Kitabı oku: «Sonnenkaiser», sayfa 15
Die beiden trugen ausgeblichene Jeans und Shirts. Verglichen mit den Studenten, die Daniel an diesem Tag auf dem Gelände gesehen hatte, wirkten sie in ihrer Aufmachung ärmlich.
Der linke Mann wirkte zudem irgendwie unterernährt. Seine langen verfilzt aussehenden Haare ließen den Kopf im Vergleich zum Körper überdimensioniert erscheinen. Der andere wirkte dagegen übermäßig wohlgenährt, als würde er dem Ersten regelmäßig das Mittagessen stehlen.
>>Die beiden sehen doch wirklich merkwürdig aus. Finden Sie nicht?<<
Die junge Frau beugte sich zu ihm herunter.
>>Ich würde mir das Foto gerne auf mein Smartphone laden.<<
Daniel drehte den Kopf zu ihr und zuckte zusammen. Sein Blick landete direkt auf ihrer Oberweite, die sie durch ihre Körperhaltung in eine exponierte Lage gebracht hatte.
Frau Kumari schenkte ihm ein Lächeln. Er war sich nicht sicher, ob sie seine Blickrichtung und Reaktion bemerkt hatte.
>>Wenn es Ihnen hilft, können Sie das gerne machen!<<
Daniel zog sein Smartphone hervor und aktivierte zwischen beiden Geräten eine Datenverbindung. Sie tat das Gleiche. Amüsiert sah er auf dem Notebook die Bereitschaftsanzeige zum Datenaustausch.
>>Gerät Nisha Kumari ist mit Phone Daniel1 verbunden!<<
Sehr viele Leute hatten die Neigung, ihre technischen Geräte unter dem eigenen Namen einzurichten. Der Klang ihres Namens war eindeutig indisch, da war er sich sicher. Damit war seine Frage beantwortet.
Sekunden später befand sich eine Bildkopie auf seinem Smartphone, als Aufgabe für Harry. Daniel war überzeugt, GlobSecure könne die beiden Männer wesentlich schneller identifizieren. Dort hatte man garantiert bessere Möglichkeiten als die Polizei, sich personenbezogene Daten zu beschaffen. Aber da war dieses leise Aber in seinem Kopf.
Er legte das Touchbook auf das kleine Tischchen. Endlich entspannte er sich wieder und seine Körpertemperatur sank wieder.
>>Wie nennt man eigentlich Ihren Beruf?<<
Nisha Kumari hatte einen merkwürdigen Ausdruck in ihrem Gesicht, irgendwie spöttisch.
>>Ich bin Sachbearbeiter für<<, begann Daniel seine Geschichte weiterzuspinnen, aber die Frau unterbrach ihn sofort.
>>Hören Sie doch auf zu lügen! GlobSecure hat schon letzte Woche jemand hierher geschickt. Ich habe den Mitarbeiter auf der Terrasse oben gesehen, als ich von meinen Vorlesungen kam. Jetzt kommt er mit Ihnen wieder. Das ist doch etwas viel Aufwand, wenn es um ein paar gestohlene Autos geht, die man mit Sicherheit auch anders wieder auffinden kann. Es geht Ihnen um Marc und nicht um ein bisschen Stahl und ein paar Kilo Lithium und Magnesium.<<
So viel zur Diskretionspflicht. Das Beste wäre wohl eine schnelle Verabschiedung. Immerhin hatte er ja eine Spur, mit der er sich beschäftigen konnte. Daniel stand auf.
>>Vielen Dank, Frau Kumari! Leider kann ich Ihnen nichts dazu sagen. Sie haben mir auf jeden Fall weitergeholfen!<<
Bevor er nur einen Schritt machen konnte, stand sie vor ihm. Ihr Zeigefinger stach in seine Brust. Ihre dunklen Augen funkelten ihn an.
>>Was ist mit Marc passiert? Wo ist er?<<, zischte sie mit blitzenden Augen.
Was war das? Besorgnis? Enttäuschung? Ein Hauch von unterdrückter Wut. Die Beziehung schien noch nicht erledigt zu sein. Auf jeden Fall war ihr wohl ein wesentliches Detail nicht entgangen.
>>Ich darf Ihnen nichts sagen. Es tut mir leid!<<
>>Er ist verschwunden und Sie suchen ihn!<<
Ihr Mund zog sich zusammen. Ihre Hände legten sich auf ihr Brustbein. Eigentlich erwartete Daniel, dass nun ihre Augen feucht wurden. Für jemand, der in echter Sorge war und noch immer etwas für den früheren Freund empfand, fehlte ihm das. Aber vielleicht erwartete er zu viel. Auch ihre Herkunft und Erziehung verboten ihr möglicherweise, mehr Emotionen zu zeigen.
Sie atmete tief durch. Offensichtlich fasste sie sich.
>>Das ist schade! Ich würde zu gerne wissen, wo Marc steckt.<<
Sie ging einen Schritt zurück und legte die Hände in die Hüften.
>>Leider habe ich es erst vor ein paar Tagen festgestellt.<<
Wieder atmete sie tief durch. Der zusammengezogene Mund blieb. Aber es war kein Schmollmund, weil er ihr nicht antworten wollte. Auch kein Zusammenpressen der Lippen, weil sie ihrer Traurigkeit nicht erlauben wollte, nach draußen zu gelangen.
Sie kniff ihre Augen etwas zusammen. Das Ganze bekam etwas Wütendes. Dann verlor sie gänzlich die Kontrolle über ihre Mimik.
>>Dieser Dreckskerl hat meinen Account an der Universitätsdatenbank gehackt und mir die gesamten Ergebnisse eines Projektes gestohlen! Er hat sie kopiert und gelöscht. Wenn ich den Mistkerl erwische, reiße ich ihm alle Haare aus und trete ihm zwischen die Beine, bis er dauerhaft wie ein Eunuch klingt!<<
20.
Vermont stand mit seinem offensichtlich einzigen verfügbaren Gesichtsausdruck in der Tür, als Daniel in die Wohnung von Marc zurückkehrte.
>>Und? Haben Sie schon ein Ergebnis?<<
Daniel nickte nur und ging in den Wohnraum. Auf der Bar stand eine Tasse Kaffee. Der aromatische Geruch hing im Raum.
>>Ein SecGuard kann es sich auch mal gut gehen lassen?<<
Nachdem er bereits einmal im verbalen Schlagabtausch gegen Vermont einen Punkt errungen hatte, fühlte er sich ermutigt, sich nicht weiter von dem Sicherheitsmann beeindrucken zu lassen. Vermont gesellte sich zu seiner Tasse und leerte sie zügig. Eine Erwiderung blieb er schuldig, was bei Daniel weiteres Oberwasser erzeugte.
>>Was für ein Ergebnis haben Sie? Immerhin sind Sie fast zwei Stunden unterwegs gewesen.<<
>>Ermittlungen macht man nicht am Fließband. Da geht es nicht um Arbeitstakte pro Stunde, sondern darum, zunächst die erste Spur zu finden. Wenn Sie aber keine Idee haben, wo Sie suchen sollen, kann gerade der erste Schritt sehr lange dauern!<<
Vermont schaute ihn einige Sekunden an. Das reglose Gesicht ging Daniel langsam auf die Nerven. Er fragte sich, ob das Gehalt eines SecGuards hoch genug war, um sich regelmäßig Botox spritzen zu lassen.
>>Haben Sie nun etwas gefunden oder spielen Sie schon auf Zeit?<<, legte Vermont noch einmal nach.
Daniel schob einen ersten Gedanken an Mord beiseite, öffnete die Tür zum Balkon und ging nach draußen. Vom Geländer aus schaute er nach unten. Direkt unter sich erhaschte er einen Blick auf den Sitzkorb, der leicht schaukelte. Zwei dunkle schlanke Füße schauten daraus hervor.
Die Unterhaltung mit Nisha war unerwartet erkenntnisreich gewesen. Marc Jacobs war nicht nur Sohn eines milliardenschweren Unternehmers und ein erfolgreicher Student. Er war auch ein ziemlich niederträchtiger Dieb.
Nisha hatte ihm erzählt, dass Marc in seinem Fachbereich sehr anerkannt war. Er hatte vor einem Jahr eine Assistenzstelle bekommen und betreute organisatorisch mehrere Laborprojekte. In zwei dieser Projekte arbeitete auch Nisha Kumari. Es ging dabei um irgendetwas mit Graphen, einem superdünnen Material aus Kohlenstoff, und einem Verfahren zur fehlerfreien Erzeugung von Schichten aus diesem Material. Daniel war gedanklich ausgestiegen, als sie ihm erklärte, wozu das Ganze nützlich war. Brennstoffzellen, soweit konnte er folgen, und Nafion-Polymerschichten, was immer das sein sollte, zumindest kein Bestandteil von Kaugummi, Platinbedampfung und eine Menge anderes wissenschaftliches Zeug. Nisha hatte ihm mehrere Minuten lang von ihrer Arbeit erzählt bis sie sein hilfloses Gesicht bemerkte und herzhaft zu lachen begann.
Dann hatte sie ihm erklärt, es ginge bei der Arbeit um die Herstellung einer neuen Form von Brennstoffzellen, die wesentlich effektiver arbeiten konnte als die, die bereits von verschiedenen Herstellern für Haushalte angeboten wurden. Am Ende stünde außerdem, einzigartig, eine vollständige Einheit zur Erzeugung von Haushaltsstrom, die über eine Photovoltaikeinheit Strom erzeugte, um damit Wasserstoff aus Leitungswasser oder Regenwasser zu gewinnen und bis zum Einsatz in der Brennstoffzelle in einem Medium zu speichern, nahezu wartungsfrei und langlebig und in der Herstellung günstig genug für normale Haushalte.
Nishas Arbeit hierzu war sehr erfolgreich gewesen. Sie hatte einen Prototyp für die Herstellung von vollständig fehlerfreien Platinbeschichtungen auf den Graphen gebaut, Voraussetzung für die hohe Effizienz der Brennstoffzelle, und den Produktionsprozess für die Brennstoffzelleneinheit kostenoptimal entwickelt. Mehrere Einheiten der Zelle waren bereits seit Monaten im Betrieb. Nisha hatte bereits an der Patentanmeldung für die Universität gearbeitet. Im Grunde war die Stromerzeugereinheit marktreif. Sie hatte die Einheit etwas fantasielos HomeCell genannt. Die gesamte Dokumentation dieser Arbeit, das Ergebnis von fast drei Jahren Arbeit, war auf der Universitätsdatenbank abgelegt, zwar verschlüsselt und der Zugriff gesichert, aber Nisha vermutete, dass Marc ihr während der Zeit, in der sie zusammen waren, einen Trojaner auf ihrem Touchbook installiert haben musste. Als sie das Touchbook mit der Datenbank verband, übermittelte der Trojaner den Zugang auf den Account von Marc Jacobs. Von da an konnte er jederzeit auf ihre Arbeitsergebnisse zugreifen.
Nachdem sie die Datenablagen zu ihrem Account leer vorgefunden hatte, fragte sie bei einem Kommilitonen am Informatiklehrstuhl um Hilfe. Schnell fand der den Trojaner und rekonstruierte das Log ihres Accounts. Nun konnte sie sogar nachlesen, dass jemand mit ihrer Autorisierung das gesamte Projekt an einen mobilen nicht registrierten Datenträger übertragen und dann ihren Speicherbereich mit einem entsprechenden Tool gründlich gelöscht hatte. Unglücklicherweise war sein Timing perfekt. Diese Aktion erfolgte auch auf der Datenbanksicherung. Damit lag auch keine Sicherheitskopie mehr vor.
Neben einer größeren Anzahl von Dateien, die mit anderen Themen des Studiums zusammenhingen, hatte der Dieb anschließend ein File mit einem Geständnis zurückgelassen. Die Datei enthielt einen einzelnen Satz.
>>Tut mir leid, Tabbu!<<
Diesen Spitznamen hatte Marc ihr gegenüber nur verwendet, wenn sie alleine waren, der Vorname einer indischen Schauspielerin, mit der sie Marcs Meinung nach Ähnlichkeit hätte.
>>Haben Sie für heute noch etwas geplant, oder soll ich eine Übernachtungsmöglichkeit organisieren?<<, fragte Vermont von der Tür aus. Unten auf der Terrasse verschwanden die Füße im Sitzkorb. Daniel drehte sich um.
>>Ich muss jemand kontaktieren. In einem Hotelzimmer hätte ich die notwendige Ruhe.<<
Vermont nickte und verschwand wieder in der Wohnung. Eine Etage tiefer vernahm Daniel das Geräusch einer sich schließenden Schiebetür. Nisha hatte auf eine Anzeige gegen Marc Jacobs verzichtet, denn Sie hatte nur dürftige Beweise dafür, dass Marc sie bestohlen hatte. Den Trojaner hätte auch jemand anders auf ihrem Touchbook platzieren können.
Der Wert des Projektes mochte Milliarden betragen, wenn man die Entwicklung in der Energieindustrie etablieren konnte. Damit bestand die Möglichkeit, die Energiegewinnung der Privathaushalte in Europa zu einem großen Teil aus der Abhängigkeit des Standortes Nordafrika zu lösen. Großes Geschäftsrisiko für DesertEnergy und eine Chance für Marc Jacobs.
Für sie selbst blieb nur die mühevolle erneute Nachbildung und Erfassung der Entwicklungsergebnisse, was laut Nisha Monate dauern würde. Wenn Marc Jacobs die Informationen verwerten wollte, blieb ihm ein überschaubares Zeitfenster, denn Nisha hatte bereits begonnen, für die Universität eine europäische Patentanmeldung zu erstellen. Dem würde er zuvorkommen müssen.
Zum Beweis, dass sie ihm keine Lügengeschichte auftischte, zeigte Nisha Daniel verschiedene Dokumente, die sie bereits neu aufbaute, Mails aus der Kommunikation mit einem Professor, den sie über den Datenverlust informiert hatte, Assistenten und anderen Studenten aus der Projektgruppe bis hin zu den Ergebnissen aus der Untersuchung Ihres Touchbooks. Nisha hatte als technische Projektleiterin alle Einzelaufgaben kontrolliert und zusammengeführt.
Soweit Daniel es beurteilen konnte, zeigte sich ein etwas lückenhaftes, aber doch aussagekräftiges Bild. Marc Jacobs war tatsächlich ein Dieb. Er hatte die Daten zu einem produktionsreifen Prototypen gestohlen.
Eigentlich hätte Daniel mit diesem Ermittlungsstand zufrieden sein können. Marc Jacobs würde bestimmt in den nächsten Monaten wieder auftauchen, während sich jemand anderes, der nicht mit der Universität in Verbindung stand, als Eigentümer einer Innovation präsentieren würde, vielleicht schon mit einem Investor an der Seite. Fall gelöst.
Aber das war zu dürftig und naiv einfach. Seine Aufgabe war es, Marc Jacobs wiederzufinden, nicht nur Hinweise für seine Rückkehr zu liefern. Und er spürte, dass ihn die Jagdlust wieder befiel. Das hier war ziemlich nah an seinem Job bei der Polizei. Er befand sich auf der Spur eines Kriminellen, der anderen Leuten Schaden zufügte, um sich selbst zu bereichern. Ein Gauner!
Es sah für Daniel ganz nach einem Job aus, der sein Interesse weckte und ihn vor allem aus seiner lethargischen Lebenseinstellung herausholen würde. Während er darüber nachdachte, erschien ihm Frederic Jacobs Verhalten in einem ganz anderen Licht. Wenn man eine bestimmte Verbindung unterstellte, hatte er eindeutig einen Grund, diese Suche scheitern zu lassen.
Vielleicht saß Marc Jacobs bereits in einem Forschungslabor des potenziell wichtigsten Interessenten für diese Entwicklung, DesertEnergy, und brachte Nishas Arbeit zum industriell verwertbaren Abschluss, damit sich das Unternehmen als innovativ präsentieren konnte, mit einer vielleicht marktbeherrschenden Neuigkeit.
Nisha hatte Daniel erzählt, dass Marc sich von ihr getrennt hatte. Einen Grund hatte er nicht wirklich gehabt. Es würde halt nicht funktionieren, hatte er ihr gesagt. Aber er hatte sich mit Nisha wohl nur aus einem Grund eingelassen. Es ging ihm von vornherein darum, ihre Projektergebnisse zu stehlen, bevor diese über die Patentanmeldung offiziell für den Eigentümer, die Universität, verwertbar waren.
Für die Polizei war das File mit dem einzelnen Satz kein verwertbarer Beweis. Da er geschickt genug vorgegangen war und beim Datendiebstahl keine eindeutige Spur zurückgelassen hatte, konnte dieses Geständnis möglicherweise auch gefälscht sein.
Daniel sortierte für einen Moment seine Gedanken. Dann schob er die Idee, Nisha habe die Geschichte erfunden, zur Seite. Das machte einfach keinen Sinn. Warum sollte sie noch an der Universität ihre Zeit verbringen und mühevoll die Forschungsergebnisse erneut in Schriftform fassen, wenn sie selbst das Projekt für sich verwenden wollte? Es wäre für sie das Beste, sich aus dem Staub zu machen und die Daten mitzunehmen. Und es machte überhaupt keinen Sinn, dem zufällig an ihrer Tür klopfenden Daniel eine solche Story aufzutischen.
Wenn sie aus Indien stammte, würde sie dort möglicherweise Kontakte haben, die ihr bei einer risikolosen Verwertung jenseits des europäischen Rechtsraumes helfen konnten.
>>Ich habe ein Hotel gebucht. Villa Verde, falls Sie es kennen. Wenn Sie mit Nachdenken fertig sind, können wir direkt dorthin fahren!<<, holte ihn die unterkühlte Stimme des SecGuard aus seinen Gedanken.
Sie verließen die Wohnung und stiegen in den Wagen. Als Daniel auf dem Beifahrersitz Platz nahm, warf er einen Blick auf die Terrasse mit dem leeren Sitzkorb. Leider war das knallrote Kleid nirgends zu sehen, was er sehr bedauerte. Während der Wagen den Parkplatz verließ, starrte er durch die Frontscheibe, in der Nishas imaginäres Gesicht vor ihm schwebte.
21.
Nachdem sie in dem Hotel außerhalb der universitären Sicherungszone, dessen graue Fassade so gar nicht zum Namen passen wollte, eingecheckt hatten, gab Daniel Vermont die Aufgabe, sich um das Fahrzeug zu kümmern, das Marc Jacobs bei seiner Abreise abgeholt hatte. Dann zog er sich sofort in sein Zimmer zurück.
So viel Beschäftigung hatte er seit Monaten nicht mehr während des Tages gehabt. Es fühlte sich ein wenig ungewohnt an. Außerdem schmerzte sein Knie. Und es wurde eigentlich Zeit für ein Abendessen. Da Vermont keine Einladung ausgesprochen hatte, was ihm nicht unrecht war, würde er sich eine Kleinigkeit über den Zimmerservice bestellen, wenn es so etwas gab und danach früh zu Bett gehen, sich ausgiebig erholen und erst am nächsten Tag wieder in die Nähe des SecGuard begeben.
Doch vorher hatte Daniel noch ein wenig zu erledigen. Hastig loggte er sich in das Polizeinetzwerk ein und kontrollierte, ob Harry online war. Es war längst früher Abend und Daniel befürchtete, Harry wäre bereits nach Hause gefahren. Aber neben dem Namen signalisierte ein grüner Punkt, dass er noch erreichbar war.
>>Hallo Harry!<<, tippte er auf der Tastatur.
Sofort kam die Antwort.
>>Hallo Sherlock!<<
>>Können wir sprechen?<<, antwortete Daniel.
>>Ich bin alleine!<<, erklang Harrys Stimme aus dem Lautsprecher des Touchbooks. Sprechverbindung.
>>Hast Du schon etwas erreicht? Ich hatte eigentlich nicht so schnell mit Dir gerechnet!<<
Daniel erzählte Harry von dem Gespräch mit Nisha.
>>Ich sende Dir jetzt das Bild. Kannst Du herausfinden, wer diese Männer sind?<<, beendete er seinen Bericht und übermittelte das Foto, das er während des Gesprächs vom Smartphone kopiert hatte.
>>Die beiden werden ja wohl gültige Identifikationen haben, sonst kämen sie nicht auf das Universitätsgelände. Also sollten sie auch im Personenregister zu finden sein<<, antwortete Harry.
>>Ich beginne mal mit der Annahme, sie seien in Frankfurt gemeldet.<<
Daniel zuckte mit den Schultern. Er kannte die Prozedur. Die biometrischen Gesichtsfotos aller Bürger des Landes standen für Fahndungszwecke zur Verfügung. Zumindest die Fotos der Menschen, die vorschriftsmäßig bei den Behörden gemeldet waren. Bereits vor dem Staatsbankrott hatte es ein gewisses Maß an unregistrierter Zuwanderung gegeben. Nach der Staatspleite waren auch zahlreiche Bewohner des Landes aus der Erfassung gefallen, vornehmlich Menschen, die in die Armut gestürzt waren und sich mit der Erkenntnis auseinandersetzen mussten, dass sich niemand mehr vonseiten des Staates für sie interessierte.
Die Zahl, der nicht mehr gemeldeten und der illegal eingereisten Menschen im Land wurden offiziell auf etwa fünf Millionen geschätzt. Die Dunkelziffer lag erwartungsgemäß höher. Für die Politik war das keine so schlechte Situation, denn nicht erfasste Bürger tauchten auch nicht in den offiziellen Statistiken und Berichten auf. Das hatte einen positiven Einfluss auf verschiedene Messzahlen, die die Presse regelmäßig verbreitete, etwa die Arbeitslosenzahl oder den Armutsbericht. Denn hier wären die nicht Erfassten besonders unangenehm aufgefallen. In der gegebenen Situation ließen sich Zahlen aber beliebig manipulieren oder deuten.
>>Wenigstens ist einer der beiden gut getroffen! Was sind das denn für Typen? Vor allem der mit dem Hundefell auf dem Kopf. Der sieht ja aus wie ein Komondor!<<, brummte Harry.
>>Ein was?<<
>>Ein ungarischer Hirtenhund. So einen hatte mal mein Schwager. Aus einem Tierheim. Das Tier kam aus Osteuropa von einer illegalen Hundezucht.<<
>>Hast Du noch etwas anderes herausgefunden, das mir helfen kann? Die Sache ist zwar schlüssig, aber grundsätzlich auch zu offensichtlich<<, fragte Daniel. Er gähnte. Seine Augen brannten und er war gerade nicht in der Stimmung, sich Anekdoten aus Harrys Familie anzuhören. Vielleicht am nächsten Tag, wenn er wieder munter war. Und wenn sein Magen nicht knurrte.
>>Glaubst Du, da steckt etwas anderes hinter?<<
>>Ich habe nur Nisha Kumaris Aussage und dieses Foto mit zwei Typen, die nicht unbedingt in diese feine Gegend passen. Sie kann auch lügen<<, erwiderte Daniel.
Harry lachte leise.
>>Alles ist möglich. Hallo, Selim!<<
Den zweiten Satz sprach er laut aus.
>>Das war der Wachdienst. Ich sitze hier seit ein paar Minuten alleine im Büro. Die anderen sind schon alle weg!<<
>>Tut mir leid, wenn ich Dich aufhalte! Ich hoffe, Deine Frau wird mir das nicht übel nehmen!<<
Das letzte Wort ging in einem weiteren Gähnen unter.
>>Kein Problem. Ich habe mich bei ihr schon abgemeldet. Du klingst müde! Ah, was ist das?<<
>>Du hast etwas gefunden?<<
Daniel war plötzlich hellwach.
>>Ja!<< Harry verstummte sofort wieder. Es entstand eine sekundenlange Pause.
>>Hallo? Bist Du noch da?<<
Daniel wurde nervös. Seine Finger trommelten ungeduldig auf dem Tisch, auf dem das Touchbook lag.
Harrys Stimme erklang wieder aus dem Lautsprecher.
>>Ja! Wie es aussieht, gewinnt Dein kleiner Auftrag rapide an Komplexität!<<
>>Was ist denn? Sag mir, was Du gefunden hast!<<
Unnötige dramaturgische Einlage.
>>Die Bilderkennung hat einen Treffer in der Datenbank. Der Mann mit dem Hundefell auf dem Kopf heißt Peer Waitz. Er steht im Verdacht, ein Mitglied von FreePeople zu sein! Wunderbar! Der Sohn des Chefs von DesertEnergy, ein SecGuard mit hoher Sicherheitseinstufung und ein mutmaßlicher Aktivist einer kriminellen Organisation. Planst Du, die Sammlung noch zu vergrößern?<<
Daniel schloss die vor Müdigkeit brennenden Augen und stöhnte. Sein Puls war allerdings wieder ordentlich auf Touren gekommen.
>>Was um Himmelswillen ist das für eine wirre Geschichte?<<
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.