Kitabı oku: «Eine freie Frau: Erotische Novelle»

Yazı tipi:

J. Hermansson

Eine freie Frau: Erotische Novelle

Lust

Eine freie Frau: Erotische Novelle ÜbersetztMareike Zoege Original En fri kvinnaCopyright © 2018, 2019 B. J. Hermansson und LUSTAll rights reservedISBN: 9788726200515

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

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Eine freie Frau

Mein Körper ist älter geworden, auch wenn mein inneres Wesen jung geblieben ist. Es ist merkwürdig, wie alles seinen Lauf nimmt, das Leben und das Altern. Die Veränderung. Die Anpassung? Wie das Äußere eine Sache sagen kann und das Innere, das vielleicht deutlich Auschlaggebendere, das genaue Gegenteil. Wenn Menschen mir begegnen, sehen sie jemanden, der seine Bedeutsamkeit überschritten hat. Sie sehen eine Frau, die gelebt hat, erlebt hat, und durch Freud und Leid gegangen ist. Jemanden, dessen Leben auf dem Weg ist summiert zu werden. Ein Leben, das bald beginnt, zurück zu blicken und zu danken. Ja, danke zu sagen, jetzt bin ich zufrieden.

Erfahrungen, unzählige, muss sie haben. Und Antworten. Wissen über richtig und falsch und Weisheit, die sagt, dass Vernunft alles ist und Balance wichtig und Herz und Bauch – ja, auf die muss man hören. Zumindest, solange sie das richtige sagen. Manchmal muss man einfach die Zähne zusammenbeißen. Aushalten. Weiter gehen und überleben. Auf der anderen Seite herauskommen und feststellen, dass es letztendlich doch möglich war. Ich lebe. Vielleicht bin ich nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Aber ich lebe, ich atme und das ist das Wichtige.

Die Frau, ich, könnte vom Aussehen her älter sein, als sie ist. Das ist wahr. Ich könnte die Müdigkeit des Körpers und die Ermattung des Gesichts ausstrahlen. Das tue ich nicht. Ich könnte in meiner Person die Ruhe verkörpern und ja, vielleicht sogar das Trostlose, das scheinbar nicht selten von jemandem in meinem Altern erwartet wird.

Ich bin nicht wie andere in meinem Alter.

Ich bin weit davon entfernt.

Lange Zeit war ich die Frau, die einem Weg gefolgt ist, der mir bereits vorbestimmt war. Ich habe zu anderen aufgesehen und bin davon ausgegangen, dass so auch mein Leben aussehen sollte. Ein Mann. Kinder. Ein Zuhause. Eine Arbeit. Ein Hobby, vielleicht mehrere. Enkelkinder. Und lange Abendessen mit traditionellen Rezepten und Kinderbetreuung und Festen hier und da und Schulabschlussfeiern und kleinen Geschenken, gebastelt aus Tannenzapfen und Steinen und Farbe, die in den hübschen Winkeln des Wohnzimmers platziert werden. Boule und Stricken und Flickendecken und Blumen und frischgebackene Zimtschnecken, wenn die Jüngeren zu Besuch kommen. Nein, das war nichts für mich. In der Tat lag es mir sehr fern. Trotzdem war ich all das. Ich war all das für sehr lange Zeit. Obwohl ich spürte, dass ich in diese Rolle nicht hineinpasste, in diese Art und Sitten, machte ich weiter. Machte weiter, ohne in Frage zu stellen.

Aber dann – endlich.

Es war, als ob diese Gedanken die ganze Zeit da gewesen und langsam herangekeimt wären, aber als ich ihnen schließlich Aufmerksamkeit schenkte, wuchsen sie und nahmen in mir immer mehr Bereitschaft an. Eines Tages war es, als ob ich der Genügsamkeit meines Alltagstrotts begegnet wäre. Mit gerade neu erwachten Augen sah ich, dass ich ein verlogenes, mittelmäßiges Dasein gelebt habe. Das ich Teil eines Lebens gewesen war, das mir weder Lust noch besonders viel Sinn gegeben hatte. Und ich begriff, dass ich handeln musste. Etwas tun, um dahin zu kommen, wo ich sein wollte. Wo ich, das echte Ich und nicht das Bild von meinem Ich, leben wollte. Ohne Verkleidung oder Regelwerk, die nicht zu mir passten und drückten und scheuerten und mit denen ich mich in meiner Haut völlig falsch und merkwürdig fühlte.

Ich begriff es jetzt.

Und als ich es erkannte, verstand ich plötzlich das Merkwürdige in meiner Kontinuität. Wie falsch ich gehandelt hatte. Und wie falsch ich lange Zeit so gehandelt hatte. Ohne in Frage zu stellen oder zu versuchen zu verstehen oder zu ändern, hörte ich auf. Einfach so. Ich sagte „Danke“ und „Leb wohl“ zu dem, was meine frühere Sicht auf mich selbst gewesen war. Ich sah es als Neuanfang, als Geburt und gleichzeitig Möglichkeit, mich für den Rest meines Lebens etwas anderem zu widmen.

Mir selbst.

Und niemand anderem als meinem eigenen Willen.

Vielleicht findest du, ich sei unsensibel, angesichts dessen, was ich nun erzählen werde. Vielleicht meinst du, ich sei egoistisch und dümmer, als es mir selbst gut tut. Ganz zu schweigen von anderen. Dass ich zufrieden sein sollte, statt undankbar zu sein. „Ja“ und „Danke“ und „Gern“ sagen, anstatt „Nein“ und mich zu weigern und etwas anderes zu tun. Etwas ganz anderes. Vielleicht hast du recht, wenn es das ist, was du denkst. Vielleicht sollte ich genau so handeln. Aber dieses „müsste“ und „sollte“ darf nicht über mich bestimmen. „Sollte dies“ und „sollte das“ – ich habe nie zugestimmt, ein Teil davon zu sein. Das „Sollte“ und ich, wir haben keinen Vertrag miteinander und daher breche ich auch mit nichts, wenn ich diesen neuen Weg wähle. Eigentlich nicht. Denn die Norm ist natürlich da und die Erwartungen, aber die stecken mit dem Sollte unter einer Decke und deswegen verlasse ich sie, da ich kein Teil dieser Ideen und Ansprüche sein will. Aber was ist mit den Kindern? Und den Enkelkindern? Die Früchte und der Nachtisch des Lebens, darum müssen dein Leben und deine Tage doch gekreist haben – sie sind es doch, für die du lebst? Nein, sage ich an dieser Stelle. Und ja. Beides. Ich liebe meine Nächsten, versteh mich hier nicht falsch. Ich liebe sie grenzenlos und in alle Ewigkeit.

Aber ich lebe nicht ausschließlich für sie.

Ich lebe ebenso viel für mich selbst. Das so zu sagen ist weder falsch noch egoistisch, das möchte ich dir sagen, falls es das ist, was du von mir denkst. Denn dir wird das Leben gegeben und es ist deine Aufgabe, es zu verwalten. Ich teile mein Leben mit denen, die ich am meisten liebe.

Aber ich gebe nicht mein ganzes Leben.

Niemandem.

Aber was ist es, worauf sich eine Frau in ihrer Ablösung vom Normalen und Erwarteten bezieht? Was hat sie getan, das nicht dem allgemeinen Bild der Rolle entspricht, in die sie sich mit ihrem Namen, Alter und Hintergrund einordnen sollte?

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