Kitabı oku: «Primary Nursing in der ambulanten Langzeitpflege»

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Über die Autorin


Mag. Dr. Christine Bretbacher, Gesundheitswissenschaftlerin, Pflegeökonomin sowie Systemischer Leadership-Coach und Trainerin.

Als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin mit langjähriger pflegerischer Erfahrung und Sachverständige für Gesundheits- und Krankenpflege erstellt sie Gutachten mit Schwerpunkt auf Pflegesystemgestaltung und Arbeitsorganisation in der stationären und ambulanten Pflege. Die Fachexpertin für Hauskrankenpflege und geriatrische Langzeitpflege auditiert stationäre und ambulante Einrichtungen bei der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Qualität. Sie erstellt Gutachten mit Schwerpunkt auf Strukturen, Prozessen und Ergebnisqualität in Gesundheitseinrichtungen. Als Fachkraft für Expertenstandards berät und unterstützt sie Pflegeeinrichtungen in der Qualitätsentwicklung und der Implementierung qualitätssichernder Maßnahmen.

Mag. Dr. Bretbacher ist Mitglied in nationalen und internationalen Fachgesellschaften wie der International Association of Coaching Institutes (ICI), der Österreichischen Gesellschaft für Public Health (ÖGPH), dem Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) und dem Deutschen Netzwerk Primary Nursing (DNPN).

Als Gesundheitswissenschaftlerin und Pflegeökonomin liegt ihr Forschungsinteresse in der pflegerischen Versorgungsforschung mit Schwerpunkt auf der Positive Practice Environment, der Entwicklung von Gesundheitskompetenz und Resilienz.

Christine Bretbacher

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Dissertation, Juni 2019

Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik, Institut für Management und Ökonomie im Gesundheitswesen am Department Public Health, Versorgungsforschung und HTA

Betreuung: Ao. Univ. Prof. Dr. Herwig Ostermann

Korrespondenzadresse:

Mag. Dr. Christine Bretbacher, Hohenzeller Straße 9a/9, 4910 Ried im Innkreis

E-Mail: christine.bretbacher@gmx.at, Tel 0664 8583177

1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-039596-1

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-039597-8

epub: ISBN 978-3-17-039598-5

mobi: ISBN 978-3-17-039599-2

Danksagung

Die vorliegende wissenschaftliche Abhandlung entstand aus großem Interesse der Forscherin, Primary Nursing – ein für die mobile Pflege und Betreuung konzeptioniertes Pflegesystem – das sich aufgrund der höheren Beziehungsorientierung wieder mehr an den Bedürfnissen der pflegebedürftigen Menschen und der Pflegepersonen orientiert, im Lichte steigender Ausgaben für die Langzeitpflege einer wirtschaftlichen Betrachtung zu unterziehen.

Die Tätigkeit der Studienautorin als Pflegedienstleitung im OÖ Roten Kreuz eröffnete den notwendigen Handlungsspielraum für die Weiterentwicklung von Primary Nursing in der Organisation und ermöglichte zugleich den Zugang zum Forschungsfeld für die wissenschaftliche Begleitstudie. Die große Motivation bestand darin, mit den Erkenntnissen die Fachöffentlichkeit für die eigenen Handlungsspielräume und die Auswirkungen des Pflegesystems zu sensibilisieren sowie auch die Aufmerksamkeit der Kostenträger auf allfällige Nutzenaspekte zu lenken.

Gemeinsam mit meinem Doktorvater Prof. Dr. Herwig Ostermann wurde das Studiendesign und die konkrete Fragestellung entwickelt. Ihm danke ich besonders für seine rasche Hilfestellung, wenn es an die Grenzen ging, seine respektvolle, anerkennende Begleitung und den anregenden Gedankenaustausch in Wien.

Mein Dank gilt weiter dem Kollegium in meinem Arbeitsumfeld, allen voran Spartenleiter und Pflegedirektor Reinhard Schmidt, der mir den Forschungsprozess an meinem Arbeitsplatz ermöglicht hat. Ich danke Carolin Lechner für die vielen reflexiven Momente und die Bereitschaft, den stabilen Boden in der langjährigen Pflegepraxis des OÖ Roten Kreuzes zum Teil zu verlassen und sich mit mir auf Neuland zu begeben. Brigitte Pointner und Martina Bühringer danke ich für ihre fachlichen Stellungnahmen.

Bei den Pflegedienstleitungen, allen Teamleitungen und Pflegepersonen bedanke ich mich für die inhaltliche und organisatorische Unterstützung sowie für die Bereitschaft, die pflegerische Komfortzone zu verlassen und sich an der Entwicklung und Umsetzung von Primary Nursing in der mobilen Pflege zu beteiligen.

Mein Dank gilt im Besonderen meinem Mann Hans, der als mein Mentor und gleichzeitig mein schärfster Kritiker trotz seiner schweren Erkrankung in den letzten Wochen seines Lebens noch Teile meiner Arbeit Korrektur gelesen und mir wertvolles Feedback gegeben hat.

In großer Dankbarkeit denke ich an die Pflegepersonen und Ärzte des St. Barbara Hospizes, die mich ermutigt und bestärkt haben, während meines mehrmonatigen Aufenthaltes dort gemeinsam mit meinem Mann, meine Studienarbeit in einer außergewöhnlichen Lebenssituation zu Ende bringen zu können.

Inhalt

1  Danksagung

2  Abbildungen

3  Tabellen

4  Abkürzungsverzeichnis

5  Abstract (english)

6  Abstract (deutsch)

7  1 Einleitung

8  1.1 Pflegeökonomischer Hintergrund

9  1.2 Inhalt der Studie

10  1.3 Ziele, Nutzen und Abgrenzung

11  1.4 Begriffliche Klärungen

12  2 Theoretische Annäherung

13  2.1 Problemstellung

14  2.1.1 Pflegebedürftigkeit und Pflegebedarf

15  2.1.2 Pflegeausgaben und Pflegepersonalbedarf

16  2.1.3 Pflegeökonomische Überlegungen im ethischen Kontext

17  2.1.4 Pflegeprozess und Ergebnisse professionellen pflegerischen Handelns

18  2.2 Forschungsgegenstand Primary Nursing in der ambulanten Langzeitpflege

19  2.2.1 Die Kernelemente von Primary Nursing

20  2.2.2 Theoriegeleitete Entwicklung des Praxisstandards

21  2.2.3 Inhalte des Praxisstandard Primary Nursing für die ambulante Pflege

22  2.2.4 Erläuterungen zum Praxisstandard

23  2.2.5 Theoretischer Rahmen: Systemische Prozess- und Fallsteuerung

24  2.3 Forschungsstand und Forschungsfragen

25  2.3.1 Systematische Literatursuche

26  2.3.2 Stand der Literatur

27  2.3.3 Ableitung der Forschungsfragen

28  3 Methode

29  3.1 Methodologie

30  3.1.1 Entwicklung und Begründung des Studiendesigns

31  3.1.2 Primäre Outcomes und Messinstrumente

32  3.1.3 Messinstrumente zur Datenerhebung

33  3.1.4 Variablen und statistische Auswertung

34  3.2 Kostenanalysen

35  3.2.1 Kosten-Kosten-Analyse

36  3.2.2 Kosten-Nutzen-Analyse

37  3.2.3 Ökonomische Outcomevariablen

38  3.3 Durchführung der Studie

39  3.3.1 Auswahl zur Studienteilnahme

40  3.3.2 Implementierung der Intervention

41  3.3.3 Datenerhebung und Auswertung

42  3.3.4 Qualitätssicherung der Datenerhebung

43  4 Ergebnisse

44  4.1 Studienergebnisse im Pilotprojekt

45  4.1.1 Vergleich der Studiengruppen zum Zeitpunkt t0

46  4.1.2 Analyse der ausgeschiedenen Studienteilnehmer

47  4.1.3 Vergleich der Studiengruppen nach Daten-Matching

48  4.1.4 Ergebnis Pflegeausgaben aus Sicht der Gesellschaft

49  4.1.5 Ergebnis Pflegeausgaben aus Sicht der Kostenträger

50  4.1.6 Ergebnis Kostensituation aus Sicht des Leistungserbringers

51  4.2 Zusammenfassung der Studienergebnisse

52  5 Diskussion

53  5.1 Limitationen

54  5.2 Interpretation der Studienergebnisse

55  6 Ausblick

56  Literatur

57  Stichwortverzeichnis

Abbildungen

Abb. 1: Berufsgruppenmix in der geriatrischen Langzeitpflege (modifiziert nach Rappold & Juraszovich 2019)

Abb. 2: Einflussfaktoren auf die Ausgaben der Pflege (modifiziert nach Schneider et al. 2006)

Abb. 3: Pflegeplan und Pflegeplanung (Gesundheit Österreich GmbH 2016)

Abb. 4: Implementierungsschritte des Praxisstandards im Pilotprojekt (modifiziert nach DNQP 2015)

Abb. 5: Arbeitszeitmodell im stationären Primary Nursing

Abb. 6: Modell Pflegetätigkeit durch Primary Nursing im ambulanten Setting

Abb. 7: Theoretisches Modell zur Verbesserung der pflegerischen Versorgungsqualität (Eigene Darstellung)

Abb. 8: Flow-Chart Literaturreview

Abb. 9: Identifizierte Themenblöcke aus der Literaturanalyse

Abb. 10: Interventionsansatz wirksamer pflegerischer Versorgungsmodelle zur Weiterentwicklung. (Eigene Darstellung)

Abb. 11: Studiendesign prospektive zweiarmige Studie (Eigene Darstellung)

Abb. 12: Meilensteinplan Studienablauf (Eigene Darstellung)

Abb. 13: Pflegepraxismodell im Pilotprojekt (Eigene Darstellung)

Abb. 14: Flow-Chart der Studienteilnahme zwischen t0–t1 (Eigene Darstellung)

Abb. 15: Gründe für das Ausscheiden aus den Studiengruppen vor Studienende (Eigene Berechnung und Darstellung)

Abb. 16: Verteilung der Propensity Scores (Eigene Darstellung)

Abb. 17: Datenmodell (Eigene Darstellung)

Abb. 18: Unterschiede in den Basis-Aktivitäten des täglichen Lebens (t0–t1) (Eigene Darstellung)

Abb. 19: Unterschiede der subjektiven gesundheitsbezogenen Lebensqualität (t0–t1) (Eigene Darstellung)

Abb. 20: Unterschiede Notfälle und geplante Arztbesuche (t0–t1) (Eigene Darstellung)

Abb. 21: Unterschiede ACSC (t0–t1) (Eigene Darstellung)

Abb. 22: Unterschiede mittlere Anzahl Hausbesuche (t0–t1) (Eigene Darstellung)

Abb. 23: Unterschiede Leistungszeit in Stunden mobile Pflege gesamt (t0–t1) (Eigene Darstellung)

Abb. 24: Unterschiede Pflegeausgaben je Untersuchungsgruppe in Euro (t0–t1) (Eigene Darstellung)

Abb. 25: Prozentuelle Erfüllung des Leistungsauftrages je Untersuchungsgruppe (Amt der OÖ Landresregierung 2018, Controllingbericht)

Tabellen

Tab. 1: Projizierte öffentliche Nettoausgaben für ambulante Pflege und Betreuung bis 2050 (Famira-Mühlberger et al. 2018)

Tab. 2: Systematisierung pflegesensitiver Indikatoren (Stewig et al. 2013)

Tab. 3: Erstellung und Entwicklung des Praxisstandards Primary Nursing (Eigene Darstellung in Anlehnung an DNQP 2015)

Tab. 4: Umsetzung der Empfehlungen des DNQP im Pilotprojekt (Eigene Darstellung in Anlehnung Büscher et al. 2015)

Tab. 5: Mögliche Aspekte im Modell der Prozessperformance im Setting der ambulanten Langzeitpflege (Eigene Darstellung)

Tab. 6: Aktionsträger und deren Aufgaben in der Pflegeprozessrealisierung (Eigene Darstellung in Anlehnung an Dahlgaard et al. 2014)

Tab. 7: Schlagwörter zur systematischen Literatursuche (Eigene Darstellung)

Tab. 8: Zusammenfassung der Studiendaten

Tab. 9: Messinstrumente (Eigene Darstellung)

Tab. 10: Verwendete Variablen und Erhebungsform

Tab. 11: Überblick Ergebnisvariablen und Skalenniveaus (Eigene Darstellung)

Tab. 12: Leistungszeitverteilung Pflegeperson ambulante Pflege im Vollzeitäquivalent (Amt der OÖ Landesregierung 2011)

Tab. 13: Berechnung des Leistungsvergleiches zwischen den Studienarmen (Quelle: Eigene Darstellung)

Tab. 14: Übersicht über Outcome-Variablen (Eigene Darstellung)

Tab. 15: Vergleich der Untersuchungsgruppen vor Intervention (t0) (Eigene Berechnung)

Tab. 16: Merkmale der ausgeschiedenen Studienteilnehmer zwischen t0 und t1 (Eigene Berechnung)

Tab. 17: Deskriptive Darstellung der Studiengruppen gewichteter Datensatz (t0) (Eigene Berechnung)

Tab. 18: Unterschiede Barthel-Index und EQ-5D je Untersuchungsgruppe (t0 – t1) (Eigene Berechnung)

Tab. 19: Unterschiede in medizinischer Inanspruchnahme (t0–t1) (Eigene Berechnung)

Tab. 20: Unterschiede Hausbesuche und Leistungszeiten (t0–t1) (Eigene Berechnung)

Tab. 21a: Unterschiede Ausgabensituation aus gesellschaftlicher Perspektive (t0–t1) (Eigene Berechnung)

Tab. 21b: Unterschiede Ausgabensituation aus gesellschaftlicher Perspektive (t0–t1) (Eigene Berechnung)

Tab. 22: Unterschiede Pflegeausgaben aus Perspektive Kostenträger (t0–t1) (Eigene Berechnung)

Tab. 23: Analyse der Kosten-Nutzensituation aus Sicht des Leistungserbringers (t0–t1) (Eigene Berechnung)

Tab. 24: Sensitivitätsanalyse (Eigene Berechnung)

Tab. 25: Investitionskosten für die Erstellung und Implementierung der Intervention Primary Nursing (Eigene Berechnung)

Abkürzungsverzeichnis


ACSCAmbulatory Care Sensitive Conditions
APHAlten- und Pflegeheim
ATLBasisaktivitäten des täglichen Lebens
AUDAuditinstrument Praxisstandard Primary Nursing
AVabhängige Variable
BIBarthel-Index
CBControlling Bericht Land OÖ
DGKPDiplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson
DNQPDeutsches Netzwerk für Qualität in der Pflege
ePA-ACErgebnisorientiertes Pflegeassessment AcuteCare
EQ-5DEuropean Quality Of Life
GuKGGesundheits- und Krankenpflegegesetz
KPNKosten Primary Nursing
KSCKosten Standard Care
KVKontrollvariable
NPNNutzen Primary Nursing
NPNNutzen Standard Care
PDPflegedokumentation
PfPPflegebedürftige Person
PNPrimary Nursing
PSPropensity Scores
PVPflegevisite
RAI-HCResident Assessment Instrument
RCSEQResearch Commitee for Scientific und Ethical Questions
RCTRandomisiert kontrollierte Studie
RKRotes Kreuz
SCStandard Care
SQSStabsstelle Qualitätssicherung
TCEAKosteneffektivitätsrate
TIDieRTemplate for Intervention, Description and Replication
UVUnabhängige Variable
VASVisuelle Analogskala
VIVVivendi Stammdatenbank

Abstract (english)

Objectives:

Due to the demographic developments, the need for long-term care as well as financing for long-term care is seen as a particular challenge for the future. Primary Nursing is considered as nursing delivery system in the scientific discourse for mobile long-term care and is examined for the first time in Austria regarding economical effects.

Methods:

A pilot-study with a 12-month follow-up was carried out in 2017 in Home Health Care of the Upper Austrian Red Cross. To control biases, data were weighted with propensity scores. The implementation of Primary Nursing was evaluated. A health economic evaluation provides information about the cost-effectiveness of Primary Nursing.

Results:

Primary nursing could not provide evidence of an improvement in nursing outcomes, it was shown a 1.25-fold greater benefit to the nursing service from standardized fee relative to average staff costs. With Primary Nursing, the study revealed an average annual expenditure saving of € 1,232 per patient for the payer without significant differences in nursing outcomes.

Conclusion:

In the long term, unused efficiency potentials in mobile nursing care can provide measurable added value to care through effective, health-promoting nursing interventions and targeted nursing process management, without incurring additional expenditure. Due to the lack of comparisons, further research is necessary in this setting.

Abstract (deutsch)

Hintergrund:

Aufgrund der demografischen Entwicklungen wird die Deckung des Bedarfes an Pflegeleistungen sowie die Pflegefinanzierung für Langzeitpflege als besondere Herausforderung für die Zukunft gesehen. Primary Nursing wird als alternative Form der Pflegeorganisation in den wissenschaftlichen Diskurs für die mobile Langzeitpflege eingebracht und erstmals in Österreich auf pflegeökonomische Auswirkungen untersucht.

Methoden:

In der mobilen Langzeitpflege des OÖ Roten Kreuzes wurde 2017 eine Pilotstudie mit 12-Monats-Follow-Up durchgeführt. Um Verzerrungen weitgehend zu kontrollieren, wurden die Daten mit Propensity Scores gewichtet. Der Umsetzungsgrad der Intervention wurde evaluiert. Eine gesundheitsökonomische Evaluation gibt Auskunft über die Kosteneffektivität von Primary Nursing.

Ergebnisse:

Durch Primary Nursing konnte kein Nachweis für eine Verbesserung der pflegerischen Outcomes erbracht werden, aber für den Pflegedienst ein 1,25-fach höherer Nutzen aus den Einnahmen des genormten Leistungspreises im Verhältnis zu den durchschnittlichen Personalausgaben. Mit Primary Nursing zeigte sich in der Studie eine Ausgabenersparnis von durchschnittlich 1.232 Euro je pflegebedürftiger Person jährlich für den Kostenträger ohne signifikante Unterschiede in den Pflegeergebnissen.

Schlussfolgerung:

Bislang nicht genutzte Effizienzpotentiale in der mobilen pflegerischen Versorgung können längerfristig durch wirksame, gesundheitsfördernde Pflegeinterventionen und gezielte Pflegeprozesssteuerung der Pflege einen messbaren Mehrwert verleihen, ohne zusätzliche Ausgaben zu verursachen. Aufgrund bislang fehlender Vergleiche ist weitere Forschung im Setting notwendig.

1 Einleitung

»Die Zukunft sollte man nicht voraussehen,

sondern möglich machen.«

Antoine de Saint-Exupery

1.1 Pflegeökonomischer Hintergrund

Bereits seit mehreren Jahren informieren medienwirksame Berichte die Gesellschaft über künftige Herausforderungen in der Bewältigung und Finanzierung der Langzeitpflege in Österreich. Grund dafür ist ein steigendes Alter der Bevölkerung unter der Annahme, dass ältere Menschen auch abhängiger in der Versorgung und damit pflegebedürftiger sind (Firgo & Famira-Mühlberger 2014a).

Gerade in der ambulanten Langzeitpflege ist das Pflegesystem in den letzten Jahren zunehmend in Bedrängnis gekommen. Unter dem Blickwinkel der aktuellen demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Österreich, die einerseits einen steigendem Bedarf an Pflegedienstleistungen mit sich bringt und andererseits einen noch weiter zunehmendem Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal erwarten lässt, braucht es neben politischen Programmen auch einen Blick auf die pflegerische Arbeitsorganisation (Bachner et al. 2018). Der fiskalpolitische Druck auf die Systeme der sozialen Sicherung hat im letzten Jahrzehnt unter anderem auch zu einem Umbruch in der Personalzusammensetzung und zu vermehrtem Einsatz eines erweiterten Berufsgruppenmix geführt (Rappold & Juraszovich 2019) ( Abb. 1).

Eine überwiegende Delegation von Pflegetätigkeiten und Tätigkeiten der medizinischen Diagnostik und Therapie an die Unterstützungsberufe, auch in komplexen pflegerischen Versorgungssituationen, sind die Folge. Diese bisweilen starke Fragmentierung der pflegerischen Arbeitsprozesse mit zunehmender Funktionalisierung der Pflege führte zur Beobachtung, dass nicht mehr klar ist, welche Pflegeperson für die Pflege per se verantwortlich ist (Gesundheit Österreich GmbH, Geschäftsbereich ÖBIG 2007; Mischo-Kelling 2007b; Rogner 2018). Künftig wird die Personaleinsatzplanung in der ambulanten Pflege und Betreuung durch die Möglichkeit des Einsatzes der Pflegefachassistenz komplexer werden mit der Schwierigkeit, pflegeökonomische Aspekte und qualitative Anforderungen gleichermaßen zu erfüllen (Bretbacher 2017).

Abb. 1: Berufsgruppenmix in der geriatrischen Langzeitpflege (modifiziert nach Rappold & Juraszovich 2019)

Im Zusammenhang mit der Tätigkeit der Studienautorin in der ambulanten Pflege und Betreuung eines großen Pflegedienstes interessieren die Auswirkungen der Pflegeorganisationsform Primary Nursing aus der pflegeökonomischen Perspektive. Im Mittelpunkt der vorliegenden Pilotstudie steht das Pflegesystem Primary Nursing für die ambulante Langzeitpflege. Dieses Pflegesystem wurde seit 2012 im Pflegedienst sukzessive für die mobile Pflegepraxis konzipiert und für die Umsetzung vorbereitet.

Nunmehr interessiert, wie sich das Pflegesystem Primary Nursing auf die pflegerische Versorgungsqualität, im Besonderen auf den funktionellen Gesundheitszustand und auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität von zu Hause lebenden älteren Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf auswirkt. Denn gemäß den »Richtlinien zur Förderung professioneller sozialer Dienste in Oberösterreich für Hauskrankenpflege und mobile Betreuung und Hilfe« besteht der Auftrag an die Pflegedienstleister dahingehend, […] »hilfs- und betreuungsbedürftigen Menschen zu ermöglichen, bei Betreuungs- und Pflegebedürftigkeit bzw. einem erkennbaren Vorstadium der Betreuungs- und Pflegebedürftigkeit und ähnlichen Notlagen durch Inanspruchnahme einer fachlichen, situationsgerechten und individuellen Hilfe eine selbstständige Lebensführung aufrecht zu halten oder (wieder) zu erlangen, um dadurch so lange wie möglich im eigenen Haushalt – und somit in der gewohnten Umgebung – bleiben zu können« (Amt der OÖ Landesregierung 2006, S. 3).

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie sich Primary Nursing aufgrund seiner hohen Beziehungsorientierung auf die Pflegeausgaben auswirkt. Denn [d]ie Anbieterorganisationen haben die eingesetzten Ressourcen so zu organisieren, dass sowohl die Wirkung bei(m) Kunden/der Kundin als auch die Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung den Zielvereinbarungen mit den Regionalen Trägern Sozialer Hilfe bestmöglich […] nach den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit« entspricht (Amt der OÖ Landesregierung 2006, S. 8).

Das Studium von vielen Fachbüchern und einschlägigen Publikationen weckte das Interesse der Studienautorin, mit Primary Nursing die Pflege durch eine primärverantwortliche Pflegeperson so zu organisieren, dass die Verantwortung für die Pflege einer pflegebedürftigen Person transparent wird. Jede diplomierte Pflegeperson sollte ausreichend fachliche und organisatorische Möglichkeiten haben, professionelle Pflegebeziehungen zu den Pflegebedürftigen aufbauen zu können, um sie umfassend und individuell pflegen und betreuen zu können, auch wenn sie die Pflege überwiegend nicht selber durchführen kann (Manthey 2011).

Rogner kam in einer qualitativen Studie über die theoretische Machbarkeit von Primary Nursing in der ambulanten Langzeitpflege theoretisch zu dem Ergebnis, dass das Pflegesystem unter den gegebenen Rahmenbedingungen grundsätzlich umsetzbar ist und empfahl desgleichen, einen Standard zu entwickeln, wie das Pflegesystem in der Praxis Anwendung finden kann (Rogner 2009). Primary Nursing konnte ursprünglich im angloamerikanischen Raum in einer Notsituation im Zusammenhang mit knappen personellen und ökonomischen Ressourcen einen wesentlichen Beitrag zur Besserung der Situation leisten (Maria Mischo-Kelling 2007b). 2013 wurde im zu untersuchenden Pflegedienst eine Studienarbeit durchgeführt mit der Fragestellung, ob Primary Nursing nach dem Verständnis von Marie Manthey in der Organisation bei gegebenen Rahmenbedingungen auch praktisch umsetzbar ist. In einer umfassenden Auseinandersetzung mit internationaler Literatur wurde herausgearbeitet, wie deren Kernkriterien für die ambulante Pflegepraxis konkret anwendbar gemacht werden können (Bretbacher & Lechner 2017).

Ziel und Nutzen der wissenschaftlichen Abhandlung ist es, Primary Nursing als Pflegesystem in zunehmend arbeitsteiligen und funktionalen Prozessen einer eingehenderen Betrachtung hinsichtlich seiner pflegeökonomischen Auswirkungen zu unterziehen. Es interessiert primär, ob bessere pflegerische Ergebnisse als in der herkömmlichen Pflegeorganisation erzielt werden können und welche Auswirkungen auf die Pflegeausgaben erkennbar sind. Die Ergebnisse sollen einerseits Pflegediensten Denkanstöße liefern, ob es lohnenswert ist, eine über die Jahre gewachsene Struktur in der Arbeitsorganisation, die mittlerweile die Grenzen im Hinblick auf die Attraktivität des Arbeitsfeldes aufgrund zunehmender Funktionalisierung deutlich aufzeigt, an der Basis zu verändern und anzupassen. Andererseits soll die Aufmerksamkeit der Kostenträger und der Pflegedienstleister neben den Pflegeausgaben auch auf allfällige Nutzenaspekte gelenkt werden.

Zur pflegeökonomischen Annäherung an das Themenfeld fiel die Wahl methodisch auf ein quantitatives Forschungsdesign. Es wird eine quasi-experimentelle Längsschnittstudie angelegt, die zwei Untersuchungsgruppen zu zwei verschiedenen Zeitpunkten miteinander vergleicht. Im Rahmen der Dissertation wurde das Pflegesystem Primary Nursing 2017 in drei Bezirken des Pflegedienstes anhand eines eigens für die ambulante Pflege entwickelten Praxisstandards implementiert. Die Operationalisierung der pflegerischen Outcomes erfolgte auf Basis der Selbständigkeit in den Basisaktivitäten des täglichen Lebens und der subjektiv empfundenen, gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Für die gesundheitsökonomische Evaluation wurden Leistungszeiten und Hausbesuche sowie der genormte Leistungspreis je Stunde direkter Pflegearbeit für ambulante Pflege und Betreuung herangezogen.

Das OÖ Rote Kreuz ist mit einem Marktanteil von über 50 % der größte Anbieter ambulanter Pflege und Betreuung unter den Non-Profit-Organisationen in Österreich. Einer Erhebung des Institutes für interdisziplinäre Non-Profit-Forschung der Wirtschaftsuniversität Wien im Auftrag der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt zufolge hat das Österreichische Rote Kreuz sowohl in der Hauskrankenpflege als auch in der mobilen Betreuung und Hilfe die höchsten Marktanteile an Vollzeitäquivalenten vor Caritas, Volkshilfe, Hilfswerk, anderen Einrichtungen der öffentlichen Hand sowie einigen weiteren kleineren Pflegedienstleistern im Non-Profit-Sektor (Simsa et al. 2004).

Zielgruppe der Untersuchung waren Personen ab dem 60. Lebensjahr mit Pflege- und Betreuungsbedarf, die in ihrer eigenen Häuslichkeit wohnhaft waren und im Untersuchungszeitraum in der ambulanten Pflege und Betreuung im Pilotprojekt versorgt wurden. In den Bezirken Braunau, Kirchdorf/Krems, Wels und Perg wurde Primary Nursing implementiert. Diese Bezirke wurden mit drei Bezirken mit herkömmlicher Pflegeorganisation mit Bezirks- oder Tourenpflege verglichen.

Als herausfordernd sollte sich die Tatsache erweisen, dass bislang in Österreich noch kaum pflegerische Routinedaten in elektronischer Form in der ambulanten Pflege erhoben werden. Die notwendigen Daten müssen in einem separaten Erhebungsverfahren erhoben und dokumentiert werden. Damit könnten sich Probleme mit dem Datenrücklauf sowie ein erhöhter organisatorischer Aufwand ergeben. Erwartet wird durch Primary Nursing ein höherer pflegerischer Outcome aufgrund der Transparenz für die Verantwortung für den Pflegeprozess als pflegerische Kernkompetenz gemäß § 14 Gesundheits- und Krankenpflegegesetz. Die möglicherweise höheren Kosten für diplomiertes Pflegepersonal müssen in einem positiven Verhältnis zum Outcome stehen.

Es braucht Denk- und Handlungsansätze, die eine Weiterentwicklung der geriatrischen pflegerischen Langzeitversorgung ermöglichen und die auch eine Überprüfung der Wirksamkeit erlauben. Tendenziell sind in den letzten Jahren nicht mehr ausschließlich Kostenaspekte ausschlaggebend. Vielmehr rücken Wirksamkeitsparameter auch in Österreich in den Blickwinkel der Betrachter (Merz-Staerkle et al. 2013; Rothgang 2018 online). Es zeigt sich trotz aller Komplexität der Gesundheitsversorgung, deren Bestandteil auch die ambulante Langzeitpflege ist, wie unmittelbar sich die Veränderung von Rahmenbedingungen auf die Menschen im Einzelnen auswirkt (Ostermann 2017). Wirtschaftlichkeit in der Pflege darf nicht als Gegensatz zu Qualität und Wirksamkeit verstanden werden. Effizienz erzielen zu wollen, darf sich nicht zwangsläufig nur auf Kosten- oder Ausgabensenkung beschränken. Vielmehr sollen Prozesse und Abläufe unter die Lupe genommen werden, um vorhandene Ressourcen so einzusetzen, dass sich der Wert und die Qualität der Pflege für pflegebedürftige Menschen optimieren lässt (Haber 2017).

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19 aralık 2025
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