Kitabı oku: «Seewölfe Paket 18», sayfa 15
Mac Pellew zog das andere Bein nach, schloß das Schott und starrte auf die Omeletten.
Da ist was dran, was der Kutscher sagt, dachte er tiefsinnig. Und er blieb auch in sich gekehrt, als er die Omeletten verteilte. Irgendwo sah er den anderen Mac Pellew, der Holzscheite in die Glut schob – in den eigenen Herd der eigenen Hütte, wo auch eine Frau sein würde. Und Kinder …
Hasard reichte indessen den Holzteller mit den Omeletten herum und schaute lächelnd zu, wie die Ladys, etwas verlegen, wie ihm schien, sich bedienten. Ein bißchen rot waren sie alle, und sie knicksten, wenn sie sich ein Omelette vom Holzteller nahmen. Und sehr manierlich hielten sie gleich eine Hand unter die andere, damit kein Fett auf die Planken tropfte.
Daß sie ihn anhimmelten, übersah er keineswegs, auch wenn ihm das nicht so ganz geheuer war. Einen Kapitän, dachte er, himmeln die immer an, das ist nun mal so. Er wußte zu wenig von sich selbst, um zu erkennen, daß die sechs Ladys in diesem Fall bei ihm auf etwas ganz anderes reagierten. Er hätte auch ein Bettler sein können, kein Kapitän oder Admiral oder gar König. Nein, es waren schlicht sein Charme, die Anmut seiner Ungezwungenheit, die Geradheit seiner Haltung, die so stark auf die Ladys wirkten.
Das ist ein Mann! dachten sie alle. Ein Mann ohne Fehl und Tadel – ein Herr. Daß er dabei auch noch gut aussah mit seinem verwegenem, scharfgeschnittenem Gesicht und den Augen von diesem intensiven Blau, das durch das Tiefbraun der Haut noch gesteigert wurde, das verwirrte die Ladys noch mehr, zumal ihnen Männer dieser Art auf der Pirateninsel oder früher im heimatlichen Spanien noch nicht begegnet waren.
„Ich wünsche allerseits guten Appetit“, sagte Hasard lächelnd und verneigte sich leicht.
Die Ladys verneigten sich ebenfalls und knicksten wieder. Das bißchen Rot auf ihren Gesichtern vertiefte sich. Auch der Glanz in ihren Augen wurde stärker.
Auf dem Achterdeck murmelte Ben Brighton, der das alles beobachtete: „Sie schmelzen dahin wie Schnee in der Sonne.“
„Du sagst es“, bestätigte Old O’Flynn und grinste vor sich hin. Das war schon ein Kerl, sein Schwiegersohn. Aber er würde sich eher die Zunge abbeißen, als das laut zu verkünden.
Vorn auf der Back sagte indessen Hasard: „Nun eßt schon, Kinder, und laßt die Dinger nicht kalt werden.“ Er nahm sich selbst ein Omelette und biß hinein, weil er gemerkt hatte, daß sich die Ladys zierten, in seiner Gegenwart zu futtern.
So wurde denn geschmaust, und das Eis war gebrochen. Jetzt auch konnte er das Problem ansprechen, das durch die Anwesenheit der Ladys an Bord entstanden war und irgendwie gelöst werden mußte.
Er blieb bei der Anrede „Kinder“, die nicht so förmlich klang und auch mit Kichern quittiert worden war. Im übrigen unterstrich das seinen Status als „Vater“, um nicht von vornherein als Liebhaber betrachtet zu werden. Das war Diplomatie.
„Sagt mal, Kinder“, eröffnete er das Gespräch, „habt ihr schon über eure Zukunft nachgedacht? Ich meine, ihr seid ja keine Seeleute, sonst könnten wir euch in die Crew übernehmen, nicht wahr?“
Erneutes Kichern bei den Ladys. Die Vorstellung, künftig als Seemann an Bord zu fahren, erregte Heiterkeit.
Juanita rief begeistert: „Oh, ich bleibe gern an Bord!“ Und Kapitän Killigrew wurde mit Glutblicken von ihr bedacht.
Ilaria, der das nicht entging, fuhr sie an: „Dumme Gans! Wie stellst du dir das vor, he? Willst du da oben in den Masten herumturnen oder hier unten die schweren Kanonen bedienen?“
„Sehr richtig“, sagte Hasard bedächtig. „So sehe ich das auch. Kommt hinzu, daß eure spanischen Landsleute nicht gut auf uns zu sprechen sind. Um ehrlich zu sein: sie sind hinter uns her wie der Hund hinter der Wurst. Warum das so ist, mag ich jetzt nicht näher erläutern. Nun gut, die ‚Isabella‘ ist ein schnelles und wendiges Schiff, so daß wir meistens ausreißen können. Aber wenn sie uns mal erwischen – damit müssen wir rechnen –, dann hauen sie drauf und werden keine Rücksicht darauf nehmen, daß ihr hier an Bord seid. Ich kann ihnen ja leider auch nicht sagen, sie sollten darauf verzichten, auf uns zu schießen, weil sie euch treffen könnten. Gleiches gilt für den Fall, wenn wir wieder Schnapphähnen wie Mardengo begegnen sollten. Da würdet ihr vom Regen in die Traufe geraten. Und ich schätze, ihr habt von solchen Kerlen die Nase voll.“
Sie nickten, und Ilaria sagte seufzend: „So wohl wir uns bei euch fühlen – ich glaube, es ist besser, wenn ihr uns an Land setzt.“
Hasard atmete im stillen auf. Genau das war seine Absicht gewesen, nur hatte er nicht mit der Tür ins Haus fallen wollen. Die elegantere Lösung war, die Ladys dahin zu bringen, daß sie das selbst vorschlugen – und das hatte er geschafft.
Jetzt konnte er so tun, als erwäge er den Vorschlag Ilarias.
„Hm-hm“, sagte er und mimte vollendet den Nachdenklichen, „wenn ich mir das so überlege, wäre das wirklich besser, bevor was Unvorhergesehenes passiert und wir in ein Gefecht schlittern, daß uns aufgezwungen wird. An und für sich sind wir nämlich friedliche Pilger …“ Hasard verstummte, weil er sich dabei erwischte, die berühmte Redewendung Ed Carberrys zu benutzen, die er stets anzuwenden pflegte, wenn er einen Landgang in irgendeinem Hafen anpeilte. Da redete der gute Ed auch immer von „friedlichen“ oder „frommen Pilgern“, die kein Wässerchen trüben könnten und jedem Streit aus dem Wege gingen, obwohl dann stets das genaue Gegenteil eintrat.
Hasard seufzte, und die Ladys seufzten mit, weil sie dachten, der Kapitän werde bereits von Abschiedsschmerz geplagt. Sie selbst trennten sich ja auch höchst ungern von ihm und seinen so vortrefflichen Mannen, die alle so höflich und zuvorkommend waren, ganz anders als diese rüden und versoffenen Rabauken Mardengos. Aber eine Trennung mußte wohl sein, wahrhaftig, denn das Seemannshandwerk war nicht ihr Metier, beileibe nicht, obwohl sie ja viel mit den Männern vom Meer zu tun hatten, nicht wahr? Aber das war eine andere Art von Tätigkeit.
„An und für sich“, sagte Hasard mit einem Ton in der Stimme, der sein tiefstes Bedauern ausdrückte, „wäre es meine Pflicht, euch wohlbehalten nach Spanien zurückzubringen, aber eine solche Reise hatten wir nicht geplant, zumal wir hier in der Neuen Welt Handelsbeziehungen anknüpfen wollen. Da erhebt sich nun die Frage, wo wir euch an Land, setzen sollen.“ Er rieb sich die Nase. „Wüßtet ihr einen Platz? Eine Hafenstadt oder so etwas? In dieser Ecke der Welt sind wir nämlich noch nie gewesen.“
Die Ladys sahen sich ratlos an. Da waren sie ebenfalls überfragt. Im Grunde genommen hatten sie keinen blassen Schimmer, wo sie sich befanden. Mardengos Piraten hatten sich wohlweislich gehütet, ihnen die genaue Lage der Pirateninsel zu erklären, von der aus sie relativ leicht auf das Festland von Florida hätten fliehen können – oder südwärts nach Habana auf Kuba, was tatsächlich ursprünglich ihr eigentliches Ziel gewesen war, als sie in die Neue Welt aufgebrochen waren.
Hinzu kam außerdem, daß sie insgesamt nur sehr verschwommene Vorstellungen von diesem Teil der Erde hatten. Wer hätte ihnen das – schon in Spanien – auch erklären können! Und, wie gesagt, sie waren ja keine Seefahrer, die sich von Berufs wegen mit den fremden Ländern beschäftigen mußten. Und wenn sie ehrlich waren, mußten sie bekennen, daß ihnen die Lehre über die Gestalt der Erde und ihrer Länder herzlich gleichgültig war – Hauptsache, daß dort, wo sie tätig wurden, die Kasse stimmte. Das in der Neuen Welt schnell zu verdienende Geld hatte sie gelockt, sonst gar nichts.
Ja, da war guter Rat teuer.
Hasard schnippte mit den Fingern, weil er eine Idee hatte.
Little Ross mußte her! Der hatte ja ständig, seit er an Bord war, herumgetönt, wie gut er sich dank seines früheren Kapitäns Wilbur Fogg in dieser Ecke auskenne.
„Little Ross zu mir!“ befahl Hasard zur Kuhl hinunter.
3.
Der frühere Bootsmann, den die Seewölfe als einzigen Überlebenden von der gestrandeten „Atlantic Rose“ geborgen und vorläufig zu sich an Bord genommen hatten, war ein Bulle von Kerl. Jetzt enterte er grinsend zur Back hoch – entzückt darüber, daß ihm der Kapitän Gelegenheit gab, sich vor den sechs Ladys ein bißchen spreizen zu können. Daß er sich „Little Ross“ nannte, war eine Untertreibung, „Big Ross“ wäre passender gewesen.
„Little Ross zur Stelle, Sir“, meldete er sich, blickte dabei aber nicht Hasard an, sondern peilte auf eine Lady namens Dolores, die als Galionsfigur für jedes Schiff eine Zierde gewesen wäre. Sie überragte auch die fünf anderen Ladys und hatte einen mächtigen Bug.
Hasard räusperte sich und sagte: „Mister Ross, um mich kurz zu fassen: die Ladys sind sich darüber im klaren, daß sie nicht ewig bei uns an Bord bleiben können …“
„Das ist aber schade“, murmelte Little Ross und schien sehr enttäuscht zu sein.
Hasard zog eine Augenbraue hoch und fuhr fort: „Sie möchten an Land gesetzt werden, was ich ihnen nicht verdenken kann. Nur, wo das sein soll, ist ihnen unklar – mir übrigens auch. Darum habe ich dich gerufen. Wie du sagtest, hast du von Kapitän Fogg viel über Florida gehört und scheinst dich an den Küsten daher gut auszukennen. Wüßtest du einen Ort hier an der Westküste, wo wir die Ladys an Land setzen könnten?“
„Wüßte ich schon“, sagte Little Ross prompt.
Hasard fixierte ihn aufmerksam. Offenbar hatte dieser Bulle von Kerl seine Enttäuschung sehr schnell überwunden. In seinen Augen war ein verstecktes Grinsen zu erkennen. Was dem wohl wieder durch den Kopf ging!
„Und wo wäre das?“ fragte Hasard mißtrauisch.
„Sarasota südlich der Tampa Bay“, erklärte Little Ross.
„Aha! Eine spanische Siedlung?“
„Das nicht. Bis jetzt haust da nur ein alter Kreole. Jelly heißt der Kerl, Joseph Jelly. Braut aus Zuckerrohr Schnaps, Sir, verstehst du?“ Little Ross zwinkerte mit dem rechten Auge.
„Nein, verstehe ich nicht. Was hat das mit unserem Problem zu tun, mein Freund?“
„Ganz einfach, Sir. Ich werde mich mit den Ladys beim alten Jelly in Sarasota niederlassen.“
„Du?“ fragte Hasard verblüfft und dehnte das Wörtchen ziemlich in die Länge.
„Aye, Sir.“ Little Ross nickte. „Schließlich brauchen die Ladys ja einen Beschützer, nicht? Und für so was bin ich genau das richtige Kerlchen. Ich werde dort ’ne Kneipe eröffnen, für die mir der alte Jelly den Schnaps liefern muß. Man muß da klug vorausdenken, Sir.“ Little Ross redete sich in Eifer. „Kapitän Fogg war davon überzeugt, daß Florida ein aufblühendes Land sei, ein Paradies, wo sich’s gut leben ließe. Die Franzosen sollen auch schon ganz spitz auf Florida sein, und von denen weiß man ja, daß sie gut zu leben verstehen.“
„Junge-Junge“, murmelte Hasard erschüttert. Dann kniff er die Augen zusammen. „Und die sechs Ladys sollen dir den Haushalt führen, eh? Oder wie hast du dir das vorgestellt?“
„An Haushaltsführung hatte ich eigentlich nicht gedacht“, sagte Little Ross etwas unbehaglich, weil Hasard ihn so scharf musterte. Verdammt, der hatte einen Blick drauf, der einen wie eine Lanze traf.
„Sondern?“ fragte Hasard kurz.
„Nun – äh – ich dachte, die Ladys könnten ihrem alten – äh – Beruf nachgehen“, sagte Little Ross etwas gequält und fügte hastig hinzu: „Aber das müssen sie natürlich nicht, ich meine, sie können mir sicherlich auch am Tresen helfen oder die Küche übernehmen, wenn sie wollen …“ Er verstummte unter Hasards unerbittlichem Blick.
„Ah ja“, sagte Hasard, „und du bist der große Macker, wie? Mit anderen Worten: die Ladys sollen für dich arbeiten – so oder so –, und du legst dich auf die faule Haut und kassierst. Ach so, fast hätte ich das vergessen: du willst sie beschützen. Ein Mann will sechs Frauen beschützen! Vor was denn? Meinst du, die legen Wert auf deinen Schutz? Oder hattest du vor, eine Festung zu bauen, die Ladys darin unterzubringen und die Festung dann allein gegen mögliche Indianerangriffe oder gegen solche Kerle wie Mardengos Schnapphähne zu verteidigen? Du nimmst das Maul ziemlich voll, Mister Ross! Aber bitte sehr, ich bin nicht der Wortführer der sechs Ladys, die selbst darüber zu entscheiden haben, ob ihnen deine Pläne passen, vor allem, ob sie sich dir unterordnen wollen.“
„Das sollen sie doch gar nicht“, sagte Little Ross wütend.
„Sondern?“ fragte Hasard scharf.
„Wir sind alle gleichberechtigt.“
„Natürlich!“ höhnte Hasard. „So gleichberechtigt, wie ein paar Hühner unter einem Hahn sind, nicht wahr? Erzähl mir doch nichts, Kerl! Du willst dir einen Harem zulegen, bist aber bereit, deine Weiber an andere Liebhaber zu vermieten!“
Auf der Kuhl setzte ein drohendes Gemurmel ein. Natürlich hatten sie alle die Ohren gespitzt und den erstaunlichen Dialog genau mitgehört, der im übrigen in der englischen Sprache geführt worden war.
Carberry stemmte die Fäuste in die Hüften – wie stets, wenn er loslegen wollte – und rief zur Back hoch: „Sir, soll ich diesen Wüstling mal ein bißchen durchklopfen und anschließend ins Wasser tunken, damit er geläutert wird?“
„Mit dem werde ich auch allein fertig, Ed!“ rief Hasard zur Kuhl hinunter, ohne Little Ross aus den Augen zu lassen. Der Bulle sah tatsächlich so aus, als habe er die Absicht, auf Hasard loszugehen.
Hasard reizte ihn ganz bewußt weiter. Er wollte erfahren, wie weit diesem Kerl zu trauen war, der erklärt hatte, mit sechs Frauen an Land gehen zu wollen.
„Nur zu, du Beschützer!“ sagte er spöttisch. „Zeig mal, was du kannst! Stell dir vor, daß ich die Absicht hätte, dir deine dickbusige Dolores wegzuschnappen und mit ihr abzuhauen!“
Dieser Klotz von Kerl war gerissener, als Hasard gedacht hatte. Er ließ nämlich die Fäuste sinken, die er bereits zum Zuschlagen gehoben hatte, grinste und sagte: „Sir, du treibst das ein bißchen auf die Spitze, nicht wahr? Aber ich bin ein guter, ehrlicher englischer Hundesohn. Ich will mich mit dir nicht schlagen, und wahrscheinlich haust du mir auch die Hucke voll. Laß uns das also friedlich regeln, unter Gentlemen, versteht sich. Richtig, ich habe ein Auge auf Dolores geworfen, die mir sehr recht ist – ich ihr, glaube ich, auch. Ich will keinen Harem haben und auch nicht den Hahn spielen. Ich mag so was nicht. Einem Mann muß eine Frau genügen – wenn es die richtige ist. Das wäre das eine, was ich dazu zu sagen habe, und ich meine es ehrlich. Das andere: wenn ich eine Kneipe haben sollte, dann ist es den Ladys freigestellt, auf welche Art sie dort tätig werden wollen. Das ist ihre eigene Sache. Wenn sie am Tresen oder in der Küche arbeiten, werden sie dafür bezahlt. Klarer Fall. Über jede andere Tätigkeit – zum Beispiel den Verkauf von Liebe – habe ich nicht zu befinden. Das geht mich nichts an. Darüber müssen sie selbst frei entscheiden. Zu kassieren habe ich in einem solchen Fall überhaupt nichts. Damit will ich nichts zu tun haben. Sollten sie jedoch meine Hilfe brauchen, werde ich mich für sie einsetzen, soweit das in meiner Macht liegt. So, das wär’s wohl. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.“
„Das klingt schon anders“, sagte Hasard und verschränkte die Arme vor der Brust. „Dann erzähl den Ladys mal, wie du dir ihre Zukunft in Sarasota vorstellst.“
„Willst du das nicht tun, Sir?“ fragte Little Ross etwas unglücklich.
„Wieso ich?“ sagte Hasard ungerührt. „Es ist weder mein Plan, noch habe ich die Absicht, in Sarasota zu siedeln. Ich würde auch lieber einen Sack voller Flöhe hüten, als mir diese sechs Ladys aufzuhalsen. Aber ich heiße ja nicht Little Ross. Jetzt sieh zu, wie du das geregelt kriegst. Vielleicht erntest du ein Hohngelächter – was ich verstehen könnte.“
„Du wirst schon wieder sarkastisch, Sir“, sagte Little Ross vorwurfsvoll.
„Verdammt, ja“, brummte Hasard. „Vielleicht fehlt mir die Phantasie für so was Verrücktes. Da werde ich dann leicht bissig. Ein Mann und sechs Frauen – mein Gott! Und dann noch solche! Hast du dir wirklich genau überlegt, auf was du dich da einläßt, Mann?“
„Ja. Ich schaff das schon. Zuhause war ich das einzige Büblein unter sechs Schwestern!“
„Ach du meine Güte“, sagte Hasard erschüttert, „auch das noch!“
„Gar nicht ‚auch das noch‘“, sagte Little Ross etwas beleidigt. „Wir hatten ein sehr harmonisches Familienleben.“
„Waren die Schwestern alle älter als du?“ fragte Hasard.
„Ja.“
„Die haben dich bemuttert, wie?“
„Sicher“, erwiderte Little Ross stolz, „jede hatte eine Aufgabe: die eine fütterte mich, die zweite wickelte mich, die dritte badete mich, die vierte zog mich an, die fünfte schaukelte mich und die sechste spielte mit mir. Später verdrosch ich die Kerle, die ihnen zu nahe treten wollten.“ Bescheiden fügte dieser Klotz von Kerl noch hinzu: „Seitdem wurde ich ‚Little Ross‘ genannt.“
Hasard beugte sich weit vor und hatte zuckende Schultern.
Auf der Kuhl setzte Carberry als erster mit einem dröhnenden „Hö-hö-hö!“ ein. Und dann brauste ein Lachsturm über die „Isabella“, daß die Toppstengen zitterten. Sir John war wieder am Flattern und flüchtete kreischend unter Deck. Little Ross stand sehr beschämt da und wußte nicht, wo er hinschauen sollte. Daß die aber auch so über ihn lachen mußten! Und das nur, weil er ein bißchen von sich erzählt hatte. Was daran so witzig sein sollte, begriff er nicht. Wahrscheinlich hatten diese Kerle von der „Isabella“ eine eigene Art von Humor. Daß einer sechs Schwestern hatte, darüber brauchte man ja nicht derart schallend zu lachen – dachte er.
Dabei beruhte die Heiterkeit der Arwenacks ganz schlicht auf der Komik der Situation, nämlich darauf, wie dieses ausgewachsene Exemplar von Mannsbild seine Zeit als Büblein unter sechs Schwestern beschrieben hatte, von denen es bemuttert worden war. Logisch, daß sich jetzt der gedankliche Vergleich zu den sechs Ladys aufdrängte. Die Seewölfe stellten sich vor, die sechs Ladys würden sich des „Bübleins“ in ähnlicher Weise annehmen wie die sechs Schwestern: ihn füttern, wickeln, baden, anziehen, schaukeln und mit ihm spielen. Genau diese Vorstellung ließ sie in ihr schmetterndes Gelächter ausbrechen.
Little Ross war ein Komiker – nur wußte er’s nicht.
Die sechs Ladys wiederum waren, nachdem Hasard Little Ross auf die Back geholt hatte, dem Disput mit gemischten Gefühlen gefolgt. Zuerst hatte sich das Gespräch zwischen den beiden gut angelassen, aber dann war nicht zu verkennen gewesen, daß den großen, so gutaussehenden Kapitän der Zorn gepackt hatte. Und auch der Mann, der Little Ross genannt wurde, war zornig gewesen. Plötzlich jedoch hatten alle gelacht – und wie sie gelacht hatten! Nur Little Ross hatte an der allgemeinen Heiterkeit nicht teilgenommen, sondern ausgesehen, als sei ihm eine Laus über die Leber gekrochen. Besonders Dolores hatte das vermerkt und war schon drauf und dran, ihn zu trösten.
Aber da gebot der Kapitän Ruhe und winkte Little Ross zu. Offenbar sollte er ihnen, den Ladys, etwas mitteilen. Aber der Ärmste hatte rote Ohren und schien nicht zu wissen, was er sagen sollte.
Da sagte der Kapitän: „Nun, meine Lieben!“ Er räusperte sich und fuhr fort: „Dieser Caballero hier – er wird Little Ross genannt – unterbreitete mir einen Vorschlag, der eure Zukunft betrifft …“
Dolores unterbrach ihn.
„Und darüber habt ihr gelacht?“ fragte sie spitz.
Ei, verdammt! dachte Hasard. Dieses vollbusige Flaggschiff hat scharf aufgepaßt!
Er zauberte ein Lächeln auf sein Gesicht und sagte: „Das muß dir Little Ross später mal erklären, Dolores, vorausgesetzt, ihr habt dazu Gelegenheit. Aber das hängt wiederum mit seinem Vorschlag zusammen.“
„Ich höre“, sagte Dolores, das vollbusige Flaggschiff, und warf einen schmelzenden Blick hinüber zu Little Ross.
Schau an, dachte Hasard, da bahnt sich tatsächlich zwischen den beiden etwas an. Manchmal sagt man dazu: Liebe auf den ersten Blick. Ja, bei Gwen O’Flynn und ihm war das ähnlich gewesen – damals, als sie sich vor dem Eingang des Haupthauses der Feste Arwenack zum ersten Male begegnet waren. Er schaute zur Kuhl hinunter, wo seine beiden Jungen standen. Der Schreck durchfuhr ihn. Natürlich, sie hatten die Lauscher aufgestellt und alles mitgehört, auch die teilweise heiklen Passagen des Gesprächs, die keineswegs für ihre Ohren bestimmt waren. Jetzt arbeitete es in ihren Köpfchen.
Beklommen dachte er, daß es Zeit wurde, mit ihnen über ein gewisses Thema zu sprechen. Wie er das aber anpacken sollte, war ihm absolut unklar. Vielleicht wußte Big Old Shane einen Rat.
Er verdrängte die Gedanken und wandte sich wieder den Ladys zu, die ihn erwartungsvoll anblickten.
„Also“, sagte er, „Little Ross hat die Absicht, hier an der Westküste Floridas in einem Ort namens Sarasota einen Ausschank zu eröffnen. Er kennt dort jemanden, der aus Zuckerrohr Schnaps zubereitet. Für die Zukunft scheint er sich gute Chancen zu versprechen, denn er meint, Florida sei ein aufblühendes Land. Ich selbst könnte mir ebenfalls vorstellen, daß sich Menschen aus der Alten Welt hier ansiedeln. Nun gut, mehr möchte ich dazu nicht sagen, um eure Entscheidung nicht zu beeinflussen. Little Ross ist der Ansicht, auch ihr könntet euch in Sarasota eine neue Existenz aufbauen, wobei er euch behilflich sein will. Wo ein Ausschank eröffnet wird, werden sich bald auch Gäste einstellen, die bewirtet werden möchten. Damit wäre ein Anfang gemacht. Was ihr im einzelnen für eine Tätigkeit ausüben wollt, müßt ihr selbst entscheiden – vorausgesetzt, ihr seid mit dem Vorschlag von Little Ross einverstanden. Wir würden euch dann mit ihm in Sarasota an Land setzen. Vielleicht begleiten euch die beiden Schwarzen, die Mardengo als Sklaven auf die Pirateninsel verschleppt hatte. Sicherlich wird unser Schiffszimmermann euch Werkzeug mitgeben können. Auch Waffen können wir euch überlassen. An ein paar Fässern guten spanischen Rotweins sollte es ebenfalls nicht mangeln. Die zweigen wir von unseren Bordvorräten ab. Aber ich rede schon zuviel. Überlegt euch den Vorschlag. Ich schätze, daß wir gegen Mittag Sarasota passieren. So, das wär’s.“ Hasard lächelte die Ladys an und wollte zur Kuhl abentern.
Da hob Ilaria die Hand und erklärte resolut: „Hier wird gar nicht erst lange drum herum geredet und debattiert. Hand hoch, wer für den Vorschlag von Little Ross ist!“
Dolores’ Hand war noch schneller oben als Ilarias Hand, ebenso spontan stimmten die vier anderen Ladys zu, mit blitzenden Augen und energischen Mienen.
Donnerwetter, dachte Hasard überrascht. Er hatte angenommen, es würde zwischen den Ladys ein langes Palaver und Hin und Her geben, statt dessen hatten sie sich blitzschnell entschieden, und zwar einstimmig. Keine hatte irgendwelche Einwendungen gehabt.
„Ihr geht ja mächtig scharf ran“, sagte Hasard.
„Das ist so unsere Art“, sagte Ilaria keck.
„Werd mir’s merken, wenn wir euch mal wieder einen Besuch abstatten sollten“, brummte Hasard.
Little Ross grinste von einem Ohr zum anderen.








