Kitabı oku: «Erfahrungen in einem sozialen Netzwerk», sayfa 2

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Der Wollüstige

Er mag sogar die Erscheinung eines zurückhaltenden Mannes konservativer Prägung annehmen, bis man, total überrascht, auf ein Foto stößt, das so gar nicht zu seinem Verhalten passt:

Nehmen wir an, er sei Fotograf und komme auf die Idee, ein ganz junges Mädchen in einer besonderen Stellung zu fotografieren.

Sie kniet auf dem Boden, beugt sich nach vorn .und stützt sich auf ihre Hände. Man sieht sie im Profil und konzentriert sich auf die schimmernde Haut ihres Körpers (ohne Kopf).

Nun genügt das dem wollüstigen Künstler noch gar nicht. Er stellt eine Kerze oben auf den reizenden Po, und nun läuft das heiße Wachs an den Schenkeln herunter. Eine junge Frau, mit einer Perlenkette aus heißem weißem Wachs bekleidet – masochistisch? Nein, zelebrierte Wollust!

Wollüstige Erzählungen gibt es zuhauf. Vor allem in der Rubrik GESCHICHTEN, DIE DAS LEBEN SCHREIBT. Da wird z.B. meist von männlichen Wollüstlern der Liebesakt ausführlich geschildert. So lässt sich alles noch einmal erleben, wenn man das rote Höschen der Geliebten auszieht – und die halbe Welt guckt zu!

Die Gouvernante

Ja, die gibt es auch noch! Sie durchsucht die Fotowand auf anstößige Objekte und drückt ihre Abscheu dann in einer kurzen Notiz am SCHWARZEN BRETT aus:

Wenn das Foto von Soundso nicht augenblicklich verschwinde, müsse sie sich hier ABMELDEN. Welcher Sittenverfall, welcher Mangel an Ästhetik!

Und dann wird in 200 bis 300 Kommentaren dieser unsägliche Affront kommentiert, zurückgewiesen, heftig unterstützt. Gedanken kreisen um das armselige Fotomodell und die liebreizende Gouvernante, die sich nun 200 bis 300 mal dem applaudierenden Publikum präsentiert.

Aufsehen erregen – warum denn nicht! Gesehen werden, erkannt werden, als Menschenfreund, als Misanthrop, als Gouvernante – das ist fast egal.

Der Guru

Es gibt ihn auch. Er meint, anderen die Welt erklären zu können. Er unterschätzt gelegentlich die anderen, die anderen unterschätzen ihn. Mitunter erscheint er als weiser, alter Lehrer, dem nichts mehr fremd ist, der seinen Weg unbeirrt geht und dem es egal ist, ob andere sich ihm anschließen oder nicht.

Das ist allerdings selten der Fall, denn er ist so gar nicht mehr von dieser Welt – und die andere Welt – gibt es sie überhaupt?

Ob er einen Bart hat? Welch lächerliche Frage!

Das Weibchen

Sie legt es darauf an, mit allen Männern Katz und Maus zu spielen. Sie lockt mit Blicken und Worten, wird verfolgt, verschlungen, angebetet – leider alles nur virtuell. Sie mag im wirklichen Leben eine kluge, treue, tüchtige Ehefrau sein, die hier – hinter Glas – ihre frühere Rolle belebt. Das ewige Spiel – neu inszeniert – und alle fallen drauf rein.

Die Angeberin

Eigentlich fällt sie nur auf, wenn sie sich in einer Notiz weitschweifig über das schlechte Niveau bei SB beklagt. Kein Mensch weiß, auf welchem Niveau sie sich selber befindet, denn meist ist sie erst kurze Zeit da, hat noch nie einen längeren Text geschrieben, und ihre Klagenotiz verzichtet großzügig auf alle Kommas.

Aber sie empfindet sich irgendwie an einem „unwürdigen Platz“, den das Schicksal ihr quasi zugemutet hat, und sie kann dieses Versehen nicht klaglos hinnehmen.

So werden an diesem Tag Hunderte ihre hohen Ansprüche loben, inbrünstig in ihr Klagelied einstimmen – oder seltener – sie um ein Körnchen Selbstkritik bitten.

Vielleicht gefällt es ihr am Abend schon besser, und sie mutiert dann zu einem Schmetterling (s. unten!).

Die Dirne

Da jeder diesen Typ kennt, genügt ein kurzer Hinweis auf die Notiz am SCHWARZEN BRETT: „Wer möchte heute Sex?“ Man braucht sich weiterhin keine Sorgen zu machen, dass diese Frage unbeantwortet bleibt.

Der Philosoph

Er schreibt alle anderen an die Wand, ellenlange Beiträge über Heidegger und Gadamer, schüttelt Sokrates-, Seneca- und Cicero-Zitate aus dem Ärmel und wird von jedem hundertsten Leser annähernd verstanden. Wer sich auf eine Diskussion einlässt, zieht immer den Kürzeren, denn er ist nebenberuflich Sophist, dreht dir das Wort im Munde um, und du stehst in kürzester Zeit als tumber Tor da. Deshalb wagen sich nur wenige aufs rhetorische Glatteis.

Leider sind Philosophen oft sehr sensibel und verletzlich, und unverstanden wollen sie auf Dauer auch nicht bleiben, so bleibt nur der Ausweg, sich ein spezielles Philosophie-Forum zu suchen.

Das ist schade, ein Verlust für die andächtige Gemeinde, die ergriffen um den Star kreist, auch wenn sie ihn nicht versteht.

Mutter Teresa

Mutter Teresa ist für alle irgendwie in Not geratene Sbler ein Geschenk des Himmels. Sie bietet ihre Hilfe in liebevollen Worten am SCHWARZEN BRETT an, und schon stürzen sich vom Leben Geschädigte, von Krankheiten Geplagte, von Männern verlassene Frauen in ihre ausgebreiteten Arme. Sie kennt sich aus, wenn es um Kräutertees für Schlafprobleme geht oder Rezepte aus Großmutters Zeiten, die durchaus aphrodisische Wirkung haben dürfen. Sie nimmt Hunde und Katzen in Pflege, wenn sie am selben Ort wohnt.

Sie ist meist älter, hat keine Partnerwünsche mehr und deshalb viel Zeit und Energie für die Zu-Kurz-Gekommenen, Kranken, Sterbenden und Einsamen beiderlei Geschlechts.

Sie ist immer da, immer bereit, eine Ur-Mutter!

Der/die SchmetterlingIn

Er/sie fliegt von einem zum Anderen. Er/sie sammelt Kontakte, pflegt sie nicht, hat seine schönen Flügel gezeigt, Sehnsucht erzeugt – und weg ist er/sie.

Man darf nicht vergessen, dass sie fliegen MÜSSEN. Sie können nicht anders. Man darf ihn/sie bewundern, ihnen kurzzeitig verfallen, aber nicht mitfliegen!

Der Moralist

Er hat etwas mit der Gouvernante gemeinsam, denn er meint, er müsse sich überall für Ordnung, Zucht und höhere Werte einsetzen. Während es ihr eher um das Einhalten von Vorschriften geht, betont er, dass Menschen sich Tugenden verpflichten sollten.

Wenn also jemand „offene Ehen“ am SCHWARZEN BRETT propagiert, wird er mit Sicherheit an die 10 Gebote erinnern, wird selber seit 40 Jahren ungeheuer glücklich mit einer einzigen Frau verheiratet sein, was in unserer freien Gesellschaft mittlerweile Seltenheitswert hat.

Man braucht Moralisten, auch wenn sie manchmal nerven, aber sie setzen Grenzen und sorgen dafür, dass die Menschheit nicht in totaler Anarchie versinkt.

Der Verseschmied

Die Zahl der Verseschmiede im Land der Dichter und Denker ist erstaunlich groß. Manche Sbler reagieren nur noch in gebundener Rede, d.h. sie reden in Versen, ob mit oder ohne Reim.

Am SCHWARZEN BRETT lässt sich eine Gedichte-Wand selektieren, die jedem kritischen Leser – womöglich einem Philologen – Lust und Schmerz bereitet.

Manchmal steht ein © unter Zeilen, die sich nur reimen und inhaltlich nichts bieten, und dann erscheint plötzlich ein kleines Kunstwerk, formvollendet und inhaltlich wertvoll.

Rührend ist die Tatsache allemal,. dass sich ältere Menschen die Mühe machen, mit ihren Gedichten anderen eine Freude zu machen.

Der Lehrer

Es gibt ihn nicht!!! Obwohl es durchaus gelegentlich Anlass geben würde, Grammatik-, Rechtschreib- und Zeichenfehler zu korrigieren, bleiben pädagogische Eingriffe aus!

Aus Gründen der Toleranz ziehen sich geborene Lehrer in den Schmollwinkel zurück und halten still.

Ganz selten reißt einem die Geduld, und er hängt eine entsprechende Anklageschrift an das SCHWARZE BRETT: Der Untergang der deutschen Sprache steht unmittelbar bevor.“

Der Teufel, die Bösewichtin

Es gibt ihn, in der Tat! Sein Auftritt ist meist ein Überfall. Er fällt aus unerfindlichen Gründen über einen ahnungslosen User her und zerfetzt ihn, erklärt unmissverständlich, dass er ein A… sei, keinen blassen Dunst hätte, seine Worte lieber hinunterschlucken und daran krepieren sollte.

Meist muss dann ein SB-Moderator eingreifen und die Wogen glätten.

Dorian Gray

Dorian Gray ist die Steigerungsform eines narzisstischen Menschen. Oscar Wilde hat dieses unvergleichliche Portrait eines selbstverliebten Mannes geschaffen.

Selfies sind heute der letzte Kick, man liebt sich selbst mehr als früher. Selbstwahrnehmung hat den gleichen Stellenwert wie Fremdwahrnehmung.

Vielleicht sind wir alle Dorian Grays, denn nur wer sich selbst liebt, kann andere liebevoll akzeptieren.

Gerade bei Seniorbook gehört Freundlichkeit anderen gegenüber zum guten Ton.

Natürlich kann ein User mehrere Rollen spielen. Vielleicht macht das gerade den Reiz des Spiels aus. Vielleicht liegt sogar der therapeutische Wert einer solchen Plattform darin, allen Typen eine Bühne zur Selbstdarstellung zu geben.

Wir tragen viele Personen in uns, was uns Hesse in seinem „Steppenwolf“ sehr anschaulich vorführt. Als sich der Protagonist Harry Haller nach dem Fest im Spiegel betrachtet, fallen da plötzlich mehrere kleine Wölfe heraus, die er als Teilpersönlichkeiten erkennt.

Vielleicht entdeckt der eine oder andere einen Zauberer, einen Erzengel, ein Dornröschen oder einen Alien in sich, die nur auf ihren Auftritt warten und dadurch erlöst werden könnten.

Geben wir ihnen eine Bühne und spenden wir Beifall!

Seniorbook – ein Geschenk an die ewig jungen Alten

In meiner Erinnerung sehe ich mich als Dreijährige an einem „Volksempfänger“ sitzen. Wie ist der Sänger da hineingekommen, frage ich meine Mutter

Die große Welt in einem kleinen hässlichen Kasten!

Und nun – am Ende meines Lebens – ein schimmernder Raum, unendlich tief, unendlich weit, 1001 kleine Phantasie-Räume, in denen Menschen sich aufhalten, nachdenken, miteinander reden, raten, lachen, sich betrachten, umarmen …

Welch eine grandiose Erweiterung der Lebenswelt hat in einer Generation stattgefunden, die sich nach dem Grauen des Krieges der Erhaltung des Friedens verpflichtet fühlte.

Welch geniale technische Erfindungen erlauben es uns, in Jetztzeit mit Menschen auf dem ganzen Erdball zu kommunizieren! Wie beschleunigt laufen jetzt in Ländern Vorgänge ab, die früher Jahrhunderte brauchten, wie z.B. die Demokratisierung!

Ich bin erst seit einem Vierteljahr in dieser Community, die ich „Ort der Imagination“ nenne. Ein objektives Urteil lässt sich noch nicht abgeben, es kann nicht mehr als ein ganz und gar subjektiver Eindruck sein, gefärbt von den eigenen Interessen, beeinflusst von den eigenen Erfahrungen, eingeschränkt durch den Faktor Zeit und vielleicht auch durch das fehlende technische Know-how.

Aber immerhin! Oft genügt der erste Blick, wenn man einem netten Mann oder einer reizenden Frau begegnet.

So war es auch hier: Kurz nachdem ich mich eingeloggt hatte und mir ein Spruch für die Profilseite eingefallen war, fiel mir das helle Profil eines Mannes am SCHWARZEN BRETT ins Auge, der auch einen originellen Spruch der lesenden Gemeinde mitteilte.

Spontan machte ich ihm – um die Kommentarfunktion auszuprobieren – ein Kompliment. Seine lakonische Antwort: Ich sollte mich doch zuerst mal outen!

So fing es also an. Glücklicherweise bin ich jemand, der auf Zurechtweisungen, Kritik oder andere Formen gepflegter verbaler Aggression wie Ironie oder Sarkasmus mit der überproportionalen Gelassenheit des Alters reagiert. So auch hier. K.L. verschwand fortan völlig unter den 90.000 schweigenden Mitgliedern der Community.

Die anderen 9.000, die sich gelegentlich einbringen, und die 1.000, die laut Mitteilung des SB-Team regelmäßig für Unterhaltung sorgen, erlebe ich als sehr tolerant, liebenswürdig, hie und da bärbeißig, mitunter auch ein wenig zickig.

Außerordentlich hoch ist der „Verwöhnfaktor“ anzusetzen, der durch „Lesenswert“-Klicks und die Grußfunktion aktiviert werden kann.

Es ist durchaus hilfreich, den Gesprächston mit anderen Communities zu vergleichen. Ich kann da nur auf den Chatroom Science bei AOL, ein Philosophie-Forum, einen Zeitungs-Blog und Facebook zurückgreifen.

Im Philosophie-Forum fand ein Gemetzel in Worten statt. Der bekannte Astrologe Reinhold Ebertin wurde, nachdem er das Wort „Reinkarnation“ leichtfertig in die Debatte geworfen hatte, regelrecht gelyncht. Er verließ wortlos – und damit sehr weise – die Gruppe. Verglichen mit solchen Erfahrungen verdient Seniorbook einen Preis in Sachen Höflichkeit!

In einer realen Stadt leben Menschen mit unendlich vielen verschiedenen Begabungen. Bei SB lässt sich genau dasselbe feststellen. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus:

Fangen wir nur einmal mit dem SCHWARZEN BRETT an, das ja im Grunde aus mehreren Brettern besteht, damit die verschiedenen kreativen Erzeugnisse ordentlich aufgehängt werden können. Denn Ordnung muss schon sein – bei diesem kreativen Chaos!

So kann man neben Aphorismen Zitate von Einstein oder Khalil Gibran lesen, man kann langatmige, phantasievolle, witzige, schwärmerische, frivole bis vulgäre Gedichte lesen, unendlich viele Limericks produzieren.

Es gibt Rätsel, die nicht nach dem Namen von Käfern fragen, sondern mathematische Akrobatik erfordern, um die Schnelligkeit der Krabbelei von Käfern berechnen zu können. Rätsel, an denen man verzweifelt und sich vor sich selber nur mit seinem hohen Alter entschuldigen kann, und einfache, die einen zum schnellen „Sieger“ machen.

Rätsel sind natürlich nicht nur zum Spielen gedacht. Es gibt ja so viele Lebensrätsel, die vielleicht noch kurz vor dem Tod gelöst werden könnten:

Fragen am SCHWARZEN BRETT zu den vielen Geheimnissen von Mann-Frau-Beziehungen oder dem schillernden Wort „Zufall“ oder eine Überlegung zu den Vorzügen de Alters.

Und dann die Werkstätten! Eine Schreib-, eine Mal- und eine Demokratie-Werkstatt!

GESCHICHTEN, DIE DAS LEBEN SCHREIBT – wie viele Schriftsteller sind da zu entdecken! Spannende Krimis, Erzählungen voll knisternder Erotik, wunderbare exotische Reiseberichte neben makabren, grauenhaften Schilderungen von Vergewaltigung und sadistischen Abenteuern.

Für Augen-Menschen – der russische Arzt Mirsakarim Norbekov nennt da insbesondere die Männer – gibt es eine zauberhafte FOTOWAND und Hunderte von Mitglieder-Portraits.

Ich sah einmal eine geheimnisvolle Katze mit eng stehenden Augen, ein Tierportrait aus der Malwerkstatt, und herzförmige weibliche Pos – wer saß da Modell?

Natürlich ist auch die THEMENWELT nicht zu vergessen, wo wiederum in zahllosen Rubriken längere Beiträge veröffentlicht werden können. Exzellente SB-Autoren geben Denkanstöße, und die SBler reagieren spontan mit großer Offenheit, Ehrlichkeit, erstaunlicher Sachkenntnis oder manchmal auch nur mit vier Emoticons hintereinander, dem Ansturm der Gefühle sozusagen ausgeliefert. Mitunter ergeben sich 900 Stellungnahmen, wenn das Thema das erfordert oder zulässt.

Man lernt sich kennen, die Einstellung des anderen prägt sich ein, vielleicht deckt sie sich mit der eigenen, der Blick auf das Foto und den Namen folgt, und schon entsteht auf der inneren Leinwand eine Persönlichkeit.

Die Fähigkeit der Imagination wird geschult, birgt natürlich auch Gefahren. Neugierde stellt sich ein, der Wunsch, das Bild im Inneren mit dem Bild im Außen zu vergleichen – und schon meldet man sich bei einem User-Treffen an.

Es geht natürlich noch direkter. Da hat doch jemand tatsächlich das Wort von der Single-Börse ans SCHWARZE BRETT geheftet, und prompt gab es ganz konkrete Kontakt-Anzeigen mit Angabe des Gewichts (!) :-) usw.

Warum denn nicht? Es sind blutjunge 50-jährige in diesem Kreis, warum sollten sie (und andere) nicht diese Gelegenheit nutzen, sich einen weiteren Lebensabschnittspartner zu suchen? Sich die nächsten 50 Jahre versüßen (oder versalzen?), kann doch auch eine Option sein. :-)

Sie sehen, ich schreibe schon wieder zu viel. Ich bin ein wenig süchtig geworden wie die meisten hier unter uns.

Das ist die zweite Gefahr. Die erste ist, die Welt der Phantasie mit der Welt der Realität gleichzusetzen.

Die zweite ist, dem Zauber der virtuellen Welt zu verfallen. Geistige Kontakte sind oft gefährlicher als physische, sagen wenigstens die Theosophen, und ich denke dabei an meine eigene zehnstündige Tagessucht (vor Jahren) zurück.

Heute sind es erst zwei Stunden täglich! Zwei Stunden, in denen die Welt neue Geheimnisse preisgibt, neue interessante Menschen ins Leben kommen, neue Rezepte, neue Litertaturtipps, neue Anregungen.

Wenn man neu-gierig bleibt – das ist wichtig im Alter! – bleibt man ewig jung!

Danke, liebes SB-Team – für dieses schöne Geschenk an die ewig jungen Alten!

Seniorbook = Jahrmarkt der Eitelkeit

William Thackeray gelingt mit seinem Sittenroman „Vanity Fair“ ein Panoramabild der englischen Gesellschaft im ausgehenden 18. Jahrhundert.

Im Zentrum des Romans stehen zwei Frauen sehr unterschiedlichen Temperaments, um die eine Vielzahl von Männern kreist. Eine thematische Konstante ist die menschliche E i t e l k e i t.

Indem er die Figur eines Erzählers einführt, erscheint dem Leser das Geschehen wie ein Puppenspiel.

Ist es nur Zufall, dass mir dieser Roman, den ich vor Jahren einmal las, und vor allem sein Titel immer wieder einfällt?

Noch vor Monaten war ich von Seniorbook begeistert:

Das war das Stadium des Rausches: So viele interessante Menschen, Fotos, Themen! Wer einmal an einer Gruppentherapie teilgenommen hat oder in einem Fußballstadion saß, kennt dieses überwältigende Gefühl, Teil eines größeren Ganzen zu sein. Und bei SB ist man ja in touch with the world :-)

Jetzt – nach einem halben Jahr und der Eingliederung vieler jüngerer User – habe ich genügend Distanz gewonnen, kann mich zurücklehnen, das Foto einer älteren Frau anschauen, die sich den überraschten, neugierigen, lüsternen, entsetzten Blicken anbietet …

Stadium 2: Ernüchterung.

***

Bei SB, diesem „Jahrmarkt der Eitelkeit“ zeigt sich jeder, weil er gesehen, gehört, geliebt und verstanden werden will.

Das Netz hat längst alle zu Selbstdarstellern gemacht. Jeder hat in den Jahren seiner Netzauftritte die eigenen Stärken und Schwächen kennengelernt und vermarktet sich entsprechend.

Oft ist nicht mehr als ein Kuss-Smiley nötig, um mehr als 500 Kommentare zu erhalten, die im Schatten der Anonymität zu Kontaktanfragen mutieren, zumal das eigene – meist hübsche – Foto eben mehr als 500 mal in der kilometerlangen Plauderstrecke erscheint.

Früher gab es in der wirklichen Welt das Gegenteil, das Spießrutenlaufen. Heute ist es der shitstorm.

Diese Diskussionen am SCHWARZEN BRETT sind beides: shitstorm und lovestorm. oder besser luststorm – die englische Sprache ist da sehr hilfreich. Im Namen der Eitelkeit! Im Namen der Gier, allen zu gefallen, den Märchenprinzen oder die Prinzessin zu finden und den Konkurrenten totzuquatschen.

DAS ist natürlich der Köder von SB, den vielen jungen Alten nach der ersten – oder xten – Trennung eine Spielwiese für Partnersuchende anzubieten. Kostenlos – im Gegensatz zu Parship oder Elitepartner.

Und in der Tat! Ein Foto genügt, um eine Kontaktanfrage auszulösen, und schon trifft man sich, wenn der eine nicht gerade auf Rügen und der andere auf der Insel Mainau im Bodensee wohnt.

Andererseits haben bedächtigere und ernsthaftere Sucher großartige Möglichkeiten, sich in langen tiefsinnigen Diskussionen kennenzulernen, so dass man sich später als gute Bekannte gegenüber stehen kann.

Speed-dating hat da doch Nachteile.

Vielleicht sollte einmal ein Gerontologe eine Magisterarbeit zu diesem Thema vergeben und die Frage klären lassen, wie viele Paare schon mithilfe von SB in den vergangenen zwei Jahren zusammen gefunden haben. Die Leitung der Community könnte das dann als Erfolgsmeldung an uns alle weitergeben.

So wird das uralte Spiel mit Raffinesse, Kalkül, Erotik-„Werkstätten“ (!?) und entsprechendem Bildmaterial gespielt, und in der letzten Zeit spürt man deutlich, dass die Atmosphäre immer schwüler wird. Manche hoffen auf ein Gewitter, andere verlassen sogar mit Pauken und Trompeten ihr vorher so geliebtes SB.

***

Neben diesem Thema Nr. 1 hat sich ein weiterer Schwerpunkt herauskristallisiert, der von einer Gruppe von Personen getragen wird, die alle nicht wissen, w e r sie sind, w a r u m sie hier sind und w a s sie überhaupt auf der Welt sollen: Ich meine die Philosophen.

Zu ihnen gesellen sich dann auch merkwürdige Außenseiter der Gesellschaft, die mit Spezialwissen in Esoterik auftrumpfen, oder Theologen und Gottesleugner, die ihre Positionen in ellenlangen Wortgefechten vertreten, sich gelegentlich auf die Füße treten oder die Contenance verlieren. Ohne eine Prise Toleranz geht das nicht. Dann geht das „alles am A… des anderen vorbei“, eine idiomatische Wendung, die heute zur normalen Ausdrucksweise erwachsener gebildeter Mitteleuropäer gehört.

Die höchste Stufe der Eitelkeit wird von denen erklommen, die einen sog. Beitrag in der THEMENWELT erstellen.

Das ist die Schatztruhe, von vielen noch gar nicht entdeckt, weil das Lesen eben anstrengt und das eigene Profilbild nur dann auftaucht, wenn man sich zu einem Kommentar aufgerafft hat.

Aber der Autor oder die Autorin kann hier einen Monolog halten wie ein Held oder eine Heldin in einem Shakespeare-Drama.

Und das Volk steht und klatscht und verteilt den Lorbeerkranz „Lesenswert“.

Erst als mir vor Kurzem von einem an sich netten User mitgeteilt wurde, wie selbstverliebt ich sei, weil ich ja mit dem Schreiben gar nicht mehr aufhörte, ging mir ein Licht auf: Unterwegs auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit.

Was tun also? Tut man nichts, stellt man keine Fotos, keine Sprüche und Gedichte, keine Witze, keine autobiographischen Erotik-Offenbarungen, keine anspruchsvollen philosophischen Abhandlungen ein – so löst sich Seniorbook in N i c h ts auf!

Wir, die User, sind also so notwendig wie die Besucher auf einem Jahrmarkt. Die dürfen auch alle Buden besuchen, sich hypnotisieren oder aus der Hand lesen lassen. Sie machen den Jahrmarkt erst zu einem einträglichen Geschäft, sie sind nützlich, wenn auch ein bisschen eitel, frech, arrogant, aufreizend kokett und vulgär.

Der alte Thackeray war einfach ein zu strenger Kritiker. Hätte er gewusst, wie eitel WIR im 21. Jahrhundert sind, hätte er sich sicher für einen barmherzigeren Titel entschieden. :-)

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Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
22 aralık 2023
Hacim:
187 s. 29 illüstrasyon
ISBN:
9783957446527
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Автор
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