Kitabı oku: «Schlupps, der Handwerksbursch: Mären und Schnurren»

Yazı tipi:

Clara Berg

Schlupps, der Handwerksbursch: Mären und Schnurren


Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2021

goodpress@okpublishing.info

EAN 4064066117566

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Schlupps beim Schreiner

Die Vogelscheuche

Der Weinpanscher

Von einer Heirat

Kaufmann Goldreich

Mutterleid

Unter der Linde

Schulmeister Neunmalgescheit

Einfältig

Junker Pfiffig

Das Fest

Des Kaisers Bote

Die Königswahl

Einleitung

Inhaltsverzeichnis

Es war einmal ein Handwerksbursche, der hatte zur Gewohnheit, daß er bei allem, was ihm geschah, sagte: »Das ist mir ›Schlupps!‹« Und weil man das Wort immer von ihm hörte, behielt er es als Namen bei, und alle Welt rief ihn »Schlupps,« so daß ihm selbst sein richtiger Name »Heinz« fast in Vergessenheit kam.

Er wanderte von Herberge zu Herberge, begrüßte in den Städten das Gewerk und ließ sich einen Zehrpfennig geben. Wo ein Meister ihn an die Arbeit stellen wollte und ihm kein Wandergeld gab, spielte er ihm einen Schabernack; denn, sagte er, »meiner Mutter Sohn hat weiche Hände« und »wer die Arbeit kennt, drängt sich nicht dazu.« Weil aber manchmal Schmalhans in seinem Beutel haushielt, mußte Schlupps zur Arbeit greifen und das Schreinerhandwerk, das er erlernt hatte, ausüben.

Schlupps beim Schreiner

Inhaltsverzeichnis

Einst war er zu einem Meister gekommen, der arg geizig war und ihn hart zum Schaffen anhielt, an Tadel nicht sparte, dafür am Brotkasten den Deckel schloß, wenn das Sattwerden anfangen wollte. Schlupps stand in der Werkstatt und hobelte. Die Sonne schien warm, die Vögel sangen, und der Geselle meinte, sie riefen ihn hinaus auf die Landstraße, wo an den Bäumen die Kirschen reiften. Sagte der Meister: »Gesell, die Bank muß fertig werden.« »Recht so,« antwortete Schlupps, der wieder den Kopf voller Streiche hatte. »Sagt mir, wieviel Beine eine Bank hat.« »Sollte man nicht meinen, er wäre bei einem Schuster in der Lehre gewesen und hätte nur einen Dreibein kennen gelernt!« rief der Meister erbost. »Auch gut,« dachte Schlupps, »also ein Dreibein soll es werden.« »Eil dich,« sagte der Meister, »wenn ich wiederkomme, mußt du fertig sein,« damit ging er fort auf das Grafenschloß.

Schlupps aber, der die Augen überall hatte, wo es was zu erspähen gab, bemerkte wohl, daß der Meister unter der Schürze etwas forttrug, das er heimlich gearbeitet, damit es sein Geselle nicht sähe, und scharfen Blicks erkannte er, daß es ein hölzerner Fuß war, den der Meister mit Katzengold eingerieben, bis er glänzte. »Dahinter steckt etwas,« dachte er, begann in des Herrn Abwesenheit alles zu untersuchen, Schubladen, Kasten und Truhen und entdeckte in einer Lade, die unter des Meisters Bett stand, einen Fuß aus purem Golde, der gerade so aussah, wie der, den der Schreiner gemacht. Mit dem Goldfuß hatte es aber eine eigne Bewandtnis. Der Meister war auf dem Schloß gewesen, um in der Kammer des Grafen etwas in Ordnung zu bringen. Er mußte oft wiederkommen und hatte Muße, wenn der Herr Graf das Zimmer verließ, alles darin genau zu betrachten. Besonders gefiel ihm das Bett, das an einer Wand stand. Es war gar kunstvoll aus purem Golde gefertigt. Eine Fee hatte es dem Ahnherrn geschenkt und einen Zauber darauf gelegt, also: »daß jeder, der in dem Bette liege, so lange es unversehrt sei, nie solle von Krankheit befallen werden, sondern in hohem Alter sanft und selig entschlafen.« Darum war dem Grafen das Bett besonders lieb, und er hütete es wohl. Dem Meister aber stach das Gold in die Augen. Er besah das Bett genau und beschloß, die Beine auszutauschen. So hatte er schon ein Holzbein heimlich hergerichtet, daß es gerade so aussah wie das echte, und als er einmal allein in der Kammer arbeitete, um das Betpult des Grafen aufzuglänzen, tauschte er rasch die Beine aus. Und da niemand etwas davon merkte, und er hoffte, der Graf sei auf der Jagd, beschloß er, wieder zur Burg hinaufzugehen und heute nach Gelegenheit zu suchen, auch das zweite Bein, das er gemacht hatte, einzuwechseln. Der Graf aber war seit einiger Zeit unpäßlich, klagte über Schmerzen und konnte sich nicht erklären, woher das käme.

Als Schlupps das Goldbein in der Lade sah, dachte er: »Du kommst mir gerade recht. Mein Dreibein kann einen solchen Hinkefuß wohl brauchen,« nahm das Bein und leimte es an die Bank. Gegen Abend kam der Meister heim, ärgerlich, daß sein Plan mißglückt war; denn der Herr Graf hatte zu Bett gelegen, und so konnte er nicht in die Kammer. »Faß mit an die Lade,« gebot er dem Gesellen und trug sie mit ihm in den Keller; denn er hatte Angst, es könne ihm jemand seinen Schatz rauben, den er heimlich einem Goldschmied verkaufen wollte. Den Kellerschlüssel versteckte er im Rauchfang. »Ist die Bank fertig?« fragte er dann den Burschen. »Fertig und zum Küster getragen.« Deß war der Meister zufrieden; denn die Bank sollte am Sonntag vor der Kirchtür stehen als Armsünder-Bänkchen. War das alte doch schon abgenutzt von den vielen, die darauf gesessen hatten.

Wie Sonntags alle in der Kirche waren und der Pfarrer das Gebet gesprochen hatte, klopfte es vernehmlich an die Kirchenpforte, und als der Küster öffnete, kam die Bank herein, humpelte die Kirche entlang, »klipp, klapp, tripp, trapp,« am Altar des Herrn vorbei, immer weiter, bis sie an einem Kirchenstuhl stehen blieb, grad wo der Meister saß, der mit Schrecken den goldenen Fuß erkannte. »Ich weiß von nichts,« rief er und wurde blaß wie das böse Gewissen. »Es hat Ihn ja noch keiner angeklagt,« sprach der Pfarrer ernst. »Ich weiß von nichts,« versicherte der Meister wieder und zitterte und ward schlohweiß. »Das hat mein Geselle getan. Holt ihn her und laßt ihn die peinliche Strafe erleiden!« Aber der Geselle war fort über Land. Aus des Meisters Gefach hatte er so viel Geld genommen, als der Lohn für seine Arbeit betrug; alles andere hatte er unberührt gelassen. Der Meister mochte leugnen, soviel er wollte, es half ihm nichts – der Graf sagte ihm den Diebstahl auf den Kopf zu, schließlich gestand er seine Tat ein und mußte auf dem Armsünder-Bänkchen sitzen zum Gespött aller Leute. Der Graf aber ließ den echten Fuß wieder am Bett anmachen und war von der Stunde ab gesund.

Die Vogelscheuche

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Wo war Schlupps indeß? Der saß auf einem Kirschbaum an der Straße und tat sich gütlich. »Gut, daß ich den Spatzen zuvorkomme,« dachte er. »Braucht der Bauer keine Scheuche aufzustellen, die ihm die Räuber verjagt.« Da sah er von ferne einen Landmann kommen, der hatte die blinkende Sense auf dem Rücken und schritt rüstig aus; denn er war ein gar großer Mann. »Halt,« dachte Schlupps. »Wer weiß, ob der versteht, was ich hier tue. Wenn er mit der Sense ausholt, sitzt mein Kopf etwas tiefer und kommt nimmer an seinen Platz.« Schnell zog er seinen Rock aus, drehte ihn um und tat ihn verkehrt an, den Hut stülpte er so tief auf den Kopf, daß man kaum das Gesicht sah, und dann stand er unbeweglich in den Zweigen.

Der Bauer dachte: »Was ist denn das für ein Ungetüm, vor dem fürchten sich die Spatzen sicher. Wenn ich nur wüßte, wie ich zu einer solchen Vogelscheuche käme.« »Wer hat dich dort oben hingestellt?« rief er hinauf.

»Mein Vater hat mich aus Holz gemacht.

Mein’ Mutter hat mich hierhergebracht.

Mein’ Schwester weint um mich sicherlich.

Rüttle mich fest, so lebe ich,« –

klang es hohl zurück.

Da erschrak der Bauer und meinte nicht anders, als es sei eine verwünschte Seele, die er erlösen könne, stieg auf den Baum und begann den Burschen zu rütteln und zu schütteln. Der sprang herab und rief: »Das lohn’ dir Gott, das lohn’ dir Gott,« dann gab er Fersengeld und lief davon, dem Dorfe zu. Erstaunt ging der Bauer heim und gradaus zum Pfarrer, dem er die Mär von der erlösten Seele beichtete. Der Pfarrer war sehr erfreut, in seiner Gemeinde ein Schäflein zu haben, das irrende Seelen erlösen könne. Er belobte den Bauer um seine Guttat und wies ihn an, den Burschen herbeizubringen. Wie der Bauer das Pfarrhaus verließ und an dem Gottesacker vorbeischritt, da sah er an der Kirchhofmauer eine Gestalt stehen, die kam ihm bekannt vor, und wie er hinsah, war es die Scheuche vom Kirschbaum, angetan wie ein richtiger Handwerksbursch. Das gab eine große Freude im Dorf, als der Geselle unter der großen Linde saß und anhub zu erzählen, wie eine böse Stiefmutter ihn verwünscht habe – dabei hatte er seine Lebtage keine Stiefmutter gehabt – wie der Bauer ihn erlöst habe, und daß er jetzt die Kunst besäße, die Vögel zu scheuchen und von der Saat fern zu halten.

Da wollten ihn die Bauern nimmer fortlassen, und es wurde beschlossen, daß sie reihum den Burschen verpflegen wollten, dafür sollte er abwechselnd ihre Felder und Gärten bewachen. Deß war der Handwerksbursche zufrieden, stand jeden Tag in einem andern Feld und lehrte die Kinder, die sich in Haufen um ihn versammelten, tolle Sachen, Gesichter schneiden, Schelmenlieder singen und kecke Antworten geben. Weil nun immer eine große Kinderschar um den Gesellen war und viel Lärm machte, blieben die Felder spatzenrein. Dafür aß der Bursche für zwei und mancher dachte: »Besser die Spatzen säßen im Feld, als der Fresser am Tisch.« Wagten aber nichts zu sagen, weil keiner vor den Nachbarn als geizig und ungünstig erscheinen wollte.

Als aber der Bursche an das letzte Haus des Dorfes kam, in dem eine arme Witwe wohnte, sagte diese: »Einen Garten zu bewachen habe ich nicht, und die Spatzen können mir nichts nehmen, dieweil kein Halm für mich wächst. Aber zu essen will ich Euch wohl geben, weil Ihr eine irrende Seele seid. Mein Kind und ich können heute das Mittagsmahl entbehren.« Damit setzte sie die Schüssel auf den Tisch und sagte: »Gesegn’s Gott!« Dann nahm sie ihr Bübchen an die Hand und führte es hinaus, daß es nicht zusähe, wie der fremde Mann sein Essen bekäme, und draußen vertröstete sie das weinende Kind auf das Nachtmahl.

Dem Handwerksburschen stieg das Blut zu Kopfe, wie er bedachte, daß die arme Frau und das Kind hungerten. Er saß eine Weile vor der vollen Schüssel, dann stand er auf, rief die Frau und sagte: »Gegessen hab’ ich. Wundert Euch nicht, daß die Schüssel nicht leer und noch voll Milchsuppe ist. Sagt es keinem, daß ich einen Zauberspruch weiß, der die Schüssel, daraus ich esse, immer wieder füllt.« Damit ging er fort, und als die Frau hineinkam, lag neben der Schüssel ein blankes Goldstück.

Der Weinpanscher

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Den Burschen duldete es nicht mehr am Orte; denn wenn er den Zaubersegen in jedem Haus vor der vollen Schüssel hätte aussprechen sollen, so wäre es um seinen Magen schlecht bestellt gewesen. Darum machte er, daß er fortkam und wanderte über einen hohen Berg, bis er talwärts ein einsames Wirtshaus fand. Der Wirt stand in der Türe und spähte nach allen Seiten, ob kein Wanderer des Weges kommen wollte; denn es war schon hoch im Jahre, und selten verirrte sich einer in die verlassene Gegend. Er sah Schlupps mißtrauisch an und gab ihm zu verstehen, daß sein Haus auf Gäste, die schlecht zahlten, nicht eingerichtet sei; fragte, wie lange der Gast zu bleiben gedenke und wohin und woher. »Grad aus dem Fegfeuer,« seufzte der Bursche, machte ein gottsjämmerliches Gesicht, saß nieder, stützte das Haupt in die Hände und seufzte laut auf.

Dem Wirte wurde bang. Wenn das nur nicht der Gottseibeiuns selber war, der ihn versuchen wollte. Der nahm so viele Gestalten an, warum sollte er nicht auch als Handwerksbursche kommen?

»Erzählt mir, was Euch herführt?« bat er den Gast. Dabei trug er eine Schüssel nach der andern auf und nötigte den Fremden zum Essen, und der, nicht faul, hieb auf die Gerichte ein, daß es eine Lust war. Das beruhigte den Wirt einigermaßen, daß der Böse so menschlich aß und trank. Dann gab der Bursche auf die Fragen Bescheid und erzählte von den armen Seelen im Fegfeuer. »Warum habt Ihr müssen darinnen sitzen und warum irrt Ihr jetzt auf der Erde herum?« fragte der Hausherr.

»Das ist eine traurige Sache,« seufzte Schlupps und zündete ein Pfeifchen an. »Ich war ein Gastwirt, wie Ihr. Mein Haus stand in einem schönen Tal, wo Wein in Fülle wuchs. Da ich aber unersättlich war und nicht schnell genug reich werden konnte, tat ich Wasser in den Wein und wußte doch, daß ich meine Seele damit dem Bösen verschrieb. Jahrelang hielt ich es so. Eines Tages klopfte ein Handwerksbursche an meine Tür und bat um ein Nachtlager. Weil ich dem Gast ansah, daß seine Zeche nicht sehr hoch sein werde, nahm ich ihn unwillig auf, setzte ihm Reste von saurem Wein vor, der vom Faß niedergetropft war und in einem Bottich gärte und wies ihn fort, als er Nachtherberge verlangte. Dann ging ich in den Keller, meinen Wein mit Zucker und Wasser zu mischen, wie ich es gewohnt war.

Der Höllwirt

Als ich mich umwende, wer steht hinter mir? – – – Der Handwerksbursche! Er packte mich und schrie: »Hab ich dich bei deinem schändlichen Treiben erwischt? Jetzt bist du mir verfallen.« Er wuchs und wuchs, bis er an die Decke des Kellers stieß, seine Augen glühten und sprühten Flammen. Dann stampfte er mit dem Fuße auf die Erde und wir sanken tausend Klafter tief, grad in die Hölle. Da war große Freude, als ich ankam; denn die Weinpanscher sind dort besonders gut angeschrieben, und des Teufels Großmutter nahm mich gleich bei der Hand und führte mich an eine glühend heiße Stelle. Jetzt mußte ich im Fegfeuer sitzen und sah über mir Wein keltern, den besten Roten und Weißen. Der Duft zog mir in die Nase, und ich bekam keinen Tropfen zu kosten. Alle hundert Jahre darf ich auf die Erde gehen, in Gestalt eines Handwerksburschen. Finde ich einen Wirt, der die armen Wandrer von der Schwelle jagt oder ihnen ein bös Gesicht und sauren Wein vorsetzt und die lieben Gottesgaben mit Wasser mischt, dann bin ich frei und darf ihn statt meiner in die Hölle führen. Lasse ich mich aber durch Bitten erweichen und gebe den Wirt frei, dann muß er mich ein Jahr gut verpflegen, und ich muß an seiner Stelle hundert Jahre mehr im Fegfeuer sitzen.«

Der Wirt erschrak und dachte an den Brunnen, den er im Keller gegraben hatte, weil er das Wasser dann bequemer in die Fässer schütten konnte. Er wies dem unheimlichen Gast sein bestes Zimmer an, wartete, bis er schlief, stieg dann in den Keller hinab und leerte vorerst zwei von den großen Fässern, in denen gewässerter Wein war, in den Brunnen aus. Über den deckte er ein großes Brett, damit keiner sähe, was darinnen war.

Am andern Morgen bat der Bursche: »Zeigt mir doch Euren Weinkeller.« Der Wirt traute sich nicht zu widersprechen, führte den Handwerksburschen hinab und ließ ihn von jedem Fasse kosten. Aber nur von den guten, in denen reiner Wein war. Schlupps aber entdeckte hinten in der Ecke zwei Fässer, die ihm verdächtig vorkamen, ging hin und wollte sie anzapfen.

»Kommt herauf und eßt erst was,« bat der Wirt, »mit leerem Magen trinkt sich’s schlecht. Hab Euch ein Hühnchen gebraten und einen fetten Schinken aus der Räucherkammer geholt.« Das ließ sich der Gast nicht zweimal sagen, ging hinauf, aß und hieb mit solcher Macht in den Schinken ein, daß sein Messer Funken sprühte und der Wirt meinte, das höllische Feuer leuchten zu sehen.

Als die Mahlzeit fertig war, sagte Schlupps: »Meister, so leid es mir tut, die Kellerprobe ist noch nicht fertig. Doch braucht Ihr Euch nicht in den Keller zu bemühen. Des Teufels Großmutter hat mich ein Sprüchlein gelehrt, wenn ich das sage, dann kommen die Fässer, in denen gepanschter Wein ist, gradwegs die Kellertreppe hinauf in die Wirtsstube. Ich brauche bloß meinen Becher hoch zu heben und zu sprechen:« – – – »Haltet ein! Haltet ein!« schrie der Wirt und riß den Becher aus der Hand des Handwerksburschen. »Laßt im Keller, was drinnen ist. Ich will Euch ein Jahr verpflegen und Ihr sollt es gut haben. Was kann Euch an hundert Jahren mehr im Fegfeuer liegen?«

»Wirt, Ihr sprecht, wie Ihr es versteht. Wüßtet Ihr, welche Pein ich dort erduldet! Ihr holtet selber die Fässer herauf, um mich zu erlösen. Schrecklich ist es dort unten und –« »Hört auf, hört auf!« rief der Wirt wieder. »Laßt Euch erweichen. Bleibt bei mir. Ihr sollt es nicht bereuen, und ich will auch für Eure arme Seele beten.« Der Bursche sann nach. »Ihr tut mir leid,« sagte er endlich. »Euch zu lieb will ich es auf mich nehmen. Aber,« setzte er drohend hinzu, »hütet Euch, den Pakt zu brechen; denn dann seid Ihr mir unrettbar verfallen und müßt in die Hölle.«

Der Wirt versprach, was der Bursche wollte, stieg in den Keller hinab, holte ein Maß vom Besten, und bei Rotem wurde der Pakt besiegelt. Dann ging der Hausherr wieder hinunter und strich zärtlich über die beiden Fässer, die er noch zurückbehalten hatte. Den Wein wollte er den Fuhrleuten vorsetzen, die im Sommer kamen und Ausspann bei ihm hielten.

Den Winter hindurch saß Schlupps in der Wirtsstube, erzählte Schnurren, schmauchte sein Pfeifchen und aß und trank. Wie es aber Frühling wurde, sehnte er sich hinaus und sagte zu seinem Wirte: »Seid bedankt für die Pflege, die Ihr mir habt angedeihen lassen. Ich will es Euch eingedenk sein und die hundert Jahre Fegfeuer gern für Euch ertragen. Mein Jahr ist noch nicht um; aber ich muß weiter ziehen. Doch zuvor gebt mir die zwei Fässer, die in der Ecke im Keller liegen, sonst hilft dort unten mein Bitten nichts. Ich will sie Euch abnehmen. Gebt mir Wagen und Pferde, so lade ich sie auf, und Ihr seid sie los.«

Der Wirt war froh, den höllischen Gast auf gute Art aus dem Hause zu bekommen, gab ihm das Verlangte, tat noch ein Fäßchen schweren Roten dazu, steckte dem Burschen ein Beutelchen mit Geld bei und bat ihn um Gotteswillen, bei des Teufels Großmutter ein gut Wort einzulegen.

Der Bursche versprach es und sagte zum Abschied: »Wenn Euch einer fragt, wer Euch gelehrt hat, mit Wein und Gästen gut umzugehen, sagt immer ›Schlupps.‹« Damit zog er ab, und dem Wirt fiel ein Stein vom Herzen.

*

Nicht lange darauf hörte man eines Tages Hörner blasen, und als der Wirt in die Haustüre trat, kam eine Reiterschar dahergesprengt, und der Vornehmste von ihnen war der König. Die Ritter saßen ab und traten in die Gaststube. »Holt Essen herbei,« befahl der König, »wir sind müde und hungrig von der Jagd.« Da liefen der Wirt und sein Gesinde und brachten heran, was Gutes in Kammer und Küche war. »Habt Ihr Wein?« fragte der Kämmerer, der immer an des Königs Seite saß. »Ei freilich,« rief der Wirt und wollte schnell hinabspringen und zapfen; aber der König sah ihn scharf an und sprach: »Weißt du, daß ich ein Gebot erlassen habe: man solle jeden, der Wein fälscht, zum Galgen führen? Wehe, wenn ich dich auf böser Tat ertappe!« Der Wirt beteuerte, daß sein Wein echt und rein sei. Da stieg der König selbst mit in den Keller, um den Wein zu prüfen, und aus jedem Faß, das er versuchte, kam die liebe Gottesgabe rein und unverfälscht heraus und sein Gesicht strahlte immer mehr vor Freude, als er von Faß zu Faß ging. »Wer hat dich gelehrt, den Wein so gut zu behandeln?« »Schlupps,« antwortete der Wirt.

Da sahen sich die Diener des Königs erstaunt an, solch ein Wort hatten sie noch nie vernommen. Der Kämmerer aber legte den Finger an die Nase, dachte eine Weile nach und meinte dann bedeutungsvoll: »Das ist eine Sprache, die ich nicht kenne. Wer weiß, was der Wirt für ein gelehrter Mann ist.« – Dann flüsterte er lange heimlich mit dem König. Der nickte mit dem Kopfe und sagte zu dem Wirt, der abseits stand und nicht wußte, was das alles zu bedeuten habe: »Wisset, mein Kellermeister ist gestorben. Im ganzen Lande suchen wir einen neuen; aber es muß ein Mann sein, der nie Wein gefälscht, noch gewässerten Wein verkauft hat. Du scheinst mir der Rechte. Sage mir, wer hat dich in der Kunst unterwiesen?«

»Schlupps,« sagte der Wirt wieder. Der König legte seine Stirn in tiefe Falten und sah sich ernst im Kreise um. Denn weil ein König gescheidter sein muß, wie alle Leute und alles besser wissen soll, wollte er nicht merken lassen, daß er das Wort nicht kenne und so sagte er: »Das dachte ich mir gleich. Willst du mein Kellermeister sein, so sollst du in meinem Schlosse wohnen, in einer goldenen Kutsche fahren und so viel Geld haben, als du immer willst; dafür darf kein anderer als du meinen Wein besorgen.«

Des war der Wirt froh. Entließ sein Gesind, schloß sein Haus zu, bestieg ein Pferd und zog mit dem König fort.

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21 ocak 2025
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