz schlägt unter goldenen Dächern, in historischen Kaffeehäusern, Kellerkneipen und im alten Jüdischen Viertel.

Ein Einblick ins mittelalterliche Prag bietet der Alte Jüdische Friedhof. Aus Platzmangel begrub man die Verstorbenen in bis zu zwölf Schichten.
Die kleine Galerie, in der es vergilbte Fotos, neue Grafik und böhmisches Kristallglas zu kaufen gibt, passt zum Burgviertel und seinen engen Gassen. Und die alte Dame, die ein aus der Zeit gefallenes Deutsch spricht und anrührend erzählt von der bitteren Vergangenheit und der lebensfrohen Gegenwart, passt zu diesem Laden. Diese zufällige Begegnung wiederum passt zu Prag, dieser vibrierenden und zugleich an so vielen Stellen melancholisch wirkenden Metropole. Auch das Grand Café Orient, nur ein paar Schritte vom Platz der Republik entfernt, gilt als ein solcher Platz, an dem sich die Zeiten und Welten begegnen. Das Orient, ein Hort des Kubismus und eine Herberge der Nostalgie, ist eines der sechs oder sieben erhaltenen unter den legendären Kaffeehäusern, in denen sich einst die Elite der deutsch-jüdisch-österreichisch-tschechischen Dichter, Denker und Komponisten getroffen hat. Für die Prager Journalistin Bára Procházková bis heute ein inspirierender Ort.
Aharon Ester gehört zu den engagierten Mitgliedern der kleinen jüdischen Gemeinde von Prag, die einmal eine der größten in Europa war. Der junge Historiker führt Besucher auf dem Friedhof aus dem 15. Jahrhundert zum Grab des Rabbi Löw, einer Symbolfigur des mystischen Prag. Für die Gäste sortiert Aharon Eindrücke aus den sechs Synagogen der Josefstadt, dem ehemaligen Wohnviertel der Juden, er ordnet Stilrichtungen, Jahreszahlen, einstige Bedeutung. In der Pinkas-Synagoge jedoch, vor den Zeichnungen der Kinder aus dem KZ Theresienstadt, die sie kurz vor ihrer Ermordung gemalt haben, bleibt nur stumme Fassungslosigkeit.

In goldenem Licht: Nachtspaziergang über die Karlsbrücke.

Der Altstädter Brückenturm über dem ersten Brückenpfeiler stammt aus dem 14. Jahrhundert.
Das Jan-Hus-Denkmal und die Teynkirche am Altstädter Ring.
Treffpunkt Wenzelsplatz
Drei Orte, drei Menschen, die für Prag stehen, für die einzigartige Poesie dieser Stadt und für die Verbindung aus Tragödie, Tradition und neuem Tempo. Und doch sind diese Begegnungen allenfalls Mosaiksteine. Denn das Bild der tschechischen Hauptstadt changiert in vielen Farben: von goldglänzend bis zu jenen dunklen Tönen, die an die Schreckenszeit der deutschen Besetzung und die lange Unterdrückung im kommunistischen System erinnern.
Sogar in der Josefstadt und am Wenzelsplatz, den beiden bekanntesten Schauplätzen schlimmer Zeiten, hat sich fröhlicher Alltag durchgesetzt. Jugend aus aller Welt turnt auf dem Denkmal des heiligen Wenzel herum, der Ikone für Einheit und Freiheit aller Tschechen. Koschere Lokale wie das King Solomon in der Nähe der Synagogen sind bei den Feinschmeckern der Stadt so beliebt wie andere kreative Küchen. Und die Pariser Straße, der Prachtboulevard des Viertels, hat sich zu einer Meile teurer Boutiquen entwickelt.
Sightseeing per Straßenbahn
Drei Tage reichen für das Gesamtkunstwerk Prag kaum aus, obwohl die Stadt kompakt ist mit ihren 1,2 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von gut 500 Quadratkilometern. Die Straßenbahn stellt hier die ideale Ergänzung zum lustvollen Sich-treiben-Lassen dar. Die Tramlinie 22 zum Beispiel verbindet nicht nur einige herausragende Sehenswürdigkeiten zwischen dem Burgviertel auf der Kleinseite, wie das westliche Ufer der Moldau genannt wird, und der Neustadt auf der anderen Seite. Eine solche Fahrt ermöglicht immer auch einen Seitenblick auf den Alltag der Prager.
Die berühmte Karlsbrücke allerdings, Wahrzeichen und historisches Bindeglied beider Seiten, ist nur Fußgängern zugänglich, und das in der Regel auch nur im gedrängten Miteinander von Pragbesuchern aus aller Welt. Man mag das alltägliche Spektakel auf dieser 520 Meter langen Brücke touristisch nennen. Aber so ein Spaziergang macht einfach Spaß, er gehört zu Prag wie der Fischmarkt zu Hamburg oder die Tower Bridge zu London. Zwischen den Heiligenfiguren auf beiden Brücken wird Jazz geboten, Scherenschneider, Maler, Schmuckdesigner und ein geschätztes Dutzend T-Shirt-Verkäufer lenken kurzfristig vom Blick auf die Moldau und die Türme an ihren Ufern ab: ein sympathischer Rummelplatz mit Traumkulisse.
Viele Prag-Besucher bringen ihre Klischees mit an die Moldau. Das Folklore-Bild vom kleinen Volk, das sich mit List, Tücke und Humor über schwere Zeiten der Unterdrückung hinweggesetzt hat, manifestiert sich in liebenswerten Figuren wie dem braven Soldaten Schwejk, dem Überlebenskünstler aus Jaroslav Hašeks Schelmenroman, oder dem Vater-Sohn-Duo Spejbl und Hurvínek, holzgeschnitzte Philosophen des Alltags. Was sich heutzutage eher in Werbetafeln vor Schwejkschen Kellerkneipen oder auf Postkarten findet, hat ja über Jahrzehnte tatsächlich einen wesentlichen Teil des Volkscharakters gespiegelt: Mit hintergründigem Humor und einer offenbar angeborenen Pfiffigkeit haben sich die Schwejks, also vor allem die kleinen Leute dieses Landes, durch schwere Zeiten gerettet.
Symbol der Hoffnung
Im Frühling blüht die Stadt auf wie zu keiner anderen Jahreszeit. Im Park hinter dem Palais Lobkowicz, der deutschen Botschaft auf der Kleinseite, lassen die üppig-grünen Bäume kaum die Sicht auf den Balkon zu, von dem Hans-Dietrich Genscher am 30. September 1989 den 4000 DDR-Flüchtlingen im Garten die Freiheit verkünden konnte: »Wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen …« Der Rest seiner berühmt gewordenen Rede ging damals im Jubel der Botschaftsasylanten unter. Ein Fall für die kollektive Gänsehaut.

Das Tanzhaus, 1996 von Frank Gehry erbaut, setzt moderne Akzente im historischen Prag.
Für Bára, die tschechische Journalistin, die in Hamburg Politik und Osteuropa-Kunde studiert hat, ist das alles Geschichte. Sie war damals zehn Jahre alt, heute wirkt sie wie eine moderne Frau, die kosmopolitisch lebt und denkt, eine typische Vertreterin ihrer Generation. Sie liebt Kaffeehäuser mit Patina wie das Orient. Mehr als 100 Jahre nach der ersten Eröffnung und über 20 Jahre nach der Renovierung fühlen sich in Báras Lieblingstreff wieder viele Literaten und Lebenskünstler zu Hause, auch solche, die ihre Zeitung zum Kaffee vorwiegend auf dem Laptop lesen.
Heimat der Künstler
Auch das Louvre oder das Slavia, ebensolche Institutionen, die über alle Stürme der Geschichte hinweg die Wohnzimmer renommierter Musiker und Autoren waren, gehören zu Báras Stammlokalen. Dort haben sie, ob Genies oder verkrachte Existenzen, Karten oder Billard gespielt und die Welt verändert, zumindest bis zum nächsten Morgen: Komponisten wie Bedřich Smetana (1824–1884), Dichter wie Rainer Maria Rilke (1875–1926) und natürlich Franz Kafka (1883–1924). Mit seiner Geburtsstadt verband Kafka zeit seines kurzen Lebens eine ambivalente Liaison. »Prag lässt nicht los. Dieses Mütterchen hat Krallen«, hat er schon als 19-Jähriger behauptet.
Der Dichter, dessen Werke erst nach seinem Tod Kult und Mythos wurden, ist in einem Denkmal gegenüber der Spanischen Synagoge im alten Judenviertel verewigt, das strenge Liebhaber dieses Weltliteraten als gewöhnungsbedürftig empfinden. Immerhin bezeichnet es einen historisch-symbolischen Ort. Hier verläuft die Grenze zwischen den Vierteln Altstadt und Josefov im Dreieck zwischen jüdischer, protestantischer und katholischer Bevölkerung und Kultur. Außerdem hat die Familie Kafka an mehreren Adressen in der unmittelbaren Umgebung gewohnt.
Rundgänge auf Kafkas Spuren und durchs jüdische Quartier mit seinen Synagogen und dem Friedhof aus dem frühen 16. Jahrhundert bieten viele Stadtführer an. Man kann sich der Geschichte des ehemaligen Gettos und der 12 000 Grabsteine aber auch ebenso gut allein überlassen. Die berühmten Gräber des Rabbi Löw oder des Bürgermeisters, Mäzens und Rabbiners Mordechai Maisel und anderer bis heute verehrter Gelehrter und Geistlicher wird man leicht finden, weil davor immer Trauben von gläubigen Juden aus aller Welt stehen, die nach der Sitte ihrer Vorväter einen Stein auf die Grabstelen legen.

Das mechanische Uhrwerk der Astronomischen Uhr am Alten Rathaus wurde 1410 gebaut.
In großzügiger Architektur: Prager Jugendstilcafés.
Anziehungspunkt Altstädter Rathaus
Die Beharrlichkeit Prags, von der schon Franz Kafka schrieb, wird aber auch an anderen Stellen offenbar. Etwa in den Pivnices, den klassischen Bierlokalen der Stadt. Nirgendwo kommt man der Seele und dem Herzen der Moldau-Metropole so nahe wie in diesen immer noch größtenteils verräucherten Kellerkneipen. In manchen, wie dem rustikalen U vystřelenýho oka – auf Deutsch »Zum ausgeschossenen Auge« – tobt das Leben schon am frühen Morgen. Anderswo, etwa im gediegenen U medvídků, treffen sich die Prager und Besucher aus aller Welt spätestens gegen Mittag, um zum Budweiser oder zum selbst gebrauten Dunkelbier eine halbe Ente mit knedlíky, hausgemachten Speck- oder Kartoffelknödeln, zu genießen.
Die meisten Genüsse und Prager Attraktionen müssen mit vielen Menschen geteilt werden: Die Kneipen sowieso, da bringt ja wirklich erst ein volles Haus die richtige Atmosphäre. Aber auch andere Attraktionen werden sehr umlagert wie die Gassen rund um den schönsten Jugendstilpalast, das Gemeindehaus Obecní duům mit seinem feinen Café oder der Platz vor dem Altstädter Rathaus mit der Astronomischen Uhr, an der zu jeder vollen Stunde der Tod die zwölf Apostel paradieren lässt.
Karlsbrücke ohne Trubel
Die kulturelle und die kulinarische Vielfalt, die gelassene Freundlichkeit seiner Bewohner und durchaus das, was man Magie nennen darf, der Zauber der goldenen Kuppeln und hundert Türme, haben Prag zu einem Spitzenplatz im europäischen Städtetourismus verholfen. Kein Wunder, dass dabei auch vielerorts die Preise explodiert sind. Das Preisniveau in den Hotels beiderseits der Moldau, in den besseren Restaurants, aber auch in den Kellerlokalen und den legendären Cafés ist seit der sanften Revolution in die Höhe geschnellt. Wer einfache Prager Bürger in ihrer alltäglichen Umgebung oder auch in ursprünglichen Pivnices treffen will, muss schon in die Vororte fahren.
Generell aber gilt: Frühmorgens oder am Abend, wenn die Karlsbrücke und das goldene Dach des Nationaltheaters im nebligen Dunst verschwimmen oder im warmen Licht der letzten Sonnenstrahlen glänzen, verzaubert sich die sonst so bunte Stadt in eine »Verführerin mit tausend Schleiern«, wie der Prager Miloš Forman (1932–2018), Regisseur des märchenhaften Mozartfilms Amadeus, seine Stadt genannt hat. In solchen Momenten gehört sie für kurze Zeit dem fantasiebegabten Besucher ganz allein.
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ERLEBNIS
KUNSTOASE KAMPA
Die grüne Oase der Kampa-Insel, die von der Moldau und der Čertovka, dem Teufelsbach, umflossen wird und beste Blicke auf die Kleinseite und die Altstadt ermöglicht, gehört zu den Lieblingsplätzen vieler Prag-Kenner. Sie wird dominiert vom Palais Liechtenstein, einem Barockbau, der Staatsempfängen und anderen offiziellen Anlässen dient, und von einem idyllischen Ensemble alter Häuser, Klein-Venedig genannt, eingerahmt. Es gibt einen lauschigen Platz mit Cafés und Banken und das sehr sehenswerte Museum Kampa, das erst 2001 in eine restaurierte Wassermühle eingezogen ist. Es zeigt Werke aus der Sammlung des Ehepaars Meda und Jan Mládek, zum Beispiel abstrakte Gemälde von František Kupka und kubistische Skulpturen von Otto Gutfreund, ergänzt durch temporäre Ausstellungen. Zur romantischen Lage am Moldau-Ufer gleich hinter dem Kampa-Museum passt ein Besuch im rustikalen Fischrestaurant Rybářský club, das in einer alten Fischerhütte mit eigener Terrasse zu Hause ist.
WEITERE INFORMATIONEN
www.prague.eu
www.prag.de
www.myczechrepublic.com/de/prag

Moldaublick von der Kampa-Insel.
NIEDERE TATRA – ARCHAISCHE LANDSCHAFT
Wanderfreuden mit besten Perspektiven

In der Niederen Tatra hat man die Hohe Tatra ganz für sich allein: Die Ausblicke auf die etwas höhere Gebirgsschwester sind gewaltig. Aber während dort fast alle 10 000 Gästebetten der Region stehen, haben Wanderer auf den historischen Kammwegen der Niederen Tatra Seltenheitswert. Auf den Pfaden begegnet man der heroischen slowakischen Vergangenheit – und ganz modernen Helden.

Oase der Erholung: der Gebirgssee Vrbické pleso.
Seit einer Stunde stapft Pavel Beránek durch die Nebelschwaden. Keine Berge sind zu sehen, keine Sonne, kein Weg. Aber er weiß genau, wohin es geht: nach Durková Chata auf 1700 Meter Höhe. Pavel Beránek ist Sherpa. Er schleppt Kisten, Körbe und Säcke, fast 65 Kilogramm schwer: Schnaps, Wasserflaschen, Holzscheite, Zigaretten, Knödel, Kekse, Schokolade, Reis, beinahe alles, was der erschöpfte Hüttengast nach einer mehrstündigen Bergwanderung so braucht. Vysokohorsky nosici heißen die Lastträger der Tatra. Aber jeder sagt einfach »Sherpa« zu ihnen.
Nach 1000 Höhenmetern mit besagten 65 Kilo auf dem Rücken reißt der Nebel auf. Der 25-Jährige hat es fast geschafft: Auf einer Wiese unterhalb des Grats ist Durková Chata zu sehen, eine kleine Hütte mit spitzem Giebel und einem schiefen Ofenrohr. Für das Liefern der Ware erhält er 13 Euro. Das macht 20 Cent pro Kilogramm. Ein Zubrot zum Studium, was aber noch wichtiger ist: Pavel liebt die Tatra, an deren Ausläufern er geboren wurde. »Beim Gehen in den Bergen fühlt man etwas Großartiges«, sagt er. »Und außerdem hasse ich Fitnessstudios.«
Tierische Begegnungen auf dem Heldenweg
Das lindgrüne, von Dörfern gesprenkelte Waagtal trennt die Niedere von der Hohen Tatra. 200 000 Hektar misst der Nationalpark der Niederen Tatra. Mit 2043 Metern als höchstem Punkt ist sie etwas kleiner geraten als das Schwestergebirge, und ihre kahlen Gipfel sind vielleicht nicht ganz so spektakulär. Aber der Rummel der Hohen Tatra, der fehlt eben auch: Hier gibt es keine Parkplätze und keine Zahnradbahn. An sieben Monaten im Jahr liegt Schnee. Zahlreiche Täler und Berge sind von November bis Anfang Juni gesperrt. Im Juli und August erreichen die Temperaturen im Tal durchschnittlich 21 Grad Celsius – und nur vier Grad am Berg.
Dafür gilt der Boden als geschichtsträchtig: Im slowakischen Nationalaufstand gegen Hitler diente die Niedere Tatra den Partisanen als Rückzugsgebiet. Heldenweg heißt deshalb der 80 Kilometer lange Kamm-Trail. Mit ein wenig sportlichem Ehrgeiz könnte man in drei Tagen bis ans Ende der Niederen Tatra durchmarschieren, aber es geht doch auch langsamer – und damit schöner … Der Eindruck totaler Abgeschiedenheit wächst mit jedem Schritt: Abgesehen von Murmeltieren, einem einsamen Meteorologen, viel Enzian und Edelweiß sowie – in sicherer Entfernung – dem einen oder anderen Braunbären begegnet man niemandem. Aber immer ist der Ausblick auf die Türme, Hörner und Rücken der Hohen Tatra, die hinter der Waag wie steingewordene Palisaden in den Himmel ragen, umwerfend. In der Niederen Tatra hat man die Hohe Tatra ganz für sich allein …
Urige Hüttenatmosphäre
Durková Chata ist ein locker geführter Einmannbetrieb. Er besteht aus einem Matratzenlager, einer kleinen Stube und einer rußgeschwärzten Küche. Auf den vier Holztischen stehen Petroleumlampen, und über dem Ofen dampfen die nassen Socken von Wanderern. Immer wenn die Musik aussetzt, haut Juraj Sikula, der Hüttenvater, mit der Faust aufs Radio. Und knisternd kehrt die Melodie zurück. Die meisten Besucher der Tatra sind Slowaken, Tschechen und Polen. Insgesamt kommen rund 3,5 Millionen Touristen jährlich in die Tatra, die wenigsten davon besuchen den niederen Teil.
Seit 1985 veranstalten die Sherpas der Tatra jeden Herbst eine Sherpa-Rallye: 60 Kilogramm Lastentragen über eine Distanz von 800 Höhenmetern, lautet die Aufgabe. Die Sieger der schweißtreibenden Knochenarbeit erhalten als Preis einen Tee. Pavel Beránek war nicht mit von der Partie: 13 Euro sollten es schon sein.

Wanderparadies mit toller Aussicht: die Niedere Tatra.
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ERLEBNISSE
UND NOCH EINE
Fünf Stunden dauert der Marsch von der Durková Chata bis zur Kamenná Chata auf 1985 Metern: ein Weg entlang einer Abbruchkante, hinter der felsige Schluchten liegen, Gletscherseen und bewaldete Becken, in denen früher nach Gold geschürft wurde. In der Hütte gibt’s Rauchfleisch und eine Webcam.
Berghütte Kamenná Chata mit Übernachtungmöglichkeit: www.kamennachata.sk
SKIFAHREN
Für viele ist die Skisaison der Höhepunkt des Jahres. Für sie wartet die slowakische Niedere Tatra mit 70 Pistenkilometern auf, und die Skigebiete auf bis zu 2024 Metern sind durch 60 Skilifte erschlossen. Ein schneesicheres Gebiet mit günstigen Preisen! Saisonzeiten sind Dezember–April, komplette Infrastruktur vorhanden. www.jasna.sk
ACHTUNG, BÄREN!
Es gibt rund 120 Bären in der Niederen Tatra. Trifft man beim Wandern auf einen: ruhig bleiben, den Bären laut ansprechen und sich mit langsamer Armbewegung groß machen. Auf keinen Fall wegrennen oder sich dem Bären nähern, auch nicht versuchen, ihn zu verscheuchen oder mit Steinen zu bewerfen. http://www.nizketatry.sk; Infos zu Bären, ihrem Verhalten und dem eigenen richtigen Verhalten: www.wwf.de

In der Niederen Tatra gibt es rund 120 Bären.
BUDAPEST – DIE ZUKUNFT KANN KOMMEN
Nach k.-u.-k.-Monarchie und sozialistischer Dürre blüht Ungarns Hauptstadt auf

Die Millionenstadt an der Donau hat viele Facetten: Da gibt es einerseits die Zeugen der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn mit ihren noch immer sichtbaren Errungenschaften, andererseits das Erbe trüber Ostblockzeiten. Heute erlebt Ungarns Kapitale den Wandel zu einer angesagten Destination für coole Städtetrips und trendige Partys. Besucher haben die Wahl …

Das Museum der Bildenden Künste steht am Heldenplatz.
Die Donau teilt Budapest nicht, sie verbindet die beiden einst selbstständigen Teile Buda auf der westlichen und Pest auf der östlichen Seite: seit Jahrhunderten der beste Platz, um mit prachtvollen Bauten die Macht des einstigen Königreichs Ungarn zu untermauern. Große Brücken waren notwendig, um die breite Donau zu überwinden, wie die Elisabethbrücke oder die 375 Meter lange Kettenbrücke.
Rund 50 Meter oberhalb der Donau dominiert der Burgberg das hügelige Buda. Mit der historischen Standseilbahn Sikló geht es gemächlich in einer Steigung von 48 Prozent auf das breite Plateau. Der Burgpalast selbst entstand erst im 18. Jahrhundert, er beherbergt heute die Nationalgalerie sowie das Historische Museum. Hinter dem Burgtheater beginnen die Kopfsteinpflastergassen von Buda. Tagsüber wimmelt es hier von Touristen, doch abends ist ein romantischer Bummel stimmungsvoll, besonders, wenn er eine der Weinstuben in der Fortuna utca miteinbezieht. Als weitere Höhepunkte Budas gelten die Matthiaskirche mit den typischen gelbgrünen Dachziegeln sowie die Fischerbastei im Zuckerbäckerstil mit genialer Aussicht auf die illuminierte Kettenbrücke.
Der Glanz der Gründerzeit
Das Budapest von heute ist eine lebendige Stadt der Gegensätze. Im Vergleich zum hügeligen Buda präsentiert sich das flache Pest auf der östlichen Donauseite als »Paris des Ostens« mit seinen riesigen Boulevards wie der 2,3 Kilometer langen Andrássy út, die stadtauswärts bis zum Stadtwäldchen führt. Diese Prachtstraße, die tatsächlich an die Champs-Élysées erinnert, findet ihren Abschluss im weitläufigen Heldenplatz mit dem Milleniumsdenkmal, aufgestellt 1896 zur Erinnerung an die Landnahme durch die Magyaren 1000 Jahre zuvor. Das kulturelle Stadtleben ist gleich zweimal präsent mit der Kunsthalle und dem Museum der bildenden Künste. Gründerzeitbauten säumen das Viertel entlang der eleganten Flaniermeile Andrássy út und repräsentieren das stolze Selbstbewusstsein der Stadt zur Zeit der letzten Jahrhundertwende.

Der Burgpalast in Buda, das größte Gebäude der Stadt, dominiert das Donaupanorama.

Eindrucksvoll sind auch Nationalgalerie und Burgtheater in Buda.
Damals blühte Budapest förmlich auf und trieb den Fortschritt voran: 1896 eröffnete hier die erste Metro Europas. Die im Stil des Historismus gestaltete pompöse Staatsoper am Beginn des Boulevards zählt zu den schönsten Opernhäusern Europas. Weitere kleine Bühnen in unmittelbarer Umgebung der Staatsoper beleben die Theaterszene. Die große Ringstraße überquert den Boulevard und führt bis zum repräsentativen Westbahnhof (Nyugati pu), der ein Jahrhundert nach seinen Glanzzeiten so baufällig wurde, dass erst eine Rekonstruktion unter Federführung einer Fast-Food-Kette Ende der 1980er-Jahre seinen Fortbestand sicherte. Der wichtigere Ostbahnhof (Keleti pu) am anderen Ende der Ringstraße empfängt die EuroCity-Züge aus München oder Bratislava.

Das Parlament liegt direkt am Donauufer.
Die versunkene Welt der Kaffeehäuser
Die Vielfalt an klassischen Kaffeehäusern verbindet Budapest mit Wien und Prag, so mancher Einwohner kehrte einst regelmäßig in sein verlängertes Wohnzimmer ein und schlürfte einen Einspänner, eine Melange oder einen starken Mokka. Bis zu 600 Cafés soll es in Budapest zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegeben haben, nur ein Bruchteil konnte sich in die Neuzeit retten aus der K.-u.-k.-Epoche, die rückblickend humorvoll mit »Kaffee und Kuchen« ausgeschrieben wird. Ein Prachtexemplar ist das New York Café in einem einstigen Versicherungspalast, dem heutigen Boscolo Hotel. Berühmt ist vor allem das damals weniger elitäre Café Gerbeaud am Platz Vörösmarty tér.
Längst hat die Globalisierung Einzug gehalten in der Haupteinkaufsstraße Váci utca, die parallel zur Donau verläuft und dabei die breite Rákóczi út überquert, die Verlängerung der Elisabethbrücke gegenüber des Gellért-Hügels und seiner Zitadelle. Zwischen Souvenirshops, Antiquitätenhändlern und den Modeläden der westlichen Welt sind in den Nebengassen hin und wieder Kunsthandwerkbetriebe und einheimische Geschäfte auszumachen.

Straßenbahn auf der Freiheitsbrücke.
Budapester Erfindung: die »Ruinenbars«
Zum Pflichtprogramm zählt der Besuch der Großen Markthalle am südlichen Ende der Váci utca. Von außen an ein Bahnhofsgebäude oder eine Messehalle erinnernd, eröffnet sich im Innern eine Wunderwelt: Allerlei Sorten Obst und Gemüse wie die unvermeidlichen Zwiebeln, Paprika und scharfen Gewürze werden hier feilgeboten – die Hauptzutaten der ungarischen Küche mit ihren typischen Gerichten wie Gulasch, Lecsó, Rostbraten oder dem importierten Wiener Schnitzel. Leichtere Speisen ergänzen seit geraumer Zeit das Angebot, ungarische Küche muss nicht mehr deftig sein. Am besten beobachtet man das rege Treiben in der Halle bei einem Langos genannten Fladenbrot im Obergeschoss der Marktgalerie. Rund um die Markthalle haben sich immer mehr Bars etabliert, in denen sich Budapest abends von seiner jungen, spannenden Seite zeigt. Das Nachtleben spielt sich nicht nur in edlen Klubs ab wie in der Hotel Buddha-Bar, sondern auch in den sogenannten »Ruinenbars«, das sind häufig mehrstöckige Klubs in leer stehenden Gebäuden, gern künstlerisch dekoriert. Eine Ausgehszene mit vielen Klubs und Pubs hat sich in den vergangenen Jahren in der Straße Király utca breitgemacht, die vom zentralen Platz Deák Ferenc tér parallel zur Andrássy út führt.
Im August wird eine Insel zur Partyzone
Das Parlament am Donauufer von Pest wirkt in seinem Stil der englischen Neogotik wie eine zu groß geratene Kopie der Londoner Houses of Parliament ohne Big Ben, dafür mit einer 96 Meter hohen Neorenaissance-Kuppel sowie byzantinischen und venezianischen Einflüssen. Wo heute die ungarische Nationalversammlung tagt, kann man die Krönungsinsignien besichtigen. Weiter nördlich lädt die 2,5 Kilometer lange Margareteninsel inmitten der Donau zu Ausflügen ein, ob am Strandbad, im Thermalbad des Grand Hotels oder auf Landauer-Fahrrädern für bis zu vier Personen.
Budapest zeigt sich den Besuchern als trendige Stadt, die sich immer wieder neu erfindet. Zu den Superlativen im Veranstaltungskalender zählt das einwöchige Sziget-Festival im August, wenn 400 000 Besucher auf der Insel Óbudai Sziget das größte Musikfestival Mitteleuropas feiern und Budapest in eine einzige Partyzone verwandeln.
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ERLEBNIS
BUDAPESTER BADEFREUDEN
Kur und Wellness werden in der ungarischen Hauptstadt großgeschrieben, seit die ersten einfachen Bäder im 16. Jahrhundert durch türkischen Einfluss entstanden. Inzwischen zählt man gut 500 Mineral- und Thermalquellen in mehr als hundert Einrichtungen von historischen Hotels bis zu orientalischen Badeanstalten. Im Jugendstilbad des »Hotel Gellért« frönen morgens mehr Einheimische als Hotelgäste ihrem Baderitual.
Das stilvolle Széchenyi-Bad im Stadtwäldchen östlich des Zentrums von Pest wartet mit 12 000 Quadratmetern auf. Das Thermalwasser kommt aus 1246 Metern Tiefe, die Badetemperatur beträgt etwa 38 Grad Celsius. Regelmäßig kann man Badegäste beim Schachspielen im Wasser beobachten. Sehenswert ist auch die neobarocke Schlossarchitektur der von außen völlig abgeschirmten Anlage.
WEITERE INFORMATIONEN
www.budapestinfo.hu Széchenyi-Bad: Állatkerti körút 9–11, www.szechenyibad.hu

Beliebt: das Széchenyi-Bad in Pest.
LJUBLJANA – DAS KLEINE PRACHTSTÜCK
Ein echtes städtebauliches Juwel

Die Metropole in der Mitte Sloweniens zählt mit ihren 280 000 Einwohnern zu den kleinsten Hauptstädten Europas, aber sie hat es wahrlich in sich: ein bezauberndes Stadtbild kombiniert mit mediterraner Gelassenheit und überbordender Kreativität. 2016 trug Ljubljana stolz den Titel »Grüne Hauptstadt Europas«.

Die romantische Ljubljanica durchquert die Altstadt.
Die früher auf Deutsch Laibach genannte Stadt an der Ljubljanica steht auf den Überresten der römischen Siedlung Emona, vor 2000 Jahren als militärische Festung erbaut. Die spätere Zugehörigkeit zu Böhmen und besonders zum Habsburger Reich ist in der architektonischen Entwicklung noch heute sichtbar: Neben vereinzelten gotischen Bauten prägen vor allem Barockfassaden mit verzierten Portalen die überschaubare Stadt. Die mediterrane Atmosphäre verdankt sie dem gemäßigten Klima und der ausgelassenen Stimmung am malerischen Ufer der Ljubljanica, die von mehreren Brücken überquert wird.
Gerne wird Ljubljana mit Prag verglichen, wenngleich in kleinerem Maßstab. Das mag an der hoch oberhalb des Zentrums thronenden Burg liegen, romantisch erreichbar per Standseilbahn. Mehrere Ausstellungen berichten in der Ljubljanski Grad über die Geschichte des Landes bis zur Unabhängigkeitserklärung, ein virtueller Spaziergang führt durch die Entwicklungsetappen der Burg. Zu den älteren Teilen der Festung gehört die spätgotische St.-Georgs-Kapelle. Ein Highlight im wahrsten Sinne des Wortes stellt der Uhrturm dar: Früher diente er als Brandmeldeposten, heute können Besucher bei klarem Wetter von dort aus ein Drittel des Staates Slowenien überblicken.
Das aktuelle Erscheinungsbild der schmucken Stadt geht auf zwei schicksalsschwere Ereignisse zurück. Das Rathaus und andere Renaissancegebäude sowie die Vielzahl der Barockbauten wie Brunnen, Herrenhäuser und Kirchen entstanden nach dem Erdbeben von 1511. Als Höhepunkt der Barockkunst gilt der besonders im Inneren prächtig verzierte St.-Nikolaus-Dom aus dem 18. Jahrhundert. Nach einem weiteren Erdbeben 1895 setzte sich der Jugendstil als stilprägende Richtung durch, etwa zwischen Altstadt und Bahnhof entlang der Miklošičeva cesta mit ihrem prächtigen Grand Hotel Union oder bei der Drachenbrücke über der Ljubljanica.
Geballte Attraktionen
Die slowenische Hauptstadt entwickelt sich immer mehr zu einem lebendigen Kunst- und Kulturzentrum mit einer Vielzahl von Kunsthandwerkboutiquen, Museen und Galerien; die meisten davon befinden sich in der Neustadt westlich des Flusses. Als Trendsetter gilt das kunterbunt gestaltete alternative Zentrum Metelkova Mesto nordöstlich der Altstadt. Gastronomisch dominieren in Ljubljana italienische Einflüsse ebenso wie Balkan-Traditionen. So stehen meist deftige Gerichte mit Fleisch oder Fisch auf den Speisekarten. Anders als etwa in Serbien sind die Lokale Nichtraucherzonen. Einen natürlichen Standortvorteil haben da schon immer der große Markt und die Marktkolonnaden geboten.
Ljubljana gilt heute als fröhliche Stadt, die zu guter Laune anregt; die vielen Radfahrer und Fußgänger erzeugen ein Bild von Leichtigkeit fernab von jedem hauptstädtischen Pomp. Dass Ljubljana zu drei Vierteln aus Grünflächen besteht, unterstützt diesen Eindruck. Beliebt sind vor allem der Tivolipark um das gleichnamige Schloss oder der Botanische Garten mit seinen über 4500 Pflanzenarten. Beide Parks bestehen seit gut 200 Jahren. Dank der Pionierrolle in der nachhaltigen Entwicklung seiner Umweltressourcen trug Ljubljana 2016 den Titel »Umwelthauptstadt Europas«.
Die geringe Landesgröße bringt es mit sich, dass das zentrale Ljubljana ein geeigneter Ausgangspunkt für Erkundungen ist. So liegen etwa die berühmten Höhlen von Postojna nur 55 Kilometer entfernt, und sogar das pittoreske Hafenstädtchen Piran am schmalen adriatischen Küstenstreifen ist zügig erreichbar. Und mal ehrlich: Wo sonst in Europa kann man alpine und mediterrane Atmosphäre innerhalb eines Tages erleben?

Die »Tromostovje« genannten drei Brücken führen bis zur Franziskanerkirche am Prešerenplatz.
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ERLEBNIS
MEISTERARCHITEKT JOŽE PLEČNIK
Der in Ljubljana als Tischlersohn geborene Architekt Jože Plečnik (1872–1957) wirkte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst in Wien und später in Prag, wo er für den Umbau der Prager Burg für den Präsidenten Masaryk sorgte. Wieder zurück in seiner Heimatstadt begann er mit der urbanen Umgestaltung von Ljubljana zur modernen Stadt nach dem Vorbild des alten Athens – und setzte Stilakzente mit Balken, Säulen und Balustraden fernab von Jugendstil oder Art déco. Am Ljubljanica-Ufer ergänzte er eine bestehende Steinbogenbrücke geschickt um zwei weitere, spitz zulaufende Brücken. Inzwischen überqueren nur noch Fußgänger das Tromostovje genannte Brückenensemble. Ein weiteres städtebauliches Denkmal ist die slowenische National- und Universitätsbibliothek an der Straße Turjaška mit der auffallenden Ziegelsteinfassade. Doch selbst Jože Plečnik konnte nicht jede Idee umsetzen, sein Entwurf für ein neues Parlamentsgebäude schaffte es aber immerhin auf die slowenischen 10-Cent-Münzen.
WEITERE INFORMATIONEN
www.visitljubljana.com/de

Die Fassade der Bibliothek von Jože Plečnik.
WIEN – LEBENSQUALITÄT UND LIFESTYLE
Reiche Vergangenheit und pulsierende Gegenwart

Die Donaumetropole wird seit über zehn Jahren immer wieder zur »lebenswertesten Stadt« gekürt. Reisende finden hier ein einzigartiges Event- und Freizeitangebot vor: Dutzende Museen und Kirchen, 22 000 Hektar Grünfläche innerhalb der Stadt und eine Küche, die wirklich schmeckt. Besser könnte es gar nicht gehen.

Das Treppenhaus des Kunsthistorischen Museums könnte einem monumentalen italienischen Palazzo entsprungen sein.
Das internationale Beratungsinstitut Mercer zeichnet Wien seit 2009 immer wieder als »lebenswerteste Stadt der Welt« aus. Was Wien so spitze macht, sind seine vorteilhaften wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, sein exzellentes medizinisches Versorgungssystem und sein gutes öffentliches Verkehrsnetz, seine vielfältigen Freizeitangebote sowie sein unvergleichlicher Wald- und Wiesengürtel.
Die Wiener können also zu Recht stolz auf ihre Stadt sein. Sie selbst nehmen aber auch an jedem Detail im urbanen Leben Anteil. Ob das Blumenbeet auf dem viel befahrenen Gürtel wirklich gut gejätet ist, checken sie beim Vorbeisausen. Und wenn die Auslagenscheiben am Graben nicht richtig gut geputzt sind, fällt ihnen das auch auf. Ihre eigene Stadt lässt sie einfach nicht los: Zwei Damen ziehen da zum Beispiel im Schwimmbecken die Runden und unterhalten sich über eine gar knifflige Frage im Kreuzworträtsel: »Stadtviertel im 8. Bezirk, 13 Buchstaben.
Wie könnte das denn heißen?« Hin und her überlegen sie, gehen in Gedanken den ganzen Bezirk ab, vom Rathaus die Josefstädter Straße hinauf, vorbei am Theater, über den Jodok-Fink-Platz, einen der schönsten Plätze von Wien mit der imposanten Maria-Treu-Kirche. Der Name für das »Grätzl« lässt sich jedoch nicht und nicht finden. Vielleicht fällt er ihnen erst dann ein, wenn sie selbst durch die verwinkelten Gässchen der historisch gewachsenen Vorstadt gehen und in der »Alten Backstube« aus dem Jahr 1701 auf einen Millirahmstrudel mit Vanillesoße einkehren.
Wiens »Grätzeln« möbeln auf
Vom Freihaus- zum Karmeliterviertel, vom Franziskaner- zum Schleifmühlviertel ziehen diese ursprünglich alten Dörfer vor den Toren der historischen Innenstadt Reisende wie auch Besucher von anderen Bezirken an. »Grätzeln« umfassen manchmal nur einige Häuserblöcke und haben fließende Grenzen. Sie werden deshalb populär, weil in ihren Hinterhöfen nette Lokale, Galerien und Bars aufsperren.
Wien schlummerte bis in die frühen 1980er-Jahre im Dornröschenschlaf dahin. Zu schwer lastete der eine Stunde vor der Stadt beginnende Eiserne Vorhang auf der Donaumetropole. Aber dann kam die »Waldheim-Affäre«, und die Stadt stellte sich ihrer Vergangenheit. Der Eiserne Vorhang wurde 1989 ebenfalls hochgezogen. Wien begann, sich punktuell als »Event City« zu positionieren. Das »Bermudadreieck« um die Ruprechtskirche, Wiens ältestes Gotteshaus, und die Synagoge in der Seitenstettengasse verschlang jedes Wochenende Tausende von Jugendlichen, die auf der Suche nach gutem Bier und cooler Musik hier gekentert waren. Und auf einmal wurden sich die Wiener bewusst, welch großen Nachholbedarf sie hatten. Das Donauinselfest entlang dem neu geschaffenen Entlastungsgerinne startete im Jahr 1983 als musikalischer Versuchsballon. Mit fast drei Millionen Besuchern avancierte es zum größten Freiluftspektakel in ganz Europa.
Mit der Neujahrsnacht verhielt es sich ähnlich. Als Bürgermeister Helmut Zilk den Jahreswechsel 1989/90 in Wien verbrachte, musste er mit Schrecken feststellen, was die Stadt ihren Gästen zu Silvester bot: »Nur Hunger und Glasscherben.« Alle Restaurants ließen nach Weihnachten ihre Rollläden herunter. Wenn Reisende also an Mitternacht das Neue Jahr mit dem Klang der Pummerin am Stephansplatz einläuten wollten, fanden sie erstens nichts zu essen und zu trinken und zweitens mussten sie aufpassen, dass sie nicht auf den Scherben von Flaschen ausrutschten, die fidele Wiener ins Stadtzentrum mitgebracht und dann fallen gelassen hatten. So entstand die Idee, einen Silvesterpfad durch die Innere Stadt anzulegen. Die Punschhütten hatten schon in der Adventszeit heiße Schwipsgetränke ausgeschenkt. Und nach und nach erkannten auch viele Gastbetriebe in der Inneren Stadt, dass sich bei 700 000 Besuchern ein beachtlicher Umsatz machen lässt. Da Musik im urbanen Leben eine zentrale Rolle spielt, stellte man auch zehn Bühnen an den besten Plätzen der Innenstadt auf.

Der Zuschauerraum der Wiener Oper hat eine tadellose Akustik.
Im Jahr 2001 kam dann noch das Museumsquartier dazu: 60 000 Quadratmeter für die Kunst in unmittelbarer Nähe vom »Kunsthistorischen« und »Naturhistorischen« und der Hofburg. Institutionen wie das Leopold Museum eröffneten hier, das die weltweit größte Egon-Schiele-Sammlung birgt, sowie das Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, in dem die besten Werke österreichischer Nachkriegskunst ein Heim gefunden haben. Aber Besucher schätzen das Museumsquartier nicht nur wegen seines kulturellen Angebots. In der warmen Jahreszeit werden die Innenhöfe zum verlängerten Wohnzimmer.
In Wien tut sich jeden Monat etwas
Kaum eine Woche verstreicht, in der nicht irgendeine Veranstaltungsreihe stattfindet: von »wean hean«, dem Wiener-Lied-Festival, bis hin zu den Tanzwochen, dem Jazz-Fest und den großen Wiener Festwochen, in denen ein wahres Feuerwerk an Theater- und Musikproduktionen über die Stadt hereinbricht.
Als die Habsburgermonarchie in Einzelstaaten zerfiel, galt Wien in den Bundesländern als Wasserkopf, dem Agrarprodukte zugeliefert werden mussten. Das Bild des Wasserkopfes mag auf den ersten Anblick vielleicht erschreckend wirken, doch der Kopf eines Landes kann nicht groß genug sein. Denn ein Hirn braucht ja viel Platz zum Denken. Im 21. Jahrhundert versuchte sich Wien, auch als Zentrum für Wissenschaft und Forschung zu positionieren, als Plattform für kreatives Schaffen. Das »Institute of Science and Technology«, Österreichs erste Eliteuniversität, machte im Jahr 2008 im gleich vor der Stadt gelegenen Ort Gugging seine Pforten auf.

Die Konfiserie »Dürnberger« in der Neubaugasse fertigt ihre eigenen Rumpastillen.
Die Eliteuni liegt im Wienerwald, in der grünen Lunge der Stadt. Auf 105 645 Hektar rankt er sich im Westen und Süden um die Stadt. Wer hier jemals spazieren ging und dann zum Beispiel eine Wanderung in den Green Mountains im amerikanischen Bundesstaat Vermont antrat, wird sich schmerzlich nach Wien zurücksehnen. Nach einer halben oder Dreiviertelstunde bergauf und bergab gibt es allerlei Leckerbissen, die den durch die Sauerstoffzufuhr verursachten Hunger schnell stillen: Leberknödelsuppe, Bauernschmaus, Apfelstrudel und ein Viertel Weiß gespritzt machen auch die müdesten Knochen wieder munter.
»Eine Stadt kann man nicht essen«, sagt die Psychotherapeutin mahnend, wenn eine emigrierte Wienerin darüber nachdenkt, wieso sie beim Heimatbesuch alle traditionellen Delikatessen in sich hineinstopfen will. Aber wer kann es ihr schon verdenken? Schließlich sehen die barocken Kirchenkuppeln wie gewundene Schlagobersgupfe auf einem Windgebäck-Baiser aus, und zu Weihnachten riecht das ganze Zentrum nach heißem Rum und Gewürzen.
Auch für jene, die das ganze Jahr hier leben, ist das »Papperl« (die Mahlzeit) ein wichtiges Lebenselixier. Schon in der Früh wird daran gedacht, was zu Mittag gegessen wird, und am Nachmittag stehen noch die Einkäufe für ein ordentliches Abendessen an. Zwischendurch liegen Verlockungen immer in Reichweite. Wiens Bäckereien haben in den vergangenen Jahren an vielen Standorten Filialen eröffnet. Bei U-Bahn- und Straßenbahnhaltestellen haben sie Verkaufsstände aufgemacht. Ein Punschkrapfen vom »Anker« und ein Rehrücken vom »Felber« lindern den Heißhunger zwischendurch – von den diversen Würstelständen ganz zu schweigen. Und in den Hunderten Restaurants der Stadt wird genau darauf geachtet, was in den Topf kommt. Nur das feinste Rindfleisch für den Tafelspitz und die beste Powidl-Marmelade für die Germknödel.

»Schanigärten« nennen sich die Restaurantterrassen im Freien.
Bewohner der Stadt begegnen Reisenden oft mit ausgesuchter Höflichkeit. Ist es noch ein Erbe der Kaiserzeit, dass Titel eine wichtige Rolle spielen? Der »Herr Ingenieur« hat gerade mal sein Abitur in einer technischen Fachrichtung gemacht, runzelt aber die Stirn, wenn man seine Anrede vergisst. Frauen, die am Standesamt promovierten, bestehen darauf, mit »Frau Doktor« angesprochen zu werden. Aber manchen Verkäufern und Verkäuferinnen kommt es gar nicht in den Sinn, eine Kundin überhaupt zu siezen. Nur die dritte Person ist erlaubt. Bei Nachbestellungen wird deshalb die Frage gestellt: »Darf es noch etwas sein, die Dame?«
Die Wiener haben jedoch eine zärtliche Beziehung zu Objekten, die sich im Laufe des Stadtlebens verdient gemacht haben. Als die Straßenbahnlinie 65 in ein neues Streckennetz überführt und als Nummer 1 wiedergeboren wurde, sagten ihre Schaffner mit einer zentralen Durchsage Lebewohl: »Der Bahnhof Favoriten verabschiedet sich von der 65er-Linie. Viel Glück im neuen Leben!«
Nur auf dem Fußballplatz lassen Wiener überschüssige Energie raus. Das Lokalderby Rapid gegen Austria erhitzt die Gemüter. Wer Schimpfwörter im Wiener Dialekt lernen will, sollte das Gerhard-Hanappi- oder das Ernst-Happel-Stadion besuchen. »Renn doch, du Ohrwaschelkaktus!« ist noch eine feine Ausdrucksweise. »Hau di üba d’Heiser, du Karachl« fällt schon etwas deftiger aus.
Eine Stadt zum Leben
Wien ist eine Wohlfühlstadt. Vermutlich auch, weil die Metropole schon seit Jahrzehnten »rot« ist. Die sozialdemokratische Stadtregierung hat darauf geachtet, dass die Fahrpreise für öffentliche Verkehrsmittel moderat, das Essen auf Rädern für Senioren mit Mindestpension erschwinglich und die Extrawoche im Spital zum Auskurieren einer Krankheit selbstverständlich bleiben. Und dass die Parks, Bäder, Theater und Konzerthallen in Schuss gehalten werden.
In der satirischen Fernsehsendung »Wir sind Kaiser« kam 2010 H. C. Strache, damals Bundesvorsitzender der ultrarechten FPÖ, auf Besuch bei Majestät Robert Heinrich I. Er erklärte, wie er in Wien einiges ändern würde. Daraufhin schaute ihn »Kaiser Robert« nur mal lange an und fragte dann bei seinem Hofkanzler nach, an welcher Stelle Wien in Sachen Lebensqualität denn läge. Als man dem »Kaiser« die Pole-Position bestätigte, fragte er Strache nur ungläubig: »Und das will er ändern?«
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ERLEBNIS
MYTHOS WIENER SCHNITZEL
Kalbfleisch, Semmelbrösel, Ei, Mehl, Butterschmalz, Salz – mehr braucht man nicht, um die Leibspeise der Wiener oder vielmehr das Nationalgericht Österreichs zuzubereiten. Über seinen Ursprung gibt es viele Theorien. Erstmals soll es 1831 in einem süddeutschen Kochbuch erwähnt worden sein. Andere Quellen berichten, dass Feldmarschall Radetzky das Rezept aus Italien mitgebracht hat. Immerhin ist man sich über die Art seiner Zubereitung weitgehend einig: Dünn aus der Kalbsnuss geschnittene Fleischscheiben werden mit Mehl, Ei und Semmelbröseln paniert und dann in heißem Fett herausgebacken. (Schweineschnitzel darf übrigens nicht als Wiener Schnitzel, sondern nur als »Schnitzel Wiener Art« oder »Wiener Schnitzel vom Schwein« bezeichnet werden.) Traditionell reicht man dazu Kopf-, Kartoffel- und/oder Gurkensalat, ein Petersiliensträußchen sowie Zitrone, um die Panade zu beträufeln. Wer sich ein Bild machen will, sollte eines der unten genannten Restaurants besuchen.
WEITERE INFORMATIONEN Schnitzelwirt: Neubaugasse 52/7, 1070 Wien, www.schnitzelwirt.co.at
Figlmüller: Wollzeile 5/ Bäckerstr. 6, 1010 Wien, www.figlmueller.at

Ein Kellner serviert ein gigantisches Wiener Schnitzel im Restaurant Figlmüller.

Bunt, verspielt und expressionistisch: Das Hundertwasserhaus in Wien ist ein Traum von Freiheit. Jenseits der Norm und geradlinigen Erscheinung schuf der Architekt ein Haus für »Menschen und Bäume«. Die 1985 angelegte Dachterrasse wuchs zu einem Park heran.
TRAUMSTRASSEN
IMPERIALES NIEDERÖSTERREICH
Most, Wein, Wald und Wasser

Wer nach Erlebnissen fernab von großen Menschenansammlungen sucht, der sollte sich nach Niederösterreich begeben. Die sechs Regionen Donau, Wiener Alpen, Waldviertel, Weinviertel, Wienerwald und Mostviertel gehören zu den abwechslungsreichsten Erholungs- und Genussregionen in ganz Europa.

Spektakuläre Akrobatik im Schloss Hof.
Niederosterreich liegt im Herzen Europas und zog immer wieder Menschen und Mächte an, die zu einer bewegten Geschichte und einem reichen Kulturerbe beitrugen. Dank des Zusammentreffens von alpinen und pannonischen, nord- und südeuropäischen Klimazonen findet man in Niederosterreich auf dichtem Raum eine große Vielfalt von Landschaftstypen: Auwälder und Steppen, Almen und Seen, Schluchten und Hügellandschaften, Flusstäler und Moore. Das Land an der Donau ist ein landschaftlich reizvolles, kulturell sehenswertes und kulinarisches Urlaubsland von höchster Güte. Da ist zum Beispiel das Marchfelder Schlösserreich im östlichen Teil Niederösterreichs. In kaum einer anderen Gegend des Landes konzentriert sich so viel österreichische Geschichte. Diese drehte sich in vielen Jahrhunderten um die fünf prächtigen Marchfeldschlösser Schloss Hof, Niederweiden, Eckartsau, Marchegg und Orth.

Schloss Eckartsau war der letzte Wohnsitz von Kaiser Karl I. in Österreich.
Schloss Hof im Marchfeld
Prinz Eugen von Savoyen erwarb das Schloss 1726 und ließ es vom berühmten Barockarchitekten Johann Lucas von Hildebrandt zu einem prachtvollen Anwesen umgestalten. Nachdem dieses Juwel lange Jahre brachlag, wurde es 2005 nach einer Generalrenovierung wieder für Besucher geöffnet. Auf 50 Hektar erstreckt sich ein einzigartiges Ensemble aus fürstlicher Architektur und meisterhaft gestalteter Natur. Die prunkvollen kaiserlichen Räumlichkeiten gehören zu den schönsten frühklassizistischen Festsälen Österreichs und vermitteln den Zauber der imperialen Epoche. Die Landschaftsarchitekten gaben auch dem barocken Prachtgarten, angelegt auf sieben Terrassen, sein ursprüngliches Flair zurück.

Schloss Hof ist ein Familien-Ausflugsziel mit zahlreichen Sommerfestspielen.
Eckartsau und Mayerling
Das ehemalige kaiserliche Jagdschloss Eckartsau ist ein ganz besonderes Schmuckstück und strahlt eine dezente Melancholie aus. Der prächtige Festsaal und die zahlreichen Jagdtrophäen des Thronfolgers Franz Ferdinand erzählen von Glanz und Glorie der Habsburgerzeit. Im Schloss endete seinerzeit auch die Donaumonarchie: Das letzte österreichische Kaiserpaar floh von hier aus ins Exil. Hier wurde auch der Verzicht auf die Regierungsgeschäfte in Ungarn unterschrieben – damit begann hier in Eckartsau der Abgang der Habsburger von der großen Weltbühne. Diese Geschichte über die letzten Stunden von Österreich-Ungarn wird bei Führungen am Originalschauplatz bewegend erzählt und gezeigt. Auch die großartige Parklandschaft lohnt den Besuch.
Der kleine Ort Mayerling, idyllisch eingebettet in den Wienerwald, bietet Geschichte und Tragödie in einem. Denn genau dort, wo heute die Kirche des Karmelitinnenklosters steht, gingen Kronprinz Rudolf und Mary Vetsera am 30. Januar 1889 in den Tod. Die anfangs von offizieller Seite verschleierte Tat ist die Tragödie eines gescheiterten Kronprinzen und wurde zu einem ganz besonderen Mythos, der viele Besucher nach Mayerling führt.

Die Kirche Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel ist von Melancholie umgeben.
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FÜRSTLICH SPEISEN
Wer auf adligen Spuren durch Niederösterreich reist, möchte auch fürstlich speisen. Das Restaurant Zum weißen Pfau auf Schloss Hof bietet ausgezeichnete Menüs und eine große Terrasse. Küche in Gourmet-Qualität gibt es im jungWIRT in Göttlesbrunn, und Herwig Gasser im Kaiserhaus Baden bietet »Süßes vom Feinsten«. www.schlosshof-gastronomie.at, www.derjungwirt.at, www.herwiggasser.at
WEINGENUSS
Regelrecht in Wein baden kann man im benachbarten Winzerort Sooß. Dort kann man bei Kerstin und Sigrid im Weingut Schwertführer großartigen Rotgipfler, Riesling, Zweigelt und Roesler probieren. www.schwertfuehrer.at
ALTE RÖMERSTADT
Im Gebiet des heutigen Ortes Petronell wurde um 15 n. Chr. das römische Legionslager Carnuntum angelegt. Heute gibt die Römerstadt Carnuntum eindrucksvolles Zeugnis über das einst blühende Handels- und Handwerkszentrum. www.carnuntum.at
HISTORISCHER PARK
Der Schlosspark Laxenburg im Wienerwald zählt zu den bedeutendsten historischen Landschaftsgärten Europas und wurde seit dem Mittelalter ausgebaut. Im Herzen des Schlossparks befindet sich die schöne Franzensburg. www.schloss-laxenburg.at
ERLEBNISGÄRTEN
In ein Wunderland der Gartenfantasie kann man in den Kittenberger Erlebnisgärten eintauchen, die sich harmonisch ins sanfte Hügelland um Schiltern bei Langenlois einfügen. Ein blühendes Ausflugsziel mit asiatischem Garten, kreativen Wassergärten sowie einem Skulpturengarten. www.kittenberger.at
SALZKAMMERGUT – LANDSCHAFT IM GLEICHKLANG
Alpenländische Sommerfrische

Westlich von Salzburg bis zum Dachsteinmassiv dehnt sich das Salzkammergut aus, ein uraltes Kulturland, in dem schon unsere prähistorischen Vorfahren Salz abbauten. Zugleich ist es eine der traditionsreichsten Urlaubsregionen Österreichs – üppig beschenkt von der Natur mit mehr als 40 großen und kleinen Seen, in denen sich die umliegende Bergwelt spiegelt.

Pittoreske Kapelle auf der Postalm, beliebtes Wanderund Skigebiet.
Wer Sehnsucht hat nach entspannten Ferientagen, nach einem erfrischenden Bad im klaren See oder einer Bootspartie, nach Spaziergängen oder Bergtouren, nach österreichischer Gastlichkeit und kulturellen Erlebnissen, der ist im Salzkammergut goldrichtig. Kaum etwas spürt man vom modernen Massentourismus und seinen Begleiterscheinungen, fast ist die Zeit ein wenig stehen geblieben. Wie die gute alte Sommerfrische, individuell und unaufgeregt lässt sich der Aufenthalt im Salzkammergut gestalten. In bekannten Urlaubsorten wie St. Gilgen und St. Wolfgang am Wolfgangsee, im »kaiserlichen« Bad Ischl oder im idyllischen Altaussee – einst Refugium der literarischen Prominenz – ist man seit über 100 Jahren auf Gäste eingestellt.
Hoch hinauf und weit zurück
1997 hat die UNESCO die »Kulturlandschaft Dachstein-Hallstatt/Salzkammergut« zum Weltnatur- und Weltkulturerbe ernannt, weil sich hier auf vergleichsweise engem Raum die Schönheit und die geologische Besonderheit der Natur mit einer jahrtausendealten Kultur vereinen. Auf hochalpine 2995 Meter steigt das Dachsteinmassiv an, ein verkarsteter Bergstock mit interessantem Innenleben: Drei der vielen Höhlen, darunter die faszinierende Dachstein-Eishöhle, kann man im Rahmen von Führungen besichtigen. Atemberaubende Aussichten eröffnen sich von der Bergstation (2100 Meter) der Dachstein-Seilbahn. Die Talstation liegt unten am fjordartigen Hallstätter See, wo sich unter steilen Hängen am schmalen Uferstreifen die Häuser von Hallstatt drängen. Schon in der Steinzeit, vermehrt in der Bronzezeit, lockten die reichen Salzvorkommen Menschen in die abgeschiedene Bergregion. Im Besucherbergwerk und im Prähistorischen Museum von Hallstatt erfährt man mehr darüber, auch über Abbau und Verhüttung der Eisenerze am Beginn der Eisenzeit. So aufschlussreich und ergiebig waren die archäologischen Funde aus dem Gräberfeld oberhalb von Hallstatt, dass eine ganze Epoche mitteleuropäischer Zivilisation den Namen Hallstattzeit (ca. 800 bis 450 v. Chr.) erhielt.
Wo sich der Franzl in seine Sisi verliebte
Nicht umsonst nannte man das Salz einst »weißes Gold«. Und weil das Gebiet seit dem 15. Jahrhundert »Kammergut« war, also direkter Besitz der Habsburger Erzherzöge, war es dem österreichischen Herrscherhaus dank der reichen Salzvorkommen von jeher lieb und teuer. Im 19. Jahrhundert schätzte man das Salzkammergut aber auch schon wegen seiner landschaftlichen Schönheit. Jahrzehntelang, von 1849 bis 1914, hielt Franz Joseph I. seiner Sommerresidenz Bad Ischl die Treue. Auch als die kaiserliche Ehe längst zerrüttet war, kehrte er Jahr für Jahr zurück an jenen denkwürdigen Ort, an dem er sich 1853 Hals über Kopf in die blutjunge Sisi verliebt hatte. Die Kaiservilla, Hochzeitsgeschenk für das Paar, kann man besichtigen, wunderschön liegt sie in einem ausgedehnten Park. Groß gefeiert wird in Bad Ischl alljährlich am 18. August der Kaisergeburtstag. Als Heimatmuseum und Gedenkstätte für Franz Lehár ist die klassizistische Lehár-Villa eingerichtet, und auch das sommerliche Operettenfestival trägt den Namen des Komponisten. Ebenfalls im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde das nahe Altaussee vom Tourismus entdeckt. Der idyllische Ort am gleichnamigen See war Sommerdomizil prominenter Schriftsteller wie Hugo von Hofmannsthal und Friedrich Torberg – zur Spurensuche lädt hier das Literaturmuseum ein. An die Zeit des historischen Salzabbaus erinnert das spektakuläre Ausseer Schaubergwerk Salzwelten, wo es tief hinein geht in die endlosen Stollen der größten Salzlagerstätten Österreichs. Über Tage atmet man in der ungewöhnlichen Freiluft-Gradieranlage die Sole in Form ätherischer Öle ein.

Direkt am See gelegen: das legendäre »Weiße Rößl« in St. Wolfgang.
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ERLEBNISSE
PILGERN
Nach Hunderten von Kilometern endet der böhmisch-bayerisch-österreichische Pilgerweg Via Nova in St. Wolfgang. Im historischen, direkt am Wolfgangsee gelegenen Ortskern erhebt sich die Kirche St. Wolfgang – schon im Mittelalter Wallfahrtsziel und Schatzkammer großer Kunst. Herrliche Fernblicke verschafft man sich vom markanten Schafberg (1782 m), auf den eine nostalgische Zahnradbahn führt. https://wolfgangsee.salzkammergut.at
AUSFLUG
Ziel eines lohnenden Tagesausflugs ist Salzburg, die weltbekannte Festspielstadt und eine der schönsten Städte Österreichs. Den Bummel durch die malerische Getreidegasse mit Mozarts Geburtshaus (Museum), die Fahrt hinauf zur aussichtsreichen Festungsanlage Hohensalzburg und den Besuch des monumentalen frühbarocken Doms sollte man sich nicht entgehen lassen. Überwältigend ist auch der barocke Prunk, den die Fürsterzbischöfe in ihrer Stadtresidenz entfalteten, das heitere Kontrastprogramm dazu bietet etwas außerhalb ihr Lustschloss Hellbrunn, wo die Gartenanlagen mit zauberhaften Wasserspielen überraschen. www.salzburg.info
WEITERE INFORMATIONEN
www.salzkammergut.at

Draußen sitzen am Fuschlsee.
TRAUMSTRASSEN
DIE GLOCKNERSTRASSE
Die berühmteste Alpenstraße Österreichs

Ein Augusttag 1961. Mittag ist vorbei, die Sonne steht noch hoch am Himmel, über den watteweiße Sommerwolken ziehen. Am kleinen Mauthäuschen bei Ferleiten hält gerade ein Bus mit deutschem Kennzeichen. Zwei Motorräder rauschen davon, ein Radfahrer versorgt sich am Kiosk mit Getränken. Reiseziel Großglockner-Hochalpenstraße.
Ein Jahrhundertwerk
»Straßen sind beredte Zeugen menschlicher Schaffenskraft. […] Sie dienen edelsten Zwecken im Sinn der Volksgemeinschaft und des Einzelnen: Sie bauen Brücken inniger Zusammengehörigkeit von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt und von Landschaft zu Landschaft, sie führen den Einzelnen aus seiner engeren Heimat hinaus in sein großes Vaterland, sie erschließen ihm erst alle Schönheiten seines Heimatlandes bis in die fernsten, von stolzen Bergen überragten Täler.«
So pathetisch feierte im Jahr 1935 eine Broschüre die Eröffnung der Hochalpenstraße. Gute Zeiten waren das keine damals, braune Wolken zogen über Europa herauf, das mitten in einer schweren Wirtschaftskrise steckte. Politiker beschworen Volk und Vaterland, auch in Österreich. Die Dollfuß-Regierung forcierte – ganz nach deutschem Vorbild – den Straßenbau und brachte so viele Menschen in Lohn und Brot. Über 3000 Männer schufteten in den Sommermonaten unter dem Großglockner, trieben die Trasse Kilometer um Kilometer voran.
Einst und jetzt
Noch ein Sommertag. Ferienzeit und Sonntag dazu. Bereits an der Mautstelle braucht’s etwas Geduld, auf der Strecke dann auch. Kolonnenfahren im Hochgebirge, die Reisebusse geben das Tempo vor, mühen sich durch die Serpentinen, nur Motorräder können überholen. Die Parkplätze rund um das Fuscher Törl sind rappelvoll, Gedränge an den Souvenirshops und am Würstlstand. Es wird eifrig geknipst: sie und er und ein Dreitausender, er und sein Motorrad. Eine schrille Stimme verlangt Auskunft: »Wo ist der Großglockner?«
Der würde sich bei all dem Trubel wohl am liebsten aus dem Staub machen, doch das geht nicht so leicht, bei seiner Statur. Vom Fuscher Törl aus ist er nicht zu sehen, erst auf der Kärntner Seite der Bergstrecke kommt der ganze alpine Stolz der Nation ins Bild, am schönsten auf der 8,7 Kilometer langen Gletscherstraße zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2370 m): noch ein Höhepunkt der meistbefahrenen Straße der Alpen. Den ersten erreicht man, 20 Kilometer von Fusch, am Fuscher Törl (2428 m), den zweiten am Hochtor, das die Straße in einem Tunnel durchsticht (2505 m). Das schöne Bild an der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe hat allerdings ein paar Kratzer: majestätisch der Großglockner (3798 m), schwer mitgenommen vom Klimawandel dafür die Pasterze, der größte Gletscher des Landes, mit seiner schmutziggrauen Dreckhaut. Welt im Wandel.
Info: www.grossglockner.at

Österreichs berühmteste Bergstrecke: die Großglockner-Hochalpenstraße

Ein richtiges Wolkenhaus: die Edelweißhütte. Blick zum Großen Wiesbachhorn

In den letzten Jahrzehnten arg geschrumpft: die Pasterze.
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ERLEBNISSE
EDELWEISSSPITZE
Keine zwei Kilometer lang ist die Stichstraße, die vom Fuscher Törl auf die Edelweißspitze (2571 m) und zum großen Panorama führt. Bei schönem Wetter sind von dem Gipfel 37 Dreitausender zu sehen! www.grossglockner.at
GLETSCHERWEG
Der markierte Weg im Vorfeld der Pasterze führt von der Talstation der Gletscherbahn zum Sandersee und am Stausee Margeritzen vorbei zum Glocknerhaus. Trittsicherheit erforderlich (2.30–3 Std.).
GAMSGRUBENWEG
Wenig anstrengender Spaziergang vor großer Kulisse, vorbei an der Gamsgrube (einzigartiges, streng geschütztes Biotop) in den Wasserfallwinkel (2584 m). Dabei kommt man der Pasterze ein gutes Stück näher (1.30 Std. ab Kaiser-Franz-Josefs-Höhe). Im Sommer werden täglich geführte Wanderungen angeboten. www.grossglockner.at
AUTOMOBILAUSSTELLUNG
Der nostalgische Blick zurück in ein Zeitalter, das gerade zu Ende geht, passt prima zu jener Aussage des Straßenplaners am Glockner, Franz Wallack, der sein Werk als »Wanderweg für motorisierte Touristen« bezeichnete. Auf einer Fläche von etwa tausend Quadratmetern werden 30 Exponate präsentiert. www.grossglockner.at
HEILIGENBLUT
Zwei markante Spitzen: der Kirchturm von Heiligenblut und der Großglockner. Schönstes Stück der Kirchenausstattung ist der spätgotische Flügelaltar (um 1520 vollendet). www.heiligenblut.at
VADUZ – GENUSS AUF KLEINEM RAUM
Zwergstaat mit unverwechselbarem Charakter

Nur etwa 5200 Einwohner zählt der überschaubare Hauptort des Fürstentums Liechtenstein, dem kleinen souveränen Staat zwischen der Ostschweiz und den Vorarlberger Alpen. Doch bietet Vaduz gerade für Reisende im Bodenseeraum eine Fülle von Möglichkeiten – vom Erlebnis der kulturellen Vielfalt über Wanderungen in der Bergwelt bis zur Verkostung in den fürstlichen Weinkellern.

Ländliche Idylle mit Blick auf Schloss und Zentrum von Vaduz.
Etwa 120 Meter oberhalb von Vaduz auf einer felsigen Terrasse thront das weithin sichtbare Schloss, das sich seit 300 Jahren im Besitz der Fürsten von Liechtenstein befindet. Von außen wirkt die bereits im 12. Jahrhundert erbaute Residenz eher wie eine Burg. Zwar kann man den Privatsitz der Herrscherfamilie mit Ausnahme der Schlosskapelle nicht besichtigen, doch knapp unterhalb bietet der Aussichtspunkt »Känzeli« einen tollen Blick über Vaduz und die Weinhänge der Umgebung – so kann man sich den fürstlichen Blick auf das kleine Land durchaus vorstellen. Nur einmal jährlich, am 15. August, dem liechtensteinischen Staatsfeiertag, hat die Bevölkerung Zugang zum Schlossgarten.
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