Kitabı oku: «Heimwerken in der Fotografie»

Cyrill Harnischmacher, Jahrgang 1963, studierte Freie Kunst und arbeitet als selbstständiger Graphiker für regionale und überregionale Kunden. Für Verlage ist er außerdem als Buchgestalter und Autor tätig. Er hat zahlreiche Fotofachbücher verfasst sowie herausgegeben und schreibt Artikel für Foto- und Computer-fachmagazine wie c’t Digitale Fotografie. Er ist Autor des legendären »lowbudget-shooting«. Beim dpunkt.verlag veröffentlichte er als Herausgeber »Die Wilde Seite der Fotografie« (zwei Bände) sowie als Autor das Buch »Makrofotografie«. www.chgrafik.de
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Cyrill Harnischmacher
Heimwerken in der Fotografie
Kameras selber bauen – Objektive adaptieren

Cyrill Harnischmacher
www.chgrafik.de
Lektorat: Rudolf Krahm
Lektoratsassistenz: Julia Griebel
Copy-Editing: Sandra Petrowitz
Satz: Cyrill Harnischmacher
Herstellung: Stefanie Weidner, Frank Heidt
Umschlaggestaltung: Helmut Kraus, www.exclam.de
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN:
Print978-3-86490-800-2
PDF978-3-96910-087-5
ePub978-3-96910-088-2
mobi978-3-96910-089-9
1. Auflage 2021
Copyright © 2021 dpunkt.verlag GmbH
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Für Urte, Tabea und Jona

Sich Zeit nehmen
Zeit ist ein existenzieller Bestandteil der Fotografie. Nicht allein im physikalischen Sinne, also der Dauer der Belichtung, in der das Licht auf den Sensor oder den Film trifft, um dort seine Spuren zu hinterlassen. Es ist schön, sich Zeit zu nehmen und den Umgang mit der Technik, aber auch die kreative Auseinandersetzung mit dem Motiv zu genießen. Und mal ehrlich, wer will schon, dass einem die Kamera den Spaß am Fotografieren auf wenige Sekundenbruchteile reduziert?
Zeit bedeutet aber auch Erinnerung an die Vergangenheit. Ich bin mit Kodak Retinette, Agfamatic und Revueflex aufgewachsen. Das Arbeiten mit alten Kameras, das Aussehen und die Haptik analoger Fotoapparate wecken bei mir Erinnerungen an meine ersten eigenen fotografischen Schritte.
Eine Zeitreise bis zu den Anfängen der Fotografie ist die in diesem Buch vorgestellte Cyanotypie-Kamera. Sie versetzt uns in eine Ära, als das Arbeiten mit einer Kamera noch experimentell war, und sorgt mit Belichtungszeiten von einer Stunde und mehr für eine deutliche Entschleunigung.
Nehmen Sie sich daher die Zeit und verwirklichen Sie Ihre eigenen Ideen zu Adaptionen, Modifikationen oder Eigenbauten.
Cyrill Harnischmacher
im Oktober 2020
Inhalt
Die Welt durch eine andere Brille sehen
01 Optik-Know-how
Allgemeine Grundlagen
Lichtspektrum
Linsen
Brennpunkt
Brennweite
Bildentstehung
Blende
Schärfentiefe und Zerstreuungskreise
Bokeh
Aufnahmeformate
Bildkreis
Formatfaktor
Auflagemaß
02 Von Aluprofil bis Zwischenring
Werkzeug und Material
Ein paar Worte zur Sicherheit
Das richtige Werkzeug
Baumaterialien
Sauber arbeiten
DIY und Ästhetik
Geeignete Kameras und Objektive
Die Gewissensfrage
Bildqualität alter Objektive
Platzbedarf ermitteln
Adapter und Verbindungen
M42 als universelle Schnittstelle
Geklebte Verbindungen
03 Basisarbeiten
Tipps und Tricks
Mittelpunkt bestimmen
Schablone zum Zuschneiden verwenden
Gleich große Teile anzeichnen
Gleichmäßige Streifen schneiden
Profilleisten herstellen
Objektivdeckel exakt kürzen
Lichtlecks erkennen und beseitigen
Einen Balgen selber herstellen
Balgen konstruieren
Finalen Balgen falten
Konisch zulaufender Balgen
Fehler vermeiden
04 Balgenkameras der 30er- bis 50er-Jahre
Balgenkamera-Objektive adaptieren
Geeignete Basiskameras
Objektiv ausbauen
Der Aufbau des Adapters
Unterschiedliche Aufnahmetechniken
05 Sucherkameras der 50er- bis 70er-Jahre
Sucherkamera-Objektive adaptieren
High-End oder 70er-Jahre-Look
Kodak Retinette 1A
Agfa Silette LK sensor
Altix-N
Minox
Voigtländer Vitoret LR
06 Multishot-Kameras
Tilt-/Shift-Laufbodenkamera mit digitalem Rückteil
Holzarbeiten
Winkelschienen anpassen
Der Kamerabalgen
Das Objektiv
Digitales Rückteil
Das Mattscheibenmodul
Die Mattscheibe
Die Laufbodenkamera im Einsatz
Modulare Tilt-/Shift-Balgenkamera
Einsatzgebiete
Geeignete Objektive
Kameragestell bauen
Schlitten befestigen
Die Kamerabefestigung
Standarten anfertigen
Weitwinkelbalgen nähen
Endmontage
Alternative Varianten
Aufnahmen vorbereiten
Technische und kreative Möglichkeiten
Der Einsatz von Kleinbild-Objektiven
Standarte und Balgen
Vorteile und Einschränkungen
Panoramabox
Objektiv und Kamera auswählen
Das Gehäuse bauen
Die Rückwand
Der Schiebemechanismus
Die Montage der Kamera
Aufnahmen
Um 360 Grad drehbares Shift-Objektiv
Das Basisobjektiv
Objektivaufbau
Das Shift-Objektiv im Einsatz
Drehbares Weitwinkel-Shift-Objektiv für APS-C
Shift-Experimente
Multishot-Aufnahmen erstellen und stitchen
Aufnahmen erstellen
Stitchen
Automatisieren
Photoshop
Affinity Photo
Autostitch
07 Lochkameras
Rasierklingenblenden- und Multi-Lochkameras
Lochkamera-Fassungen und Kamera-Anschluss
Lochkamera mit Rasierklingenblenden
Schlitzkamera mit Rasierklingenblenden
Multiple Lochkameras
Flexible Lochkamera aus Super-8-Objektiv
Lochkamera-Aufnahmen
08 Spezielle Aufnahmetechniken
Um 360 Grad drehbares Tilt-Objektiv
Drehbarer Adapter
Tilt-Aufnahmen
Janpol-Color-Farbmischobjektiv
Individuell filtern
Mehrfachobjektive
Geteiltes Bild ist doppeltes Bild
Die Vierfach-Variante
Kreativer Spielraum
Digitale Slit-Kamera
Geeignete Kameras
Schiebevorrichtung mit Schlitzblende
Objektivhalterung und Kamera-Anschluss
Einstellschlitten mit Kurbelantrieb
Erste Aufnahmen
Effekte
Cyanotypie-Kamera
UV-Fotografie
Das richtige Objektiv finden
Die Kamera bauen
Sandwich-Bodenplatte
Aufnahmekassette und Mattscheibe
Die Standartenverstellung
Farbiger Balgen
Objektiv und Frontplatte
Abschließende Arbeiten
Cyanotypie-Aufnahmen
Digitale Entwicklung
09 Linsenexperimente
Mit und ohne Linsen experimentieren
Einzelne Linsen adaptieren
Lichtleck-Objektiv
Fresnellinse als Objektiv
Einzellinsen mit Blende versehen
Intuitives Tilt-Objektiv mit Nahlinse
Drehbare Effektblenden vor dem Objektiv
Drehbare Effektblenden hinter dem Objektiv
Projektor-Objektiv als Nahlinse
Freestyle
10 Einkaufstipps und Objektivtests
Einkaufstipps
Materialkauf
Kamerakauf
Objektivtests
Schlusswort

Die Welt durch eine andere Brille sehen
Seit der Einführung der spiegellosen Systemkameras, die über ein deutlich geringeres Auflagemaß als herkömmliche Spiegelreflexkameras verfügen, hat sich ein großer Markt für Adapter entwickelt. Es gibt daher kaum ein Wechselobjektiv, das sich nicht an einem der spiegellosen Systeme nutzen lässt.
In diesem Buch möchte ich noch einen Schritt weiter gehen und auch die Adaption von Objektiven aus den frühen Zeiten der Fotografie beschreiben, als Blende und Fokus noch per Hand eingestellt wurden und man den Verschluss manuell spannen musste. Darüber hinaus bieten auch viele Objektive aus Projektoren, Vergrößerern und sogar einzelne Linsen die Möglichkeit, die Vorteile digitaler Technik kreativ mit analoger Fototechnik zu verbinden – sei es über einen selbst gefertigten Adapter oder über eigens dafür gebaute Kameragehäuse. Dabei geht es nicht immer darum, Höchstleistungen aus den adaptierten Optiken herauszuholen. Auch das Unvollkommene hat einen besonderen Reiz und trifft die Stimmung, die man ausdrücken möchte, manchmal besser, als es mit modernen Objektiven möglich ist.
Ich hoffe, Sie haben Spaß beim Lesen dieses Buches und werden mit den eigenen Projekten, die Sie verwirklichen wollen, noch viel kreative Zeit verbringen. Es ist ein schönes Gefühl, eine Kamera in den Händen zu halten, die man selber gebaut hat, über die man viel nachgedacht hat und bei deren Entstehung man sich auch durch ein paar Probleme hindurchgekämpft hat.
High-Tech und Low-Tech miteinander verbinden, um etwas Eigenes und Persönliches zu schaffen, sich nicht nur auf das Konsumieren beschränken, sondern Hand anlegen und Dinge selbst gestalten: Auch das ist es, was ich mit diesem Buch vermitteln möchte.

01
Optik-Know-how
Objektive berechnen und Kameras konstruieren ist nur etwas für High-Tech-Unternehmen – sollte man meinen. Doch angefangen hat alles mit Beobachtungen und Experimenten. Heute können wir auf das damals erarbeitete Wissen zurückgreifen und uns voll und ganz auf die kreativen Aspekte der Fotografie konzentrieren.
Allgemeine Grundlagen
Auch wenn dies in erster Linie ein Do-it-yourself-Buch ist, ein wenig Theorie muss sein. Es soll aber nicht um komplizierte Berechnungen von Objektiven gehen, sondern ich möchte an dieser Stelle kurz die Basisinformationen zu den in diesem Buch beschriebenen Projekten vermitteln.
Lichtspektrum
Das Spektrum des sichtbaren Lichts ist nur ein kleiner Teil der elektromagnetischen Strahlung, die auch Bereiche wie Gamma- und Röntgenstrahlung, UV- und Infrarotstrahlung, Radar und Rundfunkwellen umfasst. Der für die Fotografie relevante Teil, also der Teilbereich, der vom Sensor erfasst und in Bilddaten umgesetzt werden kann, entspricht in etwa dem für das menschliche Auge erfassbaren Bereich. Die Empfindlichkeit des Sensors einer Digitalkamera geht zwar im Prinzip auch in Teilbereiche des nahen Infrarot- und des UV-Lichts, diese Bereiche werden aber durch vorgeschaltete Filter in der Kamera ausgeblendet, da sie die Wiedergabe des Bildes im sichtbaren Bereich des Lichts ungünstig beeinflussen können.

Schickt man das weiße Tageslicht durch ein Prisma, wird es in die Spektralfarben zerlegt.
Linsen
Linsen sind ein fast unverzichtbarer Bestandteil der Bilderzeugung in der Fotografie. Sie bestehen aus lichtdurchlässigen Materialien wie beispielsweise Glas oder Kunststoff. Unterschieden wird zwischen Sammellinsen und Zerstreuungslinsen. Sammellinsen sind in ihrer Mitte dicker als im Randbereich, Zerstreuungslinsen sind hingegen in der Mitte dünner. Dafür muss mindestens eine Oberfläche gewölbt sein. In der Fotografie eingesetzte Linsen sind in der Regel sphärische Linsen, das bedeutet, die Krümmung der Oberfläche entspricht dem Teil eines Kreises. Bei der Konstruktion von Objektiven werden oft mehrere Linsen miteinander kombiniert, um Abbildungsfehler zu vermeiden.
Brennpunkt
Der Brennpunkt einer Sammellinse ist der Punkt, an dem sich die von der Linse gebündelten Lichtstrahlen auf der optischen Achse schneiden.

Schematische Darstellung unterschiedlicher sphärischer Linsenformen. Sammellinsen: (1) bikonvex, (2) plankonvex, (3) konkavkonvex Zerstreuungslinsen: (4) bikonkav, (5) plankonkav, (6) konvexkonkav

Sammellinse (plankonvex): Parallel einfallende Lichtstrahlen werden an einem Punkt (Brennpunkt) gebündelt. Foto: Jonas Hiestand

Zerstreuungslinse (plankonkav): Parallel einfallende Lichtstrahlen werden gestreut. Foto: Jonas Hiestand
Brennweite
Der Abstand zwischen der Hauptebene einer Linse und dem Brennpunkt wird als Brennweite bezeichnet. Die Hauptebene kann bei einzelnen Linsen mit der Linsenmitte zusammenfallen.

Die Brennweite beschreibt die Entfernung zwischen der Hauptebene und dem Brennpunkt.
Bildentstehung
Die vom Motiv reflektierten Lichtstrahlen werden durch die Linse gebrochen und so auf die Bildebene, also den Film oder Sensor projiziert. Dort erzeugen sie im Brennpunkt ein spiegelverkehrtes und auf dem Kopf stehendes Abbild.
Blende
Die Blende eines Objektivs ist im Prinzip eine variable Öffnung, mit der sich die einfallende Lichtmenge steuern lässt. Dabei ist es zunächst einmal egal, welche Form die Blende besitzt. Die Blende beeinflusst zum einen die erreichbare Schärfentiefe, zum anderen durch ihre Form auch das Bokeh. In einem Objektiv besteht die Blende in der Regel aus mehreren Blendenlamellen, die sich ringförmig schließen lassen. Es gibt aber auch einfache Steckblenden, die gegeneinander ausgetauscht werden können, oder Blenden, die ihre Öffnung verändern, indem zwei Formen zueinander verschoben werden.

Das Bild des Motivs erscheint spiegelverkehrt und auf dem Kopf stehend auf dem Sensor bzw. dem Film.
Steckblenden haben den Vorteil, dass sie tatsächlich kreisförmig sein können, während eine variable Blende immer nur eine Annäherung an die ideale Kreisform ist.
Blenden, die durch das Verdrehen oder Verschieben zweier Formen zueinander funktionieren, sind einfach zu bauen, und man hat die Möglichkeit, durch unterschiedliche Grundformen Bildeffekte zu erzielen und somit das Bokeh zu beeinflussen.
Die Blende kann berechnet werden, indem man die Brennweite des Objektivs durch den Durchmesser der Öffnung teilt. Bei nicht kreisförmigen Blenden kann das natürlich nur eine Annäherung sein.
Schärfentiefe und Zerstreuungskreise
Wird ein Objekt scharf gestellt, werden diejenigen Punkte des Motivs auch als Punkte auf dem Sensor abgebildet, die exakt auf der Fokusebene liegen. Alle anderen Punkte des Motivs werden nicht punktförmig, sondern als mehr oder weniger große Scheiben dargestellt, sogenannte Zerstreuungskreise. Unser Sehvermögen nimmt diese zunehmend größer werdenden Scheibchen bis zu einem gewissen Grad noch als punktförmig und daher scharf wahr. Überschreitet die Größe des Zerstreuungskreises einen bestimmten Wert, werden die Bildpunkte vom Betrachter als unscharf interpretiert. Die Größe der maximal zulässigen Zerstreuungskreise hängt von der Größe des Aufnahmeformats ab.

Blenden lassen sich auf unterschiedliche Weise in der Größe verändern.(1) Einlegen unterschiedlich großer Blenden, (2) Verdrehen zweier Öffnungen gegeneinander, (3) Irisblende, Verdrehen mehrerer Segmente zueinander, (4) Verschieben zweier Formen gegeneinander

Je weiter die Blende geöffnet ist, umso kleiner ist der durch die Größe der Zerstreuungskreise bestimmte wahrnehmbare Schärfentiefebereich.

Die Form der Zerstreuungskreise wird von der Anzahl der Lamellen und dem Aufbau der Blende bestimmt.
Bokeh
Die Form der Zerstreuungskreise hat zwar keinen Einfluss auf die Schärfentiefe, aber dennoch auf die Ästhetik der Aufnahme. Ihre Form wird von der Blendenform und der Anzahl der Blendenlamellen bestimmt. Bei vielen Objektiven sind Zersteuungskreise sechs- oder achteckig oder wie zum Beispiel bei Spiegeltele-Objektiven ringförmig. Im Idealfall sind sie kreisrund. Diese eher subjektive Qualitätseinschätzung wird als Bokeh bezeichnet und bestimmt die Art des Übergangs zwischen den scharfen und den unscharfen Bereichen in einer Aufnahme. Das Bokeh ist mittlerweile auch ein Maßstab für die Abbildungsgüte eines Objektivs.
Aufnahmeformate
Das Aufnahmeformat ist die lichtempfindliche Fläche von Film oder Sensor. Die bekannten Bezeichnungen Kleinbild, Mittelformat und Großformat beschreiben Aufnahmeformate, die sich an gängigen Formaten der analogen Fotografie orientieren. Die Bezeichnungen sind allerdings etwas ungenau, denn es gibt noch eine Vielzahl von Zwischenformaten. Durch die digitale Fotografie sind mittlerweile noch kleinere Formate hinzugekommen, wie etwa Micro Four Thirds, aber auch einige Sensorformate bei Mittelformatkameras. Aus dem Aufnahmeformat kann man den Bildkreis ableiten, den ein für dieses Format entwickelte Objektiv mindestens hat. In diesem Buch finden Sie einige Projekte, die sich den teilweise enormen Unterschied der Aufnahmeformate zunutze machen.

Bildkreis, Aufnahmeformate und Formatfaktor:
Ein Objektiv mit einem Bildkreis, der das Format 6 × 9 ausleuchtet, lässt sich mit allen kleineren Sensor- bzw. Filmformaten nutzen. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass das Auflagemaß passt. Die farbigen Rahmen zeigen den erzielbaren Bildausschnitt beim entsprechenden Format (Formatfaktor).
Mittelformat 90,0 mm × 60,0 mm
Mittelformat 60,0 mm × 45,0 mm
Mittelformat 48,0 mm × 36,0 mm
Kleinbildfilm, Vollformatsensor 36,0 mm × 24,0 mm
APS-C (Sony, Nikon DX) 23,7 mm × 15,6 mm
Micro Four Thirds 17,3 mm × 13,0 mm
Bei einem für das Kleinbildformat gerechneten Objektiv kommt es beim Einsatz an größeren Formaten zu Abschattungen.
Mit einer Multishot-Kamera oder einem Shift-Objektiv lassen sich der größer Bildkreis auch komplett oder zumindest größtenteils an Kameras mit kleinerem Sensorformat nutzen.
Bildkreis
Der Bildkreis eines Objektivs ist derjenige Bereich, den es ohne Abschattungen auf der Film-/Sensorebene ausleuchten kann. Der Durchmesser muss also mindestens der Bilddiagonale des Aufnahmeformates entsprechen. Um ein Objektiv als Shift-Objektiv oder an einer Multishot-Kamera nutzen zu können, muss der Bildkreis deutlich größer als das Aufnahmeformat sein.
Formatfaktor
Möchte man Objektive nutzen, die für ein anderes Aufnahmeformat gerechnet sind, passen Bildkreis und Sensor-/Filmformat nicht zusammen. Dadurch ergibt sich entweder ein zu großer Bildkreis, den man nur teilweise nutzen kann, oder ein zu kleiner Bildkreis, der das Aufnahmeformat nicht komplett ausleuchtet. Der Formatfaktor beschreibt das Verhältnis der unterschiedlichen Bilddiagonalen zueinander. Er lässt sich berechnen, indem man die Diagonale des größeren Formats durch die des kleineren Formats teilt.
Ein Beispiel: Die Diagonale des Kleinbild-Formats (Vollformat) beträgt 43,3 mm, die eines APS-C-Sensors 28 mm. Das ergibt einen Formatfaktor von 1,55.
Der früher weit verbreitete Ausdruck »Brennweitenverlängerung« trifft nicht ganz zu. Er suggeriert, dass sich die Brennweite durch den Formatfaktor ändert. Das ist aber nicht der Fall. Eine Aufnahme mit einem 200-mm-Teleobjektiv an einer APS-C-Kamera mit dem Formatfaktor 1,5 zeigt zwar in etwa den Bildausschnitt, den man mit einem 300-mm-Objektiv am Vollformat erreichen würde, es ist jedoch nur ein entsprechender Ausschnitt aus dem Bildkreis des 200-mm-Objektivs.
Auflagemaß
Das Auflagemaß beschreibt den Abstand zwischen dem Sensor der Kamera und der Auflagefläche des Objektivs am Kameragehäuse. Ist das Auflagemaß des zu adaptierenden Objektivs größer als das der Kamera, an die adaptiert werden soll, lässt sich das Objektiv adaptieren, ohne dass die Einstellmöglichkeit auf unendlich verlorengeht. Ist das Auflagemaß kleiner, lässt sich das Objektiv nur noch im Nahbereich fokussieren. Um diesen Nachteil auszugleichen, haben manche Adapterhersteller eine Korrekturlinse in den Adapter integriert, sodass trotz kleinerem Auflagemaß die Einstellmöglichkeit auf unendlich erhalten bleibt. Durch diese zusätzliche Linsenelement muss man aber mit einer Verschlechterung der Abbildungsqualität rechnen.
Ein Beispiel: Ein Nikon-Objektiv soll an eine Fujifilm-X-Kamera adaptiert werden. Das Auflagemaß für das Nikon-F-Bajonett beträgt 46,50 mm, das Auflagemaß des Fujifilm-X-Bajonetts beträgt 17,70 mm. Der Adapter darf also maximal eine Stärke von 28,8 mm haben, um eine Fokussierung auf Unendlich zu ermöglichen. Ist der Adapter kleiner, bleibt die Unendlich-Einstellung zwar erhalten, es kann aber nicht so weit im Nahbereich fokussiert werden.
Will man ein Minolta-MC/MD-Objektiv mit dem Auflagemaß von 43,5 mm an eine Nikon-Kamera adaptieren, fehlen 3 mm. Das Objektiv verliert die Einstellung auf unendlich. Das lässt sich zwar mit einem Adapter mit Korrekturlinse ausgleichen, hier leidet aber oft die Bildqualität. Auf Wikipedia findet man eine detailierte Aufstellung der Auflagemaße aller gängigen Kamerasysteme, sodass sich sehr komfortabel ermitteln lässt, welche Objektive sich an welche Kamerasysteme adaptieren lassen.

Das Auflagemaß ist der Abstand zwischen der Sensor- bzw. Filmebene und der Auflagefläche des Objektivs an der Kamera. Ist das Objektiv in diesem Abstand montiert, lässt es sich auf unendlich fokussieren.

02
Von Aluprofil bis Zwischenring
Die Menge an Objektiven, die sich adaptieren lässt, ist schier unendlich und reicht von einfach über hochwertig bis hin zu exotisch. Um sie an einer modernen Kamera zu nutzen, muss eine Verbindung hergestellt werden, für die sich unterschiedliche Herangehensweisen anbieten. Welche Materialien geeignet sind, welches Werkzeug zum Einsatz kommt und auf welche Lösungen Sie setzen können, erfahren Sie in diesem Kapitel.
Werkzeug und Material

Mit einfachen Mitteln zum Ziel: Außer einem Akkuschrauber benötigt man am Anfang lediglich manuelle Werkzeuge.
Dieses Buch ist ein DIY-Buch. Damit die Projekte auch ohne großen Maschinenpark realisierbar sind, ist außer einem Akkuschrauber bzw. einer Bohrmaschine mit Bohrständer und einem kleinen Tellerschleifer nur Handwerkzeug zum Einsatz gekommen. Natürlich lassen sich manche Dinge, etwa die Objektivhalteplatten der Fachkamera, auch per Laser aus Aluminium schneiden oder Adapter für Sucherkameras mit einem 3D-Drucker anfertigen. Das ist für manchen auch die richtige Lösung. Persönlich finde ich es aber sehr spannend, so weit wie möglich manuell zu arbeiten.
Ein paar Worte zur Sicherheit
Da sich die hier verwendeten Kartons und Kunststoffplatten relativ gut mit einem Cutter schneiden lassen, sollte ein Schneidelineal mit Fingerschutzkante zum Schutz der eigenen Finger nicht fehlen. Für den Notfall sollte man auch einen Erste-Hilfe-Kasten in greifbarer Nähe haben.
ACHTUNG: Keine Kameras mit integriertem Blitzgerät auseinanderbauen! Die Hochspannung im Kondensator des Blitzgerätes kann zu schwerwiegenden Verletzungen führen.
Das richtige Werkzeug
Viele der benötigten Werkzeuge finden sich ohnehin in den meisten Haushalten. Es sind also keine großen Investitionen notwendig, um mit der Arbeit zu beginnen. Wichtig zum Zerlegen von Objektiven und Kameras ist allerdings ein Objektivschlüssel. Dieses Werkzeug bekommt man relativ günstig im Internet. Ein Satz Uhrmacherschraubenzieher sollte auch nicht fehlen. Hier sollte man auf Qualität achten, da die sehr feinen Spitzen schnell abbrechen können. Investitionen, die sich lohnen, wenn man mit Holz arbeiten möchte, sind eine gute Japansäge und eine exakte, kleine Gehrungslade. Damit macht das Arbeiten wirklich Spaß, und die Ergebnisse überzeugen. Plant man umfangreichere Holzarbeiten, sind eine Standbohrmaschine und ein Tellerschleifer sinnvoll.
Werkzeug zum Zerlegen von Kameras und Objektiven
Uhrmacherschraubenzieher
Objektivschlüssel
kleine Zange
Filterklemmen
Werkzeug zum Bearbeiten von Papier und Karton
Cutter
Schneidelineal mit Fingerschutzkante
Kreisschneider
Stahllineal
Geodreieck
Bleistift
wasserfeste Stifte
Falzbein
Schneidematte
Werkzeug zur Holzbearbeitung
Japansäge
Akkuschrauber
Bohrer in unterschiedlichen Stärken
Senker
Gehrungslade
Schleifpapier ca. 80er bis 1200er
Leimzwingen
Werkzeug zur Metallbearbeitung
Metallfeilen
kleine Metallsäge
Stufenbohrer
Hilfsmittel zur Reinigung
Kosmetikpinsel
Blasebalg
fusselfreie Tücher
Glasreiniger
Isopropylalkohol
Wattestäbchen
Klebstoffe
Kunststoffkleber
Zwei-Komponenten-Kleber
Sekundenkleber
Holzleim
Allzweckkleber
Doppelklebeband
Finish und Oberflächenveredelung
Lackierpinsel
feine Pinsel zum Ausbessern
Stahlwolle (Sorte 000)
Baumaterialien
Bei der Wahl des Materials für Adaptionen und Kamerabau gibt es heutzutage eine relativ große Auswahl an unterschiedlichsten Werkstoffen. Bei der hier zusammengestellten Auswahl habe ich besonderen Wert auf die einfache Verarbeitbarkeit, aber auch auf möglichst geringes Gewicht gelegt.
Karton und Papier
Durchgefärbte, schwarze Kartons in einer Stärke von 2 bis 3 mm sind stabil, lassen sich gut mit einem Cutter schneiden und einfach verkleben. Durch das geringe Gewicht eignen sie sich auch für größere Konstruktionen. Man findet sie unter der Bezeichnung »Präsentationskartons« im grafischen Fachhandel.
Schwarzes Tonpapier mit einem Gewicht von ca. 170 g/m2 ist eine gute Basis für Balgenkonstruktionen. Farbige Balgen sehen extravagant aus, müssen aber innen noch geschwärzt werden. Geprägte Papiere gibt es in unterschiedlichen Ausführungen als Lederimitat oder mit geometrischen Strukturen. Interessante Varianten finden sich im Bereich Buchbinderbedarf unter dem Begriff »Eidechsenpapier«.
Ein Nachteil von Karton und Papier ist allerdings, dass sie empfindlich gegen Feuchtigkeit sind. Sie sollten daher eventuell noch mit Klarlack überzogen werden.
Kunststoffe
Kunststoffplatten gibt es in unterschiedlichen Stärken. Ihr Vorteil: Sie sind sehr formstabil und wasserfest. 3 mm starke Platten findet man unter der Bezeichnung PVC-Hartschaumplatte in vielen Baumärkten. Sie lassen sich problemlos mit einem scharfen Cutter bzw. mit einem Schneidezirkel in die gewünschte Form bringen, sind aber etwas druckempfindlich.
Für kleinere Teile lassen sich die Rückseiten von CD-Trays verwenden. Dünne Gummimatten und Moosgummi eignen sich, um Lichtdichtungen herzustellen. Kunststoffprofile lassen sich als Führungsschienen oder als Abschlussprofile einsetzen.
Holz
Holz ist ein universeller Werkstoff, der sich einfach bearbeiten lässt und attraktiv aussieht. Gut geeignet sind dünne Leisten aus Buche oder Nussbaum, die man zu Platten oder individuellen Profilen zusammenleimen kann. Zusammen mit dünnen Furnieren als Zwischenlage lassen sich so reizvolle Oberflächenstrukturen erstellen.

Sperrholz eignet sich zum Bau größerer Gehäuse. Die Oberfläche kann lackiert oder furniert werden. Während Pappel-Sperrholz sehr leicht ist, haben Sperrholzplatten aus Birke, Kiefer oder Buche eine sehr hohe Stabilität. Ab einer Stärke von 12 mm und mehr als fünf Furnierlagen bezeichnet man den Werkstoff als Multiplex. Diese Platten eignen sich beispielsweise als Grundplatte für eine Laufbodenkamera.
Textile Werkstoffe
Zur Anfertigung eines Weitwinkelbalgens habe ich schwarzen Softshell verwendet. Er ist leicht dehnbar und in einer stärkeren bzw. auf der Innenseite aufgerauten Qualität auch hinreichend lichtdicht.
Tolex ist ein Bezugsstoff, der oft zum Beziehen von Gitarrenverstärkern und Flightcases verwendet wird. Er ist deutlich strapazierfähiger als Kunstleder und nicht nur in Schwarz erhältlich. Schlangenleder- und Tweedimitat, verschiedene Farben und Oberflächenprägungen lassen kaum Wünsche offen, wenn man nach einem besonderen Material für das Finish eines Kameragehäuses sucht.
Kunstleder gibt es ebenfalls in vielen interessanten Varianten. Es ist jedoch etwas dicker mit einer weicheren Oberfläche.
Aluminiumprofile
Aluminiumprofile finden sich in so gut wie jedem Baumarkt in den unterschiedlichsten Formen und Längen. Sie lassen sich mit einer Metallsäge auf die gewünschte Länge kürzen. Besonders interessant sind C-Profile, die sich einfach als Führungsschienen einsetzen lassen.
Systemprofile werden beispielsweise für die Rahmenkonstruktion von 3D-Druckern, aber zum Teil auch für ganze Fertigungsstraßen eingesetzt. In diesem Buch bilden sie zum Beispiel die Basis für eine Shift-/Tilt-Kamera. Es gibt sie in unterschiedlichen Stärken. Durch die genormte Nut und passende, »Nutensteine« genannte Muttern lassen sich die Profile verbinden bzw. mit Anbauteilen versehen. Weiteres Zubehör sind Scharniere, Endkappen, Eckverbinder usw. Diese Profile bezieht man am einfachsten über das Internet. Viele Lieferanten bieten übrigens auch einen millimetergenauen Zuschnitt an, den man nutzen sollte.
Farben
Klarlack aus der Sprühdose eignet sich nicht nur zur Endbehandlung von Gehäusen, sondern auch, um einen Balgen aus Tonpapier vor Feuchtigkeit zu schützen. Hier sollte man aber sehr vorsichtig in mehreren dünnen Schichten lackieren. Furnierte oder massive Holzflächen, die mit Klarlack lackiert wurden, lassen sich im Anschluss mit 000-Stahlwolle mattieren. Das ergibt eine haptisch sehr angenehme Oberfläche.
Schwarze, wasserlösliche Acrylfarbe eignet sich, um das Innere einer Kamera oder einer Adapterkonstruktion zu schwärzen oder eventuelle Lichtlecks auszubessern. Sie trocknet wasserfest auf und ist einfach zu verarbeiten. Eine Alternative dazu ist matter schwarzer Lack.
Schrauben und Muttern
1/4-Zoll- und 3/8-Zoll-Schrauben und -Muttern, also die klassischen Fotogewinde, gibt es im Fotozubehörhandel. Schrauben kann man nie genug haben. Zerlegt man eine alte Kamera, sollte man nicht nur das benötigte Objektiv, sondern auch das Stativgewinde mit ausbauen.
Benötigt man ein 1/4-Zoll-oder 3/8-Zoll-Gewinde in einem speziellen Bauteil, lohnt sich ein Gewindeschneide-Set für Fotogewinde. Damit lässt sich zum Beispiel ein Stativgewinde in eine Aluleiste schneiden.
Klebstoffe und Leime
Die Auswahl an Klebstoffen ist heutzutage sehr groß. Für so gut wie jedes Material gibt es mittlerweile einen Spezialkleber. Ein wichtiger Grund, warum ich bei den hier vorgestellten Projekten oft Holz oder Karton einsetze, ist nicht nur die einfache Bearbeitung, sondern auch die gute Verbindbarkeit. Während man für viele Kunststoffe spezielle Kleber benötigt, ist bei Holz und Karton ganz normaler Weißleim die richtige Wahl. Genauer gesagt: Express-Leim, der innerhalb von einigen Minuten anzieht. Damit lassen sich dauerhafte Verbindungen herstellen, die sich innerhalb der ersten Minuten auch noch korrigieren lassen. Auch Kunstleder und Tolex lassen sich gut mit Express-Holzleim auf Karton und Holz verkleben. Möchte man ein Gehäuse mit strukturiertem Papier veredeln, bietet sich normaler Kleister an. Alleskleber eignet sich vor allem für Bauteile aus Papier wie zum Beispiel Balgen.
Zwei-Komponenten-Kleber gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, die sich hauptsächlich durch die Trocknungszeit unterscheiden. Sie erlauben das Verkleben von vielen Materialien wie Glas, Holz, Metall und einiger Kunststoffe. Die Verbindung hält größeren mechanischen Belastungen stand.
Bei den hier vorgestellten Projekten kommt Zwei-Komponenten-Kleber beispielsweise zum Verkleben von Aluprofilen beim Bau von Kamera-Standarten zum Einsatz. Da der Kleber einige Zeit bearbeitbar bleibt, müssen die Werkstücke bis zum Aushärten in exakt der richtigen Position fixiert werden. Kleberreste lassen sich nur sehr schwer entfernen, daher ist es sinnvoll, Handschuhe zu tragen und keine optischen Bauteile damit zu verkleben.
Sekundenkleber erfüllt eigentlich viele Voraussetzungen für die Verbindung unterschiedlicher Materialien. Leider kann es je nach Kleber und Material passieren, dass der Kleber mit umliegenden Teilen reagiert und diese leicht weißlich anlaufen. Zudem sind versehentlich an die falsche Stelle geratene Kleberspuren kaum zu entfernen. Gelangt Sekundenkleber auf eine Linse, kann dies das ganze Projekt ruinieren.
Heißkleber eignet sich gut zum vorübergehenden Fixieren von Bauteilen, hällt aber keinen großen Belastungen stand. Will man nur ausprobieren, ob die Kombination bestimmter Teile den eigenen Vorstellungen entspricht, ist Heißkleber wesentlich besser geeignet, als wenn man die Teile umständlich mit Klebeband verbindet.
Grundsätzlich sollte man sich vor dem Einsatz die Gebrauchsanweisung eines Klebstoffs gut durchlesen und überlegen, welche Alternativen es gibt. Manchmal sind mechanische Verbindungen die sinnvollere Lösung.

Wattestäbchen, ein Blasebalg, Isopropylalkohol, Glasreiniger, fusselfreie Tücher und ein weicher Kosmetikpinsel ermöglichen eine schonende Reinigung der Bauteile.
Sauber arbeiten
Schleifstaub, Sägespäne, Rückstände vom Bohren und Feilen: All das sind Dinge, die dem Kamerasensor und optischen Bauteilen nicht sehr gut bekommen. Zudem kommt man beim Zerlegen einer Kamera unweigerlich mit Schmierstoffen in Berührung. Es ist daher sinnvoll, alle Bauteile der Eigenkonstruktion nach dem Bearbeiten noch einmal gründlich zu reinigen und auch die Hände zu waschen – selbst wenn man nur kurz ausprobieren will, ob alles passt. Zu schnell hat sich sonst der Staub irgendwo festgesetzt, wo man ihn nicht haben möchte.
Die vorsichtige Entfernung von Schleifstaub gelingt mit einer Kombination aus einem Blasebalg und einem weichen Kosmetikpinsel. Zur Reinigung von Linsen hat sich bei mir ein milder Glasreiniger bewährt.
Die Kamera selber sollte man während der Arbeiten besser in einem anderen Raum aufbewahren, zumindest aber mit einem Kameradeckel verschließen.
DIY und Ästhetik
Selbstbauprojekte müssen nicht nach Bastelkeller aussehen. Sicherlich kann man die Qualität einer industriellen Fertigung nicht erreichen, aber durch die gezielte Auswahl der Materialien und durch die Verwendung guten Werkzeugs lässt sich ein harmonisch wirkendes Endergebnis erzielen.
Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die ein gutes Resultat ausmachen, wie zum Beispiel die Verwendung zueinander passender Schrauben. Aber auch die Veredelung der Oberflächen mit Furnier, Tolex oder Lack, das konsequente Schleifen von Oberflächen bzw. das Entgraten von Kanten tragen zu einem ästhetischen Gesamtbild bei. Klebe- und Leimstellen sollte man so platzieren, dass sie möglichst nicht direkt sichtbar sind.
Der Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem guten Ergebnis liegt meistens nicht in der handwerklichen Fähigkeit, sondern in der Konsequenz, mit der man ein Projekt durchführt: etwas mehr Arbeit investieren und sich nicht zu früh mit dem Ergebnis zufriedengeben. Ich bin mir sicher, genau das macht Ihnen auch Spaß, sonst würden Sie dieses Buch nicht in den Händen halten.
Geeignete Kameras und Objektive
Grob gesagt: Alle Kameras und Objektive, die rein mechanisch funktionieren, lassen sich auch adaptieren bzw. für optische Bauprojekte verwenden. Alles, was in irgendeiner Form auf elektronische Steuerung angewiesen ist, ist leider ungeeignet. Ausnahmen gibt es natürlich immer. Wie Sie im Verlauf dieses Buches sehen werden, gibt es bei der Entwicklung der Kameras immer wieder technische Neuerungen, die ein Adaptieren der Objektive aufwändiger machen. Sind bei den Balgenkameras aus den 30er- bis 50er-Jahren noch Objektiv und Verschluss als eine Einheit gefertigt, die sich komplett von außen bedienen lässt, so wandern in den 50er-Jahren der Spannhebel und auch der Auslöser ins Kamerainnere, und das Auflagemaß verringert sich. Die Kameras werden kleiner und leichter, was aber auch bedeutet, dass mehr Kunststoffe verbaut werden, die teilweise miteinander verklebt sind. Mit dem Einzug von Autofokus und Programmautomatiken ist es dann nur noch möglich, Objektive zu adaptieren, die ohnehin als Wechselobjektive konzipiert sind.
Bei Objektiven von Großformatkameras und Vergrößerern bleibt die manuelle Bedienbarkeit weitgehend erhalten, sodass sich hier oft auch modernere Objektive adaptieren lassen.
Bei einzelnen Linsen taucht das Problem nicht auf. Hier geht es lediglich darum herauszufinden, ob die Linse ein brauchbares Bild auf den Sensor projizieren kann. Der einfachste Weg dabei ist Ausprobieren.
Die Gewissensfrage
Natürlich stellt man sich nach dem Kauf die Frage: »Will ich wirklich eine Kamera unwiederbringlich zerlegen?« Bei den meisten Balgenkameras ist das nur bedingt ein Problem, da die Objektiv- und Verschlusseinheit in der Regel eine in sich geschlossene Baugruppe bildet und komplett entfernt, aber auch wieder an der ursprünglichen Kamera montiert werden kann. Bei Sucherkameras mit fest montierten Objektiven sieht das schon anders aus. Hier ist es fast immer notwendig, die Kamera teilweise oder komplett zu zerlegen und beispielsweise die Belederung zu entfernen, um an die entsprechenden Schrauben heranzukommen. Auch der Auslösehebel muss eventuell gekürzt werden. Ob man das bei einer komplett funktionsfähigen Kamera machen möchte, muss jeder selbst entscheiden. Findet man eine teildefekte Kamera, bei der zum Beispiel der Filmtransport nicht mehr funktioniert, Teile fehlen oder das Gehäuse stark in Mitleidenschaft gezogen ist, fällt die Entscheidung etwas leichter.
Mir ist es tatsächlich schon passiert, dass ich eine Kamera erworben habe, um das Objektiv zu adaptieren, es aber doch nicht übers Herz gebracht habe, sie zu zerlegen. Sie steht jetzt in der Vitrine.
Bildqualität alter Objektive
Der Versuchung, alte Objektive aus den letzten 100 Jahren mit modernen Hochleistungsobjektiven zu vergleichen, kann man zwar erliegen, Unterschiede allein auf der Basis der Bildqualität zu bewerten wäre allerdings unfair. Der Hauptunterschied liegt meines Erachtens eher in den speziellen Eigenschaften eines jeden Objektivs. Manche Bildeffekte kann man mit modernen Objektiven einfach nicht erreichen, auch nicht mit nachträglicher Bildbearbeitung. So bleiben beispielsweise die karoförmigen Unschärfekreise des Color Agnar 1:2,8 /45 mm der Agfa Silette LK einzigartig, ebenso das cremige Bokeh des Rodenstock Ysaron 1:4,5/90 mm. Das Schneider-Kreuznach Reomar 1:2,8/45 mm einer Kodak Retinette 1A mag zwar sehr empfindlich auf Gegenlicht reagieren und ist bei Offenblende alles andere als scharf, trotzdem zeigt es einen Look, den man aus den 60er- und 70er-Jahren kennt und mag. Der Charme alter Objektive liegt also im Unvollkommenen, und dadurch streichen sie so manchen Sympathie-Bonus ein. Es ist ähnlich wie in der Musik, Blues klingt auf einer alten Gitarre immer noch am besten.
Eine Reihe von Testaufnahmen einiger Objektive, die in diesem Buch zum Einsatz gekommen sind, finden Sie am Ende des Buches.

Je moderner die Kamera, desto schwieriger wird es, das Objektiv zu adaptieren und dabei die Bedienbarkeit zu erhalten.
Platzbedarf ermitteln
Um ein Objektiv einer alten Kamera an eine moderne Digitalkamera zu adaptieren, muss zuerst einmal der zur Verfügung stehende Platz für einen Adapter, einen Balgen oder ein Gehäuse ermittelt werden. Im Prinzip ist das das Auflagemaß der Spenderkamera abzüglich des Auflagemaßes der Zielkamera.
Das Auflagemaß einer Kamera mit noch verbautem Objektiv kann man relativ genau ermitteln. Dabei ist es zwar wichtig, exakt zu messen, aber eine gewisse Toleranz wird man nicht vermeiden können. Das ist nicht weiter tragisch, denn in den hier vorgestellten Projekten werden wir in der Regel entweder Helicoid-Adapter, also Adapter, die eine Einstellschnecke besitzen, oder Balgen eingesetzen. So geht es hier eher um die Ermittlung des verfügbaren Raumes für die Adaption, um beispielsweise herauszufinden, welchen Helicoid man einsetzen sollte oder ob ein Balgen samt Befestigung überhaupt Platz zwischen Objektiv und Kamera finden würde.
Bei einer Kamera mit Objektiv ist das Vorgehen sehr einfach. Hier misst man den Abstand zwischen der Auflagefläche des Objektivs und der Filmebene mit einem Messschieber, einem Lineal oder, wenn nur wenig Platz zur Verfügung steht, mit einem dünnen, langen Gegenstand, auf dem man das Messergebnis markiert und danach abmisst.
Hat man nur ein Objektiv ohne Kamera zur Verfügung, das man adaptieren möchte, findet aber keine Informationen über das Auflagemaß, weil es sich zum Beispiel um das Objektiv eines Vergrößerers handelt, kann man das Objektiv in einer provisorischen Halterung befestigen und dahinter die Kamera auf einem Einstellschlitten positionieren. Nun verschiebt man das Objektiv so weit, bis ein weit entferntes Motiv auf dem Kameradisplay scharf erscheint. Mithilfe des Einstellschlittens lassen sich noch feinere Korrekturen vornehmen. Dann misst man den Abstand zwischen der Objektivauflage und dem Kamerabajonett.
Bei einer einzelnen Linse muss diese zuerst in eine Fassung und in einen Halter mit Standfüßen gebracht werden. Dann stellt man das Objektiv vor einen weißen Hintergrund und richtet Objektivhalter und Hintergrund parallel aus. Jetzt verschiebt man das Objektiv so weit, bis ein scharfes Bild auf dem Hintergrund erscheint. Das geht am besten in einem etwas abgedunkelten Raum und mit einem weit entfernten, gut beleuchteten Motiv außerhalb des Raumes.

Bei Kameras mit noch verbautem Objektiv, wie hier bei einer alten Balgenkamera, kann man den Abstand zwischen Objektivauflage und Filmebene mit einem Messschieber ermitteln.

Hat man keinen Messschieber zur Hand, lässt sich auch ein Holzstab verwenden, bei dem man das Messergebnis mit einem Stift markiert und es später mit einem Lineal abmessen kann.

Mit einer provisorischen Halterung für das Objektiv und einem Einstellschlitten kann der für einen Balgen zur Verfügung stehende Platz mithilfe der Kamera ermittelt werden. Gemessen wird der Abstand zwischen Objektivauflage und Kamerabajonett, wenn ein auf unendlich gestelltes Motiv scharf auf dem Display erscheint.

Bei Einzellinsen lässt sich der Abstand zwischen Objektivebene und Bildebene ermitteln, indem man Linse und eine improvisierte Fassung in eine passende Halterung stellt und verschiebt, bis sich ein scharfes Bild eines weit entfernten Objekts auf einem weißen Hintergrund zeigt. Den Abstand kann man nun messen und als Basis für den Kamerabau verwenden.
Adapter und Verbindungen
Objektivadapter gibt es wie Sand am Meer. Hier die Übersicht zu behalten ist manchmal nicht ganz einfach. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass es für fast alle Wechselobjektive mittlerweile eine mechanische Adapterversion gibt. Dazu kommen noch Adapter, die eine oder mehrere spezielle Funktionen beinhalten, etwa Shift-Adapter, Adapter mit integrierter Blende, kombinierte Tilt-/Shift-Adapter, Versionen, die elektronische Informationen oder sogar den Autofokus übermitteln, und Adapter mit integrierter Korrekturlinse, die es erlauben, auch Objektive zu verwenden, die ein kürzeres Auflagemaß voraussetzen.
Viele Adapter lassen sich miteinander kombinieren, sodass es nicht immer notwendig ist, einen kompletten neuen Adapter zu erwerben. Es kann sich beispielsweise lohnen, statt eines Shift-Adapters von Sony NEX auf Nikon und eines weiteren von Sony NEX auf M42 einen Shift-Adapter von Sony NEX auf Canon EOS zu kaufen und jeweils einen Adapter von EOS auf Nikon bzw. M42. So deckt man gleich drei Objektivanschlüsse ab, hat aber gleichzeitig Geld gespart.
M42 als universelle Schnittstelle
Das M42-Schraubgewinde ist mehr als nur ein standardisierter Objektivanschluss. Es wird bei der Adaption unterschiedlichster Objektive, aber auch beim Bau von Kameras zur universellen Schnittstelle. Das hat mehrere Gründe. Zum einen gibt es von nahezu jedem Kamerabajonett einen Adapter auf M42, zum anderen ist die Palette an Zubehör für das M42-Gewinde sehr groß. Es gibt Zwischenringe in vielen Größen, Helicoide, also verstellbare Zwischenringe, Kamera- und Objektivdeckel und Adapter auf andere Filtergewinde. M42-Zubehör ist zudem relativ günstig.
Geklebte Verbindungen
Nicht immer lässt es sich vermeiden, Bauteile miteinander zu verkleben. So kann man beispielsweise einen Kameradeckel mit einer Öffnung versehen und mit einem kurzen M42-Zwischenring verkleben, um einen kameraseitigen Adapter zu bauen, an den sich wiederum ein M42-Helicoid anschließen lässt.

Adapter gibt es mit den unterschiedlichsten Kamera-Anschlüssen, in verschiedenen Stärken und mit speziellen Funktionen, wie zum Beispiel Shift-Adapter. Viele Adapter lassen sich miteinander kombinieren.

M42 ist die universelle Schnittstelle bei vielen Objektiv-Adaptionen und Kamera-Selbstbauten, hier am Beispiel eines Balgenkameraobjektivs an einer spiegellosen Systemkamera. (1) Kamera, (2) Kamerabajonett auf M42, (3) Helicoid beidseitig M42, (4) modifizierter M42-Kameradeckel, (5) Objektiv mit 25-mm-Schraubanschluss.

Retroadapter | Step-Up/Step-Down-Filteradapter auf M42 | Helicoid-Adapter M42 | Zwischenring M42

Step-Up/Step-Down-Filteradapter | Umkehrring | Kamera-Adapter C-Mount | Filterfassungen

Objektivdeckel mit M42-Gewinde | Kameradeckel | Kameradeckel M42 | Einsätze von Objektivadaptern

Filterklemmen | Unterlegringe aus Karton oder Gummi | drehbare Filterfassung
Das funktioniert gut bei relativ leichten Objektiven, die keine große mechanische Belastung für die Verbindung darstellen. Wenn möglich, sollte man aber Schraubverbindungen den Vorzug geben, denn sie lassen sich immer wieder lösen, und die einzelnen Bauteile kann man bei anderen Projekten einsetzen. Und, was für die Projekte in diesem Buch wichtig ist: Schraubverbindungen sind lichtdicht.
Ich möchte hier kurz einige Verbindungs-Lösungen in einer Übersicht vorstellen. Die Reihenfolge richtet sich dabei nach den Abbildungen auf der linken Seite. Detaillierte Informationen finden sich bei den jeweiligen Projekten. Grundsätzlich sollte man beim Adaptieren immer darauf achten, dass keines der Bauteile zu tief in die Kamera ragt. So lässt sich vermeiden, dass Verschluss, Spiegel oder Sensor beschädigt werden.
Retroadapter
Sie ermöglichen es, Objektive umgekehrt, also mit der Frontlinse an die Kamera anzuschließen. Sie haben auf der einen Seite ein Objektivbajonett, auf der anderen ein Fitergewinde. Normalerweise wird das genutzt, um Makroaufnahmen auch mit normalen Objektiven zu machen. Hier kommen sie aber zum Einsatz, um eine Verbindung zu Filteradaptern herzustellen, aus denen man ein Objektivgehäuse aufbauen kann.
Step-Up/Step-Down-Filteradapter auf M42
Sie ermöglichen die Herstellung einer Verbindung von Filteradapterringen zum universellen M42-Gewinde.
Helicoid-Adapter M42
Die Helicoid genannten verstellbaren Zwischenringe verfügen in der Regel über ein M42-Innen- und ein M42-Außengewinde. Mit ihnen lässt sich der Abstand zwischen Kamera und Objektiv stufenlos einstellen. Sie können daher auch als Fokussiermöglichkeit bei Objektiven eingesetzt werden, die nicht über eine eigene Fokussierung verfügen. Mehrere kurze Helicoid-Adapter lassen sich auch zu einem längeren Adapter kombinieren.
Zwischenringe M42
Eigentlich als Makrozubehör gedacht, lassen sich mit M42-Zwischenringen beim Kamera- und Objektiv-Selbstbau größere Abstände stabil überbrücken. Kurze Zwischenringe eignen sich auch als Gegenstück zur Befestigung von M42-Adaptern an Kunststoff- oder Kartonplatten.
Step-Up/Step-Down-Filteradapter
Individuelle Objektivgehäuse lassen sich einfach aus miteinander kombinierten Step-Up/Step-Down-Filteradaptern herstellen. Dabei kann man die Bauhöhe variieren, indem man einzelne Schritte überspringt, also beispielsweise statt der Kombination aus zwei Ringen von 52 mm auf 55 mm und von 55 mm auf 58 mm nur einen Ring von 52 mm auf 58 mm einsetzt.
Umkehrringe
Umkehrringe besitzen beidseitig ein Außengewinde und ermöglichen es, ein Objektiv in Retrostellung an einem anderen Objektiv zu befestigen, um Makroaufnahmen zu erstellen. Hier kommen sie zum Einsatz, um ein Innengewinde in ein Außengewinde zu konvertieren.
Kamera-Adapter C-Mount
Normalerweise dient der C-Mount-Adapter dazu, Objektive von Filmkameras zu adaptieren. Sie eignen sich durch die relativ weit nach innen versetzte Auflagefläche aber auch besonders zum Einsatz bei Lochkameras.
Filterfassungen
Zum einen lassen sich durch leere Filterfassungen kurze Abstände beim Bau von Objektivgehäusen überbrücken, zum anderen kann man sie auch nutzen, um statt des Filterglases Karton- oder Kunststoffscheiben einzusetzen, zum Beispiel für Lochkameras. Besonders geeignet sind Filterfassungen, bei denen das Filterglas durch einen Gewindering gesichert ist.
Objektivdeckel mit M42-Gewinde
Sie bestehen in der Regel aus Kunststoff und haben ein M42-Innengewinde. Sägt man den geschlossenen Deckelteil ab, erhält man ein ca. 8 mm langes Verbindungsstück mit beidseitigem M42-Gewinde. Damit lässt sich beispielsweise ein M42-Außengewinde in ein M42-Innengewinde konvertieren.
Kameradeckel
Möchte man kleine und leichte Objektive wie das Color Minotar einer Minox-Kamera adaptieren, sind Kameradeckel eine gute Alternative. Aber auch zum Bau eines Lochkamera-Objektivs sind sie geeignet.
Kameradeckel mit M42-Gewinde
Mit ihnen lassen sich besonders gut Objektive alter Balgen- oder Sucherkameras an das M42-Gewinde eines Helicoids adaptieren.
M42-Einsätze von Objektivadaptern
Einige M42-Adapter besitzen einen drehbaren Innenring, mit dem sich das adaptierte Objektiv korrekt ausrichten lässt. Diesen Ring kann man auch entfernen und als eigenständiges Verbindungsstück zwischen zwei M42 Außengewinden verwenden.
Filterklemmen
Manchmal ist es notwendig, Verbindungen wieder zu lösen. Bei Filtern und Filteradaptern kann es schon mal vorkommen, dass das Gewinde etwas fest sitzt. Hier helfen Filterklemmen, mit denen man die dünnen Filter besser greifen und lösen kann.
Unterlegringe aus Karton oder Gummi
Beim Bau von nicht variablen Adaptern, zum Beispiel aus einer Kombination von Zwischenringen und Filteradapterringen, kann man durch den Einsatz dünner Ringe aus Karton oder Gummi die Bauhöhe noch etwas variieren.
Drehbare Filterfassungen
Manche Effektfilter, aber auch Polfilter oder Gauverlaufsfilter sind in drehbaren Filterfassungen verbaut. Sie lassen sich für viele kreative Projekte einsetzen wie beispielsweise drehbare Shift- oder Tilt-Objektive.

(1) Aus einem Retroadapter, einem Step-Up-Filterring von 52 mm auf M42 und dem Einsatz eines T2/M42-Adapters entsteht ein M42-Adapter. (2) Der modifizierte M42-Kameradeckel bildet die Basis für ein Lochkamera-Objektiv. (3) Ein zum Adapter für ein Minox-Objektiv umfunktionierter Sony-NEX-Kameradeckel.

03
Basisarbeiten
Sägen, schneiden, nuten, zeichnen, messen: Für die hier vorgestellten Projekte sind zwar keine speziellen Fertigkeiten notwendig, es ist aber sinnvoll, sich zuerst einmal mit einigen grundlegenden Arbeitsschritten vertraut zu machen.
Tipps und Tricks

Den Mittelpunkt eines runden Kameradeckels kann man über ein Quadrat mit der Seitenlänge des Kreisdurchmessers bestimmen.
Die Materialien der in diesem Buch vorgestellten Projekte sind zwar einfach zu bearbeiten, doch kommt es in vielen Fällen darauf an, möglichst exakt zu arbeiten. Ich möchte daher hier am Anfang der Projekte einige grundlegende kleine Tipps und Tricks vorstellen, die die Arbeit erleichtern und die Präzision erhöhen können. Detaillierte Anleitungen zu einzelnen Arbeitsschritten finden sich in den jeweiligen Projekten.
Mittelpunkt bestimmen
Bei einigen Projekten kann es vorkommen, dass man den Mittelpunkt eines runden Objektes, beispielsweise eines Kameradeckels, herausfinden muss, um diesen mit einer exakt mittigen Bohrung zu versehen. Das geht sehr einfach über die Diagonalen eines Quadrates, dessen Seitenlänge dem Durchmesser des Kameradeckels entspricht.
Schablone zum Zuschneiden verwenden
Um komplizierte Bohrungen oder kreisförmige Ausschnitte in Karton oder Kunststoffplatten exakt auszuführen, ist es sinnvoll, in einem Grafikprogramm zuerst eine Schablone anzufertigen. Dazu vermisst man mit einem Messschieber alle relevanten Bereiche der Objekte, wie zum Beispiel Außendurchmesser oder Durchmesser eines Anschlussgewindes, und zeichnet dann anhand der ermittelten Maße die passende Schablone. Der Ausdruck sollte auf einem etwas stärkeren Papier erfolgen. Nun befestigt man die Schablone mit etwas Sprühkleber oder mit Klebeband auf der Platte und kann dann einen Kreisschneider exakt ansetzen bzw. einstellen. Eine Schablone leistet auch gute Dienste, um Bohrlöcher an der richtigen Stelle einzuzeichnen. Die Position lässt sich einfach mit einem spitzen Gegenstand auf das Werkstück übertragen. Dann kann man die Schablone abnehmen und den Bohrer exakt ansetzen.

Schablonen aus Papier erleichtern das Zuschneiden komplizierterer Ausschnitte enorm.
Gleich große Teile anzeichnen
Beim Bau von Kameragehäusen geht es oft um Zehntelmillimeter. Daher ist es wichtig, dass alle Gehäuseteile, die die gleiche Größe haben sollen, vor dem Zuschnitt auch gleich angezeichnet werden. Bei wiederholtem Abmessen schleichen sich jedoch ungewollte Toleranzen ein. Mehrere gleiche Teile aus Karton, Kunststoff, Furnier oder anderen Materialien lassen sich ganz einfach mithilfe eines Musterbauteils übertragen. Dazu fertigt man zuerst ein Muster an, das man danach als Übertragungshilfe zum Anzeichnen für die weiteren gleichen Bauteile verwendet. Ein Anschlag aus einer Aluleiste und einem Winkeleisen hilft dabei, die Schablone exakt zu positionieren. Das Muster wird danach beschriftet und wandert in die Schublade, um bei Bedarf wiederverwendet zu werden.

Ein Musterstück und ein exakter Anschlag ermöglichen es, die Form gleicher Bauteile präzise und schnell zu übertragen.
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