Kitabı oku: «Der Strohmann», sayfa 3
6. Kapitel
Am übernächsten Tag um 19 Uhr 30 parkte Winston seinen uralten grünen VW Käfer vor dem Bordell ‚Erotic Pigs’ ein.
Alle Autos, die er vor diesem besessen hatte, waren übrigens ebenfalls grüne VW Käfer gewesen, obwohl er sich problemlos einen echten Luxusschlitten hätte leisten können.
Er hatte einfach eine sentimentale Schwäche dafür.
Lag es vielleicht daran, dass er den ersten grünen VW Käfer als Honorar für die Lösung seines allerersten Falles erhalten hatte?
Oder daran, dass er auf dem Rücksitz eines grünen VW Käfers das erste Mal Sex gehabt hatte – mit einer Zirkusakrobatin?
Oder lag es etwa daran, dass die grüne Farbe seines VW’s ihn an die Farbe des sturmgepeitschten Meeres in einem Dokumentarfilm über den Fischfang vor Neufundland erinnerte, den er als Kind einmal gesehen hatte?
Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht.
Also genug von dem Scheiß.
Winston betrat das Bordell und blickte sich suchend um.
Auf einigen Stühlen des Eingangsbereichs saßen spärlich bekleidete Mädchen, die ihm verführerisch zulächelten, andere waren von vollständig bekleideten Männern – zukünftigen Kunden – besetzt, und einige waren natürlich auch frei wie der Wind. Oder wie die Vögel auf den Feldern. Oder wie Tommy – der aus der berühmten Rockoper - nach seiner Genesung.
Aber in erster Linie waren sie natürlich ganz gewöhnliche Stühle, auf denen zufällig gerade keiner saß.
Hinter einer mit schweinchenförmigen Skulpturen verzierten Theke stand eine vollschlanke Frau in mittleren Jahren, die ein geschmackvolles, um die Taille plissiertes blau-grün-violett geblümtes Kleid von Claiborne trug, das, um bei der Wahrheit zu bleiben,
eigentlich überhaupt nicht geschmackvoll war, sondern vielmehr eine geschmackliche Entgleisung, die ihrem Schöpfer die fristlose Entlassung eingetragen hatte.
Man hätte die Trägerin des Kleides, eben jene vollschlanke Frau in mittleren Jahren, ohne weiteres für ein biederes Hausmütterchen halten können, und etwas Ähnliches war sie, genau genommen, tatsächlich, nämlich das Mütterchen dieses Hauses, oder, etwas prosaischer ausgedrückt: die Puffmutter.
Als sie Winston erblickte, eilte sie ihm mit ausgebreiteten Armen entgegen, umarmte ihn herzlich und rief:
„Hallo, Jamie, wie nett, dass du uns auch wieder mal besuchst! Ich habe schon fast befürchtet, dass du uns untreu geworden bist. Na, was kann ich für dich tun? Wir haben einige interessante Neuzugänge, darunter sogar eine 28-jährige japanische Brillenträgerin – du hast mir doch einmal erzählt, dass du auf 28-jährige japanische Brillenträgerinnen stehst, oder nicht?“
„Doch, das stimmt. Und ich finde es ganz besonders nett von dir, Martha, dass du daran gedacht hast. Nur bin ich heute leider in einer beruflichen Angelegenheit hier.“
„Wieso beruflich? Die Fische, die ich von dir gekauft habe, sind alle frisch, gesund und munter.“
„Das freut mich zwar, aber darum geht es nicht. Die Sache ist die, dass ich mich entschlossen habe, doch noch ein allerletztes Mal als Detektiv zu arbeiten.“
„Das ist ja wundervoll, Jamie! Du weißt doch, wie die Mädels und ich dich bewundern! Ich werde gleich Sekt...“
„Später gern, Martha. Zunächst aber habe ich eine große Bitte an dich.“
„Und die wäre? Sie ist schon erfüllt, noch bevor du sie aussprichst.“
„Ich brauche ein Zimmer für mich allein. Wäre das für fünfhundert Dollar möglich?“
„Nur für dich allein? Du bist mir aber ganz ein Schlimmer, Jamie. Wenn das der Liebe Gott wüsste! Ich sage nur: Genesis, Kapitel 38. Aber könntest du das nicht genauso gut bei dir zu Hause erledigen?“
„Es ist nicht so, wie du denkst.“
„Ach so. Also, das mit dem Zimmer ist natürlich kein Problem. Für wie lange brauchst du es denn?“
„Nur für heute Abend.“
„Geht in Ordnung, Jamie. Kein Problem. Aber darf ich fragen, wofür du es brauchst, wenn nicht für ein paar selbstverliebte Stunden? Du kennst mich ja, ich bin nun mal eine echte Neugierdsnase...“
„Ich möchte dir vorsichtshalber lieber nichts darüber erzählen, Martha, obwohl ich weiß, dass du schweigen kannst.
Jedenfalls geht es um folgendes: Wenn heute ein Staubsaugervertreter bei dir auftaucht, dann schick ihn bitte zu mir rauf, ich habe etwas geschäftlich mit ihm zu besprechen.“
„In Ordnung, Jamie. Du kannst Zimmer vier benützen, und sollte ein Staubsaugervertreter hier aufkreuzen, schicke ich ihn zu dir.“
„Du bist ein Goldstück, Martha“, sagte James Winston, küsste sie platonisch auf die Wange und begab sich nach Zimmer vier, wo er, eine Zigarette nach der anderen rauchend, auf die Ankunft des CIA-Beauftragten wartete.
Endlich klopfte es an der Tür, und noch bevor Winston ‚Herein!’ rufen konnte, stürmte ein Mann ins Zimmer, in der linken Hand einen Staubsauger, in der rechten eine Vertretertasche.
„Guten Tag“, sagte er. „Sie haben Glück. Ich kam gerade von der Arbeit und wollte mich hier ein wenig entspannen, da sagte mir Martha, dass Sie unbedingt einen neuen Staubsauger brauchen. Glücklicherweise habe ich immer einen im Wagen. Das beste Modell, das es zurzeit auf der ganzen Welt gibt. Und dabei unheimlich preiswert.“
„Äh... Moment...“
„Ja? Was gibt’s?“
„Es ist vollkommen überflüssig, dass Sie mir jetzt noch irgendeine Geschichte erzählen, Sie können offen sprechen, wir sind unter uns, und dieses Zimmer ist garantiert wanzenfrei. Also kommen Sie zur Sache.“
„Gern“, erwiderte der Vertreter, steckte den Anschluss seines Staubsaugers in eine Steckdose, kippte den Inhalt von Winstons Aschenbecher auf den Fußboden und saugte die Bescherung im Nu weg.
„Sehen Sie?“, sagte er. „Aber das ist noch lange nicht alles, dieses Gerät saugt sogar feuchten Dreck, Hausmilben und Bettwanzen. Und das alles für lächerliche tausend Dollar, also praktisch umsonst.“
Allmählich stieg in Winston der Verdacht auf, dass er es hier mit einem echten Vertreter zu tun hatte.
„Könnten Sie den Staubsauger mal öffnen?“, bat er, um sich Gewissheit zu verschaffen, und tatsächlich: Es war ein ganz normales Gerät, ohne besonderen Inhalt.
Um nicht in dem Vertreter den Verdacht zu wecken, dass hier etwas nicht stimmte, blieb Winston nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
„Ich nehme ihn“, sagte er, zückte seine Geldbörse und überreichte dem Vertreter die tausend Dollar.
„Kunden, die sich so schnell entscheiden können wie Sie, sollte man öfter haben“, stellte der Vertreter zufrieden fest.
„Was ich nicht ganz verstehe, ist folgendes“, sagte Winston. „Ich habe heute zu Martha gesagt, dass ich einen Staubsauger brauche, und keine Viertelstunde später kreuzen Sie schon hier auf. Das war natürlich Glück für mich, aber eigentlich war das doch ein ziemlich großer Zufall, finden Sie nicht?“
„Eigentlich nicht. Ich bin Stammgast, wissen Sie, durchschnittlich zweimal die Woche komme ich hierher, weil meine Frau mich nicht versteht, und heute war eben so ein Tag. Sie werden bestimmt viel
Freude mit diesem großartigen Gerät haben.
Wenn ich Ihnen vielleicht noch einen kleinen persönlichen Tipp geben darf, nachdem Sie hier ganz allein herumsitzen:
Wenn Sie den Staubsauger auf höchste Stufe einschalten und dann die Düse gegen Ihr bestes Stück halten...“
„Sagen Sie, wofür halten Sie mich?“
„Für einen zufriedenen Kunden. Probieren Sie es ruhig einmal aus, es schadet ja nichts. Sie werden sehen, dass Sie dann sogar noch etwas zufriedener sein werden, hähä, wenn Sie verstehen, was ich meine.“
„Schon gut“, sagte Winston. „Richten Sie Martha bitte aus, dass sie gleich raufkommen soll, ich möchte mich bei ihr bedanken. Und Ihnen danke ich dafür, dass Sie zu mir gekommen sind, obwohl Sie eigentlich schon Feierabend hatten.“
„Nichts zu danken. Ein Arzt lässt einen Patienten, der Hilfe braucht, ja auch nicht einfach auf der Straße liegen, nur weil er nicht mehr im Dienst ist. Und wir Staubsaugervertreter sind genauso: Unverbesserliche Idealisten.“
„Nun denn: Auf Wiedersehen. Und noch einmal vielen Dank.“
„Und noch einmal nichts zu danken. Und viel Freude und, hähä, Zufriedenheit mit dem neuen Gerät.“
Der Vertreter entfernte sich.
Wenig später klopfte es und Martha trat ein, in Begleitung eines weiteren Staubsaugervertreters.
„Entschuldige, Jamie, dass ich mit diesem aufdringlichen Kerl hier raufkomme, ich habe versucht, ihm zu erklären, dass er zu spät kommt, weil du inzwischen einem anderen Vertreter einen Staubsauger abgekauft hast, aber er hat sich einfach nicht abwimmeln lassen, er meinte, es wäre sehr wichtig.
Du wolltest mich sprechen?“
„Schon gut, Martha, ich wollte dich nur bitten, diesen Mann, wenn er
kommt, ebenfalls zu mir zu schicken, aber das hat sich ja erübrigt.
Lass uns bitte jetzt allein.“
„Äh... James?“
„Ja?“
„Wir haben jetzt auch ein Showprogramm. Die Show fängt in ungefähr einer Stunde an. Und vielleicht hast du Zeit und Lust, dir das anzusehen. Es würde mich nämlich interessieren, was du davon hältst. Du weißt ja, dass ich auf dein Urteil immer den allergrößten Wert lege.“
„Ist gut, Martha. Danke für den Hinweis. Das müsste sich zeitlich eigentlich ausgehen. Aber seit wann bietet ihr auch ein Showprogramm? Bisher lief das Geschäft doch auch ohne Show ganz hervorragend, oder?“
„Ja, schon. Aber die Zeiten sind vorbei. Heutzutage muss man seinen Kunden schon etwas ganz Besonderes bieten, wenn man sie bei der Stange halten will.“
„Ich verstehe. Also, ich komme, sobald ich hier fertig bin. Bis später, Martha.“
„Bis dann, Jamie. Ich reserviere dir schon mal den besten Tisch.“
***
7. Kapitel
„Haben Sie die Sachen?“, fragte Winston seinen Besucher, nachdem Martha das Zimmer verlassen hatte.
„Was geht hier eigentlich vor?“, fragte der Agent misstrauisch. „Ich komme wie vereinbart hierher und werde fast nicht vorgelassen - da stimmt doch etwas nicht.“
„Jetzt machen Sie sich mal nicht ins Hemd, es ist alles in bester Ordnung“, erwiderte Winston. „Das war alles nur ein dummes Missverständnis: Die Besitzerin dieses Bordells, eine alte Freundin von mir, hat irrtümlich angenommen, dass ich wirklich einen Staubsauger brauche. Also hat sie mir einen echten Staubsaugervertreter geschickt, der zu ihren Stammkunden gehört. Alles klar?“
„So klar wie ein ungetrübter See, so klar wie ein Himmel ohne Wolken im Sommer...“
„Lassen Sie den Unsinn, ich habe meine Zeit nicht gestohlen“, unterbrach Winston grob. „Also, was ist: Haben Sie die Sachen?“
„Selbstverständlich. Und was für Sachen!“, antwortete der Agent und plusterte sich vor Stolz auf wie ein Kugelfisch. „Sie werden staunen, was Professor Cork mir alles für Sie mitgegeben hat!“
Er öffnete sowohl Tasche als auch Staubsauger und nahm einen falschen Bart zur Hand, dessen Länge jedem Bergfex zur Ehre gereicht hätte.
„Das zum Beispiel ist ein falscher Bart“, erklärte er.
„Das sehe ich. Aber ich habe keine Verwendung dafür, weil ich selbst schon mehr als genug falsche Bärte besitze.“
„Warten Sie’s ab! Das ist nämlich kein gewöhnlicher falscher Bart, sondern eine geniale Erfindung. Sehen Sie, hier oben ist, gut verborgen, ein kleiner Knopf angebracht, und wenn Sie da draufdrücken, sehen Sie, so, dann verfärbt sich der Bart. Er kann schwarz, weiß, blond, rötlich oder brünett sein.
Wenn Sie zum Beispiel verfolgt werden, dann drücken Sie einfach auf den Knopf, und die Verfolger, die nach einem Mann mit schwarzem Bart Ausschau halten, finden nur noch einen mit einem blonden Bart, der ihnen versichert, dass er einen Mann mit schwarzem Bart in die entgegengesetzte Richtung davonlaufen gesehen hat.“
Als Nächstes zog der Agent zwei Häute hervor, die in Form und Farbe menschlichen Füßen glichen.
„Ziehen Sie einen Schuh und einen Socken aus“, befahl der Agent.
Winston gehorchte, worauf der Agent ihm eine der Häute über den Fuß stülpte.
„Sehen Sie. Passt wie angegossen“, sagte er zufrieden. „Und keiner würde auf die Idee kommen, dass diese Haut nicht die Ihre ist.“
„Wirklich bemerkenswert“, gab Winston zu. „Aber wofür soll das gut sein?“
„Sie sind in Gefangenschaft geraten, und man will Informationen aus Ihnen herauspressen. Also hält man Ihre Füße ins Feuer, wie in der berühmten Ballade, von der Sie vermutlich noch nie etwas gehört haben.
Und was passiert?
Gar nichts. Sie schweigen. Die Füße sind nämlich aus Asbest.“
Als Nächstes holte der Agent aus der Tasche ein kleines Schächtelchen, in dem drei Pillen lagen.
„Diese Pillen enthalten ein Konzentrat aus zweitausendfünfhundert radioaktiv verseuchten, genmanipulierten und mit einem hochwirksamen Zigeunerfluch belegten Fröschen“, erklärte er. „Wer eine dieser Pillen zu sich nimmt, kann für die Dauer von exakt fünfundvierzig Minuten zwar nicht mehr sprechen, doch dafür umso besser quaken, und auch seine Hautfarbe ändert sich für diesen Zeitraum und wird grün, wie die Haut eines Laubfrosches. Angeblich kann man auch besonders gut springen, wenn man so eine Pille genommen hat, aber unsere diesbezüglichen Tests sind noch nicht abgeschlossen, Sie sollen sich also lieber nicht allzu sehr darauf verlassen.
Jedenfalls, wenn Sie verfolgt werden, brauchen Sie sich nur entkleiden,
die Pille schlucken und in die nächste Wiese legen. Innerhalb kürzester Zeit tritt die Wirkung ein, und kein Verfolger wird Sie in den nächsten fünfundvierzig Minuten entdecken können...“
„Alles gut und schön, aber das sind lauter Sachen, die mehr zu meinem Schutz dienen als zur Unterstützung meiner detektivischen Arbeit...“
„Gemach, Mr. Winston. Dazu kommen wir gleich. Hier, sehen Sie.“
Er reichte Winston eine Zigarettenschachtel, in der sich noch zwei Glimmstängel befanden.
„Was ist damit?“, fragte Winston.
„Es sind keine gewöhnlichen Zigaretten.“
„Sondern?“
„Eine Sprechanlage. Sie brauchen nur den Filter der einen Zigarette reinzudrücken, dann sind Sie direkt mit dem Hauptquartier der CIA verbunden, und wenn Sie dann noch die andere Zigarette ans Ohr halten, hören Sie auch, was Ihr Gesprächspartner im Hauptquartier sagt.“
„Nicht schlecht. Das probier ich gleich einmal aus.“
„Äh... nicht nötig.“
„Warum nicht?“
„Nun ja, diese Sprechanlage ist eine ganz neue Entwicklung und leidet noch unter gewissen Kinderkrankheiten.“
„Und die wären?“
„Nun ja, wie soll ich sagen... sowohl die Stimme des Senders als auch die des Empfängers klingt so verzerrt, dass keiner von beiden auch nur ein Wort vom anderen verstehen kann.“
„Und was hat dann diese Sprechanlage überhaupt für einen Sinn?“
„Nun, wir dachten uns, wenn sie auch nicht funktioniert, so ist sie immerhin noch besser als gar nichts, und, wer weiß, vielleicht werden Sie irgendwann einmal noch froh darüber sein, dass Sie sie haben.“
„Wäre es nicht einfacher, ein Handy zu benutzen?“
„Ja, natürlich! Das ist eine glänzende Idee, Mr. Winston! Man müsste dann nur die beiden Zigaretten an dem Handy befestigen, und schon könnte man mit einer Hand sowohl senden als auch empfangen.“
„Ganz genau. Und wenn der Krempel nicht funktioniert, kann man immer noch das Handy benutzen. Tolle Erfindung.“
„Stimmt. Aber jetzt kommt noch etwas viel Tolleres“, sagte der Agent, dem vor lauter Begeisterung vollkommen entgangen war, dass Winstons Bemerkung ironisch gemeint gewesen war. „Ich habe hier etwas ganz Spezielles, ein Gerät, das, wenn die Öffentlichkeit etwas von seiner Existenz wüsste, zweifellos im Guinness Buch der Rekorde stehen würde, nämlich die kleinste Kamera der Welt.
Moment. Sie muss im Koffer sein. Ich habe sie hier ... Moment, nein, hier. Oder doch im Staubsauger?
Nein, bestimmt im Koffer. Moment. Kleines Momentchen, gleich ... ist das denn die Möglichkeit, dabei könnte ich wetten ... ein Mikroskop haben Sie nicht zufällig dabei, Mr. Winston?“
„Bedaure, nein“
„Ich fürchte, ich finde die Kamera im Augenblick nicht. Aber das ist nicht weiter tragisch, ich habe sicherheitshalber einige Buntstifte eingesteckt, damit können Sie die Szenen, die Ihrer Meinung nach bildlich festgehalten werden müssen, notfalls auch zeichnen.
Aber zeichnen Sie um Himmels Willen nicht abstrakt, denn das könnte unter Umständen den Dritten Weltkrieg auslösen, wenn unser Zentralcomputer das Bild missinterpretiert.“
„Na gut. Und was ist mit Waffen? Ich verlasse mich zwar am liebsten auf meine Fäuste, aber ich wäre doch gerne für den Notfall gewappnet.“
„Selbstverständlich. Wir haben uns überlegt, mit welcher Waffe man einen Gegner, je nach Bedarf, entwaffnen, betäuben oder umbringen können. Außerdem soll die Waffe es ihrem Besitzer ermöglichen, einen Fluchtversuch des Gegners zu vereiteln, ohne ihn dabei zu töten oder schwer zu verletzen.
Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen nun das Ergebnis unserer langjährigen Forschungen präsentieren zu können.“
Nach dieser vollmundigen Ankündigung überreichte der Agent Winston einen etwa einen Meter langen, dicken Holzprügel, bevor er fortfuhr: „Diese Waffe trägt zu Recht den stolzen Namen Vielzweckmulti.“
„Früher hat man Holzprügel dazu gesagt“, bemerkte Winston.
Ohne darauf einzugehen, erklärte der Agent:
„Sie erfüllt perfekt alle von mir genannten Bedingungen: Ein leichter Schlag auf den Kopf des Gegners befördert ihn ins Land der Träume, ein harter Schlag hingegen in den Garten Eden, in die Hölle, ins Nirwana oder auch in die Ewigen Jagdgründe, je nach dem, welcher Religionsgemeinschaft er zu Lebzeiten angehörte.“
„Oder auch in den Hades oder ins Elysium.“
„Ja, aber nur, wenn der Gegner ein alter Grieche war. Und zwar ein sehr, sehr alter Grieche“, stellte der Agent klar. „Bedroht ein Gegner Sie mit einer Pistole, so bewirkt ein blitzschnell ausgeführter Schlag auf das Handgelenk, an dem die Hand, die die Waffe hält, von der Natur befestigt worden ist, dass Ihr Feind die Pistole fallen lässt und einen lauten Schmerzensschrei von sich gibt.“
„Außer, er ist stumm.“
„Richtig“
„Oder er hat eine Stimmritzenentzündung oder eine Bronchitis.“
„Natürlich. Aber dann würde er Sie wahrscheinlich nicht mit der Waffe bedrohen, sondern zu Hause das Bett hüten. Also weiter:
Will Ihr Gegner die Flucht ergreifen, so schleudern Sie ihm den Vielzweckmulti zwischen die Füße und er wird stolpern und zu Fall kommen, garantiert.
Also, wenn Sie mich fragen, gibt es zurzeit auf der ganzen Welt keine vielseitigere Nahkampfwaffe als den Vielzweckmulti.“
„Und dabei haben Sie eine weitere Verwendungsmöglichkeit noch gar nicht erwähnt“, bemerkte Winston.
„Und zwar welche?“
„Wenn es im Winter kalt im Zimmer ist, kann man den Vielzweckmulti in den Ofen stecken und anzünden, und schon bald wird es im Raum angenehm warm sein.“
Der Agent, der offenbar wirklich keinen Sinn für Ironie hatte, nickte zustimmend und antwortete:
„Das stimmt, aber dann könnte man ihn nicht mehr verwenden und das wäre schade.“
„Kann er sonst noch etwas?“, fragte Winston.
„Oh ja, fast hätte ich es vergessen, weil es im Vergleich zu den anderen Verwendungsmöglichkeiten beinahe eine Lappalie ist: Wenn Sie sich in einem unmöblierten Raum befinden, von dessen Decke, unerreichbar für Ihre Hände, eine Banane herabhängt, so können Sie diese nahrhafte, magnesiumreiche Frucht mit Hilfe des Vielzweckmultis herunterholen.“
„Und wie?“
„Das weiß ich im Moment leider selbst nicht, das hat der Herr Professor mir noch nicht verraten, aber ... nun ja, das ist auch nicht so wichtig, was zählt, sind die anderen Eigenschaften.“
„Das stimmt. Haben Sie sonst noch etwas für mich?“
„Nichts Materielles, aber eine Weisheit, die unser Professor, der chinesischer Abstammung ist, Ihnen mit auf den Weg geben will.“
„Der Name Cork klingt aber nicht sehr chinesisch.“
„Weil das ein Deckname ist. Er hat sich auch die Haare rot färben lassen, damit die Leute ihn für einen Iren halten.“
„Ich verstehe. Also, welche Weisheit hat der Professor für mich parat?“
„Einen Moment, ich zitiere:
‚Jeder Mensch, der dazu fähig ist, eine Laus zu zerquetschen, ist auch dazu fähig, dich zu ermorden. Tote aber können keine Läuse zerquetschen.
Die Zahl der Verstorbenen ist größer als die der Lebenden.
Darum sei voller Zuversicht, mein Sohn, denn die Zahl deiner möglichen Mörder ist verschwindend klein, verglichen mit der Zahl deiner unmöglichen Mörder.
Und doch könnte ein einziges Kamel dich zu Tode trampeln, solltest du jemals versuchen, es zum Durchqueren eines Nadelöhrs zu zwingen.
Soweit die Worte des Professors.“
„Aha. Dann übermitteln Sie dem Professor doch bitte auch eine Weisheit von mir.“
„Gern. Ich höre.“
„Wer einen Wachhund braucht, kauft nicht die Katze im Sack. Zehn tote Hund fressen weniger als ein Lebender. Und zehn halbe Wachhunde sind nicht so viel wert wie ein ganzer. Dafür verursachen sie aber auch nicht so hohe Futterkosten, sondern können sogar selbst verfüttert werden.
Und wer einem hungrigen Tiger die Schnurrbarthaare ausreißt, braucht keine schnellen Beine mehr.“
„Äh... und was bedeutet das?“
„Es bedeutet, dass der Professor seine so genannten Weisheiten in Zukunft besser für sich behalten sollte. Sie bescheinigen ihm nämlich ein gerüttelt Maß an Idiotie. In einem ausgeblasenen Osterei steckt mehr Weisheit als im ganzen Professor.
Im Übrigen danke ich ihm recht herzlich für den Plunder, den er mir geschickt hat, weil kein anderer Agent ihn haben wollte.
Sie nehmen sich am besten den von mir gekauften Staubsauger mit und lassen mir dafür den anderen da, das fällt dann am wenigsten auf.
Nun dann: Auf Wiedersehen. Und besten Dank für Ihre Mühe.“
„Gern geschehen. Und sollten Sie noch etwas brauchen, eine Atombombe zum Beispiel oder irgendwelche tödlichen biologischen Massenvernichtungswaffen, so wenden Sie sich vertrauensvoll an uns.“
Der Agent verließ den Detektiv, und wenige Sekunden später stieg Winston schon die Treppe hinab und betrat den Saal, in dem die Sexshow stattfand.
***
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.
