Kitabı oku: «Königin der Sklavinnen», sayfa 2
Die Besatzung
Der Wind blies durch die Wipfel der Tannen in den Hängen. Hier unten gab es keinen Schnee mehr um diese Jahreszeit. Durch den wilden Tannenwald ritt eine Frau auf einem Pferd. Sie kam sehr schnell voran - offensichtlich eine gute Reiterin. Ihre Haare wehten im Wind.
In der Grenzregion zwischen den hohen Bergen von Akasha und den fruchtbaren Niederungen von Mula lebte so gut wie keine Menschen, dafür aber zahlreiche wilde Tiere. Die Reiterin schien das nicht zu stören, sie ritt zielstrebig und geschwind weg von den Bergen, hin zu den flacher werdenden Ebenen.
Der Name der Reiterin war Phenoma – Herrin von Phen. Sie lebte in Akasha, dem alten Reich in den Bergen. Aber wie alle Bewohner dort war sie nicht dort geboren. Vor 20 Jahren war sie als junge Frau aus Samskara aufgebrochen, um in Akasha ihre Bestimmung zu finden. Jetzt kehrte sie nach Samskara zurück.
Allerdings wählte sie nicht den direkten Weg. Samskara grenzte genau wie Mula an da Hochgebirge, in dem Akasha lag. Wenn Phenoma direkt geritten wäre, hätte sie zwei Tage Wegzeit gespart.
Aber sie zog es vor, über Mula nach Samskara zu reisen. Die Grenze zwischen Samsaka und Akasha wurde schwer bewacht, seit es dort vor einigen Wochen zu einem Überfall gekommen war. Der Überfall war der Grund für Phenomas Reise und er war der Grund, warum sie es vorzog, heimlich nach Samskara zu gelangen.
Die Grenze zwischen Mula und Akasha war dagegen völlig frei. Und erst hier unten in den Niederungen traf sie vereinzelt auf Menschen.
Phenoma dachte mit gemischten Gefühlen an die kommenden Wochen. Sie wusste nicht, wie lange sie in Samskara bleiben musste, bis ihre Mission erfüllt war. Unter Umständen wird es sehr lange dauern.
Und sie durfte von den Samskarischen Wächtern und Häschern nicht entdeckt werden, denn sie reiste in feindlicher Absicht.
Mehr noch, sie war eine gefährliche Feindin des Samskarischen Reiches geworden. Und eine begehrte Gefangene, falls sie in die Hände des dort herrschenden Komitees fallen sollte.
Phenoma hatte die Berge und damit die Wildnis jetzt endgültig hinter sich gelassen. Vor ihr begannen sich endlose Felder zu erstrecken, angebaut mit unterschiedlichen Kulturpflanzen und Getreide. Mula war ein Agrarstaat. Hier wuchsen die Nahrungsmittel für zahlreiche weitere Länder.
Phenoma ritt nun auf Feldwegen weiter. Ab und zu sah sie Landarbeiter auf den Feldern, Männer und Frauen. Später kamen die ersten Gehöfte und vereinzelte Dörfer. Es wurde Zeit, sich ein unauffälligeres Fortbewegungsmittel zu suchen. Noch war sie keinen Offiziellen begegnet, aber Mula war ein besetztes Land, es stand unter Samskarischer Herrschaft. Irgendwann würden die ersten Posten kommen, die ersten Knotenpunkte der Fremdherrschaft. Und spätestens dann würde sie, als einsame Frau auf einem Pferd, auffallen und die Aufmerksamkeit der Offiziellen auf sich ziehen.
Phenoma ritt nun eine befestigte Straße entlang. Sie hatte sich die Karte der Gegend gut eingeprägt. Im nächsten Dorf gab es eine Kontaktperson. Sie würde ihr bei der Weiterreise helfen.
Ashoka hatte ein altes Netz aus Kontakten in allen Ländern. Die Samskarischen Kontakte sind inzwischen in den Untergrund gegangen, aber in den besetzten Ländern sind die Kontaktpersonen den Offiziellen meistens nicht bekannt.
Phenoma erreichte das Dorf wie geplant am Mittag, während kaum jemand auf der Straße war. Der Ort bestand aus 6 alten Bauernhäusern. Etwas Abseits hinter einen kleinen Weiher fand sie das gesuchte Gebäude. Sie stieg vor dem Haus ab und band ihr Pferd an einen Baum. Dann ging sie zur knorrigen alten Eingangstür und klopfte.
Lange Zeit geschah nichts, dann hörte sie ein Geräusch aus dem Innern des Hauses. Phenoma klopfte erneut, diesmal lauter.
Die Tür wurde mit einem Ruck aufgerissen, und vor ihr stand eine alte Frau. Sie sah sie zunächst mit einem mürrischen Gesichtsausdruck an, dann stutzte sie. „Wer bis du?“ fragte sie mir einer rauen Stimme.
„Ich bin eine Gesandte aus Ashoka und bitte um Unterstützung.“
Die alte Frau riss die Augen auf. Dann trat sie heraus und sah sich prüfend um. Schließlich zeigte sie zum Pferd und sagte: „Bring deinen Gaul in die Scheune, dort gibt es Heu. Und dann komme schnell herein, bevor dich jemand sieht.“
In dem Haus war es geräumig und gemütlich. Im Küchenherd brannte ein Feuer und es roch nach Frühlingskräutern. Die Frau wies auf eine Bank neben dem Herd, und setzte sich selber leicht keuchend auf einen Stuhl gegenüber.
„Lange Zeit war niemand mehr aus Ashoka hier“, sagte sie. „Seit die Samskarier gekommen sind nicht.“
Sie goss sich und Phenoma einen Tee ein, den diese dankend entgegen nahm. „Mein Sohn wird sich um dich kümmern, wenn er wieder da ist. Im Augenblick ist er auf den Feldern.“
Phenoma nickte. „Ich danke dir für deine Gastfreundschaft. Wie ist dein Name?“
„Mein Name, ach, wem interessiert das. Früher wurde ich Enna die Flinke genannt, als die Weisen noch die Länder regierten und jeder Mensch einen Platz hatte in der Welt.“ Plötzlich rollte ihr Tränen über die Wange. „Heute ist alles anders. Heute haben wir nur noch zu funktionieren.“
Phenoma stand auf und legten einen Arm um sie. Ihr fiel keine Antwort ein.
„Ihr habt uns allein gelassen!“ rief Enna und weinte in Phenomas Armen. „Ihr habt uns ausgeliefert.“
Phenoma wusste immer noch keine Antwort. Aber sie war nicht einverstanden mit den Worten der Alten. Was hätten sie den tun sollen? Ashoka hatte Einfluss, aber es war genau genommen kein Staat. Wie hätten sie die Armeen der Samskarier aufhalten sollen, nachdem die Offiziellen dort die Macht übernommen hatte?
Sie rechtfertigte sich nicht, obwohl es ihr auf der Zunge brannte. Sie lies Enna weinen. Nach einigen Minuten hatte diese sich gefangen und erhob sich. „Ich habe noch etwas Arbeit, bevor die Männer wieder nach Hause kommen. Du kannst dir oben ein Zimmer zurecht machen.“
„Ich plane möglichst bald, vielleicht schon heute Abend weiter zu reisen,“ bemerkte Phenoma. Die Alte winke ab. „Egal, ich will dich hier unten nicht sehen. Bitte gehe nach oben, bis die Männer nach Hause kommen.“
Phenoma sagte nichts weiter und ging die massive Holztreppe nach oben. Sie fragte sich, ob dieser erste Kontakt mit Menschen außerhalb von Ashoka stellvertretend war für die weitere Reise.
Als es dunkel wurde hörte Phenoma wie unten Menschen eintrafen. Sie hatte sich inzwischen damit abgefunden, die Nacht in den Haus zu verbringen und erst am nächsten Tag weiter zu reisen, und hatte sich oben ein Platz zum Schlafen zurecht gemacht. Nun ging sie nach unten.
Es waren zwei Personen gekommen, ein Mann im mittleren Alter und ein Junge von vielleicht 11 Jahren, offensichtlich sein Sohn. Beide trugen die grobe Kleidung der Landarbeiter und sahen erschöpft vom Tag aus. Als sie Phenoma sahen, wich der erschöpfte Gesichtsausdruck einen puren Staunen. Phenoma übernahm die Initiative „Hallo, die Hausherrin hat mich freundlicherweise eingelassen. Ich komme aus den Bergen und bin auf Durchreise.“
Der Mann reichte ihr die Hand wie in Mula üblich. Dann sagte er zu seinem Sohn. „Dies ist ein besonderer Augenblick Genson. Zum ersten Mal stehst du vor einer echten Drachenreiterin.“
Genson schaute etwas verängstigt. „Dann reichte er ihr ebenfalls die Hand. „Wo ist dein Drache?“ fragte er.
Phenoma lachte. „Meinen Drachen konnte ich nicht mitnehmen, da ich heimlich reise. Ich hoffte, das ich bei euch einen Tipp bekomme, wie ich unbemerkt nach Samskara komme.“
Der Mann nickte, sein Sohn zuckte bei dem Namen das Ziels ein wenig zusammen.
Dann rief Enna aus der Küche „So kommt endlich rein, was steht ihr da auf dem Flur herum? Das Essen ist fertig.“
Das Essen bestand aus einer reichhaltigen Gemüsesuppe mit Kartoffeln. Phenoma hatte großen Hunger und aß mehrere Teller. Sie aßen schweigend.
„Wie sieht es aus in Akasha?“ fragte der Mann als sie fertig waren. Er hatte sich ihr als Ronnert vorgestellt.
„Der Orden der Drachenreiterinnen hat beschlossen in den Krieg einzugreifen.“ antwortete Phenoma.
Alle drei sahen sie erstaunt an. „Das sind ja unglaubliche Neuigkeiten,“ Ronnert wirkte erleichtert.
„Darauf haben wir 6 Jahre gewartet,“ brummte Enna zustimmend.
Phenoma nickte: „Es war keine leichte Entscheidung. Wir Drachenreiterinnen waren immer politisch neutral. Dies war ein Teil unseres Selbstverständnisses. Aber wie sich die Dinge entwickelt haben, konnten wir nicht länger neutral bleiben.“
„Was ist denn passiert?“ fragte Ronnert.
„Samskara hat Shashastra angegriffen.“
„Das ist keine neue Nachricht. Der Angriff war seit Jahren im Gespräch und vor 6 Monaten habe ich gehört, dass die Gefechte beginnen.“
Phenoma nahm sich noch einen von den auf den Tisch liegenden Äpfeln. „Ja, aber jetzt sah es so aus, als wenn Samskara gewinnen würde. Sie haben in der letzten Zeit beträchtliche technische Fortschritte gemacht und setzen neuartige Maschinen ein.“
„Und was hat das mit Ashoka zu tun?“
„Wir haben ein besonderes Verhältnis zu Shashastra. Die dortige Gesellschaft ist uns sehr verbunden. Sie wird von Frauen dominiert. Eine Niederlage würde ein Ende dieser Kultur bedeuten.“
„Als Mula besetzt wurde war es euch egal,“ schnaubte Enna. „Und jetzt, wo die Grazien dran glauben sollen, überlegt ihr es euch plötzlich anders.“
„Es war uns nie egal,“ antwortete Phenoma. „Wir haben gehofft, dass sich die Situation von alleine klärt. Akasha war immer schon politisch neutral. Dies aufzugeben ist für uns ein schwerer und gefährlicher Schritt.“
„Den ihr nur geht, weil mit den Fall von Shashastra eure eigene Existenz in Frage gestellt werden würde,“ schloss Ronnert und sah sie spöttisch an.
„In der Tat ist es unser Anliegen, dass die weibliche Macht auch im weltlichen Bereich nicht verschwindet,“ Phenoma war der Verlauf des Gespräches unangenehm. Auf der anderen Seite konnte sie die Argumente ihrer Gastgeber gut verstehen.
Trotzdem war sie der Meinung, dass der Orden, der Akasha seit Anbeginn regierte, richtig gehandelt hatte. Es war nicht die Aufgabe der Drachenhüterinnen, politische Systeme zu beeinflussen. Erst als die eigene Existenz tatsächlich bedroht war, war ein Eingreifen gerechtfertigt.
„Ich hoffe, dass ihr von einer möglichen Wende im Krieg profitiert. Die Armee der Samskarier ist jedenfalls durch den Angriff der Drachen ins Stocken geraten.“
Diese Aussage sorgte für sichtbare Erleichterung am Tisch.
„Vielleicht kommt Mutter dann bald zurück,“ meinte Genson, der sich bisher nicht in das Gespräch eingemischt hatte. Phenoma sah ihn fragend an.
„Meine Frau wurde nach dem Einmarsch der Samskarier verschleppt“ erklärte Ronnert. „Wir haben seit acht Jahren nichts mehr von ihr gehört.“
„Oh, das tut mir leid.“ Damit erklärte sich auch die Verbitterung der Mutter. „Wo könnte sie sein?“
„Sie ist in Samkara. Wenn sie Glück hat muss sie nur arbeiten, aber wahrscheinlich wird sie als Prostituierte missbraucht.“ Enna beugte sich mit einem wilden Blick über den Tisch. „Ich habe die Männer gesehen, die Samskarischen Soldaten, als sie hier von Tür zur Tür gingen, ich habe ihre Blicke gesehen. Sie haben nur die schönsten Frauen mitgenommen. Und einige kräftige Männer für die Minen.“
Phenoma schluckte. Sie hatte davon gehört, dass zahlreiche Männer und Frauen aus den unterworfenen Ländern zum Arbeiten nach Samskara verschleppt worden waren. Aber es war etwas ganz anderes, den Betroffenen zu begegnen. „Das tut mir leid,“ wiederholte sie.
Alle schwiegen einen Augenblick. Dann sagte Phenoma: „Ich habe vor nach Samskara zu gehen, heimlich, um einen Auftrag für unsere Seite durchzuführen. Ich wünsche mir eure Unterstützung bei der Einreise.“
„Wir werden dir helfen,“ sagte Ronnert. „Wir haben uns zur Hilfe für die Drachenreiterinnen verpflichtet und dabei bleibt es. Ich hoffe, ihr werdet es uns nicht vergessen.“
„Wir können mit unseren Drachen das Voranschreiten der Samskarischen Armee aufhalten. Was wir nicht können, ist Samskara mit Waffengewalt zu unterwerfen. Das kann im Augenblick niemand.“
„Ich möchte irgendwann meine Frau wieder in den Armen halten.“ antwortete Ronnert. „Und mein Sohn hat verdient, dass er seine Mutter wieder sieht. Ich möchte, dass du darüber nachdenkst, wie du oder wie Akasha uns helfen kann.“
Phenoma biss sich auf die Lippe. Dann nickte sie. „Ich kann nichts versprechen, aber ich werde darüber nachdenken.“
Das musste ja so kommen, dachte sie bei sich. Zuerst treten wir in den Krieg ein, und dann sollen wir alle Sklaven befreien.
„Mit deinem Pferd kannst du nicht weiter reisen.“ unterbrach Ronnert ihre Gedanken. „Frauen reisen nicht mehr allein durch Mula und erst recht nicht durch Samskara. Du würdest sehr schnell Ärger bekommen.“
Phenoma nickte.
„In der Poststation in der Bezirksstadt geht jeden Morgen eine Kutsche nach Samskara. Ein guter Freund von mir ist für die Beladung zuständig. Er könnte dich dort einschleusen.“ Phenoma nickte erneut.
„Ich weiß nicht, wie die Kontrollen an der Grenze zwischen Mula und Samskara sind. Wenn du Glück hast, kommst du glatt durch bis Ashwini.“
„Das hört sich gut an.“ Phenoma verschwieg, dass sie einen gefälschten Passierschein für die Grenze dabei hatte.
„Ich bringe dich morgen früh in die Stadt und werde alles arrangieren. Danach bist du auf dich allein gestellt.“
„Gut. Ich danke dir.“
„Denke an unsere Vereinbarung.“
„Das werde ich.“
Die Kämpferin
Phenoma wachte auf und war sofort hellwach. In ihrem Zimmer stand eine Person und betrachtete sie. Zunächst konnte sie nur den Schatten erkennen, aber ihr war sofort klar, dass sie es mit einer Frau zu tun hatte.
Einer Kämpferin.
Sie war gekleidet wie eine Reiterin aus der alten Zeit. Hier und dort lies der Stoff Stellen an ihrer Haut frei. Dadurch konnte Phenoma sehen, dass sie jung war.
Zu jung, um übrig geblieben zu sein. Sie war noch nicht geboren, als die Ausbildung der Reiterinnen eingestellt wurde.
Ihr Gesicht war hinter einem Stofftuch verborgen, dass den Teil ihres Gesichtes ab der Nasenwurzel frei lies. Phenoma sah ihre Augen funkeln.
Sie sagte immer noch nichts. Auch Phenoma verhielt sich still.
Draußen dämmerte der neue Tag. In Kürze war es Zeit um aufzubrechen. Aber ihre Besucherin schien nicht darauf bedacht zu sein, sie einfach gehen zu lassen.
Von unten kamen Geräusche. Offensichtlich war den Besitzern des Hauses nichts passiert.
Erst jetzt sah Phenoma, dass die Kämpferin mit einem Schwert bewaffnet war. Es hing griffbereit an ihrem Gürtel, halb verdeckt von der Kleidung. Es war nicht ihres, Phenoma erkannte an dem Griff, dass es das Schwert war, was unten in der Wohnung an der Wand gehangen hatte. Aber die Art, wie sie es trug lies vermuten, dass sie wusste, wie man damit umgeht.
Phenoma schlug die Decke zur Seite und stand auf. Sie hatte nackt geschlafen, aber es war ihr egal, was die fremde Frau von ihr dachte. Sie stellte sich vor ihr hin und wartete. Endlich fing die Kämpferin an zu sprechen: „Ich bin hier, um eine Drachenreiterin abzuholen. Zu meiner Herrin.“
Ihre Stimme wies sie als junge Frau aus, Phenoma schätzte sie auf Mitte Zwanzig.
Sie hat Mut. Und ist taff.
„Wer ist deine Herrin?“ fragte Phenoma.
„Wer bist du?“ fragte die Kämpferin.
Phenoma kam die Begegnung surreal vor. Einerseits war sie hier mitten im Feindesland mit weiblichen Machtstrukturen konfrontiert. Andererseits könnte es das gar nicht geben. Die Samskarier hatten doch den Rat der Weisen ausgeschaltet. Entweder war eine dritte Macht am Werk oder es war eine Falle.
„Ich beantworte keine Fragen von jemanden, der sein Gesicht verdeckt und sich nicht vorstellt.“
Die junge Frau zog das Tuch herunter und ihr Gesicht kam zum Vorschein. Dann sagte sie, „Ich bin nur eine Novizin, mein Name ist nicht wichtig. Aber meine Herrin wünscht dich zu sehen. Im Namen des Weisen Rates von Mula.“
Dann gibt es also doch eine Untergrundbewegung.
Phenoma betrachtete die Frau genauer. Wie sie gedacht hatte war sie kaum älter als 25, aber das konnte auch täuschen. Zwischen den Tuch, das sie trug lugte ihre rechte Brustspitze heraus. Aus irgendwelchen Gründen trug sie nichts darunter. Ihr Gesicht drückte die Entschlossenheit eines Menschen aus, der schon viel von der Welt erfahren hat. Phenoma war sich relativ sicher, dass sie kein Spitzel der Samskarier war.
„Der Weise Rat hat sich gut versteckt.“ sagte Phenoma. „Wir haben seit 6 Jahren nichts mehr von ihm gehört.“
„Nur so konnten wir unerkannt bleiben. Meine Herrin hat all die Jahre darauf gewartet, dass sie Besuch aus Ashoka bekommt. Anscheinend ist es jetzt soweit.“
Das war gelinde gesagt eine Frechheit. Aber Phenoma lies sich nicht darauf ein.
„Ich habe eine Mission in Samskara. Dort muss ich schnellstmöglich hin. Der Rat der Weisen von Mula muss andere Wege finden, um mit Ashoka zu kommunizieren.“
Das Gesicht der Kämpferin wurde fest. „Aber die bist ein Drachenreiterin, oder nicht? Wie lautet dein Name?“
„Ich bin Phenoma, Herrin von Pern, und ja, ich bin eine Drachenreiterin.“
Das schien Eindruck auf sie zu machen. Ihre Züge entspannten sich wieder. „Kannst du mir das beweisen?“
„Warum sollte ich?“
Die Kämpferin machte eine Andeutung mit der rechten Hand in Richtung des Schwertgriffs, die kaum wahrnehmbar war. Phenoma wartete. Sie würde sich nicht einschüchtern lassen.
„Meine Herrin wird in der Lage sein, das zu überprüfen,“ sagte die junge Frau schließlich. „Sie könnte hier her kommen, um sich mit dir zu treffen. Ein Tag und eine Nacht Wartezeit müsstest du dafür einplanen. Anschließend helfen wir dir dabei, sicher nach Samskara zu kommen.“
Schau an, sie weiß offensichtlich doch etwas mehr als eine einfache Novizin.
Phenoma war zu neugierig, um dieses Angebot abschlagen zu können. Sie wollte wissen, mit wem sie es wirklich zu tun hatte. Und sie war immer noch gut im Zeitplan, einen Tag Pause sollte möglich sein.
„Gut, ich bin einverstanden. Das heißt du wartest mit mir hier?“
Die Kämpferin nickte.
„Dann möchte ich jetzt wissen, mit wem ich es zu tun habe.“
Sie zögerte und schien mit sich zu ringen. Ihr Gesicht blieb dabei ausdruckslos. „Ich bin Lyam,“ sagte sie schließlich. „Lyam von Coes“
Phenoma dachte nach. Dann sagte sie: „Coes, dass ist eine bekannte Familie. Lass mich raten: deine Mutter war Ministerin im Rat der Weisen?“
Lyam sah nicht wirklich glücklich aus über diese Frage. Aber sie nickte.
„Dann warst du mit im Palast als Mula fiel.“
Jetzt drückte ihr Gesicht offenes Missfallen aus. „Ich war dabei, ja.“
Phenoma trat einen Schritt zurück und betrachtete Lyam noch mal von oben bis unten. Ihr Interesse war jetzt vollends geweckt. Unmerklich spürte sie, wie sich in ihr etwas regte.
Der Drachen erwacht.
„Ich muss jetzt meiner Herrin Bescheid geben, dass sie heute Nacht kommen soll.“ Lyam wandte sich zur Treppe. Dort drehte sie sich noch einmal um. „Draußen sind die Häscher des Feindes unterwegs. Bleibe bitte heute den ganzen Tag hier im Zimmer. Moja wird dir Essen aufs Zimmer bringen.“
„Moja? Du meinst Enna.“
„Moja ist der Name, der ihr die Macht gibt.“
Phenoma nickte langsam. Lyam ging und Phenoma setzte sie sich auf das Bett und dachte angestrengt nach. Schließlich ging sie in das Bad neben an, um sich zu waschen und anzuziehen.
Moja entschuldigte sich bei Phenoma, als sie ihr zwei Stunden später das Essen hoch brachte. „Ich wollte dich nicht hintergehen,“ sagte sie. „Aber ich hatte den eindeutigen Befehl von Java, dass ich Bescheid sage, wenn eine Drachenreiterin auftaucht. Und ich wusste ja nicht, ob ich dir trauen kann, deshalb habe ich nichts gesagt.“
Phenoma nickte. „Schon gut. Wer ist Java?“
Moja schaute verblüfft. „Hat dir Lyam nicht von ihr erzählt? Java ist unsere Herrin. Sie ist die letzte freie Frau des Weisen Rates.“
So kommen wir der Sache langsam näher.
„Und Java kommt? Ist das nicht zu gefährlich? Wie könnt ihr überhaupt mit ihr kommunizieren?“
„Wir nehmen mit ihr Kontakt auf, so wie die Frauen es schon immer getan haben,“ Moja tippte sich an die Stirn.
Mentale Übertragung. Sie sind also immer noch im Besitz von weiblicher Magie.
Phenoma war nun wirklich verblüfft.
In diesem Augenblick bemerkte sie Lyam, die auf der Treppe gestanden hatte und sie beobachtet hatte.
„Moja, du redest zu viel,“ sagte sie als sie die letzten Stufen hoch kam.
Moja winkte ab. „Entweder alles oder gar nichts. Was soll diese Geheimniskrämerei? Ist sie jetzt eine Drachenreiterin, oder nicht?“
„Ich weiß es nicht, aber ich werde es gleich wissen. Lass uns bitte allein.“
Mürrisch ging Moja die Treppe herunter und schlug unten die Tür zu.
Lyam stellte sich in die Mitte des Raumes, dort wo sie am Morgen schon gestanden hatte als Phenoma aufgewacht war.
„Ich habe mit meiner Herrin gesprochen,“ sagte sie.
Phenoma wartete.
„Sie wird sich heute Abend auf dem Weg machen und wird dann beim Morgengrauen hier sein.“
„Warum erst heute Abend?“
Statt einer Antwort geschah etwas merkwürdiges. Das Licht im Zimmer veränderte sich. Phenoma spürte plötzlich eine tiefe, dunkle Präsenz, die augenblicklich ihre Drachenenergie aufweckte. Allerdings hatte sie sie gut genug unter Kontrolle, um sich nichts anmerken zu lassen.
Das Phänomen verschwand so schnell, wie es gekommen war. Aber Lyam schien irgendwie verändert zu sein.
„Du bist eine Dunkle,“ erkannte Phenoma.
Lyam nickte.
„In welche Gestalt verwandelst du dich?“
„In eine Krähe. Wir alle verwandeln uns in Krähen, auch meine Herrin.“
Phenoma verstand. „Aber nur Nachts. Deshalb kann sie erst heute Abend aufbrechen.“
Lyam nickte.
„Und so bist du auch letzte Nach gekommen.“
„Ich erzähle dir das alles, weil meine Herrin eine Bitte an dich hat, bevor sie nachher losfliegt.“
Phenoma hob abwehrend die Hand. „Warte noch einen Augenblick. Ich muss das gerade sortieren. Ihr verfügt über alte, weibliche Macht, von der ich nicht wusste, dass es sie überhaupt noch gibt.“
Lyam schwieg. Phenoma stand auf und trat vor sie. „Trotzdem konntet ihr die Samskarier nicht besiegen! Wieso?“
Lyam schaute plötzlich unglücklich. „Sie haben unsere Kraft gebrochen. Wir wissen nicht wie. “
Dann sprudelte es aus ihr heraus: „Sie waren einfach schneller und stärker, mit ihrer Technik und diesen Maschinen. Und sie hatten Verbündete überall. Die Männer – einige hielten nicht mehr zu uns. Erst fiel ihnen die ländlichen Gebiete von Mula in die Hände. Das war vor acht Jahren. Zwei Jahre später nahmen sie sich dann die Hauptstadt. Ventura fiel und alle Frauen des Weisen Rates wurden versklavt. Ich war dabei als es geschah.“
„Erzähle mir davon, Lyam,“ forderte Phenoma sie auf. Sie glaubte einen Anflug von Tränen in den Augen der jungen Frau zu erkennen.
Laym schüttelte den Kopf. „Nein, du kannst meine Herrin selber fragen. Sie war drei Jahre lang die persönliche Sex-Sklavin der Stadthalter von Ventura, bevor sie sich befreien konnte und in den Untergrund ging.“
Phenoma trat einen Schritt zurück. Die letzte Neuigkeit schockierte sie. Dann fiel ihr etwas ein. „Du sprachst von einer Bitte. Was wünscht sich Java?“
Lyam hob ihre Hände und schob das Tuch zurück, das bisher ihren Kopf bedeckt hatte. Lange blonde Dreadlocks kamen zum Vorschein, die ihr bis zur Hüfte gingen.
Sie trägt die Haare einer Führerin.
Phenoma war einen kurzen Augenblick erschlagen von ihrer Schönheit.
„Meine Herrin wünscht sich, dass du mich als deine Novizin aufnimmst und mich zu einer Drachenreiterin machst,“ erklärte Lyam. „Dadurch weiß sie, dass du tatsächlich diejenige bist, für die du dich ausgibst. Außerdem haben wir dann eine eigene Drachenreiterin in Mula und können uns besser gegen die Samskarier verteidigen.“
Phenoma war zunächst sprachlos. Dann dachte sie angestrengt nach. Den Wunsch von Java konnte sie gut nachvollziehen. Ihre eigene Führerin hatte ihr tatsächlich ein umfassendes Mandat mitgegeben. Seit Ashoka in den Krieg eingegriffen hatte, ging es um die Existenz ihres Ordens. Was vorher undenkbar war, war nun möglich: Sie konnte eine Novizin aufnehmen, wenn sie es für sinnvoll hielt. Aber war dies der richtige Ort und Zeitpunkt? Und war Lyam wirklich geeignet?
Diese Frage stellt sich nicht. Sie ist geeignet.
Phenoma spürte das Feuer bereits in ihrem Becken. Es traf seine eigenen Entscheidungen. Und diesmal hielt sie es nicht zurück.
Aber da gab es noch etwas, was geklärt werden musste.
„Deine Herrin kann sich das wünschen, aber willst du es selber auch? Bist du dir darüber im Klaren, was das bedeutet?“
Lyam schüttelte den Kopf. „Nein, bin ich nicht. Aber ich bin eine Kämpferin des Weisen Rates und ich werde alles auf mich nehmen, was nötig ist, um Mula zu befreien.“
„Lyam, hier geht es nicht um Mula sondern um dein Leben. Wenn die Drachenenergie einmal geweckt ist, wirst du sie nicht mehr los. Sie bricht die Macht der Dunkelheit, du wirst dich also nie mehr verwandeln können.“
Phenoma trat jetzt dicht an Lyam heran. Ihre Hand berührte ihr Kinn, dann strichen ihre Hände über ihre Wange. „Außerdem wirst du keinen Sex mehr mit Männern haben können. Sex ist die Waffe der Drachenfrauen. Sie bricht die Macht der Männer. Aber du, als Drachenreiterin, wirst dir keinen Mann suchen können. Dein Mann wird ein Drache sein, ein Tier ohne menschliches Bewusstsein. Du wirst keine Kinder haben, keine Familie gründen. Deshalb frage dich jetzt aufrichtig selber, willst du das wirklich?“
Die beiden Frauen sehen sich an. Phenoma sah an ihrem Blick, dass sie zweifelte. Aber sie sagte etwas anderes.
„Ich bin bereit.“
Das innere Feuer kehrte zurück. Phenoma ging zwei Schritte von Lyam weg und sagte: „Zieh dich aus.“
Die Kämpferin zögerte nicht. Sie legte das Schwert ab und lies das lange Tuch, dass sie umhüllte herunter gleiten. Darunter trug sie nichts.
Natürlich, sie war als Krähe gekommen. Sie kann keine Kleidung mitnehmen. Das Tuch wird Moja ihr gegeben haben. Ihr Körper war schlank aber nicht dürr. Sie war kräftig und strahlte die jugendliche Attraktivität aus, die ihrem Alter und ihrem Selbstbewusstsein entsprach.
Phenoma betrachtete die junge stolze Schönheit mit den Augen der Liebenden und heizte damit die Glut an. Sie füllte jetzt ihr ganzes Inneres aus. Das bedeutete, dass sich ihre Augen rot einzufärben begannen. Langsam ging sie um Lyam herum und betrachtete sie von allen Seiten. Die junge Frau stand still, erwartungsvoll, entschlossen. Ihr Blick folgte der Bewegung der Drachenreiterin.
Diese wies schließlich auf den kleinen Tisch vor ihrem Bett. „Lege dich hier drauf. Ich werde dich auf den Tisch nehmen.“
Lyam zögerte nur kurz. Vielleicht war sie auf diesen Augenblick vorbereitet worden.
Aber von wem?
Sie legte sich auf den Tisch, hob die Arme über den Kopf und öffnete ihre Beine weit. Phenoma hockte sich hin, und fuhr mit ihren Händen die Innenseite ihrer Oberschenkel hoch. Dann drückte sie die Handfläche ihrer rechten Hand in die offene Glut von Lyams Schoß und begann sie zu massieren.
„Entspanne dich. Öffne dich. Ohne Lust ist die Übertragung nicht möglich.“
„Ich habe Lust,“ protestierte Lyam.
Phenoma musste innerlich grinsen. „Wie oft hattest du schon Sex?“ fragte sie, während ihre linke Hand an Lyams Körperseite hoch fuhr und eine ihrer Brüste umkreiste.
Lyam war schlau genug um zu schweigen. Statt dessen begann sie, sich in den Druck von Phenomas Hand hinein zu winden. Ihr Atem begann schwerer zu werden.
Phenomas Augen strahlten inzwischen so rot, dass sie den roten Schein auf Lyams Haut sehen konnte. Sie und ihr Drache wollten dieses Mädchen jetzt ficken. Schnell zog sie sich ebenfalls aus und legte sich in das Bett. „Komm her zu mir, dass mit dem Tisch war nur eine Zwischenlösung.“
Lyam huschte zu ihr ins Bett und die beiden Frauen begannen sich wie zwei Schlangen zu umringen. Lyam übernahm mehr und mehr die Initiative, was Phenoma sehr recht war, dann konnte sie mehr Drachenenergie sammeln, bevor es zum Ausbruch kam. Irgendwann hatten sich dann ihre beiden Yonis gefunden und ließen sich nicht mehr los. Phenoma verlor schrittweise die Kontrolle. Ihr ganzer Körper war erfüllt von Lust, Lust auf diesen weiblichen Körper, der sich ihr hingab. Beide ließen sich jetzt Zeit. Nur um Nuancen wurden ihre Bewegungen schneller, Sekunde um Sekunde stieg die Temperatur. Phenoma wusste, dass jetzt auch ihre Haut rot zu leuchten begann, ausgehend von ihrem Schoß. Lyams Unterleib schluckte dieses Leuchten und sog es begierig in sich auf. Dann begann sie extatisch zu zittern. Sie kam. Sie schrie. In diesem Augenblick nahm Phenoma das ganze Ausmaß der alten weiblich-magischen Energie wahr, die sich in ihr versteckt hatte. Es dauerte nur wenige Augenblicke, dann war es von der Feuerkraft des Drachens ausgelöscht. Beide Frauen waren jetzt leuchtend rot, und sie wanden sich weiter in die Extase. Lyam hatte mehrere Orgasmen hintereinander, schüttelte sich und hätte fast um sich geschlagen, wenn Phenoma sie gelassen hätte. Aber sie lies sie nicht, sie umschloss sie und gab ihr, wonach sie verlangte.
Die Bettdecke färbte sich Schwarz von der Hitze. Es rauchte. Phenoma war unfähig darauf zu achten. Sie kam jetzt ebenfalls und stieß mit kleinen festen Stößen ihre Schoß in den Schoß von Lyam. Sie empfing. Bevor die Bettdecke richtig Feuer fangen konnte war es vorbei. Beide Frauen lagen erschöpft aufeinander, im Rauch der verschmorten Decke, die sich langsam wieder abkühlte. Das Rote verschwand aus Phenoma Augen, so wie es gekommen war. Bevor es ganz verschwunden war, sah sie Funken in Lyams Augen blitzen, und sie wusste, dass der Beginn des Prozesses geglückt war.

