Kitabı oku: «Drachenwispern», sayfa 3

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6

Schwerfällig und mit äußert schlechter Laune hob König Eldor das Haupt, als die beiden Torwachen in ihren prunkvollen goldenen Rüstungen die Tore zu seinem Thronsaal öffneten. Es war noch in den frühen Morgenstunden und es würde noch einige Zeit dauern, bis die Sonne den Horizont erklomm. Und zu eben dieser unwürdigen Zeit hatte man den Elfenkönig aus seinem Schlaf gerissen, wegen eines einfachen Gesandten, der der festen Überzeugung war, sein Anliegen erlaube keinen Aufschub. Doch dem König fiel es schwer, auch nur irgendetwas zu ersinnen, das es rechtfertigte, ihn aus seinem Schlaf zu reißen. Denn er war zwar inzwischen angekleidet und saß aufrecht auf seinem Thron, um den Gesandten zu empfangen, doch dafür musste er nun mit pochenden Kopfschmerzen kämpfen. Allerdings war er fest entschlossen, seinen Unmut an dem Störenfried auszulassen, denn er zweifelte keine Sekunde daran, wer ihn geschickt hatte. Nur eine Gruppe von missratenen Blendern war so dreist, es zu wagen, ihn zu dieser Zeit aufzusuchen. Und kaum dass der Gesandte in seinem braunen Umhang eintrat, bestätigte sich auch schon seine Befürchtung. Denn auf seiner Mantelschnalle glänzte deutlich erkennbar ein Wappen, zwei gekreuzte Schwerter vor einem sich aufbäumenden Drachen. Das Zeichen der Aquiron. Obwohl es schon fast ein Zeitalter her war, dass zuletzt ein Gesandter der Aquiron die heiligen Hallen der Elfen betreten hatten, hasste Eldor sie aus tiefstem Herzen. Denn in seinen Augen waren diese Bastarde viel zu respektlos gegenüber der Krone. So auch jetzt. Denn der Gesandte sank nicht etwa auf die Knie, wie es einem Mann seines Ranges vorgeschrieben war, sondern er begnügte sich mit einem kurzen Nicken. Wütend funkelte der König ihn an.

»Was wollen die Aquiron zu einer solchen Zeit von mir? Sprecht rasch!«, fauchte er den Gesandten unwirsch an.

Doch seine Worte erzielten nicht die gewünschte Wirkung, denn weder zuckte die Gestalt zusammen, noch wich sie zurück, im Gegenteil, sie trat bis auf wenige Schritte an den Thron heran, ehe sie langsam die Hand hob, um die Kapuze zurückzustreichen. Mit Genugtuung bemerkte Eldor die schrumpelige Haut mit den Altersflecken darauf und ein abschätziges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Doch der Anblick, der sich ihm bot, wischte das Lachen aus dem Gesicht und ersetzte es durch eine Maske des Entsetzens. Denn unter der Kapuze kam nicht etwa ein von Äonen gezeichneter Elf zum Vorschein, sondern ein Mensch! Direkt vor dem Elfenkönig stand ein alter Mann mit ungepflegtem, weißem Bart und kaum Haupthaar. Einen Moment lang verschlug der Schock Eldor die Sprache. Dann wallte unbändiger Zorn in ihm auf. Diesmal waren die Aquiron zu weit gegangen. Es war ein unverzeihlicher Frevel für einen Menschen, die Königshallen zu betreten und Eldor war klar, dass die Aquiron dies nur zu gut wussten und es sich um eine reine Provokation handelte, dass sie keinen Elf, sondern einen einfachen Menschen geschickt hatten.

»Wachen!«, kreischte er schrill und deutete mit dem Finger anklagend auf den Mann, »entfernt sofort diesen Frevler aus meinen Hallen! Sperrt ihn in eine sichere Zelle, aus der er nicht fliehen kann und richtet ihn mit den ersten Strahlen der Sonne hin!«

Die Torwächter reagierten augenblicklich und zogen ihre schlanken Schwerter, um den Mann von beiden Seiten in die Zange zu nehmen. Dieser rührte sich immer noch nicht von der Stelle, doch hob er nun abwehrend die Hände und riet leise, aber bestimmt: »Ihr tätet gut daran, Eure Schoßhunde zurückzurufen! Ihr wollt doch sicher nicht, dass Euer kostbarer Thronsaal mit dem Blute unschuldiger Elfen befleckt wird!«

Mehr als alles andere, was der Mann hätte tun können, entsetzte Eldor die unverhohlene Drohung. Normalerweise hätte er ihn auf der Stelle töten lassen, doch als der Mensch nun seinerseits ein Schwert aus der Scheide zog, welches zuvor sorgsam unter dem Mantel verborgen gewesen war, strahlte er eine solche Macht und Autorität aus, dass die Torwachen unsicher stehen blieben und zweifelnd zu ihrem König blickten. Widerwillig schluckte dieser seinen Zorn hinunter und bedeutete ihnen mit einer kurzen Handbewegung, zu ihren Posten zurückzukehren.

Der Mann nickte ihm zufrieden lächelnd zu.

»Eine weise Entscheidung, mein Herr.«, sprach er in gelassenem Ton, »sicher fragt Ihr Euch, was wohl der Grund für meinen Besuch ist.«

Es war mehr als offensichtlich, dass es sich hierbei um eine rein rhetorische Frage handelte, dennoch bekundete Eldor brummend seine Zustimmung.

»Nun«, fuhr der Mann fort, »wie Ihr sicherlich wisst, beschützen die Aquiron seit jeher die Grenzen Eures Landes vor den Mächten, die Eure gesamte Existenz gefährden. Und es ist Zeit, dass Ihr wieder einmal den Tribut entrichtet.« Bei diesen Worten zuckte der König ein klein wenig zusammen und er musste sich beherrschen, um nicht in schallendes Gelächter auszubrechen.

»Verzeiht meine Zweifel, Mensch, aber diese Mächte, von denen Ihr sprecht, ich glaube nicht, dass sie existieren. Zweifelsohne wandelten die Schattenwesen einst in unseren Gestaden, aber seit nunmehr dreihundert Jahren ist kein Drache mehr gesichtet worden und kein Riese zeigte sein Antlitz. Wenn Ihr mich fragt, klammert sich Eure Organisation an längst überholten Aberglauben, denn wenn es die Mächte, von denen Ihr sprecht, tatsächlich gäbe, so könnte doch ein Mensch wie Ihr niemals etwas gegen sie ausrichten! Die einzige reale Gefahr für mein Reich geht von den ständigen Übergriffen der Unholde aus, aber gegen diese weiß meine Armee sich durchaus zur Wehr zu setzen, wie Ihr an den hässlichen Fratzen auf den Palisaden im Grenzgebiet unschwer erkennen könnt«, entgegnete Eldor höhnisch.

Der Blick des Gesandten verfinsterte sich und als er den König drohend anfunkelte, glaubte dieser tatsächlich, von dem Blick durchbohrt zu werden, und sackte etwas in sich zusammen.

»Ob Ihr nun an die dunklen Mächte glaubt oder nicht, es ist mir einerlei!«, fauchte der Mann ihn an, »aber Ihr werdet Euren Teil des Vertrages erfüllen. Ihr schuldet uns einen jungen Soldaten, der noch nicht von Euren Intrigen vergiftet ist. In einem Zyklus komme ich wieder und dann erwarte ich, dass der Tribut gezahlt wird!«

Dann wandte er Eldor den Rücken zu, ehe dieser auf die Drohung reagieren konnte und marschierte erhobenen Hauptes aus der Halle. Als die Torflügel hinter ihm zuschlugen, sackte der König auf seinem Thron zusammen und fuhr sich mit der Hand durch das lange Haar. Er konnte die Aquiron nicht leiden, denn er glaubt tatsächlich, dass sie nur ihre Macht ausbauen wollten, um am Ende alle freien Reiche zu stürzen und selbst die Herrschaft an sich zu reißen. Doch ihm war auch bewusst, dass seine Armee nicht stark genug war, um ihn gegen diese Gemeinschaft zu verteidigen. Zu lange hatten die Aquiron ihre Streitkräfte ausgebaut. Zu lange ihre Macht gestärkt. Nun konnte sich selbst der Elfenkönig ihnen nicht mehr offen entgegenstellen und ihm war bewusst, dass er ihrer Forderung nachkommen musste, um sich selbst zu schützen. Denn ihm waren bereits Berichte aus anderen Ländern zu Ohren gekommen, laut denen Fürsten und selbst König von den Aquiron entmachtet und ersetzt worden waren, weil sie vertragsbrüchig geworden waren. Lange grübelte er über das Problem nach, bis sich nach und nach eine Lösung in seinem Kopf formte. Lächelnd gewann er etwas von seiner aufrechten Körperhaltung wieder. In genau zwei Zyklen, und damit zeitgleich mit der Rückkehr des Gesandten, sollten einige Rekruten vereidigt werden. Einen dieser Rekruten würde er opfern und zwingen, den Aquiron beizutreten. Er musste nur noch herausfinden, welcher am wenigsten Erfahrung hatte und am besten noch Verbindung zu den wenigen Rebellen in seinem Land. Vielleicht war ja ein Kind eines Verschwörers oder Eidbrechers unter ihnen. Indem er sich dieses Rekruten entledigte, wären den Aquiron die Hände gebunden, da er die Bedingungen des Vertrages eindeutig erfüllte, doch er würde gleichzeitig seine eigene Krone stärken, indem er einen Risikofaktor vernichtete. Alles, was er brauchte, war ein geeigneter Kandidat. Aber Eldor zweifelte nicht daran, dass sich einer finden würde. Und so konnte der Elfenkönig doch noch mit einem hinterlistigen Lächeln auf den Lippen in sein Schlafgemach zurückkehren und endlich seine wohlverdiente Ruhe genießen, nicht ohne vorher der Wache vor der Tür mit einem grausamen Tode zu drohen, falls sie ihn in dieser Nacht noch einmal, aus welchem Grund auch immer, stören würde.

7

Ungeduldig schritt Elynia vor dem Portal auf und ab. Die junge Elfe wartete schon seit geraumer Zeit hier, schon seit sie in den frühen Morgenstunden in ihrem Quartier erwacht war. Wie sonst auch, wenn sie nervös war, zwirbelte sie eine Strähne ihres langen Haares zwischen Daumen und Zeigefinger und roch unauffällig daran. Es roch frisch, nach blühenden Blumen, denn sie hatte es am Morgen extra mit Rosenwasser gewaschen. Immerhin war heute ihr großer Tag. Denn heute würde sie ihren Eid schwören und endlich ein vollwertiges Mitglied der Armee werden. Ein glückliches Lächeln erschien auf den Zügen der Elfe. Anfangs hatte sie versucht, ein Gespräch mit der Torwache zu führen, um sich die Zeit zu vertreiben, doch der Elf in seiner schillernden Rüstung hatte nur einsilbige Antworten auf ihre Fragen gegeben, daher hatte sie es nach einiger Zeit aufgegeben und tigerte nun stattdessen unter seinem prüfenden Blick auf und ab. Gerade als Elynia zum gefühlt tausendsten Mal zu ihm blickte, kam Bewegung in den Elf und er gab seinen strammen Stand auf, um das Tor ein kleines Stück zu öffnen. Hocherfreut wollte sie sich in den Thronsaal begeben, doch die Wache bedeutete ihr mit einem Kopfschütteln, dass das Tor für sie noch nicht offen war. Verwirrt und enttäuscht ließ sie die Schultern sinken und drehte sich weg, wodurch ihr Blick auf eine Gestalt in langem Kapuzenmantel fiel, die sich nun an ihr vorbei auf das Portal zubewegte. Als sie auf ihrer Höhe war, drehte die Gestalt leicht den Kopf und sah ihr direkt in die Augen, eine Bewegung, bei der der Kapuzenstoff verrutschte. Fasziniert sah sie in ein Paar alter, stahlgrauer Augen. Erst als die Gestalt den Blick wieder abwandte, löste sich der Bann von ihr und Elynia wurde mit einem Schrecken bewusst, dass es sich um einen Menschen handelte. Der Mann begab sich auf direktem Wege in den Thronsaal. Überrascht sah Elynia ihm nach und lauschte auf die wenigen Worte, die noch zu ihr getragen wurden, ehe die Torflügel sich wieder schlossen: »Ah, mein lieber Freund, ihr seid zurück! Und wie versprochen sollt Ihr auch erhalten, was unser Vertrag Euch zusichert!«

Verwundert fragte sie sich, wieso ein einfacher Mensch in den heiligen Hallen der Elfen so freundlich behandelt wurde, anstatt dass man ihn direkt hinrichtete, wie es sich gehörte.

»Das ist wohl wieder ein Schachzug in dem Ränkespiel der Mächtigen und Reichen, in das die einfache Bevölkerung absichtlich nicht eingebunden ist«, entschied sie dann gleichgültig.

Allerdings behielt sie diese Gedanken für sich, denn sie wusste, dass jeder Affront gegen die Obrigkeit hart bestraft wurde. Denn so edel die Elfen sich nach außen hin geben mochten, so eitel und eisern waren sie unter ihresgleichen. Jeder, der ein Gesetz brach, wurde von der Hofgarde in die Türme der Vergebung, einem Bauwerk in einem entlegenen Waldstück, gebracht. Dort erhielt man dann seine Strafe, fernab von den schillernden Straßen der Städte. Dennoch hielt sie dieses Verfahren nicht für grausam, denn Elynia war klar, dass es eine Obrigkeit geben musste, damit Recht und Ordnung aufrechterhalten werden konnten. Und das Wissen um die Konsequenz, wenn man sich gegen das System auflehnte, war ebenfalls von positiver Natur, denn es half der Bevölkerung, zu ihrer eigenen Vollendung zu gelangen. Für sie stand außer Zweifel, dass ein wahrhaft edler Elf sich an jegliche Regeln des Anstands und der Höflichkeit hielt, wozu zweifelsohne das Befolgen der Gesetze zählte. Und wer das hehre Ziel der Perfektionierung eines ganzen Volkes verfolgte, der musste eben jene wenigen entfernen, die vom rechten Pfad abgekommen waren. Geringe Opfer zum Wohle der Allgemeinheit zählten schließlich zum normalen Lauf der Natur. Plötzlich riss die Torwache sie aus ihrer Überlegung.

»Rekrut!«, bellte der Soldat sie an, »es sind nun alle Vorbereitungen für die Zeremonie getroffen. Wappne dich!« Mit einem Mal hatte sie einen Kloß im Hals und musste schwer schlucken, aber dann nickte sie und straffte die Schultern. Der Wächter musterte sie scharf und wirkte zufrieden, erst dann klopfte er mit dem Schaftende seiner Hellebarde zweimal laut gegen das Portal. Wie von Geisterhand schwangen beide Torflügel gleichzeitig auf, ohne das leiseste Knarren. Zum ersten Mal in ihrem Leben erblickte Elynia die Pracht des Thronsaales. Zu beiden Seiten des Portals erstreckten sich kunstvolle Säulen, bis vor zum Kopfende. Dazwischen erhoben sich ehrwürdig die mächtigen Statuen der vorangegangen Elfenkönige. Am Kopfende des Saales befanden sich nur drei Stühle. Einer, auf dem der engste Berater des Königs saß, einer, gearbeitet aus glänzendem Silber, der für die Gattin des Königs war. Dieser war leer. Und in der Mitte der goldene Thron des Königs, auf dem der Herrscher Eldor persönlich thronte und ihr mit strengen Augen entgegenblickte. Als die Fanfaren der Trompeten einsetzten, kam auch in Elynia Bewegung. Langsam setzte sie einen Fuß vor den andern und näherte sich mit gemessenem Schritt dem König. Dabei hatte sie das Gefühl, dass die Blicke der Statuen streng auf ihr lasteten und sie kam sich plötzlich klein und unwichtig vor. Sie erreichte den Fuß der Treppe, die zu der Erhebung mit dem Thron führte, und sank auf die Knie. Die Fanfaren verstummten, als sie den Kopf ehrerbietig senkte. Elynia schloss kurz die Augen, dann sprach sie ohne zu zögern und mit fester Stimme den Eid, wie es seit Jahren festgeschrieben war.

»Mein Schwert, um den König zu dienen. Um den Boden mit dem Blute der Feinde unseres Volkes zu tränken und den Befehlen meines Königs Folge zu leisten. Mein Fleisch soll teilwerden der königlichen Armee. Nehmt meinen Schwur an. Verfügt über mich.«

Sie verstummte und Stille senkte sich über den Saal. Unsicher hob Elynia den Kopf und sah zum König auf. Dieser hatte sich lächelnd erhoben und ließ sich von seinem Berater ein Schwert reichen, welches er dann auf den Handflächen die Stufen hinabtrug und hinter Elynia trat.

»Rekrut, Ihr habt einen Eid geleistet. Solltet Ihr in jemals brechen, ist der Tod allein die Strafe. Nun erhebt Euch als ein Ritter des Königs!«

Dann berührte er ihre Schulter mit der Schwertspitze und bedeutete ihr aufzustehen. Leicht bebend erhob sie sich und nahm die Klinge entgegen. Derweil wandte sich der König an die Anwesenden.

»Heute ist ein besonderer Tag. Zum ersten Mal in unserer Geschichte hat ein weiblicher Rekrut, eine Rekrutin, ihren Eid geschworen. Doch damit noch nicht genug. Sie wird noch heute mit einem besonderen Auftrag betraut.« Überrascht sah Elynia auf und blickte in die grauen Augen des Menschen, der sie in unbändigem Zorn anstarrte, mit einem Ausdruck, der ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. Doch der König schien davon unbeeindruckt, denn er fuhr feierlich fort: »Sie wird nicht in den Verband unserer Armee eintreten, sondern unsere Grenzen an anderer Stelle schützen. Als Mitglied der Aquiron.«

Sie traute ihren Ohren nicht, als sie die Worte vernahm. Doch noch ehe sie etwas sagen konnte, ertönte plötzlich ein kaltes schallendes Lachen, welches sie zusammenzucken ließ. Verwirrt blickte sie sich um und sah den Menschen, der sich vor Lachen bog.

»Majestät belieben zu scherzen!«, rief er in spöttischem Ton durch den Saal.

Gespannt verfolgte Elynia das weitere Geschehen. Der König hatte die Augenbrauen hochgezogen und tat unschuldig, als er antwortete: »Die Aquiron verlangten nach einem Rekruten und sie bekommen einen.«

Nun richtete sich der Mensch zu seiner vollen Größe auf und seine Augen richteten sich drohend auf den Elfenherrscher, ehe er leise erwiderte: »Sehr wohl, einen Rekruten! Und nicht eine schwache Elfe.«

Das Lächeln auf den Zügen König Eldors wurde noch breiter. Süffisant erklärte er: »Ihr selbst seid Zeuge, dass sie ihren Eid geleistet hat. Sie ist ein Rekrut wie jeder andere. Und kämpfen in den Reihen der Menschen nicht schon seit etlichen Jahren auch weibliche Krieger? Nahmt ihr nicht sogar Menschenfrauen bei euch auf?«

Da der Mensch nicht antwortete, schätzte Elynia, dass die Worte stimmten.

»Oder wollt Ihr etwa sagen, dass eine Elfe weniger wert ist, als eine Menschenfrau?«, setzte der König drohend nach.

Kurz glaubte sie, dass der Mensch eine Waffe ziehen und auf den Elfenherrscher losgehen würde, doch nachdem er den König schier endlos hasserfüllt angestarrt hatte, senkte er den Blick und bekundete: »Die Aquiron nehmen Euren Tribut mit Freuden an«, dann richteten sich seine unerbittlichen Augen auf Elynia. »Pack deine Sachen, wir brechen im Morgengrauen auf!«

Danach verließ er mit wehendem Umhang den Saal, ohne dem König die gebührende Ehre entgegenzubringen oder noch einen der Anwesenden eines Blickes zu würdigen. Unsicher sah Elynia zum König, doch dieser bedeutete ihr mit einem Nicken, dass sie entlassen war. Wie in Trance verließ sie den Saal, ihr neues Schwert so fest umklammert, dass ihre Knöchel weiß wurden. Kaum hatte sie die forschenden Blicke der Wachen hinter sich gelassen, kauerte sie sich in eine dunkle Nische und hielt die Tränen nicht mehr zurück, die ihr nun hemmungslos übers Gesicht liefen. Sie wusste nicht mehr, ob sie sich freuen sollte oder nicht. Denn es galt gemeinhin als große Ehre, den Aquiron beitreten zu dürfen und es stand außer Frage, dass sie ihrem Reich dort einen großen Dienst erweisen konnte, aber es entsprach nicht dem, was sie sich vorgestellt hatte. Nun würde sie niemals eine Soldatin im königlichen Heer werden. Doch schon nach kurzer Zeit erhob sie sich wild entschlossen und ihre Tränen versiegten. Sie war eine treue Untertanin des Königs, daran konnte niemand etwas ändern. Und wenn es sein Wunsch war, dass sie sich den Aquiron anschloss, so tat es nichts zur Sache, wie sie sich dabei fühlte. Denn auch wenn sie kein Teil der Armee werden sollte, so hatte sie doch das Schwert von ihm erhalten. Sie war eine Kriegerin und würde ihren Befehl ohne Fehl und Tadel ausführen. Denn sie war nur ein kleiner Baustein im gigantischen System der Elfen und würde sich diesem System fügen. Sie gehörte nicht zu jenen, die in die Türme des Vergebens gebracht werden musste. Sie kannte ihre Pflichten nur allzu gut. Diese Überzeugung half Elynia, ihr Schicksal zu akzeptieren und sie schlug den Weg zu ihrem Quartier ein, um ihre wenigen Habseligkeiten zusammenzuklauben, damit sie sich für das Bevorstehende rüsten konnte.

8

Sie waren die ganze Nacht hindurch geritten und noch den Großteil des darauf folgenden Tages, erst dann waren sie sicher gewesen, genug Weg zwischen sich und Wackenstein gebracht zu haben, um außerhalb des Suchradius der möglichen Verfolger zu sein. Nun saß Ardun der Elfe gegenüber an einem kleinen Feuer und betrachtete wehleidig seine Beine. Er war noch nie zuvor wirklich auf einem Pferd geritten und nun, nach dem langen Ritt, waren seine Unterschenkel und Waden wundgescheuert und brannten fürchterlich.

»Hier, iss das!«

Misstrauisch nahm er die bräunlichen Blätter entgegen, die Lian ihm hinhielt. Als er vorsichtig daran roch, stieg ihm ein bitterer Geruch in die Nase und er verzog unwillig das Gesicht.

»Wozu soll das gut sein?«, verlangte er zu wissen.

Die Elfe seufzte schwer und beschwerte sich: »Wenn du mich weiter so mit Fragen löcherst, dann lasse ich dich hier zurück!«

Allerdings fiel Ardun auf, dass sie bei diesen Worten ein kleines Lächeln nicht verbergen konnte und glaubte, dass sie im Scherz gesprochen hatte. Diese Erkenntnis munterte ihn ein wenig auf, denn er hatte schon befürchtet, die Elfe kenne nur Ernsthaftigkeit. Tatsächlich schien er mit seiner neuen Einschätzung recht zu behalten, denn sie fuhr trotz ihrer Beschwerde erklärend fort: »Das sind Blätter des Aszig, einer Bluteibe.«

Erschrocken hielt Ardun die Blätter von sich weg. In den Wäldern um Wackenstein gab es auch einige Bluteiben, weshalb man schon den kleinen Kindern einbläute, dass sie nichts von diesen Bäumen in den Mund nehmen sollten, da sie allesamt giftig waren. Lian schien seine Gedanken zu erraten, denn sie machte eine auffordernde Handbewegung und sagte: »Keine Sorge, dass wirklich gefährliche Gift ist nur in den Stängeln enthalten. Die Blätter hingegen sind eine wirkungsvolle Droge, welche von fast allen Heilern verwendet wird, da sie deine Sinne benebelt und so dein Schmerzempfinden senkt.«

Ardun nickte nachdenklich. Es schien ihm nicht unwahrscheinlich, dass man die Pflanze auch auf solch positive Art und Weise nutzen konnte. Allerdings erklärte dies noch nicht, weshalb er sie kauen sollt.

»Deine Worte mögen stimmen, aber warum soll ich mich freiwillig in einen Rausch versetzen?«, gab er daher zu bedenken.

Die Elfe lächelte, dann deutete sie auf seinen rechten Arm.

»Der Arm ist gebrochen, ich muss ihn wieder einrenken und den Knochen in eine gerade Position bringen, bevor ich ihn schienen kann, damit er später wieder ordentlich verheilt.« Ardun verzog das Gesicht bei dem Gedanken an das Kommende, aber ihm blieb keine andere Wahl, als die Blätter gehorsam in den Mund zu stecken und gründlich zu kauen. Sie waren noch bitterer, als er auf Grund des Geruchs befürchtet hatte, und der Geschmack verschwand auch nicht, als er die Blätter schluckte. Abwartend sah er zu Lian, doch er hatte nicht das Gefühl, als habe sich sein Schmerzempfinden verändert. Im Gegenteil, seine Beine brannten genauso schlimm wie vorher und auch sein Arm jagte eine Schmerzwelle nach der anderen durch seinen Körper. Die Zeit verstrich in Schweigen, bis Ardun schließlich beschloss, dass sie lange genug gewartet hatten, Eigentlich wollte er sagen: »Vielleicht waren die Blätter ja schon zu alt, denn ich verspüre keinen Unterschied«, aber mit einem Mal war die Zunge ihm schwer und er brachte nur ein undeutliches Lallen heraus. Wie aus dem Nichts hatte ihn die Wirkung mit voller Wucht getroffen und er hörte nur noch wie durch Watte die Worte der Elfe: »Es hat also begonnen zu wirken. Dann mache ich mich mal ans Werk.«

Verschwommen nahm Ardun wahr, wie sie um das Feuer herum kam und sich neben ihn kniete. Doch trotz seines benebelten Verstandes spürte er die Schmerzen, als sie seinen Arm packte. Zwar war die Qual viel geringer als zuvor, doch als sie nun plötzlich mit einem Ruck den Arm wieder in seine ursprüngliche Position bugsierte, hatte er das Gefühl, als durchbohre ein Dolch seinen Kopf und er stöhnte schmerzerfüllt auf, während er es gerade noch schaffte, sich zur Seite zu drehen, ehe sein Magen rebellierte und er sich erbrach. Dann wurde ihm schwarz vor Augen.

Als seine Sinne langsam zurückkehrten, merkte Ardun als Erstes, dass er sich nicht mehr so erschöpft fühlte wie zuvor. Außerdem schmerzte sein Arm nicht mehr so entsetzlich, sondern fühlte sich eher taub an. Vorsichtig bewegte er ihn hin und her und stellte mit Erleichterung fest, dass ihm dies keine Qualen bereitete. Erst jetzt schlug er die Augen auf. Am Himmel standen inzwischen einige Sterne, doch es war noch immer ein heller Streif am Horizont zu erkennen. Seine Augen wanderten zu seinem Arm und er erblickte eine provisorische Schiene aus Stöcken und geflochtenen Kletterpflanzen. Sie stabilisierte seinen Arm während seiner Bewegungen und fühlte sich dennoch nicht unangenehm an. Anerkennend nickte er Lian zu. Diese lächelte nur stumm und reichte ihm etwas Brot und Wasser.

»Das wird dir guttun«, prophezeite sie.

Daran zweifelte er keine Sekunde und biss herzhaft von dem Brot ab und befeuchtete seine Kehle mit dem Wasser. Dann erst eröffnete er ein neues Gespräch.

»Wie lange war ich … bewusstlos?«, fragte er zögerlich, da er sich für seine Schwäche schämte.

»Nicht lange. Es ist nur wenig Zeit vergangen. Es brennen immer noch die ersten Scheite im Feuer«, antwortete die Elfe ihm bereitwillig.

Ardun nickte kommentarlos. Dann zog er nachdenklich die Krummklinge, welche er bei der Flucht mitgenommen hatte und betrachtete die Spiegelung der tanzenden Flammen auf dem Metall. Er bemerkte den Blick Lians, welche ihn aufmerksam beobachtete und legte die Waffe mit einem Schulterzucken zur Seite.

»Kannst du mit dem Schwert umgehen?«, fragte ihn die Elfe und ihre Augen hatten plötzlich einen ernsten Ausdruck angenommen.

Ardun musste nicht lange überlegen und schüttelte den Kopf, ehe er hastig erklärend hinzufügte: »Manchmal musste ich dem Fürstensohn als Sparringpartner dienen, wenn er seine Schwertkampfstunden absolvierte, aber ich habe nie gelernt, mit solch einer Waffe umzugehen. Ich war wohl immer eher dazu gedacht, um ein Exempel zu statuieren. Ein Prügelknabe.«

Die Elfe nickte, die Stirn in tiefe Falten gelegt.

»Das ist schlecht«, murmelte sie so leise, dass er sich nicht sicher war, ob die Worte für ihn bestimmt waren oder nicht. Doch dann richtete Lian sich wieder direkt mit einer Frage an ihn: »Kämpfst du mit rechts oder links?«

»Rechts«, antwortete Ardun sofort.

Er war mit links so ungeschickt, wie es ein Stallbursche es in der Küche war. Er bemerkte, wie seine Worte ein Lächeln auf das Gesicht der Elfe zauberten, bei dem es ihm eiskalt den Rücken hinunterlief. Diesen Gesichtsausdruck hatte er schon häufig bei Erwachsenen gesehen, wenn sie etwas planten. Und er glaubte nicht, dass sich Elfen und Menschen da unterschieden. Tatsächlich weihte Lian ihn auch sogleich in ihre Idee ein.

»Dann ist das hier eine perfekte Gelegenheit!«, eröffnete sie ihm, »der Weg bis zum Hauptquartier der Aquiron ist weit und gefährlich, daher ist es wichtig, dass du dich selbst verteidigen kannst. Du magst zwar deinen rechten Arm gerade nicht gebrauchen können, aber dafür werde ich dich lehren mit links eine Waffe zu führen.«

Begeistert nickte Ardun. Er war begierig darauf, das Kämpfen zu lernen und so in einer Notsituation nicht mehr auf andere angewiesen zu sein. Dennoch störte ihn eine Sache an der Aussage der Elfe.

»Warum ist der Weg so gefährlich?«, hakte er vorsichtig nach.

Lians Blick war undurchdringlich, als sie entgegnete: »In diesen Zeiten ist das Wandern immer unsicher. Wegelagerer könnten uns auflauern oder wilde Tiere uns anfallen. Es kann immer viel passieren, wenn man lange Strecken unterwegs ist.«

Das war wohl Grund genug, um das Kämpfen zu erlernen, doch Ardun hatte das Gefühl, dass sich noch mehr hinter ihren Worten verbarg und so sah er sie weiter erwartungsvoll an. Seufzend gab Lian nach.

»Dass die Jugend von heute nicht einmal mit einer Antwort zufrieden sein kann!«, grummelte sie, »na schön, du hast sowieso ein Anrecht darauf, es zu erfahren. Nicht alle sind den Aquiron freundlich gesinnt. Viele halten uns für Kriminelle, die ihre Macht durch Lug und Trug ausbauen wollen. Allen voran gibt es eine Vereinigung, die sich der schwarze Zirkel nennt. Seine Mitglieder versuchen, uns aufzulauern, wenn wir die neuen Rekruten nach Celion bringen. Sie töten alle Anwärter, die sie in die Finger bekommen, um uns zu schwächen.«

Stirnrunzelnd dachte Ardun über diese Worte nach. Wieder fragte er sich, was das wohl für eine Organisation sein sollte, der er sich anzuschließen im Begriff war. Aber Lian schien nicht gewillt, ihm diese Frage zu beantworten. Aber vielleicht konnte er wenigstens etwas mehr über diesen Zirkel in Erfahrung bringen.

»Was hat der Zirkel gegen euch?«

Die Elfe schüttelte nur den Kopf und wiegelte ab: »Um das zu beantworten, muss man tief in die Geschichte dieser Welt eintauchen. Das wirst du alles während deines Studiums in Celion erfahren, doch ich bin nicht gut darin, das Gewesene zu lehren. Umso besser aber bin ich in der Unterweisung der Kampfkünste. Zunächst aber müssen wir uns fragen, welche Waffe wohl die richtige für dich ist.«

Ardun bemerkte wohl, dass sie versuchte, das Thema zu wechseln, doch die Vorfreude auf das Kampftraining bewog ihn dazu, es vorerst dabei zu belassen. Lange dachte er über ihre Frage nach. Er hatte noch nie mit etwas anderem als einem hölzernen Übungsschwert gefochten und wusste nicht, was er antworten wollte.

»Steh auf und nimm einmal das Krummschwert in die Hand«, empfahl ihm Lian, die sein Zögern bemerkte.

Ardun tat, wie ihm geheißen wurde und er hielt die Waffe vor sich, ganz so, als wolle er sich gegen einen Angreifer zu Wehr setzen. Die Klinge lag so schwer in seiner Hand, dass er sie schon bald wieder runternehmen musste. Unsicher sah er zu der Elfe. Diese wiegte nachdenklich den Kopf, ehe sie ihn ablehnend schüttelte und ihm bedeutete, sich wieder zu setzen.

»Eine Waffe muss wie die Verlängerung deines Armes sein«, erklärte sie, »du machst aber auf mich nicht den Eindruck, als würdest du einen Kampf mit einem einzigen verheerenden Schlag beenden. Ein Langschwert oder gar eine Axt fallen für dich also aus. Ich denke, dass deine Stärke eher in der Schnelligkeit liegt. Daher solltest du es einmal mit einem dünnen, langen Dolch versuchen. Er liegt sehr viel leichter in der Hand und erlaubt dir mehr Beweglichkeit.«

Ardun nickte zustimmend. Rohe Kraft hatte ihm noch nie gelegen und somit leuchteten ihre Worte ihm ein, aber es gab einen Haken. Sie hatten keinen entsprechenden Dolch. Er machte Lian auf dieses Problem aufmerksam. Doch die Elfe lächelte ihn schelmisch an.

»Ich habe dir doch gesagt, dass wir jene mit einer gewissen Veranlagung aufnehmen«, erinnerte sie ihn, »genauer wäre es wohl gewesen zu sagen, jene mit der Gabe, die Geheimnisse der Magie zu ergründen. Dabei gibt es einige wenige Klassen, denen ein Magier angehören kann. Den Elementen. Manche beherrschen Feuer, andere Wasser, Luft oder Erde. Und manche auch den Geist. Innerhalb dieser Klassen gibt es natürlich noch etliche Spezialisierungen und Unterklassifizierungen. So kann ein Wassermagier einfach das übliche Wasser beherrschen, andere jedoch können Eismagie einsetzen oder auch den Zustand des Wassers verändern. Meine Fähigkeiten gehören zu dem zuletzt Genannten. Wenn ich das Wasser betrachte, sehe ich die Verbindungen, in denen es vorkommt und erkenne die unzähligen Möglichkeiten, wie es genutzt werden kann. So konnte ich eine diamantähnliche Legierung erschaffen, aus der sich Waffen formen lassen, die härter als Stahl sind. Denn ich bin eine Schmiedin.«

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