Kitabı oku: «Wissenschaftliches Arbeiten im Wirtschaftsstudium», sayfa 3
Formale Ansprüche
„Die formalen Ansprüche beziehen sich auf die wissenschaftliche Sprache und die Zitierweise. Bezüglich der Ausdrucksweise sind wir uns einig, dass wir präzise und eindeutige Formulierungen nutzen, richtig? Ich denke, dass wir alle Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion beherrschen und eine fehlerfreie Arbeit hinkriegen, oder?“, fragte Annkathrin. „Ja, das kriegen wir schon hin, zumal die Arbeit ja auch vor der Abgabe Korrektur gelesen wird. Ich vertraue da voll auf Noras Kenntnisse. Aber das mit der Wissenschaftssprache macht mir etwas Sorgen“, antwortete David. „Wieso, ist doch easy. Du überlegst bei jeder Formulierung, ob du präzise und eindeutig formulierst und auf jegliche Metaphern etc. verzichtest“, meinte Nora. „Wir haben so etwas doch schon im Deutschunterricht in der Schule gehabt. Aber wenn ihr wollt, erzähle ich euch an einem anderen Freitag noch, was in meinem Buch dazu steht und was wir im Begleitseminar haben – das Thema soll wohl relativ früh zur Sprache kommen, wenn ich mir die Seminargliederung so angucke. Das müsste noch vor der Themenvergabe klappen.“
„Und einen Abend zu den Zitierregeln machen wir auch noch. Die haben wir zwar im Kurs ausführlich gehabt, aber das ist ein Wust von Detailregeln. Da bin ich froh, wenn jemand von euch das übernimmt“, meinte Annkathrin. „Gut, das können wir ja dann noch entscheiden.“
3 Welche Anleitungen zum wissenschaftlichen Arbeiten sind wichtig?
„Also, ich finde diese ganzen Hinweise zum wissenschaftlichen Arbeiten ziemlich verwirrend“, meinte David. „Unendlich viele Ansprüche, manches wird unterschiedlich gesehen, neue Fremdwörter – derzeit wächst meine Angst vor der neuen Aufgabe eher, als dass ich sicherer werde und weiß, was ich zu tun habe.“ Nora konnte das gut nachvollziehen: „Das ist mir schon mit meinem Buch so gegangen. Und ich habe nur ein Buch zum wissenschaftlichen Arbeiten bisher angelesen, aber es gibt doch so viele. Wie entscheide ich denn, welche Anleitungen wirklich wichtig und für meine Arbeit geeignet sind? Was muss ich unbedingt nachlesen und beherzigen, um eine gute Arbeit schreiben zu können?“
„Ich verstehe euch“, sagte Annkathrin. „Mir ist das am Anfang des Kurses auch so gegangen. Aber keine Sorge – es wird hinterher besser, wenn man erst einmal den Überblick über den gesamten Prozess hat. Außerdem wurde im Kurs auch einiges genau zu dieser Frage gesagt.“

„Die wichtigste Anleitung ist zunächst mal die, die der jeweilige Professor oder die Professorin herausgibt. Man findet solche Hinweise meist im Internetangebot zum Fach. Wichtig ist, wirklich die Anleitung zu verwenden, die der Professor herausgibt, bei dem man gerade schreibt. Die, die für die letzte Arbeit bei meinetwegen einer anderen Professorin galt, kann in Einzelbereichen völlig in die Irre führen.“
Also – ich weiß von einigen Leuten, dass es an ihren Hochschulen anders ist“, sagte Kevin. „Dort gibt es einen Leitfaden für wissenschaftliches Arbeiten und der gilt für alle wissenschaftlichen Arbeiten und für alle Fachbereiche an der Hochschule. Und andere kennen Anleitungen zumindest für ihren eigenen Fachbereich. Das finde ich viel besser.“
„Einerseits hast du völlig recht. Es ist schon leichter, wenn man die einmal gelernten Regeln immer beibehalten kann. Aber die unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Professoren und Professorinnen beziehen sich letztlich nur auf die Formalien, wie Fußnoten, Literaturverzeichnisse etc. Das Wichtigste, die grundlegende Technik des wissenschaftlichen Arbeitens, bleibt immer gleich. Es gelten auch die gleichen Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit – egal bei wem und wo du schreibst“, entgegnete Annkathrin. „Außerdem bezweifele ich, nach dem, was ich gehört habe, dass diese Einheitlichkeit der Anleitungen wirklich stimmt. Zumindest sind die Regeln beispielsweise bei Naturwissenschaftlern, Psychologen und Medizinern deutlich anders als in den Wirtschaftswissenschaften – was sich übrigens auch auswirkt, wenn wir eine Arbeit in den Überschneidungsgebieten wie Wirtschaftspsychologie oder Gesundheitsökonomie schreiben.“
„Aber wieso sind gerade formale Anforderungen überall anders?“, fragte Kevin. „Gibt es denn keine allgemeingültigen Regeln?“ „Leider nein“, erwiderte Annkathrin. „Vielfach sind diese Regeln über viele Semester ‚historisch gewachsen‘ und einfach Gewohnheiten, die sich für die jeweiligen Lehrenden als sinnvoll herausgestellt haben. Manches darin ist einfach Geschmackssache, nicht ‚richtig‘ oder ‚falsch‘. Übrigens – wenn wir mal irgendwann entscheiden, in der Wissenschaft bleiben zu wollen, wird das eine ständige Frage sein. Oft haben selbst innerhalb eines Verlages die einzelnen Zeitschriften unterschiedliche Formvorschriften und es gehört zum wissenschaftlichen Arbeiten offensichtlich dazu, dass man sich über diese Vorschriften in der jeweiligen Umgebung, in der man arbeitet, informiert und sie anwendet. Sonst hat man beispielsweise keine Chance, in der Zeitschrift seiner Wahl einen Aufsatz zu veröffentlichen.“ „Ziemlich unwirtschaftlich“, sagte David. „Man sollte doch meinen, dass Wirtschaftswissenschaftler den Sinn von Vereinheitlichung sehen und sich dann einigen können.“ „Vielleicht. Aber offensichtlich werden die Kosten einer Einigung – die ja theoretisch weltweit stattfinden müsste – als höher eingeschätzt als ihr Gewinn. Also bleibt es dabei. Es ist sicher sinnvoll, wenn wir uns jetzt schon die jeweiligen Anleitungen besorgen, dann können wir bei den einzelnen Themen zum wissenschaftlichen Arbeiten vorab gucken, welche spezifischen Regeln für unsere Abschlussarbeiten gelten, und eventuell auch Fragen klären. – Aber das war nur ein erster Schritt zu den notwendigen Informationen. Uns wurde auch geraten, die Literatur zu solchen Anleitungen mal zu sichten und zu entscheiden, welches Buch uns gut gefällt, damit wir Sonderfragen klären können. Und dann wurden wir noch auf einige Internetseiten hingewiesen, die auch hilfreich sein können. Eine davon hat mich wirklich verblüfft: Es wurde tatsächlich ausdrücklich auf YouTube verwiesen.“
„Ach nee – sind da dann Filmchen zu sehen, wie ein Student am Schreibtisch sitzt und über seiner Arbeit brütet?“ Kevin grinste. „Quatsch, das würde wohl kaum helfen. Aber wenn du zum Beispiel auf der Seite mal nach dem Wort ‚Fußnoten‘ suchst, findest du für mehrere Textverarbeitungsprogramme gute Anleitungen. Und eine Suche nur nach dem Ausdruck ‚wissenschaftliches Arbeiten‘ ist wegen des großen Angebots mit über 800 Treffern tatsächlich schon zu ungenau, um problembezogene Hilfe zu finden.“ „Hätte ich ja nicht gedacht! Das probiere ich nachher noch aus!“ „Cool, das macht bestimmt mehr Spaß, als trockene Anleitungen in Büchern zu lesen!“ „Stimmt, aber es ist auch eine Gefahr damit verbunden, vor der wir gewarnt wurden: Man kann sich in allen diesen Anleitungen ziemlich verlieren. Und dann verwendet man viel Zeit darauf, die ‚richtigen‘ und ‚wichtigsten‘ Anleitungen zu finden, anstatt schon seine Arbeit zu schreiben. Also Vorsicht …!“
4 Zeitplanung
„Heute bin dann ja wohl ich dran, denn wir hatten diese Woche den ersten Termin“, meinte David, als sie am nächsten Freitag wieder zusammensaßen. „Habt ihr in eurem Blockkurs die Zeitplanung gehabt, Annkathrin?“ „Ja, kurz. Wir haben eigentlich nur durchgesprochen, was für Arbeitsschritte insgesamt zu tun sind, und wie man die Dauer dieser einzelnen Schritte einschätzt.“ „In meinem Buch steht auch ein bisschen was dazu“, sagte Nora. „Okay, dann könnt ihr ja ergänzen, wenn bei meiner Zusammenfassung noch etwas fehlt. Bei uns wurde eine Methode zur Zeitplanung vorgestellt, die man die Alpen-Methode nennt. Hat aber nix mit den Bergen zu tun, das ist ein Akronym.“ „Und was bitte ist das?“, wollten die anderen wissen. „Musste ich auch erst nachgucken. Ein Akronym ist ein Wort, das aus den Anfangsbuchstaben anderer Wörter gebildet wird. Hier sind es die Anfangsbuchstaben der einzelnen Planungsschritte. Das
A steht für ‚Aktivitätenliste aufstellen‘, das
L für ‚Lage und Dauer der Aktivitäten schätzen‘, das
P für ‚Pufferzeiten einplanen‘, das
E für ‚Erledigen‘ und das
N für ‚Nachkontrolle‘.
Pufferzeit ist übrigens ein Begriff aus der Netzplantechnik. Das ist die Zeit, um die ich eine Aktivität verschieben kann, ohne den Endzeitpunkt zu gefährden.“
Arbeitsschritte des wissenschaftlichen Arbeitens
„Wir haben dann zuerst mal überlegt, welche ‚Aktivitäten‘, also einzelne Arbeitsschritte, für unsere Abschlussarbeit notwendig sind. Das ist jetzt teilweise natürlich auf die Vorgehensweise bei meinem Professor bezogen. Wir bekommen eine Art Oberthema, auch ‚Dachthema‘ genannt. Dazu gibt es zwei oder drei Literaturhinweise, mit denen wir uns in die Thematik einarbeiten sollen. Dabei ergeben sich wohl automatisch verschiedene Fragestellungen, von denen wir uns eine als eigentliches Thema der Arbeit aussuchen sollen. Das wird dann mit dem Betreuer besprochen und endgültig formuliert, bevor die Arbeit dann beim Prüfungsamt angemeldet wird. Daraus ergeben sich einige Arbeitsschritte, die bei euch vielleicht nicht in dieser Form relevant sind. Die Liste für meinen Zeitplan habe ich euch aber mal mitgebracht:“
Tipp!
Zeitplanung
[1] angegebene Literatur suchen und lesen
[2] Definitionen klären
[3] Absprache mit Betreuer zur endgültigen Themenfestlegung
[4] weitere Literatur zum Thema suchen
[5] Literatur lesen
[6] Gliederung erstellen
[7] Text verfassen
[8] Korrekturen
[9] weitere Formalien (Verzeichnisse erstellen, Silbentrennung, Seitenlayout etc.)
[10] kopieren, binden, abgeben
„Stimmt, die Liste sah bei uns ein bisschen anders aus, aber nur am Anfang“, meinte Annkathrin. „Das war in meinem Kurs mehr allgemein, welche Arbeitsschritte überhaupt vorkommen können. Bei manchen Professoren darf man zum Beispiel ein Thema auch selbst wählen und dann vorschlagen. Dann kommt der Arbeitsschritt ‚Themensuche‘ dazu – in deiner Liste ist das ja nur die Einschränkung auf die konkrete Fragestellung. Und manchmal muss man innerhalb der ersten Tage nach der Themenfestlegung ein Exposé erstellen. Das gibt eine zusätzliche Aktivität, außerdem muss der Arbeitsschritt 4 mehrfach auftauchen – denn in so einem Exposé wird meist eine Grobgliederung verlangt, und dazu muss man schon ein bisschen Einblick in die Literatur haben. Das wurde uns zumindest geraten.“
„Du sprichst da etwas an, was bei uns ohnehin sehr betont wurde: Einzelne Arbeitsschritte können und sollen auch mehrfach auftauchen“, erwiderte David.

„Viele machen wohl den Fehler, die einzelnen Aktivitäten nacheinander abzuarbeiten. Das ist aber nicht wirklich sinnvoll, viele Dinge können und sollten parallel erledigt werden. Zum Beispiel sollte man schon anfangen, die Literatur zu lesen, bevor man alle notwendigen Literaturquellen in der thematischen Literatursuche gefunden hat. Und es ist normal, dass man sogar während des Schreibens noch feststellt, dass der eine oder andere Aspekt noch nicht genug mit Literatur belegt ist. Dann muss man unter Umständen am letzten Tag der Abschlussarbeit nochmal thematisch suchen, nur eben für ein Detail, was man bisher nicht berücksichtigt hat. Daher werden wir wohl an den einzelnen Arbeitstagen während unserer Abschlussarbeit meist mehrere verschiedene Teilarbeiten erledigen. Wir haben übrigens dazu, wie sich die einzelnen Arbeitsschritte gegenseitig beeinflussen, eine Abbildung bekommen. Guckt mal hier.“

Abb. 1: Arbeitsprozess ist nicht linear!
„Das ist doch eigentlich eine Hilfe, oder? Ich jedenfalls kann besser arbeiten, wenn ich die Aufgaben zwischendurch mal wechseln kann“, meinte Nora. „Genau!“, sagte David. „Darauf wurde im Kurs sehr viel Wert gelegt. Wir wurden aufgefordert, unseren eigenen Arbeitsrhythmus zu finden, festzustellen, wann wir was am besten erledigen. Offensichtlich gibt es Menschen, die mitten in der Nacht prima Texte schreiben können, aber tagsüber auf den leeren Bildschirm starren wie das Kaninchen auf die Schlange. Und andere sind offensichtlich die totalen Frühaufsteher und arbeiten von 6 bis 15 Uhr durch. Ich kann zwar beides nicht nachvollziehen, aber ich kenne so etwas noch vom Lernen für Klausuren – manche Tageszeiten waren da einfach besser geeignet als andere.“
„Mir erscheint deine Aufgabenliste aber ziemlich grobschrittig“, sagte Nora. „In meinem Buch wird geraten, mit einzelnen Tagen oder sogar halben Tagen zu planen und mehr Details einzubeziehen. Ich könnte mir vorstellen, dass das übersichtlicher ist.“ „Stimmt“, meinte David. „Aber es geht ja auch noch weiter. Zuerst ist es sicher schwierig, die Teilaufgaben so detailliert darzustellen. Ich weiß doch beispielsweise am Anfang noch gar nicht, in welchem Kapitel ich wie viele Abbildungen einfügen muss. Wenn ich eingearbeitet bin, kann ich den Zeitplan verfeinern und eben solche Arbeitsschritte zusätzlich einfügen. Zu Anfang reicht eine Grobplanung, die wochenweise die groben Teilaufgaben zuordnet. Bei der Nachkontrolle werden dann immer wieder die noch nicht erledigten Arbeiten auf den Rest der Zeit verteilt und das kann dann auch mit immer kleinschrittigeren Aufgabenlisten erfolgen. – Aber jetzt haben wir den letzten Teil der Planung vorgezogen.“
Zeitdauer und Lage der einzelnen Arbeitsschritte
„Wir waren ja eigentlich erst bei dem L der ALPEN: Schätzung der Länge, der Zeitdauer der einzelnen Aktivitäten. Auch dazu haben wir eine Reihe von Tipps bekommen. Verblüfft hat mich, dass der erste Tipp ausgerechnet war, ausreichend Freizeit einzuplanen. Zum einen sind zwei halbe oder ein ganzer Tag Pause pro Woche absolut notwendig, wenn die Produktivität hoch sein soll. Es ist offensichtlich gar nicht so gut, 12 Stunden pro Tag an sieben Tagen pro Woche am Schreibtisch zu sitzen – wie es uns zu den Klausurzeiten immer schien. Ich jedenfalls hatte immer ein schlechtes Gewissen, weil ich das nicht geschafft habe. Das war sicherlich nicht produktivitätsfördernd … Und zum anderen wurde uns geraten, an unabdingbare, feste Termine zu denken, auch im privaten Bereich – etwa runde Geburtstage in der Familie oder so. Ärger mit der Familie wegen Fehlens bei einer Feier senkt die Produktivität nämlich auch!“ „Oh, da erinnerst du mich an was.“ Kevin unterbrach David plötzlich. „Meine Großmutter wird mitten in der Bearbeitungszeit 70 Jahre alt – da bin ich sicher ein verlängertes Wochenende in Norddeutschland. Stimmt, das sollte ich bei der Zeitplanung berücksichtigen. Viel werde ich in den Tagen nicht tun können.“ „Ja, um genau diese Termine geht es“, sagte David. „Wenn man solche Zeiten rechtzeitig berücksichtigt, kommt man weniger in Zeitdruck.
Als nächstes ging es um die Literaturrecherche. Wir haben das ja noch nicht gelernt, müssen also noch Erfahrungen sammeln. Daher wurde betont, dass wir diesem Arbeitsschritt ausreichend Zeit einräumen sollten. Allerdings wurde gleichzeitig vor der Gefahr gewarnt, zu viel Literatur anzuhäufen. Wenn man sich drei dicke Stapel Papier zu sammenkopiert bzw. ausdruckt, kann man davon ausgehen, dass zwei davon ungelesen bleiben, weil die Zeit nicht reicht. Nach Murphys Gesetz sind aber die besten Literaturquellen dann immer im dritten Stapel ganz unten, werden also nicht mehr gelesen. Und solche Stapel machen uns ein schlechtes Gewissen, weil wir dieses viele Zeug ja eigentlich noch komplett lesen müssten. Ein schlechtes Gewissen, wie schon gesagt, finde ich aber nicht produktivitätsfördernd.“ „Oder man liest viel zu flüchtig“, warf Annkathrin ein. „Dann überliest man bestimmt die wichtigsten Punkte.“ „Stimmt“, sagte Kevin. „Das ist mir bei der Facharbeit damals passiert. Da habe ich viel zu spät mit dem Lesen angefangen und zwei Sachen komplett missverstanden. Meine Note hinterher war wohl reine Gnade …“
„Aber wie verhindert man diese Bildung von riesigen Papierstapeln?“, fragte Nora. „Gerade wenn man sich in ein Thema einarbeitet, erscheint doch fast alles interessant. Ich kann mir schon vorstellen, dass ich dann aus Vorsicht eher zu viel als zu wenig ausdrucke oder kopiere.“ „Dazu gab es bei uns im Kurs zwei Hinweise“, antwortete Annkathrin. „Der erste bezog sich auf Selbstdisziplin. Wir sollten einfach unsere Lesefähigkeiten realistisch einschätzen. Wenn ich nicht mehr als 30 Seiten pro Tag lesen und bearbeiten kann, dann sollte ich diese Zahl mit der Anzahl Tage multiplizieren, die ich für das Lesen vorgesehen habe. Und dann einfach diszipliniert nur das berücksichtigen, was wirklich zum Thema gehört. Wenn ich mir bei einigen Artikeln unsicher bin, kann ich zumindest die, die ich online als PDF-Datei finde, in einen separaten Ordner kopieren, möglichst mit sprechenden Dateinamen. Dann finde ich die Artikel im Notfall ohne große Suche wieder.“ „Klingt sinnvoll. Und der zweite Hinweis?“ „Der gehört hier eigentlich noch nicht hin. Ich berichte euch gerne beim Thema ‚Zitierfähigkeit‘ genauer darüber. Es gibt Ranglisten von Zeitschriften, die es ermöglichen, besonders wichtige von weniger wichtigen Artikeln zu unterscheiden. Bücher übrigens braucht man nur wenige, wenn überhaupt – wir brauchen also keine Angst zu haben, mehrere Bücher in der kurzen Zeit durchlesen zu müssen.“
„Okay“, fuhr David fort.

„Der nächste Tipp bezog sich auf Korrekturen. Uns wurde dringend geraten, mit anderen zusammenzuarbeiten und gegenseitig Korrektur zu lesen. Dabei sollte mindestens eine Person ein bisschen was vom Thema verstehen, um festzustellen, ob der ‚rote Faden‘ eingehalten wird. Und eine weitere Person sollte ausschließlich das Deutsch überprüfen – Stil, Rechtschreibung, Zeichensetzung. Ich wusste vorher gar nicht, wie viel Wert manche auf diese Aspekte legen – uns wurde bis zu einer ganzen Note Abzug angekündigt, falls sich solche Fehler häufen.“
„Ja, das habe ich auch in meinem Buch gelesen. Also – ich sage euch schon einmal zu, dass ich Eure Arbeiten sprachlich überprüfe. In Deutsch hatte ich immer gute Noten, auch in Grammatikarbeiten.“ „Cool, danke!“ „Wir sollten vielleicht wirklich einfach jeder die drei anderen Arbeiten lesen. Sechs Augen sehen vermutlich immer noch mehr als vier.“ Kevins Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Wozu hatte man sich schließlich als Team zusammengetan?
„Einen letzten Tipp gab es“, sagte David. „Wir sollten uns rechtzeitig darum kümmern, wo wir die Ausdrucke kopieren und binden lassen. Schließlich ist das das erste selbstverfasste Buch, da ist es schon sinnvoll, einen Einband auszusuchen, der nicht nur die Anforderungen des Prüfungsamtes erfüllt, sondern einem auch noch gefällt. Es wurde geraten, wenn man merkt, dass man nicht mehr lesen oder schreiben kann, einfach mal einen Spaziergang zu machen und Copyshops und Buchbindereien abzuklappern. Die Angebote sind ziemlich unterschiedlich, nicht nur im Aussehen der Einbände, sondern z.B. auch in der Bearbeitungszeit. Wenn man sich rechtzeitig informiert, weiß man sofort, wohin man gehen kann und was man sich ausgesucht hat, falls es am Schluss zeitlich eng wird. Manche Einbände sind schon in wenigen Stunden fertig, andere brauchen mehrere Tage.“
„Gut, ich fasse mal zusammen:
Tipp!
Genügend Freizeit einplanen,
ausreichend Zeit für die thematische Literatursuche vorsehen,
nicht zu viel kopieren und ausdrucken,
gegenseitig die Arbeiten korrigieren und
rechtzeitig um einen Einband kümmern.
Jetzt haben wir viele Hinweise zu diesem L der ALPEN-Methode gehört, aber so richtig praktisch umgesetzt noch nichts. Wie viel Zeit muss ich denn nun beispielsweise für das Schreiben einplanen?“, fragte Kevin. „Richtig, mit diesen Hinweisen muss man sich jetzt jeden einzelnen Arbeitsschritt vornehmen und die voraussichtliche Zeitdauer und die Lage schätzen, also wann genau der einzelne Schritt eingeplant wird. Manches muss ja erledigt sein, bevor man die nächste Aktivität anfängt. Vor der genauen Festlegung des Themas beispielsweise kann ich noch nicht gezielt Literatur zum Thema suchen. Andere Arbeitsschritte können parallel laufen. Wenn man meint, dass die jeweilige Aktivität mehrfach auftauchen wird, kann man das in der Liste kennzeichnen. Bei mir sieht das so aus:“
Tipp!
[1] angegebene Literatur suchen und lesen – 1 Tag
[2] Definitionen klären – 1 Tag
[3] Absprache mit Betreuer zur endgültigen Themenfestlegung – 1/2 Tag
[4] weitere Literatur zum Thema suchen – 5 x 1 Tag
[5] Literatur lesen – 6 x 2 Tage
[6] Gliederung erstellen – 2 Tage + 1 Tag Überarbeitung
[7] Text verfassen – 14 Tage
[8] Korrekturen – 7 Tage
[9] weitere Formalien (Verzeichnisse erstellen, Silbentrennung, Seitenlayout etc.) – 2 Tage
[10] kopieren, binden, abgeben – 1 Tag
„Und wie kommst du jetzt auf die Zeitdauern?“, fragte Kevin. „Das sind in diesem Stadium nur grobe Schätzungen, noch mit relativ viel Pufferzeit und Freizeit. Und auch hier wurde betont, dass man sich gut selbst kennenlernen muss. Noch weiß ich z.B. nicht, wie schnell ich Texte verfassen kann. Manche brauchen wohl einen ganzen Tag für eine Seite Text mit allen Fußnoten, andere schaffen zwei oder drei Seiten an einem Tag. Wir sollen 25 Seiten schreiben, und ich bin mal von ungefähr zwei Seiten pro Tag ausgegangen. Bisher fiel mir das Schreiben nicht so schwer. Aber da kann man natürlich auch vorsichtiger vorgehen und mehr Zeit einplanen. Für die Korrekturen wollte ich wenigstens ein paar Tage vorsehen, damit ich niemandem meine Arbeit in die Hand drücken muss mit der Verpflichtung, sie mir einige Stunden später zurückzugeben. Dann wird nämlich niemand gründlich lesen.“ „Guter Gedanke, das wird uns helfen!“ „Außerdem baut uns das ein bisschen Zeitdruck auf, rechtzeitig fertig zu werden. Das hilft vielleicht, den ‚inneren Schweinehund‘ zu überwinden …!“
„Ehrlich gesagt, sehr übersichtlich und einfach finde ich deine Liste noch nicht“, meinte Kevin. Jetzt kann ich zwar schon sehen, wie lange ich für die einzelnen Schritte wohl in etwa brauche, aber das eigentliche L, die Lage im Zeitplan, ist immer noch unklar. Habt ihr dazu eine Idee?“ „In meinem Buch stand etwas, was ich ganz hilfreich fand“, meinte Nora. „Man sollte sich eine senkrechte Fläche, wie etwa eine Tür, für die genaue Planung suchen. Dann schreibt man die einzelnen Arbeitsschritte auf Post-its®, vielleicht sogar in verschiedenen Farben und Formen, und sortiert sich das anschaulich auf dieser Fläche. Das hat noch einen Motivationseffekt: Am Anfang sind das meist ja ganz viele Post-its®, aber immer, wenn etwas erledigt ist, kann man den Zettel abnehmen und wegwerfen. Man sieht also so richtig, dass man etwas geschafft hat.“ „Das klingt fast ein bisschen wie Mindmapping“, sagte Annkathrin. „Die Methode wurde uns im Kurs zur Strukturierung des Themas empfohlen, aber für die Zeitplanung geht es bestimmt auch. Übrigens sogar am PC!“ „Der Tipp, den wir bekommen haben, ist, glaube ich, sogar noch einfacher umzusetzen“, sagte David.

„Uns wurde geraten, einfach ein Koordinatensystem oder eine Tabelle zu nehmen. Die x-Achse bzw. Spaltenkennzeichnung ist dann die Zeitachse, auf der y-Achse oder als Zeilenkennzeichnung stehen die Nummern der einzelnen Arbeitsschritte. Und dann werden die Aktivitäten als Balken mit einer Länge, die der Zeitdauer entspricht, eingetragen. Wenn ein Arbeitsschritt mehrfach vorkommt, wird der Balken einfach entsprechend oft unterbrochen. Was allerdings mit keiner dieser Methoden ohne einen Kommentar an der Darstellung der Aktivität klappt: die Berücksichtigung der Pufferzeiten. Die Kennzeichnung muss ich zusätzlich vornehmen.“
„Und wie sieht so ein Koordinatensystem dann aus?“ „Das aus dem Kurs habe ich euch mitgebracht. Wir haben mal mit neun Wochen Bearbeitungszeit gerechnet.“

Abb. 2: Zeitplanung
„Das erscheint jetzt schon deutlich übersichtlicher – aber so ganz verstehe ich das noch nicht. Du hattest für den Schritt ‚Text verfassen‘ 14 Tage vorgesehen, der Balken ist aber drei Wochen lang. Wie passt das zusammen?“, fragte Nora. „Das liegt einfach daran, dass ich hier ja noch keine taggenaue oder gar stundengenaue Planung habe. Diese 14 Tage werden innerhalb der markierten drei Wochen liegen, aber andere Aktivitäten, wie etwa die Suche nach Literatur zu ganz bestimmten Teilaspekten oder die Überarbeitung der Gliederung, müssen ja parallel erfolgen.“ „Und bei der nächsten Nachkontrolle planst du dann mit kleineren Zeitabschnitten?“ „Genau. Übrigens noch ein Tipp: Wenn man die einzelnen Balken einträgt, fängt man immer vom Zeitpunkt der Abgabe an, plant also vom Endzeitpunkt her. Denn der ist fix; alle Arbeitsschritte müssen so geplant sein, dass dieser Zeitpunkt eingehalten wird.“
„Muss man denn jetzt immer mit so groben Zeitabschnitten anfangen und dann bei den Nachkontrollen immer detaillierter werden? Geht das nicht auch gleich mit kürzeren Zeitabschnitten?“, fragte Kevin. „Bestimmt“, meinte David, „aber ich stelle mir die Detailplanung gerade am Anfang ziemlich schwierig vor. Ich könnte mir vorstellen, dass man dann sehr viel Zeit in die Zeitplanung steckt, anstatt einfach mal mit dem anzufangen, was man schon weiß. Ich glaube, es ist einfacher, die Details dann einzufügen, wenn sie sich aus dem Arbeitsfortschritt ergeben. – Hier ist übrigens noch als Zusammenfassung die Folie zur ALPEN-Methode, die in der Veranstaltung genutzt wurde:“
Tipp!
ALPEN-Methode
A → Aktivitätenliste erstellen
L → Länge und Lage der Aktivitäten schätzen
P → Pufferzeiten
E → Erledigen
N → Nachkontrolle
„Okay, die Zeitplanung müsste jetzt einigermaßen klappen“, meinte Nora. „Mit welchem Thema machen wir denn jetzt weiter, und wer übernimmt den nächsten Freitag?“ „Mein Kurs ist nächste Woche“, sagte Kevin. „Ich übernehme gerne den nächsten Termin, aber ich weiß noch nicht, welches Thema als nächstes wichtig wird. Annkathrin, was kam denn in eurem Kurs als nächstes dran?“ „Bei uns ging es dann um das Literaturverzeichnis und die Fußnoten. Ziemlich viele Regeln, ein sehr trockenes Gebiet. Wenn du das übernehmen würdest, wäre ich dir echt dankbar. Diese Formalien erinnern mich mit ihren vielen Details, die exakt eingehalten werden müssen, immer an Buchhaltung – und das war so gar nicht mein Lieblingsfach!“ „Echt nicht? Mir hat das Spaß gemacht – aber ich will ja auch ins Controlling. Okay, dann übernehme ich das Thema. Bis nächsten Freitag!“
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