Kitabı oku: «Multiple Sklerose»

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Die Autoren

Prof. Prof. h.c. Dr. Heinz Wiendl ist Direktor der Klinik für Neurologie mit Institut für Translationale Neurologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Dr. med. Catharina Korsukewitz ist Funktionsoberärztin der Klinik für Neurologie mit Institut für Translationale Neurologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Prof. Dr. Bernd C. Kieseier ist Oberarzt an der Neurologischen Klinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Heinz Wiendl Catharina Korsukewitz Bernd C. Kieseier

Unseren Ehegatten Lucienne, Verena und Thomas sowie unseren Kindern Fiona, Louis, Emelie, Clara Emilia, Anna Amalia, Hannah und Max gewidmet

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2,. erweiterte und überarbeitete Auflage 2021

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Da jedoch die Medizin als Wissenschaft ständig im Fluss ist, da menschliche Irrtümer und Druckfehler nie völlig auszuschließen sind, übernimmt der Verlag für derartige Angaben keine Gewähr.

Jeder Anwender ist daher dringend aufgefordert, alle Angaben auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Verantwortung des Benutzers. Werden im Text Handelsnamen genannt, so handelt es sich in der Regel um eine subjektive Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Die 1. Auflage des Werkes erschien in der Reihe »Klinische Neurologie«, herausgegebenen von Thomas Brandt, Reinhard Hohlfeld, Johannes Noth und Heinz Reichmann.

Print:

ISBN 978-3-17-022496-4

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-035371-8

epub: ISBN 978-3-17-035372-5

mobi: ISBN 978-3-17-035373-2

Abkürzungsverzeichnis


ABEHirnstammenzephalitis
ACTHAdrenocorticotropes Hormon
ADEMAkute disseminierte Enzephalomyelitis
aHSCTAutologe hämatopoetische Stammzelltransplantation
ALSAmyotrophe Lateralsklerose
ALTAlanin-Aminotransferase
AMAkute Myelitis
AMLAkute myeloische Leukämie
AMPAα-Amino-3-Hydroxy-5-Methyl-4-Isoxazol-Proprionsäure
APC/APZAntigen präsentierende Zelle
APLsVeränderte Peptidliganden (engl.: altered peptide ligands)
APPβ-Amyloid-Vorläuferprotein
APRILEin Proliferation auslösender Ligand (a proliferation-inducing ligand)
APSArea postrema Syndrom
ATGAntithymozytenglobulin
AZAAzathioprin
BAFFB-Zell aktivierender Faktor der TNF-Familie
BDNFBrain-derived neurotrophic factor
BSBalos konzentrische Sklerose
CBCannabinoide
CBZCarbamazepin
CCLChemokinligand
CDRComplementary determining region
CISKlinisch isoliertes Syndrom
CNTFCiliary neurotrophic factor
CTXCyclophosphamid
DCDendritische Zelle
DMFDimethylfumarat
DMPADepot-Methylprednisolonacetat
DNA/DNSDesoxyribonukleinsäure (desoxyribonucleic acid)
DSZwischenhirnsyndrom
DSGDeoxyspergualin
DSSDisability Status Scale
EAEExperimentelle autoimmune Enzephalomyelitis
EBVEpstein-Barr-Virus
EDSSExpanded Disability Status Scale
EpoErythropoetin
FSFunktionelles System
GAGlatirameracetat
GABAGamma-Aminobuttersäure
GCSGlukokortikosteroide
G-CSFGranulozytenkolonie-stimulierender Faktor
GIgastrointestinal
HAMHTLV-I-assoziierte Myelopathie
HSCTHämatopoetische Stammzelltransplantation
i. m.intramuskulär (lat.: in musculo)
i. v.intravenös (lat.: in vena)
ICAMIntracellular adhesion molecule
IFNInterferon
IgImmunglobulin
IGFInsulin-like growth factor-1
ILInterleukin
ITPIdiopathische thrombozytopenische Purpura
IvIgIntravenöse Immunglobuline
JCVHumanes Polyomavirus (auch John-Cunningham-Virus)
KMKontrastmittel
KOFKörperoberfläche
LETMLongitudinale extensive transverse Myelitis
LFAMit der Lymphozytenfunktion assoziiertes Antigen (lymphocyte-function associated antigen)
LHONLebersche hereditäre Optikusneuropathie
LIFLeukemia-inhibitory factor
LPLiquorpunktion
LVEFLinksventrikuläre Auswurffraktion
MAGMyelin-assoziierte Glykoproteine
mAkMonoklonaler Antikörper
MBPBasisches Myelinprotein (myelin basic protein)
MEPTranskraniell magnetisch evozierte Potenziale
MHCHaupthistokompatibilitätskomplex (major hostocompatibility complex)
MIXMitoxantron
MMPMatrix-Metalloproteinasen
MOGMyelin Oligodendrozyten-Glykoprotein
MPMethylprednisolon
MRTMagnetresonanztomografie
MSMultiple Sklerose
MSCMesenchymale Stammzelltransplantation
MSFCMultiple Sclerosis Functional Composite Score
MSRVMultiple Sklerose-assoziiertes Retrovirus
MTXMethotrexat
NABNeutralisierender Antikörper
NEDAKeine Anzeichen von Krankheitsaktivität (engl.: no evidence of disease activity)
NK-ZelleNatürliche Killerzelle
NMDAN-Methyl-D-Aspartat
NMONeuromyelitis optica (auch Devic Syndrom, Morbus Devic)
NMOSDErkrankungen des Neuromyelitis optica-Spektrums (engl.: neuromyelitis optica spectrum disease)
Nrf2NF-related factor 2
NSARnicht-steroidale Antirheumatika
NTZNatalizumab
NWNebenwirkung
ODCOligodendrozyten-Zelle
OGOligodendrozyten-Glia-Zelle
OKBOligoklonale Banden
OPCOligodendrozyten-Vorläuferzelle (oligodendocyte precursor cells)
OPNOsteopontin
OSMSOptikospinale Form der MS
p. o.oral verabreicht (lat.: per os)
PASATPaced auditory serial additions test
PCRPolymerase-Kettenreaktion
PD-1Programmed death-1
PLPProteolipid-Protein
PMLProgressive multifokale Leukenzephalopathie
PMSProgrediente MS
PPARγPeroxisom-proliferationsaktivierter Rezeptor-gamma
PPMSPrimär progrediente MS
PSGLP-Selektin-Glykoprotein-Ligand
RIONRekurrierende, isolierte Optikusneuritiden
RISRadiologisch isoliertes Syndrom
RRMSMS mit schubförmig remittierendem Verlauf (engl.: relapsing-remitting multiple sclerosis)
s. c.Subkutan (lat.: sub cute)
S1PSphingosin-1-Phosphat
SCSGroßhirnsyndrom
SDMTSymbol Digit Modality Test
SEPSomatosensorisch evozierte Potenziale
SLESystemischer Lupus Erythematosus
SMONSubakute Myelo-Optico-Neuropathie
SNRSScripps Neurological Rating Scale
SPIRSystemische Post-Injektions-Reaktionen
SPMSSekundär chronisch progrediente MS
TACITransmembranaktivator und CAML-Interagens
TCATriamcinolonacetonid
Tcmcentral memory T-Zelle
TGFTransforming growth factor
THT-Helferzelle
TMTransverse Myelitis
TNFTumor-Nekrose-Faktor
TNFRTNF-Rezeptor
TregRegulative T-Zelle
TSPTropische spastische Paraparese
ULNUpper limit of normal
VCAMVaskuläres Zelladhäsionsmolekül (engl.: vascular cell adhesion molecule)
VEPVisuell evozierte Potenziale
VLAVery late antigen
VZVVarizella-Zoster-Virus
WHOWorld Health Organization
ZNSZentrales Nervensystem

Inhalt

1  Abkürzungsverzeichnis

2  Vorwort

3  Danksagung

4  1 Klinisches Bild und Verlauf

5  1.1 Klinisches Bild

6  1.2 Verlauf und Prognose

7  1.3 Sonderformen entzündlicher ZNS-Erkrankungen

8  1.3.1 Multiple Sklerose im Kindesalter

9  1.3.2 Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

10  1.3.3 MOG-Spektrum-Erkrankungen

11  1.3.4 Akute disseminierte Enzephalomyelitis

12  1.3.5 Sonstige

13  1.4 Bedeutung von Surrogatmarkern für Prognose und Verlauf

14  2 Epidemiologie und Genetik

15  2.1 Epidemiologie

16  2.2 Genetik

17  3 Pathogenese

18  3.1 Immunologische Grundlagen des Zentralen Nervensystems

19  3.2 Tiermodelle – die experimentelle autoimmune (allergische) Enzephalomyelitis

20  3.3 Histopathologie

21  3.4 Immunologie

22  3.4.1 Die Rolle von T-Lymphozyten

23  3.4.2 Die Rolle von B-Lymphozyten

24  3.4.3 Terminierung der Immunreaktion

25  3.4.4 Das andere Gesicht der Entzündung

26  3.4.5 Axonale Schädigung und Neurodegeneration

27  3.4.6 Infektiöse Erreger und Multiple Sklerose

28  4 Diagnose

29  4.1 Magnetresonanztomografie

30  4.2 Evozierte Potenziale

31  4.3 Liquoruntersuchung

32  4.4 Diagnosekriterien

33  4.4.1 Diagnose der schubförmigen Formen

34  4.4.2 Diagnose der progredienten Formen

35  4.5 Differentialdiagnose

36  5 Therapie

37  5.1 Gegenwärtige Therapiestrategien

38  5.1.1 Therapiestrategie bei akutem MS-Schub

39  5.1.2 Verlaufsmodifizierende Therapie

40  5.1.2.1 Immunmodulatorische Behandlungsstrategien für milde/moderate Verläufe

41  5.1.2.2 Immunmodulatorische Behandlungsstrategien für (hoch)aktive Verläufe

42  5.1.2.3 Immuntherapeutische Behandlungsstrategien für progrediente Verläufe

43  5.1.3 Dokumentation des Verlaufs, Feststellung des Behandlungserfolges

44  5.1.4 Perspektiven der Multiple-Sklerose-Therapie

45  5.1.4.1 Neue Ansätze und Weiterentwicklungen der immunmodulatorischen Therapie

46  5.1.4.2 Substanzen mit sekundären immunmodulatorischen Eigenschaften

47  5.1.4.3 Neuroprotektion und Neuroregeneration

48  5.1.4.4 Ionenkanäle

49  5.1.4.5 Strategien der Remyelinisierung

50  5.1.4.6 Schlussfolgerungen

51  5.1.5 Fehlgeschlagene immunpathogenetisch orientierte Therapien

52  5.1.5.1 Immunsuppressiva

53  5.1.5.2 Modifikation des Zytokinmusters

54  5.1.5.3 Studien zur Remyelinisierung

55  5.1.5.4 Antigenspezifische Therapien

56  5.1.5.5 B-Zell-Modulation

57  5.2 Pragmatische Behandlung

58  5.2.1 Behandlung des Schubes und der Optikusneuritis

59  5.2.2 Verlaufsmodifizierende Immuntherapie

60  5.2.2.1 Allgemeine Vorbemerkungen, Indikations- und Abbruchkriterien

61  5.2.2.2 Behandlung milder/moderater Verläufe

62  5.2.2.3 Behandlung (hoch-)aktiver Verläufe

63  5.2.2.4 Behandlung progredienter Verläufe

64  5.2.3 Symptomatische Therapie

65  5.2.3.1 Spastik

66  5.2.3.2 Ataxie und Tremor

67  5.2.3.3 Blasenfunktionsstörungen

68  5.2.3.4 Mastdarmfunktionsstörungen

69  5.2.3.5 Sexualfunktionsstörungen

70  5.2.3.6 Fatigue

71  5.2.3.7 Nystagmus und Augenbewegungsstörungen

72  5.2.3.8 Paroxysmale Phänomene und Schmerzen

73  5.2.3.9 Kognitive Funktionsbeeinträchtigungen

74  5.2.3.10 Psychische Störungen

75  5.2.3.11 Motorische Symptome und Hitzeempfindlichkeit

76  5.2.3.12 Epileptische Anfälle

77  5.2.4 Nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen

78  5.2.4.1 Physiotherapie

79  5.2.4.2 Ergotherapie

80  5.2.5 Therapie in speziellen Situationen

81  5.2.5.1 Schwangerschaft bzw. Kontrazeption

82  5.2.5.2 Impfung

83  5.2.5.3 Chirurgische Eingriffe, Traumen

84  5.2.5.4 Wärme

85  5.2.5.5 Berufstätigkeit und körperliche Aktivität

86  5.2.6 Komplementäre und alternative medizinische Behandlungen

87  6 Patientenrelevanter Informationsteil

88  Literatur

89  Stichwortverzeichnis

Vorwort

Wie kaum ein zweites Krankheitsbild steht die Multiple Sklerose für den rasanten Fortschritt der Neurologie. Unser Wissen über die Pathogenese der Krankheit hat drastisch zugenommen, was auch zur Entwicklung neuer Therapien geführt hat, aber auch dazu, dass die Therapien selber uns viel über die Erkrankung gelehrt haben und lehren. So sind seit dem Erscheinen der Erstauflage dieses Buchs allein 16 Präparate auf den Markt gekommen. Mit ihnen hat sich die Zahl der Behandlungsoptionen, aber auch die der damit verbundenen Risiken deutlich erhöht. Also war es höchste Zeit, das 2010 erstmals erschienene Werk in der Reihe »Klinische Neurologie« des Kohlhammer Verlags zu aktualisieren und zu erweitern. Dabei ist das Ziel gleich geblieben: Das Buch soll den praktischen Umgang mit diesem Krankheitsbild für Mediziner erleichtern, indem es Hintergrund- und Basiswissen zur Diagnose und Therapie vermittelt. Mit seinen zahlreichen Übersichten zu Therapieoptionen in den unterschiedlichen Krankheitssituationen bleibt es – wie die Erstauflage – ein Handbuch zum Nachschlagen, zum Vertiefen sowie Einschätzen und Umsetzen für den Leser und praktizierenden Therapeuten.

Die Monografie spiegelt die umfangreichen neuen Einsichten in die Pathogenese, Diagnose und Therapie wider. So ermöglichten neue Erkenntnisse zur Rolle von B- und T-Zellen in der Entstehung der MS die Entwicklung von Immuntherapien, deren Einsatz die Konversion zu einer klinisch definitiven MS signifikant verzögert und die schubgebundene Behinderungsprogression reduziert. In der Diagnostik hat der zunehmende Gebrauch der Kernspintomografie eine neue Dimension der prognostischen Einschätzung der MS mit sich gebracht. Die Krankheit ist nun schneller zu diagnostizieren, Therapien besser zu dokumentieren und ein möglicher Verlauf genauer zu prognostizieren. Als Folge dieser optimierten bildgebenden Diagnostik, aber auch der Entwicklung auf dem Gebiet der Laboranalyse des Liquors, gewinnt die Abgrenzung der MS von möglichen Differenzialdiagnosen an Bedeutung. Auf die geht das Buch ein, indem es die neuesten Erkenntnisse zu Krankheiten aus dem Spektrum der Neuromyelitis Optica (NMOSD), den MOG-assoziierten Erkrankungen ebenso erwähnt wie zur kindlichen MS und zur akuten disseminierenden Enzephalomyelitis (ADEM). Dabei orientieren wir uns an den An- und Herausforderungen, die dem Kliniker im Alltag begegnen und berücksichtigen zum Beispiel die neuesten Versionen der zwischenzeitlich mehrfach überarbeiten McDonald-Kriterien.

Ganz besonders gilt dieser Maßstab für den erweiterten und überarbeiteten Teil der »Therapie der MS«. Er hat gegenüber der Erstauflage nicht nur aufgrund der Vielzahl neuer Therapien deutlich an Umfang gewonnen. Im Abschnitt »pragmatische Therapie« beantworten wir konkrete Fragen zum Wechsel von einer Therapie auf eine andere, zum Umgang mit möglichen Nebenwirkungen und beschreiben eingehend die teils sehr komplexe Therapieüberwachung anhand zahlreicher Beispiele. Damit tragen wir der Tatsache Rechnung, dass die aktuelle und künftige Herausforderung für Mediziner in Umsetzung multimodaler Therapiekonzepte liegt, die frühzeitig im Krankheitsverlauf beginnen und teils über Jahrzehnte fortgeführt werden.

Mit der Erstausgabe unserer Monografie haben wir uns erfreulicherweise auf dem breiten Feld des MS-Schrifttums behauptet. Wir hoffen, dass dies auch mit der aktualisierten Zweitauflage gelingt. Dabei verfolgen wir weiterhin den wissenschaftlichen Anspruch, die gemachten Aussagen durch Originalzitate zu belegen.

Wir hoffen, dass dieses Buch ein nützliches Nachschlagewerk und eine Freude bereitende Lektüre ist. Insbesondere möge es den interessierten Leser oder Therapeuten hilfreich bei allen Fragen des Alltags begleiten und ihn beim Umgang mit dem komplexen Krankheitsbild der MS praktisch unterstützen.

Danksagung

Ohne Sarah Khalils kompetente Mitarbeit beim Editieren hätte es diese 2. Auflage nicht gegeben. Wir wissen Ihren Einsatz sehr zu schätzen. Heike Blum und Maike Franzen gebührt unser besonderer Dank für die gekonnte Erstellung zahlreicher Abbildungen.

1 Klinisches Bild und Verlauf
1.1 Klinisches Bild

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die sich meist im frühen Erwachsenenalter manifestiert (Dendrou et al. 2015; Gilhus et al. 2016). Nach wie vor stellt sie die häufigste neurologische Ursache frühzeitiger Behinderung im jungen Erwachsenenalter dar. Die Erkrankung weist eine große klinische, bildgebende und pathologische Heterogenität auf und wird in verschiedene Verlaufs- und Sonderformen unterteilt. Die individuelle Prognose wird durch ein komplexes Zusammenspiel von genetischer Prädisposition, Umweltfaktoren und spezifischer Erregerexposition bestimmt, wobei die Details noch nicht abschließend geklärt sind (Wiendl und Kieseier 2010).

Bei der Mehrzahl der Patienten beginnt die Erkrankung mit einem schubförmig remittierenden Verlauf (RRMS = relapsing-remitting multiple sclerosis), bei dem sich Phasen der klinischen Verschlechterung, Remission und Stabilität ablösen. Als Erstmanifestation der schubförmigen MS wird das klinisch isolierte Syndrom angesehen, bei dem die Patienten bei klinisch, MR-tomografisch und labormedizinisch begründetem Verdacht noch nicht alle Kriterien zur Diagnose einer schubförmigen MS erfüllen. In späteren Krankheitsphasen wird der schubförmige Verlauf bei einem Teil der Patienten von einer sekundären Progression (kontinuierliche Zunahme der neurologischen Defizite) abgelöst (SPMS). Bei 10–20 % der Patienten beginnt die Erkrankung mit einer stetigen (primär progredienten) neurologischen Verschlechterung (PPMS), die mit oder ohne aufgelagerte Schübe abläuft. Die MS kann alle zentralnervösen Strukturen betreffen, daher kommt es bei den Schüben sowie im Verlauf der Erkrankung zu Symptomen wie Sensibilitätsstörungen, Lähmungen, Seh- und Koordinationsstörungen, kognitiven Einschränkungen, psychiatrischen Auffälligkeiten, Müdigkeit (Fatigue), Schmerzen und Störungen bzw. Ausfall der Blasenkontrolle. Die Symptome variieren im Verlauf und sind interindividuell sehr unterschiedlich. Im Rahmen eines Schubes entwickeln sich die neurologischen Symptome über mehrere Tage, erreichen dann ein Plateau und bilden sich über Tage bis Wochen zurück (Schumacher et al. 1965). Die Remissionstendenz sowie das Ansprechen auf die Akuttherapie des Schubes sind zu Beginn der Erkrankung im Allgemeinen besser als im weiteren Krankheitsverlauf.

Als Schub werden abzugrenzende neu aufgetretene klinische Symptome angesehen, die subjektiv berichtet oder durch objektive Untersuchung verifiziert werden können und länger als 24 Stunden andauern (Poser et al. 1983; McDonald et al. 2001). Unterschieden davon werden Pseudoattacken oder Pseudoexazerbationen, also paroxysmale Verschlechterungen durch Änderungen der Körperkerntemperatur (Uhthoff-Phänomen; Uhthoff 1890) oder im Rahmen von Infekten. Der Verdacht auf stattgehabte Schübe kann sich aus subjektiven Patientenberichten und der Anamnese ergeben. Für die Diagnosestellung einer MS sind allerdings objektivierbare klinische Befunde korrespondierend zu einer entsprechenden ZNS-Läsion erforderlich. Einzelne paroxysmale Episoden (wie z. B. tonische Spasmen) werden nicht als Schub definiert. Multiple derartige Episoden mit einer Dauer von mehr als 24 Stunden werden jedoch ebenfalls als Schub gewertet. Das Kriterium für das Vorliegen zweier separater Schübe ist definitionsgemäß ein Zeitintervall von 30 Tagen zwischen dem Beginn des ersten und des zweiten Schubes (Poser et al. 1983; McDonald et al. 2001; Polman et al. 2011; Polman et al. 2005). Schubveränderungen oder neue Schübe innerhalb von 30 Tagen oder weniger bezeichnet man als Schubkomplex.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
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24 ekim 2025
Hacim:
496 s. 77 illüstrasyon
ISBN:
9783170353725
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