Kitabı oku: «Grundlagen des Krankenhausmanagements»

Die Autoren
Prof. Dr. Gerald Schmola lehrt Gesundheitsmanagement an der Hochschule Hof und hat langjährige Erfahrung in leitender Funktion im Gesundheitswesen.
Dr. Boris Rapp, promovierter Arzt und Diplom-Kaufmann, war viele Jahre erfolgreich im Krankenhausmanagement tätig, u. a. als Geschäftsführer und Regionalgeschäftsführer.
Gerald Schmola, Boris Rapp
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2. Auflage 2020
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-036240-6
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-036241-3
epub: ISBN 978-3-17-036242-0
mobi: ISBN 978-3-17-036243-7
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Inhaltsverzeichnis
1 1 Einführung in das Management von Krankenhäusern
2 1.1 Besonderheiten von Krankenhausleistungen
3 1.2 Aktuelle und zukünftige Entwicklungen im Krankenhausmarkt
4 2 Rechtliche und begriffliche Grundlagen
5 2.1 Begriff »Krankenhaus«
6 2.2 Wichtige rechtliche Grundlagen im Überblick
7 2.3 Trägerschaften
8 2.4 Leistungen eines Krankenhauses
9 2.4.1 Krankenhausleistung
10 2.4.2 Allgemeine Krankenhausleistungen
11 2.4.3 Wahlleistungen
12 2.4.4 Stationäre/teilstationäre Leistungen
13 2.4.5 Ambulantes Operieren
14 2.4.6 Vor- und nachstationäre Behandlung
15 2.4.7 Belegärztliche Leistungen
16 2.4.8 Krankenhausvertrag
17 2.5 Krankenhausplanung
18 2.5.1 Grundlagen
19 2.5.2 Bedarfsermittlung
20 2.5.3 Versorgungsstufen
21 2.6 Versorgungsvertrag
22 2.7 Versorgungsauftrag
23 3 Investitionskostenfinanzierung
24 3.1 Grundlagen
25 3.2 Investitionskosten
26 3.2.1 Begrifflichkeiten
27 3.2.2 Förderungsfähige Kosten
28 3.3 Rechtsanspruch auf Förderung
29 3.4 Zusammenfassung und Beispiele
30 4 Betriebskostenfinanzierung
31 4.1 Grundlagen der Vergütung von Betriebskosten
32 4.2 Bildung von DRGs
33 4.3 Gruppierungsprozess
34 4.3.1 Bildung der Basis-DRG
35 4.3.2 Schweregradbildung
36 4.3.3 DRG-Funktionen
37 4.4 Bewertung der DRGs
38 4.5 Sonderregelungen
39 4.5.1 Obere Grenzverweildauer
40 4.5.2 Untere Grenzverweildauer
41 4.5.3 Wiederaufnahme in dasselbe Krankenhaus
42 4.5.4 Verlegungen zwischen Krankenhäusern
43 4.6 Vor- und nachstationäre Leistungen
44 4.7 Zusatzentgelte
45 4.8 Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB)
46 4.9 Zu- und Abschläge
47 4.10 Wahlleistungen
48 4.10.1 Allgemeines
49 4.10.2 Ärztliche Wahlleistungen
50 4.10.3 Nichtärztliche Wahlleistungen
51 4.11 Belegärztliche Leistungen
52 4.12 Teilstationäre Leistungen
53 4.13 Abrechnungsprüfung
54 4.14 Pauschalierende Entgelte in der Psychiatrie und Psychosomatik
55 4.14.1 Einführung und Grundidee
56 4.14.2 Begrifflichkeiten
57 4.14.3 Ermittlung einer PEPP
58 4.14.4 Stationsäquivalente Behandlung
59 4.14.5 Fehler-PEPP
60 4.14.6 Ermittlung des Rechnungsbetrags
61 4.14.7 Weitere ausgewählte Regelungen
62 4.15 Weiterentwicklung der Finanzierungsstrukturen
63 5 Ambulante Versorgung am Krankenhaus
64 5.1 Ambulante Leistungserbringung durch Krankenhäuser
65 5.2 Ambulantes Operieren
66 5.3 Ermächtigungen und Chefarztambulanzen
67 5.4 Medizinische Versorgungszentren
68 5.5 Vergütung
69 6 Finanz- und Medizincontrolling
70 6.1 Abgrenzung und Aufgaben
71 6.2 Berichtswesen
72 6.3 Abteilungsergebnisrechnung
73 6.4 Kostenträgerrechnung
74 6.5 Entgeltverhandlungen
75 6.5.1 Einführung
76 6.5.2 Verhandungsinhalte
77 6.5.3 Fixkostendegressionsabschlag
78 6.6 Instrumente des Medizincontrollings
79 6.6.1 Kodierrichtlinien
80 6.6.2 Kodiermodelle
81 6.6.3 MD-Management
82 7 Jahresabschluss im Krankenhaus
83 7.1 Einführung
84 7.2 Wichtige Sonderregelungen für Krankenhäuser
85 7.3 Ausgewählte Positionen einer Krankenhausbilanz
86 7.3.1 Aktiva
87 7.3.2 Passiva
88 7.4 Ausgewählte Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung
89 7.5 Lagebericht
90 7.6 Anhang
91 8 Personalmanagement
92 8.1 Personalbedarfsplanung
93 8.2 Personaleinsatzplanung
94 8.3 Rechtliche Grundlagen
95 8.4 Personaluntergrenzen
96 8.5 Personalentwicklung
97 8.6 Fort- und Weiterbildung
98 8.6.1 Allgemeines
99 8.6.2 Pflegedienst
100 8.6.3 Ärztlicher Dienst
101 8.7 Konsil- und Honorarverträge
102 9 Prozess- und Fallmanagement
103 9.1 Definition und Abgrenzungen
104 9.1.1 Prozesse im Krankenhaus
105 9.1.2 Abteilungsorientierung im Krankenhaus
106 9.1.3 Fallmanagement
107 9.2 Aufnahmemanagement
108 9.3 Behandlungsmanagement
109 9.3.1 Stationsorganisation
110 9.3.2 OP-Organisation
111 9.3.3 Delegation ärztlicher Tätigkeiten
112 9.4 Entlassungsmanagement
113 9.5 Lean Hospital
114 10 Marketingmanagement
115 10.1 Notwendigkeit von Marketing
116 10.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
117 10.2.1 Ärztliches Berufsrecht
118 10.2.2 Heilmittelwerbegesetz
119 10.2.3 Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)
120 10.2.4 Weitere relevante Rechtsquellen
121 10.3 Zielgruppen und deren Ansprüche
122 10.3.1 Patienten
123 10.3.2 Zuweiser
124 10.3.3 Kostenträger
125 10.3.4 Besucher und Angehörige
126 10.3.5 Öffentlichkeit
127 10.3.6 Mitarbeiter
128 10.4 Marketingprozess
129 10.4.1 Situationsanalyse
130 10.4.2 Marketingziele und strategische Ausrichtung
131 10.4.3 Marketing-Mix
132 10.5 Ausgewählte Fragestellungen
133 10.5.1 Patientenbefragung
134 10.5.2 Krisen-PR
135 11 Qualitätsmanagement und Datenschutz
136 11.1 Grundlagen des Qualitätsmanagements
137 11.2 Verpflichtende Maßnahmen
138 11.2.1 Internes Qualitätsmanagement
139 11.2.2 Externe Qualitätssicherung
140 11.2.3 Qualitätsberichte
141 11.2.4 Beauftragtenwesen
142 11.3 Freiwillige Maßnahmen
143 11.3.1 Zertifizierungen
144 11.3.2 Zentrenbildung
145 11.3.3 Klinisches Risikomanagement/CIRS
146 11.4 Datenschutz
147 11.4.1 Allgemeines
148 11.4.2 Ärztliche Schweigepflicht
149 11.4.3 Allgemeines und spezielles Datenschutzrecht
150 11.4.4 Europäische Datenschutzgrundverordnung
151 12 Einkauf
152 12.1 Aufgaben des Einkaufs
153 12.2 Besonderheiten des Krankenhauseinkaufs
154 12.3 Ist-Zustand im Krankenhauseinkauf
155 12.4 Organisation des Einkaufs
156 12.4.1 Operativer und strategischer Einkauf
157 12.4.2 Sourcing-Strategien
158 12.4.3 Definition qualitativer Anforderungen
159 12.4.4 Standardisierung
160 12.4.5 Dienstleistungseinkauf
161 12.4.6 Capitation-Vergütung
162 12.4.7 Warenannahme
163 12.4.8 Lagerhaltung
164 12.4.9 Bestellzeitpunkt und Bestellmenge
165 12.5 Management von Lieferantenbeziehungen
166 12.6 ABC- und XYZ-Analysen
167 12.7 Ausgewählte Fragestellungen
168 12.7.1 Einkaufsgemeinschaften
169 12.7.2 Total Cost of Ownership (TCO)
170 12.7.3 eProcurement
171 13 Übungsaufgaben und Lösungen
172 13.1 Beschreibung der »Klinik am Stadtpark«
173 13.2 Aufgaben
174 13.3 Lösungen
175 Anhang: Beauftragtenliste
176 Literaturverzeichnis
177 Register
1 Einführung in das Management von Krankenhäusern
1.1 Besonderheiten von Krankenhausleistungen
Leistungen eines Krankenhauses unterscheiden sich inhaltlich teils erheblich von klassischen Produktionsgütern, sodass sich für das Management dieser Einrichtungen spezielle Herausforderungen ergeben. Nachfolgend werden die wesentlichen Charakteristika kurz dargestellt, um dann daraus abzuleiten, welche Managementprobleme für Anbieter, d. h. Kliniken, hieraus resultieren.
Die Behandlung und Versorgung von Patienten ist eine stark personenbezogene Dienstleistung. Der Patient ist als sog. externer Faktor Ausgangspunkt und Empfänger der Krankenhausleistungen zugleich. Seine aktive Beteiligung und sein subjektives Empfinden haben wesentlichen Einfluss auf die Ergebnisqualität. Hält sich ein Patient etwa nicht an die von seinem Behandler gegebenen Therapieanweisungen (z. B. Einhaltung von Bettruhe), kann der Erfolg der Versorgung trotz an sich optimaler Leistung des Krankenhauses nicht in dem geplanten Umfang eintreten. Innerhalb der Behandlung stellen die Ärzte und Pflegekräfte die zentralen Entscheidungsträger und Leistungserbringer dar. Medizinische Geräte sowie andere Sach- und Arbeitsmittel sind letztlich nur als Hilfsmittel für die Leistungsträger anzusehen, um die anvisierten Behandlungsziele erreichen zu können. Krankenhäuser stehen folglich vor einem Integrationsproblem. Ziel muss es sein, den Patienten so weit wie möglich aktiv an dem Behandlungsgeschehen zu beteiligen. Eine patientenverständliche Aufklärung und ein fortlaufender Dialog im Rahmen der Behandlung können dafür wertvolle Unterstützung bieten.
Der Behandlungsprozess ist inhaltlich, aber auch räumlich und zeitlich bis auf wenige Ausnahmen an die Anwesenheit des Patienten geknüpft (z. B. kann eine Blut- oder Gewebeuntersuchung nach Entnahme auch ohne die Anwesenheit des Patienten durchgeführt werden). Diese Koppelung von Leistung und Anwesenheit bezeichnet man als Uno-actu-Prinzip. Problematisch ist dies vor allem deshalb, da damit unweigerlich eine Nichtlagerfähigkeit der Krankenhausleistungen verbunden ist. Ergebnis ist ein Kapazitätsproblem. Krankenhäuser können keine Leistungen auf Vorrat produzieren, auf die sie im Bedarfsfall zurückgreifen können. Erschwerend kommt ein Prognoseproblem hinzu: Es kann nur im Ansatz vorab ermittelt werden, wann welche Nachfrage anfallen wird. Die Auslastung von Betten oder einzelner Kapazitäten (OP, Geräte usw.) ist nicht umfassend prognostizierbar. Insbesondere Notfälle sind im Krankenhaus ein bedeutender Unsicherheitsfaktor, für den ständig Leistungspotenziale vorzuhalten sind. Krankenhäuser stehen vor einem Steuerungsproblem. Sie müssen versuchen, durch ein gezieltes Aufnahme- und Behandlungsmanagement möglichst einen Großteil der Nachfrage zu steuern, gleichzeitig aber immer auch genügend Reservekapazitäten für Notfälle bereithalten. Notfälle führen dazu, dass bereits geplante Abläufe umstrukturiert werden müssen (z. B. OP-Planung).
Die vom Patienten wahrgenommene Qualität der Dienstleistung im Krankenhaus hängt stark von der persönlichen Interaktion mit den Mitarbeitern des Krankenhauses ab. Qualitätsschwankungen hinsichtlich der Prozessdurchführung, des Leistungsergebnisses sowie der Patientenzufriedenheit sind nahezu unvermeidlich. Ziel ist es, diese Qualitätsschwankungen möglichst gering zu halten. Einrichtungen müssen daher mit Motivations- und Kommunikationsproblemen umgehen. Motivierten und in der Kommunikation mit Patienten geschulten Mitarbeitern fällt es leichter, in der persönlichen Interaktion mit dem Patienten ein positives Bild zu vermitteln. Diesen Anforderungen muss sich das Krankenhaus unter anderem durch ein gezieltes Personalmanagement stellen.
Krankenhausleistungen sind ortsgebundene Leistungen, sie können nur am Ort des Leistungserbringers durchgeführt werden. Operationen im heimischen Bereich und Ähnliches sind nicht sinnhaft realisierbar. Für das Management bedeutet dies, dass die physische Erreichbarkeit des Krankenhauses von besonderer Bedeutung ist (bspw. Verkehrsanbindung).
Rationalisierung ist im Krankenhaus schwieriger als in der industriellen Produktion. Medizinisches, pflegerisches und therapeutisches Personal kann nur in wenigen Ausnahmefällen durch Maschinen ersetzt werden (z. B. Hydrojet in der Physiotherapie). Zudem erschweren die jeweils individuellen Beschwerden der Patienten eine Standardisierung. Aufgrund der zunehmenden Multimorbidität (Mehrfacherkrankung) von Patienten wird die Versorgung komplexer. Oftmals sind diverse Fachbereiche an der Behandlung beteiligt, sodass Schnittstellen entstehen. Die verschiedenen Bereiche sind im Sinne des Patienten zu koordinieren. Für Krankenhäuser besteht deshalb ein Koordinations- und Steuerungsproblem. Ansätze zum gezielten Umgang mit dieser Herausforderung finden sich insbesondere im Qualitäts- und Prozessmanagement.
Für Patienten sind Krankenhausleistungen in der Regel kaum greifbar, die Vielzahl an Aktivitäten führt zu einem komplexen Leistungsbündel, welches für einen medizinischen Laien nicht zu durchschauen ist. Im Gegensatz zu einem Sachgut kann eine Dienstleistung nicht durch »fühlen«, »schmecken«, »riechen« oder »sehen« erfasst werden (vgl. Zapp 2009, S. 7). Folglich kann im Krankenhaus durch den Patienten beispielsweise schwer beurteilt werden, ob das Krankenhaus sich im Sinne des Patienten optimal verhält oder auch andere Interessen mit in die Entscheidung eingehen. So ist etwa fraglich, ob jeder Patient, der eine neue Hüfte erhält, diese auch tatsächlich benötigt, oder ob ökonomische Interessen die Implantation mit beeinflusst haben. Diese mangelnde Transparenz für den Patienten begründet sich auch darin, dass ein Großteil der Patienten medizinische Leistungen nicht regelmäßig nachfragt und so keine Möglichkeit besteht, aus Erfahrung Rückschlüsse über die Notwendigkeit und Qualität von Leistungen ziehen zu können. Ferner gehen von der Leistung teils erhebliche Konsequenzen für den Patienten aus. Es besteht ein erheblicher Unterschied darin, ob ein Essen in einem Restaurant dem Kunden nicht schmeckt oder in einem Krankenhaus infolge einer fehlerhaften Behandlung ernsthafte und dauerhafte gesundheitliche Einschränkungen drohen. Viele Fehler, die in einem Krankenhaus entstehen, sind irreversibel (nicht umkehrbar). Ein Essen dagegen kann man problemlos zurückgeben und sich ein neues zubereiten lassen. Für das Krankenhaus ergibt sich aus den genannten Umständen ein Präsentationsproblem. Es muss versucht werden, eine zunächst für den Patienten schwer begreifbare Leistung verständlich zu machen. Hier spielt die Aufklärung eine wichtige Rolle. Ferner können Informationsbroschüren bzw. auch Informationsfilme einen Beitrag zur Transparenz für den Patienten leisten. Zur Reduktion der Bewertungsunsicherheit für den Patienten trägt zudem ein positives Image der Einrichtung bei. Der Aufbau eines guten Rufs, der durch Vertrauen und Zuverlässigkeit kennzeichnet ist, ist eine wesentliche Herausforderung, der sich Anbieter im Marketing stellen müssen.
Die Kernleistungen eines Krankenhauses sind von der Umsatzsteuer befreit (§ 4 UStG). Hierzu zählen alle Leistungen, die zur Erreichung der mit der Krankenhausbehandlung verfolgten therapeutischen Ziele unerlässlich sind (u. a. Unterkunft und Verpflegung). Nicht unter die Umsatzsteuerbefreiung fallen dagegen bspw. Schönheitsoperationen, wenn kein therapeutisches Ziel im Vordergrund steht. Weitere Beispiele von Leistungen, die einer Umsatzsteuerpflicht unterliegen, sind:
• Verwaltungsdienstleistungen für andere Unternehmen gegen Entgelt (z. B. Buchführung)
• Umsätze aus der Vermietung von Stellflächen
• Lieferungen der Krankenhausküche an Dritte, Leistungen der Wäscherei für andere Unternehmen
• Gebühren für Parkplätze, Fernsehen und Telefon
• Umsätze aus der Vermietung eines Zimmers an eine Begleitperson ohne therapeutische Notwendigkeit
• Abgabe von Medikamenten an das Personal oder nichtverbundene Kliniken sowie im Rahmen der ambulanten Behandlung
Krankenhäusern ist es wegen der Umsatzsteuerbefreiung nicht möglich, einen Vorsteuerabzug vorzunehmen. Die Umsatzsteuer auf Eingangsrechnungen, die umsatzsteuerbefreite Leistungen betreffen, ist demnach für Krankenhäuser kein durchlaufender Posten, sondern ein Aufwand wie der Nettowert der Rechnungen. Ein Vorsteuerabzug ist nur für die Rechnungen möglich, die auf nicht von der Umsatzsteuer befreite Leistungen anfallen.
1.2 Aktuelle und zukünftige Entwicklungen im Krankenhausmarkt
Die zunehmende Zahl älterer Menschen in Deutschland führt in Zukunft zu steigenden Fallzahlen. Krankenhäuser müssen sich darauf einstellen, künftig im Schnitt ältere und oftmals in einem schlechteren Gesundheitszustand befindliche Patienten zu behandeln. Für die Krankenhauslandschaft bedeutet dies, dass insbesondere in der Versorgung älterer Bevölkerungsteile Wachstumschancen vorhanden sind (z. B. Geriatrie). Zudem muss die Leistungserstellung inhaltlich auf die Anforderungen der älteren, teils multimorbiden Patienten angepasst werden. Vermehrt müssen unterschiedliche Fachdisziplinen koordiniert werden und die pflegerischen Anforderungen steigen.
Der medizinische und medizinisch-technische Fortschritt führt zu einem teils schnellen Veraltern von Wissen und Technik. Gezielte Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen helfen, die Fachkenntnisse der Mitarbeiter auf dem aktuellen Stand zu halten. Technische Entwicklungen verursachen Investitionserfordernisse. Grundsätzlich erhalten Krankenhäuser zwar Investitionszuschüsse durch die Länder, diese sind jedoch oftmals nicht ausreichend, um alle notwendigen Investitionen tätigen zu können.
Kliniken müssen daher einen Teil ihrer Investitionen aus sich heraus finanzieren. Dies ist nur möglich, wenn Krankenhäuser konsequent ihre Produktivität erhöhen. Erschwert wird dieser Umstand dadurch, dass steigende Löhne und wachsender Personalbedarf einen Teil des Produktivitätsfortschritts aufzehren. Unterbleibt eine ausreichende Investition in Wissen und Technik, so entstehen unweigerlich Wettbewerbsnachteile gegenüber Konkurrenten, welche Patientenabwanderungen zur Folge haben.
Krankenhäuser agieren in einem dynamischen Umfeld, in dem sich die Marktbedingungen und der gesetzliche Rahmen stetig ändern. Als Beispiel seien die zahlreichen Gesundheitsreformen der vergangenen Jahre angeführt, die teils zu fundamentalen Änderungen im Krankenhausbereich geführt haben (z. B. Einführung des diagnosebezogenen Fallpauschalensystems). Krankenhäuser haben sich in der Vergangenheit oftmals nur als reaktive Anpasser verhalten, die Änderungen begegnen. Die Dynamik im Umfeld macht es jedoch erforderlich, sich aktiv und vorausschauend strategisch zu positionieren. Die Rahmenbedingungen der Vergangenheit, wie beispielsweise das Selbstkostendeckungsprinzip, welches seit den 1970er Jahren bis Ende 1992 galt, führten im Krankenhauswesen zu einer starken Unterausprägung der an sich notwendigen strategischen Ausrichtung. Selbstkostendeckung bedeutete, dass die Selbstkosten eines sparsam wirtschaftenden Krankenhauses durch die Pflegesätze und die Investitionsfinanzierung der Länder vollständig gedeckt wurden. Anreize zur Kostenoptimierung oder gar zu einer Hinterfragung der gesamten strategischen Grundausrichtung wurden folglich kaum gegeben. Für das Krankenhaus der Zukunft ist die strategische Positionierung der zentrale Erfolgsfaktor. So werden kleine Krankenhäuser nur dann überlebensfähig sein, wenn sie sich auf wenige Leistungen fokussieren und dort als Qualitätsanbieter eine ausreichend große Fallzahl erbringen. Ferner kann die Bildung von regionalen Zentren zur Schwerpunktversorgung bestimmter spezieller Erkrankungen einen Beitrag dazu leisten, diese besser und wirtschaftlicher behandeln zu können.
Zur Bedarfsermittlung, welche die Grundlage eines strategischen Konzepts bildet, müssen Krankenhäuser ihre Patienten, Einweiser, Kostenträger sowie Konkurrenten kennen. Die Analyse des Einzugsgebiets sowie der dort tätigen Akteure gibt Hinweise, bei welchen Leistungen Potenziale für die zukünftige Ausgestaltung des eigenen Leistungsprofils bestehen.
Ein Teil der stationären Leistungen wird perspektivisch durch ambulante Maßnahmen ersetzt werden, sodass ein Teil des Nachfragezuwachses infolge des demografischen Wandels durch die Ambulantisierung kompensiert wird. Krankenhäuser stehen daher vor der Überlegung, wie sie durch einen Einstieg in den ambulanten Bereich diese Verluste ausgleichen können. Medizinische Versorgungszentren und das ambulante Operieren seien an dieser Stelle als Möglichkeiten genannt, ambulant tätig zu werden.
Sektorenübergreifende Versorgungsformen werden weiter an Bedeutung gewinnen. Die Integration der ambulanten und der stationären Versorgung bis hin zur Rehabilitation können zur Kostenreduktion und Qualitätssteigerung führen. Umfangreichere Verhandlungsmöglichkeiten als bisher zwischen den Kostenträgern und den Leistungserbringern können diesen Prozess durch Selektivverträge unterstützen.
Der Faktor »Personal« stellt eine weitere Herausforderung für Krankenhäuser dar. Bereits heute ist es schwierig, qualifiziertes Personal, insbesondere im medizinischen Bereich, zu finden. In der Pflege verschärft sich diese Problematik zusehends. Krankenhäuser stehen im Wettbewerb um die fähigen aktuellen und künftigen Mitarbeiter und müssen sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Nur so können Mitarbeiter rekrutiert und gebunden werden. Aufgrund des Mangels an qualifiziertem Personal ist davon auszugehen, dass die Löhne vor allem im medizinischen Bereich weiter überproportional steigen. Neben einer angemessenen Bezahlung spielen jedoch auch flexible Arbeitszeiten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder ein gutes Arbeitsklima eine wichtige Rolle bei der Gewinnung und Bindung von Personal. Ferner gilt es die Problematik der Integration ausländischer Mitarbeiter in den Betrieb zu lösen. Bereits heute sind hauptsächlich im Ärztlichen Dienst Mitarbeiter aus anderen Ländern tätig, bei denen teils Sprachbarrieren bestehen. Folgen sind Kommunikationsschwierigkeiten mit den Patienten oder auch innerhalb der Mitarbeiterschaft. Sprachkurse helfen, diesem Defizit entgegenzuwirken.
Neue Formen der Arbeitsteilung helfen den Mangel an Fachkräften in bestimmten Bereichen teils zu kompensieren. Krankenhäuser müssen sich die Frage stellen, welche Tätigkeiten beispielsweise von Ärzten auf Pflegekräfte delegiert werden sollten oder welche Aufgaben nichtexaminierte Kräfte von examinierten Pflegekräften übernehmen können.
Patienten haben inzwischen eine deutlich höhere Anspruchshaltung als in der Vergangenheit. Ablaufmängel werden nicht mehr klaglos hingenommen, vielmehr erwartet der Patient moderne Technik, hochqualifiziertes Personal und in seinem Sinne organisierte Prozesse. Zu erkennen ist, dass Patienten oder deren Angehörige vor einem Aufenthalt vermehrt gezielt nach Informationen über Leistungsanbieter suchen. Politische Aktivitäten wie beispielsweise die Verpflichtung zur Veröffentlichung eines Qualitätsberichts, aber auch die umfassenden Informationsmöglichkeiten des Internets, unterstützen sie dabei. Krankenhäuser sollten daher aktiv (z. B. Internet) die gesuchten Informationen anbieten. Signalwirkung hat dem Patienten gegenüber auch eine Zertifizierung, die aus Sicht des Patienten ein Indikator für eine angemessene Leistungserstellung sein kann.
Eine besondere Aufgabe, denen Krankenhäuser sich künftig stellen müssen, ist die Digitalisierung. Die Mitarbeiter erwarten auch in den Kliniken ein zeitgemäßes Arbeitsumfeld. Viele sind inzwischen aus ihrem Privatleben gewohnt, dass Kommunikationsprozesse digitalisiert vonstattengehen und erwarten diese als Vereinfachung empfundenen Abläufe auch im Krankenhaus. Zudem kann etwa durch Kooperationen mit anderen Leistungserbringern in digitalen Konferenzen und Konsilen die Gesamtversorgung verbessert und ein modernes Image aufgebaut werden. Auch Patienten erwarten mehr und mehr ein digitales Umfeld. Ein problemloser Zugang zum Internet oder auch ein elektronischer Arztbrief und digitale Befunde werden künftig vermehrt verlangt. Neben der Kostenfrage, die wegen der erforderlichen Investitionen in die IT-Infrastruktur und den laufenden Betrieb zu beantworten sein wird, stellt auch der Datenschutz diesbezüglich eine Problematik dar, mit der sich die Kliniken auseinandersetzen müssen. Werden Anforderungen der Datensicherheit nicht erfüllt, kann in große Schwierigkeiten geraten. Neben direkten haftungsrechtlichen Folgen können Defizite zu immensen Imageschäden führen.
Erst über den Einsatz von Informationstechnik lassen sich zukunftsfähige Versorgungskonzepte realisieren, die eine wohnortnahe Unterbringung mit der Hinzuziehung von Fachexperten verbinden. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund des Mangels an Medizinern von Bedeutung.
Im Jahr 2004 wurden Fallpauschalen als verpflichtende Abrechnungsgrundlage für die Mehrheit von Krankenhausleistungen eingeführt. Nachdem das System über viele Jahre zwar immer wieder an aktuelle Entwicklungen angepasst wurde – so wurde etwa die Anzahl der DRGs gegenüber den Anfangszeit deutlich erhöht – blieb es bis Ende 2019 im Wesenskern jedoch unverändert. Ab dem Jahr 2020 wurden die Pflegepersonalkosten der Krankenhäuser aus den DRG-Fallpauschalen ausgegliedert. Sie werden nun parallel zu den DRG-Fallpauschalen über ein krankenhausindividuelles Pflegebudget nach dem Selbstkostendeckungsprinzip finanziert. Die Ausgestaltung des neuen Finanzierungsrahmens ab 2020 war durch die gesetzlichen Änderungen im Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) notwendig geworden. Sie ist die zentrale Veränderung des DRG-Systems seit seiner Einführung. Nach schwierigen Verhandlungen wurden der Fallpauschalen-Katalog und erstmalig der Pflegeerlöskatalog für das Jahr 2020 sowie die dazugehörigen Abrechnungsbestimmungen vereinbart. Die DRGs ohne Pflegepersonalkosten firmieren unter »aG-DRG« (»a« steht für »ausgegliedert«). Nach Ausgliederung der Pflegepersonalkosten wird das G-DRG-System jetzt als aG-DRG-System bezeichnet.
2 Rechtliche und begriffliche Grundlagen
2.1 Begriff »Krankenhaus«
Der Begriff »Krankenhaus« ist im Sozialgesetzbuch (§ 107 SGB V) definiert. Demnach sind Krankenhäuser Einrichtungen, die
1. der Krankenhausbehandlung oder Geburtshilfe dienen,
2. fachlich-medizinisch unter ständiger ärztlicher Leitung stehen, über ausreichende, ihrem Versorgungsauftrag entsprechende diagnostische und therapeutische Möglichkeiten verfügen und nach wissenschaftlich anerkannten Methoden arbeiten,
3. mit Hilfe jederzeit verfügbarem ärztlichem, Pflege-, Funktions- und medizinisch-technischem Personal darauf eingerichtet sind, vorwiegend durch ärztliche und pflegerische Hilfeleistung Krankheiten der Patienten zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten, Krankheitsbeschwerden zu lindern oder Geburtshilfe zu leisten, und in denen
4. die Patienten untergebracht und verpflegt werden können.
Eine etwas weiter gefasste Definition des Begriffs findet sich im Krankenhausfinanzierungsgesetz (§ 2 Nr. 1 KHG). Krankenhäuser sind demnach Einrichtungen, in denen durch ärztliche und pflegerische Hilfeleistungen Krankheiten, Leiden oder Körperschäden festgestellt, geheilt oder gelindert werden sollen oder Geburtshilfe geleistet wird und in denen die zu versorgenden Personen untergebracht und verpflegt werden können.
Die beiden Kernaufgaben »Krankheitserkennung« und »Krankheitsheilung« sowie die Möglichkeit der Unterbringung und Verpflegung bilden in beiden Gesetzen das Kernstück des Krankenhausbegriffs (vgl. Münzel und Zeiler 2010, S. 16 f.).
Im § 107 SGB V wird zudem in Abgrenzung zum Krankenhaus noch der Begriff der »Vorsorge- oder Rehabilitationsklinik« definiert. Bei der Rehabilitation steht die Anwendung von Heilmitteln nach ärztlichem Behandlungsplan im Vordergrund, während im Krankenhaus die intensive, aktive und fortdauernde ärztliche Betreuung im Mittelpunkt steht.
2.2 Wichtige rechtliche Grundlagen im Überblick
Nachfolgend werden die für das Krankenhaus-Management zentralen Gesetze und Verordnungen mit ihren Kerninhalten kurz dargestellt:
Sozialgesetzbuch (SGB), insbesondere SGB V: Das Sozialgesetzbuch ist die Kodifikation des deutschen Sozialrechts und ist aus diversen Einzelgesetzen hervorgegangen. Insgesamt umfasst das SGB zwölf Bücher, wobei für Kliniken insbesondere das SGB V (Gesetzliche Krankenversicherung) von Bedeutung ist. Das SGB V regelt die Organisation, die Versicherungspflicht und die Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung sowie deren Rechtsbeziehungen zu weiteren Leistungserbringern wie beispielsweise Krankenhäusern.
Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG): Zweck des Gesetzes ist die wirtschaftliche Sicherung der Krankenhäuser, um eine bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit leistungsfähigen, eigenverantwortlich wirtschaftenden Krankenhäusern zu gewährleisten und zu sozial tragbaren Pflegesätzen beizutragen.
Krankenhausentgeltgesetz (KHEntgG): Die vollstationären und teilstationären Leistungen der DRG-Krankenhäuser werden nach diesem Gesetz und dem Krankenhausfinanzierungsgesetz vergütet.
Bundespflegesatzverordnung (BPflV): Nach dieser Verordnung werden die vollstationären und teilstationären Leistungen der Krankenhäuser oder Krankenhausabteilungen vergütet, die nicht in das DRG-Vergütungssystem einbezogen sind.
Abgrenzungsverordnung (AbgrV): Die Verordnung verfolgt den Zweck, die im Pflegesatz nicht zu berücksichtigenden Investitionskosten von den pflegesatzfähigen Kosten abzugrenzen.
Fallpauschalenverordnung (FPV): In der FPV werden insbesondere Abrechnungsbestimmungen für die DRG-Fallpauschalen sowie weitere Entgeltarten festgelegt. Ferner enthält sie den jeweils gültigen Fallpauschalen- und Zusatzentgeltkatalog als Anlagen.
Vereinbarung über die pauschalierenden Entgelte für die Psychiatrie und Psychosomatik (PEPPV): Regelt die Abrechnungsbestimmungen für die pauschalierenden Entgelte in der Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP). Sie enthält zudem die Bewertungsrelationen differenziert nach Vergütungsstufen für die erbrachten Fälle sowie eine Auflistung abrechenbarer Zusatzentgelte.
Krankenhausbuchführungsverordnung (KHBV): Die Rechnungs- und Buchführungspflichten von Krankenhäusern regeln sich nach den Vorschriften und Anlagen dieser Verordnung.
2.3 Trägerschaften
Unter einem Krankenhausträger versteht man die natürliche oder juristische Person, die ein Krankenhaus betreibt. In Deutschland gibt es im Krankenhausbereich drei verschiedene Arten von Trägern: die öffentlichen, die freigemeinnützigen und die privaten Träger. Öffentliche Krankenhäuser sind regelmäßig in Trägerschaft von Städten, Kreisen, kommunalen Zweckverbänden oder von Sozialversicherungsträgern. Freigemeinnützige Krankenhäuser (z. B. Caritas) werden von kirchlichen Trägern, Wohlfahrtsverbänden oder Stiftungen betrieben. Private Krankenhausbetreiber benötigen für ihre Einrichtung eine Konzession nach § 30 Gewerbeordnung. Beispiele für private Träger sind diverse Klinikketten wie Helios, Asklepios oder Sana.
Aktuell befinden sich gemäß Statistischem Bundesamt ca. 29 % der Krankenhäuser in öffentlich-rechtlicher, ca. 34 % in freigemeinnütziger und ca. 37 % privater Trägerschaft. Es hat in den letzten 20 Jahren eine deutliche Verschiebung hin zu privaten Trägern gegeben. Vom Anteil der aufgestellten Betten finden sich aber immer noch knapp 48 % bei öffentlich-rechtlichen Trägern und nur knapp 19 % bei den Privaten (DESTATIS, Fachserie 12, Reihe 6.1.1, 2018, S. 9).
Die Trägerschaft von Krankenhäusern sagt oftmals nichts mehr über die Rechtsform aus, in der das Krankenhaus betrieben wird. Heutzutage gibt es bereits eine Vielzahl kommunaler GmbHs oder AGs (vgl. Preusker 2010, S. 261).
In Abgrenzung zu einem Krankenhaus in privater Trägerschaft ist die sog. Privatklinik zu sehen, die ausschließlich privat krankenversicherten Patienten und Selbstzahlern offensteht, da keine Zulassung für Versorgung von gesetzlich Versicherten besteht.
2.4 Leistungen eines Krankenhauses
Abbildung 2.1 zeigt die Leistungen eines Krankenhauses im Überblick.
Nachfolgend werden die Begrifflichkeiten kurz erläutert.
2.4.1 Krankenhausleistung
Krankenhausleistungen sind gem. § 2 Abs. 1 KHEntgG insbesondere die
• ärztliche Behandlung,
• Krankenpflege,
• Versorgung mit Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln sowie
• Unterkunft und Verpflegung.
Abb. 2.1: Leistungen eines Krankenhauses (in Anlehnung an Fleßa 2013, S. 104)
Sie umfassen allgemeine Krankenhausleistungen und Wahlleistungen (z. B. Chefarztbehandlung, Einbettzimmer). Zu den Krankenhausleistungen gehören nicht die Leistungen der Belegärzte sowie der Beleghebammen und -entbindungspfleger.
2.4.2 Allgemeine Krankenhausleistungen
Allgemeine Krankenhausleistungen sind gem. § 2 Abs. 2 KHEntgG die Krankenhausleistungen, die unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit des Krankenhauses im Einzelfall nach Art und Schwere der Krankheit für die medizinisch zweckmäßige und ausreichende Versorgung des Patienten notwendig sind. Hierzu gehören auch die während des Krankenhausaufenthalts durchgeführten Maßnahmen zur Früherkennung von Krankheiten, die vom Krankenhaus veranlassten Leistungen Dritter, die aus medizinischen Gründen notwendige Mitaufnahme einer Begleitperson des Patienten, und die besonderen Aufgaben von Zentren und Schwerpunkten für die stationäre Versorgung von Patienten, insbesondere die Aufgaben von Tumorzentren und geriatrische Zentren sowie die Frührehabilitation (§ 39 Abs. 1 Satz 3 SGB V). Im Rahmen der allgemeinen Krankenhausleistungen richtet sich der Anspruch des Patienten gegen den Krankenhausträger. Der Patient hat nur ein Recht auf Behandlung durch einen ausreichend qualifizierten Arzt, nicht jedoch durch einen bestimmten Arzt (z. B. Chefarzt).
2.4.3 Wahlleistungen
Leistungen, die über die allgemeinen Krankenhausleistungen hinausgehen sind Wahlleistungen. Sie sind nicht Bestandteil des Leistungskatalogs der Gesetzlichen Krankenversicherung. Man unterscheidet zwischen ärztlichen (z. B. Chefarztbehandlung) und nichtärztlichen Wahlleistungen (v. a. Unterkunft und Verpflegung). Auch wenn man bei ärztlichen Wahlleistungen oft von einer »Chefarztbehandlung« spricht, ist es nicht zwingend erforderlich, dass tatsächlich ein Chefarzt tätig wird.
Wahlleistungen müssen vor der Erbringung schriftlich vereinbart werden. Für Wahlleistungen darf kein unangemessen hohes Entgelt verlangt werden (§ 17 Abs. 1 KHEntgG).
Es besteht für den Krankenhausträger keine Verpflichtung, Wahlleistungen, weder allgemein, noch einem bestimmten Patienten gegenüber, anzubieten. Kliniken unterliegen insofern keinem Kontrahierungszwang. Eine Vereinbarung über gesondert berechenbare Unterkunft darf nicht von einer Vereinbarung über sonstige Wahlleistungen abhängig gemacht werden (§ 17 Abs. 4 KHEntgG).
2.4.4 Stationäre/teilstationäre Leistungen
Eine Abgrenzung stationärer von teilstationären Leistungen nimmt das Bundessozialgericht in seinem Urteil vom 04.03.2004 vor (AZ.: B 3 KR 4/03R). Bei stationären Leistungen ist der Patient ununterbrochen, also Tag und Nacht, in der Klinik. Bei teilstationären Leistungen verbringt der Patient entweder nur den Tag (Tagesklinik) oder die Nacht (Nachtklinik) in der Einrichtung. Die Behandlung erfolgt jedoch regelmäßig nicht im Rahmen eines einzigen Tagesaufenthalts im Krankenhaus, sondern vielmehr erstreckt sich die teilstationäre Behandlung regelmäßig über einen längeren Zeitraum. Hierbei wird auf die medizinisch-organisatorische Infrastruktur des Krankenhauses zurückgegriffen, eine ununterbrochene Anwesenheit des Patienten im Krankenhaus ist allerdings nicht erforderlich.
2.4.5 Ambulantes Operieren
Unter einer ambulanten Operation versteht man solche Operationen, bei denen der Patient im Zusammenhang mit der operativen Leistung nicht stationär aufgenommen wird, also im Regelfall weder die Nacht vor noch die Nacht nach der Leistung in der Klinik verbringt. Grundlage für das ambulante Operieren im Krankenhaus ist § 115b SGB V.
2.4.6 Vor- und nachstationäre Behandlung
Das Krankenhaus kann gem. § 115a SGB V in medizinisch geeigneten Fällen ohne Unterkunft und Verpflegung behandeln, um die Erforderlichkeit einer vollstationären Krankenhausbehandlung zu klären, die vollstationäre Krankenhausbehandlung vorzubereiten (vorstationäre Behandlung) oder um im Anschluss an eine vollstationäre Krankenhausbehandlung den Behandlungserfolg zu sichern bzw. zu festigen (nachstationäre Behandlung). Die vorstationäre Behandlung ist auf längstens drei Behandlungstage innerhalb von fünf Tagen vor Beginn der stationären Behandlung begrenzt, die nachstationäre Behandlung grundsätzlich auf sieben Behandlungstage innerhalb von 14 Tagen nach Beendigung der stationären Krankenhausbehandlung.
2.4.7 Belegärztliche Leistungen
Belegärzte sind nach § 121 Abs. 2 SGB V nicht am Krankenhaus angestellte Vertragsärzte, die berechtigt sind, ihre Patienten (Belegpatienten) im Krankenhaus unter Inanspruchnahme der hierfür bereitgestellten Dienste, Einrichtungen und Mittel vollstationär oder teilstationär zu behandeln, ohne hierfür vom Krankenhaus eine Vergütung zu erhalten.
Von Belegärzten sind Konsiliarärzte abzugrenzen. Dies sind Ärzte, die ergänzend hinzugezogen werden, um Unterstützung bei Diagnostik oder Therapie zu erhalten (
Kap. 7.6).
2.4.8 Krankenhausvertrag
Es gibt drei Arten von Krankenhausverträgen:
• Totaler Krankenhausaufnahmevertrag
• Gespaltener Arzt-Krankenhausaufnahmevertrag
• Totaler Krankenhausaufnahmevertrag mit Arztzusatzvertrag
Beim totalen Krankenhausaufnahmevertrag schuldet das Krankenhaus sowohl die ärztlichen als auch die sonstigen Leistungen wie Unterkunft und Pflege. Das Krankenhaus haftet dem Patienten gegenüber für Behandlungsfehler. Der Vergütungsanspruch steht dem Krankenhausträger zu.
Beim gespaltenen Krankenhausaufnahmevertrag verpflichtet sich das Krankenhaus gegenüber dem Patienten nur zur Erbringung der nichtärztlichen Leistungen. Zusätzlich schließt der Patient mit einem Arzt einen Behandlungsvertrag über die medizinische Versorgung ab. Kommt es im Zusammenhang mit der ärztlichen Tätigkeit zu einem Fehler, so haftet der Arzt gegenüber dem Patienten. Diese Vertragsgestaltung ist üblich bei belegärztlicher Versorgung. Dem Krankenhaus steht nur ein Vergütungsanspruch für die nichtärztlichen Leistungen zu, der Belegarzt rechnet seine Leistungen selbst ab.
Beim totalen Krankenhausaufnahmevertrag mit Arztzusatzvertrag verpflichtet sich das Krankenhaus gegenüber dem Patienten zur Erbringung der allgemeinen Krankenhausleistungen, also ärztlicher und sonstiger Leistungen wie Unterkunft und Pflege. Überdies schließt der Patient mit einem bestimmten Arzt, beispielsweise dem Chefarzt, einen zweiten Vertrag über seine ärztliche Versorgung ab. Bei ärztlichen Behandlungsfehlern kann sich der Patient sowohl an den behandelnden Arzt als auch an das Krankenhaus wenden.
2.5 Krankenhausplanung
2.5.1 Grundlagen
Mit der Krankenhausplanung verwirklichen die Bundesländer ihren Sicherstellungsauftrag für die stationäre Versorgung der Bevölkerung. Rechtliche Grundlage sind das KHG sowie die Krankenhausgesetze der Länder. Grundsätzliches Ziel ist es, eine bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit leistungsfähigen und wirtschaftlich selbstständigen Krankenhäusern sicherzustellen (vgl. Preusker 2010, S. 260 f.). Die Herausforderung für die Länder besteht darin, einen Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit der Planung auf der einen Seite und Gerechtigkeit auf der anderen Seite zu schaffen. Gerechtigkeit meint, dass es jedem Bürger in Deutschland innerhalb einer angemessenen Zeit möglich sein muss, in Abhängigkeit von seiner Erkrankung in ein für die Versorgung geeignetes Krankenhaus zu gelangen. Dem steht die Wirtschaftlichkeit dahingehend entgegen, dass Bettenkapazitäten an vielfältigen Standorten zwar helfen würden, das Gerechtigkeitsziel zu verwirklichen, die Kosten für die Vorhaltung und den Betrieb der Kapazitäten jedoch steigen würden.
Mit der Forderung nach »Leistungsfähigkeit« zielt der Gesetzgeber auf die Strukturen im Krankenhaus ab, also etwa auf die Zahl und Art der Abteilungen, Ärzte, Bettenzahl und Geräte (vgl. Münzel und Zeiler 2010, S. 39).
Krankenhausplanung ist in Deutschland Ländersache. § 6 Abs. 1 KHG besagt, dass die Länder Krankenhauspläne und Investitionsprogramme aufstellen, um die oben genannten Ziele verwirklichen zu können. Aufgabe des Krankenhausplans ist es, für einen räumlich abgegrenzten Bereich (Versorgungsgebiet), den notwendigen Bedarf der Bevölkerung an medizinischen Leistungen zu ermitteln (Bedarfsanalyse), die Versorgungsbedingungen der bereits im Krankenhausplan aufgenommenen Krankenhäuser zu beschreiben und zu bewerten (Krankenhausanalyse), um darauf aufbauend den festgestellten Bedarf auf bestehende oder neue Krankenhäuser zu verteilen.
§ 1 Abs. 2 KHG weist explizit auf die Vielfalt an Trägern hin und betont besonders, dass die wirtschaftliche Sicherung freigemeinnütziger und privater Krankenhausträger zu gewährleisten ist.
Krankenhäuser haben keinen Anspruch auf Feststellung der Aufnahme in den Krankenhausplan (§ 8 Abs. 2 Satz 1 KHG). Die Aufnahme oder Nichtaufnahme in den Krankenhausplan wird durch einen Feststellungsbescheid dem Krankenhaus mitgeteilt; gegen den Bescheid ist der Verwaltungsrechtsweg gegeben (§ 8 Abs. 1 Satz 3,4 KHG).
Denkbar ist zudem eine sog. »Konkurrentenklage« (vgl. Münzel und Zeiler 2010, S. 53 f.). Diese kommt in Betracht, wenn sich verschiedene Krankenhäuser um die Zuerkennung einer neuen, vom Land als bedarfsgerecht angesehenen Abteilung streiten. Kläger ist in diesem Fall der Konkurrent, dem die Abteilung nicht zugewiesen wurde. Ein weiterer Fall liegt vor, wenn sich ein bereits im Plan befindliches Krankenhaus gegen die Aufnahme eines weiteren Krankenhauses wehrt, weil es hierdurch Bettenkürzungen für das eigene Haus befürchtet.
Der Feststellungsbescheid enthält diverse Festlegungen, in Bayern beispielsweise neben der Aufnahme oder Nichtaufnahme in den Krankenhausplan den Standort, die Gesamtbettenzahl, die Fachrichtungen, die Versorgungsstufe und spezifische Versorgungsschwerpunkte (vgl. DKG 2014, S. 27).
Probleme ergeben sich immer dann, wenn weniger Betten benötigt werden, als von den Krankenhäusern, die in den Krankenhausplan integriert werden wollen, zur Verfügung gestellt werden. Die Behörde muss dann nach pflichtgemäßem Ermessen entscheiden, welche der in Betracht kommenden Krankenhäuser der Krankenhausplanung am besten gerecht wird.
Gerichtlich angreifbar ist lediglich der Feststellungsbescheid, nicht jedoch der Krankenhausplan. Dieser ist nur die Grundlage für die Entscheidung gegenüber dem Krankenhausträger, die im Feststellungbescheid mitgeteilt wird.
Im Landesrecht ist bestimmt, wer die zuständige Behörde für die Aufstellung des Krankenhausplans ist. Zu beachten ist lediglich, dass § 7 KHG fordert, dass die Landesbehörden mit den an der Krankenhausversorgung im Land Beteiligten (regelmäßig fallen hier die Landeskrankenhausgesellschaft sowie Vertreter der Gesetzlichen und Privaten Krankenversicherung darunter) eng zusammenarbeiten müssen und zudem das betroffene Krankenhaus anzuhören ist. Die Aufstellung obliegt letztendlich jedoch ausschließlich der nach Landesrecht zuständigen Behörde. In Bayern stellt beispielsweise das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege nach Beratung mit dem Krankenhausplanungsausschuss den Krankenhausplan auf. Dabei wird eine einvernehmliche Lösung angestrebt.
2.5.2 Bedarfsermittlung
Die meisten Bundesländer verwenden zur Bedarfsermittlung die sog. »Hill-Burton-Formel«. Diese berücksichtigt folgende Parameter:
Einwohnerzahl (E): Derzeitige Einwohnerzahl in einer Versorgungsregion sowie deren voraussichtliche Entwicklung.
Verweildauer (VD): Durchschnittliche Zahl an Tagen, die ein Patient im Krankenhaus verbringt (Aufnahme- und Entlassungstag zählen als ein Tag).

Krankenhaushäufigkeit (KH): Relation der in einem bestimmten Gebiet wohnenden Patienten, die im Laufe des Jahres stationär behandelt werden, zu der Einwohnerzahl des betreffenden Gebiets.

Bettennutzungsgrad (BN): Durchschnittliche Auslastung der vorgehaltenen Betten.
Der Bettennutzungsgrad wird vom Land vorgegeben.
Der Bettenbedarf kann mithilfe der Parameter wie folgt bestimmt werden:

Beispiel: Eine Versorgungsregion hat 750 000 Einwohner. Es wird von einer Fallzahl von 157 500 ausgegangen. Die geplante Zahl an Pflegetagen liegt bei 1 260 000. Es wird ein Bettennutzungsgrad von 80 % angestrebt.
Zunächst wird die durchschnittliche Verweildauer ermittelt:

Als nächstes wird die Krankenhaushäufigkeit bestimmt:

Im letzten Schritt wird der Bettenbedarf berechnet:

2.5.3 Versorgungsstufen
Die Bezeichnungen und das Vorhandensein von Versorgungsstufen differiert nach Bundesländern. Die gebräuchlichste Einteilung ist die Unterscheidung in vier Versorgungsstufen:
• Grundversorgung
• Regelversorgung
• Schwerpunktversorgung
• Maximalversorgung
Mit der Differenzierung soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die verschiedenen Krankenhäuser unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen haben. Tabelle 2.1 grenzt die Versorgungsstufen anhand der Merkmale Fachabteilungen, Bettenzahl und Einzugsgebiet voneinander ab.
Tab. 2.1: Versorgungsstufen

GrundversorgungRegelversorgungSchwerpunktversorgungMaximalversorgung
2.6 Versorgungsvertrag
Versorgungsverträge sind in den §§ 108, 109 SGB V geregelt. Krankenkassen dürfen Krankenhausbehandlungen nur durch zugelassene Krankenhäuser erbringen lassen. Darunter fallen Krankenhäuser, die nach den landesrechtlichen Vorschriften als Hochschulklinik anerkannt sind, Kliniken, die in den Krankenhausplan eines Landes aufgenommen sind (Plankrankenhäuser), sowie Krankenhäuser, die einen Versorgungsvertrag mit den Landesverbänden der Krankenkassen und den Verbänden der Ersatzkassen abgeschlossen haben. Der Versorgungsvertrag nach § 108 Nr. 3 SGB V kommt gem. § 109 Abs. 1 SGB V durch Einigung zwischen den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen gemeinsam mit dem Krankenhausträger zustande. Bei den Hochschulkliniken gilt die Anerkennung nach den landesrechtlichen Vorschriften, bei den Plankrankenhäusern die Aufnahme in den Krankenhausbedarfsplan nach § 8 Abs. 1 Satz 2 KHG als Abschluss des Versorgungsvertrags (sog. Fiktion eines Versorgungsvertrags). Ein Anspruch auf Abschluss eines Versorgungsvertrags nach § 108 Abs. 3 SGB V besteht nicht.
2.7 Versorgungsauftrag
Der Begriff Versorgungsauftrag ist gesetzlich nicht definiert. In den Feststellungsbescheiden werden Angaben über den Träger, den Standort, die Bettenzahl und die vorgehaltenen Fachabteilungen gemacht. Aus diesen Festlegungen lassen sich Versorgungsaufgaben ableiten (Münzel und Zeiler 2010, S. 22). Ferner legt § 109 Abs. 4 SGB V fest, dass Krankenhäuser für die Dauer des Versorgungsvertrags nicht zur Krankenhausbehandlung von Versicherten zugelassen sind, sondern auch im Rahmen des Versorgungsauftrags zur Krankenbehandlung verpflichtet sind. Die Krankenhausbehandlung selbst ist in § 39 SGB V geregelt. Versicherte haben demnach Anspruch auf vollstationäre Behandlung in einem nach § 108 SGB V zugelassenen Krankenhaus, wenn die Aufnahme nach Prüfung durch das Krankenhaus erforderlich ist, weil das Behandlungsziel nicht durch teilstationäre, vor- und nachstationäre oder ambulante Behandlung einschließlich häuslicher Krankenpflege erreicht werden kann.
3 Investitionskostenfinanzierung
3.1 Grundlagen
Mit dem KHG wird unter anderem der Zweck verfolgt, Krankenhäuser wirtschaftlich zu sichern (§ 1 Abs. 1 KHG). Gem. § 4 KHG erfolgt dies dadurch, dass die Investitionskosten von Krankenhäusern im Wege öffentlicher Förderung übernommen werden und Krankenhäuser leistungsgerechte Erlöse aus Pflegesätzen sowie Vergütungen für vor- und nachstationäre Leistungen sowie für ambulantes Operieren erhalten. Diesen Sachverhalt bezeichnet man als »duale Finanzierung«. Von einer »monistischen Finanzierung« spricht man dagegen, wenn die Kostenträger für alle anfallenden Kosten (Betriebs- und Investitionskosten) aufkommen. Mit der Abgrenzungsverordnung hat der Gesetzgeber eine Abgrenzung der über die Pflegesätze zu finanzierenden Kosten von den Investitionskosten vorgenommen, die jedoch unvollständig ist (vgl. Münzel und Zeiler 2010, S. 100). Darüber hinaus verbleibt ein Teil der Kosten beim Krankenhausträger, dieser wird weder durch die Investitionskostenübernahme noch durch Leistungserlöse gedeckt. Dies betrifft die Kosten des Grundstücks, des Grundstückerwerbs (z. B. Kosten des Notars), der Grundstückerschließung sowie die Aufwendungen im Zusammenhang mit deren Finanzierung (§ 2 Nr. 2b KHG). Zudem fallen darunter die Kosten, die zwar an sich förderungsfähig wären, aber in der anfallenden Höhe nicht refinanziert werden. Daher spricht man inzwischen oftmals von einer »trialen Finanzierung« und bezieht den Träger als dritten Finanzier mit in die Betrachtung ein.
Nachfolgend wird ein Überblick über die Investitionskostenfinanzierung gegeben, im anschließenden Kapitel 4 werden die Betriebskosten näher beleuchtet.
3.2 Investitionskosten
3.2.1 Begrifflichkeiten
§ 2 Nr. 2a KHG definiert den Begriff der Investitionskosten. Investitionskosten sind die Kosten der Errichtung (Neubau, Umbau, Erweiterungsbau) von Krankenhäusern sowie die Anschaffung der zum Krankenhaus gehörenden Wirtschaftsgüter. Ausgenommen sind die zum Verbrauch bestimmten Güter (Verbrauchsgüter). Darüber hinaus sind die Kosten der Wiederbeschaffung der Güter des zum Krankenhaus gehörenden Anlagevermögens (Anlagegüter) Investitionskosten. Den Investitionskosten stellt das KHG noch weitere Kosten gleich (§ 2 Nr. 3 KHG):
• Nutzungsentgelte (z. B. Leasingraten) für wiederbeschaffte Anlagegüter
• Darlehenskosten (Zinsen, Tilgung und Verwaltungsaufwand), sofern eine Investition über einen Kredit finanziert wurde
• Abschreibungen auf Investitionsgüter
Nicht zu den Investitionskosten zählen wie bereits angeführt die Kosten des Grundstücks, des Grundstückerwerbs, der Grundstückserschließung (z. B. Wasserversorgung) sowie deren Finanzierungskosten.
Das KHG grenzt von den Investitionskosten die pflegesatzfähigen Kosten ab. Darunter fallen diejenigen Kosten, die von den Kostenträgern finanziert werden. Sie sind in den Entgelten einkalkuliert und damit abgegolten. Die Abgrenzungsverordnung (AbgrV) legt drei Gütergruppen fest (Anlage-, Gebrauchs- und Verbrauchsgüter) und regelt, ob die Kosten der jeweiligen Gütergruppe durch die Länder oder den Kostenträger zu übernehmen sind (vgl. §§ 2,3 AbgrV).
Anlagegüter sind diejenigen Gegenstände, die dazu bestimmt sind, dauernd dem Geschäftsbetrieb eines Krankenhauses zu dienen. Unterschieden wird zwischen langfristigen und kurzfristigen Anlagegütern sowie Gebrauchsgütern. Langfristige Anlagegüter haben eine Nutzungsdauer von mehr als 15 Jahren (z. B. Gebäude), während kurzfristige Anlagegüter eine Nutzungsdauer von mehr als 3 und bis zu 15 Jahren aufweisen (bspw. medizinische Geräte). Gebrauchsgüter sind Anlagegüter mit einer Nutzungsdauer von bis zu drei Jahren (z. B. Geschirr, Narkosemasken). Übersteigen die Anschaffungs- und Herstellungskosten (AHK) von Anlagegütern 150 € ohne Umsatzsteuer nicht, so gelten sie als Verbrauchsgüter. Verbrauchsgüter dienen nicht dauerhaft dem Krankenhausbetrieb. Neben den Anlagegütern mit AHK von bis zu 150 € (sog. gewillkürte Verbrauchsgüter) zählen zu dieser Kategorie ferner Güter, die bei bestimmungsgemäßer Verwendung aufgezehrt (z. B. Arzneimittel, Lebensmittel) bzw. unverwendbar werden (z. B. Verbandmaterial) oder ausschließlich von einem Patienten genutzt werden und üblicherweise bei diesem verbleiben (z. B. Endoprothesen).
3.2.2 Förderungsfähige Kosten
Zur wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser werden Investitionskosten im Wege öffentlicher Förderung für gesetzlich festgelegte Fördertatbestände durch die Länder übernommen. Man unterscheidet zwischen Einzelförderung (§ 9 Abs. 1 und 2 KHG) sowie Pauschalförderung (§ 9 Abs. 3 KHG). Eine Einzelförderung liegt vor, wenn das Krankenhaus für eine definierte Maßnahme einen Förderantrag stellt und dieser ganz oder teilweise nach Prüfung bewilligt wird. Bei einer Pauschalförderung wird dem Krankenhaus ein nach vorab festgelegten Kriterien bemessener Gesamtbetrag zur Verfügung gestellt, mit dem es im Rahmen der Zweckbindung frei wirtschaften kann. Würden Fördermittel zweckwidrig, also nicht entsprechend der im Fördermittelbescheid genannten Zwecke verwendet, besteht eine Rückzahlungspflicht. In den meisten Fällen ist die Art der Förderung nicht zwingend vorgeschrieben, lediglich § 9 Abs. 3 KHG sieht vor, dass die Länder die Wiederbeschaffung kurzfristiger Anlagegüter sowie kleine bauliche Maßnahmen durch feste jährliche Pauschalbeträge fördern sollen. Die Kriterien zur Bestimmung der Pauschalbeträge können von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein. § 9 Abs. 3 Satz 2 KGH sieht lediglich vor, dass diese nicht ausschließlich nach der Zahl der in den Krankenhausplan aufgenommenen Betten bemessen werden sollen.
Die Erstbeschaffung sowie Wiederbeschaffung von langfristigen Anlagegütern wird durch die Länder einzelgefördert (§ 9 Abs. 1 Nr. 1 und 2 KHG). Eine Ausnahme stellen sog. kleine bauliche Maßnahmen dar, diese unterliegen einer Pauschalförderung (§ 9 Abs. 3 KHG). Die Länder legen jeweils Kostengrenzen fest, bis zu welcher Höhe Maßnahmen als kleine bauliche Maßnahmen gelten. Die Erstanschaffung von kurzfristigen Anlagegütern unterliegt der Einzelförderung (§ 9 Abs. 1 Nr. 1 und 2 KHG), während die Wiederbeschaffung pauschal gefördert wird (§ 9 Abs. 3 KHG). Dadurch, dass sowohl langfristige als auch kurzfristige Anlagegüter einzel- oder pauschalgefördert werden, sind deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten (AHK) nicht pflegesatzfähig. Gebrauchsgüter werden bei ihrer Erstanschaffung einzelgefördert (§ 2 Nr. 2 KHG, § 9 Abs. 1 Nr. 1 KHG), die Wiederbeschaffung ist nicht förderungsfähig, sodass die Kosten in die Pflegesätze einkalkuliert werden (§ 17 Abs. 4 Nr. 1 KHG, § 3 Abs. 1 Nr. 1 AbgrV). Verbrauchsgüter werden weder einzel- noch pauschalgefördert, ihre Kosten sind demnach pflegesatzfähig (§ 3 Abs. 1 Nr. 3 AbgrV).
§ 9 Abs. 2 KHG enthält Sonderfälle, für die Krankenhäuser auf Antrag Fördermittel erhalten können:
• Nutzung von Anlagegütern (Miete, Leasing)
• Anlauf-, Umstellungs-, Umwidmungs- und Schließungskosten
• Lasten aus Darlehen, die vor der Aufnahme des Krankenhauses in den Krankenhausplan für förderungsfähige Investitionskosten aufgenommen wurden
• Ausgleich für die Abnutzung von Anlagegütern, soweit diese mit Eigenmitteln des Krankenhausträgers beschafft worden sind und bei Beginn der Förderung vorhanden waren
Nach § 8 Abs. 1 KHG besitzen ausschließlich die Krankenhäuser einen Anspruch auf Förderung, die im Krankenhausplan des jeweiligen Bundeslandes und bei Investitionen nach § 9 Abs. 1 Nr. 1 KHG in das Investitionsprogramm aufgenommen sind. Bei Investitionsvorhaben nach § 9 Abs. 1 KHG ist eine nur teilweise Förderung mit Restfinanzierung durch den Krankenhausträger möglich. Die Investitionsfinanzierung ist wie die Krankenhausplanung auf Bundesebene in § 6 Abs. 1 KHG geregelt. Jedes Bundesland hat demnach einen eigenen Investitionsplan aufzustellen.
§ 10 KHG ermöglicht eine Investitionsförderung durch leistungsorientierte Investitionspauschalen. Die Länder haben das Recht, eigenständig zwischen der Förderung durch leistungsorientierte Investitionspauschalen und der Einzelförderung von Investitionen einschließlich der Pauschalförderung kurzfristiger Anlagegüter zu entscheiden. Aufgabe des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (IneK) ist es, bundeseinheitliche Investitionsbewertungsrelationen zu kalkulieren, die den Investitionsbedarf für die voll- und teilstationären Leistungen pauschaliert abbilden. Gesellschafter des InEK sind die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der GKV-Spitzenverband sowie der Verband der privaten Krankenversicherungen. Der Förderbetrag ergibt sich als Produkt aus der Investitionsbewertungsrelation der zugehörigen Leistung und dem landesindividuellen Investitionsfallwert. Welche Länder das neue System anwenden werden, ist aktuell noch nicht abzusehen. Derzeit bestehen große Unterschiede in der Förderpraxis der Bundesländer hinsichtlich der Höhe der Förderung, der Aufteilung in Einzel- und Pauschalförderung sowie bei der Bezugsgrößenwahl der Pauschalförderung. Es ist daher anzunehmen, dass sich die Investitionsförderung auch künftig hinsichtlich der Höhe sowie der Methodik der Förderung grundlegend unterscheiden wird. Für leistungsorientierte Pauschalen spricht, dass aufwändige Antragsverfahren teils überflüssig werden, zudem steigt die unternehmerische Freiheit der Kliniken bei der Mittelverwendung.
Die laufenden Betriebskosten müssen Kliniken über die Erlöse aus Krankenhausleistungen und anderen betrieblichen Erträgen decken. Zu diesen Kosten zählen unter anderem die Personalkosten, zentrale Dienstleistungen (Wäscherei, Küche, Reinigung), Instandhaltungskosten, Steuern, Abgaben, Versicherungen, Zinsen für Betriebsmittelkredite, Wiederbeschaffung von Gebrauchsgütern und geringwertigen Anlagegütern sowie die Beschaffung von Verbrauchsgütern.
Bei Instandhaltungskosten (pflegesatzfähig gem. § 3 AbgrV) ist wichtig, diese von den nicht pflegesatzfähigen Herstellungskosten zu unterscheiden. § 4 AbgrV versteht unter Instandhaltungskosten die Kosten der Erhaltung oder Wiederherstellung von Anlagegütern, wenn dadurch das Anlagegut in seiner Substanz nicht wesentlich vermehrt, in seinem Wesen nicht erheblich verändert, seine Nutzungsdauer nicht wesentlich verlängert oder über seinen ursprünglichen Zustand hinaus deutlich verbessert wird. Liegt eine Substanzvermehrung, Änderung der Wesensart oder eine wesentliche Veränderung der Nutzungsdauer vor, so liegen nicht pflegesatzfähige Herstellungskosten vor. Tabelle 3.1 listet hierfür einige Beispiele auf.
Tab. 3.1: Beispiele für Veränderung von Substanz, Wesensart und Nutzungsdauer

VeränderungBeispiele
3.3 Rechtsanspruch auf Förderung
§ 8 Abs. 1 KHG sieht einen Rechtsanspruch der Krankenhäuser auf Förderung vor. Dies gilt jedoch nur, wenn sie in den Krankenhausplan des Landes aufgenommen sind. Zudem wird der Rechtsanspruch dadurch eingeschränkt, dass bei Investitionen nach § 9 Abs. 1 KHG zugleich die Aufnahme in das Investitionsprogramm des Landes erforderlich ist. Diese Investitionsprogramme können jedoch nach Haushaltsrecht nur im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel erstellt werden, sodass der Umfang von vornherein beschränkt ist (vgl. Münzel und Zeiler 2010, S. 103).
3.4 Zusammenfassung und Beispiele
Tabelle 3.2 gibt einen Überblick über die Grundzüge der Investitionsförderung.
Tab. 3.2: Wirtschaftsgüter und ihre Förderung

BeschaffungsartWirtschaftsgutErstbeschaffungWiederbeschaffung
Abschließend werden zur Veranschaulichung noch drei Anwendungsbeispiele dargestellt:
1. Ein im Jahr 1902 erbautes Krankenhausgebäude soll grundlegend entkernt und saniert werden. Sämtliche Patientenzimmer werden umgebaut, erstmals mit Nasszellen ausgerüstet und mit zeitgemäßem Komfort ausgestattet. Außerdem werden im Rahmen der Sanierung sämtliche Holzfenster gegen Fenster mit Kunststoffrahmen mit Schallschutzglas ausgewechselt und der Dachstuhl wird ausgebaut, isoliert und neu eingedeckt.
2. Bei einem Unwetter wurde das Dach eines Krankenhauses beschädigt, sodass zahlreiche Dachziegel herabgefallen sind und die Dachrinne teilweise beschädigt wurde. Es werden lediglich die beschädigten Teile erneuert.
3. Es wird ein CT zu Anschaffungskosten in Höhe von 500 000 € wiederbeschafft.
Lösungen:
1. Durch den Umbau erhöht sich sowohl die Substanz als auch die Nutzungsdauer des Gebäudes in wesentlichem Umfang. Bezogen auf die einzelnen Gebäudeteile liegen zwar nur Erhaltungsaufwendungen vor, dennoch liegt wegen der durchgeführten »Kernsanierung« in Bezug auf das Gesamtgebäude Herstellungsaufwand vor. Die Kosten sind daher gem. § 3 Abs. 2 Nr. 1 AbgrV nicht pflegesatzfähig. Es sind Fördermittel nach § 9 Abs. 1 Nr. 1 KHG im Wege der Einzelförderung zu beantragen. Bei Nichtgewährung oder nur teilweiser Förderung sind die Kosten ganz oder teilweise aus Eigenmitteln zu bestreiten.
2. Es liegen pflegesatzrelevante Kosten der Instandhaltung gem. § 3 Abs. 1 Nr. 4 AbgrV vor, da das Dach nicht überwiegend ersetzt wird (§ 4 Abs. 2 AbgrV), ebenso ist auch kein Herstellungsaufwand anzunehmen (§ 4 Abs. 1 AbgrV).
3. Das CT ist eigenständig nutzbar, die tatsächliche Nutzungsdauer liegt bei mehr als drei Jahren. Folglich liegt ein förderungsfähiges Anlagegut vor. Es liegt ein kurzfristiges Anlagegut vor, das aus Pauschalfördermitteln nach § 9 Abs. 3 KHG zu finanzieren ist.
4 Betriebskostenfinanzierung
4.1 Grundlagen der Vergütung von Betriebskosten
Durch das GKV-Gesundheitsreformgesetz im Jahr 2000 wurde der neue § 17b des KHG im Gesetz verankert. Für die Vergütung der allgemeinen Krankenhausleistungen sollte ein durchgängiges, leistungsorientiertes und pauschalierendes Vergütungssystem eingeführt werden, welches zudem Komplexitäten (z. B. Komplikationen) und Komorbiditäten (z. B. bestehende chronische Erkrankungen) abbildet. Darüber hinaus sollte sein Differenzierungsgrad praktikabel sein.
Durchgängig bedeutet, dass mit dem System möglichst alle allgemeinen Leistungen eines Krankenhauses abgedeckt werden, Wahlleistungen sind daher beispielsweise vom System nicht erfasst. Die Anforderung der Leistungsorientierung zielt darauf ab, dass die Vergütung in einem direkten Zusammenhang mit dem Aufwand stehen soll, den die Behandlung verursacht. Mit pauschalierend meint der Gesetzgeber, dass gleichartige Fälle zu einer Fallgruppe zusammengeführt werden. Wichtig ist, dass Gleichartigkeit nicht medizinische Vergleichbarkeit beinhaltet, sondern Behandlungen zusammengefasst werden, die ökonomisch vergleichbaren Ressourcenverbrauch erfordern. Unter Komplexitäten versteht man Schwierigkeitsstufen, Komorbiditäten sind Begleiterkrankungen. Der praktikable Differenzierungsgrad beinhaltet die Forderung nach Übersichtlichkeit des Systems, die sich in einer überschaubaren Anzahl an ausgewiesenen Fallpauschalen äußert.
Von der Vergütung werden die allgemeinen vollstationären und teilstationären Krankenhausleistungen (§ 17b Abs. 1 Satz 3 KHG) erfasst, ausgenommen sind gem. § 17b Abs. 1 Satz 1 KHG die Psychiatrie und die Psychosomatik.
Mit dem Gesetz zur Einführung des diagnoseorientierten Fallpauschalensystems in Deutschland vom 23. April 2002 wurden die vorher genannten Anforderungen in ein konkretes Abrechnungssystem überführt, welches seit dem Jahr 2004 verbindliche Abrechnungsgrundlage für einen Großteil der akutstationären Leistungen ist. Das System basiert auf sog. Diagnosis Related Groups (kurz: DRGs), was übersetzt »diagnosebezogene Fallgruppen« bedeutet. Das deutsche DRG-System wurde auf Basis australischer DRGs entwickelt, nachdem mehrere verschiedene Systeme anderer Länder miteinander verglichen wurden.
Die DRGs sind ein Patientenklassifikationssystem, mit dessen Hilfe einzelne Behandlungsfälle im Krankenhaus anhand definierter Kriterien zu Fallgruppen zusammengefasst werden. Diese Fallgruppen sind wiederum Grundlage der Vergütung. Ziel ist es, genau eine Fallgruppe und damit auch eine Vergütung je Fall zu bestimmen. DRGs basieren deshalb auf einem »Schubladendenken«, welches beinhaltet, dass jeder Behandlungsfall im Krankenhaus genau einer definierten »Schublade« (= DRG-Fallgruppe) zugeordnet wird.
Mit der Einführung der DRGs wurden für Krankenhäuser völlig neue Anreize gesetzt, aus denen zahlreiche Herausforderungen für das Patienten- und Prozessmanagement resultieren. Vor der Einführung der DRGs erhielten die Krankenhäuser vorwiegend Erlöse, die auf tagesgleichen Pflegesätzen basierten. Die Vergütung bestand aus zwei Komponenten, dem Basispflegesatz und dem Abteilungspflegesatz. Der Basispflegesatz war ein für das gesamte Krankenhaus einheitlicher Satz, mit dem alle nichtmedizinischen Leistungen abgegolten wurden. Darunter fielen die Hotelleistungen (Unterkunft und Verpflegung) sowie die Leistungen der Verwaltung. Der Abteilungspflegesatz dagegen wurde für jede bettenführende Abteilung eines Krankenhauses individuell vereinbart. Dadurch erfolgte eine Vergütung der ärztlichen und pflegerischen Leistungen sowie für den medizinischen Bedarf und die Leistungen der Funktionsbereiche (z. B. Labor, physikalische Therapie). Im bis 2003 gültigen System waren ferner Sonderentgelte vorgesehen, mit denen definierte Leistungskomplexe eines Behandlungsfalls vergütet wurden (z. B. Operationen, Labor- und Arzneimittelkosten). Bei Sonderentgelten wurde der Basispflegesatz voll, der Abteilungspflegesatz um 20 % gekürzt vergütet, um Doppelvergütungen zu vermeiden. Die Kürzung des Abteilungspflegesatzes wurde für maximal 12 Berechnungstage vorgenommen, bestimmte Bereiche (z. B. Intensivmedizin) waren von der Kürzung ausgenommen. Unter einem Berechnungstag versteht man den Aufnahmetag und jeden weiteren Tag des Krankenhausaufenthalts. Der Entlassungs- oder Verlegungstag wird nicht berechnet, sofern dies nicht zugleich der Aufnahmetag ist (vgl. § 14 Abs. 2 BPflV). Für einen Teil der Leistungen gab es im alten Vergütungssystem seit 1993 auch bereits Fallpauschalen, die dann für die Patienten anstelle der Abteilungs- und Basispflegesätze abgerechnet wurden. Teils konnten gem. § 15 Abs. 6 BPflV neben den Fallpauschalen noch zusätzlich Sonderentgelte den Kostenträgern in Rechnung gestellt werden.
Durch die Vergütungssystematik hatten die Krankenhäuser den Anreiz, ihre Patienten möglichst lange im Haus zu behalten. Abbildung 4.1 zeigt den Kosten- und Erlösverlauf eines Nichtnotfallpatienten.
Eine Einbestellung von elektiven Patienten (Patienten, bei denen der Zeitpunkt der Behandlung fast frei gewählt werden kann, z. B. häufig bei Gelenkersatz) fand regelmäßig zwei Tage vor dem operativen Eingriff statt. Am ersten Tag waren die Kosten der Versorgung hoch, da umfangreiche diagnostische und operationsvorbereitende Maßnahmen durchgeführt wurden (EKG, Labor usw.). Für den zweiten Tag fielen geringe Aufwendungen an, da der Patient primär im Bett auf die Operation wartete. Wegen der am dritten Tag durchgeführten OP war die finanzielle Belastung für die Klinik an diesem Tag besonders groß. Nach der OP musste der Patient zunächst intensiv ärztlich und pflegerisch versorgt werden, es folgte eine Phase mit normaler bis reduzierter Versorgungsintensität. Je länger der Patient im Krankenhaus verweilte, desto gesünder war er und desto geringer waren die für das Krankenhaus anfallenden Kosten. Zu Beginn lagen die Kosten pro Tag über den Tageserlösen, später sanken jedoch die Kosten immer weiter, sodass die Erlöse die anfallenden Kosten pro Tag überstiegen. Das Krankenhaus erzielte dadurch Gewinn und hatte daher ein Interesse daran, die Verweildauer zu erhöhen. Ziel des Krankenhauses war es, den Patienten zumindest solange zu behalten, bis dieser kostendeckend war, idealerweise sogar noch länger, um Gewinne erwirtschaften zu können. Typisches Phänomen für eine Verweildauerverlängerung waren bspw. Entlassungen an Montagen, obwohl die Patienten bereits am Freitag hätten entlassen werden können. Diese Patienten verursachten fast keine Kosten mehr, brachten jedoch volle Pflegesätze (vgl. Fleßa 2013, S. 114 ff.).

Abb. 4.1: Kosten- und Erlösverlauf eines Nichtnotfallpatienten (in Anlehnung an Fleßa 2013, S. 115)
Das DRG-System setzt nun Anreize, die exakt gegenläufig sind. Das Krankenhaus erhält für seine Leistung eine fest definierte Pauschale, aus denen es seine Aufwendungen zu tragen hat. Es ist daher grundsätzlich nicht mehr sinnvoll, den Patienten unnötig lange im Krankenhaus zu behalten, da der Patient selbst bei sehr gutem gesundheitlichen Zustand Kosten verursacht, die die Erträge schmälern würden. Hierin wird ein wesentliches Ziel der Einführung der DRGs ersichtlich: Das System sollte die Verweildauer im Krankenhaus reduzieren. Die Reduktion der Verweildauer war zudem mit der Zielsetzung verbunden, Bettenkapazitäten im Krankenhaus abzubauen. Weiterhin sollte mit dem Fallpauschalensystem erreicht werden, dass die Bezahlung von Krankenhausleistungen der Maxime »gleicher Erlös für gleiche Leistung« folgt, was bei der bis 2003 gültigen Vereinbarung von krankenhausindividuellen Pflegesätzen nicht realisiert wurde.
Das aG-DRG-System hat zum 01. Januar 2020 das bisherige G-DRG-System abgelöst. Das »a« steht hierbei für »ausgegliedert«. Der Fallpauschalenkatalog wurde hierzu um den Pflegeerlöskatalog erweitert und die Bezeichnung auf »aG-DRG-Katalog« geändert.
Im Vergleich zum bisherigen G-DRG-Katalog, welcher bis 2019 galt, wurde der Gruppierungsalgorithmus nicht verändert. Die Änderung liegt in der deutlich reduzierten Höhe der Bewertungsrelation (Relativgewicht) je aG-DRG, die sich aus der Ausgliederung der Pflegepersonalkosten ergibt. Diese werden jetzt wieder auf dem Kostenerstattungsprinzip basierend erstattet. Hierzu werden – vereinfacht dargestellt – die relevanten Pflegekosten (»Pflege am Bett«) auf die Anzahl der gesamten Verweildauertage eines Krankenhauses verteilt und eine Vergütung pro Tag bezahlt. Dieser umfassende Einschnitt in die bisherige Vergütung der Krankenhaus-Betriebskosten wurde durch die Regelungen im Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) nötig. Ab dem 01. Januar 2020 wird also durch jedes Krankenhaus ein individuelles Pflegebudget nach dem Selbstkostendeckungsprinzip vereinbart. Dieses Pflegebudget wird dann im Laufe des Jahres durch die Pflegekostenerlöse je aG-DRG abgerufen. Die Pflegeerlösbewertungsrelation pro Tag ist im Fallpauschalenkatalog in einer separaten Spalte je Haupt- und Beegabteilung sowie teilstationär aufgeführt. Der Pflegeentgeltwert beträgt bis zur Verhandlung des krankenhausindividuellen Pflegebudgets 146,55 Euro. Somit werden künftig ca. 20 % des bisherigen Finanzierungsvolumens von ca. 75 Milliarden Euro gesondert finanziert. Etwa 15 Milliarden Euro orientieren sich folglich an den tatsächlichen Ausgaben des Krankenhauses.
4.2 Bildung von DRGs
Die Zuordnung eines Falls zu einer bestimmten DRG bezeichnet man als Gruppierung (grouping). Ein Grouper ist ein Software-Programm, welches anhand erfasster Parameter mithilfe eines Algorithmus automatisiert die Fallgruppen ermittelt. Damit die Gruppierung in allen Krankenhäusern einheitlich erfolgt, d. h. damit bei identisch eingegebenen Daten auch dieselbe DRG entsteht, dürfen nur vom Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) zertifizierte Grouper verwendet werden. Das InEK ist ein von den Spitzenverbänden der Krankenkassen, dem Verband der privaten Krankenversicherung und der Deutschen Krankenhausgesellschaft gegründetes Institut, welches die genannten Vertragspartner bei der Einführung und Weiterentwicklung des DRG-Systems unterstützt. Es erarbeitet unter anderem den jährlichen DRG-Fallpauschalenkatalog. Abbildung 4.2 zeigt den Grundablauf der DRG-Bildung im Überblick.
Für die Bildung der DRG ist zunächst die Festlegung einer Hauptdiagnose notwendig. Von der Hauptdiagnose sind Nebendiagnosen abzugrenzen, die ebenso zu erfassen sind. Als Hauptdiagnose ist die Diagnose festzulegen, die hauptsächlich für den stationären Aufenthalt des Patienten verantwortlich war. Alle anderen Diagnosen, die bei Aufnahme bereits bestanden oder sich im Rahmen des Klinikaufenthalts entwickelt haben, sind Nebendiagnosen. Die Haupt- und Nebendiagnosen werden basierend auf dem ICD-10 erhoben. ICD steht für »International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems« (Internationale statistische

Abb. 4.2: Grundablauf der DRG-Bildung
Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme). Die ICD ist eine von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebene internationale Klassifikation, in der Diagnosen nach einem definierten Schlüssel aus einem Buchstaben und Zahlen zugeordnet sind. Die derzeit gültige Ausgabe ist die ICD-10, also der zehnte Revisionsstand. Für die Klassifikation wird in Deutschland die ICD-10-GM verwendet, GM steht für »German Modification«, also die Anpassung der internationalen Klassifikation an die Erfordernisse des deutschen Gesundheitswesens. Diagnosen, die in Deutschland nicht oder nur sehr selten vorkommen, sind beispielsweise in der deutschen Version nicht enthalten.
Die Aufteilung der Klassifikation erfolgt in vier Hauptebenen:
• Kapitel (z. B. F00 bis F99: Psychische und Verhaltensstörungen)
• Gruppe (z. B. F30 bis F39: Affektive Störungen)
• Kategorie (z. B. F32: Depressive Episode)
• Subkategorie (z. B. F32.0: Leichte depressive Episode)
Darüber hinaus müssen Prozeduren erfasst werden. Unter Prozeduren versteht man Operationen und andere Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen. Diese werden mithilfe des Operationen- und Prozedurenschlüssels (OPS) erfasst. Der OPS-Katalog wird vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) herausgegeben und weiterentwickelt.
Beispiel: Die offene chirurgische Appendektomie (Blinddarmentfernung) hat den OPS 5.470-0.
• Kapitel 5 = Operationen
• Gruppe: 5-42 bis 5-54 = Operationen am Verdauungstrakt
• Dreisteller: 5-47 = Operationen an der Appendix
• Viersteller: 5-470 = Appendektomie
• Fünfsteller/Sechsteller: 5-470.0 = Offen chirurgisch
Zu erfassen sind gemäß Kodierrichtlinie P014 nicht alle Prozeduren. Prozeduren, die routinemäßig bei den meisten Patienten während eines Krankenhausaufenthalts durchgeführt werden, sind nicht zu erfassen, da sich der Aufwand für diese Prozeduren in der Diagnose oder in anderen dokumentierten Prozeduren widerspiegelt. Beispiele hierfür sind Echokardiographien (EKG), die Visite oder das Blutdruckmessen.
Abschließend sind noch weitere Daten zu erfassen, hierunter fallen die Entlassungsart (normal, verstorben, verlegt) sowie, sofern für die Ermittlung der DRG relevant, das Alter, das Geschlecht, das Geburtsgewicht und die Beatmungszeit.
Die Kodierung lässt sich deutlich vereinfachen, wenn man einige Grundregeln berücksichtigt. Diagnosen dürfen ohne Mehraufwand (z. B. Zufallsbefunde ohne Konsequenz) nicht kodiert werden, ebenso wenig ist eine Erfassung von Prozeduren ohne deren Durchführung möglich; kodiert werden sollte nur mit den vollständigen Unterlagen, da im Arztbrief beispielsweise häufig nichts Explizites über den pflegerischen Aufwand eines Patienten steht (vgl. Frankenstein 2010, S. 15).
4.3 Gruppierungsprozess
4.3.1 Bildung der Basis-DRG
Nachfolgend werden die einzelnen Schritte, welche die Gruppierungssoftware automatisiert vornimmt, dargestellt. Zunächst erfolgt die Bildung von Basis-DRGs. Abbildung 4.3 zeigt die dafür erforderlichen Schritte im Überblick.
In einem ersten Schritt prüft der Grouper die Konsistenz der Daten. Datensätze, die klinisch untypische oder ungültige Informationen enthalten, werden einer »Fehler-DRG« zugeordnet. Fehler-DRGs entstehen, wenn eine Operation ohne Bezug zur Hauptdiagnose durchgeführt wird. Erfolgt die Aufnahme eines Patienten bspw. wegen der Hauptdiagnose »Akuter transmuraler Myokardinfarkt der Vorderwand« (ICD I21.0) und wird während des Aufenthalts aufgrund eines entdeckten Karzinoms eine Sigmaresektion durchgeführt (OPS 5-455.72), so wird die DRG 801B (ausgedehnte OR-Prozedur ohne Bezug zur Hauptdiagnose) ermittelt. In diesem Fall liegt eine der sog. »Sonstige DRGs« (MDC 24) vor, die abrechenbar ist. Anders verhält es sich, wenn eine Diagnose erfasst wird (z. B. bösartige Neubildung der Prostata), die unvereinbar mit dem Geschlecht ist. Die dann entstehende Fehler-DRG (DRG 960Z – nicht gruppierbar) ist unzulässig und kann nicht abgerechnet werden. Mit den Fehler-DRGs soll dem Anspruch einer vollständigen Zuweisung aller akutstationären Fälle in DRGs entsprochen werden.

Abb. 4.3: Ermittlung der Basis-DRG (in Anlehnung an Fleßa 2013, S. 149)
Liegt bei einem Patienten keine Fehler-DRG vor, wird ferner die Existenz von Sondertatbeständen geprüft. Sondertatbestände sind zumeist nicht einem Organ oder Organsystem zuzuordnen, ein Beispiel hierfür ist die Beatmung. Weiterhin fällt eine Vielzahl von Transplantationen (z. B. Knochenmarktransplantation) unter die Sondertatbestände, da diese extrem aufwändig sind.
Sind sowohl Fehlergruppen als auch Sondertatbestände auszuschließen, wird der Patient in eine Major Diagnostic Category (MDC) eingeordnet. MDCs sind Hauptdiagnosegruppen, insgesamt existieren im DRG-System 24 (zzgl. Gruppe der Fehler-DRGs) davon. Die Hauptdiagnosegruppen sind überwiegend nach Organen bzw. Organsystemen aufgebaut. Erhält beispielsweise ein Patient eine neue Hüfte, so fällt dieser in die Hauptdiagnosegruppe 08 »Erkrankungen und Störungen des Bewegungsapparats und des Bindegewebes«. Neben der Einteilung nach Organen gibt es noch Gruppen, die nach der Krankheitsursache gebildet werden, z. B. die Gruppe 22 »Verbrennungen«.
Bevor eine Basis-DRG bestimmt werden kann, wird im Anschluss an die Ermittlung der MDC auf Grundlage der Hauptdiagnose die »Partition« infolge der dokumentierten OPS-Codes festgestellt. Partition bedeutet »Einteilung« bzw. »Untergliederung« und meint im DRG-System eine Zuordnung des Falles zu einer der drei Gruppen »operative«, »andere« oder »medizinische« Partition. Damit eine »operative DRG« gebildet wird, muss mindestens eine OR-Prozedur vorliegen. OR steht für Operation Room und weist auf eine operative Prozedur hin. Ein Beispiel ist die offene chirurgische Entfernung des Blinddarms. Eine »andere DRG« entsteht immer dann, wenn keine OR-Prozedur durchgeführt wurde, jedoch mindestens eine NonOR-Prozedur (nichtoperative Prozedur), die für die Hauptdiagnosegruppe von Bedeutung ist (z. B. CT oder Probenentnahme). Wird keine relevante Prozedur erbracht, erhält man eine »medizinische DRG«.
Eine Basis-DRG besteht immer aus einem dreistelligen alphanummerischen Code, der sich aus einem Buchstaben und zwei Zahlen zusammensetzt. Aus dem Buchstaben lässt sich die Hauptdiagnosegruppe ableiten, der Buchstabe I steht beispielsweise für die MDC 08 »Erkrankungen und Störungen des Bewegungsapparats und des Bindegewebes«. Dies entspricht nicht der Nummer des Buchstabens im Alphabet, was dadurch begründet ist, dass die DRGs der Sondertatbestände mit dem Buchstaben A beginnen. Die zweite und dritte Stelle wird von einer Zahl eingenommen, anhand derer identifiziert werden kann, um welche Partition es sich handelt. Im Regelfall steht 01–39 für eine operative, 40–59 für eine andere und 60–99 für eine medizinische Partition. Leider reichen die so festgelegten Partitionsziffernbereiche nicht bei allen Hauptdiagnosegruppen aus, sodass zum Teil die Ordnung aufgehoben werden muss. Betroffen hiervon ist etwa die MDC 08, in der auch bei Zahlen größer als 39 noch operative Partitionen zu finden sind. Basis-DRGs stellen eine medizinische Gruppierung dar und enthalten keine Unterteilung nach Schweregraden.
Beispiel: G07 ist die Basis-DRG für eine operative Blinddarmentfernung bei Bauchfellentzündung. G steht für die Hauptdiagnosegruppe 06 »Krankheiten und Störungen der Verdauungsorgane«, die Ziffern 07 weisen auf eine operative Behandlung hin.
4.3.2 Schweregradbildung
Im System werden neben den bereits für die Bildung der Basis-DRG verwendeten Daten (Hauptdiagnose sowie Operationen und Prozeduren) ferner die Nebendiagnosen (Begleiterkrankungen und Komplexitäten) sowie die weiteren Faktoren (z. B. Alter, Gewicht) verwendet. Ein Teil der weiteren Faktoren wurde bereits berücksichtigt, um Fehler-DRGs und Sondertatbestände zu ermitteln (z. B. Geschlecht, Beatmungszeit). Für die Bildung der Schweregrade sind vor allem die Nebendiagnosen von entscheidender Bedeutung. Der Schweregrad ist ein ökonomischer Parameter, anhand dessen der Verbrauch an personellen und sachlichen Ressourcen bewertet wird. Abbildung 4.4 zeigt das Vorgehen zur Bestimmung des Schweregrads einer Behandlung.
Wie aus Abbildung 4.4 hervorgeht, wird jeder der erfassten Nebendiagnosen ein Schweregrad zugeordnet (CCL = Complication and Comorbidity Level). Hat ein Patient beispielsweise vier Nebendiagnosen, so werden vier CCLs ermittelt. Ihr Wert kann zwischen 0 und 4 für operative Behandlungen und zwischen 0 und 3 für die weiteren Behandlungen liegen. Die CCL-Werte können in Abhängigkeit von der Basis-DRG variieren, d. h., dass eine bestimmte Nebendiagnose bei der DRG B70 nicht zwangsläufig denselben CCL haben muss wie bei der DRG B71.
Folgende mögliche CCL-Werte sind im Definitionshandbuch des InEK festgelegt (
Tab. 4.1).
Nachdem für alle Nebendiagnosen die zugehörigen CCLs ermittelt wurden, werden diese Werte mithilfe einer komplexen mathematischen Glättungsformel in einen PCCL (Patient Clinical Complexity Level, patientenbezogener Gesamtschweregrad) zusammengeführt. Der PCCL ist die Maßzahl für den kumulativen Effekt der Nebenerkrankungen (CC = Comorbidity and Complications), um zu verhindern, dass ähnliche Umstände mehrfach gewertet werden. Dies bedeutet, dass sich der PCCL nicht einfach aus der Summe der einzelnen CCLs ergibt. Die PCCL-Werte haben folgende Bedeutung (
Tab. 4.2).

Abb. 4.4: Schweregradermittlung (in Anlehnung an Kolb 2011, S. 66)
Tab. 4.1: Mögliche CCL-Werte (in Anlehnung an InEK 2019a, S. 1600)

CCLBedeutung der Nebendiagnose
Tab. 4.2: Patientenbezogener Gesamtschweregrad (in Anlehnung an InEK 2019a, S. 1602)

PCCLBedeutung des Schweregrads
Die Tatsache, dass zwei Patienten mit einer identischen Hauptdiagnose unterschiedliche PCCL aufweisen, bedeutet jedoch noch nicht, dass ihre Behandlung unterschiedliche Kosten verursacht. Daher werden in einem letzten Schritt die Fälle zu ökonomischen Schweregraden zugeordnet. So könnten beispielsweise Patienten mit einem PCCL von 0 bis 3 zu einer Fallpauschale zusammengefasst werden und die Patienten mit einem PCCL von 4 und höher zu einer weiteren Fallpauschale. Ein weiteres Differenzierungskriterium ist das Alter (z. B. Einsatz eines Hüftgelenks bei einem Patienten mit Alter unter 16 Jahren). Möglich ist auch, dass die Basis-DRG mit der DRG identisch ist. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Fallkosten nicht von den Nebendiagnosen abhängen.
Abbildung 4.5 zeigt exemplarisch die Grundsystematik der ökonomischen Schweregradbildung.
Die Unterteilung einer Basis-DRG in mehrere Untergruppen bezeichnet man als Splitting. Andere Bezeichnungen für die Differenzierung sind Teilungsindikator oder Aufwand. Das Splitting wird aus der vierten Stelle des DRG-Codes ersichtlich. A kennzeichnet den höchsten Ressourcenverbrauch, B den zweithöchsten usw. Je nachdem, wie unterschiedlich die Kosten innerhalb einer Basis-DRG in Abhängigkeit von den Nebendiagnosen und den weiteren Faktoren wie Alter oder Gewicht ausfallen, können auch mehr als zehn Differenzierungen vorliegen. Befindet sich ein Z am Ende des Codes, liegt eine ungesplittete, also nicht unterteilte DRG vor. Dies ist dann der Fall, wenn die Nebendiagnosen keinen wesentlichen Einfluss auf die Kosten der Behandlung ausüben, aber auch hier gibt es Ausnahmen, welche das System relativ komplex und übersichtlich machen.

Abb. 4.5: Grundsystematik der ökonomischen Schweregradbildung (in Anlehnung an Müller 2009, S. 130)
Zusammenfassend zeigt Abbildung 4.6 die Bedeutung der vierstelligen alphanummerischen Nomenklatur innerhalb des DRG-Systems auf.

Abb. 4.6: Alphanummerische Nomenklatur des DRG-Systems
Abschließend wird anhand eines Beispiels die Bildung der DRGs dargestellt (vgl. Kolb 2011, S. 67). Die Kodierung kann anhand des kostenfrei zur Verfügung gestellten Webgroupers (www.drg.uni-muenster.de) selbstständig nachvollzogen werden.
1. Der 40-jährige Patient P wird wegen einer akuten Blinddarmentzündung mit generalisierter Bauchfellentzündung ins Krankenhaus aufgenommen und konservativ behandelt.
2. Der Patient wird nicht konservativ behandelt, sondern der Blinddarm wird offen chirurgisch entfernt.
3. Der Patient unter 2. hat als Nebendiagnose einen Diabetes mellitus Typ II ohne Komplikationen.
4. Der Patient unter 3. wird für 96 Stunden beatmungspflichtig.
Die Hauptdiagnose des Patienten lautet jeweils K35.2 (akute Appendizitis mit generalisierter Peritonitis). Da unter 1. keine weiteren Nebendiagnosen vorliegen und auch keine OPS-Codes kodiert wurden, ergibt sich bei Eingabe in den Grouper (DRG-Version 2019) die DRG G71Z. Die Ziffer 71 weist auf die medizinische Partition hin, Z zeigt, dass es sich um eine ungesplittete DRG handelt.
Ergänzt man nun die Falldaten um die offene chirurgische Entfernung (OPS 5-470.0), so erhält man die DRG G22C. Dadurch, dass eine operative Prozedur kodiert war, musste sich die Basis-DRG ändern, da bislang eine medizinische DRG vorlag. Bei der DRG G22C gibt es ferner ein Splitting, da an letzter Stelle des Codes ein C steht (dritthöchster Ressourcenverbrauch).
Als nächstes wird die Nebendiagnose Diabetes mellitus Typ II (ohne Komplikationen) erfasst (E10.91). Es zeigt sich, dass sich hierdurch die DRG nicht verändert. Der CCL des Diabetes mellitus beträgt 2, ebenso ändert sich durch die Nebendiagnose der PCCL von 0 auf 1. Ökonomisch spielt die Änderung des PCCL jedoch keine Rolle, sodass es zu keiner Veränderung der Eingruppierung kommt.
Wird der Patient abschließend für 96 Stunden beatmungspflichtig, so ändert sich die DRG in einen Sondertatbestand (A13E).
Insgesamt muss aber festgestellt werden, dass das InEK in den letzten Jahren die CCL-Werte von Nebendiagnosen insgesamt deutlich abgesenkt hat, v. a. ab dem Jahr 2013. So wurden in der DRG-Systementwicklung in den Jahren 2013 bis 2019 insgesamt 7.532 Diagnosen in ihrem CCL-Wert abgewertet, im selben Zeitraum allerdings lediglich 147 im CCL-Wert erhöht. (vgl. Schlottmann 2018). Das bedeutet, dass immer weniger Diagnosen eine Schweregradrelevanz bei der DRG-Ermittlung haben.
4.3.3 DRG-Funktionen
In Ergänzung zu der im vorherigen Kapitel beschriebenen Schweregradsystematik hat das InEK nach der DRG-Einführung neue Differenzierungskriterien geschaffen, die als Funktionen bezeichnet werden und die als logische Definitionen an mehreren Stellen im System angewendet werden. Globale Funktionen gehören zu solchen, die Einfluss auf die Eingruppierung von Behandlungsepisoden nehmen. Sie bestehen aus logischen Zuordnungen und Kodes, die für mehrere Basis-DRGs oder MDCs relevant sind. Eine Übersicht über die globalen Funktionen im DRG-Katalog 2020 fasst die folgende Liste zusammen (in Anlehnung an InEK 2019a, Band 4):
• Bestimmte OR-Prozeduren
• Dialyse (insgesamt zwei verschiedene)
Eingriff an mehreren Lokalisationen
• Frührehabilitation
• Geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung
• Komplexe OR-Prozeduren (insgesamt fünf verschiedene)
• Komplexe Vakuumbehandlung
• Komplizierende Konstellationen (insgesamt 27 verschiedene)
• Mehrzeitige komplexe OR-Prozeduren (insgesamt zwei verschiedene)
• Multiviszeraleingriff
Nicht verstorben oder verlegt
• OR-Prozeduren ohne Bezug
• Polytrauma
• Prä-Transplantations-Aufenthalt
• Verstorben oder verlegt
• Vierzeitige bestimmte OR-Prozeduren
Was sich genau im Einzelnen dahinter verbirgt, wird jährlich neu definiert und ist in den InEK Definitionshandbüchern zum DRG-System hinterlegt, die kostenlos auf den Internetseiten des InEK heruntergeladen werden können (www.g-drg.de). Genauso wie über die oben bereits beschriebene PCCL-Systematik beeinflussen Funktionen bei zahlreichen Gruppierungsvorgängen die ermittelte DRG.
Besonders beachtenswert ist hierbei die Tatsache, dass einige darunter nicht mehr Diagnosen-orientiert sind, sondern sich auf Prozeduren beziehen. Hiervon ist insbesondere nicht die Hauptprozedur bei einem Patienten involviert (denn die steuert wie schon zu Beginn des Systems gemeinsam mit der Hauptdiagnose die Zuordnung zu einer Basis-DRG), sondern die zusätzlichen, erschwerenden oder begleitenden Prozeduren. Dies macht die Nachvollziehbarkeit von Eingruppierungen deutlich schwieriger, da dies nur durch den Blick ins Definitionshandbuch bei den jeweiligen DRGs wirklich nachvollzogen werden kann.
4.4 Bewertung der DRGs
Nachdem mithilfe des Groupers die zutreffende Fallpauschale bestimmt wurde, stellt sich die Frage, welchen Rechnungsbetrag ein Krankenhaus für den Fall gegenüber dem Kostenträger in Rechnung stellen kann. Für diesen Zweck werden vom InEK Bewertungsrelationen kalkuliert. Synonym werden für Bewertungsrelation auch die Begriffe Relativgewicht, Kostengewicht (englisch: cost weight) oder Fallgewicht verwendet. Die Bewertungsrelation ist ein relativer Wert im Verhältnis zu einer definierten Bezugsleistung. Im deutschen System werden die durchschnittlichen DRG-Fallkosten aller DRG-Fälle als Bezugsgröße festgelegt und mit dem Faktor 1,000 bewertet. Alle anderen DRGs werden in Abhängigkeit von den dafür im Durchschnitt aufzuwendenden Kosten in Relation zu diesem Basisfall bewertet. Die Bewertungsrelationen entsprechen damit den aus der Kostenrechnung bekannten Äquivalenzziffern innerhalb der Äquivalenzziffernrechnung.
Beispiel: Weist eine DRG eine Bewertungsrelation von 2,500 auf, so bedeutet dies, dass diese Behandlung im Durchschnitt 2,5-mal so aufwändig ist wie die Behandlung des Basisfalls, welcher mit 1,000 bewertet wurde.
Die Kalkulation des InEK basiert auf einer Ist-Kostenrechnung auf Vollkostenbasis. Sog. Kalkulationskrankenhäuser erheben auf Grundlage eines vom InEK veröffentlichten Kalkulationshandbuchs die für die Kalkulation notwendigen Daten. Um eine möglichst genaue Kalkulation zu erreichen, müssen insbesondere auch Einzelkosten (z. B. für Implantate, teure Arzneimittel) erhoben und nicht den DRG-Bereich betreffende Kosten ausgegliedert werden (z. B. Kosten für Laboruntersuchungen, die für eine benachbarte Rehabilitationsklinik durchgeführt wurden).
Der Basisfallwert (Base Rate) ist der zweite Faktor, der zur Bestimmung des Rechnungsbetrags in Euro notwendig ist. Dieser gibt an, mit welchem Eurobetrag ein Fall mit dem Faktor 1,0 vergütet wird. Während die Bewertungsrelationen bundesweit einheitlich im Fallpauschalenkatalog ausgewiesen werden (§ 9 Abs. 1 KHEntgG), werden die Basisfallwerte gem. § 10 Abs. 1 KHEntgG landeseinheitlich durch die Vertragsparteien auf Landesebene (Landeskrankenhausgesellschaft, Landesverbände der Krankenkassen, Ersatzkassen, Landesausschuss des Verbands der privaten Krankenversicherung) vereinbart.
Zur schrittweisen Angleichung der unterschiedlichen Basisfallwerte der Länder wurde ein einheitlicher Basisfallwertkorridor in Höhe von + 2,5 % bis − 1,02 % um den einheitlichen Basisfallwert (Bundesbasisfallwert) eingeführt. Dieser wird jährlich durch das InEK ermittelt. Grundlage der Ermittlung sind die in den Ländern jeweils abzurechnenden Basisfallwerte gewichtet mit der Summe der jeweils festgelegten effektiven Bewertungsrelationen.
Jeweils zum 1. Januar der Jahre 2016 bis 2021 werden die Basisfallwerte oberhalb des einheitlichen Basisfallwertkorridors in sechs gleichen Schritten in Richtung auf den oberen Grenzwert des einheitlichen Basisfallwertkorridors angeglichen. Der für die Angleichung jeweils maßgebliche Angleichungsbetrag wird ermittelt, indem der verhandelte Basisfallwert von dem oberen Grenzwert des einheitlichen Basisfallwertkorridors abgezogen wird, wenn der Basisfallwert höher ist, und von diesem Zwischenergebnis
• 16,67 % im Jahr 2016,
• 20,00 % im Jahr 2017,
• 25,00 % im Jahr 2018,
• 33,34 % im Jahr 2019,
• 50,00 % im Jahr 2020,
• 100,00 % im Jahr 2021
errechnet werden.
Zur Ermittlung des Basisfallwerts wird der ermittelte Angleichungsbetrag von dem für das jeweilige Kalenderjahr verhandelte Basisfallwert abgezogen. Ergebnis ist der von den Vertragsparteien auf Landesebene zur Abrechnung der Fallpauschalen zugrunde zulegende Basisfallwert.
Basisfallwerte unterhalb des einheitlichen Basisfallwertkorridors werden seit dem 1. Januar 2016 jeweils an den unteren Grenzwert angeglichen.
Die Bestimmung des Rechnungsbetrags soll abschließend an nachfolgendem Beispiel dargestellt werden:
Ein Patient wird in die DRG I30Z (komplexe Eingriffe am Kniegelenk oder arthroskopische Eingriffe am Hüftgelenk) eingruppiert. Aus dem Fallpauschalenkatalog 2019 kann die Bewertungsrelation für den Fall aus der Spalte 4 entnommen werden. Diese beträgt 1,097. In Spalte 1 befindet sich die Bezeichnung der DRG, in Spalte 2 die Partition (in diesem Fall operative Partition), Spalte 3 beinhaltet die inhaltliche Umschreibung der DRG (
Tab. 4.3).
Nimmt man einen Basisfallwert von 3.550 € als Grundlage, ergibt sich folgender Rechnungsbetrag:

Tab. 4.3: Auszug aus dem DRG-Fallpauschalenkatalog I (in Anlehnung an InEK 2019b)

DRGPartitionBezeichnungBewertungsrelation bei Hauptabteilung
Dieselbe Berechnung gilt für die Inrechnungsstellung von allgemeinen Krankenhausleistungen an Privatpatienten. Sofern Wahlleistungen in Anspruch genommen wurden (egal, ob von ausschließlich privat versicherten Patienten oder von gesetzlich versicherten Patienten mit privater Zusatzversicherung), werden diese zusätzlich in Rechnung gestellt (
Kap. 4.10).
Betrachtet man den gesamten DRG-Katalog, so sind dort zahlreiche weitere Informationen enthalten, die für die Abrechnung relevant sind (
Tab. 4.4).
Tab. 4.4: Auszug aus dem DRG-Fallpauschalenkatalog II (in Anlehnung an InEK 2019b)

DRGMittlere VerweildauerUntere GrenzverweildauerObere GrenzverweildauerExterne Verlegung Abschlag/Tag (Bewertungs-relation)VerlegungsfallpauschaleAusnahme von WiederaufnahmeErster Tag mit AbschlagBewertungsrelation/TagErster Tag zus. EntgeltBewertungsrelation/Tag
Spalte 6 enthält die Angabe der mittleren Verweildauer, die Patienten mit der entsprechenden DRG durchschnittlich im Krankenhaus verbringen. Die mittlere Verweildauer ist bei Verlegungen in andere Krankenhäuser von Bedeutung, bei Nichterreichen werden die Abschläge gemäß Spalte 11 relevant. Ferner sind untere (Spalte 7) und obere (Spalte 9) Grenzverweildauern definiert, deren Unter- bzw. Überschreiten Abzüge (Spalte 8) oder Zuschläge (Spalte 10) beim Entgelt zur Folge haben. Die Spalten 12 und 13 sind gekennzeichnet (×), wenn Ausnahmen von den ansonsten im Normalfall gültigen Regeln bei Verlegungen und Wiederaufnahmen gelten. Nachfolgend werden folgende Sachverhalte näher beleuchtet:
• Unter- bzw. Überschreiten der unteren bzw. oberen Grenzverweildauer
• Wiederaufnahme in dasselbe Krankenhaus
• Verlegung zwischen Krankenhäusern
Die relevanten Regelungen sind in der Vereinbarung zum Fallpauschalensystem für Krankenhäuser (Fallpauschalenvereinbarung, FPV) enthalten.
Seit 2020 wurde der Fallpauschalenkatalog um eine zusätzliche Spalte erweitert. Diese trägt die Ordnungsnummer 14 (bzw. 16, wenn es sich um teilstationäre Leistungen handelt) und die Bezeichnung »Pflegeerlös Bewertungsrelation/Tag«. Je Tag Verweildauer wird an das Krankenhaus ein Betrag als Abschlag auf das Pflegebudget ausbezahlt, der sich wie folgt berechnet:
Verweildauertage × Bewertungsrelation pro Tag × krankenhausindividueller Pflegeentgeltwert
Der krankenhausindividuelle Pflegentgeltwert ergibt sich aus der Verteilung der voraussichtlichen Pflegepersonalkosten auf die Summe aller geplanten Pflege-Bewertungsrelationen.
Zur Veranschaulichung dient folgendes Beispiel:
Ein Krankenhaus plant für das kommende Jahr 20.000 Pflege-Bewertungsrelation-Punkte. Die geplanten relevanten Ausgaben für Pflege am Bett sind 3.000.000 Euro. Ein Pflege-Bewertungsrelation-Punkt würde daher mit einem Abschlag von 3.000.000 Euro / 20.000 Punkte = 150,00 Euro je Punkt vergütet.
Würde folglich ein Patient der DRG I30B eine Verweildauer von 8 Tagen aufweisen, errechnet sich der Abschlag wie folgt:
Bewertungsrelation / Tag × Verweildauer × Pflegeentgeltwert
0,7981 × 8 × 150,00 Euro = 957,72 Euro
Der Pflegeentgeltwert beträgt bis zur Verhandlung des krankenhausindividuellen Pflegebudgets 146,55 Euro. Wären also die exemplarisch berechneten 150,00 Euro noch nicht vereinbart gewesen, wären zunächst 146,55 Euro abgerechnet worden. Die Differenz von 3,45 Euro würde dann zu einem späteren Zeitpunkt erstattet.
4.5 Sonderregelungen
4.5.1 Obere Grenzverweildauer
§ 1 Abs. 2 FPV sieht vor, dass bei einer Überschreitung der oberen Grenzverweildauer je Tag der Überschreitung dem Krankenhaus ein zusätzliches tagesbezogenes Entgelt zu gewähren ist. Dieses wird ermittelt, indem die für diesen Fall ausgewiesene Bewertungsrelation je Tag (Spalte 10) mit dem Basisfallwert multipliziert wird. Die Zahl der zusätzlich abrechenbaren Belegungstage wird wie folgt ermittelt:
Belegungstage insgesamt + 1
− erster Tag mit zusätzlichem Entgelt bei bei oberer Grenzverweildauer
= zusätzlich abrechenbare Belegungstage
Im Fallpauschalenkatalog ist nicht die obere Grenzverweildauer selbst ausgewiesen, sondern der erste Tag, an dem bereits ein Zuschlag bezahlt wird. In Spalte 10 steht ein Wert von 6 Tagen, sodass die obere Grenzverweildauer, also der letzte Zeitpunkt, an dem kein Zuschlag bezahlt wird, der siebte Tag ist.
Maßgeblich für die Ermittlung der Verweildauer ist die Zahl der Belegungstage. Belegungstage sind gem. § 1 Abs. 7 FPV der Aufnahmetag sowie jeder weitere Tag des Krankenhausaufenthalts ohne den Verlegungs- oder Entlassungstag. Wird ein Patient am gleichen Tag aufgenommen und verlegt oder entlassen, gilt dieser Tag als Aufnahmetag.
Beispiel: Ein Patient der Fallgruppe I30B weist eine Verweildauer von 15 Tagen auf.
Belegungstage insgesamt + 1 (15 + 1)
– erster Tag mit zusätzlichem Entgelt bei bei oberer Grenzverweildauer (6)
= zusätzlich abrechenbare Belegungstage (10)
Der Rechnungsbetrag ergibt sich wie folgt:
Bewertungsrelation (Spalte 4)
+ Zahl der zusätzlich abrechenbaren Belegungstage × Bewertungsrelation
pro Tag gem. Spalte 10
= Effektivgewicht
Das Effektivgewicht ist das Kostengewicht, welches sich nach Berücksichtigung von Zu- und Abschlägen ergibt. Es ist identisch mit der Bewertungsrelation, wenn keine Zu- oder Abschläge vorgenommen werden müssen.
Beispiel: Im obigen Fall berechnet sich das Effektivgewicht mit 0,940 + 10 × 0,066 = 1,600. Bei einem Basisfallwert von 3.550 € beträgt der Rechnungsbetrag 5.680,00 €.
Die obere Grenzverweildauer soll die Leistungserbringer vor Überforderung schützen. Würde unabhängig von der Verweildauer immer das gleiche Entgelt bezahlt, hätte dies zur Folge, dass Krankenhäuser, die Ausreißer bei der Behandlungsdauer versorgen, teils massive Verluste mit diesen Patienten machen. Es besteht insofern die Gefahr, dass Kliniken unabhängig von ihrer tatsächlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit defizitär werden oder systematisch versuchen, Patienten, bei denen die Gefahr einer langen Verweildauer besteht, gar nicht erst in das Krankenhaus aufzunehmen. Anhand des gezahlten Tagesentgelts (im konkreten Fall 0,066 × 3.550 € = 234,30 €) ist jedoch ersichtlich, dass diese Entgelte keinesfalls vollkostendeckend sind, sondern eher dafür ausreichen, die variablen Kosten der Behandlung zu decken. Damit soll sichergestellt werden, dass Krankenhäuser bei Überschreiten der oberen Grenzverweildauer keinen Anreiz haben, den Patienten dann unnötig lange im Krankenhaus verweilen zu lassen.
4.5.2 Untere Grenzverweildauer
Wird ein Patient kürzer als die in Spalte 7 (
Tab. 4.4) ausgewiesene Dauer behandelt, so ist gem. § 1 Abs. 3 FPV ein Abschlag vorzunehmen, der sich wie folgt berechnet:
Erster Tag mit Abschlag bei unterer Grenzverweildauer + 1
− Belegungstage insgesamt
= Zahl der Abschlagstage
Würde der Patient der Fallgruppe I30B nur einen Tag im Krankenhaus verweilen, so ergäbe sich:
Erster Tag mit Abschlag bei unterer Grenzverweildauer + 1 (1 + 1)
− Belegungstage insgesamt (1)
= Zahl der Abschlagstage (1)
Das dazugehörige Effektivgewicht kann mithilfe der Spalte 8 bestimmt werden. Vorgesehen ist ein Abzug von 0,227 je Tag, sodass das Effektivgewicht 0,940 − 0,227 = 0,713 beträgt. Der Rechnungsbetrag lautet 0,713 × 3.550 € = 2.531,15 €.
Die untere Grenzverweildauer kann ebenso wie die obere Grenzverweildauer nicht direkt dem Katalog entnommen werden. Da der erste Tag mit Abschlag im Fallbeispiel der erste Tag ist, beträgt die untere Grenzverweildauer, also der letzte Tag, an dem kein Abzug vorgenommen wird, 2 Tage.
Die Festlegung von unteren Verweildauergrenzen dient dem ökonomischen Schutz des Zahlungspflichtigen. Kann ein Patient besonders schnell behandelt werden, so fallen in Regelfall die Behandlungskosten für diesen auch deutlich niedriger aus als für Patienten mit einer normalen Verweildauer. Da insbesondere zum Anfang der Behandlung die Kosten relativ umfangreich sind, sind die Abschläge entsprechend hoch, wenn Behandlungstage eingespart werden können. Im vorliegenden Fall handelt es sich um einen Betrag in Höhe von 0,227 × 3.550 € = 805,85 €. Zudem liefert die Regelung einen Anreiz für die Krankenhäuser, Patienten nicht frühzeitig zu entlassen, da dies zu ökonomischen Einbußen führt. Primär ist die Regelung hierfür aber nicht zwingend erforderlich, da frühzeitigen Entlassungen auch durch andere Maßnahmen (z. B. Regelungen zur Wiederaufnahme von Patienten) entgegengewirkt werden kann. Durch Prüfung ist jedoch auch sicherzustellen, dass Krankenhäuser ihre Patienten nicht unnötig lange behalten, um Abzüge wegen der Unterschreitung der unteren Grenzverweildauer zu vermeiden. Dies wird durch den Medizinischen Dienst überwacht, auf dessen Aufgaben im Kapitel 4.12 noch genauer eingegangen wird. Abbildung 4.7 zeigt zusammenfassend die Erlösfunktion einer DRG.
Im Zeitraum zwischen der unteren und der oberen Grenzverweildauer erhält das Krankenhaus unabhängig von der konkreten Zahl der Belegungstage ein einheitliches Entgelt. Wird die untere Grenzverweildauer unterschritten, erfolgt ein definierter, je Tag gleichbleibender Abzug, bei einer Überschreitung der oberen Grenzverweildauer erhält das Krankenhaus einen Zuschlag je Tag. Die Abschläge je Tag sind deutlich höher als die Zuschläge je Tag, was aus der Steigung der Geraden in
Abb. 4.7: Erlösfunktion einer DRG
Abbildung 4.7 ersichtlich ist. Patienten innerhalb der Verweildauergrenzen bezeichnet man als »Inlier«, Patienten außerhalb des Korridors als »Day Outlier«. Die mittlere Verweildauer ist die als durchschnittlich ermittelte Zahl der Belegungstage in den betreffenden DRGs.
4.5.3 Wiederaufnahme in dasselbe Krankenhaus
Krankenhäuser sind in den drei in § 2 FPV definierten Fällen verpflichtet, eine Zusammenfassung der Falldaten und eine Neueinstufung in eine Fallpauschale vorzunehmen. Abbildung 4.8 zeigt die Systematik der drei Fälle der Fallzusammenführung.

Abb. 4.8: Systematik der Fallzusammenführung (in Anlehnung an Kolb 2011, S. 75)
Beim ersten Fall ist zu prüfen, ob der Patient innerhalb der oberen Grenzverweildauer wieder aufgenommen wurde. Die obere Grenzverweildauer richtet sich nach der Zahl der Kalendertage, zählbar ab dem ersten Tag des unter die Zusammenfassung fallenden Krankenhausaufenthalts. Ist dieses Kriterium erfüllt, so sind die Fälle zusammenzuführen, sofern eine Einstufung in dieselbe Basis-DRG vorliegt. Abweichend wird keine Zusammenfassung und Neueinstufung vorgenommen, wenn die Fallpauschalen dieser Basis-DRG bei der Versorgung in einer Hauptabteilung in Spalte 13 des Fallpauschalenkatalogs oder bei belegärztlicher Versorgung in Spalte 15 als Ausnahme (×) gekennzeichnet sind.
Beispiel: Patient P wird am 02. Juli wegen massiven Kreislaufproblemen in einer Klinik stationär aufgenommen und nach einer medikamentösen Therapie am 12. Juli entlassen. Die Eingruppierung erfolgte in die DRG F75A. Wenige Tage später wird der Patient am 18. Juli wegen erneuten Kreislaufproblemen wieder aufgenommen. Diesmal wird die DRG F75D ermittelt. Da zwischen dem Aufnahmetag des 1. Aufenthalts (02. Juli) und der Wiederaufnahme (18. Juli) weniger als 28 Tage (erster Tag mit Zuschlag des ersten für die Zusammenfassung relevanten Aufenthalts) liegen und für die Wiederaufnahme eine Einstufung in dieselbe Basis-DRG erfolgte, ist eine Fallzusammenführung vorzunehmen.
Im zweiten Fall ist eine Fallzusammenführung durchzuführen, wenn ein Patient innerhalb von 30 Kalendertagen ab dem Aufnahmedatum des ersten unter die Zusammenfassung fallenden Krankenhausaufenthalts wieder aufgenommen wird und er ferner innerhalb der gleichen Hauptdiagnosegruppe zunächst in die »medizinische Partition« oder »andere Partition« eingeordnet wurde und die anschließende Fallpauschale in die »operative Partition« einzugruppieren ist. Auch hier ist die Ausnahmeregelung durch Kennzeichnung der Spalte 13 bzw. 15 zu beachten.
Beispiel: Ein Patient wurde am 12. März im Krankenhaus mit Schulterbeschwerden aufgenommen und konservativ behandelt (Einstufung in die DRG I77Z). Er wurde am 15. März entlassen. Am 28. März erfolgt eine erneute Aufnahme wegen der Schulterbeschwerden, diesmal erfolgt eine operative Behandlung (Kodierung: DRG I16A). Es ist eine Fallzusammenführung vorzunehmen, da eine Wiederaufnahme innerhalb von 30 Kalendertagen mit der gleichen Hauptdiagnosegruppe vorliegt und die erste Behandlung nicht operativ und die zweite Behandlung operativ war. Die Fallzusammenführung der beiden Aufenthalte führt zur DRG I16A, die abgerechnet werden kann.
Der dritte Fall der Zusammenführung bezieht sich auf die in den Verantwortungsbereich des Krankenhauses fallenden Komplikationen im Zusammenhang mit der durchgeführten Leistung. Zeitlich begrenzt ist die Zusammenführung auf die obere Grenzverweildauer, wiederum bemessen nach der Zahl der Kalendertage ab dem Aufnahmedatum des ersten zu berücksichtigenden Krankenhausaufenthalts.
Eine Fallzusammenführung kommt nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (Urteil vom 12.07.2012, B 3 KR 18/11 R) dann in Betracht, wenn die zur Wiederaufnahme des Versicherten ins Krankenhaus führende Komplikation entweder durch einen Fehler der Ärzte oder Pflegekräfte bei der ersten stationären Behandlung verursacht worden ist oder sich als unvermeidbare, einem schicksalhaften Verlauf entsprechende Folge der Behandlung darstellt (Verantwortungsbereich des Krankenhauses), nicht aber, wenn die Komplikation auf einem unvernünftigen Verhalten des Versicherten beruht oder durch einen Dritten (z. B. weiterbehandelnder Hausarzt) verursacht worden ist. Ein Verschulden des Krankenhauses ist demnach nicht zwingende Voraussetzung für die Fallzusammenführung.
Beispiel: Patientin A wird bei einem stationären Krankenhausaufenthalt der Blinddarm operativ entfernt. Zudem besteht eine Bauchfellentzündung. Mithilfe des Groupers wird die DRG G07C ermittelt. Die Patientin weist eine Verweildauer von 8 Tagen auf und wird danach nach Hause entlassen. Zwei Tage später wird sie wegen Komplikationen in Zusammenhang mit dem stationären Aufenthalt erneut im Krankenhaus aufgenommen. Es ist eine Fallzusammenführung vorzunehmen, da der Zeitabstand zwischen der Aufnahme bei der ersten Behandlung und der Wiederaufnahme geringer als 15 Tage (erster Tag mit Zuschlag der DRG der Erstbehandlung G07C) ist und die Wiederaufnahme wegen Komplikation erfolgt.
Keine Wiederaufnahme im Sinne von § 2 FPV liegt bei einer Beurlaubung vor. Vollständige Tage der Beurlaubung zählen nicht zur Verweildauer. Eine Beurlaubung liegt vor, wenn ein Patient mit Zustimmung des behandelnden Krankenhausarztes die Krankenhausbehandlung zeitlich befristet unterbricht, die stationäre Behandlung jedoch noch nicht abgeschlossen ist (§ 1 Abs. 7 FPV).
Beispiel: Patient V wurde am 3. März zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus aufgenommen. Mit Zustimmung des behandelnden Arztes verließ Patient V am 12. März um 6.30 Uhr die Klinik und kehrte am 14. März um 21.30 Uhr in die Klinik zurück. Am 18. März wurde er nach Hause entlassen.
Belegungstage sind der Aufnahmetag (3. März = 1 Tag) sowie jeder weitere Tag des Krankenhausaufenthalts ohne die vollständigen Tage der Beurlaubung (4. März bis 12. März sowie 14. März bis 17. März = 13 Tage) und ohne den Entlassungstag (18. März). Die Verweildauer beträgt somit 14 Tage.
4.5.4 Verlegungen zwischen Krankenhäusern
Die Vergütungsregelungen bei Verlegungen sind im § 3 FPV festgelegt. Eine Verlegung liegt nur vor, wenn ein Patient in ein anderes akutstationäres Krankenhaus verlegt wird. Folgt auf einen Akutaufenthalt beispielsweise ein Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik, handelt es sich um eine Entlassung und nicht um eine Verlegung.
Ferner sind Verlegungen von Verbringungen abzugrenzen. Eine Verbringung liegt vor, wenn der Patient lediglich zur bloßen Mitbehandlung in ein anderes Krankenhaus gebracht wird (z. B. für eine diagnostische Maßnahme). Etwas Anderes gilt jedoch im Falle der Verlegung, wenn die Verantwortung für die Gesamtbehandlung vollständig auf das aufnehmende Krankenhaus übergeht. Der Patient scheidet dann aus den stationären Behandlungsabläufen und der Gesamtverantwortung des abgebenden Krankenhauses aus und wird in die stationären Abläufe des aufnehmenden Krankenhauses integriert (vgl. Urteil des Bundessozialgerichts vom 28.02.2007, Az.: B 3 KR 17/06 R). Die Verbringung dagegen setzt eine lediglich ergänzende Inanspruchnahme Dritter durch das vorbehandelnde Krankenhaus voraus. Die leistungserbringende Institution bekommt bei einer Verbringung ihre erbrachten Leistungen vom auftraggebenden Krankenhaus vergütet. Eine Abrechnungsbeziehung zwischen der leistungserbringenden Institution und der leistungspflichtigen Krankenkasse kommt somit nicht zustande. Das auftraggebende Krankenhaus kann die Leistungen bei der Gruppierung der DRG-Fallpauschale berücksichtigen. Fahrkosten werden im Rahmen einer Verbringung nicht separat vergütet.
Liegt eine Verlegung vor, so ist vom verlegenden Krankenhaus ein Abschlag vorzunehmen, wenn die im Fallpauschalenkatalog ausgewiesene mittlere Verweildauer, gerundet auf die nächste ganze Zahl (Spalte 11), nicht erreicht wird. Die Zahl der Abschlagstage wird wie folgt bestimmt:
Mittlere, kaufmännisch auf die nächste ganze Zahl gerundete Verweildauer
− Belegungstage insgesamt
= Zahl der Abschlagstage
Eine Verlegung liegt auch vor, wenn zwischen der Entlassung aus einem Krankenhaus und der Aufnahme in ein anderes Krankenhaus nicht mehr als 24 Stunden vergangen sind.
Beispiel: Für einen Patienten der DRG I30B beträgt die mittlere Verweildauer 3,0 Tage. Würde der Patient nun nur zwei Belegungstage im verlegenden Krankenhaus aufweisen, müsste dieses einen Abschlag für einen Tag vornehmen. Die Relation, um die je Tag gekürzt werden muss, kann aus Spalte 11 (hier: 0,071) entnommen werden.
Im Falle einer Verlegung in ein anderes Krankenhaus rechnet jedes beteiligte Krankenhaus eine eigene Fallpauschale ab (§ 1 Abs. 1 Satz 2 FPV). Für das aufnehmende Krankenhaus gilt daher grundsätzlich die gleiche rechnerische Vorgehensweise wie beim verlegenden Krankenhaus, sofern die Verlegung nicht innerhalb von 24 Stunden erfolgt ist. Erfolgt die Verlegung jedoch innerhalb von 24 Stunden, gilt für das aufnehmende Krankenhaus die untere Grenzverweildauer als Grenze für den ersten Abschlag, d. h. die volle DRG wird eher erreicht. Die Fälle werden folglich im DRG-System im aufnehmenden Krankenhaus wie Neuaufnahmen behandelt. Tabelle 4.5 fasst die Regelungen zusammen.
Tab. 4.5: Verlegung ohne Verlegungsfallpauschale

Zeitpunkt/KrankenhausVerlegendes KrankenhausAufnehmendes Krankenhaus
Im Fallpauschalenkatalog ist in Spalte 12 ein Teil der DRGs als »Verlegungsfallpauschalen« gekennzeichnet. Die mittlere Verweildauer hat bei der Berechnung der Abschläge bei einer Verlegungsfallpauschale keine Bedeutung (§ 1 Abs. 1 Satz 3 FPV). Das verlegende Krankenhaus muss lediglich Abschläge unterhalb der unteren Grenzverweildauer berücksichtigen. Beim aufnehmenden Krankenhaus ist erneut von Relevanz, ob der Patient innerhalb von 24 Stunden verlegt wurde. Falls ja, gilt die untere Grenzverweildauer. Falls nein, kommt bei einer Verlegungsfallpauschale kein Abschlag zum Tragen. Hier ist es also im Gegensatz zu der Aufnahme eines verlegten Patienten für das aufnehmende Krankenhaus günstiger, wenn der aufgenommene Patient länger als 24 Stunden im verlegenden Krankenhaus verweilte.
Tabelle 4.6 fasst die Abschlagsregelungen bei Verlegungsfallpauschalen zusammen.
Tab. 4.6: Verlegung mit Verlegungsfallpauschale

Zeitpunkt/KrankenhausVerlegendes KrankenhausAufnehmendes Krankenhaus
Wiederaufnahmen (
Kap. 4.5.3) können auch durch Rückverlegungen ausgelöst werden. Die Klinik hat eine Fallzusammenführung vorzunehmen, wenn ein Patient in weitere Krankenhäuser verlegt wird und zum ersten Krankenhaus im Zeitabstand von 30 Tagen ab dem Entlassungsdatum aus dieser Klinik zurückverlegt wird (§ 3 Abs. 3 FPV).
Beispiel: Patient Z wurde zur Blinddarmentfernung bei bestehender Bauchfellentzündung am 5. Mai stationär in die Klinik A aufgenommen (DRG G07C). Nach der Operation kommt es zu Komplikationen, die in der Klinik A nicht behandelt werden können, sodass der Patient Z am 8. Mai in die Uniklinik U verlegt wird. Nach Abklingen der Komplikationen wird der Patient Z am 18. Mai wieder in die Klinik A zurückverlegt und dort am 24. Mai entlassen. Da die Entlassung und die Wiederaufnahme in der Klinik A innerhalb von 30 Tagen erfolgte, müssen die beiden Aufenthalte zusammengeführt werden.
4.6 Vor- und nachstationäre Leistungen
§ 8 Abs. 2 Satz 3 Nr. 4 KHEntgG sieht vor, dass nachstationäre Behandlungen nach § 115a SGB V nur dann gesondert vergütet werden, wenn die Summe aus den stationären Belegungstagen und den vor- und nachstationären Behandlungstagen die Grenzverweildauer der Fallpauschale übersteigt. Vorstationäre Leistungen sind neben der Fallpauschale generell nicht abrechnungsfähig. Die vorstationäre Behandlung ist längstens auf drei Behandlungstage innerhalb von fünf Tagen vor Beginn der stationären Behandlung begrenzt, die nachstationäre Behandlung darf sieben Behandlungstage innerhalb von 14 Tagen nach Beendigung der stationären Krankenhausbehandlung nicht überschreiten (§ 115a Abs. 2 SGB V).
Erfolgt nach der vorstationären Behandlung keine stationäre Aufnahme, wird die entsprechende Pauschale für vorstationäre Behandlung nach der »Gemeinsamen Empfehlung über die Vergütung für vor- und nachstationäre Behandlung« nach § 115a Abs. 3 SGB V abgerechnet. Hierin sind einheitliche fachabteilungsspezifische Pauschalen je Tag festgelegt, ferner sind Entgelte für zusätzlich abrechenbare Leistungen mit technischen Großgeräten definiert. Aus der Vereinbarung können auch die abrechnungsfähigen Beträge entnommen werden, die für nachstationäre Leistungen (sofern abrechenbar) in Rechnung gestellt werden können.
Beispiel: Ein Patient wird am 2. Juni sowie am 4. Juni vorstationär behandelt, vom 6. Juni bis 19. Juni erfolgt die vollstationäre Behandlung. Im Anschluss wird der Patient am 21. Juni sowie am 23. Juni nachstationär behandelt. Die obere Grenzverweildauer der Fallpauschale beträgt 14 Tage (1. Tag mit Zuschlag ist der 15. Tag).
Insgesamt wurden 2 vorstationäre, 13 stationäre und 2 nachstationäre, also insgesamt 17 Behandlungstage erbracht. Ab dem 15. Behandlungstag wurde die obere Grenzverweildauer überschritten, sodass ab diesem Tag die nachstationäre Behandlung abgerechnet werden kann. Abrechnungsfähig sind folglich sowohl der 1. als auch der 2. nachstationäre Behandlungstag. Vorstationäre Leistungen können nicht abgerechnet werden.
4.7 Zusatzentgelte
Zusatzentgelte sind zusätzlich zur DRG-Fallpauschale abrechenbare Entgelte. Mit diesen Entgelten werden Leistungen vergütet, die nicht in den DRG-Fallpauschalen abgebildet werden, da sie bspw. für diese DRG eine nicht typische Leistung darstellen (z. B. Dialyse bei einem Patienten, der sich einer Hüftoperation unterzieht). Wäre eine sachgerechte Berücksichtigung in den DRGs beabsichtigt, so müsste eine weitere Differenzierung der Fallpauschalen vorgenommen werden, dies führt jedoch zu einer nicht angestrebten Reduktion der Übersichtlichkeit des DRG-Systems. Zusatzentgelte existieren unter anderem für Medikamente, Blutprodukte, Implantate sowie Dialysen. Die möglichen Zusatzentgelte sind abschließend in den Anlagen 2, 4, 5 und 6 des DRG-Katalogs aufgeführt. Es wird zwischen bundeseinheitlich kalkulierten sowie krankenhausindividuellen Zusatzentgelten unterschieden. Nicht einheitliche Zusatzentgelte müssen von jedem Krankenhaus, das die Leistung erbringt und abrechnen möchte, eigenständig kalkuliert werden. Die Entgelte sind auf Ortsebene bei den jährlichen Budgetverhandlungen mit den Kostenträgern auf Basis der Kalkulation zu vereinbaren.
4.8 Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB)
Um Innovationen ausreichend berücksichtigen zu können, eröffnet § 6 Abs. 2 KHEntgG die Möglichkeit, zeitlich befristete Vergütungen für noch nicht mit den Fallpauschalen sachgerecht abgerechnete, neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB-Entgelte) zu vereinbaren. Die Entgelte besitzen eine Gültigkeitsdauer von einem Jahr und gelten ausschließlich für das Krankenhaus, welches das Entgelt beantragt hat. Die Entgelte müssen sachgerecht kalkuliert werden und die Leistungen dürfen nicht bereits durch den Gemeinsamen Bundesausschuss ausgeschlossen sein. Krankenhäuser müssen die NUB jährlich bis zum 31. Oktober beantragen. Das InEK prüft anschließend, ob die in den Anträgen ausgewiesenen Leistungen sachgerecht abgerechnet werden können.
4.9 Zu- und Abschläge
Zusätzlich zur Abrechnung der Krankenhausbehandlung rechnet das Krankenhaus diverse Zuschläge ab. Eine Auswahl wird untenstehend kurz dargestellt:
G-BA Systemzuschlag (§ 91 Abs. 2 SGB V i.V.m. § 139c SGB V): Der G-BA Systemzuschlag ist ein Zuschlag zur Finanzierung des G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss) und den beiden dazugehörenden Institutionen IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) und IQTiG (Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen). Die Höhe des Zuschlags legt der G-BA jährlich neu fest.
Für jeden abgerechneten Fall stellt das Krankenhaus einen Systemzuschlag zusätzlich zu der abgerechneten Fallpauschale (DRG) in Rechnung. Somit erhält das Krankenhaus von der Krankenkasse die Vergütung für die erbrachten Leistungen der Patientenbehandlung plus einen Zuschlag in Höhe X.
Das Krankenhaus meldet bis zum 15. März eines Jahres die für die Erhebung des Zuschlags zu Grunde gelegten Ist-Fallzahlen. Dies geschieht im Zwei-Jahres-Versatz; im Jahr 2020 sind es demnach die Daten aus 2018. Anschließend wird die Ist-Fallzahl mit dem Zuschlagsbetrag multipliziert. Die sich ergebene Zuschlagssumme wird bis zum 01. Juli eines Jahres an den Gemeinsamen Bundesausschuss überwiesen.
In 2020 beträgt der Zuschlag 2,24 Euro je Fall.
Aufwandspauschale Prüfung durch den Medizinischen Dienst (§ 275 Abs. 1c SGB V): Falls die Prüfung des MDK nicht zu einer Minderung des Abrechnungsbetrags führt, hat die Krankenkasse dem Krankenhaus eine Aufwandspauschale in Höhe von 300,00 Euro zu entrichten. Als Prüfung ist jede Prüfung der Abrechnung eines Krankenhauses anzusehen, mit der die Krankenkasse den Medizinischen Dienst beauftragt und die eine Datenerhebung durch den Medizinischen Dienst beim Krankenhaus erfordert.
Telematikzuschlag (§ 291a Abs. 7a S. 1 und 3 SGB V i. V. m. § 291a Abs. 7 S. 5 SGB V): Bestimmte für Krankenhäuser entstehende Investitions- und Betriebskosten im Bereich der Telematik werden durch einen Zuschlag finanziert (Telematikzuschlag). Der Zuschlag wird in der Rechnung des Krankenhauses jeweils gesondert ausgewiesen. Er ist indivduell für jedes Krankenhaus zu vereinbaren.
Nichtteilnahme Datenträgerausgleich (§ 303 Abs. 3 SGB V): Erfolgt eine nicht maschinell verwertbare Datenübermittlung an die Krankenkassen aus Gründen, die das Krankenhaus zu vertreten hat, haben die Krankenkassen die mit der Nacherfassung verbundenen Kosten den betroffenen Leistungserbringern durch eine pauschale Rechnungskürzung in Höhe von bis zu 5 % des Rechnungsbetrages in Rechnung zu stellen.
DRG- Systemzuschlag (§ 17b Abs. 5 KHG): Zur Finanzierung der Aufgaben des InEK sowie der anfallenden Kosten der Krankenhäuser für die Beteiligung an der Kalkulation ist durch die Vertragsparteien auf Bundesebene jährlich ein Zuschlag je voll- und teilstationärem Fall zu vereinbaren. Für 2020 beträgt der Zuschlag 1,66 Euro je Fall. Von dem Betrag entfallen 1,40 Euro auf den Zuschlagsanteil Kalkulation sowie 0,26 Euro auf den Zuschlagsanteil InEK.
Ausbildungszuschlag (§ 17a Abs. 1 KHG). Mit dem Zuschlag sollen die Kosten für Ausbildungsstätten und die anfallenenden Mehrkosten der Ausbildung kompensiert werden. Der Zuschlag kann eine unterschiedliche Basis haben. Es kann ein krankenhausspezifischer Zuschlag durch die Vertragsparteien nach § 18 Abs. 2 KHG oder ein landeseinheitlicher Ausbildungszuschlag durch die in § 18 Abs. 1 Satz 2 genannten Beteiligten erhoben wrden.
Zuschlag für Zentren und Schwerpunkte (§ 17b Abs. 1 KHG i. V. m. § 2 Abs. 2 und § 5 Abs. 3 KHEntgG): Betreiben Krankenhäuser Zentren und Schwerpunkte (z. B. Stroke Unit für Schlaganfallpatienten), können sie dafür einen individuellen Zuschlag vereinbaren, sofern kein bundeseinheitlicher Zuschlag vorliegt.
Zuschlag für die Aufnahme von Begleitpersonen (§ 17b Abs. 1 KHG i. V. m. § 2 Abs. 2 KHG): Für den Aufnahmetag und jeden weiteren Tag des vollstationären Krankenhausaufenthalts (Berechnungstage) kann das Krankenhaus 45 € für Unterkunft und Verpflegung abrechnen. Entlassungs- und Verlegungstage werden nicht berechnet, sofern diese nicht zugleich Aufnahmetag sind.
Sicherstellungszuschlag (§ 17b Abs. 1a Nr. 6 KHG, § 136c Abs. 3 SGB V, § 5Abs. 2 KHEntgG): Sicherstellungszuschläge werden an Krankenhäuser gezahlt, die in dünn besiedelten Gebieten für die medizinische Basisversorgung der Bevölkerung notwendig sind, die entsprechenden Leistungen aber nicht kostendeckend erbringen können.
QS-Zuschlag für externe Qualitätssicherung (§ 17 Abs. 1KHG i.V.m. § 137 SGB V): Aufwände für die interne Dokumentation im Krankenhaus, die sich aus Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses nach § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 13 i.V.m. § 136 Abs. 1 Nr. 1 SGB V über die einrichtungsübergreifenden Maßnahmen der Qualitätssicherung für nach § 108 SGB V zugelassene Krankenhäuser ergeben, werden über einen Zuschlag auf jeden abgerechneten vollstationären Krankenhausfall finanziert (QS-Zuschlag). Der QS-Zuschlag beträgt für die Jahre 2020, 2021 und 2022: 0,81 Euro.
Der Zuschlagsanteil Land gemäß Richtlinie über Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern (QSKH-RL) für die Aufwendungen auf Landesebene wird individuell auf Landesebene vereinbart. Der Zuschlag ist auf alle vollstationären Fälle zu erheben.
4.10 Wahlleistungen
4.10.1 Allgemeines
Krankenhausleistungen sind neben den allgemeinen Krankenhausleistungen auch Wahlleistungen, welche sich in ärztliche Wahlleistungen und nichtärztliche Wahlleistungen differenzieren lassen. Die Wahlleistungen müssen hinsichtlich des Leistungsumfangs nicht zwingend über die allgemeinen Krankenhausleistungen hinausgehen, sondern lediglich in einer anderen Ausprägung erbracht werden (vgl. Münzel und Zeiler 2012, S. 27). Die Chefarztbehandlung und die Wahlleistung Unterkunft sind die beiden in der Praxis am häufigsten vorkommenden Wahlleistungen.
§ 17 Abs. 2 KHEntgG fordert, dass Wahlleistungen vor ihrer Erbringung schriftlich mit dem Patienten vereinbart werden müssen; der Patient ist ferner vor Abschluss der Vereinbarung schriftlich über die Art und die Höhe der Entgelte und deren Inhalt im Einzelnen zu unterrichten. Eine Rückdatierung einer Wahlleistungsvereinbarung ist folglich unzulässig. Zudem dürfen die Wahlleistungen die allgemeinen Krankenhausleistungen nicht beeinträchtigen (§ 17 Abs. 1 Satz 2 KHEntgG). Die Entgelte für die Wahlleistungen dürfen in keinem unangemessenen Verhältnis zur Leistung stehen (§ 17 Abs. 1 Satz 3 KHEntgG).
Bei den ärztlichen Wahlleistungen ist die sog. »Wahlarztkette« zu beachten. Eine Vereinbarung über die wahlärztliche Tätigkeit erstreckt sich automatisch auf alle Ärzte eines Krankenhauses, soweit diese berechtigt sind, ihre Leistungen im Rahmen der stationären Versorgung gesondert zu berechnen (§ 17 Abs. 3 KHEntgG). Dem Patienten ist es daher nicht möglich, einzelne Behandlungsbausteine mit Wahlarztleistungen zu hinterlegen (z. B. nur den Operateur). Ein Abschluss der Vereinbarung kann nur umfassend erfolgen, sodass auch der Anästhesist, der Radiologe und alle weiteren abrechnungsberechtigen Ärzte mit »eingekauft« werden. Die Wahlarztkette erstreckt sich ferner auf die von den liquidationsberechtigten Ärzten veranlassten Leistungen außerhalb der Klinik (z. B. histologische Untersuchungen einer externen Pathologie).
Krankenhäuser haben dafür Sorge zu tragen, dass die Information über die wahlärztlichen Leistungen eine kurze Charakterisierung des Inhalts der wahlärztlichen Leistungen enthält, wobei zum Ausdruck zu kommen hat, dass ohne Rücksicht auf Art und Schwere der Erkrankung die persönliche Behandlung durch den liquidationsberechtigten Arzt sichergestellt werden soll. Ein Hinweis ist aufzunehmen, dass auch ohne den Abschluss der Wahlleistungsvereinbarung der Patient eine medizinisch notwendige Versorgung durch ausreichend qualifizierte Ärzte erhält. Überdies muss eine kurze Erläuterung der Preisermittlung mit Hinweis auf die Minderungspflicht des § 6a GOÄ (25 %, bei Belegärzten 15 %) erfolgen. Der Patient muss zudem darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Inanspruchnahme wahlärztlicher Leistungen eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung zur Folge haben kann. Ein Hinweis auf die Wahlarztkette ist ebenso aufzunehmen, wie die Information darüber, dass die GOÄ auf Wunsch eingesehen werden kann.
4.10.2 Ärztliche Wahlleistungen
Für die Abrechnung von ärztlichen Wahlleistungen gilt die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Die GOÄ regelt die Abrechnung aller medizinischen Leistungen außerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung. In der GOÄ sind die abrechnungsfähigen Leistungen sowie ein jeweils zugehöriger Abrechnungswert in Punkten angegeben. Multipliziert man die angegebene Punktzahl mit dem aktuell gültigen Punktwert (derzeit 5,82873 Cent), so erhält man das Honorar in Euro. Darüber hinaus ist der Ansatz von »Steigerungsfaktoren« möglich, was nachfolgendes Beispiel zeigt.
Bei einem Patienten wird der Blinddarm operativ entfernt (Appendektomie). Die einschlägige Gebührenordnungsziffer der GOÄ (Nr. 3200) weist hierfür eine Punktzahl von 1480 aus. Folgende Sätze können als Grundlage für die Ermittlung des Rechnungsbetrags herangezogen werden:
Einfachsatz (auch »1,0-Faches«): Betrag, der sich aus der Multiplikation der Punktzahl der Leistung mit dem Punktwert der GOÄ ergibt, also 1480 Punkte × 5,82873 Cent = 86,27 €.
Schwellenwert (auch »Regelsatz « oder »Schwellensatz «): Betrag, der sich nach Multiplikation des Einfachsatzes mit der »Gebührenschwelle« ergibt. »Gebührenschwellen« sind die Faktoren, bis zu denen gesteigert werden kann, ohne eine Begründung angeben zu müssen. Für ärztliche Leistungen ist die Schwelle der 2,3-fache Satz des einfachen Gebührenwerts, für technische Leistungen wie CT-Aufnahmen liegt die Gebührenschwelle beim 1,8-fachen, für Laborleistungen beim 1,15-fachen Satz. Im Beispiel handelt es sich um eine ärztliche Leistung, sodass maximal 86,27 € × 2,3 = 198,42 € in Rechnung gestellt werden können.
Höchstwert (auch »Höchstsatz «): Betrag, der sich nach Multiplikation des Einfachsatzes mit dem für die erbrachte Leistung höchstmöglichen Multiplikator ergibt. Für ärztliche Leistungen darf maximal der 3,5-fache, bei technischen Leistungen der 2,5-fache und für Laborleistungen der 1,3-fache Satz verrechnet werden. Der Höchstsatz kann nur mit Begründung in Rechnung gestellt werden. Im Beispiel errechnet sich ein Betrag von 86,27 € × 3,5 = 301,95 €.
Zu beachten ist, dass bei vollstationären, teilstationären sowie vor- und nachstationären privatärztlichen Leistungen die Gebühren um 25 % zu mindern sind; bei Belegärzten beträgt der Minderungssatz 15 % (§ 6a GOÄ). Die Minderung soll Patienten vor unverhältnismäßig hohen Kosten schützen. Patienten die Wahlleistungen erhalten, bezahlen unabhängig davon auch das reguläre Entgelt für die allgemeinen Krankenhausleistungen. Sie erhalten jedoch aufgrund der wahlärztlichen Leistung eine um wesentliche Teile der ärztlichen Leistung verringerte allgemeine Krankenhausleistung im Vergleich zu Patienten, die keine Wahlleistung in Anspruch nehmen. Um diese Ungleichbehandlung abzufedern, sieht § 6a GOÄ eine Minderung der Gebühren vor.
Für die Ausgestaltung des Liquidationsrechts des Arztes sind zwei Konstellationen denkbar, es kann ein eigenes Liquidationsrecht zugunsten des Arztes oder ein Beteiligungsrecht an den Wahlleistungserlösen vereinbart werden. Das Liquidationsrecht ist die dem Arzt arbeitsvertraglich vom Krankenhausträger eingeräumte Befugnis, als Nebentätigkeit wahlärztliche Leistungen anzubieten und selbstständig gegenüber dem Patienten abrechnen zu dürfen.
Besitzt der Arzt das Liquidationsrecht (und nicht lediglich ein Beteiligungsrecht), so muss er für stationäre, teilstationäre sowie vor- und nachstationäre wahlärztliche Leistungen an das Krankenhaus von den erhaltenen Honoraren ein Nutzungsentgelt abführen. Diese Kostenerstattung ist in § 19 Abs. 2 KHEntgG gesetzlich festgelegt. Die Kostenerstattung beträgt 40 % der Gebühr für technische Leistungen (z. B. Laborleistungen, Strahlenmedizin sowie Magnetresonanztomografie) und 20 % für die übrigen Leistungen. Berechnungsgrundlage ist die Gebühr nach der GOÄ vor Abzug der 25 % aufgrund von § 6a GOÄ. Die Kostenerstattung kann des Weiteren einen sog. Vorteilsausgleich umfassen. Dieser ist nicht gesetzlich vorgesehen, sondern wird vertraglich vereinbart. In der Praxis findet man regelmäßig Sätze in Höhe von 10 bis 20 %.
Nachfolgendes Beispiel dient zur Veranschaulichung:
| Ungeminderte Gebühren gem. GOÄ | 150 000 € |
| – 25 % Gebührenminderung gem. § 6a GOÄ | 37 500 € |
| – Kostenerstattung gem. § 19 Abs. 2 KHEntgG | |
| 40 % für technische Leistungen (Annahme: 50 000 €) | 20 000 € |
| 20 % für sonstige Leistungen (Annahme: 100 000 €) | 20 000 € |
| – Vorteilsausgleich | |
| (Annahme: 15 % der Liquidationseinnahmen nach Kostenerstattung) | 10 875 € |
| = Verbleibende Erlöse des liquidationsberechtigten Arztes | 61 625 € |
Chefärzte beteiligen zudem regelmäßig nachgeordnete Mitarbeiter an ihren Liquidationserlösen (sog. »Poolbeteiligung«). Dies stellt einen Ausgleich dafür dar, dass die nachgeordneten Ärzte den Chefarzt bei der Ausübung seiner Tätigkeit unterstützen, aber selbst kein Liquidationsrecht haben. Ob und in welchem Umfang eine gesetzliche Pflicht dazu besteht, regelt sich nach Landesrecht. Einige Bundesländer wie Baden-Württemberg sehen eine Pflicht vor, andere nicht. Die Poolregelungen sind überdies in den Ländern unterschiedlich hinsichtlich der Höhe der Beteiligung sowie der zu beteiligenden Mitarbeitern ausgestaltet. Auch wenn keine Verpflichtung nach Landesrecht besteht, so ergibt sich aus dem Standesrecht der Ärzte eine Pflicht zur Beteiligung der nachgeordneten Ärzte (§ 29 Abs. 3 MBO):
»Ärztinnen und Ärzte mit aus einem Liquidationsrecht resultierenden oder anderweitigen Einkünften aus ärztlicher Tätigkeit (z. B. Beteiligungsvergütung) sind verpflichtet, den von ihnen dazu herangezogenen Kolleginnen und Kollegen eine angemessene Vergütung zu gewähren bzw. sich dafür einzusetzen, dass die Mitarbeit angemessen vergütet wird.«
Werden in obiger Rechnung bspw. weitere 20 % der Liquidationseinnahmen nach Kostenerstattung der Poolbeteiligung zugeführt (14 500 €), so verbleiben dem liquidationsberechtigten Arzt letztendlich 47 125 € an Einnahmen.
Beim Beteiligungsrecht wird die Erbringung wahlärztlicher Leistungen zur Dienstaufgabe erklärt. Der Arzt erhält dann regelmäßig nur ein Beteiligungsrecht an den erzielten Erlösen aus den wahlärztlichen Behandlungen, deren Höhe vertraglich fixiert wird.
Im Zusammenhang mit der Leistungserbringung sind in der Praxis insbesondere die Frage der Notwendigkeit der persönlichen Leistungserbringung durch den Wahlarzt sowie die Vereinbarung einer wirksamen Stellvertreterregelung von Bedeutung. Mithilfe des Urteils vom BGH vom 20.12.2007 (III ZR 144/07) können zentrale Aspekte zur persönlichen Leistungserbringung und Stellvertretung abgeleitet werden.
Der Wahlarzt muss seine Leistungen gemäß § 613 BGB grundsätzlich selbst erbringen. Der Patient schließt eine Wahlarztvereinbarung im Vertrauen auf die besonderen Erfahrungen und Kompetenzen des Wahlarztes gegen zusätzliches Honorar ab. Die grundsätzliche Pflicht zur persönlichen Behandlung besteht auch nach § 4 Abs. 2 Satz 1 GOÄ, nach dem der Arzt Gebühren nur für selbstständige ärztliche Leistungen berechnen darf, die er selbst erbracht hat oder die unter seiner Aufsicht nach fachlicher Weisung erbracht wurden. Erlaubt ist jedoch die Delegation einfacher ärztlicher und sonstiger medizinischer Verrichtungen. Demzufolge muss der Wahlarzt die seine Disziplin prägende Kernleistung selbst erbringen (z. B. muss der Chirurg die geschuldete Operation grundsätzlich selbst durchführen).
Über die Delegation nachgeordneter Aufgaben hinaus darf der Wahlarzt im Falle seiner Verhinderung jedoch die Ausführung der Kernleistung auf einen Stellvertreter übertragen, sofern er mit dem Patienten eine entsprechende Vereinbarung wirksam getroffen hat. Dem Patienten ist vor Abschluss der Wahlleistungsvereinbarung der ständige Vertreter namentlich zu benennen. Eine Stellvertretung ist allerdings nur für den Fall der unvorhergesehenen Verhinderung möglich (z. B. Verkehrsbehinderung, plötzliche Krankheit). Geplante Urlaube oder Fortbildungen sind keine unvorhersehbaren Verhinderungen. Eine formularmäßige Vereinbarung, die versprochene Leistung zu ändern oder von ihr abzuweichen (Vertreter erbringt Leistung), ist nur wirksam, wenn diese Änderung unter Berücksichtigung der Interessen des Wahlarztes für den Patienten zumutbar ist. Steht die Verhinderung des Wahlarztes etwa bereits zum Zeitpunkt des Abschlusses der Wahlleistungsvereinbarung fest, so kann die Wahlleistungsvereinbarung von Beginn an die Absicht des Patienten nicht erfüllen. Die von ihm mit dem Abschluss der Wahlleistungsvereinbarung bezweckte Sicherung der besonderen Erfahrung und Kompetenz des Wahlarztes ist bereits zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses objektiv unmöglich. Resultat wäre eine Änderung des wesentlichen Inhalts des Wahlarztvertrags, die dem Patienten nicht zumutbar ist. Zulässig sind folglich nur Klauseln, in denen der Eintritt des Vertreters auf die Fälle beschränkt ist, in denen die Verhinderung des Wahlarztes zum Zeitpunkt des Abschlusses der Wahlleistungsvereinbarung nicht bereits feststand.
Für den Fall einer bereits feststehenden Abwesenheit kann mit dem Patienten eine individuelle Stellvertretervereinbarung geschlossen werden. Dem Patienten sind folgende Wahlmöglichkeiten anzubieten:
• Verschiebung (sofern möglich) der zu erbringenden Leistung bis zur Rückkehr oder bis zum Wegfall der Verhinderung des Wahlarztes
• Durchführung aller künftigen Leistungen durch jeweils geeignete Ärzte als allgemeine Behandlungsleistungen ohne wahlärztliche Leistungen
• Erbringung der Leistungen unter Beibehaltung des Vergütungsanspruchs durch den ständigen ärztlichen Vertreter
Entscheidet sich der Patient für die dritte Alternative, so ist diese Zusage ausdrücklich schriftlich zu erteilen.
4.10.3 Nichtärztliche Wahlleistungen
Für nichtärztliche Wahlleistungen gibt es keine gesetzlich definierte Gebührenordnung. Unangemessen hohe Entgelte sind nach § 17 Abs. 1 Satz 3 KHEntgG nicht zulässig. Werden unangemessen hohe Entgelte verlangt, kann der Verband der privaten Krankenversicherung die Herabsetzung auf eine angemessene Höhe verlangen und bei Ablehnung der Herabsetzung den Zivilrechtsweg bestreiten (§ 17 Abs. 1 Satz 5 KHEntgG). Um Transparenz darüber herzustellen, was im Bereich Unterkunft ein angemessenes Entgelt ist, nutzen die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Verband der privaten Krankenversicherung die Option des § 17 Abs. 1 Satz 4 KHEntgG und haben eine Empfehlung zur Bemessung der Entgelte für nichtärztliche Wahlleistungen vereinbart. Der mögliche Preis für die Wahlleistung Unterkunft setzt sich aus einer Basiskomponente (Grundzuschlag für Zweibett- oder Einbettzimmer) sowie diversen Komfortelementen (z. B. Sanitärzone, Größe und Ausstattung des Zimmers) zusammen.
Im Basisbereich ist zu beachten, dass Zuschläge nur abgerechnet werden können, wenn die Leistung keine Regelleistung des Krankenhauses darstellt. Ist beispielsweise im Krankenhaus ein Zweibettzimmer Standard, können hierfür keine Zuschläge verrechnet werden. Lediglich das Einbettzimmer stellt dann eine Wahlleistung dar.
Um eine Orientierung für mögliche Zuschläge bei den Komfortelementen zu bieten, werden für verschiedene Kriterien Subkriterien benannt und erläutert. Exemplarisch wird dies nachfolgend im Abschnitt »Größe und Lage« dargestellt. Als Subkriterien werden dort die besondere Zimmergröße, Balkon/Terrasse, bevorzugte Lage und die organisatorische Einheit genannt. Diese Unterkriterien werden zum besseren Verständnis zudem genauer erläutert.
Besondere Zimmergröße: Der individuelle Größenvorteil des Wahlleistungszimmers muss mindestens 40 % im Verhältnis zum Regelleistungszimmer bezogen auf den einzelnen Patienten betragen. Ist das Regelleistungszimmer ein Dreibettzimmer mit 33 qm, so stehen 11 qm jedem Patienten zur Verfügung. Wird ein Patient in einem Zweibett-Wahlleistungszimmer mit einer Größe 33 qm untergebracht, so stehen dort 16,5 qm je Patient zur Verfügung. Der individuelle Größenvorteil im Zweibettzimmer beträgt somit 50 % je Patient.
Balkon bzw. Terrasse: Vorhandensein eines vom Zimmer zugänglichen Balkons oder einer Terrasse mit Sitzgelegenheiten.
Bevorzugte Lage: Setzt voraus, dass sich das Wahlleistungszimmer im Hinblick auf Geräuscheinwirkungen, Lichtverhältnisse und Ausblick deutlich vom Regelleistungszimmer abhebt. Die Lage des Krankenhauses als solche fließt nicht in die Bewertung ein.
Organisatorische Einheit: Wahlleistungszimmer sind konzentriert eine eigene organisatorische Einheit, die außerhalb der einzelnen Zimmer über besondere Zusatzausstattungen verfügt. z. B. besonders ansprechende Einrichtung und Gestaltung der zusätzlichen Räumlichkeiten, Aufenthaltsräume, Flure (z. B. hochwertige Bodenbeläge, Tapeten, Bilder, Blumenschmuck etc.) und Patientenküche (separater Raum zur Benutzung für Wahlleistungspatienten und deren Besucher ausgestattet mit Wasserkocher, Kaffeemaschine, Mikrowelle, Geschirr, Besteck).
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