Kitabı oku: «Gesammelte Gedichte (851 Titel in einem Buch)»

Yazı tipi:

Christian Morgenstern

Gesammelte Gedichte (851 Titel in einem Buch)


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musaicumbooks@okpublishing.info

2017 OK Publishing

ISBN 978-80-272-0342-0

Inhaltsverzeichnis

In Phanta’s Schloß

Auf vielen Wegen

Horatius Travestitus

Ich und die Welt

Ein Sommer

Und aber ründet sich ein Kranz

Alle Galgenlieder:

Galgenlieder

Palmström

Palma Kunkel

Der Gingganz

Zeitgedichte

Melancholie

Osterbuch

Einkehr

Ich und Du

Wir fanden einen Pfad

Stufen - Eine Entwickelung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen

In Phanta’s Schloß

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

PROLOG

AUFFAHRT

IM TRAUM

PHANTA'S SCHLOSS

SONNENAUFGANG

WOLKENSPIELE

SONNENUNTERGANG

HOMO IMPERATOR

KOSMOGONIE

DAS HOHELIED

ZWISCHEN WEINEN UND LACHEN

IM TANN

DER ZERTRÜMMERTE SPIEGEL

DAS KREUZ

DIE VERSUCHUNG

DER NACHTWANDLER

ANDRE ZEITEN, ANDRE DRACHEN

DIE WEIDE AM BACHE

ABENDDÄMMERUNG

AUGUSTNACHT

MÄDCHENTRÄNEN

LANDREGEN

DER BELEIDIGTE PAN

MONDAUFGANG

MONDBILDER

ERSTER SCHNEE

TALFAHRT

EPILOG

DEM GEISTE FRIEDRICH NIETZSCHES

Sei's gegeben, wie's mich packte,

mocht es oft auch in vertrackte

Bildungen zusammenschiessen!

Kritisiert es streng und scharf, –

doch wenn ich Euch raten darf:

Habt auch Unschuld zum Geniessen!

PROLOG

Inhaltsverzeichnis

Längst Gesagtes wieder sagen,

hab ich endlich gründlich satt.

Neue Sterne! Neues Wagen!

Fahre wohl, du alte Stadt,

drin mit dürren Binsendächern

alte Traumbaracken stehn,

draus kokett mit schwarzen Fächern

meine Wunden Abschied wehn.

Kirchturm mit dem Tränenzwiebel,

als vielsagendem Symbol,

Holperpflaster, Dämmergiebel,

Wehmutskneipen, fahret wohl!

Hoch in einsam-heitren Stillen

gründ ich mir ein eignes Heim,

ganz nach eignem Witz und Willen,

ohne Balken, Brett und Leim.

Rings um Sonnenstrahlgerüste

wallend Nebeltuch gespannt,

auf die All-gewölbten Brüste

kühner Gipfel hingebannt.

Schlafgemach –: mit Sterngoldscheibchen

der Tapete Blau besprengt,

und darin als Leuchterweibchen

Frau Selene aufgehängt.

Längst Gesagtes wieder sagen,

Ach! ich hab es gründlich satt.

Phanta's Rosse vor den Wagen!

Fackeln in die alte Stadt!

Wie die Häuser lichterlohen,

wie es kracht und raucht und stürzt!

Auf, mein Herz! Empor zum frohen

Aether, tänzergleich geschürzt!

Schönheit-Sonnensegen, Freiheit-

Odem, goldfruchtschwere Kraft,

ist die heilige Kräftedreiheit,

die aus Nichts das Ewige schafft.

AUFFAHRT

Inhaltsverzeichnis

Blutroter Dampf ..

Rossegestampf ..

»Keine Scenen gemacht!

Es harren

und scharren

die Rosse der Nacht.«

Ein lautloser Schatte,

über Wiese und Matte

empor durch den Tann,

das Geistergespann ..

Auf hartem Granit

der fliegende Huf ..

Fallender Wasser

anhebender Ruf ..

Kältendes Hauchen ..

Wir tauchen

in neblige Dämpfe ..

Donnernde Kämpfe

stürzender Wogen

um uns.

Da hinauf

der Hufe Horn!

In die stäubende Schwemme,

hoch über den Zorn

sich sträubender Kämme

empor, empor!

Aus klaffenden Wunden

speit der Berg

sein Blut gegen euch.

Mit Wellenhunden

fällt euch an

der Hass der Höhe

wider das Tal.

Aber ihr fliegt,

blutbespritzt,

unbesiegt,

empor, empor.

Vor euch noch Farben

verzuckenden Lebens,

auf grünlichem Grau

verrötender Schaum;

hinter euch

Schwarz und Silber,

die Farben des Todes.

Ein Schleier,

an eure Mähnen geknüpft,

schleppt

geisterhaft nach.

Wie ein Busentuch

zieht ihr hinauf ihn

über des Bergs

zerrissene Brust.

Müde sprang sich

der Sturzbach.

Nur mit den Lippen

wehrt er sich noch.

Und bald

wird er zum Kind

und hängt sich selber

spielend an eure Schweife.

Weiter! weiter!

Da!

Winkende Gipfel

im Sicheldämmer!

Langsamer traben

die Rosse der Nacht.

Heilige Sterne

grüssen mich traut.

Ewige Weiten

atmen mich an.

Langsamer traben

die Rosse der Nacht,

gehen,

zögern,

stehen still.

Alles liegt nun

florumwoben.

Schlaf umschmiegt nun

Unten, Oben.

Nur die fernen

Fälle toben.

Leise Geisterhände

tragen

mich vom Wagen

in des Schlummers

Traumgelände.

Aller Notdurft,

alles Kummers

ganz befreit,

fühle ich ein höhres Sein

mich durchweben.

Wird die tiefe Einsamkeit

mir auf alles Antwort geben?

IM TRAUM

Inhaltsverzeichnis

Wer möcht am trägen Stoffe kleben,

dem Fittich ward zu Weltenflug!

Ich lobe mir den süssen Trug,

das heitre Spiel mit Welt und Leben.

In tausend Buntgewande steck ich,

was geistig, leiblich mich umschwebt;

in jedem Ding mich selbst entdeck ich:

nur der lebt Sich, der also lebt.

Mir ist, ich sei emporgestürmt

über stürzende Wasserfälle.

Mir engt's die Brust, um mich getürmt

ahn ich schützende Nebelwälle.

Aus dumpfen Regionen,

aus Welten von Zwergen,

trieb's mich fort,

ob auf ragenden Bergen

ein besserer Ort

dem Freien, zu wohnen.

Es weht mir um die Stirne

ein Hauch wie von Frauengewand ..

Folgte zum steilen Firne

mir wer aus dem Unterland?

Es beugt sich zu mir nieder

ein liebes, schönes Gesicht ..

Glaubst Du, ich kenne Dich nicht,

Sängerin meiner Lieder?

Du bist ja, wo ich bin,

mein bester Kamerade!

Bei Dir trifft mich kein Schade,

meine Herzenskönigin!

»Du flohest aus Finsternissen,

mühsamen Mutes,

ich weiss es.

Du hast zerrissen

Dein Herz, Dein heisses,

und bei dem Leuchten Deines Blutes

bist Du den dunklen Pfad

weiter getreten,

bis Du mich fandest

und mit tiefen Gebeten

mich an Dich bandest,

dass ich Dich liebgewann,

dem ringenden Mann

ein treuer Kamerad.

Du brachst uralte Ketten

und kamst heute Nacht

in mein Reich.

Ich will Dich betten

an meiner Brust

warm und weich,

in Träumepracht

deine Seele verzücken:

der ganzen Welt

Aussen und Innen

sei Deinem Sinnen

preisgestellt.

Magst sie schmücken

mit lachender Lust,

magst sie tausendfach

deuten und taufen,

mit Berg und Wald,

mit Wiese und Bach,

mit Wolken und Winden,

mit Sternenhaufen

Dein Spiel treiben,

Deinen Spass finden;

brauchst nicht zu bleiben

an einem Ort;

magst die Welt

bis zu Ende laufen;

denn Hier oder Dort,

wo Du auch seist,

wo sich das Himmelszelt

über die Erde spannt:

das sei Deinem Geist

Phanta's Schloss genannt.«

Schneller strömt des Blutes Fluss,

Wonne mich durchschauert,

auf meinen Lippen dauert

sekundenlang Dein süsser Kuss.

Nun nimm mich ganz, und trage

mein Fragen mit Geduld!

Für alles, was ich nun sage,

trägst Du fortan die Schuld.

PHANTA'S SCHLOSS

Inhaltsverzeichnis

Die Augenlider schlag ich auf.

Ich hab so gross und schön geträumt,

dass noch mein Blick in seinem Lauf

als wie ein müder Wandrer säumt.

Schon werden fern im gelben Ost

die Sonnenrosse aufgezäumt.

Von ihren Mähnen fliessen Feuer,

und Feuer stiebt von ihrem Huf.

Hinab zur Ebne kriecht der Frost.

Und von der Berge Hochgemäuer

ertönt der Aare Morgenruf.

Nun wach ich ganz. Vor meiner Schau

erwölbt azurn sich ein Palast.

Es bleicht der Felsenfliesen Grau

und lädt den Purpur sich zu Gast.

Des Quellgeäders dumpfes Blau

verblitzt in heitren Silberglast.

Und langsam taucht aus fahler Nacht

der Ebnen bunte Teppichpracht.

All dies mein Lehn aus Phanta's Hand!

Ein König ich ob Meer und Land,

ob Wolkenraum, ob Firmament!

Ein Gott, des Reich nicht Grenze kennt.

Dies alles mein! Wohin ich schreite,

begrüsst mich dienend die Natur:

ein Nymphenheer gebiert die Flur

aus ihrem Schoss mir zum Geleite;

und Götter steigen aus der Weite

des Alls herab auf meine Spur.

Das mächtigste, das feinste Klingen

entlauscht dem Erdenrund mein Ohr.

Es hört die Meere donnernd springen

den felsgekränzten Strand empor,

es hört der Menschenstimmen Chor

und hört der Vögel helles Singen,

der Quellen schüchternen Tenor,

der Wälder Bass, der Glocken Schwingen.

Das ist das grosse Tafellied

in Phanta's Schloss, die Mittagsweise.

Vom Fugenwerk der Sphären-Kreise

zwar freilich nur ein kleinstes Glied.

Erst wenn mit breiten Nebelstreifen

des Abends Hand die Welt verhängt

und meiner Sinne masslos Schweifen

in engere Bezirke zwängt –

wenn sich die Dämmerungen schürzen

zum wallenden Gewand der Nacht

und aus der Himmel Kraterschacht

Legionen Strahlenströme stürzen –

wenn die Gefilde heilig stumm,

und alles Sein ein tiefer Friede –

dann erst erbebt vom Weltenliede,

vom Sphärenklang mein Heiligtum.

Auf Silberwellen kommt gegangen

unsagbar süsse Harmonie,

in eine Weise eingefangen,

unendlichfache Melodie.

Dem scheidet irdisches Verlangen,

der solcher Schönheit bog das Knie.

Ein Tänzer, wiegt sich, ohne Bangen,

sein Geist in seliger Eurythmie.

Oh seltsam Schloss! bald kuppelprächtig

gewölbt aus klarem Aetherblau;

bald ein aus Quadern, nebelnächtig,

um Bergeshaupt getürmter Bau;

bald ein von Silberampeldämmer

des Monds durchwobnes Schlafgemach;

und bald ein Dom, von dessen Dach

durch bleiche Weihrauch-Wolkenlämmer

Sternmuster funkeln, tausendfach!

Das stille Haupt in Phanta's Schosse,

er wart ich träumend Mitternacht: –

da hat der Sturm mit rauhem Stosse

die Kuppelfenster zugekracht.

Kristallner Hagel glitzert nieder,

die Wolken falten sich zum Zelt.

Und Geisterhand entrückt mich wieder

hinüber in des Schlummers Welt.

SONNENAUFGANG

Inhaltsverzeichnis

Wer dich einmal sah

vom Söller des Hochgebirgs,

am Saum der Lande

emporsteigen,

aus schwarzem Waldschooss

emporgeboren,

oder purpurnen Meeren

dich leicht entwiegend –

wer dich einmal sah

die bräutliche Erde

aufküssen

aus Morgenträumen,

bis sie, von deiner Schwüre

Flammenodem

heiss errötend,

dir entgegenblühte,

in der zitternden Scham,

in dem ahnenden Jubel

jungfräulicher Liebe –

der breitet die Arme

nach dir aus,

dem lösest die Seele du

in Seufzer

tiefer Ergriffenheit,

oh, der betet dich an,

wenn beten heisst:

zu deiner lebenschaffenden

Glutenliebe

ein Ja und Amen jauchzen –

wenn beten heisst:

in den Aetherwellen des Alls

bewusst mitschwingen,

eins mit der Ewigkeit,

leibvergessen, zeitlos,

in sich der Ewigkeit

flutende Akkorde –

wenn beten heisst:

stumm werden

in Dankesarmut,

wortlos

sich segnen lassen,

nur Empfangender,

nur Geliebter ...

Wer dich einmal sah

vom Söller des Hochgebirgs!

WOLKENSPIELE

Inhaltsverzeichnis

I

Eine grosse schwarze Katze

schleicht über den Himmel.

Zuweilen

krümmt sie sich zornig auf.

Dann wieder

streckt sie sich lang,

lauernd,

sprungharrend.

Ob ihr die Sonne wohl,

die fern im West

langsam sich fortstiehlt,

ein bunter Vogel dünkt?

Ein purpurner Kolibri,

oder gar

ein schimmernder Papagei?

Lüstern dehnt sie sich

lang und länger,

und Phosphorgeleucht

zuckt breit

über das dunkle Fell

der gierzitternden Katze.

II

Es ist, als hätte die Köchin

des grossen Pan

– und warum sollte der grosse Pan

keine Köchin haben?

Eine Leibnymphe,

die ihm in Kratern

und Gletschertöpfen

köstliche Bissen brät

und ihm des Winters

Geysir-Pünsche

sorglich kredenzt? –

Als hätte diese Köchin

eine Schüssel mit Rotkohl

an die Messingwand

des Abendhimmels geschleudert.

Vielleicht im Zorn,

weil ihn der grosse Pan

nicht essen wollte ...

III

Wäsche ist heute wohl,

grosse Wäsche,

droben im Himmelreich.

Denn seht nur, seht!

wie viele Hemdlein,

Höslein, Röcklein,

und zierliche Strümpflein

die gute Schaffnerin

über die blaue Himmelswiese

zum Trocknen breitet.

Die kleinen Nixen,

Gnomen, Eiben,

Engelchen, Teufelchen,

oder wie sie ihr Vater nennt,

liegen wohl alle nun

in ihren Bettchen,

bis ans Kinn

die Decken gezogen,

und sehnlich lugend,

ob denn die Alte

ihren einzigen Staat,

ihre weissen Kleidchen,

nicht bald

ihnen wiederbringe.

Die aber legt

ernst und bedächtig

ein Stück nach dem andern

noch auf den Rasen.

IV

Wie sie Ballet tanzen,

die losen Panstöchter!

Sie machen Phoebus

den Abschied schwer,

dass er den Trab seiner Hengste

zum Schritt verzögert.

Schmiegsam, wiegsam

werfen und wiegen

die rosigen Schleier sie

zierlich sich zu,

schürzen sie hoch empor,

neigen sie tief hinab,

drehn sich die wehende

Seide ums Haupt.

Und Phoebus Apollo!

Bezaubert vergisst er

des heiligen Amts,

springt vom Gefährt

und treibt das Gespann,

den Rest der Reise

allein zu vollenden.

Er selber,

gehüllt in den grauen Mantel

der Dämmrung,

eilt voll Sehnsucht

zurück zu den

lieblichen, lockenden

Tänzerinnen.

Zügellos rasen

die Rosse von dannen.

Der Gott erschrickt:

Dort entschwindet

sein Wagen,

und hier –

haben die schelmischen

Töchter des Pan

sich in waschende Mägde

verwandelt.

Durch riesige Tröge

ziehen sie weisse,

dampfende Linnen

und hängen sie rings

auf Felsen und Bäumen

zum Trockenen auf

und legen sie weit

gleich einem Schutzwall

auf Wiesen und Felder.

Ratlos steht

der gefoppte Gott.

Und leise kichern

die Blätter im Winde.

V

Düstere Wolke,

die du, ein Riesenfalter,

um der abendrotglühenden Berge

starrende Tannen

wie um die Staubfäden

blutiger Lilien schwebst:

Dein Dunkel redet

vom Leid der Welt.

Welchen Tales Tränen

hast du gesogen?

Wie viel angstvoller Seufzer

heissen Hauch

trankst du in dich?

Düstere Wolke,

wohin

schüttest die Zähren

du wieder aus?

Schütte sie doch

hinaus in die Ewigkeit!

Denn wenn sie wieder

zur Erde fallen,

zeugen sie neue

aus ihrem Samen.

Nie dann

bleiben der Sterblichen

Augen trocken.

Ach! da wirfst du sie schon

in den Abgrund ...

Arme Erde,

immer wieder aufs Neue

getauft

in den eigenen Tränen!

VI

Oh, oh!

Zürnender Gott,

schlage doch nicht

Deine himmlische Harfe

ganz in Stücke!

Dumpfe Donnerakkorde

reisst

herrisch

Dein Plektron.

Zick, zack

schnellen

die springenden Saiten

mit singendem Sausen

silbergrell

über die Himmel hin.

Holst Du auch manche

der Flüchtlinge

wieder zurück,

viele fallen doch

gleissend zur Erde nieder,

ragenden Riesen des Tanns

um den stöhnenden Leib

sich wirbelnd,

oder in zischender Flut

sich für ewig

ein Grab erkiesend.

Zürnender Gott!

Wie lange:

Da hast Du Dein Saitenspiel

kläglich zerbrochen,

und kein Sterblicher

denkt mehr Deiner,

des grollenden Rhapsoden

Zeus-Odhin-Jehovah.

SONNENUNTERGANG

Inhaltsverzeichnis

Am Untersaum

des Wolkenvorhangs

hängt der Sonne

purpurne Kugel.

Langsam zieht ihn

die goldene Last

zur Erde nieder,

bis die bunten Falten

das rotaufzuckende Grau

des Meeres berühren.

Ausgerollt ist

der gewaltige Vorhang.

Der tiefblaue Grund,

unten mit leuchtenden Farben

breit gedeckt,

bricht darüber

in mächtiger Fläche hervor,

karg mit verrötenden

Wolkenguirlanden durchrankt

und mit silbernen Sternchen

glitzernd durchsät.

Aus schimmernden Punkten

schau ich das Bild

einer ruhenden Sphinx

kunstvoll gestickt.

Eine Ankerkugel,

liegt die Sonne im Meer.

Das eintauchende Tuch,

schwer von der Nässe,

dehnt sich hinein in die Flut.

Die Farben blassen,

mählig verwaschen.

Und bald strahlt

vom Himmel zur Erde

nur noch

der tiefe, satte Ton

blauschwarzer Seide.

HOMO IMPERATOR

Inhaltsverzeichnis

Gewandert bin ich

auf andere Gipfel,

deren Riesenfüsse,

das Meer, wie ein Hund,

demütig leckt;

an deren Knöcheln

es wohl auch manchmal

bellend hinaufspringt,

den brauenden Nebeln nach,

als seien diese

warme Dämpfe aus leckeren Schüsseln.

War ich der Mond,

der Hunden verhasste,

ich hülfe herauf dir

auf den Berg.

Doch Ich bin der Mensch,

lasse dich lächelnd

unten kläffen

und übe an dir

Meinen göttlichen Spott.

Denn sieh,

du armes, krauses Meer!

was bist du denn

ohne Mich?

Ich gebe dir Namen

und Rang und Bedeutung,

wandle dich tausendfalt

nach Meinem Gelüst.

Meine Schönheit,

Meinen Witz

hauch Ich als Seele dir ein,

werf Ich dir um als Kleid:

und also geschmückt

wogst du und wiegst du dich

vor deinem König,

ein trefflicher Tänzer,

brausköpfiger Vasall!

In Meine hohle Hand

zwing Ich hinein dich

und schütte dich aus,

einem Kometen,

der grade vorbeischiesst

aufs eilige Haupt.

Wie einen Becher

fass Ich dein Becken

und bringe dich

als Morgentrunk

Meinem Liebchen Phanta.

In dein graues Megärenhaar

greift Mein lachender Uebermut

und hält es gegen die Sonne:

Da wird es eitel Goldhaar und Seide.

Und nun wieder nenn Ich dich

Jungfrau und Nymphe und Göttin,

und deiner dämonischen Leidenschaft

sing Ich ein Seemanns-Klagelied.

Oder Ich deute den donnernden Prall dir aus

als stöhnende Sehnsucht um Himmelsglück,

als wühlenden Groll,

als heulenden Hass:

So redet Schwermut, flugohnmächtig,

wenn sie der Krampf der Verzweiflung

zu jagenden Fieberschauern schüttelt.

Aber du drohst:

»Eitler Prahler,

breite die Arme nur aus,

und komm an mein nasses Herz!

Dann wirst du künden,

wer grösser und mächtiger,

du oder ich!«

Drohe mir immer,

doch wisse: Die Stunde,

da du Mich sinnlosen Zornes verschlingst,

tötet auch dich.

Ein kaltes, totes Nichts,

wertlos, namenlos,

magst du dann

in die Ewigkeit starren,

entseelt,

entgöttert.

Denn Ich, der Mensch,

bin deine Seele,

bin dein Herr und Gott,

wie Ich des ganzen Alls

Seele und Gottheit bin.

Mit Mir vergehen

Namen und Werte.

Leer steht die Halle der Welt,

schied Ich daraus.

Gleich unermesslichem Aether

füllt Mein Geist den Raum:

In Seinen Wellen allein

leuchtend, tönend,

schwingt der unendliche Stoff.

Eine Harfe bin Ich

in tausend Hauchen.

Zertrümmere Mich:

das Lied ist aus.

KOSMOGONIE

Inhaltsverzeichnis

Ewiges Firmament,

mit den feurigen Spielen

deiner Gestirne,

wie bist du entstanden?

Du blauer Sammet!

Welch fleissige Göttin

hat sich auf dir

mit goldnen und silbernen

Kreuzstichmustern verewigt?

Wie! oder wären

die Sterne Perlen,

tagesüber

in Wolkenmuscheln gebettet:

Aber des Nachts

tuen die Schalen sich auf,

und aus den schwarzen,

angelspottenden Tiefen empor

lachen und funkeln

die schimmernden Schätze

des Meers Unendlichkeit?

Oft auch ist mir,

ein mächtig gewölbter

kristallener Spiegel

sei dieser Himmel,

und was wir staunend

Gestirne nennen,

das seien Millionen

andächtiger Augen,

die strahlend

in seinem Dunkel sich spiegeln.

Oder wölbt

eines Kerkers bläuliche Finsternis

feindlich sich über uns?

Von ungezählten Gedankenpfeilen

durchbohrt,

die von empörter Sehne

der suchende Menschengeist

rings um sich gestreut:

Das Licht der Erkenntnis aber,

die Sonne der Freiheit,

quillt leuchtend

durch die zerschossenen Wände.

Nein, nein! ..

Mit spottenden Augen

blinzt die Unendlichkeit

auf den sterblichen Rätselrater ...

Und dennoch

rat ich das tiefe Geheimnis!

Denn bei Phanta

ist nichts unmöglich.

– – – – – – – – – – –

In der leeren, dröhnenden Halle des Alls

rauschte der Gott der Finsternis

mit schwarzen, schleppenden Fittichen

grollend dahin.

So flügelschlug der düstere Dämon

schon seit Aeonen:

An seiner Seele frass das Nichts.

Umsonst griffen die Pranken

seines wühlenden Schaffenswahnsinns

hinaus in die unsägliche Leere.

Vom eigenen Leibe musste er nehmen,

wollte er schaffen –:

das hatte ihn jüngst quälend durchzuckt.

Und nun rang und rang er

gegen sich selber, der einsame Weltgeist,

daß er sich selbst verstümmle.

Bis sein Wollen, ein Löwe,

in seiner Seele aufstand

und ihm die Hand ans Auge zwang,

daß sie es ausriss mit rasendem Ruck.

Ströme Blutes schossen nach.

Der brüllende Gott aber krampfte

in sinnloser Qual die Faust um das Auge,

dass es zwischen den Fingern

perlend herausquoll.

Den glänzenden Tropfenregen

rissen die fallenden Schleier des Bluts

in wirrem Wirbeltanze

hinab, hinaus in die eisigen Nächte

des unausgründlichen Raums.

Und die perlenbesäten blutigen Schleier

kamen in ewigem Kreislauf wieder,

schlangen erstickend sich

um des flüchtenden Gottes Haupt,

zerrten ihn mit sich,

warfen ihn aus,

ein regelloses, tobendes Chaos.

Tiefer noch zürnte der gramvolle Gott.

Nicht Schöpfer und Herrscher,

Spielball war er geworden,

weil er, vom Schmerz bewältigt,

den heiligen Lebensstoff,

statt ihn zu formen, zerstört.

Aeonen hindurch

trug er die Marter der glühenden Schleier,

litt er in seiner eigenen Hölle.

Dann aber stand zum anderen Male

sein Wollen, ein Löwe,

in seiner Seele auf.

Sieben Kreisläufe des Chaos

rang er und rang er noch,

und dann

gab er den Arm dem Wollen frei.

Und er nahm sich auch noch

das andere Auge

aus dem unsterblichen Gotteshaupt

und warf die blutüberströmte,

unversehrte Kugel

mitten hinein ins unendliche All.

Da stand sie, glühend,

in unermesslicher Purpurründung,

und sammelte um sich

die tanzenden Blutnebel,

dass sie, ein einziger Riesenring

von Flammenschleiern,

um den gemeinsamen Kern

sich wanden und kreisten.

Der blinde Gott aber sass

und lauschte dem Sausen der Glut.

Aeonen kreiste der Ring:

Dann zerriss er.

Und um die glasigen Perlen

des zerkrampften Auges

ballten sich Bälle kochenden Bluts,

glühende, leuchtende Blutsonnen,

und andere Bälle,

die unter roten Dampfhüllen

langsam gerannen.

Durch die Unendlichkeit

schwangen sich zahllose Reigen

zahlloser Welten

in tönender Ordnung

um das geopferte, heile Auge.

Der blinde Gott aber

lauschte dem Klang der Sphären,

die seinen Preis jauchzten,

den Preis des Schaffenden,

und flog tastend mit seinen

schwarzen, schleppenden Fittichen

durch seine Schöpfung,

ein Schrecken den Menschlein

auf allen Gestirnen,

der große Lucifer.

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Yaş sınırı:
18+
Litres'teki yayın tarihi:
04 şubat 2026
Hacim:
576 s. 28 illüstrasyon
ISBN:
9788027203420
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